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Angels Complicated Lovestory...!

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12.02.21 19:07
18 Ab 18 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Mein Name ist Angel Summers. Ich finde den Namen echt cool. Tja, wäre ich doch nur so cool wie mein Name. Was gibt es über mich zu erzählen? Wenn man meinen Namen hört, dann denkt man wahrscheinlich, dass ich ein hübsches, geheimnisvolles und selbstbewusstes Mädchen bin. Naja, tatsächlich ist es genau das Gegenteil. Also zum Einen bin ich kein Mädchen, sondern ein Junge. Ob ich hübsch bin, kann ich selbst gar nicht so wirklich beurteilen. Ich denke schon, dass ich nicht unbedingt hässlich bin. Aber bin ich hübsch? Keine Ahnung. Aber ich bin auf jeden Fall alles andere als beliebt. Ich bin ein schwuler Teenager, der sich auch gerne mal androgyn kleidet. Beim Kaufen meiner Klamotten gehe ich auch oft mal in die Frauenabteilung. Für Frauen gibt es einfach viel schönere Sachen. Doch meistens trage ich schwarze Jeans und schwarze Shirts, wo auch mal der ein oder andere farbige Eyecatcher zu finden ist. Ab und zu findet auch das ein oder andere Make-Up den Weg in mein Gesicht. Ich höre leidenschaftlich gerne Rock Musik. Allerdings meistens so in der Symphonic-Metal Richtung. Auf meiner alten Schule waren mein Style und meine Sexualität ein großes Thema. Dort war ich nur der Schwuchtel – Emo! Nun, jetzt gehe ich auf eine andere Schule. Diese ist im Vergleich zu meiner alten, mit einem guten Ruf versehen. Okay, ich weiß natürlich, dass ein guter Ruf nicht immer etwas zu bedeuten hat. Aber meine Hoffnungen sind groß. Schlimmer als auf der anderen Schule kann es doch nicht werden, oder? Immerhin ist mein Leben schon schwer genug! Dass ich schwul bin, wissen meine beste Freundin Ava (die ebenfalls auf meine neue Schule geht) und meine Geschwister Kian und Suri (gehen auch auf meine neue Schule) und natürlich meine alten Klassenkameraden. Meine Eltern haben davon keine Ahnung. Meinem Vater kann ich es nicht erzählen, denn er ist wahrscheinlich der größte Schwulenhasser, den ich kenne. Als er 18 war, erfuhr er, dass sein Bruder schwul ist. Und seitdem hat er nie wieder ein Wort mit ihm gesprochen. Das ist jetzt 30 Jahre her und es sieht nicht danach aus, als würde es sich ändern. Zu meinem Onkel Dario habe ich übrigens ein tolles Verhältnis (wovon mein Dad auch nichts weiß). Ich bin oft heimlich bei ihm und seinem Mann Steve. Sie wissen beide ebenfalls, dass ich schwul bin, und sie unterstützen mich, wo sie können. Meiner Mum kann ich auch nichts von meiner Sexualität erzählen, denn sie würde es vermutlich meinem Vater erzählen. Doch manchmal glaube ich, dass sie etwas ahnt. Denn während sie mich bei allem, was ich tue unterstützt, versucht mein Vater mich ständig zu einem „richtigen Mann" zu erziehen. Meine Situation ist also total kompliziert. Und dann war ich auch noch auf einer Schule, wo ich wegen meiner Sexualität gemobbt wurde. Hoffentlich habe ich auf der neuen Schule mehr Glück. Aber wirklich dran glauben tue ich nicht...

 

„Angel stehst du bitte auf? Es gibt Frühstück." Meine Mutter streckt ihren Kopf durch meine Zimmertüre und spricht mich etwas lauter an. In ihrer Stimme kann ich erkennen, dass sie sich wohl über etwas aufgeregt hat. Wenn ich wetten könnte, dann würde ich tippen, dass es wegen meines Dad ist. Die beiden streiten mittlerweile fast täglich. Und das meistens lautstark. „Alles klar, Mum, ich komme gleich runter." Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, geht sie wieder raus und lässt mich alleine. Langsam stehe ich auf und gehe mich duschen. Danach ziehe ich mich an und gehe in die Küche. Dort angekommen werde ich direkt von meinem Dad empfangen, der die Augen verdreht. „Junge, du hast schon wieder so unmögliche Klamotten an. Kannst du dich nicht mal vernünftig kleiden? So wie andere Jungs in deinem Alter?" „Die Sachen gefallen mir, Dad. Und deshalb trage ich sie auch." Ich verstehe einfach nicht was er ständig an meinen Sachen auszusetzen hat. Ja, meine schwarze Jeans hat Löcher, aber das ist heute angesagt. Fast jeder trägt das so. Und ich trage ein schwarzes T-Shirt mit roten Sternen darauf. Sterne mag ich auch. Also was ist sein beschissenes Problem? Es ist einfach jeden Tag das Gleiche! Eigentlich sollte es mich langsam echt kalt lassen, aber das tut es nicht. Es versetzt mir jedes Mal einen Stich, wenn er wieder auf mir rumhackt. Und wenn es nur meine Klamotten sind. Es nervt! Gerade will mein Vater wieder aufbrausen, da versucht meine Mum die Situation zu beruhigen. „Lass den Jungen doch tragen, was er will. Er findet es schön und ich finde auch, dass ihm die Sachen gut stehen. Hör doch endlich auf, unseren Sohn ändern zu wollen." Man erkennt an Mums aggressivem Tonfall, dass sie wütend ist. Sie muss sich echt beherrschen, nicht auszurasten. Ihre Worte zischt sie in einem wütenden Ton, der mich und meine Geschwister zusammenzucken lässt. Sagte ich eben noch, dass Mum versucht, meinen Vater zu beruhigen? Sie hat eher das Gegenteil erreicht. Denn er nimmt die Worte meiner Mum als Anlass, wieder komplett auszurasten. „Ich versuche einfach unserem Sohn beizubringen, wie sich ein Mann zu kleiden hat. Was ist daran so falsch? Willst du, dass er sich zu einer Schwuchtel entwickelt? Also ich nicht. Deshalb achte ich darauf. So wie er aussieht, wird er niemals eine Freundin finden." Seine Worte hat mein Vater eher gebrüllt als normal gesprochen. Weshalb ich nun sehr stark zusammengezuckt bin. Das nutzt er aus, um direkt nochmal auszurasten. „Mensch Junge, benimm dich doch nicht wie so eine Pussy. Du bist ein richtiges Weichei. Das musst du echt ablegen." Dazu sage ich nichts mehr, sondern stochere niedergeschlagen in meinem Müsli rum. Versteht ihr nun, warum ich meinem Vater nicht die Wahrheit sagen kann? Er würde mich enterben und verstoßen, wenn er es wüsste. Ja, er benimmt sich echt scheiße, wenn es darum geht. Aber er ist trotzdem mein Dad. Und ich liebe ihn. Also muss ich es vor ihm geheim halten. Würde er es erfahren, dann wäre hier die Hölle los. „Schatz, was hast du denn heute so vor an deinem letzten Tag, bevor du auf die neue Schule gehst?" Mum lächelt mich an und versucht extra, meinen Vater zu ignorieren. „Ehm, ich treffe mich heute mit Ava, wir wollen den letzten Tag zusammen genießen." Das ist übrigens nicht ganz die Wahrheit. Ich treffe mich zwar später mit Ava, aber vorher fahre ich zu meinem Onkel. Aber das kann ich meinem Vater natürlich nicht sagen. Meine Mum nickt lächelnd und wendet sich dann an meine Geschwister. „Und was habt ihr so vor?" Kian lehnt sich lässig in seinem Stuhl zurück und lächelt. „Ich gehe mit den Jungs Football spielen und dann mit ihnen und ein paar Mädels an den See." Mein Bruder Kian ist einer der beliebtesten Jungs der Schule. Er ist Teil der Schulfootballmannschaft. Mein Vater ist wahnsinnig stolz auf ihn, denn Kian ist halt typisch Mann. So wie mein Vater auch mich gerne hätte. Kian ist perfekt durchtrainiert, er ist beliebt, gut in der Schule und ein echter Mädchenschwarm. Wir sind 11 Monate auseinander, was er mir aus Spaß immer wieder unter die Nase reibt. Wahrscheinlich denken die meisten jetzt, dass wir nicht gut miteinander klarkommen, aber so ist es tatsächlich nicht. Wir haben ein tolles Verhältnis zueinander. Ich liebe ihn über alles, genau wie ich meine Schwester Suri liebe. Sie ist 15 und fast schon eine sehr gute Freundin. Die zwei sind, neben meinem Onkel Dario und seinem Mann Steve, meine Stütze in der Familie. Suri ist Cheerleaderin an der Schule und ihre beste Freundin ist der Kapitän der Cheerleader. DALIA! Ich mag sie nicht und ich glaube, sie mag mich ebenfalls nicht. Dalia ist extrem eingebildet und hält sich für die Geilste. Ist sie aber meiner Meinung nach nicht. Naja egal, ich möchte jetzt echt nicht über sie nachdenken. Ich bin froh, dass ich jetzt nicht nur auf die gleiche Schule wie Ava gehe, sondern auch wie meine Geschwister. Die Beiden sind immer für mich da und beschützen mich, vor allem Kian. Daher hoffe ich einfach, dass ich es in der neuen Schule besser haben werde. Aber hoffen und spekulieren bringen nichts. Ich muss mich einfach darauf einlassen. Wird schon alles gut! Hoffe ich! „Siehst du, dein Bruder verhält sich ganz normal. Er macht Dinge, die völlig normal für Männer sind. Nicht so wie du, im Zimmer irgendwelche Gedichte und so einen Kram schreiben." Mein Vater verdreht die Augen und schaut dann wieder grimmig in meine Richtung. Ja, ich schreibe Gedichte und auch manchmal Songs. Das kann ich gut und es macht mir Spaß, aber das versteht mein toller Dad ja nicht. Wenn es nach ihm ginge, dann würde ich den ganzen Tag Football spielen und an Autos schrauben. Aber das interessiert mich einfach nicht. Nur leider kann er das ja nicht akzeptieren. „Dad, lass Angel doch seine Hobbies. Die Sachen, die er schreibt sind wirklich gut und er hat Talent. Er muss doch nicht irgendeinen Sport machen, um ein Mann zu sein. Du solltest endlich mal verstehen, dass wir einfach unterschiedlich sind. Wären alle Menschen gleich, dann wäre es doch langweilig." Bei diesen Worten lächelt Kian mich an. Und ich bin ihm wie so oft dankbar, dass er sich für mich einsetzt. Ich kann sehen, dass bei meinem Vater die Halsschlagader bedrohlich anfängt zu pulsieren. Gerade will er wahrscheinlich wieder anfangen auf mir rumzuhacken, als meine Mutter ihm zuvor kommt. „Michael, sei jetzt endlich still und lass den Jungen in Ruhe. Angel ist toll, genau so wie er ist. Hör auf, ihn ständig ändern zu wollen. Du bist einfach ein furchtbarer Mensch und langsam fängst du echt an mich zu nerven mit deinem ständigen Meckern." „Sag mal geht's noch? Nur weil du zulässt, dass sich unser Sohn zu einem armseligen Opfer entwickelt, muss ich das nicht zulassen. Der Junge wird langsam aber sicher zu einer Schande für diese Familie und das werde ich hier nicht dulden. Ich ziehe keinen Versager groß." >> Klatsch<< Meine Mum hat meinem Dad ohne Vorwarnung eine geknallt. Der Schlag hatte ordentlich Bums, denn seine Wange wird sofort rot. Kurz ist er zu perplex um etwas zu sagen, doch dann steht der Vulkan kurz davor zu explodieren. Das ist für meine Geschwister und mich das Signal, die Küche so schnell es geht zu verlassen. Wir wissen, dass unser Dad niemals eine Frau schlagen würde. Hätten wir auch nur den kleinsten Verdacht, dass er ihr was tun würde, dann würden wir bleiben. Doch beim gegenseitigen Anbrüllen wollen wir nicht anwesend sein. Meine Eltern streiten sich in letzter Zeit sehr oft. Meistens bin ich daran schuld. Naja, eigentlich immer! Ich spüre, wie mir die Tränen kommen, doch ich versuche krampfhaft, sie zu unterdrücken. Die Worte meines Vaters tun jedes Mal einfach so sehr weh. Warum kann er mich nicht lieben und akzeptieren, so wie ich bin? Stattdessen macht er mich ständig fertig, weshalb meine Mum immer wieder mit ihm streitet. Meine Familie ist fast am Ende! Und ich bin daran schuld.

