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Der Wilson - Clan

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27.09.22 21:13
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

7 Charaktere

Robin Wilson ( Hauptcharakter)

Drittgeborene Tochter der Fam. Wilson, leidenschaftliche Tänzerin, Schwester in der Notaufnahme, lebt für diesen Beruf, die Stillste der Geschwister

Eric Peters (Chefarzt der Chirurgie)

kommt neu ins Open Hospital, Ex von Cruz; weiß, was er will und kämpft dafür; ihm wird Respekt gezollt und ist beliebt in der Notaufnahme

Rudy Wahly (beste Freundin von Robin)

korpulente, lustige Frau, mit der man Pferde stehlen kann, verheiratet und hat eine dreijährige Tochter

Sarah Wilson

verwöhnte zweitälteste Tochter der Fam. Wilson, hält ihre Hände für alles offen und bekommt, was sie will...treibt ihre anderen Geschwister in den Wahnsinn

Justin Wilson(Jus)

jüngstes Fam.-mitglied der Wilsons, arbeitet in einem Obdachlosenheim, sagt was sie denkt und fühlt, sorgt stets für Gerechtigkeit in der Familie

Terry Wilson

der Älteste von den Vier Wilsons, Robin ist seine Lieblingsschwester, hat seine eigene Autowerkstatt und Tankstelle, ist der Friedlichste und lässt sich von seiner jüngsten Schwester und Robin immer provozieren

Cruz (Ex - Frau von Eric)

eifersüchtig, zu allen Missetaten bereit

Robin Wilson tanzt leidenschaftlich für ihr Leben gern - Momente, in denen sie abschalten, neue Kraft schöpfen, einen klaren Gedanken fassen, einen kühlen Kopf bewahren und sich vom Alltag herunter fahren kann. Bis sich eines Tages ein schwerer Unfall ereignet, der sie dazu zwingt, ihr größtes Hobby und Lebenselixier aufzugeben. Nach ihrer Genesung sucht sie sich einen Job im "Open Hospital" in der Notaufnahme. Dort trifft sie erneut auf ihre Schwester Sarah, die mit ihr einen Konkurrenzkampf unter Geschwistern austrägt. Seit sie wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, passieren um Robin seltsame, gefährliche Dinge und Menschen, die ihr Leben zu etwas Wertvollem machen, lassen ihr Leben und werden ihr genommen. Ob Sarah mit all dem zu tun hat? Denn sie ist so ganz anders als die anderen Wilson - Geschwister.

Auch Cruz, die Ex - Frau von Dr. Eric Peters, versucht Robin in die Knie zu zwingen, denn Cruz will Eric um alles in der Welt wieder für sich zurück gewinnen. Jedes Mittel ist ihr recht. Doch Eric hat ein Auge auf Robin geworfen. Er hatte bei ihrem Unfall beim Wettbewerb erste Hilfe geleistet und kann sie seitdem nicht vergessen. Im "Open Hospital" laufen die Beiden sich erneut über den Weg.

Kann Eric Robin für sich gewinnen oder steht Robin ihre Gefühlsachterbahn unter einem schlechten Stern? Denn der Weg, den sie gehen muss, wird steinig sein.

 

 

 

Ein Blick in ihren Spiegel sagte ihr alles. Zu sehr hatte das einschneidende Erlebnis sie geprägt. Seither verfolgte es sie bis in ihre Träume. Ihre Nächte waren seitdem unruhig, kurz gehalten und schlaflos. Sie hatte Angst abends einzuschlafen. Robin stand im Bad vor dem Spiegel. Es war schon nach Mitternacht. Sie drehte den Wasserhahn mit dem kalten Strahl auf und wusch sich das Gesicht. Mit dem schwarz - weiß gestreiften Handtuch trocknete sie sich ab und ruhte noch für ein paar Minuten etwas darin. Ihr Puls war beschleunigt und innere Wut war in ihr. Ihr Pyjama war nass geschwitzt .Schon wieder! Wie sollte es auch anders sein? Sie hatte jede Nacht den selben Traum. Jede Nacht befand sie sich in ihren Träumen beim Tanzwettbewerb für eine Solokarriere. Im Hintergrund lief der Song "Bad Time Style Back." Der wieder und wieder wie ein lästiger Ohrwurm auf sie einhämmerte . Das Klaviersolo drang ganz nah an ihr Ohr. Und bevor jedes Mal die Geige zum Einsatz kam, hörte sie sich aufschreien und stürzte zu Boden und erwachte. Bis kurz vor der Siegesernennung lief alles bestens. Ihre Schwester Sarah war mit von der Partie.

Robin hatte ihre Choreo fast beendet, als sie den roten Schal auf sich zufliegen sah...Sie bekam nur noch den Sturz mit und dann...Schmerz, Tränen, viele Schaulustige und...ER...Wie hieß er nochmal?...Robin konnte sich an den Arzt vor Ort nicht mehr erinnern. Ihre ältere Schwester Sarah manipulierte den Auftritt ihrer jüngeren Schwester. Immer wieder warf sie sich in ihren Träumen hin und her und wachte total verschwitzt auf. Dann zog sie ihren Pyjama aus und ging unter die Dusche. Sie brauchte jetzt diese Abkühlung, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Sie schloss ihre Augen, kehrte an den Ort zurück, wo alles passiert war.

~~

"Miss Wilson?...Miss Wilson!...Können Sie mich hören?...Hören Sie mich?... Ich bin Dr. Peters...Ruft doch jemand einen Rettungswagen und steht nicht nur so herum! Macht bitte Platz...eine Gasse bitte!", rief seine Männerstimme in den Saal hinein. Robin lag im Tanzstudio auf dem kalten Parkettboden. Sie sah alles verschwommen, ihr Kopf tat weh und ihr rechtes Bein war gebrochen. Überall um sie herum lagen kleine Glassplitter verteilt und dieser rote Schal, der gegen ihre Beine geschleudert wurde. Sie hörte die ganzen Stimmen, die alle durcheinander redeten, um sich herum nur im Schall. Das Licht an der Decke sah aus wie ein Strahl, der sich in einzelne Lichtstreifen in alle Himmelsrichtungen auszubreiten schien. "Was ist passiert?", fragte Robin benommen.

"Bleiben Sie ganz ruhig liegen, Miss...Ihr rechtes Bein ist gebrochen, Doppelbruch wie es aussieht...Wenn ich es so sagen darf, es sieht böse aus...Sie haben eine schwere Kopfverletzung. Die müssen wir wohlmöglich nähen oder klammern...Sie dürfen sich nicht bewegen. Ich bin bei Ihnen. Alles wird gut. Sprechen Sie mit mir. Sie müssen wach bleiben....Hilfe ist gleich da!...Ich werde Sie ins Krankenhaus begleiten, dass Sie nicht allein sind!...Wenn Ihnen das Recht ist.", redete Dr. Peters auf sie ein, um sie wach zu halten. Er leistete ihr, soweit es ihm möglich war, erste Hilfe. Der Arzt blieb bei ihr und beruhigte sie, bis der Rettungswagen eingetroffen war. Somit kam sie wenigstens nicht auf den Gedanken, sich aufzurappeln, um ihrer Schwester Sarah eine ins Gesicht zu donnern.

Sie saß neben ihr und grinste sie an und fragte hinterhältig: " Wie fühlst du dich kleine Schwester? Hat es sehr weh getan?...Das sollte es auch, denn ICH hab den Job!...Ich muss zugeben, deine Choreo war klasse. Aber es kann nur eine von uns Beiden gewinnen...Und das bin ICH...Wie immer!...Bleib ruhig liegen und genieß deine Schmerzen!...", und Sarah erhob sich vom Boden und verschwand für immer.

"Kennen Sie die Frau, die Ihnen das angetan hat?", fragte der Arzt sie. Robin fand keine Worte. Sarah war der einzige Grund, warum sie an diesem Tag auf dem polierten, kalten Parkettboden lag, mit einem gebrochenen Bein. Somit hatte sich wohl ihr größter Traum in Luft aufgelöst.

Mit dem Tanzen war es jetzt vorbei!

Dank ihrer Schwester Sarah.

~~

Robin verließ die Dusche und nahm das große braune Handtuch vom Handtuch - Halter herunter und trocknete sich damit ab. Sie stand dabei vor dem Spiegel und betrachtete ihr müdes Gesicht. Sie war von schlaflosen Nächten gezeichnet. Sie war von ihren hysterischen Schreien aufgewacht - wie jede Nacht...sobald sie den Schal auf sich zu fliegen sah. Ihr überlanges rot - braunes glattes Haar lag in allen Himmelsrichtungen auf dem Kopfkissen verstreut.

Sie warf ihren durchgeschwitzten Pyjama in die Wäsche. Sie knipste das Licht im Bad aus und betrat im Handtuch eingewickelt ihr Schlafzimmer und holte aus ihrem Kleiderschrank einen frischen Pyjama, den sie sich anzog, nachdem das Handtuch auf den Fußboden lag. Danach ging sie in die Küche an den Kühlschrank, um sich Milch herauszuholen. Etwas davon schüttete sie in ein Glas und stellte den Rest Packen Milch in den Kühlschrank zurück. Mit dem Glas ging sie in ihr Schlafzimmer und stellte es auf den Nachtschrank links vom Bett. Dann legte sie sich wieder in ihr Bett, damit sie noch etwas schlafen konnte, ehe der Wecker die Nacht beendete.

Jedenfalls versuchte sie es...wie jede Nacht.

 

 

"Terry, du blockierst das Badezimmer und das schon seit einer Dreiviertelstunde, man. Was treibst du denn solange da drin?...Ist dir klar, daß hier noch andere in diesem Haus wohnen, die es benutzen wollen?", und sie klopfte erneut mit ihrer rechten Faust gegen die Badtür.

"Hey Jus! Mach nicht so einen Lärm am frühen Morgen! Steh früher auf oder frag die Nachbarn nebenan. Vielleicht haben sie ja Erbarmen mit dir.", kam es aus dem Inneren vom Badezimmer der Wilsons. "Und außerdem bist du ja wohl die Einzige in der, ach so langen, Warteschlange. Also was soll das Theater?", fügte Terry hinzu. Terry war der Älteste von vier Kindern der Wilsons - Geschwister. Er besaß eine eigene Autowerkstatt mit einer kleinen Tankstelle am Rande der Stadt. Terry liebte den Geruch von Benzin und Öl. Das Geschäft lief gut, er konnte sich nicht beklagen. Er liebte den Schmutz. Doch er hasste den Schmutz, der an seiner Schwester Sarah klebte.

Sie war die Zweitälteste der Vier. Sie war sehr verwöhnt und der Liebling von Dave und Eveline Wilson. Sie wußte, wie man einem Honig um's Maul schmierte, nur um das mit offener, ausgestreckter Hand zu bekommen, was sie wollte...Geld, ein neues Auto. Jeder Wunsch wurde ihr erfüllt. Deshalb gab es wegen ihr sehr oft Streit unter den vier Geschwistern. Denn ihr glaubten die Eltern mehr, als den anderen Drei. Sarah hatte mehr Narren - Freiheiten und konnte tun und lassen, was sie wollte...Während die anderen Drei die Regeln des Hauses einzuhalten hatten.

Die Dritte im Bunde war Robin. Ihr großer Traum war eine Solokarriere als Tänzerin. Sie trainierte überall...zu Hause, im Park, in der Schule... später im Studio von Jermaine und Jülie. Sie war großartig. Sie blühte auf, wenn sie mitten im Tanz steckte und vergaß all den Streß und Ärger. Danach war sie ein neuer Mensch - bis zum Tag des Unfalls, der ihren größten Traum für immer platzen ließ. Nach ihrer Genesung und der Physiotherapie suchte sie sich einen Job und landete schließlich im "Open Hospital".

Justin, liebevoll Jus genannt, war das jüngste Mitglied der Geschwister, süße 23, arbeitete in einem Obdachlosenheim. Sie war die reinste Nervensäge. Sie konnte ihre Geschwister auf die Palme bringen, vor allem ihren großen Bruder Terry. Sie zog ihn auf, wo sie nur konnte und er fiel immer darauf herein. Wenn man bedenkt, dass jeden Morgen im Hause Wilson eine Schlacht statt fand, wenn es um das Badezimmer ging.

Leider verlor Terry immer wieder die Schlacht...Jeden Morgen.

Justin keifte immer noch vor der Tür. Ein Spalt wurde geöffnet und zwei braune Augen lugten hervor. Jus wurde langsam wütend und schob die Tür mit aller Kraft auf und baute sich vor ihrem großen Bruder auf. Der war nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet. Er hatte noch etwas Rasierschaum auf dem Oberkörper und in der rechten Hand lag der Rasierer.

"Hey, das ist meiner!", schnauzte Jus ihn total genervt an. "Kauf dir einen Eigenen. Und komm mir ja nicht mit der Ausrede, er liegt in der Werkstatt...Oder er liegt bei irgendeinem Betthäschen von dir...Das kannst du knicken. Das kauft dir doch keiner ab, man!"

Sie ging auf ihn zu und nahm ihm den Rasierer weg und schob ihn aus dem Badezimmer hinaus. "Was soll das, Justin?", fragte Terry seine jüngste Schwester.

"Entschuldige mal Bruderherz! Aber das hier ist nun mal leider das einzige Bad im Haus und ich bin gerade ein Notfall!", und sie schlug ihm die Tür vor der Nase zu. Terry hielt sich das Handtuch unterhalb der Gürtellinie fest und rief in Richtung Badezimmer: "Ich bin noch nicht fertig, man! So kann ich nicht zur Arbeit!"

"Dann nimm eine Pinzette und vollende dein Kunstwerk im Flur vor dem Garderobenspiegel!", kam es aus dem Bad. Justin legte ihm eine kleine Pinzette vor die Tür. "Soll das'n Witz sein, Jus?" Terry hob sie auf und stellte sich vor dem Spiegel in der Garderobe. Er besah seinen halbfertig rasierten Oberkörper und wischte mit dem rechten Zeigefinger durch den Schaum und zog an einem Haar. "Autsch!", zischte er und miexte: "Sag mal, hat dich der Blitz getroffen oder was?...Du bist doch verrückt! Das tut ja schon mit den bloßen Fingern weh. Was soll das denn erst mit der Pinzette werden?", nörgelte er vor sich hin. Dann brüllte er laut, dass Jus ihn hören konnte:

"Du weißt schon, dass das höllisch weh tut?...Wie haltet ihr das denn mit Heißwachs aus?" Da ging die Haustür auf und Robin trat ein. Sie schloß die Haustür und drehte sich zu Terry. Sie blieb abrupt vor ihm stehen und beäugte ihren Bruder von oben nach unten. Er stützte seinen rechten Arm auf der Kommode ab, mit der anderen Hand hielt er das Handtuch fest und fragte Robin verlegen: "Du bist schon hier?...Ehm ...Wieso bist du nicht auf Arbeit, Rob?", und er grinste verlegen.

"Oh...Ehm, ich hab...Ich hab meinen Job gekündigt und bin jetzt obdachlos. Ich hab gerade meine Wohnung in die Luft gesprengt. Hast du nicht den lauten Knall gehört?...Nein?...Dann muß ich mich wohl das nächste Mal mehr anstrengen!", und sie ging an Terry vorbei. Sie fasste nach dem Handtuch und zog ein wenig daran.

"Hey!", brüllte Terry durch den Flur und hielt das Handtuch fest, damit es Robin ihm nicht ganz vom Körper ziehen konnte.

"Hab dich nicht so, Bruderherz! Ich hab schon andere nackt gesehen.", gab ihm seine jüngere Schwester Robin zu verstehen und sie betrat die Küche und ließ ihn halb nackt im Flur stehen.

Terry sah ihr nach und sah dann in den Spiegel. "Okay, das reicht jetzt! Was zuviel ist, ist zuviel!" Er zog das Handtuch höher, wischte den Schaum damit ab und polterte die Eichenholz - Treppe hinauf in sein Zimmer. "Weiber!...Typisch Schwestern! Ich frag mich, wieso davon hier so viel im Haus herum rennen." Dort zog er sich für die Arbeit an, nahm seine Motorrad - Schlüssel und fuhr in seine Werkstatt.

 

 

"Ich bin wieder zu Hause ihr Lieben!", kam es von der Haustür der Wilson - Villa.

"Oh nein!...Nicht das am frühen Morgen!...Erst Terry halb nackt vor dem Spiegel und jetzt der Zerstörer!...Ich muß los, Mum...Bis später!", und Robin zog sich ihre Jacke über.

"Wird es nicht Zeit, das Kriegsbeil zu begraben?", fragte ihre Mutter ihr hinterher. Robin hielt sich am Türrahmen fest.

"Auf keinen Fall! Lieber heirate ich einen alten Greis, als ihr zu verzeihen. Sie hat mein Leben ruiniert....", gab Robin zur Antwort. "Ist ja schon seltsam, dass ich heute zum Frühstück erscheinen durfte.", nuschelte Robin vor sich hin und wurde etwas lauter:

"Sie hat mir das genommen, was mich am meisten glücklich gemacht hat....Wir sehen uns heute Abend, Jus." Justin nickte und Robin verließ das Haus durch den Vordereingang.

Was ist denn heute Abend?", fragte Sarah, als sie sich an den Tisch gesetzt hatte.

Justin biss von ihrem belegten Brötchen mit Käse ab und sprach zu Sarah mit vollem Mund: "Das kann dir doch egal sein!"

Sie kaute schnell aus, spülte den Rest mit Kaffee herunter, schnappte ihre Sachen und Schlüssel und verabschiedete sich, um auf Arbeit zu fahren.

Robin war zum Krankenhaus gefahren und zog sich im Aufenthaltsraum an ihrem Spind um.

Ihre Schritte lenkten sie zur Notaufnahme. Das war ihr neuer Job, seit eineinhalb Jahren...nach ihrem schweren Tanzunfall, vielen Therapien, die sie heute immer noch in Anspruch nahm. Wochenlang trug sie einen Gips an ihrem Bein. Der jeden Tag und jede Nacht gejuckt und sie bald wahnsinnig gemacht hatte.

Es war heute ihr freier Tag, doch sie wollte arbeiten. Das war jetzt für sie die einzige Ablenkung.

"Hay Rudy!"

Eine etwas korpulente Frau mit großem, frechem Mundwerk sah sie an.

"Tag Schätzchen! Hast du nicht heute deinen freien Tag?"

Robin setzte sich an den Computer und öffnete das Aktenverzeichnis.

"Nein Rudy!...Hab's mir anders überlegt. Der Zerstörer ist zurück. Also geh ich lieber arbeiten, als mir den Arsch hoch jagen zu lassen."

"Und wie fühlst du dich?"

Robin schlug die erste Klemm - Mappe auf und begann auf der Tastatur herum zu hämmern.

"Als ob ich jemanden umbringen möchte."

"Okay, zuerst hole ich uns Kaffee vom "Coffee - Shop" um die Ecke. Wird ein langer Tag heute, ist verdammt viel los."

"Okay Rudy...Ich danke dir vielmals!", und Rudy schlüpfte in ihre lange Wollstrickjacke. An der Doppeltür drehte Rudy sich nochmal zu ihrer Freundin um.

"Schön, daß du da bist, Wilson!", sagte Rudy zu ihr und ließ Robin allein.

Rudy war Robins beste Freundin, verheiratet mit George Wahly und hatte eine dreijährige Tochter. Robin kannte Rudy, seit sie hier angefangen hatte. Doch bisher gab es noch keine Gelegenheit, den Rest der Familie Wahly kennenzulernen.

Das Hospital war zur Zeit unterbesetzt und jede Hand wurde gebraucht.

Rudy, Robin und Rusty verbrachten im Moment mehr Zeit auf Arbeit als daheim.

Rudy hatte Rob in allem eingearbeitet und herum geführt und mit jedem bekannt gemacht, als sie her kam. So lernte sie zu begreifen und zu verstehen und ging in ihrem neuen Job voll auf.

Anderen Menschen zu helfen, ob obdachlos, verletzt oder krank oder sogar in der Not, war für Robin ein Privileg.

Am gleichen Abend:

Robin saß mit ihrer Schwester Justin, Rudy und ihrem männlichen Begleiter Rusty im "Coffee - Shop" und tranken ihr Feierabend - Bier.

Rusty war ein guter Kollege von Rudy und Rob und obendrein stand er auf Männer.

Robin krempelte ihre Ärmel bis zum Ellenbogen und bestellte für alle die erste Runde.

"Wie war dein freier Tag heute, Rob?", wollte ihre kleine Schwester wissen, die etwas später zu dieser Abendrunde hinzu kam.

"Oh, naja,...Der war gar nicht so übel.

Lass mich mal überlegen....Wir hatten Brechfälle, einige Schußwunden, gebrochene Gelenke.....!"

"Moment!...Du warst arbeiten?", unterbrach Justin Robin.

"Jaap!...Was sollte ich denn sonst anstellen?...Dem Zerstörer das Gesicht polieren und mich strafbar machen?...Oh nein, ich geh dann lieber arbeiten. Ich ertrage ihre Visage nicht.", und Robin nahm einen großen Schluck von ihrem gemischten Bier mit Cola.

"Wieso ist Sarah schon wieder zu Hause? Sie war doch erst vorigen Monat da. Braucht sie schon wieder Geld oder ein neues Auto?"

"Vielleicht braucht sie einen neuen Liebhaber, den sie ausnehmen kann. Ob Mami und Daddy das bewerkstelligen können, wage ich strikt zu bezweifeln."

Robin legte die Bestellkarte hin und sagte beiläufig:

"Ehrlich gesagt, ist mir das sowas von Scheiß egal...Prost Mädels! Die nächste Runde geht auf mich!"

Rusty sah in die Frauenrunde und hob sein Glas an und flüsterte: "Prost Rusty!"

 

 

Zwei Tage nach diesem feucht - fröhlichen Abend saß Robin in der Frühschicht. Es war Sechs Uhr morgens. Sie betreute gerade eine Mutter mit ihrer fünjährigen kleinen Tochter...Klara. Sie waren auf dem Weg in den Kindergarten und die Kleine war mit dem Fahrrad vorne weg gefahren. Sie wollte einem Mann mit seinem Hund ausweichen, denn der Hund kläffte sie an und zog an Herrchens Leine und wollte ins Hinterrad hinein beißen. Das Mädchen wurde unruhig, bekam Angst auf ihrem Fahrrad und fuhr gegen einen Baumstamm und stürzte.

Die Kleine hatte sich wahrscheinlich den Fuß gebrochen, denn ein richtiges Auftreten bereitete ihr höllische Schmerzen. "Okay Klara! Du bleibst kurz mit deiner Mum hier sitzen. Der Doktor wird gleich hier sein, okay...?"

Klara nickte. Robin hockte sich zu ihr und wuschelte ihr den Kopf. "Du bist sehr tapfer, Klara!..Misses O'Malley, es geht gleich weiter. Sie werden mit Klara gleich aufgerufen. Ich warte dann hinten in der Radiologie auf Sie, um das Bein von Klara röntgen zu lassen. Dann wissen wir mehr nach der Auswertung. Ich hole ihrer Tochter noch schnell einen Rollstuhl."

"Danke Schwester Wilson!"

"Keine Ursache Misses O`Malley! Dafür sind wir doch da."

"Schwester!...Schwester!" Robin drehte sich zu der rufenden Stimme um.

"Mister Warren!...Beruhigen Sie sich! Kommen Sie! Setzen Sie sich!"

Mister Warren lebte in einem Obdachlosenheim. Robin fand ihn eines Abends nach ihrer Spätschicht angeschossen auf der Straße. Justin sorgte dafür, dass er eine Bleibe bekam und brachte ihn dort unter. Sie arbeitete dort und kümmerte sich um Menschen, die kein Dach über dem Kopf hatten.

Seitdem besuchte Mister Warren Miss Wilson in der Notaufnahme. Das war seine Dankbarkeit dafür, dass sie ihm das Leben gerettet hatte. Manchmal brachte er ihr Blumen aus dem Park mit, wenn er dort spazieren ging und sie pflückte. Robin kümmerte sich hin und wieder um seine Verletzungen, die er sich irgendwo zugezogen hatte.

"Was ist passiert, Mister Warren?...Oh mein Gott!...Sie bluten ja!", und Warren fiel vom Stuhl. Robin fing ihn auf. Warren war schwer und Robin rief durch die Notaufnahme: "Ich brauche hier Hilfe!...Rudy, sofort einen OP bereitstellen!", rief Robin. Sie zog Warren den Mantel aus und sah eine tiefe, stark blutende Messerstichwunde im Rücken. "Oh mein Gott! Warren!", flüsterte sie.

Rudy und Rusty kamen mit einem Bett und legten ihn vorsichtig auf die Seite. Dann ging es in den OP. Robin griff zum Telefon und rief im Obdachlosenheim an und schilderte Justin die Lage. Sie traf eine Stunde später ein, um nach Mister Warren zu sehen. Sie blieb solange bei ihm, bis er endlich eingeschlafen war. Er hatte die Operation gut überstanden. Doch ein paar Tage würde er schon noch im "Open Hospital" bleiben müssen. Robin hatte Justin und Mister Warren allein im Zimmer gelassen und kehrte zur Notaufnahme zurück.

"Geht es Mister Warren gut?"

"Ja Rudy, er hat nochmal Glück gehabt. Es ist ein Wunder, dass er es bis hierher geschafft hat mit dieser tiefen Wunde. Wer zum Teufel macht so was? Und das auch noch am heller lichten Tage?", und eine männliche Stimme halte durch die Notaufnahme.

Rudy und Robin hoben ihre Köpfe. "Rusty!", kam es gleichzeitig aus ihren Mündern.

"Ich geh dann mal das Patienten - Zimmer Eins fertig machen, Rudy!" "Okay, ich mach dann mal die Zwei soweit startklar!", und die Beiden stoben auseinander.

Rusty klopfte bei Rob im Zimmer Eins an der offen stehenden Tür an, die gerade das Bett mit Desinfektion einsprühte.

"Stör ich Rob?", fragte er sie.

Sie hielt kurz in ihrer Arbeit inne und sah zur Tür. "Was gibt es denn so Wichtiges, Rusty?"

"Darf ich vorstellen?...Das ist Doktor Eric Peters!...Der neue Chef der Notaufnahme und Chirurgie!"

Rob nickte kurz.

"Willkommen Doktor Peters!"

"Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit, Miss..." Der Doktor hielt kurz inne in seinem Satz und nahm Robin in Augenschein. Sie kam ihm so bekannt vor. Aber woher?

Rusty bekam es nicht mit und stellte ihm Schwester Robin Wilson vor.

"Kennen wir uns?", begann Peters ein Gespräch mit Robin.

"Ehm...Nein!...Ich glaube nicht, Doktor Peters!", und sie schlängelte sich an den beiden Männern vorbei in die Notaufnahme. Rusty führte seine Runde weiter in der Notaufnahme, bis es Robin langsam reichte. Rudy sah es ihr an.

"Hormone!...Eindeutig!... Genau sein Beuteschema!", interpretierte Rudy.

