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My personal One Piece

73
17.01.21 12:51
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Die Fanfiction entstand ca. im Jahr 2015. Damals ging der Dressrosa-Arc gerade zu Ende. Dementsprechend sind aktuellere Infos zu Inseln, Piraten und Co. nicht berücksichtigt. Da der Hauptchar hier allerdings ein OC von mir ist und es somit als alternativ Geschichte angesehen werden kann, zeige ich sie euch trotzdem :)

Die Fanfiction ist abgeschlossen und ich werde jede Woche ein Kapitel hochladen.

Charaktere

"Dämonenschatten" Sharina

Steckbrief   · 1,70 m groß · Grüne Augen · Hellbraune Haare (bis zur Mitte des Kreuzes) · Waffe: eine Art Messer, welches seine Form ändern kann und so auch Schwert oder Speer sein kann · Kopfgeld: 470.000.000 Berry

„Zorro-senpai!“ Bartolomeo reißt die Tür auf und stürmt in den kleinen Raum der Hütte. Alle Anwesenden schauen erwartungsvoll in seine Richtung.

„Oi Huhn-san.“
„Ehhh!! Luffy-senpai!! Du bist ja wach!!! Gleich fünf Mitglieder der Strohhutbande. Ihr Licht strahlt so hell.“ Bartolomeo vergießt Tränen der Freude und scheint völlig vergessen zu haben, weshalb er hergekommen ist.

„Reiß dich zusammen und sag, weshalb du hier bist!“ schreit Zorro ihn an. Bartolomeo beruhigt sich wieder und wird schlagartig ernst.

„Die Marine ist auf dem Weg. Und nicht nur das O-Tsuru und Sengoku sind bei ihnen.“

„WAAAS?“ Ussop springt auf und verfällt in Panik. Kyros versucht Ruhe in die Situation zu bringen und erklärt den anderen etwas, doch Law bekommt das alles nur am Rand mit. Er fragt sich, was Sengoku hier zu suchen hat. Seit dieser vom Posten des Großadmirals zurückgetreten war, gehört er nun der Aufsicht an. Lange hat man nichts mehr von ihm gehört, weshalb sein Auftauchen hier sehr außergewöhnlich ist.

„Na dann los!“ Bei der lauten Ansage schreckt Law hoch. Sie würden aufbrechen und er musste wohl oder übel mit. Seine Crew wartet auf Zou auf ihn. Beim Verlassen des Hauses fragt er sich, wo Rina wohl stecken mochte. Das Mädchen, dass er schon so lange kannte und das er niemals gehen lassen würde. Eigentlich ist sie mit 24 Jahren schon eine Frau, aber für ihn würde sie immer ein Mädchen bleiben. Auch wenn sie bis vor kurzem einiges vor ihm verheimlicht hat, so kann Law ihr nicht böse sein. Im Gegenteil er ist dankbar. Nachdem der Strohhut Flamingo besiegt hatte und er allein an einer Mauer gelehnt dasaß, kam Rina zu ihm. Sie erzählte ihm, dass sie vor 13 Jahren auf Minion alles gesehen und ihn gerettet hat. Dass sie ihn versteckt und sich als er ausgegeben hat. Dass die Marine sie deshalb verfolgte und somit auf eine falsche Spur geriet. Dass sie seinetwegen das Leben als Pirat auf sich genommen hat. Um ihm, einem Fremden Jungen, zu helfen. Law würde ihr das nie vergessen. Und er würde dafür sorgen, dass auch sie, so wie er selbst, einen Abschluss finden würde. Doch dazu musste er weiterleben und in diesem Moment heißt das rennen. Sein Arm schmerzt und auch die Wunden an Brust und Beinen tuen unglaublich weh. Doch er musste den östlichen Hafen und das Schiff erreichen.

 

Die Gruppe um Law und die Strohhüte hat die Stadt erreicht und hetzt immer weiter Richtung Osten. Unterwegs rennen sie an Bekannten vorbei, die im Kolosseum und später im Kampf gegen die Don Quichotte Familie, gekämpft haben. Sie alle waren nun auf ihrer Seite und würden die Marine aufhalten. Die Gruppe rennt gerade eine Straße hinunter, als jemand Law’s linkes Handgelenk ergreift und nach rechts zieht. Von der unbekannten Person geführt, laufen sie eine Seitenstraße entlang. In einer dunklen Gasse bleiben sie stehen. Die Person dreht sich zu Law und nimmt die Kapuze ab.

„Rina!" entfährt es ihm. Sie legt einen Finger auf ihre Lippen und bedeutet ihm Still zu sein. Sie macht eine fast nebensächliche Handbewegung und bewegt leicht die Lippen. Als Law sich gerade fragt, was das sollte, bemerkt er die Stille. Er hörte nichts. Die Menschen waren verstummt. Er sieht sich um. Die Menschen auf den anderen Straßen bewegen die Lippen, als würden sie sprechen. Eigentlich müsste er Stimmen und Geräusche hören doch es ist still. Da fällt ihm ein, dass er das schon einmal erlebt

hat. Damals vor so langer Zeit, als er zum ersten Mal mit Corazon gesprochen hat. Law fragte sich, wer wohl für diese Stille gesorgt hat. Auf einmal fällt es ihm ein. Mit weit aufgerissen Augen starrt er Rina an. Das konnte nicht wahr sein. Warum sollte sie eine so unnütze Teufelsfrucht essen.
„Hast du etwa…“
„Ja. Ich habe die Lautlos-Frucht gegessen.“ Die ganze Zeit hat sie Law ruhig angesehen. Und auch diese Tatsache scheint ihr nicht schwer über die Lippen zu kommen.

„Wie konntest du das tun. Diese Teufelsfrucht ist doch nutzlos! Du wirst nie wieder schwimmen können und das wegen so einer dummen Fähigkeit! Sag bloß du wusstest nicht, dass es die Lautlos-Frucht war. Du bist doch nicht so dumm einfach irgendeine Teufelsfrucht zu essen!“ platzt es aus ihm heraus. Da ihn sowieso außer Rina niemand hört, spielt es eh keine Rolle wie laut er schreit.

„Dann solltest du ab jetzt besser aufpassen, dass du nicht ins Wasser fällst. Ich kann dich nicht mehr aus dem Wasser fischen.“ entgegnet sie völlig gelassen.

„Aber wieso? Wieso tust du das? Wieso ausgerechnet diese Frucht?“ Tränen steigen ihm in die Augen. Sein Blick verschwimmt und er fällt auf die Knie. Er legt die Hände auf sein Gesicht, um die Tränen zu verbergen. Und um ihren mitleidigen Blick nicht zu sehen.

„Wieso? Wieso macht ihr immer so dumme Sachen?“ spricht er leise zu sich selbst.

„Law…“

„Diese Teufelsfrucht bringt einen doch nur ins Grab. Wenn man den Feind nicht mehr hört…Was hat das für einen Sinn.“ unterbricht er sie.

„Law. Es ist okay.“ sagt Rina sanft und legt ihre Hände auf seine Schultern.

„Es ist alles okay. Niemand wird sterben.“ Sie kniet vor ihm und zieht ihn zu sich. Er lässt die Umarmung zu und zum ersten Mal seit 13 Jahren unterdrückt er seine Gefühle nicht mehr. Es ist als würde eine Last von ihm abfallen. Er weint alle Tränen der letzten 13 Jahre. Vergießt Tränen für seine Eltern, seine Schwester, die Nonne, seine Freunde aus Flevánce, die harte Zeit die er hatte, die Menschen, die seinetwegen verletzt wurden aber am meisten Tränen vergießt er für Corazon. Den Mann, der ihn Monate lang von einem Krankenhaus zum nächsten geschleift hat um ihn zu heilen. Den Mann, der gestorben ist um ihn zu retten.

 

Immer wieder werfen die Leute der Heart-Piratenbande einen besorgten Blick Richtung Meer. Am Schiff angekommen hat die Gruppe der Strohhüte bemerkt, dass Law nicht mehr bei ihnen war. Kurz darauf kam eine Krähe mit einer Nachricht, die besagte, dass Law nachkommen würde. Das war am Morgen, doch nun war es schon Abend. Die Sonne neigte sich langsam gen Horizont. Die Gruppe hat am Ankerplatz der Schiffe ein Lagerfeuer entzündet und wartet nun angespannt. Naja fast alle. Luffy und einige seiner Crew schlafen seelenruhig. Bartolomeo hat sich kurzfristig entschieden mit ihnen zu kommen und schaut nun nervös umher. Auch wenn Law nicht zu seinen Idolen gehört, so ist der doch ein Freund des Strohhuts. Ein Rascheln ertönt und die am Lagerfeuer sitzenden Piraten zucken zusammen. Alle blicken zum Wald und erwarten ein Monster. Stattdessen treten Rina und Law, wobei sich letzterer auf Rinas Schulter stützt, aus dem Wald.

„Captain!“ bemerkt Bepo als erster.

„Tut uns Leid. Hat etwas länger gedauert und dann haben wir abseits der Schiffe angelegt, falls uns jemand folgt.“ erklärt Rina ohne Umschweife. Law lässt sich neben dem Feuer auf den Boden fallen. Sofort versammelt sich seine Crew um ihn. Sie alle verziehen besorgt die Gesichter, was vollkommen verständlich ist. Ihr sonst so standhafter und unverwüstlicher Käpt’n ist verdreckt, müde und schwer verwundet. Bandagen an Oberkörper, Beinen und seinem ehemals abgetrennten, rechten Arm zeigen, wie schwer der Kampf gewesen sein muss. Law winkt alle Fragen, ob es ihm denn gut ginge, mit der Linken ab. Es sei alles okay, war das einzige, was er dazu sagt.

„Was geht denn bei euch ab? Habt ihr eine Ahnung was für Sorgen wir uns gemacht haben?“ poltert Bartolomeo los. Alle Blicke richten sich auf ihn.

„Was hat das dich zu interessieren? Und warum bist du eigentlich hier?Hast du nicht auch eine Bande?“ fragt Rina.

„Die kommen klar und wissen wo sie mich finden. Aber lenk nicht vom Thema ab! Luffy-senpai und die anderen haben sich Sorgen gemacht! Ihr seid einfach verschwunden und…“ mehr hören sie nicht mehr. Law, der seine Hand schon auf sein Gesicht gelegt und sich mit dem Ellenbogen auf dem Bein abstützt, schaut bei der abrupten Stille verwirrt zu Bartolomeo. Dieser gestikuliert wie verrückt und scheint zu schreien, doch kein Laut ist zu hören. Fragend schaut er zu Rina.
„Und du sagst diese Fähigkeit wäre nutzlos.“ bemerkt sie grinsend. Auch Law kann sich bei diesem Anblick ein Lächeln nicht verkneifen.

Nachdem Bartolomeo sich ausgetobt hat, wird Law von Fragen seitens seiner Crew überschüttet. Wie es gelaufen ist und was nun geschehen würde. Rina lächelt und wendet sich dann ab. Sie entfernt sich von dem Feuer und der Gruppe. Der Weg führt leicht bergauf, bis er in einer Klippe endet, an deren Rand sie sich setzt. Sie schaut aufs Meer und hoch zu den Sternen.

„Hey Corazon. Erinnerst du dich an mich? Ich bin die Kleine von Minion weißt du noch? Law hat mir viel von dir erzählt. Ich passe jetzt für dich auf ihn auf… Naja eigentlich tue ich das ja schon seit Jahren.“ Sie blickt zum Boden, nur um kurz darauf wieder direkt zu den Sternen zu sehen.

„Heute haben wir deinem Bruder endlich die Hände gebunden. Na gut es waren Luffy und Law. Du hast es doch gesehen oder?“ Sie hält inne, als erwarte sie eine Antwort, doch es bleibt still.

„Ich weiß es ist merkwürdig, dass ich erst heute mit dir rede… wenn man das so nennen kann…aber als ich sah, wie Law so verbissen kämpft…da hab ich erst verstanden wie sehr er an dir hängt. Und das es für ihn ohne diese Aktion kein Ende gehabt hätte. Danke, dass du dich so gut um ihn gekümmert hast. Ich hoffe du bist damit einverstanden, wenn ich auf ihn aufpasse.“ In diesem Moment fliegt eine Sternschnuppe über den Sternenhimmel.

„Ich fasse das mal als ein ‚Ja‘ auf.“

„Mit wem redest du?“ Rina schreckt auf und dreht sich in die Richtung, aus der die Stimme kommt.

„Law! Ach…nur mit einem alten Freund.“ Sie dreht sich wieder zum Meer und zieht die Beine an, um sie mit den Armen zu umschlingen. Law setzt sich neben sie. Schweigend sitzen sie nebeneinander.
„Was ist mit deiner Crew?“

„Die schlafen.“

„So schnell? Wie hast du das angestellt?“

„Sie brauchen nicht viele Informationen, um beruhigt zu schlafen.“ Sie lacht laut auf. Auch Law lächelt in die Dunkelheit der noch jungen Nacht hinein.

„Wie lang hast du die Teufelskräfte schon?“

„Etwa zwei Tage. Ich habe lange danach gesucht und sie vor etwa 5 Jahren gefunden. Eigentlich wollte ich sie dir geben, aber nach dem Krieg vor zwei Jahren wurde mir die Teufelsfrucht gestohlen. Als ich auf Dressrosa ankam und etwas herumgeschnüffelt habe, fand ich heraus, dass Doflamingo die Lautlos-Frucht hat. Also hab ich die Frucht zurückgestohlen. Aber um da wieder rauszukommen musste ich…“

„Die Frucht essen, damit du dich verbergen konntest.“ beendet Law ihren Satz und Rina nickt nur.

„Du hättest die Frucht nicht holen müssen. Doflamingo wusste nicht, dass Cora-san Teufelskräfte besaß.“

„Wir wissen beide, dass das dein nächstes Ziel gewesen wäre. Und dass sie auf Dressrosa war, wäre Grund genug für dich gewesen nochmal eine Verrücktheit zu begehen.“ Er schweigt und weicht ihrem Blick aus.

„Ich kenn dich Law. Was glaubst du wie ich sonst mit so gutem Timing hergekommen bin?“ Law stutzt und zieht fragend die Augenbrauen zusammen.

„Wie meinst du das?“

„Oh bitte! Glaubst du ich lasse dich ins offene Messer laufen, ohne Vorkehrungen zu treffen dich dort, falls notwendig, rauszuholen?“ Law will gerade zu einer weiteren Frage ansetzen, doch Rina ist schneller.

„Vor zwei Jahren auf dem Sabaody Archipel… du hast damals diesen Blick gehabt, als hättest du einen Entschluss gefasst. Selbst als eure Chance geringer wurden dort heil rauszukommen, hast du verbittert an etwas festgehalten. Und auf Amazon Lily wusste ich es dann. Du hast alles daran gesetzt Luffy zu retten, weil du ihn als deinen Verbündeten gegen Doflamingo ausgewählt hast. Du hast die letzten Jahren nur darauf gewartet, dass die Strohhutbande wieder auftaucht.“

„Bin ich so leicht zu durchschauen?“ Ein bitteres Lachen kommt über seine Lippen.

„Nein. Es war nicht leicht zu durchschauen. Aber eins versteh ich nicht. Eure Chancen waren bis zur letzten Minute gleich Null. Warum hast du deine Leute hierher geschickt?“

„Sie sind stark… aber keine Gegner für Doflamingo und seine Leute. Ich habe nicht vor, sie meinetwegen sterben zu lassen.“ Law verschränkt die Finger ineinander und knetet sie. Das macht er immer, wenn er über etwas spricht, das ihm unangenehm ist. Auch weicht er wieder ihrem Blick aus.

„Die Marine kann sagen was sie will. Du bist in dieser Welt einer von den Guten.“ Er sieht zu ihr hinüber. Sie lächelt ihn sanft an.

„Musst du mir jetzt auch noch meinen Ruf kaputt machen?“ Bei diesen Worten konnte er selbst nicht ernst bleiben und lacht. Noch bis tief in die Nacht reden die beiden und albern herum, bis sie oben auf der Klippe einschlafen.

Der Horizont hat ein leuchtendes Kobaltblau angenommen, als Law aufwacht. Er spürt ein ungewohntes Gewicht auf seiner Brust. Er versucht sich vorsichtig aufzurichten, um zu sehen woher dieses Gewicht kommt. Rina hat ihren Kopf auf seine Brust gelegt. Friedlich schlafend liegt sie da. Langsam lässt Law sich wieder zurück fallen, um sie nicht zu wecken. In diesem Moment kommt Shachi die Klippe hinauf.

„Oi!“ ruft er schon von weitem. Sofort schreckt Rina hoch.

„Ich bin wach!“ murmelt sie verschlafen und streicht sich die Haare aus dem Gesicht. Verwirrt schaut sie sich um. Law verflucht sein Bandenmitglied in Gedanken und setzt sich auf.

