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Eyes Throat Genitals

21
29.06.20 17:52
18 Ab 18 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Vorwort

Gibt eigentlich nicht viel zu sagen. Ich versuche mich an einer Cyberpunk-Story und dachte (auch wenn hier in der Kategorie ja quasi nichts los ist), dass vllt. der ein oder andere Bock hat, mal reinzuschauen.

Noch ein kleiner Warnhinweis für alle, die gern im Vorfeld wissen auf was sie sich ungefähr einlassen (natürlich alles im Rahmen des P18 Ratings):
-Kraftausdrücke
-Gewaltdarstellungen
-Blut
-Drogen
-leichter, sexueller Inhalt
-'Denglish' - Vermischung verschiedener Sprachen

Damit ist dann eigentlich alles geklärt und ich lass euch auch schon wieder allein.
Tadaa

Kapitel 1.

Das Chicken-Dilemma 1.1





“Scheiße, man, hast du das gesehen?”


Sein lautes Lachen schrillt in meinen Ohren.


“Fuck, D! Das war filmreif. Filmreif, man!”


Er überschlägt sich fast, als er mit der Faust wieder und wieder auf den harten Beton einschlägt.


“Dem hast du’s echt gezeigt, Alter!”


Mit jedem weiteren Schlag kann ich das Granulat in seinen Handschuhen knirschen hören. Wenn mir nicht schon schlecht wäre, wär’s das spätestens jetzt.
Ich wische mir mit dem Handballen über den Mund und spüre, wie die gerade vom antrocknenden Blut gehaltene Wunde wieder aufplatzt. Ekelhaft.
Der letzte Schlag hat echt gesessen und mit der Zungenspitze überprüfe ich vorsichtig, ob nicht noch mehr Schaden angerichtet wurde.
Macht aber nicht den Eindruck. Dass die Tischplatte unter mir nachgegeben hat, muss mich vor Schlimmerem bewahrt haben, was allerdings nicht bedeutet, dass damit alles gut ist.


“Können wir bitte einfach gehen?”


Mühsam stemme ich mich vom Boden hoch und klopfe vergebens etwas Dreck von meiner Jacke. Sie ist total ruiniert.
Überall Blutflecken und am unteren Ärmel hat mich tatsächlich noch das Messer von diesem Dreckskerl erwischt. Der Schnitt ist nicht groß, aber er ist da. Allein das zählt und trägt nicht zu meiner Stimmung bei.
Mir tut jeder Knochen weh und irgendwie war das hier alles ganz anders gelaufen als geplant.


“BAM! Links, rechts! Hehehe.”


Mit einem tiefen Seufzen greife ich in den Kragen seiner Jacke und zerre ihn hoch auf die Beine. Sein Lachen stoppt und weicht einem knappen Keuchen, als er endlich zum Stehen kommt.
Ich muss ihm nicht in die Augen schauen um zu wissen, dass er völlig drauf ist, aber vielleicht ist das auch besser so. Sein schiefes Lächeln ist rot, vom rechten Schneidezahn fehlt eine ganze Ecke und auch der Rest vom Gesicht sieht mehr als mitgenommen aus. Er könnte mir fast ein bisschen leid tun. Fast.


“Tu’ mir einen Gefallen und halt nächstes Mal einfach die Fresse, ok?”


Mit einem Murren als Antwort wischt er meine Hand von seiner Schulter und fängt augenblicklich an in seinen Taschen zu wühlen. Mit hochgezogener Braue betrachte ich das Spiel für einen Moment. Ich bin mir nichtmal sicher, ob er überhaupt noch was finden würde.


“Das würde ich an deiner Stelle lassen.”


“Halt’s Maul.”


Stimmungswechsel. Ein langer blutroter Speichelfaden zieht sich von seiner Lippe, um bei der nächsten Bewegung auf sein Shirt zu tropfen. Macht keinen Unterschied mehr. Vermutlich ist nicht mal alles davon sein eigenes Blut, aber der größte Teil dürfte es sein. Seine Finger verschwinden in den Innentaschen der schweren Lederjacke und halten prompt inne.
Die Notreserve, natürlich.


“Ehrlich, ich würd’s lassen.”


“Ey, bist du meine Mum oder was?”


Er zerrt das Tütchen ungeduldig aus der schmalen Tasche und klemmt es sich zwischen die Lippen, um einen Handschuh ausziehen zu können.


“Kitty, tu was du nicht lassen kannst. Aber heul mir später nicht wieder die Ohren voll, ich hätte dich nicht gewarnt.”


Es ist zwecklos. Morgen werd ich so oder so wieder die Arschkarte haben.
Ein Teil des Pulvers rieselt munter auf die Straße, als er es versucht mit den kaputten Zähnen aufzureißen.
Ungeduldig legt er den Kopf zurück und schüttet sich einen Teil in den Mund, bevor er den Rest auf der Handfläche auskippt und ihn in der Nase hochzieht.
Ich bin ja selbst nicht ganz clean, aber mir würde das rasselnde Geräusch schon Gedanken machen.


“Fuck.”


Er hält sich abwechselnd die Nasenlöcher zu, um das Pulver weiter hochzuziehen, bevor er mit tastenden Fingerspitzen versucht das Ausmaß des Schadens zu erahnen.


“Scheiße, man. Der Wichser hat mir die Nase gebrochen.”


Bingo.
Mit leichtem Kopfschütteln drehe ich mich um und schaue, wo wir gelandet sind.
Aus den geschlossenen Clubtüren wummert uns noch immer dumpf die Musik entgegen und das Schild über dem Hintereingang flackert munter vor sich hin.
Ich hatte ehrlich gehofft wir würden’s auch mal einen Abend ohne Stress schaffen, aber leider ist Kitty prädestiniert dafür Ärger anzuziehen.
Ich meine, wundern tut’s mich nicht, trotzdem ist es irgendwann einfach lästig.
Warum ich ihn immer wieder mitschleppe? Wir brauchen die Kohle, aber er sollte langsam wirklich lernen sein Temperament zu zügeln.


“Die Nase, D! Meine Nase!”


Er wechselt ins weinerliche Gejammer. Höchste Zeit nach Hause zu gehen. Wenn ich Pech habe kann ich mir das jetzt noch die nächsten anderthalb bis drei Stunden anhören.


“Stell dich nich so an, die kriegen wir schon wieder hin.”


Irgendwo in meinen Hosentaschen finde ich den Lolli, den ich vor ner Stunde zugesteckt bekommen habe. Vorsichtig löse ich das knisternde Plastik und schiebe es in eine der Jackeninnentaschen, in der sich vermutlich auch mein Kartenheft befindet. Die Nummer die drauf steht ist zu wichtig um sie wegzuschmeißen.
Ich spucke auf den Boden, ehe ich mir die neongelbe Zuckerkugel in den Mund stecke.
Blutorange.
Mein Lieblingsgeschmack.


“Komm jetzt.”


Ich schiebe die Hände in die Jackentaschen und mache mich auf den Weg, endlich aus dieser scheiß Gasse rauszukommen. Wer weiß, wann sie den Nächsten aus dem Club schmeißen und nach der ganzen Aktion von eben hab ich echt keinen Bock auf noch mehr Stress.
Mit den Fingern taste ich durch die Sachen in meinen Taschen und finde das Nötigste wieder. Wunderbar. Der Rest wird sicher auch irgendwo stecken.

Mit einem kurzen Blick über die Schulter gehe ich sicher, dass Kitty mir folgt. Nur langsam, aber immerhin hat er mitbekommen in welche Richtung es geht.
Ich seufze leise und quetsche mich zwischen zwei überladenen Müllcontainern durch, um zurück auf den Hauptweg zu kommen.


“Was machen wir jetzt eigentlich… Alter, ist das widerlich.”


Ich checke die Lage auf der Straße und warte, dass er es endlich an den Containern vorbei zu mir schafft. Um die Uhrzeit ist immer noch ne ganze Menge los.
Stolpernd kommt er neben mir zum Stehen und spuckt etwas Blut auf den Boden, bevor er endlich seinen Satz beendet.


“Was machen wir wegen Chicken?”


“Chicken?”


Ich schaue zu ihm rüber.
Es dauert einen Moment bis er anfängt nervös zwischen mir und den umliegenden Gebäuden hin und her zu schauen. Denkt er wirklich ich würde ihn schon wieder aus der Scheiße ziehen?
Es vergeht noch ein Moment und er streicht sich die blutverklebten, babyblauen Strähnen aus dem Gesicht. Ich warte weiter, er wird schon von allein drauf kommen.


“Ach komm schon, D. Du kannst mich nicht hängen lassen!”


“Nein. Chicken ist ganz allein dein Problem.”


Der Laden neben uns spuckt eine Welle gröhlender, besoffener Gäste aus und ich ergreife die Gelegenheit mich mit auf die Straße spülen zu lassen.


“Ich will diesmal nichts damit zu tun haben.”


“Aber… D! Warte!”


Eilig schließt er zu mir auf und ist klug genug kein weiteres Wort mehr darüber zu verlieren. Bis eben ging’s mir nur beschissen, aber allein die Erwähnung dieses Namens bereitet mir zusätzliche, physische Schmerzen.
Die Beziehung zu Chicken, korrekterweise Mr. Chicken, ist, gelinde gesagt, schwierig.
Es hat in den vergangenen Wochen immer wieder Probleme gegeben, von denen mehr als die Hälfte nicht mal unser Verschulden war, doch was da eben abgelaufen ist… wenn er das rausbekommt, dann können wir froh sein, wenn wir den nächsten District am Stück und nicht in mundgerechte Häppchen geschnitten, fein säuberlich verpackt und mit einem Aufkleber der Pica-Chicken Company versehen, erreichen. Zumindest ich für meinen Teil habe keine Lust als Fastfood zu enden. A propos Fastfood...


“Hunger?”


Ich greife Kitty am Ärmel und ziehe ihn an der Kreuzung in die andere Richtung. Fragend sieht er mich an, bis er meinen ausgestreckten Finger bemerkt, der geradewegs auf den kleinen Imbiss zeigt, der am Eingang zur nächsten Seitenstraße liegt. Er nickt nur knapp und folgt mir schweigend.
Die Wirkung vom Speed lässt langsam nach und ich hab keine Ahnung, wann ich das letzte Mal wirklich was gegessen habe. Wir sind schon ne Weile unterwegs.

Uns kommt eine kleine Gruppe aus dem Laden entgegen, als wir ankommen und uns an ihnen vorbei durch die Schiebetür in’s Innere drängen. Bis auf uns ist jetzt niemand mehr hier und ich kann nicht behaupten, dass mich das stören würde. Der Laden ist so schon klein genug.
Ich trete vor das Pult und drücke auf den Service-Knopf, während Kitty sich auf einen Barhocker an einem der vier kleinen Tische zwängt. Flimmernd erscheint das Hologramm der Bedienung über dem Pult.


[“Herzlich Willkommen bei Nanny’s! Ich bin Mia, wie kann ich euch behilflich sein?”]


“Ich will ne Handmassage mit Happy End!”


“Kitty.”


“Wenn sie schon so fragt?”


Er lehnt sich mit dem Rücken gegen die Fensterscheibe, um die Stiefel auf dem Barhocker neben ihm abzulegen, während mir Mia unverändert und wartend entgegen lächelt.
Ich ziehe den zerkauten Plastikstiel aus dem Mund und werfe ihn neben dem Pult in die Ecke.


“Das Deluxe-Menue, zwei Mal.”


“Extra Käse, keine Zwiebeln und ‘n Orangensaft.”


“Und ‘n Night-Kit.”


“Und einen von den pinken Muffins. Die, mit der süßen Füllung.”


“Halt die Fresse, Kitty.”


[“Das wäre alles?”]


“Das ist alles.”


["Macht zusammen 23.500 Coins.”]


Ich ziehe mein Kartenheft aus der Jackentasche und suche nach der Kreditkarte. Lollipop-Verpackung, Bonuscard, drei Stempelkarten, Trainpass, Keycard, Mitgliedskarte des H.B., Med.-Card…
Scheiße.


“Deine Karte.”


Ungeduldig gehe ich zu ihm rüber und strecke meine Hand aus. Die hellblauen Augen schauen mich fragend an, als wüsste er nicht, was ich gesagt habe.


“Gib mir deine Karte.”


“Hast du nicht selb-”


“Her damit.”


Ich ziehe ihm das Kartenheft aus der Hand, welches er nur zögerlich rausgekramt hat und wühle mich durch die Masse an nutzlosem Plastik, bis ich finde, was ich suche.


[“Alles zusammen macht 23.5 -”]


Die Karte gleitet durch den Leserschlitz und ich bin gespannt, ob wir noch was zu Essen bekommen oder nicht. Bei ihm kann ich mir nie sicher sein, ob seine Kreditkarte noch freigeschaltet oder wieder mal gesperrt ist.
Was mich allerdings zurück zu der Frage führt, wo meine eigentlich abgeblieben ist.


[“Vielen Dank. Eure Bestellung wird bearbeitet und trifft in Kürze am Servicetresen ein.”]


Das Hologramm verschwindet und lässt uns allein im Laden zurück.
Glück gehabt.
Ich schiebe die Karte zurück in das Heft, sortiere ein paar andere Karten fragwürdiger Clubs und Personen aus und lasse sie in den Müllschlucker neben dem Tresen fallen.


“Du solltest dir wirklich angewöhnen nicht zu jedem Angebot gleich Ja zu sagen.”


Er zuckt nur mit den Schultern und steckt das Heft zurück an seinen Platz, nachdem ich es ihm wieder in die ausgestreckte Hand gedrückt habe.
Jetzt heißt es nur noch warten.
Ich setz mich auf die andere Seite des Tisches und hole mein Kartenheft nochmal raus. Irgendwo muss die scheiß Kreditkarte doch sein.
Nach und nach leere ich die Fächer und sortiere meine Karten auf dem Tisch. Eigentlich ist alles da.
Bis auf die Kreditkarte.
Genervt wiederhole ich das Prozedere mit meinen Jacken und Hosentaschen. In der letzten Tasche finde ich noch eine Karte und ziehe sie hoffnungsvoll an's Licht.
Sie ist es.
Erleichtert atme ich durch, als der Servicetresen mit einem dezenten Jingle und einem grünen Signallicht meldet, dass unsere Bestellung angekommen ist.
Langsam lässt sich Kitty von seinem Barhocker rutschen, um das große Tablett aus dem Foodlift zu holen und zu uns an den Tisch zu bringen.
Mit dem Arm schiebe ich meinen Kram beiseite, um ihm Platz für's Essen zu machen.
Klappernd landet das große grellgrüne Tablett zwischen uns und kaum wieder auf seinem Platz fängt er sofort an die Verpackungen nach seiner Bestellung zu durchsuchen.


"Wow. Es ist sogar der Muffin dabei!"


"Zufrieden?"


"Nur, wenn mir der Muffin auch 'n Happy End versprechen würde."


Seufzend sortiere ich meine Karten wieder in's Heft, verstaue es sicher in meiner Jackeninnentasche und greife nach dem Karton, den er auf meine Seite geschoben hat.
Der Burger ist warm und sieht genauso aus wie auf den Menueplakaten die im Laden hängen. Ich will garnicht wissen was alles drin ist, damit das der Fall ist. Aber die meisten Lebensmittel sind ohnehin so schwammig deklariert, dass statt Hühnchen genauso gut die ohne nähere Verwandtschaft tot in ihrer Wohnung aufgefundene Unbekannte aus Block 6.4 drin sein könnte.
War übrigens echt nicht schön. Man hat sie nur gefunden, weil sich irgendwann ein Nachbar bei der Blockverwaltung über die Scharen an Maden auf dem Flur beschwert hat.
Ich wohne im angrenzenden Block, daher hab ich das alles überhaupt mitbekommen.

Immerhin schmeckt der Burger ewig gleich und unverändert, wie es bei den meisten Fastfoodketten der Fall ist.
Kitty schiebt sich die andere Hälfte des Burgers in's Maul und stopft mit dem Finger die Ränder nach. Seine Essgewohnheiten sind mir ein absolutes Rätsel, andererseits könnte es auch so einiges erklären.


"Was hast du Jules eigentlich gesagt?"


Er nimmt einen großen Schluck von seinem Getränk um das Desaster irgendwie runterzuspülen, ehe er daran erstickt und schaut mir irritiert entgegen.


"Was meinst du?"


