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My personal One Piece

13
27.09.20 11:13
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Die Fanfiction entstand ca. im Jahr 2015. Damals ging der Dressrosa-Arc gerade zu Ende. Dementsprechend sind aktuellere Infos zu Inseln, Piraten und Co. nicht berücksichtigt. Da der Hauptchar hier allerdings ein OC von mir ist und es somit als alternativ Geschichte angesehen werden kann, zeige ich sie euch trotzdem :)

Die Fanfiction ist abgeschlossen und ich werde jede Woche ein Kapitel hochladen.

Charaktere

"Dämonenschatten" Sharina

Steckbrief   · 1,70 m groß · Grüne Augen · Hellbraune Haare (bis zur Mitte des Kreuzes) · Waffe: eine Art Messer, welches seine Form ändern kann und so auch Schwert oder Speer sein kann · Kopfgeld: 470.000.000 Berry

„Zorro-senpai!“ Bartolomeo reißt die Tür auf und stürmt in den kleinen Raum der Hütte. Alle Anwesenden schauen erwartungsvoll in seine Richtung.

„Oi Huhn-san.“
„Ehhh!! Luffy-senpai!! Du bist ja wach!!! Gleich fünf Mitglieder der Strohhutbande. Ihr Licht strahlt so hell.“ Bartolomeo vergießt Tränen der Freude und scheint völlig vergessen zu haben, weshalb er hergekommen ist.

„Reiß dich zusammen und sag, weshalb du hier bist!“ schreit Zorro ihn an. Bartolomeo beruhigt sich wieder und wird schlagartig ernst.

„Die Marine ist auf dem Weg. Und nicht nur das O-Tsuru und Sengoku sind bei ihnen.“

„WAAAS?“ Ussop springt auf und verfällt in Panik. Kyros versucht Ruhe in die Situation zu bringen und erklärt den anderen etwas, doch Law bekommt das alles nur am Rand mit. Er fragt sich, was Sengoku hier zu suchen hat. Seit dieser vom Posten des Großadmirals zurückgetreten war, gehört er nun der Aufsicht an. Lange hat man nichts mehr von ihm gehört, weshalb sein Auftauchen hier sehr außergewöhnlich ist.

„Na dann los!“ Bei der lauten Ansage schreckt Law hoch. Sie würden aufbrechen und er musste wohl oder übel mit. Seine Crew wartet auf Zou auf ihn. Beim Verlassen des Hauses fragt er sich, wo Rina wohl stecken mochte. Das Mädchen, dass er schon so lange kannte und das er niemals gehen lassen würde. Eigentlich ist sie mit 24 Jahren schon eine Frau, aber für ihn würde sie immer ein Mädchen bleiben. Auch wenn sie bis vor kurzem einiges vor ihm verheimlicht hat, so kann Law ihr nicht böse sein. Im Gegenteil er ist dankbar. Nachdem der Strohhut Flamingo besiegt hatte und er allein an einer Mauer gelehnt dasaß, kam Rina zu ihm. Sie erzählte ihm, dass sie vor 13 Jahren auf Minion alles gesehen und ihn gerettet hat. Dass sie ihn versteckt und sich als er ausgegeben hat. Dass die Marine sie deshalb verfolgte und somit auf eine falsche Spur geriet. Dass sie seinetwegen das Leben als Pirat auf sich genommen hat. Um ihm, einem Fremden Jungen, zu helfen. Law würde ihr das nie vergessen. Und er würde dafür sorgen, dass auch sie, so wie er selbst, einen Abschluss finden würde. Doch dazu musste er weiterleben und in diesem Moment heißt das rennen. Sein Arm schmerzt und auch die Wunden an Brust und Beinen tuen unglaublich weh. Doch er musste den östlichen Hafen und das Schiff erreichen.

 

Die Gruppe um Law und die Strohhüte hat die Stadt erreicht und hetzt immer weiter Richtung Osten. Unterwegs rennen sie an Bekannten vorbei, die im Kolosseum und später im Kampf gegen die Don Quichotte Familie, gekämpft haben. Sie alle waren nun auf ihrer Seite und würden die Marine aufhalten. Die Gruppe rennt gerade eine Straße hinunter, als jemand Law’s linkes Handgelenk ergreift und nach rechts zieht. Von der unbekannten Person geführt, laufen sie eine Seitenstraße entlang. In einer dunklen Gasse bleiben sie stehen. Die Person dreht sich zu Law und nimmt die Kapuze ab.

„Rina!" entfährt es ihm. Sie legt einen Finger auf ihre Lippen und bedeutet ihm Still zu sein. Sie macht eine fast nebensächliche Handbewegung und bewegt leicht die Lippen. Als Law sich gerade fragt, was das sollte, bemerkt er die Stille. Er hörte nichts. Die Menschen waren verstummt. Er sieht sich um. Die Menschen auf den anderen Straßen bewegen die Lippen, als würden sie sprechen. Eigentlich müsste er Stimmen und Geräusche hören doch es ist still. Da fällt ihm ein, dass er das schon einmal erlebt

hat. Damals vor so langer Zeit, als er zum ersten Mal mit Corazon gesprochen hat. Law fragte sich, wer wohl für diese Stille gesorgt hat. Auf einmal fällt es ihm ein. Mit weit aufgerissen Augen starrt er Rina an. Das konnte nicht wahr sein. Warum sollte sie eine so unnütze Teufelsfrucht essen.
„Hast du etwa…“
„Ja. Ich habe die Lautlos-Frucht gegessen.“ Die ganze Zeit hat sie Law ruhig angesehen. Und auch diese Tatsache scheint ihr nicht schwer über die Lippen zu kommen.

„Wie konntest du das tun. Diese Teufelsfrucht ist doch nutzlos! Du wirst nie wieder schwimmen können und das wegen so einer dummen Fähigkeit! Sag bloß du wusstest nicht, dass es die Lautlos-Frucht war. Du bist doch nicht so dumm einfach irgendeine Teufelsfrucht zu essen!“ platzt es aus ihm heraus. Da ihn sowieso außer Rina niemand hört, spielt es eh keine Rolle wie laut er schreit.

„Dann solltest du ab jetzt besser aufpassen, dass du nicht ins Wasser fällst. Ich kann dich nicht mehr aus dem Wasser fischen.“ entgegnet sie völlig gelassen.

„Aber wieso? Wieso tust du das? Wieso ausgerechnet diese Frucht?“ Tränen steigen ihm in die Augen. Sein Blick verschwimmt und er fällt auf die Knie. Er legt die Hände auf sein Gesicht, um die Tränen zu verbergen. Und um ihren mitleidigen Blick nicht zu sehen.

„Wieso? Wieso macht ihr immer so dumme Sachen?“ spricht er leise zu sich selbst.

„Law…“

„Diese Teufelsfrucht bringt einen doch nur ins Grab. Wenn man den Feind nicht mehr hört…Was hat das für einen Sinn.“ unterbricht er sie.

„Law. Es ist okay.“ sagt Rina sanft und legt ihre Hände auf seine Schultern.

„Es ist alles okay. Niemand wird sterben.“ Sie kniet vor ihm und zieht ihn zu sich. Er lässt die Umarmung zu und zum ersten Mal seit 13 Jahren unterdrückt er seine Gefühle nicht mehr. Es ist als würde eine Last von ihm abfallen. Er weint alle Tränen der letzten 13 Jahre. Vergießt Tränen für seine Eltern, seine Schwester, die Nonne, seine Freunde aus Flevánce, die harte Zeit die er hatte, die Menschen, die seinetwegen verletzt wurden aber am meisten Tränen vergießt er für Corazon. Den Mann, der ihn Monate lang von einem Krankenhaus zum nächsten geschleift hat um ihn zu heilen. Den Mann, der gestorben ist um ihn zu retten.

 

Immer wieder werfen die Leute der Heart-Piratenbande einen besorgten Blick Richtung Meer. Am Schiff angekommen hat die Gruppe der Strohhüte bemerkt, dass Law nicht mehr bei ihnen war. Kurz darauf kam eine Krähe mit einer Nachricht, die besagte, dass Law nachkommen würde. Das war am Morgen, doch nun war es schon Abend. Die Sonne neigte sich langsam gen Horizont. Die Gruppe hat am Ankerplatz der Schiffe ein Lagerfeuer entzündet und wartet nun angespannt. Naja fast alle. Luffy und einige seiner Crew schlafen seelenruhig. Bartolomeo hat sich kurzfristig entschieden mit ihnen zu kommen und schaut nun nervös umher. Auch wenn Law nicht zu seinen Idolen gehört, so ist der doch ein Freund des Strohhuts. Ein Rascheln ertönt und die am Lagerfeuer sitzenden Piraten zucken zusammen. Alle blicken zum Wald und erwarten ein Monster. Stattdessen treten Rina und Law, wobei sich letzterer auf Rinas Schulter stützt, aus dem Wald.

„Captain!“ bemerkt Bepo als erster.

