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Der Geschmack von Blut

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4.5.2019 18:26
16 Ab 16 Jahren
Bisexualität
In Arbeit

Charles Donovan wusste, dass man sich als Privatdetektiv an ein paar Dinge gewöhnen musste. Wie die endlosen Tränen verzweifelter Ehefrauen, paranoider Ehepartner und der Anblick von Leichen. Aber er hätte sich niemals eine gewisse Sache gewöhnen sollen. Er saß am selben Tisch mit einem gesuchten Serienmörder, trank Kaffee mit ihm und redete über das Wetter.
Donovan erinnerte sich nicht genau, wann ihre besondere Freundschaft begann, aber er wusste, dass sie fast seit zwei Jahre bestand. Er erinnerte sich an das erste Treffen, als wenn es gestern gewesen wäre.

Eine junge Frau wurde kaltblütig ermordet, und die Polizei war verzweifelt genug gewesen, um Donovan hinzuziehen. Donovan wollte sich nur die Beweise ansehen, als er William ‘Will' Sinclair traf, der Augenzeuge eines anderen Mordes war.
Beide hatten nicht miteinander gesprochen, nicht einmal Augenkontakt gemacht, aber Donovans Instinkt sagte ihm, dass Will gefährlich sein könnte. Der kleinere Mann schien bemerkt zu haben, dass der Detective neben ihm plötzlich sehr angespannt war und so fing er  zu sprechen an. Er sprach über den Mordfall, den er selbst gesehen hatte - eine eifersüchtige Freundin stachauf ihren Freund mehrmals einn, nachdem sie erfahren hatte, dass er sie sowohl mit ihrer besten Freundin als auch mit ihrer Schwester betrogen hatte - und wie Menschen bereit waren, für die kleinsten Dinge zu töten. Donovan hörte nur zu und beobachtete den anderen Mann genau. Dies sollte nur das erste von vielen Treffen sein.

Das zweite Treffen war erneut wegen eines Mordfalls. Diesmal traf es Wills Nachbarn und die Polizei hatte inzwischen genug Vertrauen in den Detektiven, dass sie ihn jetzt jedes Mal riefen, wenn eine Leiche gefunden wurde. Natürlich war es Donovan, der Will befragte, woraufhin Donovan in seiner Küche saß und beide Kaffee trank.
Und so sollte es weitergehen.
Es gab einen Mord. Will war irgendwie involviert - Augenzeuge oder in irgendeiner Weise mit dem Opfers zutun, aber niemals ein Verdächtiger - Donovan verhört ihn und sie trinken irgendwo Kaffee.
Und der Detectiv hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl bei dem anderen. Er brauchte drei Monate, um zu realisieren, dass Will für einen Teil der von ihm untersuchten Morde verantwortlich war. Er konfrontierte ihn mit seinem Wissen und Will gestand alles. Donovan konnte ihn jedoch nicht verhaften, da es keinerlei Beweise gab und Will jederzeit gegen eine Anklage vorgehen konnte. Stattdessen machten sie einen Deal. Donovan ignoriert die Tatsache, dass Will ein Mörder ist, und vernachlässigt seine Mordfälle und Will hilft ihm beim Rest.

Jetzt saßen sie beide an einem kleinen Tisch auf Wills Balkon und tranken ihren üblichen Kaffee. Der Detective musste zugeben, dass Will nicht nur wusste, wie er Beweise effektiv vermeiden / eliminieren, sondern auch den besten Kaffee zubereiten konnte.
Er las die Zeitung, während sein Partner den Aufruhr auf den Straßen beobachtete.
Ein üblicher Samstagmorgen.