 

 

 

 

 

 

 

Könnt ihr Angels Gedanken verstehen? Oder findet ihr, dass er keine Schuld hat ?��

„Mach dir keinen Kopf Angel. Unser Vater wird sich irgendwann noch einkriegen und die Dinge anders sehen." Kian versucht mich mit seinen Worten zu beruhigen, aber das funktioniert nicht wirklich. „Nein, er wird sich nicht beruhigen oder die Dinge anders sehen. Du hast ihn gehört, Kian. Ich bin eine Schande für die Familie. Er hasst mich und das obwohl er noch nicht mal weiß, dass ich schwul bin. Würde er es wissen, dann würde er mich im hohen Bogen rauschmeißen. Vorausgesetzt ich habe Glück, denn wenn ich Pech habe, dann versucht er vorher die „Schwuchtel" aus mir heraus zu prügeln." Ich hasse dieses Wort, aber ich weiß, dass ich genau das für meinen Vater wäre, wenn er die Wahrheit wüsste. Traurig schaue ich auf den Boden und merke dann, wie meine Schwester ihren Arm um mich legt. Eben habe ich noch versucht, meine Tränen zu unterdrücken, aber das kann ich jetzt einfach nicht mehr. Plötzlich bricht es aus mir heraus und ich fange bitterlich an zu weinen. Mit jedem Mal, wo mein Vater auf mir herumhackt, kann ich spüren, wie mein Herz ein klein wenig mehr bricht. Die Frage ist, wie lange halte ich es noch aus, bevor mein Herz endgültig in 1000 Teile zerbricht? Ich fange immer mehr an zu weinen, weshalb Suri mich nun fest in den Arm nimmt. Und dann ergreift Kian wieder das Wort.

„Angel, du weißt, dass ich niemals zulassen würde das er dich schlägt oder rausschmeißt oder? Solange ich lebe, wird dir nie wieder jemand Gewalt antun. Das habe ich mir geschworen, als du deine alte Schule verlassen hast." Sein Tonfall ist sanft und freundlich und er schenkt mir ein warmes und liebevolles Lächeln. Dafür liebe ich meine Geschwister, denn sie sind einfach immer für mich da. Ohne sie könnte ich das alles gar nicht aushalten. Auch wenn ich das nicht will, wandern meine Gedanken zu Kians letzten Satz. Genauer gesagt, zu dem Teil mit der alten Schule. Ich schlucke und merke dabei wie mir schlecht wird.

Seit meine Mum mich von der Schule weggeholt hat, haben wir nie wieder darüber gesprochen, was damals alles passiert ist. Das war vor einem halben Jahr. Seitdem war ich zu Hause und habe versucht, die Sachen zu verarbeiten. Zu schlimm sind die Erinnerungen an die alte Schule und an ihn...LAURIN! Bevor ich mit Laurin zu tun hatte, hätte ich niemals gedacht, dass man vor einem Menschen so schreckliche Angst haben kann. Wenn ich ihn von weitem auf mich zukommen sehe, dann wechsle ich blitzschnell die Straßenseite, oder kehre um. Wenn ich alleine irgendwo bin, schaue ich mich an manchen Tagen, nach jedem Schritt um. Das tue ich um sicherzustellen, dass er nicht plötzlich hinter mir auftaucht. Laurin ist nicht nur ein übler Mobber, er ist ein Monster. Noch immer habe ich oft Alpträume wegen ihm, manchmal wache ich schreiend auf. Meistens kommen Kian und Suri dann in mein Zimmer gestürmt um mich zu trösten. Unsere Eltern bekommen das nie mit, da sie auf einer anderen Etage liegen. Unser Haus hat 2 Etagen und meine Eltern schlafen unten, während wir 3 oben liegen. Ich bin Suri und Kian unendlich dankbar, dass sie es unseren Eltern nie erzählen. Und ebenfalls dankbar bin ich dafür, dass sie mich nicht zwingen über die Sache mit Laurin zu sprechen. Ich will die Vergangenheit einfach nur vergessen. Leider ist das nicht so einfach, wenn dein Dad ständig davon anfängt. Und das nicht gerade nett. Er sagte ständig so Sachen wie: „Bist doch selbst schuld, wenn du dich wie so eine ekelhafte Tunte benimmst. So etwas hätte ich auch verprügelt!"

 

Ja, sowas muss ich mir immer wieder von ihm anhören. Ich glaube, dass er mich gar nicht mehr liebt. Das tut er glaube ich schon nicht mehr, seit ich in die Junior High gekommen bin. Egal was ich versuche, nichts ändert daran etwas. Alles was ich mir wünsche, ist die Liebe und Unterstützung meines Vaters. Ich liebe ihn doch! Der nächste Schwall Tränen bricht heraus. Es schmerzt einfach so sehr nicht vom ihm akzeptiert zu werden. „Ja, ich weiß, Kian. Und ich bin wirklich froh, dass ich euch beide an meiner Seite habe. Ohne euch würde ich wahrscheinlich längst durchdrehen." Beide umarmen mich und wir lächeln uns an. Als keiner von uns mehr etwas sagt, können wir unsere Eltern in der Küche immer noch streiten hören. Und das obwohl wir draußen auf der Treppe sitzen.

 

Um den Streit unserer Eltern nicht weiter hören zu müssen, gehen wir zusammen zu Kians Auto. Da er fast 17 ist, hat er schon eins. Ein schönes Teil. Und nicht gerade billig. Natürlich hat er den von unserem Dad bekommen, von wem auch sonst. Wann immer es sich ergibt, nimmt er uns beide mit. „Steigt ein, ihr zwei. Angel ich nehme an, dass du nicht den ganzen Tag mit Ava verbringst? Viel eher hattest du wahrscheinlich vor, zu Onkel Dario zu fahren?" Ich grinse leicht. Meinen Geschwistern kann ich echt nichts vormachen, sie durchschauen mich immer sofort. „Ja das ist richtig. Wir haben gestern Abend telefoniert und er hat mich zu sich und Steve eingeladen." „Alles klar, wir fahren dich hin, oder Suri?" „Klar, fahr los. Dann kann ich Onkel Dario auch nochmal Hallo sagen." Meine Geschwister haben ebenfalls , wenn auch heimlich, ein gutes Verhältnis zu Dario und Steve. Dad würde komplett ausrasten, wenn er es wüsste. Keine 20 Minuten später parken wir vor dem Haus unseres Onkels. Zusammen gehen wir zur Haustür und Kian klingelt. Nur ein paar Sekunden später öffnet unser Onkel uns auch schon die Tür. Als er uns drei sieht, strahlt er vor Freude und winkt uns herein. „Oh, wie schön euch alle drei zu sehen, kommt doch rein."

 

Das tun wir dann auch. Im Wohnzimmer werden wir dann auch schon von Steve empfangen. Suri umarmt unseren Onkel und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Dann macht sie das Gleiche bei Steve. Und als auch Kian die beiden mit Umarmungen, aber ohne Küsse auf die Wange, begrüßt hat, bin ich dran und umarme die beiden ebenfalls. „Wollt ihr drei etwas trinken? Habt ihr schon gefrühstückt?" Freudig schaut Dario uns an. „Für mich und Suri nichts, Onkel. Aber Angel hat heute nur in seinem Müsli rumgestochert. Er könnte etwas vertragen. Suri und ich sind gleich verabredet. Wir wollten Angel nur hier absetzen. Und am besten packst du zum üppigen Frühstück noch ein paar fette Umarmungen und aufmunternde Worte obendrauf." Verständnislos stöhnt Dario auf und verdreht die Augen. „Lasst mich raten, mein lieber Bruder hat mal wieder auf Angel rumgehackt?" „Ja das hat er. Kian und ich wären am liebsten dazwischen gegangen. Aber dann hat Mum ihm schon eine verpasst. Danach sind wir dann gegangen. Hatten keine Lust, uns wieder diesen ganzen Mist anzuhören. Dad hat Angel als größte Schande der Familie bezeichnet. Kennst ihn ja." Suri schüttelt verständnislos den Kopf. Onkel Dario tut es ihr gleich. „ Komisch, eigentlich dachte ich immer, ich wäre die größte Schande der Familie. Dieser Mann kann sich aber auch echt nicht entscheiden. Nun gut, ihr könnt dann jetzt zu euren Verabredungen gehen. Steve und ich kümmern uns um euren Bruder." Suri und Kian machen sich zum Aufbruch bereit, nachdem Kian ein kurzes „Danke" in den Raum geworfen hat. Zum Abschied drücken mich sowohl Suri, als auch Kian noch einmal an sich. Kian hält mich etwas länger, als gewöhnlich im Arm, ehe er mir schließlich ein warmes Lächeln schenkt, was mich automatisch mitlächeln lässt.

 

"Lass den Kopf nicht hängen, kleiner Bruder. Wir haben doch uns. Krone richten und weiter geht's." Ich nicke, auch wenn der dicke Kloß in meinem Hals, der seit dem Frühstück mein Begleiter an diesem Morgen ist, bereits wieder an zu schwellen beginnt. "Danke", hauche ich schwach, denn zu mehr fühle ich mich in diesem Augenblick auch nicht in der Lage. Was würde ich nur ohne Kian tun? Was würde ich ohne meine Geschwister, meinen Onkel und Steve bloß anfangen? Ohne ihre Unterstützung... daran mag ich gar nicht denken. Nachdem meine Geschwister gegangen sind, bin ich nun mit Dario und Steve alleine. Mein Onkel nimmt sich Kians Worte zu Herzen und zaubert im Eiltempo ein üppiges Frühstück. Währenddessen zeigt mir Steve Fotos vom letzten Urlaub der beiden. „Angel, du musst unbedingt mal mit uns in den Urlaub fliegen. Die Karibik ist wunderschön. Und auch Australien und Afrika sind unglaublich." Wenn ich mir die Bilder von weißen Sandstränden, türkis-blauem Wasser und wunderschönen Sonnenuntergängen ansehe, dann glaub ich ihm sofort. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass es so schöne Orte auf der Welt gibt. Klar, Los Angeles ist auch toll, aber das kann man mit solch schönen Orten nicht vergleichen.

