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Terra Mater

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27.2.2019 0:18
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

"Was ist nur geschehen?Ewigkeiten haben wir damit verbracht darüber zu philosophieren, was wäre, wenn uns die Zeit ausginge und der Feind die Tore zu unserer Heimat einschlüge mit seiner unbändigen Macht und ohne Gnade...Ewigkeiten haben wir damit verbracht...darüber nachzudenken was wäre wenn...doch nie haben wir uns dazu herabgelassen in Betracht zu ziehen es könne wahrhaftig soweit kommen...unser Hochmut nahm Platz vor Vernunft und Vorsicht...Sonne und Mond haben sich abgewandt..."

Die Galaxie lebte seit Anbeginn der Zeit nach dem Gesetz der Sonnengöttin und des Mondgottes. Sie allein waren dazu bemächtigt Leben zu schaffen oder zu richten. Jahrtausende lebten die beiden Götter alleine unter sich, doch bald bemerkte der Mondgott das seine Sonnengöttin unglücklich war. Er grübelte lange vor sich hin, suchte nach einer Möglichkeit seiner Göttin ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Eines Tages hatte der Mondgott schließlich den rettenden Einfall - er entwarf um sie herum 9 Planeten, welche die Sonnengöttin ganz nach ihren Vorstellungen entwickeln und Leben auf ihnen erschaffen konnte. So entschied sie nicht alle Planeten gleich stark mit Leben zu besiedeln. Dies tat die Sonnengöttin aus gutem Grund - wollte sie doch stets Herrin der Lage bleiben. Denn die beiden Götter hatten nicht alle Planeten gleich gut in Sicht, so gab es zum Beispiel Merkur, Venus und Erde welche die Sonnengöttin dichter mit Leben besiedelte, da die drei sehr nah bei ihr kreisten und sie so immer ein Auge auf sie und ihre Bewohner werfen konnte. Auch Mars war ihr stets zugetan, daher erhielt auch er eine unbändige Fülle an Leben. Jupiter und Saturn hingegen lagen immer etwas abseits, waren unruhig und sehr groß geraten - besonders Jupiter bereitete ihr oft Sorgen. Jupiter war stürmisch, oftmals unberechenbar und steckte voller Neugierde und Leidenschaft. Um ihr Sorgenkind zu prüfen entschied sie Jupiter die Verantwortung über eine unbeschreiblich schöne und vielfältige Flora zu geben, um zu sehen ob Jupiter der Verantwortung auch gewachsen war. Saturn hingegen war eine ruhige, in sich gekehrte, zarte & ängstliche Seele - sie verzichtete gänzlich auf jegliche Form von Flora und Fauna, sie bat die Sonnengöttin lediglich um einen Ring aus Steinen der ihr Schutz vor potentiellen Eindringlingen bieten sollte. Uranus und Neptun waren die Zwillinge der Galaxie, beide etwas kleiner als Saturn und voller Energie. Ihnen gab die Sonnengöttin sowohl Flora als auch Fauna, aber von beidem gerade nur so viel, dass es ausgewogen und nicht zu viel war. Und zu guter letzt kam Pluto. Er war der Einzelgänger unter den 9 Planeten. Sehr kühl und arrogant, er hielt sich stets im Hintergrund; gleich einer Raubkatze die ihre Beute ins Visier nahm, schlich Pluto um die anderen Planeten herum. Der Sonnengöttin missfiel die Haltung von Pluto, sie hatte die Sorge er würde sich verschließen vor allem, einschließlich ihr. Um dies zu verhindern fasste die Sonnengöttin einen gewagten Entschluss, gegen den Willen des Mondgottes entschied sich die Göttin dazu, auch Pluto die Grundlage für Leben zu schenken. Alles in der Hoffnung er würde dadurch sehen wie wertvoll auch seine Existenz war und wie unfassbar vielfältig Leben sein konnte.

