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Die dritte Front

7
18.11.2019 16:47
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

5 Charaktere

Harry Potter

Harry Potter ist der Hauptcharakter der Reihe. Er überlebt als kleiner Junge einen Angriff durch den finsteren Zauberer Lord Voldemort und ist in der Zaubererwelt dafür berühmt. Jedoch weiß Harry bis zu seinem elften Geburtstag nichts davon, weil er bis dahin bei seiner Tante aufwächst, die keine Hexe ist.

Severus Snape

Severus Snape ist der finstere Lehrer für Zaubertränke. Er war früher ein Gefolgsmann Voldemorts, was ihn für Harry immer zwielichtig erscheinen lässt. Erst am Ende der Reihe erfährt man, dass Severus Snape auf der guten Seite stand.

Sirius Black

Sirius Black ist der Pate von Harry Potter und bester Freund dessen verstorbenen Vaters James Potter. Seit Harrys Eltern starben war Sirius zu Unrecht in Askaban, bis er schließlich ausbrach um den wahren Mörder zu stellen.

Remus Lupin

Remus Lupin war in Harrys drittem Schuljahr sein Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Außerdem gehörte er zu den engsten Freunden Harrys Vaters. Sein größtes Geheimnis ist, dass er ein Werwolf ist.

Albus Dumbledore

Albus Dumbledore ist der Schulleiter von Hogwarts, Harrys Mentor und der Kopf des Phönixordens, der Geheimorganisation, die sich dem Kampf gegen Voldemort verschworen hat. In seiner Jugend war Albus Dumbledore mit dem späteren schwarzen Magier Gellert Grindelwald befreundet. In einer Auseinandersetzung wurde seine Schwester Ariana getötet, was sich Dumbledore nie verzieh.

Müde blickte Harry auf den Weg vor seinen Füßen. Schon längst waren die Lichter im Ligusterweg ausgegangen, aber er war noch immer unterwegs. Den ganzen Tag hatte er geschuftet, damit alles tiptop war, wenn morgen – oder eher heute, es war bereits nach Mitternacht – Tante Magda kam. Sie war Onkel Vernons Schwester und hatte aus ihrem Fehler im vorletzten Jahr nichts gelernt. Erneut hatte sie beschlossen, einen Besuch in den Sommerferien zu wagen. Diesmal hatte Onkel Vernon Harry bereits ‚vorbereitet‘ auf den Besuch seiner Schwester. Außerdem würde er wohl so viel Arbeit haben, dass er kaum Gelegenheit hatte, auf Tante Magda zu treffen. Dennoch schüttelte es ihn, wenn er nur an sie dachte, die dicken Finger mit den klobigen Ringen, die stämmigen Beine, die ihn traten, wann immer sie ihn erwischte, die schrille Stimme, die  den Hund auf ihn hetzte. Hatte er anfangs noch geglaubt, dass er seinen Verwandten Angst machen konnte mit der Tatsache, dass Sirius Black, ein gesuchter mehrfacher Mörder, sein Pate war, so hatten sie ihn schnell eines Besseren belehrt. Immerhin waren sowohl die Polizei ihrer Welt als auch die Freak-Polizei – so nannte Onkel Vernon die Auroren – auf der Suche nach ihm. Einige Auroren hatten sich bei Harrys Verwandten vorgestellt und sie über die Suche nach Black aufgeklärt, unter anderem über die Tatsache, dass sie regelmäßig in der Gegend waren, sollte dieser auf die Idee kommen, nach Harry sehen zu wollen. Also blieb Harry nichts anderes übrig, als weiterhin die Aufgaben zu erledigen, so gut es ging. Und mit den Konsequenzen zu leben, so schlimm sie auch waren. Immer wieder blieb Harry stehen, stellte die schweren Taschen ab. Seine Tante hatte ihn spätabends noch geschickt, um Tante Magdas Lieblingskuchen zu besorgen, dazu Cognac, Whiskey und jede Menge Fleisch. Harry war nicht sicher, ob er das Fleisch am Ende wirklich noch essen wollte, er schleppte es seit gefühlten Stunden durch die Gegend. Er war gegen neun Uhr losgegangen und hatte wohl alle Geschäfte in der nahen Umgebung besucht. Kingsley Shacklebolt, einer der Chefauroren, hatte seinen Verwandten zu verstehen gegeben, dass er nicht über einen bestimmten Radius hinausgehen durfte, damit der Schutz erhalten blieb. Seltsamerweise hielten sie sich daran, auch wenn er trotzdem lange und weit unterwegs war, wenn sie ihn einkaufen schickten. Aber er musste nie weiter weg. Vermutlich hatten sie genug Angst vor den Auroren. Ihm konnte es egal sein, es änderte nichts an seiner eigentlichen Situation. Seine geprellten oder vielleicht sogar gebrochenen Rippen schmerzten bei jedem Atemzug, genau wie die blauen Flecken an den Beinen. Die Muskeln in den Armen protestierten schmerzhaft, sie bekamen kaum eine Ruhepause, um sich zu erholen. Den ganzen gestrigen Tag hatte er im und um das Haus gearbeitet, dann hatte Tante Petunia ihm die Einkaufsliste in die Hand gedrückt. Derzeit hatten viele Geschäfte aufgrund der Hitze mittags geschlossen, dafür abends bis Mitternacht auf. Deshalb war er nun so spät unterwegs.

Seine Tante hatte ihn vor die Tür geschoben. „Es ist bestellt und bezahlt, du musst es nur noch abholen.“, fauchte sie ihn an. „Beeil dich, der Schnaps-Laden erwartet dich um 9 Uhr! Danach besorgst du die anderen Dinge, und komm' ja nicht ohne alles nach Hause!“ Da war es weit nach acht Uhr gewesen und er hatte die Beine in die Hand genommen. Bis zum Laden waren es fünfzehn Minuten, normalerweise lief er deutlich langsamer dorthin als diesmal. Trotzdem waren Seitenstechen und Kurzatmigkeit noch die angenehmere Alternative. Den Heimweg ging er langsamer an, aber noch vielleicht 800 Meter, dann hatte er es geschafft. Und darüber war er mehr als froh, die Taschen waren schwer.

Plötzlich zuckte er zusammen, als seine Narbe schmerzhaft brannte. Das konnte nur eines bedeuten: Voldemort. Er war hier! Entsetzt blickte Harry um sich, verfluchte in Gedanken seinen Onkel Vernon, der die Zaubersachen weggesperrt hatte. An seinen Zauberstab kam er nicht heran, nicht dass es ihm etwas nutzen würde, immerhin durfte er außerhalb der Schule nicht zaubern. Dobby hatte ihm eindrucksvoll bewiesen, dass das Ministerium dahinterkam, wenn in seiner Nähe gezaubert wurde. Aber jetzt würde er sich sicherer fühlen, wenn er wenigstens einen Zauberstab in der Hand hätte. Angespannt blickte er sich um, bis er erkannte, dass die Gefahr von hinter dem Magnolienring her auf ihn zukam. Er kniff die Augen zusammen, bis er in der Dunkelheit mehrere Gestalten sah, die in seine Richtung gewandt schienen. Fünf Männer, erkannte Harry. Sie standen weitab von jeder Beleuchtung, obwohl die jetzt, nach Mitternacht, so weit gedimmt war, dass man ohnehin nicht viel erkennen konnte. Sie trugen dunkle Umhänge und die Masken, die Harry vom Friedhof wiedererkannte. Harry schauderte, diese Erinnerung zählte sicher nicht zu den angenehmsten in seinem Leben. Im Gegenteil, er wünschte, er könnte das alles einfach vergessen.

„Geh, Severus, hole mir Potter!“, zischte mit einem Mal die kalte, eisige Stimme Voldemorts durch die Nacht. „Wir können nicht zu ihm, aber du bist sein Lehrer und Mitglied in Dumbledores Orden, sicher kannst du die Barrieren durchdringen.“

„Herr, der Blutschutz verhindert, ...“, wagte Severus Snape zu widersprechen, doch er kam nicht weiter, ein Cruciatus riss ihn von den Beinen. Harry schrie auf, als er das Brennen in seiner Stirn fühlte. Aufsehend blickte er in grellrote Augen, die genau zu ihm blickten. Voldemort wusste, dass er hier war, er konnte ihn sehen! Panik ließ Harry zittern, er konnte sich nicht mehr von der Stelle rühren.

Erneut forderte Voldemort Snape auf, zu Harry zu gehen. Mit einem Blick, den der Jugendliche nicht deuten konnte, kam sein Tränkelehrer auf ihn zu. Noch immer schaffte es Harry nicht, sich zu bewegen. Nicht einmal schreien konnte er, so schockiert war er. Schritt für Schritt kam Severus Snape Harry näher, wobei er keine Miene verzog, doch seine Augen brannten. Harry konnte seinen Blick nicht abwenden, aber er erkannte nicht, was er in den Augen sah. ‚Lauf, du dummer Bengel!‘, hörte er eine Stimme in seinem Kopf, doch er konnte es nicht. Er schaffte es einfach nicht, seine Beine dazu zu bringen, sich zu bewegen. Er fühlte sich vollkommen gelähmt vor Angst. So schlimm war es nicht einmal auf dem Friedhof gewesen, dort hatte er einfach auf die Situation reagiert. Aber jetzt … Was sollte er tun? Ohne Zauberstab hatte er keine Möglichkeit, sich zu verteidigen, doch trotzdem konnte er einfach nicht fliehen. Er fühlte sich, als wäre er festgewachsen auf dem Boden. Snape kam immer näher, er war vielleicht noch dreißig Meter entfernt. Noch 25, 20, 15 Meter. Noch immer hatte sich Harry nicht von der Stelle gerührt, die einzige Bewegung von ihm war das ständige Zittern.

Mit einem Mal stockte Snape, als wäre er gegen eine Wand gelaufen. „Herr, der Blutschutz wirkt.“, meldete er. Diesmal konnte Harry die Angst in seinen Augen für einen kurzen Moment erkennen. Nur einen Sekundenbruchteil war sie zu sehen, dann hatte sich Snape wieder im Griff.

„Vernichte die Barrieren, bring Potter zu mir!“, zischte Voldemort. Es wirkte ungeduldig. Ergeben zog Severus Snape seinen Zauberstab, doch es war vergeblich, die Zauber prallten ab, als wären Harry und der gesamte Ligusterweg unter einer Kuppel aus Glas. Mit weiten Augen verfolgte Harry das Ganze, nie hätte er geglaubt, dass der Schutz hier bei seinen Verwandten so groß war. Er konnte nicht umhin, ein wenig dankbar zu sein. Seine Tante hatte ihn aufgenommen und sicherte damit sein Leben. Selbst jetzt, wo Voldemort Harrys Blut in sich hatte, konnte er nicht an ihn heran. Egal, was Tante Petunia in all den Jahren bei ihm falsch gemacht hatte – sie schützte ihn unwissentlich, weil sie ihm ein Zuhause gab. Es war kein schönes, kein angenehmes Zuhause, aber er war vor den Todessern sicher. In der Beziehung hatte Dumbledore offenbar nicht gelogen.

Nun konnte Harry spüren, wie Voldemort immer ungeduldiger wurde, und schließlich trat er zu Snape. „Du wagst es, meinen Befehl zu missachten?“, fragte er sehr leise.

„Herr, ich komme nicht an Potter heran.“, erwiderte der Tränkemeister fest.

So schnell, dass Harry nicht reagieren konnte, zog Voldemort seinen Zauberstab und Snape lag auf dem Boden, zu Füßen seines Meisters. Er schrie nicht, biss sich auf die Lippen, um das zu vermeiden, doch er krampfte sich vor Schmerzen zusammen. Es knackte mehrmals laut, jedes Mal zuckte Harry zusammen. Snapes Knochen brachen, doch noch immer gab er nicht einen Laut von sich, was die Folter noch unheimlicher machte. Schließlich endete der Fluch, Harry wusste nicht, wie lange er angedauert hatte. Zuckend und keuchend lag Snape noch immer auf der Straße, als Voldemort seine Todesser heran winkte. Sie schienen sich über irgendetwas zu freuen, beeilten sich, zu ihrem Meister zu kommen. Voldemort selbst trat einen Schritt zurück, seine Augen leuchteten erregt auf. Mit einer Handbewegung überließ er Snape seinen Anhängern.

Die folgende Stunde war das Schlimmste, was Harry jemals erlebte. Er schrie um Hilfe, doch niemand reagierte. Die ganze Siedlung schien wie ausgestorben, nirgendwo regte sich etwas oder jemand. Die Todesser brachten schließlich auch Severus Snape zum Schreien, als er seine Lippen bereits blutig gebissen hatte. Der dunkle Lord wirkte mehr als erregt, während er dem Schauspiel zusah. Eine der schwarzen Gestalten näherte sich ihm schließlich auf ein Zeichen von ihm und ließ den Umhang fallen. Da erst erkannte Harry, dass es wohl eine Frau war. Dunkle, lange und verfilzte Haare rahmten ein schmales Gesicht ein, das Harry kaum richtig erkennen konnte in der Dunkelheit. Sie hob ihren Rock, als Voldemort seine Hose öffnete, und stöhnte auf, als er in sie eindrang. Ohne Vorbereitung, einfach so vor aller Augen. Gefiel es ihr? Harry konnte das nicht sagen, aber er selbst würde am liebsten wegsehen. Das hier brauchte er nicht. Und doch konnte er es aus einem ihm unerfindlichen Grund einfach nicht. Voldemort hingegen schien es zu genießen. Die roten Augen blickten weiterhin auf Snape, der nur noch leise wimmerte, als ein anderer Todesser ihn folterte. Ein heiserer Schrei von Voldemort, ein Aufbäumen der schwarzhaarigen Frau, dann war es vorbei. Ohne sich um Snape zu kümmern, der ein Stück weiter von Harry weg war, disapparierten sie.

Stöhnend rollte sich Severus Snape auf den Bauch und öffnete die Augen, in denen deutlich der Schmerz stand. „Flieh, Potter!“, krächzte er leise. „Sie sind nicht weg, sie warten darauf, dass du aus der Deckung kommst! Niemand wird dich hören, dafür hat er gesorgt.“

„Kommen sie, Professor.“, hörte sich Harry mit einem Mal sagen. Mal wieder dachte er nicht nach, reagierte einfach. Sein Professor brauchte Hilfe, und Harry war der Einzige, der helfen konnte, wie es schien. Also tat er einfach, was er konnte.

„Verschwinde, Potter, verdammt nochmal!“, hustete der Tränkemeister. „Das hier ist eine Falle!“

„Sie kommen nicht an mich heran, wenn ich hier innerhalb des Schutzes bleibe.“, widersprach Harry. „Kommen sie, Professor, sie müssen zu mir kommen, dann sind sie sicher!“

„Verschwinde endlich, du dummer Bengel!“, schnarrte Snape, doch Harry schüttelte vehement den Kopf. Genervt stöhnte der Tränkemeister auf, als er erkannte, Harry würde nicht ohne ihn gehen.

„Ich kann vielleicht nicht zu ihnen, aber sie zu mir.“, erklärte Harry leise. Er stand am Rande der Barriere, gerade noch so geschützt. Drängend sprach er auf Snape ein, bis der schließlich begann, zu ihm zu kriechen. Fluchend und schimpfend, aber er kam näher. Als er schließlich vor Harry lag, war seine Kleidung nass. Vom Blut und von Schweiß. „Geben sie mir ihre Hand.“, bat Harry ruhig und streckte seine Finger aus, peinlich genau darauf achtend, dass er die Barriere nicht durchbrach.

Es kostete Severus Snape sein letztes bisschen Kraft, seinen Arm zu heben, um Potters Hand zu ergreifen. Als der Jugendliche ihn in Sicherheit zog, wurde es schwarz um den Tränkemeister. Harry kam erst jetzt in den Sinn, was er gerade getan hatte. Was sollte er jetzt mit seinem Professor machen? Er war sicher, dass es keine Falle von Snape war. Aber der Mann war schwer verletzt und brauchte Hilfe. Konnte er ihm helfen? Er konnte nicht einmal Kontakt mit der Zauberwelt aufnehmen, da er Hedwig in die Obhut von Ron gegeben hatte. Er wollte sichergehen, dass sie nicht wieder eingesperrt wurde, das hatte seine Schöne nicht verdient. Nur, wie sollte er jetzt dafür sorgen, dass Snape Hilfe bekam? Jetzt, wo er hier in Harrys Blutschutz war, wussten die Todesser sicher, dass er nicht auf ihrer Seite war. Das konnte Harry über die Narbe spüren, Voldemort war wütend und tobte. ‚Verräter!‘ war das Wort, das Harry immer wieder durch den Kopf ging, ein Gedanke, der nicht von ihm selbst kam. Und jetzt? Sie mussten dringend weg von der Straße, bevor einem der Nachbarn etwas auffiel. Harry hörte die Turmuhr schlagen und zählte mit. Es war drei Uhr morgens. War er tatsächlich so lange hier gestanden? Das hieß, Snape war etwa zwei Stunden gefoltert worden, hatte dann noch fast eine Stunde gebraucht, bis er die letzten Meter zu Harry gekrochen war. In drei Stunden musste er Frühstück für seine Verwandten herrichten, danach wartete erneut ein Berg an Arbeit auf ihn. Konnte er es wagen, Snape in seine kleine Kammer zu bringen? Da Tante Magda sich im letzten Jahr so über das Gästezimmer beklagt hatte, bekam sie nun Dudleys zweites Zimmer, und Harry war zurück in den Verschlag unter der Treppe gebracht worden. Es störte ihn nur wenig, aber es würde verdammt eng mit dem Professor zusammen. Aber eine andere Möglichkeit sah Harry nicht, also entschied er, den Tränkemeister mitzunehmen. Es war schwer, den Mann hochzunehmen, doch Harry schaffte es schließlich. Schon immer hatte er auch Dinge tragen müssen, die eigentlich zu schwer für ihn waren, nach und nach hatte er dabei gelernt, wie er es dennoch schaffte.

Stolpernd erreichte Harry eine halbe Stunde später das Haus seiner Verwandten und schaffte es, den Professor in seine Kammer zu bringen, ohne jemanden zu wecken. Er rannte zurück zu seinen Taschen, die er liegen gelassen hatte, ignorierte Snapes Zauberstab, der noch außerhalb der Schutzzauber lag, brachte die Einkäufe ins Haus und in die Küche. Erst jetzt suchte er sich eine alte Schüssel, die einen Sprung hatte (deshalb nutzte Tante Petunia sie nicht mehr), einen weichen Lappen und warmes Wasser. Desinfektionsmittel und Verbandszeug hatte er in seinem Schrank, das brauchte er selbst immer wieder. Vorsichtig schälte er Snape aus seiner Kleidung, wusch und desinfizierte die Verletzungen, bevor er sie verband. Anschließend suchte er sich einige feste Leisten, damit er den gebrochenen Arm schienen konnte. Als er ihn berührte, wimmerte Snape leise.

„Pst!“, raunte Harry erschrocken. Snape durfte unter keinen Umständen einen Laut von sich geben, nicht auszudenken, wenn Onkel Vernon ihn entdeckte! Mit einem Rest Klebeband schiente er am Ende noch die gebrochenen Rippen, wie er es bei sich selbst immer machte, dann erkannte er erleichtert, dass Snape ruhiger atmete. Doch die Stirn war heiß, offensichtlich hatte Snape Fieber. Hektisch lief Harry ins Bad seiner Verwandten und kramte nach Medikamenten. Ganz hinten entdeckte er eine Packung Tabletten, die gegen Fieber wirkten. Er nahm einige davon heraus und holte noch Wasser. Vorsichtig ging er daran, Snape zu wecken und ihm eine der Tabletten einzugeben, dazu etwas Wasser. „Leise!“, warnte er den Tränkemeister, der mit glasigen Augen durch ihn hindurch sah. Erschöpft schlossen sich die schwarzen Augen und Harry legte die alte, zerschlissene Decke über den immer noch zitternden Körper, dann ging er zurück ins Bad, um sich ein wenig frisch zu machen.

Gerade noch rechtzeitig hatte er das Frühstück an diesem Morgen fertig. Ohne selbst einen Bissen zu essen nahm er die Liste mit seinen Aufgaben für diesen Tag entgegen. „Wenn du fertig bist, kannst du das Brot haben.“, knurrte Vernon und legte zwei Scheiben Brot und etwas trockene Wurst beiseite. „Aber erst, wenn alles erledigt ist!“

Gehorsam nickte Harry und machte sich daran, das Geschirr zu spülen. Anschließend putzte er das Wohnzimmer, in dem Vernon und Dudley gestern Boxen angesehen hatten, dabei tranken sie immer Bier und aßen Unmengen Chips und andere Knabbereien. Die fettigen Fingerabdrücke und die Krümel sprachen eine deutliche Sprache. Die letzte Flasche Bier war scheinbar umgekippt, nun kämpfte Harry mit den Flecken im Sofa und im Teppich. Als das Wohnzimmer endlich sauber war, ging es mit dem Bad weiter, dann kam Dudleys Kinderzimmer an die Reihe. Nebenbei wusch er die Wäsche in der Waschmaschine, hängte sie im Garten auf. Außerdem überprüfte er das Zimmer für Tante Magda noch einmal, und richtete das Abendessen her, da Onkel Vernon heute eher in der Arbeit aufhörte und dann seine Schwester abholen wollte. Tante Petunia war bei einer Freundin, sie würde erst kurz vor Onkel Vernon nach Hause kommen, und Dudley terrorisierte wohl die Nachbarskinder mit seinen Freunden. So wagte es Harry gegen Mittag, in seinen Schrank zu huschen, Snape ins Bad zu bringen, damit er sich erleichtern konnte, und flößte ihm ein wenig Wasser ein. Er war froh, als endlich Abend wurde und er mit den meisten Arbeiten fertig war. Nur den Tisch musste er noch decken, damit das Abendessen serviert werden konnte, sobald Tante Magda hier war. Dudley saß inzwischen im Wohnzimmer und sah fern, hatte sich bereits umgezogen. Harry wusste, er ertrug seine Tante nur, weil er am Ende immer Geld von ihr bekam. Und weil er es genoss, dass sie ständig an Harry herumkrittelte. Doch Harry hatte aus den Vorfällen im letzten Sommer gelernt, er würde sich nicht noch einmal provozieren lassen. Diesmal würde ihm wohl auch der Minister nicht helfen.

Als Onkel Vernons Wagen in die Auffahrt fuhr, ahnte Harry bereits, das etwas nicht stimmte. Das bewahrheitete sich in dem Moment, als nur die Schritte von einem Menschen zu hören waren und die Tür aufgestoßen wurde, noch bevor Dudley, wie er es immer machte, sie öffnen konnte.

„Bursche!“, schrie Vernon mit hochrotem Gesicht und Harry zuckte zusammen. Dennoch trat er vor seinen Onkel. Mit gesenktem Kopf, aber ohne seine Angst zu zeigen. „Du widerlicher Freak, du hast etwas gemacht!“, tobte Vernon weiter und eine heftige Ohrfeige traf Harry. „Magdas Hund, Ripper, er ist heute plötzlich gestorben, er lag einfach stocksteif im Wohnzimmer. Magda hat mich angerufen, kurz bevor ich zu ihr fahren wollte. In der Firma. Sie kann nicht kommen, sie trauert um ihren Hund. Er war noch nicht alt, der arme Ripper. Ich wette, dieser Freak hat etwas gemacht!“

Instinktiv hob Harry die Arme, um den nächsten Schlag abzufangen, doch es half nicht. Onkel Vernons Wut wurde dadurch eher noch angestachelt und die Schläge prasselten in kurzen Abständen auf Harry ein, trafen den Kopf, den Rücken, die Arme, die ohnehin schon angeschlagenen Rippen. Wimmernd kauerte sich Harry zusammen, betend, dass es endlich vorbei sein würde. Am Ende war er froh, dass er einfach nur ohne Essen in seinen Schrank geschickt wurde. Keuchend huschte er hinein, erinnerte sich erst in dem Moment, als er das leise Zischen hörte, an seinen ‚Gast‘. Einige Minuten verharrte er regungslos, dann stemmte er sich ächzend in die Höhe, um nach Snape zu sehen. Das Fieber war immer noch da, aber Harry hoffte, dass er Recht hatte, wenn er glaubte, es war ein wenig zurück gegangen. Erneut weckte er den Professor, um ihm etwas Wasser einzuflößen, dann ließ er ihn schlafen. Ins Bad konnte er ihn jetzt nicht bringen, das musste warten bis mitten in der Nacht. Bis dahin wollte er selbst nichts als zu schlafen. Er fühlte sich vollkommen erschlagen, jetzt, da er zur Ruhe kam. Kaum, dass er auf dem kahlen Boden lag – Snape war auf der Matratze und hatte Harrys einzige Decke – schlief er bereits.

Die nächsten beiden Tage schaffte es Harry, seine Arbeit einigermaßen zur Zufriedenheit seines Onkels zu erledigen, auch wenn er nicht wusste, wie. Er war froh, dass sein Onkel in der Arbeit war, da bekam er nichts mit. Tante Petunia hielt sich selten im Haus auf, meist war sie bei irgendwelchen Nachbarinnen. Und Dudley war, wenn er daheim war, nicht alleine, seine Freunde besuchten ihn immer wieder, und da wurde es laut. So bekam keiner seiner Verwandten mit, dass Harry nicht alleine im Schrank unter der Treppe lebte. Nachts stand er mit Snape auf, brachte ihn ins Bad, damit er sich erleichtern konnte. Langsam sank das Fieber, aber wirklich klar war der Tränkemeister nicht. Harry teilte seine wenige Nahrung mit ihm, auch wenn er dadurch selbst nicht genug hatte, um richtig arbeiten zu können. Manchmal schaffte er es, nach dem Essen ein paar klägliche Reste zu erwischen, ohne dass es jemand merkte. Es half wenigstens ein bisschen. Die Liste der Arbeiten wurde eher noch länger, denn Vernon war immer noch sicher, dass Rippers Tod mit Harry zusammenhing. Egal wie oft Harry schwor, dass er nichts damit zu tun hatte. Harry selbst war ziemlich sicher, dass er wohl einen Herzinfarkt erlitten hatte, so wie er von Tante Magda gefüttert worden war. Der kleine Hund war rund wie eine Tonne gewesen im vorletzten Sommer, und das hatte sich bestimmt nicht geändert. Tagsüber war Harry zwar meist alleine im Haus, sodass er Snape zumindest immer mal ins Bad bringen konnte, aber dank seiner vielen Arbeiten hatte er keine Zeit, sich viele Gedanken zu machen. Er hoffte nur, dass die vier Wochen bald um waren, denn dann wollten die Weasleys ihn abholen. Einen Tag vor seinem Geburtstag, so war es zumindest ausgemacht. Er rechnete nach, es mussten noch zehn Tage bis dahin sein. So lange würde er durchhalten, schwor sich Harry. Er hoffte, dass es auch Snape bis dahin schaffte.

Nachts fror der Jugendliche ziemlich, da er keine Decke hatte und auch keine von seinen Verwandten entwenden konnte, ohne dass sie es merkten. Obwohl es draußen relativ warm war, kühlte der Schrank unter der Treppe schnell aus. Wahrscheinlich war das auch ein Grund dafür, dass Snape noch immer Fieber hatte. Eine gesunde Umgebung war das hier sicher nicht, aber was sollte Harry machen? Er hatte noch immer keine Möglichkeit gefunden, sich mit Dumbledore in Verbindung zu setzen. Außerdem war er nicht sicher, ob er dem Direktor noch trauen konnte. Also musste Snape durchhalten, bis die Weasleys kamen. Zitternd lag Harry auf dem Boden und versuchte zu schlafen, doch heute klappte es nicht. Die Schmerzen in seinen Rippen und die Kälte verhinderten es. Leise klapperten seine Zähne.

„Was …? Wo …?“, krächzte auf einmal Snape.

„Pst!“, machte Harry erschrocken. Hoffentlich hörte ihn niemand! „Nicht so laut!“

„Potter?“ Der Tränkemeister klang heiser und vollkommen verwirrt.

„Ja, Professor. Wie geht es ihnen?“

„Wo sind wir? Warum liegen wir hier im Dunklen?“, forderte Snape zu wissen, doch diesmal deutlich leiser, wenn auch drängend.

„Erinnern sie sich, dass Voldemort sie zwingen wollte, mich zu holen?“, wisperte Harry.

Severus stemmte sich hoch, oder wenigstens versuchte er es, bis er den linken Arm belasten wollte. Ein schmerzhaftes Zischen entwich ihm. „Nicht, Professor.“, warnte Harry, reichlich spät, aber er konnte es nicht sehen. „Ich habe leider keine Möglichkeit, Professor Dumbledore zu erreichen. Oder sonst jemanden aus der Zauberwelt. Sie sind bei meinen Verwandten. Die wissen nichts davon, ich denke nicht, dass es gut wäre, wenn sie es rausfinden. Deshalb sollten sie leise sein. Ich habe ihnen Tabletten gegen Fieber und Schmerzen gegeben, die Wunden gesäubert, desinfiziert und verbunden, ihren gebrochenen Arm geschient und die gebrochenen Rippen mit Klebeband fixiert, damit sie leichter atmen können. Mehr kann ich leider nicht tun.“

Eine Weile schwiegen beide, dann kam eine leises „Danke“ von Snape. Er realisierte, dass hier etwas anders war, als er es immer geglaubt hatte. Was allerdings genau hier passierte, war ihm nicht ganz klar. Er spürte die Benommenheit, die sicherlich von den erwähnten Tabletten kam. Muggelmedikamente hatten eine Menge Nebenwirkungen, das wusste er. Sein Kopf weigerte sich, richtig zu arbeiten, das Denken ging nur sehr zäh. Der Bengel verwirrte ihn. Wieso hatte er ihn gerettet? Und zu seinen Verwandten geschleppt, diesen aber nichts davon gesagt? Offenbar hatte sich Potter um ihn gekümmert, auch etwas, das Severus nicht nachvollziehen konnte. Was wollte er damit erreichen? Severus hatte das Gefühl, wie betrunken zu sein, obwohl er nichts sehen konnte, drehte sich alles um ihn und er schloss die Augen, ein Stöhnen unterdrückend. Noch immer klapperten Harrys Zähne, auch wenn er versuchte, es zu unterdrücken. Irgendwann realisierte Severus, dass der Jugendliche offenbar fror. „Potter, sie sollten sich besser zudecken.“, spottete er leise. Bei dieser Bemerkung stellte er fest, dass er selbst mit einer uralten, löchrigen Decke vorlieb nehmen musste. Natürlich, Potter behielt die guten Sachen für sich, was anderes hätte er nicht erwartet.

„Geht nicht.“, knurrte Harry leise. Es war ihm peinlich, aber er wusste, dass Snape nicht locker ließ, bis er wusste, was er wissen wollte. „Ich … ich hab nur die eine, die sie jetzt haben.“

Das verschlug dem Älteren die Sprache. Zumindest für einige Minuten. Er versuchte, sich einen Reim auf die Worte des Jüngeren zu machen, kam aber auf keinen blanken Kessel. Irgendwie schienen ihm einige Informationen zu fehlen. „Wo genau sind wir?“, wollte er daher wissen. Etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Bisher hatte er geglaubt, der Junge würde verwöhnt und auf Händen getragen, aber das hier sprach eine andere Sprache. Potter besaß nur eine Decke, die diesen Namen nicht wirklich verdiente? Was war da sonst noch? Eine schlimme Ahnung stieg in ihm empor und er tastete um sich, spürte nicht sehr weit über sich bereits einen festen Widerstand. Weiter tastend entdeckte er, dass er unter einer Treppe lag, die Matratze schien einfach auf dem Boden zu liegen. „Potter? Das hier ist kein Zimmer.“

„Nein.“, musste Harry zugeben. Plötzlich packte ihn die Wut. „Hier habe ich die ersten Jahre verbracht, und seit diesem Sommer lebe ich erneut hier.“, fauchte er leise. „Meine Verwandten haben mich nie auf Händen getragen, sie sehen einen Hauselfen in mir. Ein Zimmer, das brauche ich nicht. Ich habe es mir nicht verdient, bin ja nur ein Freak, eine verdammte Missgeburt. Sind sie jetzt zufrieden, Professor? Das ist es doch, was sie mir all die Jahre gezeigt haben, ich bin es nicht wert!“ Er biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um das Schluchzen zu unterdrücken, das in ihm aufstieg.

„Potter ...“, setzte Snape an, doch er verstummte, denn ihm wurde bewusst, dass alles, was er nun sagen würde, höhnisch klingen würde. All die Jahre hatte er sich eingeredet, dass Potter sicher auf Händen getragen wurde, sich zu fein war für bestimmte Dinge. Erst jetzt erkannte er, dass er sich selbst etwas vorgemacht hatte. Die Zeichen waren da gewesen, er hatte sie nicht sehen wollen. Nicht sehen dürfen. Jetzt war es an ihm, etwas zu ändern. Keine Worte, jetzt musste er Taten sprechen lassen. Zu gut wusste er, wie der Junge sich fühlen musste. Mit Mühe rutschte er beiseite, um Platz zu schaffen. Er biss die Zähne zusammen, als er sich versehentlich auf seinen linken Arm stützte.

„Bleiben sie liegen, Professor.“, empfahl Harry mit Bitterkeit in der Stimme. „Ihre Verletzungen brauchen auf Muggelart deutlich länger zum Heilen. Ich habe nicht mehr viel Verbandszeug und auch keine Tabletten gegen Fieber mehr. Ein bisschen Schmerzmittel ist noch da, aber nicht mehr viel.“

„Geht schon.“, winkte Severus ab, auch wenn der Jüngere das nicht sehen konnte. „Leg dich mit auf die Matratze. Du brauchst eine Decke und der Boden ist sicher nicht gut zum Schlafen.“

„Geht schon.“, gab Harry die Worte seines Professors zurück. „Bin es gewohnt.“

„Verdammt, Potter, leg dich auf die Matratze und deck dich zu, es nutzt keinem von uns, wenn du jetzt auch noch krank wirst. Ich werde dich nicht anfassen, keine Sorge!“ Etwas in Severus' Brust schmerzte mit einem Mal, doch er ignorierte es. Sein scheinbarer Hass auf den Gryffindor war verschwunden, als hätte er nie existiert. Er konnte sich manche Dinge nun nicht länger einreden, wie er es all die Jahre getan hatte. Potter hatte sein Leben gerettet und dabei erstaunlich umsichtig für einen Gryffindor gehandelt. Etwas, das sein Vater sicher nie getan hätte. Severus stoppte seine Gedanken genau hier und wartete auf die Reaktion des Jugendlichen.