"Sagen mal, Donnyboy. Warum erzählen du nie etwas über deine Familie?" unterbrach Will die Stille
Donovan sah überrascht von seiner Zeitung auf.
"Meine Familie?"
"Ja, deine Familie. Mittlerweile hast du meine Eltern und Großeltern getroffen, aber du hast kein Wort über deiner Familie verloren. Soweit ich gesehen habe, gibt es in deiner Wohnung keine Bilder von ihnen. Oder irgendwelche Fotos von lebenden Wesen. "
Donovan wusste, dass er seine präparierten Schmetterlinge meinte, die seine Wände schmückten. Er konnte nicht anders, aber er war immer fasziniert von ihnen und er mochte ihren Anblick. Aber das war jetzt nicht das Thema.
"Ich habe keinen Kontakt zu meiner Familie", erklärte er.
"Kein Kontakt? Wie kann man keinen Kontakt zu seiner Familie haben?" Fragte Will ungläubig. "Selbst ich habe Kontakt zu meinen Familien und ich werde in den Medien als herzloses Monster dargestellt!"
"Wir haben uns auseinander gelebt und ich möchte nicht darüber sprechen", antwortete Donovan gereizter als beabsichtigt. Eigentlich war Donovan derjenige, der einfach weggegangen war und nie daran gedacht hatte, anzurufen. Es gibt Tage, an denen er sich schlecht fühlt, aber dann erinnert er sich, warum er überhaupt gegangen war, und alle Schuldgefühle fallen von ihm ab.

"Okay, okay. Ich habe einfach nicht gedacht, dass ich nicht nur dein einziger Freund bin, den du hast, sondern buchstäblich die einzige Person in deinem Leben", antwortete Will scherzhaft und versuchte, die Stimmung ein wenig zu heben. "Aber sag das nicht zu meiner Mutter. Sie würde dich wahrscheinlich entweder adoptieren oder dich mit meiner Schwester heiraten."
Donovan hob eine Augenbraue.
"Was?"
"Aus irgendeinem Grund mögen meine Eltern dich und sie fragen mich immer wieder, wann wir sie wieder besuchen kommen. Und wenn wir schon dabei sind. Was hälst du davon, wenn wir Weihnachten mit ihnen verbringen?"
Die Sinclairs gehören zu dieser Art von Familie, die man einfach nicht hassen kann - Will ist eine große Ausnahme - und Donovan fühlt sich bei ihnen immer wie zu Hause. Wills Eltern gehörten der gehobenen Mittelklasse an und verdienten genug Geld, um sich früh zurückzuziehen. Sie verbrachten die meiste Zeit im Garten oder beim Wandern, was sie sehr fit hält.
Will hatte Donovan das erste Mal zu seinen Eltern mitgenommen, kurz nachdem sie den Deal geschlossen hatten und schließlich ihre Freundschaft besiegelt hatten. Der Mörder mag seiner Familie sehr nahe stehen, hatte aber wie Donovan keine Freunde. Umso mehr freuten sich Mrs und Mr Sinclair, als ihr Sohn jemanden mitbrachte. Donovan lernte sehr schnell, dass seine Eltern über sein "Hobby" Bescheid wussten, und befürchten eher, dass Will erwischt wird, als dass ihr Sohn das Leben von anderen nimmt. Für den Detectiven war dies äußerst überraschend, aber er entschied sich dafür, sich aus diesem Thema herauszuhalten, weil er Will dies versprochen hatte und dies Teil des Deals war. Außerdem mochte er Wills Eltern zu sehr.
"Ich denke, wir können sowohl Weihnachten als auch Silverst mit ihnen verbringen. Jedenfalls gibt es in dieser Stadt nichts, was mich festhält, und die auf der Polizeiwache sollten einen Fall ohne mich lösen können", antwortete Donovan und wandte sich wieder seiner Zeitung zu.

"Übrigens. Was ist mit den beiden Leichen im Lake Seelen?" Fragte Will neugierig. "Du warst deswegen sehr aufgewühlt gewesen."
"Nur zwei Betrunkene mit zu viel Spaß. Und wegen dieser zwei Idioten habe ich ein gutes Paar Schuhe ruiniert!"
Lake Seelen war alles außer einem See. Sumpf hätte es definitiv besser getroffen, obwohl Donovan eher der Meinung ist, dass es ein Moor ist. Es würde ihn jedenfalls nicht überraschen, wenn er aufgrund der Entdeckung einer Moorleiche an diesen gottverdammten See zurückkehren müsste.

