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Ein Held im Exil

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20.8.2017 21:12
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Charaktere

Obi-Wan Kenobi

Obi-Wan Kenobi, später als Ben Kenobi bekannt, ist ein Jedi des Alten Jedi-Ordens und gilt als besonders besonnen und ruhig. Seinen diplomatischen Fähigkeiten in Kriegszeiten verdankt er den Beinamen "Unterhändler". Er war der Meister von Anakin Skywalker und beherrscht die Macht ebenso gut wie sein Lichtschwert.

Sand. 
Wenn es eine Sache gab, die er mit der Zeit regelrecht zu hassen gelernt hatte, dann war es Sand. Er war sich bewusst, dass Hass gegen den Kodex der Jedi war, allerdings konnte man seiner Meinung nach keinen Vergleich zwischen Hass auf Personen und Hass auf Sand ziehen. Personen konnte man schließlich ausweichen. 
Auf Tatooine aber gab es praktisch keine Möglichkeit, um den kleinen, lästigen Körnern zu entkommen. Sie kratzten und juckten in den Augen und schienen an jede noch so unmögliche Stelle zu kommen. Der Sand drang in sein Haus sein, setzte sich auf seiner Kleidung fest, und wenn er gerade draußen spazieren ging und Pech hatte, wurde er auch noch von einem Sandsturm überrascht. Wenn man eine Abneigung gegen Sand hatte, war man auf dem Wüstenplaneten wahrlich fehl am Platz. 
Obi-Wan war zwar noch nicht soweit, um zu sagen, er hätte sich an den Sand gewöhnt, allerdings hatte er sich mittlerweile damit abgefunden, dass er ihn die nächsten Jahre über wohl oder übel ertragen musste. Und in Anbetracht dessen, was eine der möglichen Alternativen war, war er vielleicht nicht einmal so schlecht dran. Immerhin war er auf der Flucht vor dem Galaktischen Imperium, und sollte er jemals in imperiale Gefangenschaft geraten – falls das Imperium überhaupt Gefangene machte –, würde er sich wahrscheinlich den Sand sehnlichst zurückwünschen. 
Zurzeit aber hatte er nicht vor, es darauf ankommen zu lassen. Er war schließlich nicht nur um seinetwillen hier. Seine Aufgabe war es, ein Auge auf den jungen Luke zu haben. Nach dem Tod seiner Mutter Padmé und der ... Veränderung seines Vaters hatte Obi-Wan den Neugeborenen zu seinem Onkel und seiner Tante gebracht. Es bestand zwar die Möglichkeit, dass Anakin – Vader – auf der Suche nach seinem Kind bei seiner Familie vorbeischauen würde, falls er dachte, es wäre noch am Leben, doch diese Möglichkeit war unwahrscheinlich. So hatten sie es zumindest beschlossen. Vader würde denken, sein ungeborenes Kind wäre mit Padmé gestorben, und selbst wenn er einen Verdacht – oder die Hoffnung – hatte, dass Luke noch lebte, würde er höchstwahrscheinlich nie auf Tatooine nach ihm suchen. Und falls doch ... nun, dafür war Obi-Wan hier. 
Im Moment jedoch war Luke in Sicherheit und Obi-Wan hatte nichts zu tun. Sein Exil war wie erwartet ruhig, und es hatte ihn kaum überrascht, wie schnell sein neuer Alltag an Routine gewonnen hatte. Verglichen mit seinem Leben als General in den Klonkriegen gab es auf dieser Staubkugel nur wenig zu tun, sodass er nach seinem täglichen Kontrollbesuch bei der Familie Lars oft die nahegelegene Stadt, Mos Eisley, besuchte. 
So auch heute. Er war auf dem Weg zu der Chalmuns Cantina, einer Kneipe in Mos Eisley. Normalerweise würde er seinen Ausflug zu dem Raumhafen dazu nutzen, um sich mit Vorräten einzudecken, allerdings hatte er noch genügend Essen und Trinken bei sich zu Hause, sodass die Cantina gleich sein erstes Ziel war. Er hatte nicht vor, sich etwa zu betrinken – so ruhig war ihm sein Exil nun auch wieder nicht – sondern sich umzuhören und Neuigkeiten zu erfahren. Dafür gab es in der näheren Umgebung wahrlich keinen geeigneteren Ort. 
Der Jedi erreichte die ersten Blockhäuser des Raumhafens und stellte fest, dass er bereits jetzt schon Sand zwischen seinen Zehen spürte. Unwillkürlich seufzend setzte er seinen Weg zwischen den sandfarbenen Gebäuden fort. 
Es war ein warmer, sonniger Tag, wie er auf Tatooine üblich war. Tatsächlich schien es heute einer der schöneren Tage zu werden. Schöndurfte man in dem Fall so definieren, dass es nicht danach aussah, als würde es heute zu einem Sandsturm kommen. Mit etwas Glück würde sein Rückweg durch die Wüste genauso ereignislos verlaufen wie der Weg hierher. 