Robin sah sie an und lächelte. "Ich glaube, der Doktor hat auch ein Wörtchen mit zu reden.", und Robin sah sich das Gekreische von Rusty noch etwas an. "Der Kerl ist süß, Rob! Sieh dir seinen Hintern an!", und Rudy tat mit ihrer rechten Hand, als würde sie gern mal in diesen Hintern kneifen.

Robin schlug Rudy eins auf die Schulter. "Untersteh dich! Du bist glücklich verheiratet und hast eine wundervolle Tochter. Dein Mann liebt dich abgöttisch, also lass das!"

"Ja Rob, die ich beide kaum sehe...Erinnere mich nur daran!... Also wenn nicht bald noch ein paar Leute eingestellt werden, kann ich gleich mein Zelt hier aufschlagen. Den Weg nach Hause kann ich mir dann sparen....

Ja nicht darüber nachdenken. Da wird mir jetzt schon ganz schlecht!"

Robin schloß ihr Medizin - Lexikon und sah sich etwas in der Notaufnahme um.

"Es ist heute ziemlich ruhig hier...Die Nachtschicht scheint wohl alles in den Griff gekriegt zu haben. Naja, ist ja auch erst halb sieben. Zeit für die Vampirblutbahn in der Eins.", scherzte Rob.

Plötzlich kam Rusty mit hoch - rotem Kopf aufgeregt und total aus dem Häuschen zu den Beiden. Rudy sah über seine Schultern. "Wo ist der Doktor geblieben? Hast du ihn etwa schon vernascht und vergessen ihn los zubinden?"

"Oh mein Gott! Der Mann ist soooo...heiß!... Er wurde aus Baltimore hierher versetzt und ist frisch von Cruz, seiner Ex - Frau geschieden...Also Mädels!...Haltet euch ran oder ich nehme ihn!", sabberte Rusty daher. Robin ging in das Wartezimmer und nahm sich eine Zeitung aus dem Ständer und rollte sie als ein Sprachrohr zusammen.

Danach stellte sie sich auf einen der Stühle im Wartebereich, nahm das gerollte Sprachrohr an ihren Mund und gab folgende Meldung:

"ACHTUNG, ACHTUNG!

Eine wichtige Durchsage an alle sich hier Befindlichen! Der Nächste, der das Krankenhaus verlässt, kann den Postboten abwimmeln. Wir brauchen für heute keine Klatsch - und Tratsch - Presse mehr!"

Sie stieg vom Stuhl herunter, entrollte die Zeitung wieder und legte sie zurück auf den Tisch. Sie glättete die Zeitung und steckte ihre Hände zufrieden gestellt in die weißen Kitteltaschen und ging auf Rusty zu.

"Okay Klatschbase! Wie wäre es, wenn du dich auch so aufopferungsvoll um die Patienten kümmern würdest, wie um den neuesten Klatsch und Tratsch?!", und sie ließ Rusty geschockt mit offenem Mund stehen.

"Was guckst du so?", fragte Rudy.

"Was hat sie denn für ein Problemchen?", kam es über Rustys Lippen.

Rudy legte den Kugelschreiber beiseite und schob ihm ein Anmeldeformular über den Tisch. "Keine Ahnung!...Wohlmöglich...DICH!...Es ist jetzt Sieben Uhr, Rusty Mc Allister!...An die Arbeit!", und Rudy nahm den Hörer vom Telefon ab.

 

 

Nach der Visite betrat Robin das Patienten - Zimmer von der kleinen Angela Hopkins.

"Guten Morgen Angela! Wie geht es dir heute?", fragte sie das kleine Mädchen, als sie das Fenster für frische Luft geöffnet hatte. Angela wurde mit Schmerzen in der Leistengegend eingeliefert, Verdacht auf Blinddarm, der ihr noch am selben Tag entfernt wurde.

"Ich darf heute nach Hause. Rufst du meine Eltern an?"

"Warte hier einen Moment. Ich hole das Telefon. Dann kannst du es ihnen selbst sagen. Sie werden sich darüber sehr freuen, dass du endlich nach Hause darfst. Deine Freunde werden schon auf dich warten." Robin holte das Telefon und wählte die Nummer an. Während sie das tat, holte sie die Reisetasche aus dem Schrank und stellte sie auf das Bett. "Wenn das erledigt ist, helfe ich dir beim Packen."

Als alles fertig war, verließ Robin das Patienten - Zimmer von Angela. Draussen auf dem Flur kollidierte sie mit Dr. Peters, der sie auffing, bevor sie stürzte.

"Entschuldigung Miss...Ehm...Ich hab Sie nicht heraus kommen sehen...Meine Schuld! Tut mir leid!...Sind Sie verletzt?", und er hielt sie immer noch in seinen Armen fest.

"Guten Morgen Mister...ehm...", und Robin sah auf sein Namensschild und las:

"Peters!"

"Guten Morgen Miss...ehm...", und er tat dasselbe und las ihren Namen "Wilson!" laut vor.

Robin befreite sich aus ihrem Gefängnis und ließ ihn einfach so stehen.

"Miss Wilson!...Sind wir uns schon einmal begegnet? Ich kenne Ihr Gesicht.", rief er ihr hinterher.

Sie blieb stehen und schüttelte mit ihren Kopf ein "Nein!"

"Wirklich nicht?...Ich könnte schwören, dass wir uns schon begegnet sind.", sprach er weiter. "Wenn Sie es sagen, Dr. Peters!", und Robin ließ ihn links liegen.

"Was war denn das gerade eben?", fragte Rudy neugierig. Robin legte Angelas Akte neben den Computer.

"Keine Ahnung! Er scheint ein sehr besorgter Mann zu sein mit ein paar Gedächtnislücken."

"Mhm...In wie fern darf das gedeutet werden?"

"Ein Blick auf die weibliche Berg - und Talbahn und der Glockenturm macht sich bemerkbar!", faselte Robin, während sie Angelas Akte in den Computer eingab.

"Autsch!...Das muß ganz schön weh tun, wenn man einen Stau in der Hose hat, was?...Was hat Rusty vorhin gesagt, zwecks Scheidung von seiner Cruz?...Wie lange war das nochmal her?", witzelte Rudy.

"Er hat keinen Zeitraum genannt!"

"Oooh, um so schlimmer steht es um ihn!", scherzte Rudy über Dr. Peters.

"Dem armen Doktor muß Abhilfe geschafft werden...aber sowas von schnell!", lachte Rudy herzhaft auf.

"Lass das ja nicht deinen Ehemann hören, diese Sache mit dem Glockenturm. Im Null - Komma - Nichts hast du deine Scheidungspapiere vor deiner Nase liegen, noch ehe du:

TUT MIR LEID, SCHATZ! ABER ICH WAR HEUTE GANZ HEISS AUF SEX - sagen kannst!"

Rudy lachte kurz ironisch auf. "Wenn ich den Sex im Moment nur hätte, der mir zusteht. Seit wir hier Überstunden schieben, hab ich meinen geheirateten Glockenturm nicht mehr gesehen, geschweige noch genießen können....Oh man und mein Spielzeug..."

Robin hielt sich die Ohren zu. "Oh Gott, Rudy! Das hab ich jetzt nicht gehört! Das ist ja echt widerlich!"

Und die zwei Frauen lachten über die Äußerungen des heimlichen Verlangens.

 

 

Der nächste Tag:

Gegen Fünf Uhr morgens wurden die großen Doppeltüren heftig aufgestossen. Ein schwer verletzter Mann wurde Blut überströmt herein gebracht. Robin rannte auf den Patienten zu und ließ sich die Akte geben. Rudy sagte im OP Bescheid und kam ebenfalls zu dem Verletzten in Nische Eins herüber und ließ sich die Akte über ihn von Robin reichen, blätterte darin vor und zurück. "Oh nein!", flüsterte sie. "Es gibt eine Menge Arbeit, Mister Maurice!", und Rudy brachte ihn in den OP.

Nach besagten zwei Stunden tauchte Rudy wieder auf. Sie war erschöpft und ihr Gesichtsausdruck war sehr nachdenklich.

Robin sah von den Schreibarbeiten auf. "Wie geht's ihm?" Rudy setzte sich. "Er ist stabil und liegt im Aufwachraum."

"Wieder ein Leben heute gerettet...Hier ist frischer Kaffee, nimm einen Schluck...Du siehst schlimm und mitgenommen aus...Seine Angehörigen müßten auch gleich da sein. Ich hab sie angerufen."

"Danke Robin!"

Rudy nahm einen Schluck und begann plötzlich vor sich hin zu wettern.

"Weißt du, wie sehr ich gerade meinen Job hasse? Jeden Tag kommen hier Schwerverletzte an, übel zugerichtete Menschen, geschlagene, mißhandelte Frauen und Kinder, alte Menschen, Teenager, ausgesetzte, halb erfrorene Säuglinge, schwerkranke, Obdachlose. Alles flicken wir wieder zusammen, so gut es geht. Und für was?...Dieser Mann war jetzt schon das fünfte Mal im Abstand von drei Monaten im OP aufgrund seiner Selbstzerstörung.

Überstunden hab ich, die ich gern gegen etwas Zeit mit meiner Familie eintauschen würde...Und ER versucht sich umzubringen, damit er bei seiner geliebten, verstorbenen Frau sein kann. HERRGOTT! In was für einer Welt leben wir eigentlich?"

Robin hockte sich zu ihr und nahm ihre Hände in ihre."Wovon redest du da eigentlich? Was ist im OP passiert? Warum denkst du auf einmal, dass dein Job nichts mehr wert ist?"

Rudy schaute mit ausgestrecktem linken Arm in Richtung Aufwachraum. "Er wollte sich umbringen! Er wollte verbluten! Er wollte unsere Hilfe nicht! Er hat mich angefleht ihn gehen zu lassen...Er wollte nur zu seiner geliebten Frau!"

"Indem er sich das Leben nimmt? Wie viel Mut muß wohl dazu gehören, um sich selbst auszulöschen?...", begann Robin über die Selbstzerstörung zu spotten.

"Er hatte den Mut sein Leben zu beenden und er wurde gerettet...Wieder!", warf Rudy ein.

"Wie oft wird er es wohl noch versuchen, bis er sein Ziel erreicht hat? Wieso wartet er nicht einfach darauf, bis seine Zeit heran ist, bis Gevatter Tod an seine Tür klopft und ihn mit sich nimmt?...", sprach Rudy sehr mitgenommen von den letzten, bewegten Stunden im OP.

Robin erhob sich und holte tief Luft. Dann gestand sie. "Kann ich dir sagen, Rudy! Weil er vor diesem natürlichen Tod viel mehr Angst hat...Weil er nicht weiß, welche Art des Todes ihn ereilt und wann es passiert...

Was für ein Feigling muß das sein?...", und Robin nahm ihre Freundin in ihre Arme.

 

 

Kurz vor der Ablöse zur Mittagspause:

Robin und Rudy zogen sich ihre Jacken und ihre Strassenschuhe an und wollten zum Mittagessen in den "Coffee - Shop" gegenüber gehen. Doktor Peters lehnte sich über die Notaufnahme und fragte Schwester Rob: "Darf ich Sie zum Mittagessen einladen?" Robin sah ihn an. "Wieso sollten Sie das tun?", fragte sie ihn. "Für meine Rempelei heut morgen vor Angelas Zimmer....Sagen wir...als Entschuldigung!"

Robin räusperte sich höflich.

"Mister Peters!...Ich meine Doktor Peters...Ich bin schon verabredet...Aber ich denke, wenn ich in aller Namen der Schwestern zu Ihnen spreche. Es sind genug von denen hier, die liebend gern mit Ihnen dinieren würden, um Ihr Interesse zu erwecken...Sie entschuldigen mich!", und Robin schlängelte sich an ihm vorbei.

Rudy hatte an der Tür auf sie gewartet und hakte sich bei ihr unter ihren rechten Arm. Beim Hinaus gehen auf die Strasse sprach sie zu Rob:

"Lass mich raten!...Der einsame Glockenturm wollte die Nonne für sein einsames, geschiedenes, verstaubtes Kloster gewinnen?"

"Für sein stillgelegtes, verstaubtes, mit Efeu und Spinnen überwuchertes Kloster, wolltest du wohl sagen?

Dafür muss er sich wohl jemand anderen suchen! Er sollte eigentlich wissen, dass man unter Kollegen nichts anfängt."

"So,...so? Und warum denke ich, dass er dich anbaggert?"

"Weil er schnurrt wie ein Kater?", und die Beiden betraten den "Coffee - Shop".

Rudy sah Robin an und meinte: "Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal angeschnurrt wurde.", und sie kicherten darüber wie kleine Schulmädchen.

Am Abend saßen die vier Wilson - Geschwister auf der Terrasse von Terrys Appartment und spielten eine Runde Karten bei Chips und Weißwein.

Sarah verlor am laufenden Band. Terry versuchte in die Karten der Anderen zu schauen. Robin teilte aus und Justin begann mit der nächsten Spielrunde.

Terry knurrte nebenbei über ein Auto, das er heute in die Werkstatt bekommen hatte, aber den Fehler nicht fand, der das Auto außer Gefecht gesetzt hatte.

Robin lehnte sich in ihrem Sessel zurück und sortierte ihre Karten auf der Hand.

"Knurre nicht Bruderherz! Morgen ist auch noch ein Tag. Vielleicht hast du ja morgen mehr Glück!...Hast du dir den Anlasser schon angesehen?...Sei froh, dein Laden läuft großartig...", sprach sie nebenbei auf ihre Karten konzentriert und legte aus.

"Wäre möglich, dass es daran liegt!....Gut kleine Schwester, dein Tag lief heute genau so unausstehlig wie meiner...Lass hören!", bat Terry Robin.

"Erzähl schon, Robin!", flehte Sarah sie an.

Justin riss ihr die Karten aus den Händen und blickte sie an.

"Als ob dich das interessiert...Und auch noch zu blöd, die Karten auf der Hand zu sortieren...Da, die kann weg!"

"Wir haben einen neuen Chef für die Chirurgie und Notaufnahme... Er nervt und steht einem ständig ...im Weg...Rusty sabbert ihn an...Er steht voll auf ihn.", und Robin legte eine Pik 8 auf den Kartenhaufen auf dem Tisch.

"Man könnte meinen, du hättest auch etwas für ihn übrig...Gib's zu Rob!...Ist es nicht so?", beteuerte Sarah und legte ein Herz Ass vor Robins Augen. Rob stand auf und legte ihre Karten auf dem Tisch aus: "Rommé", und nahm ihre Jacke zur Hand. "Wenigstens muss ich mich nicht hochschlafen, um auf der Karriere - Leiter zu steigen. Oder noch besser: Ich muss andere nicht manipulieren, um zu gewinnen...Oder Sarah?..Ich muss los!..Wir sehen uns morgen Jus!", und Robin fuhr heim.

Terry sah in die Runde. "Neues Spiel?"

 

 

Robin fuhr ihre Auffahrt hoch zur Garage. Es hatte zu regnen begonnen. Auch der Himmel schien einen Sch...Tag gehabt zu haben, sonst würde er nicht weinen.

Sie schloß ihr Auto mit der Fernbedienung und rannte mit der Jacke über dem Kopf an ihre Haustür. Da lag ein Blumenstrauß.

Sie bückte sich, um ihn aufzuheben. Ihre Augen sahen um sich. Ganz oben drauf steckte eine Karte, die sie heraus nahm und las:

"Gehen Sie mit mir morgen Abend aus!...BITTE!

Eric"

"Ist er taub oder was?...Was war an meinem - NEIN - nicht zu verstehen, Mister Eric Peters!?", fluchte sie vor sich hin und ging mit dem Strauß zur Tonne, um ihn hinein zu werfen. Genau so erging es der Karte, die sie vorher in tausend Stücke zerriss. Und die landete in der Papiertonne.

Mitten in der Nacht schreckte sie auf aus ihrem Schlaf. Dieses Mal war es kein Albtraum.

Hatte die Hausklingel geläutet?...Oder war es im Traum passiert?...DA!...Da war es schon wieder. Robin sah auf den Wecker:

00:30 Uhr.

Sie stand auf, warf sich ihren schwarzen Kimono über und betrat den Flur in der ersten Etage. Sie machte das Licht an und ging die Treppen runter.

Da läutete es abermals.

Robin öffnete und sah durch den Spalt. "Oh nein! Nicht Sie!"

So schnell sie geöffnet hatte, um so schneller warf sie die Eingangstür wieder ins Schloß, ging in Richtung Schlafzimmer und löschte das Licht im Flur auf dem Weg dorthin.

Doch das Geläute hörte nicht auf.

Robin erhellte erneut das Haus und öffnete die Tür.

"Guten Abend Miss Wilson!..Schön, dass Sie es sich doch anders überlegen!", ertönte eine Männerstimme. Sie gehörte Eric Peters.

"Sie sind immer noch da? Verschwinden Sie, aber schnell, sonst rufe ich die Polizei!", und Robin schloß die Tür vor seiner Nase zu.

Eric klopfte dieses Mal an und verzichtete auf's Klingeln.

"Mein Audi steht vorn mitten auf der Kreuzung, ist einfach so liegen geblieben. Ich kann ihn nicht mehr starten. Es regnet wie aus Eimern hier draußen."

"Verschwinden Sie!", rief Rob von drinnen hinter der Tür.

Ihr war es völlig egal, dass sein Auto den Geist aufgegeben hatte. Und für den Regen war sie auch nicht verantwortlich. Außerdem wohnten hier mehrere Leute in der Straße, nicht nur sie. Bei denen hätte er genau so klingeln können.

Wo hatte er eigentlich ihre Adresse her?

"Miss Wilson, ich komme gerade von einer Versammlung. Es ist schon spät..."

"Dann rufen Sie sich ein Taxi!", fiel sie ihm ins Wort. Der Kerl ging ihr gehörig auf die Nerven. Wie wurde sie ihn nur los?

"Könnten...könnten Sie mich nicht herein bitten und eine Tasse Tee zum Aufwärmen anbieten?", bat Eric, der langsam vor der Tür zu frieren begann.

"Das wäre ja noch schöner! Vielleicht wollen Sie noch eine heiße Dusche nehmen, ihr Revier markieren und mich aus meinem Schlafzimmer werfen?"

Eric sah verdutzt auf die weiße Kunststofftür.

"Markieren?...Raus werfen?", wiederholte er. "...Wo haben Sie denn den Blödsinn aufgeschnappt?"

"Von dem Mann, den ich umgebracht, in kleine Stücke geschnitten und in Gläser eingekocht hab. Ein Teil ist im Garten verbuddelt und der Rest auf dem Markt verkauft. Ist das Antwort genug?"

Mit jeder Antwort, die Robin von sich gab, wich er immer mehr von der Tür zurück.

"Miss Wilson! Sagen Sie mir, dass das ein Scherz war!"

"Sie sind noch nicht geflohen?", fragte sie ihn.

"Nein! Sollte ich denn?"

Er trat wieder etwas näher an die Tür und legte sein rechtes Ohr an.

"Miss Wilson... Ich hab keine Absichten. Ich möchte nur aus dem Regen raus, trockene Sachen, ein Bett zum Schlafen...Ehm...ich korrigiere...eine Couch würde es auch tun."

"Wie wäre es im Keller?", schlug Rob für seine Wunschliste vor.

"Nicht im Keller. Da ist es kalt und da streunern Mäuse herum!"

"Oh, sagen Sie es doch gleich, dass Sie die Gesellschaft von der etwas größeren Variante - Ratten - vorziehen. Die befinden sich allerdings in der Kanalisation. Vor der Ausfahrt ist ein Gulli - Deckel. Nehmen Sie die Abkürzung...Gute Nacht!"

"Okay, okay!...Ein Sessel tut es auch." "Würde ich ja gern, aber ich besitze keinen Sessel....Wenn Sie jetzt bitte gehen würden! Es hat aufgehört zu regnen... Ich bin müde und möchte meine Ruhe."

"Dann gebe ich Ihnen morgen frei, Robin."

Sie wurde langsam sauer. Was bildete er sich ein? Taucht hier mitten in der Nacht auf und klingelt sie aus dem Bett, textet sie an der Haustür zu, stellt noch Ansprüche und Äußerungen, von wegen - Frei geben.

"Und Sie wollen das einfach so entscheiden?...Mitten in der Nacht?"

"Ich bin der Boss!"

"Ah ja! Und Sie glauben, dass das so einfach geht?...Natürlich geht das! Wieso denn nicht?...Irgendwann wird es mir dann vorgehalten!...Vergessen Sie's, Doktor Peters!", kam es von ihr stinksauer hinter der Tür.

"Das Taxi ist gleich da und holt Sie ab und bringt Sie hoffentlich nach Hause! Mein Bruder holt ihr Auto morgen früh in seine Werkstatt...Legen Sie die Schlüssel unter die Fußmatte....Gute Nacht!", und Robin ließ ihn stehen.

 

 

Robin betrat am nächsten Morgen total übermüdet und gerädert die Notaufnahme. Rudy sah vom Telefonieren zu ihr auf, als sie durch die große Doppeltür eintrat. Rudy legte sofort auf und eilte auf sie zu. Sie berührte sie vom Haar bis ins Gesicht, auf ihre Schultern.

"Oh mein Gott! Wie siehst du denn aus? Hattest du eine Begegnung mit einem unwiderstehlichen Glockenturm?...Kenn ich ihn?" Robin sah Rudy wütend an.

"Dein Ernst jetzt?", antwortete Rob zornig.

Rudy machte große Augen.

"Okay Kleines! Er war Scheiße! Lass es nicht an mir aus!...Komm, geh dich erstmal umziehen. Deine Schicht fängt gleich an. Wir können später darüber reden.", und Robin nickte zustimmend.

In diesem Moment kam Rusty mit einem Bett und einem Patienten darin um die Ecke. Er blieb vor den Beiden stehen. "Hab ich was verpasst, Mädels?", und sein Blick fiel auf seine Kollegin Rob...

"Oh mein Gott! Was ist denn mit dir passiert? Du bist ja völlig durcheinander, Kindchen!" Robin hörte Rustys Stimme hinter ihrem Rücken und das gab ihr den Rest ihrer noch nicht mal begonnenen Schicht.

Robin sah sich in der Notaufnahme um und rief mit lauter Stimme: "Hat hier irgend jemand zufällig eine Knarre bei sich? Stimmen hinter meinem Rücken zu hören, ist ungesund!"

"Vor allem an so einem scheiß Tag wie heute...aber so was von ungesund!", gab Rudy zu verstehen.

Einige Patienten schauten erschrocken drein, andere widerrum standen auf und verließen das "Open Hospital", um später nochmal wieder zu kommen, falls sich die Lage beruhigt haben sollte.

Rudy gab Rob ihren Kaffeebecher. Sie hoffte nur, dass nicht Sarah oder ihr Ex Matt dahinter steckten.

Sie stellte keine weiteren Fragen...Vorerst.

Am späten Nachmittag war noch immer kein Wort von Rob gefallen, was das Auftreten von heut morgen erklären würde.

Zwischen dem Wechsel Telefon und Patientenschrank bemerkte Robin nicht, dass Doktor Peters anwesend war. Er hatte es sich allerdings bequem gemacht und stützte seine Ellenbogen an der Notaufnahme ab. Er beobachtete Robin bei ihrer Arbeit. Sie war sehr vertieft und merkte nicht, dass er sie beobachtete.

Das Einzige, was sie in ihrer Arbeit inne halten ließ, war ein Geruch eines Parfüms, das sie kannte. Es trug ihre Schwester Sarah stets auf.

Sarah wollte ihr von hinten auf die Schulter klopfen. Doch Rudy versuchte sie aufzuhalten.

"Ich würde das an Ihrer Stelle lassen, Blondie. Nehmen Sie die Vorderfront. Hinter dem Rücken mag sie keine Sprechstunden oder Annäherungen. Es ist heut morgen schon deswegen fast einer erschossen worden...Das ist kein Scherz!", fügte Rudy noch hinzu.

Sarah zuckte zusammen und stand neben Doktor Peters. Sie beäugte ihn und machte ihm schöne Augen. Der Versuch ihn anzuflirten schlug wohl fehl. Denn seine Augen verfolgten jeder Bewegung, die Robin ausführte.

Robin drehte sich zu ihrer Schwester um und knallte die Akten mit Absicht vor ihre Nase.

"Was willst du?...Fass dich kurz, ich hab zu tun!", bellte Robin sie an, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.

"Naja...Ich wollte dich fragen, ob wir nicht das Kriegsbeil begraben können, solange ich da bin."

"Das Beil kann bleiben, wo es ist...an der Oberfläche. Ich hab genug zu tun. Ich werde keine Zeit haben, um nach Hause zu kommen. Außerdem hab ich meine eigenen vier Wände...Leider wird die Nachtruhe dort von unerwünschten Personen gestört, die sich aufdrängeln und sich dabei aufführen, als wären sie unwiderstehlig und charmant und entgegenkommend oder spielen sich auf, nur weil sie der Boss sind!", und Robin sah Peters genervt und sauer an. Dann giftete sie weiter.

"Dann können sie einem mal EINFACH so frei geben...Sonst noch irgend etwas?...Da ist die Tür. Du findest sicherlich allein hinaus. Die anderen blonden Patienten haben es auch inzwischen gelernt...", antwortete Robin wütend. "Was denn gelernt?", fragte Sarah.

Rudy warf Robin einen fragenden Blick zu und antwortete für sie. "Wie man fliegt, Schätzchen!", und Rudy ging zum nächsten Patienten im Wartebereich.

Robin stellte Sarah die Frage: "Hast du verstanden?...Ich glaube, sie war sehr deutlich!"

"Ja, ja, sicher doch!...Der Chirurg hier soll sich vorher noch mein Knie ansehen!" Rob sah über die Notaufnahme auf Sarahs Knie.

"Keine Sorge! Damit ist alles in bester Ordnung!...Geh jetzt!"

Sarah sah Robin an und meinte sarkastisch: "Wir sprechen uns noch, Wilson!", und sie nahm ihre Jacke und ihre pinke Umhängetasche und stolzierte in ihren pinken High Heels aus dem Krankenhaus hinaus.

 

 

Nach dem Cappu begannen die letzten zwei Stunden Schicht für Rudy und Robin.

Rusty stand ganz entspannt an der Notaufnahme. Sein linker Ellenbogen war auf der Anmeldung und sein Kopf ruhte auf der dazu passenden Hand und schmachtete in Richtung Büro "Peters".

Rudy verkleinerte sich auf seine Größe und schaute in die Richtung, die Rusty angepeilt hatte.

"Wo sehen wir denn hin? Ist hier irgendwo ein Kino?", fragte Rudy ihn und gab ihm einen leichten Schubs, dass er mit dem Ellenbogen von der Anmeldung rutschte...

Mit einem Kopfnicken in Richtung Chef - Büro wies er Rudy seine schmachtende, sabbernde Richtung an.

"Hast du einen Vollknall, Mc Allister? Würdest du wohl schleunigst deine Augen von der Privatsphäre unseres Chefs abwenden?...Hat dir das deine Mama nicht beigebracht?"

"Warum sollte ich das tun, Darling?", entgegnete Rusty.

Robin kam mit einer Tasse Kaffee aus der kleinen Küche vom Aufenthaltsraum zurück und fragte Rudy: "Genau...Wieso sollte er das tun? Verdammte Sch....ist der Kaffee heiß!", fluchte Robin vor sich hin.