"Na…"


Ich nehme selbst einen Schluck von der klebrig süßen Limo und schaffe eine kleine Pause, um ihm die Möglichkeit zu geben, von selbst drauf zu kommen.
Noch ein Schluck.
Er tut es nicht.


"Ich versuche nur zu verstehen, wann und vor allem was schief gelaufen ist."


Hustend dreht er sich weg, als ihm der nächste Schluck Orangensaft sauer im Hals stecken bleibt.
Er weiß, dass es seine Schuld gewesen ist und ich bin mir sicher, dass er auch noch sehr gut weiß, an welcher Stelle er die Scheiße verbockt hat.


"D, das war wirklich keine Absicht."


"Absicht oder nicht, ich will wissen, was mit dir los gewesen ist."


"Man, er wollte mir ernsthaft an die Wäsche. Da hab ich ihn freundlich darauf hingewiesen, dass er seine Drecksgriffel bei sich behalten soll, sonst reiß ich ihm die Eier ab."


"Freundlich, so so."


"Echt, man. Woher sollte ich denn wissen, dass er gleich so hoch geht?"


"Die Order, dass wir ruhig und um jeden Preis friedlich bleiben sollen, war nicht umsonst. Jules direkt in's Gesicht zu beleidigen ist weder das eine, noch das andere."


"Ach fick dich doch."


Mit geräuschvollem Schlürfen zieht er den letzten Schluck Orangensaft im Strohhalm hoch und knallt den Becher zurück auf das Tablett, ehe er sich mit dem Kopf an die Wand hinter ihm lehnt und den Blick zur Scheibe raus wendet. Er weiß genau, dass er's versaut hat und vermutlich versucht er in seinem vernebelten Hirn gerade die möglichen Konsequenzen seines Handelns durchzugehen.
Noch ist nicht alles verloren, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis Chicken davon erfährt, wenn uns vorher nicht was kluges einfällt, um Kittys Kopf aus dem Kükenschredder zu ziehen, aber um ehrlich zu sein habe ich wirklich keine Lust mich darum zu kümmern, immerhin betrifft es mich nur indirekt. Allerdings ist jetzt auch nicht der richtige Zeitpunkt um darüber nachzudenken. Ich bin immernoch nicht wieder ganz down, mein Kiefer und die Seite pochen unangenehm heiß und eigentlich will ich nur noch nach Hause. Die Schlägerei war wirklich das Letzte, was diese Woche noch hätte gebrauchen können. Und wenn ich mir Kitty so anschaue, wie er mit geschlossenen Augen gegen die Wand lehnt und sich zwischen seinen Brauen eine leichte Kerbe bildet, gilt dasselbe wohl auch für ihn.
Das Blut in seinem Gesicht ist mittlerweile getrocknet und verdeckt die sich langsam verfärbende Schwellung auf seiner Nase.
Ich ziehe die kleine schwarze Plastikdose vom Tablett zu mir, knacke den Verschluss mit dem Daumennagel und kippe den Inhalt auf die Tischplatte, um gezielt nach dem Blister mit den Schmerztabletten zu greifen. Knisternd drücke ich sie aus der Schutzfolie auf meine Handfläche und lege eine davon vor Kitty auf den Tisch.


“Hier.”


Die Drogen in seinem Blut dürften zwar noch den Großteil seines Schmerzempfindens unterdrücken, aber ich schätze so in ein, zwei Stunden wird er froh über die Painkiller-Unterstützung sein. Ich bin es jetzt schon.
Mit dem letzten Schluck Limo spüle ich die Tablette runter und räume den Rest der medizinischen Utensilien zurück in das Night-Kit und stecke es in die Jackentasche.
Die Dinger sind schon immer wieder sehr nützlich gewesen und ich schätze, sie gehören vor allem hier in der Gegend mit zu den meistverkauften Produkten der Fastfood-Läden.
Ich werfe einen kurzen Blick in die großen Fensterscheiben. Das verschwommene Bild und die dunkle Tönung des Glases verschlucken einen Großteil, aber ich schätze, wir sehen ziemlich elend aus. Mit ein paar Griffen streiche ich meine zerzausten, pinken Haare wieder zurecht und stehe auf.


“Komm jetzt.”


Ein leichter Tritt gegen seinen Hocker, um ihn aus dem Halbschlaf zu wecken in den er gefallen ist. Murrend rafft er sich wieder hoch, schluckt die Tablette und greift nach der kleinen Plastikverpackung, in welcher der Muffin noch unangetastet ruht.
Ich will hier weg, bevor es zu gemütlich wird. Wäre nicht meine erste Nacht in ner Fressbude, aber wir sind nicht so weit von meinem Wohnblock weg, als dass ich den Weg jetzt nicht mehr auf mich nehmen würde.
Zumal man sich nie sicher sein kann wen es noch so alles in der Nacht in denselben Laden zieht und ganz ehrlich, mit einem Lauf an der Schläfe in einer Burgerbude aufzuwachen ist wirklich nicht besonders empfehlenswert.

Leise gleitet die Schiebetür auf und entlässt uns wieder auf die Straße. Von hier aus ist es zum Glück nicht weit bis zur nächsten Bahnstation. Ich warte noch einen Moment bis der große Menschenstrom etwas nachlässt und folge dann einer kleineren Gruppe, die in die gleiche Richtung geht.
Von den Seiten strahlen und blinken uns die Lichter und Hologramme der Clubs und Geschäfte entgegen. Der Bezirk hier gehört zu den schlaflosen Bereichen der Stadt. Hier bekommt man 24/7 alles was man will. Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht bekommt, worum man nicht gebeten hat.
Ich lasse zwei Finger unter den Schnitt in meinem Ärmel gleiten, fahre die Kanten entlang und stecke die Hände dann mit einem Seufzen in die Taschen.
Obwohl die Wirkung der Painkiller langsam einsetzt, spüre ich noch dumpf das Pochen in meiner Seite. Meine Zähne sind glimpflich davon gekommen, aber wie es aussieht habe ich mir beim Aufprall auf den Tisch oder irgendwann im Gerangel die Rippen geprellt. Und wenn ich so darüber nachdenke, mit welchem Aufgebot Jules im Club gewesen ist, dann gleicht es fast einem Wunder, dass wir noch alle Gliedmaße haben. Einer seiner Schläger ist modifiziert und ich bin mir sicher, hätte er es drauf angelegt, hätte er mir ein Loch in den Bauch gerissen.
Manchmal bin ich mir wirklich nicht sicher, ob ich froh oder enttäuscht darüber sein soll, dass an mir noch fast alles menschlich ist. Aber sei's drum. So verzweifelt, dass ich mir selbst die Hand abhacke bin ich dann doch nicht.
Im Wohnblock geht das Gerücht um, dass der Typ aus der Siebten genau das getan hat, um ne neue zu bekommen.
Lautes Geknister reißt mich aus meinen Gedanken.


"Oh Baby, ich lebe für deine süße Versuchung."


Aus dem Augenwinkel sehe ich wie Kitty den Muffin aus der Verpackung schält und vorsichtig den fluffigen Teig mit den Fingern zusammendrückt, bis die rosafarbene Füllung oben herausquillt und er sie mit der Zungenspitze ableckt. Ich schätze, jeder hat irgendwelche seltsamen Essgewohnheiten, aber ich bin mir sicher, die wenigsten davon sind so obszön wie seine.
Leises Gekicher und Gemurmel lenkt meinen Blick zu den drei Frauen, die ein paar Schritte neben uns am Bahngleis stehen. Sie beobachten Kitty dabei, wie er ihnen zuzwinkert und seine Zunge ein weiteres Mal im Gebäckstück versenkt. Er ist ein elendiger Player und Aufreißer und nutzt jede Chance zum Flirten, die er ergreifen kann, selbst in seinem aktuellen Zustand, und wundert sich auf der anderen Seite dann, warum er immer wieder Probleme bekommt.

Ich ziehe zum ersten Mal seit dem Desaster im Club mein Telefon aus der Tasche.
Nur ein paar belanglose Nachrichten, ein paar App-Benachrichtigungen und ein verpasster Anruf von Raphael. Ich werde ihn später zurückrufen, auch wenn ich mir sicher bin, dass er sich nicht darüber freuen wird. Aber irgendwer muss sich um Kittys Nase kümmern.
Allerdings frage ich mich wiederum, was er von mir wollte. Der Anruf ist fast zwei Stunden her.
Ich werd's nachher erfahren. Zuerst muss ich ein bisschen schlafen.

Der eingefahrene Zug spuckt eine ganze Welle Menschen aus, die vermutlich aus dem angrenzenden District kommen, um hier noch irgendwo weiter die Nacht zu verleben.
Uns wird er nach Hause bringen.
Wir lassen uns auf die freigewordenen, grauen Plastiksitze fallen und während ich mein Telefon wieder in die Tasche stecke, zieht Kitty seines umständlich aus einer der zahlreichen Innentaschen seiner Jacke.
Es klimpert geräuschvoll, als er es in der Hand dreht, um es aufklappen zu können.
Von der Öse am Gelenk hangelt sich eine Reihe kleiner Anhänger hinab. Eine Perle, eine kleine silberne Maneki Neko mit Glöckchen, ein anderes, pinkfarbenes Glöckchen, etwas, das aussieht wie ein fetter Engel, ein schmaler Ring der definitiv zu klein für seine Finger ist und zum Abschluss zieht sich durch alles zusammen ein altes, ranziges, geflochtenes Band.
Ich weiß nicht, was er an dem ganzen Schnickschnack findet, aber er wird seine Gründe haben.
Leises Kichern uns gegenüber lenkt mich von seiner Anhängersammlung ab. Die drei Frauen vom Bahnsteig sitzen uns gegenüber und tuscheln, die Köpfe gemeinsam über ein Handy geneigt.
Desinteressiert mustere ich die Gruppe. Sie sind unscheinbar wie die meisten anderen Menschen und fügen sich nahtlos in die umstehenden Leute ein, doch eine kleine, versteckte Geste fängt meine abdriftende Aufmerksamkeit wieder ein.
Ich folge der Hand und den Fingerspitzen hinab, als sie spielerisch auf dem Knie ihrer Besitzerin herum trommeln.
Und dann ist es weniger die Geste, als viel eher das Geräusch, welches sie begleitet, das mich gebannt auf dieses hübsche Knie starren lässt. Ein leises, klares Klackern ihrer lackierten Nägel, wo eigentlich Haut jedes Geräusch abfangen sollte.
Erst jetzt erkenne ich die feinen Linien, die das Gelenk vom Rest trennen. Eine wirklich gut und fachmännisch gearbeitete Prothese. Sie ist im exakt gleichen Hautton lackiert, wie ihr anderes Bein besitzt. Eine teure Ausführung, dessen nächste und letzte Veredelung ein Überzug aus Softtouch Siliskin, einer gefühlsechten Hautnachbildung aus hochwertigem Silikon, wäre. Das Verrückte daran ist, dass es sensorisch die Körperwärme des Trägers annimmt und dadurch tatsächlich mit echter Haut verwechselt werden kann. Allerdings steht das Zeug wirklich nur den oberen Zehntausend zur Verfügung. Es ist abartig teuer.
Der Ansatz der hübschen Prothese vor mir liegt unter dem Saum des kurzen Rocks verborgen. Vermutlich ist es das komplette Bein.
Das Getuschel der drei ebbt ab und ich sehe, wie die schlanken Finger auf dem künstlichen Knie zum Liegen gekommen sind. Ein Paar dunkelbrauner Augen blickt mir entgegen, als ich wieder aufsehe. Nicht verwunderlich, ich habe ziemlich offensichtlich gestarrt.


“Shit.”


Hektisch fängt Kitty an in seinen Jackentaschen zu wühlen und durchbricht damit den eben erst aufgenommenen Blickkontakt.


“Was zum-”


“Ohje! Hier, nimm das.”


Die Finger, die kurz vorher noch so sorglos auf dem Knie herumgetrommelt haben, strecken sich nun geduldig Kitty entgegen und reichen ihm zwei Taschentücher, ehe ich endlich den Kopf gedreht bekomme und noch sehe, wie sich ein frischer Blutfleck auf seinem Shirt breit macht. Gemächlich fließt es über seine Lippen und tropft in langen Fäden von seinem Kinn.
Das ‘Danke’ geht fast in den zerknüllten Tüchern unter, als er sie sich eilig gegen die Nase drückt und im Anflug von Schmerz den Mund verzieht.
Es hat ganz schön lange gehalten. Hätte ich nicht gedacht.


“Geht es ihm gut? Sollen wir einen Arzt zur nächsten Station kommen lassen?”


Zum braunen Augenpaar gesellt sich ein blaues. Besorgt mustern die drei Frauen den vermeintlich Verletzten.
Sicher, seine Nase ist gebrochen, aber den frischen Blutschwall hat er sich selbst zuzuschreiben.


“Nicht nötig. Es ist nur halb so schlimm wie’s aussieht.”


Ich nehme noch ein paar Tücher entgegen und reiche sie an Kitty weiter, der die vollgesogenen Tücher gegen die frischen eintauscht und auf den freien Platz neben ihm fallen lässt.


“Fuck, ‘s hört garnich’ mehr auf.”


“Ich hab dir gesagt, lass es sein. Aber du wolltest-”


“Sicher, dass wir keinen Arzt rufen sollen?”


Auch die dritte im Bunde lehnt sich nach vorn und beobachtet Kitty dabei, wie er mühsam versucht sich nicht weiter die Klamotten einzusauen.
Als ob das in unserem gegenwärtigen Zustand wirklich noch was nützen würde.
Wenn wir auch nur ansatzweise so elend aussehen, wie ich mich immer noch fühle, dann geben wir im Moment keinen besonders attraktiven Anblick ab.


“Wir sind gleich zuhause, kein Problem.”


“Vielleicht sollten wir doch…”


Er lehnt sich leicht an meine Schulter und schafft es, den gelben Ledereinsatz am Ärmel mit einem weiteren Schwall Blut einzusauen.
Eigentlich weiß er, wie sehr ich an der Jacke hänge. Wobei sie während der Schlägerei vorhin schon sehr gelitten hat. Also seufze ich nur einmal tief ein und wieder aus und vertreibe den aufkeimenden Ärger wieder.


“Ich rufe Raphael an, sobald wir zuhause sind.”


“Versprochen?”


Jetzt schlägt er wieder um in den weinerlichen Ton. Das hat mir gerade noch gefehlt. Er schnieft leise in die erneut tropfnassen Tücher, als mir von gegenüber noch ein Päckchen gereicht wird. Mit einem Nicken nehme ich es entgegen und ziehe ihm zwei Stück heraus. Allzu lange sollte die Blutung nicht mehr andauern. Hätte er sich das Tütchen Nora nicht noch reingezogen, hätte er das Problem jetzt nicht. Und ich hätte ihn als Problem nicht, aber wann hört er schon mal auf mich. In den letzten Wochen definitiv weniger, als mir lieb gewesen wäre.


“Ja, versprochen.”


“Danke D, du bist der Beste.”

 

-:-




Im Hausflur surrt und flackert das Licht und es riecht unangenehm säuerlich nach abgestandener Luft und altem Essen.
Ich hätte mir sicher eine Wohnung im nächsten, besser bestellten Block leisten können, wenn die kleinen Laster und das unregelmäßige Einkommen nicht wären.
Außerdem hänge ich irgendwie an der Wohnung. Wir haben schon einige Jahre zusammen verbracht und ich kenne jeden Winkel, der wichtig sein könnte.
Kitty trottet erschöpft die letzten Stufen hinauf und wirft die vollgebluteten Tücher in die nächste Ecke, als ich die kleine Keycard an ihrer Kette unter meinem Shirt hervorhole, sie durch den Schlitz am Bedienfeld ziehe und die Nummer eintippe, die uns die Tür öffnet.


"Willkommen zurück, D."


Die sanfte Stimme der Home-AI begrüßt uns mit stimmungsvoller, roter Beleuchtung.


"Ich verstehe nicht, wieso du ihr nicht was besseres eingetrichtert hast. Sir, Master oder wenigstens Schatz wären doch viel netter."


Mit dem Rücken gegen die Wand im schmalen Flur gelehnt, löst Kitty umständlich die Laschen an seinen Stiefeln, eher er auf die Fersen tritt, um aus ihnen heraus zu schlüpfen.


"Und jetzt sag mir mal, welchen Eindruck das auf Frauen macht."