Das bekannte Klingeln seines Mobiltelefons veranlaßte Donovan, genervt zu seufzen. Wie er vermutet hatte. Eine Nachricht vom Hauptinspektor. Es gab einen weiteren "Mord" und er musste da sein.
"Wow, sie rufen dich nicht mal mehr an?"
"Ich sollte meine Nummer ändern oder am besten die Stadt verlassen und woanders neu beginnen."
"Nun, meine Eltern haben noch ein Zimmer frei", schlug Will vor und nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse.
Donovn sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
"Warum willst du so sehr, dass ich bei deinen Eltern einziehe? Weißt du was? Wir diskutieren das a, Abend. Jedenfalls muss ich zum angeblichen Tatort gehen, der sich irgendwo im Wald befindet. Und ich schwöre bei Gott, sollte es wieder betrunkene Idioten sein, dann spring ich in den Lake Seelen. "
Der Detective stand auf und richtete sein Hemd auf. Er steckte sein Handy wieder in die Tasche und stampfte auf die Haustür zu.
"Fahren vorsichtig!"

__

Donovan fand die Kabine überraschend schnell. Man konnte es nicht wirklich übersehen, da fünf Polizeiautos davor standen. Derjenige, der die Nachricht verfasst hat, muss haben sich sehr vertippt haben, denn er sagte, die Hütte sei im Wald und keine dreißig Meter daneben.
Der Detectiv grüßte zwei Polizisten auf dem Weg zum Eingang und musste sich leicht bücken, da der Türrahmen anscheinend nicht für Personen seiner Größe gebaut war.
Das Innere der Hütte war – so musste er zugeben - sehr komfortabel eingerichtet. Es erinnerte ihn ein wenig an das Ferienhaus der Sinclairs in den Alpen. Donovan hätte sich sofort wohl gefühlt, wenn nicht eine Leiche auf dem Esstisch gelegen hätte.
Das Opfer war eine junge Frau, vielleicht etwa zwanzig Jahre alt. Sie war definitiv etwas, was man in der heutigen Gesellschaft als schön bezeichnen würden, mit ihren langen blonden Haaren (jetzt komplett rot gefärbt), blauen Augen (voller Schrecken) und makelloser Haut (mit Schnittwunden überseht). Ihr Torso war offen und ein Blick genügte, um zu sehen, dass alle Organe fehlten. Donovan kam dies irgendwie bekannt vor. Hatte er einen ähnlichen Fall gehabt?

"Detective Donovan! Da sind Sie!"
Der Detectiv drehte sich um und sah, dass Hauptinspektor John Graham auf ihn zukam. Es wäre übertrieben zu sagen, dass Donovan diesen Mann hasst, aber er zieht es vor, so wenig Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen.
"Hauptinspektor Graham", grüßte der Größere ihn.
"Sie scheinen eines der Opfer schon untersucht zu haben", sagte Graham und zeigte auf die Leiche auf dem Tisch.
"Es gibt also mehr als eine?"
Graham schluckte schwer und sein Gesicht zeigte, dass er sich im Moment alles andere als wohl fühlt und das Haus so schnell wie möglich verlassen möchte
"Ja, im Keller. Aber schauen Sie es sich selbst an."
Donovan nickte und ging zum Keller, aber Graham hielt ihn am Arm.
"Ich muss Sie warnen", schluckte der Hauptinspektor schwer. "Da unten ist es nicht schön."
Er ließ Donovan gehen und verschwand aus dem Haus. Der Detectiv ging schließlich die Treppe hinunter in den Keller und musste an der untersten Stufe schockiert stehen bleiben.