Rudy machte ihre beste Freundin auf die Szene aufmerksam, die sich gerade vor dem Büro von Doktor Eric Peters abspielte.

Robin ließ ihre Tasse aus der Hand rutschen und sie zerschellte auf dem Steinfußboden, als sie die Fummelaktion ihrer Schwester Sarah an Doktor Peters erblickte. "Das dachte ich mir schon!"; flüsterte Rudy leise. Über Robs Lippen kam nur:

"MISTSTÜCK!"

Rudy stand neben Rob und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust und nuschelte. "Was hast du da gerade gesagt?...Entschuldige mal, ich hab da was nicht mitgekriegt!"

Rudy folgte Robins Augen, die auf ihrer Schwester Sarah und dem Chirurgen ruhten. Ihre Augen weiteten sich genau so, als sie verstand, wieso Rusty schmachtete und Robin das Geschirr zerbrach und den guten, heißen Kaffee verschüttete. Sarah hatte Hand an dem Chirurgen angelegt und tat es sehr offensichtlich.

"Oookaaaay...", ließ Rudy vom Stapel, als sie nach den Akten gegriffen hatte.

"...Was sind wir gewillt, dagegen zu unternehmen?"

"Wie viele Optionen haben wir denn?...Ich bin dabei!", jauchzte Rusty.

"Wie wäre es, wenn wir den Helikopter starten und die Blondine aus nächster Höhe hinaus werfen?", schlug Rudy vor.

"Ich starte schon mal den Krankenwagen in der Garage. Dann kann Rudy sie davor stoßen!..Ich hab Höhenangst. Also fällt der Heli für mich schon mal weg.", kam es von Rusty in den Startlöchern.

"Ein Skalpell tut es auch...ein sauberer, glatter Schnitt...Rusty, du kannst dann die Sauerei aufwischen!" "Ist ja wieder mal typisch, danke Rudy! Muß es denn gleich so blutig werden?"

Robin holte tief Luft und stemmte ihre Arme in ihre Hüften und blies den Beiden den Marsch.

"Okay, das reicht jetzt!...Rudy, trink starken Kaffee und zwei Stück Zucker rein. Dann wirst du wieder die Alte und lammfromm!...Rusty, Schluß jetzt, das reicht, genug gejammert!"

Rudy lächelte auf Robins Reaktion.

"Lass hören Wilson! Was ist dein Vorschlag?", versuchte Rudy sie aus der Reserve zu locken.

Robin schmunzelte. Rusty grinste bis über beide Ohren und schaute zu Rudy.

"Sie hat auch etwas auf Lager...Komm schon Schwester!...Raus damit!", forderte Mc Allister Robin auf und wartete gespannt auf ihre böse Absicht.

"Ich bin für Einweisung in die Psychiatrie, Zwangsjacke und Singleknast und ein ausgepolstertes Zimmer! Am besten wäre für sie die Isolation!...Ihr versteht?", antwortete Rob.

Rusty lachte und rieb sich seine Hände. "Siehst du?...Sie ist genau so böse wie wir!", und er schlug mit Robin die Handinnenflächen aufeinander.

"Yeah! Gib fünf Schwester!", kam es voll abgedreht von Rusty.

Rudy verzog das Gesicht.

"Ich hätte jetzt lieber eine Runde Sex im Fahrstuhl. Dagegen hab ich jetzt nichts einzuwenden. Da bin ich manchmal auch böse...grrrr!"

Rob fiel ihr ins Wort.

"Wie war das, Rudy?...Du hast Sex und ich sitze auf dem Trockenen?...Du blöde Krankenschwester!...Hast du nichts anderes im Kopf als Sex, Wahly?"

Rudy flehte sie kläglich an.

"Schick mich heim, hänge mir ein Vergehen an, suspendiere mich! Ich bin sowas von auf Sex - Entzug!...Das ist wie eine Rasur ohne..."

"Dann steck dir etwas von deinem Spielzeug in deine Arbeitstasche. Du hast Pausen. Dann kannst du etwas Sinnvolles tun....Herrgott nochmal!

Hör endlich auf, mir mit deinem Entzug in den Ohren zu liegen!", wetterte Rob ihre Freundin an.

Rusty schnappte nach Luft und wollte etwas dazu sagen.

Dann platzte er vor Rudy.

"Du ...du hast Spielzeug? Das...das ist voll abgefahren, Wahly!"

"Ich hab es von meinen Freundinnen geschenkt bekommen...voriges Jahr...zum Geburtstag!"

"Das hätte ich jetzt auch gesagt, Rudy Wahly, um dich aus einer misslichen Lage heraus zureden.", konterte Rusty.

Robin dachte sich gerade verhört zu haben. Sie stützte ihre Arme auf die Anmeldung und klang sehr genervt.

"Mir reicht's mit euch Beiden, der eine schwul und voll durchgeknallt und sabbert wie ein Hund...und du, Rudy, voll die Sexsklavin!...Ich kündige!...Ihr seid doch voll neben der Spur, man!", und Robin machte sich über ihre Scherben her.

Über ihrem Kopf war eine männliche Stimme zu hören.

"Gibt es da unten ein Problem? Kann ich Ihnen vielleicht helfen, Miss Wilson?"

Rudy lachte laut auf und antwortete für Robin.

"Wenn Sie klug sind, Mister Peters, beenden Sie diese Liaison, noch ehe sie richtig begonnen hat. Diese Frau ist Ihr Verderb!...Dann haben Sie ein richtig großes Problem!"

Doktor Peters rückte sich an der Notaufnahme zurecht, nahm die nächste Patientenakte zur Hand und fügte noch hinzu:

"Mein Problem...meine Liaison...mein Verderb!...Hab ich noch etwas vergessen?...Ach ja, wenn Sie nicht suspendiert werden wollen, vergessen Sie den Sex im Fahrstuhl! Krümmen Sie dem Fahrstuhl ein Stromkabel, Rudy, verspreche ich Ihnen, dass Sie gekündigt werden. Dann haben Sie jede Menge Zeit für Sex...mit oder ohne Fahrstuhl! Und vergessen Sie ihr Spielzeug nicht!", und er drehte sich zu den Patienten im Wartezimmer um, um den Nächsten aufzurufen.

Rudy ließ die Antwort von Peters kalt und machte sich über die Karteien her.

"Du kannst mich dahin küssen, wo die Sonne nicht hin scheint, Süßer!...Grrr!"

Aus dem Patientenzimmer kam es: "Das hab ich gehört, Rudy Wahly!" Sie sah auf und fluchte. "Was....Er hat mich geduzt!"

Robin hatte ihr Unglück beseitigt und warf die Scherben in den Mülleimer.

Rudy kam auf Robin zu.

"Deine Schwester also...ein MISTSTÜCK!"

"Willkommen in meiner Familie!...Kaffee?"

 

 

Kurz vor Feierabend verließ Sarah das Büro von Doktor Peters. Rudy bekam ihren Abgang mit wie sie ihn anflippte und ihm einen Kußmund zu warf und ihre lange, blonde Mähne nach hinten warf. Eric lächelte Sarah an und als er Rudys Blick im Nacken spürte, schaute er sehr ernst drein und verzog sich in sein Büro zurück.

Rudy ging mit Robin nach dem Feierabend in den "Coffee-Shop" auf ein kleines Bierchen und einen kleinen Snack.

Als die Beiden sich an das große Fenster mit Kino - Ausblick gesetzt hatten, bestellte Rudy. "Die Runde geht heute auf mich, Rob...Hast du mitbekommen, daß deine Schwester den Peters den ganzen Nachmittag blockiert hat? Er hat seinen Pager - Alarm ignoriert.

Sie war wohl den ganzen Nachmittag bei ihm. Was werden die da drin solange gemacht haben?...Die haben mit Sicherheit kein Schach gespielt....Vielleicht Strip - Poker?..."

Robin sah ihre Freundin an.

"Du denkst doch nicht jetzt allen Ernstes darüber nach, Wahly?...Und außerdem, was war das vorhin?"

"Was meinst du?...Meine Ungehorsamkeit oder meine große Klappe? Wir brauchen mehr Belegschaft, sieht er das denn nicht? Ich brauch endlich mal ne Pause... Wir alle brauchen die!...Einer muß doch den Rand aufmachen. Und Rusty kannst du voll und ganz vergessen. Er fängt an zu singen wie eine Nachtigall, wenn er seine Meinung geigt und sabbert sich das Hemd voll.

Alles läuft auf den Fußboden, dass man hinterher nachwischen muß!"

"Mag sein, dass es so ist. Doch das gibt dir noch lange nicht das Recht ihm gegenüber das letzte Wort zu haben, geschweige ihm zu widersprechen. Er ist dein Vorgesetzter, nicht dein Ehemann! So kannst du nicht mit Doktor Peters reden, nur, weil du Sex im Fahrstuhl brauchst!"

Rudy spießte ein Stück Braten mit ihrer Gabel auf.

"Erzähl du mir was über Sex. Denn du sitzt auf dem Trocknen und ich nicht...."

" Sagtest du nicht vorhin etwas von Sexentzug? Was denn nun? Soll ich mir jetzt die richtige Antwort aussuchen? Tor A oder Tor B? Was wäre der Preis? Eine Kiste mit Sex - Spielzeug, dass ich nicht mehr auf dem Trocknen sitze in Tor C ? Oder steht in Tor B der Mann, der es faustdick hinter den Ohren hat?

Wahly, du bist manchmal unausstehlich und total durchgeknallt!"

"Und was befindet sich in Tor A?...Erzähl mir lieber, was es mit deiner Schwester Sarah auf sich hat. Wieso hasst du sie?", bat Rudy.

Robin sah aus dem Fenster. Und in Gedanken spürte sie erneut die Wucht des gefüllten Schals, den ihr Sarah ans Bein schlug. Sie zuckte zusammen.

"Robin?...Alles in Ordnung?"

Nach dem Abend fuhr Robin mit einem mulmigen Gefühl im Magen zum Tanzstudio. Sie parkte ein und löschte die Scheinwerfer ihres Autos. Das Studio war schon dunkel. Sie ließ die Scheibe herunter und starrte einfach nur auf das Logo des Studios über der Eingangstür. Wieder hatte sie die Bilder vor Augen, die an diesem Tag passiert waren.

Sie sah Sarahs grimmiges Gesicht vor sich, als die Jury die Entscheidung verlauten ließ, noch während Robin ihre Choreo vortanzte. Da war er wieder...der Schmerz.

Robin drehte den Schlüssel im Zündschloß, startete ihr Auto und fuhr vom Parkplatz.

Der nächste Morgen:

Sarah stand an der Notaufnahme und wartete auf ihre Schwester Rob.

Rudy beäugte sie die ganze Zeit skeptisch, bis sie genug gesehen hatte und trat auf Sarah zu. "Suchst du was Bestimmtes?",

fragte sie sie. "Ich will zu meiner Schwester. Ist sie da?"

Rudy sah um sich herum. "Siehst du sie hier vielleicht irgendwo?...Es wäre besser, wenn du das Krankenhaus verläßt. Die Tür steht offen. Du findest sicherlich allein hinaus!", und Rudy ging ans Telefon.

Als sie aufgelegt hatte, fragte Sarah sie: "War das für mich?" Rudy beugte sich zu ihr herüber. "Ich wüßte nicht, was dich das angeht, Wilson!...Wir haben Patienten, die auf mich warten.

Also nimm deinen IQ und geh!...Ich hab zu tun!...UND DU AUCH!", giftete Rudy Sarah an.

"Ja, ich hab einen Job! Ich bin Tänzerin. Die Beste!"

"Die Beste von was? Sich Knoten in die Füße zu machen ist kein Job!

Da muß man nicht die Beste sein. Die Besten stehen an jeder Ecke der Strasse, wenn du verstehst, was ich meine."

Eine Stimme im Hintergrund war zu hören.

"Du weißt nicht im Geringsten, was es heißt hart zu arbeiten. Geschweige, dass du das Wort - Arbeiten - schreiben oder buchstabieren kannst!" Sarah drehte sich zu ihrer Schwester um, die im grünen OP - Kittel hinter ihr stand.

"Okay, okay! Ich bin schon weg!"

Doch bevor sie sich an Rob vorbei manövrierte, flüsterte sie ihr ins Ohr:

"Nimm deine bissige Bulldoge an die Leine. Das Tierheim ist gleich um die Ecke. Ein Käfig wird für sie sicher noch frei sein.", und sie sah zu, dass sie sich entfernte.

 

Robin warf Rudy einen fragenden Blick zu. "Was hast du dieses Mal angestellt, Rudy Wahly?"

"Nichts!...Gar nichts! Ich bin unschuldig!...Kannst du meinen Nachnamen nochmal aussprechen? Ich höre ihn zur Zeit so selten...Ich weiß schon gar nicht mehr, wie er geschrieben wird!", bettelte sie Wilson an.

Robin bewarf sie mit der grünen Kluft, die sie ausgezogen hatte.

"Das reicht jetzt Rudy! Schluß damit!...Hör auf dich selbst zu bemitleiden und versuch wieder klar zu denken...Wir haben zu tun!"

"Wenn du meinst!"

"Sie hat Recht!", entgegnete Robin.

"Wer?"

"Sarah!"

"Wieso?....Womit denn?"

"Du bist eine bissige, unausstehliche Bulldogge! Du gehörst ins Tierheim!...Eindeutig!"

Rudy lachte laut auf und bekam sich nicht wieder ein."Bulldogge!...", wiederholte Wahly. "Wenn ich sie das nächste Mal erwische, werde ich ihr zeigen, wer von uns Beiden ins Tierheim gehört!", zischte Rudy durch ihre Zähne.

Robins Blick hätte Rudy auf der Stelle töten müssen und dann schrie sie ganz laut in der Notaufnahme herum:

"WAHLY!"

Rudy lächelte über das ganze Gesicht. "Na siehst du? Geht doch! War doch ganz leicht!", antwortete Rudy auf den Brüller und folgte grinsend und zufrieden ihrer Freundin in den endgültigen Arbeitstag.

 

 

Endlich konnte Robin zum Parkplatz. Sie hatte endlich Feierabend und wollte nur noch nach Hause fahren. Es war ein langer Tag und ihre Schwester Sarah lief ihr viel öfter über dem Weg, als ihr lieb war.

Kaum schloß sie ihr Auto auf, da vibrierte ihr Pager in der Handtasche. Sie holte ihn heraus und hörte schon die Sirene des Rettungswagens, der auf den Hintereingang des Hospitals zufuhr.

Sie schloß ihr Auto ab und rannte auf den Rettungswagen mit Blaulicht zu. Sie nahm dem Beifahrer die Patientenakte ab. "Wen haben wir hier?", fragte sie einen der Beiden Sanitäter beim Hineinschieben des Patienten. Der größere Sanitäter von ihnen zuckte ahnungslos mit den Schulter. Der zweite Sani, der Beifahrer, sagte:

"Unbekanntes Brandopfer...", und er legte mit seinem Bericht los.

"Kommen noch mehr von ihnen oder ist er das einzige Opfer?", fragte Robin den Sani.

"Er war der Einzige vor Ort!...Es ist nichts mehr übrig geblieben. Nichts steht mehr. Alles ist abgebrannt. Armer Kerl!...Seine Familie wird ihn nicht mehr erkennen. Er hat ganz schön was abgekriegt!"

Robin überflog kurz sein verunglücktes Gesicht und sprach zu dem Verletzen:

"Wir kriegen Sie wieder hin! Doktor Peters ist ein glänzender Chirurg."

Sie stürmte mit dem Patienten auf der Trage und dem Rettungsdienst durch die große Doppeltür. Rudy sah auf die Uhr und dann zu Robin. "Wolltest du nicht gerade Feierabend machen? Wie ich sehe, kannst du dich auch nicht trennen."

Robin sah Rudy mit ängstlichem Blick an. "Was ist los? Wilson...sag schon!"

Sie gab Rudy die Akte mit den Worten: "Wenn du jetzt Witze machst, Wahly, ist das ein schlechter Zeitpunkt!" Rudy verstand immer noch nicht.

"Was ... Was ist denn los? Wieso sitzt du nicht in deinem Auto und bist auf dem Weg nach Hause?"

Robin zeigte auf den Patienten. "Deswegen!" Rudy schob Rob beiseite und sah sich den Patienten und die Verletzungen an.

Er war schwer verletzt, überall starke Versengungen und Brandwunden. Die Haut hing teilweise nur noch in Fetzen an ihm und das rohe Fleisch war zu erkennen.

"Sechzig Prozent seines Körpers sind hinüber, sein Gesicht verunstaltet, das linke Auge ist...Wie heißt der Mann?", fragte Rudy den Rettungsdienst.

"Wir haben keine Ahnung! Er hat ganz schön was abbekommen von der Explosion!"

Rob blickte erschrocken auf Rudy und auf den Rettungsdienst. "Was...Was für eine Explosion?", stotterte sie.

Der Fernseher im Wartezimmer wurde eingeschalten und Rudy ließ die Nachrichten über den Bildschirm laufen.

Robin schweifte mit ihren Augen dorthin. Während sie die Nachrichten verfolgte, versuchte der Patient sie zu berühren und wollte etwas zu ihr sagen.

"Das ...Das ...Das ist....", und Robin verschlug es die Sprache. Sie erkannte die Werkstatt mit der Tankstelle. Alles brannte lichterloh. Die Feuerwehr war vor Ort und gab ihr Bestes, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen und zu löschen.

Sie spürte den Ruck an ihrer Jacke und sie starrte auf den Schwerverletzten.

"Oh mein Gott!...Nein!..." Sie hörte fast auf zu atmen.

"TERRY!", rief sie entsetzt laut und hielt sich ihren Mund mit beiden Händen zu.

"Terry!...Was...?"

Rudy reagierte sofort und gab laut und deutlich Anweisungen.

Terry war der schwerverletzte Patient, ihr großer Bruder. Robin war in Trance gefallen. Sie sah nur noch verschwommen, wie Hektik um sie herum ausbrach und wie Rudy Anordnungen in den Raum warf. Rob wurde von einer Seite auf die Andere geschoben. Sie merkte nicht einmal, wie Doktor Peters an sie heran getreten war, seine Arme um sie legte und sie an sich zog, um sie fest zuhalten und zu beruhigen.

Rudy ging zur Tafel und strich die OP eines Patienten weg, der gerade in den Aufwachraum geschoben wurde und schrieb Terry Wilson in die OP - Tabelle.

Sie ordnete ein Telefonat mit der Familie Wilson an, denn Robin war nicht in der Lage dazu. Sie stand unter Schock in der Notaufnahme. Alles drehte sich um sie herum und kam nur noch im Schall bei ihr an.

Es dauerte nicht lange und das schwarze Schaf der Familie war aufgetaucht. Sie war nervös und verängstigt. Ihre Tränen verwischten ihr ganzes Make - up. Sie stotterte vor sich hin und wollte wissen, wie es Terry ging.

"Wieso sollte dich das interessieren? Es sei denn, du hast deine Finger mit im Spiel!", fuhr Justin sie an, die kurz nach Sarah mit ihren Eltern eingetroffen war. Sarah hob ihren Kopf und blieb in ihrem Eiltempo stehen.

"Ich...ich war...ich war ...bei Terry...in der Werkstatt...", fuchtelte sie nervös mit ihren Armen und Händen herum. "...Und weiter?", forderte Justin sie auf.

"Ich wollte ihn besuchen. Doch er hatte meine Rufe nicht gehört...Ich stand in der Nähe der Tankstelle und hab..."

"...Hast was?...Rede!", klang ihre Mutter verängstigt, die auf Sarah zugegangen war und ihr durch das blonde, lange Haar strich.

"Ich hab... ich hab mir eine Zigarette angezündet und geraucht. Dann hab ich...hab ich den Glimmstängel weggeworfen. Er fiel in eine flüssige Lache und dann...dann..."

Robin war auf sie zu geeilt und fuhr sie an: "Was dann?....Was hast du dann getan?"

Sarah ging zwei Schritte zurück. "Dann...dann hat es laut geknallt und da war plötzlich Feuer überall. Alles fing an zu brennen und ich hörte nur noch Schreie...Terry...Es war Terry!"

Robin vergaß sich und stürmte auf Sarah zu. "Sag mal, spinnst du? Es steht überall dran, dass auf dem gesamten Gelände Rauchverbot herrscht! Bist du so blond oder tust du nur so? Hat man dir nicht das Lesen beigebracht? Oder bereitet es dir Freude und Spaß, andere zu zerstören oder zu manipulieren?

Was muß noch alles passieren, ehe du begreifst, dass der Mittelpunkt nicht das Wichtigste im Universum ist!...

Terry liegt im OP! Es steht nicht mal Fifty - Fifty...

Zigarette - Sprit - Öl - PENG!!!

Hast du sie nicht mehr alle?...Was steckt hinter deinen gottverdammten Absichten?"

Robin war regelrecht in die Luft gegangen, als sie Sarah zur Rede stellte.

Rudy kam herbei geeilt und hielt Robin zurück, noch ehe sie auf Sarah einschlagen konnte.

"Rudy...Lass mich looos!...Loslassen sag ich!" Rudy sah Rob ins Gesicht. "Beruhige dich...Scht...Scht...Alles wird wieder gut!...Setz dich!..."

Robin verneinte und versuchte an Sarah heran zu kommen, um sie zu verprügeln. Doch Rudy versuchte mit aller Kraft sie aufzuhalten. Robin war so wütend und voller Hass erfüllt. Sie zischte durch ihre Zähne und mit Tränen in ihren Augen: "Schaff sie mir aus den Augen, Rudy, sonst vergesse ich mich!"

Dann richtete sie ihre Worte an Sarah. "Und dir sage ich eines, Sarah Wilson: Sollte Terry es nicht überleben, bringe ich dich ins Gefängnis und da sollst du schmoren für das, was du ihm und uns angetan hast! Du sollst dafür büßen, dass du immer mit allem durchkommst und dann fein raus bist, Menschen behandelst, als würdest du über ihnen stehen!...Du ekelst mich an!...

LASS MICH LOS, RUDY! ICH MUSS HIER WEG!...LASS MICH GEHEN!",

brachte Robin hysterisch heraus und verließ fluchtartig das Hospital. Sie rannte auf den Parkplatz und startete ihr Auto und fuhr blind durch die Gegend. Denn im Moment konnte sie nichts für ihren Bruder tun, außer Abwarten und Beten.

 

 

Terry war ihr einziger Bruder. Er brachte sie dazu, dass sie sich im Tanzstudio angemeldet hatte. Denn sie tanzte nur in ihrem Zimmer oder im Garten. Er hatte sie damals ermutigt, ihr Talent nicht zu Hause zu vergeuden, sondern es auszuleben. Er hatte sie sogar überredet, an diesem Tanzwettbewerb teilzunehmen, der ihr Leben veränderte.

Ihre Fahrt führte sie letztendlich zum Tanzstudio. Sie stieg aus und lehnte sich an die Motorhaube an. Heute war es noch geöffnet. Es brannte drinnen noch Licht.

Alte Erinnerungen wurden in ihr wach. Sie sah sich mit ihrem Bruder hinein gehen. Er zog sie an der Hand die Treppen rauf. Sie war damals stur wie ein Esel und hatte sich dagegen gewehrt, mit ihm hinein zu gehen.

Der Regen fiel. Also lenkte sie ihre Schritte zur Tür und öffnete sie. Für einen Moment verharrte sie zögernd, ehe sie die Tür ganz öffnete und eintrat.

Seit dem Unfall war sie nicht mehr hier gewesen, um zu trainieren. Ihre Verletzung hatte sie davon abgehalten.

"Hallo Wilson!...Ich hab mich schon gefragt, wann du aus dem Regen heraus willst." Es war Jermaine, der auf sie zu kam. Er und seine Frau Jülie waren die Besitzer des Studios.

"Willkommen daheim! Wir vermissen dich hier...Dein Spind ist immer noch frei für dich.", und Jermaine zog sie an der Hand in den Tanzsaal. Rob ließ seine Hand los und blieb im Türrahmen stehen. Sie hatte Angst, den Saal zu betreten. Jermaine betrat die Mitte und wiegte sich zu seiner summenden Melodie hin und her und drehte sich im Kreis.

Robin beobachtete ihn und versuchte einen Schritt in den Saal hinein. "Komm Wilson!...Es ist wundervoll!...Kannst du die Musik hören? Spürst du es?", und er tanzte weiter.

Robin gab sich Mühe, einen Fuß auf's Parkett zu setzen, aber sie brachte es nicht fertig.

"Mit wem redest du da, Liebling?" Eine kleine Lilliputanerin betrat den Saal, neugierig, mit wem ihr Mann redete.

Jülie...

Sie sah Robin zwei Schritte vom Türrahmen entfernt stehen und strahlte über das ganze Gesicht.

"Du meine Güte, Wilson, wie schön dich zu sehen!", und Robin kniete sich zu ihr herunter und schloß sie in ihre Arme.

"Lass dich anschauen, mein Kind...Geht es dir gut? Du siehst traurig aus...Und du hast geweint...Was macht die Verletzung?......Entschuldige, das war unhöflich von mir....Möchtest du Kaffee? Ich koche uns schnell welchen.", und weg war sie. Jermaine war ihr gefolgt.

Robin versuchte erneut ihr Glück, den Saal zu betreten. Langsam, Schritt für Schritt. An der großen freien, rechten Wand hing immer noch ihr übergroßes Poster - Wilson im Ballettoutfit. Es wurde ganz am Anfang aufgenommen. Sie lächelte und strich darüber hinweg.

Ihre Bilder waren wieder da - der rote Schal gefüllt mit Glasscherben, den Sarah ihr mit voller Wucht gegen ihr rechtes Bein geschlagen hatte.

Sie spürte den Sturz und den Aufprall auf das Parkett und hörte den entsetzten Aufschrei der Zuschauer, als sie zusammenbrach. Sie konnte die Stimme von Jermaine hören. Er wetterte und Jülie hatte Sarah hinterher gerufen. Jermaine lief um Robin herum und verscheuchte die neugierigen Menschen, die um sie herum standen und tuschelten.

Ihr liefen die Tränen über ihr Gesicht.

 

 

Bis tief in die Nacht hinein dauerte die OP von Terry. Es hatte ihn ganz schön erwischt. Ob er überleben würde, würden die nächsten Tage zeigen. Man legte ihn ins künstliche Koma, damit er seine starken Schmerzen im wachen Zustand nicht ertragen mußte.

Rudy und Justin versuchten die ganze Zeit über Robin zu erreichen. Es ging nur die Mailbox an.

"Wo steckst du verdammt nochmal, Wilson?", knurrte Rudy vor sich hin. Sie warf einen Blick zu Justin, die vergeblich hoffnungslos verneinte.

Ihr Blick fiel immer auf die Doppeleingangstür, in der Hoffnung, dass ihre Schwester endlich wieder auftauchen würde.

Sarah saß bei ihren Eltern und entschuldigte sich tausendmal für ihr Handeln. Doch ihre Eltern hatten keinen Kopf dafür.