„Oh, ich würde wirklich sehr gerne mal mitkommen, aber ihr wisst, dass es nicht geht." Steve schaut kurz traurig zu Dario, bevor er wieder anfängt zu sprechen. „Stimmt, das geht ja nicht wegen deines Dads. Es ist so schade, dass er so ein festgefahrener und verbohrter Blödmann ist." „Tja, ich hasse es ja, das ich ihm noch nicht mal sagen kann, dass ich Kontakt zu Onkel Dario habe. Ich verstehe ihn einfach nicht. Es ist immerhin sein Bruder." Dario hat gerade die letzten Sachen auf den Tisch gestellt, als er niedergeschlagen aufstöhnt. „Weißt du Angel, dass mein Bruder seit 30 Jahren nicht mit mir geredet hat, weil ich schwul bin? Das tut auch jetzt noch unglaublich weh. Er ist immerhin mein Bruder und ich vermisse ihn. Aber 30 Jahre sind eine lange Zeit und ich glaube nicht daran, dass er sich jemals ändern wird. Dein Vater wird mich nie wieder als seinen Bruder ansehen. Für ihn bin ich gestorben, weil ich Frauen nicht so lieben kann, wie er es tut. Das muss ich akzeptieren. Aber du solltest dir nicht alles von ihm gefallen lassen. Es ist egal, ob er dein Vater ist oder nicht. Du bist ein wertvoller Mensch Angel. Ja, du bist schwul. Na und? Dieses Thema ist für Kids in deinem Alter schon so alles andere als einfach. Ich weiß es. Immerhin habe ich mich mit 17 getraut, mich zu outen. Und das war verdammt schwer. Davor habe ich jahrelang mit mir gekämpft. Habe mich für meine Gefühle gehasst, habe mich gefragt, warum ich so ein Monster bin. Und ich habe mich gezwungen, hetero zu sein. Ich hatte sogar eine Freundin."

Ich reiße überrascht die Augen auf. „Du hattest eine Freundin? Das wusste ich ja gar nicht." „Ja, hatte ich. Da war ich 15. Wir waren ein Jahr zusammen. Dieses Jahr war für mich eine emotionale Qual. Mit ihr hatte ich sogar mein erstes Mal. Und ich fand es grauenhaft. Mit einem Mädchen zu schlafen fühlte sich einfach nicht richtig an. Irgendwann habe ich dann mit ihr Schluss gemacht und ihr war sofort klar, dass ich schwul bin. Deshalb war es für sie auch okay. Wir waren danach noch befreundet. Und sie war es schließlich, die mich ermutigt hat mich vor meiner Familie zu outen." Es ist einfach immer interessant, neue Dinge über Dario zu erfahren. „Wie haben Oma und Opa denn auf dein Outing reagiert?"

„Ganz anders als dein Vater. Mum und Dad haben mich verstanden und mir ihre volle Unterstützung zugesagt, egal wohin mein Weg mich führen würde. Sie wollten nur, dass ich glücklich bin. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich für wahnsinnige Angst vor dem Outing hatte. Okay, vermutlich kannst du es doch, denn du ringst ja selbst mit dir. Aber zum Glück haben beide positiv reagiert und mich verstanden. Dadurch fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Dadurch war ich motiviert, es auch meinem Bruder zu sagen. Doch dein Vater war da ganz anders. Er kam auf mich zu und schlug mehrmals auf mich ein. Dein Opa hielt ihn zurück, doch da lag ich schon auf dem Boden. Dein Vater hat mir eine Rippe und die Nase gebrochen. Und als ich da so lag und mein Vater ihn zurückhielt, da spuckte er mich an. Noch am selben Tag zog dein Vater aus. Als Begründung sagte er: 'Ich will nicht mit so einer abartigen Schwuchtel in einem Haus leben. Tritt mir bloß nie wieder unter die Augen, sonst bringe ich dich um. Sowas Ekelhaftes wie du gehört abgeschlachtet!" Das waren seine letzten Worte an mich. Du siehst, dein Dad hat eine Meinung und nur die ist richtig."

Bei seiner Erzählung fängt er an zu weinen und er versucht eindeutig, nicht völlig zusammenzubrechen. Man merkt ihm an, dass er auch nach 30 Jahren nicht damit klarkommt. Auch mir kommen die Tränen, wenn ich ihn so traurig und verzweifelt sehe. Wie kann mein Dad nur so sein? Zu seinem eigenen Bruder? Das ist doch krank. Es scheint ihn noch immer förmlich zu zerreißen. Diese Wunden können auch nach 30 Jahre nicht heilen. Warum ist Dad so? Würde er seine Drohung wirklich wahrmachen? Würde er Onkel Dario wirklich umbringen, wenn sie sich jemals wieder sehen würden? So viele Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Kann ein Mensch wirklich so grausam sein? Das will ich irgendwie nicht glauben. Ich schlucke und mir wird schlagartig schlecht.

 

 

 

Was denktihr über die Geschichte, die Dario erzählt hat? Ziemlich übel oder ? Lasst mir gerne eure Meinung dazu da��

Angespannt und sichtlich nervös stelle ich die Frage, die mir gerade im Kopf rumschwirrt.

„Hast du Angst vor ihm wegen dieser Drohung, Onkel?" „Ehrlich gesagt ja! Er hat mich damals so hasserfüllt angesehen, so hat mich noch nie jemand angeschaut. Und ich weiß, dass er es ernst meinte. Ob er es heute immer noch so sieht, weiß ich nicht. Aber wenn ich ehrlich bin, dann will ich es nicht herausfinden." Dario weint noch immer und in seinen Augen kann ich neben der Trauer auch große Angst sehen. In was für einer kranken Welt leben wir eigentlich? Ein erwachsener Mann, der Todesangst vor seinem Bruder hat? Das sollte so nicht sein. Ich nicke verstehend, denn ehrlich gesagt bin ich mit der Situation überfordert.

Was ich da gerade gehört habe, jagt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Ich sehe meinen Dad jetzt irgendwie mit anderen Augen. Und plötzlich kommt mir ein schlimmer Gedanke. 
Würde er...? Zögerlich stelle ich meinem Onkel die Frage, die mich gerade quält. „Glaubst du, er würde mir etwas antun, wenn er wüsste, dass ich schwul bin? Immerhin bin ich sein Sohn. Sein Fleisch und Blut! Andererseits bist du sein Bruder und er hat so etwas zu dir gesagt, weshalb du immer noch Angst hast."

Mitleidig schaut mein Onkel mich an und ihm Augenwinkel kann ich erkennen, dass Steve mich ebenfalls mitleidig anschaut. Der Kloß, der sich gerade wieder in meinem Hals bildet, droht mich zu ersticken.

„Keine Ahnung, Angel. Ich hoffe es wirklich nicht. Irgendwie will ich nicht wahrhaben, dass mein Bruder wirklich so grausam sein könnte. Aber weißt du, was ich weiß?"

Ich schüttle nur den Kopf. „Du hast etwas, was ich damals nicht hatte. Geschwister, die auf mich aufpassen. Kian würde niemals zulassen, dass dein Vater dir etwas antut. Das weißt du doch hoffentlich, oder?" „Ja, du hast Recht. Ich bin echt froh, dass ich Kian habe und auch Suri. Die beiden beschützen mich, wo sie nur können." „Siehst du? Dir wird nichts passieren. Aber jetzt lass uns am besten das Thema wechseln. Steve und ich wollen heute ein bisschen im Garten arbeiten. Magst du uns helfen? Du bleibst doch sicher noch, oder?" „Klar helfe ich euch. Ava und ich treffen uns erst heute Nachmittag. Ich habe also noch Zeit."

Steve und Dario lächeln mich beide an und ich lächle zurück. Dann frühstücken wir in Ruhe weiter. Aber meine Gedanken kreisen immer wieder zu meinem Vater. Und langsam bekomme ich wirklich Angst vor ihm.

Zwei Stunden später sind wir schon fleißig im Garten. Ich mähe den Rasen, während mein Onkel sich um die Rosen kümmert. Steve befreit unterdessen die Beete von Unkraut. Im Garten findet man wirklich die verschiedensten Pflanzen. Von Rosen über Sonnenblumen bis hin zu Tulpen. Wenn man den Garten betritt, dann sieht man vor sich ein Meer aus bunten Schönheiten.

Es haben sich echt die zwei Richtigen gefunden. Beide haben eine Leidenschaft für schöne Dinge und beide haben den sogenannten grünen Daumen.

Dafür habe ich sicher kein Talent. Bei mir gehen einfache Topfpflanzen schon meistens ein. Spricht also nicht gerade für einen grünen Daumen.

Mein Talent bezieht sich eher auf das Schreiben.

So, als könnte mein Onkel meine Gedanken lesen, ergreift er das Wort.

„Schreibst du eigentlich noch Angel?" „Ja, ab und zu noch. Meine Gedanken häufen sich manchmal so sehr, dass ich sie mal ordnen muss. Und das geht am besten durch Aufschreiben." Steve lächelt mich an und legt eine Hand auf meine Schulter. „Hör bloß niemals damit auf. Ich kenne deine Texte und du bist wirklich gut. Das solltest du weiter verfolgen." „Mach ich auf jeden Fall. Danke Steve!" Ich bin froh, dass Steve, Dario, Kian und Suri meine Leidenschaft zu schätzen wissen.

Die restliche Zeit sprechen wir über Gott und die Welt. Das lenkt mich super von meinem Leben ab und das wissen die beiden auch.

Am Nachmittag bin ich auf dem Weg zu Ava. Wir haben ausgemacht, dass wir uns erstmal bei ihr treffen und dann zusammen in die Stadt gehen.

Ich bin zu Fuß unterwegs, weshalb ich meine Kopfhörer aufgesetzt habe. Ich höre eigentlich immer Musik, wenn ich alleine unterwegs bin. So komme ich am besten zur Ruhe und kann die Realität für eine Weile abschalten. Warum also sollte es jetzt anders sein?

Gerade bekomme ich eine Nachricht von Kian. Während ich sie lese und dabei die Musik in den Ohren dröhnt, bekomme ich nicht wirklich mit, wo ich hinlaufe.

>>Knall<< Ich lande schmerzhaft auf dem Boden und reiße mir sofort die Kopfhörer raus. Mein Oberschenkel schmerzt ordentlich. Aber ich habe keine Zeit, mich weiter damit zu befassen. Denn ich sehe mich um. Und was ich sehe, lässt mein Herz höher schlagen und mir stockt für einen kurzen Moment der Atem. Über mir steht ein Junge. Er sieht mich an und lächelt entschuldigend. „ Es tut mir leid..., i-...ich habe nicht richtig aufgepasst... w... wo ich hinlaufe." Den Satz stammle ich eher, als das ich ihn vernünftig sage. Denn ich bin abgelenkt vom Anblick des Jungen über mir. Er ist blond, hat blaue Augen und scheint ungefähr so groß zu sein wie ich. Da er ein Muskelshirt trägt, kommen eben diese bei ihm gut zur Geltung. Und seine Muskeln gefallen mir, ebenso wie der Rest von ihm. Sein Gesicht sieht aus, als hätte ein Engel es gemalt. Noch nie zuvor habe ich einen so schönen Menschen gesehen.