Zu Beginn verlief alles ganz nach den Vorstellungen der beiden Götter. Der Mond erfreute sich ob der großen Freude im Antlitz seiner Göttin und sie konnte nicht anders als zu staunen über jede einzelne Zelle welche sich auf jedem ihrer Planeten entwickelte und neue wunderschöne Dinge entstehen ließ. Doch von allen Planeten hatte es ihr besonders die Erde angetan - die ruhige, ausgeglichene, verträumte Art und Weise dieses Planeten ließ die Göttin aufblühen vor Glück und die Zuversicht richtig gehandelt zu haben ließ auch den Mondgott strotzen vor Stolz. Und so kam es, dass die Göttin die Erde zum Vorbild der 9 Planeten auserkor und die Gebote, nach welchen die Planeten handeln und das Leben auf ihnen zu garantieren und zu schützen sollten, „Terra Mater“ genannt wurden. Einige Jahrhunderte verstrichen - die Zeit ließ die Planeten an ihren Aufgaben wachsen und die Vielfalt an Leben welches auf ihnen gedieh war an Schönheit nicht zu überbieten. Doch dies hatte zur Folge das die Götter unvorsichtig wurden. Denn Pluto gefiel die Aufmerksamkeit welche die Götter den anderen Planeten schenkten gar nicht - mit aller Kraft versuchte er eine Vielfalt an Leben, gleich der Erde zu schaffen, doch kühl, arrogant und stolz wie er war, gelang es ihm nicht. Gezeichnet durch kahles Ödland, durchzogen von Stein und Schotter, vermochte Pluto lediglich üble Vagabunden, Abtrünnige vergangener Zeiten und hasserfüllte, grausame Bestien hervorzubringen. Es dauerte nicht lange und der Hass, welcher den Geschöpfen die auf ihm lebten, inne wohnte, ergriff auch Plutos Bewusstsein. Und so sagte er sich los von seinen Schöpfern den Göttern der Galaxie und kehrte den anderen Planeten den Rücken. Die Sonnengöttin tat schwer daran, sie versuchte alles um ihn zu halten, doch es war vergebens. Pluto verschwand eines Tages unbemerkt in die Dunkelheit einer entfernten Galaxie und wurde seither nie mehr gesehen. 

Ein weiteres Jahrtausend zog ins Land. Die Jugend der Sonnengöttin und des Mondgottes schwand mit jeder Sommersonnenwende ein wenig mehr, sie wurden ruhiger, müder und die Bewohner der Planeten vergaßen allmählich ob ihrer Herkunft durch die beiden Götter.  Da es eines der friedvollsten Jahrtausende seit der Schöpfung der Planeten war, entschied sich die Sonnengöttin dazu sich nicht wieder ins Gedächtnis der Völker der Planeten zu rufen. Stattdessen verlieh die sie einigen Bewohnern jedes Planeten bestimmte Fähigkeiten, diese sollten im Ernstfall zum Schutz der Planeten und der Galaxie beitragen. Um nicht allzu sehr in die Ordnung ihrer Planeten einzugreifen überließ sie aber jedem Planeten selbst die Entscheidung ob deren Bewohner um ihre Fähigkeiten wussten oder nicht. Einzig die Bewohner der Venus und Venus selbst, wussten noch um ihre Entstehungsgeschichte, die Liebe der beiden Götter zu ihnen und die letzten Taten ihrer Sonnengöttin. Die Venus bat darum ihre Erinnerungen behalten zu dürfen, im Gegenzug versprachen sie und ihrer Bewohner, auf die anderen Planeten acht zu geben und zu handeln, sollte je Unheil über sie und ihre Heimatgalaxie kommen. Die Erde entschied sich dafür die Fähigkeiten der Bevölkerungsgruppe zu zu gestehen, welcher sie am meisten vertraute und von der sie annahm, dass sie die Gabe niemals für eigene Zwecke missbrauchen oder die Macht in falsche Hände gelangen ließe. 

...

Yufca nahm einen langen, tiefen Atemzug. Ihre bernsteinfarbenen Augen schweiften langsam über den dämmernden Horizont. Gleichmäßig breitete sich die Dunkelheit der Nacht über der Wüste aus. ...und schon küsst die Nacht zum Schlafe das Firmament...summte die junge Kriegerin in Gedanken versunken vor sich hin, während sie die ersten Sterne am Himmel begrüßte. Fast friedlich wirkte dieser Anblick, doch tief in ihrem Inneren wusste Yufca, dass die Stille trügerisch, die Ruhe heimtückisch war. Die Zinnen, der in weißen Kalkstein gemeißelten Häuser, welche sich unterhalb des Hügels direkt vor Yufcas Augen ausbreiteten, wurden noch ein letztes Mal von der Sonne in ein flammendes Rot getaucht, bevor ihre einst so mächtige Urmutter endgültig hinter den Sanddünen der Wüstenstadt verschwand. Eine leichte Brise zog über die junge, athletisch und zugleich anmutig wirkende Kriegerin hinweg. Sie konnte spüren, wie sich ihr kurzes purpurnes Haar gegen die sanfte Härte des Windes sträubte. Mit ernster Miene spähte Yufca weiter in den nun mehr komplett in Dunkelheit gehüllten Himmel, als sie schließlich den Schwesternplanet der Venus am Himmel ausmachte.