„Tut uns Leid. Hat etwas länger gedauert und dann haben wir abseits der Schiffe angelegt, falls uns jemand folgt.“ erklärt Rina ohne Umschweife. Law lässt sich neben dem Feuer auf den Boden fallen. Sofort versammelt sich seine Crew um ihn. Sie alle verziehen besorgt die Gesichter, was vollkommen verständlich ist. Ihr sonst so standhafter und unverwüstlicher Käpt’n ist verdreckt, müde und schwer verwundet. Bandagen an Oberkörper, Beinen und seinem ehemals abgetrennten, rechten Arm zeigen, wie schwer der Kampf gewesen sein muss. Law winkt alle Fragen, ob es ihm denn gut ginge, mit der Linken ab. Es sei alles okay, war das einzige, was er dazu sagt.

„Was geht denn bei euch ab? Habt ihr eine Ahnung was für Sorgen wir uns gemacht haben?“ poltert Bartolomeo los. Alle Blicke richten sich auf ihn.

„Was hat das dich zu interessieren? Und warum bist du eigentlich hier?Hast du nicht auch eine Bande?“ fragt Rina.

„Die kommen klar und wissen wo sie mich finden. Aber lenk nicht vom Thema ab! Luffy-senpai und die anderen haben sich Sorgen gemacht! Ihr seid einfach verschwunden und…“ mehr hören sie nicht mehr. Law, der seine Hand schon auf sein Gesicht gelegt und sich mit dem Ellenbogen auf dem Bein abstützt, schaut bei der abrupten Stille verwirrt zu Bartolomeo. Dieser gestikuliert wie verrückt und scheint zu schreien, doch kein Laut ist zu hören. Fragend schaut er zu Rina.
„Und du sagst diese Fähigkeit wäre nutzlos.“ bemerkt sie grinsend. Auch Law kann sich bei diesem Anblick ein Lächeln nicht verkneifen.

Nachdem Bartolomeo sich ausgetobt hat, wird Law von Fragen seitens seiner Crew überschüttet. Wie es gelaufen ist und was nun geschehen würde. Rina lächelt und wendet sich dann ab. Sie entfernt sich von dem Feuer und der Gruppe. Der Weg führt leicht bergauf, bis er in einer Klippe endet, an deren Rand sie sich setzt. Sie schaut aufs Meer und hoch zu den Sternen.

„Hey Corazon. Erinnerst du dich an mich? Ich bin die Kleine von Minion weißt du noch? Law hat mir viel von dir erzählt. Ich passe jetzt für dich auf ihn auf… Naja eigentlich tue ich das ja schon seit Jahren.“ Sie blickt zum Boden, nur um kurz darauf wieder direkt zu den Sternen zu sehen.

„Heute haben wir deinem Bruder endlich die Hände gebunden. Na gut es waren Luffy und Law. Du hast es doch gesehen oder?“ Sie hält inne, als erwarte sie eine Antwort, doch es bleibt still.

„Ich weiß es ist merkwürdig, dass ich erst heute mit dir rede… wenn man das so nennen kann…aber als ich sah, wie Law so verbissen kämpft…da hab ich erst verstanden wie sehr er an dir hängt. Und das es für ihn ohne diese Aktion kein Ende gehabt hätte. Danke, dass du dich so gut um ihn gekümmert hast. Ich hoffe du bist damit einverstanden, wenn ich auf ihn aufpasse.“ In diesem Moment fliegt eine Sternschnuppe über den Sternenhimmel.

„Ich fasse das mal als ein ‚Ja‘ auf.“

„Mit wem redest du?“ Rina schreckt auf und dreht sich in die Richtung, aus der die Stimme kommt.

„Law! Ach…nur mit einem alten Freund.“ Sie dreht sich wieder zum Meer und zieht die Beine an, um sie mit den Armen zu umschlingen. Law setzt sich neben sie. Schweigend sitzen sie nebeneinander.
„Was ist mit deiner Crew?“

„Die schlafen.“

„So schnell? Wie hast du das angestellt?“

„Sie brauchen nicht viele Informationen, um beruhigt zu schlafen.“ Sie lacht laut auf. Auch Law lächelt in die Dunkelheit der noch jungen Nacht hinein.

„Wie lang hast du die Teufelskräfte schon?“

„Etwa zwei Tage. Ich habe lange danach gesucht und sie vor etwa 5 Jahren gefunden. Eigentlich wollte ich sie dir geben, aber nach dem Krieg vor zwei Jahren wurde mir die Teufelsfrucht gestohlen. Als ich auf Dressrosa ankam und etwas herumgeschnüffelt habe, fand ich heraus, dass Doflamingo die Lautlos-Frucht hat. Also hab ich die Frucht zurückgestohlen. Aber um da wieder rauszukommen musste ich…“

„Die Frucht essen, damit du dich verbergen konntest.“ beendet Law ihren Satz und Rina nickt nur.

„Du hättest die Frucht nicht holen müssen. Doflamingo wusste nicht, dass Cora-san Teufelskräfte besaß.“

„Wir wissen beide, dass das dein nächstes Ziel gewesen wäre. Und dass sie auf Dressrosa war, wäre Grund genug für dich gewesen nochmal eine Verrücktheit zu begehen.“ Er schweigt und weicht ihrem Blick aus.

„Ich kenn dich Law. Was glaubst du wie ich sonst mit so gutem Timing hergekommen bin?“ Law stutzt und zieht fragend die Augenbrauen zusammen.

„Wie meinst du das?“

„Oh bitte! Glaubst du ich lasse dich ins offene Messer laufen, ohne Vorkehrungen zu treffen dich dort, falls notwendig, rauszuholen?“ Law will gerade zu einer weiteren Frage ansetzen, doch Rina ist schneller.

„Vor zwei Jahren auf dem Sabaody Archipel… du hast damals diesen Blick gehabt, als hättest du einen Entschluss gefasst. Selbst als eure Chance geringer wurden dort heil rauszukommen, hast du verbittert an etwas festgehalten. Und auf Amazon Lily wusste ich es dann. Du hast alles daran gesetzt Luffy zu retten, weil du ihn als deinen Verbündeten gegen Doflamingo ausgewählt hast. Du hast die letzten Jahren nur darauf gewartet, dass die Strohhutbande wieder auftaucht.“

„Bin ich so leicht zu durchschauen?“ Ein bitteres Lachen kommt über seine Lippen.

„Nein. Es war nicht leicht zu durchschauen. Aber eins versteh ich nicht. Eure Chancen waren bis zur letzten Minute gleich Null. Warum hast du deine Leute hierher geschickt?“

„Sie sind stark… aber keine Gegner für Doflamingo und seine Leute. Ich habe nicht vor, sie meinetwegen sterben zu lassen.“ Law verschränkt die Finger ineinander und knetet sie. Das macht er immer, wenn er über etwas spricht, das ihm unangenehm ist. Auch weicht er wieder ihrem Blick aus.

„Die Marine kann sagen was sie will. Du bist in dieser Welt einer von den Guten.“ Er sieht zu ihr hinüber. Sie lächelt ihn sanft an.

„Musst du mir jetzt auch noch meinen Ruf kaputt machen?“ Bei diesen Worten konnte er selbst nicht ernst bleiben und lacht. Noch bis tief in die Nacht reden die beiden und albern herum, bis sie oben auf der Klippe einschlafen.

Der Horizont hat ein leuchtendes Kobaltblau angenommen, als Law aufwacht. Er spürt ein ungewohntes Gewicht auf seiner Brust. Er versucht sich vorsichtig aufzurichten, um zu sehen woher dieses Gewicht kommt. Rina hat ihren Kopf auf seine Brust gelegt. Friedlich schlafend liegt sie da. Langsam lässt Law sich wieder zurück fallen, um sie nicht zu wecken. In diesem Moment kommt Shachi die Klippe hinauf.

„Oi!“ ruft er schon von weitem. Sofort schreckt Rina hoch.

„Ich bin wach!“ murmelt sie verschlafen und streicht sich die Haare aus dem Gesicht. Verwirrt schaut sie sich um. Law verflucht sein Bandenmitglied in Gedanken und setzt sich auf.

„Ach für dich. Dann gute Nacht.“ sagt Rina, als sie Shachi entdeckt und legt sich wieder ins Gras, um weiter zu schlafen. Law schaut sie schmunzelnd an.

„Käpt’n die Mannschaft erwartet Befehle.“ erklärt der Rotschopf, nachdem er die beiden erreicht hat.

„Und dazu musst du hier rumbrüllen, dass uns selbst die Marine noch hört? Die sind uns sowieso schon auf den Fersen.“ bemerkt Law scharf.

„Lass ihn in Ruhe. Die Marine kriegt euch schon nicht.“ murmelt Rina ohne sich im geringsten zu bewegen. Die beiden Männer schauen zu ihr hinunter.

„Na los Kleine steh auf.“ Law steht auf und stupst Rina mit dem Schuh an.