Besser gesagt, so ereignislos wie der Weg hierher bis gerade eben. 

Obi-Wan bog gerade um die Straßenecke und konnte dem Stein, der auf ihn zuflog, wohl nur dank seiner für einen Jedi typisch schnellen Reflexe ausweichen. Verwundert suchte er mit Blicken nach demjenigen, der ihn beinahe abgeschossen hätte, und erwarte fast einen Angriff. Einige Meter weiter fand er jedoch die Ursache des Beinaheunfalls. 
Eine Gruppe von Jugendlichen hatte sich um einen schmächtigen, blauhäutigen Twi'lek versammelt, der auf dem sandigen Boden lag. Seine Arme hielt er schützend über seinem Kopf, während ein grünhäutiger Rodianer immer wieder auf ihn eintrat; auf seiner Hose und seinem Hemd waren dunkle Flecken. Trotz der Entfernung konnte Obi-Wan genau erkennen, dass es Blutflecken waren. 
„Deiner Mutter scheint es bei Jabba ja richtig gefallen, hab ich gehört“, rief der Rodianer, als er aufhörte, auf den am Boden liegenden Jungen einzutreten. „Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie bei ihm auf dem Schoss sitzt. Also, nicht, dass man bei einem Hutten von Schoss sprechen kann ...“ 
Der Rest der Truppe johlte und klatschte nach seinen Worten. Offenbar war er ihr Anführer. Soweit Obi-Wan das erkennen konnte, war er mit Abstand der älteste der Gruppe und trug deutlich hochwertigere Kleidung, die nicht unbedingt für Bewohner des Wüstenplaneten typisch war. Der Jedi vermutete, dass der Rodianer mit seiner Familie auf Durchreise war und einen längeren Aufenthalt auf Tatooine abzusitzen hatte. Und was macht man, um sich die Zeit auf einer derartigen Staubkugel zu vertreiben? Man schnappt sich ein Gefolge und geht auf die Schwachen los. 