 „Was treibst du schon wieder hier draußen?“ fragte plötzlich eine ermahnend, aber ebenso vertraut klingende Stimme hinter ihr. Yufca drehte sich zaghaft lächelnd um. Wie sie bereits ahnte, war es ihr Zwillingsbruder Yaruf. Ein unverbesserlicher Chaot und Witzbold, aber ein ebenso geschickter Krieger. Seine kräftige Statur und sein teils unbeholfenes Auftreten ließ die Gegner nur allzu oft an seinem Können zweifeln, ein großer Fehler wie sich stets aufs Neue erwies. „Ich beobachte nur die Sterne, Yaruf.“ antwortete Yufca genervt und wandte sich wieder dem Abendhimmel zu. 
Aha...“ setzte Yaruf ernst an, „Ich bin Yufca, ernst und schön. Seht mich an meine Untertgebenen, grimmig wie ich bin, warte ich auf den Feind, ich zerschlage ihn im Alleingang! GRRRR!“ witzelte ihr Bruder während er Grimassen zog. Yufca verdrehte die Augen. „Ha – Ha, du warst schon einmal lustiger.“ Sie konnte sich einen Seufzer nicht verkneifen. 
Yaruf kniff seiner Schwester leicht in die Rippen. „Komm' schon Schwesterherz. Auch in Zeiten wie diesen ist es erlaubt zu lachen...“ erwiderte er und doch wusste Yaruf nur zu gut worauf seine Schwester wartete, war er doch, so wie viele anderer Krieger auch, aus dem selben Grund hier. Er beobachtete seine Schwester für einen kurzen Moment. Seit sie klein waren, musste er überall auf sie acht geben, war sie doch stur und stürmisch wie ein Wirbelwind und nie ließ sie sich abbringen von Plänen die sie sich einmal in den Kopf gesetzt hatte. Ungeachtet der Konsequenzen für sie und andere. 
Die Erde.“, flüsterte Yufca auf einmal, „ Sie ist so unbedarft und naiv. Eine gute, warmherzige Seele, nicht gemacht für ungewisse Zeiten oder für Krieg. Und die Bewohner, welche sie beherbergt, noch weniger. Sie wissen es nicht, aber es ist die Ruhe vor dem Sturm.“, fuhr sie mit einer tiefen Melancholie in ihrer Stimme fort die nur erahnen ließ welche Trauer sie in sich trug. Das entging auch ihrem Bruder nicht. 
Er legte seinen Helm ab und stellte sich neben sie. Tief sog Yaruf die kühle Abendluft ein, er konnte spüren wie sie sich in ihm ausbreitete und neue Kraft in ihm wach rief. Gleichzeitig konnte er die Angst, die in der Luft lag, nicht leugnen. Wie eine Bestie die sich allen Blicken entzog, schlich sie umher und ließ alles erstarren in der Angst, nicht zu wissen wann sie angriff. Ich weiß nicht was passieren wird.“ Yaruf wandte sich seiner Schwester zu und packte sie an den Schultern, seine tiefgrünen Augen sahen sie eindringlich an als er weiter sprach, „ Aber ich weiß was unserer Aufgabe ist Yufca. Und dafür brauche ich dich! Wir sind nicht hier um große Taten zu vollbringen, die eines Tages in Büchern niedergeschrieben werden, wir sind hier um zu tun, was unserer Pflicht ist. Das Volk ist gelähmt vor Angst & unserer Anführerin ist....“ seine Stimme brach für einen Moment, „ich werde nicht noch einmal versagen Yufca!“

