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Kleider machen Leute

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12.05.20 09:49
Fertiggestellt

2 Charaktere

Elrond Peredhel

Auch wenn Elronds leiblichen Eltern niemand geringeres als Earendil und Elwing sind, wuchs Elrond zusammen mit seinem Zwillingsbruder Elros im Ersten Zeitalter bei Maglor in Ossiriand auf. Nach dem Untergang Beleriands schloss er sich Gil-galad an und wurde dessen Herold. Seit Imaldris im Zweiten Zeitalter gegründet wurde, ist er der Herr von Bruchtal.

Elros Tar-Minyatur

Elros Tar-Minyatur ist der Zwillingsbruder Elronds und der Sohn Earendils und Elwings. Die Brüder wuchsen jedoch in der Obhut ihres Adoptivvaters Maglor in Ossiriand auf. Elros entschied sich für ein Leben als Mensch und gründete das Königreich von Númenor. Sein Krönungsname bedeutet Erstherrscher.

Elrond! Elrond, wach auf!“

Gil-galads Herold wurde unsanft wachgerüttelt. Er brummelte missmutig, zog sich die Decke bis zu den Ohren und drehte sich auf die andere Seite.

Bruderherz, nun mach schon!“

Onkel Elrond!“, plärrte eine helle Kinderstimme, und vor Schreck saß Elrond nun im Bett. Vardamir, sein kleiner Neffe, sprang stürmisch auf sein Bett und strahlte ihn breit an. Neben sich sah er Elros, der ihn geweckt hatte. Ein schelmisches Glitzern lag in den grauen Augen seines Zwillingsbruders. Er grummelte ihn missmutig an.

Was soll das?“, knurrte er.

Du Schlafmütze“, neckte Elros ihn. „Ich hatte heute Morgen eine geniale Idee! Lómelinde und Vardamir wissen auch schon Bescheid.“

Elrond verdrehte die Augen.

Lass uns für einen Tag Rollen tauschen!“, verkündete sein Bruder.

Er sah ihn irritiert an. „Aber Elros, das geht doch nicht! Du bist König, nicht ich! Außerdem fällt das doch auf!“

Vardamir schüttelte den Kopf, dass seine dunkelbraunen Locken wild umher flogen. „Bestimmt nicht“, war er sich sicher. „Mama verwechselt euch doch auch immer. Und sie ist meine Mama!“

Elros grinste triumphierend. Er wusste genau, dass sein Sohn sehr nach ihm kam und hatte ihn wahrscheinlich deswegen zum Wecken mitgebracht. „Siehst du“, hielt er Elrond vor. „Selbst Lómelinde kann ihren eigenen Göttergatten nicht immer von seinem herzallerliebsten Bruder unterscheiden. Außerdem machst du in Forlond doch sowieso meist Gil-galads Arbeit, das hier ist kein allzu großer Unterschied. Und heute steht sowieso kaum etwas an.“

Sie schrieben das Zweite Zeitalter dieser Welt. Morgoth war gestürzt, Beleriand war nicht mehr und die Elben hatten in Mittelerde eine neue, blühende Heimat gefunden. Die Valar hatten den Menschen die Insel Númenor gegeben und Elros zu ihrem ersten König ernannt. Das einzige Problem in all diesen wunderbaren Zeiten: Elros war gern zu Scherzen aufgelegt.

Meinst du nicht, dass das als Frechheit angesehen wird, als… nun, Dreistigkeit?“, wagte Elrond einen letzten Versuch seinen Bruder davon abzubringen.

Elros‘ unerschütterliches Grinsen war ihm Antwort genug. Und wenn er ehrlich war: Er mochte die Idee selbst, auch wenn er noch so sehr auf Etikette bedacht war und obwohl sowohl er als auch sein Bruder der Ansicht waren, dass sie sich gar nicht so ähnlich waren. Nur der Rest der Welt schien das anders zu sehen… Es war immerhin schon vorgekommen, dass man Elrond schon auf früheren Besuchen auf Númenor mit Tar-Minyatur, dem Krönungsnamen seines Bruders, oder „Euer Majestät“ angesprochen hatte, ohne dass sein Bruder und er es darauf hatten ankommen lassen.

Es war noch vergleichsweise früh, besonders für Elronds Verhältnisse. Elros‘ Plan kam dies gerade recht. Um die Täuschung perfekt zu machen, hatte er beschlossen, dass sie die Kleidung tauschten, und schon war Elrond für einen Tag König Númenors.

Skeptisch besah er sich im Spiegel und rückte Elros‘ Krone auf seinem Kopf zurecht. „Meinst du wirklich, dass das nicht auffällt?“, fragte er.

Vardamir hüpfte aufgeregt um ihn herum. Mittlerweile war auch seine Schwägerin dazugekommen und musterte die Zwillinge grinsend.

Ihr seid mir zwei!“, lachte sie.

Elros zuckte mit den Schultern. „Du wolltest mich heiraten, mein Schatz, jetzt musst du mich nehmen, wie ich bin. Aber ich vergaß, für heute hast du ja meinen Bruder geheiratet!“

Elrond lachte. „Armer Elros, jetzt musst du deine Familie an mich abtreten!“

Der eigentliche König seufzte theatralisch. „Junggeselle, welch Qual! Aber was soll’s. Los, komm, sonst kommst du noch zu spät zu deinen Staatsgeschäften!“ Er grinste süffisant.

Er wollte lieber nicht wissen, was sein Bruder ihm da aufgedrückt hatte…

Schnell war Elrond in die heutigen Staatsgeschäfte eingewiesen, dann ließen die Zwillinge ihren neuesten Plan auf die Welt los und tauschten für einen Tag die Rollen. Zu Elronds leisem Erstaunen fiel es tatsächlich niemandem auf, nicht einmal Elros‘ Beratern. Er musste lediglich aufpassen, dass er auf die ungewohnten Anredeformen reagierte. Was Kleidung doch alles ausmachte.