Justin reichte es und platzte. "Wieviel Schaden willst du noch anrichten, bis du hast, was du willst? Ich weiß zwar nicht, wonach du strebst, aber das Opfer war dieses Mal zu hoch gepokert. Ich denke, es war genug für dein ganzes Leben.

Soll ich aufzählen?

Du hast uns unsere Kerle ausgespannt und nicht nur einmal...Das war das Lächerlichste, was du je getan hast. So ein Verschleiß an Frau. Hattest du es so nötig, Sarah? Dabei ist dir jeder Kerl hinterher gelaufen. Du mußtest uns nicht bestehlen. Von Neid kann da keine Rede sein...Mehr oder weniger wolltest du dir doch beweisen, wie gut du es drauf hast...Das war der größte Spaß deines Lebens, deine Schwestern zu schikanieren, ihnen das Leben zur Hölle zu machen...Du sprengst die Werkstatt unseres Bruders mit einer einzigen Zigarette!...Er hat hart für seinen Traum gearbeitet...Du schleuderst das Geld zum Fenster raus und wenn du was brauchst, rennst du deinen Eltern das Haus ein...Und sie geben dir, was du verlangst.

Zerschrotest du dein Auto, das dir Mum und Dad gerade gekauft haben, fährst du eine Woche damit und einfach so aus heiterem Himmel...PUFF!...Kaputt...Verschrottet...Mum und Dad kaufen dir ja ein Neues, als wären sie Millionäre, weil sie im Keller eine Geld - Drucker - Maschine stehen haben? Du kommst und hälst die Hand auf und zack, Geld abgeknöpft...."

Justins Vater Dave wollte sie unterbrechen, doch sie ließ alles von ihrer Seele. "Ich bin noch nicht fertig mit ihr! Ich hab lange genug die Augen davor verschlossen...Irgendwann ist auch mein Maß voll...Wie oft wurden wir bestraft für ihre Dummheiten und sie kam jedesmal davon. Jedesmal, wenn wir für ihre Vergehen beschimpft und bestraft wurden, hat sie uns ausgelacht...Ihr habt uns nie geglaubt, wir waren ja Lügner in euren Augen...Doch sie bekam immer Recht. Doch jetzt ist damit Schluß!...Heirate einen alten Greis, Sarah Wilson. Er lebt nicht mehr lange. Dann hast du Angestellte, die du manipulieren kannst, eine Garage voller Autos, die du nach und nach zu Klump fahren kannst, eine Villa wird dir gehören, allein und die kannst du nach Herzenslust in die Luft jagen und besitzt jede Menge Kohle auf dem Konto, das du mit vollen Händen ausgeben kannst!..Bis nichts mehr davon übrig geblieben ist...Geh arbeiten, verdiene deinen Unterhalt auf ehrliche Art und Weise! Dann haben unsere Eltern und wir Ruhe vor dir, Miststück!"

Ihre Mutter war auf Justin zugegangen. "Kind, was ist denn in dich gefahren? So haben wir dich noch nie reden hören!" Justin sah ihre Mutter tränenverschmiert an. "Es gibt so Vieles, was ihr nicht über sie wisst! Terry, Rob und ich haben jahrelang unseren Rand gehalten. Aber jetzt ist Schluß!"

Sarah stellte sich vor ihre Mutter und Justin und keifte: "Pah, es gibt nichts, was ihr über mich wißt! Was du dich hier so aufspielst und sowas nennt sich meine Schwester! Ihr drei seid doch nur neidisch auf mich, weil Mum und Dad mich euch vorziehen!", und Sarah lachte laut auf.

Justin schob ihre Mutter Eveline zu ihren Vater auf die Lounge und trat auf Sarah zu.

"Wer bist DU, verdammt nochmal?!...Weil wir gerade über ehrliche Arbeit reden. Was hast du unseren Eltern über den Wettbewerb erzählt?", flötetete Justin Sarah an. "Ich weiß nicht, was du meinst!", spottete Sarah.

Robin war aufgetaucht und beobachtete das ganze Theater von der großen Doppeltür aus.

Sie war völlig durchnäßt.

"Los! Sag es ihnen!", forderte Justin ihre Schwester Sarah auf.

"Wovon redest du?", hakte ihr Vater nach. "Was soll sie uns sagen?...Justin?...Sarah?...Worum geht es hier?", und er sah seine beiden Töchter fragend an.

"Der Wettbewerb...Robin war der Favorit der Jury, nicht Sarah...Du hast nur den Job gekriegt, weil du mit dem Jury - Mitglied Sanders geschlafen hast...Du hast Rob ihren Auftritt ruiniert, weil du es nicht ertragen hast, dass sie als Siegerin gewählt wurde. Robin war dir im Tanzen schon immer weit voraus. Du wußtest von Anfang an, dass du nicht mit ihr mithalten konntest, geschweige noch eine Chance hattest zu gewinnen...Wie hast du den Job gekriegt, Sarah? Was hat sie euch Beiden erzählt?", fragte Justin ihre Eltern.

Dave und Eveline standen neben Justin. Sie waren aufgebracht, denn so hatten sie ihre Tochter noch nie erlebt. Was zur Hölle war zwischen ihren Kindern vorgefallen, dass sich solch eine Wut und Hass aufgestaut hatte? Hatten sie wirklich Sarah allen dreien vorgezogen?...Doch Justin übertönte die Gedanken ihrer Eltern, denn was jetzt ans Tageslicht kam, damit hätten Dave und Eveline nicht gerechnet.

"Sarah?...Was ist hier los?...Wovon redet deine Schwester?...Was will sie uns sagen?...Du sagtest uns doch, dass du gewonnen hättest." , kam ihre Mutter zuerst zu Wort.

Sarah ging ein paar Schritte zurück. "Das ist doch Schnee von gestern. Wen interessiert es denn heute noch? Ich bin die - BESTE - Tänzerin! Sie haben mich genommen! Nur das ist wichtig für mich!"

"Anscheinend nicht für deine Schwestern, Sarah Wilson!...Also, ich frage dich zum letzten Mal:

WAS IST VORGEFALLEN ZWISCHEN DIR UND DEINER SCHWESTER ROBIN?",

wollte Dave wissen. Er war jetzt nicht mehr der liebevolle Vater. Er kam sich gerade vor, als würde er sich bei einer Gerichtsverhandlung befinden. Waren er und seine Frau wirklich all die Jahre nur auf ein Kind der Familie eingeschossen?

"Sarah?", kam es von ihrer Mutter besorgt.

"Die Jury...die Jury...Ich wurde...wurde... disqualifiziert."

Eveline mußte sich setzen und hielt sich an der Lounge - Lehne fest und sah auf zu ihrer Tochter. "Was???...Sarah!!!...Du hast uns erzählt, dass Rob dir deine Choreo gestohlen hätte. Deswegen flog sie aus dem Wettbewerb."

Justin bekam große, entsetzte Augen...ebenso Robin, die immer noch an der Doppeltür stand.

"Sie hat WAS?", polterte Justin heraus.

In der Zwischenzeit waren Rudy und Rusty heran getreten und versuchten die Familie zu beruhigen, denn das hier war ein Krankenhaus und kein Gerichtssaal.

"Sarah!...Ich will Antworten!", forderte Dave von seiner Ältesten.

Justin wurde so wütend, beinahe hysterisch und fauchte ihre älteste Schwester an.

"Sie konnte die Choreographie überhaupt nicht von dir gestohlen haben...Jermaine, Terry und ich haben sie im Studio trainiert. DU hast nicht einen Fuß dafür krumm gemacht,...nicht EINEN!!! Matthew hatte alles heimlich gefilmt...Ja Sarah, wir haben ihn und seine Kamera erwischt. Danach hatte Rob mit ihm Schluß gemacht.

DU HAST IHRE CHOREO GEKLAUT!!!

...Damit es aber so aussah, dass Robin die Schuldige war, hast du ihren Auftritt manipuliert!"

"DU LÜGST!", konterte Sarah.

"NEIN!", kam es von der Eingangstür. Alle drehten sich zu der Stimme um. Robin kam auf ihre Familie zu.

Sie holte einen roten Schal aus ihrer Jackentasche hervor und hielt ihn Sarah vor die Nase.

"Was ist das?...Was hat das zu bedeuten, Sarah?", hinterfragte Eveline.

 

 

Dave und Eveline waren entsetzt über die Worte, die sie gerade eben aus dem Mund ihrer Tochter Justin vernahmen.

"Sag, dass das nicht wahr ist, Sarah!...Sag mir, dass es gelogen ist, was Justin uns erzählt.", forderte Dave Sarah auf.

"Dieses Mal ist es keine Lüge! Dieses Mal ist es die Wahrheit!", entgegnete Justin.

"Was ist das für ein Schal?", entgegnete Eveline.

Sarah verhielt sich still.

Dave fuhr durch seine lockigen Haare und lief hin und her. "Ich glaub, ich bin im Irrenhaus!...Was soll die Geschichte mit dem Schal?...Könnte mir bitten endlich jemand..."

"...Glas...In dem Schal waren Glassplitter eingebunden...", antwortete Sarah.

"Ich hab...ich hab...ich hab ihn..."

"Du hast WAS damit gemacht? Rede und lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!", forschte Justin ihre Schwester an.

Justin nahm Rob den Schal aus ihren Händen und wirbelte damit in der Luft herum. Als sie genug Schwung hatte, holte sie zum Schlag aus. Sarah sprang zur Seite.

"Schade!...Daneben!...Nochmal Glück gehabt, Sarah!", zog Justin Sarah auf.

"Soll das etwa heißen, du...du hast den Schal gegen ihr Bein geschleudert? Du hast ihr das angetan?...Du hast gesagt, sie wurde von einem Autofahrer angefahren!", stockte Dave.

Sarah verstummte gänzlich. Eveline und Dave sahen ihre Tochter schwer enttäuscht an.

"Ist das wahr?"

Sarah wollte gehen, doch Eveline hielt sie zurück.

"Antworte deinem Vater!", bat sie.

Sarah blieb ruhig und gelassen.

"Wir haben Robin sehr hart dafür bestraft - für DEINE Lügen!...", begann Dave und lief um Sarah herum. "...Ich schäme mich als Vater, meine eigene Tochter so verurteilt zu haben! Ich hab sie sogar aus ihrem Zuhause geworfen, weil ich dir mehr Glauben geschenkt hab als ihr!...Also...

Ist das wahr, was hier gerade gesagt wurde?...ANTWORTE MIR!", brüllte Dave Sarah an.

Sarah lachte auf und nickte und lachte und lachte und verließ das Krankenhaus.

Rusty verfolgte sie mit seinen Augen, bis die Doppeltür ins Schloß gefallen war. Dann flüsterte er: "In die Psychiatrie mit ihr. Ja, da gehört sie hin!" Rudy eckte ihn an und flüsterte ihm ins Ohr: "Klappe Mc Allister!"

Dann stürzte sich Rusty auf Robin, die wie benommen zwischen allen stand. "Kindchen, wie siehst du denn aus? Du bist ja total durchnässt. Du mußt ganz dringend aus den nassen Klamotten raus...Aber hoppla!"

Eveline nahm ihre Tochter in ihre Arme und hielt sie fest. "Schatz, wo bist du gewesen?" Rob entfloh ihrer Umarmung und ließ ihre Mutter einfach stehen.

Rudy wickelte ihr eine große, warme Decke um und schob sie ins Bad, zog sie aus und stellte sie unter die Dusche im Schwesternbadezimmer.

"Du hast uns einen großen Schrecken eingejagt, weißt du das?"

Rudy duschte sie und trocknete sie ab und verhalf ihr in trockene, warme Sachen.

"Rudy...Terry...Wo ist Terry...Rudy...", fragte sie immer noch benommen.

"Trink und iß erstmal was. Du holst dir ja noch den Tod, Mädel!", ermahnte Rusty sie, als sie mit Rudy im Schwesternzimmer aufgetaucht war.

Dave gab ihr einen Kuß auf die Stirn. "Wir reden zu Hause darüber, Rob!"

Rob sah ihren Vater an. "Es gibt nichts zu Hause zu bereden! Schon vergessen? Ihr habt mich hinaus geworfen! Ich hab meine eigenen vier Wände, wo es ruhig und friedlich ist. Wo man geschätzt und geliebt wird...Auch, wenn ihr jetzt die Wahrheit kennt, ändert das nicht meine Meinung über euch...Ich möchte, dass ihr jetzt geht...Ich muß mich ausruhen."

Robin setzte sich auf die Couch und brach in Tränen aus.

Rusty setzte sich zu ihr und nahm sie in seine Arme und wiegte sie hin und her wie einen Säugling.

Wahly rubbelte an Rob herum, um sie aufzuwärmen und deckte sie zu.

Rusty schlug ihr auf die Finger. "Wahly, es ist gut jetzt. Du machst sie ja noch kaputt, wenn du weiter so an ihr herumziehst."

"Ich mach sie schon nicht kaputt. Ich wärme sie nur auf. Sie war lange genug da draußen im Regen!...Wir müssen uns um sie kümmern. Wir sind ihre Freunde. Sie hat nur noch uns und ihre Schwester Jus!"

"Redet nicht so über mich, als wäre ich nicht im Raum! Okay?...Ich möchte zu Terry!", bat Robin ihre beiden Kollegen.

"Du solltest etwas schlafen. Danach kannst du zu ihm. Du brauchst genau so Ruhe, wie er auch!", redete Jus auf sie ein.

Da ging die Tür auf.

Sarah trat ein. "Was willst du hier?", ging Justin sie an. "Ich will mit euch reden."

Rudy erhob sich und ging auf sie zu. "Auf keinen Fall wird hier noch irgend etwas geredet. Du solltest lieber zur Polizei gehen und dich stellen! Da kannst du dann reden, wenn du so ein hohes Redebedürfnis hast!...Du solltest jetzt gehen!...JETZT!"

Sarah holte tief Luft und wollte noch etwas sagen, doch Justin nickte zur Tür.

"Ich komme später wieder!"

"Wohl kaum Sarah!", zischte Rudy sie an.

Robin hatte keine halbe Stunde in Anwesenheit von Rudy auf der Couch im Schwesterzimmer geschlafen, Rusty und Justin waren gegangen, als Doktor Peters eintrat und sich vor die Couch kniete.

Er sah Robin an und strich ihr eine Strähne aus ihrem Gesicht. "Wie geht es ihr, Rudy?" Rudy holte sich einen Stuhl heran und beobachtete ihre Freundin im Schlaf. "Ich würde sagen, sie hat heute ganz schön was durch gemacht. Wie kann man in so einer Familie aufrecht stehen und überleben, in der ein Terrorist zu Hause ist?"

"Sie haben eines vergessen, Wahly...Sie ist immer stark geblieben!" Rudy nickte, denn Peters hatte recht.

"Sobald sie aufgewacht ist, sagen Sie ihr, dass sie für eine Woche frei hat. Sie soll sich erstmal ausruhen und erholen." "Geht klar Doktor! Ich richte es ihr aus."

An der Tür drehte er sich nochmal zu Rudy um. "Ehm...Rudy...Danke, dass Sie für sie da sind! Sie kann sich sehr glücklich schätzen, dass sie solche Freunde um sich hat wie Sie und Rusty!"

Rudy lächelte und der Boss verließ das Zimmer.

Robin hatte lange geschlafen. Für andere hatte die Spätschicht bereits begonnen.

"Wie fühlst du dich Wilson?...Lass uns einen Kaffee trinken und was essen gehen. Ich hab einen Bärenhunger. Du solltest dir auch etwas genehmigen....Terry geht es soweit gut und ich soll dir ausrichten, dass du eine Woche frei hast, um dich zu erholen und auszuruhen.", und die Zwei hatten das Krankenhaus verlassen.

 

.

 

 

Robin besuchte ihren Bruder jeden Tag im Krankenhaus. Und wenn sie nur an seinem Bett saß und ihm aus Jules Verne vorlas oder ihm von ihrem freien Tag erzählte. Sie bürstete ihm seine braunen Haare, wusch ihn, rasierte ihn, verschnitt ihm die Nägel und mit Justin wechselte sie seine Kleidung und die Bettwäsche. Robin verbrachte im Moment mehr Zeit im Hospitel als in ihren eigenen vier Wänden.

Justin wählte im Obdachlosenheim einige Bewohner aus, die sie in einem gemieteten Bus mit zu Terrys Appartment nahm, um sich dort um den großen Garten zu kümmern. Sie machte ein Projekt daraus, damit die Bewohner Verantwortung für Eigentum lernten.

Terry war nicht allein in dieser schweren Zeit. Nur seine Eltern hielten es nicht für angebracht, ihn auf der Station zu besuchen.

Als die freie Woche herum war, stand Rudy im Zimmer von Terry, am Türrahmen mit verschränkten Armen gelehnt. Rob schloß gerade das Fenster.

"Schläfst du auch mal?", fragte Rudy. "Du mußt dich ausruhen...Wie lange bist du schon auf den Beinen?" Robin schaute zu Rudy. "Keine Zeit dafür, wir haben zu arbeiten. Unsere Patienten warten auf uns...Wie war dein zweitägiger Urlaub?", wollte Robin von ihr wissen und löschte das Licht in Terrys Kranken - Zimmer.

Beide Frauen liefen den Flur entlang. "Meine innere Göttin hatte das volle Programm.", und Rudy hakte sich bei Rob unter die Arme.

Robin lächelte leicht. "Das ist jetzt nicht fair... Also, wieviel Putz ist bei eurem Nachbarn von der Decke gefallen?"

Rudy wackelte mit ihren Hüften und sie lachten herzhaft um die Wette.

"Oh nein...Mc Allister im Anmarsch!", brodelte Rudy. Rusty begann eben seine Schicht und lief auf die Beiden mit offenen Armen drauf zu. Er redete ununterbrochen von einem neuen Tanzclub und von einem neuen Lover, der ihm dort über dem Weg gelaufen war. Rudy stoppte ihn mitten im Gespräch: "Okay, okay Mc Allister!...Der Telefondienst gehört heute Nacht dir...Beruhige dich wieder, sonst fliegen deine Arme noch davon!", gab Rudy ihm zu verstehen.

In ihrer Nachtschicht - Pause betrat Rob das Zimmer von ihrem Bruder. Doch er war nicht allein.

"Was machen Sie denn hier?...Sie sollten doch schon lange zu Hause sein.", gab sie Doktor Peters zu verstehen und strich ihrem Bruder sanft über seine linke Wange. "Ich bin der Chefarzt der Chirurgie und Notaufnahme, schon vergessen? Ich kümmere mich um das Wohlergehen unserer Patienten!" Sie stimmte ihm zu und betrachtete ihren Bruder im Schlaf. "Er sieht so friedlich aus." Sie nahm die Krankenakte vom Fußende und kontrollierte seine Werte und schrieb die Uhrzeit dahinter. Sie nahm seine linke Hand in ihre und gab ihm einen Kuß auf die Stirn. "Weißt du, Rusty schwärmt von diesem neuen Club und von seinem neuen Freund. Sobald du wieder gesund bist, werden wir dorthin gehen und feiern. Sie spielen die beste Musik und das Lichtspiel soll eine Augenweide sein....Ich weiß gar nicht mehr, wann wir alle zusammen das letzte Mal tanzen waren...Ich kann mich kaum daran erinnern...seit...seit...", und Rob verstummte.

Peters stellte sich auf die andere Seite des Patienten hin und beobachtete die Monitore.

"Ich weiß jetzt, woher ich dein Gesicht kenne...", begann er. Sie sah auf zu ihm. "Du warst Diejenige mit dem gebrochenen Bein im Tanzstudio. Ich war damals Ersthelfer und hab dich betreut, bis der Krankenwagen eingetroffen war. Ich bin mitgefahren und hab dich mit hierher gebracht."

Robin setzte sich in Bewegung und sah nach, ob ihr Bruder warme Füße hatte und mummelte ihn richtig warm ein. Sie hielt sich an seinen Füßen fest und begann zu weinen.

Eric ging auf sie zu und zog sie an sich, um sie zu trösten und strich ihr dabei über ihren Schopf, ihr langes Haar entlang bis er ihr Kinn zu sich anhob.

"Es wird alles wieder gut, Robin!", flüsterte er an ihrem rechten Ohr. Sie sah ihm in seine grau - blauen Augen und fuhr ihm unbewußt durch sein recht kurz, leicht ergrautes Haar.

In einem Impuls heraus beugte er sich zu ihr herab und drückte ihr seine Lippen auf ihre.

Sie schob ihn von sich und glättete ihre Kleidung.

"Wir sind Kollegen. Wir sollten das hier nicht tun!....Meine Pause ist zu Ende...Ich muß wieder an die Arbeit!" Sie sah auf ihren Bruder und flüsterte ihm zu: "Ich komme nachher wieder."

Robin ordnete sich und verließ eilig das Zimmer.

"Ich kann doch solange hier bleiben und auf ihn acht geben, bis du wieder kommst. Ist dir das recht?", rief er ihr durch die noch offene Tür hinterher.

Er blieb zurück und sein Blick haftete auf der Tür, die kurz darauf ins Schloß gefallen war.

 

 

Robin holte noch ein paar Sachen von Terry aus ihrem Elternhaus ab. Sie öffnete den Kofferraum ihres Autos und packte die großen Taschen hinein, um sie in sein Appartment zu bringen. Ihr Vater hielt sie auf, ehe sie fuhr und nahm sie in seine Arme.

"Es...es tut uns wirklich sehr leid, was da passiert ist. Wir wußten nicht, dass Sarah uns belogen und dir so übel mitgespielt hat. Wir haben dich ihretwegen hinaus geworfen und dich von uns getrennt."

Rob löste sich von ihrem Vater. "Stop...Stop Dad!...Das ist kein Thema mehr für mich...", und sie knallte die Kofferraumklappe zu. "...Es ist vorbei...Es war Zeit zu gehen!...Einer von uns mußte ja den Anfang machen...Findest du nicht?

Was Sarah betrifft: Sie ist nicht meine Schwester. Das war sie nie für mich gewesen!...", und sie öffnete die Tür zur Fahrerseite. "...Ihr...Ihr habt nur getan, was Eltern in solchen Momenten für richtig halten...Einer mußte für ihre Lügen und Spielchen bestraft werden. Und das war nun mal ich. Weil ich in euren Augen das schwarze Schaf der Familie war...Nicht sie!", und Rob stieg in ihr Auto und fuhr los.

Dave ging zurück auf die Terrasse zu seiner Frau Eveline und Justin. Eve griff nach seiner linken Hand und fragte ihn: "Und?...Wird sie uns jemals verzeihen?"

Er setzte sich zu ihr an den Tisch und nahm ihre Hände in seine und rieb sie. "Sie wird noch etwas Zeit brauchen, um uns zu verzeihen. Wir haben ein großes Unrecht an ihr getan."

Justin mischte sich ein. "Und da wundert ihr euch? Nach Robs Meinung wurde ja auch nie gefragt. Sarah hatte gesprochen und damit habt ihr euch zufrieden gegeben. Nie wurde etwas hinterfragt. Es gab immer nur eine Meinung...Sarah ihre!

Dass euch Beiden das nie aufgefallen ist, wie sie euch wie eine Spinne ins Netz gelockt hat....Die ganze Zeit über...Wir haben mal alle unter einem Dach gelebt und ihr wollt mir jetzt erzählen, dass ihr von nichts mitgekriegt habt?

Robin hat das Tanzen aufgegeben, seit diesem Unfall. Das war das Einzige, was sie glücklich gemacht hat. Und ihr drei habt ihr das genommen. Habt ihr mal gefragt, wie es ihr seitdem geht?...Ach ja, ging ja nicht...Ihr habt ja von nichts mitbekommen...Für euch zählt nur Sarah und sonst niemand!...WIESO?", und Justin verließ den Tisch.

"Wir waren mal eine Familie! Das ist schon viel zu lange her...Wieso ist sie so anders als wir?", hinterfragte Justin, ehe sie auf ihr Zimmer ging und ihre Sachen packte.

Rusty kam aufgeregt Robin entgegen. Sie war noch nicht mal richtig aus ihrem Auto ausgestiegen, als Mc Allister sie fast umrannte. "Na endlich Darling! Jetzt hört der Telefonterror vielleicht auf."

"Wovon sprichst du?", fragte Rob ihn, der sie am Ärmel geschnappt hatte und in die Notaufnahme zerrte.

"Sarah versucht dich den ganzen Tag zu erreichen."

"Wenn sie wieder anruft, sag ihr, sollte es Terry nicht schaffen, werd ich ihr das Leben zur Hölle machen...Hast du verstanden Mc Allister?", und sie ließ ihn mit entsetztem Gesicht stehen.

 

 

Terry schlief friedlich, als sie sein Zimmer betrat. Sie kippte sein Fenster an und schaute hinaus auf den Parkplatz. Dann sah sie nach seinen Werten und setzte sich zu ihm. "Happy Birthday großer Bruder!", und sie gab ihm einen Kuß auf die Stirn.

"Wir vermissen dich so sehr. Werd wieder gesund, ja?" Sie deckte ihn bis zur Hüfte zu.

"Kannst du dich noch an deine erste Freundin erinnern? Wie hieß sie doch gleich?...Lucinda Milton?...Oh mein Gott, sie war grauenvoll. Doch du warst total in sie vernarrt...Es hat lange gedauert, bis du über sie hinweg warst...Wie alt warst du da?...Sechzehn?...Sie war um einiges älter als du..."

Draussen im Flur wurde es etwas laut. Robin sah zur Tür.

"Jedes Wochenende warst du mit Großvater an deinem Moped beschäftigt. Ihr habt daran gebastelt, stundenlang. Und bei deiner ersten Probefahrt hast du es gleich kaputt gemacht.

Wir haben viel Mist gebaut...uns in die Hecken in der Schule geschubst bis unsere Sachen zerrissen waren. Oh mein Gott! Das gab höllischen Ärger zu Hause..."

Robin zog den Sessel näher ans Bett heran und kuschelte sich hinein. "Könntest du mich bitte in einer Stunde aufwecken, Terry? Meine Schicht fängt dann an." Sie gähnte und schloß ihre Augen. "Danke großer Bruder!", und sie war eingeschlafen

Auf der Uhr war es vier Uhr morgens. Doktor Eric Peters kam ins Krankenzimmer von Terry herein. Robin hatte ihren Kopf auf den Bettrand gelegt und schlief tief und fest.

Er betrachtete sie und stand in seinen Gedanken wieder vor ihrer verschlossenen Haustür, als der Wolkenbruch ihn in der Nacht überraschte. Er konnte sich an jedes Wort erinnern, das sie ihm entgegen geworfen hatte. Sie war abweisend zu ihm und wütend. Und das mit gutem Recht. Natürlich hätte er sich ein Taxi rufen können, doch er wollte sie sehen.

Seit er ihr bei diesem Tanzunfall begegnet war, hatte er sie immer vor seinen Augen. Und dann traf er sie hier im "Open Hospitel". Er rempelte sie einfach so an und hielt sie fest.

Mit ihrer Schwester Sarah wollte er sie eifersüchtig machen. Doch das ging nach hinten los. Rudy hatte ihn gewarnt. Er schmunzelte vor sich hin und hatte ihre Worte im Ohr.

