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Gefangener seines Herzens

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18.6.2019 12:13
18 Ab 18 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Kapitel 1

 

Kanonenschüsse hallte durch die tiefe, regnerische Nacht. Mischten sich mit kratzendem, brechendem Holze und lauten Schreien.

Mit nassen Augen, rannte ein kleiner 11 Jahre alter Junge durch die Straßen Mahalo Bays. Der Regen vermischte sich unaufhörlich mit seinen Tränen. In seinem Inneren hörte er seinen Vater schimpfen „Jungs weinen nicht.“ Sagte er immer schimpfen, wenn sich das verräterische Nasse in das unschuldige Braun schlich. Doch diesmal konnte er nicht anders. Wellen des Schmerzes jagten durch den dürren, von Anstrengung gezerrten Körper und presste die Luft aus seiner Lunge. 

Er hörte immer noch Ihre Schreie in seinen Ohren widerhallen.

Flehend… bittend um Gnade. Doch nichts half. Sie wurden alle abgeschlachtet, wie räudige Köter, wie Vieh, das keinen nutzen Mehr hatte. Und das alles nur, weil sich Piraten in ihrem Dorf einquartiert hatte. Die Crew, die unter der Flagge von Captain Pike segelten, hatte sich ruhig und gesittet in der kleinen Hafenstadt verhalten. Die Bewohner akzeptierten es und die Parten, erledigten Stumm ihre Aufgaben.

Nur die Marina sah de Sache anders. Sie war gnadenlos. Schlachtete alle ab… ob Pirat oder nicht. Unschuldig oder nicht. Sie machten keine Unterschiede.

Der Junge hörte immer noch die Schreie und sah immer noch diese Gestallt vor sich. Roch seinen Schweiß… plötzlich stolperte er und fiel der Länge nach, auf die Straße. Jetzt mischten sich nicht nur Tränen mit Regen, sondern auch mit Schlamm und Blut.  Der eisenhaltige Geschmack, welcher sich in seinem Mund ausbreitete, ließ den Jungen kurz würgen. Schluchzer des Schmerzes, gepaart mit Angst drangen seine Kehle empor. Er konnte nicht mehr rennen, hatte keine Kraft mehr. reglos blieb er auf den kalten Steinen liegen.

Auf ein Mal packte ihn eine große Hand am Kopf. Wulstige Finger, gruben sich unsanft in sein dunkles Haar und zerrten den geschundenen Körper in eine aufrechte Position. ER ragt empör, baut sich vor dem Jungen auf, wie der Schlechter höchst persönlich… 

 

 

„Käpt´n! Schiff voraus!“

Hörte man Dor McMurphy, seines Zeichens Erster Maat und Vollblut Ire, vom Deck der kleinen Schaluppe, ausrufen.

Grummelnd drehte sich besagter Kapitän auf seiner Pritsche um und öffnete träge die Augen. Sein Traum von vorhin steckte ihm noch tief in den Knochen, doch das Geschehene war schon längst vergangen und so schob er die Erinnerungen wie immer bei Seite. Drängte alles wieder zurück in die hintersten Regionen seines Bewusstseins… zumindest bis zur Nacht… bis er wieder einschlief und die Dämonen hervorkrochen und mit eiskalten Fingern, nach seinen Träumen griffen.

 

„Nicht mal fünf Minuten hat man Ruhe hier!“ Ließ er seinen Unmut freien Lauf und streifte die schweren, ledernen Stiefel über die Füße. „Da will man mal kurz die Augen schließen und schon wird man wieder hochgejagt.“

Stampfend verließ der Kapitän seine Koje und lief hoch ans Deck seiner geliebten „Destiny“.

Pechschwarzes Haar, umrahmte das markante Gesicht, und ein wogendes Hemd, schmiegte sich lüstern, in der schwülen Brise, an einen schlanken, aber dennoch muskulösen Oberkörper. Enge, schwarze Kniebundhosen, umfassten schlanke, kräftige Beine und ein schweres Degengehenk war tief um schlanke Hüften geschnallt.

 Das Meer lag ruhig vor ihnen und die Brise streifte neckend das braungebrannte, von leichten Bratstoppeln besetzte Gesicht. Tief atme er die salzige Luft durch die Nase ein.

Die Unruhe in seinem Inneren legte sich langsam wieder, genau wie die See nun auch wieder ruhig vor ihm lag, obwohl vergangene Nacht noch ein Sturm getobt hatte. Und das war genau das, was er am Meer so liebte.

Schon immer hatte es eine beruhigende Wirkung auf ihn gehabt. Schon als Knabe war es sein größter Wunsch gewesen aufs Meer hinaus zufahren, damals zwar als Kaufmann doch wer hätte schon geahnt das aus ihm mal das wird, was er jetzt war? Seine Eltern bestimmt nicht… doch schnell verdrängte er den Gedanken an die Toten und konzentriere sich wieder auf das Hier und Jetzt.

Die „Destiny“ schaukelte ruhig vor sich hin, doch an Deck herrschte bereits rege Aufregung. Ein Blick zum Horizont verriet auch warum.

Marine!

Grinsend blickte der Kapitän des Schiffes dem Dreimaster entgegen und freute sich schon auf die nette Ablenkung.

Es war fast eine Woche her seit das letzte Mal ein Schiff gekaperten wurde, ein kleines Handelsschiff welches gerade erst abgelegt hatte und somit wenig Ware an Bord hatte. Nur gut konnte er sich daran erinnern wie frustriert die Mannschaft daraufhin war. - Und wie sie ihren Frust abgelassen hatten… was ihnen den ganzen Tag Deckschrubben einbracht hatte.-

„Setzt die Hauptsegel und hisst die Flagge.“ Brüllende Befehle hallten durch die Luft der karibischen See. „Sollen sie sehen mit WEM sie sich einlassen.“

Teuflisch vor Freude zog er seinen Hut weiter ins Gesicht und das Schwert aus der Scheide…

Zeit zum Kapern!  Niemand legte sich mit Anthony Drake an!

 

 

„Kapitän Mack, müssen wir das wirklich machen?“

Der Kapitän der „Endless Curse“ warf seinem fragenden Passagier einen kurzen skeptischen Blick zu.