„Ach für dich. Dann gute Nacht.“ sagt Rina, als sie Shachi entdeckt und legt sich wieder ins Gras, um weiter zu schlafen. Law schaut sie schmunzelnd an.

„Käpt’n die Mannschaft erwartet Befehle.“ erklärt der Rotschopf, nachdem er die beiden erreicht hat.

„Und dazu musst du hier rumbrüllen, dass uns selbst die Marine noch hört? Die sind uns sowieso schon auf den Fersen.“ bemerkt Law scharf.

„Lass ihn in Ruhe. Die Marine kriegt euch schon nicht.“ murmelt Rina ohne sich im geringsten zu bewegen. Die beiden Männer schauen zu ihr hinunter.

„Na los Kleine steh auf.“ Law steht auf und stupst Rina mit dem Schuh an.

„Geh schon mal vor.“

„Das kannst du vergessen. Hopp!“

„Du willst dich nicht mit mir anlegen.“ meint sie selbstsicher. Law blickt zu Shachi und weist mit einer Kopfbewegung auf Rina. Dieser versteht und bringt sich bei ihren Füßen in Stellung. Auf ein Zeichen Law’s greift er nach Rinas Beinen und Law unter ihre Arme. Sofort ist Rina hellwach.

„Hey! Was macht ihr? Law lass mich los! Jungs ich warne euch! Lasst mich runter! Sofort!“ brüllt sie und versucht sich zu befreien, doch Shachi hat ihre Beine fest im Griff und wegen Law’s Verletzungen hält sie sich mit ihren Armen zurück. Nach einigen Metern sieht sie ein, dass es keinen Sinn hat und lässt sich den Rest des Weges tragen. Zu ihrer Verwunderung gehen die beiden mit ihr am Lagerplatz vorbei weiter Richtung Strand.
„Was…was habt ihr vor? Juuuuuungs! NEIN!“ kreischt Rina noch, bevor sie im kühlen Nass des Meeres eintaucht. Da das Wasser am Strand sehr flach ist, kann sie sich schnell wieder aufrappeln und steht durchnässt etwa knietief im Wasser. Die anderen wurden durch ihr Geschrei geweckt und haben alles beobachtet. Nun scheint jeder gespannt darauf zu sein, was sie nun machen wird. Shachi ist klug genug sofort Sicherheit bei seinen Kameraden zu suchen. Law hingegen steht lächelnd am Strand genau so, dass das Wasser ihn nicht erreicht.

„Na warte.“ flüstert Rina leise mehr zu sich selbst, als zu jemand anders. Sie macht einen Satz nach vorn, holt mit dem Bein aus und schafft es mit einem Tritt eine beeindruckende Menge an Wasser auf Law zu schießen. Dieser kann nicht schnell genug reagieren und ist nun ebenfalls von der Brust abwärts nass. Da er schützend die Hände vors Gesicht gehoben hat, bemerkt er nicht wie Rina mit

wenigen Schritten bei ihm ist und auf den Boden wirft. Bei der nächsten Welle sind beide von oben bis unten durchnässt. Da ihnen das Salzwasser wegen der Teufelskräfte stark zusetzt, bleibt es bei diesem einen Angriff. Die beiden rappeln sich hoch und wringen so gut es geht ihre Klamotten (und Rina ihre Haare) aus. Nach dem Frühstück fahren sie mit Booten zu den Schiffen. Zum einen, weil Rina und Law trockene Kleidung brauchten und zum anderen, weil sie nicht zu lange auf Zou bleiben wollen, da die Marine noch immer hinter ihnen her ist. An Deck der Schiffe versammeln sich alle, um zu entscheiden wie es nun weiter gehen soll. Rina hat von Law ein gelbes Shirt mit schwarzen Ärmeln bekommen, auf dem sein Jolly Roger gedruckt ist. Da Law um einiges größer ist, reicht ihr das Shirt bis über den Po. Dazu trägt sie eine kurze, schwarze Hose, die ihr Nami zugeworfen hat. Desinteressiert schaut sie in die Runde.

„Yo Traffy. Was wird nun aus dem Kaiser?“ fragt Luffy hoch motiviert in die Runde. Der Strohhut erweckt den Eindruck, als könne er gleich wieder in den nächsten Kampf stürzen. Da ist er jedoch der Einzige.

„Nichts. Wie gesagt: Ich habe euch nur benutzt um meine eigenen Ziele zu verfolgen. Es ging nie um Kaido, sondern nur um Doflamingo.“ Rina hört den Unterton in Law’s Stimme, der ihr verrät, dass es ihm Leid tat die Strohhutbande so benutzt zu haben. Da ist sie jedoch die Einzigste. Für Luffy ist das keine neue Information, doch seine Crew hört das zum ersten Mal. Diese und, weiß der Teufel warum der immer noch hier ist, Bartolomeo machen nun eine großen Aufstand.

„Ich weiß. Das hast du ja schon gesagt. Aber ich hatte auch meine Gründe Mingo in den Arsch zu treten. Trotzdem wäre es ein super Abenteuer einen Kaiser zu besiegen.“ Luffy grinst breit, während Nami, Ussop und Chopper flehend zu Law schauen, welcher die drei nicht beachtet.

„Gut zu wissen. Aber ich bin nicht in der Lage gegen einen Kaiser anzutreten. Hier trennen sich unsere Wege Strohhut-ya.“ Luffy legt eine enttäuschte Miene auf und will gerade etwas erwidern, da spürt Rina, die die ganze Zeit stumm an der Wand von Law’s Schiff gelehnt hat, etwas. Das Geräusch der Wellen hat sich verändert und der Wind weht anders.

„Die Marine!“ sagt sie ohne Umschweife. Sofort richten sich alle Blicke auf sie.

„Bist du dir sicher?“ fragt Ussop mit zittriger Stimme.

„War klar, dass sie zuerst hier her kommen.“ meint Law gelassen. Während sich alle bereit machen zu verschwinden, geht Rina zur Reling.

„Hey Law. Bring mich mit deiner Teufelskraft an die Küste!“

„Das kannst du gleich wieder vergessen.“ meint dieser und will sich ins Innere des Schiffes begeben.

„Na schön. Dann schwimm ich eben.“ Mit weit aufgerissenen Augen dreht sich Law um und sieht gerade noch, wie Rina hinter der Reling verschwindet. Die Zeit scheint in diesem Moment stehen zu bleiben.

„Shambles!“ Ein lautes ‚Platsch!‘ ertönt. Law rennt zu Reling und sieht wie ein alter Baumstamm im Wasser versinkt. Sein Blick wandert zum Ufer von welchem aus Rina noch einmal in seine Richtung winkt. Erleichtert stößt er die angehaltene Luft aus. Ich wette dieses freche Gör grinst sich dort drüben dumm und dämlich. Er lächelt leicht. Rina ist bereits auf der Insel verschwunden.

„Käpt’n bitte komm rein. Wir müssen weg.“

„Ich komme ja, Bepo.“ Law folgt dem weißen Bären unter Deck und schließt die Tür, damit das Schiff abtauchen kann.

 

Ich wusste du würdest mich nach Zou bringen. Auch wenn es ein mieser Trick war, ist Rina weit davon entfernt ein schlechtes Gewissen zu haben. Sie hofft darauf, dass Sengoku noch bei den Schiffen sein würde und nicht wieder zurück zum Marinehauptquartier aufgebrochen ist. Sie folgt der Küste eine Klippe hinauf. Dort klettert sie auf einen Baum und wartet. Nach wenigen Minuten kommt das weiße Segel mit der blauen Möwe in Sicht. Zu ihrer Zufriedenheit ist Sengoku noch an Bord. Auch wenn sein Haar mittlerweile grau geworden ist, würde sie ihn überall erkenne. Mit den Augen suchen sie die Umgebung ab.

„Sie sind nicht mehr hier.“ Rina stellt sich auf den Ast, auf dem sie eben noch gesessen hat. Alle an Bord des Schiffes fahren zu ihr herum. Einer der Soldaten zeigt mit dem Finger auf sie.

„Das ist Sharina! Die einzige Frau der Whitebeardpiratenbande.“

„Sie bevorzugt es, als seine Tochter bezeichnet zu werden.“ berichtigt Sengoku den Soldaten, ehe er sich an Rina wendet.

„Wie ich sehe hast du dich einer neuen Bande angeschlossen.“ Er lächelt sie freundlich an. Fragend zieht Rina die Augenbrauen zusammen.

„Was…?“ In diesem Moment schaut sie an sich hinab und sieht Law’sJolly Roger auf dem Shirt. Sengoku lacht herzhaft, während Rina ihre Hände in die Hüfte stemmt.

„Deine Witze waren schon immer schlecht.“

„Möchtest du für deine Freunde Zeit gewinnen?“

„Nein. Das ist nur ein netter Nebeneffekt. Ich möchte viel mehr mit dir sprechen.“ Sofort wird der ehemalige Großadmiral ernst. Ein Soldat flüstert Admiral Fujitora etwas ins Ohr, doch dieser winkt ab, sodass Rina ihre Aufmerksamkeit wieder auf Sengoku richtet.

„Das bezieht sich jetzt nicht zufällig auf die Sache von vor zwei Jahren?“

„Ich möchte wissen warum du diesen Krieg hast ausbrechen lassen. Du hast Whitebeard respektiert! Du wusstest, was es in der Welt auslösen würde!Also sag mir warum. War es, weil du gerade zufällig Ace in deiner Gewalt hattest? Oder hast das von Anfang an geplant?“ Sie versuchte das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. Doch die Tränen, die langsam ihre Wangen hinunterlaufen, kann sie nicht zurückhalten. Sie hofft nur, dass Sengoku dies nicht bemerkt. Dieser sieht bedrückt und mitleidig zu ihr hoch.

„Ich weiß. Ich hätte ahnen müssen was passieren würde. Aber ich konnte Ace nicht einfach wieder frei lassen. Ich kann keinen Piraten laufen lassen, nur weil einer der vier Kaiser hinter ihm steht. Damit würde die Marine zugeben schwächer, als die Piraten zu sein. Diese Schwäche dürfen wir nicht haben.“ Rina presst die Lippen aufeinander. Leise rollen ihr weitere Tränen übers Gesicht.

„Es tut mir Leid. Wirklich. Aber es gab keine andere Möglichkeit.“
„Versuchst du als Oberinspektor irgendetwas wieder gutzumachen? Oder bist du deshalb zurückgetreten und hast Akainu die Führung überlassen?“ Ihre Stimme klingt leer und traurig, aberauch vorwurfsvoll.

„Eigentlich hatte ich gehofft Aokiji würde meinen Posten übernehmen.“ gibt er zu und kratzt sich am Hinterkopf. Ungerührt starrt Rina ihn weiter an.

„Ich bin nicht völlig machtlos, Rina. Auch wenn viele an Sakazuki zweifeln. Ich werde…“

„Nichts wirst du!“ unterbricht sie ihn. Ihre Stimme ist kalt und drohend. Obwohl sie nicht schreit, meint Sengoku ihre Stimme müsse noch auf Dressrosa zu hören sein. In ihren Augen glimmen Trauer und Zorn.
„Du kannst nichts mehr tun! Deine Zeit ist vorbei Sengoku! Du hattest eine Chance, die nur sehr wenige Menschen je bekommen und DU hast sie vertan! Egal was du tust, nichts wird sich deinetwegen mehr ändern!“ Sengoku starrt sie fassungslos an. Rina ist wie ausgewechselt. Es scheint, als würde etwas aus ihrem tiefsten Innern herausbrechen. Ihr Körper zittert leicht vor Anspannung und wären ihre Tränen nicht gewesen, hätte er meinen können, es stünde eine ganz andere Person vor ihm.

„Ich bin nur ein Mensch, Rina. Ich kann nicht sehen, was meine Taten in der Zukunft auslösen. Sag mir, was soll ich deiner Meinung nach tun?“

„Lass von Law und den Strohhüten ab. Vorerst. Lass das Land zur Ruhe kommen. Geh und lass andere ändern, was du nicht mehr zu ändern vermagst.“ Sie spricht wieder ruhiger, wenn auch immer noch fremd. Einige Augenblicke schauen sich die beiden in die Augen. Die Piratin und der Oberinspektor der Marine. Der alte Mann und die junge Frau. Schließlich seufzt Sengoku laut.

„Wir segeln zurück.“

„Aber Oberinspektor…“

„Tut was ich sage!“ schreit Sengoku den Soldaten an. Für ihn ist die Sache beendet. Er wendet sich ab und geht über das Deck. Admiral Fujitora schaut mit seinen blinden Augen zu Rina hinauf. Er sagt nichts und wendet sich nach einigen Augenblicken ebenfalls ab. Das Schiff entfernt sich stetig. Langsam rutscht Rina seitlich an dem Baumstamm hinunter, bis sie wieder auf dem Ast sitzt. Erschöpft blickt sie nach unten.

„Du hast ihn respektiert.“ flüstert sie leise mit trauriger Stimme.

Eine Woche ist seit der Abreise von Zou vergangen und noch immer treibt das U-Boot der Heart Piratenbande ziellos auf dem Meer. Weder die Strohhutpiraten noch Rina hat Law seitdem wieder gesehen. Und von der Marine ist auch keine Spur. Es ist, als wäre er allein auf der Welt. Wie so oft in den letzten Tagen steht Law am Heck, den Oberkörper auf die Reling gelehnt, und starrt aufs Meer hinaus. Er weiß selbst nicht, was er hofft zu sehen. Andererseits weiß er auch nicht, wohin er segeln soll. Seit er Dressrosa verlassen hat fühlt er sich verloren. Er hat jegliches Gefühl verloren. Hat weder Hunger noch Durst. Wann er das letzte Mal geschlafen hat, kann er auch nicht mehr sagen. Wäre da nicht der Schmerz gewesen, der noch immer gelegentlich von seinen Wunden ausgeht, würde er sich selbst für tot erklären. Seine Crew hat schon längst bemerkt, dass mit ihrem Kapitän etwas nicht stimmt, jedoch traut sich keiner nachzufragen.

„Käpt’n?“ Shachis Stimme reißt Law aus seinen Gedanken.

„Was gibt es?“ Law ist selbst überrascht, wie müde er doch klingt.

„Wir nähern uns einer Insel. Sollen wir weiter fahren?“ Nur zögerlich bringt Shachi die Frage hervor und sieht besorgt zu seinem Kapitän. Law überlegt einige Augenblicke und sieht zu der Insel. Aus irgendeinem Grund kann er nicht einfach vorbeisegeln.

„Nein. Wir legen an. Ich will mir die Insel mal ansehen.“

 

Wieder lässt er seine Crew zurück und bewegt sich allein durch den Wald, der sich von der Küste bis ins Innere der Insel zieht. Vom Strand aus hat er bereits das Gebirge gesehen, das etwa in der Mitte der Insel liegen muss. Auch wenn die Insel unbewohnt zu sein scheint, lässt ihn das Gefühl nicht los, dass sich hier irgendwer befinden muss.

„Du siehst furchtbar aus.“ Beim Klang der Stimme dreht sich Law ruckartig um und blickt in Rinas Gesicht. Erleichtert atmet er aus.

„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben.“ Ihr Blick ist bedrückt. Als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt, nimmt Law sie in den Arm. Sie erwidert die Umarmung und schlingt die Arme um ihn.  Da Rina gut einen Kopf kleiner ist, legt Law sein Kinn auf ihren Kopf ab. Rina legt ihren Kopf gegen seine Brust und atmet tief seinen vertrauten Geruch ein. Einige Minuten stehen sie so da und genießen die Anwesenheit des anderen. Plötzlich löst sich Rina aus der Umarmung. Suchend lässt sie ihren Blick durch den Wald streifen.

„Was ist los?“ Law schaut sie besorgt an.

„Hörst du sie nicht?“

„Wen?“
„Da sind Stimmen. Viele.“ Ihr Blick stoppt bei dem Gebirge. Langsam geht sie ein paar Schritte darauf zu, dann dreht sie sich noch einmal zu Law um.

„Hier ist eine große Gruppe von Menschen. Komm!“ Ohne eine Antwort oder Reaktion abzuwarten, verschwindet sie auch schon im Unterholz. Da er nur wenige Auswahlmöglichkeiten hat, geht Law ihr nach. Je näher sie dem Gebirge kommen, desto lauter werden die Stimmen. So das auch er sie jetzt hören kann. Der Wald endet so jäh, dass die beiden unvorbereitet mitten auf einer Ebene aus Erde und Stein stehen. Erschrocken schauen sie in die Gesichter einer Menge, nicht weniger überraschter, Menschen.

 

Drei Menschen fallen Law sofort auf. Ein groß gewachsener, schlanker Mann mit langen, blonden Haaren. Ein Angehöriger der Langarmmenschen mit einem langen Zopf brauner Haare, sowie ein breitschultriger Rotschopf, der einen Mantel auf seinen Schultern liegen hat. Bei diesen drei handelt es sich um keinen geringeren, als den Kapitänen der Hawkins-, Kid-, und On Air Piraten. Nach der Sache vor zwei Jahren würde er diese Gesichter niemals vergessen. Auch die drei scheinen sich an ihn und seine Begleiterin zu erinnern. Kids Miene ist so säuerlich, wie Law sie in Erinnerung hat.