„Lasst ihn in Ruhe!“ 
Seine Stimme strahlte Ruhe und Kraft aus. Er sprach in einem Befehlston, den er sich während der Klonkriege angewöhnt hatte und der keinen Widerspruch zuließ. Innerhalb kürzester Zeit hatte er die Gruppe erreicht, und die meisten wichen sofort zurück, die Augen vor Schreck geweitet. Wahrscheinlich hätte keiner damit gerechnet, dass irgendjemand sie stören würde. 
Nur der Rodianer rührte sich nicht von der Stelle, und obwohl Obi-Wan deutlich Unsicherheit bei ihm spüren konnte, war sein Gesichtsausdruck trotzig. „Kümmre dich um deinen eigenen Kram!“, sagte er mit lauter Stimme, also wolle er den anderen und sich selber Autorität beweisen. Sein Blick war abweisend und er schien alles andere als erfreut über die Unterbrechung seiner Machtdemonstration zu sein. 
„Ich empfehle dir, deinen eigenen Rat zu befolgen“, erwiderte Obi-Wan kühl und sah ihm in seine Facettenaugen, ohne die Miene zu verziehen; gleichzeitig achtete er auf die Reaktionen der anderen. Eine Schlägerei war das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. 
Die Truppe schien nicht gerade aus Schlauköpfen zu bestehen, aber der Jedi war sich ziemlich sicher, dass sie nichts Dummes anstellen würden. Die meisten waren noch jung, gerade mal Teenager, einfache Mitläufer, die einen Anführer gesucht hatten und die die Schwäche anderer ausnutzten. Keiner von ihnen würde irgendetwas riskieren, bei dem sie sich selbst schaden könnten; dazu war ihre Loyalität dem Rodianer gegenüber zu gering und der Selbsterhaltungstrieb zu groß. 
Einzig und allein der Rodianer schien regelrecht auf Streit aus zu sein. Angespannt stand er vor ihm, seine Haltung wirkte kampfbereit. „Was kümmert es dich, was mit diesem Beeska passiert? Verschwinde, bevor du Ärger kriegst!“
Der Jedi bemerkte aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Durch den scheinbar unerschütterlichen Mut ihres Anführers schienen die anderen aus ihrer Schockstarre herauszukommen. Vielleicht würden sie ihre Einstellung doch noch ändern und eingreifen; schließlich waren sie in der Überzahl und er wirkte in seiner vom Sand ausgeblichenen Robe alles andere als bedrohlich; in ihren Augen mussten die Chancen demzufolge gut für sie stehen. Er musste diese Auseinandersetzung rasch beenden, wenn er nicht wollte, dass das Ganze böse endete. Schließlich wollte er eigentlich nicht auffallen ...
„Du willst keinen Ärger mit mir haben“, sagte Obi-Wan ruhig, aber bestimmt und machte eine unauffällige Bewegung mit der Hand, als er sich auf den Geist des Rodianers konzentrierte. 
„Ich will keinen Ärger mit dir haben“, wiederholte der Grünhäutige seine Worte tonlos, was ihm verwunderte Blicke von seinem Gefolge einbrachte. 
„Du willst den Jungen in Ruhe lassen und nach Hause gehen“, fuhr Obi-Wan ungerührt fort. 
„Ich will den Jungen in Ruhe lassen und nach Hause gehen“, antwortete der Rodianer artig, ehe er sich umdrehte und im schnellen Laufschritt davonrannte. Die anderen Jugendlichen zögerten einen Moment, ehe sie sich ihrem Anführer dicht an die Fersen hefteten und ebenfalls das Weite suchten. Selbst ohne die Wahrnehmungsfähigkeiten eines Jedi hätte Obi-Wan erkennen können, dass ihnen die Situation alles andere als geheuer war. 