„Ach, das macht doch nichts. Ich habe auch nicht wirklich aufgepasst, wo ich hinlaufe. Ist bei dir alles okay?" Ich nicke nur, weil ich immer noch zu fasziniert bin. Er reicht mir seine Hand und hilft mir auf. Als ich seine Hand berühre, fängt es in meinem Körper furchtbar an zu kribbeln. Und ich kann spüren, wie ich anfange zu schwitzen, weil ich so nervös bin. „Nun, ich muss leider weiter. Kleiner Tipp, Handy und Musik gleichzeitig ist eine schlechte Idee." Er zwinkert mir zu und bevor ich noch etwas sagen kann, ist er auch schon wieder weg. Ich starre ihm mit offenem Mund und pochendem Herzen hinterher. Wer war das?

Ich höre, wie mich meine innere Stimme anschreit. Verdammt Angel, warum hast du ihn nicht nach seinem Namen gefragt? Ihr werdet euch doch sicher nie wieder sehen.

Obwohl es wahrscheinlich nichts bringen würde ihn wiederzusehen. Er steht bestimmt nicht auf Jungs. Ich brauche mir also gar nichts einreden.

Schnell, aber ohne Musik, bringe ich die restliche Strecke zu Ava hinter mich. Völlig außer Atem klingle ich bei ihr.

Es dauert keine fünf Sekunden, da öffnet sie mir auch schon die Tür.

Stürmisch trete ich ein, was sie sofort kommentiert.

„Hey, bist du auf der Flucht oder warum stürmst du hier so schnell rein?" Sie grinst mich an und ich versuche nach Luft zu schnappen.

„Ich muss dir etwas erzählen. Du glaubst nicht, was mir gerade eben passiert ist. Ich war auf dem Weg zu dir und du weißt, dass ich beim Laufen immer Musik höre. Genau das habe ich jetzt auch getan. Dann hat Kian mir geschrieben, weshalb ich beim Laufen und Musik hören aufs Handy geguckt habe. Plötzlich bin ich mit jemandem zusammengestoßen. Als ich nachgeschaut habe, mit wem ich da zusammengestoßen bin, habe ich in ein Gesicht gesehen, wie von Engeln gemalt. Er hat mir aufgeholfen und ist dann wieder verschwunden. Keine Ahnung, wie er heißt und ich werde ihn wohl auch nie wieder sehen, aber sein Anblick geht mir nicht mehr aus dem Kopf." Nach Luft ringend stütze ich mich an der Couch ab, während ich meine andere Hand gegen meine Rippen drücke. Da ich gerannt bin, schmerzt meine Rippe nun ziemlich und meine Luft will auch noch nicht so wirklich zurückkommen. Ich habe so schnell geredet, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie überhaupt alles verstanden hat. Verträumt und traurig zugleich schaue ich meine beste Freundin an. Sie grinst!

Moment, warum grinst sie? Was ist daran so lustig? Das ist echt deprimierend. Ich werde ein wenig sauer. Immerhin habe ich ihr gerade erzählt, dass ich meinem absoluten Traumprinzen begegnet bin, den ich garantiert nie wieder sehen werde. Und sie hat nichts Besseres zu tun als zu grinsen? Ich schaue sie böse funkelnd an, was sie wieder grinsen lässt.

„Lass mich raten, blond, blaue Augen, Sixpack und das Schönste, was du jemals gesehen hast?" „Ehm, ja. Woher weißt du das? Kennst du ihn etwa?" Ihre Worte überraschen mich gerade völlig, weshalb ich sowohl Mund als auch Augen aufreiße.

„Das war Jay Harper. Er geht auch auf unsere Schule. Alle Mädchen und schwulen Jungs stehen auf ihn. Und alle hetero Jungs wollen so sein wie er. Jay ist der Star der Footballmannschaft. Dein Bruder kennt ihn auch. Sie sind sogar befreundet." Jetzt bin ich noch überraschter. „Wieso habe ihn denn noch nie bei uns gesehen?" „Jay ist ein verwöhnter, reicher Junge. Er trifft seine Freunde nur an den nobelsten Orten, vor allem bei sich zu Hause. Aber ich möchte nicht zu viel erzählen. Mach dir morgen selbst ein Bild."

Sie hat Recht, das werde ich wohl tun. Aber ich bin gerade einfach nur glücklich, dass ich ihn doch tatsächlich wiedersehen werde. Und das sogar schon morgen. Würde meine Rippe nicht immer noch wehtun und würde ich endlich mal wieder Luft bekommen, dann hätte ich jetzt Luftsprünge machen können. So sehr freue ich mich gerade, dass ich diesen wunderschön Menschen wiedersehen werde.

Jetzt freue ich mich wirklich total auf morgen...



 

Ist da jemand verknallt? :D Was denkt ihr? :D

 

Am nächsten Morgen liege ich noch so lange wie möglich im Bett. Keinen Bock, meinem Dad vor der Schule zu begegnen. Ich war gestern noch eine ganze Weile bei Ava. Wir haben noch sehr viel über die Schule geredet. Eigentlich wollten wir ja in die Stadt gehen. Allerdings haben wir uns dagegen entschieden, weil ich noch zu mitgenommen war, von meiner Begegnung mit Jay.

JAY! Dieser Name klingt genauso traumhaft, wie er aussieht. Ich habe ständig versucht, Ava noch weitere Informationen über diesen Kerl zu entlocken, aber sie schwieg eisern. Als Antwort auf meine Fragen sagte sie immer nur: „Mach dir selbst ein Bild!"

Irgendwann habe ich dann aufgegeben. Bringt ja eh nichts. Trotzdem deprimiert es mich, dass ich nichts von ihr erfahre. Am liebsten will ich einfach alles über diesen Traum von einem Mann wissen. Aber sie blieb stur. Diskutieren bringt da auch nichts.

Als ich dann nach Hause kam, war mein Dad zum Glück nicht da. Ich habe die Gelegenheit dann genutzt und bin direkt in mein Zimmer gegangen. Später kamen Suri und Kian noch dazu. Sie wollten wissen, wie mein Tag mit unserem Onkel war. Zögerlich habe ich ihnen dann erzählt, was ich erfahren habe.

Und Onkel Dario hatte wirklich Recht. Als Kian hörte, wie Dad damals bei Dario reagiert hat, da meinte er zu mir: „Angel, du brauchst keine Angst haben, okay? Du weißt, dass ich niemals zulassen werde, dass er dir etwas antut. Sollte er es wagen, einmal auch nur die Hand gegen dich zu erheben, dann bekommt er es mit mir zu tun. Ich werde dich immer beschützen, das weißt du doch."

Tatsächlich haben seine Worte mich dann etwas beruhigt. Ich weiß einfach, dass ich mich voll und ganz auf meinen großen Bruder verlassen kann. Er beschützt mich!

Als ich die Haustüre höre, begebe ich mich dann auch in die Küche. Denn das bedeutet, dass mein Dad endlich gegangen ist. Freudig führt mich mein Weg in die Küche, wo ich auf meine Geschwister und meine Mum treffe. Nachdem ich einen freundliches „Guten Morgen" in den Raum geworfen habe, setze ich mich an den Tisch. Dass meine Familie mich verdutzt anguckt, ignoriere ich einfach mal. „Sag mal, warum hast du denn eigentlich so gute Laune?" Suri sieht mich fragend an und ich lächle. „Naja, Dad ist schon auf Arbeit, weshalb wir in Ruhe essen können. Und ich freue mich auf die Schule. Bin total gespannt, wie die Leute da so sind. Ich freue mich zwar, aber ich habe auch Angst, dass ich dort wieder gemobbt werde."

Mum verlässt kurz die Küche, um die Post anzunehmen, da der Postbote gerade geklingelt hat. Das nutzt Kian, um mich auf meinen letzten Satz anzusprechen.

„Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass sie dich mobben, weil du schwul bist. An dieser Schule wird deshalb keiner gemobbt, dafür hat Jay gesorgt."

Überrascht reiße ich die Augen auf. Da mein Bruder das Thema Jay anspricht, kann ich das nutzen, um endlich ein paar Antworten zu bekommen.

„Ich bin Jay gestern begegnet und Ava hat mir dann erzählt, dass er auf unsere Schule geht. Aber wirklich viel wollte sie mir nicht erzählen. Was muss ich über ihn wissen?" „Warte mal, wann bist du ihm denn begegnet?" Kian schaut mich fragend und mit großen Augen an. „Naja, als ich gestern auf dem Weg zu Ava war, da war ich abgelenkt, weil du mir geschrieben hast. Und ich hab Musik gehört. Plötzlich bin ich mit ihm zusammengestoßen. Er hat mir dann hochgeholfen, nachdem ich gefallen bin. Und dann ist er einfach verschwunden. Ich war völlig sprachlos und geblendet von seinem Aussehen." Genau wie bei Ava rede ich auch jetzt in einem so schnellen Tempo, dass ich erst wieder Luft holen muss.

Da Mum kurz in den Keller gegangen ist, können wir so frei reden. „Angel, ich kann dir nur einen guten Rat geben. Jay ist einer meiner besten Freunde und deshalb weiß ich, wie er ist. Verlieb dich auf keinen Fall in ihn. Das erspart dir eine ganze Menge Schmerzen. Vertrau mir!"

Irgendwie macht mich das noch neugieriger auf Jay. „Wieso sagst du das, wenn er doch einer deiner besten Freunde ist?" „Ganz einfach, weil ich ihn kenne. Er ist der coolste Junge der Schule und jedes Mädchen und jeder schwule Junge begehren ihn. Das weiß er und das nutzt er aus. Jay ist nicht der Traumprinz, den du dir vorstellst. So viele Herzen hat er schon gebrochen, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Am besten ist es, wenn du für ihn unsichtbar bleibst. Nimmt er dich einmal ins Visier, dann bist du verloren. Du bist mein Bruder und ich will dich nur beschützen."

„Aber als wir zusammengestoßen sind, da war er so nett. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein schlechter Mensch ist."

„Das ist er auch nicht. Wenn du mit ihm befreundet bist, dann ist er einer der tollsten Menschen, der alles für seine Freunde tut. Aber wenn er jemanden haben will, dann nimmt er ihn sich auch. Dabei ist es ihm egal, ob er der Person wehtut oder nicht. Jay ist nicht der Typ für die große Liebe. Er ist eher der Typ für eine Nacht. Und das willst du dir sicher nicht antun."

Da Mum wieder in die Küche kommt, beenden wir das Gespräch und essen stumm unser Frühstück zu Ende. Natürlich schwirren mir Kians Worte unaufhörlich im Kopf rum. Ich soll mich nicht in ihn verlieben? Also wenn ich die Signale, die mein Körper aussendet, richtig deute, dann bin ich das bereits. Wenn ich nur seinen Namen höre, dann klopft mein Herz wie wild und ich bekomme eine Gänsehaut. Das muss doch ein Zeichen für Verliebtheit sein, oder? Naja, ich muss mich jetzt wohl erstmal auf den Schultag konzentrieren und versuchen nicht an Jay zu denken. Wird wahrscheinlich alles andere als einfach.

Dieser Gedanke, lässt mich geknickt den Kopf senken.

Eine halbe Stunde später sitzen wir zu dritt bei Kian im Auto und fahren zur Schule. Trotz der Warnung meines Bruders kreisen meine Gedanken ständig nur um Jay. Ich bin immer noch total aufgeregt, weil ich ihn gleich endlich wiedersehen werde. Also, das hoffe ich zumindest.