Er hockte sich zu Rob und versuchte sie vorsichtig aufzuwecken. "Miss Wilson!...Es wird Zeit."

Sie schlief tief und fest. Er lehnte sie an die Sessellehne und deckte sie mit einer Wolldecke zu.

Dann beugte er sich zu ihr und drückte ihr einen Kuß auf die Stirn. Dann schlich er sich leise aus dem Krankenzimmer.

In der Notaufnahme suchte er Rudy auf. Er fand sie im Patientenzimmer Eins.

"Misses Wahly, könnte ich Sie einen Moment sprechen?" Rudy ließ alles stehen und liegen und folgte ihm ins Schwesterzimmer. "Was gibt es denn?"

"Können Sie mir sagen, wann Schwester Wilson das letzte Mal richtig geschlafen und gegessen hat?"

Rudy sah ihn erstaunt an und ein kleines Lächeln huschte ihr übers Gesicht. Sie dachte, er wolle sie auf den Arm nehmen und verneinte. "Wo steckt sie eigentlich?", wollte sie wissen.

"Lassen Sie sie schlafen. Sie ist bei Terry!", und er verließ das Schwesterzimmer. Rudy folgte ihm mit ihrem Blick, bis er in seinem Büro verschwunden war.

 

 

Robin kam irgendwann in die Notaufnahme und betrat das kleine Büro. Dort wartete bereits ein gedeckter Tisch und frisch gebrühter, heißer Kaffee.

"Hat wer Geburtstag?"

"Nein Wilson! Peters hat bestellt. Komm, setz dich zu uns...Ich wollte mich bei dir entschuldigen...wegen Sarah...Ich hab mit angehört, was deine jüngere Schwester über sie gesagt hat... Ich wußte nicht, dass es so arg ist...Ich verstehe dich jetzt besser."

Robin setzte sich zu Rudy und Rusty an den Tisch und goß sich eine Tasse Kaffee ein.

"Sie ist nicht meine Schwester...nicht mehr...Sie ist so anders als wir drei..."

"Es muß immer jemanden in der Familie geben, der aus der Reihe tanzt. Und das ist nun mal sie...Ich mache mir Sorgen um dich...", gab Rudy ihr zu verstehen und Rusty sprach mit vollem Mund: "Ich auch!"

"Wenn du reden willst, wir sind für dich da, okay?" Robin nickte und nahm sich ein Brötchen aus dem Korb.

Nach dem Frühstück suchte Robin Doktor Peters in seinem Büro auf. Sie klopfte an und wartete. Jemand öffnete ihr die Tür. "Miss Wilson!" "Ehm, ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Ich hab meine Schicht verschlafen...es tut mir leid!"

"Rudy hat mir gesagt, dass du mehr hier bist als zu Hause. Ich würde genau so handeln, wenn ein Mitglied meiner Familie hier liegen würde."

"Und danke schön für das Frühstück. Das nächste Mal sitzen Sie mit uns am Tisch, Doktor Peters."

"Eric...Mein Name ist Eric."

Robin steckte ihre Hände in ihre Kitteltaschen, lächelte ihn leicht an und nickte zustimmend.

Zehn Minuten später:

"Hallo Terry! Wie geht es dir heute?" Terry antwortete ihr immer noch nicht. "Ich lege dir dein Lieblingsbuch auf den Nachtschrank hier...Kapitän Hatteras von Verne. Wenn du wieder wach bist, liegt es gleich hier parat und du kannst es lesen. Wenn es dir nichts ausmacht, lese ich dir auch vor.

So haben wir es immer gemacht, wenn einer von uns beiden krank war...Deine Werte sind so weit im normalen Bereich. Kann ich sonst noch etwas für dich tun?"

Sie setzte sich zu ihm und strich über den Bucheinband und schlug das erste Kapitel auf.

"Ich war neulich im Tanzstudio bei Jermaine und seiner Frau Jülie...Ich war seit dem Wettbewerb nicht mehr dort...Aber das weißt du ja...Sie möchten, dass ich zurück komme. Mein Spind ist noch frei...Was sagst du dazu?...Du hast mich damals ermutigt und ich hab dich dafür gehasst, weil du mich dorthin geschleppt hast...Ich vermisse das Tanzen, aber die Bruchstelle macht mir zu schaffen.

Jeden Tag spüre ich den Schlag und die Schmerzen. Ich hab zweimal in der Woche meine Therapie im Krankenhaus. Doktor Douglas kümmert sich darum...

Du willst sicherlich wissen, wie es deiner Werkstatt geht. Ich muß dich leider enttäuschen. Es steht nichts mehr...Alles ist nieder gebrannt bis auf die Grundmauern...Es tut mir so leid, Terry!...Du hast dafür geackert und gekämpft...Dad kümmert sich um die Aufräumarbeiten und Sarah arbeitet bei ihm ihre Schulden ab. Damit sie dir alles zurückzahlen kann...Irgendwann...Okay großer Bruder! Ich muß erstmal an die Arbeit zurück. Ich komme später wieder und dann lese ich dir aus Jules Verne vor...Ich liebe dich Terry Wilson...Wir warten auf dich."

Als sie aus dem Krankenzimmer kam, saß Eric auf der schwarzen Lounge im Wartebereich vor der Zimmertür gegenüber. Er erhob sich und kam auf sie zu. "Wo ist ihr Kittel?", fragte sie Eric Peters.

Er war mit einem schwarzen Seidenhemd und Jeans gekleidet. Und er trug ihre Zivilklamotten über seinem rechten Arm.

"Miss Wilson!...Würden Sie bitte ihre Sachen anziehen?", und er reichte sie ihr.

Sie sah zu ihm auf. "Was soll das? Bin ich etwa gefeuert?"

"Nein! Sind Sie nicht!...Sie und ich werden jetzt unseren Feierabend antreten und werden Essen gehen....Und keine Widerrede!" "...Aber..."

"Anziehen!", und er reichte ihr ihre Schuhe.

Als sie ihre Sachen in ihren Armen hielt, befahl sie ihm: "Umdrehen!"

Er sah sie mit fragenden, hoch gehobenen Augenbrauen an. "Umdrehen Peters!" wiederholte sie ein zweites Mal ihre Aufforderung ihm gegenüber. Er tat es widerwillig. Er mochte Robin. Es verging keine Minute, an die er nicht an sie denken musste.

Sie zog sich im Wartebereich um, während er mit dem Rücken zu ihr stand und sie fragte, was sie lieber mochte: chinesisch, griechisch, indisch, italienisch.

Als sie ihre Jacke angezogen hatte, fragte sie ihn. "Und Sie?...Fertig!" Er bot ihr seinen Arm an und sie hakte sich bei ihm ein und sie gingen Richtung Ausgang durch die Hintertür. "Ich hab zuerst gefragt.", und er öffnete die Beifahrertür seines Audis.

 

 

 

"Fahren wir nach dem Essen zurück ins Krankenhaus? Ich hab Terry versprochen, dass ich wieder komme..."

"...Und ihm Jules Verne vorliest.", beendete er ihren Satz. "Ja, das werden wir, Miss Wilson! Zuerst schlagen wir uns den Bauch voll und dann leisten wir Terry etwas Gesellschaft."

Im Restaurant roch es nach allerlei Gewürzen und verschiedenen, chinesischen Gerichten. Eric wählte einen Tisch auf der Terrasse mit Blick auf den Marktplatz, wo in der Mitte ein großer Springbrunnen stand.

"Möchtest du darüber reden, was neulich im Krankenhaus passiert ist?...Du weißt, dass viele Patienten mitgehört haben."

"Ich hab das nicht angefangen...Ich bin später dazu gekommen. Hat das jetzt etwa Konsequenzen für mich?"

Er verneinte und machte dem Kellner Platz auf dem Tisch, da er gerade die bestellten Gerichte auftafelte.

Eric sah Robin an und wartete auf eine Antwort. Robin lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und schloß ihre Augen. Jedes Wort und jedes Detail dieses Tages hatte sie vor Augen. Sie konnte sich an alles erinnern.

"Sie waren auch da.", gab sie ihm zur Antwort. "Jetzt erinnere ich mich!" Sie spürte erneut die Wucht des Schlages und das Klirren von Glasscherben auf dem Parkett und seine beruhigende, raue Stimme im Hintergrund.

"Sie haben Sarah für das Video genommen...Ich lag auf dem Boden. Sie waren da und haben versucht mich wach zu halten, bis der Krankenwagen eingetroffen war." Jede Sekunde lief an ihr vorbei. Sie sah Sarah, die über ihr beugte und sie auslachte und den Sänger der Gruppe, an dem sie sich geklammert hatte und schadenfroh drein schaute.

Sie sah das viele Blut auf dem Parkett und Jermaine und seine Frau kamen auf sie zu gerannt. Seine Frau weinte und er fluchte auf seiner Muttersprache. Doch Robin verstand kein einziges Wort, was er vor sich hin fluchte.

Sie erzählte Eric von den einsamen Tagen im Krankenhaus. Nur ihr Bruder und ihre Schwester Jus besuchten sie dort. Die meiste Zeit verbrachte sie im Rollstuhl im Park hinter der Klinik, im "Open Hospital". Eine Krankenschwester fuhr sie nach dem Frühstück in den Park und ein Pfleger brachte sie abends in ihr Zimmer zurück.

Sie wollte von dem Tag an nichts mehr über das Tanzen hören. Nach dem Krankenhaus - Aufenthalt packte sie ihre Tanzschuhe, ihre Tanzklamotten und alle Tanzfilme in Kartons und verstaute sie auf dem Dachboden ihrer Wohnung....

Das Tanzen...

Das war das Einzige, was sie am Leben gehalten hatte und sie zur Ruhe kommen ließ...bis zu diesem Tag.

Sie gab es auf...seit dem Unfall.

Seitdem ist das Thema - Geschichte.

Eric erzählte sie auch, dass sie neulich im Tanzstudio war, an dem Abend, als Terry eingeliefert worden war. Sie hatte eigentlich vor damit abzuschließen. Doch dass das Ehepaar sie bat zurückzukehren, um das Training wieder aufzunehmen und das Bein wieder zu belasten, als wäre sie eine Ballerina. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Sie war sich noch nicht ganz schlüssig, wie ihre Entscheidung ausfallen würde.

Aber sie würde diesen Schritt vielleicht für Terry tun.

Wenn er nicht gewesen wäre, hätte sie nie die Chance bekommen, für irgend jemanden vorzutanzen.

 

 

Nach dem Essen fuhr Eric mit Robin ins Krankenhaus zurück. Sie verzog sich ins Zimmer von Terry und sah nach ihrem großen Bruder. Er schlief friedlich und hörte sie wohlmöglich, als sie sein Buch aufschlug und laut zu lesen begann. Denn einige Monitore reagierten.

"Falls ich dir zu schnell lese oder du etwas nicht verstehst, unterbrich mich und dann frag mich ruhig...", und sie nahm sich die erste Seite vor.

"Kapitel Eins

Die Brigg "Vorwärts"

Am 5. April 1860 war im Liverpooler..."

Irgendwann fielen ihr die Augen zu und das Buch fiel aus ihren Händen und landete mit den Seiten auf dem Fußboden.

Sie wußte nicht, wie lange sie geschlafen hatte. Rusty weckte sie ruckartig auf. "Was ist los?"

Rusty zog sie hastig aus Terrys Zimmer.

"Warren..."

"Was ist mit Warren...Rusty..."

"Komm und sieh selbst." Er zog sie an seiner Hand in die Notaufnahme. Warren war sternhagelvoll und lag auf einer Trage. Rudy und Eric waren bei ihm. "Was ist passiert?", fragte sie Eric besorgt und verängstigt. Er drehte sich zu ihr. "Er hat eine Alkoholvergiftung, Atemprobleme, Krampfanfälle, eingeschränktes Bewusstsein, unkontrollierbares Erbrechen...Es geht ihm nicht gut, Rob....Sein Herz wird dem Stress nicht standhalten."

"Was gedenken Sie zu tun, Eric?", fragte sie ihn aufgeregt und verängstigt. Sie machte sich Sorgen um Warren.

"Ich könnte ihn operieren."

"Dann tun Sie es verdammt nochmal!", sprach sie im wütenden Ton zu Eric.

Robin eilte zu Warren und nahm seine Hand in ihre und rieb sie ihm, um ihn etwas zu wärmen.

Sie schalt ihn ein klein wenig, aber nicht zu sehr.

"Auf was für Ideen kommst du eigentlich? Du solltest dich doch von dem Teufelszeug fern halten...Ich hab es deiner Lucie versprochen!"

"Das Päckchen...von heut Morgen...Da waren...lauter Flaschen drin. Es tut...es tut so weh, Rob...", und er drückte ganz fest ihre Hand. Ihm rollten ein paar Tränen über sein Gesicht und er erbrach sich aufs Neue.

Sie rollte Warren auf die Seite, dass das Erbrochene auf den Fußboden kleckerte.

Rob sah Eric hilflos an. Er verneinte, sie solle stark für ihn bleiben..."Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um ihm die Veliten zu verlesen, Wilson!", ermahnte Rusty sie.

Robin sah Rusty mit leicht tränenunterlaufenden Augen an und antwortete ihm grimmig und genervt von ihm: "Dann hättest du mich auch nicht holen brauchen!", zeterte Rob ihn an.

Warren zitterte vor Angst am ganzen Körper und hielt Robin an den Händen fest. Er griff immer wieder danach, denn er hatte Angst, sie könnte ihn allein lassen. Aber da irrte er sich. "Bleib bei mir Wilson! Bitte lass mich nicht allein sterben.", flehte Warren sie an. Robin beugte sich über ihn und flüsterte: "Heute wird hier niemand sterben, hörst du? Also streng dich an, dass du wieder gesund wirst.", und Robin ließ ihn los.

Der OP war soweit hergerichtet.

Sie sah Warren nach, denn Eric hatte ihr verboten mit in den OP hinein zu kommen. Es waren von ihrer Seite zu viele Gefühle im Spiel. Sie würde dadurch Fehler machen, die ihm das Leben eventuell kosten könnten.

Er versprach ihr alles Mögliche zu tun, um ihm zu helfen. "Vertrau mir!", flüsterte er und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf ihre Stirn und ging zu seinem OP - Team.

Sie setzte sich in den Wartebereich und zog ihre Füße an. Sie legte ihren Kopf auf die Knie und versuchte zu beten.

Justin war aufgetaucht und setzte sich zu ihr. "Wie geht es Warren?"

Robin sah sie an. "Wie hat er den Alkohol ins Obdachlosenheim schmuggeln können? Er hat doch gewusst, dass das verboten ist und für ihn tödlich werden kann. Ich hab seiner Frau kurz vor ihrem Tod versprochen, ihn davon fern zu halten. Sie sagte zu mir, sie habe Angst, wenn sie nicht mehr da ist, dass Warren wieder rückfällig wird...Ich hab es ihr versprochen, Justin!", und sie wischte sich ihre Tränen ab und fragte beiläufig: "Er sprach vorhin von einem Päckchen, mit Flaschen..."

"Ich hab keine Ahnung, Robin, ehrlich!...", entgegenete Justin. Dann stutzte sie kurz darauf. "Was hast du da gerade gesagt?...Ihm hat heut Morgen ein Postbote ein Paket gebracht?..." wunderte es Justin. "Normalerweise hat er niemanden mehr, der ihm Geschenke machen könnte.", gab Justin ihr zu verstehen.

Robin stand auf. "Ich denke schon!" Sie ging sich umziehen und fuhr aufs Revier. Sie ließ sich Auskunft über Sarah geben, nachdem sie den Verwandtschaftsgrad geklärt hatte. Als sie wieder an ihrem Auto stand, nahm sie ihr Telefon und wählte Sarahs Nummer an.

Als abgenommen wurde, platzte Rob los. "Was hast du angerichtet?'

"Wovon redest du?", stellte Sarah sich dumm.

"Die Kiste für Warren!"

"Oh, das meinst du? Hat es ihm gefallen?"

"Sag mal, geht's noch?...Warren durfte das Zeug nie anfassen! Und du verleitest ihn dazu, danach zu greifen? Das ist sein Todesurteil, Sarah!"

"Und wenn schon!...Es ist nicht meine Schuld, wenn er davon getrunken hat...Er hätte es ja auch sein lassen können. Da war der Durst wohl etwas größer als gedacht...Bekommt er im Obdachlosenheim nichts zu trinken?", scherzte Sarah.

Robin begann laut zu fluchen und drohte ihrer älteren Schwester. "Es wird deine Schuld sein, falls er die OP nicht überlebt! Und dann Gnade dir Gott Sarah Wilson!", und Robin warf ihre ältere Schwester aus der Leitung.

Ihr Weg führte sie zum Hospital zurück. Eric kam ihr schon entgegen und nahm sie in seine Arme.

"Er hat nochmal verdammt großes Glück gehabt.", gab er ihr freudestrahlend zu verstehen.

"Wo ist er?"

"Sein Zimmer ist neben Terry. Dann hast du es nicht so weit zu deinem Bruder."

Sie strahlte ihn an und ließ Freudentränen kullern.

"Danke Doktor Peters!", und sie küßte ihn auf seine linke Wange.

 

 

 

Es war endlich Wochenende angesagt.

Rudy und Robin befanden sich im Fitneßstudio "GYM - My soul."

Da hörten sie das gestörte Gekreische von Rusty, der aufgeregt ins Studio gestürmt kam.

"Mädels...puh...entschuldigt, wenn ich euch bei eurem Training unterbreche. Ich glaube, das solltet ihr euch ansehen." Rusty war aus der Puste und wedelte mit seiner rechten Hand vor seinem Gesicht herum, wie ein ausgebreiteter Fächer, um sich kühle Luft zuzufächern...

"Was meinst du damit?", versuchte Rudy aus ihm heraus zubekommen. "Douglas...Douglas ist wieder da."

Rob sah beide etwas unwissend an und gab ihm einen Schluck aus ihrer Flasche. "Wer ist Douglas?...Meinst du etwa den Therapeuten Douglas? Der seine Praxis in der Stadt hat, aber wegen mir extra ins Hospital kommt?"

"Genau der, Schätzchen!", antwortete Rudy.

"Ja und wo genau liegt da jetzt bei dir das Problem?", entgegnete Robin.

"Naja, es gehen gerade Gerüchte in der ganzen Belegschaft um, Gerüchte, die behaupten, er soll einige Patienten, und wir reden hier nur von weiblicher Kundschaft, die soll er belästigt haben.", antwortete Rusty ihm. "Und jetzt bekommt er in der zweiten Etage hier im Krankenhaus seine eigene Praxis."

"So ein Quatsch...Ich hab davon nichts gemerkt, geschweige noch gehört. Glaubst du das etwa?", gab Rob ihm zu verstehen.

"Ehm, Mädels...es gibt noch etwas, was ihr euch ansehen müsst.", spannte er die zwei Frauen auf die Folter. Rudy war schon wieder von seiner bloßen Anwesenheit genervt. "Ja, muß das sein?", plusterte sie sich auf.

"Hopp, hopp meine Süßen! Ab in die Puschen!", forderte er die Beiden mit dem Herumwirbeln seiner Arme in der Luft auf. Dann stemmte er sie in die Hüften und dackelte mit dem Hintern wackelnd davon. "Ich warte draussen auf euch, Mädels. Also hoppla!", rief er durch die offene Tür nochmal herein.

Als die drei das Hospital betraten, entdeckten sie sämtliche Ärzte, Pfleger und Schwestern vor Doktor Peters Büro.

"Was ist denn hier los? Habt ihr nichts Besseres zu tun? Das ist unverschämt! Bei euch zu Hause liegen wir auch nicht an der Schlafzimmertür auf der Lauer...Macht, dass ihr wieder an die Arbeit kommt!", ging Schwester Rudy dazwischen und atmete erfolgreich auf, als die Zuhörer - Meute sich aus dem Staub gemacht hatte.

Rudy trat näher auf die Bürotür zu.R obin zog sie an ihren Klamotten und hielt sie auf. "Was tust du denn da?", jammerte Rusty. Robin schnurrte sie an.

"Ich glaube, dein Vertrauensbefehl gilt auch für uns Drei. Meinst du nicht auch?...Also nichts wie weg hier!"

Rusty grinste über beide Backen und nahm eine Freundin links und eine Freundin rechts eingehakt.

Eine Stunde später verließ Douglas wutentbrannt Peters Büro.

Er wartete auf den Fahrstuhl in den Zweiten Stock.

Peters hingegen nahm seinen Mantel, seine Aktentasche, schloß sein Büro mürrisch ab und verließ stinksauer und auf Hochtour das Krankenhaus.

"Was war denn da los?", fragte Rusty seine beiden Frauen, die sich ebenfalls heimwärts fertig machten.

"Keine Ahnung, aber den Grund werden wir sicherlich bald erfahren!", beschwichtigte Rudy den neugierigen Rusty.

 

 

Als Robin zu Hause ankam, stand ein Audi in ihrer Auffahrt. Sie trat abrupt auf ihre Bremse und schaute aus der Frontscheibe heraus.

"Das is'n Scherz oder? Sag, dass das ein Scherz ist!", sagte sie zu sich selbst.

Sie parkte ihr Auto neben seinem und stieg aus.

"Was machen Sie denn hier?", fragte sie ihn.

Er war an seiner Fahrertür angelehnt und hatte die Arme verschränkt.

"Meine...meine Ex - Frau ist wieder aufgetaucht...Sie war bis vor kurzem mit Douglas verheiratet. Sie hat die Scheidung bei ihm eingereicht und Nunmehr at bei ihm ausgezogen. Jetzt ist sie wieder da und...Sie will mich zurück.", erzählte er völlig aufgebracht.

"Und wieso erzählen Sie mir das?...Ich denke nicht, dass wir uns schon so gut kennen, dass Sie mich als Ihre Vertrauensperson ausgewählt haben...Sie können sicher sein, dass ich es für mich behalte...Aber belassen Sie es auch bitte dabei!"

Robin ließ ihn stehen, ging an ihm vorbei, schloss ihre Haustür auf und ging ins Haus.

Was sollte sie denn gerade davon halten?

Ein Essen und schon erzählt er ihr seine Lebensgeschichte, seine Pleiten, Pech und Pannen?

Sie hörte, wie er Reifen quietschend das Gelände verließ und ging ins Bad.

Gegen fünf Uhr morgens klingelte der Wecker.

Robin stand auf und machte sich für die Frühschicht fertig. Neben Kaffee kochen und Frühstück zubereiten hörte sie die Nachrichten.

Ein schwerer Unfall hatte sich in der Nacht ereignet.

"Arbeit für uns...Immer her mit den Patienten!", sagte sie zum Radio, schnappte ihre Arbeitsutensilien und ließ ihr Haus allein zurück.

Eine halbe Stunde später traf sie in der Notaufnahme ein.

"Meine Güte, was ist denn hier los?...Rudy?", rief Rob durch das Getümmel von Verletzten.

Eine bekannte Frauenstimme ließ Robin aufhorchen.

"Er hat es verdient!"

Rob drehte sich zum Eingang um und sah ihrer Schwester Sarah ins Gesicht.

"Was hast du wieder angestellt?", fragte Robin alarmierend.

Rudy kam aus dem Schwesterzimmer völlig außer Atem. "Wilson, ich sagte dir doch gestern Abend, wir sehen uns zur Frühschicht und keine Minute eher...Du bist zu früh!"

"Und ich sagte dir - Schon klar!", gab Rob ihr zur Antwort.

"Was ist hier los, Rudy?"

"Der Heli landet gleich...Wir sollten auf's Dach gehen, Wilson."

"So schlimm dieses Mal, Wahly?" Rudy nickte. Oben auf dem Dach angekommen, landete der Helikopter bereits.

Rudy drängelte sich durch und nahm sich die Akte, die auf dem Patienten - Oberkörper lag.

Sie sah Robin an.

"Es ist besser, wenn du nicht dabei bist, wie wir ihn zusammen flicken."

Robin war zerstreut.

"Was meinst du damit? Natürlich werde ich dabei sein. Was hast du denn gedacht? Das ist mein Job! Schon vergessen?"

Rudy sah besorgt von der Klemmmappe des herein geflogenen, Schwerverletzten Patienten auf..."Ich verstehe deine Einstellung zur Arbeitsmoral, Wilson! Aber dieses Mal nicht!", sagte Rudy zu ihrer Freundin und Kollegin.

"Was ist los?...Wo liegt gerade das Problem Rudy?...Ich hab einen Eid geschworen, jedem Patienten zu helfen?...Rede mit mir, Rudy!...Wer ist es verdammt nochmal?", wurde Robin jetzt genervt laut.

"Es...Es ist...Es ist Doktor Peters...Es ist Eric, Rob!"

Was zur Hölle war hier eigentlich los?

Menschen, an denen Robin etwas lag und die ihrem Leben gut taten, wurden schwer verletzt. Und was ist mit Sarah? Sie war wohl jedes Mal involviert.

Trug sie etwa einen Kongurrenzkampf aus?

Reichte ihr die Strafe nicht, die sie für ihre bisherigen Vergehen bekommen hatte?

Oder spielte sie wirklich das Gefängnis an?

Glaubte sie etwa, nur weil sie eine berühmte Wilson war, käme sie drum herum und könne sich alles erlauben und mit Geld bezahlen?

Wenn sie sich da mal nicht täuschte.

 

 

Rudy hatte Erics Akte zur Hand und studierte sie. Dann sah sie ihre beste Freundin an. "Es ist wirklich Peters!..."

"Du scherzt oder? Sag mir, dass du mich gerade verarschst, Rudy!", gab sie an Rudy zurück.

Wahly verneinte.

Robin war geschockt und zuckte zusammen, als Rudy nach Rusty durch die Notaufnahme brüllte.

Er kam im schnellen Schritt auf die Zwei zu. "Geht's auch etwas leiser?", fragte er sie. "Was ist los?"

Rudy gab ihm die Order auf Robin acht zu geben. "Wieso? Sie ist doch gesund und im guten Zustand. Ihr fehlt nichts! Siehst du? Alles in bester Ordnung! Tip! Top! Makellos!...Klamotten und Frisur sitzt, Schuhe passen ausgezeichnet, Kittel ist sauber!...Kann ich jetzt wieder an meine Arbeit gehen?", schauspielerte Rusty.

Rudy streckte ihre linke Hand nach ihm aus und hielt ihm am hinteren Kittelkragen fest. "Das hier ist deine Arbeit! Sie - Rob, unsere Freundin. Du tust, was ich dir sage! Also, du wirst dich jetzt brav um sie kümmern!", wurde sie bösartig in ihrem Ton und ihre Stirn lag in Falten und das verhieß bei Wahly nichts Gutes.

"Okay, okay, ich hab verstanden!", liebäugelte er mit Wahly und zog Robin an ihrer Hand vom Geschehen weg.

Er platzierte sie im Wartebereich auf der Patienten - Lounge und kniete sich zu ihr herab.

"Hör zu Darling! Du bleibst hier jetzt schön still sitzen, rührst dich nicht vom Fleck. Ich werd uns beiden jetzt einen Kaffee holen, okay?...Oh Gott, Rusty, wo bist du hier nur gelandet?...Kaffee...Ich hole Kaffee...Und du...Hier...Sitzen bleiben!...Nicht bewegen!", und er lief eilig und nervös davon.