"Du schleppst doch eh kaum eine mit hierher."


Seine schwere Lederjacke landet über der Sessellehne, die die Grenze zwischen Flur und Wohnzimmer bildet, ehe er zielstrebig in die Küche läuft und, dem Geräusch nach zu urteilen, ein Bier aus dem Kühlschrank holt.


"Frag dich mal warum… und bring mir gefälligst eins mit!"


Ich lasse meine Jacke neben seiner auf die Lehne fallen und mich selbst auf das durchgescheuerte Sofa direkt daneben.
Den tatsächlichen Schaden an meiner Jacke muss ich mir später in Ruhe angucken, aber wenn ich so an mir herabschaue, bezweifle ich fast, dass sie wieder ansehnlich werden könnte.
Das getrocknete Blut im Stoff kratzt über mein Gesicht, als ich mir das Shirt und im selben Zug die Kette über den Kopf ziehe.
Beides landet im Sessel, auf dem schon ein paar andere Kleidungsstücke auf die nächste Wäsche warten. Grob wische ich mir die ärgsten Krümel von der Brust und greife dann nach der kalten Flasche, die Kitty mir von der Seite reicht.
Duschen steht auch irgendwo ganz oben mit auf der Agenda.


"Sieht gar nicht mal so gut aus."


Er zeigt mit dem Mittelfinger der Hand, die fest sein eigenes Bier umklammert, auf meine Seite und lässt sich neben mir auf das Sofa fallen. Mein Blick folgt seiner Geste und entdeckt auf dem rechten Rippenbogen einen ansehnlichen, tiefdunklen Fleck, der bestätigt, woher das heiße Pochen kam. Mit etwas Glück ist es nur eine Prellung, aber Raphael wird später sicher mehr dazu sagen können. Aktuell bin ich einfach nur froh, dass der Painkiller zuverlässig hilft und meine Seite, der Kiefer und auch der Kopf in dumpfer Betäubung schwelgen.
Ich nehme einen Schluck vom Bier und lasse den Kopf auf die Rücklehne sinken, während mein Fuß Halt an der Tischkante sucht. Sitzen, Ruhe und ein kühles Getränk sind gerade genau das Richtige.
Mit der freien Hand zieht Kitty die kleine Fernbedienung unter seinem Hintern her und löst den Mute-Zustand des Fernsehers auf. Er wird automatisch eingeschaltet, sobald ich die Wohnung betrete, das ist Teil der Aufgaben der Home-AI, nur um Lautstärke und Programm muss man sich gegebenenfalls selbst kümmern.
Er zappt ein bisschen durch die Kanäle, nur um bei gleichbleibendem, nichtssagenden Inhalt zu bleiben. Ich nehme noch einen Schluck und wechsle die Flasche in die andere Hand, um mir mit den vom Tauwasser feuchten Fingern etwas Blut von der Brust zu reiben, weil es langsam anfängt unangenehm zu jucken. Das ist wie mit diesen kleinen Schnitten in Fingern, die erst dann anfangen wehzutun, wenn man sie gesehen hat.
Vielleicht sollte ich mich auch einfach gleich darum kümmern.


"Bin duschen."


Er nickt nur stumm, während er das nächste Drittel seines Biers in einem Zug leert.
Schwerfällig hieve ich mich wieder vom Sofa hoch. Fünf Minuten mehr und ich wäre sicher einfach eingepennt. Mühsam stemme ich mich wieder hoch und gehe durch die kleine Küche zum noch kleineren Bad. Die Tür schrabbt unangenehm über den Fliesenboden und benötigt etwas Kraft, um wieder geschlossen zu werden. Ich sag ja, die Wohnung ist die totale Absteige, aber man gewöhnt sich an fast alles.
Die Bierflasche landet geräuschvoll auf der angerosteten Metallablage zwischen den diversen Flaschen mit Duschgel und Shampoo. Mindestens die Hälfte davon gehört Kitty, die andere haben irgendwelche Weiber hier gelassen. Eine davon könnte vielleicht tatsächlich ich selbst gekauft haben. Spielt aber auch keine Rolle, letztlich erfüllt alles denselben Zweck.
Ich ziehe das Haargummmi aus meinem schmalen Zopf und hänge den Gürtel sorgfältig an seinen Haken neben der Tür, ehe ich aus dem Rest der Klamotten steige und die Duschkabine betrete.


"Lila."


Die Home-AI quittiert meine Worte mit sofortigem Wechsel des Lichts.
Ich weiß nicht warum, aber ich mag lila. Es beruhigt mich irgendwie.
Die alten Wasserleitungen vibrieren kurz, als ich an der Armatur drehe und nach leisem Röcheln das Wasser fließt. Der Wohnblock hier ist der letzte Dreck, aber er ist billig.
Ich nehme noch einen kräftigen Schluck, ehe ich das Bier gegen die erstbeste Plastikflasche eintausche und anfange mit großzügigen Portionen Duschgel das Blut von meiner Haut zu waschen. Erdbeeraroma mit einem Hauch Vanille macht sich breit. Entgegen meiner Erwartungen ist es nach ein paar Momenten auch gar nicht mal so unangenehm. Normalerweise bevorzuge ich die neutralen Düfte, aber im Moment könnte es mir nicht egaler sein, daher nehme ich noch eine handvoll flüssige Erdbeere, um mir die Haare zu waschen. Hauptsache der ganze Dreck kommt runter.
Unter dem dunklen Licht verschwindet auch der Bluterguss an meiner Seite fast völlig. Wie schön wäre es, wenn man den Mist einfach so mit abwaschen könnte. Den ganzen Dreck einfach loswerden, Jules, seine Schläger, Chicken…
Die ganze Scheiße von heute Nacht wird sicher noch ein mehr als unangenehmes Nachspiel haben. Zumal Kitty sich endlich zusammenreißen muss, wenn wir weiterhin auf dieser Schiene fahren wollen. Es ist eigentlich ganz einfach. Tu was sie dir sagen, handle nur im Rahmen der Interessen des Heads eigenmächtig und erledige die Angelegenheit schnell, unauffällig und so sauber wie möglich.
Nur Kitty schafft es immer wieder, diese einfachen Regeln bis auf's Äußerste auszureizen oder so wie heute sogar zu sprengen.
Mit einem tiefen Seufzen lasse ich den Kopf zurück in den Nacken fallen und damit das Wasser über mein Gesicht laufen.
Ich hätte lieber der Einladung von Veronica folgen sollen, statt mir wieder die Nacht mit Kitty um die Ohren zu hauen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Es wundert mich fast, dass sie so ruhig reagiert hat, als ich ihr abgesagt habe. Immerhin hab ich unsere letzten fünf Dates platzen lassen. Jedes mal wegen eines Auftrags.
Mit den Fingern fahre ich ein letztes Mal gründlich durch meine Haare, um den verbliebenen Schaum rauszuspülen. Sie sind schon wieder verdammt lang geworden.
Ich greife nach meinem Bier und verlasse die Kabine.
Aus einem kleinen Schränkchen ziehe ich eines der sorgfältig zusammengerollten Handtücher, um mich abzutrocknen.
Auch ich habe meine kleinen Marotten hier und da. Während mir der Rest der Wohnung relativ egal ist, nehme ich mir immer die paar Minuten Zeit, um die Handtücher anständig zu verräumen. Irgendwie ist das so die Krönung, sich nach dem Duschen in ein sauberes, ordentliches Handtuch zu begeben.
Ich knote das Tuch um meine Hüften fest und lehne mich auf den Rand des Waschbeckens, um zum ersten Mal seit der Schlägerei mein Gesicht in Ruhe zu begutachten. Das violette Licht und das teilweise angelaufene Glas des kleinen Spiegels schlucken das meiste der Blutergüsse, die sich um meine Unterlippe und auf dem rechten Wangenknochen bilden. Auf der Lippe selbst prangt ein dunkler, langer Riss. Ich fahre vorsichtig mit der Zungenspitze über die Wunde. Sie quittiert die Störung mit einem leichten, heißen Pulsieren. Alles in allem nur halb so wild und in ein paar Tagen wieder vergessen. Viel schlimmer ist der Fakt, dass mir einer meiner Ohrringe fehlt. Zum Glück ist er nicht herausgerissen, sondern einfach aufgegangen.
Mit einem abschließenden Blick streiche ich die nassen, kinnlangen Haare zurück, richte die kurzgeschorenen, doch vom Waschen zerstrubbelten Seiten und greife nach dem Zopfgummi auf der Ablage, um den schmalen Part langer Haare am Hinterkopf wieder zusammenzufassen. Sie reichen mir mittlerweile bis zum Ende der Schulterblätter.
Ich knote die Enden des Handtuchs noch einmal fest, ehe ich das Bad wieder verlassen und die wenigen Schritte zurück in's Wohnzimmer gehe.

Zusammengekauert und den Kopf auf die Armlehne gebettet liegt Kitty in der Ecke der Couch und schläft. Es wundert mich fast, dass er nach seiner letzten Dosis jetzt schon eingeschlafen ist, andererseits hat sein Adrenalinspiegel vermutlich die zehn Minuten Ruhe genutzt um vollends abzufallen. Ich setzte mich neben ihn, schalte den Fernseher wieder auf lautlos und lehne den Kopf in die aufgestützte Hand. Eigentlich bin ich auch hundemüde, aber irgendwie immernoch zu unruhig, um zu schlafen.
Ich lehne mich vor um mein Handy aus der Jackentasche zu kramen.
Eigentlich wollte ich Raphael erst nachher anrufen, nachdem ich geschlafen habe, aber andererseits ist's vermutlich sein verpasster Anruf, der mich neben der Misere um Jules und Chicken gerade um den Schlaf bringt.
Es dauert nicht einmal zehn Sekunden, bis er den Anruf annimmt.


["Dir ist bewusst wie spät es ist, oder?"]


"Naja, du hattest angerufen und ich dachte, ich ruf dich halt zurück."


["Mitten in der Nacht?"]


"Du bist doch rangegangen, also…"


Er seufzt am anderen Ende ausgiebig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn geweckt habe, ist ausgesprochen gering. Hätte er geschlafen, hätte er den Anruf nicht angenommen. Vermutlich ist er genau wie ich noch immer wach.


["Also?"]


"Was wolltest du vorhin?"


["Und was willst du?"]


Jetzt bin ich es, der seufzt.
Es ist immer wieder faszinierend, wie gut er einen durchschauen kann, auch wenn er einem nicht mal gegenüber steht.


"Wir müssen vorbeikommen. Kittys Nase ist gebrochen und-"


["Im Ernst?"]


"Jup."


["Okay. Dann… schlaft etwas und kommt gegen 11 her. Alles andere, auch meinen Anruf betreffend, besprechen wir dann hier. Leg schon mal dein schönstes Lächeln bereit."]


Noch bevor ich irgendwas erwidern kann, legt er wieder auf.
Ich bin nicht viel beruhigter als zuvor. Ob er jetzt gute oder schlechte Neuigkeiten für mich hat, steht nach wie vor in den Sternen.
Ich schmeiße das Handy zurück auf den Stapel Klamotten auf dem Sessel und leere den Rest der Bierflasche, ehe ich nach der Flasche in Kittys Hand greife, die langsam droht aus seinen Fingern zu rutschen und ihren verbliebenen Inhalt über ihn und meine Couch zu ergießen.
Es wäre nicht das erste Mal, aber nur weil mein Sofa schon ranzig ist, heißt das nicht, dass man den Status noch auf deluxe hochstufen muss.
Gestört atmet er tief aus und vergräbt die nun leere Hand irgendwo zwischen Kopf und Schulter.
Er passt in die Sofaecke wie ein Ei in seinen Karton, was aber auch einfach daran liegt, dass es seine Ecke ist. Er ist wie lebendes Inventar, wohnt quasi bei mir, auch wenn er seine eigene Wohnung hat. Irgendwo.
Ich bin ein paar Mal dagewesen, aber schon seit einer langen Weile nicht mehr und ich kann mich nur grob erinnern, in welchem District sie überhaupt liegt. Allerdings erinnere ich mich daran, dass seine Wohnung definitiv höherwertiger und schicker ist als meine, aber ich habe aufgehört mich zu fragen wieso er die meiste Zeit hier herumhängt.
Bevor ich mich wieder zurücklehne greife ich nochmal nach meinem Handy.
Irgendwie muss ich mich noch ein bisschen ablenken, bis ich müde genug bin, um einzuschlafen.
Da fällt mir ein… irgendwo aus einer meiner Jackentaschen fische ich mein Kartenheft und ziehe das Lollipop-Plastik aus einem der Fächer.
Ich öffne meine Kontakteliste und tippe die kaum lesbare Nummer in Ermangelung eines Namens unter "XXX" ein.
Das Kartenheft landet mit einem dumpfen Klatschen auf der Tischplatte und ich lehne mich zurück in die Couch, nehme einen Schluck vom handwarmen Bier und öffne das Chatfenster.


[noch wach?]


Das Vibrieren der eingehenden Nachricht lässt nicht lange auf sich warten und ich bin mir nicht sicher, ob es mich nicht wundert oder ob es mich tatsächlich überrascht.


[XXX: Oh, hab mich schon gefragt, wann du dich meldest.]


[langer Heimweg]


[XXX: Verstehe. Und?]


[morgen Abend? 20.00]


[XXX: Sicher. Schick mir noch ne Adresse und ich bin da.]


Ich kann mich eigentlich kaum noch daran erinnern, wie sie überhaupt aussieht. Im Club war es ziemlich dunkel, dazu das wechselnde, bunte Licht und später die Schlägerei in den Hinterzimmern, aber das spielt auch keine Rolle. Ich weiß nur, dass ihre Nummer auf dem kleinen Lollipop, den sie mir nach zwei Getränken und drei Songs auf der Tanzfläche zugesteckt hat, eine direkte Einladung ist. Wäre ich nicht mit Kitty unterwegs gewesen, hätte der Abend sicher ganz anders verlaufen können.
So aber haben wir einen riesen Haufen Scheiße vor uns, der nur darauf wartet, dass der Richtige in ihn rein tritt.
Die Sache von heute irgendwie wieder auszubügeln wird noch ein ganzes Stück Arbeit und ich kann nur für Kitty hoffen, dass uns was gutes einfällt. Vielleicht sollte ich Raphael nachher mit in’s Boot holen. Auch wenn ihn unsere Angelegenheiten nichts angehen, zumindest nicht im Vorfeld, hat er zumindest gute Kontakte, die uns nützlich sein könnten. Im Zweifelsfall einen Chirurgen, der Kitty und mir ein neues Gesicht spendiert, wenn alles schief geht.


Ich leere die Flasche, stelle sie neben die Couch auf den Boden und aktiviere den Timer, damit wir es auch halbwegs pünktlich zu Raphael schaffen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, aber ich muss wenigstens ein bisschen schlafen.

 

-:-

 

Anm. des Autors: der Name ''Joel'' wurde durch ''Jules'' ersetzt.
 

Das Chicken-Dilemma 1.2




 

Nicht der Alarm ist, was mich wieder aus dem Schlaf reißt, sondern ein weiches Stück Stoff, das mich mitten im Gesicht trifft. Ich schrecke hoch und greife nach dem Teil, bevor es zwischen mir und der Sofaritze verschwindet. Es ist eine Boxershort. Beim zweiten Blick zum Glück eine von meinen und dem Waschpulvergeruch nach zu urteilen sogar eine saubere.


 

"Alter, dein Schwanz is' echt nich' das erste was ich morgens sehen will."

 


Kitty steht mir mit schiefem Grinsen gegenüber, während er sich die nassen Haare mit einem Handtuch trockenrubbelt. Er trägt frische Sachen, die er irgendwann mal angefangen hat hier zu bunkern, weil er eben eh meistens hier ist.


 

"Sei froh, dass es nur meiner und nicht Jules’ ist."


 

"Sei froh, dass du D und nicht A heißt, sonst könnte ich jedem sagen, dass es für Arschloch steht."


 

Ich schiebe die Beine etwas zusammen, damit das gelöste Handtuch wieder schafft zu bedecken, was es bedecken sollte, ehe ich nach meinem Handy greife, das irgendwo unter meinem Oberschenkel klemmt. Es sind noch ein paar Minuten, ehe der eingestellte Alarm losgeht. Leises Stöhnen lässt mich aufblicken, als sich ein Paar riesiger Brüste von innen gegen die Scheibe des Fernsehers presst. Die kurze Suche nach der Fernbedienung um umzuschalten bleibt allerdings erfolglos. Ich reibe mir mit den Händen durchs Gesicht um wach zu werden und stehe schließlich auf, um in die Unterhose zu schlüpfen, die neben mir auf ihren Einsatz gewartet hat. 