„So, kleiner Bruder, bist du bereit für eine völlig neue Welt? Bist du bereit für das große Abenteuer 'Neue Schule'?" Kurz schlucke ich. „Naja, ich bin mir noch nicht so ganz sicher. Jetzt, wo wir direkt davor stehen, habe ich doch ein bisschen Angst." Beruhigend klopft Kian mir auf die Schulter. „Wird schon alles gut. Und außerdem sind wir da." Ein kurzer Blick zu meinen Geschwistern, die mich anlächeln, reicht und ich entspanne mich wieder etwas.

„Okay, es kann losgehen!" Etwas weniger nervös, betrete ich zusammen mit Kian und Suri das Schulgelände.

„Also, Kleiner, dahinten ist die Kifferecke. Da tummeln sich, wie der Name verrät, die Junkies. Dort möchte ich dich bitte niemals sehen, sonst muss ich dich leider versprügeln." Während er auf eine kleine Sitzbank, direkt beim Müll zeigt, grinst er mich an. Bei dem Gedanken an Drogen verziehe ich angeekelt das Gesicht. Sowas werde ich niemals nehmen. Ich habe nicht mal Interesse an Zigaretten. Und Drogen sind für mich ein absolutes NO-GO!

Dann gehen wir weiter und stoppen bei einer Wiese. „Dort treffen sich meistens die Esoterik-Idioten und Vegetarier. Du siehst, dass hier irgendwie jeder so seinen Platz hat, beziehungsweise die Randgruppen haben halt ihren Platz. Drinnen in der Bibliothek sind dann die Streber. Und dort hinten am Zaun, der das Footballfeld vom eigentlichen Schulgelände trennt, dort findet man uns, die Sportler und die Cheerleader."

Kian zeigt geradeaus und dort sehe ich auch direkt alle versammelt. Alle Cheerleader und wahrscheinlich auch alle Sportler. Und dann erblicke ich IHN!

Lässig auf einer Bank sitzend, schaut Jay auf sein Handy. Oh mein Gott, warum muss er so unglaublich schön sein? In meinem Hals bildet sich wieder dieser Kloß und ich werde wieder nervös.

„Okay, ich gehe mal Ava suchen. Wir sehen uns dann später." Ohne auf eine Antwort zu warten, gehe ich ins Gebäude und suche meine beste Freundin. Ich musste da jetzt einfach weg, sonst wäre ich vermutlich noch zusammengeklappt, weil meine Beine schon anfingen zu zittern und ich weiche Knie bekam.

Zum Glück muss ich gar nicht so weit laufen, denn sie steht ziemlich am Eingang vor, ich schätze, ihrem Spind. „Guten Morgen Angel, da bist du ja. Na, wie ist der erste Eindruck für dich?" „Die Schule ist auf jeden Fall viel schöner als meine alte Schule. Ich bin echt gespannt, wie meine Zeit hier wird." Ava lächelt mich nickend an. „ Und? Hast du deinen Traummann schon gesehen?" Jetzt grinst sie. „Ja, habe ich. Als Kian und Suri mir draußen alles gezeigt haben. Deshalb bin ich dann auch schnell geflüchtet. Irgendwie bekam ich weiche Knie. Und das, obwohl er mich noch nicht mal angesehen hat." Irgendwie schaut sie mich jetzt mitleidig an und ich ahne, worauf das hinaus läuft.

„Sei froh, dass der König deine Anwesenheit noch nicht bemerkt hat. Sobald seine Hoheit dich wahrnimmt, hast du entweder ein Problem, oder das beste Leben hier." Fragend sehe ich meine beste Freundin an. „Wie meinst du das? Kian hat mir schon viel von ihm erzählt, aber leider nicht genug. Ich verstehe nicht was so schlimm an ihm ist? Erkläre es mir bitte!"

„Angel, ich weiß ni..." Ich unterbreche sie energisch. „Ava, bitte. Seit ich mit ihm zusammengestoßen bin, muss ich ständig an ihn denken. Und ich will wissen was mich erwartet. Nein, ich muss es wissen, bitte."

Ava holt tief Luft bevor sie mir dann endlich antwortet.

„Also gut, aber denk daran, ich habe dich gewarnt. Jay ist halt der Schwarm der Schule. Gefühlt alle wollen ihn. Und einige haben ihn auch bekommen. Doch allerdings immer nur für eine Nacht.

Einigen gefiel es so, weil sie nur einmal den coolsten und beliebtesten Jungen der Schule vögeln wollten. Aber einige haben sich mehr erhofft. Und viele tun es noch immer. Aber jeden, der mehr wollte, hat er danach abgeschossen. Dann kam Liv! Sie meinte immer, sie und Jay wären zusammen, aber für ihn war es einfach eine Affäre. Nichts weiter! Als Liv dann schwanger wurde, hat er sie bedroht und gezwungen, das Kind abzutreiben. Sie kam damit nicht klar und hat fluchtartig ein paar Tage später die Stadt verlassen. Jay kann ein echt netter Kerl sein, aber wenn er etwas haben will, dann holt er es sich. Und dabei ist es ihm egal, wie sehr er Menschen verletzt."

Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Ist das wirklich wahr? Aber Jay kam doch so nett rüber. Okay Angel, komm mal klar. Er hat zwei Sätze zu dir gesagt. Ihr habt kein ganzes Gespräch geführt.

Gerade will ich etwas erwidern, als die Eingangstür aufgeht und Jay mit seinem ganzen Gefolge hereinkommt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass bei seinem Auftauchen der Raum heller wird. Fakt ist, dass er eine wahnsinnige Aura ausstrahlt. Lässig und verdammt cool, stolziert er durch den Flur. Man merkt ihm an, dass er die ihm geschenkte Aufmerksamkeit genießt.

Ich schaue ihn stumm an und hoffe, dass er meinen Blick erwidert. Doch er geht einfach an mir und Ava vorbei, als wären wir Luft. Weil ich wohl ziemlich traurig schaue, wirft mir meine Schwester, die zusammen mit den Cheerleadern, dicht hinter den Sportlern geht, einen aufmunternden Blick zu. Er hat mich nicht mal angesehen. 
Obwohl ich es gar nicht will, werde ich traurig. Das tut echt ganz schön weh. Ich hoffe so sehr, dass er mich noch bemerkt und wir wieder ins Gespräch kommen.

Ein paar Stunden später...

Als die letzte Stunde fast vorbei ist, muss ich niedergeschlagen feststellen, dass er mich immer noch nicht bemerkt hat. Oder vielleicht hat er das, aber es ist ihm einfach egal. So wie Ava und Kian gesprochen haben, ist es ihm wahrscheinlich wirklich egal. Dabei hatte ich so gehofft, ihn richtig kennen lernen zu dürfen. Aber es ist ja erst der erste Schultag, vielleicht wird das noch. Ich hoffe es wirklich. Er soll mich wenigstens einmal ansehen, damit ich seine tollen Augen nochmal bewundern kann. Diese Augen! Wieder schlägt mein Herz höher und ich muss mich anlehnen, weil meine Beine wieder zittern.

Nach der letzten Stunde begebe ich mich zu meinem Spind, um meine Tasche zu holen. Auf dem Weg dorthin kommt Jay mir zusammen mit 2 Freunden entgegen.

Wieder sehe ich ihn an und wieder erwidert er es nicht. Vielleicht sollte ich es wirklich aufgeben. Aber ich will nicht, denn er ist der Grund, warum ich die letzte Nacht nicht geschlafen habe.

Was kann ich nur tun, damit er mich endlich sieht? Ach verdammt, was soll denn passieren wenn er mich sieht? Glaube ich wirklich, dass ich den bösen Jungen ändern kann? Dass er sich unsterblich in mich verliebt und wir für immer zusammen sein werden? Sich sowas einzureden wäre wirklich ein großer Fehler, denn so tut es dann noch mehr weh. Und das will ich mir wirklich ersparen. Aber ich kann einfach nicht anders, als ihn zu bewundern.






 

So, hier ist dann jetzt auch das neue Kapitel � was sagt ihr zu Angels erstem Schultag?�� � bis dann �

Nach der Schule fahren Kian, Suri und ich in die Stadt noch was essen. Wir alle haben gerade Bock auf Burger mit Pommes. Da Suri Vegetarierin ist, gibt es für sie nur den Veggie-Burger. Kian und ich bestellen uns dagegen den größten und fettigsten Burger, natürlich mit ganz viel Fleisch. Man sieht es mir nicht an, aber ich kann schon echt ordentlich essen. Bei dem Angebot hier, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Und mein Magen macht auch schon ganz schön Randale.

Nach ein paar Minuten betritt Ava ebenfalls das Lokal. Ich winke ihr sofort zu.

„Hey Ava, komm her. Setz dich zu uns." Freudig strahlend kommt sie auf uns zu und setzt sich hin. „Hallo Leute, hatte nicht erwartet euch hier zu sehen. Angel, du gehst nach der Schule doch meistens direkt nach Hause. Keine Lust, deinem Dad zu begegnen? Oder einfach nur Lust auf Burger?" „Ehrlich gesagt beides. Der Hunger ist sogar gerade größer als der Missmut über meinen Vater. Warum bist du nicht direkt nach Hause gefahren? Hat deine Tante nicht heute Geburtstag?" „Ja hat sie. Und genau deshalb bin ich auch hier. Es fällt sowieso nicht auf, wenn ich später komme. Du kennst meine Familie ja."

Darauf nicke ich nur. Ihre Familie besteht eigentlich zu 95 % aus Spießern, die auf die perfekte Etikette achten. Ava passt da irgendwie gar nicht rein. Aber man kann sich seine Familie ja bekanntlich nicht aussuchen. Ginge das, hätte ich sicher nicht so einen Vater.

Der Kellner kommt und reißt mich aus meinen Gedanken. „Was kann ich euch bringen?" Wir schauen alle nochmal schnell in die Karte und suchen uns was aus.

Nachdem wir bestellt haben, möchte ich nochmal einen Versuch wagen, etwas über Jay herauszufinden.

Doch noch bevor ich etwas sagen kann, öffnet sich die Ladentür und Jay himself betritt zusammen mit Lucien, seinem besten Freund, das Lokal. Ich kann wieder nicht anders, als ihn anzustarren. Doch als er und Lucien auf uns zukommen, senke ich den Blick ganz schnell. Ich will nicht, dass Jay irgendwann denkt, dass ich ihn stalke.

Naja, genau genommen tue ich es ja in gewisser Weise schon irgendwie. Aber ich möchte auf keinen Fall, dass er mich für verrückt hält.

„Kian, ich wusste nicht, dass du hier essen wolltest. Lucien und ich wollten uns noch einen schnellen Burger gönnen, bevor es gleich zum Schwimmen geht. Hey Suri!" Er beugt sich zu ihr runter und gibt ihr einen Kuss auf die Wange und umarmt sie. Dann schaut er tatsächlich mich an. „Hallo, ehm, ich glaube, dein Name ist Angel? Kians kleiner und Suris großer Bruder?" „Ehm, ja. Hi." Mehr bekomme ich nicht raus. Bei seinem Anblick bleibt mir wieder jedes Wort im Hals stecken. Jay nickt mir nur stumm zu und wendet sich dann an Ava.