„Es sind Piraten, Sir. Und wir die Marine. Es ist unsere Pflicht diesen Abschaum von unseren Meeren zu befreien.“ erklang die tiefe, schneidende Stimme des Marine Admirals, während er weiter durch das Fernglas sah.   

Stirnrunzelnd klappt er das Fernrohr wieder zusammen und rief seinen Stellvertreter heran.

„Es ist Drake.“ Man konnte deutlich sehen wie der Mann schluckte und blass um die Nase wurde. „Mr. Brighton, sie sollten lieber Unterdeck gehen. Es wäre sicherer für Sie.“

„Danke aber ich bleibe lieber hier,“ erwiderte Brighton ruhig. 

Wer ist dieser Drake? Ich muss gestehen, ich kenne nicht viel Piraten und bin noch keinem begegnet. Dachte er, seinen Blick faszinierend auf das andere Schiff geheftet. 

Daniel Brightons hatte seine längste Zeit in einem Kloster in der tiefsten Provinz verbracht. Nun war er 23 Jahre und hat sich zur Aufgabe gemacht, als Missionar der Welt das Wort Gottes zu verkünden. Daher bereist er mit Kapt´n Mack, auf seinem Marineschiff, die karibischen Meere, von einer Insel zur andern.

Weit kam er bis jetzt jedoch nicht. Daniel hat in seinem Leben noch nicht viel gesehen, geschweige denn erlebt und Piraten schon gar nicht. In den ganzen zwei Wochen, in denen er mit Mack nun unterwegs war, ist ihnen, außer einigen wenigen Handelsschiffen, niemand entgegengekommen. 

Aufregung stieg in seinem Körper auf. Ehrfürchtig betrachte der blonde Mann die kleine Schaluppe.

Sie war viel kleiner als das große, imposante Schiff der Marien, doch strahle sie umso mehr eine Anmut aus, die den Gottgläubigen ehrfürchtig werden ließ. Wie sie ruhig auf dem Meer trieb, als wäre jeder Windhauch um sie verstummt, faszinierend.

Ob die Piraten uns schon bemerkt haben? Kaum ist der Gedanke durch den Kopf geschossen, sah Daniel wie die Schaluppe drehte und Kurs auf sie nahm.

Etwas mulmig wurde ihm bei dem Gedanken schon, auch wenn der Marine Kapitän voller Zuversicht und Selbstvertrauen nach Vorne blickte.

„Jetzt hab ich dich Drake.“ Murmelte er immer wieder und wieder. „Sie kennen ihn wohl gut?“ Ich sollte meine Neugierde zügeln. Es ziemte sich nicht so frei zu reden, doch die Freude mit der der Kästen auf den Piraten wartete, ließ Daniels Vorsetzte vergessen.

Kurz schnaubte Mack und grinste weiter vor sich hin. „Oh ja ich kenne ihn gut.“ Etwas an seinem Ausdruck gefiel dem Blonden ganz und gar nicht.

Admiral Eduard Mack war bekannt für seine Grausamkeit… besonders Piraten gegenüber.

„Ich hab ihm das hier zu verdanken.“ Mack zog sein Hosenbein hoch und entblößte eine groteske Narbe, die vom Knie bis zum Knöchel ging.

„Durch ihn hätte ich fast mein Bein verloren.“ Er ließ sein Hosenbein wieder runter und sah stur geradeaus. „Drake ist ein grausamer Mistkerl, der vor Nichts und Niemanden Halt macht.“

„Rache ist nicht Gottes Wunsch.“ Vielleicht konnte man noch verhindern das so viel tapfere Soldaten verletzt oder gar getötet werden. Dass das unweigerlich passieren wird, war Daniel ziemlich klar.

Ich habe viel über die Grausamkeit der Piraten gelesen.

„Stecken sie sich ihr Gottesgelaber sonst wohin, Missionar. Dieser Abschaum verdient den Tod. Und wenn es sie beruhigt, euer Hochwürden…“ er spuckte dieses Wort seinem Gegenüber förmlich entgegen. „sehen sie es als Gottes Strafe für all die Verbrechen die dieser Mann schon begangen hatte.“ Und damit war dieses Gespräch in Macks Augen vorbei. Daniel fügte sich.

 

 

 

Drake´s Männer waren bereit und er war es auch. Der Kapitän der Destiny erkannte dieses Schiff wieder. Schon von Weitem konnte er Sie sehen… konnte IHN sehen… Und sein Lachen hören, dieses grausame Lachen das durch Mark und Bein ging. Dieses Lachen eines Mannes, der so viel Schmerz zufügen konnte.

„Es ist Mack,“ flüsterte Tony.

Dor McMurphy sah ihn wissend an. Ein trauriger Blick lag in den wässrigen grauen Augen.

Schon lange waren die zwei Männer zusammen auf dem Meer unterwegs. Dor war es, der Drake als Knabe aufgenommen hatte, als er allein am Boden lag, damals in jener Nacht… Hatte ihn auf sein Schiff gebracht und somit mit auf die Hohe See. Durch dieses alte Raubein, lernte Drake alles was er nun wusste.

 Wissend legte er seine Hand auf die Schulter seines Käpt´ns und riss ihn somit aus den Gedanken.

„Konzentrier dich Junge und vergiss die Vergangenheit,“ mahnte ihn sein Freund und Tony nickte. Drake wusste sich immer auf die Ratschläge seines Maates zu verlassen.

Die Schulten gestraft legte sich wieder das Lächeln auf seine Lippen. „Du hast Recht alter Freund.“ Auf in den Kampf.

„Macht euch bereit! Holt die Enterhaken raus und keine Gefangenen machen. Doch passt auf Mack auf, der ist Gefährlich und gehört mir!“

Die Befehle eines Kapitäns sind eindeutig und unmissverständlich.

 

Als die Endless Curse endlich auf Höhe war, schwang sich die Besatzung der Destiny auf das andere Schiff.

Mit einem Mal war die Luft von Kampfgebrüll erfüllt und übertönte das Rauschen der Wellen, die sanft gegen den Bug schlugen.