 

"Wann sollen wir bei Raphael sein?"


 

Kittys Frage verschmilzt mit dem Zuklappen der Kühlschranktür.


 

"Um elf."


 

Er kommt zurück und schmeißt mir einen Proteinriegel auf den Tisch, den er aus den Untiefen irgendeiner Küchenschublade gefischt haben muss.


 

"Du solltest dir mal angewöhnen was richtiges zu Beißen im Haus zu haben."


 

Mit den Zähnen reißt er die Verpackung seines Riegels auf und flucht leise, als ihm die abgebrochene Ecke einen Strich durch die Rechnung macht. Ich greife nach dem Riegel auf dem Tisch, ziehe die Folie auseinander und beiße ab.

Er ist noch fast weich, vielleicht liegt er erst ein Jahr rum. Vielleicht sogar erst ein halbes. 


 

"Du frisst es doch eh allein, also kauf dir deinen Scheiß selber."


 

Ich nehme noch einen Bissen und lasse den halben Riegel mitsamt Verpackung zurück auf den Tisch fallen, bevor ich nach dem Handtuch greife, mich an Kitty vorbei in die Küche quetsche und ins Bad verschwinde. Hier drin ist's schwül wie in einer Sauna und von den Kacheln perlt das Wasser. Wahrscheinlich ist er schon seit einer Stunde wach und hat genauso lange geduscht. Mit der flachen Hand wische ich den Dunst vom Spiegel und werfe einen flüchtigen Blick in das verschwommene Gesicht. Noch kann ich keinen großen Unterschied zu heute Nacht feststellen, aber das schlechte Licht und die verschmierte Scheibe tragen ihren Teil dazu bei. Mein allgemeines Wohlbefinden spricht sich allerdings dagegen aus, dass alles wieder in Ordnung ist. Mein Schädel, der Kiefer und vor allem die Seite pochen dumpf vor sich hin, noch unter der abflauenden Wirkung des Painkiller. Wir werden sehen was Raphael nachher dazu zu sagen hat.
Ich erledige das Nötigste, lasse die Tür offen stehen, damit sich Kittys Sauna-Klima in die Küche ausbreiten kann und gehe durch den schmalen Durchgang neben dem Kühlschrank, um in's andere Zimmer der Wohnung zu kommen. Es ist klein, dunkel und die Hälfte der Klamotten, die auf dem Boden verstreut liegen, gehören Kitty. Mit dem Fuß schiebe ich einen Haufen beiseite um an das Regal hinter dem Bett, welches fast zwei drittel des Raumes einnimmt, zu gelangen, in dem hoffentlich noch irgendwo meine Kleidung liegt. Mühsam ziehe ich eine schwarze Jeans aus einem der Stapel, schlage sie auf und stecke prüfend den Zeigefinger durch das kleine Loch, dass sich neben der Schrittnaht gebildet hat. Seufzend schlüpfe ich hinein und zurre die Riemen an den Oberschenkeln fest. Sie eignen sich hervorragend, wenn man eine Waffe mitnehmen möchte, doch das ist heute nicht nötig. Allerdings weiß ich, dass die Hose noch eine der im besseren Zustand ist, vor allem, nachdem meine letzte gute gestern in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein zweiter Griff in’s Regal befördert ein schlichtes, dunkelgraues Shirt zutage. Ohne weitere Überprüfung ziehe ich es über und stopfe die Ränder halbherzig unter den Hosenbund, während ich mich zurück auf den Weg in’s Bad mache, um meinen Gürtel zu holen.
Aus dem Wohnzimmer höre ich die Stimme der Nachrichtensprecherin, die von irgendeinem Vorfall im Alpha-District berichtet. Das Stadtzentrum ist in letzter Zeit öfter in Aufruhr und bis jetzt ist noch nicht geklärt warum. Bandenkriege erreichen Alpha eigentlich selten, zumal die Sicherheitsstufe im Zentrum weit höher ist, als im Rest der Stadt.
Sie wechselt zu den Kurzdurchsagen, als ich die Gürtelschnalle mit einem leisen Klicken einrasten lasse und einen letzten Blick in den Spiegel werfe. Erst jetzt bemerke ich das kleine Emblem auf der linken Seite des Shirts. Natürlich ist es keins von meinen. Die Chance, in dem Klamottenchaos etwas zu finden was mir gehört, beträgt gefühlt eins zu sieben. Immerhin erklärt es, wieso es an den Schultern und Ärmeln etwas spannt. Sei’s drum.
Kitty ist in sein Handy versunken, während über den TV-Bildschirm belanglose, bunte Werbeclips flimmern. Ich ziehe meine Jacke von der Sessellehne und lasse mich neben ihn auf das Sofa fallen, ehe ich anfange den Schaden auf meinem Lieblingsstück zu begutachten. Vorsichtig schiebe ich den Zeigefinger unter den Schnitt am Ärmel, um das Ausmaß zu betrachten. Er ist nicht wahnsinnig groß, aber es ist schlimm genug, dass er überhaupt da ist. Mit ein paar geschickten Stichen lässt er sich bestimmt wieder einigermaßen unauffällig schließen, trotzdem ist seine bloße Existenz ein kleiner Wermutstropfen. Ich kratze hier und da etwas Dreck und angetrocknetes Blut vom Leder, ehe ich die Front zu mir drehe und prüfe, ob noch alle Pins da sind. Über die Jahre hat sich ein kleines Sammelsurium an Ansteckern angesammelt und ich habe zu jedem von ihnen eine gewisse Bindung aufgebaut. Schöne oder wenige schöne Erinnerungen.

Zuletzt prüfe ich den anderen Ärmel, auf dem sich Kittys letzter Blutschwall ergossen hat. Über die Hälfte des gelben Ledereinsatzes ist mit betroffen. Keine Ahnung, ob das überhaupt wieder rausgeht. Auf den schwarzen Teilen ist es nicht so wild, aber ausgerechnet hier…

Gedankenverloren knibbel ich mit den Fingerspitzen an den getrockneten Blutkrusten, als Kitty mir in die Seite stößt.


 

"Wir sollten langsam los, oder?"


 

Ich schaue auf und prüfe die Uhrzeit am Bildschirmrand. Er hat Recht. Und wir sollten Raphael auf keinen Fall warten lassen.


 

"Na dann…"


 

Missgestimmt schlüpfe ich in meine Jacke, die ich unbedingt später noch in eine Reinigung bringen sollte, ziehe die Keycard aus dem Wäschestapel auf dem Sessel und hänge sie mir wieder um den Hals. Kitty kümmert sich um den Rest, wir steigen in unsere Stiefel und verlassen das Apartment.



 

-:-



 

Die Bahn, die uns durch die halbe Stadt befördert, ist um diese Uhrzeit brechend voll.

Mit dem Rücken gegen eine Trennscheibe gelehnt, schaue ich aus dem schmalen Fenster der Tür dabei zu, wie District um District an uns vorüberzieht. Beta liegt tatsächlich fast auf der anderen Seite der Stadt und damit auch näher am Zentrum.
Kitty steht mir gegenüber an der anderen Scheibe und ist wieder mit seinem Handy beschäftigt. Seine Nase ist ziemlich unansehnlich angeschwollen und ein dunkler Schnitt zieht sich quer darüber. Bei dem ganzen Blut ist er mir heute Nacht gar nicht weiter aufgefallen. Vermutlich hat der Schläger ihn mit seinem Ring erwischt. Unangenehm, aber alles kein größeres Problem mehr, wenn wir erst bei Raphael sind.
Ich verlagere mein Gewicht auf das andere Bein, um den Druck auf meine Seite etwas zu entlasten und schaue wieder aus dem Fenster, als wir in der nächsten Station einfahren. Zwischen den ganzen Leuten, die am Steig darauf warten, dass sie einsteigen können, fallen mir die blank geputzten schwarzgrauen Helme einer Streife auf. Man merkt, dass wir uns auf’s Zentrum zubewegen, regelmäßige Kontrollen und Patrouillen sind hier nichts ungewöhnliches.
Mit einem leisen Zischen öffnen die Türen und Menschen quetschen sich an uns vorbei raus aus der Bahn und andere wieder rein. Die drei Polizisten nehmen das andere Abteil. Nicht, dass ich mir wirklich Gedanken um sie mache, aber es ist nie besonders gut, zu dicht in ihrer Nähe zu sein. Sie neigen dazu alles was auf zweihundert Meter auch nur irgendwie suspekt aussieht, aufzugabeln und in die Mangel zu nehmen. Außerdem geht das Gerücht um, dass unter den Kampfanzügen nicht einmal mehr Menschen stecken. Ich halte es für nur genau das, ein Gerücht, aber es würde mich tatsächlich nicht wundern, wenn die Schutzstaffeln zumindest modifiziert sind. Gegen einen Cyborg anzukommen ist nämlich selbst für einen reinen Menschen im Kampfanzug oftmals nur ein Glücksspiel. Und im Untergrund tummeln sich mittlerweile mehr davon, als einem lieb sein könnte.

Allein Jules’ Männer. Mit der mechanischen Hand hätte er mir locker die Kehle zerquetschen können, wenn er es drauf angelegt hätte. Zumal wir gestern so gut wie unbewaffnet in seinem Club aufgeschlagen sind. Es ist immer ein Risiko nichts dabeizuhaben, andererseits hätte uns das auch, statt der paar Kratzer, gleich den ganzen Kopf kosten können. Jules kann ziemlich ungehalten sein, wenn etwas in seinem Territorium nicht nach seinen Regeln läuft, ganz egal, wer auf der anderen Seite steht. 

Ich lasse meine Hände in die Jackentaschen gleiten und lehne den Kopf zurück gegen das kalte Glas. Es gibt Tage, an denen bereue ich es, mich auf den Weg des Mittlers eingelassen zu haben. Ziemlich viele sogar. Der Job ist undankbar, gemessen am Risiko meist schlecht bezahlt und in den meistens Fällen bewegen wir uns in einer Grauzone der Legalität. Eigentlich ist sie schon fast schwarz. Aber so ist das hier, wenn du nicht zu den Privilegierten gehörst und andererseits nicht zum Abschaum verkommen willst. Friss was du findest oder du wirst gefressen. Und bei Chicken könnte man das vielleicht sogar wortwörtlich nehmen. Man erzählt sich, dass ein Mittler nach einem versauten Auftrag ein paar Tage später mit 'ner Beinprothese wieder aufgetaucht ist, weil Chicken ihm das Bein hat absägen und zu Nuggets verarbeiten lassen, die er vor seinen Augen gefressen hat. Wie gesagt, es ist eine Gruselgeschichte, aber bei Leuten wie Chicken kann man sich ob des Wahrheitsgehalts nie ganz sicher sein, daher ist mir auch daran gelegen, dass wir die verpatzte Sache mit Jules noch irgendwie ausgebügelt bekommen, bevor er davon erfährt. Dabei arbeiten Kitty und ich nur zeitweise für ihn. Wären wir Teil seines festen Teams, sähe die Sache für uns vielleicht sogar noch ein bisschen schlechter aus.

 

Endlich hält der Zug in der Station des Beta-Districts und Kitty und ich quetschen uns mit einem Haufen Leute in schicken Anzügen aus der Bahn. Der Beta-District ist Sitz der DaiTenshi-Corporation, einem der größten Arbeitgeber hier in der Stadt und einem Unternehmen mit dem höchsten Ansehen. Sie halten quasi alles hier am Laufen, haben überall ihre Gelder investiert und damit auch ihre Finger im Spiel und sind im Geheimen sowas wie die eigentliche Verwaltung der ganzen Stadt. Auch wenn es einen offiziellen Bürgermeister gibt, ist seine Position doch nur mehr Schein und der Präsident der Corporation übernimmt seine Funktion.

Woher ich das weiß? Ich habe früher zuverlässige Quellen für sowas gehabt. 

Mit einem kurzen Blick über den Bahnsteig erfasse ich die Lage, warte, bis sich der größte Pulk an Menschen allmählich Richtung Hauptausgang entfernt und schlage dann mit Kitty zusammen den entgegengesetzten Weg ein. 


 

"Warte mal kurz."


 

Kitty läuft ein paar Schritte vor, um an den im Quadrat aufgestellten Snackautomaten die Auslage zu prüfen. Am dritten scheint er endlich fündig zu werden und zieht sich einen Powerriegel. Er schält ihn eilig aus der Folie, beißt die Hälfte ab und reicht mir den Rest, als er zurück kommt.


 

"Und du hast es nicht für nötig befunden, einfach zwei zu kaufen?"


 

" 'n halber reicht mir."


 

Mit leisem Seufzen nehm ich den Rest an mich und beiße ein Stück ab. Es ist besser als nichts und auch besser als der halbvertrocknete Riegel aus meiner Küchenschublade. Und in der Tat reicht fast ein halber Riegel aus, um dich durch den halben Tag zu bringen. Powerriegel sind darauf ausgelegt und so vollgestopft mit Kalorien und anderem Zeug, dass sie eben auf die schnelle auch mal Mahlzeiten für einen ganzen Tag ersetzen. Trotzdem brauch ich nachher noch was richtiges zu beißen, sonst wird der Abend heut nicht lang.

 

Wir verlassen die Station über eine Reihe Treppen, die uns in den vom Zentrum entfernten Abschnitt von Beta führt. Die Straßen hier sind sauber, die Leute geschäftig und die Fronten der Häuser auf Hochglanz getrimmt. Hinter den großen Scheiben der Läden räkeln sich allerlei Hologramme und Androiden, die einem die neusten Waren präsentieren. Neben gewöhnlicher Medien-Technik wie Handys, Multi-Watches und dem ganzen anderen Schnickschnack, auch so abgefahrenes Zeug wie Semi-Ports, Fallax Oculus und Androiden für den Heimbedarf.

Neben dem ganzen Luxus fühle ich mich nie besonders wohl, wenn ich im Beta-District unterwegs bin. Leute wie wir gehören einfach nicht hierher, auch wenn wir bei weitem nicht die einzigen sind, die nicht so recht in's Bild passen wollen. Tatsächlich ist es sogar so, dass, je mehr man sich darauf konzentriert, umso mehr einem auch all die Leute auffallen, die eigentlich nicht wirklich hier sein sollten. Es ist, als würde die eine Welt unter der hübschen, aber leicht transparenten Fassade der anderen existieren. Und tatsächlich kann man den Beta-District nur mit einem Wort korrekt beschreiben: zwielichtig. Auch wenn der erste Eindruck über die Schattenseite hinwegtäuschen mag, das Meiste hier ist eben doch nur mehr Schein als Sein und vor allem die Leute, die hier verkehren, sind in den meisten Fällen nur mit Vorsicht zu genießen. Raphael bildet da keine Ausnahme, auch wenn ich ihn als so etwas wie einen Freund bezeichnen kann. Er ist ziemlich eigen und ein bisschen speziell.

 

Wir biegen von der Hauptstraße in eine weniger überlaufene Seitenstraße ein, die uns unserem Ziel allmählich näher bringt. Zum Glück wohnt Raphael in der Nähe des zentralen Bahnhofs, sonst müssten wir noch eine halbe Ewigkeit durch den District fahren. Immerhin ist jeder District im Prinzip eine eigene Stadt und je weiter er vom Zentrum entfernt liegt, umso größer ist er meist. Ich wage zu behaupten, dass in den Districts der Stadtgrenze mindestens doppelt so viele Menschen leben wie in den Kernbereichen, wobei die Dunkelziffer da sicher noch wesentlich höher ist, wenn man bedenkt, dass selbst in so unwirklichen Gebieten wie dem Schrottplatz im Phi-District und selbst den Abwassersystemen noch Leute hausen. Unregistriert, selbstverständlich.

Dabei fallen die Menschen aus den verschiedensten Gründen durch's Raster. Weil sie nicht gefunden werden wollen, weil sie dazu getrieben wurden, weil sie keine andere Wahl hatten oder weil sie einfach vergessen wurden. Aber das bringen die unüberschaubaren Mega-Metropolen so mit sich. Viele kommen auch von außerhalb hierher und stranden dann einfach an der Grenze. Wie gesagt, die Gründe sind vielfältig.