Harry haderte mit sich. Ihm war kalt, ihm tat alles weh. Wenn er sich zu Snape legte, dann konnten sie die Wärme teilen, hatten eine Decke. Verflucht, er musste verrückt sein, dass er auch nur darüber nachdachte, sich mit Snape unter eine Decke zu legen. Und doch, ihm war einfach nur kalt. Aber, was wenn der Tränkemeister auch noch bemerkte, dass er verletzt war? Harry wollte nicht, dass sich herum sprach, wie schwach er war, dass er sich nicht einmal gegen seine Muggelverwandten wehren konnte. Andererseits hatte Snape Recht, es wäre nicht gut, wenn er jetzt krank wurde. Hin und her gerissen in seinen Überlegungen blieb er an Ort und Stelle. Im Haus wurde es still, als endlich alle im Bett waren. Doch noch immer hatte sich Harry nicht vom Fleck gerührt.

„Los jetzt, Potter.“, befahl Snape mit der gleichen Stimme, die er im Unterricht benutzte.

„Ich will ihnen nicht wehtun.“, entgegnete Harry ruhig, als ihm endlich eine Begründung einfiel.

„Das werde ich überleben.“, wischte Snape den Einwand beiseite. „Und jetzt leg dich hierher.“ Unter Mühen drehte sich Severus auf die rechte Seite, sodass er mit dem Rücken zu Harry lag und seinen linken Arm nicht belasten musste. Er spürte, wie Harry sich – wenn auch widerwillig – zu ihm legte.

Es dauerte nicht lange, bis das Klappern der Zähne nachließ, als Harry sich zugedeckt hatte und die Hitze des Tränkemeisters, der noch immer fieberte, sich auf ihn ausbreitete. „Danke.“, nuschelte Harry undeutlich.

„Schlaf.“ Severus wollte nicht laut sagen, dass er es kaum noch schaffte, die Augen offen zu halten. Diese kurze Diskussion hatte ihm eine Menge Kraft gekostet. Nach nur wenigen Minuten schliefen beide, immer darauf bedacht, dass sie einander nicht berührten. Allerdings dauerte es nicht lange, bis Severus hochschreckte, weil sein dunkles Mal brannte. Mit zusammengebissenen Zähnen unterdrückte er jeden Laut, auch als das Brennen und der Schmerz intensiver wurden. Unwillkürlich krampfte er seinen linken Arm zusammen, was in intensiveren Schmerz ausartete, da der gebrochen war. Zischend atmete er ein und schaffte es mühsam, ein Stöhnen zu unterdrücken. Ein kühler, feuchter Lappen auf seinem Arm bewies ihm, dass auch Potter wach war und wusste, was los war. Wobei, das war nicht schwer, das Mal leuchtete hell auf. Zum ersten Mal konnte Severus ein wenig seiner Umgebung erkennen, so hell leuchtete es. Es war eine gewisse Ablenkung, also sah Severus sich um. Der Raum war gerade mal zwei mal zwei Meter, an der höchsten Stelle konnte vielleicht ein zehnjähriges Kind aufrecht stehen. Die Wand war kahl mit ein paar Rissen in der alten, vergilbten Tapete, aber zwei Kinderzeichnungen verdeutlichten, dass Potter tatsächlich schon länger hier lebte. Ansonsten gab es eine Halterung für eine Glühbirne unter den Stufen, doch er sah, dass keine Birne darin war, also herrschte hier ewige Dunkelheit. An der Wand links neben der Tür war ein Regal mit Putzmitteln, ansonsten gab es nur einige Kleidungsstücke, die in einem Haufen auf dem untersten Regalbrett lagen und die Matratze, auf der sie gerade lagen.

Plötzlich zuckte er zusammen, als Potter unterdrückt stöhnte und mit der Hand auf seine Stirn drückte. Er spürte, wie sich Potter verkrampfte, wusste aber erst einmal nicht, woran das lag. Keuchend klammerte sich der Jugendliche an die Decke, die über ihm lag, biss sich auf die Lippe. Severus verdrängte seinen eigenen Schmerz und kämpfte darum, sich auf die andere Seite zu drehen, damit er seine rechte Hand frei bekam. Damit strich er über Harrys Stirn. Keiner wusste, dass er auf diese Weise in die Gedanken seiner Mitmenschen eindringen konnte. Normalerweise machte er das nicht, aber irgendetwas stimmte nicht mit Potter, er musste ihm helfen. Jetzt konnte er zeigen, dass er sich ändern konnte. Entsetzen durchfuhr ihn, als er erkannte, dass Potter gerade in den Gedanken des Lords war.

„Wo ist Snape?“, tobte dieser eben.

„Er ist nicht wieder aufgetaucht.“, berichtete ein Todesser. Severus erkannte ihn als Avery. „Wir haben sein Haus durchsucht und unter Alarmzauber gestellt; sobald er sich nähert, erfahren wir es. Das Haus seiner Großeltern ist ebenfalls überwacht, aber dort war er wohl seit Jahren nicht. Dennoch gingen wir auf Nummer sicher. Sollte er in Hogwarts auftauchen, werden wir es ebenfalls erfahren, denn das Ministerium hat inzwischen seine Finger dort im Spiel. Und das Ministerium untersteht uns mehr oder weniger.“

„Warum taucht er nicht auf? Ich habe ihn gerufen!“, fauchte Voldemort. „Er müsste bereits halb wahnsinnig sein. Findet ihn, findet den Verräter!“ Damit schickte er seine Anhänger weg.

Harry stöhnte erneut, schlug die Hand des Tränkemeisters weg, und griff nach einem kleinen Eimer, in den er sich ziemlich geräuschvoll erbrach. Dem Geruch nach musste es Galle sein, erkannte Severus. Warum keine Nahrung? Bekam der Jugendliche nichts zu essen? Dem musste er nachgehen. Aber nicht jetzt. Der Junge würgte und wimmerte immer weiter. „Atmen, ganz ruhig.“, murmelte Severus. „Lass den Kopf unten, aber den Eimer auf die Seite, damit du es nicht weiter einatmest. Hast du Wasser hier? Dann spüle deinen Mund aus.“

Harry gehorchte und merkte erleichtert, dass es tatsächlich besser wurde. Wasser hatte er keines mehr, also griff er nach dem Eimer und wollte ins Bad. Am besten nahm er Snape gleich mit, gerade schliefen alle und sie konnten unerkannt ins Bad gehen. Dort konnte er auch die Flasche mit Wasser auffüllen, die der Ältere am späten Abend leer getrunken hatte. Er half Snape, sich vorsichtig aufzurichten. Auch, wenn es dem Tränkemeister nicht gefiel, er musste sich auf Harry stützen, um die wenigen Schritte in die Gästetoilette zu schaffen. Dort ließ Harry ihn kurz alleine, damit er sich erleichtern und etwas waschen konnte. Anschließend setzte er den Tränkemeister auf einen Stuhl, der eigentlich dafür gedacht war, dass sich Dudley zum Anziehen der Schuhe hinsetzen konnte, während er selbst ins Bad ging und seinen Mund ausspülte, die Flasche wieder auffüllte. In stiller Übereinstimmung legten sie sich wieder auf die Matratze und deckten sich gemeinsam zu, bevor sie in einen etwas erholsameren Schlaf glitten.

Severus erwachte erst, als Harry bereits aus dem Raum verschwunden war. Er fühlte sich erschlagen, wenn auch nicht mehr so schlecht wie noch in der Nacht. Seine Gedanken wurden klarer und er schaffte es, die schlimmsten Schmerzen auszublenden. Er lenkte sich damit ab, die Geräusche im Haus zu interpretieren. Das Poltern über ihm erschreckte ihn einen Moment, bis er realisierte, dass jemand die Treppe herunter ging und somit direkt über seinen Körper hinweg lief. Er schauderte unwillkürlich. Dieser Jemand musste ganz schön schwer sein, den Schritten nach zu urteilen.

„Hey, Freak!“, schrie eine unangenehme Stimme. Männlich, aber noch relativ jung, ordnete Severus automatisch zu. „Mein Bett ist dreckig, überziehe es neu! Meine Freunde kommen heute Nachmittag, so kann es nicht bleiben. Ach, und räum den Müll weg, der dort rumliegt! Und richte uns ein paar Snacks her, wir haben Hunger, wenn wir das Spiel ansehen!“ Potter erwiderte nichts, aber da eine Tür zuschlug, war offenbar keine Antwort erforderlich gewesen.

„Bursche!“ Eine weitere Stimme, männlich, aber älter. „Ich will, dass die Garage ordentlich aufgeräumt ist, wenn ich nach Hause komme. Und nicht wieder so eine widerliche Portion Gemüse heute Abend. Das kann man ja nicht essen. Deine Tante ist bis Mittag beim Kosmetiker, dann beim Friseur. Wenn sie nach Hause kommt, wirst du von ihr noch weitere Anweisungen bekommen, bis dahin hast du deine Liste in der Küche! Und dass du mir ja nichts von unserem Essen klaust, ich will nicht angesteckt werden!“ Erneut krachte die Tür ins Schloss, dann hörte Severus, wie ein Auto gestartet wurde und weg fuhr. Nun war es still, nur ab und zu konnte er hören, dass Harry offensichtlich etwas im Haus machte. Irgendwann ging die Tür auf und das Licht blendete Severus beinahe. „Hier, ich habe ein bisschen was zu Essen für sie, Professor. Aber vorher wollen sie vielleicht mal ins Bad.“ Harry sprach hastig und wirkte gehetzt. Er wusste nicht, wann Dudley zurückkam, aber Snape musste sicher mal auf die Toilette. Der Tränkemeister ließ sich diesmal helfen, brauchte nicht lange im Bad, dann legte er sich zurück auf die Matratze. Allein dieser Weg kostete ihm fast all seine Kraft.

Dankbar nahm er die beiden Brote von Harry, bis ihm einfiel, was er vorher gehört hatte. „Ist das alles, was du hast?“, wollte er scharf wissen.

„Essen sie, Professor, sie brauchen Nahrung. Seit knapp einer Woche sind sie hier, sie haben in der Zeit fast nichts gegessen und nur wenig getrunken.“, drängte Harry. „Ich komm schon klar.“

„Harry.“ Bewusst nutzte er den Vornamen des Jugendlichen. Tatsächlich sah der ihn mit großen Augen an. „Sie lassen dich hungern und du gibst das Wenige, das du hast, an mich ab?“ Severus verstand es einfach nicht.

„Ist nicht das erste Mal, dass ich einen Tag ohne auskomme.“, zuckte Harry die Schultern. „Ich habe die Reste vom gestrigen Gemüse gegessen.“ Dass es nur wenige Löffel waren und er sie aus dem Müll geholt hatte, verschwieg er.

„Hier, es sind zwei Brote. Eines für dich, eines für mich.“, hielt Severus ihm einen Teil hin.

„Keine Zeit, ich muss weiter arbeiten.“, schüttelte Harry ängstlich den Kopf. „Bitte, Professor, machen sie es nicht noch schlimmer.“

Severus ließ zu, dass Harry die Tür schloss und ihn mit den beiden Broten alleine ließ. Eines davon legte er beiseite, Harry konnte es später noch essen. Im Moment war er selbst nicht in der Lage, den Jungen zu schützen, daher musste Severus zähneknirschend abwarten und auf Harrys Urteil vertrauen. Das hier gefiel ihm nicht, überhaupt nicht. Seinen Hass gegen den Jungen hatte er bereits in der Nacht beiseite gelegt, konnte ihn nicht mehr aufrechterhalten. Harry verwirrte ihn. Das war nicht Potter, sein Vater hätte nie so gehandelt, das wurde Severus nun mehr als deutlich bewusst. So hätte eher Lily gehandelt. Severus begann, die letzten Jahre zu überdenken. Wieso hatte er es früher nicht gesehen? Er hatte es nicht sehen wollen. Oder besser, nicht sehen dürfen. Immerhin war er ein Spion. Er hatte das Leben des Jungen geschützt, wann immer es ihm möglich war, um sein Versprechen Lily gegenüber zu erfüllen und die Schuld gegenüber Potter endlich abzutragen, doch es schien nie genug zu sein. Mit dem Hass, den er von Potter auf dessen Sohn übertragen hatte, konnte er ihn auf Abstand halten, um von dem Lord weiterhin überzeugend zu sein. Das musste er, um seine Position und sein Leben zu erhalten. Aber was sollte er nun tun? Er durfte nicht zulassen, dass der Junge weiterhin misshandelt wurde, doch er hatte gerade kaum eine Möglichkeit, konnte sich nicht einmal alleine aufrecht halten. Er fluchte leise. Schließlich entschied er, dass er am besten schlief, um wieder zu Kräften zu kommen.

Harry kümmerte sich unterdessen um die verschiedenen Aufgaben. Schon früh hatte er gelernt, dass es nichts brachte, wenn er sagte, es war unmöglich, alles zu schaffen. Dudleys Bett war schnell frisch bezogen und das Zimmer aufgeräumt. Als Snacks machte er Fleischbällchen, das aßen Dudley und seine Freunde gerne, und sie wurden im Ofen auch alleine fertig, derweil konnte er sich um das Wohnzimmer kümmern. Pommes machte er am besten frisch, wenn Dudley und seine Freunde kamen. Vorher räumte er lieber die Garage auf. Inzwischen hatte er eine gewisse Routine bei diesen Arbeiten, musste er sie doch mindestens einmal in der Woche machen. Die Wäsche in der Waschmaschine war auch fertig, aber da heute das Wetter nicht trocken genug war, steckte er sie in den Trockner. Die musste er nachher noch bügeln. Und wer wusste schon, welche Arbeiten Tante Petunia noch für ihn hatte. Doch sie kam sicher nicht vor vier Uhr, bis dahin hatte er noch ein wenig Zeit, vielleicht konnte er vorarbeiten. Falls Dudley und seine Freunde ihm die Chance ließen. Meistens kommandierten sie ihn herum, ließen sich von ihm bedienen oder sabotierten seine Arbeit. In jedem Fall sorgten sie dafür, dass er am Ende bestraft wurde. Das war sicher.

„Hey, Freak!“, schallte es in diesem Moment vom Eingang her. Seufzend ging Harry nach oben und holte die Fleischbällchen – achtzig Stück – aus der Küche, stellte sie auf den Wohnzimmertisch. Schnell waren die Pommes in der Fritteuse, sie brauchten nur wenige Minuten. Piers, Dudleys bester Freund, hatte Bier mitgebracht, woher auch immer er das hatte. Sie waren alle erst fünfzehn, aber Dudley und seine Freunde taten so, als wären sie erwachsen, tranken Bier und rauchten auch heimlich. Nicht hier im Haus, aber auf dem Spielplatz, dort hatte Harry sie bereits gesehen. Zu fünft saßen sie im Wohnzimmer, jeder mit einer Dose Bier in der Hand, und starrten auf den Bildschirm, als Harry die fertigen Pommes in einer Schüssel brachte.

„Ich habe hier einen Film gefunden, den mein Dad unter seinem Bett versteckt hatte.“, johlte eben Piers. Gemeinsam mit Dudley war er der Anführer dieser Gang. Er zeigte die Hülle der Videokassette herum. Darauf waren mehrere nackte Männer, die ganz offensichtlich Sex miteinander hatten. „Ist mal was anderes. Ich hatte letzthin die Tochter der Nachbarn, ihr wisst schon, diese Sally, in meinem Bett. So besonders war das nicht, alles so weich und eklig. Ich stehe eher auf fest und eng und nicht so feucht. Sehen wir es uns an, vielleicht kriegen wir ein paar Ideen für unsere nächsten Spielchen!“

Harry flüchtete aus dem Zimmer und ging in die Garage, wo er nicht ganz fertig war. Danach wollte er die Wäsche bügeln und vielleicht gleich mit dem Bad anfangen. Sicher würde Tante Petunia von ihm verlangen, die Dusche zu putzen, sie legte sehr viel Wert darauf, dass man der Duschtür nicht ansah, wie viel Wasser darüber floss. Sie musste immer wie neu aussehen. Doch so weit kam er nicht, denn als er nach oben gehen wollte, wo das Familienbad war, hielten Dudley und seine Freunde ihn auf. „Hey, Missgeburt!“, rief Dudley, und Piers ließ seinen Blick anzüglich über Harrys Körper gleiten.

Dieser Blick versetzte Harry in Panik und er wollte weg, doch hinter ihm waren zwei der Freunde Dudleys. Sie griffen nach ihm und drückten ihn ins Wohnzimmer. „Loslassen!“, fauchte Harry und versuchte, seine Panik nicht zu deutlich werden zu lassen.

„Sonst was?“, höhnte Piers. „Hast du noch nicht kapiert, dass du gegen uns keine Chance hast? Aber keine Angst, wir wollen nur dafür sorgen, dass du nicht als Jungfrau weiterleben musst. So wie du aussiehst, kriegst du eh niemanden ab, also tun wir dir einen Gefallen.“ Er grinste dreckig und wandte sich an die beiden, die Harry festhielten. „Legt ihn auf den Bauch und haltet ihn fest.“

„Nein!“ Harry schrie panisch auf und wehrte sich mit allem, was ihm zur Verfügung stand, doch aufgrund des Nahrungsmangels hatte er kaum noch Kraft, und gegen die beiden Freunde Dudleys hatte er sowieso keine Chance, das waren zwei Schränke, die ihn immer wieder an Crabbe und Goyle erinnerten. Einer von ihnen knallte Harry nun die Faust in den Nacken, was den Widerstand erlahmen ließ, denn Harry wurde schwarz vor Augen. Er merkte nicht, wie die Freunde ihn auszogen und mit den Beinen auf das Sofa legten. Sie drückten ihn nach unten, bis der Brustkorb auf den Beinen lag und sein Hintern in die Höhe gestreckt wurde. Dudley schien ein wenig zu zögern, er ließ seinem Freund den Vortritt. Piers leckte sich die Lippen und zog langsam seine Hose nach unten, angefeuert von seinen Freunden. Harry kam zu sich und spürte die Kälte an seiner Rückseite. Er versuchte, sich loszureißen, doch Dudley setzte sich einfach auf ihn. Harry schrie gellend um Hilfe, als plötzlich ein brennender Schmerz sein Innerstes zu zerreißen schien.

Mit einem Mal war es vorbei, auch wenn die Schmerzen noch da waren. Harry spürte, wie etwas Warmes an seinen Oberschenkeln nach unten lief, doch er fühlte auch wieder die kalte Luft an seinem Rücken. Das Gewicht Dudleys verschwand plötzlich von seinem Rücken, genau wie die Hände der Schränke. Wimmernd rollte sich Harry zusammen und versuchte, seine Blöße zu bedecken. Er schrie auf, als er eine Berührung spürte, doch es war Snape, der ihm eine Decke auflegte. Die schwarzen Augen glühten vor Zorn, doch er sprach mit sanfter Stimme zu Harry. Auch wenn er nichts verstand, die Stimme versprach ihm Hilfe. Harry klammerte sich an dem Mann fest und ließ die Schwärze gewinnen.

Severus hatte Mühe, die Jugendlichen nicht gleich zu töten. Er hatte kaum Kraft, aber die Panik, die er in Harrys Schreien gehört hatte, alarmierte ihn und er sprang aus dem Verschlag unter der Treppe, ignorierte seine eigenen Schmerzen. Dennoch kam er zu spät, um die Vergewaltigung gänzlich zu verhindern. Einer der Jugendlichen hatte gerade angefangen. Er verfluchte seine Schwäche, die ihn hatte taumeln lassen und griff nach Harry, legte eine Decke um ihn. Seine Gedanken rasten, er musste den Jungen von hier weg in Sicherheit bringen, aber wohin? In der Vision Harrys hatte er gesehen und gehört, dass er sich seinem Grund nicht nähern konnte, ohne die Todesser zu alarmieren. Selbst in Hogwarts hatten sie offenbar jemanden, der sie informierte. Der Lord residierte im Manor der Malfoys. Was blieb ihm da noch? Der Fuchsbau war nicht gut genug geschützt, vor allem würde Harry sicher nicht dorthin wollen, nicht in diesem Zustand. Blieb nur … „Mir bleibt auch gar nichts erspart.“, fluchte Severus, dann konzentrierte er sich und disapparierte.

Severus spürte, wie seine Kraft verbraucht wurde beim Apparieren. Er musste ohne seinen Stab auskommen, was normalerweise kein Problem war, aber in seinem jetzigen Gesundheitszustand überforderte es ihn beinahe. Auch wenn der Junge in seinen Armen still hielt, sah man vom Zittern des ganzen Körpers ab, ging es beinahe über seine Kräfte, sie beide in Sicherheit zu bringen. Als er in der dunklen, etwas schmuddeligen Küche landete, wusste er, dass er es geschafft hatte. Er zwang seinen Körper dazu, aufrecht zu bleiben.

„Du? Was machst du in meinem Haus, Schniefelus?“, fauchte eine nur allzu bekannte Stimme hinter ihm.

Severus atmete kurz durch, so tief es seine gebrochenen Rippen zuließen. „Aktiviere den alten Schutz der Familie, Black!“, schnappte er. Jetzt ging es nur um Harry, also ignorierte er die Provokation vorerst einmal. Dafür hatte er ohnehin nicht mehr genug Energie.

„Und wieso sollte ich das tun?“, provozierte Black weiter, und ging langsam um den Tränkemeister herum.

„Seinetwegen.“, hauchte Severus, und deutete auf Harry, der bisher vor den Blicken des Animagus verborgen gewesen war. Noch bevor er mehr sagen konnte, gewann die Schwärze. Seine Beine gaben nach und er fiel. Severus merkte nicht mehr, dass er mit dem Kopf hart auf dem Boden aufkam, zu dem Zeitpunkt war er bereits bewusstlos.

„Harry!“ Entsetzt sah Sirius auf sein Patenkind. Mit weißem Gesicht, schockweiten Augen und tränenüberströmten Wangen blickte Harry zu ihm auf. Dann erst bemerkte Sirius, dass die Decke voller Blut war. „Was …?“, fragte er, doch er merkte, dass er von dem Jugendlichen wohl keine Antwort bekommen würde. Harry wirkte vollkommen abwesend. Was auch immer passiert war, in diesem Moment glaubte er Snapes Einschätzung und hob den Zauberstab. Mit einem Schwenk und einem ungesagten Zauber war das Haus geschützt. Nun würde niemand mehr hereinkommen, der nicht bereits im Haus war. Sirius selbst musste nun jeden in den Schutz einweben, den er für vertrauenswürdig hielt. Der Zauber an sich war uralt und beinahe vergessen, die wenigsten Familien nutzten ihn noch, denn er verbrauchte eine Menge Energie. Doch für Harry würde Sirius noch viel mehr auf sich nehmen. Woher wusste Snape überhaupt davon, dass es in seiner Familie einen derartigen Schutz gab? Er stammte doch gar nicht aus einer alten Familie, war ein Halbblut. Und was hatte er mit Harry zu tun? Um den Jungen musste er sich nun kümmern, entschied Sirius, und näherte sich seinem Patenkind. Über Snape konnte er später nachdenken.

Harry zuckte zurück, als Sirius auf ihn zukam und die Hände nach ihm ausstreckte. „Nein, bitte nicht!“, wimmerte er leise und kroch rückwärts, bis er nach einem Meter gegen die Wand stieß. In dem Moment wurde er noch blasser, etwas, das Sirius nicht für möglich gehalten hätte.

„Ruhig, Harry, ich bin es. Sirius, dein Pate. Ich will dir helfen. Du bist verletzt. Komm her, mein Kleiner.“, sprach der Animagus auf den Jüngeren ein. Doch Harry schien ihn nicht zu erkennen. Sirius blickte verächtlich auf seinen ehemaligen Schulkamerad. „Verdammt, Schniefelus, was hast du mit ihm gemacht?“, fluchte er. Er richtete seinen Zauberstab auf den Tränkemeister. „Enervate!“

Stöhnend öffnete Severus die Augen und blickte einen Moment orientierungslos um sich. Sobald sein Blick auf Harry fiel, erinnerte er sich und kämpfte sich auf die Beine, ignorierte die Schmerzen in seinem Arm und seinem Kopf, genau wie das Gezeter von Black. Nur Harry war gerade wichtig. Erschöpft ging er vor dem Jugendlichen in die Hocke. „Harry?“, sprach er ihn ruhig an. Ganz langsam fokussierten sich die grünen Augen auf ihn. „Wir wollen dich versorgen. Du bist verletzt und verlierst eine Menge Blut. Darf ich dich anfassen? Ich will dir aufhelfen, damit du dich in ein Bett legen kannst.“

Es dauerte eine ganze Weile, dann nickte Harry kurz. Noch immer realisierte er offenbar nicht, wo er war und was um ihn passierte. Er zuckte zusammen, als Severus ihm seinen rechten Arm um die Taille legte, klammerte sich aber nach einem Moment an dem Tränkemeister fest. Doch Severus erkannte, dass er es nicht mehr schaffte, vom Boden aufzustehen. „Harry, darf dein Pate mit anpacken? Er hilft dir nur, dich ins Bett zu bringen, in Ordnung?“ Wieder dauerte es mehrere Minuten, bis Harry mit einem knappen Nicken zustimmte. Gemeinsam kamen sie tatsächlich in die Höhe. Dabei rutschte die Decke weg und offenbarte Harrys Blöße. Sirius wurde rot vor Wut und wollte auffahren, doch Severus schnappte nur: „Später!“ Tatsächlich klappte der Hausherr den Mund wieder zu und legte wortlos die Decke um Harrys Schultern, damit er nicht halb nackt vor ihnen stand. Langsam gingen sie nach oben, wo Sirius Harry in sein altes Kinderzimmer brachte. Er selbst hatte dort die letzten Wochen verbracht, doch er wollte Harry nicht zumuten, in einem der anderen Zimmer zu liegen, die noch lange nicht bewohnbar waren. Harry ließ sich in das Bett legen und zudecken.

Die Blutung hatte inzwischen von selbst gestoppt. Dennoch musste er versorgt werden. Severus ließ sich auf einen Stuhl neben das Bett fallen und legte seine rechte Hand auf Harrys Seite. Erneut zuckte Harry zurück und wimmerte leise, doch er wurde ruhiger, als Severus beruhigend auf ihn einsprach. Er murmelte verschiedene Formeln in einer Sprache, die Sirius nicht kannte und sie konnten zusehen, wie Harry sich immer weiter entspannte. Irgendwann schlossen sich die Augen und er schlief ein. Sirius zauberte ihm eine Pyjamahose an, die er im Zimmer seines Bruders gefunden hatte. Regulus war etwas kleiner und schmaler als er selbst gewesen, die Sachen passten Harry einigermaßen.

Severus zog seine Hand zurück, als Harry tief und fest schlief. Sie zitterte vor Anstrengung und er war nicht sicher, ob er noch einen Funken Magie in sich hatte. Er brauchte dringend … „Was hast du mit meinem Patensohn gemacht, Schniefelus?“, knurrte Sirius in dem Moment und unterbrach Severus' Gedanken.

„Ich ...“, setzte Severus an, doch er kam nicht weiter.

„Ich bring dich um, wenn du ihn angerührt hast!“, drohte der Animagus.

„Wirst du mich anhören oder kann ich mir meine Worte sparen, weil du mir ohnehin kein Wort glauben wirst?“, antwortete Severus müde.

„Ich wüsste nicht, warum ich dir glauben soll.“, konterte Sirius. „Du hast Harry immer gehasst, hast ihn wie Abschaum behandelt. Er hat es mir erzählt, wie es ihm in deinem Unterricht ging. Also warum soll ich glauben, dass du ihm geholfen hast? Du hättest ruhig ein wenig eher kommen können, so wie er aussieht! Du hättest das verhindern können!“

„Sei still, Black!“, zischte Severus und deutete auf Harry, der sich unruhig wand und leise wimmerte im Schlaf. Obwohl er dem Animagus leider Recht geben musste, er hätte früher eingreifen müssen, aber es war nicht möglich gewesen.

„Gehen wir nach unten.“, entschied Sirius und ging ohne ein Wort aus dem Zimmer. Severus verdrehte die Augen, stand aber auf. Nach einem Moment, in dem er sich an der Wand festhielt, folgte er dem ehemaligen Gryffindor nach unten in den Salon.

Der Tränkemeister berichtete kurz und bündig, was passiert war. „Als ich heute wach wurde, bekam ich nur mit, dass er arbeiten musste. Mir wurde klar, dass er kein normales Pensum hatte und plötzlich hörte ich seine Schreie. Ich bin so schnell wie möglich zu ihm, aber ich kam zu spät, der eine Jugendliche hatte bereits ...“, endete Severus. „Mir blieb nur noch, sie von Harry weg zu reißen. Ich nahm keine Rücksicht darauf, wo sie landeten, mir war nur wichtig, dass sie nicht noch einmal aufstehen würden, bis ich mit Harry weg war. Sein Stab aber auch die Magie in seiner Umgebung werden überwacht, ich durfte keine Zauber wirken, ansonsten wäre das Ministerium sofort da. Die einzige Magie, die ich nutzte, war das Apparieren hierher.“

„Ich werde sehen, was Harry spricht.“, grollte Sirius unversöhnlich. „Such dir ein Zimmer.“ Er selbst ging nach oben und rief nach seinem Hauselfen, um sich das Masterschlafzimmer richten zu lassen. Es war neben Harrys neuem Zimmer, so konnte er seinen Kleinen hören, wenn etwas war. Severus folgte ihm nach einiger Zeit und entschied, das Zimmer Harry gegenüber zu nehmen. Es hatte früher Regulus gehört, wie auf dem Schild neben der Tür zu lesen war. Dazu gehörte – wie in den alten Familien üblich – ein eigenes Badezimmer. Genau das steuerte Severus nun an. Nach ein paar Minuten hatte er die Wanne mit der Hand und einem Lappen gesäubert, und ließ sich anschließend heißes Wasser ein. In seinem Umhang fand er noch ein Fläschchen, das er nun brauchen konnte, das kippte er in das Wasser. Wohlig seufzend ließ er sich hinein gleiten und schloss die Augen, genoss die Verwandlung seines Körpers, als er komplett unter Wasser lag. Er konnte spüren, wie sich seine Verletzungen schlossen, sogar die Knochen wuchsen schneller als zuvor zusammen. Auf diese Art würde er vielleicht noch ein paar Tage brauchen, aber seine Magie war zu erschöpft, um sich selbst zu heilen. Auf einen Heiler brauchte er vermutlich nicht zu hoffen, aber das war auch nicht nötig. Sein inneres Wesen war durchaus in der Lage, eine derartige Situation zu meistern. Nur, wenn er Harry ebenfalls helfen wollte, musste er sich bei sich selbst ein wenig zurückhalten, aber was machte das schon.

Moment, seit wann war der Bengel denn Harry? Severus konnte es nicht sagen, aber etwas war anders zwischen ihnen. Seit sie gemeinsam auf der Matratze geschlafen hatten. Zusammen in einem Bett, wenn man so wollte. Aber das war nicht der Beginn. Nein, der war bereits deutlich früher. Er hatte einen Schwur geleistet, Harry zu beschützen. Und das war verdammt notwendig gewesen in den letzten Jahren. Doch nicht nur in der Schule, wie Severus nun klar war. Der Junge hatte viel von seiner Mutter, das war Severus in den letzten Tagen aufgefallen. Genau wie Lily fragte er nicht, wer jemand war. Wenn man verletzt war, half er. Harry hätte ihn auch auf der Straße liegen lassen können. Niemand hätte ihn dafür verurteilt, nach dem, wie Severus ihn seit dem ersten Tag behandelt hatte. Und doch hatte er nicht einen Moment gezögert. Ja, auch Lily hätte so gehandelt. Wie oft hatte Severus sie damals mit ihrem Helferkomplex und ihrem Beschützerinstinkt aufgezogen? Sie waren beste Freunde gewesen, seit sie sich zum ersten Mal auf dem Spielplatz nahe der Siedlung Spinners End getroffen hatten. Daran hatte auch die unterschiedliche Hauszugehörigkeit lange nichts ändern können. Erst, als sie anfing, mit James Potter auszugehen, hatten sie sich auseinander gelebt. Vorher hatte Lily nichts gegen Severus' Vorliebe für dunkle Magie gehabt. Sie hatte sich verändert. Nein, James Potter hatte sie verändert. Einen Beweis dafür hatte Severus bis heute nicht, aber er war sicher, der Gryffindor hatte etwas damit zu tun. Vor ihrer Beziehung mit ihm hatte sie viel mehr gelacht, war entspannter gewesen. Die Veränderung war langsam gekommen, nur ihm war es aufgefallen, wenn auch erst später, als er darüber nachdachte. Am Anfang hatte er es noch auf den zunehmenden Stress geschoben, weil die Abschlussprüfungen immer näher kamen. Doch das allein war es nicht gewesen, sonst hätte es danach aufgehört. Warum Lily letztendlich den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte, wusste Severus bis heute nicht. Genausowenig kannte er den Grund, warum sie ein paar Jahre später plötzlich bei ihm aufgetaucht war und ihn darum bat, Harry zu beschützen, sollte ihr etwas passieren. Severus hatte den Schwur geleistet, ohne weiter darüber nachzudenken, und nur wenige Wochen später waren sie ermordet worden.

Seine Schuld. Noch immer nahm ihm diese Tatsache den Atem. Er war als Spion in Voldemorts Reihen eingetreten. Damals war er bestrebt, schnell aufzusteigen, nutzte nicht nur sein Talent zum Brauen. Er schmunzelte kurz vor sich hin. Niemand ahnte, was wirklich dahinter steckte. Es war nicht nur ein Talent, es war seine Magie, ein Teil seines Wesens. Heilen und Tränke brauen lagen ihm sozusagen im Blut. Es war ein Teil dessen, was ihn ausmachte. Doch das allein hatte bei Voldemort nicht ausgereicht, also hatte er unter Beweis stellen wollen, wie gut er an Dumbledore heran kam. Als Spion, das war ihm klar, wäre er wichtig genug, um schnell aufzusteigen. Es hatte geklappt, aber der Preis war viel zu hoch gewesen. Das Leben seiner besten Freundin und ihres Mannes. Wobei, James' Tod hatte ihn nicht sonderlich berührt, wenn er ehrlich war. Lilys dafür umso mehr. Noch heute fühlte er sich schuldig, als hätte er selbst den Todesfluch gesprochen. Eines aber verstand er einfach nicht: wie hatte Harry damals überlebt? Ja, er war kein schlechter Zauberer, schon in jungen Jahren hatte er starke Zauber geschafft, vor allem wenn er an den Patronus des Jugendlichen dachte. Doch einen Todesfluch so abwehren, dass er seinen Erschaffer tötete? Als Einjähriger? Nein, das war sicher nicht Harrys eigene Leistung. Severus war sicher, Lily hatte etwas gemacht, um ihren Sohn zu retten. Sie hatte Harry wahrhaft geliebt. Viel mehr als Potter. Der hatte in Harry eine Art Klon von sich sehen wollen. So hatte er ihn wohl auch behandelt, wobei Severus davon nie viel mitbekommen hatte. Etwas war auf jeden Fall dran an der Theorie von Dumbledore. Immerhin hatte er selbst erlebt, dass der Blutschutz funktionierte. Obwohl Harry nicht gerade ein liebevolles Zuhause hatte. Aber es schien gereicht zu haben, um die Todesser fernzuhalten. Leider hatte es ihn nicht vor seinen Verwandten und den Freunden seines Cousins beschützt. Er fluchte ungehört, warum war er nicht schneller gewesen? Sein Körper hatte einfach nicht mitgemacht, als er die Gefahr gespürt hatte, er brauchte zu lange, um aus dieser verfluchten Kammer zu kommen. Nun konnte er nur hoffen, dass sie den Jungen damit nicht komplett zerbrochen hatten.