„Na sieh mal einer an. Wenn haben wir denn da? Wenn das nicht die Verursacher für diesen Mist hier sind.“ Erst jetzt bemerkt Law die Verbände an Armen, Beinen und Brust der meisten Anwesenden, so auch bei den Kapitänen.

„Und was sollen wir getan haben?“ Law’s Müdigkeit ist wie vom Wind verweht.
„Du hast dich mit Kaido angelegt. Deinetwegen ist er hier aufgetaucht.“

„Kaido hat euch angegriffen?“

„Es sieht eher so aus, als hätte er mal wieder versucht sich umzubringen.“ wirft Rina ein. Sie sitzt neben einem riesigen, unförmigen Loch und schaut hinein.

„Ich würde sagen, er ist von einer der Wolken gesprungen.“ fügt sie hinzu und schaut nach oben.

„Woher weißt du das?“ Basil Hawkins tritt neben sie und schaut ebenfalls hinauf.

„Das versucht er seit Jahren. Wenn du einmal mit einem der vier Kaiser gesegelt bist, erfährst du eine Menge.“

„Die Kleine ist gut. Wie sie sofort erkennt, was vorgefallen ist.“ Apoo , der Langarmmensch, sieht zu Kid herüber.

„Unsere Schuld, ja?“ Law grinst hämisch und Kid scheint seine zwei Verbündeten mit einem Blick töten zu wollen.

„Halt doch einfach deine Klappe!“

„Ich hab’s dir damals auf dem Archipel schon gesagt: Was du sagst interessiert mich nicht.“
Zwischen den beiden entbrennt eine hitzige Diskussion. Rina erkundigt sich bei Hawkins und Apoo über ihre Verletzungen, dem Vorfall und dem Verbleib von Kaido. Die drei setzen sich und ignorieren die Streithähne.

 

Im Schneidersitz, die Ellbogen auf die Knie gestützt und den Kopf auf die Hände gelegt, sitzt Rina zwischen Hawkins und Apoo, welche die, noch immer streitenden, Kapitäne beobachten. Auch die Mannschaften der drei Verbündeten Banden sitzen am Boden, essen, schlafen oder unterhalten sich. Schließlich seufzt Rina laut und steht auf.

„Also jetzt reicht’s mir.“

„Was hast du vor?“ Hawkins schaut von unten zu ihr hoch.

„Ich beende das jetzt.“ Bevor noch jemand etwas sagen kann, marschiert sie mit großen Schritten zu Law und Kid. Apoo und Hawkins schauen ihr neugierig nach. Ohne ein Wort zu sagen greift Rina nach Kids Arm und wirft ihn über ihre Schulter zu Boden. Wenige Augenblicke später landet auch Law im Dreck, da Rina seinen linken Arm verdreht und ihm die Füße unter dem Körper wegtritt. Verwirrt schauen die beiden zu ihr hoch.

„Dafür, dass ihr beiden angeblich einiges abbekommen habt, scheint ihr ja ziemlich fit zu sein.“

„Was wollt ihr eigentlich hier?“ Kid klingt sehr genervt und Rina fragt sich, warum er es nicht auf einen Zweikampf anlegt.

„Wir sind durch Zufall hier gelandet. Und wenn ihr beiden endlich eure Streiterei lassen würdet, würde ich diese Insel sehr gern wieder verlassen.“ Beim letzten Satz schaut sie auffordernd zu Law.

„Ihr wollt schon gehen?“ Hawkins kommt zu den dreien gelaufen.

„Es gibt hier ja nix interessantes. Außerdem…“ In diesem Moment beginnt die Erde zu beben. Unvorbereitet verliert Rina das Gleichgewicht und landet neben Law auf dem Hosenboden.

„Bin ich interessant genug?“ Mit aufgerissenen Augen starren die vier Kapitäne und Rina nach oben. Hinter einem der Berge taucht eine riesige Gestalt auf.

„Ich dachte er ist nicht mehr hier?“ raunt Rina an Hawkins und Apoo.

„Dachten wir auch.“

„Tja scheinbar habt ihr euch geirrt.“ Panisch machen die Mannschaften von Kid, Hawkins und Apoo dem Piratenkaiser Platz. Die drei am Boden Sitzenden stehen auf, wobei Kid sich auf einen Angriff vorbereitet.

„Ich habe gehofft dich zu treffen, Dämonenschatten Sharina.“ Als sie den, von der Marine erdachten, Spitznamen hören, schauen die vier Kapitäne zu Rina. Diese nimmt es gelassen und tritt ein paar Schritte nach vorn, um zwischen den vier und Kaido zu stehen.

„Ich wüsste nicht, was ich mit dir zu bereden hätte.“

„Ich wäre gekommen. Damals. Ich hätte euch geholfen. Doch dieser einarmige Dreckskerl…“

„Sprich nicht so über ihn!“ Der Kaiser hält inne. 

„Shanks tat Recht daran dich zu stoppen.“ Mit festem Blick schaut Rina zu Kaido hinauf. Ungeachtet der Tatsache, dass einer der vier Kaiser vor ihr steht, spricht sie weiter.

„Shanks tat das einzig Richtige.“ Sie macht einen Schritt auf Kaido zu.

„Du hättest doch nur weiter getötet.“ 

Ein weiterer Schritt.

„Wir brauchten keine Kämpfer.“ 

Noch ein Schritt.

„Wir brauchten jemand, der dieses Abschlachten beendet.“ Mit dem nächsten Schritt steht sie genau vor ihm. Rina legt den Kopf in den Nacken, um Kaido anzusehen.
„Wärst du nicht gewesen, hätte Shanks viel früher in Marineford sein können. Er hätte den Albtraum viel früher beenden können.“ Gegen jedermanns Erwartung ist ihre Stimme ruhig. Ruhig, vorwurfsvoll und provozierend. Es ist allseits bekannt, was Kaido von Shanks hält und dieser Vorwurf liegt schwer in der Luft. Apoo weicht einen Schritt zurück, Hawkins starrt zu Kaido, Law zu Rina und Kid scheint krampfhaft zu überlegen, was er jetzt tun soll. Es herrscht angespannte Stille auf der Ebene.

„Das ist eine schwere Anschuldigung.“

„Es ist keine Anschuldigung. Es ist eine Tatsache.“ Dem darauf Folgendem können die vier Kapitäne nicht folgen. Kaidos Hand saust auf Rina nieder. Doch sie kann ausweichen, springt nach oben und ist nun mit ihm auf Augenhöhe. Sie holt mit dem Bein aus und tritt gegen Kaidos Hals. Dieser schwankt kurz, da sie einen Vitalpunkt getroffen hat, fängt sich aber schnell wieder. Er holt ein weiteres Mal mit seiner Pranke aus. Da Rina nicht mehr ausweichen kann, trifft sie der Schlag direkt. Mit einem dumpfen Aufprall landet sie auf dem harten Steinboden und rollt über die Ebene. Reglos bleibt sie liegen. Law, der zu ihr rennen will, kassiert den nächsten Schlag. Auch er landet im Dreck versucht aber gleich wieder auf die Beine zu kommen. Eine Welle des Schmerzes durchzieht seinen Körper. Instinktiv legt er eine Hand auf seine linke Seite. Seine Wunde ist aufgegangen und Blut breitet sich auf seinem Shirt auf.

„Trafalgar!“

„Was ist? Machst du dir etwa Sorgen, Eustass?“ Besorgt schaut er zu Rina hinüber, die noch immer reglos am Boden liegt.

„War das etwa alles? Ich habe mehr erwartet. Oder kannst du dich nicht wehren, da es gegen das Gleichgewicht verstoßen würde?“

„Oder kannst du dich nicht wehren, da es gegen das Gleichgewicht verstoßen würde?“ Mit langsamen Schritten nähert sich Kaido, der am Boden liegenden Rina. Sie zeigt keine Reaktion. Law versucht aufzustehen, doch wieder zwingt der Schmerz ihn auf die Knie. Apoo bewegt sich keinen Millimeter und Hawkins und Kid knirschen mit den Zähnen. Plötzlich bleibt Kaido stehen. Rinas Finger zucken. Langsam kommt Bewegung in ihre Glieder.

„Das Gleichgewicht? Das ich nicht lache! Das ist doch sowieso schon zerstört. Dich zu besiegen wäre sogar ein Schritt in die richtige Richtung, um diese Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“ Sie stützt sich mit den Armen ab und kommt wankend auf die Beine. Sie hebt den Kopf. Blut läuft ihr über ihre rechte Gesichtshälfte. Mit festem Blick schaut sie Kaido direkt in die Augen, dann grinst sie. Im nächsten Moment ist Rina verschwunden. Verwirrt schauen sich alle um.

„Es  war ein Fehler meinen Freunden etwas anzutun.“ Ihre Stimme kommt von oben. Alle legen den Kopf in den Nacken. Mit einer Irren Geschwindigkeit und mit einem Langmesser in der Hand rast sie auf Kaido zu. Dieser begreift zu langsam, so dass Rina das Messer noch in seiner linken Schulter versenkt.

„Du kleines Biest.“ Er greift mit der Rechten nach ihr, doch sie ist schon wieder weg. Diesmal ist sie direkt vor seinem Gesicht. Der Kaiser kann schneller reagieren und will sie wieder mit der Hand wegschlagen. Als würde er sich in Zeitlupe bewegen, greift Rina nach seinem Finger und zieht sich auf seinen Handrücken. Sie verzieht das Gesicht zu einem Grinsen, stößt sich ab und platziert einen Tritt an einem Vitalpunkt an Kaidos Hals. Diesmal kippt der Riese vollends um. Eine riesige Staubwolke bildet sich um den Koloss. Die vier Kapitäne starren auf den riesigen Schatten in der Wolke und erwarten eine Bewegung. Ein kleinerer Schatten zeichnet sich ab und bewegt sich aus dem Nebel heraus. Für einen kurzen Moment sieht es so aus, als habe die Gestalt riesige, schwarze Flügel. Diese verschwinden in dem Augenblick, in dem Rina die Staubwolke verlässt. Hawkins, der ihr am nächsten steht, sieht, dass ihre Pupillen eine längliche Form angenommen haben. So wie sie Katzen haben. Auch das Grün der Iris scheint mehr zu leuchten als normalerweise, doch darin kann er sich irren. Er blinzelt ungläubig und als er wieder hinsieht sind ihre Pupillen normal.

 

Alle starren sie mit offenen Mündern an.

„Wir sollten schleunigst verschwinden. Er wird nicht ewig so friedlich schlafen.“ Keiner regt sich.

„Los!“ sagt sie nun lauter und befehlender. Augenblicklich reißen sich die vier Kapitäne aus ihrer Starre. Kid, Hawkins und Apoo befehlen sofort den Rückzug. Rina hilft Law aufzustehen. Noch immer tritt Blut aus seiner Wunde.

„Wo liegen eure Schiffe?“ fragt Rina.

„In einer Bucht hinter dem Wald.“ Rina nickt und pfeift, was eine Krähe dazu veranlasst zu ihr zu kommen.

„Führe Law’s Mannschaft zur Bucht und den anderen Schiffen.“ Die Krähe tut wie geheißen und fliegt davon. Gemeinsam bewegen sie sich nun in den Wald. Law lässt von Rina ab und beteuert ihr, er könne allein gehen. So schnell sie können, hetzen sie durch das Gebüsch, wobei Rina mit Abstand die schnellste ist. Wie ein Reh springt sie über Geäst und Unterholz. Weicht Steinen und Ästen aus, ohne auch nur im geringstem ab zu bremsen. Nach wenigen Minuten und völlig außer Atem erreichen sie die Schiffe.  Auch Law’sSchiff und Crew sind anwesend.

„Los macht alles bereit zum Ablegen! Hauen wir hier ab!“ brüllt Kid seiner Crew zu. Diese lässt sich das nicht zweimal sagen und macht sich gleich an die Arbeit.Ohne große Umschweife gehen Law und Rina an Bord des U-Bootes.

„Abtauchen!“ befiehlt Law. Sofort macht die Crew alles bereit. Keine fünf Minuten später ist durch die Fenster nur noch Wasser zu sehen. Law übergibt Bepo das Kommando. Er geht, gefolgt von Rina, in eins der Behandlungszimmer. Seufzend setzt er sich auf die Liege. Bei der Bewegung zuckt er zusammen, was Rinas Aufmerksamkeit erregt.

„Lass mal sehen.“ Sie nähert sich Law.

„Das ist halb so schlimm.“ Mit einer Handbewegung wehrt dieser ab.

„Dann macht es ja auch nix, wenn ich es mir ansehe.“ Bevor er wieder abwehren kann, greift sie nach seinem Shirt und schiebt es behutsam nach oben. Law zieht scharf die Luft zwischen den Zähnen ein. Seine gesamte linke Seite ist bis zur Hose von Blut verklebt. Vorsichtig wischt Rina das Blut mit einem feuchten Tuch ab. Nachdem sie fertig ist besieht sie sich der Wunde.

„Wieso hast du das nicht genäht? Du solltest es besser wissen.“ Da Law nicht weiß, was er darauf antworten soll, schweigt er. Als wäre es selbstverständlich, greift Rina zu Nadel und Faden. Ruhig lässt Law die Prozedur über sich ergehen, wobei er jede ihrer Bewegungen genauestens verfolgt. Schweigend verarztet Rina ihren langjährigen Freund und ist dabei so vorsichtig, als wäre er aus Glas.

„Jetzt du.“ sagt Law, als sie fertig ist. Gerade will sie etwas sagen und hebt den Kopf, da berührt Law auch schon ihr Gesicht, um das Blut abzuwaschen. Nachdem das getan ist greift er zu Nadel und Faden, streicht Rinas Haare zur Seite und beginnt zu nähen. Rina mustert sein hochkonzentriertes Gesicht. Es dauert nicht lange und auch ihre Wunde ist versorgt. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, legt Law die Utensilien zur Seite. Seine linke Hand ruht noch immer auf ihrer rechten Wange. Rina spürt seinen Atem auf ihrem Gesicht. Langsam kommt sein Gesicht näher, bis sich ihre Lippen treffen. Rina ist die erste, die sich löst. Sie weicht einige Schritte zurück und schaut bedrückt zu Boden.
„Tut mir Leid, wenn ich…“
„Es… ist nichts was…ich…ich dachte nur…naja…ich habe nur etwas anderes erwartet“ Sie hebt den Kopf und blickt genau in seine grauen Augen.

„Ich werde dich nichts bezüglich des Kampfes mit Kaido fragen, wenn du das befürchtest. Erzähl es mir, wenn du willst.“ Überrascht schaut sie Law an. In diesem Moment wirkt Rina auf Law so unsicher und verloren, wie er sich sooft fühlt.

„Komm her.“ Er streckt seinen rechten Arm zu ihr und lächelt sanft. Rina nimmt die Einladung an und schmiegt sich an seine Brust.

Ein Klopfen an der Tür stört ihre Zweisamkeit. Beide schauen erwartungsvoll Richtung Tür. Da niemand Anstalten macht einzutreten, steht Law auf und geht zur Tür.

„Was gibt es?“ Hinter der Tür stehen Bepo, Shachi und Penguin.
„Gibt es einen Kurs? Oder ein Ziel?“ fragt Shachi unsicher. Law schaut über seine Schulter zu Rina, welche eine Augenbraue hochzieht.

„Wir segeln Richtung Norden. Irgendwo soll es da eine Sturminsel geben. Wer weiß was man dort so findet.“ antwortet er seiner Crew. Die drei scheinen bei diesen Worten einen halben Meter zu wachsen und machen sich mit neuem Elan daran, den Befehl weiterzugeben.

„Schöne Ansage, Käpt’n.“ Rina geht an ihm vorbei und lächelt ihn über die Schulter an. Sie scheint wieder die Alte zu sein.

 

Einige Stunden später steht Rina in der Küche des Schiffs und hantiert am Herd herum. Law sitzt am Tresen, den Kopf auf die Arme gelegt, und starrt auf ihren Rücken.

„Gefällt dir der Anblick?“ fragt sie, ohne sich umzudrehen.

„Ein schöner Rücken kann auch entzücken.“ neckt Law sie. Da sie darauf nicht antwortet, fährt er fort.

„Als dein Arzt sage ich dir, dass du dich ausruhen solltest.“
„Als deine Köchin sage ich dir, dass du mir auch einfach helfen könntest.“ Während sie spricht, dreht sie sich um und legt ihren Kopf auf ihre Arme, nur wenige Zentimeter von seinem entfernt.

„Und was schlägt die Prinzessin vor?“ Er lächelt sie schmeichelnd an. Prompt stellt sie ihm eine Schüssel mit Gemüse, ein Brett und ein Messer vor die Nase.