Robin war geschockt, kaum ansprechbar. Ihr Blick war geradeaus gerichtet in Richtung Anmeldung der Notaufnahme.

Kurze Zeit später saß Rusty neben ihr und brachte zwei Becher Kaffee aus dem "Coffee - Shop" mit.

Er nahm ihre rechte Hand in seine und fragte sie: "Wie fühlst du dich?"

Robin sah ihn traurig an. "Als...als wäre ich verflucht oder so was in der Art. Jeder, der mir etwas bedeutet, landet hier in der Notaufnahme....Glaub mir, das ist nicht mehr normal!"

Plötzlich hörte sie ein "KLICK...KLACK", Schritte, die auf sie gelenkt worden waren, selbstsicher und hart auftretend. Und dann sprach die Stimme hysterisch mit Robin.

"ER HAT ES VERDIENT!"

Rusty blickte auf Sarah. "Oh nein! Nicht die schon wieder!", klang er genervt.

Robin wollte aufstehen, doch Rusty versuchte sie im Zaum zu halten.

Doch Wilson entriss sich ihm und erhob sich und stürmte in Windeseile auf ihre Schwester zu.

Mc Allister zog sich bis hinter an die Lounge - Lehne zurück, zog die Beine an den Oberkörper und sah sich in der Notaufnahme um und flüsterte verängstigt um sich schauend: "HILFE!"

Robin schrie Sarah an.

"Warst du das? Hast du den Unfall verursacht?"

"Ich hab ihn gesehen...beim Chinesen...mit einer anderen Frau!"

"Ja und wo ist dein Problem dabei?", attackierte Robin sie. "Wieso tut er mir das an? Er geht mit anderen Frauen aus, aber nicht mit mir!", stammelte Sarah.

"Darf ich dich darauf hinweisen, dass du in keinerlei Beziehung mit ihm stehst? Er will dich nicht!"

Sarah lachte hysterisch auf und fragte ihre Schwester: "Und dich etwa schon? Ich hab nicht mitbekommen, dass er Anstalten macht, dir hinterher zu rennen!...So etwas wie dich würde er nie anfassen!"

Sarah wurde jetzt puterrot.

"Er hat nicht mit anderen Frauen auszugehen! Nur mit mir!", plauzte sie heraus.

Rusty mischte sich in das Gespräch ein.

"Du bist doch krank, Sarah Wilson! So etwas wie dich steckt man doch in die Psychiatrie!"

Sarah sah ihn wütend an. "Wer hat dich denn um deine Meinung gebeten, du Eunuch?"

Rusty fühlte sich angegriffen und japste nach Luft. "Treib es ja nicht so weit, mein Fräulein! DU beleidigst mich nicht! Wollen wir doch mal eins klar stellen, du Terroristin: Ich bin kein Eunuch! Ich bin zwar etwas anders gepolt, aber ich bin KEIN EUNUCH!", protestierte Rusty Mc Allister.

"Du musst nicht gleich heulen vor Kränkung!...

Dieser Mann hat das bekommen, was ihm zusteht! Er hat mich verschmäht.", und Sarah hob ihre Arme in die Luft. "Hier drin lebt und arbeitet er. Hier drin soll er auch sterben! Wenn ich ihn nicht bekommen kann, dann soll ihn auch keine andere kriegen!", garstete sie herum.

"Du hast Bewährung, Sarah Wilson! Doch die ist gerade flöten gegangen!...Abführen!", gab Rusty der Security den Befehl, die mit ihr auf die Polizei warteten.

Robin rief dem Sicherheitsdienst hinterher.

"Einen Moment noch! Warten Sie!"

Sie baute sich vor ihrer Schwester auf und knirschte sie an:

"DU BIST UND BLEIBST EIN ELENDICHES MISTSTÜCK, SARAH WILSON!

Wieso tust du so etwas nur? Wie kann man nur so egoistisch sein und seinen Mitmenschen solch einen Schaden zufügen?

Du bist neidisch und eifersüchtig und respektlos!

Niemanden gönnst du ein Stück Glück! Alles musst du madig und schlecht machen! Jeder in deinen Augen macht alles falsch, nur DU machst alles richtig!

Du solltest dich schämen, sogar zwischen deine eigene Familie einen Keil zu schieben!"

Sarah spuckte ihr auf die Brust und zickte sie an.

"Wer soll sich denn schon mit dir abgeben? Hast du dich mal richtig angesehen?

Matthew war viel zu gut für dich! Ja Schwesterlein! Er war jede Nacht bei mir, nachdem er mit dir geschlafen hat. Er hat es mir richtig hart besorgt und wir hatten unseren Spaß...zu zweit...zu dritt...Ja, sogar zu viert!!!", und Sarah lachte kurz theatralisch auf. "Er hat dich nie geliebt! Nur mich!", setzte Sarah noch oben drauf.

In dem Moment klatschte es ganz laut in der Notaufnahme. Robin hatte ihre rechte Hand gegen Sarah erhoben und holte weit aus und traf sie auf ihrer linken Wange.

"Ich bin fertig mit dir, Sarah Wilson! Du verdienst es nicht ein Teil unserer Familie zu sein!"

Rusty, andere Patienten und Rudy hatten alles mit angehört. Rudy war zu ihr geeilt, um ihr Trost zu spenden, Rusty hielt sich die Hände vor seinem Mund und ließ einen kleinen, aufgeschreckten Madchenschrei von sich. Robin blockte ab. Sie wollte Rudy ihren Schutz gerade nicht.

"Nein! Nicht!", machte sie ihrer korpulenten Freundin klar.

Robin holte ihr Sachen aus dem Spind und verließ das Krankenhaus. Rudys Blick fiel in Richtung Aufwachraum.

Sie hoffte, dass es beide Männer überstehen werden.

Denn wenn nicht, würde sie ihre beste Freundin Robin Wilson, verlieren

Und das nicht zum ersten Mal....

Robin war in ihr Auto eingestiegen und startete es, um weg von allem zu kommen.

Sie hatte immer geahnt, dass Matt ihr nicht treu war. Aber dass er ihre Schwester...Ihr war schlecht. Sie hielt am nächsten Strassenrand an und stieg aus dem Auto aus. Sie rannte in die Böschung und erbrach sich.

Ihre Tränen rollten im Überfluß. Sie wusste, dass er es nicht wert war, dass man für ihn Tränen vergoss. Sie war blind und naiv ihm zu trauen. Dieser Mistkerl!

Dann stieg sie in ihr Auto ein und änderte ihre Fahrt - Route...in Richtung Tanzstudio.

Jermaines Frau gab ihr beim letzten Besuch ihren alten Schlüssel zurück, damit sie wieder trainieren konnte, wenn ihr danach sei.

"Wenn du nachdenken möchtest, komm hierher zurück. Es ist immer noch dein Zuhause!...Wir vermissen dich hier sehr, Robin Wilson!", hatte sie ihr gesagt.

Robin parkte ein und verließ ihr Auto. Langsam ging sie auf die Tür zu und entsicherte die Alarmanlage.

Dann schloß sie auf und betrat das Studio und machte sich Licht im Foyer.

Als sie den Saal betrat und den Lichtschalter betätigt hatte, fühlte sie sich in die Vergangenheit zurück versetzt.

Sie sah ihre Gruppe in der Mitte des Raumes im Kreis auf dem Fußboden sitzen. Es war Robs erstes Training gewesen, die Vorstellungsrunde.

Justin und Terry saßen am Rand des Saals und beobachteten jeden Teilnehmer des Kurses, um sich hinterher das Maul über einige von ihnen zu zerreißen.

Jülie, Jermaines Frau, belehrte die Tänzer über das Verhalten in der Garderobe, in der Dusche und im Saal.

Terry und Justin winkten ihr öfters herüber.

Robin zog ihre Jacke aus und betrat die Mitte des Saals. Sie drehte sich dreimal im Kreis und begann ihre Choreographie nach dem Song Nathan Lanier "Theme from free dance" - Muse 1 und 2 zu tanzen. Sie bewegte sich im Kreis und sprang in die Höhe. Sie schloß ihre Augen dabei und tanzte vorwärts und rückwärts, schlang ihre Arme um sich und tanzte mal sanft und wütend, ernst und zart. Bis zu einem gewissen Musikteil. Dann wurde die Musik himmlisch und hörte sich an, als wäre man in einem Elfenreich, wo sich ein Level des Endgames befand und alles durcheinander gewürfelt wurde und hektisch klang. Wie ein Wirbelsturm. Sie brach zusammen auf dem Boden und bewegte ihre Arme, als würde sie fliegen und legte sich auf den Rücken und streckte alle von sich.

Ihr Puls ging schnell, ihr Herz klopfte laut, sie konnte es spüren, als würde es gleich ihren Körper verlassen. Sie hatte getanzt, sie konnte es nicht fassen. Ein zufriedenes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Sie verspürte keine Schmerzen in ihrem rechten Bein.

Die Choreo war immer noch in ihrem Kopf, obwohl es schon lange zurück lag.

Sie hatte es immer noch drauf.

Sie stand auf und tanzte es gleich ein zweites Mal...mit einem Lächeln im Gesicht, als wäre es der Tanz des Jahrhunderts.

Robin war in diesem Moment glücklich, ja...das war sie.

Sie verließ jubelnd das Studio und fuhr ins Krankenhaus, um ihrem Bruder die freudige Nachricht zu erzählen.

 

 

Sie schlug die Doppeltür auf und wollte zu ihrem Bruder rennen, doch sie Barrikade ihrer Freunde ließ sie abrupt abbremsen. Sie standen im Wartebereich der Patienten. Rob strahlte über vor Glück und verlor von einer Sekunde auf die Andere jegliche Freude, als sie die trauernden Gesichter ihrer Angehörigen und ihrer Kollegen sah.

Rudy kam auf sie zu, sie stolperte halb auf dem Weg zu ihrer besten Freundin.

Robin war verwirrt und ließ ihre Sporttasche auf den Boden fallen.

"Es tut mir so leid, Robin!", begann Rudy. "Was...was ist los?...Jus?...Rudy?"

Fragend sah Robin sich im Wartebereich um. Es herrschte eisige Stille, niemand traute sich zu Husten oder zu Niesen.

Rudy war bei ihr angekommen und legte ihre Hände auf Rob's Wangen.

"Es ist...es ist Terry, Rob!"

Sie nahm ihre Freundin in ihre Arme und drückte sie an sich.

"Was ist mit ihm?", fragte Robin verängstigt in Rudys Haarschopf und sie sah an ihr vorbei auf die rote Leuchte im Schwesterzimmer, die an und aus ging.

"Nein!...Nein!...Nicht Terry!", und Robin ging in die Knie und brüllte laut: "NEIN!...Oh Gott!" Sie stand auf und rannte an Rudy und ihren Kollegen vorbei, los in Richtung Terrys Zimmer im ersten Stock.

Sie kam sich vor, als würde sie in Zeitlupe rennen. Denn der Weg zu ihrem Bruder fühlte sich auf einmal so weit weg und lang an. Sie rannte die Treppenstufen rauf und nahm gleich zwei Stufen mit einmal.

Sie betrat sein Zimmer und...sie stoppte abrupt ab und hielt sich am Türrahmen fest.

Ihre Augen wurden groß, ihr Blick fiel auf das Bett, wo Terry lag. Das weiße Laken deckte seinen leblosen Körper zu. Robin ging langsam darauf zu. Sie hoffte und betete inständig, dass er noch leben würde, dass das Laken sich seinem Atemrhythmus anpassen würde und sich leicht auf und nieder senken würde. Doch die Maschinen waren abgeschaltet.

Jeder Bildschirm war schwarz ausgeblendet. In Robin wütete es. Wieso war sie ins Studio gefahren? Warum war sie nicht hier bei ihm geblieben? Sie hätte ihm helfen können. Und dann sah sie zu ihren Eltern, die ruhig in ihrer Ecke am Fenster standen und nicht eine Tränen vergossen. Rob schüttelte geschockt ihren Kopf, als wolle sie - Nein - sagen. Doch sie bekam kein Wort heraus.

Als sie halbwegs ihre Sprache wieder fand, stellte sie die Frage mit fester, belegter Stimme in den Raum:

"Wie lange schon?"

Dave antwortete. "Seit einer Dreiviertelstunde!"

"Was???...Und da haltet ihr es nicht für nötig mich anzurufen?" Ihre Mutter kam ein paar Schritte auf Robin zu.

"Wir...wir wussten nicht, wo du warst!", sagte sie zu Rob.

"Was war das gerade?...Ihr wusstet nicht, wo ich...Ich hab ein Handy...Was für eine faule Ausrede ist das denn?...Ich hab mich um ihn gekümmert, hab ihm vorgelesen, hab Zeit mit ihm verbracht und hab jeden Tag mit ihm gesprochen und ihr habt es nicht einmal für nötig gehalten als Eltern ihn zu besuchen. Nur weil er im Koma lag, dachtet ihr wohl, das war's?...Und ihr behauptet, ihr wußsstet nicht, wo ich war?", war Robin außer sich.

Sie stand an Terry Bett und fing an zu schreien. Sie sah ihre Eltern enttäuscht an und mußte endlich einen Entschluß fassen. Sie wollte raus aus der Familie...Rudy und Rusty kamen zu ihr und nahmen sie in ihre Arme. Rob eiste sich von ihren Freunden los und rannte aus dem Zimmer. Justin sonderte sich von Dave und Caroline ab und stellte sich auf die andere Bettseite.

Sie war wütend auf Terry, sie war wütend auf ihre Eltern.

Dann sperrte sie den Mund auf.

"Was ist denn nur los mit euch? Das ist euer Sohn! Er ist unser Bruder? Wie behandelt ihr eure Kinder?

Rudy wußte, was zu tun war. Hättet ihr sie gelassen, dann wäre er noch unter uns! Ihr habt ihn einfach sterben lassen...Gab es denn keine Patientenverfügung?... Was seid ihr nur für Eltern?...Existieren wir überhaupt nicht für euch?...

Rudy und Rusty wussten, wo Robin sich aufhielt. Doch ihr konntet es ja nicht wissen!..Wie sind euch egal. Für euch gibt es nur Sarah!...Ihr hättet uns einfach nur fragen müssen...

Robin hat immer getanzt, wenn es ihr schlecht ging. Sie hat sich immer ins Studio zurück gezogen...Doch es hat euch nie interessiert!.......Hättet ihr Rudy doch einfach nur ihren Job machen lassen!...Ihr seid so erbärmlich!......Fahrt zur Hölle!!!", warf Justin ihren Eltern garstig und verhasst in die Gesichter und verließ das Zimmer, um nach ihrer Schwester zu suchen.

Rob stand vor Erics großer Glasscheibe, hinter der er lag und schlief. Sie legte ihren linken Arm um ihre Schultern. "Ich werde zu Hause ausziehen, Robin...Kann ich...kann ich bei dir...?"

Robin drückte ihre kleine Schwester an sich.

"Ja, gern!"

 

 

Es war still um Robin.

Sie fuhr zur Arbeit, kümmerte sich um die Notaufnahme, um die Patienten und um Eric. Rudy und Rusty ließen ihr die Zeit, die sie brauchte, um alles zu verarbeiten.

Solch eine ähnliche Situation hatten sie schon einmal mit ihr durchgemacht.

Es waren jetzt acht Wochen vergangen, seit Terry gestorben war. Sie besuchte ihn mit Justin jeden Tag auf dem Friedhof. Und wenn sie nur still vor seinem Grab standen oder davor saßen und stumm auf die Buchstaben auf dem Grabstein sahen. Oder einfach nur der Stille um sie herum lauschten. Er war nicht allein. Manchmal nahm sie sein Lieblingsbuch gesammelter Jules Verne - Geschichten mit und lass mit Justin abwechselnd ein Kapitel vor.

Justin war aus ihrem Elternhaus ausgezogen und bei ihrer Schwester Robin eingezogen.

Nach und nach war auch Terrys Wohnung leer geräumt. Seine Möbel und seine Kleidung und sonstige Habseeligkeiten stiftete Rob dem Obdachlosenheim. Doch seine Bücher behielt sie, da sie selbst ein begnadeter Bücherwurm war.

Somit war die Wohnung für den nächsten Mieter frei.

Eines Abends, Robin war in der Nachtschicht, klopfte sie an Erics Büro.

Er war seit ein paar Tagen wieder im Einsatz, hatte aber jedoch hier und da seine Medikamente einzunehmen.

Sie wartete auf ein "Herein" und drehte dann auf dem Absatz um, weil sich nichts von innen rührte.

Leise ging die Bürotür auf und Eric zog sie an ihrem Arm zurück, hinein in seine vier Bürowände und schloß die Tür ab.

Er begann sie zu küssen...leidenschaftlich,...verlangend,...hungrig. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

Er fragte sie nicht, ob sie es auch wollte. Sie waren einer Meinung. Er presste sie an die Tür und hatte seine Finger überall.

Doch das zärtliche Beisammensein wurde durch den Pager gestört. "Du solltest..."

"Nein, sollte ich nicht...Ich will dich...jetzt", flüsterte er ihr ins rechte Ohr.

Er ignorierte den Klang des Pagers und trieb mit Rob auf einer Welle der Gefühle.

In diesem Moment küsste er sie fester, um einem lauten Stöhnen zu entkommen.

Wenig später verließ Robin geordnet und doch durcheinander sein Büro, direkt zur Notaufnahme.

Rudy lächelte sie an.

"Was ist?", fragte sie schelmisch ihre Freundin Wahly.

Sie räusperte sich und flätzte sich auf die Anmeldung. "Du weißt schon, dass er dich liebt, Wilson!" Bei Robin läuteten die Alarmglocken auf und sie wurde unruhig. "Ich hab.. ich kann...er...ich...wir beide...", versuchte sie zu sagen, aber bekam keinen richtigen Satz zustande. Ihr blieb fast die Luft weg.

Rudy kam hinter der Anmeldung hervor und nahm Rob in ihre Arme. "Es wird sich nicht noch einmal wiederholen, hörst du? Matthew ist im Gefängnis und sitzt seine Zeit für seine Kräultaten ab, die er dir angetan hat...Du musst jetzt an dich denken und nach vorn schauen. Eric ist ein neuer Anfang..."

Robin löste sich aus Rudys Umarmung, als ihr Blick zur Doppeltür fiel. "Lass uns...lass uns...hier weg...schnell...Bitte!", bat Rob Rudy und sie betraten das Medikamenten - Lager.

"Vor wem sind wir gerade geflohen?"

"Das ist Erics Ex - Frau!"

"Und du weißt das woher, dass sie das auch ist?"

"Neulich vertraute er mir an, dass Douglas wieder hier im Krankenhaus arbeitet. Er hat sein eigenes Büro und die dazu gehörigen Räume für seine Therapie im dritten Stock bekommen. Er war mit Erics Ex verheiratet und ist nun von ihr weg.

Sie will...Sie will...Sie will Eric zurück!"

Rudy sah geschockt auf Robin und dann durch das Fenster auf die blond - langhaarige, lockige Frau, die im Wartebereich hilflos herum stand und sich unsicher umsah.

 

 

In dieser Nachtschicht konnte es Robin vermeiden, sich von Erics Ex - Frau fern zu halten. Sie sah aus wie ein Model. Die Frisur und das Make - up saßen perfekt an ihr. Die Designer - Klamotten betonten ihre ausgesprochen, schlanke Figur. Doch was war zwischen ihr und Eric vorgefallen, dass sich die zwei getrennt hatten und sie sich an Douglas geschmissen hatte?

Gegen sechs Uhr morgens, ihre Schicht war schon fast beendet, trat die blondhaarige Frau an die Anmeldung. Rudy drängelte sich an Robin vorbei.

"Ich übernehme!...Bleib ruhig!...Vertrau mir, Rob!", und Rudy zwinkerte ihr zu.

"Guten morgen!...Ich möchte zu Eric!", grüßte die Frau Rudy, die an die Notaufnahme heran getreten war.

Wahly sah vom Computer auf und schaute die Frau skeptisch an.

"Wie meinen?", fragte sie die blonde Frau.

"Ich möchte zu Eric!", wiederholte die Frau.

"Ehm,...Sie meinen Doktor Peters?", stellte sich Rudy etwas dumm. Rob drehte sich weg und mußte in sich hinein schmunzeln.

"Ja!...Genau!", antwortete sie auf Rudys Frage.

Robin stand am Patientenschrank und sortierte die Akten ein und hörte alles mit.

Ihr Blut war langsam am Kochen und schoß wütend durch ihre Venen.

Was bildete die Frau sich ein?

Erst der eine Arzt, dann der andere Arzt und Therapeut und jetzt wieder der andere Doktor? Kann sie sich denn nicht entscheiden oder spielt sie nur?

"Wer sind Sie, wenn ich fragen darf? Ich muß Sie ja schließlich anmelden. Sind Sie sein Patient?"

Die Frau hämmerte mit ihren manikürten, langen Fingernägeln auf der Anmeldung nervös herum.

"Ich bin...Ich bin...Ich bin seine...seine Frau!", brachte die Frau heraus.

Rudy baute sich auf und begann:

"EX...Wollen wir doch mal sachlich bleiben, Miss!...Wir alle hier wissen, dass Doktor Peters geschieden ist...von Ihnen! Das stand in seiner Bewerbung. Also...?"

Die Frau wurde langsam ungehalten.

Robin hatte sich von der Anmeldung unbemerkt zurück gezogen und merkte, wie sie jemand von der Ameldung ganz weg um die Ecke in den Flur zog.

Es war Eric.

"Vertrau mir Wilson!", bat er sie. Er küsste sie auf die Stirn und strich ihr zärtlich über ihre rechte Wange mit seinem linken Handrücken.

Dann ließ er sie allein und ging auf seine Ex zu.

"Guten morgen Cruz!...Was willst du hier?", fragte er sie mit den Händen in seinen Kitteltaschen.

Sie sah sich um und lächelte faszinierend, als Eric hinter ihr stand.

"Ich liebe es, wenn du dich von hinten heran schleichst.", sprach sie. "Können wir irgendwo ungestört reden?"

Eric schnappte sich seine Ex und schob sie in den Konferenzraum.

Er knallte die Tür hinter sich zu und blieb an der Tür stehen.

"Fass dich kurz!", schoß es aus ihm grimmig heraus.

"Ich..Ich will dich zurück, Eric! Bitte verzeih mir, was ich getan hab....Du fehlst mir so!"

"Ist das alles?...Ich muß dich wohl daran erinnern, dass du die Scheidung eingereicht hast...Die ganze Zeit hast du mich angelogen und betrogen!...MIT IHM!", und er zeigte über seinen Kopf hinweg in die obere Etage.

"Das ist vorbei, Eric!"

Er ging drei Schritte auf sie zu.

"Ist er deswegen wieder hier im Hospital, weil er dich durchschaut hat, wie durchtrieben du bist?

Du konntest ihn nicht schnell genug vom Markt bekommen!"

"Er...er war kaum zu Hause. Er war mit seinem Job verheiratet...Er liebt seine Arbeit mehr als mich!", jammerte sie ihn voll.

"Das hast du doch vorher schon gewusst oder etwa nicht? Dein erster Mann war auch Arzt!"

Jetzt kam sie eins, zwei Schritte auf ihn zu.

"Eric, ich flehe dich an..!"

Eric öffnete die Tür vom Konferenzraum und war mit einem Fuß draussen.

"Meine Patienten warten auf mich, Cruz!", und er knallte erneut die Tür zu und ließ Cruz zurück.

Eric suchte Robin und fand sie im Patientenzimmer Eins. Er zog sie an sich und küsste sie heftig und zugleich zärtlich.

"Ich gehöre dir, Wilson!" und weg war er.

Cruz war ihm gefolgt und hatte alles mit angesehen. Ihr Lächeln verzog sich zu einer hässlichen Grinch - Maske.

Dann schwenkte sie um zum Ausgang und schmiedete einen Plan, um Eric zurück zu holen. Sein Platz war bei ihr...nicht bei der Frau, die er gerade geküsst hatte.

 

 

Rudy hatte die letzten Worte von Cruz vernommen.

"Ich werde nicht locker lassen, Eric!...Ich komme wieder!"

Und Rudy sah sie Hass erfüllt das Krankenhaus verlassen.

"Ich mach kurz Pause, Rusty...Könntest du bitte mal kurz übernehmen?...Bin gleich wieder da."

"Kein Problem!"

"Danke Mc Allister!...Hast was gut bei mir."

Rudy suchte Eric auf.

Sie fand ihn im Behandlungsraum Zwei.

"Doktor Peters! Dürfte ich Sie kurz sprechen?"

Peters sah zu ihr auf. "Ich bin hier gleich fertig, Wahly. Oder warten Sie...Könnten Sie mir kurz helfen?"

Rudy hielt das Bein des Patienten hoch, dass Peters es eingipsen konnte.

"Doktor Peters, es geht mich zwar nichts an, aber seien Sie bei dieser Frau auf der Hut. Sie führt nichts Gutes im Schilde!"

Eric sah sie an. "Ich weiß, Rudy!...Man weiß nie, wann sie zuschlägt."

"Haben Sie sich deswegen von ihr scheiden lassen?"

"Sie hat sich von mir gelöst...für den Therapeuten in der dritten Etage. Er war wohl eine bessere Partie für sie."

"Wohl eher nicht!', prappelte Rudy.

"Ehm...da ist noch etwas, worüber ich mit Ihnen reden wollte...Sie sollten etwas über Robin wissen...Ihr...Ihr Ex ..Matthew...hat sie oft geschlagen, wenn er betrunken war....

Rob liebt Sie, Mister Peters...Doch ihre Angst, dass die Vergangenheit sie wieder einholt, ist sehr groß...Sie ist noch nicht darüber hinweg...Aber sie arbeitet daran...Ich meine, Sie sollten sie nicht wie Porzellan behandeln, ich meine damit...Sie ist so schon zerbrochen an den letzten Ereignissen der letzten Monate."

"...Rudy...Rudy!... Ich bin kein Schlägertyp und kein Alkoholiker...Ich bin Arzt und meine Aufgabe ist es, Menschen zu retten und ihre Herzen am Laufen zu halten.

Ich bin geschieden und ein erwachsener Mann.

Unter allen Umständen möchte ich sie beschützen und wenn ich sie dafür heiraten muß.", gab Eric ihr zu verstehen.

"Nun übertreiben Sie mal nicht gleich, Doktor...Tun Sie ihr nicht weh, sonst kriegen Sie es mit mir zu tun!...Ich hab Rob schon einmal verloren. Ein zweites Mal will ich das nicht erleben."

"Danke Rudy!....So, das war's James. Der Gips bleibt jetzt für sechs Wochen dran...Also Hände vorläufig weg vom Fahrrad fahren! Okay?", erklärte er dem kleinen Jungen, der die ganze Zeit seinen Kopf zwischen Eric und Rudy hin und her gewechselt hatte.

Er hatte zwar nicht verstanden, worüber die zwei Erwachsenen da gesprochen hatten, aber das lenkte ihn von seinen Schmerzen ab.