„Geh schon mal vor.“

„Das kannst du vergessen. Hopp!“

„Du willst dich nicht mit mir anlegen.“ meint sie selbstsicher. Law blickt zu Shachi und weist mit einer Kopfbewegung auf Rina. Dieser versteht und bringt sich bei ihren Füßen in Stellung. Auf ein Zeichen Law’s greift er nach Rinas Beinen und Law unter ihre Arme. Sofort ist Rina hellwach.

„Hey! Was macht ihr? Law lass mich los! Jungs ich warne euch! Lasst mich runter! Sofort!“ brüllt sie und versucht sich zu befreien, doch Shachi hat ihre Beine fest im Griff und wegen Law’s Verletzungen hält sie sich mit ihren Armen zurück. Nach einigen Metern sieht sie ein, dass es keinen Sinn hat und lässt sich den Rest des Weges tragen. Zu ihrer Verwunderung gehen die beiden mit ihr am Lagerplatz vorbei weiter Richtung Strand.
„Was…was habt ihr vor? Juuuuuungs! NEIN!“ kreischt Rina noch, bevor sie im kühlen Nass des Meeres eintaucht. Da das Wasser am Strand sehr flach ist, kann sie sich schnell wieder aufrappeln und steht durchnässt etwa knietief im Wasser. Die anderen wurden durch ihr Geschrei geweckt und haben alles beobachtet. Nun scheint jeder gespannt darauf zu sein, was sie nun machen wird. Shachi ist klug genug sofort Sicherheit bei seinen Kameraden zu suchen. Law hingegen steht lächelnd am Strand genau so, dass das Wasser ihn nicht erreicht.

„Na warte.“ flüstert Rina leise mehr zu sich selbst, als zu jemand anders. Sie macht einen Satz nach vorn, holt mit dem Bein aus und schafft es mit einem Tritt eine beeindruckende Menge an Wasser auf Law zu schießen. Dieser kann nicht schnell genug reagieren und ist nun ebenfalls von der Brust abwärts nass. Da er schützend die Hände vors Gesicht gehoben hat, bemerkt er nicht wie Rina mit

wenigen Schritten bei ihm ist und auf den Boden wirft. Bei der nächsten Welle sind beide von oben bis unten durchnässt. Da ihnen das Salzwasser wegen der Teufelskräfte stark zusetzt, bleibt es bei diesem einen Angriff. Die beiden rappeln sich hoch und wringen so gut es geht ihre Klamotten (und Rina ihre Haare) aus. Nach dem Frühstück fahren sie mit Booten zu den Schiffen. Zum einen, weil Rina und Law trockene Kleidung brauchten und zum anderen, weil sie nicht zu lange auf Zou bleiben wollen, da die Marine noch immer hinter ihnen her ist. An Deck der Schiffe versammeln sich alle, um zu entscheiden wie es nun weiter gehen soll. Rina hat von Law ein gelbes Shirt mit schwarzen Ärmeln bekommen, auf dem sein Jolly Roger gedruckt ist. Da Law um einiges größer ist, reicht ihr das Shirt bis über den Po. Dazu trägt sie eine kurze, schwarze Hose, die ihr Nami zugeworfen hat. Desinteressiert schaut sie in die Runde.

„Yo Traffy. Was wird nun aus dem Kaiser?“ fragt Luffy hoch motiviert in die Runde. Der Strohhut erweckt den Eindruck, als könne er gleich wieder in den nächsten Kampf stürzen. Da ist er jedoch der Einzige.

„Nichts. Wie gesagt: Ich habe euch nur benutzt um meine eigenen Ziele zu verfolgen. Es ging nie um Kaido, sondern nur um Doflamingo.“ Rina hört den Unterton in Law’s Stimme, der ihr verrät, dass es ihm Leid tat die Strohhutbande so benutzt zu haben. Da ist sie jedoch die Einzigste. Für Luffy ist das keine neue Information, doch seine Crew hört das zum ersten Mal. Diese und, weiß der Teufel warum der immer noch hier ist, Bartolomeo machen nun eine großen Aufstand.

„Ich weiß. Das hast du ja schon gesagt. Aber ich hatte auch meine Gründe Mingo in den Arsch zu treten. Trotzdem wäre es ein super Abenteuer einen Kaiser zu besiegen.“ Luffy grinst breit, während Nami, Ussop und Chopper flehend zu Law schauen, welcher die drei nicht beachtet.

„Gut zu wissen. Aber ich bin nicht in der Lage gegen einen Kaiser anzutreten. Hier trennen sich unsere Wege Strohhut-ya.“ Luffy legt eine enttäuschte Miene auf und will gerade etwas erwidern, da spürt Rina, die die ganze Zeit stumm an der Wand von Law’s Schiff gelehnt hat, etwas. Das Geräusch der Wellen hat sich verändert und der Wind weht anders.

„Die Marine!“ sagt sie ohne Umschweife. Sofort richten sich alle Blicke auf sie.

„Bist du dir sicher?“ fragt Ussop mit zittriger Stimme.

„War klar, dass sie zuerst hier her kommen.“ meint Law gelassen. Während sich alle bereit machen zu verschwinden, geht Rina zur Reling.

„Hey Law. Bring mich mit deiner Teufelskraft an die Küste!“

„Das kannst du gleich wieder vergessen.“ meint dieser und will sich ins Innere des Schiffes begeben.

„Na schön. Dann schwimm ich eben.“ Mit weit aufgerissenen Augen dreht sich Law um und sieht gerade noch, wie Rina hinter der Reling verschwindet. Die Zeit scheint in diesem Moment stehen zu bleiben.

„Shambles!“ Ein lautes ‚Platsch!‘ ertönt. Law rennt zu Reling und sieht wie ein alter Baumstamm im Wasser versinkt. Sein Blick wandert zum Ufer von welchem aus Rina noch einmal in seine Richtung winkt. Erleichtert stößt er die angehaltene Luft aus. Ich wette dieses freche Gör grinst sich dort drüben dumm und dämlich. Er lächelt leicht. Rina ist bereits auf der Insel verschwunden.

„Käpt’n bitte komm rein. Wir müssen weg.“

„Ich komme ja, Bepo.“ Law folgt dem weißen Bären unter Deck und schließt die Tür, damit das Schiff abtauchen kann.

 

Ich wusste du würdest mich nach Zou bringen. Auch wenn es ein mieser Trick war, ist Rina weit davon entfernt ein schlechtes Gewissen zu haben. Sie hofft darauf, dass Sengoku noch bei den Schiffen sein würde und nicht wieder zurück zum Marinehauptquartier aufgebrochen ist. Sie folgt der Küste eine Klippe hinauf. Dort klettert sie auf einen Baum und wartet. Nach wenigen Minuten kommt das weiße Segel mit der blauen Möwe in Sicht. Zu ihrer Zufriedenheit ist Sengoku noch an Bord. Auch wenn sein Haar mittlerweile grau geworden ist, würde sie ihn überall erkenne. Mit den Augen suchen sie die Umgebung ab.

„Sie sind nicht mehr hier.“ Rina stellt sich auf den Ast, auf dem sie eben noch gesessen hat. Alle an Bord des Schiffes fahren zu ihr herum. Einer der Soldaten zeigt mit dem Finger auf sie.

„Das ist Sharina! Die einzige Frau der Whitebeardpiratenbande.“

„Sie bevorzugt es, als seine Tochter bezeichnet zu werden.“ berichtigt Sengoku den Soldaten, ehe er sich an Rina wendet.

„Wie ich sehe hast du dich einer neuen Bande angeschlossen.“ Er lächelt sie freundlich an. Fragend zieht Rina die Augenbrauen zusammen.

„Was…?“ In diesem Moment schaut sie an sich hinab und sieht Law’sJolly Roger auf dem Shirt. Sengoku lacht herzhaft, während Rina ihre Hände in die Hüfte stemmt.

„Deine Witze waren schon immer schlecht.“

„Möchtest du für deine Freunde Zeit gewinnen?“

„Nein. Das ist nur ein netter Nebeneffekt. Ich möchte viel mehr mit dir sprechen.“ Sofort wird der ehemalige Großadmiral ernst. Ein Soldat flüstert Admiral Fujitora etwas ins Ohr, doch dieser winkt ab, sodass Rina ihre Aufmerksamkeit wieder auf Sengoku richtet.

„Das bezieht sich jetzt nicht zufällig auf die Sache von vor zwei Jahren?“

„Ich möchte wissen warum du diesen Krieg hast ausbrechen lassen. Du hast Whitebeard respektiert! Du wusstest, was es in der Welt auslösen würde!Also sag mir warum. War es, weil du gerade zufällig Ace in deiner Gewalt hattest? Oder hast das von Anfang an geplant?“ Sie versuchte das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. Doch die Tränen, die langsam ihre Wangen hinunterlaufen, kann sie nicht zurückhalten. Sie hofft nur, dass Sengoku dies nicht bemerkt. Dieser sieht bedrückt und mitleidig zu ihr hoch.