Severus bekam nicht mit, dass Sirius nur Minuten später erneut zu Harry lief, da eine offiziell aussehende Eule an sein Fenster pickte. Sie hatte einen an Harry adressierten Brief ans Bein gebunden. Mit einiger Überredungskunst konnte Sirius ihr das Pergament abnehmen. Er merkte, dass er den Schutz weiter anpassen musste, damit niemand hierher kam. Andererseits konnte es auch wichtig sein, Post bekommen zu können. Für den Moment schob er diese Gedanken beiseite und entrollte das Pergament. In seinem jetzigen Zustand würde Harry nicht begreifen, wer ihm was schrieb, Sirius wollte sichergehen, dass alles in Ordnung war.

Sehr geehrter Mister Potter,

heute Nachmittag, um 3:37 Uhr Ortszeit, wurde in Little Whinging, Surrey, genauer im Ligusterweg 4, magische Aktivität festgestellt. Trotz der Warnung von vor beinahe genau drei Jahren und der großzügigen Entscheidung, Sie im vorletzten Jahr nicht zu bestrafen, haben Sie offenbar erneut Magie benutzt. Diesmal hilft Ihnen daher auch Ihr berühmter Name nicht. Hiermit werden Sie auf Lebenszeit von Hogwarts, der Schule für Magie, ausgeschlossen. Ihr Zauberstab, den unsere Mitarbeiter im Ligusterweg vorfanden, wurde bereits zerbrochen. Sie sind verpflichtet, sich bis zum 31. Juli im Ministerium vorzustellen, dort wird das Wissen um die magische Welt in ihnen versiegelt, genau wie Ihre Magie, da Sie nicht mehr das Recht haben, Zauber zu wirken.

Mit freundlichen Grüßen,

Dolores J. Umbridge

1. Untersekretärin des Ministers für Zauberei

Entsetzt las Sirius diese Zeilen wieder und wieder. Das konnte doch einfach nicht wahr sein. Er kniff sich in den Arm, in der Hoffnung, aus einem Alptraum aufzuwachen, doch er war offenbar wach. „Verdammte Scheiße!“, fluchte er. „Ach, Harry, was machen wir nur mit dir, mein Kleiner?“

Severus verbrachte die ganze Nacht in der Wanne. Zunächst brauchte er eine Weile, um sich zu entspannen, aber das lag eher daran, dass sein Gehirn einfach nicht abschalten wollte. In einem Fort dachte er darüber nach, was er anders hätte machen können, um die Ereignisse zu verhindern, aber letztendlich war ihm klar, dass er kaum eine andere Möglichkeit gehabt hatte, da er aufgrund seines geschwächten Zustandes nicht schnell genug reagieren konnte. Zusätzlich quälten ihn anfangs noch die Schmerzen, auch das hielt ihn vom Entspannen ab. Erst, als die Schmerzen nachließen, schaffte er es auch, sein Gehirn zu leeren, um den stetigen Gedankenfluss zu stoppen. Nun schloss er die Augen und tauchte vollkommen unter im Wasser, dankbar für die Verwandlung. Nach und nach entspannten seine Muskeln, was die Heilung erleichterte. Er spürte, wie sich die Wunden schlossen, die noch offen gewesen waren. Diejenigen, die sich entzündet hatten, brauchten deutlich länger, aber sie heilten ebenfalls. Irgendwann schlief Severus tatsächlich ein, nachdem er mit einem Zauber, auch seine Magie erholte sich im Wasser schneller, dafür gesorgt hatte, dass das Wasser die richtige Temperatur behielt. So ruhig wie hier in der Badewanne hatte er schon lange nicht mehr geschlafen. Natürlich trug auch der Schlaf zu einer erfolgreichen Heilung bei. Und diese Heilung brauchte er. Dringend, damit er Harry weiterhin helfen konnte. Durfte er sich offenbaren? Zum Teil hatte er das bereits, aber gerade Black gegenüber wollte er nicht mehr sagen. Das war schon zu viel, vor allem, weil Black aus einer alten, reinblütigen Familie stammte. Wer wusste schon, wie viel er sich zusammen reimen konnte aus den bekannten Informationen. Und mehr wollte er ihm nicht geben, seine Identität sollte weiterhin geheim bleiben. Das war seine Lebensversicherung. Am liebsten würde er das, was er bereits verraten hatte müssen, aus Blacks Gedächtnis löschen, aber das schaffte er nicht ohne Zauberstab. Darum musste er sich so schnell wie möglich kümmern, entschied er. Weiter kam er mit seinen Überlegungen nicht, denn er schlief immer tiefer. Nur die sanften, gleichmäßigen Wellen zeigten, dass er noch lebte.

Als er am Morgen herauskam, war seinem Körper nichts mehr anzusehen. Die Verletzungen waren beinahe vollständig verheilt, die Knochen wieder zusammengewachsen. Noch ein oder zwei Tage, dann merkte man auch den Knochen nichts mehr an. Einzig das dunkle Mal an seinem Arm war noch vorhanden. Leider, wie Severus fand, konnte selbst die Magie des Wassers ihm hier nicht helfen. Er reinigte und reparierte seine Kleidung mit einem Schwenk seiner Hand – den Zauberstab hatte er bereits während der Foltern verloren – dann zog er sich an und ging in die Küche, wo er auf einen Kaffee hoffte. Doch offenbar musste er zunächst an Black vorbei, der ihn wütend anstarrte. Gleichzeitig nahm Severus eine gewisse Aura der Hilflosigkeit und Verzweiflung wahr. Vermutlich wegen Harry. Lautlos seufzend trat er in die Küche, wissend, dass ihm eine Konfrontation bevorstand. „Wie geht es Harry?“, wollte er wissen.

„Er schläft noch, aber ziemlich unruhig.“, schnappte Sirius. Er war unausgeschlafen und machte sich Sorgen um seinen Patensohn. „Die Nacht war nicht besonders entspannend für ihn, deshalb habe ich ihn schlafen lassen. Ich glaube noch immer nicht so ganz, dass du ihn nicht angerührt hast. Er hat heute Nacht immer wieder gewimmert, aber zumindest konnte ich deinen Namen nicht raushören. Geschlafen hat er nur, wenn ich leise mit ihm gesprochen habe. Allerdings gibt es noch etwas, das ihn betrifft.“ Er reichte Severus den Brief aus dem Ministerium, wenn auch widerwillig.

„Verdammt!“, fluchte Severus, als er zu Ende gelesen hatte. Das machte die ganze Sache nicht einfacher, sondern im Gegenteil immer komplizierter. „Sie statuieren ein Exempel an ihm. Normalerweise bekommen Schüler nur eine Verwarnung und werden angehört. Aber Harry Potter ist kein gewöhnlicher Schüler, vor allem, weil Fudge bereits einmal seine Hand über ihn gehalten hat. Noch einmal kann er sich das nicht leisten, also muss er nun hart durchgreifen. Wobei, das hier kommt sicher aus der Hand seiner Untersekretärin und Fudge weiß wahrscheinlich nicht einmal etwas davon. Ich hätte aussagen können, aber gegen Umbridge haben wir keine Chance.“

„Du kennst sie?“, staunte Sirius, für den Moment die Feindschaft vergessend. Für Harry.

„Kennen ist zu viel gesagt.“, schüttelte Severus den Kopf und schnaubte abfällig. „Ich habe von ihr gehört. Sie ist Fudge treu ergeben, oder besser, Fudge ist ihr treu ergeben.“

„Die haben ein Verhältnis?“ Sirius' Augen weiteten sich.

„Ich würde es nicht ausschließen, aber das meinte ich nicht.“ Einen Moment schauderte Severus, das wollte er sich definitiv nicht vorstellen. „Ich glaube eher, sie bestimmt, welche Politik Fudge verfolgt. Jedenfalls ist sie Moody ebenbürtig was die Abneigung gegen Todesser anbelangt. Sie hasst magische Wesen und Halbwesen, und sie ist diejenige, die sicher ist, dass der Lord nicht wiederkommen wird.“

„Du meinst, sie steckt hinter der Hetzkampagne gegen Harry?“, erkundigte sich Sirius. Auch er hatte in den letzten Tagen den Tagespropheten gelesen und hoffte, Harry hatte ihn nicht in die Hand bekommen. Die Presse ging nicht besonders … nett mit Harry um. Sie behaupteten, Harry und Dumbledore hätten gelogen, als sie behaupteten, Voldemort sei zurückgekehrt. Der Minister war der Meinung, Voldemort sei vor Jahren von Harry als Kleinkind vernichtet worden und würde nie wiederkommen.

„Ich gehe davon aus.“, nickte Severus. „Beweisen kann ich es natürlich nicht, das wird niemand schaffen, dafür ist sie zu schlau. Sie hinterlässt keine Spuren. Und Fudge hält seine Hand über sie. Sie würden mich nicht anhören, ich wäre sofort in Askaban. Und vermutlich würde sie Harry nutzen, um dich zu bekommen.

„Und was machen wir jetzt?“ Man konnte Sirius die Verzweiflung ansehen.

„Erst einmal kümmern wir uns um Harry.“, entschied Severus.

„Seit wann nennst du ihn Harry?“ Misstrauisch zogen sich Sirius' Brauen zusammen.

„Ich habe erkannt, dass er nicht wie Potter ist. Er ist Lily ähnlicher, als ich dachte.“, gestand Severus. Ihm blieb kaum etwas anderes übrig.

„Und wann hast du das gemerkt? Du hast ihm nie auch nur eine Chance gegeben!“, klagte Sirius an. „Er hat es mir erzählt, du hast ihm von Anfang an einen Stempel aufgedrückt, der nicht passte.“

„Da bin ich nicht der Einzige.“, gab Severus scharf zurück. „Das macht so gut wie jeder da draußen. Niemand sieht nur den Jungen, alle denken, sie wissen, wer er ist. Aber ja, ich habe lange seinen Vater in ihm gesehen und wollte die Wahrheit nicht erkennen. Ich musste ihn abfällig behandeln, um weiterhin meine Rolle als Spion zu spielen. Doch als ich dort lag, gefoltert von den Anhängern des Lords, hat er so lange auf mich eingesprochen, bis ich zu ihm gekrochen bin. Er hat mich mitgenommen, ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken, was das für ihn bedeutet. Ich war eine Woche lang bewusstlos, er hat sich um mich gekümmert, meine Verletzungen versorgt, mir die wenige Nahrung gegeben, die seine Verwandten ihm zugestanden haben. Er hat mir sein Bett überlassen, oder das, was sein Bett sein sollte. Egal, wie ich ihn behandelt habe, er hat mich versorgt, so, wie Lily es getan hätte. Meinetwegen hat er auf dem Boden geschlafen, ohne Decke. Ich habe ihn mit ins Bett genommen, als ich das gemerkt habe.“ Severus konnte das Staunen in seiner Stimme hören und hoffte, dass Black es nicht mitbekam.

„Du … du hast mit ihm in einem Bett geschlafen?“ Anklagend blickte Sirius den Slytherin an.

„Es gab keine andere Möglichkeit, außer ich hätte ihn weiter auf dem Boden schlafen lassen. Er hätte nicht zugelassen, dass ich auf dem Boden schlafe.“, verteidigte sich Severus. Seufzend begann er, einen genaueren Bericht über die Zeit bei Harry zu geben, soweit er sich erinnerte zumindest. Am Ende zuckte er die Schultern. „Jedenfalls habe ich in den folgenden Tagen gemerkt, wie sehr ich mich in ihm getäuscht habe. Das, was gestern passiert ist, hätte ich gerne verhindert.“

„Aber du hast es nicht!“, knurrte Sirius unversöhnlich.

Severus konnte nicht mehr antworten, da sie einen panischen Schrei von oben hörten. Gleichzeitig sprangen sie auf und rannten zu Harry. Der Jugendliche wich zurück, als sie zu ihm kamen, wimmerte und wand sich. Als Sirius auf ihn zuging, schien die Panik erst einmal noch zu steigen. „Harry, ruhig!“, sprach Sirius beruhigend auf ihn ein. Doch diesmal brachte es nichts, Harry schien seinen Paten nicht einmal zu erkennen, war gefangen in seinen Erinnerungen.

Severus seufzte auf, er wollte das eigentlich noch nicht offenbaren. Noch mehr Hinweise für Black. Doch ihm blieb keine Wahl. „Geh zurück.“, wies er den Animagus an. „Ich kann ihm vielleicht helfen.“

„Ich bin sein Pate, er hat mir immer vertraut!“, zischte Sirius, bemüht darum, nicht zu laut zu werden, um Harry nicht noch zusätzlich aufzuregen. „Du machst ihn seit Jahren fertig, und jetzt denkst du, er vertraut dir? Einfach so?“

„Ich hatte keine Wahl, wenn ich ihn nicht in Gefahr bringen wollte.“, erwiderte Severus erzwungen ruhig. „Und er hat mir schon immer vertraut. Er hat es nicht verstanden, und das durfte er auch nicht. Ich habe ihn geschützt, so gut es mir möglich war, aber er durfte es nicht ahnen. Niemand durfte etwas wissen. Wenn jemand auch nur geahnt hätte, was der Junge mir bedeutet, hätten sie den Befehl des Lords ignoriert. Der Lord hat bereits damals deutlich gemacht, dass er alleine Harry töten will. Doch um mich zu zerstören, hätten Todesser wie die Lestranges diesen Befehl mit Sicherheit missachtet.“

„Das sind schöne Worte, Schniefelus, aber es erklärt nicht, warum du denkst, ihn beruhigen zu können.“, ätzte Sirius.

Severus blickte den Jugendlichen an, der hektisch zwischen ihnen hin und her blickte, aber scheinbar kein Wort so richtig wahrnahm. „Er ist mein Gefährte.“, wisperte er. „Und jetzt lass mich mit ihm reden, bevor seine Panik noch zu Verletzungen führt.“ Er ignorierte das entsetzte Keuchen hinter sich, ging langsam auf Harry zu. Auch wenn sie nicht gebunden waren und Harry nichts davon wusste, würde er ihm intuitiv vertrauen, würde spüren, dass Severus ihm nichts tun konnte. Ruhig sprach er auf ihn ein, wechselte instinktiv in die Sprache seines Volkes, weil er wusste, es würde Harry beruhigen, auch wenn sie nicht gebunden waren. Severus hatte nicht vorgehabt, dieses Wissen zu enthüllen, er wollte Harry nicht zu etwas zwingen. Doch in der jetzigen Situation hatte er offenbar keine Wahl, wenn er ihn beruhigen wollte.

Erst nach einer ganzen Weile ließ Harry zu, dass Severus ihm näher kam. Irgendwann griff Harry von sich aus nach Severus' Hand und schmiegte sich in die Arme des Tränkemeisters. Seine Augen wurden klar und er schien zu erkennen, wer bei ihm war. „Ist es vorbei?“, fragte er mit zitternder Stimme.

„Ja, ist es.“, versprach Severus leise. „Du bist im Haus deines Paten. Wir werden nicht zulassen, dass du noch einmal verletzt wirst.“

„Nein, Harry, das werden wir nicht zulassen.“, schloss sich Sirius an und kniete neben den beiden nieder. Er breitete die Arme einladend aus. „Ich bin da, mein Kleiner. Hab keine Angst.“

Harry schmiegte sich an seinen Paten, hielt sich aber weiterhin an Severus' Hand fest, nicht bereit, diese Sicherheit aufzugeben, auch wenn er sich nicht erklären konnte, woher das Gefühl kam. „Sirius!“, kam es ein wenig kläglich von ihm und er klammerte sich eine ganze Weile fest. Seine Atmung wurde nach und nach ruhiger und tiefer, als die Erwachsenen ihm die Zeit gaben, die er brauchte. Ein wenig lebendiger sah er sich schließlich um. „Wo sind wir hier?“, erkundigte er sich.

„Im Haus meiner Familie.“, spuckte Sirius aus. „Ich habe den alten Schutz aktiviert, keiner kommt hier einfach so rein, wenn ich es nicht will. Dadurch sind wir erst einmal sicher. Es ist nicht besonders einladend, aber zumindest sicher.“

„Möchtest du etwas essen, Harry?“, fragte Severus. Er wusste, Harry musste über seine Erlebnisse reden, aber gerade war nicht der richtige Moment dafür. Der Junge hatte seit dem Ende des Schuljahres viel zu wenig zu essen bekommen, auch das musste er nun langsam nachholen. Harry folgte ihnen und stocherte eine Weile in seinem Essen herum, nahm aber nichts davon wahr. Nur wenige Bissen fanden tatsächlich den Weg in seinen Mund, aber das war kein Wunder, nach dem, was er hinter sich hatte. Im Anschluss brachte Severus den Jugendlichen zurück nach oben, misstrauisch verfolgt von Sirius. Harry ließ zu, dass Severus ihn ins Bett bugsierte, klammerte sich aber an seiner Hand fest.

„Ich bin da, Harry.“, beruhigte Severus. „Schlaf. Wir bleiben bei dir.“ Sirius nickte und setzte sich auf Harrys andere Seite. Beide Erwachsene hielten je eine Hand von Harry. Endlich schloss der Jugendliche seine Augen und schlief relativ ruhig ein.

Erst, als Harry tief und fest schlief, sahen sich die Erwachsenen an. „Wir stecken hier fest.“, erkannte Sirius. Dieses Mal sogar ruhig und friedlich. „Was machen wir nun?“

„Wir sitzen in einem Boot.“, nickte Severus. „Für den Moment kümmern wir uns um Harry. Wir sollten ihn erst einmal zur Ruhe kommen lassen. Er sollte auch erstmal nicht wissen, was uns verbindet. Ich möchte nicht, dass er sich zu etwas gedrängt fühlt, er soll frei entscheiden können.“

Sein Gegenüber nickte nach einem Moment zustimmend. Das war sicher das Beste für Harry, jedenfalls im Moment. Für seinen Patensohn versuchte er, die alte Feindschaft beiseite zu schieben. Zumindest für den Augenblick. „Vielleicht sollten wir Dumbledore informieren.“, überlegte er.

„Für den Moment wohl besser nicht, ich gehe davon aus, dass Umbridge genau auf so etwas wartet, um uns zu erwischen.“, widersprach Severus. Außerdem, aber das sagte er nicht, hatte er ein ungutes Gefühl bei der Sache. Irgendetwas stimmte da nicht. Er würde Erkundigungen einziehen, bei seinen eigenen Leuten. Unbemerkt von Dumbledore und Voldemort. Die zwei Männer, die beide glaubten, seine absolute Loyalität zu haben, würden nun wohl erkennen, dass keiner von ihnen sein Meister war. Außerdem wollte er herausfinden, was an der Prophezeiung dran war, und wie Harry in die Geschichte passte. Und er würde herausfinden, was hinter dem Jugendlichen noch steckte, denn er war sicher, Harry würde noch für einige Überraschungen sorgen. Das tat er schließlich immer.

„Was?“, fragte Sirius schließlich.

Severus überlegte eine Weile. Sollte er Black über seinen Verdacht informieren? Aber der Animagus war ein treuer Anhänger Dumbledores, möglicherweise würde er gleich zum Schulleiter gehen, und dann wäre Dumbledore gewarnt, dass Severus ihm nicht traute. Das würde nur Stress bedeuten, für sie alle. Andererseits saßen sie hier fest und waren aufeinander angewiesen. Sie mussten einander vertrauen, wenn sie Harry helfen wollten. Und dann mussten sie sehen, wie es weiterging. Severus traf seine Entscheidung. Ein Seufzen unterdrückend sah er auf, und begegnete grauen, fragenden Augen. „Black, was denkst du von Dumbledore?“

Sirius' Augen zogen sich zusammen. Er merkte genau, dass es Einiges gab, das der Andere ihm verheimlichte. „Was meinst du damit? Er ist ...“

„Harrys Vormund.“, unterbrach ihn Severus und starrte Black herausfordernd an.

„Ja, aber … Was meinst du?“ Sirius wirkte verwirrt. Aber durchaus offen genug, damit Severus seinen Verdacht teilen konnte.

„Ich meine, wenn Harry sein Mündel ist, warum hat Albus dann nie nach ihm gesehen? Oder wusste er sogar, wie er bei seinen Verwandten behandelt wurde? Warum hat er dann nie etwas getan? Er hätte ihn nie dort lassen dürfen, wenn er sich gekümmert hätte.“, gab Severus zu bedenken. Es gab noch viel mehr, aber der Animagus sollte Zeit haben, seine Überlegungen zu verstehen.

„Du meinst, er hätte absichtlich …? Das kann ich mir nicht vorstellen.“, schüttelte Sirius den Kopf. „Albus hat immer gegen Voldemort gekämpft, er hat sich immer dafür eingesetzt, seine Leute sicher zu wissen.“

„Meinst du wirklich?“, provozierte Severus mit erhobener Augenbraue. Er musste offenbar deutlicher werden. „Denk mal genauer nach, Black. Wann wusste Dumbledore mal nicht, was in Hogwarts vor sich ging? Na, wird es klarer?“

„Ernsthaft? Du denkst wirklich, dass Dumbledore …?“ Sirius brach ab, weil er nicht recht wusste, was er denken sollte.

„Überleg' mal, was Harry bisher erlebt hat. Und jetzt rede ich erstmal nur von Hogwarts. Dort, wo der Alte immer weiß, was los ist. Laut seiner eigenen Aussage im Übrigen.“, begann Severus, als würde er es einem Fünfjährigen erklären. „Sein erstes Jahr: Quirrell ist hinter ihm her, er hat den Lord in seinem Hinterkopf. Der Stein der Weisen ist in der Schule versteckt, und Harry schafft es eben so, ihn zu retten. Zweites Jahr: Ein Tagebuch mit einem Eigenleben taucht in der Schule auf, zwingt Miss Weasley dazu, die Kammes des Schreckens zu öffnen, Harry wird beschuldigt, der Erbe Slytherins zu sein und ein Monster losgelassen zu haben. Mit Mühe und Not rettet er die kleine Schwester seines besten Freundes und wird dabei beinahe getötet. Drittes Jahr: Ein angeblicher Mörder und der scheinbare Verräter des Geheimnisses seiner Eltern ist hinter ihm her, und er legt sich mit hunderten Dementoren an. Viertes Jahr: Er wird gezwungen, in einem Turnier zu kämpfen, in dem er nie sein wollte, wird am Ende entführt und muss miterleben, wie der Lord in einem verbotenem und grausamen Ritual zu neuem Leben entsteht. Und jetzt sag du mir, warum Dumbledore das alles übersehen konnte. Und wenn er es nicht übersehen hat, warum er dann zuließ, dass Harry all das mitmachen musste.“

„Harry ist ein Abenteurer, wie James.“, erwiderte Sirius, aber es war ein wenig unsicher.

„Ach ja?“, konterte Severus. „Denkst du wirklich, er ist glücklich darüber, all das erlebt zu haben? Mehrmals hat er dem Tod dabei ins Auge geblickt, und vor einigen Wochen musste er miterleben, wie ein Mitschüler getötet wurde. Ich glaube nicht, dass das unter ‚Abenteuer‘ fällt. Jedenfalls nicht in diesem Sinn. Und selbst wenn es ihm – wovon ich nicht ausgehe – gefallen haben sollte, du kannst nicht leugnen, dass Dumbledore mit Sicherheit davon wusste, was los war.“

„Vielleicht.“, gab Sirius nun zu. Wenn auch zögernd. „Aber das erklärt immer noch nicht, was du meinst, denn in seinem ‚Zuhause‘“, das kam mehr als spöttisch, „war nicht Hogwarts.“

„Du hast immer noch eine seltsame Art, dich auszudrücken.“, spottete Severus, wurde aber gleich wieder ernst. Immerhin wollte er, dass Black aufmerksam wurde auf Dinge, die ihm selbst schon eine Weile auffielen. „Ich wollte damit sagen, dass Dumbledore so gut wie nichts verborgen blieb. Ich habe zufällig im ersten Jahr Harrys mitbekommen, wie der Junge mit Albus redete. Er bat darum, in den Sommerferien in Hogwarts bleiben zu dürfen. Spätestens da hätte Dumbledore aufmerksam werden müssen. Er hätte nachforschen müssen.“ Severus schwieg einen Moment und sah Sirius in die Augen. „Denkst du immer noch, Dumbledore hatte keine Ahnung, wie es Harry in seinem angeblichen Zuhause ging?“ Erneut gab er dem Animagus einen Moment zum Nachdenken. „Und wenn er es wusste, warum hat er dann nichts unternommen?“

Sirius wurde blasser als ohnehin schon. Sein Mund war weit aufgerissen, doch er bekam keinen Ton heraus. Mehrere Minuten starrte er Severus nur vollkommen entsetzt an, sein ganzes Weltbild schien auf den Kopf gestellt worden zu sein. Gegenargumente fielen ihm keine mehr ein, der Tränkemeister war sehr überzeugend gewesen. „Scheiße!“, hauchte er am Ende. „Was machen wir jetzt?“

„Ich weiß es nicht genau.“, erwiderte Severus. „Erst einmal müssen wir sehen, dass es Harry besser geht. Danach können wir immer noch entscheiden. Harry hat keinen Zauberstab, genau wie ich. Offiziell darf Harry nicht mehr auftauchen, das Ministerium hat ihn verurteilt, und ich denke nicht, dass wir irgendetwas daran ändern können. Wenn sie ihn in die Hand bekommen, versiegeln sie die Magie in ihm und verändern sein Gedächtnis. Das müssen wir verhindern, denn ich weiß nicht, ob es rückgängig gemacht werden könnte. Niemand hat das bisher versucht und die Wahrscheinlichkeit, sein Gehirn dadurch zu beschädigen, ist hoch. Diesem Risiko würde ich nicht mal dich aussetzen.“

„Na vielen Dank!“, grunzte Sirius. Ihm kam ein Gedanke. „Was genau bist du eigentlich? Nur magische Wesen haben einen Gefährten. Und überhaupt – warum hast du ihn so behandelt, wenn er dein Gefährte ist?“

„Du musst es ja wissen.“, konterte Severus mit einem Unterton, den Sirius nicht zuordnen konnte. Auf die Frage nach seinem Wesen gab er bewusst keine Antwort. „Warum habe ich ihn so behandelt? Einerseits, weil ich als Spion eine gewisse Rolle erfüllen musste. Das sollte selbst in deinem Hirn einen Sinn ergeben, immerhin sollte der Lord an mich glauben.“

„Scheint überzeugend gewesen zu sein.“, kommentierte Sirius spöttisch. „Er hat dich ja immerhin sehr liebevoll behandelt vor einigen Tagen.“ Er lachte hämisch. „Und was noch? Nach einerseits kommt meistens andererseits. Jedenfalls bei Normalsterblichen, vielleicht ist das bei dir ja anders.“

„Wenn du mich nicht unterbrechen würdest, könnte ich schon weiter sein.“, schnarrte Severus eisig. „Ich weiß noch nicht besonders lange, dass er mein Gefährte ist. Es ist sogar ungewöhnlich früh zu spüren. Das passiert normalerweise erst, wenn die Magie ausreichend gefestigt ist. Vorher ahnte ich es nicht einmal. Ich habe ihn beschützt, weil ich es Lily versprochen habe. Aber er hat mich so sehr an seinen Vater erinnert, da fiel es mir nicht schwer, meine Rolle zu spielen. Ich denke, er war gezwungen, früh erwachsen zu werden, und seine Magie hat ihm geholfen.“

Doch bevor sie noch mehr reden konnten, wurde Harry unruhig und schlug um sich. Severus winkte ab, als Sirius nach ihm greifen wollte, und legte erneut seine Hand auf die Stirn des Jugendlichen. Mit einem Mal war er inmitten von Harrys Traum.

„Nein, aufhören!“, schrie der Junge. „Geht weg!“

Severus stellte sich neben Harry und sah sich um. Gruslige Erscheinungen umkreisten Harry, drangen immer weiter auf ihn ein. Harry sank immer mehr in sich zusammen. „Harry!“, sprach Severus ihn an. „Du bist nicht alleine. Lass dich nicht unterkriegen, ich bin bei dir. Auch dein Pate ist hier, aber er kann nicht in deinen Traum kommen.“

„Warum bist du hier?“ Der Traum-Harry realisierte nicht einmal, dass er Severus persönlich ansprach.

„Ich will dir helfen.“, beruhigte Severus. Er hatte es wahrgenommen, ignorierte die persönliche Ansprache aber im Moment. Ein kleiner Stolperer seines Herzschlages machte deutlich, wie viel ihm das bedeutete, aber im Moment durfte das noch nicht sein, er musste seinem Gefährten Zeit geben.

„Kannst du machen, dass sie weggehen?“, flüsterte Harry mit zitternder Stimme.

„Nein, das kannst nur du.“, schüttelte Severus den Kopf. „Du musst dich ihnen stellen. Ich bin bei dir, hab keine Angst. Sie können dir nichts tun, absolut nicht. Du darfst dich von deiner Angst nicht lähmen lassen. Ich weiß, dir sind schlimme Dinge passiert, das Schlimmste überhaupt. Aber du bist nicht alleine.“

„Bleibst du bei mir?“

„Immer.“, versprach Severus und nahm den Jüngeren kurz in den Arm.

Harry schmiegte sich in die Arme. Er fühlte sich wohl und sicher. Schon immer hatte er dem Tränkemeister vertraut, auch wenn er nie verstanden hatte, was los war. Nur die Art, wie er mit ihm umgegangen war, hatte er gehasst. Einerseits hatte der Professor ihm geholfen, andererseits fertig gemacht, wann immer sie sich begegnet waren. Dieses widersprüchliche Verhalten verunsicherte Harry, aber gerade reichte ihm die Versicherung aus. Er vertraute darauf, dass Severus die Wahrheit sagte. Mit dem Slytherin im Rücken stellte er sich den Geistern entgegen.

 

Sirius beobachtete, wie Harry weiterhin zusammenzuckte, doch Severus behielt seine Hand auf der Stirn des Jugendlichen. Mit geschlossenen Augen saß der Tränkemeister auf dem Bettrand, rührte sich nicht vom Fleck, die Stirn in konzentrierte Falten gelegt. Während er über sein Patenkind und dessen Beschützer – so unwirklich es auch für Sirius klang – wachte, dachte er über das nach, was Snape ihm gesagt hatte. War er wirklich all die Jahre blind gewesen? Aber er kam nicht gegen die Wahrheit in seinen Worten an. „Verdammt!“, fluchte er. Wenn Dumbledore das alles zugelassen hatte, was waren dann seine Gründe? Was brachte es ihm, wenn Harry von seinen Verwandten misshandelt wurde? Glaubte er, Harry damit zu stärken? Wollte er Harry zu seiner Waffe machen? Vermutlich. Ganz nach dem Motto: Wer einmal den Todesfluch überlebt, schafft das auch ein zweites Mal. Oder steckte noch mehr dahinter? In der letzten Ordensversammlung hatte Dumbledore angedeutet, dass er wusste, hinter was Voldemort her war. Also wusste er mehr, als er verriet. Vielleicht sogar, wie man Voldemort töten konnte. Was aber hatte das mit Harry zu tun? Dumbledore bestand darauf, dass Harry wichtig war. Inwiefern? Warum ausgerechnet Harry? Wusste Snape mehr? Oder Harry selbst? Sirius schauderte. Er würde nicht mehr zulassen, dass Harry zum Kampf gezwungen wurde. Der Junge war ein Kind, das schon seit mehreren Jahren zum Erwachsen sein gezwungen wurde. Da musste er Snape tatsächlich Recht geben, so ungern er das auch zugab.

Welche Wahl hatte Harry noch? Im Moment musste er erst einmal wieder auf die Beine kommen. Nach draußen sollte er wohl besser nicht, das Ministerium würde Ernst machen. Dennoch brauchte er einen neuen Zauberstab. Snape wohl auch. Der war Sirius ebenfalls ein Rätsel. Immer wieder diese seltsamen Andeutungen. Scheinbar war er nicht auf der Seite der Todesser, aber auch nicht auf der von Dumbledore. Zudem war er hier ziemlich schwer verletzt angekommen, aber nach einer Nacht wirkte er, als wäre nie etwas gewesen. Nicht einmal die besten Heiltränke, die Sirius kannte, schafften das in dieser kurzen Zeit. Was also steckte hinter dem Tränkemeister? Hatte er bessere Tränke geschaffen? Aber wenn er sie bei sich hatte, warum hatte er sie dann nicht vorher genutzt? Das konnte es also nicht sein, es musste mit seinem Wesen zusammen hängen, was auch immer das war. Wobei, während der Schulzeit schien er ein ganz normaler Schüler zu sein. Schmierig, heruntergekommen, ärmlich, das waren die ersten Worte, die Sirius einfielen, wenn er an den jüngeren Snape dachte. Dennoch … er war im Unterricht ein verdammt genialer Schüler gewesen. Obwohl er sich kaum anzustrengen schien, schaffte er einen Ohnegleichen-Schnitt. Ein Einzelgänger, der mit schwarzer Magie experimentierte, so hatten sie ihn in der ersten Klasse gesehen. Aber, wenn er damals schon schwarze Magie schaffte, musste er magisch mehr als stark sein. Damals hatte Sirius das nicht erkannt, aber aus heutiger Sicht und mit seinem Wissen als ehemaliger Auror … Schwarze Magie erforderte deutlich mehr Konzentration und Fokussieren der eigenen Magie, als ein normaler Jugendlicher schaffte. Nicht umsonst wurde es an anderen Schulen nicht vor dem fünften Jahr unterrichtet, und da auch erst einmal theoretisch.