„Das Gemüse schneiden wäre ein guter Anfang.“ Frech grinsend dreht sich Rina wieder um und beschäftigt sich mit dem Fleisch und den Pfannen. Ebenfalls grinsend befasst sich Law mit dem Gemüse. Vorsichtig linsen Shachi und Penguin in die Küche und beobachten die beiden. Als sie sehen, wir ihr Kapitän sich mit Rina unterhält ziehen sie sich zurück.

„Hast du gesehen wie sie sich um ihn kümmert?“ fragt Penguin seinen Kumpanen.
„Ja. Ich wünschte, um mich würde sich auch eine so hübsche Frau kümmern.“ Shachi wird bei der Vorstellung rot und grinst breit.
„Ich bin so froh, dass unser Käpt’n wieder normal ist.“
„Ich auch. Aber ich frage, mich warum sie bei der letzten Insel so schnell weg wollten.“

„Also ich will es lieber gar nicht wissen.“ meint Penguin.

„Hmmm… Stimmt auch wieder. Wenn Rina so schnell weg wollte, kann das nichts Gutes gewesen sein.“

„Ganz zu schweigen davon, dass Eustass Captain Kid, Basil Hawkins und ScratchmanApoo bei ihnen waren.“

„Stimmt. Die hatten’s auch ziemlich eilig.“ Beide bleiben stehen, schauen sich kurz an und schütteln sich dann.

„Besser gar nicht darüber nachdenken.“ meint Shachi und geht weiter.

„Ganz genau.“ pflichtet ihm sein Kumpel bei.

Als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt, lässt sich Rina bäuchlings auf Laws Bett fallen. Sie legt die Arme unter den Kopf und schließt die Augen.

„Weißt du, es ist mir egal, ob du mit den Klamotten schlafen willst. Aber zur Seite rutschen musst du.“ versucht Law ernst zu sagen. Da er aber nur noch in Boxershorts dasteht, ist es schwer seine Autorität aufrecht zu erhalten. 

„Zwing mich doch. Ich bewege mich keinen Meter mehr.“ Nachdem sie immer mehr zur Ruhe gekommen sind, bricht die Müdigkeit über den beiden zusammen. Als sie sich kennenlernten, hatte Law noch darauf bestanden, dass sie allein in seiner Kabine schläft. Doch das ist seit Jahren Geschichte. Da Rina keine Anstalten macht sich zu bewegen, geht Law seufzend zu ihr, packt sie an Schulter und Hüfte und zieht sie Richtung Bettkante.

„Wie unhöflich eine Dame, ohne zu fragen, so zu begrabschen.“ empört sie sich.

„Von welcher Dame sprichst du? Hier sind…“ In diesem Moment landet ein Kissen in Laws Gesicht. Lachend, und mit dem Kissen in der Hand, geht Law zum Fußende des Bettes und lässt sich, ebenso wie Rina vorher, fallen. Keine zwei Minuten später gleitet er ins Land der Träume.

 

„Du bist jetzt frei, Law. Geh und lebe dein Leben.“ Bis zu den Knöcheln steht Law im Schnee. Um ihn herum tobt ein Sturm. Schützend hebt er einen Arm vors Gesicht. Er sucht nach dem Ursprung der Stimme, kann aber niemanden entdecken.

„Siehst du, Law? Immer tauchen Menschen auf, um dich zu retten.“ Er versucht schneller zu gehen, kommt aber nicht gegen den Sturm an.

„Law. Ich liebe dich, Mann. Du wirst überleben. Lauf einfach. Lauf! Hörst du?“

„Wohin? Wohin soll ich gehen?“ schreit Law in den Sturm. Nach einer gefühlten Ewigkeit zeichnet sich vor der weißen Masse eine Silhouette ab. Je näher ihr Law kommt, desto klarer kann er die Person sehen. Unter Tausenden würde Law diesen Mann wieder erkenne.

„Cora-san? Cora-san!“ Sein Herz beginnt schneller zu schlagen. So schnell wie möglich kämpft sich Law vorwärts. Kurz bevor er ihn erreicht, dreht sich Corazon um. Schockiert bleibt Law stehen. Corazon ist von oben bis unten mit Wunden und Blut übersät. Doch dieser lächelt ihn nur wie gewöhnlich an.

„Es ist schön, dass es dir gut geht, Law. Es tut mir Leid, dass ich damals nicht mitkommen konnte und, dass ich gelogen habe. Es tut mir Leid, Law. Aber ich hatte keine andere Wahl. Eines war nicht gelogen: Ich liebe dich. Und ich bin so glücklich, dass du dich an mich erinnerst.“ Mit diesen Worten löst sich Corazon in Luft auf.

„Natürlich erinnere ich mich an dich.“ brüllt Law unter Tränen. Plötzlich verschwinden der Sturm und der Schnee.  Stattdessen schlagen ihm heiße Flammen ins Gesicht. Erschrocken weicht er einige Schritte zurück. Er steht in einer weißen Stadt vor einem Krankenhaus, welches in Flammen steht. Schmerzhafte Erinnerungen steigen in ihm hoch. Es ist das Krankenhaus seiner Eltern in Flevánce, vor dem er steht.

„Law.“ Ruckartig dreht dieser sich um. Auf dem Boden vor sich entdeckt er die Nonne, die sich immer um die Kinder gekümmert hat. Schwer verwundet zieht sie sich mit den Armen über den Boden auf ihn zu. Unfähig sich zu bewegen starrt Law sie an.

„Law, es wird immer jemand geben, der dir eine helfende Hand reicht.“ Sie lächelt ihn liebevoll an. So wie sie es immer getan hat. Auf einmal sind auf der Straße unzählige Leichen. Darunter seine Eltern, Schwester und Freunde. Panik steigt in ihm hoch. Sein Herz scheint aus seiner Brust springen zu wollen. Die Hitze der Flammen ist unerträglich. Dann wird mit einem Mal alles still. Alles wird dunkel. Ein langer Schrei ertönt. Die Dunkelheit verzieht sich und eine Waldlichtung taucht vor Law auf. Rina kniet auf dem Waldboden. Er kann nur ihren Rücken sehen, doch dann dreht sie sich um. Ihre Augen sind gerötet und Tränen rollen ihre Wangen hinunter.
„Es tut mir Leid, Law. Ich verspreche dir, alles wird gut.“

„Was meinst…“ In diesem Moment durchströmt ein brennender Schmerz seinen gesamten Körper. Verwirrt schaut er auf seine Hände. Weiße Flecken tauchen auf ihnen auf. Panisch zieht er sein Shirt aus, um seinen Körper zu untersuchen. Überall hat er diese weißen Flecken, die sich ausbreiten.

„Nein! Wie kann das sein? Ich hab es doch mit meiner Teufelskraft geheilt.“ Hilflos schaut er sich um. Dunkelheit breitet sich wieder aus. Die Schmerzen werden schlimmer. Sein Herz rast und seine Atmung geht stoßweise.

„Es wird immer jemand geben, der dir eine helfende Hand reicht.“

Was soll die Scheiße? Sterbe ich etwa? Nein. Nein! Wieso jetzt? Bitte, hilf mir jemand. Verzweifelt versucht Law zu atmen. Die Schmerzen werden unerträglich.

„Law.“ Hilfe.

„Law.“

 

Mit einem lauten Aufschrei setzt sich Law ruckartig auf. Erst starrt er auf seine Hände, dann betastet er seinen Oberkörper. Keine weißen Flecken zu sehen. Sein Herz rast, er ist schweißgebadet und sein Atem geht stoßweise.

„Law!“ Er hebt den Kopf und blickt direkt in Rinas besorgte Augen.
„Nur ein Albtraum.“ keucht er und winkt mit der Hand ab, welche stark zittert. Sanft legt Rina eine Hand auf seine Wange und wischt mit dem Daumen eine Träne weg. Law schließt kurz die Augen, atmet tief durch und versucht sich zu beruhigen.

„Schlaf weiter.“ Wortlos schüttelt er den Kopf. Unter keinen Umständen würde er noch ein Auge zu tun. Rina setzt sich neben ihn und zieht seinen Kopf auf ihre Brust. Sanft streicht sie ihm durchs Haar. Nach einigen Minuten lässt sie sich zurückfallen und zieht ihn mit sich. Noch immer liegt ihre Hand auf seinem Kopf. Ihr gleichmäßiger Atme beruhigt Law und er dämmert doch wieder weg. Den Rest der Nacht schläft er traumlos. Als er am Morgen aufwacht, ist Rina verschwunden.

Anderthalb Wochen später erreichen die Heartpiraten die Sturminsel. Rina ist spurlos verschwunden. Nicht einmal eine Nachricht hat sie hinterlassen. Auch hat Law keinen Albtraum mehr gehabt, was ihn aber nicht sonderlich stört. Es betrübt ihn jedoch ein wenig, dass Rina weg ist. Doch Sorgen macht er sich keine. Vermutlich ist sie wieder zum Rest der Whitebeardpiraten gegangen. Die Bande existiert entgegen vieler Gerüchte noch und versuchen so viele Gebiete wie möglich zu beschützen. Es gibt aber auch Gerüchte, sie würden mit Shanks oder gar der Revolutionsarmee zusammen arbeiten. In der Zeitung liest man jedoch nichts über sie. Auch ihre Kopfgelder sind seit zwei Jahren unberührt. Obwohl der Marine bekannt ist, dass Rina auf Dressrosa ihre Finger im Spiel hatte, haben sie kein Wort über sie verloren. Schon seit längerem denkt Law darüber nach, findet aber keine Antwort. Nun richtet er seine Aufmerksamkeit auf die Insel vor sich. Der Wind nimmt zu und treibt sie Richtung Land. Es scheint Frühling zu sein.

 

Mit einem Messer in der Hand kämpft sich Rina durch den Dschungel. Es tut ihr Leid ohne ein Wort gegangen zu sein. Doch nachdem Law eingeschlafen war, hat sie etwas gerufen. Sie konnte sich dem Rufen nicht wiedersetzen und so ist sie nun auf dieser tropischen Insel. Sie durchtrennt eine Liane. In diesem Moment wird sie am Handgelenk gepackt und zur Seite gezogen. Bevor Rina realisiert, was passiert, findet sie sich auch schon an der Brust eines gewissen rothaarigen Piraten wieder.

„Da ist ja unser kleines Teufelsmädchen.“ Der strenge Geruch nach Alkohol schlägt ihr entgegen. Angewidert dreht Rina den Kopf zu Seite, doch Kid rückt nach.

„Wurde dir der Arzt zu langweilig und suchst nun nach etwas Aufregenderes?“
„Was ist denn mit dir passiert?“

„Er hat sich in letzter Zeit etwas gehen lassen.“ Drei weitere Gestalten kommen aus dem Gebüsch.

„Basil…“

„Was ist los Kleine? Glaubst du, ich bin nicht gut genug für dich?“ Kid versucht ihren Kopf zu sich zu drehen.
„Jetzt lass den Blödsinn!“ Genervt schubst Rina den Rotschopf von sich. Dieser verlor das Gleichgewicht und landet im Unterholz. Als er keine Anstalten macht wieder aufzustehen, zieht Rina die Augenbrauen hoch und schaut fragend zu Killer, Basil und Apoo, welche zu Kid schauen.

„Also…was macht ihr hier?“ fragt Rina schließlich.

„Hawkins hat darauf bestanden dich zu suchen.“ beantwortet Killer die Frage.

„Und da Kid immer noch an der Sache mit Kaido knabbert….“ fügt Apoo zu.

„Er hat wirklich Probleme.“ Wieder einmal stellt sich Rina die Frage, wieso Apoo und Basil mit Kid gemeinsame Sache machen. Der Rothaarige hat ein Talent dafür, sich Feinde zu machen. Nun wendet sie sich an Basil.

„Du hast mich gesucht. Hier bin ich. Also was gibt’s?“ sie breitet kurz die Arme aus.

„Können wir ungestört reden?“ Nun kassiert Hawkins die fragenden Blicke, welche er jedoch ignoriert. Ohne ein weiteres Wort entfernen sich die beiden von den anderen.

 

„Also was gibt’s?“ fragt Rina erneut.

„Als du gegen Kaido gekämpft hast… deine Augen waren seltsam. Sie sahen nicht mehr menschlich aus. Überhaupt wie hast du es geschafft Kaido so leicht fertig zu machen?“
„Was willst du von mir hören, Basil? Das ich irgendeinen Trick habe? Den hab ich nicht.“

„Ich will wissen was das für eine Präsenz war, die ich gespürt habe.“

„Eine Präsenz? Ich weiß nicht wie angeschlagen du warst. Aber ich habe mich nicht verändert.“

„Rina! Du hast immer behauptet keine Chance gegen einen Kaiser zu haben. Und jetzt reicht ein Tritt und Kaido ist bewusstlos?“

„Ich habe einen Vitalpunkt getroffen. Basil, ich weiß nicht was du glaubst gesehen oder gespürt zu haben. Aber was mich betrifft hat alles seine Richtigkeit.“ Sie wendet sich ab und macht Anstalten zurück zu gehen, doch dann hält sie inne.

„Sag mal, Basil. Du kommst doch aus dem North Blue, oder?“

„Ja. Wieso fragst du?“ Hawkins schaut sie neugierig an.

„Hast du schon mal von der Stadt Flevánce gehört?“ Verwundert zieht er die Augenbrauen zusammen.

„Ja. Ich kenne die Insel. Besser gesagt ich kannte sie. Auch wenn es mittlerweile eher eine Geschichte ist, um Kindern Angst zu machen. Die Stadt Flevánce gab es wirklich. Ebenso die Bernsteinkrankheit und das Massaker, das die Marine angeordnet hatte. Entgegen aller Gerüchte war die Krankheit nicht ansteckend.“

„Woher weißt du das?“
„Ich war dort. Kurz bevor die Insel abgeschottet wurde. Ich habe mit Menschen gesprochen, die an der Krankheit litten. Und ich lebe noch immer.“ Mit großen Augen dreht sich Rina zu Basil um. Dieser hat den Blick jedoch von ihr abgewendet. Die Sache scheint ihn zu belasten.

„Bist du deshalb Pirat geworden und lehnst dich gegen die Marine und die Weltregierung auf?“

„Nicht ausschließlich. Aber ein bisschen gehört es schon zu meinem Entschluss.“ Beide schweigen einige Minuten.

„Warum hast du gefragt?“ fragt Hawkins schließlich.

„Ich habe Gerüchte gehört und wollte wissen, ob sie war sind.“ Schnell verschwindet Rina zwischen den Pflanzen, um weiteren Fragen zu entgehen.

 

Während die beiden redeten, haben es sich Killer und Apoo zur Aufgabe gemacht Kid aufzurütteln. Dieser sitzt auf dem Boden und schaut grimmig zu Rina.

„Seid ihr dann fertig?“

„Nicht so freundlich. Dir ist der Alkohol wohl nicht gut bekommen.“ Rina und Kid liefern sich ein Blickduell. Zur Verwunderung aller Anwesenden ist es Kid, der zuerst den Blick abwendet.

„Was ist mit deinem neuen Käpt’n?“

„Haha, sehr witzig. Hast du dich mit Sengoku abgesprochen.“ Rina trägt wieder ein Shirt mit Law’sJolly Roger. Diesmal ein schwarzes mit gelbem Aufdruck. Ihre Bemerkung über den ehemaligen Großadmiral bleibt unbeachtet.

„Was machst du dann hier?“

„Das geht dich ja wohl gar nichts an.“

„Hawkins. Du wolltest mit ihr reden. Hast du das erledigt.“

„Was  ist los? Keine Lust weiter zu plaudern?“ Rina grinst hämisch. Könnte man mit Blicken töten, so würde sie in diesem Moment elendig krepieren. 

„Keine Sorge ich bin ja schon weg. Viel Spaß noch.“ Mit diesen Worten lässt sie die vier allein.

 

Der Dschungel scheint kein Ende zu haben. Da hört Rina wieder dieses Rufen in ihrem Kopf. So schnell, wie es in dem Geflecht aus Lianen möglich ist, geht sie dem Ruf nach. Die Pflanzen werden weniger und die Sonne schafft es immer mehr bis zum Boden durchzudringen. Vor Rina taucht eine graue Felswand auf. Sie wundert sich, wie ein riesiger Felsen mitten in den Dschungel kommt. Als sie näher herangeht, sieht sie, dass der Fels Schuppen hat. In dem Moment, in dem sie den Fels berühren will, bewegt sich dieser. Erschrocken weicht Rina zurück. Der Fels dreht sich nach rechts. Auf der linken Seite kommen ein langer Hals und ein riesiger Kopf mit gelben Augen zum Vorschein. Das Wesen richtet sich auf und Rina erkennt die Ausmaße des grauen Tieres. Ihr Gehirn bringt die Informationen nur langsam zusammen, sodass Rina erst nach einigen Minuten des Starrens erkennt, dass ein lebendiger Drache vor ihr steht. Dieser senkt den Kopf und eines seiner großen, gelben Augen ist genau vor ihrem Kopf. Nachdem er Rina begutachtet hat, dreht er seine Schnauze zu ihr und schnaubt einmal. Warmer Drachenatem weht um ihren Körper. Eine Gänsehaut breitet sich auf Rinas Haut aus. Da der Drache sie scheinbar nicht verspeisen oder anzünden will, wagt Rina einen Schritt nach vorn. Vorsichtig streckt sie ihre Hand aus und legt sie auf die Schnauze des Drachen. Innerhalb weniger Sekunden durchströmen unzählige Bilder, Emotionen und Eindrücke ihren Kopf. Als sie sich wieder von dem Drachen löst, ist ihr schwindlig und noch immer rauschen die Bilder durch ihr Hirn, doch sie scheinen sich zu wiederholen.