„Ich weiß. Ich hätte ahnen müssen was passieren würde. Aber ich konnte Ace nicht einfach wieder frei lassen. Ich kann keinen Piraten laufen lassen, nur weil einer der vier Kaiser hinter ihm steht. Damit würde die Marine zugeben schwächer, als die Piraten zu sein. Diese Schwäche dürfen wir nicht haben.“ Rina presst die Lippen aufeinander. Leise rollen ihr weitere Tränen übers Gesicht.

„Es tut mir Leid. Wirklich. Aber es gab keine andere Möglichkeit.“
„Versuchst du als Oberinspektor irgendetwas wieder gutzumachen? Oder bist du deshalb zurückgetreten und hast Akainu die Führung überlassen?“ Ihre Stimme klingt leer und traurig, aberauch vorwurfsvoll.

„Eigentlich hatte ich gehofft Aokiji würde meinen Posten übernehmen.“ gibt er zu und kratzt sich am Hinterkopf. Ungerührt starrt Rina ihn weiter an.

„Ich bin nicht völlig machtlos, Rina. Auch wenn viele an Sakazuki zweifeln. Ich werde…“

„Nichts wirst du!“ unterbricht sie ihn. Ihre Stimme ist kalt und drohend. Obwohl sie nicht schreit, meint Sengoku ihre Stimme müsse noch auf Dressrosa zu hören sein. In ihren Augen glimmen Trauer und Zorn.
„Du kannst nichts mehr tun! Deine Zeit ist vorbei Sengoku! Du hattest eine Chance, die nur sehr wenige Menschen je bekommen und DU hast sie vertan! Egal was du tust, nichts wird sich deinetwegen mehr ändern!“ Sengoku starrt sie fassungslos an. Rina ist wie ausgewechselt. Es scheint, als würde etwas aus ihrem tiefsten Innern herausbrechen. Ihr Körper zittert leicht vor Anspannung und wären ihre Tränen nicht gewesen, hätte er meinen können, es stünde eine ganz andere Person vor ihm.

„Ich bin nur ein Mensch, Rina. Ich kann nicht sehen, was meine Taten in der Zukunft auslösen. Sag mir, was soll ich deiner Meinung nach tun?“

„Lass von Law und den Strohhüten ab. Vorerst. Lass das Land zur Ruhe kommen. Geh und lass andere ändern, was du nicht mehr zu ändern vermagst.“ Sie spricht wieder ruhiger, wenn auch immer noch fremd. Einige Augenblicke schauen sich die beiden in die Augen. Die Piratin und der Oberinspektor der Marine. Der alte Mann und die junge Frau. Schließlich seufzt Sengoku laut.

„Wir segeln zurück.“

„Aber Oberinspektor…“

„Tut was ich sage!“ schreit Sengoku den Soldaten an. Für ihn ist die Sache beendet. Er wendet sich ab und geht über das Deck. Admiral Fujitora schaut mit seinen blinden Augen zu Rina hinauf. Er sagt nichts und wendet sich nach einigen Augenblicken ebenfalls ab. Das Schiff entfernt sich stetig. Langsam rutscht Rina seitlich an dem Baumstamm hinunter, bis sie wieder auf dem Ast sitzt. Erschöpft blickt sie nach unten.

„Du hast ihn respektiert.“ flüstert sie leise mit trauriger Stimme.

Eine Woche ist seit der Abreise von Zou vergangen und noch immer treibt das U-Boot der Heart Piratenbande ziellos auf dem Meer. Weder die Strohhutpiraten noch Rina hat Law seitdem wieder gesehen. Und von der Marine ist auch keine Spur. Es ist, als wäre er allein auf der Welt. Wie so oft in den letzten Tagen steht Law am Heck, den Oberkörper auf die Reling gelehnt, und starrt aufs Meer hinaus. Er weiß selbst nicht, was er hofft zu sehen. Andererseits weiß er auch nicht, wohin er segeln soll. Seit er Dressrosa verlassen hat fühlt er sich verloren. Er hat jegliches Gefühl verloren. Hat weder Hunger noch Durst. Wann er das letzte Mal geschlafen hat, kann er auch nicht mehr sagen. Wäre da nicht der Schmerz gewesen, der noch immer gelegentlich von seinen Wunden ausgeht, würde er sich selbst für tot erklären. Seine Crew hat schon längst bemerkt, dass mit ihrem Kapitän etwas nicht stimmt, jedoch traut sich keiner nachzufragen.

„Käpt’n?“ Shachis Stimme reißt Law aus seinen Gedanken.

„Was gibt es?“ Law ist selbst überrascht, wie müde er doch klingt.

„Wir nähern uns einer Insel. Sollen wir weiter fahren?“ Nur zögerlich bringt Shachi die Frage hervor und sieht besorgt zu seinem Kapitän. Law überlegt einige Augenblicke und sieht zu der Insel. Aus irgendeinem Grund kann er nicht einfach vorbeisegeln.

„Nein. Wir legen an. Ich will mir die Insel mal ansehen.“

 

Wieder lässt er seine Crew zurück und bewegt sich allein durch den Wald, der sich von der Küste bis ins Innere der Insel zieht. Vom Strand aus hat er bereits das Gebirge gesehen, das etwa in der Mitte der Insel liegen muss. Auch wenn die Insel unbewohnt zu sein scheint, lässt ihn das Gefühl nicht los, dass sich hier irgendwer befinden muss.

„Du siehst furchtbar aus.“ Beim Klang der Stimme dreht sich Law ruckartig um und blickt in Rinas Gesicht. Erleichtert atmet er aus.

„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben.“ Ihr Blick ist bedrückt. Als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt, nimmt Law sie in den Arm. Sie erwidert die Umarmung und schlingt die Arme um ihn.  Da Rina gut einen Kopf kleiner ist, legt Law sein Kinn auf ihren Kopf ab. Rina legt ihren Kopf gegen seine Brust und atmet tief seinen vertrauten Geruch ein. Einige Minuten stehen sie so da und genießen die Anwesenheit des anderen. Plötzlich löst sich Rina aus der Umarmung. Suchend lässt sie ihren Blick durch den Wald streifen.

„Was ist los?“ Law schaut sie besorgt an.

„Hörst du sie nicht?“

„Wen?“
„Da sind Stimmen. Viele.“ Ihr Blick stoppt bei dem Gebirge. Langsam geht sie ein paar Schritte darauf zu, dann dreht sie sich noch einmal zu Law um.

„Hier ist eine große Gruppe von Menschen. Komm!“ Ohne eine Antwort oder Reaktion abzuwarten, verschwindet sie auch schon im Unterholz. Da er nur wenige Auswahlmöglichkeiten hat, geht Law ihr nach. Je näher sie dem Gebirge kommen, desto lauter werden die Stimmen. So das auch er sie jetzt hören kann. Der Wald endet so jäh, dass die beiden unvorbereitet mitten auf einer Ebene aus Erde und Stein stehen. Erschrocken schauen sie in die Gesichter einer Menge, nicht weniger überraschter, Menschen.

 

Drei Menschen fallen Law sofort auf. Ein groß gewachsener, schlanker Mann mit langen, blonden Haaren. Ein Angehöriger der Langarmmenschen mit einem langen Zopf brauner Haare, sowie ein breitschultriger Rotschopf, der einen Mantel auf seinen Schultern liegen hat. Bei diesen drei handelt es sich um keinen geringeren, als den Kapitänen der Hawkins-, Kid-, und On Air Piraten. Nach der Sache vor zwei Jahren würde er diese Gesichter niemals vergessen. Auch die drei scheinen sich an ihn und seine Begleiterin zu erinnern. Kids Miene ist so säuerlich, wie Law sie in Erinnerung hat.

„Na sieh mal einer an. Wenn haben wir denn da? Wenn das nicht die Verursacher für diesen Mist hier sind.“ Erst jetzt bemerkt Law die Verbände an Armen, Beinen und Brust der meisten Anwesenden, so auch bei den Kapitänen.

„Und was sollen wir getan haben?“ Law’s Müdigkeit ist wie vom Wind verweht.
„Du hast dich mit Kaido angelegt. Deinetwegen ist er hier aufgetaucht.“

„Kaido hat euch angegriffen?“

„Es sieht eher so aus, als hätte er mal wieder versucht sich umzubringen.“ wirft Rina ein. Sie sitzt neben einem riesigen, unförmigen Loch und schaut hinein.

„Ich würde sagen, er ist von einer der Wolken gesprungen.“ fügt sie hinzu und schaut nach oben.

„Woher weißt du das?“ Basil Hawkins tritt neben sie und schaut ebenfalls hinauf.

„Das versucht er seit Jahren. Wenn du einmal mit einem der vier Kaiser gesegelt bist, erfährst du eine Menge.“

„Die Kleine ist gut. Wie sie sofort erkennt, was vorgefallen ist.“ Apoo , der Langarmmensch, sieht zu Kid herüber.