Das beantwortete ihm allerdings nicht die Frage, was in dem Slytherin steckte. Er musste ein magisches Wesen sein, denn nur diese hatten Gefährten. Und wenn Harry wirklich sein Gefährte war … Nun, zumindest hatte Harry offensichtlich keine Angst vor Snape. Was Sirius komisch genug fand. Der Junge hatte sich von ihm anfassen lassen, während Sirius im ersten Moment Panik ausgelöst hatte. Welches Wesen könnte er sein? Definitiv kein Werwolf, das hätte er schon längst gemerkt. Genau wie Remus. Die konnten auch kaum Geistmagie wirken, und Snape war schon immer ein starker Okklumentiker und Legilimentiker. Der Beste. Egal wie wenig Sirius ihn ausstehen konnte, das wusste er, auch wenn er es nicht laut sagte. Ein Vampir konnte er auch nicht sein, das würde Remus merken. Werwölfe und Vampire erkannten einander immer, egal welche magischen Rüstungen auf ihnen lagen. Veela schied auch aus, obwohl es einige wenige männliche Veelas geben sollte, aber wenn er nicht gebunden war, könnte er seinen Charme nicht kontrollieren. Blieben noch mehr als genug Wesen übrig. Sirius überlegte, welche Wesen er möglicherweise noch ausschließen konnte. Elfen waren feingliedriger, hatten helle Augen und spitze Ohren. Das kam also auch nicht hin, außer Snape trug eine magische Rüstung, die genau diese Wesensmerkmale unterdrückte. Ein Engel war er sicher auch nicht, dafür war er zu grob und direkt. Engel waren sanfte Wesen. Wobei er Harry immer beschützt hatte, auch wenn er ihn nicht ausstehen konnte, was zumindest eine Eigenschaft von Schutzengeln war. Sie mussten, wie es der Name schon sagte, allen Menschen helfen. Aber Snape hatte eigentlich immer nur Harry geholfen, also auch kein Schutzengel. Da war schon eher Harry einer, der Kleine hatte einen Helferkomplex und einen Beschützerinstinkt, der an Lily heranreichte. Sirius grinste und schüttelte den Kopf. Harry konnte kein Schutzengel sein, James war definitiv kein magisches Wesen, und auch Lily wohl nicht, immerhin war sie muggelgeboren. Woher sollten da die Gene kommen? Sirius musste beinahe hysterisch lachen, als er seine eigenen Gedanken realisierte. Wie bescheuert war das denn? Er musste langsam aber sicher durchdrehen hier in diesem Haus. Nie hätte er sich von Dumbledore überreden lassen sollen, hier zu bleiben. Er hatte es für Harry getan. Und für den Orden, weil er sonst nichts beisteuern konnte. Er wollte dort anknüpfen, wo er damals aufhören musste. Er wollte etwas gegen Voldemort tun. So wie damals mit James, Lily und Remus. An den Verräter Peter wollte er lieber nicht denken. Remus war irgendwo da draußen und tat sein Bestes, um Dumbledore zu helfen.

„Nein!“, wisperte Sirius, als er realisierte, dass Remus in Gefahr war, wenn das, was er sich über Dumbledore zusammen reimte, tatsächlich stimmte. Er musste Moony zu ihnen holen. Er würde nie zulassen, dass er in Gefahr war. Und dann sollten sie das Haus bewohnbar machen. Kreacher, sein dämlicher Hauself, war nicht zu gebrauchen. Der war komplett irre, kein Wunder, wenn er so lange alleine hier im Haus gelebt hatte. Vielleicht sollte er an die Tradition seiner Familie anknüpfen und ihn köpfen. Aber das würde weder Harry noch Remus gefallen, außerdem wäre das nicht sein eigener Stil, er machte nichts, was seine Mutter gut gefunden hätte. Also besser nicht. Vielleicht musste er auch gar nichts machen, denn wenn Kreacher mit Snape genauso umsprang, wie mit ihm, dann würde der ihn vermutlich innerhalb der nächsten Tage erwürgen. Dieser Gedanke brachte Sirius mit einem kurzen Grinsen wieder zu seiner ursprünglichen Überlegung zurück. Welches magische Wesen könnte in Snape stecken? Er spielte mit dem Gedanken, sich die Bücher aus der Bibliothek seiner Familie zu holen und nachzulesen, was in Frage kam, aber er wollte nicht von Harrys Seite weichen. Auch wenn er dem Tränkemeister komischerweise sogar ein Stück weit vertraute. Dadurch, dass er sich ein klein wenig geöffnet hatte, hatte er sich auch in die Hände von Sirius begeben. Das Wissen, das dieser nun besaß, war brisant. Sirius spielte einen Moment mit dem Gedanken, wie er das für sich nutzen konnte, schüttelte dann aber den Kopf. Er hatte gerade viel bedeutendere Probleme. Dumbledore wusste, wo er sich befand. Wie lange würde es dauern, bis er wusste, dass auch Harry und Snape hier waren? Und dann? Der alte Schutz der Familie war gut, aber würde er auf Dauer gegen Dumbledore halten?

Sirius sprang auf und rannte nach unten in den Salon. Er musste dringend mit Remus sprechen. Er und die Weasleys mussten gewarnt werden. Das waren die Menschen, die Harry so viel bedeuteten, er wäre erpressbar. Harry litt schon genug an dem, was passiert war. Der Tod von Diggory, die Auferstehung des dunklen Lords und das, was bei seinen Verwandten passiert war. Wobei, so genau wusste Sirius noch nicht einmal, was passiert war. Er glaubte, dass Snape nicht derjenige war, der sich an Harry vergangen hatte. Egal, wie wenig er den Anderen leiden konnte, aber das passte überhaupt nicht zu Snape. Er war fies, gemein, schmierig, aber grundehrlich. Auch das würde Sirius wohl nie laut sagen. Er kramte nach Pergament und Feder, bis ihm einfiel, dass er nicht einmal eine Eule zum versenden hatte. Also rief er kurzentschlossen seinen Patronus auf. „Sag Remus, er soll sich so schnell wie möglich bei mir melden, aber mit niemandem darüber reden. Geh nur zu ihm, wenn er alleine ist.“, beauftragte er den silbrigen, großen Hund. Er schickte ihn los, dann machte er sich daran, Remus in den Schutz des Hauses einzubinden. So konnte er über den Kamin kommen, oder einfach herein apparieren, oder durch die Tür gehen. Egal wie, er würde hereinkommen. Aber nur Remus, sonst niemand. Einen weiteren Patronus schickte er an Bill, damit er seine Familie vor den möglicherweise gefährlichen Machenschaften Dumbledores warnen konnte. Mit dem Ältesten der Weasleys hatte er erst einmal gesprochen, aber er war sicher, dass er auf Harrys Wohl achten würde.

Wenige Minuten später war er erneut in Harrys neuem Zimmer. Noch immer saß Snape auf der Bettkante, seine rechte Hand auf Harrys Stirn. Sein Kleiner wirkte deutlich entspannter, also zwang sich Sirius, alles so zu lassen, wie es war. Da er hier nichts tun konnte aber auch nicht stillsitzen wollte, ging er zunächst nach oben, um Seidenschnabel zu füttern, dann machte er sich in der Küche daran, etwas zu Essen zu kochen.

Als er die Tür zur Küche öffnete, flog der Vorhang hinter ihm auf. „Du Nichtsnutz von einem Sohn!“, keifte das Portrait seiner Mutter los. „Welchen Abschaum holst du noch in das ehrenwerte Haus der Blacks? Du solltest dich schämen! Du ...“

„Sei still, du alte Sabberhexe!“, schrie Sirius zurück. Kreacher tauchte hinter ihm auf und grinste hämisch, grüßte seine ehemalige Herrin jedoch unterwürfig.

„Ich werde nicht zulassen, dass du dieses Haus entehrst! Kreacher, wirf meinen nichtsnutzigen Sohn endlich raus aus dem Haus! Er ist kein Black mehr, er hat die Ehre der Blacks besudelt!“, tobte Walburga Black.

Sirius' Gesicht verdunkelte sich immer weiter. Zwar wusste er, dass es nicht in Kreachers Macht stand, ihn aus dem Haus zu werfen, aber der Hauself konnte ihm trotzdem schaden, vor allem, wenn seine Mutter ihm auf die Sprünge half. Das musste endlich ein Ende haben! So viel hatte er bereits versucht, um das Bild von der Wand zu bekommen, doch kein Zauber wollte es lösen. Kein Stillezauber wirkte länger als ein paar Sekunden, und den Vorhang bekam man nur mit Mühe vor das Bild, damit es wenigstens eine Weile Ruhe gab. Die Wut in Sirius nahm immer mehr zu, und mit einem Mal richtete er seinen Zauberstab auf das Bild. „Bombarda!“, rief er, ohne darüber nachzudenken, und ließ seine Gefühle in den Zauber einfließen.

Ein lauter Knall und eine Druckwelle rissen Sirius von den Füßen und er knallte rückwärts gegen die Wand. Es wurde schwarz um ihn und er sank zu Boden, während Trümmer auf ihn regneten.

Die Druckwelle erfasste Severus, der noch immer in Harrys Träumen war, und riss ihn von der Bettkante. Im Fallen verlor er den Kontakt zu Harry und stöhnte unwillkürlich auf, als er plötzlich in die Realität gerissen wurde. Dieser Wechsel verursachte ihm Kopfschmerzen. Er rappelte sich vom Boden auf, sich instinktiv nach Verletzungen absuchend. Glücklicherweise fand er nichts. Auch Harry hatte seine Augen offen, als Severus hoch kam. „Was war das?“, wollte er wissen.

„Ich habe keine Ahnung.“, gestand Severus ein wenig verwirrt. Auch wenn ihm einige Möglichkeiten durch den Kopf schossen, keine davon besonders angenehm. Er war mehr als besorgt. „Bleib bei mir, sehen wir nach. Keine Alleingänge, Potter! Das Ministerium will dich in die Hände bekommen und dir die Magie entziehen. Sollten wir angegriffen werden, halte dich an mir fest, ich appariere uns raus.“ Auch wenn er keinen Zauberstab hatte, würde er es schaffen.

Schnell krabbelte Harry aus dem Bett. Er fühlte sich deutlich besser als noch vor wenigen Stunden, hatte aber gerade Angst um seinen Paten. Auch wenn er es nicht gleich realisiert hatte, er wusste, wo er war, und hatte alles um sich herum mitbekommen, wenn auch nicht sehr deutlich. Hinter Professor Snape schlich er aus seinem Zimmer. Das Haus seines Paten wirkte dunkel, düster und unheimlich. Harry schauderte, und drückte sich unwillkürlich näher an den Tränkemeister, während sie über die Treppe nach unten schlichen. Severus war sich nur zu deutlich bewusst, dass er keinen Zauberstab hatte. Er beherrschte stablose Magie, aber in einem echten Kampf würde es nicht reichen. Dann würde er Harry aus dem Haus apparieren, ohne Rücksicht auf Black. Auch wenn er es nicht einmal dem Animagus wünschte, zurück nach Askaban zu kommen. Dennoch war seine erste Priorität Harry. Jetzt mehr denn je. Obwohl, schon immer war es ihm wichtig gewesen, sein Versprechen zu halten und Harry zu beschützen, doch in den letzten Monaten war ihm klar geworden, dass da mehr war. Nach und nach hatte sich die Wahrheit in seine Gedanken geschlichen. Harry wurde langsam erwachsen, seine Magie setzte sich. Und damit hatte das Wesen in Severus seinen Gefährten erkannt. Trotzdem hatte er nicht vor, sich ihm zu offenbaren. Es war ein Fehler gewesen, es Black zu sagen. Aber die einzige Möglichkeit, damit dieser ihm wenigstens ein Stück weit vertraute.

Je weiter sie kamen, ohne jemandem zu begegnen, umso nervöser wurde Severus. Plötzlich schrak er zusammen, als er von oben einen kreischenden Schrei hörte, erkannte dann aber, dass es wohl der Hippogreif war, den Black hier gehalten hatte. Der machte sich gerade durch ein Fenster, das zersprungen war, aus dem Staub. Severus atmete durch und blickte wieder nach unten, in die Richtung, in die sie schlichen. Der Grad der Verwüstung wurde größer, als sie nach unten kamen, doch mit einem Mal erkannte er, dass es nicht die Außenwände waren. Der Kern der Zerstörung war am unteren Ende der Treppe, dort, wo …

„Sirius!“, rief Harry angstvoll aus. Severus folgte seinem Blick und erkannte, dass Black unter einigen Trümmern vergraben lag. Was hatte dieser Idiot getan? Der Tränkemeister konnte den Jugendlichen nicht aufhalten, als er an ihm vorüber stürmte und zu seinem Paten rannte. Hastig räumte er die Trümmer beiseite und atmete auf, als Sirius stöhnend die Augen öffnete. „Was ist passiert, Sirius?“, wollte Harry besorgt wissen.

„Ich habe meine Mutter rausgeschmissen!“, krächzte Sirius und grinste breit.

„Der Hut hatte Recht, du bist ein echter Gryffindor.“, blaffte Severus wütend, aber dennoch erleichtert. „Hast du auch nur einen Moment darüber nachgedacht, dass das Haus über uns einstürzen könnte? Oder dass du die Auroren damit auf uns aufmerksam machst?“

„Sie … sie hat mich provoziert.“, antwortete Sirius lahm. Er sah sich um. „Ich glaube, wir müssen ein wenig … umbauen.“

„Offensichtlich.“ Severus folgte den Blicken des Animagus mit erhobener Augenbraue. Alles war mit Staub überzogen, der untere Teil der Treppe war ein Trümmerfeld. Die Mauer, an der das Bild vorher hing, war pulverisiert. Wenigstens die Küchentür war zu, somit war sichergestellt, dass die Lebensmittel nicht in Mitleidenschaft gezogen worden waren. „Aber vorher sehen wir, ob wir Aufmerksamkeit von draußen bekommen haben. Ich hoffe, dieses Haus hat auch einige Fenster?“

„Natürlich.“ Sirius war eingeschnappt. Er stand auf und ging voraus in den Salon. Von dort aus konnten sie die gesamte Vorderseite überblicken. Doch niemand schien etwas mitbekommen zu haben. Jedenfalls wirkten die Menschen nicht verblüfft, und blickten auch nicht zum Haus. Es schien, als wäre alles so, wie es sein sollte. Das erleichterte Severus ein wenig. Jedoch wurde ihm bewusst, dass er dringend einen neuen Zauberstab brauchte. Genau wie Harry. Einen nicht registrierten, ansonsten könnten sie keine Magie wirken, ohne vom Ministerium entdeckt zu werden.

Sie gingen zurück nach unten, mussten allerdings erst einmal die Trümmer des unteren Teils der Treppe wegräumen, um in die Küche zu kommen. Sirius nutzte seinen Zauberstab, Severus stablose Magie, und Harry seine Hände. Plötzlich atmete Harry zischend ein, seine Augen weiteten sich. „Nein!“, hauchte er, als er eine kleine, leblose Hand entdeckte. Severus war sofort an seiner Seite und sie hoben einen größeren Steinbrocken beiseite. Der Tränkemeister kniete neben dem Hauselfen nieder, fühlte an seinem Hals. „Er ist tot.“, bestätigte er leise den Verdacht.

„Verdammt.“, brummte Sirius. „Ich mochte ihn nicht, aber das hätte ich ihm nicht gewünscht.“ Betreten sah er zu seinem Hauselfen hinunter. „Vielleicht sollten wir ihn im Garten begraben. Ich werde auf keinen Fall seinen Kopf auf das Geländer stecken, nachdem ich die anderen Köpfe bereits entsorgt habe.“

Harry schüttelte sich, das wollte er ganz sicher auch nicht. Wie so oft in den letzten Minuten spürte er den Blick von Professor Snape auf sich, doch er sah nicht auf. Daher konnte er auch nicht sehen, wie besorgt der Slytherin wirkte. Harry schien ihm zu normal zu sein, für das, was mit ihm passiert war. Auch wenn sie einen Teil seiner Dämonen bereits besiegt hatten, sie waren noch nicht am Ende. Harry ließ es sich nicht nehmen, Kreacher auf seine Arme zu heben und in den Garten zu tragen. Er musste dabei an Hermine denken. Was würde sie sagen? Sicher hätte sie Sirius und auch ihn, Harry, ermahnt, Kreacher gut zu behandeln, ihm freie Tage, Kleidung und Lohn zu geben. Ein leises Lächeln legte sich auf Harrys Gesicht, als er an seine beste Freundin dachte. Auch wenn sie vielleicht ein wenig übertrieben hatte, aber im Prinzip gab Harry ihr Recht. Würden die Zauberer andere Wesen als ebenbürtig behandeln, würden diese vielleicht nicht zu Voldemort gehen und sich ihm anschließen. Die Werwölfe, das hatte Sirius ihm geschrieben, standen beinahe geschlossen hinter Voldemort, weil er ihnen bessere Rechte und  die Freiheit versprach. Von der weißen Seite wurden sie unterdrückt, ausgeschlossen, da war es doch kein Wunder, dass sie sich der anderen Seite zuwandten. Sirius schuf mit einem Zauber ein Loch im Boden, in das Harry vorsichtig den kleinen Körper bettete. Sie bedeckten ihn mit Erde, nachdem sie einige Minuten schweigend verharrten.

„Mach's gut, Kreacher.“, verabschiedete sich Harry rau, als sie die Erde über ihn schweben ließen.

„Grüß Regulus von mir.“, wisperte Sirius so leise, dass sich die beiden anderen nicht sicher waren, ob er es wirklich gesagt hatte. Harry sah ihn mit schief gelegtem Kopf fragend an, sagte aber nichts, als er das Gesicht seines Paten sah, in dem so viel Schmerz geschrieben stand, dass er seinen Mund wortlos wieder schloss und die Arme um Sirius' Oberkörper legte. Dankbar drückte Sirius ihn an sich. „Geht's dir ein bisschen besser, mein Kleiner?“, fragte Sirius schließlich.

Harry nickte nur. Mit einem kleinen Lächeln strich Sirius ihm über den Kopf. „Na dann komm, gehen wir nach drinnen, wir haben Arbeit vor uns. Du sollst dein eigenes Zimmer bekommen, darin kannst du dich austoben. Vielleicht legen wir das Zimmer, in dem du geschlafen hast, mit dem daneben zusammen, dann hast du wirklich Platz. Und du hast dein eigenes Bad, wie klingt das?“ Mit seinem Patensohn noch immer im Arm ging er nach drinnen. Severus folgte wortlos. Mit einigen Zaubern erneuerte Sirius das untere Drittel der Treppe, das er mit seinem Zauber gesprengt hatte. Die Trümmer, die sie vorher beiseite geräumt hatten, fügten sich zusammen und wurden neu verbunden. Es dauerte nicht lange, bis die Treppe in neuem Glanz erstrahlte. Severus fügte einen Zauber hinzu, der sie bohnerte, wodurch das Holz gleich viel heller wurde. Harry lieh sich den Zauberstab seines Paten und zauberte eine hellgelbe Wandfläche rundherum.

„Das nenne ich mal eine Veränderung!“ Anerkennend nickte Sirius dem Jugendlichen zu. „Wir sollten dir unbedingt einen Zauberstab besorgen. Nur leider kann ich nicht nach draußen.“

„Harry auch nicht.“, gab Severus zu bedenken. Harry sah ihn verwirrt an. „Als du geschlafen hast, kam eine Eule vom Ministerium.“ Der Tränkemeister deutete Sirius an, Harry den Brief zu geben. Erschrocken las der Jugendliche das Schreiben und blickte mit weiten Augen auf. „Was … was bedeutet das jetzt?“

„Du wirst hier bleiben, in Deckung.“, entschied Severus hart. Sirius nickte, auch wenn erkennbar war, dass er nicht gerne einer Meinung mit Severus war. „So wie es aussieht, sitzen wir hier fest, zumindest im Moment. Also werden wir mit dir lernen, was du wissen musst.“

„Aber du wirst ihn nicht mehr so abfällig behandeln!“, forderte Sirius hart. „Hier musst du niemandem was vorspielen.“

„Das weiß ich auch.“, schnappte Severus. Im ersten Moment schien es, als wolle er noch etwas sagen, doch dann klappte er seinen Mund wieder zu, presste die Lippen zusammen und rieb mit Daumen und Zeigefinger über seine Nasenwurzel. Wie um alles in der Welt sollte das hier gut gehen, fragte er sich. Wie lange würden Black und er selbst es schaffen, einander nicht umzubringen? Black war ohnehin im Vorteil, er hatte einen Zauberstab, im Gegensatz zu Severus. Das war etwas, das sie dringend ändern mussten. Fragte sich nur, wann, wie und wo sie einen bekämen.

Harrys gequältes Wimmern riss ihn aus seinen Gedanken. Der Jugendliche presste die Hand gegen seine Stirn, sank eben in sich zusammen. „Was ..?“, fragte Sirius, doch Severus gab ihm keine Antwort, er hatte ja selbst keine. Vage erinnerte er sich an den Moment im Ligusterweg, als Harry genauso reagiert hatte. Obwohl es noch nicht lange her war, vielleicht zwei Tage, kam es Severus wie eine Ewigkeit vor. Erneut legte er Harry die Hand auf die Stirn und erlebte so die Vision mit.

„Was hast du herausgefunden, mein treuer Diener?“,wollte Voldemort beinahe zärtlich wissen.

Eine schwarz gekleidete Gestalt verbeugte sich noch tiefer vor ihm. „Mein Lord, Dumbledore sucht nach Potter. Er ist überzeugt, dass Potter euch vernichten kann und will seine Waffe zurück.“, berichtete der Mann. Jedenfalls war es eine männliche Stimme. „Das Ministerium sucht nach Potter, er hat wohl in seinem Zuhause gezaubert und sein Zauberstab wurde bereits zerbrochen. Ihm soll nun die Magie entzogen werden. Doch er ist wie vom Erdboden verschluckt. Dumbledore sucht ihn ebenfalls, er will ihm helfen, das Ministerium loszuwerden. Natürlich nur, damit Potter weiter an ihn glaubt und für ihn kämpft. Kämpfen kann, dafür braucht er schließlich seine Magie. Dem Alten ist jedes Mittel Recht, um euch zu vernichten, mein Lord.“

„Also hat Dumbledore keine Ahnung, wo Potter steckt?“, hoffte Voldemort.

„Überhaupt nicht. Allerdings hat er einen Verdacht, denn er kommt nicht mehr in das Hauptquartier seines Ordens.“, machte der schwarz Gekleidete weiter. „Ich kann den Namen nicht aussprechen, da es unter magischem Schutz steht, aber wir kommen nicht mehr hinein. Black hat ihm wahrscheinlich ein Quartier angeboten.“

„Black? Ich dachte, der wäre weit weg?“

„War er auch, aber er kam zurück, wegen Potter.“, beeilte sich der Todesser, weiter zu sprechen. „Er wollte etwas tun, aber da er gesucht wird, kann er das nicht aktiv. Also hat er sein Haus angeboten. Wir haben uns einmal darin getroffen seither, aber vorhin wollte Dumbledore hinein und eine Ordensversammlung einberufen, es ging nicht. Welchen Schutz Black nun hat, wissen wir nicht, aber keiner von uns kam hinein. Also hat er seine Versammlung erst einmal im Haus der Weasleys abgehalten, die treu hinter ihm stehen. Oder wohl eher treudoof, sie haben keine Ahnung, was los ist!“ Jetzt lachte der Mann leise und selbst Voldemort wirkte triumphierend, eine Art Glücksgefühl durchströmte die Verbindung zu Harry und der Jugendliche schauderte.

Severus wusste, er sollte die Verbindung unterbrechen, aber es schien ihm wichtig, das zu hören, was noch kam. Außerdem wollte er diesen Spion entlarven.

„Was ist mit Snape?“, erkundigte sich der Lord nun.

„Dumbledore weiß es nicht. Auch er hat keinen Kontakt zu ihm. Allerdings weiß er, dass Snape bei Potter war. Woher er das weiß, kann ich nicht genau sagen, aber es gibt Hinweise darauf, dass er Kontakt zu Potters Verwandten hat. Vielleicht hat Potter Snape mit nach Hause genommen?“, wagte der Todesser eine Vermutung.

Er ahnte nicht, wie nahe er der Wahrheit kam. Severus schirmte die Verbindung so gut es ging ab, sodass der Lord keinen Zugriff auf ihre Gedanken bekam. Er spürte das Zittern des Jüngeren neben sich, gleichzeitig aber auch die Gewissheit, dass Harry ebenfalls wissen wollte, woran sie waren.

„Snape hasst Potter.“, wischte der Lord die Vermutung beiseite. „Wahrscheinlich weiß er, dass er sich verraten hat und ist in Deckung gegangen. Ich habe einige meiner ausländischen Anhänger darauf angesetzt. Wenn er irgendwo in Europa auftaucht, werden wir es erfahren. Mein Arm reicht weiter, als Snape es sich vorstellen kann. Nun gut, was kannst du noch von der Ordensversammlung berichten?“

„Dumbledore ist dabei, ein neues Hauptquartier zu finden. Bei den Weasleys ist es zu eng, außerdem haben sie zu viele Kinder, die nicht alt genug für den Orden sind.“, fuhr der Todesser mit seinem Bericht fort. „Und sie stehen Potter zu nahe, ich denke, er hat Angst, dass sie sich gegen ihn stellen, wenn er Potter zwingt, gegen euch zu kämpfen.“

Severus spürte Harrys Erleichterung deutlich. Die Weasleys waren auf seiner Seite! Was er hingegen vom Schulleiter erfuhr, verängstigte Harry eher. Bisher hatte er immer geglaubt, Dumbledore wäre die richtige Seite, aber das schien nicht zu stimmen. Er konzentrierte sich wieder auf die Vision.

„Diese Blutsverräter sind schwach.“, kam es verächtlich von Voldemort. „Sie können ruhig auf der Seite des Alten bleiben, sie sind uns nicht gefährlich. Was hast du noch?“

„Er plant, Schüler zu rekrutieren, Sechst- und Siebtklässler, für den Kampf. Es ist ihm egal, dass sie keine Erfahrung haben. Er plant, den Minister zu überzeugen, dass ihr zurück seid, mein Lord. Außerdem will er, dass wir nach Zauberern und Hexen suchen, die sich ihm anschließen. Das Verschwinden Snapes und Potters scheint ihn ein wenig aus der Fassung gebracht zu haben, aber er wird sicher nicht lange brauchen, um sie zu ersetzen.“

„Wir werden ihm keine Zeit lassen, aber noch greifen wir nicht an.“, entschied der Lord. „Die Menschen wollen nicht glauben, dass ich zurück bin, also bleiben wir ruhig und sammeln Informationen. Ich werde einen Schlag gegen Dumbledore planen, den er nicht vergessen wird. Bring mir alles, was du herausfindest. Ich will wissen, wer im Orden ist und was Dumbledore plant. Und ich will alles über Potter wissen, wer sind seine Freunde, was sind seine Stärken und Schwächen. Jedes Detail. Wir lassen sie in Ruhe, aber wir müssen wissen, wer die Freunde sind, für die er alles tun würde.“

„Natürlich, mein Lord. Ich habe euch eine Liste gemacht, wer im Orden ist.“ Der bislang unbekannte Mann reichte dem Lord ein großes Stück Pergament, auf dem fein säuberlich Namen gelistet waren. Noch immer hob er den Kopf nicht, daher konnten sie nicht erkennen, wer es war. „Potters beste Freunde sind Ronald Weasley und dieses Schlammblut, Hermine Granger. Für sie würde er sicherlich alles tun.“

„Gut, sehr gut, mein treuer Diener.“ Voldemort wirkte mehr als erfreut. „Beobachte die Freunde Potters, aber lass sie nichts davon merken. Sie sollen sich sicher fühlen. Jetzt geh, damit Dumbledore keinen Verdacht schöpft.“

„Natürlich, mein Lord.“, verbeugte sich der schwarz Gekleidete. „Ich werde weiter berichten, sobald ich etwas erfahre.“

In gebeugtem Zustand ging der Spion rückwärts in Richtung Tür. Noch immer sah er nicht auf, hatte die Kapuze auf dem Kopf. Als würde er sich verbergen wollen vor den anderen Todessern, die möglicherweise anwesend waren. Doch als er die Türe öffnete, warf er einen letzten Blick zu Voldemort.

In dem Moment sahen Harry und Severus sein Gesicht. Harry erkannte es nicht. Mühsam schloss Severus die Verbindung und hielt Harry, der sich erneut übergab. Beruhigend sprach Sirius auf Harry ein, während Severus ihn festhielt.

Erschöpft lehnte sich Harry schließlich zurück, scheinbar ohne zu merken, auf wen er sich gerade stützte. „Warum?“, hauchte Harry.

Sirius sah ihn verwirrt an, doch Severus wusste genau, was der Jugendliche meinte. „Ich weiß es nicht.“, antwortete er leise. Er unterdrückte ein Seufzen und berichtete Sirius, was sie gesehen hatten.

„Dieser miese, elende Verräter!“, schimpfte Sirius.

„Wen genau meinst du nun damit, Black?“, fragte Severus trocken. Inzwischen hatte sich Harry von ihm gelöst. Auch er sah ein wenig verwirrt aus.

„Beide.“, kam es prompt von Sirius zurück. „Zuerst mal der Alte. Ich habe ihm vertraut, verdammt nochmal! Ich dachte, er will wirklich diesen ganzen Krieg beenden!“

„Will er auch.“, unterbrach ihn Severus. „Aber zu seinen Bedingungen. Und am Ende will er wie ein Gott verehrt werden.“

„Und dafür will er meinen Kleinen hier verwenden!“, knurrte der Animagus. „Das werde ich nicht zulassen.“

„Nein, das werden wir verhindern.“, nickte Severus ruhiger, als er sich fühlte. Er hatte zwar bereits einen Verdacht gehabt, aber es hier so offen zu hören, hatte auch ihn schockiert. Wie gut, dass er eigentlich auf keiner Seite war. Jetzt allerdings war er wohl auf beiden Seiten aufgeflogen. Das machte es schwieriger. Vor allem, weil er nun hier mit Harry und Black fest saß. Zumindest erst einmal. Sie konnten nicht einfach verschwinden, wohin auch. In seine eigentliche Heimat konnte er sie nicht mitnehmen, dafür musste man sich verwandeln, und das konnten die beiden Gryffindors nicht. Auch wenn ihm Black egal war, Harry war ihm wichtig. Und Harry war es wichtig, dass es Black gut ging. Also würde auch er nach Black sehen.

„Okay, und was machen wir nun?“, überlegte dieser gerade laut.

„Zuerst einmal kümmern wir uns um das Haus hier, immerhin sitzen wir hier fest und sollten es uns gemütlicher machen.“, zuckte Severus die Schultern. „Wir brauchen einen Zauberstab für Harry, und einen für mich. Allerdings bin ich gerade überfragt, wo wir das erledigen können, wenn der Lord seinen Einfluss so weit ausgedehnt hat.“

„Vielleicht kann Remus helfen.“, bot Sirius an. „Ich habe ihm eine Nachricht geschickt, will ihn hier in Sicherheit wissen. Er wird kommen, wenn er unbeobachtet ist.“

„Das wäre eine Möglichkeit.“, nickte Severus nach einigen Minuten, in denen er schweigend nachgedacht hatte. „Wenn er in die Nokturngasse geht, braucht er nur je einen Tropfen Blut von Harry und mir, dann bekommt er einen perfekten Stab. Außerdem haben wir den Vorteil, dass diese Stäbe nicht registriert werden. Und du bist sicher, Lupin trauen zu können?“

„Absolut.“ Sirius klang überzeugt.

„Ich vertraue ihm auch.“, fügte Harry leise an. „Er wird uns nicht schaden. Ich denke eher, er hat bereits Verdacht geschöpft, zumindest hat er mich gewarnt, vorsichtig zu sein und niemandem zu vertrauen.“

„Dann ist er klüger, als ich dachte.“, brummte Severus. „Machen wir uns an die Arbeit, dieses Haus hier ist kein Haus, sondern eine Katastrophe.“

„Da muss ich dir ausnahmsweise sogar Recht geben, Schniefelus.“, schnappte Sirius. „Ich wette, hier sind mehr schwarz-magische Objekte als Lebensmittel. Da müssen wir uns dringend auch etwas überlegen, wo wir Essen herbekommen. Ich schicke Remus noch eine Nachricht, er soll gleich noch einkaufen gehen, bevor er herkommt.“

„Lass es.“, schüttelte Severus den Kopf. „Ich denke, einige Illusionszauber, und dann in eines der Nachbarhäuser, so gehen wir als Muggel durch. Wir kaufen ein, abwechselnd. Nie gemeinsam und immer dann, wenn die meisten Leute unterwegs sind. Natürlich nur bei den Muggeln, dort suchen die Todesser nicht. Noch nicht. Ich schlage vor, Harry, du beobachtest die Nachbarschaft und findest heraus, wann die meisten Menschen aus den Häusern kommen. Wir“, er sah Sirius verächtlich an, „kümmern uns um diese Bruchbude.“

Harry nickte und schob sich im Salon einen Sessel ans Fenster, denn der Fenstersims war einfach zu schmal, um darauf sitzen zu können. Hinter sich hörte er, wie die beiden Erwachsenen debattierten, wie sie am besten weitermachten. Der Professor war scheinbar dafür, dass sie zunächst die schwarz-magischen Objekte suchten und entsorgten, danach erst umgestalteten, Sirius hingegen war der Meinung, man könne Stück für Stück umgestalten, und wenn man etwas Schwarz-magisches fand, konnte man es auch gleich mit entsorgen. Wie auch immer sie entschieden, Harry bekam es nicht mit, denn draußen konnte er beobachten, dass viele Leute in die Häuser kamen. Er sah auf die Uhr, die an einem Kirchturm nicht weit entfernt hing. Es war gegen kurz nach fünf Uhr nachmittags. Jetzt erst überlegte er, welcher Tag es eigentlich war. Nach einiger Zeit des Nachdenkens entschied er, es müsste ein Dienstag sein. Ganz sicher war er allerdings nicht, daher nahm er sich vor, später nachzuhaken.

Hinter ihm hatten sich Sirius und Severus noch immer nicht geeinigt. Sirius hatte begonnen, die Möbel und die Wände zu verändern, sodass es ihm gefiel. Als stolzer Gryffindor herrschten Rot- und Goldtöne vor, sodass Severus mehrmals schauderte, als er es sah. „Die Hölle in rot und gold.“, murrte er leise. Er selbst war dabei, nach schwarz-magischen Objekten zu suchen, hatte in einigen Schränken bereits mehrere gefunden, die Harry besser nicht in die Hand bekam. Plötzlich wich er zurück, als er eine Kette in die Hand bekam. Die Aura verriet ihm, das hier war mehr als gefährlich. Als hätte er sich verbrannt, ließ er es fallen.

„Du schwächelst.“, stichelte Sirius kichernd. „Hätte nicht gedacht, dass dir eine Kette schon zu schwer ist, Schniefelus.“

Severus ließ es unkommentiert, untersuchte das Medaillon mit stabloser Magie. Angespannt versuchte er, herauszufinden, was genau er da gefunden hatte. Irgendetwas stimmte hiermit nicht, das war nicht, was es zu sein schien. Er war froh, dass Harry nun das Wort an seinen Paten richtete und ihn damit ablenkte. Das Medaillon wirkte ziemlich alt, sah aber beinahe wie neu aus. Dennoch scheute Severus davor zurück, es zu berühren, es strahlte eine unheimliche Kälte aus. Mit einem Mal atmete er zischend ein, was ihm die Aufmerksamkeit der beiden Gryffindors sicherte.

„Was ist los?“, wollten sie wissen.