 

„Du bleibst hier.“, gab Tony Befehl, Dor nickte verstehend und nahm das Ruder in die Hand. „Wenn ich falle, will ich das du so schnell wie möglich mit den Anderen verschwindest.“ Drake sah in den alten Augen deutlich die Gegenwehr, trotzdem nickte sein Kamerad verstehend. Das hier war ein Befehl! Der innere Ire in Dor strebte sich dagegen, seinen Freund womöglich in Stich zu lassen, doch selbst Drake, der immer wieder das eine oder andere Mal so manch Sachen locker sag, duldete eine Befehlsverweigerung nicht! Und Dor musste sich fügen.  

 

 

Mit einem gut gezielten Sprung, landete Drake auf dem anderen Schiff. Dumpf klang der Aufprall der schweren Stiefel auf dem Holz der Endless Curse.

Kaum das er einen Schritt machte, waren auch schon diese nervtötenden Soldaten bei ihm.

Mit Leichtigkeit kämpfte er sich seinen Weg durch die Meute. Mack war sein Ziel und das würde er erreichen, komme was wolle. Dieser Mistkerl würde büßen müssen, für das was er ihm vor 10 Jahren angetan hatte.

 

Da war er!

Wie durch einen Tunnel sah Tony die verhasste Gestalt aufragen. Die Kämpfe um ihn herum rückten in weite Ferne und drangen nur dumpf an sein Gehör. 

Sein Rücken war ungeschützt! Solange er mit einem von Drake´s Männern beschäftigt war, war das die perfekte Gelegenheit, auch wenn es Drake´s Moral nicht entspracht so hinterrücks anzugreifen. So würde er ihm im Nichts nachstehen. Dieser Hund war nicht besser. Gleiches mit Gleichem vergelten! Die Narbe auf Drake´s Rücken fing, bei dem Gedanken an die Vergangenheit, an zu ziehen. Er musste diese Chance nutzen!

Fast habe ich es geschafft. Sein Sieg war zum Greifen nah. Drake konnte beinahe das Blut, warm und zäh an seiner Hand runter laufen spüren. Roch beinahe den metallischen Geruch, der sich in die Luft erhob und seinen Sieg verkündete.      

Drake hob zum Schlag aus. Die Klinge surrte durch die Luft, noch ein bisschen und sie würde durch das widerliche Fleisch schneiden…doch plötzlich stieß sie gegen einen Widerstand, der wie aus dem Nichts zu kommen schien. Klirrend schlug Metall auf Metall.

Ruckartig zuckte Drake´s Blick zum Besitzer der fremden Klinge. Stechend blaue Augen, so Blau wie das endlose Meer, sahen ihn verwundert an. -Hatte ihr Besitzer selbst nicht mit der Aktion gerechnet?-  und für den Bruchteil einer Sekunde schien der Pirat in ihnen zu versinken. Sie fesselten Drake auf eine unbestimmte Weise und ließen ihn alles um sich herum vergessen. Doch warum war das so? Was war da ihn ihnen so besonders?

„Drake!“ knurrte hinter ihm eine wütende Stimme und ließ ihn herumwirbeln. Der Admiral war durch den Laut der Klingen auf in aufmerksam geworden. Plötzlich stand Mack vor ihm, dieser räudige Sohn einer vermaledeiten Hurenmutter!

Die Wut steigerte sich in ihm, doch Drake konnte nur wie gelähmt den bulligen Mann anstarren. Vor seinen Augen zuckten wieder Bilder des Grauens und des längst vergessenen Schmerzes. Eine Gänsehaut breitete sich in ihm aus. Anthony Drake, der furchtlose Pirat, war zurück versetzt in sein Kindesalter, ein Knabe von 11 Jahren… Blutend und dem Tode nahe.

 

Dor hatte Recht - es war ein Fehler! schoss es dem schwarzhaarigen Kapitän durch den Kopf. Er war noch nicht bereit sich ihm zu stellen… und dieser Fehler sollte sein letzter werden?

  „Zeit zu sterben Piratengesindel!“ Schreiend stürzte sich der Admiral auf den Piraten. So schnell konnte Drake nicht einmal reagieren.

Blitzender Stahl schoss durch die Luft auf der Suche nach seinem nächsten Opfer.

Nach wie vor, konnte Drake sich kaum bewegen. Als wären seine Glieder mit tonnenschweren Gewichten bestückt, stand er da.

Mack´s Klinge zischte Haarscharf an ihm vorbei. Er spürte den Windhauch und spürte den Schmerz. Einen kurzen Schmerz in seiner Schulter. Dann fand er sich auf dem Boden wieder.

Heiß und zäh floss das Blut aus der entstandenen Wunde und hinterließ eine rote Spur, auf dem einst weißen Hemd.  

Geschockt starrte er nach Oben auf das unwirkliche Szenario. Der blauäugige Angreifer von vorhin, stand über ihm und parierte Mack´s Angriff.

Sein dunkel blondes Haar, löste sich vereinzelt aus dem kurzen Zopf in seinem Nacken und ließ ihn verwegen aussehen.

Den breiten Rücken schützend vor sich, richtete der Pirat sich auf. Scheinbar hatte der Fremde ihn aus dem Weg geschubst und so vor der Klinge, und dem damit verbundenen Tod, gerettet.

„Aus dem Weg Missionar!“ Knurrte Mack. Doch der rührte sich nicht vom Fleck. „Es ist noch Zeit Busse zu tun, auch für einen Piraten.“

Verdattert starrte, besagter Pirat, den Mann an. Hatte er das gerade wirklich gesagt?

„Gott vergibt all seinen Jüngern, wenn sie ihn um Vergebung bitten. Und das sollten sie auch tun Admiral. Beflecken sie ihre Seele nicht mit noch mehr Flecken.“

„Aus. Dem. Weg,“ zischte Mack drohend.

„Ich kann nicht.“

Der Gottesfreund warf einen Blick nach Hinten zu Tony, ehe seine Augen wieder auf dem Admiral lagen. Dieser Idiot wollte doch nicht allen ernstes gegen Bloody Mack kämpfen?