„Unsere Schuld, ja?“ Law grinst hämisch und Kid scheint seine zwei Verbündeten mit einem Blick töten zu wollen.

„Halt doch einfach deine Klappe!“

„Ich hab’s dir damals auf dem Archipel schon gesagt: Was du sagst interessiert mich nicht.“
Zwischen den beiden entbrennt eine hitzige Diskussion. Rina erkundigt sich bei Hawkins und Apoo über ihre Verletzungen, dem Vorfall und dem Verbleib von Kaido. Die drei setzen sich und ignorieren die Streithähne.

 

Im Schneidersitz, die Ellbogen auf die Knie gestützt und den Kopf auf die Hände gelegt, sitzt Rina zwischen Hawkins und Apoo, welche die, noch immer streitenden, Kapitäne beobachten. Auch die Mannschaften der drei Verbündeten Banden sitzen am Boden, essen, schlafen oder unterhalten sich. Schließlich seufzt Rina laut und steht auf.

„Also jetzt reicht’s mir.“

„Was hast du vor?“ Hawkins schaut von unten zu ihr hoch.

„Ich beende das jetzt.“ Bevor noch jemand etwas sagen kann, marschiert sie mit großen Schritten zu Law und Kid. Apoo und Hawkins schauen ihr neugierig nach. Ohne ein Wort zu sagen greift Rina nach Kids Arm und wirft ihn über ihre Schulter zu Boden. Wenige Augenblicke später landet auch Law im Dreck, da Rina seinen linken Arm verdreht und ihm die Füße unter dem Körper wegtritt. Verwirrt schauen die beiden zu ihr hoch.

„Dafür, dass ihr beiden angeblich einiges abbekommen habt, scheint ihr ja ziemlich fit zu sein.“

„Was wollt ihr eigentlich hier?“ Kid klingt sehr genervt und Rina fragt sich, warum er es nicht auf einen Zweikampf anlegt.

„Wir sind durch Zufall hier gelandet. Und wenn ihr beiden endlich eure Streiterei lassen würdet, würde ich diese Insel sehr gern wieder verlassen.“ Beim letzten Satz schaut sie auffordernd zu Law.

„Ihr wollt schon gehen?“ Hawkins kommt zu den dreien gelaufen.

„Es gibt hier ja nix interessantes. Außerdem…“ In diesem Moment beginnt die Erde zu beben. Unvorbereitet verliert Rina das Gleichgewicht und landet neben Law auf dem Hosenboden.

„Bin ich interessant genug?“ Mit aufgerissenen Augen starren die vier Kapitäne und Rina nach oben. Hinter einem der Berge taucht eine riesige Gestalt auf.

„Ich dachte er ist nicht mehr hier?“ raunt Rina an Hawkins und Apoo.

„Dachten wir auch.“

„Tja scheinbar habt ihr euch geirrt.“ Panisch machen die Mannschaften von Kid, Hawkins und Apoo dem Piratenkaiser Platz. Die drei am Boden Sitzenden stehen auf, wobei Kid sich auf einen Angriff vorbereitet.

„Ich habe gehofft dich zu treffen, Dämonenschatten Sharina.“ Als sie den, von der Marine erdachten, Spitznamen hören, schauen die vier Kapitäne zu Rina. Diese nimmt es gelassen und tritt ein paar Schritte nach vorn, um zwischen den vier und Kaido zu stehen.

„Ich wüsste nicht, was ich mit dir zu bereden hätte.“

„Ich wäre gekommen. Damals. Ich hätte euch geholfen. Doch dieser einarmige Dreckskerl…“

„Sprich nicht so über ihn!“ Der Kaiser hält inne. 

„Shanks tat Recht daran dich zu stoppen.“ Mit festem Blick schaut Rina zu Kaido hinauf. Ungeachtet der Tatsache, dass einer der vier Kaiser vor ihr steht, spricht sie weiter.

„Shanks tat das einzig Richtige.“ Sie macht einen Schritt auf Kaido zu.

„Du hättest doch nur weiter getötet.“ 

Ein weiterer Schritt.

„Wir brauchten keine Kämpfer.“ 

Noch ein Schritt.

„Wir brauchten jemand, der dieses Abschlachten beendet.“ Mit dem nächsten Schritt steht sie genau vor ihm. Rina legt den Kopf in den Nacken, um Kaido anzusehen.
„Wärst du nicht gewesen, hätte Shanks viel früher in Marineford sein können. Er hätte den Albtraum viel früher beenden können.“ Gegen jedermanns Erwartung ist ihre Stimme ruhig. Ruhig, vorwurfsvoll und provozierend. Es ist allseits bekannt, was Kaido von Shanks hält und dieser Vorwurf liegt schwer in der Luft. Apoo weicht einen Schritt zurück, Hawkins starrt zu Kaido, Law zu Rina und Kid scheint krampfhaft zu überlegen, was er jetzt tun soll. Es herrscht angespannte Stille auf der Ebene.

„Das ist eine schwere Anschuldigung.“

„Es ist keine Anschuldigung. Es ist eine Tatsache.“ Dem darauf Folgendem können die vier Kapitäne nicht folgen. Kaidos Hand saust auf Rina nieder. Doch sie kann ausweichen, springt nach oben und ist nun mit ihm auf Augenhöhe. Sie holt mit dem Bein aus und tritt gegen Kaidos Hals. Dieser schwankt kurz, da sie einen Vitalpunkt getroffen hat, fängt sich aber schnell wieder. Er holt ein weiteres Mal mit seiner Pranke aus. Da Rina nicht mehr ausweichen kann, trifft sie der Schlag direkt. Mit einem dumpfen Aufprall landet sie auf dem harten Steinboden und rollt über die Ebene. Reglos bleibt sie liegen. Law, der zu ihr rennen will, kassiert den nächsten Schlag. Auch er landet im Dreck versucht aber gleich wieder auf die Beine zu kommen. Eine Welle des Schmerzes durchzieht seinen Körper. Instinktiv legt er eine Hand auf seine linke Seite. Seine Wunde ist aufgegangen und Blut breitet sich auf seinem Shirt auf.

„Trafalgar!“

„Was ist? Machst du dir etwa Sorgen, Eustass?“ Besorgt schaut er zu Rina hinüber, die noch immer reglos am Boden liegt.

„War das etwa alles? Ich habe mehr erwartet. Oder kannst du dich nicht wehren, da es gegen das Gleichgewicht verstoßen würde?“

„Oder kannst du dich nicht wehren, da es gegen das Gleichgewicht verstoßen würde?“ Mit langsamen Schritten nähert sich Kaido, der am Boden liegenden Rina. Sie zeigt keine Reaktion. Law versucht aufzustehen, doch wieder zwingt der Schmerz ihn auf die Knie. Apoo bewegt sich keinen Millimeter und Hawkins und Kid knirschen mit den Zähnen. Plötzlich bleibt Kaido stehen. Rinas Finger zucken. Langsam kommt Bewegung in ihre Glieder.

„Das Gleichgewicht? Das ich nicht lache! Das ist doch sowieso schon zerstört. Dich zu besiegen wäre sogar ein Schritt in die richtige Richtung, um diese Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“ Sie stützt sich mit den Armen ab und kommt wankend auf die Beine. Sie hebt den Kopf. Blut läuft ihr über ihre rechte Gesichtshälfte. Mit festem Blick schaut sie Kaido direkt in die Augen, dann grinst sie. Im nächsten Moment ist Rina verschwunden. Verwirrt schauen sich alle um.

„Es  war ein Fehler meinen Freunden etwas anzutun.“ Ihre Stimme kommt von oben. Alle legen den Kopf in den Nacken. Mit einer Irren Geschwindigkeit und mit einem Langmesser in der Hand rast sie auf Kaido zu. Dieser begreift zu langsam, so dass Rina das Messer noch in seiner linken Schulter versenkt.

„Du kleines Biest.“ Er greift mit der Rechten nach ihr, doch sie ist schon wieder weg. Diesmal ist sie direkt vor seinem Gesicht. Der Kaiser kann schneller reagieren und will sie wieder mit der Hand wegschlagen. Als würde er sich in Zeitlupe bewegen, greift Rina nach seinem Finger und zieht sich auf seinen Handrücken. Sie verzieht das Gesicht zu einem Grinsen, stößt sich ab und platziert einen Tritt an einem Vitalpunkt an Kaidos Hals. Diesmal kippt der Riese vollends um. Eine riesige Staubwolke bildet sich um den Koloss. Die vier Kapitäne starren auf den riesigen Schatten in der Wolke und erwarten eine Bewegung. Ein kleinerer Schatten zeichnet sich ab und bewegt sich aus dem Nebel heraus. Für einen kurzen Moment sieht es so aus, als habe die Gestalt riesige, schwarze Flügel. Diese verschwinden in dem Augenblick, in dem Rina die Staubwolke verlässt. Hawkins, der ihr am nächsten steht, sieht, dass ihre Pupillen eine längliche Form angenommen haben. So wie sie Katzen haben. Auch das Grün der Iris scheint mehr zu leuchten als normalerweise, doch darin kann er sich irren. Er blinzelt ungläubig und als er wieder hinsieht sind ihre Pupillen normal.