„Ava, ich bin überrascht dich hier mit Suri und Kian zu sehen. Ich dachte immer, du magst uns Sportler nicht? Und die Cheerleader sind alles nur dumme Tussis für dich?" Plötzlich grinst Jay und ich habe das Gefühl, mein Herz bleibt gleich stehen. „Ja das stimmt schon, aber Kian und Suri sind da die Ausnahme. Abgesehen davon, dass sie die Geschwister meines besten Freundes Angel sind, musste ich auch feststellen, dass Suri für eine Cheerleaderin wirklich nett und gar nicht eingebildet ist. Und Kian ist kein aufgeblasener Arsch, so wie der Rest eures Teams."

Während sie diese Worte spricht, funkelt sie Jay böse an. „Autsch, dass tat echt weh Ava. Warum bist du immer so fies zu mir?" „Das weißt du genau. Du bist ein arrogantes und bösartiges Arschloch. Deshalb verdienst du es nicht anders. Sorry Leute, aber mir ist gerade echt der Appetit vergangen. Da gehe ich doch lieber zum Geburtstag meiner Tante. Bis morgen!"

Und schon verschwindet sie ohne ein weiteres Wort zu sagen. Wir alle schauen ihr schweigend hinterher. Und Jay sieht kurz so aus, als wäre er ein Welpe, den man irgendwo ausgesetzt hat. Aber er fängt sich auch wieder schnell und setzt seinen coolen Blick auf.

„Nun denn. Kian und Suri, kommt ihr später auch zum See? Alle anderen werden auch da sein." „Klar, wir werden da sein, Bro." Kian lächelt seinen Freund an und Suri nickt zustimmend. „Cool, dass wird lustig. Hey Angel, komm doch mit. Kommt einfach alle drei. Dann lernst du mal alle kennen, mit denen deine Geschwister zu tun haben." Während er spricht, klingt seine Stimme warm und freundlich. So wie gestern, als wir zusammengestoßen sind.

Da fällt mir etwas ein. Erinnert er sich schon nicht mehr an mich? Nach noch nicht mal ganz 24 Stunden?

Irgendwie macht mich dieser Gedanke traurig. Aber Jay wartet ja noch auf meine Antwort. „Klar, ich komme gerne." „Okay gut. Lucien, lass uns was bestellen und dann abhauen, ich will noch duschen, bevor wir zum See fahren."

„Alles klar! Bye Suri, Kian. Und Angel!" Wow, Lucien kann tatsächlich reden? Ich habe ihn den ganzen Tag eigentlich nur als Jays stummen Schatten erlebt. Aber jetzt weiß ich, dass er reden kann. Was mich grinsen lässt.

Die beiden gehen zum Tresen und ich schaue Jay noch kurz hinterher. Doch dann wende ich mich wieder an meine Geschwister, da mir Avas Verhalten wieder in den Kopf kommt.

„Sagt mal, was hat Ava eigentlich für ein Problem mit Jay? So angepisst habe ich sie noch nie erlebt. Und das muss schon was heißen." Suri und Kian schauen sich an, bevor meine Schwester das Wort ergreift. „Naja, Ava und Jay hatten mal was miteinander. Sie gingen etwa eine Woche miteinander. Zumindest glaubte Ava das. Für Jay war es nur eine kurze Affäre. Ava hatte ihr erstes Mal mit Jay und zwei Tage später hat er sie abserviert. Das hat sie unglaublich verletzt. Ava sagt seitdem, dass sie ihn hasst. Aber so ganz glaube ich das nicht. Und dann ist da noch diese andere Geschichte. Nachdem Jay Ava fallen ließ, ging in der Schule halt die Story rum, dass Jay Ava entjungfert hat. Und das es der schlechteste Sex war, den er jemals hatte. Nach ein paar Stunden, kannten alle diese Story. Irgendwie ist sie diese Story nie losgeworden."

Völlig geschockt reiße ich die Augen auf. Wie ekelhaft ist so ein Verhalten bitte? Ich fasse es einfach nicht. „Angel, als einer von Jays besten Freunden kann ich dir sagen, dass diese Story nie im Leben wahr ist. Ja, Jay kann manchmal echt ein richtiges Arschloch sein, aber sowas ist grausam. Und das würde er niemals tun. Er hat uns gegenüber immer wieder beteuert, dass er es nicht war. Und ich glaube ihm. Jay ist kein Monster!"

So wirklich weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Kann ich Jays Version glauben? Ava ist aber meine beste Freundin, sie hat sich das ja definitiv nicht eingebildet. Darüber muss ich auf jeden Fall mal mit ihr reden.

Ohne dass ich es will, wandern meine Gedanken zu der Tatsache, dass Jay mit mir gesprochen hat. Und er hat mich zum See eingeladen mit all seinen Freunden. Darüber freue ich mich wirklich total. Deshalb beeile ich mich auch etwas beim Essen, damit wir schnell los können. Denn wir müssen noch kurz nach Hause um Schwimmsachen zu holen.

„Da will wohl jemand so schnell wie möglich zum See." Kian grinst mich frech an. „Ja klar, dass Wetter ist schön und an diesem See war ich noch nie. Kenne nur den See im Süden der Stadt. Den Mountain Lake! Aber am Hollywood Hills Lake war ich noch nie. Also beeilt euch mal etwas, damit wir flott nach Hause können um unsere Sachen zu holen." „Ah ja, dass du so schnell los willst, hat also nichts damit zu tun, dass Jay persönlich dich eingeladen hat?" Meine Schwester grinst frech und ich schüttle energisch den Kopf.

„Nein auf keinen Fall. Ich freue mich einfach, etwas mit euch zu unternehmen und eure Freunde kennenzulernen." Verlegen vermeide ich den Augenkontakt mit meinen Geschwistern. Kian zückt sein Handy und grinst ebenfalls breit. „Gut, wenn es nichts mit Jay zu tun hat, dann kann ich ihn auch kurz anrufen und absagen. Können dann demnächst was mit dir und unseren Freunden unternehmen, aber ohne Jay. Hast du doch bestimmt nichts gegen?" Ich springe halb über den Tisch um sein Handy zu greifen, da er mir gegenüber sitzt. „Wage es dich Kian, ich knall dir eine!" Jetzt grinse ich auch. „Ja okay, gut, vielleicht liegt es ja doch an Jay, dass ich so schnell wie möglich los möchte." Immer noch breit grinsend schütteln meine Geschwister den Kopf. Aber sie sagen nichts dazu. Worüber ich übrigens froh bin.

Eine halbe Stunde später sind wir zu Hause angekommen. Natürlich warten unsere Eltern schon auf uns. „ Ihr kommt aber spät. Das Essen ist fertig. Wascht euch die Hände und setzt euch." Mum lächelt uns alle abwechselnd freundlich an. „Sorry Mum, aber wir sind verabredet. Wir beide gehen mit unseren Freunden zum See. Und Jay hat Angel auch eingeladen, damit er mal alle kennenlernt."

Gerade will Mum antworten, als Dad dazwischen grätscht. „Angel mit euren Football Freunden? Er kommt endlich zu Kontakten mit echten Kerlen? Super, dann wird diese Pussy ja doch noch ein richtiger Mann."

Verletzt von seinen Worten senke ich den Kopf und kämpfe mit den Tränen. Natürlich gießt das nur noch mehr Öl ins Feuer. Bedrohlich, mit der Faust im Anschlag, kommt er auf mich zu. „Wage es bloß nicht, jetzt zu heulen. Bist du ein Mädchen?" „Ey Dad, es reicht jetzt mal langsam. Hör auf, Angel ständig runter zu machen. Er ist perfekt, so wie er ist. Und er wird sich nicht ändern, ob dir das gefällt oder nicht. Also komm mal wieder runter." Kian hat sich schützend vor mich gestellt und bäumt sich jetzt ebenfalls wütend vor unseren Vater auf.

Wieso habe ich gerade das Gefühl, dass gleich eine Faust fliegen wird? Nur habe ich keine Ahnung, welche von beiden es sein wird. Allerdings hätte ich niemals mit dem gerechnet, was als nächstes passiert. Mein Vater senkt seine Faust und tritt wieder zurück. Dass er so schnell aufgibt, hat wohl auch Kian nicht erwartet, denn als er sich zu mir rumdreht, schaut er kurz überrascht. „Lasst uns unsere Badesachen holen und dann weg hier."

Ohne auf eine Antwort zu warten, schiebt Kian uns regelrecht aus der Küche. Wir gehen also gemeinsam hoch und packen unsere Schwimmsachen. Ich bin als erstes fertig, aber traue mich wegen vorhin nicht alleine runter. Zum Glück kommen Suri und Kian nur kurze Zeit später auch aus ihren Zimmern. Kian will gerade als erster runtergehen, als ich ihn am Arm packe und so aufhalte.

„Warte Kian. Du hast mich eben vermutlich gerettet. Wärst du nicht da gewesen, dann hätte Vater mich bestimmt geschlagen. Danke!" Wieder schaue ich niedergeschlagen zu Boden. „Hey, mach dir keinen Kopf. Solange ich da bin, wird er dich nicht anrühren. Das habe ich dir versprochen. Und dieses Versprechen halte ich auch. Hab dich lieb, du kleiner Chaot. Und jetzt lass uns los, bevor du mir und Suri weiter wegen Jay auf die Nerven gehst." Er grinst mich an und ich grinse zurück.

Dann machen wir uns wirklich auf den Weg zum See.

Als wir ankommen, scheinen schon alle da zu sein. Jay entdecke ich auch direkt. Und im nächsten Moment bereue ich es auch sogleich. Denn als ich ihn da nur mit Badeshorts bekleidet am Ufer sehe, habe ich das Gefühl, wieder weiche Knie zu bekommen. Sein Körper ist wie sein Gesicht einfach nur perfekt. Jay hat ein schönes Sixpack, was aber nicht zu heftig ist. Genau das mag ich so bei Jungs. Jay ist einfach der Wahnsinn. Das muss ich immer wieder feststellen.

Wir gehen auf die Gruppe zu und dann bemerkt er uns auch direkt. „Ah, super. Ihr seid ja endlich da. Dann kann die Party jetzt losgehen!" Suri und Kian setzen sich zu ihren Freunden und ich bleibe ein bisschen verloren stehen. Das merkt Jay direkt, weshalb er mich jetzt direkt anspricht. „Angel, setz dich zu mir. Es ist okay, du bist hier willkommen. Du musst da nicht so schüchtern am Rand stehen. Komm schon!" Ich tue was er sagt und setze mich neben ihn.

„Leute, hört mal alle kurz her. Das ist Angel, er ist der Bruder von Suri und Kian. Ihr wisst, was das heißt. Die beiden sind Teil unserer Familie und deshalb will ich, dass ihr alle nett zu Angel seid." Alle nicken ihrem Oberhaupt zu. „Siehst du? Du brauchst dich nicht davor fürchten, dass jemand dich belästigt. Dafür sorgen wir alle. Wenn du in Zukunft in der Schule mit irgendwem Probleme bekommst, dann sag einem von uns Bescheid und wir regeln das dann. Okay?" „Ja mach ich, danke." Er nickt zufrieden und wendet sich dann an meine Geschwister. „Warum seid ihr eigentlich so spät?" Kian fährt sich unsicher durch die Haare.

„Naja, unser Vater hat uns aufgehalten. Er hat Stress gemacht und wollte auf Angel losgehen. Da war dann ein bisschen Trouble. Er macht Angel schon eine Weile das Leben schwer." „Warum das? Also wenn ich fragen darf?" Bei dieser Frage wendet sich Jay direkt wieder an mich. „Ich bin in seinen Augen eine Schande, weil ich nicht typisch Junge bin, so wie Kian." Jay nickt verstehend. „Okay. Ich nehme an, dass du nicht auf Girls stehst, womit er das größte Problem hat?" Erschrocken sehe ich Jay an und weiß nicht so recht, was ich dazu sagen soll.