 

Felsenfest und entschlossen stand Daniel vor seinem Gegner. Es war nicht nur seine Überzeugung die ihn so handeln ließ, viel mehr war es der Pirat, der ihn zu so einer leichtsinnigen Entscheidung verleiten ließ. Er wollten ihn einfach nicht sterben sehen. Die Entschlossenheit in diesen braunen Augen und die jungen, von minimalen Lachfältchen besetzen Gesichtszüge, konnten doch nicht die eines grausamen, blutrünstigen Mannes sein. Oder?

Wieder hob sich Macks Hand, doch diesmal gegen den Missionar. Das Schwert raste auf den blonden Mann zu.

Daniel Brighton hatte sich auf den Weg gemacht um Gott näher zu kommen, wollte lernen und lehren. Doch war es wirklich sein Schicksal seinem Schöpfer so schnell zu begegnen?

Tony handelte instinktiv, handelte nach seinem Moto, Auge um Auge. Dieser komische Kauz hatte ihm das Leben gerettet und er stand ungern in Schulden. So holte er ebenfalls aus und schlug dem Blonden mit seinem Schwertgriff in den Nacken. Mit einem gedämpften Laut sackte dieser zusammen und blieb reglos vor seinen Füßen liege - die verletze Schulter bedankte sich mit seiner heißen Schmerzenswelle - und Macks Schwert verfehlte sein Opfer.

Knurrend fixierte der Mann seinen Gegner und wollte gerate auf ihn stürzen, als ein Schrei Macks Aufmerksamkeit forderte.

„Käpt’n die Piraten sind in der Überzahl. Wir müssen hier weg!“ Ein blutüberströmter Soldat rannte, quer durchs Deck, auf seinen Kapitän zu.

Wieder knurrte Mack und so langsam fragte sich Drake ob der Admiral von Hunden abstammte, doch weiter kam er nicht mit seinen Gedanken, denn der Dreckskerl drehte sich um und verschwand mit seinen noch übrigen Leuten im kleinen Beiboot.

Anthonys Männer triumphierten lauthals über den Sieg.

Endlich hatten sie wieder Beute und noch dazu haben sie die Marine geärgert… und gewonnen,… was war daran auszusetzen?

 

Doch irgendwie erreichte das Glücksgefühlt der Anderen den Käpt´n nicht wirklich. Tony stand so kurz vor seiner Rache und dann kam da dieser… sein Blick schweifte zu dem bewusstlosen Mann am Boden. An seinem Hinterkopf bildete sich ein Blutfleck und floss langsam auf den Boden… vermischte sich mit seinem eigenen. Zum Glück war das nicht die Destiny auf der sie sich hier befanden. Blut geht zu schwer raus.

Seufzend strich sich Tony durch das schwarze, verschwitzte Haar, bückte sich zu dem am Boden liegenden und prüfte seinen Puls. Es schlug, langsam doch es schlug und irgendwie wurde es ihm dabei leichter ums Herz.

„Jack!“ Rief er seinen bulligen, groß gewachsenen Kameraden zu sich. Er war ihr Schiffsarzt, - wenn man das was er machte, so nennen konnte -

„Bring ihn an Bord, in die Zelle und versorg ihn bitte,“ gab Tony den Befehl und Jack nickte. Ohne große Anstrengung hob er den Blonden hoch. Bevor er mit seiner Fracht davon ging, drehte sich der Arzt nochmal um.

„Und was ist mit deiner Schulter, Käpt´n?“ Doch Drake winkte nur ab. „Halb so schlimm.“

Während Jack verschwand, machte sich Drake daran, die Verluste zu erfassen und das Schiff zu durchstöbern.

Leider war Tonys Suche erfolglos. Zwar waren einige Goldstücke zu finden, doch es würde ihnen auf lange Sicht nicht reichen.

„Los, zurück aufs Schiff und versenkt dieses Marineabschaum,“ brüllte der Kapitän in den Wind.

 

 

Es vergingen Stunden bis Tony zurück auf der „Destiny“ war, anders als sonst lief er nicht wie üblich direkt zu seiner Koje. Stattdessen nahm er den Weg nach unten zum Lagerraum. Dort waren auch die Zellen für diverse Gefangene, wenn welche gemacht wurden… Kam jedoch selten vor. Viele würden lieber sterben, als der Gefangene eines Piraten zu werden. Im laufe seiner Kariere als Fluch der Meere, habe er schon viele gesehen, die nach einer Niederlage lieber ins offene Meer sprangen und dabei riskierten von Haien zerfleischt zu werden, als seine Gastfreundschaft zu genießen.

Eigentlich wollte er keine Soldaten am Leben lassen und Gefangene machen schon lange nicht, doch dieser Soldat… wenn es überhaupt einer war… war ganz anders. Er hatte ihm das Leben gerettet aus einem unerklärlichen Grund.

Ich bin ein Pirat zum Donnerwetter! Hatte ich´s nötig, mir von so einem, den Arsch retten zu lassen?!, fluchte Tony resigniert und plötzlich hatte er diese Wut im Bauch. Dieser blonde Typ hatte ihm seine Schwäche Mack gegenüber gezeigt. Hatte ihm gezeigt, das dieser Möchtegern General ihn in der Hand hatte, allein durch seine Präsenz. Hatte ihm vor Augen geführt, das Tony nicht bereit war sich Mack zu stellen,… noch nicht zumindest!

Schnaufend trat Käpt´n Drake an das Gitter der kleinen Zelle, in der ein blonder, verletzter Mann lag. Die getragene Laterne stellte er neben sich ab und spähte in die Dunkelheit der kleinen Zelle.

Der Gefangene lag mit dem Rücken zu ihm, auf dem Boden. Sein Kopf war mit einem weißen Stück Stoff umwickelt, doch langsam wurde es Rot, durchtränkt vom Blut.

„Der wird wohl noch ne Zeitlang bewusstlos sein. Hast ihm eine ganz schöne Wunde verpasst,“ brummte es Hinter ihm.

Jack trat zu ihm und verschränkte nachdenklich die Arme.

„Tony? Alles ok bei dir?“ Auch wenn Jack wie ein angsteinflößender Pirat aussah, mit seinen kurz geschorenen Haaren und den vielen Ohrringen, die klimperten, jedes Mal wenn er sich bewegte, so war er doch im Herzen recht weicht und machte sich immer Sorgen um Alles und Jeden.