„Ich glaube, das hier schließt etwas Lebendes ein.“, beschrieb Severus seinen Fund.

„Jemand ist darin eingesperrt?“, keuchte Harry entsetzt auf.

„Ja. Nein.“, antwortete Severus. Er war selbst nicht ganz sicher, was er denken sollte. Etwas in diesem Medaillon pulsierte, es strahlte Leben aus. Allerdings nicht in dem Sinn, dass jemand darin eingeschlossen war. Er atmete einmal tief durch, dann blickte er auf. „Ich glaube, etwas hierin lebt. Kein Mensch, aber … ich kann es nicht beschreiben, es pulsiert, es versucht, mich zu beeinflussen.“

„Was ist es?“, wisperte Sirius. Man konnte ihm ansehen, dass es ihm Angst machte. Zu was waren seine Eltern fähig gewesen?

Beinahe bekam Severus Mitleid, der Grauäugige hatte sicher Einiges in seiner Jugend mitgemacht, als er nach Gryffindor kam. Aber es dauerte nur einen Moment, dann schüttelte Severus dieses Gefühl ab. Black hatte ihm wenigstens das Gleiche zugefügt, er verdiente kein Mitleid. Er räusperte sich. „Genau kann ich es nicht sagen, aber wir sollten es sicher aufbewahren. Ich denke nicht, dass es einfach vernichtet werden kann. Aber es sollte nicht berührt werden, ich gehe davon aus, dass es jemanden beeinflussen kann, wenn man sich damit beschäftigt, wenn man es berührt.“

„Okay.“ Sirius' Stimme klang fest. Er reichte Severus eine hölzerne Schachtel. „Leg es hier rein, dann können wir es in den Schrank stellen. Vielleicht finden wir in den Büchern meiner Familie einen Hinweis, was das hier ist und wie wir es vernichten können.“

Ruckartig nickte Severus. „Machen wir weiter, wir haben noch eine Menge Arbeit.“

Einige Tage später waren sie soweit, dass sie alle schwarzmagischen Objekte in einen kleinen Abstellraum im Keller verbannt hatten. Die Fenster waren vergrößert und geputzt, die Fensterbretter breiter und gepolstert, da sie gemerkt hatten, wie gerne Harry dort saß. Die Möbel waren luftiger, heller und nicht mehr so dominant, insgesamt wirkte das Haus heller, freundlicher und wärmer. Sirius und Severus gifteten sich immer noch bei jeder sich bietenden Gelegenheit an, doch sie arbeiteten zusammen, um das Haus wohnlich zu gestalten. Außerdem versuchten sie in den Büchern einen Hinweis zu finden, was das Medaillon war. Sie beschäftigten sich auch viel mit Harry, gaben ihm die Möglichkeit, über seine Vergangenheit zu sprechen. Keiner drängte ihn, aber Harry spürte, sie waren für ihn da. Zwar verwirrte Snape ihn, doch Harry vertraute ihm und es fiel ihm nicht schwer, über Dinge zu sprechen, die ihn belasteten. Vielleicht, weil Snape bereits einen kleinen Einblick bekommen hatte. Der Tränkemeister war da, gab ihm einen gewissen Halt, drängte ihn jedoch nicht. Mit ihm konnte er auch einfach mal schweigen, wenn ihm nicht nach Reden war. Das war bei Sirius nicht möglich. Harry liebte seinen Paten, war dankbar für die Nähe, aber oft war Sirius ihm zu launisch, zu kindisch, zu laut. Manchmal schien er auch James in ihm zu sehen. Harry wusste, Askaban und die anschließende Flucht hatten Sirius nicht gut getan, aber diese Situationen belasteten Harry sehr, daher konnte er sich seinem Paten nicht so anvertrauen, wie dieser es vielleicht verdiente.

„Wir können essen.“, holte Severus die beiden Gryffindors nun in die Küche. Sie wechselten sich mit dem Kochen ab, jeder war mal an der Reihe. Unter der Woche konnten sie am Morgen ziemlich gut in der Menge verschwinden, wenn die Muggel, die rundum wohnten, in die Arbeit oder die Schule gingen. Das nutzten sie nun alle paar Tage, um unter einem leichten Illusionszauber einkaufen zu gehen, entweder Severus oder Sirius, Harry blieb im Haus. Dazwischen sprachen oder lernten sie mit Harry. Der Jugendliche wirkte entspannter, auch wenn ihn nachts immer noch Alpträume verfolgten. Aber seit zwei Tagen lernte Severus mit ihm Okklumentik, das würde ihm auf Dauer sicher helfen, nicht nur gegen die Visionen – von denen er immer noch nicht wusste, warum Harry sie hatte – sondern auch gegen die Alpträume. Wobei diese deutlich besser wurden, je mehr er redete.

Gerade, als sie nach unten gehen wollten, färbte sich das Feuer im Kamin grün. Mit erhobenem Zauberstab wandte sich Sirius um. Er und Severus stellten sich vor Harry, der keine Möglichkeit hatte, sich zu verteidigen. Sie ließen ihn nur selten alleine, da er im Ernstfall nicht apparieren konnte. Ein Schemen tauchte im Feuer auf und es dauerte nicht lange, da konnten sie die Gestalt von Remus ausmachen. Doch sie ließen die Abwehrhaltung noch nicht fallen.

Remus Lupin hob die Arme, als wollte er zeigen, dass er unbewaffnet war. „Ich bin Remus Lupin, Werwolf. Sirius, du bist mein bester Freund, gemeinsam mit Peter und James warst du mein Rudel, verwandelst dich in einen großen, schwarzen Hund namens Tatze an Vollmond. Severus, du hast panische Angst vor Werwölfen, seit du meiner anderen Gestalt begegnet bist, was mir wirklich leid tut.“

„Moony!“, grinste Sirius nun und fiel seinem besten Freund um den Hals.

„Lupin.“, nickte Severus kühl. „Die Entschuldigungen kannst du dir sparen, es war nie deine Schuld.“ Sein durchdringender, eiskalter Blick traf Sirius, der so tat, als wüsste er nicht, wovon gerade die Rede war.

„Hallo, Professor Lupin!“, lächelte Harry scheu. Doch er blieb neben Sirius stehen.

„Remus.“, schüttelte der Dunkelblonde den Kopf. „Harry, ich bin nicht dein Professor. Nicht mehr. Nenn' mich Remus, immerhin bist du der Sohn meiner besten Freunde.“

„Hallo, Remus!“ Harry ließ zu, dass Remus ihm durch die Haare strich und ihn kurz an sich zog. Auch wenn er dabei leise zitterte.

Sie nahmen ihn mit zum Essen, erzählten, was sie erfahren hatten, was passiert war und warum sie nun hier fest saßen. Remus versprach sofort, die Zauberstäbe zu besorgen, und auch alles, was sie sonst brauchten. Harry seufzte erleichtert auf, er würde sich deutlich wohler fühlen, wenn er einen neuen Zauberstab hatte. Selbst dem Tränkemeister konnte man die Erleichterung ansehen, wenn es auch nicht so deutlich war. Aber seine Schultern entspannten sich ein wenig, auch die steile Falte über seiner Nase glättete sich etwas. Ja, Harry lernte langsam, die kleinen Zeichen seines Professors zu lesen. Sie entschieden, dass Remus am Morgen in die Nokturngasse apparieren würde.

„Ich war bei den Werwölfen.“, verriet Remus auf die Frage, wo er die letzten Wochen war. „Eigentlich auf Anweisung Dumbledores, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich damit nicht weit komme. Greyback ist der Alpha, er hat einen regelrechten Hass auf Dumbledore und das Ministerium. Kein Wunder, immerhin werden er und sein Rudel geächtet und teilweise sogar gejagt. Kein Wunder, dass sie sich Du-weißt-schon-wem anschließen, der verspricht immerhin Besserung. Nun, ich glaube nicht daran, aber mich wundert nicht, dass es die Wölfe tun.“ Severus horchte auf, das klang, als sollte er sich mit Greyback treffen, wenn sich eine Gelegenheit ergab. Er nahm sich vor, noch am Abend eine Nachricht zu schicken, vielleicht konnten sie die Werwölfe auf ihre Seite holen. Doch er sagte nichts, ließ Lupin weitersprechen. „Auch die Geschichten, die über Greyback kursieren, sind nicht richtig. Ja, er greift an, er beißt zu. Aber eigentlich wundert es mich nicht. Es geht immer gegen Menschen, die sich an ihm, seinem Rudel oder seinem Gefährten vergriffen haben.“ Sirius und Severus atmeten hörbar ein. „Ja, er hat seinen Gefährten schon vor vielen Jahren gefunden. Mein Dad hatte ihn damals angegriffen, deshalb ist Greyback bei uns auf die Lauer gegangen. Er hat sich entschuldigt bei mir; dass er mich damals verwandelt hat, das war keine Absicht gewesen. Er wollte meinen Vater treffen, konnte es aber zu der Zeit noch nicht steuern. Ich weiß nicht, ob ich es je vergessen kann, aber ich habe ihm verziehen. Dad hat seinen Gefährten schlimm erwischt, er leidet bis heute darunter. Sein rechter Arm ist abgetrennt, er reicht nur bis knapp unter die Schulter. Er kann als Wolf kaum laufen, und hat noch immer ständig Schmerzen, aber kein Heiler will ihn behandeln. Einzig ein Heiler aus den Reihen der Todesser gibt ihm etwas gegen die Schmerzen.“

„Wer ist sein Gefährte?“, wollte Sirius, neugierig wie immer, wissen.

„Ein Werwolf namens Andy. Er ist nicht-magisch, sieht man davon ab, dass er sich auch außerhalb des Vollmondes verwandeln kann. Macht er allerdings eher selten, da ihm dann die rechte Vorderpfote fehlt.“, antwortete Remus.

„Dann ist es sicher Heiler Zabini.“, mischte sich Severus ein. „Er ist der einzige Heiler in den Reihen der Todesser, wenn auch wohl nicht freiwillig.“ Er sah die wissbegierigen Blicke der drei Gryffindors und unterdrückte ein Seufzen. Sie waren aufeinander angewiesen, wahrscheinlich sollte er es ihnen sagen. „Der Lord hat seine Tochter in der Gewalt, Devon Zabini hat keine Wahl. Blaise, sein Sohn, wird sich wohl auch bald zeichnen lassen müssen.“

„Ich kenne Blaise.“, warf Harry ein. „Er ist eigentlich ein ruhiger Junge, sagt nicht viel. Er hat sich immer raus gehalten, wenn die Slytherins gegen uns Gryffindors vorgegangen sind. Ich glaube, er wollte immer neutral sein. Ich wusste nicht einmal, dass er eine Schwester hat!“

„Richtig. Das weiß kaum jemand außerhalb seiner engeren Freunde.“, nickte Severus. „Aber er hat keine Chance. Er will nicht dafür verantwortlich sein, was mit Chiara, seiner dreijährigen Schwester, passiert. Ihre Mutter wurde vor dem Ende des letzten Schuljahres, direkt nach den Ereignissen auf dem Friedhof, in eine Falle gelockt, sie war gerade mit Chiara einkaufen, als Blaise in der Schule und Devon im Mungos war. Der Lord hat Lucia, die Mutter, gefoltert und vor Devons Augen getötet, Chiara ist bei ihm.“

„Oh nein!“, hauchte Harry. Er wirkte ziemlich blass und leicht grünlich. „Wir müssen sie befreien!“

„Noch haben wir keine Möglichkeit dazu.“, schüttelte Severus bedauernd den Kopf. Er schätzte Devon als Mensch sehr, doch es würde alles aufs Spiel setzen, das er bisher aufgebaut hatte. Er traf eine Entscheidung. „Ich kann euch jetzt nichts sagen, noch nicht. Harry, erst wenn du die Okklumentik beherrscht, kann ich dir einige Geheimnisse anvertrauen. So lange der Lord Zugriff auf deine Gedanken hat, ist es zu gefährlich. Alleine schon die Tatsache, dass du und ich gemeinsam hier sind, ist brisant. Dagegen können wir jedoch im Moment nichts tun.“

„Können … können sie das irgendwie … ich weiß nicht, verstecken?“, unterbrach Harry leise.

„Theoretisch schon.“, nickte Severus nach einem Moment. „Allerdings wird es nicht ganz angenehm sein, die Folgen davon sind meistens Kopfschmerzen und möglicherweise Konzentrationsstörungen, deshalb habe ich es bisher vermieden.“

„Was würde passieren, wenn Voldemort herausfindet, dass sie … mit mir gemeinsam versteckt sind? Dass sie mir helfen?“, erkundigte sich Harry.

„Ich bin nicht sicher.“, gab Severus nach einigem Nachdenken zurück. „Er ist ohnehin bereits auf der Suche nach uns. Gefährlich wird es vor allem, wenn er genauer herausfindet, wo wir uns verstecken. Genug Hinweise darauf hat er schon, daher wird es keinen Sinn machen, das in deinem Kopf zu verstecken. Ich denke eher, wir konzentrieren uns darauf, dass du Okklumentik lernst, um die Informationen selbst zu verbergen, das ist deutlich effektiver. Bis dahin werde ich sehen, dass ich dich bei Visionen weiter so unterstütze, wie ich es bisher schon getan habe. Notfalls kann ich dich sogar herausholen, auch wenn das anstrengend wird.“

„Okay.“, nickte Harry.

„Gut. Außerdem sollten wir dir vor allem Verteidigungszauber beibringen.“, überlegte Severus weiter. „Dazu Apparieren, Angriffszauber, und Tränke. Du musst in der Lage sein, alles zu erkennen, was dir jemand möglicherweise unterschiebt.“

Harry schluckte, doch da auch Remus und Sirius zustimmend nickten, versprach er, sich Mühe zu geben. Ihm war klar, dass er in Gefahr war, mehr noch als früher. Würde das jemals aufhören? Er wollte doch einfach nur seine Ruhe haben, vielleicht eine kleine Familie. Keine Aufmerksamkeit mehr, keine Jagd, niemanden, der von ihm verlangte, die Welt zu retten. Keine Schmerzen mehr, keine Schläge und … Er schauderte und krümmte sich instinktiv, als er sich an den Schmerz erinnerte, als Dudleys bester Freund …

„Ruhig atmen, Harry. Ganz ruhig.“, drang plötzlich eine dunkle, beruhigend sanfte Stimme zu ihm durch. Er spürte lange, schmale Finger auf seinem Rücken, wie sie beinahe zärtlich auf und ab strichen, hörte die leisen Kommandos, versuchte, seine Atmung anzugleichen. Instinktiv vertraute er dieser Stimme, lehnte sich näher zu ihr. Nach und nach spürte er, wie er ruhiger wurde, die Panik nachließ. Erst jetzt merkte er, dass seine Wangen feucht waren, er zusammengekrümmt auf dem Boden kauerte, fest an die Wand gepresst. Wie war er dahin gekommen, eben hatte er doch noch am Tisch gesessen?

Remus und Sirius atmeten auf, als sie merkten, wie Harry ruhiger wurde. Entsetzt hatten sie beobachtet, wie Harry hektisch atmete, hyperventilierte, immer weiter zurückwich und sich an die Wand drückte, klein machte. Gerade Sirius hatte gehofft, dass es besser wurde, er wünschte seinem Kleinen, dass er das alles einfach vergessen konnte. Doch so leicht war es wohl leider nicht. Auch Remus war entsetzt, realisierte wohl erst jetzt, was genau seinem Welpen passiert war. Allerdings zog er misstrauisch die Augen zusammen und die Stirn in Falten, als er merkte, wie schnell sich Harry ausgerechnet von Severus Snape beruhigen ließ. Da steckte doch mehr dahinter! Das würde er herausfinden, nahm er sich vor. So, wie Sirius wirkte, wusste der mehr, aber auch nicht alles. Für heute ließ er es gut sein, aber er würde nachhaken. Doch vorerst brauchte Harry Ruhe.

Auch die Nacht wurde unruhig, so sehr, dass Severus schließlich bei Harry blieb und ihm, wie in der ersten Nacht hier im Grimmauldplatz, die Hand auf die Stirn legte, damit er ihm im Traum beistehen konnte. Ihn wunderte es, dass Harry es bislang einfach hinnahm, nicht hinterfragte. Er konnte ja nicht wissen, dass Harry Angst hatte, es anzusprechen, weil er befürchtete, dass Snape dann aufhören würde. Der Jugendliche fühlte sich seltsam sicher und wohl, wenn Snape bei ihm war. Also beschloss er, die Tatsache zu ignorieren, dass er nicht wusste, was das bedeutete, sondern einfach nur die Geborgenheit zu genießen, die ihm geboten wurde. Vielleicht lag es daran, dass Snape Piers von ihm weggezogen hatte, dass er ihn dort weggebracht hatte. Der Tränkemeister versprach ihm eine gewisse Sicherheit, Schutz. So lange er bei ihm war, konnte Harry sogar schlafen, ohne vor Angst ständig aufzuwachen und sich erschrocken umzusehen. Severus hingegen schlief nicht, döste nur in einem Sessel vor sich hin.

Am Morgen schickte er Harry ins Bad, dann ging er selbst in die Wanne. Er ließ die Verwandlung geschehen, tauchte komplett ein. Eine halbe Stunde später fühlte er sich vollkommen regeneriert und verwandelte sich zurück, stieg aus der Wanne. Einen Moment legte sich ein Schmunzeln auf sein Gesicht, es hatte Vorteile, ein magisches Wesen zu sein. Aber schnell wurde er wieder ernst. Seine Mission war noch lange nicht zu Ende, aber nun deutlich schwieriger als zuvor. Er musste nicht nur Harry beschützen, sich mit ihm gemeinsam verbergen, sondern auch herausfinden, was es mit dem Medaillon auf sich hatte, warum Harry eine Verbindung zum Lord hatte, und wie sie vermeiden konnten, dass die Bevölkerung unter den beiden Anführern und ihren Anhängern litt. Es würde sicher bald anfangen, so wie im ersten Krieg vor einigen Jahren. Er traute Dumbledore durchaus zu, einige seiner Anhänger los zu schicken, um als Todesser für Panik zu sorgen, wenn der Lord seine Leute länger zurückhielt. Dumbledore wollte das Ministerium unbedingt davon überzeugen, dass der Lord zurück war. Harrys Geschichte schenkte der Minister keinen Glauben, er ließ ihn als Lügner diffamieren. Wahrscheinlich war es Fudge gerade Recht, dass er einen Vorwand bekommen hatte, Harry zu bestrafen, schon immer war ihm der Junge ein Dorn im Auge gewesen. Nun musste er Harry also nicht nur vor dem Lord schützen, sondern auch vor Dumbledore und dem Ministerium. Wobei, vor dem Alten hatte er ihn bereits ein wenig geschützt, so gut es eben ging, ohne auffällig zu werden. Dumbledore hatte immer geglaubt, dass er, Severus, voll und ganz hinter ihm stand. Pah. Darauf konnte der Alte lange warten. Schon früh hatte Severus das Spiel durchschaut, wenn auch nur durch Zufall. Sein Erbe half ihm sehr, er musste einen Menschen nur berühren, um seine Gedanken zu kennen. Deshalb mied er Hautkontakt normalerweise. Das war auch der Grund für seine Kleidung. Wenn ihn jemand zufällig berührte, war die Wahrscheinlichkeit, Haut auf Haut zu treffen, sehr gering. Doch damals, er war gerade in der sechsten Klasse, hatte Dumbledore ihn berührt. Direkt nach den Ereignissen in der heulenden Hütte. Er hatte noch immer Panik gehabt, da war es passiert. Schnell hatte er sich von dem Schreck erholt und in die Wirklichkeit zurück gefunden, aber seither wusste er, dass Dumbledore nicht der gutmütige und weise Schulleiter war, der er vorgab zu sein. Er wollte Macht. Immer mehr. Und Reichtum. Seither arbeitete er als Spion gegen Dumbledore und Voldemort. Für die dritte Front, die sein Onkel, gemeinsam mit einem guten Freund, gegründet hatte. Noch hatte keiner der beiden, weder Dumbledore noch Voldemort, eine Ahnung von ihnen, doch das würde sich nicht mehr lange vermeiden lassen. Bald mussten sie eingreifen.

„Guten Morgen.“, grüßte ihn Lupin, als er in die Küche kam. Harry und Black saßen bereits am Tisch und frühstückten, wobei gerade Harry eher in seinem Müsli herumpickte. Severus griff nach der Kaffeekanne und schenkte sich eine große Tasse ein. Vorher war er zu nichts in der Lage, vor allem, wenn er sich mit den drei Gryffindors arrangieren sollte. Auch wenn es die letzten Tage einigermaßen geklappt hatte. Doch Black wollte eindeutig mehr wissen. Wenigstens hatte er aufgehört, wenn Harry dabei war, der Junge sollte es nicht erfahren. Er war noch lange nicht so weit, dass er eine Beziehung auch nur in Betracht ziehen würde. Außerdem wollte Severus, dass er sich frei entscheiden konnte. Harry würde sich an ihn binden, wenn er ihm sagte, dass sie Gefährten waren, aber ob er damit glücklich wurde, das bezweifelte Severus sehr. Und das war das Einzige, was zählte. Sein Gefährte sollte glücklich sein. Wenn er dann noch in seiner Nähe sein durfte, reichte ihm das. Es war nicht so, dass er auf seinen Gefährten angewiesen war, er war kein Vampir, der einen Blutrausch bekommen konnte, auch kein Veela, dessen Charme gebunden werden musste. Ein Gefährte war nicht notwendig, aber um wirklich frei und glücklich sein zu können, würde er einen glücklichen Gefährten an seiner Seite haben müssen.

„Also soll ich heute in die Nokturngasse gehen?“, fragte Remus gerade und riss ihn damit aus seinen Gedanken.

„Das wäre von Vorteil.“, nickte Severus. „Weder Black noch ich können gehen, wir werden von zu vielen Seiten gesucht. Du wirst zumindest bisher noch ignoriert. Wobei ich ahne, dass es nicht mehr lange so sein wird, daher sollten wir es schnell erledigen.“

„Gut. Dann brauche ich je einen Tropfen Blut von dir und von Harry.“, stimmte Remus zu.

Severus zog eine kleine Phiole heraus, schnitt sich in den Finger und ließ einen Tropfen Blut hineinfallen. Eine zweite Phiole reichte er Harry. Ein wenig unsicher sah er auf, dann aber folgte er dem Beispiel des Schwarzäugigen, stach sich in den Zeigefinger und ließ einen Tropfen Blut ins Glas fallen. Sirius griff nach der Hand und heilte die kleine Wunde mit einem Schwenk seines Zauberstabes. „Danke!“, murmelte Harry und schmiegte sich in eine halbe Umarmung, da Sirius den Arm um seine Schultern gelegt hatte. Wenn er nicht gerade panisch war, fühlte er sich bei seinem Paten auch sicher und wohl.

„Das sollten wir dir auch beibringen.“, bemerkte Sirius. Fragend sah Harry zu ihm auf. „Heilzauber.“ Harry strahlte, ja, das wollte er lernen. Viel mehr als das Kämpfen. Heilen war doch schöner als Verletzen.

„Gute Idee.“, brummte sogar Severus.

„Okay, dann machen wir das.“, grinste Sirius. „Iss fertig, danach fangen wir an.“ Nun aß Harry deutlich enthusiastischer, bis seine Schale leer war. Anschließend folgte er seinem Paten in den Salon. Bis sie feststellten, dass Harry ohne Zauberstab nicht wirklich etwas zustande brachte.

„Kein Wunder.“, warf Severus ein, der sie im Türrahmen stehend eine Weile beobachtet hatte. „Harry, du musst erst lernen, deine Magie zu kanalisieren. In deinem Alter schaffen das die Wenigsten ohne Zauberstab. Viele Erwachsene können es nicht, weil sie es nie gelernt haben, konzentriert zu bleiben.“

„Wie kann ich das lernen?“, hakte Harry sofort nach.

„Fangen wir mit Okklumentik an.“, ging Severus nicht weiter darauf ein. „Es ist die Kunst, den Geist zu verschließen. Dabei lernst du beides: Konzentration und deine Magie kennen. Erst, wenn du beides beherrschst, kannst du auch stabloses Zaubern lernen. Ich denke nicht, dass du damit dann große Schwierigkeiten hast.“

Und während Severus Harry in die Kunst der Geistmagie einführte, tauchte Remus im tropfenden Kessel auf. Er hatte einige Illusionszauber über sich gelegt, damit er nicht sofort erkannt wurde. Zügig ging er durch den Pub und öffnete den Durchgang in die Winkelgasse. Hier herrschte reges Treiben, auch wenn es noch eine Weile dauern würde, bis die Schüler ihre Schulsachen kauften. Immerhin war es erst Ende Juli, die Schulbriefe wurden im August verschickt. Da fiel Remus ein, dass er noch ein Geschenk für den Welpen brauchte. Also schlenderte er erst einmal durch die Winkelgasse, um etwas zu finden. Er war nicht so arm, wie es immer den Anschein hatte, aber reich war er sicher auch nicht. Lange Jahre hatte er in der Muggelwelt gearbeitet, da die magische Welt es ihm verwehrte. Nicht einmal Dumbledore hatte es geahnt, und seit gestern wusste Remus, dass es gut gewesen war, dem Alten nichts davon zu sagen.

Von weitem sah er einige bekannte Gesichter, sie alle schienen sich aufmerksam umzusehen. Gut, dass er sich verborgen hatte unter einigen Zaubern. Nun sah er älter aus, vielleicht so an die achtzig, graue Haare, etwas untersetzt. Seine Augen hatte er zu einem dunklen braun werden lassen, das goldene Leuchten war einfach zu auffällig. Er nutzte einen Stock, den er notfalls auch zur Verteidigung verwenden konnte, denn er hatte in der Muggelwelt Kampfsport lieben gelernt. Vielleicht könnte er das auch mit Harry, Sirius und Severus trainieren, es schadete ihnen sicher nicht. Zum ersten Mal fiel ihm in Ollivanders Laden ein Plakat auf, das im Schaufenster hing. Sie suchten nach Harry! Ganz offiziell, mit Unterschrift des Ministers. Merlin, der Junge hatte aber auch ein Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Remus tat so, als würde er verschnaufen – innerlich grinste er, die Tarnung war perfekt – und las das Plakat in Ruhe durch. Sie wollten Harry den Mord an Cedric unterschieben. Beinahe hätte er sich verraten und aufgekeucht, gerade noch konnte er es verhindern. Der Zauber im Ligusterweg war nur der Aufhänger gewesen. Gut, dass Harry noch keine Zeitung in die Hand bekommen hatte, seit er aus Hogwarts weg war. Daneben hing ein Plakat, das von einem Ausbruch aus Askaban handelte. Er schauderte, als er erkannte, wer da geflohen war – die Lestranges. Das Ministerium schob das Sirius in die Schuhe, weil er es bereits geschafft hatte, aus dem Hochsicherheitsgefängnis auszubrechen und der Cousin von Bellatrix Lestrange war. Remus ging weiter, nur mühsam beherrscht. Er wusste, er musste langsam gehen, sonst würde es auffallen, dass er nicht so alt war, wie er aussah.

In der Apotheke kaufte er einen Haufen Zutaten, die Severus in Auftrag gegeben hatte, dann ging er weiter zu einem Kleiderladen. Dort suchte er für seinen Enkel einige Kleidungsstücke heraus. Zu viel konnte er nicht mitnehmen, sonst wäre es auffällig, aber Harry hatte so gut wie nichts. Sirius hatte ihm nur einige Sachen von Regulus rausgesucht, die hatten sie passend gezaubert, aber er brauchte noch warme Dinge. Hier erstand er nur zwei Roben, eine blaue, eine schwarze, dazu ein Paar Drachenlederstiefel, die im Sommer angenehm kühl, im Winter hingegen warm waren. Wer wusste schon, was auf sie wartete? Schließlich wandte er sich der Nokturngasse zu. Langsamen Schrittes ging er zu dem Laden, wo es laut Severus gute Stäbe gab. Von außen wirkte er genauso schäbig wie alle Geschäfte, an denen Remus vorbeigegangen war, doch innen riss er überrascht die Augen auf. Hell, offen, sauber und freundlich. Und erstaunlich leer. Nur eine Theke, auf der eine alte Kasse stand, einige Sitzgelegenheiten. In der Theke lagen verschiedene Materialien, Remus erkannte Phönixfedern, Einhornhaare, Vampirzähne und vieles mehr. Verschiedene Holzarten waren ebenfalls ausgestellt.

„Sie suchen einen Stab?“, riss ihn der Verkäufer nun aus seinen Betrachtungen.

„Sogar zwei, wenn ich ehrlich bin.“, gestand Remus. „Einen für meinen Enkel, einen für einen guten Freund.“

„Und sie haben ein wenig Blut mitgebracht?“, wollte der Mann wissen. Remus nickte und holte die Phiolen hervor, während er versuchte, den Verkäufer einzuschätzen. Seine Augen wirkten milchig-trüb, man konnte nur einen leichten Schimmer von rosé erkennen, der möglicherweise die Iris war. Das ließ den Mann älter wirken, als die restliche Erscheinung. Sein Körper sah gestählt aus, muskulös und schlank, nicht älter als vielleicht 25 Jahre, seine Haare waren hell und extrem kurz geschoren, sodass Remus im ersten Moment glaubte, er sei kahl. Ob sie aber hellblond oder weiß waren, konnte er nicht erkennen.

Irgendwann erkannte er, dass er den Mann bereits viel zu lange anstarrte, der auf das Blut wartete, also trat er die letzten beiden Schritte auf ihn zu und legte die Phiolen auf die ausgestreckten Hände.

„Wollen sie darauf warten?“, erkundigte sich der Verkäufer. „Es dauert etwa zwei bis drei Stunden, dann habe ich die Stäbe fertig. Sie können hier sitzen, oder sie kommen später wieder.“

Remus überlegte einen Moment, doch dann entschied er, noch etwas zu erledigen in der Zwischenzeit. „Ich komme in drei Stunden zurück.“ Fast ein wenig zu hastig verließ er den Laden und die Nokturngasse, ging durch den Pub nach draußen in die Welt von Muggellondon. Schnell fand er eine Buslinie, die ihn dahin bringen würde, wo sein Ziel war.

„An nichts denken, Harry, leere deinen Geist!“, forderte Snape nun zum gefühlt hundertsten Mal.

Harry stöhnte. So anstrengend hätte er es sich nie vorgestellt. Seit Stunden versuchte er, seinen Kopf zu leeren, doch es wollte einfach nicht klappen. Immerzu dachte er an irgendwas und schaffte es nicht, Snape aus seinem Kopf zu halten. Dennoch versuchten sie es wieder und wieder, jedes Mal sah Snape andere Erinnerungen. Eigentlich kannte er nun so gut wie alles aus seinem Leben, dachte Harry murrend.

„Gib ihm eine Pause, er sollte etwas essen und trinken.“, unterbrach Sirius die Anweisungen.

Der Professor wollte im ersten Moment etwas sagen, doch dann nickte er nur. Auch wenn ihm klar war, dass der Lord dem Jungen keine Pause lassen würde, sobald er dahinter kam, so war ihm doch bewusst, dass Harry eine Pause brauchte, um Energie zu tanken. Seine Hand zitterte bereits, und sie waren in der letzten Stunde keinen Schritt weiter gekommen. Obwohl sich Harry anfangs gut geschlagen hatte. Das war ein deutliches Zeichen dafür, dass sie unterbrechen mussten.

„Gut gemacht, Harry.“, lobte Sirius, als klar wurde, dass Snape nichts sagen würde. Sie gingen in die Küche, wo sie sich einige Sandwiches richteten. Beinahe genießerisch biss Harry in eines mit Schinken und Käse. Severus beobachtete ihn, ahnte, wie gut es dem Jungen schmecken musste, da er in den letzten Wochen kaum etwas bekommen hatte. Vor allem aber genoss er jedes Strahlen seines Gefährten. Endlich schien er den Schrecken bei seinen Verwandten hinter sich lassen zu können.

Nach dem Essen machten sie weiter, es würde sicher den ganzen Tag dauern, bis Remus zurückkam. Die Zeit bis dahin konnten sie nutzen. Diesmal setzte sich Harry in den Stuhl am Schreibtisch, den sie in die Bibliothek des Hauses gezaubert hatten. Severus drehte den Stuhl so, dass Harry auf ein kahles Stück Wand blickte. Hinter ihm stehend sprach er leise und mit einem sehr ruhigen Ton: „Konzentriere dich nur auf die Wand, Harry. Sieh dir die Wand an. Denke an nichts als die Wand. So lange, bis sie dein ganzes Denken einnimmt.“

Harry versuchte es, er versuchte es wirklich, doch die dunkle Stimme lenkte ihn mehr ab, als sie es sollte. So warm und ruhig, ja beinahe zärtlich, hatte er Snapes Stimme nie gehört. Es machte Harry unruhig, sie zu hören. Einerseits wünschte er sich, dass Snape nie mit dem Reden aufhören würde, andererseits war ihm klar, dass er dann seinen Kopf nicht leer bekam. Nicht, wenn Snape mit diesem Ton sprach. Der löste ein warmes, kribbeliges Gefühl in ihm aus. Dennoch wurde er langsam ruhiger, gab sich der Stimme hin. Sie wirkte hypnotisch auf ihn, nahm immer mehr Platz in seinem Kopf ein, verdrängte alles andere, auch die Wand. Natürlich kam es, wie es kommen musste, als Snape in seinen Kopf eindrang, konnte er ihn nicht aufhalten, von der Wand war keine Spur, Harry erinnerte sich nicht einmal daran, dass er an die Wand hatte denken sollen.

„Verdammt!“, fluchte Severus. „Willst du es nicht verstehen? Ich versuche hier, dir etwas Essentielles beizubringen, aber mir scheint, du hast kein Interesse daran. Macht es Spaß, den Lord in deinen Kopf zu lassen?“

„Nein, aber …“, schrie Harry auf, doch er konnte seine Gefühle nicht in Worte fassen, verstand sich selbst gerade nicht mehr. Verunsichert, wütend und gleichzeitig verängstigt sprang er auf, sodass er den Stuhl umwarf, und rannte aus dem Raum, flüchtete in sein Zimmer. Er warf die Tür hinter sich zu, ein deutliches Zeichen, dass er alleine sein wollte. Eine Weile lief er erregt durch den Raum, vom Bett zum Schreibtisch und zurück, bis er sich schließlich auf die Fensterbank setzte. Sein Lieblingsplatz. Hier kam er zur Ruhe, konnte nachdenken. Er wusste, er tat Snape Unrecht, der Slytherin gab sich wirklich Mühe. Seit er ihn aus dem Ligusterweg weggebracht hatte, schien er ein anderer Mensch zu sein. Und gerade das verunsicherte Harry. Er fühlte sich sicher und geborgen, wenn Snape in der Nähe war, aber er konnte den Mann nun nicht mehr einschätzen. Warum war er mit einem Mal so anders? Fürsorglich, ruhig, geduldig, besorgt? Harry spürte ständig die Blicke des Älteren auf sich, aber er verstand es nicht. Der Tränkemeister ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, am liebsten wäre er ständig in seiner Nähe. Was bedeutete das? Selbst in seinen Alpträumen war Snape da, gab ihm Ruhe und Sicherheit. Dank ihm konnte Harry nach und nach die Geister bekämpfen, die ihn überfielen. Er merkte, wie er ruhiger wurde, sobald er nur an Snape dachte.