„Ehm,... also!" Er unterbricht mich. „Ist schon gut. Hier hat niemand ein Problem damit, wenn jemand schwul, lesbisch, bi oder was auch sonst ist." „Dass ich schwul bin, weiß er noch nicht mal, sonst wäre es noch schlimmer, schätze ich." Wieder nickt er verständnisvoll. „Von Kian und Suri wissen wir, wie dein Vater zu Homosexualität steht. Aber lass dich von ihm nicht ärgern. Er ist ein Idiot." Bei diesen Worten klopft Jay mir freundlich auf die Schulter. Und das jagt ungefähr hunderttausend Schmetterlinge durch meinen Körper.

Ich bin wirklich total in einen Jungen verliebt, den ich eigentlich gar nicht kenne. Und über den ich nicht nur Gutes gehört habe. Sowas kann aber auch nur mir passieren. Das ist wieder so typisch für meine Pechsträhne der letzten Jahre.






 

Was haltet ihr von Jay und seinen Freunden? Und glaubt ihr, Jay wird Angels Gefühle irgendwann erwidern? Lasst es mich in den Kommentaren wissen�

Wir sind jetzt ungefähr zwei Stunden hier am See und nach dem Gespräch am Anfang hat Jay mich dann wieder komplett ignoriert. So wie in der Schule auch. Diese Tatsache macht mich wieder ein bisschen traurig, aber das lasse ich mir nicht anmerken. Allerdings sitze ich seither aber auch ziemlich stumm da und versuche, zumindest so zu tun, als würde ich kein Interesse an ihm haben.

Zwischendurch gehe ich auch mal mit meinen Geschwistern ins Wasser. Oder besser gesagt, ich werde von ihnen ins Wasser geschleppt. Wiederstand ist da zwecklos, deshalb versuche ich es auch gar nicht erst. Gerade unterhalte ich mich mit Lucien, während Jay mit Kian im Wasser irgendwelche Männlichkeitstests macht. Irgendwie sieht das ja albern aus.

„Warum kommst du jetzt erst auf unsere Schule? Und wo warst du vorher?" Lucien sieht mich fragend und abwartend an. „Ich war auf der Southside Highschool. Dort hatte ich aber starke Probleme, weshalb meine Mum mich auf eurer Schule angemeldet hat. Was den Vorteil hat, dass meine Geschwister und meine beste Freundin auch dort sind." „Uhh, die Southside Highschool, Laurins Gebiet. Blöder Wixxer!" Als er Laurins Namen ausspricht, macht er ein Gesicht, als würde er gleich etwas kaputt schlagen wollen. Ich nicke niedergeschlagen Und ängstlich. Die Erinnerungen an Laurin machen mich wieder so fertig, dass ich anfange zu zittern. Trotzdem bin ich um Fassung bemüht, während ich spreche.

„Ja, naja. Laurin war wohl der Hauptgrund für meinen Wechsel. Ich wurde dort von fast allen gemobbt wegen meines Styles und weil ich schwul bin. Aber Laurin war der schlimmste von ihnen. Nach einem Vorfall im Januar entschied meine Mum dann, dass es reicht." „Darf ich fragen, was das für ein Vorfall war?" Ich schlucke und überlege, ob ich es ihm erzählen soll. Wochenlang konnte ich nicht darüber sprechen. Und bei dem Gedanken an das, was passiert ist, habe ich das Gefühl zu ersticken. Vielleicht ist es jetzt einfach an der Zeit mal darüber zu reden. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe, deshalb fange ich nur zögerlich an zu erzählen.

„I...ich war gerade auf dem Weg von Ava n...nach Hause. Und da gehe ich oft durch den Park. Es war schon Abend und daher sehr dunkel. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke, wurde ich... Ich wurde von hinten gepackt und irgendwo hingeschleppt. Als wir stehenblieben, standen ungefähr fünf Leute um mich herum und zwei hielten mich fest. Dann stand Laurin vor mir. Er hatte zwar genau wie alle anderen eine Maske überm Gesicht, aber ich kenne ja seine Stimme. Während zwei seiner Freunde mich halt festhielten, zog er mir meine Klamotten aus. Sogar die Unterhose." Kurz unterbreche ich, weil ich die Tränen unterdrücken muss. „Dann hat einer seiner Leute ihm ein Seil gegeben und ein anderer half ihm, mich komplett nackt auf den Boden zu setzen und mich an einen Baum zu fesseln. Es waren minus 8 Grad, also furchtbar kalt. Das Klima hat zu Beginn des Jahres ja echt verrückt gespielt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es hier jemals so kalt war." Beim Gedanken an diese Kälte wird mir schlecht, aber ich erzähle weiter. "Laurin stopfte mir eine Socke in den Mund, damit ich nicht schreien konnte." Wieder stoppe ich und merke, wie ich Panik bekomme. Trotzdem versuche ich weiterzuerzählen. „Als ich dann gefesselt war, schrieb Laurin das Wort 'Schwuchtel' auf meine Stirn. Und dann..." Wieder stoppe ich, doch dann nehme ich all meinen Mut zusammen und erzähle auch den Rest. „... dann zogen sie alle ihre Hosen herunter und pinkelten mich an. Ich bekam es überall ab, vor allem aber im Gesicht. So haben sie mich dann zurückgelassen. Nach ein paar Stunden fand Kian mich Gott sei Dank. Wäre er nicht gekommen, dann..." Ich breche ab und mir kommen die Tränen. Außerdem ringe ich nach Luft, da ich jetzt eindeutig eine Panikattacke habe. Suri setzt sich neben mich und nimmt mich in den Arm.

„Laurin ist so ein verdammter Bastard!" Ich habe gar nicht mitbekommen, dass Jay wieder bei uns ist. Er setzt sich wieder zu uns, dicht gefolgt von Kian. „Angel, das ist grausam. Und das ist eine schwere Straftat. Hast du ihn angezeigt?" Jay scheint sichtlich geschockt. „Nein, habe ich nicht. Ich hatte so große Angst. Kian hat mich dann zu unserem Onkel gebracht. Ihm haben wir alles erzählt, aber gesagt, dass wir nicht wüssten, wer es war. Und meiner Mum haben wir erzählt, dass ich von irgendwelchen Leuten aus der Schule beinahe verprügelt wurde. Daraufhin hat sie mich von der Schule genommen."

„Angel, du hättest ihn wirklich anzeigen sollen. Das war, wie schon gesagt, eine schwere Straftat. Er hat dich wissentlich bei Eiseskälte nackt an einen Baum gefesselt und ist dann gegangen. Und er ist offensichtlich nicht zurückgekommen. Wer sowas tut, der nimmt nicht nur den Tod seines Opfers in Kauf. Nein, derjenige will sein Opfer in diesem Moment töten. Das war versuchter Mord, Angel. Sowas ist echt kein Spaß."

Jays Blick ist immer noch geschockt. „Jay, ich weiß. Aber ich hatte solche Angst vor ihm und habe sie immer noch. Und außerdem hätte ich dann der Polizei alles erzählen müssen. Dann hätte mein Vater davon erfahren. Deshalb wollte ich es einfach nur vergessen." Jay nickt verstehend und wendet sich dann an meinen Bruder. „Kian, wie war das für dich damals?" „Ganz ehrlich, Jay? Ich war damals drauf und dran, Laurin zu töten. Frag Angel, ich war auch schon auf dem Weg zu Laurins Lieblingstreffpunkt am Sportplatz. Angel ist mir hinterher und hat mich aufgehalten. Der einzige Grund, warum ich es nicht getan habe, war, weil ich wusste, dass Angel unserem Vater hilflos ausgeliefert wäre, wenn ich in den Knast gekommen wäre."

Ja, da hat Kian Recht. Wäre er ins Gefängnis gekommen, dann wäre zu Hause keiner mehr da, der stark genug ist um mich zu beschützen, wenn Dad wieder ausrastet. „Das kann ich absolut verstehen, Kian. Wenn ich einen kleinen Bruder und so einen scheiß Vater hätte, dann würde ich auch alles tun, um weiter für ihn da sein zu können. Aber Angel? Hör mir bitte genau zu. Laurin wird dich nie wieder anfassen und dir wehtun, okay? Wenn er es je wieder versucht, dann bekommt er es mit uns zu tun. Das verspreche ich dir."

„Danke Jay." Ich bin ihm gerade wirklich dankbar. Und es ist wirklich schön, endlich mal Leute zu haben, die auf mich aufpassen. Kian ist ja auch nicht immer überall dabei. „Keine Ursache, du bist Kians und Suris Bruder. Da ist das selbstverständlich." Bei diesen Worten umarmt er mich und die Schmetterlinge in meinem Bauch laufen wieder zu Hochformen auf. Kurz denke ich an die schreckliche Situation mit Laurin, doch da Jay mich immer noch umarmt, fällt mir auf, wie unglaublich gut er riecht. Am liebsten wäre es mir, wenn er mich nicht mehr loslässt. In seinen Armen fühle ich mich gerade total wohl. Aber irgendwann lässt er mich dann doch los und wendet sich an die ganze Gruppe, die sich mittlerweile wieder auf einem Fleck versammelt hat. „ Leute, was haltet ihr jetzt mal von einem Spiel? Ich habe da ganz klassisch Flaschendrehen im Kopf. Habt ihr Lust?"

Alle stimmen nickend zu. Auch ich entscheide mich dafür. Wird bestimmt lustig. „Wollen wir direkt die erste Runde als Kussrunde spielen? Eine Minute Zungenkuss? Ich denke das ist kein Problem für euch, oder? Wir sind ja alle offen genug dafür." Wieder stimmen alle nickend zu. Jetzt werde ich aber nervös. Was wenn mal die Flasche auf mich zeigt und ich dann jemanden küssen muss? Ich habe sowas doch noch nie gemacht. Hoffentlich zeigt die Flasche nicht auf mich. Das wäre wirklich peinlich.

Jay nimmt selbstbewusst die Flasche. „So, ich fange an. Die Flasche entscheidet, wen ich küssen soll. Auf geht's! Und dann dreht er mit großem Schwung die Flasche. Mit jeder Bewegung der Flasche werde ich nervöser. Auf der einen Seite wird meine Angst immer größer, aber auf der anderen Seite wird mir ganz warm bei dem Gedanken, dass die Flasche vielleicht auf mich zeigen könnte.

Jay hat so fest gedreht, dass die Flasche immer noch in Bewegung ist. Doch so langsam kommt sie zum Stillstand. Und ist gefährlich nah in meiner Richtung.

Im nächsten Moment wird meine Nervosität ins Unendliche getrieben. Denn die Flasche stoppt tatsächlich bei mir. Oh mein Gott! Das bedeutet, dass Jay und ich uns jetzt eine Minute küssen müssen. Mit Zunge! Ich habe Angst!

„Angel, die Flasche hat sich für dich entschieden. Das bedeutet, wir werden uns jetzt küssen. Du brauchst nicht nervös zu sein, es wird alles gut."