Das Zimmer war schlecht beleuchtet, aber man konnte sehen, dass der Boden fast vollständig mit Blut bedeckt war. Der Geruch stieg in seine Nase und er bedeckte ihn mit einem Taschentuch, das er von Wills Großmutter bekam. Donovan konnte sechs Leichen ausmache, die in der Mitte des Raumes einen Kreis bildeten. Im Kreis befand sich ein kleiner Altar, der aus einem kleinen Tisch, einer Holzfigur und mehreren Kerzen bestand.
Was Donovan noch mehr verstörte, waren die mit Blut auf die Wände gemalten Symbole. Unzählige durchgestrichene Augen der Vorsehung. Er kannte dieses Symbol nur zu gut.
Er hatte gehofft, es nie wieder in seinem Leben zu sehen zu müssen.

Will kannte Donovan lang genug um zu wissen, dass es kein gutes Zeichen war, wenn der Detektiv sich wegen eines Falls in seiner Wohnung einschließt. Es war nun fast eine ganze Woche vergangen seit die Leichen gefunden wurden und seit diesem Tag hatte Will seinen besten Freund nicht mehr gesehen. Er ging weder an die Tür, noch ans Telefon. Antwortete auf keine Nachricht jeglicher Art und sonst hörte man überhaupt nichts von ihm. Will hatte sich einst geschworen, dass er die Privatsphäre seines einzigen Freundes niemals verletzen würde, aber irgendwann ist es auch mal genug. Schließlich muss er wissen ob der Laternenmast von einem Mann überhaupt noch lebt und nicht irgendwo in seiner Wohnung verwest.
In Donovans Wohnung zu kommen war eins der leichten Aufgaben. Normalerweise würde Will sein Schlossknackerkünste unter Beweis stellen, aber er wusste über den Notfallschlüssel unter der Fußmatte bescheid. Donovan hatte ihn dahin gelegt, für den Fall, dass er wieder einmal seine Schlüssel vergisst oder sie irgendwo liegen lässt, was überraschend oft der Fall war.
Nun stand der Mörder im Wohnzimmer und betrachtete die Einrichtung. Er war all der Zeit in der sich die beiden kannten nur drei Mal in seiner Wohnung gewesen. Das letzte Mal war ein halbes Jahr her. Will merkte das sich überhaupt nichts verändert hatte, was ihn in gewisser Weise traurig stimmte. Alles sah so unpersönlich und kalt an. Wie aus einem Möbelkatalog. Obwohl diese Einrichtungen deutlich einladender waren, als dass was Will momentan vor Augen hatte.
Mit leisen Schritten machte sich Will auf den Weg zum Arbeitszimmer, was gleichzeitig auch Donovans Schlafzimmer war. Es gab nicht wirklich viel was Will an dem Detektiven nicht mochte, aber verabscheute seinen Drang vierundzwanzig Stunden an einem Fall zu sitzen und nicht einmal an Nahrung oder Schlaf zu denken. Wie oft war er versucht gewesen den Detektiven mit Medikamenten zum Schlafen zu bringen oder ihn ans Bett zu fesseln. Oder wie Donovan ihn mit seiner Krawatte fesselt. Nein! Für solche Gedanken war keine Zeit!
Er blieb vor der geschlossenen Tür stehen und lauschte kurz. Es war totenstill. Ob er vielleicht doch schlafen gegangen ist? Oder hat der übermäßige Kaffeekonsum zu einem Herzinfarkt geführt?
Vorsichtig öffnete Will die Tür und schaute durch den kleinen Spalt ins Zimmer. Das war das erste mal das er Donovans Schlafzimmer sah und er weiß nicht genau was er erwartet hatte, aber er war sehr enttäuscht. Es war wie der Rest seiner Wohnung. Ein Motelzimmer hat mehr Persönlichkeit als das hier.
Das Zimmer war aber überraschend groß, dass musste er zugeben. Genug Platz für ein riesiges Bett, zwei gigantische Schränke und einen  großen Schreibtisch, an dem Donovan saß. Oder besser gesagt lag.
Tausend Gedanken schossen durch Wills Kopf und er konnte nicht anders als so schnell wie möglich zu seinem Partner zu gehen und zu überprüfen ob alles in Ordnung war. Als Will neben dem Detektiven stand, lehnte er sich runter bis er nur Zentimeter vom Gesicht des anderen entfernt war. Er atmete erleichtert auf, als er den warmen Atem seines Freundes auf seiner Haut spüren konnte.
Mit einem Lächeln richtete sich der Mörder wieder auf und sah auf seinen schlafenden Partner herab. In all der Zeit in der sich die beiden kannten, hatte Will ihn noch nie so entspannt gesehen. Normalerweise war immer wegen irgendwas angespannt, aber jetzt lag er so friedlich da, dass selbst das Herz eines Mörders dabei schwach wurde. So sehr Will dieser Anblick auch gefiel, so konnte er ihn so nicht liegen lassen.
Behutsam legte er eine Hand auf Donovans Schulter und wartete eine Reaktion ab. Als er merkte, dass der andere Mann einfach weiter schlief, packte er dessen Arm und legte diesen über seine Schulter und half dem schlafendem Detektiven hoch. Will musste feststellen, das dieser trotz seiner enormen Körpergröße überraschend leicht war. Der Mörder platzierte seine Arm am Rücken des anderen und seine andere Hand unter dessen Knien. So trug Will ihn im Brautstil zu Bett.
Wills Gedanken hätten schnell in eine gewisse Richtung abdriften können, wenn er sich nicht so viele Gedanken über dessen Gewicht machen würde. Aß er überhaupt irgendwas außer Kaffee?
Vorsichtig legt Will seinen Partner auf dem lächerlich großen Bett ab und fing an den anderen Mann auszuziehen. Dabei fielen ihm drei Sachen auf. 1. Er sah die Sonne nicht sonderlich oft und er war bleicher als so manche Leichen die er gesehen hatte, 2. Er war erschreckend dürr und 3. Er war tätowiert. Es war Will nie aufgefallen, aber der Detektiv hatte eine Tätowierung auf seinem linken Unterarm.  Es war sehr klein und simple. Ein Dolch, welcher in einem Auge stach. Er sollte Donovan fragen, welche Bedeutung das Tattoo hat.
Sobald er fertig mit ausziehen war, deckte er den Schlafenden zu, faltete seine Kleidung zusammen und machte sich auf den Weg zur Küche. Er musste schließlich dafür sorgen das dieser Idiot von Detektiv auch etwas isst.
Als Will den Kühlschrank aufmacht, fällt ihm die Kinnlade runter. Er wusste zwar, dass Donovan nicht der größte Esser ist, aber selbst das ist komplett lächerlich. Der Kühlschrank war komplett leer! Ein Wunder das das Ding überhauptangesteckt ist.
Kopfschüttelnd schloss er den Kühlschrank wieder und schnappte sich Donovans Schlüsselbund, welcher auf dem Tresen lag und verließ die Wohnung. Es wird Zeit das sich hier etwas ändert!