„Sind das…Erinnerungen?“ Wie zur Antwort schnaubt der Drache einmal laut. Rina schaut zu dem Wesen, während ihr Kopf die Erinnerungen zu verarbeiten versucht. Dann wird ein Gedanke ganz klar: Sie kommt nicht von Minion. Sie war immer davon ausgegangen im North Blue geboren und aufgewachsen zu sein. Doch in diesem Moment ist ihr diese Tatsache so klar, wie sonst nichts anderes. Erstaunt schaut sie zu dem Drachen.

„Das…sind meine Erinnerungen, oder?“ Der Drache schaut sie aus seinen gelben Augen traurig an. Einige Minuten steht Rina stumm da, während sie beobachtet wird, dann hebt der graue Riese seinen Kopf. Er sieht sich um, bevor er sein Maul öffnet und brüllt. Vögel fliegen panisch aus den Baumkronen. Überall raschelt es und Tiere rennen durch den Dschungel. Mit einem lauten Schlag breitet der Drache seine Flügel aus. Ohne Rina noch eines Blickes zu würdigen, stößt er sich vom Boden ab und erhebt sich in die Lüfte. Wenige Flügelschläge später ist er auch schon weg. Verwundert starrt Rina in die Luft.

Inmitten einer grünen Weide, auf einer verlassenen Insel, befindet sich ein tiefer Krater. In diesem liegt ein altes Dorf. Die Häuser sind klein und schlicht. Nicht zum ersten Mal fragt er sich, warum Kaido ihn ausgerechnet hier her geschickt hat. Mit dem Gefühl beobachtet zu werden, schaut er sich mit seinen drei Männern um. Den Rest der Mannschaft hat er beim Schiff gelassen.

„Suchst du etwas Bestimmtes?“ Ruckartig fährt er herum und schaut nach oben. Auf dem Haus ihm gegenüber sitzt ein blonder Mann mittleren Alters.

„Du bist doch Marco der Phönix. Kommandant der 1. Division der Whitebeardpiraten.“

„Man kennt uns also doch noch.“ Der Blondschopf grinst amüsiert.
„Es ist doch erst 2 Jahre her.“
„Doch die Menschen vergessen schnell, was sie gern vergessen wollen.“ erwidert Marco gelassen.

„Kommen wir mal zum Thema: Was sucht ein Mann von Kaido hier? Dies ist eine Insel Whitebeards. Hier gibt es nichts, dass dich interessiert, Rotflagge X Drake.“ Marcos Miene wird ernst.

„Ich weiß selbst nicht, warum ich herkommen sollte. Es hieß nur ich würde den Grund erkennen, wenn ich hier bin.“ Der ehemalige Konteradmiral wendet sich zum Gehen.

„Du kannst ihm sagen, dass sie nicht hier ist.“ ruft der Blonde ihm nach.

„Sie?“ Interessiert dreht sich Drake noch einmal zu ihm um.

„Sharina. Ich könnte drauf wetten, dass du sie finden sollst. Sie hatte ein paar … nennen wir es Meinungsverschiedenheiten…mit deinem Käpt’n.“ erklärt Marco.

„Das ist schon möglich. Doch genauso wenig wie ich verstehe, warum diese Insel Whitebeard gehört, verstehe ich, warum ich sie ausgerechnet hier finden sollte.“ Drake versucht mehr zu erfahren, da er jetzt eine Möglichkeit sieht, etwas über die Pläne von Kaido herauszufinden.

„Sie mag diese Insel. Meine Schwester kam früher oft hier her, wenn sie über etwas nachdachte. Deshalb hat Vater sie zu seinem Territorium erklärt und das wird sie auch bleiben.“ Der Kommandant der 1. Division ist aufgestanden und schaut mit ernstem Blick zu Drake. Dieser erwidert den Blick ohne mit der Wimper zu zucken.

„Wie du meinst. Dann werde ich Kaido sagen, dass ich nichts gefunden habe.“ Unter den erstaunten Blicken seiner Männer wendet sich Drake ab und begibt sich in Richtung Meer.

„Sie hat dich auf dem Archipel vor zwei Jahren ebenfalls gerettet. Ich hoffe du vergisst das nicht.“ merkt Marco noch an.

„Ich weiß. Deswegen möchte ich sie auch noch einmal treffen.“

 

„Weißt du warum man sie Dämonenschatten nennt?“ Wieso kommt ihm ausgerechnet jetzt diese Frage in den Sinn? Diese Frage war das letzte, das Doflamingo zu ihm gesagt hat. Nachdem er seinen Arm verloren, Rina Trebol angegriffen und der Strohhut noch nicht eingegriffen hat, hat Doflamingo ihn genau das gefragt. Bis heute versteht er es nicht. Warum hatte er genau in diesem Moment gefragt? Seufzend legt Law seinen Kopf auf die Arme, die auf seinem Tisch ruhen. Noch einmal lässt er den Ablauf des Kampfes Revue geschehen. Sein Arm wurde abgeschnitten, Trebol machte sich darüber lustig, Rina brachte ihn zum Schweigen und Doflamingo fragte eben jene Frage, die ihm nun wieder eingefallen war. Auf Dressrosa geschah alles so schnell, dass Law sich fragt, ob die Frage wirklich von Doflamingo gestellt wurde oder ob er sie sich einfach selbst stellt. Doch egal woher die Frage kam, eine Antwort hat er nicht. Die Marine vergibt oft solche Spitznamen. Aber meist beziehen diese sich auf ein körperliches oder charakterliches Merkmal. Dämonenschatten. Er würde wohl oder übel einen Insider der Marine danach fragen müssen. Und er weiß auch genau wen er fragen würde. Er greift zu Papier und Stift, um einen Botenvogel zu senden. Entschlossen steht er auf und geht zu seiner Mannschaft und gibt den neuen Kurs durch.

 

„Mein Name ist Sharina. Ich wurde im South Blue geboren. Meinen Vater habe ich nicht kennengelernt. Meine Mutter starb früh. Mit etwa neun Jahren kam ich auf die Insel Minion im North Blue. Ich lebte allein und beobachtete Piraten und die Marine, die oft kamen und gingen. Nach zwei Jahren war eine Piratenbande mit einer Teufelsfrucht dort. Sie wollten die Frucht an die Marine verkaufen. Eine andere Bande war ebenfalls da, um die Frucht zu stehlen. In der Nacht vor dem Tauschgeschäft kam ein Mann. Er hatte einen Jungen dabei, den er versteckte. Ich beobachtete, wie er sich an den Piraten vorbei schlich und die Teufelsfrucht stahl. Durch ein Missgeschick wurde er entdeckt und angegriffen. Der Mann rannte zu dem Jungen zurück, welcher die Frucht aß. Ich verstand, dass der Mann Corazon und der Junge Law hießen. Dann wurde der Junge weggeschickt. Ich ging zu Corazon und wollte seine Wunden behandeln, doch er wies mich ab und bat mich nur, dem Jungen zu helfen, die Insel zu verlassen.“ Leise spricht sie es aus. Glauben kann sie es immer noch nicht. Minion war nicht ihre Heimat. Und sie hatte mehr mit Corazon zu tun, als sie je dachte. Schon oft hat sie bemerkt, dass sie sich an manche Teile ihrer Vergangenheit nur verschwommen erinnern kann, doch seit sie den Drachen getroffen hat, lichtet sich der Nebel in ihren Gedanken. Das, was sie für einen Impuls hielt, waren in Wirklichkeit Corazons einzigen Worte an sie. „Für mich gibt es keine Rettung. Aber bitte.. hilf dem Jungen die Insel zu verlassen.“ Mit Tränen in den Augen zieht Rina die Knie an, schlingt die Arme darum und legt ihren Kopf darauf.

„Ich konnte noch nie jemanden retten. Es tut mir Leid, Law.“ flüstert sie leise. In diesem Moment möchte sie sich für immer in diesem Dschungel verkriechen. Ein Sonnenstrahl bricht durch die dichte Vegetation und wärmt Rinas Rücken.

„Du hast ihn gerettet und dafür danke ich dir.“ Mit einem Ruck schreckt Rina hoch. Sie dreht den Kopf in alle Richtungen, doch niemand ist zu sehen.

„Ist da jemand?“ fragt sie in den Dschungel hinein. Wie zur Antwort bricht erneut ein Sonnenstrahl durch alle Hindernisse zu ihr durch. Verdutzt schaut sie nach oben. Die Sonne fühlt sich angenehm warm auf ihrem Gesicht an. Die Tränen auf ihrer Wange trocknen. Sie hat das Gefühl, als hätte sie ihr jemand weggewischt.

„Dir muss nichts leidtun.“ erklingt die Stimme erneut. Sie kommt ihr bekannt vor. Sie steht auf und sieht sich um. Geblendet von der Sonne, meint Rina eine Person in einem schwarzen Mantel zu sehen.

„Nein, das kann nicht sein.“ Sie blinzelt ungläubig und eine Wolke schiebt sich vor die Sonne. Die kleine Lichtung verdunkelt sich und die Gestalt verschwindet. Dennoch wird sie das Gefühl nicht los, bis eben noch eine Präsenz gespürt zu haben.

„Vielleicht…ist der Tod doch nicht das letzte Kapitel.“ In diesem Moment hatte sie genug vom Trübsal blasen. Sie hat einige Dinge zu erledigen. Sie weiß, dass sie jetzt etwas in Bewegung bringen musste, dass alles verändern konnte.

„Wäre ich noch in der Marine, würde ich dich erst einsperren, bevor ich mit dir rede.“

„Was hat dich daran gehindert Soldaten mitzubringen?“ lautet die gleichgültige Antwort.

„Weißt du was ich  mich schon immer gefragt habe?“ Der alte Mann setzt sich auf einen Felsen.

„Vor einigen Jahren habe ich einen sehr guten Soldaten verloren. Und noch zwei weitere Dinge: Die Operations-Frucht und einen Jungen, der an der Bernsteinkrankheit litt. Da du besagte Teufelskraft besitzt, frage ich mich…“

„…ob ich das Kind von damals bin. Ja. Das war ich.“ beendet der schwarzhaarige Pirat den Satz des Alten. „Cora-san hat sein Leben für mich geopfert.“ fügt er noch hinzu.

„Hab ich’s mir doch gedacht.“ Nachdenklich streicht sich der Oberinspektor der Marine über den Bart. Dann schaut er zu dem Piraten vor sich.

„Um Corazons Willen will ich dir zuhören.“

„Ich möchte lediglich, dass du mir eine Frage beantwortest.“
„Und die wäre.“ Interessiert zieht Sengoku eine Augenbraue hoch.

„Warum hat die Marine Sharina den Beinamen ‚Dämonenschatten‘ gegeben?“

„Du willst das wirklich wissen? Warum jetzt?“

„Ich habe nie darüber nachgedacht aber…Doflamingo fragte mich danach.“

„Verstehe…hmmm…also gut ich erzähle es dir.“ Sengoku seufzt und schaut kurz zu Boden, bevor er Law direkt in die Augen sieht. Die Blicke beider Männer sind ernst.

„Wusstest du, dass Sharina eine Sklavin war?“ Erschrocken reißt Law die Augen auf.

„WAS?“
„Es muss etwa zwei Jahre nach der Sache auf Minion gewesen sein. Da haben ein paar Piraten ein Mädchen gefangen und als Sklavin verkauft. Eine Himmelsdrachenfamilie hat sie gekauft und in eine Arena gesteckt, wo sie um ihr tägliches Leben kämpfen musste. Sie war schnell und stark. Doch es kamen Gerüchte auf. Zuschauer meinten schwarze Male auf ihrer Haut zu sehen, wenn sie kämpfte. Besonders in Kämpfen, die sie an ihre Grenzen brachten. Drei Jahre verbrachte sie so. Dann wurde die gesamte Arena in einem Kampf zerstört. Die meisten Sklaven flohen, doch Rina konnte gefangen werden. Die Himmelsdrachenfamilie hatte Angst vor ihr, also verkauften sie sie weiter. Was dann mit ihr geschah weiß ich nicht genau. Doch einige Jahre später kamen Gerüchte. Whitebeard habe ein Mädchen in seine Bande aufgenommen. Ein Mädchen mit schwarzen Malen und den Augen eines Dämons. Viele berichteten, dass es so aussähe, als würde der Schatten eines Dämons auf sie fallen. Daher Dämonenschatten.“ Die ganze Zeit hat Law Sengoku ungläubig angestarrt. Am liebsten würde er das alles nicht glauben.

„Hast du…diese Male schon einmal gesehen?“ fragt Law, um eine Bestätigung zu bekommen.

„Ich bin mir nicht sicher. Ich meine gesehen zu haben, wie sich schwarze Linien auf ihrer Haut ausbreiten, als die Marine gegen die Whitebeardpiraten gekämpft hat. Doch Whitebeard selbst hat sie zurückgehalten, weshalb ich mir nicht sicher bin.“ Einige Minuten herrscht Schweigen zwischen den zwei Männern. Beide schauen zu Boden.

„Danke, dass du mir meine Frage beantwortet hast.“ Sengoku hebt den Kopf, doch Law wendet sich bereits ab. Auch wenn er ein Pirat ist, so hat der ehemalige Großadmiral das Gefühl etwas sagen zu müssen.

„Denk nicht zu viel darüber nach. Das würde keinem von den Beiden gefallen. Weder Corazon noch Sharina.“ Verdutzt dreht sich Law noch einmal um. Verlegen schaut Sengoku zur Seite. Law beschließt seinen Weg fortzusetzen. Er hat das Gefühl, dass gerade irgendetwas in Bewegung gekommen ist.

 

Auf einer Insel in der neuen Welt…

Schon fast ehrfürchtig fährt der Rookie mit den Händen über die Bilder an der halbverotteten Steinwand.
„Kannst du etwas davon lesen?“ wendet er sich an eines seiner Crewmitglieder.

„Nur wenig, Käpt’n.  Es scheint eine Geschichte zu sein. Es hat irgendetwas mit Richtern und Dienern zu tun. Außerdem steht hier etwas von einem Urteil, dass durch einen Auslöser hervorgerufen wird.“ antwortet sein Gefolgsmann.

„Ein Auslöser?“

„So wie ich das sehe, handelt es sich dabei um einen Menschen, der unerklärliche Fähigkeiten hat.“

„Das grenzt die Auswahl nicht wirklich ein.“ Nachdenklich schaut sich der junge Kapitän die Bilder nochmal an. Sein Blick bleibt bei der Darstellung eines Drachen und eines Menschen hängen, die sich gegenüber stehen.

„Wusste gar nicht, dass du dich so sehr für die Antike interessierst, Cavendish.“

„Bartolomeo!? Verfolgst du mich etwa?“

„Tut uns Leid Käpt’n. Wir konnten ihn nicht aufhalten.“ Entschuldigen sich einige Männer bei Cavendish, was dieser abwinkt. Er konzentriert sich auf Bartolomeo.

„Davon träumst du. Ich bin rein zufällig hier. Also was ist hier so interessant, dass du so intensiv nachdenkst.“ Cavendish seufzt und massiert sich den Nasenrücken.

„Wie wär’s…wenn wir das bei einem Drink bereden?“ schlägt er schließlich vor. Etwas abseits ihrer  Mannschaften, sitzen die zwei Kapitäne an der Küste bei den Schiffen.

„Wie ist es dir ergangen, seit sich unsere Wege getrennt haben?“ fragt Cavendish.

„Naja, du musst zugeben, dass nach der Sache auf Dressrosa, nichts mehr wirklich überraschend ist. Wir haben an ein paar Inseln Halt gemacht und die eine oder andere Piratenbande platt gemacht.“ gibt Bartolomeo grinsend zurück.

„Hättest ja IHM folgen können. In seiner Nähe passiert doch immer etwas.“ meint der Blondschopf grinsend.

„Was ist mit dir?“ fragt nun Bartolomeo.