Grinsend boxte sein Kapitän dem Arzt in die Seite. „Was soll mit mir los sein? Nur weil ich ein Gespenst der Vergangenheit gesehen hab, werde ich doch nicht wie ein kleiner, verschreckter Junge in der Koje sitzen und heulen. Ich bin Antony Drake! Du weißt doch Großer… mich haut nichts so schnell um.“

Jack erwiderte das Lächeln, doch Tony sah deutlich die Sorge in seinen Augen und er wusste gleich, das der Groß gewachsene Mann diese Sorglosigkeit nicht abkaufte.

„Es geht mir wirklich gut, Jack. Glaub mir. Geh zu den Anderen, es hat einige ziemlich erwischt und ich würde nur ungern eine Seebestattung durch führen.“ Die ernste Stimme des Kapitäns duldete keine Fragen mehr und das merkte Jack schnell.

Drakes Blick wandert wieder zu der Zelle, im Hintergrund hörte er schwere Schritte die Treppe Hochstapfen und Tony wusste das er weg war.

Nachdem Jack die Lagerräume wieder verlassen hatte, blieb er allein zurück. Nachdenklich lagen die braunen Augen auf dem an Boden liegenden Mann. Was brachte einen Gottesprediger dazu die Weltmeere zu befahren? Und das auch noch mit Bloody-Mack?

Unter den Piraten hatte der General so seine Spitznamen, doch Bloody-Mack war der mit Abstand zutreffendste von allen. Noch immer hallen die Schreie seiner Opfer in Kopf wieder. Die Geister der Vergangenheit strecken gierig ihre kalten Finger nach ihm aus.

Doch ehe Drake weiter versinken konnte, riss ihn ein Keuchen aus der Grübelei. Seit er Mack wieder gesehen hatte, wurde das allmählich zur Gewohnheit und das wurmte den Schwarzhaarigen.

 Schwer atmend richtete sich der Blonde vom Boden auf. Als er stand schwankte er leicht und griff ans Gitter um sein Gleichgewicht nicht zu verlieren und erst jetzt bemerkte er seine Lage.

Der eben noch gesenkte Blondschopf, schoss nach Oben. Seine weit aufgerissenen, blauen Augen, fixierten sein Gegenüber mit einer Intensität die Tony noch bei niemandem sah.

Es gab bei weitem viele, denen er in die Augen geschaut hatte.

Beim Kampf, kurz bevor sie starben und erloschen, oder beim Liebemachen, wenn sie strahlten. Kurz fragte sich Tony wie weit diese Augen stahlen konnten.

„Wieso bin ich hier?“ Durchbrach seine raue Stimme die Stille im Lager.

Kurz musste Drake seine Gedanken richten ehe er keck antworte.

„Was glaubst du wohl?“

Lässig lehnte er sich ans Gitter und zog die Augenbrauen nach Oben.

Bei weitem…Tony wusste das es gefährlich war, doch er glaubte nicht daran, dass dieser Mann sich in irgendeiner Form wehren oder angreifen würde.

„Ich habe Ihnen das Leben gerettet und das ist Ihre Form, Dankbarkeit zu zeigen?“ Brauste der Gefangene auf.

„Pirat.“

Das verblüffte Gesicht, welches er nach Drakes Wort zog, war Gold wert.

„Wie bitte soll ich das verstehen?“ Daniels Wut wich Unverständnis.

 Grinsend richtete sich Drake vor seinen Gefangenen auf. Sie waren fast gleich Groß.

Blitzschnell griff er durchs Gitter und zog den Blonden an seinem braunen Wams zu sich. Mit einem Mal waren ihre Gesichter ganz nah. So nah, dass Tony den schnellen Atem auf seinen Lippen spüren konnte.

Unweigerlich legte sich eine Gänsehaut über seinen ganzen Körper und ließ ihn schlucken.

Fahrig leckte er sich über die trockenen Lippen. Ein bisschen näher und…

 Das dürfte nicht sein!

„Piraten brauchen keine Gründe für ihr Handeln,“ knurrte Drake und mit einem Ruck schubste er den Mann von sich.

Fast fluchtartig verließ er die Lagerräume und damit auch die Zelle. Jetzt brauche er dringend frische Luft und viel, viel Rum! Wobei der Rum an erster Stelle kam.

 

 

Noch deutlich konnte Daniel den festen Griff des Piraten spüren und das komische Kribbeln, welches sich in ihm ausbreitet. Was hatte das zu bedeuten? Nur weil er ein Pirat ist konnte er tun und lassen was er wollte?

Frustriert fuhr er sich durch die blonden Strähnen und zuckte schmerzhaft zusammen. Erkundend tastete er sich durch die Harre und erspürte den Verband um meinen Kopf. Wo habe ich den denn her?

Das Letzte woran er sich noch erinnern konnte, war Mack, welcher ihm angreifen wollte… hatte er ihn womöglich erwischt? Der pochende Schmerz erleichterte sein denken nicht gerade.   

Was sollte er nun tun? Fest sitzend in dieser Zelle, auf seine Hinrichtung warten? Aus Erzählungen wusste er das Piraten grausam waren.  Auch der Abt hatte ihn gewarnt, doch nein… Daniel Brighton - selbst ernannter Missionar - musste mal wieder seinen Kopf durchsetzen und auf diese waghalsige Mission gehen. Missionar sein… der Welt den Namen Gottes verbreiten… In einer Region wie dieser, wo es von Piraten nur so wimmelte… schien es im Nachhinein keine so kluge Idee gewesen zu sein.

Seufzend setze sich Daniel auf die Pritsche in der Ecke. Sie knarzte unter seinem Gewicht bedrohlich. Der Überzug war Fleckig und süffig. Er würde sich bestimmt die schlimmsten Krankheiten einfangen, sollte er hier schlafen. Ob man überhaupt zum schlafen kommen würde?

 

Das Schiff wackelte unaufhörlich auf hoher See und so langsam wurde sein Magen auf Probe gestellt. Er war wirklich kein Weichei, doch auch nicht an ein Schiff gewohnt… Und die Kopfschmerzen erledigten den Rest.

