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Die letzte Elfe...

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19.07.20 22:03
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Leise hauchte der Wind ihr eine Melodie ins Ohr, als sie still am Ufer eines Sees in der Nähe eines Dorfes hockte. Ringsherum flüsterten die Blätter in den Bäumen ein Lied dazu. Die Beine hatte sie angewinkelt, so dass ihr zartes Kinn auf ihren Knien ruhte. Der See glänzte silbern und lebendig vom Mondlicht und der Wind brachte sanfte Wellen in das kühle Wasser. Sie hob ihren Kopf mit ihren feinen goldfarbenen glänzenden Haaren und blickte zu den Sternen, die sich in ihren Augen spiegelten und sie zum Funkeln brachten...
Ihr Wesen schien empfindsam und zerbrechlich, als sie dort mit ihrer zierlichen Figur im Sand hockte und voller Sehnsucht ihren Blick zum Mond schweifen ließ. Ein engelhaftes Gesicht mit wunderschönen und ausdrucksvollen Augen, die das Licht des Himmels ansahen, als wenn es ihr Geliebter wäre. Doch es war ihr einziger Freund. Der einzige, der ihre Träume, Sehnsüchte und Geheimnisse kannte.
Es blieb ihr nur noch diese eine Nacht. Mehr nicht. Wenn sie in dieser Nacht niemanden finden würde, der ihr Wesen erkennt und ihr seine Seele öffnet, dann würde sie sich in ein Leuchten auflösen und zu den Sternen emporschweben - für immer...
Sie erhob sich und schaute ihr Spiegelbild im Wasser an, dass bei jeder leichten Welle fast zerfließen wollte. Dann schob sie die dünnen Träger von ihrem knielangen cremefarbenen Sommerkleid an den Schultern herunter und ließ es einfach an sich in den Sand hinuntergleiten. Ihr Körper war bedeckt von feinen grünen Blättern, die rankenhaft um sie geschlungen waren. Nur ihre Arme, Beine und Schultern waren ohne dieses fast lebendige Grün, das ein Glitzern von sich gab, welches nur von einem wundersamen und lieblichen Wesen getragen werden konnte. Links und rechts hinter ihrem Rücken stieg etwas bunt schillerndes empor und bebte leicht: Durchsichtige Flügel, die in Regenbogenfarben glänzten und sich ausbreiteten.
Langsam erhob sie ihren Kopf und schaute mit gläsernen Augen zu ihrem Freund hinauf. Als sich ihre Flügel ganz ausbreiteten und sie zu ihm emporschweben wollte, um noch einmal eine Menschenseele zu finden, die sich ihr öffnet, hielt sie plötzlich jemand an ihrer zierlichen Hand und flüsterte: "Vor langer Zeit schon hab ich Dich erkannt, denn Du hast mich berührt - mich und meine Seele..."


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Sie erschrak ein wenig, nachdem sie die Stimme vernahm und ihre Flügel flatterten aufgeregt. Als sie sich umschaute und sah, wer ihre Hand hielt, war sie sehr überrascht und ihre lieblichen Augen weiteten sich. "Du?" fragte sie und zog vorsichtig ihre Hand von seiner weg. Ihr Herz pochte schneller und es war ihr, als wenn jetzt eben dieses Pochen die Wellen im See stärker werden ließ.
Ein junger Mann stand vor ihr und schaute sie an. Seine Erscheinung war groß und auch recht kräftig - und doch hatte er etwas zartes an sich... Seine Augen! Er hatte sanfte braune Augen, in denen sie einst seine Seele erkannt hatte.
"Ja", sagte er leise zu ihr und senkte seinen Kopf. "Es war töricht von mir und ich war wirklich unausstehlich damals... Wenn ich doch nur die Zeit zurück drehen und alles wieder gut machen könnte..." waren seine Worte, die wie eine traurige leise Melodie klangen.
Sie ließ ihre Flügel sinken und antwortete mit gläsernen Augen:"Du hast mich gebraucht - aber mehr auch nicht..." Dann liefen ihr Tränen über ihre schmalen blassen Wangen. Elfentränen... die aus ihrem tiefsten Inneren kamen. Und dort, wo sie in den Sand fielen, entsprang jedesmal ein kleiner Stern, der in der Luft zerfiel...
Die Erinnerung an damals traf sie tief...sehr tief. Und er fühlte es, denn auch er war gefangen in der Traurigkeit, die sie beide umgab. Sie spürte - wie einst - diese Kälte, als er ihr vor Jahren den Rücken kehrte und sich von ihr lossagte. Seine Träume, die mit ihren verschmolzen waren, nahm damals der Wind mit sich und ließ sie in alle Richtungen verwehen. Von da an vergaß er sie - sie und ihre Berührung in seiner Seele... und sein Herz wurde eisern und verschlossen.
Sie wich einen Schritt zurück und senkte ihren Kopf... Nachdem er das bemerkte, ließ er sich auf seine Knie in den Sand fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. "Warum nur? Warum hast du mir so weh getan und bist so kalt geworden?" fragte die kleine Elfe verzweifelt. Er hob sein Gesicht aus seinen Händen zu ihr empor und sah sie flehend mit verweinten Augen an. "Ich war nicht ich selbst und meine Seele war krank. So krank, dass ich dein Wesen und deine Seele nicht mehr ertragen konnte. So viel bedingungslose Liebe hab ich vorher nie erfahren...ein neues Gefühl war es - und mir völlig unbekannt... ich hatte Angst", sagte er mit zittriger Stimme, während er weitere Tränen mit den Händen aus seinem Gesicht wischte.
"Ich weiß. Darum hat mich deine Seele damals zu dir geführt", flüsterte sie leise. Ungläubig schaute er sie mit seinen braunen Augen an...

 

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Statistik

Kapitel:2
Sätze:63
Wörter:868
Zeichen:4.824

Kurzbeschreibung

..ein Mensch, den die letzte Elfe einst in seiner Seele berührt hat, kehrt zurück..