An diesem Tag musste Elrond lediglich einigen Bittgesuchen stattgeben. Er machte sich einen kleinen Spaß daraus, diese vielleicht nicht ganz dem Ansinnen seines Bruders entsprechend zu beantworten. Danach stand ein Besuch in den Werften an, was eine längere Kutschfahrt nach Rómenna bedeutete. Momentan vergrößerte Elros, da er nun einmal ein Seefahrerkönig war, seine Flotte, und Elrond sollte sich als König für einen Tag vom Fortschritt des Baus überzeugen.

Elros indes machte sich einen schönen und entspannten Tag. Sein Bruder hatte von Gil-galad Urlaub bekommen, den er quasi immer auf Númenor bei Elros verbrachte. Da auch dieser seinen Spaß an diesem Rollentausch haben wollte, beschloss er, dem Hohen König im Namen seines Heroldes und Beraters einen etwas verwirrenden Brief zu schreiben. Die beiden Peredhil verstanden sich schon seit Jahren sehr gut mit Gil-galad, und Elros wusste, dass Fingons Sohn sehr wohl solche Scherze verstand – er war ja selbst bei weitem nicht der gestrenge König, der er vielleicht sein sollte.

Elrond kam erst am Abend von seinem Besuch in der Hafenstadt wieder und war reichlich durchgerüttelt von der Kutschfahrt. Elros hatte bedingt durch einen Unfall in seiner Kindheit eine fundamentale Abneigung gegen Pferde und bevorzugte daher diese Art des Reisens. Elrond wäre zwar viel lieber geritten, aber er musste seine Rolle spielen. Und er hatte auch seinen Spaß daran gefunden, stets musste er aufpassen, dass er nicht dümmlich in sich hinein grinste, da er sich fragte, was wohl passieren würde, wenn sein Bruder und er den Rollentausch aufdeckten.

Elros erwartete ihn bereits mit seiner Familie auf einem kleinen Balkon in seinem privaten Flügel des Palastes. Die Abendsonne versank soeben hinter dem Meneltarma und warf lange Schatten auf die Königsstadt des Inselreiches. Etwas gerädert von der Kutschfahrt streckte sich Elrond und betrat den Balkon.

Soeben servierte eine Dienerin auf einem Tablett der Königsfamilie Wein. Als sie Elrond sah, verbeugte sie sich eilig. „Mein König.“

Elrond konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Du kannst gehen“, entließ er die Dienerin, welche sich daraufhin zurückzog.

Er setzte sich zu seinem Bruder und seiner kleinen Familie. „Na, wie war dein Tag?“

Urlaub pur!“, rief Elros aus. „Das müssten wir öfters machen! Den ganzen Tag herumhängen und nichts tun, ein Traum.“

Elrond knuffte ihn in die Seite. „Jetzt weiß ich, warum du auf diese Idee kamst!“, scherzte er. „Du wolltest nur, dass ich deine ganze Arbeit leiste! Du musst deine Kutsche übrigens mal wieder besser federn lassen.“

Ach, ich vergaß ja“, grinste Elros. „Mein armes Brüderchen ist an der Kehrseite ja so zart gebaut!“

Elrond kniff die Augen zusammen. „Das sagt der Richtige, der sich nicht einmal auf ein Pferd traut!“, frotzelte er.

Sein Bruder schnaubte. „Du weißt genau, wie Onkel Maedhros‘ Gaul war! Und wenn mir solch ein Vieh auf den Fuß tritt, kann ich ja auch nichts dafür, dass das bis heute haften blieb.“

Er grinste. „Also ich hatte nie Probleme mit Onkel Maedhros‘ Pferd. Es war recht groß und heißblütig, das ja, aber ansonsten…“

Lómelinde sah schmunzelnd von einem zum anderen. „Bei solchen Gesprächen bin ich geneigt euch Glauben zu schenken“, sagte sie. „Zumindest wenn man euch kennt, weiß man doch, wer von euch wer ist.“

Elros ergriff ihre Hand und lächelte strahlend. „Da bin ich doch froh! Nicht, dass meine eigene Gemahlin mich noch meinem Bruder vorzieht. Wo kämen wir denn da hin?!“

Sie lachte.

Elrond zeigte sich gespielt entrüstet. „Also Elros!“, rief er aus. „Du weißt doch, wie das mit mir und den Damen ist. Und dann auch noch Lómelinde, also wirklich! Was du nur wieder von mir denkst. Onkel Maglor hat dich eindeutig verzogen.“

Elros schnaubte, während Lómelinde grinste. „Aber immerhin zeigt dieser heutige Tag etwas recht Interessantes, wie ich finde“, schloss sie. „Kleider machen Leute.“

Autorennotiz

Ein alter Text von 2014, den ich zufällig in meiner Sammlung wiederfand und spontan beschloss, ihn wieder zu posten. Da ich völlig vergessen hatte, dass ich dazu bereits etwas geschrieben hatte, besteht bei mir die Überlegung, den Text noch einmal neu zu schreiben. Hätte er ehrlich gesagt auch nötig. Aber als was kleines zwischendurch zum Schmunzeln ganz ok, denke ich.

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Autor

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Sätze:112
Wörter:1.316
Zeichen:7.876

Kurzbeschreibung

Elros hat eine fixe Idee: Warum nicht einmal für einen Tag mit seinem Bruder die Rollen tauschen? Da Elrond ihm nie etwas abschlagen kann, ist also er nun für einen Tag König vom Númenor.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Familie, Fluff, Gen, OneShot und Zweites Zeitalter getaggt.