 

Vor einem glatten, nichtssagenden Gebäude kommen wir zum Stehen. Es ist relativ flach im Vergleich zu den umliegenden Bauten, nur zwei Stockwerke hoch und ich weiß bis heute nicht, was sich im zweiten Stock befindet. Ich kneife die Augen zusammen, als sich von der spiegelglatten, verchromten Tür das Licht reflektiert und mich kurz blendet und betätige den Klingelknopf. Es dauert einen kleinen Moment, bis die Tür sich automatisch öffnet und uns einlässt. Ein kurzer Flur, der ebenfalls den Treppenaufgang beherbergt, führt in den ausladenden Wohnbereich des Gebäudes.


 

"Ah, fast pünktlich. Kommt rein."


 

Raphaels hochgewachsene, schmale Gestalt erhebt sich aus einem der schwarzen Ledersessel und kommt uns ein Stück entgegen, nur um auf halbem Weg hinter dem langen Tresen zu verschwinden, der den Wohnbereich von einer edlen, aber ebenso sterilen Küche trennt.


 

"Kaffee?"


 

"Nein, danke."


 

Kitty steuert ohne Umschweife die Sitzgruppe an, während er aus seiner Jacke schlüpft.

Ich bleibe, die Hände in den Taschen versunken, mitten im Raum stehen und sehe dabei zu, wie Raphael geduldig darauf wartet, dass die Maschine zum Ende kommt.

Es ist eine Weile her, dass ich zuletzt hier gewesen bin und ein kurzer Blick durch den Raum verrät mir, dass sein Apartment in der Zeit an unverschämtem Luxus zugelegt hat. Die Sitzgruppe, auf die Kitty sich gerade fallen lässt nachdem er seine Jacke achtlos auf einem der Sessel abgelegt hat, ist auf jeden Fall neu. Ein leises Klicken der Maschine lenkt meine Aufmerksamkeit zurück. Eine dampfende Tasse in der Hand, dreht sich Raphael zurück zum Tresen und stellt sie behutsam dort ab.


 

"Gut siehst du aus."


 

Er lächelt knapp, ob meiner unnötigen Schmeichelei. Ich weiß, dass er es ablehnt das Offensichtliche gesagt zu bekommen.


 

"Und ihr ziemlich beschissen. Wo habt ihr euch wieder rumgetrieben?"


 

Allerdings hat er auch kein Problem damit es selbst anzusprechen. Die ganzen Blutergüsse und kleinen Wunden müssen unter dem hellen Licht in seinem Apartment erst so richtig zur Geltung kommen.


 

"Wir hatten zu tun."


 

Er streicht sich das lange, aschblonde Haar über die Schulter und lehnt sich mit der Hüfte gegen den schmalen Tresen. Keramik schrabbt leise über die polierte Steinplatte, als er den Kaffeebecher wieder anhebt und einen Schluck nimmt, ehe er weiter bohrt.


 

"Und jetzt spucks aus. Ihr werdet ja sicher nicht so aussehen, weil ihr einer alten Dame über die Straße geholfen habt."


 

Ich seufze und ziehe endlich die Jacke aus, um sie über die nächstbeste Sessellehne zu hängen, als ich mich der Sitzgruppe nähere.


 

"Wir waren bei Jules."


 

"Oh."


 

Er hebt eine der perfekt geschwungenen Augenbrauen und lässt den Blick seiner hellblauen Augen zwischen Kitty und mir kurz hin und her wandern.


 

"Für Gregor?"


 

"Ja, für Chicken."


 

"Weiß er schon, dass…"


 

Er lässt seinen Finger einen Moment bedeutungsschwer in der Luft kreisen.


 

"Nein und idealerweise erfährt er auch nichts davon."


 

"Ja, das wäre in der Tat wohl ziemlich schlecht."


 

Mit einem weiteren, tiefen Schluck aus seiner Tasse beendet er das Gespräch vorerst, stellt sie zurück auf den Tresen und klatscht erwartungsvoll in die Hände.


 

"Nun gut. Bevor ich mich um euren lädierten Zustand kümmere, möchte ich dir noch etwas zeigen. Du weißt, mein Anruf von gestern."


 

Ein breites Lächeln, das sowohl zufrieden als auch dezent zwielichtig wirkt, macht sich auf seinen Lippen breit und ich bin mir nicht sicher, ob das, was jetzt folgt, Gutes oder Schlechtes für mich bedeutet. Schwungvoll stößt er sich von der Steinfläche ab und zeigt mir mit einem kurzen Wink der Hand, dass ich ihm folgen soll.

Kitty wirft mir einen fragenden Blick zu und ich kann nur mit den Schultern zucken, schließlich weiß ich genauso wenig wie er

 

Der Gang, der uns durch das Apartment in den hinteren Bereich führt, ist in seiner Schlichtheit erschreckend dekadent, weil ich weiß, dass Wände und Bodenbelag aus irgendeinem abartig teuren Material sind. Viele Leute kommen mit ihren lebenslangen Einkünften nicht mal in Versuchung, sich sowas leisten zu können. Wie ich eben. Obwohl… es gab eine Zeit, in der hätte ich es problemlos tun können. Gut, vllt hätte es nur für's Klo gereicht, aber damals habe ich nicht mal die Zeit gehabt um in Ruhe pissen zu gehen.

Die wenigen Möbel und Dekoelemente die den Gang säumen sind genauso elegant, wie der Mann, dem das alles hier gehört. Die langen, offenen Haare vor mir wiegen sich im Takt seiner Schritte von einer zur anderen Seite und geben nur spärliche Sicht auf das in Weiß gestickte Motiv auf seinem ebenfalls weißen Hemdrücken frei. Wenn mich nicht alles täuscht, ist es sein Familienwappen. Raphael ist trotz seiner zumeist unkonventionellen Art jemand, der an alten Traditionen festhält und sie wiederum als Aushängeschild und Statussymbol nutzt wenn er kann.

 

Fast am Ende des Ganges angekommen, öffnet er eine Tür und wartet, bis ich an ihm vorbei in den Raum getreten bin. Das Licht geht automatisch an und erleuchtet einen Tisch, auf dessen Mitte ein schlichter, schwarzer Koffer steht. An den Wänden reihen sich dunkle Metallschränke aneinander und ich kann nur vermuten, was sich hinter ihren Türen verbirgt.

Raphael lässt die Tür fast lautlos ins Schloss fallen, ehe er neben mir an den Tisch tritt und seine Hand auf die Ecke des Koffers legt.


 

"Ich hatte dich um dein schönstes Lächeln gebeten und hoffe, du hast es eingepackt."


 

Er legt den Koffer flach auf die Tischplatte und lässt mit leisem Klicken die zwei Verschlussspangen zurückschnappen. Schwarzes, samtenes Innenleben kommt zum Vorschein.

Mit spitzen Fingern zieht er das Staubtuch beiseite, das den ohne Frage wertvollen Inhalt zusätzlich abgeschirmt hat und ich kann meinen Augen kaum trauen, was mich da aus dem Koffer heraus anfunkelt.


 

"Ist das…"


 

Raphael lächelt wieder sein süffisant-zwielichtiges Lächeln und nickt knapp.


 

"Heilige Scheiße!"


 

"Shiva, Modell 37 und 39. Sir Iwanow nennt sie liebevoll Brüderchen und Schwesterchen."


 

Ich muss aufpassen, dass mir beim Anblick der auf Hochglanz polierten Schusswaffen nicht der Sabber aus dem Mund tropft.


 

"Und die sind-"


 

"Für dich, richtig."


 

"Aber du willst garantiert-"


 

"Etwas dafür haben? Natürlich."


 

Er wedelt mit der Hand durch die Luft, um seine Worte zu unterstreichen. Ich wusste es. Raphael ist zwar ein Freund, doch er würde nie etwas tun, wenn es nicht auch einen Nutzen für ihn hätte.


 

"Ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Einen… nennen wir es kleinen Botengang. Etwas abholen und wieder zu mir bringen."


 

"Und dafür sind die hier nötig?"


 

Ich zeige mit dem Finger auf die Waffen.


 

"Sie könnten sich im Zweifelsfall bestimmt als nützlich erweisen."


 

Ich bin mir nicht sicher, ob Zweifelsfall hier eine geringe oder hohe Wahrscheinlichkeit beschreibt, aber im Endeffekt bleibt mir keine Wahl. Nein zu sagen würde die Verbindung zu Raphael nachhaltig stören und bedauerlicherweise bin ich immer wieder auf ihn angewiesen, sodass ich mir keine Einbußen seines Vertrauens leisten kann.


 

"Uhum. Details?"


 

Es fällt mir ausgesprochen schwer nicht sofort eine der Waffen in die Hand zu nehmen, ihr Gewicht und ihre Handhabung zu testen und natürlich ist Raphael das nicht entgangen. Wie einem hungrigen Hund den Knochen, schiebt er mir den Koffer ein Stück weit entgegen und lädt mich damit quasi dazu ein zuzugreifen, was für ihn natürlich einer Zustimmung zum Auftrag meinerseits gleichkommt.

Vorsichtig hebe ich die gelb und schwarz lackierte 37er aus ihrem samtenen Bett und wiege sie prüfend in den Händen. Sie ist überraschend leicht, während der Schwerpunkt trotzdem gut gelegt ist und sie damit angenehm in die Handfläche rutscht.


 

"Tau-District.


 

"Tau ok, alles… warte, Tau?"


 

Misstrauisch lasse ich meinen Blick von der Waffe hoch zu ihm schwenken und hoffe, dass ich mich nur verhört habe.


 

"Ja, ganz recht."


 

Da ist es wieder, dieses süffisant-zwielichtige Lächeln und jetzt weiß ich auch, warum er es schon die ganze Zeit nicht ablegen konnte.


 

"Und warum musst du ausgerechnet mich dahin schicken?"


 

"Weil ich dir vertraue und du mir außerdem etwas schuldig bist, wenn ich mit euch beiden fertig bin."


 

Mit zwei ausgestreckten Fingern sticht er mir in die Seite und ich kann nicht anders als schmerzerfüllt zu keuchen und hastig aus seiner Berührung zu krümmen, teils aus Überraschung, teils, weil er genau die richtige Stelle getroffen hat.


 

"Dachte ich's mir."


 

Man kann ihm einfach nichts vormachen.


 

"Deine Schonhaltung war viel zu offensichtlich, ich dachte, das hätten sie euch anders beigebr-"


 

"Ja, ok. Schon gut."


 

Ich versuche nicht zu tief einzuatmen und trotzdem wieder zur Ruhe zu kommen und tue seine Bemerkung mit einer flüchtigen Handbewegung ab.


 

"Wir sprechen über die Details, wenn du wieder fit genug bist. Komm, ich schaue, was sich tun lässt."


 

Er nimmt mir die 37er wieder aus der Hand und bettet sie zurück in den Koffer, ehe er ihn wieder schließt und mir im Anschluss in die Hand reicht, ehe er mich mit sanftem, aber bestimmtem Druck gegen die Schulter wieder aus dem Raum raus dirigiert. Die Tür schließt leise hinter ihm und wir machen uns zurück auf den Weg in den Wohnbereich, als Raphael sich leicht vorbeugt und mir einen prüfenden Blick zuwirft.


 

"Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Also, euer Zustand."


 

"Kitty konnte seine Klappe nicht halten."


Eigentlich will ich nicht darüber reden, weil seine Meinung über Kitty eh schon nicht die beste ist, daher gehe ich auch nicht weiter in’s Detail. Auch wenn damit ‘ne wichtige Hälfte der Wahrheit fehlt, aber die würde das alles nicht wirklich besser machen.


 

"Du solltest dir einen anderen Partner suchen."


 

"Er ist mein Freund."


 

"Das bin ich auch und als eben dieser rate ich dir, dich nicht nur auf sein hübsches Aussehen zu verlassen."


 

Wir führen das Gespräch nicht zum ersten Mal und ich bin es mittlerweile leid, dass er es mir immer wieder aufzwingen muss, daher gehe ich auch nicht weiter darauf ein, weil es für mich in keinster Weise jemals zur Debatte stehen würde.

Raphael weiß das auch.


 

"Und wie gedenkt ihr das Dilemma wieder zu lösen?"


 

Das ist hier die große Frage, in der ich bis dato auch noch kein einziges Stück weiter gekommen bin. Daher zucke ich nur knapp mit den Schultern.


 

"Verstehe. Kannst du mir sagen, worum es ging?"


 

"Systemerweiterung. Er wollte Jules als Kunden gewinnen."


 

"Hm. Euer Vorteil ist, dass Jules Gregor nicht ausstehen kann und sicher nicht gleich petzen gegangen sein wird, aber viel Zeit wird euch nicht bleiben. Lass mich ein bisschen darüber nachdenken."


 

Kitty wirft das Magazin mit einem volltönenden Klatschen zurück auf den Tisch zu den anderen Heften, als wir wieder in den Wohnbereich kommen und schaut zu uns auf. Ich nicke nur knapp, um ihn zum Mitkommen zu bewegen, als Raphael an mir vorbeigeht und auf den Eingang zusteuert.


 

"Wenn ich euch dann nach oben bitten dürfte?"


 

Wir folgen ihm die Treppe hinauf und betreten sein kleines, geheimes Reich, nachdem er die Schutztür mittels Fingerprint geöffnet hat.

Die erste Etage gleicht einer hochprofessionellen, medizinischen Einrichtung, dabei dürfte offiziell eigentlich nichts davon hier sein. Aber ein Mann in Raphaels Position muss sich mit solchen Banalitäten nicht beschäftigen. Er hat genug Gründe gegen jeden der Verdacht schöpft oder Anklage erheben möchte in's Feld zu führen, damit er unversehrt bleibt. Zumal ein Großteil der Leute, die hier ein und aus gehen, selbst nicht ganz sauber sind. Zuzüglich derer, die es eigentlich sein sollten.

Vom schlichten, weißen Gang, der durch die Etage führt, zweigen in beständiger Gleichmäßigkeit Türen nach links und rechts ab. Wir passieren drei von ihnen, ehe er die nächste öffnet und uns herein bittet. Es ist ein einfaches Behandlungszimmer mit einer Liege, zwei Stühlen, einem Schrank und einer Kommode, die ebenso als Arbeitstisch dient. Das Fenster auf der gegenüberliegenden Seite der Tür ist verspiegelt und lässt nur gedämpftes Tageslicht herein. Die große Leuchte in der Mitte des Raumes schafft da problemlos Abhilfe. Ihr grelles Licht scheint gnadenlos in jede noch so kleine Ritze zu kriechen.


 

"Setz dich."


 

Er legt Kitty kurz die Hand auf die Schulter und schiebt ihn leicht in Richtung der Liege, ehe er sich dem Schrank zuwendet und aus einigen Fächern Zeug zusammensammelt. Etwas zögerlich lässt Kitty sich auf die gepolsterte Fläche nieder. Er weiß, dass er nichts zu befürchten hat und wir sind bei weitem nicht das erste Mal bei Raphael in Behandlung, aber er ahnt, was ihm blüht und ich fühle mit ihm.


 

"Ist es nur die Nase?"


 

"Abgebrochener Zahn, aber sonst… ja, ich denk, das wär's."


“Um den kümmer ich mich nicht.”

 


Auch wenn Raphael sich sonst um fast alles kümmert, hat er seine Prinzipien. Aber das ist nicht weiter schlimm, für solche Fälle haben wir die offiziellen Med.-Cards.

Raphael lässt den Verschluss eines kleinen Fläschchens unheilvoll knacken und zieht eine kleine Spritze daraus auf, ehe er an Kitty herantritt und vorsichtig mit den Fingerspitzen die gebrochene Nase inspiziert. 


 

"Ah, halb so wild.”


 

Er zückt die Spritze und legt ihm behutsam die andere Hand an die Wange, als Kitty sich sichtlich unwohl aus der Berührung heraus dreht.


 

"Also… muss das wirklich sein?"


 

Er rutscht unruhig auf der Liege hin und her und versucht mit seinen Händen Halt an der glatten Sitzfläche zu finden.


 

"Ich kann dir auch auch ganz altmodisch für zwei Wochen einen hübschen Gips verpassen."