Dann beugt er sich vor und greift mit seinen Händen mein Gesicht und kommt mit seinem Mund meinem immer näher. Dieser Moment hat irgendwie etwas magisches. Und ich kann das Knistern zwischen uns förmlich hören. Nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was als nächstes passiert. Er legt seine Lippen auf meine! Im ersten Moment bin ich völlig hilflos und fühle mich überrumpelt. Doch dann entspanne ich mich und fange an zu genießen, was ich da spüre. Seine Lippen sind so unglaublich weich, ich gebe mich dieser Situation voll und ganz hin. Weshalb ich auch meine Augen geschlossen habe.

Ein paar Sekunden später öffnet er seinen Mund und tippt mit seiner Zunge gegen meine Lippen. Auf diese Weise verlangt er nach Einlass. Und diesen gewähre ich ihm dann auch. Kaum habe ich das getan, fängt seine Zunge auch schon an meine zu suchen. Ich strecke sie ihm entgegen und es beginnt ein leidenschaftlicher Zungenkampf. Einen Sieger kann man daraus nicht erkennen. Unser Kuss wird von Sekunde zu Sekunde leidenschaftlicher. Ich fühle mich, als würde ich fliegen. Das ist unglaublich! Und soweit ich das beurteilen kann, küsst Jay unglaublich gut.

Während meine Hände am Anfang noch regungslos auf meinen Beinen lagen, berühren sie mittlerweile seine Hüften. Er protestiert nicht, also scheint es für ihn okay zu sein. Seine linke Hand berührt noch immer sanft mein Kinn und meine Wange, während die andere Hand in meinem Nacken liegt. Noch nie hab ich so etwas Unglaubliches erlebt. Mein Herz rast wie verrückt und ich spüre wie mein Puls in die Höhe schießt. Ich wünschte, diese Minute würde niemals enden.

Wenn man vom Teufel spricht, ertönt Kians Stimme. „Die Minute ist um!" Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich meinem Bruder gerade eine verpassen will. Langsam löst Jay den Kuss und ich öffne meine Augen. Er hält noch einen kurzen Moment mein Gesicht und schaut mir tief in die Augen. Jay sieht mich mit einem Blick an, den ich irgendwie nicht definieren kann. Seine Augen sehen verträumt aus und auf seinen Lippen bildet sich ein zögerliches, ja fast schon unsicheres Lächeln. Er beißt sich plötzlich verführerisch auf die Unterlippe, was mir fast den Verstand raubt. Aber ich muss einen klaren Kopf behalten, sonst endet das hier nicht gut. Mein ganzer Körper schreit nämlich gerade nach ihm. Nein er verlangt nach Jay! Jede Faser meines Körpers will ihn. Doch ich erinnere mich an Kians Warnung und an die Geschichte über Ava.

Er wird mich verletzen! Ich darf mich nicht auf seine Spielchen einlassen. Es geht nicht! Aber ich will ihn verdammt nochmal so sehr. Vor allem wenn er sich so auf die Lippen beißt. Okay Angel, guck nicht mehr auf seine Lippen, sonst drehst du noch durch. Stattdessen schaue ich ihm wieder in die Augen. Das war aber ein Fehler, denn sie ziehen mich in ihren Bann.

Und wieder versinke ich in diesen Augen. Doch dann lässt er mein Gesicht los und legt wieder seinen coolen Blick auf. Dann wendet er sich wieder an den Rest der Gruppe.

„So, weiter geht es. Wer ist als nächstes dran? Lucien, willst du?" „Klar, gib her." Jay reicht ihm die Flasche und Lucien dreht sie auch direkt. Ihn trifft es gut, denn er darf Nika küssen, die zufällig auch seine Freundin ist. Dann muss Kian Dalia Küssen. Toby küsst Suri. Marc küsst Chris. Nathalie küsst Joy und so weiter. irgendwann sind alle durch. Jay entscheidet, dass wir eine kurze Erfrischungspause machen sollen. Deshalb gehen einige von uns wieder ins Wasser. Unter anderem ich. Naja, ich sitze eher am Rand des Sees und habe die Füße im Wasser. Jay war gerade noch im Wasser, doch jetzt setzt er sich neben mich. „Alles gut? Hast du Spaß?" „Ja, hier ist es echt toll und es ist wirklich lustig mit euch." Jay lächelt wieder so wunderschön. Kann der Kerl mal damit aufhören? Ich dreh sonst noch durch.

„Du Angel, kann ich dich was fragen?" „Klar!" Ich werde wieder nervös. „Das war nicht dein erster Kuss, oder? Also du hast schon Erfahrung, schätze ich?" „Ehm, nein. Das war mein erster Kuss. Ich habe noch nie..." Ich breche ab, weil es mir peinlich ist.

Überrascht reißt Jay die Augen auf und schaut mich ungläubig an. „Echt? Wow, Respekt! Du kannst es auf jeden Fall richtig gut. Der Kuss war der Wahnsinn. Hab noch nicht viele gehabt, die so gut sind." „Danke!" Mehr weiß ich darauf nicht zu sagen. Damit hätte ich jetzt echt nicht gerechnet. Meint er das ernst? Scheint so, denn er lacht nicht. Ich habe keine Zeit weiter drüber nachzudenken, denn er ergreift wieder das Wort.

„Ist bestimmt komisch, oder? Gestern stoßen wir zufällig zusammen und heute küssen wir uns." „Du erinnerst dich daran? Ich dachte du hättest mich nicht erkannt?" Jetzt lacht er. „Ey, das ist noch nicht mal 24 Stunden her. Ich habe ein gutes Gedächtnis. Außerdem vergisst man dein Gesicht nicht so schnell." Er zwinkert mich frech an und steht dann auf, um wieder ins Wasser zu gehen.

Ich nehme mir eine kalte Limo aus der Kühltasche und hänge meinen Gedanken nach. Immer wieder wandern meine Gedanken zu dem Kuss. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so etwas Unglaubliches erlebt. Nie hätte ich gedacht, dass es so wunderschön sein kann jemanden zu küssen. Jays Lippen fühlten sich toll an und sein Atem roch nach Erdbeeren.

Ich spüre noch seine Hände in meinem Gesicht und Nacken, so als wären sie noch da. Die Stellen kribbeln wie verrückt! Und wenn ich an den Kuss denke, dann fühle ich mich wieder berauscht. Fühlt es sich so an, wenn man unsterblich verliebt ist? Denn genau das bin ich, das ist mir seit dem Kuss noch klarer geworden. Ich liebe Jay Harper. Das kann und will ich nicht mehr bestreiten. Alles in mir kribbelt und es fühlt sich an, als würden hunderte Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen. Ich will dieses Gefühl nie wieder loswerden.

Aber wird Jay jemals dasselbe fühlen? Oder wird es nie was mit uns? Ich hoffe nur, dass ich nicht irgendwann einer seiner One Night Stands sein werde. Das könnte ich nicht verkraften.

Den restlichen Nachmittag redet Jay kein Wort mehr mit mir. Ehrlich gesagt ignoriert er mich wieder. Und das tut wieder so scheiße weh. Warum macht er das ständig? Wir knutschen und dann ignoriert er mich? Ist das seine Masche? Na dann halleluja. Aber okay, dieses Spiel kann ich auch spielen. Zumindest versuche ich es. Ist nämlich gar nicht so leicht, wenn man so verliebt ist.

Am frühen Abend machen Suri, Kian und ich uns dann wieder auf den Heimweg. Darauf habe ich eigentlich gar keinen Bock. Aber ich kann ja nicht an den See ziehen, nur um Dad nicht zu begegnen. Dad! Dieses Wort verdient er gar nicht mehr so richtig, aber er ist halt trotzdem mein Vater.

Wahrscheinlich hat er schon wieder die nächsten Attacken für mich parat. Ach, wie ich mich schon auf zu Hause freue.

Zu Hause angekommen warten unsere Eltern tatsächlich schon mit dem Abendessen auf uns. Von draußen konnten wir sie eben noch streiten hören, aber jetzt ist Ruhe. „Na, wie war euer Nachmittag am See?" Mum lächelt uns freundlich an und deutet uns an, dass wir uns setzten können. „Es war super Mum. Angel hat Suris und meine Freunde kennengelernt. Und sie lieben ihn. Er wurde direkt als Mitglied anerkannt." Kian grinst breit und schaut dann unseren Vater an, weil der mal wieder missmutig schnaubt.

„Hast du ein Problem, Dad?" Kians Tonfall deutet auf Angriffslust hin. „Naja, ich wundere mich nur, dass eure Clique sowas wie Angel bei sich aufnimmt. Er passt gar nicht zu euch. Ihr seid starke, selbstbewusste und vernünftige Menschen. Nicht so ein Witz wie euer Bruder."

Ohne ein Wort zu sagen steht unsere Mum auf und stürmt aus der Küche. Schnellen Schrittes geht sie die Treppe hoch. Was hat sie vor?





 

Okay, es ist ziemlich viel los in diesem Kapitel � Angel erzählt von dem schrecklichen Ereignis mit Laurin! Hättet ihr gedacht, dass Laurin so grausam sein kann? Dann war da noch der Kuss vom Flaschendrehen. Süß oder?:D

Und die letzte Frage, die uns alle wohl beschäftigt, ist: Was hat Angels Mum vor? ... Was denkt ihr?� bis Freitag ihr Lieben �

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Deidara Am 10.02.2021 um 18:44 Uhr Mit 4. Kapitel verknüpft
Huuu jetzt wird es langsam spannend.
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Blackstar (Autor)Am 12.02.2021 um 19:04 Uhr
danke ;) freut mich:)
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Deidara Am 06.02.2021 um 13:14 Uhr Mit 3. Kapitel verknüpft
Jetzt liest es sich schon besser. Absätze sind wichtig, der Leser fühlt sich sonst vom Text erschlagen.
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Blackstar (Autor)Am 08.02.2021 um 12:55 Uhr
die Kapitel haben eigentlich auch Absätze, aber hatte mit Handy hochgeladen und da waren die Absätze plötzlich weg:D...
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Deidara Am 01.02.2021 um 11:24 Uhr Mit 1. Kapitel verknüpft
Huhu, na wen haben wir denn hier? Dich kenne ich doch.

Mach unbedingt mehr Absätze, so liest es sich schwer und wirkt überladen.
Ansonsten ist die Idee aber bisher ganz süß und ich werde dranbleiben.
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Blackstar (Autor)Am 01.02.2021 um 12:16 Uhr
Ja hi � danke für den Tipp mit dieser Seite � es freut mich sehr, dass es dir bis jetzt gefällt:)

Autor

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Bewertung

3 Bewertungen

Statistik

Kapitel:7
Sätze:162
Wörter:1.732
Zeichen:9.735

Kurzbeschreibung

Angel ist 16 Jahre alt und ein Außenseiter. Das bekommt er vor allem wegen der Mobbingattacken, die er täglich auf seiner Schule ertragen muss, zu spüren. Da er sehr darunter leidet, beschließt seine Familie deshalb vom Stadtrand in das Zentrum von Los Angeles zu ziehen. Angel lebt sich relativ schnell ein und findet neue Freunde. So kommt es auch dazu, dass Angel den beliebtesten Jungen der Schule trifft. Den coolen Mädchenschwarm Jay. Er spürt sofort, dass Jay ihm sehr gefällt und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch wie sieht Jay das Ganze? Haben die Gefühle von Angel überhaupt eine Chance? (LGBTQ-Geschichte, Postingtage: montags, mittwochs und freitags)

Kategorisierung

Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Drama und Erotik gelistet.

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