„Argh!“ Frustriert stöhnte Harry auf. Darüber wollte er nicht mehr länger nachdenken. Sein Kopf war ohnehin so voll mit den verschiedensten Gedanken. Seit er wusste, dass Dumbledore ihm jahrelang etwas vorgespielt hatte, versuchte er herauszufinden, was mit seinen Freunden war. Waren Ron und Hermine jemals seine Freunde gewesen? Hätte er damals das Angebot von Malfoy annehmen sollen oder war der auch bald Todesser? Er hatte Malfoy, den Vater, bei einer der Visionen erkannt. Also war er ein Todesser. Obwohl, das war bereits seit dem Friedhof eindeutig. Harry hatte ihn dort erkannt. Die Eltern von Ron standen wahrscheinlich fest hinter Dumbledore, aber was war mit Ron? Oder mit seinen Brüdern? Was war mit Hermine und Ginny? Würde Dumbledore sie auf seine Seite bringen, um ihn zu erpressen? Wobei, was wollte Dumbledore jetzt noch von ihm? Er könnte Voldemort nicht bekämpfen, wenn sie ihm die Magie entzogen. Auch wenn Sirius und Snape es vor ihm verbergen wollten, er wusste durchaus, wie die Presse über ihn schrieb. Dass er wegen Mordes an Cedric gesucht wurde. Es tat weh, aber es passte zu Fudge. Der wollte einfach nicht glauben, dass Voldemort zurück war, da konnte er schlecht öffentlich zugeben, dass Cedric auf Voldemorts Befehl hin getötet wurde. Es war wohl einfacher, Harry als Lügner hinzustellen, dadurch diffamierte er gleichzeitig Dumbledore, der ihm geglaubt hatte. Dumbledore und Fudge standen nicht wirklich auf der gleichen Seite, Harry ahnte, dass der Direktor mehr wollte, mehr Einfluss, mehr Macht. Und da stand der Minister ihm im Weg. Warum er dann abgelehnt hatte, als ihm vor einigen Jahren der Ministerposten angeboten wurde, verstand Harry allerdings nicht.

Um sich abzulenken, griff Harry schließlich nach einem der Bücher auf seinem Schreibtisch. Er erwischte eines über schwarze Magie und begann zu lesen. Zunächst etwas skeptisch, doch schnell interessiert. Vollkommen vertieft verbrachte er die nächsten Stunden damit, die theoretischen Grundlagen schwarzer Magie zu erlernen. Nie hätte er geglaubt, dass es so viele verschiedene Heil- und Verteidigungszauber in diesem Bereich gab, die auch noch deutlich stärker als das waren, was er bisher kannte. Warum brachte niemand einem derartige Dinge bei? Erschrocken zuckte er zurück, als er plötzlich eine Berührung an seiner Schulter spürte.

„Ruhig, Harry.“, mahnte Sirius. „Du hast nicht reagiert, als ich dich angesprochen habe. Das Essen ist fertig, und Remus hat einen neuen Zauberstab für dich.“

Aufgeregt sprang Harry vom Fensterbrett und folgte seinem Paten in die Küche. Remus grinste, hatte aber beschlossen, ihm den Stab erst nach dem Essen zu geben. Schmollend machte sich Harry über sein Steak und die Kartoffeln her, aß das Gemüse in Rekordtempo. Währenddessen erzählte Remus von dem Ausbruch aus dem Gefängnis.

„Äh, Moment mal, ich dachte, diese Bellatrix Lestrange wäre dabei gewesen, als die Todesser in Little Whinging waren?“, wunderte sich Harry.

„Nein, das war nicht Bellatrix.“, schüttelte Severus den Kopf. „Das war die Frau eines Todessers, aber sie sieht Bellatrix sehr ähnlich. Deshalb nimmt sie der Lord immer wieder mit, denn er steht auf Bellatrix. Sie ist ihm hörig, bei ihr kann er seine Macht ausüben. Meghan, so heißt die Frau, die in Little Whinging dabei war, macht aus Angst diese Spiele mit, nicht, weil sie es gut findet. Sie will ihren Sohn schützen, er ist ein Jahr jünger als Draco und du. Aber dem Lord ist das egal, er sieht nur seine eigenen Bedürfnisse.“

Verständnislos starrte Harry ihn an, aber Severus zuckte nur ein wenig hilflos die Schulter. Das waren Dinge, die er nie hatte sehen und erleben wollen, aber es ließ sich nicht vermeiden, wenn man Todesser war. Er musste es so akzeptieren, ihm blieb keine Wahl. Also lenkte er das Gespräch zurück zu leichteren Themen. Harry ließ sich ablenken, als die Rede auf die Zauberstäbe kam. Erneut bettelte er, um ihn zu bekommen, aber erst sollte er fertig essen. Lachend reichte ihm Remus schließlich doch die Schachtel mit seinem neuen Zauberstab. Auch Severus bekam seinen. Andächtig strich Harry über die Schachtel, machte sie langsam auf. Schon jetzt fühlte sich der Stab gut an, dabei hatte er ihn noch nicht einmal in der Hand. Doch mit einem Mal fiel ihm etwas ein. „Ich … ich kann dich nicht bezahlen! Ich kann nicht nach Gringotts.“ Sehnsüchtig blickte er auf den Stab, griff aber nicht danach, sondern wollte, sichtlich widerwillig, die Schachtel wieder schließen.

„Musst du nicht, Harry.“, schaltete sich Sirius ein. „Ich habe Remus das Gold gegeben. Du bist mein Patenkind, ich hatte kaum Gelegenheit, dir etwas Gutes zu tun.“

„Aber … du kannst doch auch nicht nach Gringotts gehen.“, protestierte Harry. „Dann erwischen dich die Auroren doch!“

Sirius lachte. „Keine Sorge, das ist nicht nötig. Ich habe einen Endlos-Beutel. So lange die Kobolde mein Verlies nicht sperren, ist immer genug Gold darin. Mir macht eher Sorgen, dass Dumbledore sich als dein Vormund eintragen hat lassen. Ich fürchte, er bedient sich in deinem Verlies. Leider kann ich das momentan nicht unterbinden.“

„Das bezweifle ich.“, schüttelte Severus den Kopf. Sofort wandten sich die Blicke ihm zu. „Lily hat Verdacht geschöpft, da bin ich sicher. Sie hatte am Ende Kontakt zu mir, und sie fürchtete, dass Dumbledore etwas mit ihnen im Schilde führte. Sie meinte, dass sie froh war, Dumbledore nicht in den Fidelius eingeweiht zu haben. Ich bin fast absolut sicher, dass das Verlies mindestens mit Blutschutz geschützt ist.“ Er sah Harry an. „Wie bist du damals in dein Verlies gekommen, als du zum ersten Mal in der Winkelgasse warst?“

„Ähm, Hagrid hatte einen Schlüssel, ich glaube, den hat Dumbledore ihm gegeben. Dann sind wir mit einem dieser Wagen nach unten gefahren, der Kobold hat den Schlüssel ins Schloss gesteckt, und die Tür ging auf. Ich bin rein und habe mir eine Handvoll Gold genommen.“, erklärte Harry.

„Hast du etwas gespürt, als du hinein gegangen bist?“, wurde der Tränkemeister konkreter.

Im ersten Moment wollte Harry den Kopf schütteln, doch dann hielt er inne. „Da war vielleicht etwas. Es war, als würde ich durch etwas gehen, das ein wenig zäh ist. Man konnte nichts sehen, aber ich hatte das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen. Es war nur ganz kurz, danach habe ich es nie wieder gespürt.“

„Magieschutz?“, wunderte sich Remus.

Severus nickte. „Ich habe Lily dazu geraten. Den Blutschutz kann man relativ einfach mit einer Blutkonserve umgehen, aber wenn das Verlies die Magie desjenigen prüft, der hinein will, dann ist es absolut sicher, dass niemand anders hinein gelangen kann. Es hat einen hohen Preis bei Gringotts, die Kobolde lassen es sich teuer bezahlen, diesen Schutz zu wirken, daher nutzt es kaum jemand, aber Harry war es für Lily und wohl auch für Potter wert. Das bedeutet, der Alte hat keinen Zugriff auf das Gold, genausowenig das Ministerium. Nur jemand, dessen Magie mit Harry verwandt ist, also Kinder, könnte hinein. Auch Geschwister, aber die gibt es bei dir nicht, Harry.“ Severus verriet nicht, dass auch sein eigenes Verlies so geschützt war. Seit er Verdacht geschöpft hatte, ging er auf Nummer sicher. Er musste seinen Besitz vor zwei machthungrigen Männern beschützen.

„Gut, das bedeutet, dass Harry zwar momentan nicht an sein Gold herankommt, aber auch sonst niemand.“, freute sich Sirius. „Und jetzt nimm endlich den Stab und schau, ob er dir passt! Keine Angst, er ist nicht registriert, du kannst damit unerkannt zaubern!“

Gehorsam griff Harry in die Box. Sobald er das Holz berührte, spürte er ein angenehmes Kribbeln im Arm, das ihn ein wenig an das vom Vormittag erinnerte, als er mit Snape … nein, darüber wollte er gerade nicht nachdenken. Lieber schloss er seine Finger um das angenehm warme Holz und zog den Zauberstab aus der Box. Sofort regneten goldene und rot-gelbe Funken daraus hervor. Harry riss die Augen auf, als er die Macht des Stabes fühlte.

„Wow!“, wisperte Sirius. „Was ist da drin?“

„Ein Weidenholzstab mit einem Kern aus Einhornhaar, Meermenschenblut und Drachenherzfaser.“, erklärte Remus.

„Äh, aber ich hatte doch einen Stab aus Stechpalme und Phönixfeder?“, wunderte sich Harry.

„Das war ein Angriffsstab.“, erklärte Severus, der schlucken musste, als er hörte, aus welchem Holz Harrys neuer Stab war. Lily. Auch ihr Stab war aus Weidenholz gewesen, als Kern hatte er ebenfalls ein Einhornhaar gehabt. „Schülerstäbe sind meist fertig gekaufte Stäbe mit einem einzelnen Bestandteil im Kern. Sie sind meist auf eine bestimmte Magierichtung geprägt, meist auch das, was das Kind am Ende am besten kann, wobei nicht klar ist, ob der Stab sich das Kind aufgrund der Begabung aussucht, oder ob die Begabung am Stab liegt. Das sind Fertigstäbe, aber es gibt auch noch individuell angefertigte Stäbe. Ein Stabmacher, der mit Blut arbeitet, wird immer den perfekten Stab für den Träger liefern, selbst wenn er mehrere Bestandteile in den Kern einbauen muss. Es ist keine leichte Arbeit, die einzelnen Komponenten miteinander so zu verschmelzen, dass sich ihre Wirkung verstärkt und nicht aufhebt. Das macht die Stäbe perfekt für ihren Träger, aber auch teuer. Dein neuer Stab, Harry, ist ein Stab für Heilen und zum Verteidigen. Ich denke, das passt viel besser zu dir, du bist wirklich nicht wie dein Vater.“ So, nun hatte er es ausgesprochen. Die Wirkung, die dieser letzte, nur leise gesprochene Satz, auf Harry hatte, war enorm. Erst riss er die Augen auf und starrte Severus an, als wäre er Merlin persönlich, dann liefen große Tränen aus seinen Augen, während sein Mund lächelte.

„Danke, Professor!“, wisperte er, und umarmte den Mann spontan. Nur sehr kurz, dann ließ er los und lief ohne einen Blick zurück in sein Zimmer, ließ einen sprachlosen, verwirrten und gleichzeitig zufriedenen Slytherin zurück, dessen Herz mit einem Mal ins Stolpern geriet und dann viel zu schnell weiter schlug. Viel zu aufgedreht, um schlafen zu können, versuchte Harry einige Zauber mit seinem neuen Stab. Er war erstaunt, wie leicht es ihm fiel. Vor allem Schildzauber schienen besonders einfach zu sein. Vielleicht auch stärker? Das wollte er morgen testen, wenn sie in den neuen Trainingsraum im Keller gingen, um praktisch zu trainieren. Zumindest hatte ihm Sirius das heute versprochen. Mit einem breiten Grinsen zauberte Harry immer weiter, färbte Wände, Decke und Boden in immer neue Farben, ließ sein Bett ans andere Ende des Zimmers schweben, die Wanne voll Wasser laufen und warm werden, damit er sich hineinlegen konnte. Selbst da legte er den Stab nicht mehr aus der Hand, formte Figuren aus Wasser und Schaum, die er gegeneinander antreten ließ wie Schachfiguren. Kichernd sah er zu, wie sie einander unter Wasser zu drücken versuchten, und mit einem Mal an anderer Stelle neu erstanden. Er merkte nicht, dass seine Zimmertür geöffnet wurde und die drei Erwachsenen nach ihm sahen, sich aber lächelnd zurückzogen, als sie merkten, wie vergnügt er war. So gelöst wollten sie ihn viel öfter sehen. Nach dem Bad probierte er die ersten schwarz-magischen Verwandlungen aus und war erstaunt, wie leicht es trotz allem war. Erst gegen ein Uhr morgens legte er sich in sein Bett und schlief mit einem breiten Grinsen ruhig ein.

Einige Stunden später grinste er nicht mehr so entspannt, da er mit Professor Snape über Zaubertränke gegangen war. Der Slytherin war der Meinung, bestimmte Grundlagen sollten besser sitzen, vor allem das Erkennen und Bestimmen von Tränken. Wie leicht konnte er in eine Situation kommen, wo er es brauchte. Das Brauen selbst war eher eine Frage von Talent und zumindest im Moment Nebensache, aber er sollte erkennen, ob jemand ihn vergiften wollte. Das sah auch Harry ein und bemühte sich, konzentriert zuzuhören und mitzuschreiben. Es fiel ihm schwer, still zu sitzen, er wollte doch endlich seinen Zauberstab im Duell ausprobieren, aber das kam nach Zaubertränke. Je konzentrierter er blieb, desto schneller ginge es an die Praxis, das wusste er. Also bemühte er sich redlich und schon bald merkte er, dass es eigentlich nicht so schwer war. Am Ende der Unterrichtseinheit schaffte er es, drei von fünf Tränken sicher zu identifizieren.

„Schluss für heute. Aufräumen, dann kannst du mit dem Flohfänger und dem Wolf trainieren.“, erlaubte Severus, wobei seine Augen warm funkelten, als er Harry beobachtete. Es fühlte sich gut an, in der Nähe des Jungen zu sein. Jetzt, da er sich nicht mehr so sehr verstecken musste. Gut, Harry sollte nichts wissen von seiner Bedeutung in Severus' Leben, aber er musste ihn nicht mehr anfeinden. Mit seiner Bemerkung über den neuen Zauberstab hatte er es deutlich gemacht: er gab zu, nicht mehr James Potter in Harry zu sehen, sondern zu erkennen, dass der Junge viel mehr von seiner Mutter hatte. Es war ein neuer Anfang für sie, und auch Harry schien das erkannt zu haben. Er bemühte sich wirklich, nicht nur heute, schon die ganze Zeit, seit sie hier waren.

Schnell war Harry fertig, dann lief er nach unten. Da der Tränkemeister Theorie mit ihm machte, waren sie in der Bibliothek geblieben, dort war es einfach wärmer und heller. Sirius und Remus warteten bereits auf ihn. Zuerst zeigte Harry, welche Verteidigungs- und Angriffszauber er beherrschte, danach testeten sie, wie stark sie waren.

„Gut gemacht, Welpe!“, lobte Remus nach etwa einer Stunde. „Ich denke, der Stab tut dir wirklich gut, du hast einen riesigen Sprung gemacht im Vergleich zu deiner dritten Klasse!“

„Dann können wir dazu übergehen, dir wortlose Zauber beizubringen.“, ergänzte Sirius und drückte Harry kurz an sich. Inzwischen genoss Harry diese halben Umarmungen von seinem Paten, der meist nur einen Arm um ihn legte. Es erinnerte ihn ein wenig an den falschen Moody vom letzten Jahr: Allzeit bereit. Sirius legte seinen Stab selten aus der Hand. Harry wusste nicht, dass der Animagus mehr als unruhig schlief, weil er stets Angst hatte, erwischt zu werden. Seit zwei Jahren war er ständig auf der Flucht, musste immer und überall mit Auroren rechnen. Auch wenn er eine Weile im Ausland gewesen war, erst wollte er hier alles beenden, bevor er über die Zukunft nachdachte. Er wollte, dass Wurmschwanz bestraft wurde, und das Gleiche galt für alle, die Harry oder Remus weh getan hatten. Bis dahin würde er auf jeden Fall hier in England bleiben. Wenn er es schaffte, wollte er auch seine Unschuld beweisen, indem er Pettigrew lebend ans Ministerium auslieferte, wobei das seit einigen Tagen eher Nebensache war, seit er wusste, wie schnell sie dort die Wahrheit verdrehten. Nein, darauf legte er keinen gesteigerten Wert. So wenig er Snape auch mochte, er musste ihm in einem Recht geben: Harry würde gejagt werden, egal wohin sie ihn brachten. Also stand sein Entschluss fest: Er blieb hier, bis Harry und Remus sicher waren, bis Voldemort, Dumbledore und der Minister aus dem Weg waren. Danach konnte er immer noch verschwinden. Vielleicht kam Harry dann mit ihm. Remus sicher, den hielt hier auch nichts mehr außer ihm selbst und Harry.

Bis zum Abendessen versuchte nun Remus, mit Harry ungesagte Zauber zu wirken. Auch hier zeigte sich das Potential des beinahe Fünfzehnjährigen. Morgen war sein Geburtstag, aber sie würden wohl keine große Feier veranstalten. Wie auch, wenn sie hier versteckt waren. Harry brauchte eine Weile, um seine Magie auch ohne Worte zu kanalisieren, aber als er den Dreh einmal heraus hatte, klappte es gut. Remus war sicher, er könnte auch stablose Zauber sehr leicht lernen, weil seine Magie ungewöhnlich stark war. Außerdem schien er sie inzwischen gut zu spüren. Entsprechend müde wirkte Harry beim Essen, das diesmal Severus gekocht hatte. Da er beinahe schon im Sitzen einschlief, schickten sie Harry schmunzelnd ins Bett. Wenn er wollte, konnte er dort noch eine Weile lesen, aber dann lag er zumindest schon im Bett, wenn er einschlief. Severus ging ins Labor, er wollte noch einen Trank fertigstellen, den er angefangen hatte, Sirius und Remus gingen gemeinsam nach oben. Sie wollten noch ein wenig zusammensitzen und reden. Remus hatte die Hoffnung, dass Sirius ein wenig seiner Erlebnisse in Askaban verarbeiten konnte, wenn sie zu zweit waren.

Am Morgen hob Severus nur eine Augenbraue, als sie gemeinsam aus Sirius' Schlafzimmer kamen. Remus eilte nach unten, wo er einen Kuchen vorbereitet hatte, steckte einige Kerzen darauf und brachte ihn mit nach oben, damit sie gemeinsam Harry wecken konnten. Zu zweit – Severus hatte sich schlicht geweigert – sangen sie „Happy birthday“, als sie Harrys Zimmer betraten. Der Jugendliche fuhr aus dem Schlaf und griff automatisch nach seiner Brille, dann erst richtete er seinen Blick auf die Erwachsenen. „Alles Gute zum Geburtstag, mein Kleiner!“, umarmte ihn Sirius und drückte ihm ein Päckchen in die Hand.

„Auch von mir herzlichen Glückwunsch!“, schloss sich Remus an. Auch er hatte ein Geschenk für Harry.

„Alles Gute, Harry.“ Severus schüttelte ihm die Hand, bevor er ihm einen Trank in einer Phiole reichte. Fragend blickte Harry auf, diesen Trank kannte er nicht, da war er sicher. „Er wird deine Augen richten.“, erklärte der Tränkemeister. „Aber du solltest ihn besser vor dem Schlafen nehmen, die ersten Stunden ist das Sehen ziemlich unscharf, bis sich alles eingespielt hat. Über Nacht ist das sicher weniger dramatisch.“

„Danke!“, brachte Harry gerade so heraus. Es machte ihn sprachlos, nie hätte er mit einem Geschenk von Snape gerechnet, und dann noch so einen komplizierten Trank. Das zumindest wusste er, weil Hermine im letzten Jahr davon gelesen hatte. Er hatte geschimpft, weil er unter Wasser nicht gut gesehen hatte mit seiner Brille, da hatte sie recherchiert. Nach ihrer Auskunft hatte Harry entschieden, nicht nach so einem Trank zu fragen.

„Eine Brille kann in einem Kampf sehr hinderlich sein.“, brummte Severus nur als Erklärung.

„Danke, das bedeutet mir wirklich viel.“, lächelte Harry seinem Professor zu. Erst danach öffnete er die Geschenke von Sirius und Remus. Kleidung, ein Rucksack, Bücher und ein neuer Besen. Strahlend fiel er Beiden um den Hals und bedankte sich. Gemeinsam setzten sie sich auf das Bett und in den Sessel, dann schnitt Harry, noch immer im Schlafanzug, den Kuchen an. Das erste Stück aßen sie hier, dann sollte Harry sich anziehen und zum richtigen Frühstück in die Küche kommen.

„Wann habt ihr die Sachen gekauft?“, wollte Harry wissen, als sie am Tisch saßen. Er trug eine neue, eng sitzende Jeans, dazu ein blau-grünes T-Shirt und die Drachenleder-Stiefel. „Die sind echt toll!“

„Als ich die Zauberstäbe gekauft habe, musste ich drei Stunden warten, da habe ich in Muggellondon einige Geschäfte abgesucht. Die Roben und die Stiefel sind aus der Winkelgasse, genau wie die meisten Bücher.“, erklärte Remus. „Sirius hat mir gesagt, was er will und ich habe für ihn eingekauft.“

Er umarmte die Beiden erneut und lachte fröhlich. Endlich fühlte er sich wirklich frei. Dabei merkte er nicht, welche Blicke Severus ihm zuwarf. Dem Tränkemeister fiel auf, wie gut die Kleidung an ihm aussah, vor allem die schmale Jeans und dazu die Stiefel. Dieser Anblick sollte verboten werden! Sirius allerdings sah den Blick durchaus, wie seine Augen zeigten. Die warnten Severus, nichts zu tun, was Harry schaden könnte. Das würde Severus nie, aber man würde ja wohl noch schauen und träumen dürfen! Dennoch war er froh, dass er heute erst am Nachmittag mit Harry arbeitete, den Vormittag hatten sie ihm frei gegeben. Nach dem Mittagessen wollte Severus dann mit Okklumentik weitermachen, damit Harry endlich die Visionen los hatte. Das war auch Harry wichtig, daher genoss er zwar seinen freien Vormittag, indem er im kleinen Garten in der Sonne lag und ein Buch las, aber nach dem Mittagessen ging er mit Professor Snape nach oben in die Bibliothek.

Diesmal lief es ein wenig besser, denn der Ältere blieb still, wartete ruhig darauf, dass Harry seinen Geist leerte. So konnte ihn die Stimme nicht erneut ablenken. Mit geschlossenen Augen versuchte Harry, die Wand zu visualisieren, wie Snape es ihm beim letzten Mal gesagt hatte. Irgendwann hatte er tatsächlich das Gefühl, an nichts mehr zu denken. Er öffnete die Augen und sah sich Snape gegenüber, der im gleichen Moment in seinen Kopf eindrang. Harry konzentrierte sich weiter auf die Wand, er spürte die Anwesenheit des Professors, aber noch kam der nicht in seine Gedanken. Jetzt steckte Harry allerdings in einem Dilemma. Wenn er den Älteren aus seinem Kopf haben wollte, musste er aktiv werden, aber dann würde er sicher die Mauer aus dem Blick verlieren. Wenn er sich aber weiterhin auf die Mauer konzentrierte, dann bekäme er Snape nicht aus seinem Kopf. Könnte er beides gleichzeitig? Harry sah keine andere Möglichkeit, als es zu versuchen. Genau das wurde es dann auch. Ein Versuch. Der zum Scheitern verurteilt war. In dem Moment, als er gegen die Präsenz drückte, die Snapes Geist war, wich sie seitlich aus und brach durch die jetzt löchrige Mauer. Harrys Gedanken kamen zurück, wie es schien, alle gleichzeitig. Severus erfasste nur kurze Schnipsel, konzentrierte sich auch nicht darauf, sondern zog sich zurück. Angenehm waren die Erinnerungen Harrys sicher nicht, er sah Dudley, wie er auf Harry einschlug, Quirrell mit dem Lord im Hinterkopf, den toten Cedric mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen. Dazu sich selbst, wie er vor dem Lord kniete, zitternd nach einer Bestrafung.

Severus zog sich zurück. „Okay, Harry. Du hast versucht, mich hinauszuwerfen und gleichzeitig die Mauer weiter zu halten, nicht wahr?“, fragte er, als Harrys Augen wieder fokussierten. Offenbar hatte er einige Minuten gebraucht, um in die Wirklichkeit zu finden.

„Ja.“, nickte Harry. „Aber mir war fast schon klar, dass es nicht klappen würde. Ich wusste aber nicht, was ich sonst machen soll.“

„Es ist beinahe unmöglich, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren.“, gab Severus zu. „Die Kunst in diesem Fall ist es eigentlich, dem Eindringling ausgewählte Szenen zu zeigen, sodass er nicht merkt, dass du ihn ausschließt. Aber bis dahin musst du erst einmal lernen, deinen Geist sicher zu schützen. Wenn du weiter trainierst, wird irgendwann der Punkt kommen, an dem du nicht mehr nachdenken musst, um die Mauer zu halten, dann kannst du einen Eindringling auch hinauswerfen. Deshalb ist es wichtig, dass du ständig übst, deinen Geist zu leeren und mit einer Mauer zu schützen.“ Er sah Harry eindringlich an. „Ich verlange von dir, dass du bei jeder Gelegenheit übst. Beim Essen, unter der Dusche, im Bett, beim Kochen. Ich werde in Zukunft immer wieder unvorhergesehen in deinen Geist eindringen. Der Lord warnt dich nicht vor und wartet auch nicht, bis du bereit bist.“ Harry nickte, auch wenn ihm klar war, wie schwierig es werden würde. Aber auch er wollte diese Visionen endlich in den Griff bekommen. „Gut. Und solltest du merken, dass du eine Vision hast, ruf mich, ich werde dann bei dir sein.“

„Danke, Sir.“ Harry war wirklich erleichtert. Die geistige Anwesenheit des Tränkemeisters hatte ihm bei den bisherigen Visionen gut getan. Außerdem half es sicher auch, wenn sie Informationen bekamen.

„Schon gut.“, nickte Severus seinem Schüler zu. „Versuche aber, dich zu schützen, so gut es geht. Ich möchte nicht, dass du versuchst, als Spion anzufangen, hast du das verstanden?“

Harry zögerte einen Moment, doch auf einen der typischen Snape-Blicke hin nickte er. „Ja, Sir.“ Severus sah ihm dabei in die Augen und spürte, der Junge sprach die Wahrheit. Also ließ er es gut sein und schickte ihn zu den beiden Gryffindors, die noch eine Stunde stablose Verteidigung mit ihm üben wollten. Zumindest Lupin, Black war heute in der Küche dran. Gerade diese Stunden taten Harry unheimlich gut, die körperliche Anstrengung half ihm, auch geistig immer mal wieder abzuschalten.

Eine Woche nach seinem Geburtstag fühlte sich Harry deutlich besser. Die neue, verbesserte Sehfähigkeit ließ ihn sich richtig gut fühlen. Noch nie hatte er so scharf gesehen. In den ersten Stunden war es ein wenig unangenehm gewesen, aber danach konnte er sich kaum satt sehen. Alles war so scharf, klar und deutlich wie nie, die Farben leuchteten regelrecht. Immer wieder entdeckte Harry neue Kleinigkeiten, die ihm vorher entgangen waren. Beim Lesen bekam er nun keine Kopfschmerzen mehr, auch die Buchstaben waren klar und deutlich. Seither tat er sich auch mit dem Lernen leichter. Er bekam keine Panik-Attacken mehr, wenn ihn jemand unvermittelt ansprach, seine Alpträume gehörten größtenteils der Vergangenheit an. Das Training tat ihm gut, es gab ihm eine Aufgabe und er konnte nicht ständig grübeln. Allerdings schaffte er es noch nicht, die Visionen zu unterbinden. Snape war immer an seiner Seite, wenn es dazu kam. Auf diese Art erfuhren sie, dass Dumbledore tatsächlich anfing, Überfälle nach Todesser-Muster zu begehen, um die Leute davon zu überzeugen, dass Voldemort zurück war. Leider konnten sie kaum etwas dagegen unternehmen, da Voldemorts Spion es immer erst hinterher erzählte. Harry kannte den Mann vom Sehen, Snape hatte ihm erzählt, dass er Caradoc Dearborn hieß und bereits früher ein Mitglied des Ordens gewesen war. Warum er Dumbledore in den Rücken fiel, konnte der Tränkemeister allerdings auch nicht erklären. Sie vermuteten ein Streben nach Macht, aber sicher waren sie nicht. Nach der Vision mit diesen Informationen schien sich Snape zu verändern. Er zog sich immer wieder zurück, und Harry spürte, wie die Magie des Mannes über sie hinweg wusch. Als schickte er immer wieder Patroni mit Nachrichten. Harry begann, ihn intensiver zu beobachten, er war nicht mehr ganz sicher, ob das Vertrauen, das er in den Tränkemeister hatte, gerechtfertigt war, schaffte es aber gleichzeitig nicht, sich wirklich von ihm zu distanzieren. Er fühlte sich zu wohl in seiner Nähe.

Mitte August wand sich Harry unruhig im Bett, als er kämpfte, damit Voldemort nicht erneut in seinen Geist kam. Noch stand seine Mauer, schützte seinen Geist, aber er spürte, wie ihm die Kraft ausging. Lautlos öffnete sich die Tür, Snape hatte seinen leisen Ruf offensichtlich gehört. Schon öfter war Harry aufgefallen, wie gut der Slytherin hören konnte, aber er zwang sich, nicht weiter darüber nachzudenken, wollte Voldemort nicht versehentlich irgendwelche Informationen zuspielen. Noch immer suchte der dunkle Lord nach ihnen, genau wie Dumbledore.

„Ruhig, Harry, ich bin hier.“, raunte Snape und setzte sich auf seinen Sessel. Irgendwie hatten sie ihn einfach am Kopfende von Harrys Bett stehen lassen, denn der Tränkemeister setzte sich immer dort hinein, wenn er Harry zu Hilfe eilte. Es war für ihn nicht schwer zu erraten, wann er kommen musste, das Brennen in seinem Arm lieferte ihm ein deutliches Zeichen. Außerdem konnte er hören, wenn sein Gefährte nach ihm rief, meist sogar schon vorher, wenn er unruhig wurde. Harry seufzte erleichtert, als er die Hand Snapes auf seiner Stirn spürte. Er war nicht mehr allein. In dem Moment brach auch die Mauer zusammen, er hatte sich zu sehr entspannt.

„… kann nicht sein!“, tobte Voldemort in diesem Augenblick. „Er kann nicht einfach verschwinden!“

„Mein Lord, es gibt in ganz Europa keinen Hinweis darauf, dass Snape gesehen wurde.“, berichtete Rabastan Lestrange demütig. „Sein Stab wurde in der Nähe des Ligusterweges gefunden, er hat ihn also nicht mehr. Aber von einem weiteren oder einem neuen Stab wissen wir nicht, er war nicht in der Winkelgasse oder der Nokturngasse, um sich einen anfertigen zu lassen. Dort war immer jemand von uns, um zu beobachten. Seine Magiestruktur ist uns bekannt, aber wir konnten sie nie feststellen. Wir haben daher auch keine Möglichkeit, seinen Stab überwachen zu lassen.“

Der dunkle Lord ließ seine Wut an ihm aus, bis er nicht mehr alleine aufstehen konnte, dann wandte er sich dem Nächsten zu. „Lucius, was weißt du?“

Der Blonde neigte sein Haupt. „Mein Lord, Potter hat sich nicht gemeldet. Er war nicht in der Öffentlichkeit, seit er verschwand. Allerdings wurde auch Lupin schon länger nicht mehr gesehen. Er ist ein Freund von Potters Vater und Paten, Greyback geht davon aus, dass er dorthin verschwand. Er konnte nur sagen, dass Lupin einige Zeit vorher einen Patronus erhalten hat, allerdings war die Nachricht abhörsicher. Ich vermute, dass Potter bei Lupin und Black steckt. Seine Freunde sind verschwunden, diese Granger ist wohl mit ihren Eltern ausgewandert. Muggel scheinen so etwas häufiger zu tun. Ronald Weasley ist nicht mehr bei seiner Familie.“

„Das ist auch im Orden bekannt.“, nickte der Lord. „Mein treuer Diener in deren Reihen hat mich bereits darüber informiert. Dumbledore tobt, er wollte mit den Beiden Potter erpressen, um mich zu vernichten!“ Das zischende Lachen hallte schauderlich wider in dem hohen Salon. Mit einem Mal verstummte es. „Ihr werdet herausfinden, wie wir das Haus von Black erreichen, damit Snape seine Strafe als Verräter bekommt!“, befahl er seinen Leuten, dann schickte er sie weg.

Harry kämpfte mit der Übelkeit. Wortlos hielt Snape ihm eine Phiole hin, ein Trank gegen Übelkeit, wie Harry erkannte. Er hatte seine Lektion gelernt, war nun immer bereit. Snape hatte seine Drohung tatsächlich wahr gemacht. Im Tränkeunterricht hatte er angedeutet, er würde Harry einen falschen Trank unterschieben, wenn er nicht aufmerksam genug war. Gut, die Wirkung war nicht dramatisch gewesen – statt einem Trank gegen Übelkeit hatte er ihm nach einer Vision einen gegeben, der dafür sorgte, dass Harry zwei Tage mit grünen Haaren herumlief – aber er hatte gelernt, immer und überall zu kontrollieren, was er bekam. Seither war nichts mehr passiert, aber Harry wusste, er durfte nicht nachlassen, musste immer damit rechnen, dass Snape es wiederholte. „Sie kommen uns näher.“, krächzte er, heiser vom Schreien.

Snape nickte. „Ich denke nicht, dass wir noch lange hier bleiben können, aber ich will dich so lange wie möglich in Sicherheit wissen. Hier haben wir ein Dach über dem Kopf, Betten, eine Küche, ein Labor und Bücher, die uns vielleicht helfen, eine Lösung zu finden. Allerdings sollten wir alles bereithalten für eine schnelle … Abreise aus diesem Haus.“

„Werde ich es irgendwann schaffen, die Verbindung zu blockieren?“, fragte Harry leise.