 

Alle starren sie mit offenen Mündern an.

„Wir sollten schleunigst verschwinden. Er wird nicht ewig so friedlich schlafen.“ Keiner regt sich.

„Los!“ sagt sie nun lauter und befehlender. Augenblicklich reißen sich die vier Kapitäne aus ihrer Starre. Kid, Hawkins und Apoo befehlen sofort den Rückzug. Rina hilft Law aufzustehen. Noch immer tritt Blut aus seiner Wunde.

„Wo liegen eure Schiffe?“ fragt Rina.

„In einer Bucht hinter dem Wald.“ Rina nickt und pfeift, was eine Krähe dazu veranlasst zu ihr zu kommen.

„Führe Law’s Mannschaft zur Bucht und den anderen Schiffen.“ Die Krähe tut wie geheißen und fliegt davon. Gemeinsam bewegen sie sich nun in den Wald. Law lässt von Rina ab und beteuert ihr, er könne allein gehen. So schnell sie können, hetzen sie durch das Gebüsch, wobei Rina mit Abstand die schnellste ist. Wie ein Reh springt sie über Geäst und Unterholz. Weicht Steinen und Ästen aus, ohne auch nur im geringstem ab zu bremsen. Nach wenigen Minuten und völlig außer Atem erreichen sie die Schiffe.  Auch Law’sSchiff und Crew sind anwesend.

„Los macht alles bereit zum Ablegen! Hauen wir hier ab!“ brüllt Kid seiner Crew zu. Diese lässt sich das nicht zweimal sagen und macht sich gleich an die Arbeit.Ohne große Umschweife gehen Law und Rina an Bord des U-Bootes.

„Abtauchen!“ befiehlt Law. Sofort macht die Crew alles bereit. Keine fünf Minuten später ist durch die Fenster nur noch Wasser zu sehen. Law übergibt Bepo das Kommando. Er geht, gefolgt von Rina, in eins der Behandlungszimmer. Seufzend setzt er sich auf die Liege. Bei der Bewegung zuckt er zusammen, was Rinas Aufmerksamkeit erregt.

„Lass mal sehen.“ Sie nähert sich Law.

„Das ist halb so schlimm.“ Mit einer Handbewegung wehrt dieser ab.

„Dann macht es ja auch nix, wenn ich es mir ansehe.“ Bevor er wieder abwehren kann, greift sie nach seinem Shirt und schiebt es behutsam nach oben. Law zieht scharf die Luft zwischen den Zähnen ein. Seine gesamte linke Seite ist bis zur Hose von Blut verklebt. Vorsichtig wischt Rina das Blut mit einem feuchten Tuch ab. Nachdem sie fertig ist besieht sie sich der Wunde.

„Wieso hast du das nicht genäht? Du solltest es besser wissen.“ Da Law nicht weiß, was er darauf antworten soll, schweigt er. Als wäre es selbstverständlich, greift Rina zu Nadel und Faden. Ruhig lässt Law die Prozedur über sich ergehen, wobei er jede ihrer Bewegungen genauestens verfolgt. Schweigend verarztet Rina ihren langjährigen Freund und ist dabei so vorsichtig, als wäre er aus Glas.

„Jetzt du.“ sagt Law, als sie fertig ist. Gerade will sie etwas sagen und hebt den Kopf, da berührt Law auch schon ihr Gesicht, um das Blut abzuwaschen. Nachdem das getan ist greift er zu Nadel und Faden, streicht Rinas Haare zur Seite und beginnt zu nähen. Rina mustert sein hochkonzentriertes Gesicht. Es dauert nicht lange und auch ihre Wunde ist versorgt. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, legt Law die Utensilien zur Seite. Seine linke Hand ruht noch immer auf ihrer rechten Wange. Rina spürt seinen Atem auf ihrem Gesicht. Langsam kommt sein Gesicht näher, bis sich ihre Lippen treffen. Rina ist die erste, die sich löst. Sie weicht einige Schritte zurück und schaut bedrückt zu Boden.
„Tut mir Leid, wenn ich…“
„Es… ist nichts was…ich…ich dachte nur…naja…ich habe nur etwas anderes erwartet“ Sie hebt den Kopf und blickt genau in seine grauen Augen.

„Ich werde dich nichts bezüglich des Kampfes mit Kaido fragen, wenn du das befürchtest. Erzähl es mir, wenn du willst.“ Überrascht schaut sie Law an. In diesem Moment wirkt Rina auf Law so unsicher und verloren, wie er sich sooft fühlt.

„Komm her.“ Er streckt seinen rechten Arm zu ihr und lächelt sanft. Rina nimmt die Einladung an und schmiegt sich an seine Brust.

Ein Klopfen an der Tür stört ihre Zweisamkeit. Beide schauen erwartungsvoll Richtung Tür. Da niemand Anstalten macht einzutreten, steht Law auf und geht zur Tür.

„Was gibt es?“ Hinter der Tür stehen Bepo, Shachi und Penguin.
„Gibt es einen Kurs? Oder ein Ziel?“ fragt Shachi unsicher. Law schaut über seine Schulter zu Rina, welche eine Augenbraue hochzieht.

„Wir segeln Richtung Norden. Irgendwo soll es da eine Sturminsel geben. Wer weiß was man dort so findet.“ antwortet er seiner Crew. Die drei scheinen bei diesen Worten einen halben Meter zu wachsen und machen sich mit neuem Elan daran, den Befehl weiterzugeben.

„Schöne Ansage, Käpt’n.“ Rina geht an ihm vorbei und lächelt ihn über die Schulter an. Sie scheint wieder die Alte zu sein.

 

Einige Stunden später steht Rina in der Küche des Schiffs und hantiert am Herd herum. Law sitzt am Tresen, den Kopf auf die Arme gelegt, und starrt auf ihren Rücken.

„Gefällt dir der Anblick?“ fragt sie, ohne sich umzudrehen.

„Ein schöner Rücken kann auch entzücken.“ neckt Law sie. Da sie darauf nicht antwortet, fährt er fort.

„Als dein Arzt sage ich dir, dass du dich ausruhen solltest.“
„Als deine Köchin sage ich dir, dass du mir auch einfach helfen könntest.“ Während sie spricht, dreht sie sich um und legt ihren Kopf auf ihre Arme, nur wenige Zentimeter von seinem entfernt.

„Und was schlägt die Prinzessin vor?“ Er lächelt sie schmeichelnd an. Prompt stellt sie ihm eine Schüssel mit Gemüse, ein Brett und ein Messer vor die Nase.

„Das Gemüse schneiden wäre ein guter Anfang.“ Frech grinsend dreht sich Rina wieder um und beschäftigt sich mit dem Fleisch und den Pfannen. Ebenfalls grinsend befasst sich Law mit dem Gemüse. Vorsichtig linsen Shachi und Penguin in die Küche und beobachten die beiden. Als sie sehen, wir ihr Kapitän sich mit Rina unterhält ziehen sie sich zurück.

„Hast du gesehen wie sie sich um ihn kümmert?“ fragt Penguin seinen Kumpanen.
„Ja. Ich wünschte, um mich würde sich auch eine so hübsche Frau kümmern.“ Shachi wird bei der Vorstellung rot und grinst breit.
„Ich bin so froh, dass unser Käpt’n wieder normal ist.“
„Ich auch. Aber ich frage, mich warum sie bei der letzten Insel so schnell weg wollten.“

„Also ich will es lieber gar nicht wissen.“ meint Penguin.

„Hmmm… Stimmt auch wieder. Wenn Rina so schnell weg wollte, kann das nichts Gutes gewesen sein.“

„Ganz zu schweigen davon, dass Eustass Captain Kid, Basil Hawkins und ScratchmanApoo bei ihnen waren.“

„Stimmt. Die hatten’s auch ziemlich eilig.“ Beide bleiben stehen, schauen sich kurz an und schütteln sich dann.

„Besser gar nicht darüber nachdenken.“ meint Shachi und geht weiter.

„Ganz genau.“ pflichtet ihm sein Kumpel bei.

Als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt, lässt sich Rina bäuchlings auf Laws Bett fallen. Sie legt die Arme unter den Kopf und schließt die Augen.

„Weißt du, es ist mir egal, ob du mit den Klamotten schlafen willst. Aber zur Seite rutschen musst du.“ versucht Law ernst zu sagen. Da er aber nur noch in Boxershorts dasteht, ist es schwer seine Autorität aufrecht zu erhalten. 

„Zwing mich doch. Ich bewege mich keinen Meter mehr.“ Nachdem sie immer mehr zur Ruhe gekommen sind, bricht die Müdigkeit über den beiden zusammen. Als sie sich kennenlernten, hatte Law noch darauf bestanden, dass sie allein in seiner Kabine schläft. Doch das ist seit Jahren Geschichte. Da Rina keine Anstalten macht sich zu bewegen, geht Law seufzend zu ihr, packt sie an Schulter und Hüfte und zieht sie Richtung Bettkante.