Von all den Sachen die Donovan aufwecken konnten, war der Geruch von gebratenem Speck der effektivste. Nicht weil es seine liebste Speise war, sondern viel mehr, weil der Geruch so unvertraut war. Jedenfalls in seiner Wohnung.
Der Detektiv war merklich verwirrt, als er sich in seinem und bis auf die Unterwäsche vollkommen entkleidet wiederfand. Er versuchte sich daran zu inneren wann er sich ausgezogen und zu Bett begeben hatte. Er ging fast schon davon aus, dass er wieder Phasen von Amnesie hat, bis er neben dem Geruch von Speck ein anderes Aroma vernahm.  Es war ein Geruch der ihn an einen Spaziergang im Wald erinnert. Und Wills Lieblingsperfume.
Donovan stand auf, nahm einen laubgrünen Morgenmantel aus dem Schrank und verließ sein Zimmer. Er folgte dem Duft von gebratenen Fleisch und Waldboden, bis er seine Küche erreichte. Überrascht blieb er im Türrahmen stehen und versuchte die Szenerie die sich vor ihm abspielt zu verarbeiten.
William Sinclaire, einer der brutalsten Mörder den kennt, steht in einer hot pinken Schürze mit der Aufschrift ‚Kiss the Cook' (die musste er selbst gebracht haben, da Donovan keine Kochschürzen besitzt) und singt zu ABBAs ‚Money Money Money' mit, während er Eier und Speck brät.
Es vergangen einige Minuten bis Will Donovans Anwesenheit bemerkte.
„Guten Morgen, Sonnenschein", begrüßte der Mörder ihn mit dem breitesten Lächeln, das Donovan jemals gesehen hat.  
„Was machst du hier?“
Will verdrehte die Augen.
„Sicher gehen, dass du nicht tot bist und in nächster Zeit auch nicht stirbst", erklärte er und legte die fertigen Eier und Speck auf einen Teller, welchen er auf dem Esstisch abstellt. „Kaffee ist auch schon fertig.“
Der größere zögerte erst, aber nahm letztendlich eine Tasse aus dem Schrank, schenkte sich selbst Kaffee ein und setzte sich an den Tisch.
„Bist du extra dafür einkaufen gegangen?“
„Musste ich ja! Du hattest bis auf Luft nichts im Kühlschrank!“ Will setzte sich mit seiner eigenen Tasse voll mit Kaffee gegenüber vom Detektiven. „Also warum gab es über eine Woche lang kein Lebenszeichen von dir?“
Donovan nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Er wollte nicht unbedingt darüber sprechen, aber er fühlt sich aus irgendeinem Grund schlecht dafür das Will sich so viele Sorgen um ihn macht. Außerdem muss er früher oder später mit jemanden über den Fall reden. Warum dann nicht mit der Person die ihm momentan an nächsten ist.
„Es ist wegen dem Fall", gab er nach einer langen unangenehmen Stille zu.
„Soweit bin ich schon gekommen.“
Donovan atmete tief ein.
„Und es hat etwas mit meiner Vergangenheit zu tun.“
Will verschluckte sich beinahe an seinem Kaffee. Hatte er das richtig gehört? Donovans Vergangenheit? Es gab zwei Dinge über die Donovan nicht reden mag. Der Musikgeschmack der Jugend und seine Vergangenheit.
„Am Tatort gab Anzeichen einer Sekte mit der ich vor einigen Jahren schon mal zu tun hatte und ich hab keine guten Erinnerungen daran.“
Will gab es nur ungern zu, aber er war irgendwie enttäuscht. Er hatte gehofft, dass es etwas mit Donovans Familie zu hätte, aber das war wohl Wunschdenken.
„Eine Sekte also. Sprechen wir von einem mit Massenselbstmord oder Jungfrauenopfer für die alten Götter?“
„Letzteres, aber sie beschränken sich nicht auf Jungfrauen. Desto mehr Blut fließt, desto besser.“