„Ich frage mich, was aus Trafalgar geworden ist. Er ist damals nicht am Osthafen angekommen und ihr seid trotzdem losgesegelt.“

„Ach stimmt ja. Das hast du gar nicht mitbekommen. Er kam mit Rina nach Zou. Da die Marine kam, ist Rina dort geblieben, um sie abzulenken. Trafalgar ist danach verschwunden. Keine Ahnung was er jetzt machen.“
„Scheint, als würde es den beiden gut gehen.“ Cavendish klingt erleichtert. Bartolomeo runzelt die Stirn.

„Klingt, als würdest du lieber unter seiner Flagge segeln.“ Neckt der Barrieremensch.

„Trafalgar ist noch weniger der Typ dafür, als der Strohhut. Nein, das wäre nun wirklich nicht das Richtige. Dennoch würde ich ihn gern noch einmal treffen.“

„Er wirkte seltsam auf Zou. Ich frage mich, was mit ihm los ist. Aber eins ist sicher: Einen wie ihn trifft man garantiert wieder.“

„Da hast du Recht.“ Schweigen tritt ein.

„Sag mal…du kennst nicht zufällig jemand, der das antike Zeug dahinten lesen kann?“ Über den plötzlichen Themenwechsel überrascht, starrt Bartolomeo seinen Kumpanen an.

„Halt mich für verrückt, aber ich habe das Gefühl, dass dort irgendwas Wichtiges steht.“ ergänzt der Schönling. Bartolomeo denkt eine Weile darüber nach.

„Ich kenne niemanden außer vielleicht…Nico Robin…oder eventuell Sharina.“

„Was also heißt, dass ich suchen muss.“

„Sollte ich Law oder Rina sehen, werde ich mich melden.“ verspricht Bartolomeo. Am nächsten Morgen trennen sich die beiden wieder mit dem Wissen, dass sie sich garantiert wiedersehen.

 

Einige Meilen weiter Östlich…

 

„Käpt’n da kommt ein Schiff auf uns zu.“ ruft ein Mann vom Krähennest.

„Welche Flagge?“ schreit der Zoan-Frucht-Nutzer zurück.

„Keine Flagge, Sir.“ lautet die Antwort.

„Keine Flagge? Das ist was faul.“ murmelt der Kapitän. „Seid wachsam Männer!“ befiehlt er. Schiffe ohne eine Flagge bedeuten nur selten etwas Gutes. Vor allem die nicht die, deren Segel zudem noch schwarz und zerfleddert sind. Ungewöhnlich schnell kommt das Schiff näher. Drakes Männer stehen, bereit zum Kampf, an Deck. Er selbst schaut angestrengt auf das vorbeiziehende Schiff. Seelenruhig zieht es vorbei. Niemand ist auf dem Kahn zu sehen.

„Ein Geisterschiff?“ fragt Drake sich selbst. Noch einmal sucht er das Schiff mit seinem Blick ab. Doch niemand ist zu sehen. Die Tatsache beunruhigt ihn. Solche Schiffe waren meist Inhalt der unglaublichsten Geschichten. Und in denen war meist mehr als nur ein Funke Wahrheit. Das Schiff stinkt nach Tod und Verwesung. Plötzlich ertönt ein Quicken von Oben. In der Takelage klettert ein zerzaustes Äffchen herum. Es beäugt die Piraten mit neugierigen Blicken. Ein Schauer jagt über Drakes Rücken.

„Dreht in den Wind! Ich will Distanz zu dem Schiff gewinnen!“ befiehlt er, wobei er versucht so ruhig wie möglich zu klingen. Seine Crew kommt nur zu gern dem Befehl nach. Dennoch dauert es einige Zeit, bis die fremden Segel am Horizont verschwinden. Drake überlegt, aus welcher Geschichte dieses Schiff wohl stammen mag.

5 Wochen nach den Ereignissen auf Dressrosa.

 

Das U-Boot der Heart-Piraten treibt träge auf dem offenen Meer mit der Strömung.

An Deck liegt Bepo und schläft, während Law sich an ihn lehnt. Sein Schwert liegt neben ihm. Mit geschlossenen Augen genießt er die Sonne. Das Rauschen der Wellen wird lauter und der Rhythmus ändert sich. Langsam öffnet der schwarzhaarige Kapitän seine Augen. Sofort springt ihm das Schiff ins Auge, welches sich rasch nähert. Schnell erkennt er das Zeichen der Whitebeardpiraten. Law streckt sich ausgiebig und geht dann zur Reling, um sich auf eben diese zu lehnen. Nach wenigen Minuten hat das große Schiff aufgeschlossen. An Deck steht Marco. In den letzten Jahren hat sich Law schon des Öfteren gefragt, ob er oder Rina das Kommando hat.

„Was verschafft mir die Ehre?“ gähnt er zur Begrüßung.

„Wir schauen nur so vorbei und wollten wissen, ob unsere Schwester nicht zufällig bei dir ist.“ antwortet Marco freundlich. Er hat Law schon öfter getroffen. Sie waren sich nicht unähnlich und kamen auch recht gut miteinander aus.

„Da kommst du Leider einige Wochen zu spät. Ich dachte, sie wäre wieder bei euch.“

„Scheinbar ist sie wieder allein losgezogen.“ Marco blickt nachdenklich drein.

„Als wäre das was Neues. Rina hat doch schon immer getan, was sie wollte.“ Law versucht, seine Sorge nicht durchdringen zu lassen. „Ist etwas passiert?“ fragt er trotzdem.

„Ach…es ist nichts…nur…könntest du ihr sagen, dass sie sich melden soll? Wäre echt super.“ Misstrauisch zieht Law eine Augenbraue hoch. Marco atmet einmal tief durch.

„Mir ist X Drake über den weggelaufen. Er sucht nach ihr. Sowohl im Auftrag von Kaido, als auch in eigener Sache.“ fügt er widerwillig hinzu. Nachdenklich runzelt Law die Stirn. Marco beobachtet ihn und wartet auf eine Reaktion.

„Interessant. Scheint, als wäre ich im Moment ziemlich gefragt.“ Von der weiblichen Stimme verwirrt, schauen sich die Männer erst gegenseitig an, bevor sie nach unten schauen. Neben den Schiffen treibt Ace‘ Striker. Auf ihr steht zu ihrer Verwunderung Rina. Sie hat neue Klamotten, wie Law belustigt feststellt. Statt des Pullis, den sie bei ihm hat mitgehen lassen, trägt sie nun ein trägerloses Top, dass vom Bauchnabel bis zum Hosenbund aus Fransen besteht, wodurch das Zeichen der Whitebeardpiraten auf ihrem linken Schlüsselbein sehr gut zu sehen ist. Die Shorts von Nami trägt sie noch immer und dazu schwarze Sandaletten.

„Du hast es also doch geschafft, die Striker umzubauen.“ bemerkt Marco.

„Pille palle.“ winkt Sharina ab und springt auf Laws Schiff. „Aber sag mal Marco…was die Sache mit Drake und Kaido angeht…“ fügt Rina hinzu.

„Das ist schon einige Wochen her. Ich dachte mir nur, dass er dich vielleicht noch nicht gefunden hat. Und wenn er’s doch geschafft hätte, dann hätten wir dich befreit.“
„Befreit? Als würde ich mich so lei…ach vergiss es.“ Sowohl Marco, als auch Law, brechen, bei der Bemerkung, in Lachen aus.

„Seid ihr dann fertig?“ fragt sie nach einigen Minuten genervt. „Marco, wärst du so freundlich die Striker mitzunehmen?“

„Kein Problem.“ Er macht eine kurze Handbewegung und drei Männer machen sich an die Arbeit, das kleine Boot an Bord zu holen.

„Ich nehme mal an, du wirst nicht mit uns kommen?“ Rina schüttelt den Kopf. „Na dann… lass nicht so lang auf dich warten.“

„Ich werd’s versuchen.“ Rina und Marco grinsen sich an. Das Schiff gerät in Bewegung. Als das Schiff kaum noch zu sehen ist, wendet sich Rina an Law.

„Nun zu dir!“ Fragend sieht Law sie an. „Wenn du dich das nächste Mal mit dem alten Mann triffst, dann grüße ihn wenigstens von mir.“ Als stünde ein Seemonster vor ihm, starrt Law sie an. Woher zum Teufel wusste sie das?

„Er meinte, du klangst besorgt, wollte aber nicht sagen, worüber ihr gesprochen habt.“ Innerlich atmet Law auf, doch sein Blick bleibt gleichgültig.

„Woher weißt du davon?“ Zur Antwort wirft Rina ihm etwas zu. Als der Chirurg das Ding in der Hand hat, erkennt er eine kleine, schwarze Teleschnecke. Er hat diese Art schon einmal gesehen. Sie dient lediglich zum Empfangen von Nachrichten und man kann mit ihr dem Anrufer nicht antworten. Rina, welche nun mit dem Rücken zu ihm steht, lehnt sich auf die Reling. Schweigend gibt der Kapitän die Teleschnecke ihrer Besitzerin zurück.

„Ich… ich habe einen Teil meiner Erinnerungen zurück. Ich meine Richtige Erinnerungen. Nicht nur vage Bilder.“ erklärt sie ruhig, den Blick starr auf das Meer gerichtet. Da Law keine Anstalten macht etwas zu sagen, beginnt Rina ihm zu erzählen, woran sie sich erinnert. Dass Minion nicht ihre Heimat ist. Dass Corazon sie um Hilfe gebeten hat. Und dass sie einige Jahre eine Sklavin war.

„Dass ich eine Sklavin war, habe ich absichtlich verschwiegen. Ich wusste du würdest dir Vorwürfe machen und dich damit belasten. Und…das mit Corazon…ich hätte ihn retten können aber…Es…es tut mir Leid, Law. Ich…“ Weiter kommt sie nicht, denn Laws Zeigefinger liegt auf ihren Lippen. Mit ernstem Blick schaut er ihr in die Augen, dann wird sein Ausdruck weicher.

„Ist schon gut. Er wollte es so. Da muss dir gar nichts leidtun.“ Er lächelt kurz. Schon wieder. Schon wieder sagt mir jemand, dass mir das nicht leidtun muss. denkt Rina im Stillen.

„Komm wir sollten was essen gehen, bevor alles weg ist.“ Law geht zur Tür, doch Rina bleibt stehen.

„Da ist noch etwas.“ sagt sie leise, was den Piraten veranlasst stehen zu bleiben und sich umzudrehen.

„Du sagtest, dass du mich nichts fragen würdest und ich es dir erzählen soll, wenn ich es will. Du hast garantiert Fragen. Und eine wird sein, welche Verbindung zwischen mir und Sengoku besteht, nicht wahr? Auch wenn noch manche meiner Erinnerungen verschwommen sind, so kann ich eines mit Gewissheit sagen: Sengoku ist mein Großvater.“

„Sengoku ist mein Großvater.“ Mit halboffenem Mund starrt Law seine Freundin an. Sie selbst scheint nicht zu wissen, was sie tun oder fühlen soll. Sie ist angespannt und wartet auf die Reaktion des Kapitäns. Um sich aus der Starre zu lösen, blinzelt dieser ein paar Mal. Dann geht er auf Rina zu und bleibt genau vor ihr stehen. Nervös schaut sie zu ihm auf. Entgegen all ihrer Erwartungen Lächelt der Chirurg des Todes, umfasst ihr Gesicht mit den Händen und legt seine Stirn gegen ihre.

„Es freut mich, dass du nicht alles verloren hast.“ flüstert er. Sie kann hören, wie er dabei immer noch lächelt. Perplex steht Rina da. Unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Nach einigen Augenblicken lösen sich die zwei voneinander.

„Lass uns essen gehen.“ wechselt er das Thema und geht, gefolgt von Rina, ins Innere des Schiffes.

 

Sobald sie das Innere des Schiffs betreten haben, hat Law seine gleichgültige Miene aufgesetzt. Für Momente, wie eben an Deck, dankt Sharina Corazon in Gedanken. Diese Momente, wenn Law keine Maske auf hat, sondern der warmherzige Mensch ist, der er in Wirklichkeit ist. Sie will sich nicht vorstellen, was wäre, wenn Corazon Laws Herz nicht erreicht hätte. In der Kombüse sitzt schon die versammelte Mannschaft bei Tisch, wobei einige schon fertig mit dem Essen sind.

„Ah, Rina! Du bist ja wieder da.“ begrüßt sie Shachi. Lächelnd nickt sie der Mannschaft zu.

„Das heißt dann wohl, dass wieder etwas Großes ansteht.“ bemerkt Penguin.

„Entschuldigt Mal! Als würde immer, wenn ich meine Finger im Spiel hab, etwas…oh… vergesst was ich gesagt hab.“ Schallendes Gelächter erfüllt den Raum. Die Mannschaft ist so gut gelaunt wie immer.

„Ich an eurer Stelle würde aufpassen. Rina hat ein paar hohe Tiere in der Verwandtschaft.“ Rina wirft Law einen Todesblick zu, welchen dieser ignoriert. Die Crew sieht fragend zu ihr.

„Ich bin mir sicher euer Kapitän wird schon auf euch aufpassen.“ bemerkt sie scharf, ohne den Blick von Law abzuwenden. Einen kurzen Moment lang schauen sich die Beiden an, bis Rina lacht. Die anderen sind kurz verwirrt, quittieren das Ganze jedoch als etwas, das nur ihren Kapitän und das Mädchen etwas angeht. Den Rest des Abends verbringt Rina mit der Mannschaft. Sie spielt mit ihnen Karten und unterhält sich mit ihnen.

 

Gedankenverloren schaut Hawkins, einen Ellenbogen auf der Reling und den Kopf auf der Hand abgelegt, übers Meer. Die drei Schiffe segeln nebeneinander her. Kids in der Mitte. Die Streiterei zwischen Kid und Apoo bekommt er gar nicht richtig mit. Er hörte ihre Stimmen nur am Rand seines Bewusstseins. Sie haben die Allianz zwar gegründet, um Shanks zu besiegen, aber so wirklich näher kommen sie ihrem Ziel sowieso nicht. Und genau deshalb streiten sich die anderen beiden häufig. Hawkins hat schon oft mit dem Gedanken gespielt, fürs erste allein weiter zu segeln. Aber dafür passieren einfach zu interessante Dinge in letzter Zeit. Einige Zeit, nachdem er Sharina das letzte Mal gesehen hat, flog etwas über sie hinweg. Es war zu schnell, um es genau zu erkennen, aber Hawkins könnte schwören, dass es ein Drache war. Das hat er natürlich niemandem gesagt. In diesem Moment schiebt sich etwas in sein Sichtfeld. Desinteressiert starrt er auf das Etwas, dass mit der Zeit größer wird. Nach einigen Minuten begreift er endlich, dass sich da ein Schiff nähert. Er hebt den Kopf und richtet sich langsam auf.

„HEY!“ ruft er, ohne den Blick von dem Schiff abzuwenden. Kid und Apoo haben ihn gehört und schauen zu ihm rüber.

„Was ist?“ fragt der Rotschopf schroff.

„Ein Schiff. Ohne Flagge.“ antwortet Hawkins. Apoo springt auf Hawkins‘ Schiff rüber und beugt sich weit über die Reling.

„Hmmm… scheint interessant zu sein.“

„Interessant? Da wo ich herkomme, ist sowas der Stoff von diversen Geschichten, mit denen Kindern Angst gemacht wird.“ erwidert Kid noch immer gereizt.

„Und? Bist du ein Kind?“ stichelt Apoo weiter.

„Hört auf! Alle beide!“ Obwohl Hawkins ruhig spricht, wirken die Worte. Die beiden anderen halten die Klappe. Das  Schiff ist nun schon fast bei ihnen. Auch die Mannschaften haben das fremde Gefährt bereits bemerkt. Nervosität macht sich breit.

„Ts. Nur ein verwahrlostes Schiff.“ meint Kid. In diesem Moment ertönt ein hoher Schrei. Die Männer heben die Köpfe und schauen auf einen Affen, der sich an einem Tau festhält. Kopfüber blickt er zu ihnen hinüber. Das Schiff zieht ruhig und gespenstisch vorbei. Solange es noch in naher Sichtweite ist, beäugt der Affe die Schiffe.

„Was…war das denn?“ fragt Apoo anschließend, wobei er keine Antwort zu erwarten scheint.

„Ich weiß es nicht. Aber geheuer ist mir das nicht.“ entgegnet Hawkins.

„Pah. Ihr zwei habt doch ‘ne Macke.“ Genervt wendet sich Kid ab. Die anderen beiden tauschen skeptische Blicke.

 

Der Morgen beginnt zu seinem Leidwesen nicht so, wie der Abend zuvor geendet hat. Schon früh hat Bepo aufgeregt an die Tür der Kajüte geklopft und von einem fremden Schiff erzählt. Law und Rina sind daraufhin an Deck gegangen, um sich die Neuankömmlinge anzusehen. Neugierig schauen sie hinüber.

„Was grinst du so?“ fragt er Rina.