Daniel schloss die Augen, konzentrierte sich auf die Geräusche an Deck. Lautes Fußgetrampel und hier und da ein Brüllen, drangen dumpf an sein Ohr. Ob es dieser Kapitän war, der so hitzig die Aufgaben bellte? Der Kapitän… Anthony Drake… laut Mack, ein blutrünstiger Mann aus den Tiefen der Hölle. Plünderer und Mörder. Doch irgendwie konnte es Daniel nicht glauben.

Etwas an seinen Augen, schraffte diese Aussage Lügen. Der Blick mit dem er ihn vorhin angeschaut hatte… und dann dieses freche Grinsen. Er wirkte beinahe Jungenhaft und unschuldig. Und er war sicher… sollte es doch so sein wie Mack es behauptet hatte… konnte Gott ihm bestimmt verzeihen.

Daniels Augen wandten sich der Treppe zu, als er schwerer Schritte hörte. Mit lauten gepolter, gefolgt von einem dumpfen Aufprall und regem Fluchen, was seine Ohren zum glühen brachte, kam Tony wieder in den unteren Bereich seines Schiffes. Bei Gottes Namen, solche Flüche hatte Daniel im Leben nicht gehört.

Der Schatten rappelte sich wieder auf und kam schwankend in Bewegung. Durch das Licht der Luke, konnte Daniel nicht viel erkennen. „Lass mich deinen Verband wechseln.“ Brummte die Stimme und ein herber Geruch von Alkohol drang Daniel in die Nase.

Der Schlüssel drehte sich klimpernd im Schloss, gefolgt von einem quietschen und die Tür öffnete sich langsam. Unbewusst machte Daniel einen Schritt Rückwerts. Diese Nähe behagte ihm nicht. „Hast du Angst vor mir… Prediger?“ Die Stimme des Piraten klang lallend und rauchig. Er spukte den Titel beinahe vor die Füße.

 „Sie glauben wohl nicht an Gott?“

 Drake brach in schallendes Gelächter aus. Doch es klang nicht glücklich, ehe gequält.

„Merkt man das?“ brummte er und kam weiter auf seinen Gefangenen zu. Der hatte die Wand bereits im Rücken, also war eine weitere Flucht unmöglich.

Da es immer noch dunkel in der Zelle war konnte er den Piraten nicht wirklich erkennen. Nur die Schwere seiner Präsenz lag in der Luft und schemenhafte Schatten.

 

 Eine Berührung am Kopf, ließ den verletzen kurz zusammenzucken.

„Ich werde dir nichts tun. Du hast mein Wort. Zumindest noch nicht.“ Ein teuflischer Unterton schwang in den Worten mit und ließ Daniel frösteln. Vielleicht hatte sich der Missionar geirrt und der Pirat war doch so grausam wie der Admiral es sagte.

 Kühle Finger wickelten den Verband vom Kopf. Irrte sich Daniel oder machte er das mit Vorsicht um ihm keine Schmerzen zu zufügen?

…Pirat…

Er irrte sich bestimmt!

Piraten waren nicht vorsichtig. Und ganz bestimmt nicht zu Gefangenen.

„Warum wurde ich hierher gebracht? Sind der Admiral und seine Mannschaft tot?“ Fragen über Fragen schwirrten ihm im Kopf herum und da der Drahtzieher dieser Aktion auch noch direkt vor ihm stand, ließ er die Fragen seine Lippen verlassen.

 Plötzlich versteifte sich der Pirat und zog kräftig am Verband. Ein kleines, schmerzhaftes Zischen entglitt dem Missionar.

„Ich möchte kein Wort über diesen Abschaum auf meinem Schiff hören!“ Wütend geworden knallte Drake das Gitter zu der kleinen Zelle wieder zu und verriegelte sie.

  „Ich schicke jemanden vorbei, der dir Essen und Trinken bringt.“

Daniel sah dem Piraten hinter, als dieser die Treppe hoch stampft.

Warum war er plötzlich so wütend? Er war doch der Abschaum der Meere? Die Marine erfühlte nur ihre Pflicht.

Kaum hat Daniel den Gedanken zu Ende geführt öffnete sich wieder die Luke und ein weiterer Pirat kletterte, beladen mit einem Tablett und Lampe runter.

  Der Mann war viel kleiner und bestimmt schon in den älteren Jahren. Seine rötlichen Haare waren durchzogen mit grauen Strähnen und stramm nach hinten gebunden, was der angedeuteten Glatze nicht gut tat. Das Gesicht war überseht mit Sommersprossen, die Haut vom Wetter zerfurcht und zu Leder gegerbt, mit tiefen Falten, wie ein alter Lindenbaum mit seine Ringen.

  „Du hast bestimmt Hunger Jungchen.“ Er öffnete die Tür und betrat Daniels Schlafstelle. Der Höflichkeit halber nickte der Gefangene.

Er hatte nicht wirklich Hunger. Allein der Gedanke an Essen, ließ seinen Magen rumoren und sich hier zu übergeben war nicht in Daniels Ermessen.

 

  „Ich bin Dor McGabor. Tonys erster Maat.“ Stellte sich der Mann vor. Er war dem Blonden sofort sympathisch. Wirkte ruhig und überlegt. Deswegen war er bestimmt auch der Stellvertreter.

„Daniel Brighton.“

Dor nickte ihm zu und stellte die Lampe auf dem Boden ab.

„Ich dachte mir, die würde dir nützlich sein. Ist ziemlich düster hier drin.“

Seine schiefen Zähne blitzen, in einem Grinsen.

 „Du bist kein Soldat. Warum warst du also auf Macks Schiff?“

Dor war ein ziemlich neugieriger Mensch, wie er nun feststellen konnte.

Sie unterhielten sich eine lange Zeit und es tat wirklich gut.

Daniel erfuhr einiges über das Schiff -Destiny - über ihre Crew, doch kein Wort fiel über ihren Kapitän.

So ging die Zeit vorbei und Dor verließ ihn mit dem Versprechen, er würde Morgen früh wieder vorbei kommen um nach ihm zu sehen.