„Ich weiß es nicht.“, antwortete Snape nach einer Weile ebenso leise. „Ich bin noch immer nicht sicher, wie diese Verbindung überhaupt zustande kommt. In den Büchern habe ich keine Hinweise darauf gefunden. Allerdings habe ich etwas anderes dabei entdeckt. Ich denke, ich weiß jetzt, was das Medaillon und auch das Tagebuch, das du vor zwei Jahren zerstört hast, sind. Ich will noch einmal genauer nachlesen, dein Ruf hat mich beim Lesen unterbrochen, aber ich denke, wir werden die beiden Flohfänger wecken.“

„Aber … Remus hat sich gestern Nacht erst verwandelt, er ist bestimmt ziemlich fertig.“, widersprach Harry.

„Ich weiß, aber das hier ist wichtig. Er ist mindestens genauso erfahren wie ich und kann vielleicht helfen. Wir müssen die Informationen so schnell wie möglich suchen, denn dieses Wissen ist sicherlich der Schlüssel zur Vernichtung Voldemorts.“, entgegnete Snape. „Ich werde noch einige Stunden brauchen, bis ich fertig gelesen habe, aber dann müssen wir uns zusammensetzen. Bis dahin genieße deinen Schlaf.“

„Okay.“, stimmte Harry zu. „Dann mache ich nach dem Aufwachen schon mal etwas zum Frühstück. Und packe ein paar Sachen, für alle Fälle.“

Severus nickte nur zustimmend (und ein wenig anerkennend, wie Harry fand), dann ging er zurück in sein Zimmer, wo das Buch noch aufgeschlagen auf seinem Schreibtisch lag. Es war schwer zu lesen, handschriftlich in Runen geschrieben, aber es schien genau das zu enthalten, was sie suchten. Er hoffte auch auf Nachrichten aus Hogwarts. Dumbledore wusste glücklicherweise nicht sehr viel über ihn, so konnte er mit den Wassermenschen Kontakt aufnehmen. Die wussten viel von dem, was in Hogwarts passierte, bekamen Informationen auch aus dem Schloss, wenn die maulende Myrte mal wieder im See auftauchte. Leider tat sich dort bislang nicht viel, da Dumbledore es vorzog, seine Versammlungen andernorts abzuhalten. Deshalb war Severus innerlich zerrissen: einerseits wollte er, dass Harry sich endlich richtig verschließen konnte, um die Visionen in den Griff zu bekommen, andererseits war das derzeit die einzige Möglichkeit, an Informationen zu kommen. Obwohl sie mit den Informationen kaum etwas anfangen konnten. Erneut beugte er sich über den Text und zog nun tatsächlich in Erwägung, Lupin mit einzubeziehen, da dieser ebenfalls alte Runen gelernt hatte. Dieses Buch schien vielversprechend, es enthielt auf jeden Fall eine Beschreibung von Horkruxen, die genau das beschrieb, was Harry von dem Tagebuch erzählt hatte.

Eineinhalb Stunden später beugte er sich noch weiter über das Buch. Mit zusammengekniffenen Augen entzifferte er eine schwer lesbare Textpassage. Aber die Mühe lohnte sich, es war genau das, wonach er seit über einer Woche suchte. Er wusste, dass er Glück hatte, das hier gefunden zu haben. Die Bibliothek der Blacks war riesig, er hätte Jahre zubringen können mit der Suche nach dieser Information. Das würde er gleich beim Essen mit seinen Mitkämpfern – so sah er die drei Gryffindors – besprechen.

Doch als er gerade duschen gehen wollte – nach einer durchwachten Nacht half ihm das normalerweise, richtig wach zu werden – hörte er einen unterdrückten Schrei aus dem Salon. Harry war offenbar schon wach. Hastig griff er nach seiner Hose, zog sie mit einem Zauber an und rannte nach unten. „Was ist los?“, wollte er wissen.

„Ich bin nicht sicher, aber … ich glaube, da draußen stimmt was nicht.“, stammelte Harry. Er deutete auf das Fenster.

Alarmiert sah Severus hinaus. Sein Blick fiel sofort auf Voldemort, der inmitten seiner Todesser erschien. Dank seines guten Gehörs erkannte Severus, wie der dunkle Lord seinen Leuten befahl, das Haus anzugreifen, um an Potter zu gelangen. Sofort flogen die ersten Zauber, doch im Moment hielten die Zauber stand.

„Verdammte Scheiße!“, fluchte er laut. Er hatte geahnt, dass sie kommen würden, aber so schnell hatte er nicht damit gerechnet! „Harry, schnapp deinen Rucksack, deinen Besen und einen Satz Kleidung, vor allem warme. Zwei Decken. Und zieh deine Stiefel an.“ Er wartete nicht ab, ob Harry gehorchte, sondern griff nach der Box mit dem Medaillon und rannte selbst nach oben. „Lupin, Black!“, schrie er. „Wir werden angegriffen, wir müssen hier raus!“ Er selbst griff nach seinem eigenen Rucksack, in den er bereits das Wichtigste gepackt hatte. Das Medaillon warf er einfach mit dazu, außerdem rief er die Tränke aus dem Labor auf. Hastig zog er sich fertig an, griff nach seinem Rucksack und dem Buch, in dem er zuletzt gelesen hatte, dann ging er auf den Flur. Lupin und Black kamen gerade aus Blacks Zimmer, sie wirkten ziemlich verschlafen, aber dennoch alarmiert und hellwach. Jeder hatte einen Rucksack in der Hand, auch sie hatten bereits das Wichtigste gepackt gehabt. Sie wickelten sich eben in ihre Umhänge, auch Harry stand vor seinem Zimmer.

Inzwischen erzitterte das Haus unter den Angriffen, erste Löcher in den Schilden tauchten auf. „Festhalten!“, befahl Severus und streckte seinen Arm aus. Als alle Kontakt zu ihm hatten, apparierte er sie nach draußen. Nicht sehr weit, nur knapp außerhalb Londons. Vier Menschen gleichzeitig zu apparieren war unheimlich schwer. Sobald sie ankamen, stellten sie sich Rücken an Rücken, doch scheinbar war niemand in unmittelbarer Nähe. Harrys Stöhnen lenkte ihre Aufmerksamkeit ab, der Jüngste ging eben in die Knie. Seine Hand presste er auf die Narbe und er kämpfte ganz offensichtlich gegen eine Vision.

„Gebt uns Deckung.“, ordnete Severus an, dann legte er seinem Gefährten die Hand auf die Stirn.

Der Grimmauldplatz war das reinste Schlachtfeld. Todesser und Ordensleute standen einander gegenüber. Der Lord stand hinter seinen Leuten und beobachtete, wie sie gegen Dumbledore und den Orden kämpften. Es war erkennbar, dass so schnell keine der beiden Seiten die Oberhand gewinnen würde.

„Mein Lord, das Haus ist leer.“, berichtete soeben ein Todesser, den Severus als Rodolphus Lestrange identifizierte. „Es sieht aus, als wären sie überstürzt geflohen, aber mehr konnten wir nicht herausfinden, da Dumbledores Leute das Haus stürmten.“

„Wie konnte dieser alte Narr so schnell reagieren?“, zischte Voldemort wütend und ließ den Berichterstatter einen Cruciatus spüren. „Verschwinden wir. Dumbledore hat dieses Mal gewonnen, aber wir werden zurückschlagen! Findet heraus, wohin Potter und Snape verschwunden sind und wer bei ihnen ist.“ Er disapparierte, sobald er zu Ende gesprochen hatte, gefolgt von seinen Todessern.

Harry würgte, als er zurück in die Realität fand. Erschöpft lehnte er an Severus Snapes Brustkorb, atmete tief durch, wie es die Stimme über ihm forderte. Gut, dass er noch nicht gegessen hatte, sonst wäre alles wieder gekommen. Endlich beruhigte sich sein Magen und er blickte auf. „Und jetzt?“, krächzte er.

„Kommt, ich bringe uns erstmal ein Stück weg.“, bot Sirius ruhig an. Sie hielten sich an ihm fest und er apparierte sie in einen dichten, ruhigen Wald. „Hier können wir erst einmal bleiben.“

„Gute Idee, Tatze.“, nickte Remus und ging zielstrebig los.

„Wohin …?“, wollte Severus verwirrt wissen.

„Dort hinten ist eine Höhle, ziemlich gut versteckt, in der habe ich schon manche Nacht als Wolf verbracht, gemeinsam mit Tatze.“, erklärte Remus und zeigte auf ein ziemlich dichtes Gestrüpp. „Als Wolf habe ich nichts gerochen, was darauf hindeutet, dass jemand dorthin kommt. Fürs Erste dürften wir dort einigermaßen sicher sein. Außerdem ist in der Nähe eine Quelle, sodass wir frisches Wasser haben.“

Ein Nicken von Severus zeigte ihm, dass dieser einverstanden war, also bahnte er sich vorsichtig einen Weg durch das Gestrüpp. Sie wollten vermeiden, dass jemand die Spuren bemerkte, also gingen sie langsam und vorsichtig, um möglichst keine Äste abzureißen. Nach etwas über einer Stunde war es geschafft und sie standen vor einer kleinen Höhle. Sie reichte gerade als Unterschlupf, aber es würde eng werden. Zitternd setzte sich Harry und lächelte dankbar, als Sirius ihm eine Decke über die Schultern legte. Langsam ließ der Schock nach und er erkannte, dass sie nun endgültig auf der Flucht waren. Er bekam Angst, vor allem, weil er überhaupt nicht mehr wusste, was nun auf sie zukam. „Wie haben sie uns nur gefunden?“, fragte er leise.

„Ich befürchte, der Schutz alleine hat nicht gereicht, um das Wissen zu vertilgen, wo das Haus in etwa steht.“, antwortete Severus nach einem Moment. Er erzählte Sirius und Remus kurz von Harrys Vision, damit sie wussten, was genau passiert war. „Ich habe schon seit einer Weile etwas Derartiges befürchtet, denn früher war das Haus oft besucht von verschiedenen Reinblütern, die nun zu den Todessern gehören. Auch Dumbledore wusste, wo es sich befand. Zwar haben die Schutzzauber verhindert, dass sie es sehen, aber da sie wussten, wo in etwa, konnten sie sich dahingehend vorarbeiten. In den letzten Wochen war es das Ziel beider Seiten, uns zu finden. Dennoch wollte ich nicht weg, wir hatten dort alles, was wir brauchen. Natürlich könnten wir nun ins Ausland gehen und uns dort verstecken, aber ich für meinen Teil werde hier bleiben. Ich will, dass dieser sinnlose Krieg endlich endet und einem friedlichen Leben Platz macht. Einem Leben, in das auch magische Wesen passen.“

„Wir sind an deiner Seite.“, versprach Remus nach einem mit Sirius getauschten Blick. Auch Harry nickte. Er wollte nicht aus England weg, es war seine Heimat und er fühlte sich bis zu einem gewissen Punkt auch verantwortlich. Außerdem wollte er nicht, dass seine Eltern ihren Kampf umsonst geführt hatten, und das wäre der Fall, wenn sie England nun sich selbst überließen. Zumindest fühlte es sich für Harry so an. Tief in seinem Inneren wollte er auch bei Snape bleiben. Das allerdings würde er wohl nicht laut aussprechen.

Einige Stunden später lehnte Harry an Sirius. Sie saßen um ein kleines, gut abgeschirmtes Feuer, an dem ein wenig Fleisch grillte. Sirius hatte sich verwandelt und als Hund einen Hasen erwischt, den sie nun gehäutet und ausgenommen hatten. Viel war es nicht, aber besser als nichts. Dazu einige Pilze und Wurzeln, die Severus gebracht hatte.

„Ich denke, ich habe das Rätsel um das Medaillon gelöst.“, verriet Severus schließlich, als die Stille bereits eine Weile anhielt. Sofort hatte er die Aufmerksamkeit der drei Gryffindors. Er musste ein Schmunzeln bei dem Anblick unterdrücken, denn sie alle sahen gleich aus: Augen weit aufgerissen, Mund leicht geöffnet und vollkommen erstarrt. Er entschied, sie zu erlösen. „Horkruxe.“

Sirius wurde blass. „Bei Merlin!“, hauchte er. Ganz offensichtlich kannte er den Begriff.

Remus wirkte, als würde er in seinem Gedächtnis suchen, wo und in welchem Zusammenhang er den Begriff schon einmal gehört hatte, während Harry völlig ahnungslos aussah. Severus erbarmte sich und erklärte: „Ein Horkrux ist der dunkelste Zauber, den ich kenne. Dieser Zauber benötigt einen Mord, um zu funktionieren. Wenn er richtig durchgeführt wird, dann spaltet er einen Teil der Seele desjenigen ab, der den Zauber ausführt. Dieses Seelenbruchstück kann dann in einem Behälter eingeschlossen werden. Somit kann derjenige, dessen Seele auf diese Art … konserviert wird, nicht einfach so sterben. Der Lord hat damals, bei dem Angriff auf deine Eltern, Harry, seinen Körper verloren, aber auf dem Friedhof vor einigen Wochen, bekam eines seiner Seelenbruchstücke einen neuen Körper. Das Medaillon, das wir gefunden haben, enthält einen Horkrux. Wie dieser allerdings gerade im Grimmauldplatz gelandet ist, kann ich nicht erklären.“ Er verstummte und ließ seine Zuhörer erst einmal über das Gehörte nachdenken.

„Professor?“, beendete Harry nach einer Weile die Stille.

„Severus.“, unterbrach ihn der Tränkemeister. Verwirrt starrte Harry ihn an. Der Mundwinkel des Älteren zuckte kurz. „Ich bin nicht mehr dein Lehrer, Harry, auch wenn ich dich sicherlich weiter unterweisen werde. Aber wenn wir hier in der Höhle leben, dann kommen wir uns unweigerlich sehr viel näher als bisher, außerdem denke ich, dass du dir das Recht bereits im Ligusterweg erworben hast. Nenn' mich Severus, Harry.“

„Danke, Professor, äh … Severus.“ Vorsichtig probierte Harry diesen Namen. Es fühlte sich gut an, und das Kribbeln in seinem Bauch verstärkte sich. Er senkte den Kopf, als er spürte, wie er rot wurde. Doch er merkte auch, dass der Ältere noch darauf wartete, was er eigentlich hatte fragen wollen. Was war das gewesen? Sein Kopf war wie leer gefegt. Worüber hatten sie eben gesprochen? Ach ja, Horkruxe. Man, das war peinlich! Harry räusperte sich unbehaglich, bemerkte nicht das Schmunzeln seines Paten und die Verwirrung von Remus. „Also, äh, was ich fragen wollte: Wissen wir, wie viele Horkruxe es sind? Ich meine, es müssen ja mindestens zwei gewesen sein, wenn einer für die … Rückkehr verwendet wurde und das Medaillon in unserer Hand ist. Und können wir diese Horkruxe dann zerstören? Und spürt … Voldemort, wenn wir das Medaillon vernichten? Kann er einfach neue machen, wenn wir einen zerstören? Kann ein Horkrux einfach wieder in einen Menschen verwandelt werden? Ist es gefährlich, wenn wir sie bei uns behalten? Wird ...“

„Langsam, Harry.“, bremste ihn Severus. „Das sind alles berechtigte Fragen, aber ich kann sie nicht gleichzeitig beantworten. Manche kann ich gar nicht beantworten. Gerade ähnelst du deiner besten Freundin, und ich muss sagen, bisher hat mir die Fragerei nicht gefehlt.“ Harry wurde erneut rot und zog den Kopf ein, gleichzeitig wanderten seine Gedanken zu Hermine und er fragte sich, ob es ihr gut ging. Doch Severus ließ ihm keine Zeit, darüber nachzudenken, da er sofort weiter sprach. „Es müssen mindestens zwei gewesen sein, aber ich weiß nicht, wie viele es wirklich waren. Er kann jedenfalls nicht unendlich weitermachen, denn eine zerstückelte Seele wird immer schwächer, je öfter sie geteilt wird. Allerdings habe ich keine Vorstellung davon, was möglich ist und was nicht. Im Buch, in dem ich diese Informationen gefunden habe, wurde eindringlich davor gewarnt, sein Leben auf diese Art zu verlängern, da es die Persönlichkeit verändert. Man wird grausam, rücksichtslos, verliert jede Menschlichkeit. Nun, das ist beim Lord definitiv der Fall.  Also ich denke, deine Frage, ob er immer neue machen kann, kann ich verneinen, denn wirklich menschlich ist der Lord schon lange nicht mehr, selbst vor seiner Vernichtung vor knapp vierzehn Jahren. Auch wird das Medaillon sich ganz sicher nicht einfach so in einen neuen dunklen Lord verwandeln, dazu gehört ein Zauber wie der, den du vor einigen Wochen erlebt hast. Und das wird keiner von uns durchführen, keine Sorge. Aber es könnte sein, dass es uns dennoch beeinflusst, deshalb ist es in dem Holzkistchen, um die Gefahr zu verringern. Ob er es spürt, da bin ich nicht sicher. Theoretisch kann es sein, dass er eine Verbindung zu ihnen hat.“

„So, wie meine Verbindung zu ihm?“, wisperte Harry heiser. Er war mit einem Mal leichenblass und starrte aus schockweiten Augen zu Severus. Unwillkürlich festigte Sirius seinen Griff, da er das Zittern des Jugendlichen spürte.

Entsetzt zuckte Severus zurück. Darüber hatte er nicht nachgedacht, aber so, wie Harry es sagte, klang es beinahe logisch. Bisher hatte er geglaubt, es läge an dem abgewehrten Todesfluch, aber was, wenn der Lord damals auch einen Horkrux herstellte, ob beabsichtigt oder nicht? Wenn man das Seelenbruchstück nicht in einen Behälter gab, würde es etwas Ähnliches suchen, und Harrys Seele war insofern ähnlich, dass auch sie menschlich war. Seine Gedanken rasten, war es möglich? Konnte Harry einen Teil von Voldemorts Seele in sich haben? Welche Konsequenzen hatte das dann? Konnten sie diesen Zauber umkehren, damit Harry es loswurde? Gab es eine Möglichkeit, ihre Theorie zu prüfen?

„Nein!“, hauchte Sirius. Seine Augen schwammen, doch noch weinte er nicht. „Nicht Harry, bitte nicht!“

„Können wir es testen?“ Remus' Frage war tonlos, er schien ebenso zu denken wie Severus, hektisch nach einer Lösung suchend.

„Ich weiß es nicht.“, gab Severus zu. Er kramte in seinem Rucksack und zog das Buch heraus, mehr als froh, es mitgenommen zu haben. „Ich habe es noch nicht komplett gelesen, die Runen sind nicht leicht zu entziffern. Aber alle Informationen, die ich habe, sind hieraus. Für heute ist es zu dunkel, morgen können wir nachlesen.“

„Ich helfe dir.“, bot Remus an, was Severus zu einem dankbaren Nicken verleitete. Er sah zu Harry. „Mach dir erstmal keine Gedanken, Welpe, wir finden eine Lösung.“

Der Jugendliche nickte, wenn auch ziemlich kläglich, und schmiegte sich Schutz suchend an seinen Paten. Der hielt ihn fest im Arm, sah aus, als würde er ihn nie wieder loslassen. Obwohl sie so wenig Essen hatten, blieb Einiges übrig, keiner hatte mehr Appetit an diesem Abend. Sie löschten das Feuer sorgfältig, dann zogen sie sich in die Höhle zurück, da es anfing zu regnen. Eng aneinander geschmiegt lagen sie schließlich in ihre Decken eingewickelt und wollten eigentlich schlafen. Doch jeder lag wach, zu aufgewühlt, um schlafen zu können. Harry zitterte wie verrückt, er hatte eine solche Angst, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Vor allem, weil er die Angst von Sirius und Remus ebenfalls spürte. Professor Snape, oder besser Severus, ließ nicht durchblicken, wie er sich fühlte, doch er war seltsam wortkarg. Normalerweise hatte er mit einem Kommentar gerechnet, als sie sich hinlegten. Wie Sardinen in einer Dose, fand Harry. Ein leicht hysterisches Lachen baute sich in seinem Inneren auf, doch er drückte es zurück. Stattdessen hatte Severus seine Decke auch noch über Harry gelegt, als er das Zittern spürte. „Ruhig, Harry.“, murmelte Severus schließlich, als die Stille drückend wurde. Mit der rechten Hand strich er sanft über Harrys Wange, wischte die Feuchtigkeit der Tränen ab. „Gib nicht auf, wir werden an deiner Seite kämpfen und eine Lösung finden. Das verspreche ich dir bei meiner Ehre.“

Harry biss sich auf die Lippen, doch er konnte ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Plötzlich spürte er, wie Severus seinen Arm um ihn legte. Dicht zwischen Severus und Sirius eingezwängt lag Harry nun und weinte. Irgendwo tief in seinem Inneren war es ihm peinlich, doch er brauchte nun die Nähe der Beiden. Oder eher der Drei, denn auch Remus war da. Die Tränen halfen ihm, etwas von der Anspannung loszuwerden. Nach einer Weile schlief er erschöpft ein, geborgen in den Armen der schwarzhaarigen Männer.

 

Drei Tage später hatten Severus und Remus das Buch durchgearbeitet. Leider bot es keine wirkliche Lösung für sie an. Es hatte ihnen keinen Zauber geliefert, mit dem sie Harry prüfen könnten. Sie gingen nun davon aus, dass ein Stück einer fremden Seele in ihm steckte, einfach um sicher zu gehen. Daraufhin lernte Severus mit ihm noch intensiver Okklumentik, allerdings ein wenig abgewandelt, da es nun möglicherweise darum ging, die Seele Harrys von dem Bruchstück zu isolieren. Die meiste Zeit aber hatte er mit Remus über das Buch gebeugt verbracht. Harry war fasziniert von den Runen und ließ sich immer wieder etwas von Remus erklären, wenn der Zeit hatte. Ansonsten sammelte er Pilze, Beeren und Wurzeln in der Nähe, während Sirius auf die Jagd ging. Noch gab es reichlich Auswahl, die meisten Früchte waren reif oder kurz davor, aber sie wollten nicht darüber nachdenken, wie es in ein oder zwei Monaten aussehen würde. Sie hofften, bis dahin eine Lösung zu finden, wo sie bleiben konnten. Von dort aus wollten sie sich dann auf die Suche nach Antworten machen. Welche Horkruxe gab es noch? Wo waren sie versteckt? Dass es nur zwei waren, davon ging keiner aus.

„Was haben wir?“, fragte Sirius, als er von seiner Jagd zurückkam und das Buch zugeschlagen auf dem Rucksack lag.

Geistesabwesend machten sich Harry und Remus darüber, die beiden Hasen auszunehmen und zu häuten, die Sirius ihnen gab. Ihre Aufmerksamkeit galt Severus.

„Also, wir befürchten nun, dass Harry tatsächlich ein Horkrux ist, auch wenn in dem Buch davon abgeraten wird, lebende Behältnisse zu verwenden.“, begann Severus. „Das Problem dabei ist, es kann sein, dass die stärkere Seele, also die ganze, das Bruchstück als eine schwächere ansieht und bekämpft. Bisher ist das bei dir, Harry, wohl nicht der Fall, weil du noch so jung bist. Es heißt nicht umsonst, dass Kinderseelen zart und leicht verletzlich sind. In einem Erwachsenen, der seelisch gesund ist, hätte so ein Bruchstück vermutlich kaum eine Möglichkeit zu überleben. Ob Harrys Seele dieses Bruchstück aber noch als fremd erkennt, ist fraglich, denn wenn es da ist, ist es in dir, seit du etwas über ein Jahr alt bist. Wie deine Seele nun darauf reagieren wird, oder ob es keine Reaktion mehr geben wird, weil sie das Stück als Teil von dir ansieht, das wissen wir nicht.“ Er strich Harry kurz über die Wange, was ein Flattern im Magen des Jugendlichen auslöste. „Außerdem wissen wir, dass wir entweder Dämonsfeuer oder Basiliskengift brauchen, um einen Horkrux zu zerstören. Das Gift haben wir nicht, und wenn uns nicht sehr viele Zufälle helfen, kommen wir auch nicht daran, denn nach Hogwarts zu gehen, um den Basilisken in der Kammer auseinander zu nehmen, kommt nicht in Frage. Dämonsfeuer kann aufgespürt werden, weil es einen hohen Magieausstoß bedeutet, das können wir höchstens irgendwo machen, wo wir schnell und spurlos verschwinden können. Zusätzlich ist es sehr schwer zu beherrschen, ich glaube nicht, dass einer von uns dazu in der Lage ist. Also müssen wir das Medaillon noch eine Weile sicher verwahren und hoffen, dass der Lord es nicht aufspüren kann. Ich vermute, auch wenn ich das nicht bestätigen kann, dass es noch weitere Horkruxe gibt. Der Grad der Veränderung beim Lord spricht dafür.“

„Wie finden wir mehr darüber heraus?“, wollte Harry wissen.

„Ich schlage vor, wir versuchen, die Spuren des Lords zu verfolgen.“, antwortete Severus. „Der einzige Anhaltspunkt, den ich habe, ist der Friedhof und das Anwesen seines Muggelvaters. Er verachtet es und vermeidet es, dorthin zu gehen, aber dort hat zumindest ein Teil stattgefunden. Der Friedhof, auf dem du vor einigen Wochen warst, Harry, gehört zu Little Hangleton, einem Ort, in dem Riddle Manor steht. Früher waren die Riddles Landlords, das Dorf war von ihren Leibeigenen und Tagelöhnern bewohnt. Diese Zeiten sind lange vorbei, aber die Verbundenheit kann man heute noch erkennen. Ich habe keine Ahnung, ob das Manor überwacht wird oder nicht, aber ich weiß auch nicht, wo wir sonst anfangen sollen. Daher werde ich alleine hingehen.“

„Kommt nicht in Frage.“, widersprach Sirius sofort. „Ich bin Auror und weiß, wie ich vorgehen muss. Ich komme mit.“

„Wenn wir noch einige Tage warten, dann ist es nahe genug an Vollmond, dass meine Instinkte gute Dienste leisten, damit können wir schneller suchen.“, argumentierte Remus.

„Ich werde nicht allein hierbleiben.“, beschloss Harry. „Ich stand Voldemort schon mehrmals gegenüber und ich kann die Horkruxe spüren. Ich komme mit.“ Das stimmte, wie sie festgestellt hatten. Anfangs war es nicht aufgefallen, aber seit Harry Okklumentik lernte, hatte er mehr und mehr ein Gefühl dafür entwickelt, wie er fremde Magie entdeckte. Er spürte den Horkrux in Severus' Rucksack nur zu deutlich.

„Nein, es ist zu gefährlich, wenn wir alle gehen.“, schüttelte Severus den Kopf. „Wir wissen nicht, ob wir in eine Falle gehen.“

„Es ist zu gefährlich, wenn wir uns trennen.“, entgegnete Harry ruhig. „Sie wissen, dass wir miteinander unterwegs sind und könnten uns gegeneinander ausspielen. Niemand von uns wird freiwillig etwas sagen oder tun, aber was, wenn sie einen haben? Dann können sie die Anderen erpressen. Wir sollten zusammen bleiben, dann haben wir bessere Chancen. Gemeinsam sind wir stärker.“

„Harry hat Recht, auch wenn mir das nicht gefällt.“, meinte Sirius. „Sollten wir fliehen müssen, müssen wir nicht erst hierher zurückkehren, um wieder zusammen zu sein.“

„In Ordnung, gehen wir gemeinsam.“, gab Severus nach. „Aber vorher versuchen wir, einige Informationen zu bekommen. Zeitungen, Gerüchte, alles, was irgendwie hilfreich sein kann. Black, du apparierst in die Nähe von Zauber-Gemeinden, dort verwandelst du dich und streunst umher. Vielleicht schnappst du etwas auf. Dein Zauberstab ist hoffentlich nicht registriert?“

„Natürlich nicht.“ Sirius schien empört. „Ich habe ihn auf meiner Flucht besorgt, selbst wenn er registriert wäre, dann in Marokko, und die kümmern sich nicht um die Zustände hier in England.“

Severus schien zufrieden. „Ich werde ein paar alte … Kontakte aufwärmen. Lupin, du kümmerst dich um Harry, trainierst mit ihm. Überlege dir, wohin wir können, wenn wir fliehen müssen, schaffe uns Portschlüssel. Sammelt noch mehr Beeren, Pilze und Wurzeln, dass wir wenigstens einige Vorräte haben.“

Remus nickte zustimmend. „Wir kümmern uns darum.“ Auch Harry nickte.

„Gut, dann essen wir jetzt und schlafen danach. Morgen früh gehen wir los.“, bestimmte Severus. Er strahlte in diesen Momenten etwas aus, das die Anderen automatisch akzeptieren ließ, dass er das Kommando übernahm. So ruhig und zurückhaltend er sonst sein konnte, in diesen Augenblicken war er der geborene Anführer. Wie so oft blickte Sirius ihn nachdenklich an, er versuchte noch immer, herauszufinden, was in Snape steckte. Bisher hatte er die Möglichkeiten nicht wirklich einschränken können, auch wenn er intensiv beobachtete. Aber er war sicher, irgendwann würde er es herausfinden. Alleine schon seine angeborene Neugier würde ihn nicht eher ruhen lassen. Der Tränkemeister sah die Blicke und die Überlegungen, war aber sicher, dass Black nichts fand, was ihm weiterhalf. Er würde ihm nicht helfen, besser war es, wenn niemand etwas wusste. Schon sehr früh hatte Severus gelernt, niemandem zu vertrauen. Auch wenn er inzwischen ziemlich sicher war, dass die beiden ehemaligen Gryffindors ihn nicht absichtlich verraten würden, er wusste um die Methoden der Todesser. Und Dumbledore wäre ähnlich erfindungsreich, wenn er etwas wissen wollte. Außerdem ging es ums Prinzip, es waren zwei Rumtreiber, seine schlimmsten Gegner in der Schulzeit, sie hatten ihm das Leben bereits einmal zur Hölle gemacht. Ein zweites Mal würde er verhindern, wenn er konnte. Überraschend allerdings war, dass Black noch nichts über seine Verbindung zu Harry ausgeplaudert hatte. Möglicherweise dem Werwolf gegenüber, aber der hielt dicht, sollte er etwas wissen.

„Wie wird das eigentlich, wenn Remus sich verwandelt?“, fragte Harry in die Stille, als sie bereits zum Schlafen in der Höhle lagen.

„Ich werde mit ihm irgendwo hin gehen, wo er niemanden gefährden kann.“, beruhigte Sirius.

„Gibt es denn keine Möglichkeit, dass Remus und Moony eins werden?“, wisperte Harry. „Ich meine, … das würde doch alles leichter machen, oder?“

„Gebundene Werwölfe schaffen das.“, wusste Sirius. „Allerdings ist es gegen das Gesetz, dass ein Werwolf sich bindet.“

„Und ich bin meinem Gefährten bislang noch nicht begegnet.“, warf Remus ein. „Ich habe gehört, dass gebundene Werwölfe sich leichter verwandeln, der Schmerz ist weg, außerdem sind sie eins mit dem Wolf, dadurch können sie die Kontrolle behalten.“

„Das hat nicht alleine damit zu tun, dass sie gebunden sind.“, widersprach Severus ruhig. „Es hat auch mit der Akzeptanz ihres Wesens zu tun. Je mehr ein Mensch den Wolf in sich ablehnt, umso stärker sind die Schmerzen bei der Verwandlung. Und umso mehr drängt sich der Wolf in den Vordergrund, umso aggressiver ist er.“

„Dich will ich sehen, Severus, wenn du so ein Monster in dir hättest!“, zischte Remus wütend.

„Moony ist kein Monster, das kann ich mir nicht vorstellen.“, murmelte Harry. „Aber wenn er immer unterdrückt wird, dann kann ich mir schon vorstellen, dass er irgendwann nach draußen drängt und die Kontrolle will.“

„Ich werde nicht zulassen, dass er jemanden verletzt.“, schnaubte Remus.

„Das sollst du auch nicht.“, beruhigte Sirius. „Aber Harry hat Recht, Moony ist kein Monster. Er ist ein Teil von dir und ich weigere mich, dich als Monster zu bezeichnen. Ja, du hast es von klein auf nicht anders gelernt, aber das heißt nicht, dass es richtig ist.“

Severus hörte nicht mehr zu. Sein linker Arm brannte wie Feuer, der Lord rief nach seinen Untertanen. Wahrscheinlich würde es nicht mehr lange dauern, dann konnten sie sehen, ob Harrys neues Training Früchte trug, aber bis dahin musste Severus zusehen, dass niemand die Schmerzen mitbekam. Doch eine schmale, kühle Hand zeigte ihm bald, dass Harry es wusste.

Der Jugendliche hatte das Leuchten gesehen und konnte es zuordnen, obwohl es unter dem Ärmel der Robe, die der Ältere sogar in der Nacht trug, kaum zu erkennen war. Schon einmal hatte er es mitbekommen, damals in seinem Schrank. Das schien Ewigkeiten her zu sein, obwohl es noch nicht einmal eineinhalb Monate waren. In wenigen Tagen würde die Schule wieder beginnen. Harry wusste, er würde Hogwarts vermissen. Doch jetzt wollte er erst einmal Severus helfen. Noch immer war es seltsam, den Tränkemeister mit Vornamen anzusprechen, auch wenn es sich gut anfühlte. Es löste jedes Mal ein Kribbeln in Harry aus. „Kann man es entfernen?“, erkundigte sich Harry leise bei ihm.

„Wahrscheinlich nicht.“, zischte Severus durch die zusammengebissenen Zähne. „Der Lord hat den Zauber in Parsel gesprochen.“

„Und wenn ich den Gegenzauber auch in Parsel spreche?“

„Das könnte funktionieren, aber nur, wenn wir den Gegenzauber kennen.“, überlegte Remus, der nun auch darauf aufmerksam geworden war. „Aber wir können es probieren. Ich kann versuchen, den Zauber zu analysieren, vielleicht finde ich einen Gegenzauber.“

„Kannst du es gleich machen?“, hoffte Harry, der Severus' Schmerzen nicht mit ansehen konnte. Nicht einmal zu der Zeit, als sie sich noch hassten, hätte er ihm das gewünscht.