Obi-Wan entspannte sich erst wieder, als sie um die nächste Ecke gebogen und aus seinem Sichtfeld verschwunden waren. Er hockte sich neben dem Twi’lek hin, der ihn sichtlich verängstigt anstarrte. 
„W-wer seid Ihr?“, fragte er, ohne den Blick von dem Jedi abzuwenden. 
Dieser lächelte ihn freundlich an. „Ein Freund“, erwiderte er. „Wie ist dein Name?“ 
Der Junge schien zu überlegen, ob er ihm trauen konnte, und zögerte, bevor er zu einer Antwort ansetzte. „Nori“, sagte er, „Mein Name ist Nori.“ 
„Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, Nori“, meinte Obi-Wan mit einem sanften Lächeln. Dann wich sein Lächeln einem besorgten Blick, als er zu den Blutflecken sah. „Bist du verletzt?“ 
Nori versuchte vorsichtig, sich aufzurichten, und verzog dabei das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse. „Ich glaube ja“, presste er zischend hervor und gab seinen Versuch gleich wieder auf. 
„Hättest du etwas dagegen, wenn ich dich kurz untersuche?“, erkundigte sich der Jedi. 
Nori sah ihn zuerst misstrauisch an, entschied dann jedoch, dass der Fremde ihm im Moment nicht schaden wollte, und nickte knapp. Obi-Wan tastete den Twi’lek vorsichtig ab, darauf bedacht, ihm nicht weh zu tun. Nori zuckte leicht zusammen, hielt dann aber still, bis der Jedi mit seiner Untersuchung fertig war. 
„Du hast Glück“, meinte Obi-Wan schließlich. „Es ist nichts gebrochen. Aber du hast vermutlich einige Prellungen.“ 
Der Twi’lek nickte bloß zum Zeichen, dass er verstanden hatte, und stand langsam auf. Obi-Wan streckte ihm die Hand hin, um ihm aufzuhelfen, und Nori ergriff sie mit zusammengepressten Lippen. 
Als er wieder auf eigenen Beinen stand, sah er den Jedi fragend an. „Wieso helft Ihr mir?“, fragte er. In seiner Stimme lag etwas Lauerndes, als würde er darauf warten, dass Obi-Wan ihm nun den Haken an der ganzen Sache erklären würde, und der Ältere spürte nach wie vor sein Misstrauen. Und wenn er ehrlich zu sich war, konnte er ihm das nicht einmal verübeln. Vertrauen war auf Tatooine etwas, was man sich nicht oft leisten konnte. 
„Sagen wir, dass ich es nicht leiden kann, wenn man auf jemanden eintretet, der bereits am Boden liegt“, erwiderte Obi-Wan. „Wer waren die überhaupt?“ 
Noris Gesichtsausdruck verdunkelte sich merklich. „Das waren Maado und die Sleemos, die sich seine Freunde nennen. Sie sind der Ansicht, dass man den Sohn von Jabbas Lieblingssklavin am besten als Fußabtreter benutzen sollte.“ Seine Stimme klang verbittert, als er antwortete; er wandte seinen Blick an, als würde er sich schämen. 
Obi-Wan nickte mitfühlend. „So etwas darfst du dir nicht gefallen lassen. Niemand hat das Recht, dich so zu behandeln.“ 
Nori schnaubte. „‚Das Recht, mich so zu behandeln‘? In ihren Augen bin ich doch bloß ein Shag. Wie behandelt man schon so jemanden?“ 
Der Jedi spürte Noris Wut; Wut auf die Sklavenhalter, die dem jungen Twi’lek eine derartige Denkweise eingetrichtert hatte; Wut auf den Rodianer und sein Gefolge, die ihn wie Dreck behandelt hatten. 
„Du magst ein Sklave sein, aber du bist dennoch ein empfindsames Lebewesen, und so etwas hat niemand verdient“, sagte er. „Und etwas anderes darfst du dir auch niemals von jemandem einreden lassen.“ 
Der Twi’lek antwortete ihm nicht. Einen Moment lang glaubte Obi-Wan, Nori hätte ihm überhaupt nicht zu gehört, so aufgebracht, wie er im Moment war, doch dann sah er ihm auf einmal direkt in die Augen und straffte seine Schultern. „Ihr habt bestimmt noch etwas anderes vor. Ich denke, ich habe euch lange genug aufgehalten“, meinte der Blauhäutige. 
Obi-Wan war einen Moment lang verwundert über den plötzlichen Themenwechsel, sah aber ein, dass es Nori unangenehm sein musste, über diese Sache zu sprechen. „Allerdings, das habe ich. Nun, man sieht sich, Nori“, verabschiedete er sich mit einem freundlichen Lächeln und nickte dem Jüngeren zu. Dann setzte er seinen Weg in Richtung der Chalmuns Cantina fort. 
Er hatte fast das Ende der schmalen Gasse erreicht, als er ein lautes „Hey!“ hörte, dass ihn zum Stehen brachte. Er drehte sich um und sah Nori, der sich nicht von der Stelle gerührt hatte und ihm hinterher sah. Auf dem Gesicht des Blauhäutigen war nun ein Lächeln zu sehen. 
„Danke!“, rief der Twi’lek ihm zu. „Es ist schön zu wissen, dass es noch Menschen gibt, die sich um andere kümmern.“ 
Mit diesen Worten drehte Nori sich um und rannte davon, ohne noch einmal zurückzusehen. Obi-Wan blickte ihm nach, bis er hinter einer Ecke verschwunden war. 

„Es wird immer Menschen geben, die sich um andere kümmern“, sagte der Jedi leise, obwohl Nori ihn bereits nicht mehr hören konnte. Er hoffte, dass ihm das trotzdem bewusst war. 

Autorennotiz

Man muss kein Jedi sein, um anderen zu helfen. 
Dieser Text ist im Zuge des Projekts „Du gegen Mobbing“ entstanden und soll zum Nachdenken und auch zum Handeln anregen. Man muss nicht immer nur zusehen, wenn andere leiden. Jeder hat eine Stimme, die er für ein Mobbingopfer erheben kann. Jeder kann einem Menschen mit wenigen Worten das Leben um ein Hundertfaches erleichtern. Schaut nicht weg.

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Sätze:145
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Kurzbeschreibung

Auf Tatooine herrscht Korruption, Gewalt und Kriminalität. Nichts Neues für Obi-Wan Kenobi, nichts, wogegen er etwas machen könnte. Aber selbst auf Tatooine gibt es für einen Jedi im Exil Möglichkeiten, für einen Moment lang wieder ein Held zu sein und das zu tun, was er am besten kann: helfen. [Du gegen Mobbing]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Schmerz und Trost und OneShot getaggt.

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