„Die Flagge! Das ist Cavendish‘ Zeichen, oder?“ Law schaut von ihr zu dem Schiff. Tatsächlich. Sie hat Recht. Warum ist mir das nicht aufgefallen?, fragt er sich selbst.

„Das sind keine Feinde. Lasst sie herkommen.“ sagt er laut. Die Crew atmet erleichtert auf. 

„Lange nicht gesehen. Hattest du Sehnsucht?“ fragt Rina, als das Schiff bei ihnen ist.

„Ich wollte euch meine strahlende Erscheinung nicht zu lang vorenthalten.“ lautet die arrogante Antwort. Einen Moment herrscht Stille, dann grinsen beide breit und beginnen zu lachen. Law steht stumm daneben. Es fasziniert ihn, wie Rina sich mit den unterschiedlichsten Menschen so gut versteht. In gewisser Weise bewundert er sie sogar dafür.

„Aber ich habe gehofft euch zu treffen.“ fügt der Blondschopf hinzu. Rina sieht fragend zu Law, welcher die Augenbrauen hochzieht.

„Ich hab vor einiger Zeit eine Insel gefunden, auf der alte Ruinen sind. Ich dachte, dass du vielleicht lesen kannst, was dort steht.“ erklärt er ohne Umschweife und schaut Rina an.

„Warum interessiert dich sowas?“ fragt Law an ihrer Stelle.

„Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, ohne, dass es verrückt klingt.“

„Tja, normal scheint es in dieser Welt immer seltener zu geben.“ seufzt Rina.

„Naja. Ich habe das Gefühl, dass dort irgendetwas Wichtiges steht.“ meint Cavendish.

„Was meinst du?“ wendet sich Rina an Law.

„Als würdest du mich brauchen.“ Rina schaut ihn vielsagend an. Law seufzt einmal.

„Na schön. Schauen wir uns das mal an.“ Rina lächelt ihn an. Die Crew macht alles bereit und Cavendish gibt Befehle an seine Leute.

„Das ist höchst interessant.“ Ebenso wie Cavendish zuvor, streicht nun Rina vorsichtig über die Abbildungen. Law steht wenig interessiert etwas abseits und beobachtet sie.

„Kannst du sowas lesen?“ fragt Cavendish.

„Nein.“

„Was?“

„Das ist keine Sprache. Das ist einfach nur eine Geschichte in Bildern erzählt.“ erklärt Rina. Law grinst hämisch, verkneift sich jedoch einen Kommentar.

„Wenn das nur eine Geschichte ist… Was erzählt sie?“ fragt Cavendish.

„Ich weiß es nicht. Einiges fehlt.“ erwidert Rina. Sie scheint traurig darüber zu sein.

„Ich könnte sie dir erzählen.“ Alle Anwesenden fahren erschrocken herum. Hinter den Überresten der Mauer, vor der sie stehen, kommt ein junger Mann hervor. Er hat schwarzes, schulterlanges Haar und seine Augen leuchten golden. Auf eine komische Art und Weise, kommt er Rina bekannt vor. Law kommt misstrauisch näher.

„Wer bist du?“ Der Fremde hat bisher nur Rina angesehen, richtet seine Aufmerksamkeit nun aber auf Law.

„Ich habe keinen Namen.“ lautet die kalte Antwort.

„Du sagtest, du könntest uns die Geschichte erzählen.“ mischt sich Rina ein.

„Ich sagte, ich könne sie DIR erzählen.“ Der Blick des Fremden haftet wieder auf ihr. Fragend zieht sie die Augenbrauen hoch.

„Wieso nur ihr?“ fragt Cavendish.

„Weil nur sie dazu fähig ist, diese Geschichte zu verstehen.“

„Könntest du aufhören in Rätseln zu sprechen.“ verlangt Law. Er ist gereizt und ihm ist anzumerken, wie gern er sich des Neuankömmlings entledigen würde.

„Wieso nur ich?“

„Du hast noch nicht alle Erinnerungen vollständig zurück? Hmm…Dann wirst du danach mehr verstehen.“

„Woher weißt du…?“ In Rina steigt eine Ahnung hoch. Mit großen Augen starrt sie ihn an.

„Bist du etwa…“ Weiter kommt sie nicht, denn der Fremde legt ihr eine Hand auf den Mund. Er nickt leicht, um das unausgesprochene zu bestätigen. Law passt es nicht, dass er Rina so nah ist und will schon dazwischen gehen. Doch sie kann ihn mit einer Handbewegung zurückhalten.

„Also schön. Erzähl mir die Geschichte.“ Bei der Einwilligung grinst der Fremde.

„Besser. Ich werd sie dir zeigen.“ Noch bevor jemand reagieren kann, greift er nach Rinas Arm und zieht sie in die Überbleibsel der Mauer.

 

Auf einer kleinen, idyllischen Insel sitzen zwei alte Männer vor einer Kneipe.

„Ich muss gestehen, ich bin überrascht, dass du hier aufgetaucht bist, Sengoku.“

„Ich wollte deine Meinung zu einer persönlichen Angelegenheit hören, Garp.“ Fragend schaut dieser zu seinem ehemaligen Vorgesetzten hinüber.

„Wieso hab ich da so eine Ahnung, worum es gehen könnte?“

„Ich fühle mich schlecht. Ich war bereit ihr alles zu nehmen, obwohl ich wusste, dass sie meine Enkelin ist.“ Beginnt Sengoku nachdenklich.

„Ohne zu zögern. Selbst du hast noch einige Worte und sogar eine Entschuldigung für Ace gehabt.“ fügt er hinzu. Garp hört still zu und trinkt einen Schluck von seinem Bier.

„Weißt du noch, was du zu mir gesagt hast?“ fragt Garp.

„Kämpfe für die Marine oder halt dich raus.“ wiederholt Sengoku seine Worte von damals.

„Ganz genau. Du hast dich nur an deine eigenen Worte gehalten. Es ist, wie es ist. Sie steht auf der einen, du auf der anderen Seite.“ Stille tritt ein. Beide Männer trinken einen Schluck.

„Sie hat ihn Vater genannt. Aus tiefsten Herzen.“ flüstert der Aufsichtsführende kaum hörbar.

„Sie kannte ihren wahren Vater wahrscheinlich nicht. Du solltest vielleicht ein paar Dinge zu ihrem Gunsten drehen.“ versucht Garp seinen alten Freund aufzumuntern.

„Wie machst du das nur? Du hast den Strohhut in Water Seven einfach gehen lassen und trotzdem warst du immer auf Seiten der Marine und der Weltregierung.“ Auf diese Aussage hin lacht Garp herzlich auf.

„Das ist ganz einfach. Es ist, wie unser guter Aokiji immer sagte: schlampige Gerechtigkeit. Oder in meinem Fall: alles kleinlich sehen. Ich bin damals nach Water Seven, um mit meinem Enkel zu reden und nicht auf deinen Befehl hin. Es war eine Privatsache und kein Auftrag im Namen der Regierung.“ Beim Anblick, wie sehr seine Augen strahlen und mit welcher Euphorie er es sagt, muss Sengoku lächeln. Auch wenn er der Großadmiral war, so hat er Garp immer respektiert und seinen Rat geschätzt. In diesem Augenblick fällt ihm wieder ein warum.

 

Benommen öffnet Rina die Augen. Sie liegt bäuchlings im Gras, die Hände neben ihrem Kopf. Langsam richtet sie sich in eine sitzende Position auf. Als sie sich umsieht, bemerkt sie, dass die Ruinen wieder zusammengesetzt sind. Vor ihr liegt ein Dorf, umgeben von einer niedrigen Mauer, welches in voller Blüte steht. Kinder rennen lachend umher, Frauen tragen Krüge mit Wasser und es gibt einige Stände, an denen gehandelt wird. Niemand scheint sie bemerkt zu haben. Rina steht auf und sieht zurück zu der Mauer, durch die sie der Fremde gezogen hat. Bei dem Gedanken fällt ihr ein, dass ebenjener ebenfalls nicht da ist. Unsicher schaut sie sich noch einmal um, dann geht sie auf die Häuser zu. Noch immer bemerkt sie niemand. Rina beschließt jemanden direkt anzusprechen und geht auf eine Frau zu.

„Entschuldigen Sie…“ Die Frau reagiert nicht und…geht einfach durch sie hindurch. Moment was? Sie ist einfach durch mich…durch…gegangen? Aber wie… wie ist das möglich? In Gedanken versunken starrt sie der Frau hinterher.

„Sie können dich weder sehen noch hören, denn du bist nicht Teil dieser Welt.“ Beim Klang der Stimme, fährt Rina herum. Vor ihr steht nun der Fremde von vorher.

„Was meinst du?“

„Du wolltest die Geschichte dieser Ruinen erfahren. Sie dich um! Du bist mitten drin.“ Er macht eine ausschweifende Handbewegung Richtung Dorf. Ungläubig starrt sie in an.

„Komm! Ich werde die Geschichte erklären.“ Er wendet sich ab und geht die Straße entlang. Fasziniert folgt sie ihm.

Mit, vor der Brust, verschränkten Armen, sitzt Law im Schneidersitz auf den Boden. Sein Blick starr auf das Stück Mauer vor sich gerichtet. Anfangs hat er perplex dagestanden, dann die Ruine auf eine Art geheimen Durchgang abgesucht und sich dann letztendlich auf den Boden gesetzt. Das war vor etwas mehr als 3 Stunden. Cavendish hat sich währenddessen die anderen Ruinen angesehen. Seit einiger Zeit steht er aber ebenfalls nur an einem Baum gelehnt und beobachtet Law. In der Zwischenzeit sind einige Crewmitglieder zu ihnen gestoßen, da sie sich Sorgen gemacht haben. Nun herrscht bedrückende Stille.

„Hey! Kohlkopf!“ Bei der lauten Unterbrechung der Still, zucken alle zusammen. Selbst der Chirurg des Todes fährt herum.

„Bartolomeo! Hast du sie noch alle hier so rumzubrüllen?“ fährt Cavendish ihn an. Bartolomeo sieht sich verdutzt um. Er sieht die ernsten und Teils besorgten Blicke.

„Was ist denn los?“ fragt er schließlich. Cavendish schaut zu Law. Dieser erwidert den Blick und zuckt nur gleichgültig mit den Schultern, bevor er sich wieder der Mauer zuwendet. Der Blondschopf seufzt einmal und beginnt dann mit der Erklärung.

„Moment Mal! Soll das heißen Rina ist IN eine MAUER gezogen worden?!“ entfährt es Bartolomeo.

„Ich hab’s dir doch gerade gesagt.“ Während die beiden Neulinge sich unterhalten, hat sich Law keinen Millimeter bewegt. Regungslos ist seine ganze Konzentration auf die Ruinen gerichtet. Bartlomeo schaut ab und an zu ihm hinüber. Die zwei Kapitäne unterhalten sich ein wenig, um die Zeit zu überbrücken.

 

„Na sieh mal einer an. Wenn das nicht der gefürchtete Chirurg des Todes ist. Du bist ziemlich gesselig geworden, wie mir scheint.“

„Das musst ausgerechnet du sagen?“ fragt Law ohne sich umzudrehen. Er weiß auch so, dass Kid hinter ihm steht. Und Hawkins und Apoo werden ebenfalls bei ihm sein.

„Wir haben immerhin etwas vor. Du scheinst dich allein nirgendwo mehr hinzu trauen und verkriechst dich.“ Das bringt das Fass zum Überlaufen. Mit einem Ruck steht Law auf, geht auf Kid zu und bleibt nur wenige Zentimeter vor ihm stehen.

„Hör zu, Eustass! Es geht mir am Arsch vorbei, was du oder sonst irgendwer denkt! Und was ich mache geht dich einen feuchten Dreck an! Ich habe es verdammt nochmal nicht nötig mir dein Scheißgelaber anzuhören, klar? Also tu uns allen einen Gefallen, halte deine Fresse und verschwinde wieder!“ Wie zwei Tiger, die sich jeden Moment an die Gurgel gehen, schauen sich die beiden an. Keiner von beiden hat vor, den Blick zuerst abzuwenden. Alle anderen beobachten die zwei angespannt.

„Jetzt hört doch auf damit.“ versucht Cavendish die beiden zu beruhigen, was Kid dazu veranlasst sich ihm zu zuwenden.

„Du kleiner Neuling hast dich da nicht einzumischen!“

„Du hast dich in den letzten Jahren wirklich kein Stück verändert, Eustass Captain Kid.“ Beim Klang der Stimme wirkt Kids Gesichtsausdruck noch gereizter. Law flucht innerlich, als er Drake sieht. Alle anderen scheinen überrascht über dessen Anwesenheit zu sein.

„Drake!“

„Du kennst meinen Namen noch. Schön für dich. Aber wegen dir bin ich nicht hier.“ Dabei dreht sich der Zoan-Nutzer zu Law. Dieser festigt den Griff um sein Schwert.

„Wo ist sie?“ fragt Drake nur.

„Nicht hier. Also hau ab!“ gibt Law so ruhig wie immer zurück.

„Hältst du mich für bescheuert? Sie war nicht bei den Whitebeards und du sagst,  sie ist auch nicht bei dir? Oder, dass du nicht weißt, wo sie ist? Ich bitte dich Trafalgar. Ich weiß mehr über euch, als du ahnst.“ Er schaut Law ernst an, doch dieser gibt nicht nach und hält dem Blick stand.
„Wenn du so viel weißt, dann solltest du auch wissen, dass man sie nicht zwingen kann und, dass sie oft genug Alleingänge unternimmt.“ versucht er spöttisch.

„Hey! Könnte uns mal jemand aufklären, um was es hier geht?“ fragt Bartolomeo.

„Er will Rina. Hast du das denn nicht kapiert?“ Irritiert schaut sich Bartolomeo um. Alle Kapitäne scheinen gewusst zu haben, worum es ging. Jeder bis auf er selbst. Drake seufzt und schüttelt den Kopf. Dann gibt er ein Handzeichen und überall tauchen seine Männer aus dem Wald auf.

„Es tut mir Leid. Aber wenn du nicht kooperieren willst, werde ich dich dazu zwingen.“

 

„Warte doch! Drache! Ich sagte warte!“ Rina stolpert einen Berg hinauf und versucht den jungen Mann einzuholen. Obwohl dessen Bewegungen ruhig und langsam erscheinen, so ist es sehr schwer mit ihm Schritt zu halten. Nach Luft schnappend kommt sie bei ihm an.

„Wieso nennst du mich so?“ fragt er.

„Weil du es doch bist, oder? Der schwarze Drache mit den goldenen Augen, der mir meine Erinnerungen gegeben hat.“ Interessiert zieht er seine Augenbrauen hoch. Seine Mundwinkel zucken nach oben.

„Du bist sehr aufmerksam.“ Er dreht sich um und blickt auf das Dorf hinunter.

„Das hier ist…nein war…ein Dorf der Diener.“ beginnt er.

„Diener?“

„Ja. Die Diener der Richter.“ Als er ihren fragenden Blick sieht, holt er weiter aus.

„Die Richter sind quasi Götter. Das sie existieren sei mal dahin gestellt aber…die Diener gab und gibt es. Heute ein noch kleineres Volk als früher. Aber sie leben. Überall auf der Welt ein paar. Sie leben nur zum Wohlgefallen der Richter. Sie haben keine persönliche Ziele oder Abneigungen. Sie betrachten nichts aus Sicht von Menschen, sondern nur aus Sicht eines Gleichgewichts, das von den Richtern definiert ist. Deshalb spielen persönliche Gründe oder Menschlichkeit keine Rolle. Sie stehen auf der Seite von jedem und niemandem.“ Als der Drachenmensch vom Gleichgewicht spricht, fällt Rina die letzte Begegnung mit Kaido wieder ein. „Oder kannst du dich nicht wehren, da es gegen das Gleichgewicht verstoßen würde?“ hatte er gesagt. Was weiß er? Was habe ich damit zu tun? Ein Räuspern reist sie aus ihren Gedanken. Sie hebt den Blick und schaut in zwei goldene Augen.

„Manchmal gerät alles so aus dem Gleichgewicht, dass es durch die Diener nicht wieder hergestellt werden kann. Zu solchen Zeiten werden Auslöser oder auch Schützen geboren. Diese sind Kinder von Dienern und normalen Menschen. Dadurch sind diese besonderen Menschen in der Lage das Gleichgewicht zu spüren und Dinge aus Sicht der Menschheit zu sehen. Sie sollen entscheiden, ob das Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann oder, ob ein Neuanfang die einzige Lösung wäre. Und hier kommst du ins Spiel. Du, Sharina, bist so ein Schütze.“ Er lässt seine Worte wirken und erwartet ihre Reaktion. Sharina starrt ihn ungläubig an. Das kann nicht sein. Das ist ein Scherz … oder … ein Traum! Ja genau! Es ist ein Traum! Ganz sicher… Ach Quatsch. Sieh es ein Sharina! Er sagt die Wahrheit. Außerdem würde es so manches erklären.