  Als Daniel auf der Pritsche lag, übernahm doch die Müdigkeit irgendwann die Oberhand und trotz des Schwindelgefühls und des stetigen Auf und Abs des Schiffes, schlief er ein.

 

 

  „Wir brauchen Vorräte. Bis zu Heavy Bay schaffen wir es nicht mehr.“ Anthony Drake stand mit seinem Smutje in der Kombüse und dieser zeigte ihm, die beinahe leeren Fächer. Außer Trockenfleisch, das vielleicht für drei bis vier Tage reichte, war alles leer.

 „Wie konnte das passieren!“

Er war fassungslos.

„In meiner ganzen Kariere als Pirat ist mir sowas einfältigen nicht untergekommen!“ Schimpfend knallte er die Kombüsentür lauter zu als beabsichtigt. Sofort zog sich sein Herz kurz zusammen. Er liebte die Destiny wie ein Familienmitglied und jeder Schmerz den sie erleidet, erleidet auch er. Sie war das Einzige was ihm noch geblieben war.

„Wir steuern den nächsten Hafen an!“

Die Crew setzte sich in Bewegung. Segel wurden gesetzt, Masten gehievt und Fahrt aufgenommen.

Zum Glücken waren sie nicht weit entfernt von Tortuga. Eine Stadt der Sünden, mit großem Handelhafen in dem sich das schlimmste und schrecklichste Gesindel in den sieben Weltmeeren herumtrieben.

„Dor!“, halte es durch das gesamte Schiff, doch eine Antwort blieb aus. „Wo steckt er?“, grummelte Anthony in seinen Dreitagebart. Immer wenn man ihn brauchte…

„Komme schon,“ erklang die müde Stimme des Viezen und keine Sekunde später tauchte auch schon sein Kopf aus der Lücke des Laderaumes. Skeptisch sah der Kapitän seinen Maat an. „Was hast du da unten gemacht?“,

„Unserem Gefangenen Essen gebracht“, der Ire warf seinem Käptn einen kurzen Blick zu.

„Setzt die Segel nach Tortuga, bitte.“ Tony klopfte dem Älteren auf die Schulter. Ein Zeichen der Dankbarkeit. Mehr Worte waren nicht nötig. Er selbst war nicht im Stande, sich um den Gefangenen zu kümmern. Seine Nähe war gefährlich. 

Das Schiff setzte sich schaukelnd in Bewegung, Richtung Tortuga.

 

Tumult brach auf der kleinen Schaluppe aus, kaum das Land in Sicht kam. Von jeder Ecke des Schiffes hörte man das Wort "Tortuga" rufen. Es war immer wieder ein Rätsel, wie die Mannschaft wusste wenn sie die Sündenstadt ansteuerten. Tony hatte mit keinem Wort erwähnt, was ihr nächstes Ziel war und wusste es die Mannschaft. Als hätten sie einen sechsten Sinn dafür. Kopf schütteln und lachend, begab sich der Kapitän in seine Kojute. Bald würden sie ihr Zeil erreicht haben und es gab noch einiges zu erledigen.  

Als Kapitän Drake sich das nächste Mal ans Deck begab, war die Mannschaft bereits Fleißig dabei die Beiboote fertig zu machen. Die Finsternis ist bereits hereingebrochen und es würde keinen Sinn mach jetzt auf Einkaufstour zu gehen. Und wie der Brauch der Piraten verlangte, war ein Saufgelage am Strand ihre einzige Priorität und dem wollte sie nun auch nachgehen.

„Drake, die Boote sind startklar,“ ein deutlicher Funken der Vorfreude leuchtete in den trüben Augen Dors.

„Macht euch schon mal auf den Weg, ich komme nach,“ Drakes Blick richtete sich auf die Luke zu den Zellen. McMurphy folgte dem Blick und zog eine Augenbraue in die Höhe, doch einen Kommentar verkniff er sich, drehte ab und war im Begriff seinen Kameraden zufolge, als die Stimme seines Kapitäns in kurz innehalten ließ: „Lass mir ein Boot hier.“ Der Grauhaarige nickte verstehend und verschwand nun endgültig. Zurück blieb nur er und sein Gefangener.

Eigentlich wollte er nur einmal kurz nach ihm sehne, doch nun stand er vor der Zelle, stumm und nicht wissend was er hier tat. Grummelnd fummelte er den Zellenschlüssel hervor. Die Tür schwang quietschend auf und blaue Augen musterten in skeptisch. Immer noch sagte keiner ein Wort. Selbst als Drake seinem Gefangenen Handschellen anlegte und ihn an Deck brachte, herrschte nach wie vor Schweigen.

„Steig ein,“ Tony richtet seine Augen auf das Boot, dass verlassen als letztes übriggeblieben war.

„Wieso sollte ich?“

Nicht mit Wiederworten gerechten zu haben, blickte der Schwarzhaarige den anderen Mann an.

„Weil du, nach wie vor mein Gefangener bist.“ Damit packte der Pirat den Blonden grob am Arm und zog ihn in das Boot. Dann ließ er es nieder und schwang sich selbst am Seil runter. Geschickt landete auf dem wackligen Holz. Das Wasser schwappte hin und her und benetzte den sitzenden Missionar. Dieser grummelte und verzog das Gesicht, was Tony zum Lachen brachte. „Sei kein Weichei.“ Immer noch grinsend, schnappte er die Ruder und paddelte gemächlich ans Ufer. Mit seinem Gefangenen im Schlepptau, trat er in den Lichtschein des Lagerfeuers und wurde prompt von seinen Leuten lauthals empfangen. Keine achtete auf den andere Mann und sollten sie ihn doch bewegt haben, so wurden keine Fragen gestellt.

Rum und Weinflaschen wurden im Kreis gereicht und sein Name gerufen. Er ließ sich von einem griesgrämigen Mann, mit einer Narbe quer über dem Gesicht, Rum einschenken. Dieses hielt er dem Blonden hinter sich entgegen, doch der sah seinen Gönner nur skeptisch an. „Ich trinke nicht.“ Grollte die dunkle Stimme mit einem Ernst, das keinen Zweifel in der Glaubwürdigkeit zuließ.

„Noch nie? Oder allgemein nicht mit Piraten?“ Drakes Stimme war ebenfalls ernst und tief blickte er in die blauen Augen.