Und er freute sich bereits darauf, dass der Gips bald nicht mehr so weiß und sauber aussehen wird.

Rudy brachte den Jungen zu seiner Mutter im Wartebereich und sprach mit ihr über weitere Vorgehensweisen und verabschiedete sich.

Rudy löste Rusty ab und rief den nächsten Patienten auf.

 

 

Rudy, Rusty und Robin traten ihren wohl verdienten Feierabend an und verließen im Gleichschritt das Krankenhaus.

Auf dem Parkplatz verabschiedeten sie sich und jeder ging seiner Wege bis zur nächsten Schicht.

Robin war auf dem Weg zu ihrem Auto und vernahm schnelle Schritte hinter sich.

Sie drückte ihre Fernbedienung und öffnete ihre Autotür.

Sie legte ihre Tasche auf die Beifahrerseite und wollte einsteigen.

Eine starke Männerhand hielt sie auf.

"Es tut mir leid, dass sie hier aufgetaucht ist!...Sie will mich zurück...unter allen Umständen!" Robin hörte ihm aufmerksam zu. "Und was willst du?", fragte sie ihn, mit dem Rücken immer noch zu ihm stehend.

"Ich werde dich beschützen und bedeckt halten vor ihr. Ich werde es nicht zulassen, dass sie dein Leben ebenfalls zerstört, wie sie es mit meinem getan hat."

Eric drehte sie mit dem Gesicht zu sich. "Wir müssen gewappnet sein, Robin!"

"In wie weit will sie denn mein Leben noch zerstören?...Es ist bereits im Chaos versunken, in Schutt und Asche verfallen und katastrophal.

Also erzähl mir nichts von, dass es noch schlimmer werden könnte. Was könnte sie denn noch anstellen?"

"Unterschätze sie nicht! Deine Schwester Sarah war schon zu Einigem fähig...!"

"...Peters!....Peters!"

Eric ließ Robin los, als er die männliche Stimme hinter seinem Rücken nach ihm rufen hörte.

"Eine Minute Rob!", flüsterte er ihr zu und drehte sich zu Doktor Douglas um.

"Wir müssen reden, Peters!", begann Douglas, als er vor Eric zu stehen kam.

"Ich wüßte nicht worüber", entgegnete Eric.

"Cruz war gerade bei mir und...." "...Bei mir war sie auch!", unterbrach Eric ihn mitten im Satz.

"Behalten Sie sie, Douglas! Ich bin fertig mit ihr! Es gibt für sie keinen Platz in meinem Leben, Doug. Mehr hab ich nicht dazu zu sagen!"

"Was ist Ihr erbärmliches Problem, Peters?"

"Ihres? Oder meines?", konterte Eric

"Cruz geht es nur um's Geld.

Sie ist eine Lebefrau...Geld, Alkohol, Kaufrausch, heiße, schnelle Autos, Partys, Männer, Sex...Ihr Lebensinhalt!

Wollen Sie jetzt etwa Tips von mir, wie Sie sie zurück bekommen und halten können?

Sie braucht jemanden, der ihr das Geld kürzt und ihr lange Leine kleiner macht oder ganz einzieht.

Sie hat in ihrem Leben noch nie gearbeitet und hat es bisher auch zu nichts gebracht. Sie hat nur das getan, was sie für richtig hielt und nur das getan, was sie wollte.

Es wird Zeit, dass Sie ihr zeigen, wie sie sich ihren eigenen Lebensunterhalt verdient.

Zeigen Sie ihr, dass ein für alle mal damit Schluß ist, sich für jemanden auszugeben, der sie überhaupt nicht ist!

Sie soll endlich begreifen, was der Ernst des Lebens beinhaltet!

Und noch etwas Douglas:

Halten Sie sie fern von mir!", und Eric schob Robin in ihr Auto und sah sie dabei fragend an. Sie nickte ihm zu und er stieg auf ihrer Beifahrerseite ein.

Robin startete ihr Auto und parkte rückwärts aus.

Eric ließ die Fensterscheibe herunter und sah Douglas an.

"Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, doch diese Frau ist zu bändigen!

Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede. Sie war nicht immer so!", und die Beiden verließen den Parkplatz und Douglas blieb zurück.

 

 

Weihnachten stand vor der Tür.

Es lag schon etwas Schnee auf den Straßen, aber es war noch nicht all zu kalt und glatt.

Die Menschen schmückten ihre Häuser, ihre Garagen, ihr Gehöft, die Straßen. Alles wurde beleuchtet mit hellen und bunten Lichterketten, Rentieren und Schlitten, Geschenken, Tannenbäumen - Dach, Terrasse, Garten. Jeder versuchte den eigenen Nachbarn auszustechen. Sogar in den Geschäften sah es weihnachtlich aus. Es sah so schön und einladend aus, dass man das Geschäft gar nicht mehr verlassen wollte.

Auch in dem Appartment, wo Robin wohnte, zierte ein Gesteck den großen, langen Esstisch. Der Kamin war mit einer grünen Tannen - Girlande geschmückt. Darauf lag eine Lichterkette mit getrockneten Zapfen und Holzstöcken, die weiß angemalt waren. An der Girlande hingen Weihnachtsstiefel.

An ihren Fenstern hingen Eiszapfen - Lichterketten und auf den Fensterbrettern standen Tannenbaum - Bögen.

Sogar ihr weißer, künstlicher Tannenbaum stand geschmückt an seinem Platz: dunkelblaue und milchweise Kugeln und blaues und leicht gewelltes Lametta zierten den großen Baum und eine Lichterkette mit acht Lichtersträngen im warmweißen Licht.

Unter dem Baum hatte sie ihre Coca - Cola - Eisenbahn aufgebaut, die an den Abenden, wenn sie das Esszimmer nutzte, ihre Runden drehte.

Im Wohnzimmer war es fast so gut geschmückt wie in ihrem Esszimmer.

Sogar ihr Treppenaufgang bekam seinen eigenen Girlanden - Schmuck und eigener Lichterkette, die jeden Abend den Flur und die Treppe in die erste Etage erleuchtete.

Das Schlafzimmer bestand ebenfalls aus weihnachtlicher Atmosphäre. Ein großes Glas, gefüllt mit Glaskugeln und Holzzweigen waren mit Lichterketten versehen. Die brannten Tag und Nacht.

Robin hatte heute frei und besuchte das Obdachlosenheim, wo ihre Schwester Justin arbeitete und Warren lebte. Sie hatte ihr schon vor Wochen versprochen, ihr bei den Weihnachtsvorbereitungen zu helfen. Sie parkte ihr Auto vor dem Heim und öffnete den Kofferraum, wo etliche volle Einkaufstüten verstaut waren.

Warren kam aus dem Obdachlosenheim heraus und ging die sechs Stufen herunter zu ihr und drückte sie an sich.

"Es ist schön dich zu sehen, Warren...Wie geht es dir?...Heilt die Wunde gut?"

"Miss Wilson! Das nenn ich eine Überraschung!...Ihre Schwester hat uns gar nicht erzählt, dass Sie kommen."

"Dann wäre es doch keine Überraschung mehr geworden! Helfen Sie mir, das alles in die Küche zu tragen?"

"Was haben Sie denn alles da drin?"

"Oh, Kleinigkeiten!...Essen, Trinken, Dekoration für den Baum, kleine Geschenke für die Kinder, Musik..." "Okay, okay, dann mal rein mit dem guten Zeug, Miss Wilson!", und die Beiden leerten den Kofferraum und brachten alles ins Obdachlosenheim hinein.

Sogar im Krankenhaus wurde kräftig geschmückt und gebastelt auf den einzelnen Stationen.

Dekorationen wurden verteilt, kleine Bäume wurden in den Wartebereichen der jeweiligen Etagen aufgestellt und behangen und mit Beleuchtung versehen.

Selbst die Ärzte, Schwestern und Pfleger waren damit beschäftigt und sangen laut Weihnachtslieder auf den Fluren, egal, ob die Note getroffen wurde oder der Text richtig oder falsch war, alle freuten sich auf das Weihnachtsfest.

Rudy stand in der Notaufnahme und verteilte heiße Schokolade und Plätzchen. Sie sang leise vor sich hin und behielt das Telefon im Auge.

Denn um diese Jahreszeit ereigneten sich die meisten und gefährlichsten Unfälle. Dann war das Hospital fast überfüllt.

Rusty kam mit heißem Kaffee und Frühstück aus dem "Coffee - Shop" zur Schicht. Er zog sich im Aufenthaltsraum um und schimpfte wie ein Rohrspatz über das winterliche, kalte Wetter.

"Meine Güte, ist das furchtbar kalt vor der Tür. Glaub mir Schatz, ich gehe heut nicht mehr da raus. Da friert man sich ja den Schwanz ab...Oh, verzeih meine Ausdrucksweise, Rudy Wahly!...Bei dem Wetterchen setzt man doch keinen Hund vor die Tür... Hat jemand von euch einen Haufen Eimer mit Wasser vor die Tür auf die Straße geschüttet?", rief Rusty laut durch die Notaufnahme. Rudy sah ihn an.

"Nein! Wieso sollten das die Leute hier tun?...Aber für das nächste Mal merke ich es mir vor. Das ist eine gute Idee! Die Beste, die du heute hattest.", antwortete Rudy darauf.

"Ja klar! Ich bin ja auch gerade aufgetaucht, Wahly! Hab schon bessere Witze gehört....Na dann woll'n wir mal."

Rusty stellte den Kaffee auf den Tisch und fragte nebenbei, wann Robin wieder kommen würde.

"Sie hat heute und morgen frei. Sie hilft ihrer Schwester im Obdachlosenheim." Rusty schaute sie an. "Wieso sind wir nicht mit dabei?...Sollten wir nicht auch dort hingehen und den zwei Wilson - Mädels unter die Arme greifen?"

Rudy druckste etwas herum.

"Ach komm schon Darling! Das wird sicher schön!", klatschte Rusty vor Freude in seine Hände, als wäre er wieder sechs Jahre alt.

"Wer schiebt unsere Schicht hier? Wir können hier nicht einfach so abhauen, Mc Allister! Wie stellst du dir das eigentlich vor?", und in diesem Moment fiel der Strom aus.

"Was'n jetzt los?", bibberte Rusty.

"Ich glaube, der Hausmeister hat schon wieder zuviele Lichterketten auf einmal zusammen gesteckt. Jedes Jahr zu Weihnachten knallt hier die Sicherung durch.....

Ah...und es werde Licht. Siehst du? Keinen Grund zur Panik, Rusty."

Rusty sah sich um und fragte: "Können wir trotzdem nachher zu Robin und Justin gehen? Also wenn der Strom heute noch öfters durchknallt,...dann...dann werd ich mit Sicherheit zur Diva, Wahly! Tu mir bitte den Gefallen, ja? Es ist Weihnachten und wir müssen Freude versprühen!", und er nahm sich in Sekundenschnelle einen Becher Kaffee vom Tisch und nahm hastig einen schnellen Schluck und starrte nervös an die Deckenlampen.

Rudy nahm sich ebenfalls einen Becher und schaute über den Becherrand.

"Und du denkst, du kannst das?....Freude versprühen?"

Rusty hopste vor Freude auf Rudy zu und umarmte sie. "Ich liebe dich Wahly!", und die zwei lachten.

 

 

Im Obdachlosenheim roch es köstlich nach gebackenen Plätzchen. Warren beaufsichtigte die Küche, dass alles seine Ordnung hatte.

Justin und Robin überwachten den grossen Essaal. Dort wurde gerade der riesige Weihnachtsbaum aufgestellt. Er reichte fast bis zur Decke.

"Wo kommt denn das große Teil her?", fragte Rob ihre Schwester. "Naja, das Krankenhaus hat ihn dieses Jahr gestiftet, weißt du?" Robin traute ihren Ohren nicht.

"Das Krankenhaus? Das ist ein Scherz oder?" Jus sah ihre Schwester an. "Seh ich an Weihnachten vielleicht so aus, als würde ich Scherze machen?...Doktor Douglas und noch ein paar andere Ärzte haben sich darum gekümmert. Die Menschen hier haben sonst keine große Freude. Sie haben alle genug Schlechtes in ihrem Leben durchgemacht. Wenigstens Weihnachten sollte das Leben der Menschen hier vollkommen und glücklich sein."

Und eine Stimme rief ganz laut durch den Saal:

 

               "Merry Christmas!"

Justin drehte sich um. Ihnen standen ihre Eltern, Dave und Eveline, gegenüber. Ihr Vater hatte sich in ein Weihnachtsmann - Kostüm hineingezwängt und sah total albern aus.

Seine Frau trug einen Rentier - Haar - Reifen mit Blinklichtern und hatte einen großen, gefüllten Sack neben sich stehen.

"Wer hat die Zwei denn her bestellt?" fragte Justin verblüfft.

Justin ging auf ihre Eltern zu und fragte sie:

"Was wollt ihr hier?"

Dave sah seine Frau an und sie nickte leicht mit ihrem Kopf. "Wir...wir wollten uns bei euch Beiden entschuldigen! Wir haben eingesehen, dass es in unserer Familie nicht nur ein Kind gibt, das uns braucht...Wir waren so mit Sarah beschäftigt, dass...dass..."

Justin sah die Zwei an. "Es ist Weihnachen. Eine Zeit bricht gerade an, in der man reden und verzeihen sollte.

Bei mir müßt ihr euch nicht entschuldigen... Aber bei ihr!", und sie zeigte auf Robin.

Doch ehe es dazu kam, wurde die große Tür erneut aufgestoßen. Robins Blick fiel auf den Lärm und ihre beiden Kollegen Rudy und Rusty kamen mit einem Schlitten und einem Rentier davor angespannt in den Saal.

"Das gibt's ja nicht! Seid ihr verrückt geworden? Wo habt ihr das denn her?", rief Rob durch den Saal.

"Wir haben mit dem Zoo telefoniert und die haben uns eines bereitwillig überlassen. Rudolph muss aber um Achtzehn Uhr wieder zu Hause sein, sonst darf er dieses Jahr nicht mit dem Weihnachtsmann die Geschenke austeilen.", erzählte Rusty. Er war so überglücklich, er strahlte über das ganze Gesicht.

Rudy trat hervor und sagte: "Wir hatten die Idee, deine Eltern und wir. Wir wollten, dass der Rest der Familie Wilson dieses Jahr Weihnachten wieder an einem Tisch sitzt und zusammen die Geschenke auspackt, miteinander die Speisen teilt und gemeinsam singt und lacht. Es soll vergeben und verziehen werden. Du und Justin seid die einzigen Wilson - Kinder, die noch da sind. Es tut euren Eltern leid,... wirklich leid..."

"Wenn du nicht so eine blöde Rudolfnase auf hättest, würde ich dir den Scheiß, den du uns da gerade herunter gerattert hast, fast glauben.

Aber wenn ihr schon mal hier seid, könnt ihr uns unter die Arme greifen und helfen. Der Tisch muß gedeckt werden. Schön, dass ihr hier seid!", begrüßte Justin die dazu gekommenen Gäste.

Justin beugte sich zu Rudy ans Ohr und flüsterte: "Danke schön! Das war eine sehr gute Idee!...Willkommen!"

 

 

Die Weihnachtsfeier im Obdachlosenheim war voll im Gange, als Rudys Pager plötzlich los ging. Sie holte ihn aus ihrer Hosentasche und sah auf's Display. Ihre Augen wanderten zu Rusty und Robin, die ebenfalls angepiept wurden. "Wie spät haben wir es?", fragte Rob.

Rudy sah auf die Uhr.

"Spät genug, um die Kürbiskutsche nicht warten zu lassen...Wo ist Rusty?"

Er machte sich gerade an dem Weihnachtspunsch - Glas zu schaffen. "Hier isser!" meldete er sich und rülpste laut. "Oh! Verzeihung!", sagte er darauf kleinlaut und hielt sich den Mund zu. "Okay! Wir sind schon weg!...Wiedersehen...War...war schön bei.........Oh, mir ist glaube etwas übel.", zappelte Rusty leicht herum.

Er hatte wohl etwas zu viel uns Punschglas geschaut. Rudy und Robin schnappten ihn links und rechts unter seinen Armen und entschuldigten sich für ihr Verschwinden und verabschiedeten sich von Dave und Eveline und verließen im Eiltempo das Gebäude.

"Einsteigen!...Wir fahren mit meinem Auto!", entgegnete Robin.

Rusty streikte. "Vergiss es! Wir...Wir fahren mit meinem Auto!", erwiderte er angetrunken.

Rob beäugte seinen Käfer. "Niemals steig ich da ein! Da laufe ich lieber!", protestierte Robin. "Was...was gefällt dir nicht an...an meinem Käfer, man?", fragte Mc Allister, der neben seinem gelben Käfer stand und seine rechte Beifahrertür streichelte und seine rechte, glühende Wange darauf legte und mit seinem Auto im Kuschelmodus verfiel.

"Entschuldige mal, MC Allister! Du weißt schon, dass du einige Promille in dir hast und du willst noch fahren?...Vergiss es! ..... Taxi!", rief Robin über die ganze Straße.

Rudy öffnete ihr Auto und schob die zwei Streithähne hinein. "Könntet ihr bitte alle beide die Klappe halten und euch anschnallen?", ermahnte sie die Zwei und startete ihr Auto.

Rusty fragte sie von der Beifahrerseite aus:

"Was denn? Du fährst?...Oh mein Gott! Ich muss dringend mein Testament aufsetzen. Ruft bitte jemand meinen Anwalt an?", rief er angetrunken über den ganzen Parkplatz und über die menschenleeren Straßen. Dann stieg er vorn bei Rudy auf der Beifahrerseite ein und klammerte sich an seinem Gurt fest.

Rudy legte den ersten Gang ein, gab dem Fahrzeug zwei hell erleuchtete Augen und fuhr los. Wahly raste wie eine Irre durch den Straßenverkehr.

Rusty würgte bei Rudys Fahrerstil. "Wo...wo hast du den Führerschein nochmal gemacht?", fragte er mit aufgepusteten Wangen und stieß den Punsch auf.

Rudy sah ihn wütend an und schrie ihn an. "Wenn du jetzt in mein Auto kotzt, dann bist du die längste Zeit mein Beifahrer gewesen! Ist das klar!?"

Rusty sah auf die Straße und machte große Augen und zeigte auf den Verkehr. "Straße!....Aufpassen!", waren seine Gedanken. Er konnte aber nicht reden und leierte die Fensterscheibe herunter und erbrach sich während der Autofahrt.

Robin stützte ihren Kopf auf ihre Arme und flüsterte vor sich hin. "Oh mein Gott! Auch das noch!"

Rudy sah durch den Rückspiegel zu Rob auf die Rückbank.

"Hast du gerade was gesagt, Wilson?" Robin verneinte und machte die Augen zu. Rudy überfuhr eine rote Ampel und Rusty schrie wie ein Mädchen:

"Aaah!!!...Sag mal, hast du sie noch alle? Die...Die war Rot! Du kannst doch nicht...Rot...Du hast...!", kam es hysterisch aus Rustys Mund.

Rudy sah ihn abermals an. "Wieder nüchtern, weil du so herum sprühst?.....Soll ich anhalten? Dann läufst du den Rest zu Fuß!" Rudy bog nach rechts ab und Rusty hielt sich an dem Griff über dem Fenster fest.

"Hast du vielleicht etwas gegen meinen Fahrstil?", motzte Rudy ihn an. Rusty rutschte etwas tiefer in den Sitz und verneinte und hielt sich die Augen zu. Wahly schaute wieder auf die Straße.

Als Rudy auf den Hospital - Parkplatz fuhr, nahm sie eine scharfe Rechts - Kurve und ihre Räder quietschten bei einer Vollbremsung beim Einparken in die Lücke.

Alle drei Insassen neigten sich mit einer Wucht nach vorn.

Robin schlug mit ihrer Stirn an die Lehne des Vordersitzes auf, auf dem Rusty saß. Sie legte ihre rechte Hand nach dem Aufprall auf ihrer Stirn und zischte. "Bremsen will auch gelernt sein."

Rusty öffnete seine Beifahrer - Tür. Er kroch auf allen Vieren heraus und erbrach sich ein zweites Mal. Rudy ging um ihr Auto herum und sah nach ihm. "Geht es dir gut?", fragte sie ihn.

Er legte sich auf die Wiese und winkte mit dem linken Arm in Richtung Eingang. "Geht schon!...Ich brauch noch einen kleinen Moment...Bin gleich da!...Lasst mich hier noch einen Moment liegen, ja?", und ein drittes Mal tünchte er die Wiese ein.

Robin war neben Rudy aufgetaucht. Wahly fragte sie: "War ich wirklich eine so schlechte Fahrerin?"

"Willst du meine ehrliche Meinung hören?"

"Ich bestehe darauf Wilson!"

"Okay!....Wahly?...Dir sollte der Führerschein entzogen werden!"

"Welcher Führerschein?", scherzte Wahly mit ihr.

"Na dein Führerschein, Rudy!"

"Ich hab gar keinen Führerschein, Wilson!", antwortete Wahly tot ernst ohne mit der Wimper zu zucken.

Robin blieb stehen und wollte gerade herum brüllen. "Beruhige dich! Klar hab ich einen, sonst würde ich doch nicht Auto fahren.", und zu zweit gingen sie in Richtung Eingangstür.

Robin öffnete die Eingangstür und blieb kurz stehen und sah ihrer Freundin ernst in ihr Gesicht. "Rudy, im Ernst! Du kannst kein Auto fahren! Sieh dir Rusty an. Er kotzt sich die Seele gerade dort aus dem Leib."

"Ja, das ist der Alkohol im Punsch!...Nein! Das war gelogen. Er ist eine alte Jungfer. Hast du ihn schreien hören? Wie ein Mädchen... AAAH`!!!", äffte sie ihn nach und machte sich über ihn lustig.

"Rudy! Er ist unser Freund! Sei etwas feinfühliger mit ihm, ja?"

"Du hast ja recht...sowas von recht...Wie immer!", und sie sahen von der Eingangstür zu Rusty, der immer noch nach vorn über gebeugt war und sich erbrach.

Rudy holte tief Luft. "Okay! Ich gebe es zu! Ich kann kein Auto fahren!", und sie gingen ins Krankenhaus hinein.

 

 

"Was ist los?"

Rudy stellte die Frage beim Hereinstürmen in den Wartebereich.

"Es ist Doktor Peters!", antwortete eine farbige, etwas pummelige Schwester, die Rudy und Robin abstoppte.

"Wer sind Sie?", kam es von Rudy schnippisch.

"Schwester Claire."

"Oh!", schnurrte Rudy beim Umdrehen nach Robin. "Hast du gehört? Sie heißt Claire.", und Rudy schob die Schwester aus dem Weg.

Doktor Douglas kam auf die beiden Frauen zu.

"Was ist mit Peters?....", fragte Robin ihn und drehte sich im Wartebereich um. Douglas hielt nach Rusty Ausschau.

"Wo ist MC Allister?", fragte er die zwei.

Die beiden Frauen sahen hinter sich und schweiftenmit ihren Blicken im Erdgeschoß herum und die Stotterei ging los.

"Nun ja..."

"Ehm..."

"Er...er..."

"Weihnachtspunsch..."

"Übelst angetrunken..."

"Auf dem Parkplatz..."

"Auf allen Vieren..."

"Er kübelt..."

"Ja, schlecht...er kübelt, auf dem Parkplatz...", redete die Beiden durcheinander.

"Sind wir etwa die Einzigen, die Sie angepiept haben?"

"Ja Miss Wilson!...Es ist Nachtschicht.", beantwortete Douglas ihre Frage.

"Und wir haben frei.", bockte Rudy herum.

Doktor Douglas beäugte sie über den Brillenrand.

"Jetzt nicht mehr, Misses Wahly!...Es wartet Arbeit auf uns...

Und noch etwas:

Ich wünsche bitte Diskretion, was die Sache angeht!", verlangte er von den zwei Frauen.

"Wieso Diskretion?", drängelte sich Rusty dazwischen.

"Sehen Sie selbst!", und er öffnete die Tür einen kleinen Spalt zum Büro von Eric.

"Oh mein Gott!" Rudy sprach zuerst.

"Alkohol am Arbeitsplatz?...Peters?Doktor Peters trinkt nicht einen Tropfen Alkohol!...Wollen Sie uns vera......?"

Rudy verkniff sich den Rest. Sie wollte Doktor Douglas nicht noch mehr verärgern. "Was soll das hier werden, wenn:d fertig ist?", wollte Wahly von ihm wissen.

"Woher wissen Sie das so genau, dass Peters keinen Alkohol trinkt, Misses Wahly?", wollte Douglas von ihr erfahren.

"Wir hatten neulich eine Unterhaltung darüber. Da hat er es erwähnt...Finden Sie das denn überhaupt nicht eigenartig, Doktor Douglas?"

Rusty hatte sich etwas erholt und hatte sich zu Dreien dazu gesellt. Er war auf Peters zugegangen, der auf seinem Sessel am Schreibtisch saß. Er nahm seinen Kopf und seinen Körper vom Schreibtisch und lehnte ihn zurück an die Sessellehne...

Sein Blick fiel auf den offenen Hosenstall.

"HOPPLA!...Hier hat sich wohl jemand bedient?", raunte er in sich hinein und hickste. Er schob den Sessel ganz nah an den Tisch heran, um seine Entdeckung zu verstecken und taumelte noch leicht benommen von dem Punsch zur Bürotür. Rusty bewegte sich langsam zu den anderen Dreien und sagte: "Ich hab genug gesehen!", und er verließ das Büro.

Rudy starrte Douglas wütend an. "Deswegen haben Sie uns angepiept und von der gemütlichen Weihnachtsfeier im Obdachlosenheim geholt?...Kurz vor der Bescherung? Ticken Sie noch ganz richtig?....Wie erbärmlich!", und auch sie trottete Rusty hinterher.

Robin stand wie angewurzelt an der Bürotür und fand keine Worte. Wütend und enttäuscht ließ sie Doktor Douglas allein zurück. Ihr Blick fiel zur großen Eingangstür.

Dort stand Cruz, bekleidet mit einem knielangen Mantel und einem schwarzen Krempenhut. Sie hatte ihn tief ins Gesicht gezogen. Sie lachte über ihr ganzes Gesicht hinweg, faßte sich mit der rechten Hand an die Hutkrempe und nickte Robin zu, ehe sie durch die Tür verschwand.

Robin hatte in diesem Moment kein gutes Gefühl.

Wenn Cruz hier aufgetaucht war, stand großer Ärger ins Haus.

Aber in wie fern war noch unklar.

Sie ging zu Rudy in die Umkleide und wollte sich für die Arbeit umziehen.

Da stürmte Rusty herein.

" Zieht euch sofort wieder aus....Ehm...um...Es arbeitet heute keiner von uns....Also flotti, lotti,...hopp, hopp!...

Wir haben frei und es ist Weihnachten...Lasst uns zur Party zurück fahren, ja? Ich wollte noch auf dem Rentier reiten, ehe wir es wieder zurückbringen müssen.", bettelte er.

Rudy schob Rob zur Seite und ging langsam auf Rusty zu. "Sag mal, wie sprichst du denn mit uns?"