„Und wie wurde das Gleichgewicht gestört?“

„Das kannst du dir doch selbst denken.“ antwortet der Drachenmensch.

„Ja. Ich…hatte nur…ach egal.“ Ihre Stimme wird immer leiser. Niedergeschlagen schaut sie zu Boden. Natürlich hat sich Rina bereits gedacht, dass es mit dem Krieg vor zwei Jahren zu tun hat. Immerhin ist seitdem viel passiert.

„Soll ich dich zurück bringen?“ fragt der Drache mitleidig.

„Beantworte mir noch eine Frage. Was ist dieser Neuanfang? Was passiert, wenn das Gleichgewicht nicht gerettet werden kann?“

„Ein Neuanfang wäre die fast komplette Ausrottung  der Menschheit. Nur wenige würden verschont werden. Und jene, die überleben, würden ihr Gedächtnis verlieren.“ Rina starrt ihn fassungslos an. In ihr zieht sich alles zusammen und Tränen sammeln sich in ihren Augen, bei dem Gedanken an diese Katastrophe.

Kaido muss Drake seine halbe Streitmacht gegeben haben. Anders kann sich Law die Anzahl der Männer nicht erkläre, die ihn und die andere gerade umzingeln.

„Was glaubst du tust du hier?“ fragt Kid gereizt.

„Nichts, dass dich etwas angeht.“ erwidert Drake ruhig.

„Seit du Kaido beigetreten bist, bist du richtig unausstehlich geworden.“ bemerkt Law.

„Vielleicht sollte man dir mal wieder zeigen, wo du hingehörst.“ fügt Kid hinzu. Die beiden Streithähne stehen nun nebeneinander vor Drake.

„Hab ich Halluzinationen oder verbünden sich die beiden gerade?“ fragt Apoo leise. Er und Hawkins stehen mit Cavendish und Bartolomeo etwas abseits. Die wenigen Männer der Crews beobachten angespannt ihre Kapitäne.

„Man muss scheinbar nur die richtigen Voraussetzungen geben.“ beantwortet Hawkins ebenso leise.

„Irgendwie ist das gruseliger, als würden sie sich streiten.“ bemerkt Bartolomeo.

„Ich frage dich noch einmal, Trafalgar. Wo ist sie?“ Drake scheint einen Kampf vermeiden zu wollen. Was den beiden Sturköpfen jedoch egal zu sein scheint.
„Ich sage dir gar nichts.“ Obwohl alle angespannt sind, scheint keiner den ersten Angriff wagen zu wollen.

 

„Warte!“ Rina will gerade durch die Wand zurückgehen, als der Drache nach ihrem Arm greift.

„Was ist?“ fragt sie irritiert.

„Irgendetwas geht da vor. Auf der anderen Seite lauert etwas.“ Rina zieht die Augenbrauen zusammen und sieht ihren Begleiter eindringlich an. Sie hat das Gefühl schon zu lange hier zu sein und will nun zurück zu Law und Cavendish.
„Was meinst du?“

„Ich kann es nicht beschreiben…aber lass mich zur Sicherheit vorgehen.“

„Bitte tu nichts Überstürztes! Und verletze niemanden!“ fordert Rina.

„Keine Sorge. Ich erschrecke sie nur ein wenig, damit du nicht von Kugeln gespickt wirst.“ Dabei grinst er spielerisch. Rina sieht dem Ganzen eher skeptisch entgegen.

 

Niemand achtet auf die Ruinen und so zucken alle zusammen, als ein lautes Gebrüll zu hören ist. Von einer Sekunde auf die nächste schießt etwas Großes, Schwarzes aus dem Mauerstück hinter Law und Kid. Alle ducken sich im letzten Moment und das Monster saust knapp über ihren Köpfen hinweg. Es steigt steil nach oben, dreht sich und bleibt in der Luft stehen. Nun sehen die Piraten, dass es sich um einen Drachen handelt, der von oben auf sie hinunter schaut und sie genau beobachtet. Dies beruht auf Gegenseitigkeit. Die meisten weichen einige Schritte zurück. Nur die 5 Supernova bleiben stehen. Der Drache stößt noch einmal einen markerschütternden Schrei aus und setzt zum Sturzflug auf die kleine Gruppe an. Wieder ducken sich die fünf. Der Drache landet jedoch seelenruhig neben der Mauer, aus der er heraus kam. Erst als sich alle wieder aufrichten, bemerken sie Sharina, die vor der Ruine steht und scheinbar ebenfalls aus dem Mauerstück gekommen ist. Mit festem Blick schaut sie zu Drake, welcher zunächst verwirrt zwischen ihr und dem Drachen hin und her schaut.

„Du willst etwas von mir?“ lenkt Rina die Aufmerksamkeit auf sich. Sie geht auf Drake zu, wobei Law und Kid jeweils einen Schritt zur Seite machen, um sie vorbei zu lassen. Drake fängt sich wieder und ruft sich seinen Auftrag in Erinnerung.

„Du sollst Kaido’s Crew beitreten.“

„Soll?“ Rina zieht eine Augenbraue hoch und sieht ihn eindringlich an. „Und wer hat das beschlossen? Mach mir ein Angebot und ich überlege es mir vielleicht. Aber Befehle nehme ich von niemandem an, klar?“ fügt sie gereizter hinzu. Angespannt schielt Drake zu dem Drachen, welcher ruhig auf dem Boden liegt. Einige Zeit herrscht Schweigen.

„Ich soll dafür sorgen, dass du seiner Crew beitrittst. Nicht mehr und nicht weniger.“ Rina hat sich abgewandt. Alle Blicke sind erwartungsvoll auf sie gerichtet. Nachdenklich bleibt sie stehen und schaut zu dem Drachen. Er sieht so aus, als würde er fragend eine Augenbraue hochziehen. Da kommt Rina eine Idee.

„Du kannst Kaido sagen, dass ich seiner Crew beitrete…“ Sofort entgleisen allen Anwesenden die Gesichtszüge. Allen bis auf Drake und Kid, welche beide ernst zu ihr schauen.

„…WENN…er mir etwas besorgt!“ fügt sie hinzu, ohne sich umzudrehen. Drake runzelt die Stirn.

„Und was wäre das?“ fragt er skeptisch. Daraufhin dreht sich Rina um. Ihre Augen funkeln bedrohlich und sie lächelt Drake gewinnend an. 

„Ich will die Bebenfrucht!“ Drake bewahrt  sein Pokerface, was man von den anderen nicht sagen kann. Jeder verzieht das Gesicht. Manche entgeistert, manche fragend, manche neugierig.

„Ich werde es Kaido ausrichten.“ bringt Drake hervor. Er wendet sich zum Gehen ab.

„Ach Drake!?“ säuselt Rina ihm hinterher. Der ehemalige Konteradmiral bleibt stehen und dreht den Kopf. „Es wäre zu schade, wenn meine Brüder und ich keine Chance hätten Blackbeard büßen zu lassen. Wenn er also stirbt, war’s das mit dem, Deal.“ flötet sie  noch immer lächelnd. Drake knirscht nur mit den Zähnen und zieht ab. Seine Männer folgen ihm. Mit den abziehenden Männern verschwindet auch jegliches Geräusch und Stille herrscht. Skepsis ist in den Gesichtern abzulesen. Nur Kid grinst in Rinas Richtung.

„Was?“ fragt sie ihn ruhig. Ihr Lächeln hat sie abgelegt.

„Nicht schlecht Kleine. Wirklich mutig. Aber deine Chancen, Gewinn aus diesem Deal zu schlagen, sind sehr gering.“ Rina schaut ihn aus verengten Augen an und erneut stiehlt sich ein Lächeln auf ihre Lippen, was Kid stutzen lässt.

„Da irrst du dich. Ganz gleich wie sich Kaido entscheidet und was auch passiert. Ich bekomme was ich will.“

Mit wenigen Blicken und noch weniger Worten hat Rina Cavendish klar gemacht, dass er und Bartolomeo gehen sollten. Dieser verstand und die zwei segelten schon bald davon. Alle anderen gingen zu den Schiffen. Die Crews haben sich auf die Schiffe verteilt, während die Kapitäne mit Rina an einem Feuer sitzen. Der Drache liegt hinter ihr, den Kopf auf seine überkreuzten Vorderpfoten abgelegt. Die Sonne geht bereits unter und taucht alles in ein goldenes Licht. Rina erzählt den vieren, was sie in Erfahrung gebracht hat. Diese hören aufmerksam zu, wobei Kid sie eindringlich ansieht. Und sein Blick scheint eindringlicher zu werden, je mehr sie erzählt, auch wenn sie sich da nicht ganz sicher ist.
„Und was wirst du jetzt machen?“ fragt Hawkins, nachdem sie geendet hat.

„Nichts.“ antwortet Rina, nach kurzem Nachdenken.

„Nichts!?“ kommt es von Basil, Apoo und Law im Chor. Kid sieht sie nur etwas überrascht und fragend an. Rina nickt bestätigend und beginnt es zu erklären.

„Es gibt so gesehen drei Mächte, die eine Art Gleichgewicht aufrechterhalten: Die Marine, die vier Kaiser und die sieben Samurai. Wobei ich letztere nicht unbedingt als Macht bezeichnen würde. Die vier Kaiser haben sich immer gegenseitig im Zaum gehalten und verhindert, dass andere Piraten zu mächtig wurden. Sie waren quasi immer die Obergrenze. Vier Piraten die, mehr oder weniger, auf einem Level waren, so dass nicht einer allein die komplette Macht hatte. Shanks und Whitebeard sind zwei, die nicht auf Macht und Herrschaft aus sind. Sie wollten keine Kriege hervorrufen, weshalb sie Kaido und Big Mom im Zaum gehalten haben. Aber jetzt steht Shanks allein da und kann sich nicht um die drei anderen gleichzeitig kümmern. Wenn sich Kaido nun allerdings mit Blackbeard anlegt…“

„…bekämpfen sie sich gegenseitig.“ beendet Law den Satz, was Rina wiederum mit einem Nicken bestätigt.

„Und egal wer gewinnt, es wird Platz für einen Nachfolger Whitebeards.“ schlussfolgert Hawkins.

„Und wer soll das sein?“ fragt Apoo. Erwartungsvoll schauen die drei zu Rina.

„Das wird sich noch zeigen. Es wird sowieso noch einige Zeit dauern, bis die zwei sich an die Kehle gehen.“ antwortet diese.

„Und was wenn die zwei sich gar nicht an die Kehle gehen?“ überrascht schauen alle zu Kid herüber. Es ist das erste Mal, dass er etwas sagt, seit sie hier sitzen.

„Kaido holt sich, was er will. Und wenn er mich will, dann wird er dafür sorgen, dass er mich bekommt.“ meint Rina mit einem Schulterzucken.

„Dann mal angenommen das mit den Kaisern geht auf. Was machst du mit der Marine? So wie ich das sehe sind alle, die nicht einfach Pirat als Pirat abstempeln, dort ebenfalls nicht mehr vertreten. Wie willst du dort die Menschen austauschen?“ Rina findet es seltsam, wie er es ausspricht, doch sie kann es nicht genau einschätzen.

„Ich denke, da wird sich was ergeben. Auch Akainu ist nicht perfekt. Außerdem muss ich vorher mit jemanden reden, bevor ich mich mit der Marine befasse.“ meint sie kühl. Basil, Apoo und Law beobachten die beiden verwirrt, wobei zwei von ihnen ihr Pokerface aufrechterhalten. Einige Zeit schauen sich Kid und Rina an.

„Na mir kann’s egal sein. Mein Ziel ist RothaarShanks.“gibt Kid schließlich von sich.

„Moment mal! Nachdem was Rina uns erzählt hat, willst du Shanks immer noch erledigen?“ fragt Apoo fassungslos. Auch Hawkins scheint davon nicht begeistert zu sein.

„Ich glaube nicht an Götter oder sonst was. Ich werde das One Piece finden und König der Piraten werden.“ stellt Kid seinen Standpunkt fest.
„Wenn euch das nicht passt, dann steigt doch aus!“ fügt Kid noch hinzu. Damit ist die Diskussion für ihn beendet, denn der breitschultrige Kapitän steht auf und geht, zu Rinas Verwunderung, Richtung Ruinen davon. Aus einem Impuls heraus schaut Rina zum Drachen hinüber, welcher sie nur aus großen goldenen Augen ansieht.

„Dieser Sturkopf.“ klagt Apoo.

„Was werdet ihr tun?“ fragt Law die zwei. Diese schauen sich gegenseitig an, bevor Hawkins für beide antwortet.

„Wir steigen aus. Morgen segeln wir los und folgen unseren eigenen Wegen wie bisher.“ Law nickt nur, dann schaut er zu Rina. Seufzend steht er auf und legt eine Hand auf ihre Schulter. Rina zuckt unter der Berührung zusammen und schaut zu ihm auf.

„Wir sollten uns aufs Ohr hauen.“ sagt er nur ruhig wie immer.

„Ich bleibe noch etwas hier. Vielleicht kommt Kid wieder zurück.“ entgegnet Rina. Kurz schauen die zwei sich an, bis Law schließlich nachgibt. Die drei Kapitäne gehen zu ihren Schiffen, sodass Rina mit dem Drachen allein am Feuer bleibt.

 

„Dieses dumme Gör. Was glaubt sie, was sie da tut? Die Welt retten. Pah! Dabei weiß sie gar nichts!“ Mit sich selbst redend, stapft Kid ziellos über die Insel und merkt nicht, wie die Ruinen vor ihm auftauchen. Erst als er direkt vor dem Mauerstück steht, aus welchem Rina und der Drache kamen, bleibt er stehen. Er schaut auf und runzelt die Stirn. Wieso muss er auch ausgerechnet hier rauskommen?

„Hältst du das für ein Zeichen? Lachst du da oben jetzt? Egal was du denkst, du kannst es vergessen!“ sagt Kid laut und verärgert in den Himmel hinauf. Kurz herrscht Stille, als würde er auf eine Antwort warten. Doch es kommt keine. Langsam geht er weiter und schaut sich um. Mustert die Häuser, Reliefs, Mauern und Felder. Schlussendlich bleibt er vor einem großen, verfallenen Gebäude stehen, welches bereits von Efeu und anderen Schlingpflanzen eingehüllt wird.

„Was mache ich hier bloß?“

 

Law sitzt an Deck seines Schiffes, mit dem Rücken an die Wand gelehnt und die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Sein Nodachi liegt neben ihm. In einigen Metern Entfernung sieht er das Feuer und daneben den großen Schatten des Drachen. Eigentlich wollte er schlafen, doch seine Gedanken wollten nicht zur Ruhe kommen. Deshalb sitzt er jetzt hier und schaut zum Himmel hinauf. Dieser ist wolkenlos und wird von einem großen Vollmond geschmückt, der alles in ein silbriges Licht taucht. Law kann nicht leugnen, dass Kid sich seltsam verhalten hat, selbst für seine Verhältnisse. Er schließt die Augen, atmet tief durch und lässt seine Gedanken einfach durch seinen Kopf schwirren. Plötzlich erklingt leise ein Lied.

 

Ein ruhiger Gesang legt sich über die Insel. Bis zur Ruine ist die ruhige Stimme zu hören und auf den Schiffen verstummt jegliches Geräusch. Hawkins liegt in seiner Kajüte auf seinem Bett und lauscht der ruhigen Melodie. In diesem Moment weiß er nicht einmal, wer da singt und es ist ihm auch egal. Das Lied scheint seinen Verstand zu benebeln, sodass er in einen traumlosen Schlaf fällt. Ähnlich ergeht es auch Apoo, welcher in der Kombüse seines Schiffes sitzt und mit dem Kopf auf dem Tisch schläft. Vor einem großen Gebäude bei den Ruinen sitzt Kid. Er versucht sich gegen die einschläfernde Wirkung des Liedes zu wehren und einen klaren Gedanken zu fassen, doch diesen Kampf kann er nicht gewinne. In seinem letzten wachen Moment schwört er, der Person, die gerade singt, den Hals umzudrehen.

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Autor

Sairens Profilbild Sairen

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Kapitel:15
Sätze:2.132
Wörter:19.036
Zeichen:108.469

Kurzbeschreibung

Nach dem Sieg über Doflamingo, plagt Law die Ziellosigkeit. Auf dem Sabaody Archipel hatte er noch geprahlt König der Piraten zu werden, doch das interessierte ihn gar nicht. Sein bisheriges Ziel war Rache gewesen, an dem Mann, der ihm den geliebtesten Menschen genommen hatte. Dennoch ist an Ruhe nicht lange zu denken. Neue Probleme sowie alte Bekannte stellen sich ihm entgegen. Nicht alle sind ihm dabei willkommen und so muss Law sich mit ihnen auseinander setzen. Dabei bereitet ihm seine langjährige Freundin Sharina, die einzige Tochter in der Whitebearpiratenbande, große Sorgen. Hinter ihr scheint es einige Geheimnisse zu geben.

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