„Noch nie“ konnte man da Stolz aus der Stimme hören?

Verblüfft weiteten sich die Augen aller Anwesenden, die das Hin und Her verfolgt hatten und wartete gespannt auf die Reaktion des Kapitäns. Dieser brachte auch prompt in schallendes Gelächter aus und drückte seinem Gegenüber das Glas noch fester gegen die breite Brust. „Dann wir es höchste Zeit“, zwinkerte er ihm zu und Daniel ergriff aus Reflex das kühle Getränk.

Toni nahm einen tiefen Schluck, ohne mit der Wimper zu zucken, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und blickte in die Runde.                       

Es bot sich ihm ein Anblicken, der die meisten abgeschreckt hätte. Frauen mit entblößtem Oberkörper räkelten sich in den Armen schmutziger, verwegen aussehender Männer, die man unmöglich für etwas anderes als Gesetzlose halten konnte und das wäre sie ja auch. Einige tanzten schwankend zu den Klängen einer Geige, die von einem alten, kleinen Mann mit Vollbart und strubbeligen Haaren gespielt wurde. Die Flackernden Lichter des Lagerfeuers, tauchten die Gestalten in ein mystisches Licht. Toni erblickte eine alte Freundin. „Lynette, du Engel meiner Alpträume, wie geht es dir?“                       

„Kapt´n Drake, du Abschaum leckendes Gewürm“, erwiderte Lynn und erhob sich grinsend. Lynette Bannon war einer der wenigen weiblichen Piratenkapitäne, die die karibischen Meere befuhr. Eine junge, rothaarige Schönheit die es faustdick hinter den Ohren hat. Mit ihr sollte man sich nicht anlegen. Ihre Mannschaft stand zu Hundertachtzig Prozent loyal hinter ihr.                                                                                                   

Die beiden schlugen sich freundschaftlich auf die Schulter und setzen sich ans Feuer.                                                       

„Lange nicht gesehen, meine Hübsche“, sagte Drake und musterte die schlanke Silhouette. Sie hatten da mal so „DING“, vielleicht könnten man es wiederholen?

Lachend schwang sie den Kopf in den Nacken und der rote Zopf, der ihr bis zur Hüfte reichte, bewegte sich mit jedem Kopfwackeln in Takt mit. Dann richtete sich ihr Blick an Drake vorbei nach oben auf den Blonden, der immer noch mit dem Glas in der Hand hinter Drake stand und in die Flammen starte. Alles um sich herum abschirmend.

„ Ist das der Missionar?“ Fragend sah sie wieder Tony an.

Dieser zog überrascht seine Augenbraue in die Höhe. Woher zum Teufel wusste sie von ihm?

Und als hätte Lynette seine Gedanken gelesen, kam auch schon die Antwort. „In der Stadt erzählt man sich du hättest eine Begegnung mit Mack und hättest es auch noch überlebt“ ihr Blick sprach Bände als es wieder auf Daniel viel, „und sogar einen Gefangenen erbeutet“, sie räusperte sich und funken sprangen aus ihren blauen Augen. „Und was für einen“ gierig musterte sie den Blonden.

Dieser Blick gefiel Tony überhaupt nicht. Sonst hat Lynn ihn immer sooo angesehen.

Knurrend bellte er nach Hinten. „Trink schon das verdammte Gesöff und steh nicht so dumm in der Gegend rum.“

Warum war er plötzlich so wüten? Der Blonde konnte doch nichts dafür das Lynn ihm mehr Aufmerksamkeit zuteil lies als Tony.

Eine kleine Welle der Schuld durchströmtet ihn und frustriert ließ er die Hand durch seine Haare wandern.

„Ich habe aber auch von dir so einiges gehört“, wechselte er das Thema.

Lynn blickte in wieder an.

„Ein reicher Händler, beladen mit Seide, die das Herz jedes Seeräubern, der was auf sich hält, höher schlagen lässt.“                                                                      

„Ach ja, das“, winke sie Rote grinsend ab. „Das war nur eine Lappalie, ein Huhn welches darauf gewettet hatte, geruht zu werden…“ lachte sie und auch Drake stieg in das fröhliche Gelächter ein.                                                                                                                  

„Ach Lynn, es ist schön dich wieder zu sehen“

„Schön genug, um es unter Beweis zu stellen?“, fragte sie listig. „Es denken doch eh fast alle, das wir Bettgefährten sind, was wäre schon dabei…“ zur Verdeutlichung ihrer Worte ließ sie ihre Hand auf Tony Knie sinken und fuhr hauchzart empor. Keck leckte sie sich über die Lippen und beugte sich langsam vor. Der Einlassung gerne nachkommend, stahl sich seine Hand in die roten Locken und zogen die Kapitänin in einen Kuss zu sich. Doch ehe er es vertiefen konnte brach lauter Tumult aus. Die Flamen vor ihm schlugen mit einem Mal Meter hoch in die Luft und so mancher der zu nah daran saß, sprang fluchend auf und rannte Richtung Wasser, um sich die verbrannten Stellen zu kühlen. Auch Tony sprang auf und sein Blick huschte wie automatisch nach Hinten zu seinem Gefangenen doch der war weg. „Verdammt“, fluchte er rau. Wieso hat er ihn überhaupt mit hierher genommen?! Er könnte sich in den Hintern treten dafür. Es war zu dunkel um jetzt nach ihm zu suchen. Morgen würde er sein Männer auf den Blonden ansetzten und hoffen sie fanden ihn.  

Doch dazu würde es nicht kommen.

Und keiner der beider Männer hätte jemals gedacht, das sich ihre Wege wieder kreuzen würden…

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Kurzbeschreibung

Anthony Drake ist Pirat aus Leidenschaft und nur auf Rache aus. Sein ganzes Sein beruht nur auf diesem einen Ziel. Bis ihm Daniel Brighton in die Finger gerät. Ein Missionar auf göttlicher Mission. Kann er den Kapitän läuten oder verfällt er selber dem gutaussehenden Kapitän der Destiny?

Kategorisierung

Diese Story wird neben Abenteuer auch in den Genres Liebe, Drama und Erotik gelistet.