Remus zuckte ungesehen die Schultern und richtete sich auf. Den Zauberstab zog er aus dem Ärmel, sie alle legten sie niemals ab. Harry setzte sich ebenfalls, nahm den Kopf des Tränkemeisters in den Schoß. Inzwischen wimmerte Severus leise, konnte es nicht ganz unterbinden. Der Lord legte es offenbar darauf an, ihm Schmerzen zuzufügen. Das war schon lange kein normaler Ruf mehr. Der Arm glühte, und das war nicht im übertragenen Sinn gemeint. Er leuchtete wie ein Glühwürmchen und brannte wie Feuer, während er immer mehr Hitze abstrahlte. Severus hatte das Gefühl, die Haut schlug bereits Blasen vor Hitze. Harrys Berührung war tröstend, kühlte ein wenig, konnte das Feuer aber nicht löschen. Angst kam in Severus auf, was würde passieren, wenn es immer schlimmer wurde? Würde er irgendwann wahnsinnig vor Schmerzen? Er bekam nicht mit, was um ihn herum passierte. Inzwischen unterstützte Sirius seinen besten Freund, auch ihn ließ das Leid des Schwarzäugigen nicht kalt. Er hatte ein kleines Licht über sie gezaubert, das alles in einen unheimlichen Schein tauchte. Die Schatten machten es noch unheimlicher, lang und schwarz hüllten sie sie ein. Harry wünschte sich, er müsste das Leid des Tränkemeisters nicht mit ansehen, es tat ihm weh, weil er nichts tun konnte.

„Ich hab's!“, keuchte Remus schließlich, als sich Severus auf dem Boden der Höhle krümmte. „Harry, der Zauber ist ein einfaches ‚Deletrium‘, dazu machst du folgende Bewegung.“ Er griff nach Harrys Arm und bewegte ihn, damit Harry es nachvollziehen konnte.

Zweimal zeigte er es, dann nickte Harry ungeduldig. „Okay.“ Er zog seinen eigenen Zauberstab, schloss einen Moment die Augen. Jetzt richtete er den Stab auf Severus' Arm, den Sirius festhalten musste. Harry machte die Bewegung, die Remus ihm eben beigebracht hatte, dann zischelte er in Parsel: „Deletrium!“ Sofort ließen die Bewegung und das Wimmern nach. Zwei weitere Male wiederholte Harry den Zauber, dann hörte er, wie Severus erleichtert aufatmete.

„Es ist weg!“, hauchte der Tränkemeister und gab der Schwärze nach.

Vorsichtig strich Harry ihm den Schweiß von der Stirn und wirkte einen Reinigungszauber, denn Severus war sicher komplett durchgeschwitzt. Anschließend deckte er ihn gut zu und schloss ihn in die Arme. Es hatte ihm in den letzten Nächten gut getan, da konnte es für den Älteren doch auch hilfreich sein, fand er. Remus bestrich den Arm im Licht von Sirius' Zauberstab mit einer dünnen Schicht Heilsalbe, dann transformierte er einen Verband aus einigen Blättern, umwickelte den Unterarm damit. Mehr konnten sie im Moment nicht tun, also legte er sich auf die andere Seite von Severus, schützte ihn gegen die Kälte und mögliche Angriffe. Bald war es still in der Höhle und sie schliefen tief und fest, wenn auch teilweise unruhig.

Severus stöhnte leise, als er erwachte und seinen Arm bewegte. Brennender Schmerz schoss bis hinauf in die Schulter und den Kopf. Er fühlte sich vollkommen erschlagen. „Bleib ruhig liegen, du hast Fieber und dein Arm ist wund und schlimm entzündet.“, hörte er eine ruhige Stimme irgendwo über sich. Lupin.

Er brauchte keine Ruhe, er brauchte … Aber das sollten seine Mitstreiter nicht wissen. Noch nicht, so sehr vertraute Severus ihnen nicht. Außerdem sollte der Lord nichts erfahren, das konnten sie nicht verhindern, sollte er sie in die Hände bekommen. Oder Dumbledore. Auch der sollte nichts erfahren von seinem Erbe. Trotz der Aufforderung in der Stimme stemmte er sich hoch. „Keine Zeit.“, krächzte er. Er sah sich um. In der Höhle herrschte das diffuse Dunkel, das ihm zeigte, es war helllichter Tag. Erschrocken wollte er aufstehen, doch Lupin drückte ihn zurück.

„Du ruhst dich aus.“, bestimmte der Werwolf. „Sirius ist unterwegs, um Zeitungen zu finden, Harry sucht nach Wurzeln, Pilzen und Beeren, er kennt sich gut aus damit. Er ist in Rufweite, also keine Sorge. Deine alten Kontakte müssen warten, bis du wieder auf dem Damm bist, wir haben nichts gegen Fieber hier.“

„Der Fiebertrank war noch nicht fertig, als wir aufbrechen mussten.“, erklärte Severus, und ließ sich zurück auf den Boden sinken. Sein Kopf dröhnte und er hatte das Gefühl, alles käme auf ihn zu, wenn er sich umsah. Ergeben schloss er die Augen und dämmerte schnell wieder weg. Remus brummte zufrieden und machte sich erneut darüber, die Früchte und Pilze, die Harry bereits gebracht hatte, zu zerkleinern und zu trocknen. Nebenbei kochte er Wasser über dem Feuer, damit Severus später Tee trinken konnte, denn Harry hatte Fenchel und Minze gefunden. Am Morgen hatten sie zu dritt eine Stunde trainiert, Sirius und er waren wirklich stolz auf ihren Kleinen. Harry machte sich gut, auch wenn sie merkten, irgendetwas beschäftigte ihn. Vermutlich die Tatsache, dass er nun selbst eine der meist-gesuchten Personen Großbritanniens war. Wenn in einigen Tagen die Schule wieder startete, dann durfte Harry sich nicht in der Nähe aufhalten. Dann war es für ihn wohl endgültig. Das hatten sie ihm nicht so gewünscht, dass er nun gesucht wurde wie ein Verbrecher. Doch er schlug sich wacker, ließ sich bislang nichts anmerken. Er hatte ein Ziel, für das kämpfte er. Wie Lily und auch wie James. Die Beiden wären sicher stolz auf ihren Jungen.

Nun gut, James würde sicher die Tatsache verfluchen, dass Harry ausgerechnet Severus geholfen und sogar in sein Bett gelassen hatte, aber da war Harry seiner Mutter erstaunlich ähnlich, auch sie hatte immer jedem geholfen, egal wer es war. Das hatte immer wieder zu Streit zwischen James und Lily geführt, denn James hatte es nie verstanden, dass Lily keinen Unterschied zwischen den Häusern und Gesinnungen gemacht hatte. Sie hätte selbst Voldemort geholfen, wenn er zu ihr gekommen wäre. Genau wie Harry. Sirius kam damit auch nicht so ganz klar, aber das war nicht unerwartet, jedenfalls nicht für Remus.

„Ich hab noch mehr gefunden.“, riss Harrys Stimme ihn nun aus den Gedanken.

„Sehr gut, Welpe!“, lächelte Remus. Harry schien diesen Kosenamen wirklich zu genießen, denn er strahlte, wann immer Remus ihn so nannte. Also machte der Dunkelblonde weiter. „Sieh mal nach dem Tee, wenn er schon abgekühlt ist, dann können wir Severus etwas davon einflößen, er braucht Flüssigkeit.“

„Alles klar.“, nickte Harry und griff nach dem Becher, den Remus aus einem Stück Ast gezaubert hatte. Vorsichtig weckte er den Tränkemeister, half ihm, sich aufzusetzen. Remus erkannte, wie geübt er das machte, und schüttelte den Kopf. Was gäbe er darum, wenn Harry unbelastet hätte aufwachsen können! Aber er kam nicht umhin, das Talent des Jugendlichen zu bewundern. Severus trank langsam, doch Harry blieb ruhig und geduldig. Nicht ein einziges Mal verschluckte sich Severus, bis der Becher leer war. Anschließend schaffte es Harry sogar, ihm ein paar Beeren zum Essen zu geben. Der Tränkemeister lehnte sich an Harry an. Ein Bild, das Remus misstrauisch sah. Etwas war zwischen den Beiden, das er nicht zuordnen konnte. Normalerweise würde Severus nicht zulassen, dass jemand seine Schwäche sah oder durch seine Haare strich. Harrys Hand streichelte stetig über die schwarzen, inzwischen etwas wirren Haare von Severus. Es wirkte beinahe, als würde der Slytherin sich der Berührung entgegen lehnen. Remus schüttelte den Kopf, das konnte doch eigentlich nicht sein. Severus hatte immer wieder deutlich gemacht, dass er James Potters Sohn nicht ausstehen konnte. Und das war noch nett ausgedrückt. Wobei, das Angebot an den Jugendlichen, ihn Severus zu nennen, war genauso verwirrend. Außerdem fielen ihm die Blicke von Sirius auf, der immer wieder beobachtete, als wollte er etwas finden. So hatte Sirius ihn selbst auch schon angesehen, vor vielen Jahren, als sie in Hogwarts waren und er versuchte, auf das Geheimnis zu stoßen, das Remus umgab. Damals hatte er es geschafft. Würde Sirius auch herausbekommen, was Severus verbarg? Irgendetwas war da, aber Remus konnte es nicht genauer zuordnen. Seine Gedanken begannen, sich im Kreis zu drehen und er stand auf.

„Ich gehe jagen.“, verkündete Remus und sah Harry an. „Du passt hier auf.“ Harry nickte und legte Severus vorsichtig wieder hin. Er setzte sich ans Feuer, sodass er Severus im Blick behalten konnte, aber auch den Zugang zu ihrer Lichtung. Wie selbstverständlich richtete er einige der Wurzeln her, die sie für das Abendessen nutzen konnten. Remus nickte ihm noch einmal zu, dann verschwand er durch den schmalen Spalt im Gebüsch. Als es nur wenige Minuten später wieder raschelte, hob Harry seinen neuen Zauberstab und fixierte die Öffnung mit den Augen. Auch als er Sirius sah, ließ er ihn nicht sinken.

„Ich bin's wirklich.“, versicherte Sirius und verwandelte sich in Tatze. Nur einen Moment später stand er wieder als Mensch vor Harry. „Wie geht's Schn… Snape?“

„Du sollst ihn nicht so nennen!“, schimpfte Harry wütend. „Du und Dad, ihr seid vor allem Schuld daran, dass seine Schulzeit mindestens so schlimm wie meine war. Du solltest dich bei ihm entschuldigen und endlich erwachsen werden.“

„Ich werde es versuchen.“, versprach Sirius kleinlaut. Für Harry war er bereit, es zu versuchen. Selbst Sirius konnte sehen, dass Harry sich zu Snape hingezogen fühlte. Er hatte sich bisher an den Wunsch des Slytherin gehalten und nichts von der Verbindung zu Harry erzählt, oder davon, dass er ein magisches Wesen war. Selbst Remus gegenüber hatte er geschwiegen, so schwer es ihm auch fiel, denn eigentlich hatte er keine Geheimnisse vor Remus. Er liebte den Dunkelblonden, auch wenn er wusste, dass er nicht der Gefährte des Werwolfes war. Schon gegen Ende ihrer Schulzeit waren sie in einer Beziehung gewesen, die sie seit einem Jahr wieder vertieften. Sirius war sicher, dass Snape es ahnte, bei Harry hingegen glaubte er, dass er keine Ahnung hatte. Remus bestand darauf, denn er wollte Sirius nicht in Gefahr bringen. Die Gesetze besagten eindeutig, dass er keinen Gefährten haben durfte, auch keinen Partner. Wobei das Ministerium ohnehin nicht zwischen beiden unterscheiden konnte. Er riss sich aus seinen Gedanken. „Also, wie geht es Snape?“, fragte er erneut, diesmal aber betont neutral.

„Severus“, Harry betonte den Namen deutlich, „hat immer noch Fieber, aber ich denke, es sinkt. Er hat vorhin Tee getrunken, seither schläft er deutlich ruhiger. Ich denke, er ist nicht mehr so heiß, aber da ich keine Diagnosezauber kenne, kann ich es nicht sagen.“

Schmunzelnd zog Sirius seinen Zauberstab, misstrauisch beobachtet von seinem Patenkind. Doch er wirkte nur einen Diagnosezauber und zeigte Harry gleichzeitig, worauf es dabei ankam. „Das Fieber ist deutlich gesunken und die Entzündung heilt auch langsam. Es wird sicher noch einige Tage dauern, aber es wird verheilen.“, erklärte er das Ergebnis. Was er nicht erwähnte war die Tatsache, dass er auch versucht hatte, mehr über das magische Wesen in dem Slytherin herauszufinden, aber es war ihm nicht gelungen. Noch immer hatte er es nicht aufgegeben, etwas herausfinden zu wollen. Er erkannte deutlich, dass wohl ein Zauber auf dem Schwarzäugigen lag, der verhindern sollte, das man etwas herausbekam, aber er konnte ihn weder umgehen noch lösen. Die Beobachtungen hatten bislang auch nichts ergeben, aber Sirius erhoffte sich von dem Aufenthalt hier in der Höhle neue Erkenntnisse. So eng, wie sie hier miteinander lebten, konnte man nicht lange Geheimnisse bewahren. Er grinste Harry an, der ihn immer noch anblickte. Gemeinsam setzten sie sich nun ans Feuer und warteten, bis Remus zurückkam.

„Ist es immer so?“, wollte Harry irgendwann leise wissen. „Wenn man auf der Flucht ist, meine ich.“

Sirius zog den Jugendlichen an sich. „Es ist ganz unterschiedlich. Manche Zeiten habe ich in ganz normalen Häusern verbracht, wenn Muggel gerade nicht da waren. Ich weiß, das macht man nicht, aber … naja, in Höhlen ist es im Winter nicht sonderlich angenehm, wenn ich ehrlich sein soll. Eine Zeit lang war ich in Marokko, zusammen mit Seidenschnabel. Dort haben einige Nomaden mich aufgenommen. Ich habe mit ihnen gelebt, sie sind wirklich gastfreundlich. Als Gegenleistung habe ich Seidenschnabel gebeten, einige Federn nehmen zu dürfen. Er hat ihnen auch noch Schweifhaare, Abrieb von seinen Klauen und sogar ein wenig Blut überlassen, das brauchen sie für ihre Zaubertränke. Snape hätte dort sicher auch noch Einiges dazulernen können, die haben Zutaten, die bei uns keiner kennt. Aber dann habe ich erfahren, dass du im Turnier steckst und bin zurück, wollte dich nicht alleine lassen. Die Zeit bereue ich nicht, also mach dir keine Vorwürfe, aber es war nicht gerade angenehm in der Höhle nahe Hogsmeade. Aber wie gesagt, ich bereue es nicht, würde es jederzeit wieder tun. Die Höhle war eigentlich ganz bequem, nur leider weiß Dumbledore davon, deshalb können wir dort nicht hin.“

„Hast du Zeitungen bekommen?“, fiel es Harry auf einmal ein, er wollte nicht weiter über dieses Thema reden.

Sirius grinste. „Ja, hab ich. Wollen wir einen Blick hinein werfen?“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das sehen will.“, zögerte Harry. Dennoch blickte er über Sirius' Schulter, als der die drei Zeitungen, die er ergattert hatte, öffnete. Das Titelbild der ersten teilten sie sich, sie waren nun alle gesucht. Scheinbar hatten sie herausgefunden, dass auch Remus bei ihnen war. Es waren hohe Belohnungen ausgesetzt. Mit einer gewissen morbiden Faszination las Harry den Artikel, der ein wirklich schauderhaftes Bild von ihnen lieferte. Ihm selbst wurde der Mord an Cedric und auch die Tötung seiner Muggelverwandten zur Last gelegt, da er sich ja der Befragung entzog. Die Strafe, die ihn erwartete, war nicht mehr so harmlos, wie es anfangs erschien. Noch immer sollte ihm die Magie entzogen werden, aber zusätzlich wollten sie, dass er mit dem Kuss der Dementoren bestraft und anschließend hingerichtet wurde. Ein klein wenig übertrieben, wie es schien. Irgendjemand lechzte nach seinem Blut, wie es aussah. Harry schauderte und nahm sich vor, auf keinen Fall in die Hände des Ministeriums zu fallen, egal was passierte. Sirius wurde noch immer der Verrat an Harrys Eltern, der Mord an den dreizehn Muggeln zur Last gelegt, dazu die Flucht aus Askaban und die Tatsache, dass er ein Todesser sein musste, immerhin hatte er die Potters an den Lord verraten und das würde wohl nur ein Anhänger des Dunklen machen. Ihm drohte ebenfalls der Kuss der Dementoren. Severus war als Todesser und Entführer von Harry Potter gesucht, ihn erwarteten mindestens zwanzig Jahre Askaban und der Entzug seiner Magie. Remus suchten sie nur wegen der Beihilfe zur Flucht und der Tatsache, dass er als Werwolf gefährlich für die Allgemeinheit war. Ihm drohte die Verbannung, damit er niemanden gefährden konnte. Außerdem berichtete der Tagesprophet von einem Überfall, der erneut durch einen geheimnisvollen Patronus vereitelt werden konnte. Ein silbriger Orca war in den letzten Wochen immer wieder aufgetaucht, wenn ein Überfall bevorstand.

Harry grübelte, irgendetwas daran kam ihm komisch vor. Erneut las er den Bericht, in dem auch einige der Überfälle noch einmal erwähnt wurden, wenn auch nur kurz. „Moment mal!“, fiel es ihm schließlich auf. „Das sind Überfälle, die dieser Spion an Voldemort verraten hat! Genau die, von denen ich in den Visionen erfahren habe, bevor sie stattfanden! Was bedeutet das?“

„Ich weiß es nicht.“, zuckte Sirius die Schultern. „Aber wer auch immer die Informationen weitergibt, er steht offensichtlich auf der Seite der Bevölkerung.“

„Stimmt.“, murmelte Harry. „Aber es muss jemand sein, der entweder nahe an Dumbledore ist, oder der von dem Spion Informationen bekommt.“

„Ja, aber das hilft uns nicht, wenn wir herausfinden wollen, wer es ist.“, gab Sirius zu bedenken.

In dem Moment kam Remus erfolgreich von der Jagd zurück, und sie kümmerten sich gemeinsam um das Essen. Dazu weckten sie dann auch Severus, damit dieser Kraft schöpfen konnte. Da sie keine Möglichkeit hatten, Heiltränke zu bekommen, musste er so heilen, wie sein Körper es schaffte. Und dazu brauchte er viel Flüssigkeit und immer wieder auch Nahrung. Mit Mühe aß Severus eine kleine Portion, bevor er die Schale von sich schob und sich erneut hinlegte. Remus legte einige größere Steine ins Feuer, sodass sie die Wärme speicherten. Damit wärmte er die Höhle etwas auf. Sie wollten so weit wie möglich auf Zauber verzichten, denn auch, wenn ihre Stäbe nicht registriert waren, so konnte das Ministerium doch eine Erhöhung der Magie in dieser Gegend auffällig finden, und das wollten sie nicht riskieren. Im Moment konnten sie Severus nicht wegbringen, ohne damit eine Verschlechterung seines Zustandes zu verursachen. Abwechselnd wachten sie in dieser Nacht, vor allem wegen Severus. Immer wieder tauschten sie die Steine aus, damit der Verletzte es warm hatte.

In seiner Wache überlegte Sirius, wie er es schaffen könnte, hinter das Geheimnis des Tränkemeisters zu kommen. Ihm war bewusst, dass ihm der Zufall wohl nicht half, er musste es schaffen, den Anderen entweder zu überzeugen, ihm etwas zu sagen, oder aber ihn zu überraschen, sodass er versehentlich etwas verriet. Wobei, Letzteres konnte er wohl vergessen, er hatte noch nie einen so beherrschten Menschen wie den Tränkemeister erlebt. Also blieb ihm nichts Anderes übrig, als tatsächlich mit Snape zu reden. Was würde der Andere verlangen? Würde er überhaupt mit ihm reden? Erst jetzt wurde Sirius bewusst, was in all den Jahren eigentlich zwischen ihnen passiert war. Vielleicht war das der Schlüssel. Er musste erst einmal das Vertrauen Snapes gewinnen. Das würde nicht leicht. Immerhin war er gemeinsam mit James der Schlimmste gewesen. Remus hatte nichts getan. Nun gut, er hätte sie bremsen müssen, wirklich effektiv. Das hatte er damals nicht getan, weil er Angst gehabt hatte, ihre Freundschaft zu verlieren. Dabei hatte Dumbledore damals wohl gehofft, dass Remus sie bremsen könnte. Sirius wusste, Remus hatte sich inzwischen bei dem Slytherin entschuldigt. Eine Entschuldigung reichte für ihn wohl nicht aus. Dafür war zu viel passiert und es war auch zu lange her. Aber gerade für Harry wäre es auch wichtig, wenn er endlich Frieden mit Snape schloss. Der Kleine schien auf dem besten Weg, sich in den Kerkermeister zu verlieben. Also musste er etwas tun. Und er musste es ernst meinen, denn Snape wusste genau, wenn jemand ihn anlog. Jahrelange Erfahrung als Lehrer in Hogwarts, oder war da mehr? Hatte es mit seinem Wesen zu tun? Sirius wusste bereits, dass Snape ein außergewöhnlich gutes Gehör hatte, dazu eine schnelle Heilfähigkeit. Aber hatte er die wirklich? Im Grimmauldplatz schien es so, aber jetzt? Damals war er deutlich schwerer verletzt gewesen als jetzt, und hatte am nächsten Tag ausgesehen, als wäre nie etwas gewesen. Hatte er es doch mit Tränken versorgt? Sirius kannte keine Heiltränke, die das schafften, aber er war auch kein Tränkemeister. Snape war genial in seinem Fach, der Beste. Hatte er etwas geschaffen, das stark genug für solche Verletzungen war? Aber warum nutzte er es dann jetzt nicht? Irgendetwas passte hier nicht zusammen.

„Nein!“, riss ihn auf einmal Snapes Stimme aus seinen Gedanken. Unruhig warf sich der Slytherin herum, er schien zu träumen. Es musste wohl am Fieber liegen, ansonsten hätte er sich nicht so sehr entspannt. In der letzten Nacht hatte es nicht den Anschein gehabt, dass er überhaupt träumte. Wie ein Stein hatte er dort gelegen, zumindest bis all das passiert war. Nun, jetzt konnte Sirius beweisen, dass es ihm ernst war mit der Veränderung.

Vorsichtig rüttelte er den Tränkemeister an der Schulter. „Es ist nur ein Traum.“, versuchte er ihn zu besänftigen.

Tatsächlich ging ein Ruck durch den immer noch fiebrigen Körper. „Was … wo?“, krächzte Severus.

„Ruhig.“, murmelte Sirius. „Wir sind in einer Höhle, weißt du noch?“ Er wartete ein bestätigendes Knurren ab, dann erst sprach er weiter. „Du hast immer noch Fieber und solltest liegen bleiben. Wir kümmern uns um dich, und richten gleichzeitig alles für unser Vorhaben her.“

„Wie lange habe ich geschlafen?“, wollte Severus leise wissen.

„Nicht allzu lange.“, grinste Sirius. „Du liegst hier erst seit letzter Nacht im Fieberschlaf, wir haben noch etwas Zeit. Ich habe heute einige Zeitungen ergattert, aber gehört habe ich nichts, was uns helfen könnte. Morgen gehe ich nochmal, Harry und Remus kümmern sich um die Vorräte. Einer geht sammeln, der Andere trocknet die Beeren und was sie sonst noch finden. Derjenige kümmert sich auch darum, dass du genug trinkst und isst. Hast du noch irgendwelche Heiltränke, die wir dir geben können?“

„Nichts mehr da.“, wisperte Severus. „Es ist kalt.“ Er zitterte inzwischen so sehr, dass seine Zähne klapperten.

Sirius tauschte die Steine aus und merkte, wie das Zittern nachließ. „Danke.“, kam es sehr leise von Snape.

„Ruh dich aus und schlaf', dann wirst du am schnellsten gesund.“ Sirius tätschelte ihm ein wenig unbeholfen die Wange und zog die Decke wieder fester über ihn. Er bekam keine Antwort mehr, denn Severus war bereits wieder eingeschlafen. Ein weiteres Mal wechselte er etwa eine Stunde später die Steine, dann weckte er Remus, da dieser die letzte Wache hatte.

Einige Stunden später verabschiedete er sich von Remus und Harry, die nach einem kargen Frühstück erneut nach Früchten zum Trocknen suchten, während Severus noch immer schlief. Zum Glück war es gerade der Beginn der Erntezeit. Lange allerdings konnten sie wohl nicht mehr hier bleiben, für den Winter brauchten sie eine andere Unterkunft. Aber so weit konnte er nicht vorausdenken. Sirius schüttelte den Kopf und apparierte, als er etwa zwanzig Minuten weg vom Lager gelaufen war. Heute wollte er ein etwas größeres Risiko eingehen und sich in der Winkelgasse umhören. Daher apparierte er in eine ruhige Seitengasse in Muggellondon und verwandelte sich in Tatze, bevor er sich auf den Weg zum tropfenden Kessel machte. Dort wartete er, bis eine Gruppe aus vier Zauberern und einer Hexe eintrat und schloss sich ihnen an, sodass die Gäste im Pub glaubten, der Hund gehöre zu den Menschen. Erst hinter dem Durchgang stromerte er davon und versuchte, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erlangen. In der Nähe von Fortescues, wo heute viel los war, legte er sich unter eine Bank zu einem anderen Streuner, der ihn nur kurz beschnupperte und dann ignorierte, in der Hoffnung, die Menschen ließen etwas Leckeres fallen. Viel Tarnung hatte er nicht, aber derzeit ignorierten die Menschen den vermeintlichen Streuner. Tatze spitzte die Ohren und versuchte, an neue Informationen zu gelangen.

„Ich kann einfach nicht glauben, dass ausgerechnet Harry Potter ein Mörder sein soll!“, meinte eine Frau.

„Aber auf der anderen Seite soll er mit seinem Paten Kontakt haben. Black hat immerhin dreizehn Muggel umgebracht und Harrys Eltern verraten, also ihren Tod verschuldet. Vielleicht hat dieser Mörder einen schlechten Einfluss auf seinen Patensohn. Wer weiß, vielleicht hat er ihn verhext oder unter Imperius gestellt und will nun Dumbledore und den Minister mit dem Jungen beseitigen, damit der Weg für seinen Meister frei ist.“, überlegte der Mann, der mit ihr am Tisch saß. Tatze legte sich flach auf den Boden und versteckte seine Schnauze unter seiner Pfote. So etwas Dämliches hatte er lange nicht mehr zu hören bekommen.

„Glaubst du wirklich, Du-weißt-schon-wer ist zurück?“, wisperte die Frau.

„Was denkst du denn? Diese ganzen Überfälle, die Morde, bei denen das dunkle Mal über dem Haus schwebte, sind doch eindeutig!“, schnaubte der Mann. Tatze sah sie nicht, aber er lauschte ihrem Gespräch weiterhin.

„Und wer schickt dann immer wieder diesen Patronus, der die Menschen warnt?“, wunderte sich die weibliche Stimme.

„Keine Ahnung, aber er sollte einen Orden bekommen.“ Aus der Stimme des Mannes war Bewunderung zu hören. „Er hat sicher schon hunderte Leben gerettet. Mich würde eher interessieren, woher er seine Informationen bekommt. Du-weißt-schon-wer ist sicher ziemlich sauer, wenn seine ganzen Aktionen so verraten werden.“

„Pst, bist du verrückt? Das solltest du in der Öffentlichkeit nicht so raus schreien!“, fuhr ihn die Frau an. „Aber mal was Anderes, gehen wir dann heute noch in die Tierhandlung? Wir brauchen endlich eine neue Eule, die Eulenpost wird immer teurer, das ist ja langsam nicht mehr zu bezahlen!“

Tatze ließ seine Aufmerksamkeit weiter umher schweifen, hörte aber nichts Interessantes mehr, also entschied er, ein Stück in die Nokturngasse zu gehen. Unterwegs schnupperte er, so wie andere Streuner, an den Mülleimern, nur dass er nicht nach Futter, sondern nach Zeitungen suchte. Viel fand er dabei nicht, nur das, was er bereits gestern ergattert hatte. Doch so schnell gab er nicht auf. Vor allem, als er mit einem Mal seine Cousine entdeckte. Der große, schwarze Hund knurrte leise, als er Bellatrix in sicherer Entfernung folgte. Das wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen. Die Dunkelhaarige ging mit ausladenden Schritten direkt auf eine Kneipe zu. Wobei, Spelunke würde das Äußere besser beschreiben. Tatze versuchte, sich hinter der Frau durch die Tür zu drängen, doch er hatte offenbar die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

„Nix da, Hunde müssen draußen bleiben!“, rief der Wirt.

Bellatrix drehte sich um. „Das ist nicht meiner.“ Mit dem Fuß trat sie in Tatzes Seite. „Raus mit dir, du Streuner.“

Jaulend trat Tatze den Rückzug an. Er hatte einen Blick auf die Gäste des Pubs erhascht und mehrere Todesser erkannt. Die hielten da drin offenbar eine Versammlung ab. Er musste irgendwie dort reinkommen. Oder zumindest hören, was gesprochen wurde, vielleicht half es. Ein schmaler Durchgang zwischen dem Pub und dem Nachbarhaus war gerade breit genug, dass Tatze sich hindurchzwängen konnte. Nach hinten raus gab es einige Fenster, auch das hatte er gesehen bei seinem kurzen Blick ins Innere. Tatsächlich lag er nur zwei Minuten später unter einem der Fenster und konnte zumindest einen Teil der Unterhaltung verstehen.

„… und ich weiß immer noch nicht, was er in diesem Muggelhaus will.“, hörte er einen der Männer.

„Du musst nicht verstehen, was unser Lord will. Du musst nur tun, was er dir sagt.“, antwortete Bellatrix schnippisch. „Zum Verstehen bist du nicht intelligent genug. Aber ich will dir was erklären. Es ist ein Muggelhaus. Niemand wird auch nur den Hauch eines Verdachtes schöpfen, dass unser Lord gerade dort etwas versteckt, was ihm wichtig ist. Dieser Narr Dumbledore ist hinter ihm her, er hat wohl etwas über unseren Lord herausbekommen, was er nicht wissen soll.“

„Aber er weiß doch von dem Friedhof, wird der Alte nicht doch Verdacht schöpfen?“, wollte ein anderer Mann wissen.

In dem Moment schlug das Fenster mit einem lauten Knall zu. Tatze erschrak und zuckte zusammen, stieß dabei mit dem Kopf gegen einen Eimer. Winselnd legte er die Pfote über die schmerzende Schläfe. „Nicht schon wieder! Du dämlicher Köter, verschwinde, hier gibt es nichts für dich zu holen! Los, ab mit dir!“, kommandierte der Wirt und trat nach dem Hund. Hastig trat Tatze den Rückzug an und verschwand durch die schmale Spalte. Gerne hätte er noch mehr gehört, aber noch länger durfte er nicht bleiben, damit machte er sich nur verdächtig. Ein streunender Hund, der nicht floh, wenn er getreten wurde, würde sehr genau angesehen werden, und sollten sie den verkehrten Zauber nutzen, war er aufgeflogen, dieses Risiko durfte er unter keinen Umständen eingehen. Also verschwand er jetzt besser. Als er unterwegs an einem kleinen Zeitungsstand vorbeikam, schnappte er nach dem neuesten Tagespropheten, dann rannte er, was seine Beine hergaben. Das Geschrei hinter sich ignorierte er. Erst, als er in einem dichten Gestrüpp Deckung hatte, verwandelte er sich zurück und apparierte nur Sekunden später zurück in den Wald.

„Sirius!“, fiel ihm ein erleichterter Harry um den Hals, als er zur Höhle kam.

„Hey, Kleiner, alles gut!“, lächelte er beruhigend und nahm seinen Patensohn in den Arm. „Ich habe ein paar Todesser belauschen können.“

„Was haben sie gesagt?“, krächzte Severus schwach.

„Du bist wach!“, erkannte Sirius erstaunt.

„Deine Auffassungsgabe war schon immer erstaunlich, Black!“, spottete der Tränkemeister leise. Sirius setzte bereits zu einer spöttischen Antwort an, aber er erkannte, dass Severus nicht lange wach bleiben würde. Also gab er wieder, was er gehört hatte. „Das hilft uns nur wenig.“, überlegte Severus heiser. „Aber es könnte auch unsere Vermutung bestätigen, dass wir in Riddle-Manor etwas finden könnten.“

„Vielleicht, vielleicht auch nicht.“, schüttelte Sirius den Kopf. „Ich halte es immer noch für extrem waghalsig.“ Er sah Severus an, grinste und hob die Hand, als der Schwarzäugige etwas sagen wollte. „Gehen wir es an, sobald du wieder fit bist!“

„Noch so ein typischer Gryffindor.“, stöhnte Severus gespielt entsetzt auf. Irgendwie gefiel ihm dieses Geplänkel sogar. Ohne das würde ihm etwas fehlen. Letzte Nacht hatte etwas zwischen ihnen verändert. Er konnte noch nicht genau sagen, was das war, aber es war nicht schlecht, wie es schien.

Harry half Severus, sich ein wenig aufrechter zu setzen, damit er trinken und sogar ein wenig essen konnte. Anschließend checkte er mit seinem Zauberstab, wie es dem Älteren gesundheitlich ging. „Das Fieber sinkt weiterhin und die Entzündung wird besser.“, verkündete er beruhigt.

„Sehr gut, dann schaffen wir es noch vor Vollmond nach Riddle-Manor.“, grinste Sirius. „Ich bin schon ganz heiß darauf, Mister Nasenlos in den Hintern zu treten!“

„Sei bitte vorsichtig.“, bat Harry.

„Darum würde ich auch bitten.“, ergänzte Remus, der eben auf die Lichtung trat. Er sah dem Animagus in die Augen. „Du agierst oftmals viel zu riskant. Denk daran, dass Harry mit dabei ist und sei diesmal etwas besonnener. Wir wollen dich nicht aufgrund deiner Leichtsinnigkeit verlieren.“

„Ich verspreche es.“, schwor Sirius, diesmal wirklich ernst.

Autorennotiz

Figuren und Orte gehören JKR, ich habe sie mir nur ausgeborgt. Die Ideen sind meine, sobald es von den Büchern abweicht!

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Autor

Phoenixs Profilbild Phoenix

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Kapitel:11
Sätze:3.328
Wörter:40.381
Zeichen:238.548

Kurzbeschreibung

Harry ist nach dem trimagischen Turnier im Ligusterweg für den Sommer. Wie immer sind die Dursleys nicht besonders nett zu ihm, doch als plötzlich Voldemort auftaucht und Snape zwingen will, Harry zu holen, merkt er erst, wie gut er doch durch seine Tante geschützt wird. Er nimmt den schwerverletzten Tränkemeister mit, kümmert sich um ihn. Als sie dann aus dem Ligusterweg weg sind, lernt Harry eine neue Seite im Krieg kennen, die bisher vermeintlich keine Rolle spielte. Und doch übernimmt diese Seite mehr und mehr Aufgaben, damit Harry nicht zu einem Mord gezwungen wird. Werden sie es schaffen, bevor das instabile Gleichgewicht zusammenbricht? ~~~~~ Snarry / Bad Dumbledore / Chara-Death