„Wie unhöflich eine Dame, ohne zu fragen, so zu begrabschen.“ empört sie sich.

„Von welcher Dame sprichst du? Hier sind…“ In diesem Moment landet ein Kissen in Laws Gesicht. Lachend, und mit dem Kissen in der Hand, geht Law zum Fußende des Bettes und lässt sich, ebenso wie Rina vorher, fallen. Keine zwei Minuten später gleitet er ins Land der Träume.

 

„Du bist jetzt frei, Law. Geh und lebe dein Leben.“ Bis zu den Knöcheln steht Law im Schnee. Um ihn herum tobt ein Sturm. Schützend hebt er einen Arm vors Gesicht. Er sucht nach dem Ursprung der Stimme, kann aber niemanden entdecken.

„Siehst du, Law? Immer tauchen Menschen auf, um dich zu retten.“ Er versucht schneller zu gehen, kommt aber nicht gegen den Sturm an.

„Law. Ich liebe dich, Mann. Du wirst überleben. Lauf einfach. Lauf! Hörst du?“

„Wohin? Wohin soll ich gehen?“ schreit Law in den Sturm. Nach einer gefühlten Ewigkeit zeichnet sich vor der weißen Masse eine Silhouette ab. Je näher ihr Law kommt, desto klarer kann er die Person sehen. Unter Tausenden würde Law diesen Mann wieder erkenne.

„Cora-san? Cora-san!“ Sein Herz beginnt schneller zu schlagen. So schnell wie möglich kämpft sich Law vorwärts. Kurz bevor er ihn erreicht, dreht sich Corazon um. Schockiert bleibt Law stehen. Corazon ist von oben bis unten mit Wunden und Blut übersät. Doch dieser lächelt ihn nur wie gewöhnlich an.

„Es ist schön, dass es dir gut geht, Law. Es tut mir Leid, dass ich damals nicht mitkommen konnte und, dass ich gelogen habe. Es tut mir Leid, Law. Aber ich hatte keine andere Wahl. Eines war nicht gelogen: Ich liebe dich. Und ich bin so glücklich, dass du dich an mich erinnerst.“ Mit diesen Worten löst sich Corazon in Luft auf.

„Natürlich erinnere ich mich an dich.“ brüllt Law unter Tränen. Plötzlich verschwinden der Sturm und der Schnee.  Stattdessen schlagen ihm heiße Flammen ins Gesicht. Erschrocken weicht er einige Schritte zurück. Er steht in einer weißen Stadt vor einem Krankenhaus, welches in Flammen steht. Schmerzhafte Erinnerungen steigen in ihm hoch. Es ist das Krankenhaus seiner Eltern in Flevánce, vor dem er steht.

„Law.“ Ruckartig dreht dieser sich um. Auf dem Boden vor sich entdeckt er die Nonne, die sich immer um die Kinder gekümmert hat. Schwer verwundet zieht sie sich mit den Armen über den Boden auf ihn zu. Unfähig sich zu bewegen starrt Law sie an.

„Law, es wird immer jemand geben, der dir eine helfende Hand reicht.“ Sie lächelt ihn liebevoll an. So wie sie es immer getan hat. Auf einmal sind auf der Straße unzählige Leichen. Darunter seine Eltern, Schwester und Freunde. Panik steigt in ihm hoch. Sein Herz scheint aus seiner Brust springen zu wollen. Die Hitze der Flammen ist unerträglich. Dann wird mit einem Mal alles still. Alles wird dunkel. Ein langer Schrei ertönt. Die Dunkelheit verzieht sich und eine Waldlichtung taucht vor Law auf. Rina kniet auf dem Waldboden. Er kann nur ihren Rücken sehen, doch dann dreht sie sich um. Ihre Augen sind gerötet und Tränen rollen ihre Wangen hinunter.
„Es tut mir Leid, Law. Ich verspreche dir, alles wird gut.“

„Was meinst…“ In diesem Moment durchströmt ein brennender Schmerz seinen gesamten Körper. Verwirrt schaut er auf seine Hände. Weiße Flecken tauchen auf ihnen auf. Panisch zieht er sein Shirt aus, um seinen Körper zu untersuchen. Überall hat er diese weißen Flecken, die sich ausbreiten.

„Nein! Wie kann das sein? Ich hab es doch mit meiner Teufelskraft geheilt.“ Hilflos schaut er sich um. Dunkelheit breitet sich wieder aus. Die Schmerzen werden schlimmer. Sein Herz rast und seine Atmung geht stoßweise.

„Es wird immer jemand geben, der dir eine helfende Hand reicht.“

Was soll die Scheiße? Sterbe ich etwa? Nein. Nein! Wieso jetzt? Bitte, hilf mir jemand. Verzweifelt versucht Law zu atmen. Die Schmerzen werden unerträglich.

„Law.“ Hilfe.

„Law.“

 

Mit einem lauten Aufschrei setzt sich Law ruckartig auf. Erst starrt er auf seine Hände, dann betastet er seinen Oberkörper. Keine weißen Flecken zu sehen. Sein Herz rast, er ist schweißgebadet und sein Atem geht stoßweise.

„Law!“ Er hebt den Kopf und blickt direkt in Rinas besorgte Augen.
„Nur ein Albtraum.“ keucht er und winkt mit der Hand ab, welche stark zittert. Sanft legt Rina eine Hand auf seine Wange und wischt mit dem Daumen eine Träne weg. Law schließt kurz die Augen, atmet tief durch und versucht sich zu beruhigen.

„Schlaf weiter.“ Wortlos schüttelt er den Kopf. Unter keinen Umständen würde er noch ein Auge zu tun. Rina setzt sich neben ihn und zieht seinen Kopf auf ihre Brust. Sanft streicht sie ihm durchs Haar. Nach einigen Minuten lässt sie sich zurückfallen und zieht ihn mit sich. Noch immer liegt ihre Hand auf seinem Kopf. Ihr gleichmäßiger Atme beruhigt Law und er dämmert doch wieder weg. Den Rest der Nacht schläft er traumlos. Als er am Morgen aufwacht, ist Rina verschwunden.

Anderthalb Wochen später erreichen die Heartpiraten die Sturminsel. Rina ist spurlos verschwunden. Nicht einmal eine Nachricht hat sie hinterlassen. Auch hat Law keinen Albtraum mehr gehabt, was ihn aber nicht sonderlich stört. Es betrübt ihn jedoch ein wenig, dass Rina weg ist. Doch Sorgen macht er sich keine. Vermutlich ist sie wieder zum Rest der Whitebeardpiraten gegangen. Die Bande existiert entgegen vieler Gerüchte noch und versuchen so viele Gebiete wie möglich zu beschützen. Es gibt aber auch Gerüchte, sie würden mit Shanks oder gar der Revolutionsarmee zusammen arbeiten. In der Zeitung liest man jedoch nichts über sie. Auch ihre Kopfgelder sind seit zwei Jahren unberührt. Obwohl der Marine bekannt ist, dass Rina auf Dressrosa ihre Finger im Spiel hatte, haben sie kein Wort über sie verloren. Schon seit längerem denkt Law darüber nach, findet aber keine Antwort. Nun richtet er seine Aufmerksamkeit auf die Insel vor sich. Der Wind nimmt zu und treibt sie Richtung Land. Es scheint Frühling zu sein.

 

Mit einem Messer in der Hand kämpft sich Rina durch den Dschungel. Es tut ihr Leid ohne ein Wort gegangen zu sein. Doch nachdem Law eingeschlafen war, hat sie etwas gerufen. Sie konnte sich dem Rufen nicht wiedersetzen und so ist sie nun auf dieser tropischen Insel. Sie durchtrennt eine Liane. In diesem Moment wird sie am Handgelenk gepackt und zur Seite gezogen. Bevor Rina realisiert, was passiert, findet sie sich auch schon an der Brust eines gewissen rothaarigen Piraten wieder.

„Da ist ja unser kleines Teufelsmädchen.“ Der strenge Geruch nach Alkohol schlägt ihr entgegen. Angewidert dreht Rina den Kopf zu Seite, doch Kid rückt nach.

„Wurde dir der Arzt zu langweilig und suchst nun nach etwas Aufregenderes?“
„Was ist denn mit dir passiert?“

„Er hat sich in letzter Zeit etwas gehen lassen.“ Drei weitere Gestalten kommen aus dem Gebüsch.

„Basil…“

„Was ist los Kleine? Glaubst du, ich bin nicht gut genug für dich?“ Kid versucht ihren Kopf zu sich zu drehen.
„Jetzt lass den Blödsinn!“ Genervt schubst Rina den Rotschopf von sich. Dieser verlor das Gleichgewicht und landet im Unterholz. Als er keine Anstalten macht wieder aufzustehen, zieht Rina die Augenbrauen hoch und schaut fragend zu Killer, Basil und Apoo, welche zu Kid schauen.