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LizTonkss Profilbild
LizTonks Am 23.05.2019 um 17:21 Uhr
Huhu :)
Vielen Dank für das Schreiben&Hochladen dieser Geschichte.
Obwohl deine Geschichte einen soliden Schreibstil hat und ein interessantes Thema fehlt mir irgendwie noch das gewisse Etwas. Verzeihe mir, wenn ich etwas zu streng rüberkomme, ich lese gerade sämtliche Fitzek-Romane, der mit der Spannung wirklich fantastisch umgehen kann. Der letzte Satz deiner Geschichte, bzw die letzten zwei Sätze lassen dann aber die Spannung noch einmal steigen.
Von daher freue ich mich, weiterzulesen.
LG
Liz

---Teil der LeseChallenge: "7 Tage, 7 Genres"----
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Autor

Prizraks Profilbild Prizrak

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Kapitel:2
Sätze:197
Wörter:3.244
Zeichen:19.056

Kurzbeschreibung

Donovan und Will verbindet eine einzigartige Freundschaft. Wie oft passiert es, dass ein Detektiv und ein Serienmörder gemeinsam Mordfälle lösen? Ein Ritualmord hält die beiden auf Trab und Donovan wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Inzwischen muss sich Will fragen, wie viel Donovan für ihn bedeutet.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Horror auch in den Genres Liebe, Krimi, Thriller und Mystery gelistet.