 

Resigniert schließt er die Augen und atmet tief durch, bevor Raphael erneut sein Gesicht fixiert, die Nadel ansetzt und sie in den angeschwollenen Nasenrücken schiebt. Kittys Finger bohren sich tief in das Polster, als die Flüssigkeit die Kanüle verlässt. Es sind nur ein paar Sekunden, die der ganze Spaß dauert und dabei ist die Nadel, die übrigens freundlicherweise sogar nur Kindergröße hat, das geringste Übel. Raphael legt die Spritze beiseite, nimmt eines der Pflaster aus einem Schälchen auf dem Tisch und reibt die dünne Packung kurz zwischen den Händen, ehe er sie öffnet und den Thermoverband herausholt. Mit spitzen Fingern richtet er die zertrümmerte Nase noch ein wenig, ehe er das Pflaster vorsichtig aufklebt. Es dauert nur einen kleinen Moment, bis der Verband wieder abkühlt und dann aushärtet. In Verbindung mit der Scheußlichkeit aus der Spritze, sollte in ein bis zwei Tagen schon wieder alles in Ordnung sein. Als wäre nie was gewesen.

Nur langsam öffnet Kitty die Augen wieder und rutscht mit einem tiefen Atemzug von der Liege runter, um sich auf den Stuhl neben mich zu setzen. Dafür, dass er so oft auf die Fresse bekommt, benimmt er sich bei der Behandlung immer wie ein Kind. Das hat sich in all der Zeit nie geändert.

Ich ziehe mein Shirt aus und lege mich auf die kühle Oberfläche der Liege, den Rücken zu Raphael gewandt, damit er die lädierten Rippen begutachten kann. Wie schon zuvor tastet er vorsichtig mit den Fingerspitzen über die nach wie vor dunkelviolett unterlaufene Stelle. Auch wenn er jetzt viel vorsichtiger ist, als beim Angriff auf meine Haltung, kann ich den stechenden, pulsierenden Schmerz viel zu deutlich spüren. Er geht zurück an seinen Tisch und ich kann nur ahnen, was er da tut. Ich atme ruhig ein und aus, um mich auf das Kommende vorzubereiten, ehe er wieder an mich heran tritt und mit seinen Worten aus dem Konzept bringt.


 

"Du könntest mal mit Uriel sprechen."


 

"Was?"


 

Meine Frage geht fast unter, als ich plötzlich die Luft scharf zwischen den Zähnen einziehe, als Raphael ohne Vorwarnung die dicke Nadel tief zwischen die gebrochenen Rippen schiebt. Kurz darauf macht sich das heiße, prickelnde Brennen des Liqui-Calc in meiner Seite breit. Es ist genau das, wonach es klingt. Eine Kombi-Lösung in der unter anderem eine veränderte Form von Calcium enthalten ist. Es ist eine Art intelligentes Medikament, kommt ehemals aus den Militärlaboren, erkennt geschädigte Knochensubstanz und baut selbstständig neue auf. Auch wenn es schnell und effektiv wirkt, ich vermeide es lieber, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, denn die Nebenwirkungen sind nicht ganz ohne.

Allerdings will Raphael mich natürlich so schnell wie möglich wieder fit haben, damit ich seinen Auftrag erledigen kann und den Rippenbruch regulär ausheilen zu lassen dauert ihm selbstverständlich viel zu lange. Zumal es auch sicherer ist wieder voll einsatzfähig zu sein, wenn ich die Sache mit Jules und Chicken noch zeitnah über die Bühne bringen will.

Er legt die Spritze wieder beiseite, tastet sicherheitshalber nochmal den näheren Umkreis der Verletzung ab und gibt mir mit einem leichten Tätscheln auf den Oberarm zu verstehen, dass er fertig ist.


 

"Ich meine, biete Jules einen einmaligen Alternativ-Deal, wenn er im Anschluss den mit Gregor annimmt."


 

"Ich soll ihm einen weiteren Deal verkaufen? Das ist doch Schwachsinn."


 

Ich setzte mich vorsichtig auf und sehe in Kittys Blick das gleiche Unverständnis, wie es in meinem liegen muss.


 

"Nicht, wenn es Uriels Deal ist. Du weißt selbst, welchen Namen er hat und Jules wird ihn sicher mit Freuden annehmen. Einen Deal mit ihm schlägt man schließlich nicht einfach so aus."


 

Misstrauisch schaue ich in sein selbstzufriedenes Gesicht und überdenke seine Worte, während ich zurück zum Stuhl gehe und mir das Shirt wieder überziehe. Das nachhaltige Brennen in der Seite macht die ganze Aktion zur Tortur und ich kann nur hoffen, dass es bis heute Abend einigermaßen nachgelassen hat.


 

"Und wie soll ich bitte an einen Deal mit ihm rankommen?"


 

"Indem ich dir eine Empfehlung schreibe. Glaub nicht, dass Uriel nicht noch eine Kleinigkeit bei mir gut hätte."


 

Ich kann nicht anders als mit einem leichten Lachen den Kopf zu schütteln.


 

"Wer steht eigentlich nicht in deiner Schuld?"


 

"Ich weiß eben gut zu wirtschaften."


 

Da hat er allerdings Recht. Ich merke selbst immer wieder, wie viele Vorteile es haben kann auf eine Reihe offener Gefallen zurückgreifen zu können und profitiere in Fällen wie diesem davon, was für mich aber auch bedeutet, dass ich früher oder später wieder derjenige sein werde, auf dessen offene Schuld zurückgegriffen wird. Glücklicherweise ist Raphael ein Freund und er würde mir nichts aufbürden von dem er nicht sicher weiß, dass ich es schaffen könnte. Auch wenn mir die Sache mit dem Tau-District sauer aufstößt, aber das ist was persönliches und hat weder mit Raphael, noch seinem Auftrag zu tun.

Bevor wir den Raum wieder verlassen, drückt er mir noch eine große Schachtel Painkiller in die Hand. Das ist etwas, was sich mittlerweile fast als Selbstverständlichkeit etabliert hat, weil er genau weiß, dass ich sie eh immer wieder brauche.


 

"Geht schon mal vor, ich komme gleich nach."


 

Er öffnet uns die Tür und schließt sie wieder hinter sich, als wir zurück auf dem Gang sind.

Ich sehe in Kittys Blick, dass ihm eine Frage auf der Zunge brennt, aber er spricht sie nicht aus und folgt mir stattdessen still wieder runter in den Wohnbereich.

Unten angekommen ziehen wir uns unsere Jacken über und ich brauche einen Moment bis ich feststellen muss, dass die Tablettenpackung in keine der eigentlich recht großzügigen Taschen passt. Genervt ziehe ich die Blister aus der Schachtel und verteile sie in den Innentaschen, bevor ich die leere Pappe auf den Wohnzimmertisch fallen lasse. Ich nehme den Koffer wieder an mich, den ich zuvor im Eingangsbereich abgestellt hatte und warte, bis Raphael endlich die Treppen runter kommt.


 

"Hier ist alles drin, was du wissen musst."


 

Er streckt mir einen schlichten, weißen Umschlag entgegen und ich quetsche ihn irgendwo zwischen eine handvoll Blister.


 

"Danke."


 

"Schon gut. Ich komme später nochmal darauf zurück."


 

Was so viel heißt, wie, dass ich ihm in diesem Moment noch weit mehr schuldig bin, als nur einen Botengang in den Tau-District, doch wenn alles klappt, sind Kitty und ich fein raus aus der Sache, ohne, dass Chicken auch nur irgendwas davon mitbekommt.

Und nichts anderes zählt im Moment.

Ich drücke Kitty die Hand in den Rücken und schiebe ihn aus der Tür, die kurz darauf lautlos hinter uns in's Schloß fällt.


 

"Meinst du, das klappt?"


 

Es ist das erste Mal seit heute Nacht, dass ich tatsächlich etwas Unsicherheit in seinem Gesicht sehe. 


 

"Natürlich. Ich regel das schon."


 

Auch wenn ich gesagt hatte, dass ich mit Chicken dieses Mal nichts zu tun haben wollte, so kann ich Kitty unmöglich in die Schuld bei Raphael treiben. Außerdem fühle ich mich irgendwie verantwortlich. 


 

"Wenn das alles gut über die Bühne geht, schulde ich dir sowas von was!"


 

Er grinst mir schief entgegen.


 

"Du schuldest mir auch jetzt schon mindestens 500.000 Coins."


 

"Ach man, du weißt wie ich das meine."


 

Natürlich weiß ich das. Er ist bald fein raus und verliert danach nie wieder ein Wort darüber. Aber im Endeffekt sind das alles Kleinigkeiten. Ich weiß, dass er sehr verlässlich sein kann, wenn es wirklich drauf ankommt. Nicht, dass die Sache mit Chicken und Jules nicht auch schon nah dran war, aber was soll's. So wie ich Raphael kenne ist Uriels Schuld bei ihm hoch genug, dass er der Sache problemlos zustimmen wird, sonst hätte er mir kaum diese Möglichkeit in Aussicht gestellt. Einziger Wermutstropfen ist, dass meine Abendgestaltung schon wieder anders verlaufen wird, als sie eigentlich geplant war.


 

“Meine Fresse, ich hasse das Zeug.”


 

Er tippt mit dem Finger auf dem dünnen Thermoverband herum. Ich bin immer wieder fasziniert davon, dass er es schafft, die Zeit über, die wir bei Raphael sind, so ruhig zu sein. Aber er weiß auch, dass seine Meinung über ihn nicht mehr die beste ist und es da die gesündere Alternative ist, sich möglichst still zu verhalten, bis er seine Gegenwart wieder verlassen kann.

Wir machen uns zurück auf den Weg zur Bahnstation, als Kitty mir knapp auf die Schulter klopft und eine Seitenstraße ansteuert.


 

"Ich hab noch was zu erledigen, wir sehen uns!"
 

 

Er verschwindet um die nächste Ecke, bevor ich noch irgendwas erwidern kann, aber ich bin das schon gewohnt. Wenn wir nichts zu tun haben, dann kommt und geht er eben wie es ihm in den Kram passt, aber das ist okay, dann kann ich mich jetzt voll und ganz um meine eigenen Sachen kümmern. Schließlich muss ich dringend den Koffer nach Hause bringen und mich um jeden Fall um meine Jacke kümmern, bevor ich mich heute Abend wieder in's Getümmel stürze.



 

-:-

Das Chicken-Dilemma 1.3




 

Das Glockenspiel über der Tür klingelt leise, als ich das kleine Geschäft wieder betrete. Die Reinigung ist nur ein paar Hauseingänge von meinem Wohnblock entfernt und hat sich in die schmale Lücke zweier weiterer Wohnblocks gequetscht. Die Eingangstür ist fast genauso breit wie das Geschäft an sich. An beiden Seiten hängen an übereinander liegenden Stangen aufgereiht die fertigen und frisch abgegebenen Kleidungsstücke. Dass der Raum so schmal ist, gleicht er damit aus, dass er doppelt so hoch ist wie gewöhnlich und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass ich Frau Chén im hinteren Bereich des Ladens auf der Leiter vorfinde, wie sie gerade saubere Sachen, eingehüllt in knisternde Plastiktüten, auf eine der oberen Stangen einsortiert.

Ich bleibe vor der Leiter stehen und warte, bis sie mit ihrer Arbeit fertig ist.


 

"Ah, Mister Jones! Ich bin gleich bei Ihnen."


 

Sie winkt mir kurz zu, als sie mich entdeckt, bevor sie die letzten Teile vom Griff der Leiter nimmt und an ihren Platz hängt.

Ich heiße nicht wirklich Jones und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das weiß, aber sie hatte bei meinem ersten Besuch in ihrem Geschäft darauf bestanden, für die Abholung einen vollen Namen von mir zu erhalten.


 

"Keine Eile."


 

Ich stütze die Leiter mit der Hand, als sie langsam Sprosse für Sprosse wieder hinab klettert und lächelnd vor mir zum Stehen kommt. Sie tätschelt mir dankend den Arm, bevor sie die Leiter näher an die Wand schiebt, um Platz im schmalen Durchgang zu machen.


 

"Sie sollten Sich wirklich angewöhnen, pfleglicher mit ihren Sachen umzugehen."


 

Ihre Stimme ist tadelnd, aber dennoch warm und freundlich. Eben die Art, wie Frauen ihren Alters und Schlags so sind. Fürsorglich. 

Sie läuft die letzten Schritte bis zum Tresen vor mir her und ich fühle mich wieder wie ein Riese in ihrem Reich. Sie ist gut zwei Köpfe kleiner, vielleicht sogar noch etwas mehr und die leicht gebeugte Haltung, die das Alter so mit sich bringt, trägt nicht gerade zu ihrem Vorteil bei. Ihr schwarzes Haar ist von unzähligen weißen Strähnen durchzogen und am Hinterkopf in einem stets ordentlich geflochtenen und aufgerollten Knoten zusammengebunden. Manchmal frage ich mich, ob ihr Zopf vielleicht sogar schon länger ist, als sie groß.

Sie zupft ihren dunkelroten Rollkragenpullover zurecht, als sie um den schmalen Holztresen tritt und vom Hocker in der Ecke meine Jacke aufsammelt.

Bis auf die kleine Lücke, durch welche sie eben geschlüpft ist, zieht sich der Tresen über die gesamte Breite des Raumes, während dahinter ein mit einem halblangen Fadenvorhang abgetrennter Durchgang in den Waschraum führt, aus dem immer ein frischer, wenn auch leicht süßlicher Geruch strömt, der den gesamten Laden zudem in ein beständig feuchtwarmes Klima hüllt.


 

"Aber dann haben Sie bald keine Arbeit mehr." 


 

Angesichts des vollgestopften Ladens ist das eine glatte Lüge, aber sie weiß, wie meine Worte gemeint sind und lacht leicht, während sie die Jacke vor mir ausbreitet, damit ich ihre Arbeit überprüfen kann. Sie sieht wieder fast aus wie neu, wenn man von den dunklen Schatten auf dem gelben Leder und der dezenten, aber trotzdem vorhandenen Naht am unteren Ärmel absieht. Aber im Vergleich zu vorher und im Anbetracht der Dinge, die sie im allgemeinen schon so hinter sich hat, ist sie wirklich noch völlig in Ordnung. Ne neue gibt's erst, wenn wirklich gar nichts mehr geht. Außerdem bekommt sie so immer mehr Charakter. Der Smiley-Patch auf der linken Schulter verdeckt ein Einschussloch, die vielen Pins an der Front sind, neben ihrem rein dekorativen Faktor, eine nette Möglichkeit die vielen Kratzer zu verdecken, die jedes Mal entstanden sind, wenn mich jemand am Kragen gepackt hat. Seit ich die Pins habe, passiert das tatsächlich nur noch sehr selten. Man respektiert so eine Sammlung und schießt dann lieber gleich.

Sie hat noch ein paar weitere Schönheitsfehler, aber wie gesagt, solange sie noch nicht komplett auseinander fällt, ist sie bei Frau Chén immer in guten Händen.

Ich ziehe die Jacke wieder über und hole meine Börse aus der Hosentasche.


 

"Wie immer ausgezeichnet. Was würde ich nur ohne Sie machen?"


 

Sie lächelt breit und reicht mir mit ihren kleinen, faltigen Händen den Cardreader, damit ich zahlen kann.


 

"Sie hätten sich schon die zehnte Jacke gekauft."


 

Ich ziehe meine Kreditkarte durch den Schlitz des altbackenen Geräts und warte, bis die Zahlung bestätigt wird. Es dauert einen Moment bis es endlich piept und einen Kassenbeleg ausspuckt. Dass solche Geräte überhaupt noch zugelassen sind, ist eigentlich ein Wunder. Sie reißt den Zettel ab und reicht mir einen Stift, damit ich unterschreiben kann. Ich bin mir nicht sicher, wieviel Wert mein falscher Name in solchen Momenten hat, aber solange für sie alles läuft, ist das eigentlich auch nicht mein Problem. 


 

"Warten Sie."


 

Sie räumt die Sachen beiseite und holt eine kleine Verpackung hervor, die sie mir in die Hand drückt, bevor ich mich dagegen wehren kann.


 

"Frau Chén, das ist doch wirklich nicht nötig."


 

Ich muss die weiße Schachtel nicht einmal öffnen, um zu wissen was es ist. Sie neigt dazu, obwohl sie mittlerweile alleinstehend ist, immernoch zu viel zu kochen und verteilt dann das Essen, das sie selbst nicht aufbrauchen kann, an ihre, wie sie mal meinte, Lieblingskunden. Ich weiß die Geste sehr zu schätzen und muss zugeben, dass ich mich schon etwas auf das Bun freue. Kein Imbiss in diesem und den angrenzenden Districts macht so gute Buns wie sie.