Rusty versuchte ihr mit eiserner Miene gegenüber hart zu bleiben.

"Du willst also mit mir wieder in mein Auto einsteigen?"

Rusty zuckte zusammen.

"Nie im Leben werd ich wieder mit dir mitfahren!...Nie wieder!...Du bist eine grauenvolle Fahrerin!...Du solltest deinen Führerschein wieder abgeben! Das ist besser für uns alle und wir bleiben länger am Leben!", konterte Rusty.

Rudy drehte sich zu Robin um, die mit den Schultern zuckte und entgegnete allerdings:

"Was hab ich dir gesagt?"

 

 

 

"War das gerade Sarah oder Cruz an der Doppeltür?", stellte Robin die Frage im Aufenthaltsraum, bevor die drei die Notaufnahme besetzten. Rudy und Rusty sahen sich an und ließen ein "Nein!" im Chor verlauten und schüttelten synchron ihren Kopf.

"Du hast dich bestimmt verguckt. Cruz kommt so schnell nicht wieder und Sarah hat genug angerichtet. Sie büßt gerade dafür.", antwortete Rusty ihr.

"Da wäre ich mir nicht so sicher!", warf Rudy ein.

"Cruz verfolgt einen Plan und Sarah gibt ihren Kampf nicht so schnell auf.", erklärte Rudy. "Und was ist mit unserem Schätzchen Robin Wilson?", hakte Rusty vorsichtshalber nach.

"Oh, Rob ist sowas von am A....!", und die Tür vom Aufenthaltsraum der Notaufnahme flog auf.

Doktor Douglas stand im Türrahmen.

"Ich sagte - Nachtschicht - und nicht Pause!", ließ er laut verkünden.

Rudy ergriff das Wort.

"Geht es Ihnen gut oder fehlt Ihnen etwas, weil Sie ziemlich aggressiv klingen?...Gehen Sie nach Hause und feiern Sie Weihnachten...Aber behalten Sie ihre schlechte Laune für sich. Wir sind nicht die Übeltäter, die es in Peters Büro verhagelt haben und nun gehen Sie!"

Die Tür war zu und Douglas weg.

"Bist du verrückt?....Er ist dein Vorgesetzter, wenn Peters außer Gefecht ist!....", fauchte Robin sie an.

"Die Hormone ...Sie gehen mit mir durch...Ich muß nach Hause zu meinem Mann!", gestand Rudy, den Blick auf die geschlossene Tür gerichtet.

Rusty setzte sich.

"Nicht das schon wieder!...Schalte auf Nachtschicht um, okay, Wahly? Das ist ja nicht auszuhalten! Sag doch auch mal was, Darling!", richtete MC Allister sich an Robin.

Sie verließ ohne ein Wort den Aufenthaltsraum und widmete sich ihrem Job in der Notaufnahme. Douglas stand dort und war mit dem Rücken an der Anmeldung gelehnt, mit verschränkten Armen.

"Miss Wilson! Ich muß mit Ihnen etwas Wichtiges besprechen!"

"Ja?"

"Sarah....Sarah, ihre Schwester, ist wieder auf freiem Fuß...Jemand hat für sie die Kaution bezahlt."

"Sie scherzen!...Wer hat Ihnen das gesagt?"

"Ich...ich...ich hab vorhin einen Anruf erhalten...Von ...von Ihren Eltern. Sarah hat sie angerufen...Ich dachte, Sie sollten das wissen.", und er ging wieder an die Arbeit.

Robin stand da, als wäre sie gerade von einem Bus überfahren worden und schaute ins Leere.

Deswegen waren also ihre Eltern im Obdachlosenheim aufgetaucht.

Wer hätte denn so viel Mitleid mit Sarah, um sie aus dem Gefängnis zu holen?

"Verdammte Scheiße! Das ist unmöglich!", fluchte Robin.

 

 

 

Robin hatte die Notaufnahme im unkontrollierten Tempo verlassen. Sie stand mitten im Schneefall auf dem Fußweg und atmete hastig ein und aus. Das hieß also, der Kongurrenzkampf zwischen Sarah und ihr ging weiter.

Wer zum Henker hatte für sie die Kaution bezahlt? Sie hatte doch keine Freunde hier im Umkreis. Sie war Einzelgänger, war hier und dort zu Hause, ist nur unterwegs gewesen, nirgendwo sesshaft geblieben.

Das war für Robin nicht verständlich.

Hinter ihr tauchte Rudy auf, hängte ihr ihren langen, schwarzen Mantel über ihre Schultern und legte eine Hand von hinten auf Robs linke Schulter. Sie erschrak.

"Geht es dir gut?", fragte Rudy sie besorgt.

Robin ergriff Rudys Hand und hielt sie fest und nickte. "Lass uns wieder rein gehen. Es zieht hier draussen an."

Der nächste Morgen:

Eric war aufgewacht. Sein Kopf dröhnte ziemlich heftig. Was war letzte Nacht mit ihm passiert? Er konnte sich an nichts mehr erinnern.

Er sah an sich herab und schloß seinen Hosenstall, knöpfte seinen Kittel zu, ging in sein eigenes kleines Bad in seinem Büro und warf sich kaltes Wasser ins Gesicht. Er hielt sich am Waschbecken fest und besah sein Gesicht im Spiegel.

"Robin", schoß es ihm durch den Kopf und er stürmte wie ein Wahnsinniger aus seinem Büro. In der Notaufnahme fand er Rudy. Sie sah ihn wütend an.

"Wo ist sie?", fragte er sie. Rudy legte den Telefonhörer auf und zeigte mit einem Kopfnicken in den Aufenthaltsraum.

Eric nahm Anlauf und hechtete über die Anmeldung. Er trat ein und da stand sie...mit dem Rücken zu ihm. Sie hielt ihr Handy in ihren Händen. Ihr Gesicht und ihr Blick sprachen Bände.

Sie spürte seine Hände um sich, als er sie von hinten um sie schlang. Sie drehte sich zu ihm um und stieß ihn von sich...Reflexartig holte sie mit ihrer rechten Hand aus und schlug ihm auf seine linke Wange.

Robin ließ ihr Handy fallen, ging an ihm vorbei und verließ mit Tränen in den Augen das Schwesterzimmer.

Rusty und Rudy sahen ihr hinterher. "Was ist los?", rief Rudy ihr nach. "Jetzt nicht!...Ich muß hier weg!", kam es enttäuscht und erniedrigend von Rob über die Lippen.

Rudy starrte Eric an, als er neben ihr zum Stehen kam, das Handy von Rob in seinen Händen hielt und das Nachsehen hatte.

Rudy musterte ihn von oben nach unten.

"Was haben Sie angestellt, dass sie so aufgebracht ist?", hörte er mit ihrer grossen Klappe an ihn gerichtet. Sie sah das Handy in seinen Händen. "Geben Sie das her!", forderte sie ihn auf.

Sie schlug ihm das Handy aus seinen Händen und sah die Fotos und das Video, wie Cruz sich an Eric austobte.

Sie schlug Eric eins auf den Hinterkopf, dass er ihn einzog und zusammen zuckte.

"Sie Idiot!...Was haben Sie getan?", und sie sah auf die große Hospital - Tür.

"Okay...Ich verstehe!", meinte Rusty zu sich selbst.

"Ich kann mich an nichts erinnern!", antwortete Peters.

"Wie bitte?...Erst ordentlich Spaß haben und dann nichts mehr davon wissen wollen! Sie Scheißkerl!...Haben Sie noch andere Ausreden auf Lager? Das glaubt Ihnen doch kein Mensch, Peters!....Also ehrlich, man! Fällt Ihnen nichts Besseres ein? Glauben Sie mir, ich hab schon viele bessere Ausreden gehört! Ihre war scheiße!"

Rusty blickte ihm scharf in die Augen und flüsterte: "Perversling!"

Rudy schubste Eric nach vorn.

"Na los!...Was stehen Sie hier noch herum? Hinterher!...Und kommen Sie mir erst wieder in die Quere, wenn Sie das aus der Welt geschafft haben!". spitzte sie ihn an. "Wenn nicht, breche ich Ihnen irgendetwas!", und sie legte ihre Hände zu Fäusten nebeneinander an und drehte beide in die entgegen gesetzte Richtung.

"Na los!...Sie war deutlich genug! Hauen Sie ab, Sie Idiot! Warten Sie vielleicht noch auf eine Extra - Einladung?", gab Rusty seinen Senf dazu. Und er hippelte vor Eric herum und spielte mit seinen Fäusten, als würde er sich gleich mit Peters im Boxkampf messen.

Eric zog seinen weißen Kittel aus und legte ihn auf die Anmeldung und holte seine Jacke und seine Autoschlüssel aus dem Büro.

 

 

 

Douglas saß unterdessen im Konferenzraum und grübelte über sein Leben nach. Er hatte schon Vieles gesehen. Aber das heut Nacht war der Höhepunkt. Wie sollte er Eric erklären, dass er außer Gefecht gesetzt wurde und wie sollte er Robin klar machen, dass Sarah wahrscheinlich ihre Hände mit ihm Spiel hatte. Er hatte die Vermutung, dass sie die zweite Person mit im Büro war.

In den frühen Morgenstunden fand er Robin auf einem der Wartebereich - Lounges. Sie war eingenickt.

Sie wollte sich nur ein paar Minuten ausruhen und war letztendlich eingeschlafen.

Douglas hatte ihre Beine hoch gelegt und sie mit einer weichen Kuscheldecke zugedeckt. Er betrachtete sie und konnte Eric gut verstehen, was seine Gefühle für sie anging. Sie erschien zweimal bei ihm in der Woche zur ihrer Therapie für ihr rechtes Bein.

Sarah hatte ihr übel mit ihrem Attentat mitgespielt. Das war schon heftig. Ja, er kannte die ganze Geschichte.

Und jetzt saß ihr Cruz im Nacken, um ihr Eric zu entreißen. Und Sarah war frei.

Doch das würde er nicht zulassen, dass die beiden Frauen ein weiteres Leben zersplitterterten. Jede einzeln von ihnen hatte etwas drauf, aber beide zusammen als Team, es sollte lieber erst gar nicht dazu kommen.

Er hatte mitbekommen, was diese Nacht in Erics Büro geschehen war... Und er hatte Beweise fest gehalten, so dass es niemand der Beiden abstreiten konnte. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es einsetzbar war.

Douglas war auf seiner nächtlichen Patrouille, um nach den Patienten, Ärzten und Pflegepersonal zu sehen, ob sie etwas benötigten und es ihnen gut ging. Das tat er immer, wenn er Nachtschicht hatte.

Als er im Erdgeschoß angelangt war, sah er, wie eine blondhaarige Frau im knielangen, schwarzen Mantel mit einem Tablett, drei Gläsern und einer Flasche Champagner darauf, Erics Büro betrat.

Wieso drei Gläser? Douglas hatte nur eine Person hinein gehen sehen.

Douglas sah sich im Wartebereich und in der Notaufnahme um, ob irgend jemand anwesend sei.

Das war nicht der Fall, also lenkte er seine Schritte zum Büro.

Was wollte Cruz um diese Zeit bei Peters im Büro? Es war zwei Uhr nachts.

Er trat näher heran und fand die Tür nur angelehnt vor. Die Frau goss die Gläser voll und in eines davon schüttete sie etwas hinein.

War es Pulver oder waren es Tropfen?

Er konnte es nicht so genau erkennen. Er wollte auch noch nicht eingreifen. Er wollte sehen, was sie vor hatte.

Douglas hörte, wie die Frau auf Eric einredete. Er konnte sie aber nicht verstehen, da sie auf Eric einflüsterte.

Die Frau drehte den Sessel zu sich und bot Eric das Glas an, in dem sich noch etwas anderes befand, als der prickelnde Champagner.

Sie drängte ihn regelrecht dazu, einen ganzen Schluck zu nehmen.

Dann war er weg getreten.

Die Frau nahm ihm das Glas aus der rechten Hand, ehe es ihm aus der Hand rutschte und zu Boden fallen konnte, um mit einem "KLIRR" zu zerbrechen.

Dann drehte sich die Frau in Richtung Tür um. Ja, es war Cruz und sie sagte zu jemanden im Raum: "Drück auf Aufnahme! Nimm alles bitte auf!"

Eine weibliche Stimme war zu hören, doch Douglas konnte sie nicht ausfindig machen, woher genau sie kam.

Was er jetzt zu sehen bekam, war unmöglich und erbärmlich und strafbar.

Cruz entkleidete Eric unterhalb der Gürtellinie und nahm sich von ihm, was er ihr verwehrte.

Als sie fertig war, drehte sie sich abermals zur Tür um und fragte die andere Person im Raum. "Und? Hast du alles drauf?...Hat dich das angemacht?..." Sie strich Eric über seine linke Wange. "Möchtest du auch mal diesen Prachtkerl genießen? Es war fantastisch!...Bin mal auf die Reaktion deiner kleinen Freundin gespannt, mein Lieber, wenn sie das Video auf ihrem Handy vorfindet. Dann versuch dich mal herauszureden, mein Liebling!" Die Frau beugte sich zu ihm herab und küsste ihn auf seine Lippen. Dann richtete sie ihm seine Hose wieder zurecht und strich ihm erneut übers Gesicht.

"Schlaf gut und träum was Schönes, mein Süßer!"

Dann entfernte sie sich von ihm und trat auf die andere Person zu.

"Lass uns verschwinden, bevor hier von noch einer was mitkriegt. Geh du durch das Fenster hinaus. Wir sind im Erdgeschoss, da kann nichts passieren. Ich nehme die Tür. Es wäre nicht gut, wenn man uns zusammen sieht. Wir treffen uns an unserem Ausgangspunkt."

Doktor Douglas hatte sich leise entfernt und in den dunklen Schatten verzogen. Er nahm seinen Pager und löste ihn aus. Jedoch nur für Rudy, Rusty und Robin.

 

 

 

Robin war nach Hause gefahren und hatte die Haustür hinter sich abgeschlossen und stellte die Klingel ab. Sie rannte die Treppen rauf und in ihr Schlafzimmer. Sie zog die Reisetasche aus dem Schrank und packte ein paar Sachen ein. Doch ein heftiges Klopfen an der Tür ließ sie kurz inne halten.

Eine Männerstimme war zu hören. Es war Eric.

Sie ließ sich nicht aufhalten und ignorierte die Stimme und packte weiter.

Dann holte sie ihre Sachen für das Training aus der Truhe, die vor ihrem Bett stand und wartete, bis Eric sich von ihrer Tür entfernt und ihr Gelände verlassen hatte.

Sie verließ ihr Haus und öffnete die hintere Tür von ihrem Auto und warf ihre Tasche auf den Rücksitz, stieg ein, startete das Auto, drückte die Kupplung durch, legte den ersten Gang ein und fuhr los.

Eric versuchte es immer wieder, sich zu erinnern. Doch die letzten 24 Stunden waren wie ausgelöscht.

Er hatte einen totalen Blackout.

Eric hatte keinen blassen Schimmer, wie er das wieder gerade biegen sollte. Er konnte ihr nicht mal in die Augen sehen.

Was war denn bloß in ihn gefahren?

Eric Peters hatte Robin enttäuscht, ohne es zu wollen. So etwas wollte er eigentlich verhindern und Rudy hatte ihn noch vorgewarnt.

Er war zurück in sein Büro gekehrt und saß an seinem Schreibtisch und spielte mit seinem Kugelschreiber herum und ließ seinen leeren Blick aus dem Fenster schweifen.

Er dachte die ganze Zeit an Robin. Er hatte den Moment vor ihrer Haustür im Gedächtnis, als es in Strömen regnete.

Wie kam er nur wieder aus dem Schlamassel heraus?

Die Tür ging leise auf. Schritte kamen auf ihn zu. Zwei Hände legten sich von hinten auf seine Schultern.

"Denk nicht mehr darüber nach. Es ist passiert...Es war sehr...!", flüsterte ihm eine weibliche Stimme ins rechte Ohr. Eric drehte sich zu der Stimme und er fuhr wütend hoch."Wieso hast du das getan?", fragte er sie aufgebracht und wütend.

Cruz fuhr ihn an. "Was willst du mir vorwerfen? Wir wollten es beide!"

Eric schloß die Bürotür. "Ich wollte gar nichts!", brüllte er sie an.

Cruz lehnte sich an seinen Oberkörper und legte ihre rechte Hand auf seine Brust und spielte an seiner kleinen Brusttasche seines Kittels herum. "Wieso läßt du es nicht zu, Eric? Wir können von vorn anfangen...von hier fort gehen...weit weg ....Wir hatten doch auch schöne Tage...Eric...Bitte!", flehte sie ihn an.

Peters schob sie von sich. "Es ist besser, wenn du gehst!", und er drehte ihr den Rücken zu und ging ans Fenster. Draussen schneite es und überall lockte die weihnachtliche Stimmung.

Cruz verließ sein Büro und lief Doktor Douglas in die Arme.

"Was für ein Spiel spielst du?", kam es über Douglas' Lippen. Sie sah ihn an. "Wie bitte?"

Cruz wollte an Douglas vorbei gehen, doch er hielt sie auf. "Du hasst Ärzte, du hasst diesen Beruf... Also, was soll das Ganze?" Rücken an Rücken standen sich die Beiden nun.

"Du verstehst das nicht Douglas!"

"Dann erkläre es mir! Vielleicht verstehe ich es dann."

"Da gibt es nichts zu erklären!", und Cruz ließ ihn stehen.

 

 

 

Robin war ins Tanzstudio gefahren. Es war schon nach Zwanzig Uhr und das Studio geschlossen.

Aber sie hatte ja den Schlüssel bekommen, um hierher zu kommen, wann immer sie es vermochte.

Sie ging in die Umkleide und zog sich für das Training um. Dann machte sie die Musik an und stellte sich in die Mitte vom Saal. "Resolve" hieß das Stück.

Es begann mit einem Flügel, das von einem Streichorchester und einem Geigensolo begleitet wurde. Sie legte ihre Arme um sich und drehte sich einmal im Kreis. Dann tanzte sie zwei Schritte nach links und dann zwei Schritte nach vorn. Eine weitere Umarmung und ein Dreh in die andere Richtung. Aus einer kleinen leichten Kniebeuge holte sie Schwung und machte zwei kleine Schritte nach vorn und sprang in die Luft so hoch sie konnte und stieß ihre Beine wie bei einem Spagat in der Höhe auseinander und kam in der Hocke auf, das linke Knie auf dem Boden und links und rechts mit den Händen auf dem Parkett abgestützt.

Dann zog sie mit kleinen Drehungen einen großen Kreis und kam zum Stehen.

Es tat ihr so gut, wieder trainieren zu können. Beim letzten Sprung aus der Höhe kam sie mit ihrem verletzten rechten Bein auf und sie schrie ganz laut:

"Shit!"

Unter der Dusche im Studio war sie mit ihren Gedanken beim Wettbewerb. Wieder und wieder sah sie Sarah vor sich, wie sie Robin angrinste und ihr viel Spaß mit ihren Schmerzen wünschte. Sie merkte, wie ihr das Blut an ihrem Bein herunter lief und sie hörte in weiter Ferne Erics Stimme, wie er nach Hilfe verlangte und sie beruhigte.

Somit hatte sie ihn wieder im Kopf und vor ihrer verschlossenen Haustür im strömenden Regen.

Doch dann hatte sie die Fotos und das Video vor ihren Augen, Sarah und ihre angebliche Knieverletzung, ihren Bruder Terry in seinem Blut vor ihren Augen.

Und da war plötzlich Cruz aufgetaucht.

Nach dem Training fuhr sie in ihr Strandhaus. Nur Rudy wußte von dessen Existenz. Sie parkte ein und stieg aus. Sie hielt sich mit der rechten Hand an der Autotür fest und die andere Hand lag auf dem Autodach.

Sie zog die frische, kalte Meeresluft ein und sah auf das Meer hinaus.

Zum Glück war das Wochenende zum Greifen nah.

Robin betrat ihr kleines Strandhaus, zündete den Kamin an und kochte sich Kaffee. Kaum saß sie auf der Couch vor dem warmen Kamin, zugedeckt mit einer braunen Kuscheldecke, da war sie völlig erschöpft eingeschlafen.

 

 

Es war Montag Mittag. Eine neue Woche hatte begonnen.

Robin trat trotz der letzten Vorkommnisse ihre Spätschicht an. Vor dem Krankenhaus war ein Massenauflauf von Menschen und Rettungswagen.

"Was ist passiert?", fragte sie einen Fahrer vom Rettungsdienst.

"Es gab eine Schießerei, ein paar Blocks weiter an der großen Brücke...Bei der Bank, in der Nähe vom Park."

"Gibt es schon eine Zahl an Verletzten?"

"Nein Miss!"

Robin rannte ins Krankenhaus und zog sich schnell um, ehe der Ansturm begann. Rudy kam zu ihr ins Schwesterzimmer. "Geht es dir gut?" "Ja, alles gut. Ich kann arbeiten." Rusty gab ihr ihr Handy zurück. "Er hat ein paar mal angerufen und zich Nachrichten hinterlassen.", sagte er zu ihr. Rob nahm es aus seiner Hand und steckte es in ihre rechte Kitteltasche.

"Lasst uns dem Massenauflauf entgegentreten. Heute wird ein langer Tag für uns.", sagte Rudy und die drei verließen im Gleichschritt das Schwesterzimmer.

Als die drei in die Notaufnahme kamen, war die Hölle bereits herein gebrochen.

"Oh mein Gott!", flüsterte Rusty, als er das ganze Ausmaß in Augenschein nahm.

Eine weitere Patientin wurde von draussen herein geschoben. Sie war fast bewußtlos und mit Blut überströmt. Es tropfte von ihrer Trage auf den Fußboden herab und das war nicht gerade wenig.

Rusty war heran getreten und verlangte die Klemm - Mappe. "Wer ist sie?", fragte er die Rettungssanitäter. Rusty sah auf ihr Gesicht. "Sarah...Wil..." und seine Blicke suchten sofort nach Robin.

Sie fing ihn ab und schaute verunsichert. Sarah drehte unter Schmerzen ihren Kopf in Robs Richtung. " Nein!", kam es aus Robins Mund. Sie sah in Sarahs tränengefüllten Augen und ließ den Telefonhörer fallen. Sie atmete schnell und ging auf sie zu. Sarah wurde an Rob vorbei geschoben. Sarah griff flüchtig nach Robins Hände und flüsterte kaum hörbar: "Es tut mir...leid...Es tut mir...alles...so...wahnsinnig leid!" Robin beugte sich zu ihr. "Was tut dir leid?" und weiter konnte sie ihr nicht folgen, denn die Türen zum OP wurden geschlossen.

"Was ist dort passiert?"

Robin war total aufgebracht, entsetzt und klang hysterisch. Sie drehte sich im Kreis und sah um sich viele Verletzte, die Schmerzen hatten und Blut verloren und schrien.

Ein Krankenpfleger schaltete den Fernseher im Wartebereich ein und alle verfolgten die Schießerei in den Nachrichten.

Robin hielt ihre Hände vor ihr Gesicht.

Was war nur aus all den Menschen geworden?

Ein Sanitäter kam auf sie zu.

"Es war furchtbar. Sie war mitten drin im Kugelhagel. Sie wird es nicht schaffen!"

Rob nickte und sagte zu ihm: "Sparen Sie sich das! Davon will ich nichts hören!" und sie setzte sich auf die Lounge. Sie wußte nicht, ob sie weinen oder froh oder ob sie überhaupt traurig darüber sein sollte. Schließlich hatte Sarah ihr das Leben zur Hölle gemacht. Aber jeder hatte eine zweite Chance verdient...Auch Sarah.

Irgendwann holte eine Frauenstimme sie aus ihren Gedanken.

"Was ist hier los, Robin?"

Ihre Eltern waren bereits informiert worden und kamen mit Justin aufgeregt und total durch den Wind auf sie zu.

Robin stand auf.

"Ich weiß es nicht!"

"Was hatte sie da zu suchen?", fragte ihre Mutter.

"Keine Ahnung!...Woher soll ich das wissen? Sag du es mir!...", antwortete Rob schnippisch ihrer Mutter. "Sie hat euch angerufen, dass sie wieder draussen ist. Und ihr verheimlicht es mir und tut auf der Weihnachtsfeier im Obdachlosenheim, als wäre die ganze Welt wieder in Ordnung zwischen uns für ein Gott verdammtes - Es tut mir leid?!..."

Da wurde die OP - Tür geöffnet. Alle vier Wilson richteten ängstlich ihre Augen darauf und wappneten sich schon für das Schlimmste.

Eine Assistentin kam im Grün heraus. "Familie Wilson?"

"Ja!", antwortete Dave.

"Wie geht es ihr?"

"Sie hat eine Menge Blut verloren. Wir benötigen ihre Hilfe. Wir haben nicht genug Vorrat an ihrer Blutgruppe. Wir möchten Sie bitten, etwas zu spenden."

Eveline sah ihren Mann ängstlich an.

Robin beobachtete dieses Hin und Her zwischen ihren Eltern.

Was war hier los? Was verheimlichten ihre Eltern noch vor ihr?

"Das...Das können wir nicht tun!", sagte Eveline, während sie ihrem Mann in die Augen sah. Robin und Justin sahen ihre Eltern geschockt an.

"Was soll das heißen - Wir können das nicht tun?", war Rob empört.

"Sie ist unsere Schwester!...Wir müssen ihr helfen! Sie verblutet sonst da drin!", entgegnete Justin.

"Wir können sie doch nicht im Stich lassen und sie ihrem Schicksal überlassen! Egal, was sie getan hat, so zu sterben, das hat sie nicht verdient!", protestierte Justin.

"Was läuft hier gerade ab, Mum?...Dad?", fragte Robin eindringlich und wechselte ihre Blicke zwischen ihren Eltern hin und her.

"Was verschweigt ihr uns?...Was?....Antwortet!", keifte Robin ihre Eltern fordernd an.

Dave und Eveline bewahrten vorerst Ruhe.

"Was geht hier vor sich?", forderte Justin ihre Eltern etwas lauter auf.

"Sarah...Sarah...Sie...Sarah ist...Sie ist nicht...Sie ist nicht eure...Nicht eure...Sie ist...!", begann Eveline.

"Sie ist...sie ist...adoptiert...Sarah ist adoptiert!", erklärte Dave.

 

 

Feedback

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MrsHEKenways Profilbild
MrsHEKenway Am 30.06.2022 um 15:02 Uhr
Hallo liebe Nicole,

schön geschriebene Geschichte. Freu mich auf weitere Kapitel! <3

LG MrsHEKenway
NicoleSemilch29s Profilbild
NicoleSemilch29 (Autor)Am 30.06.2022 um 18:10 Uhr
Hallo liebe MrsHEKenway, vielen lieben Dank für die großartige Bewertung und deine lieben Worte...Weitere, spannende Kapitel werden folgen.

LG Nicole (Colles Home)

Autor

NicoleSemilch29s Profilbild NicoleSemilch29

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Kapitel:41
Sätze:3.650
Wörter:31.187
Zeichen:175.756

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Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Drama, Freundschaft, Humor und Familie gelistet.