Plötzlich begann der Boden unter ihren Füßen zu zittern. Feine, aber tiefe Risse durchzogen mit einem Mal die Erde, rasant breiteten sich sie aus und marmorierten den trockenen Wüstenboden förmlich. Binnen eines Wimpernschlags weiteten sich die Risse bis zu den Kalksteinhäusern aus, welche nun bedrohlich zu beben begannen. Geschockt sahen die Zwillinge in Richtung der Siedlung. Erste Bewohner rannten in Panik aus ihren Häusern, teils in nichts weiter als dem Nachtgewand, mit kleinen Kindern auf den Armen. Die Furcht stand den Menschen ins Gesicht geschrieben. 
Yaruf zögerte keinen Augenblick. Er schloss seine Augen, faltete seine Hände vor seiner Brust und flüsterte ein Wort in der Sprach der Götter, „Srak“. Plötzlich krümmte sich sein Körper, er stöhnte laut auf unter den Schmerzen der Verwandlung. Ein Skelett aus jeweils vier Laufbeinen bohrte sich durch Yarufs Brustkorb an die Oberfläche und wurde in sekundenschnelle von einer leicht beharrten Hautschicht überzogen. Wo einst sein Kopf war, kamen nun vier giftgrün glänzende Augenpaare zum Vorschein, sein leicht loses Mundwerk war spitzen Kieferklauen gewichen. Im nächsten Moment machte Yaruf einen mächtigen Satz, stieß sich von der Anhöhe auf der sie sich nach wie vor befanden ab und sprang hinunter auf die Siedlung zu. Er schoss auf die Kalksteinhäuser mit dichten, klebrigen Spinnfäden um diese vor dem Einsturz zu bewahren. Gleichzeitig baute er ein Netz in der Umgebung auf um das Eindringen feindlicher Truppen wahrnehmen zu können. Yufca beobachtet ihren Bruder bloß aus dem Augenwinkel. ​​„Die Sprungspinne! Er hat sich in eine Spinne verwandelt!“ schoss es ihr durch den Kopf. Doch im Gegensatz zu ihrem Bruder, konnte sie sich nicht bewegen. Ihre Augen hafteten an dem dunklen, undefinierbar geformtem Schatten, welcher bedrohlich hoch oben über ihren Köpfen schwebte. Yufca versuchte verzweifelt ihre Hände zu falten, irgendeine Bewegung durchzuführen, doch es war vergebens. Ihr Körper machte keinerlei Anstalten ihren Befehlen folge zu leisten. Langsam begriff sie es, der Schatten hatte Besitz von ihre ergriffen. Dunkle Gedanken bohrten sich gnadenlos ihn Yufcas Bewusstsein. Ihre Kehle schnürte sich unaufhaltsam zu, sie konnte spüren, wie ihr die Luft zu atmen aus der Lunge gepresst wurde. Kalte, große Schweißperlen bildeten sich auf Yufcas Stirn. Die weit aufgerissenen, von Angst erfüllten, Augen rasten unruhig und krampfhaft nach einem Ausweg suchend von links nach rechts. Ihr Puls stieg rasant an, ihr Herz schmerzte fürchterlich in der Brust. Sie sank auf die Knie, während der Schatten immer näher auf sie herab sank. Und dann sah sie direkt in das Gesicht des Feindes. Es war über und über von Narben bedeckt, verfaulte Fleischfetzen hingen lose von Wangenknochen, sowie Stirn herab, die Augen kalt, lidlos und feuerrot unterlaufen. Die Zähne verformt, aber jeder einzelne so scharf wie ein frisch geschmiedeter Dolch der Våras, ihres Kriegerclans. 

Ein nackter, fast bis auf den Knochen abgemagerter, langer Arm erstreckte sich mit einem Mal in ihre Richtung. Die zittrigen Finger mit teils ausgerissenen Fingernägeln gierig nach ihr schnappend, hallte plötzlich eine furchtbar hohe, schrille Stimme in ihrem Kopf.
IHR SEID ALLE NICHT WÜRDIG!!!“

Die Stimme durchzog Yufca eiskalt und bis ins Mark ihrer Glieder. Die junge Kriegerin wand sich innerlich vor Schmerzen. Mit letzter Kraft stieß sie einen Schrei aus. Ihr Körper begann dabei fürchterlich und unkontrolliert zu zittern, gleich Espenlaub in einer stürmischen Novembernacht. YUFCA!...YUFCA!...“ Sie vernahm die Schreie ihres Bruders nur noch dumpf, er schien weit, weit weg...
...Yufca versuchte seiner Stimme zu folgen, doch ihr wurde schwarz vor Augen.

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Kurzbeschreibung

Einst wurde die Göttin der Sonne von ihrem Liebsten, dem Mondgott, reich beschenkt. Nur um sie einmal wieder lachen zu sehen, erschuf er für sie neun Planeten, welche die Sonnengöttin frei nach ihren Wünschen gestalten und mit Leben beschenken durfte. Einige dieser Planeten lehnten dankend ab, zu groß war die Ehrfurcht, vor der Verantwortung, andere hingegen gierten danach und wollten sich beweisen doch scheiterten kläglich daran auf sich Leben gedeihen zu lassen. Missgunst, Wut und Trauer schürten über die Jahrhunderte Hass in einigen Herzen. Nun droht ein Krieg zu entbrennen und mitten drin befindet sich ein junger Erdling, der nichts von seiner Rolle in alle dem ahnt...

Kategorisierung

Diese Story wird neben Abenteuer auch im Genre Fantasy gelistet.