 

"Ich habe eh immer zu viel übrig."


 

"Ich weiß."


 

"Na dann stecken Sie's ein. Aber nicht alt werden lassen!"


 

Sie wedelt mahnend mit ihrem Finger hin und her, während sie mir ein breites, warmes Lächeln schenkt und dann ein letztes Mal meinen Handrücken tätschelt.


 

"Passen Sie gut auf sich auf, Mister Jones."


 

"Immer doch."


 

Ich erwidere ihr Lächeln knapp, ehe ich die Schachtel in der Jackentasche verstaue und das Geschäft wieder verlasse. Das Glockenspiel verabschiedet mich mit leisem Läuten.

 

Wieder draußen nutze ich einen Moment, um all die in die Hosentaschen gequetschten Sachen wieder an ihren gewohnten Platz in der Jacke zu verstauen und ziehe schließlich den Umschlag von Raphael hervor, um sicherheitshalber nochmal die Infos zu prüfen, bevor ich ihn ebenfalls in einer der Innentaschen unterbringe und mich auf den Weg in den Delta-District mache.



 

-:-



 

Ich erkenne sie nur, weil sie wartend neben dem Hauseingang steht und das Handy in der Hand hat, auf dem eben meine Nachricht eingegangen sein sollte. Sie braucht einen Moment um zu lesen, ehe sie aufschaut, das Handy in die kleine Umhängetasche an ihrer Seite steckt und mir ein paar Schritte entgegen kommt. Ihr schulterlanges, dunkelgrünes Haar schimmert unter der aufblinkenden Neon-Anzeige der Bar, an der sie gewartet hat.

Ohne zu zögern legt sie mir die Hände auf die Schultern und haucht mir einen leichten Kuss auf die Wange.


 

"Und? Wo geht's hin? Wir bleiben doch hoffentlich nicht hier."


 

Sie zeigt mit dem Daumen und einem verächtlichen Unterton in der Stimme auf die Bar. Auch wenn an der Bar an sich nichts auszusetzen ist, für diese Art von Date ist sie absolut nicht die passende Lokalität.

 


"Geh'n wir in’s Mercury." 


 

Ich nicke mit dem Kopf in die Richtung, in welcher der Club liegt und augenblicklich erhellt sich ihre Mine.


 

"Oh! Na dann, worauf warten wir noch?"


 

Sie greift nach meiner Hand und zieht mich auf die belebte Straße.

Das Mercury ist so etwas wie ein Geheimtipp. Einer der beliebtesten, ehemals unbekannten Clubs im ganzen District. Die Besucherzahlen sind über die vergangenen Monate immer weiter gestiegen, nachdem die ein oder andere Prominenz dort unterwegs war. Aber von den Qualitäten als Bar und Club mal ganz abgesehen, habe ich außerdem noch etwas zu erledigen und das ist heute, zum Glück für die Datesituation, nur hier möglich, wenn Raphaels Infos korrekt sind.

Ich kann ihre Muskulatur unter dem dünnen Stoff des kurzen schwarzen Kleides arbeiten spüren, als ich meine Hand aus ihrem Griff löse und ihr in den Rücken lege, um uns durch die Menschenmenge zu dirigieren. Um diese Zeit ist hier einfach wahnsinnig viel los, aber das wird sich auch in den kommenden Stunden kaum ändern. Der Delta-District ist und bleibt das inoffizielle Herz der Stadt. Immer aktiv, immer pulsierend, niemals schlafend. Die meisten Clubs, Bars und ähnliche Lokalitäten der Stadt versammeln sich hier, was nicht heißt, dass es nicht auch in so ziemlich jedem anderen District welche gibt, aber neben dem vorzüglichen Ruf einiger weniger, ist es auch einfach die schiere Masse, die die Leute hierher strömen lässt, wie Termiten in ihren Bau. Man kann, wenn man scharf darauf ist, die komplette Woche lang durchfeiern, ohne auch nur einmal Pause machen zu müssen. Irgendwo hat hier immer ein Club offen und an der nächsten Ecke wartet der Typ, der dir das Zeug verkauft was du brauchst, um durchzuhalten.
Was zur Entwicklung in diesen Status beigetragen hat, sind meiner Meinung nach die hohen Häuserschluchten und der Umstand, dass sie so viel Licht schlucken, dass es unter dem Schleier aus bunten Hologrammen und blinkenden Neonlichtern manchmal schwer fällt zu beurteilen, ob es gerade Tag oder Nacht ist. Wenn ich mich recht erinnere, war der District zu Zeiten des Baus der Metropole Zwölf ein Arbeiterviertel, daher die hohen Gebäude, um möglichst viele Leute unterzubringen. Über die Jahre haben sich immer mehr Gangs im Bezirk eingenistet, haben erst kleine, schmutzige Bars und später verrauchte Clubs eröffnet, bis irgendwann der große Ausbau begonnen hat und immer mehr Wohnblocks in ganze Erlebniswelten verwandelt wurden und so mittlerweile für jeden etwas dabei ist.
Von den Kellerclubs, von denen man sich im Idealfall fernhält, sofern man nicht bereit ist seinen Lebenswillen am Eingang abzugeben, bis hin zu den Penthouse Bars, in die man nur Eintritt erhält, wenn man einen gewissen Rang in dieser Stadt bekleidet. Dazwischen liegen dann all die anderen Lokalitäten, für jeden Bewohner, aus jeder Schicht der Stadt. Also, fast. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber die Fallen in der Regel eben generell aus dem Raster.

 

Trotz der Menschenmassen die sich durch die Straßen schieben, scheinen wir gerade einen guten Zeitpunkt erwischt zu haben. Die Schlange vor dem Eingang des Mercury ist überraschend kurz. Der Club ist in einer ehemaligen Arbeiterkantine untergekommen und ist daher für Randgebietverhältnisse überdurchschnittlich groß. Der Eingang ist von einem schlichten, verchromten Bogen umrahmt, an dessen Seite ein kleiner Mann in dunkelblauem Anzug die eintretenden Gäste überwacht. Es ist ruhig geworden, was die illegalen Aktivitäten und gewaltsamen Ausschreitungen angeht, seit der Club so viel Aufmerksamkeit bekommt. Bis vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Die beiden ehemaligen Türsteher waren je das doppelte von mir und ich kann mich eigentlich an keinen Abend erinnern, an dem sie nicht mindestens ein Zehntel der Besucher wieder rausschmeißen mussten. Wie gesagt, vom Randclub der Unterweltler zum Geheimtipp der hohen Arbeiterklasse. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die Übernahme durch Uriel auch durchaus etwas damit zu tun hat. 

Ich ziehe die Mitgliedskarte aus der Jackentasche, als die Schlange so weit vorgerückt ist, dass wir an dem kleinen Türsteher vorbei zur Kassendame gelangt sind und halte sie ihr gegen die Scheibe des kleinen, blau ausgeleuchteten Glaskastens, in dem sie sitzt. Raphael ist mit den Beigaben in seinem Umschlag sehr großzügig gewesen. Ich würde nie an eine BlueCard des Mercury rankommen, selbst wenn ich die Kohle dafür zusammenkratzen könnte. So ermöglicht er mir und meiner Begleitung nicht nur einen kostengünstigen Abend, sondern hat auch dafür gesorgt, dass ich nachher problemlos zu den Separees kommen sollte. Die Kassendame bestätigt die Card mit einem kurzen Nicken und gibt damit den Weg durch die Tür frei. Wir folgen dem dahinter liegenden, schmalen, dunklen Gang der uns in's Innere führt. Musik pulsiert uns entgegen, als wir den kleinen Loungebereich betreten, in dem sich bereits die erste Vorahnung in mir breit macht, wie voll der Hauptraum schon sein muss. Die dunkelblau ausgekleideten Sitzgruppen sind ausnahmslos alle belegt.
Ich sammel die wichtigsten Dinge aus meiner Jacke zusammen, verstaue sie in den Hosentaschen und reiche sie an die Dame an der Garderobe weiter, die mir nach vorzeigen der BlueCard einen Chip für die spätere Auslöse reicht. Auch im Club selbst hat sich viel getan. Die Garderobe gibt es erst, seit sich besseres Klientel hier einfindet. Ich stecke den Chip in die Tasche mit dem Umschlag und drehe mich zu meiner Begleitung um. Sie mustert mich erwartungsvoll mit ihren braunen Augen.

 

 

“Wollen wir?”


 

“Dafür sind wir hier, oder?”

 

 

Ihr leichtes Lachen geht unter den Gesprächen der Umstehenden und der unterschwelligen Musik fast unter, aber dafür sehe ich ihr Lächeln. Das reicht mir. Ich folge ihr durch die gläserne Tür, die sich ganz automatisch teilt, in den Hauptbereich des Mercury und tauche in die dichte Masse tanzender Körper ein. Es ist heiß und stickig und das wechselhafte, blaue Licht, das sich rhythmisch zur lauten Musik über die Gäste hinweg bewegt, lässt einen schnell die Orientierung verlieren. Auffordernd dreht sie sich zu mir um und lässt eine Hand von meiner Schulter auf meine Brust wandern, ehe sie von der Menge mitgerissen wird und beginnt zu tanzen.

 

~

 

Ich weiß nicht, wieviel Zeit genau vergangenen ist, als wir uns endlich wieder aus der Menschenmasse lösen und erschöpft die Bar ansteuern. Es dauert einen Moment, bis wir um die u-förmige Theke herum einen freien Platz ergattern können. Ich überlasse ihr den Barhocker und lehne mich leicht gegen ihren Rücken, um einen kurzen Blick auf die Holotafel in der Mitte werfen zu können. Das Mercury hat eine oft wechselnde Getränkekarte und ich probiere gern etwas neues aus, wenn sich die Gelegenheit bietet. Mit einem kurzen Fingerzeig mache ich einen der drei Barkeeper darauf aufmerksam, dass wir warten und kann mir ein knappes Lächeln nicht verkneifen, als ich zwei schlanke Hände spüre, die sanft über meine Oberschenkel streichen und mich damit ein Stück dichter an ihren warmen Rücken pressen. Ich lasse meinen Blick an ihrem grünen, etwas unordentlichen Haar hinabwandern und kann zwischen ihren Schulterblättern den Schweiß vom Tanzen glänzen sehen, als sie ihre Finger langsam, aber mit etwas Druck in meine Schenkel presst.

Ein junger Mann in schwarzem Hemd und blauer Schürze tritt an den Tresen heran und unterbricht diesen kleinen Moment der Nähe, um ihre Bestellung aufzunehmen. Ich ziehe ein Kärtchen aus der Hosentasche und beuge mich halb über sie, um dem Barkeeper meinen Getränkewunsch mitzuteilen und ihm ebenso das Kärtchen zuzuschieben. Ohne zu zögern nimmt er es entgegen, prüft kurz die Nachricht auf der anderen Seite und nickt dann nur stumm, bevor er sich daran macht, die Drinks zuzubereiten.


 

"Hast du ihm gerade deine Nummer gegeben?"


 

Sie dreht ihr Gesicht zu mir hoch und schaut mich mit einem spitzen, neugierigen Lächeln an.


 

"Ja, genau das."


 

Tatsächlich ist das Kärtchen ebenfalls aus Raphaels Umschlag und bittet um Auskunft darüber, ob und wann Uriel heute hier sein wird, daher bemerke ich auch aus dem Augenwinkel, wie der Barkeeper die Karte an einen der anderen beiden weitergibt. Etwas älter, etwas schicker, und der Anstecknadel nach zu urteilen heute Abend so etwas ähnliches wie der Geschäftsführer. 


 

"Also, ich hätte absolut kein Problem damit, wenn wir ihn mitnehmen."


 

Sie lacht leicht und lehnt sich mit einem Zwinkern gegen mich.


 

"Beim nächsten Mal. Leider muss der Abend heute ein bisschen kürzer werden."

 

 

Der Barkeeper unterbricht mich, bevor ich ihr die Sache weiter erläutern kann, stellt die zwei Drinks vor uns ab und reicht mir ebenso das Kärtchen zurück. Ich lese den kurzen Text, den der andere Kerl darauf hinterlassen hat und stecke sie dann wieder in die Hosentasche. Fragend blickt sie mir entgegen, während sie bereits an ihrem Getränk nippt, als ich mich erneut zu ihr herabbeuge, um nach meinem eigenen zu greifen.


 

"Ich hab' noch was zu erledigen, das sich erst sehr kurzfristig ergeben hat. Wir haben noch ein halbes Stündchen, dann muss ich dich für heute leider verlassen."


 

"Macht ja nichts."


 

Sie lächelt mich wieder an, während sie ihr Glas kurz gegen meines stößt und einen weiteren Schluck nimmt. Ich tue es ihr gleich und probiere das klare Getränk, auf dessen Oberfläche eine einsame, gefrorene Himbeere schwimmt. Es schmeckt angenehm erfrischend und hinterlässt einen dezent bitteren Nachgeschmack im Mund.

Ich habe mir nur einen leichten Drink gegönnt und auch wenn ich normalerweise nicht so viel Wert auf einen ersten Eindruck lege, wenn ich schon jemandem wie Uriel gegenüber trete, dann möchte ich doch zumindest einen angemessenen Eindruck hinterlassen, zumal ich die Empfehlung von Raphael in der Tasche habe. Das bedeutet, dass ein Fehltritt meinerseits in diesem Fall auch auf ihn zurückfallen würde. Und das möchte ich um jeden Preis vermeiden. 

 

Sie wechselt ihr Glas in die andere Hand, dreht sich leicht zu mir, um mit ihrem schlanken Finger gegen meine Brust zu tippen und mich auf das kleine Emblem auf meinem Shirt, oder besser gesagt Kittys Shirt, aufmerksam zu machen.


 

"Du arbeitest aber nicht für die Corp., oder?"


 

Ich verschlucke mich fast an meinem Drink, ob ihrer absurden Frage. Die Corp. ist schließlich, zumindest an der für die allgemeine Öffentlichkeit einsehbaren Oberfläche, eine ausgesprochen seriöse Institution. Jemanden wie mich würde man dort nicht mal mehr zum Toiletten schrubben einstellen.


 

"Nein. Is nur 'n Werbegeschenk."


 

Ihre Fingerspitze wandert vom Emblem aus zur Mitte meiner Brust, ehe sie langsam der schmalen Linie der Muskulatur hinab folgt. Ich bin nicht überdurchschnittlich muskulös, aber es reicht aus, dass sich die Konturen durch Kittys enges Shirt, das mir nach wie vor 'ne Nummern zu klein ist, abzeichnen.


 

"Ist aber ein schickes Werbegeschenk."


 

Sie lächelt wieder, ehe sie ihre Hand zurückzieht und sich ihrem Drink widmet.

Wir verfallen in eine belanglose Plauderei und mir fällt auf, dass ich ihren Namen bis jetzt nicht kenne. Aber eigentlich tut das auch nichts zur Sache. Ein Name sagt im Endeffekt nichts über dich aus. Du kannst morgen schon einen anderen haben, wenn der erste denn überhaupt schon der echte war. Einzig die Namen die andere dir geben, haben hier wirklich Bestand. Ein Titel, den du dir erarbeitet hast, ein Ruf, der einem vorauseilt. Chicken ist da ein gutes Beispiel, aber er ist der letzte über den ich jetzt gerade nachdenken möchte.

Ich leere mein Glas und stelle es auf dem Tresen ab, als ihre schlanken Finger nach meinem Handgelenk greifen und sie mich mit einem vielsagenden Blick streift, während sie sich geschmeidig vom Barhocker hinabgleiten lässt.

 

"Lass uns die letzten Minuten noch sinnvoll nutzen."


 

Zum zweiten Mal an diesem Abend nimmt sie meine Hand und bereitwillig folge ich ihr durch die Menge in Richtung Toiletten.

Ohne zu zögern zieht sie mich an den Waschbecken und einer handvoll Gäste vorbei, steuert eine der halboffenen Kabinen an und lässt meine Hand erst los, als sie an mir vorbei greift, um die Tür hinter uns zu verriegeln. Die Kabine ist so klein, dass neben der Edelstahlschüssel und uns für nichts anderes mehr Platz ist, weswegen sich ihre warmen Brüste dicht an mich pressen, als sie den Riegel vor die Tür schiebt. 