„Also…was macht ihr hier?“ fragt Rina schließlich.

„Hawkins hat darauf bestanden dich zu suchen.“ beantwortet Killer die Frage.

„Und da Kid immer noch an der Sache mit Kaido knabbert….“ fügt Apoo zu.

„Er hat wirklich Probleme.“ Wieder einmal stellt sich Rina die Frage, wieso Apoo und Basil mit Kid gemeinsame Sache machen. Der Rothaarige hat ein Talent dafür, sich Feinde zu machen. Nun wendet sie sich an Basil.

„Du hast mich gesucht. Hier bin ich. Also was gibt’s?“ sie breitet kurz die Arme aus.

„Können wir ungestört reden?“ Nun kassiert Hawkins die fragenden Blicke, welche er jedoch ignoriert. Ohne ein weiteres Wort entfernen sich die beiden von den anderen.

 

„Also was gibt’s?“ fragt Rina erneut.

„Als du gegen Kaido gekämpft hast… deine Augen waren seltsam. Sie sahen nicht mehr menschlich aus. Überhaupt wie hast du es geschafft Kaido so leicht fertig zu machen?“
„Was willst du von mir hören, Basil? Das ich irgendeinen Trick habe? Den hab ich nicht.“

„Ich will wissen was das für eine Präsenz war, die ich gespürt habe.“

„Eine Präsenz? Ich weiß nicht wie angeschlagen du warst. Aber ich habe mich nicht verändert.“

„Rina! Du hast immer behauptet keine Chance gegen einen Kaiser zu haben. Und jetzt reicht ein Tritt und Kaido ist bewusstlos?“

„Ich habe einen Vitalpunkt getroffen. Basil, ich weiß nicht was du glaubst gesehen oder gespürt zu haben. Aber was mich betrifft hat alles seine Richtigkeit.“ Sie wendet sich ab und macht Anstalten zurück zu gehen, doch dann hält sie inne.

„Sag mal, Basil. Du kommst doch aus dem North Blue, oder?“

„Ja. Wieso fragst du?“ Hawkins schaut sie neugierig an.

„Hast du schon mal von der Stadt Flevánce gehört?“ Verwundert zieht er die Augenbrauen zusammen.

„Ja. Ich kenne die Insel. Besser gesagt ich kannte sie. Auch wenn es mittlerweile eher eine Geschichte ist, um Kindern Angst zu machen. Die Stadt Flevánce gab es wirklich. Ebenso die Bernsteinkrankheit und das Massaker, das die Marine angeordnet hatte. Entgegen aller Gerüchte war die Krankheit nicht ansteckend.“

„Woher weißt du das?“
„Ich war dort. Kurz bevor die Insel abgeschottet wurde. Ich habe mit Menschen gesprochen, die an der Krankheit litten. Und ich lebe noch immer.“ Mit großen Augen dreht sich Rina zu Basil um. Dieser hat den Blick jedoch von ihr abgewendet. Die Sache scheint ihn zu belasten.

„Bist du deshalb Pirat geworden und lehnst dich gegen die Marine und die Weltregierung auf?“

„Nicht ausschließlich. Aber ein bisschen gehört es schon zu meinem Entschluss.“ Beide schweigen einige Minuten.

„Warum hast du gefragt?“ fragt Hawkins schließlich.

„Ich habe Gerüchte gehört und wollte wissen, ob sie war sind.“ Schnell verschwindet Rina zwischen den Pflanzen, um weiteren Fragen zu entgehen.

 

Während die beiden redeten, haben es sich Killer und Apoo zur Aufgabe gemacht Kid aufzurütteln. Dieser sitzt auf dem Boden und schaut grimmig zu Rina.

„Seid ihr dann fertig?“

„Nicht so freundlich. Dir ist der Alkohol wohl nicht gut bekommen.“ Rina und Kid liefern sich ein Blickduell. Zur Verwunderung aller Anwesenden ist es Kid, der zuerst den Blick abwendet.

„Was ist mit deinem neuen Käpt’n?“

„Haha, sehr witzig. Hast du dich mit Sengoku abgesprochen.“ Rina trägt wieder ein Shirt mit Law’sJolly Roger. Diesmal ein schwarzes mit gelbem Aufdruck. Ihre Bemerkung über den ehemaligen Großadmiral bleibt unbeachtet.

„Was machst du dann hier?“

„Das geht dich ja wohl gar nichts an.“

„Hawkins. Du wolltest mit ihr reden. Hast du das erledigt.“

„Was  ist los? Keine Lust weiter zu plaudern?“ Rina grinst hämisch. Könnte man mit Blicken töten, so würde sie in diesem Moment elendig krepieren. 

„Keine Sorge ich bin ja schon weg. Viel Spaß noch.“ Mit diesen Worten lässt sie die vier allein.

 

Der Dschungel scheint kein Ende zu haben. Da hört Rina wieder dieses Rufen in ihrem Kopf. So schnell, wie es in dem Geflecht aus Lianen möglich ist, geht sie dem Ruf nach. Die Pflanzen werden weniger und die Sonne schafft es immer mehr bis zum Boden durchzudringen. Vor Rina taucht eine graue Felswand auf. Sie wundert sich, wie ein riesiger Felsen mitten in den Dschungel kommt. Als sie näher herangeht, sieht sie, dass der Fels Schuppen hat. In dem Moment, in dem sie den Fels berühren will, bewegt sich dieser. Erschrocken weicht Rina zurück. Der Fels dreht sich nach rechts. Auf der linken Seite kommen ein langer Hals und ein riesiger Kopf mit gelben Augen zum Vorschein. Das Wesen richtet sich auf und Rina erkennt die Ausmaße des grauen Tieres. Ihr Gehirn bringt die Informationen nur langsam zusammen, sodass Rina erst nach einigen Minuten des Starrens erkennt, dass ein lebendiger Drache vor ihr steht. Dieser senkt den Kopf und eines seiner großen, gelben Augen ist genau vor ihrem Kopf. Nachdem er Rina begutachtet hat, dreht er seine Schnauze zu ihr und schnaubt einmal. Warmer Drachenatem weht um ihren Körper. Eine Gänsehaut breitet sich auf Rinas Haut aus. Da der Drache sie scheinbar nicht verspeisen oder anzünden will, wagt Rina einen Schritt nach vorn. Vorsichtig streckt sie ihre Hand aus und legt sie auf die Schnauze des Drachen. Innerhalb weniger Sekunden durchströmen unzählige Bilder, Emotionen und Eindrücke ihren Kopf. Als sie sich wieder von dem Drachen löst, ist ihr schwindlig und noch immer rauschen die Bilder durch ihr Hirn, doch sie scheinen sich zu wiederholen.

„Sind das…Erinnerungen?“ Wie zur Antwort schnaubt der Drache einmal laut. Rina schaut zu dem Wesen, während ihr Kopf die Erinnerungen zu verarbeiten versucht. Dann wird ein Gedanke ganz klar: Sie kommt nicht von Minion. Sie war immer davon ausgegangen im North Blue geboren und aufgewachsen zu sein. Doch in diesem Moment ist ihr diese Tatsache so klar, wie sonst nichts anderes. Erstaunt schaut sie zu dem Drachen.

„Das…sind meine Erinnerungen, oder?“ Der Drache schaut sie aus seinen gelben Augen traurig an. Einige Minuten steht Rina stumm da, während sie beobachtet wird, dann hebt der graue Riese seinen Kopf. Er sieht sich um, bevor er sein Maul öffnet und brüllt. Vögel fliegen panisch aus den Baumkronen. Überall raschelt es und Tiere rennen durch den Dschungel. Mit einem lauten Schlag breitet der Drache seine Flügel aus. Ohne Rina noch eines Blickes zu würdigen, stößt er sich vom Boden ab und erhebt sich in die Lüfte. Wenige Flügelschläge später ist er auch schon weg. Verwundert starrt Rina in die Luft.

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Autor

Sairens Profilbild Sairen

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Kapitel:7
Sätze:1.073
Wörter:9.968
Zeichen:56.086

Kurzbeschreibung

Nach dem Sieg über Doflamingo, plagt Law die Ziellosigkeit. Auf dem Sabaody Archipel hatte er noch geprahlt König der Piraten zu werden, doch das interessierte ihn gar nicht. Sein bisheriges Ziel war Rache gewesen, an dem Mann, der ihm den geliebtesten Menschen genommen hatte. Dennoch ist an Ruhe nicht lange zu denken. Neue Probleme sowie alte Bekannte stellen sich ihm entgegen. Nicht alle sind ihm dabei willkommen und so muss Law sich mit ihnen auseinander setzen. Dabei bereitet ihm seine langjährige Freundin Sharina, die einzige Tochter in der Whitebearpiratenbande, große Sorgen. Hinter ihr scheint es einige Geheimnisse zu geben.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Abenteuer getaggt.

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