 

"So."


 

Sie lächelt charmant, als sie sich wieder zurücklehnt und die Hand, die eben noch an der Tür war, streicht meinen Arm entlang, um auf meiner Brust zum Liegen zu kommen, während die Spitzen ihrer Fingernägel sanft auf und ab streichen und kleine Streifen auf meinem Shirt hinterlassen. Bedauerlicherweise fehlt uns für ein ausschweifendes Vorspiel die Zeit, zumal eine Clubtoilette auch nicht der passende Ort dafür ist, also greife ich zielstrebig nach ihrem Oberschenkel, ziehe ihr Bein zu mir ran und taste mich an der Seite entlang nach oben auf der Suche nach dem Bund ihres Slips, nur um festzustellen, dass sie keinen trägt.

Sie lacht leicht, als sich die Erkenntnis auf meinem Gesicht breit macht, aber sie ist so fair sich zügig dem Verschluss meines Gürtels und der Jeans zu widmen, bevor sie ihren Rücken gegen die Kabinenwand lehnt und die dünnen Träger ihres Kleides von den Schultern zieht. Ohne den Halt der schmalen Riemen rutscht der glatte Stoff fast wie von selbst bis auf ihre Taille und gibt den Blick auf ihre prallen, straffen Brüste frei, zwischen denen ein fein gestochenes Tattoo prangt. Leider fehlt mir die Ruhe, um das kleine Kunstwerk zu bewundern und ihren zwei wundervollen Attributen ausreichend zu huldigen und ich werd beide Hände brauchen, wenn das hier im Zeitrahmen über die Bühne gehen soll, aber sie ist so freundlich mir die Arbeit abzunehmen und greift beherzt in ihre linke Brust, um mir zu zeigen, wie squishy ihr warmes Fleisch ist, während sich die andere Hand unter mein Shirt schiebt und sich sanft in meine Seite krallt.

 

 

“Jetzt mach schon.”

 

 

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.
Was folgt, bedarf keiner weiteren Worte mehr, immerhin ist genau das, weshalb das Date in erster Linie stattgefunden hat, auch wenn ich es wirklich bedaure, dass ich sie nicht mit nach Hause nehmen und das Ganze etwas ausführlicher auskosten kann, doch Kittys und mein Kopf sind mir dann doch etwas wichtiger, als ein ausgiebiger Fick mit einer Unbekannten. Und das hier ist immerhin besser als nichts.


 

"Lass uns das mal wiederholen."


 

Sie lächelt leicht, haucht mir noch einen flüchtigen Kuss auf die Wange und zieht ihren Träger wieder auf die Schulter, während ich umständlich den Riegel der Tür zurück ziehe. Ich drücke die Kabinentür auf und schiebe mich mühsam durch die Traube an Leuten, die sich in den paar Minuten im Toilettenraum gebildet hat. Sie beachten mich nicht weiter, schließlich ist das hier ein Club und solche Treffen sind absolut nichts ungewöhnliches.

 

Die Tanzfläche und der Bereich rund um die Bar sind mittlerweile brechend voll und ich befürchte fast, ich könnte Uriel bereits verpasst haben. Daher dränge ich mich durch die Menge, um näher an die Bar und damit auch näher an den Eingang zu den Separees zu gelangen. Zum Glück tut sich für einen Moment eine Lücke am Tresen auf, als eine kleine Gruppe eben diesen mit ihren Getränken verlässt und ich ergreife die Chance, mir den Platz zu sichern. Es dauert einen Moment, bis mich der Barkeeper von vorhin entdeckt und dann nur leicht mit dem Kopf schüttelt, als er auf mich zukommt. Also ist Uriel noch nicht hier, sehr gut. Ich ordere für die unbestimmte Wartezeit noch einen leichten Drink, lehne mich an den Hocker und nehme das kühle Glas entgegen, als er es mir kurz darauf über den Tresen schiebt. Und dann tue ich das einzige, was mir jetzt noch übrig bleibt. Warten.

Ich lasse meinen Blick wieder über die Menge im Club wandern und für einen kurzen Moment beschleicht mich das Gefühl, dass ich Uriel vielleicht einfach übersehen könnte. Es ist wirklich wahnsinnig voll und ich bin mir nicht sicher, ob es das die letzten Male, die ich hier gewesen bin, auch schon war.

Eigentlich war das Mercury mal ein Club der Unterschichten. Relativ am Rand des Delta-Districts und damit normalerweise außerhalb des normalen Besuchsradius der Leute aus den zentraleren Districts. Doch das hat sich schlagartig geändert und mittlerweile ist das Publikum hier sehr gemischt. Zuweilen sitzen höher gestellte Mitarbeiter aus der DaiTenshi-Corp. neben Gangoberhäuptern aus dem Mu- und Xi-District. Und sie ahnen es nicht einmal. 

Ich schwenke das Glas etwas umher und lasse die Eiswürfel ein bisschen durch das klare Getränk wabern, ehe ich einen weiteren Zug nehme. Nur das Schlucken fällt mir plötzlich schwer.

Durch die Masse auf der Tanzfläche schieben sich zwei riesige Cyborgs, denen mit ein wenig Abstand eine nicht minder große Person folgt. Und ich hatte die Befürchtung, Uriel verpassen zu können. Ha. 

Sie kommen in meine Richtung und bahnen sich ihren Weg zur Tür, die in die abgetrennten Bereiche führt. Ich trinke den letzten Schluck aus und warte auf das Zeichen des älteren Barkeepers.

Es dauert noch ein paar Minuten, bis er mein Glas abräumt und mir mit einem leichten Nicken in Richtung der Tür zu verstehen gibt, dass ich gehen kann. Es ist also endlich soweit. Wollen wir doch mal sehen, ob Raphael Recht behalten wird und die ganze Sache hier glatt über die Bühne geht.

 

Ich lege die BlueCard auf den kleinen Reader der über dem Türknauf angebracht wurde und warte, bis sie mit leisem Klicken einen Spalt weit öffnet. Hinter der Tür erstreckt sich ein langer Flur, komplett in dunkelblauem Samt ausgekleidet, von dessen Seiten in regelmäßigem Abstand weitere Türen abzweigen. Die kleinen Spots in der Decke, die nur gerade das Nötigste beleuchten, wirken in der Umgebung fast wie Sterne. Ich glaube, ich bin nur ein- oder zweimal hier hinten gewesen, aber das war noch ganz am Anfang, als der Club neu war und man normalerweise nicht freiwillig hier hinten sein wollte.

Fast am Ende des Ganges sehe ich einen der zwei Cyborgs stehen. Ich habe den Menschmaschinen schon öfter gegenüber gestanden, trotzdem ist mir nie ganz wohl dabei. Man ist, sobald man sich ihnen auf Armlänge nähert - deren Armlänge wohlgemerkt und die kann bei mechanischen Armen durchaus mal weitreichender ausfallen, als es auf den ersten Blick scheinen mag - ihrer Laune vollkommen ausgeliefert und die wenigstens Cyborgs haben einen besonders langen Geduldsfaden. Von ihrem Charakter mal ganz abgesehen. Es hat in den meisten Fällen gute Gründe, weshalb sie so stark modifiziert sind. Ihre Hemmschwelle ist oft niedrig und sie sind gnadenlos, was sie für ihre Oberhäupter zu unverzichtbaren Männern macht. Daher wird solange repariert und ausgetauscht, bis gar nichts mehr geht und selbst dann hat man das Glück, dass der ausgediente Körper eines Cyborg für die richtigen Leute immer noch eine ganze Stange Geld wert ist. Es ist also eine Investition bis zum Schluss.
Ich trete dem gut zwei Köpfe größeren Typen gegenüber und strecke ihm ein kleines Kärtchen aus Raphaels Umschlag entgegen. Er mustert mich mit seinem gesunden und dem mechanischen Auge von oben bis unten, ehe er mir die Karte aus den Fingern zieht, sie zwischen seinen glänzenden Fingern hin und her dreht und sie ohne ein Wort zu verlieren, in der Brusttasche seiner Weste verschwinden lässt. Dann klopft er mit der Faust zweimal gegen die Tür und kehrt zurück in seine Wachhaltung, die Hände vor dem Körper aufeinander gelegt, jederzeit bereit einzuschreiten, falls nötig. Nur wenige Augenblicke später öffnet sich die Tür und ich betrete das Separee. Am anderen Ende der Klinke steht der zweite Cyborg, dem außer der Mundpartie nichts menschliches in seinem Gesicht geblieben ist. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht die Modifikationen einigermaßen natürlich nachzuempfinden. Stattdessen verfolgt eine Reihe unterschiedlicher Objektive meine Schritte bis an den kleinen Tisch, der von einer ebenfalls samtblauen Sitzgruppe umrahmt wird. In der Mitte der Bank mir gegenüber sitzt er. Uriel.

Man nennt ihn auch den Engel der Unterwelt und von allem, was ich bisher über ihn gehört habe, trifft dieser Titel in jeder Hinsicht zu.

Er erinnert mich ein bisschen an Raphael, nur als Negativ. Hochgewachsen, sogar noch ein gutes Stück größer als er, seine Haut ein paar Nuancen dunkler und langes, leicht gelocktes, schwarzbraunes Haar, das scheinbar nahtlos mit dem üppigen Pelzkragen seines Mantels verschmilzt. Was allerdings am auffälligsten an ihm ist, sind seine Augen. Pechschwarz mit einer dunklen, grün schimmernden Iris. Er hat Fallax Oculus, aber nicht den gängigen Kram, den quasi jeder kaufen könnte. Genauer gesagt handelt es sich hierbei um Sinistro Oculo und Oculum Dextrum. Sie werden in dieser Ausführung und Kombination nur von einer einzigen Firma angeboten und sind höchst illegal.

Neben Uriel weiß ich nur von einer weiteren Person, die sie besitzt.
Mit einer knappen Handbewegung weist er mir an, mich zu setzen. Ich ziehe den Stuhl beiseite und nehme darauf Platz, als der Cyborg aus dem offenen Regal an einer der Wände des kleinen Raums ein Glas holt und es aus der Karaffe, die auf dem Tisch steht, befüllt, um es mir dann zuzuschieben. Er umrundet den Tisch und nimmt an Uriels rechter Seite ebenfalls Platz auf der Bank.


 

"Wie kann ich dir weiterhelfen?"


 

Seine Stimme ist tief und dunkel und scheint über den kleinen Tisch regelrecht zu mir herüber zu wabern. Eilig krame ich in der Tasche nach dem Umschlag, den ich von Raphael bekommen habe und ziehe das Empfehlungsschreiben hervor. Unter dem wachsamen Blick seines Cyborgs lege ich das Papier auf den Tisch, damit er es sehen kann. 


 

"Er sagt, du könntest mir einen Exklusiv-Deal bieten, um einen anderen, geplatzten Deal wieder zu kitten."


 

Behutsam nimmt er den Zettel in die beringten Finger und betrachtet ihn eine Weile, vermutlich um zu prüfen, ob die Unterschrift authentisch ist. Es würde mich zudem nicht wundern, wenn sich irgendwo auf oder im Papier eine unsichtbare Nachricht verbirgt, die im wahrsten Sinne nur für seine Augen bestimmt ist. Nach einer kurzen Weile nickt er zustimmend und reicht es mir wieder.


 

"Na dann erzähl mal, um was es geht."


 

Er lehnt sich zurück, zieht ein Zigarettenetui aus der Tasche und zündet sich in aller Ruhe eine an, als würde ihn gleich die spannendste Geschichte aller Zeiten erwarten. Bedauerlicherweise wird sie es nicht sein, aber dass er zuhört ist schon der halbe Gewinn für mich. Ich berichte ihm knapp, aber ausführlich genug, von dem nicht stattgefundenen Deal zwischen Chicken und Jules, was das aktuell für Kitty und leider auch für mich bedeutet und dass es Raphaels Idee war, mich an ihn zu wenden. Er schweigt und raucht zu Ende, ehe er sich wieder vorbeugt und mich mit seinen durchaus unangenehmen Augen mustert. 


 

"So so. Und jetzt denkt Raphael, dass ich, nur weil wir noch unbeglichene Rechnungen haben, für dich einen einmaligen Deal mit Jules, dieser schmierigen Ratte, eingehe, um eure Köpfe aus Chickens Klauen zu retten?"


 

Dass ihm das nicht ganz schmeckt, ist mehr als deutlich rauszuhören, aber Rumdrucksen hilft mir nicht weiter.


 

"Ja, genau das war sein Gedanke."


 

Ich nehme einen Schluck aus dem Glas vor mir, um die Trockenheit aus meinem Mund zu spülen, welche die Angespanntheit immer hinterlässt, während Uriel es mir gleich tut. Dann hält er einen Moment inne, zögert, als würde er über etwas nachdenken und hält mir dann plötzlich mit einem undurchsichtigen Lächeln das Glas entgegen.


 

"Deal."


 

Etwas perplex brauche ich einen Moment bis ich begreife, aber stoße dann bereitwillig mit ihm an. Sollte es wirklich so einfach gewesen sein? Scheinbar schon. Und das ist völlig ok für mich.

Er leert sein Glas und stellt es behutsam zurück auf den Tisch, ehe er seinen Mantel zusammenrafft und sich von der Bank erhebt.


 

"Warte hier einen Moment."


 

Mein fragender Blick folgt ihm, bis zuletzt sein breiter Rücken in der Tür zum Separee verschwindet, als sich der Cyborg wieder vorbeugt, um den Füllstand in meinem Glas zu korrigieren. Ich drehe mich wieder um und mustere kurz das Glas, aber da ich nichts weiter zu tun habe, trinke ich.

Er mustert mich derweil mit seinen Pseudo-Augen und ich kann nicht anders, als es ihm gleich zu tun. Im Endeffekt ist ein Cyborg nichts anderes, als ein Mensch mit vielen Modifikationen, aber wenn diese die Menge von fünfzig Prozent überschreiten, verliert er gesellschaftlich den Status als einfacher Mensch. Was auch zum Teil daran liegt, dass die meisten Cyborgs irgendwann darauf verzichten, die Modifikationen an ihr natürliches Aussehen anzugleichen. Wie eben im Falle meines neuen Freundes, der mir jetzt reglos gegenüber sitzt. Ich kann lediglich die blaue Hydraulikflüssigkeit in den transparenten Schläuchen, die seinen Hals wie sonst die Hauptarterien empor kriechen, pulsieren sehen. Es ist faszinierend und beängstigend zugleich. Er grinst mir grimmig entgegen und entblößt damit eine Reihe stahlgrauer, blanker Zähne, als sich hinter mir die Tür wieder öffnet. 
Geschmeidig zwängt sich Uriel mit seinem Mantel zurück auf die Bank und schiebt sein Glas ein Stück beiseite, das prompt von seinem Cyborg aufgefüllt wird. 

 

 

“Hier. Gib das Jules und die Sache sollte keine weiteren Probleme für dich bereiten.”

 

 

Zwischen Zeige- und Ringfinger geklemmt reicht er mir eine Nano-Disc, auf der sich, so wie ich vermute, Informationen für Jules bezüglich des Deals befinden. Ich ziehe den Umschlag aus der Hosentasche und greife dann nach der Disc, die jedoch fest zwischen den beiden Fingern klemmt. Durchdringend starrt Uriel mir entgegen, während wir beide die Disc in Händen halten und ich fühle mich, als würde er mit seinen Augen mein Erbgut entschlüsseln. Dann durchbricht ein kurzes Grinsen, begleitet von einem leisen Lachen den Moment und er entlässt die Disc in meine Finger, damit ich sie endlich im Umschlag verstauen kann, ehe er die Hand um sein Glas schließt und es mir erneut entgegen streckt.

 

 

“Na dann, trinken wir auf’s Geschäft.”



 

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Autor

Federgeistchens Profilbild Federgeistchen

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Kapitel:3
Sätze:949
Wörter:19.073
Zeichen:109.664

Kurzbeschreibung

2083 ; Delta-District ; "Du hast gehört, was er gesagt hat, oder?" - "Ja, klar und deutlich." - "Und? Was sagst du dazu?" - "Ich sage, kümmert euch um diesen Abschaum." ...und da sind wir, wieder mal in Schwierigkeiten, die ich weder gewollt, noch zu verantworten habe.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Science Fiction auch in den Genres Action und Vermischtes gelistet.