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Grüne Blitze und Rote Haare

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30.04.19 17:21
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Prolog

Harry Potter.
Was diese Worte bedeuteten, wenn man im Schatten des Nichts hing, sich nirgendwo halten konnte. Wenn kein Licht die roten Haare erleuchtete und wenn man tief fiel, tief ins kalte Nichts. Wo eben noch ein grüner Blitz war, war nun schwarze Leere.
Die grünen Augen fallen zu und werden von ihren Lidern verdeckt. Die roten Haare wellen sich im Wind. Sie fällt zurück, und es fühlt sich an, als würde sie ins Nichts fallen.
Das Leben war kurz, und der Tod war noch kürzer.
Und dann begann das Leben wieder, wie ein Kreislauf. Wie eine Schlange, die sich in den Schwanz biss. Die Schlange wusste nicht mal mehr, dass sie sich selber biss. Sie beißt sich ab, was sie einst war, doch ihr Kopf und ihre Zähne bleiben. Und dann geht es immer so weiter, bis in die Unendlichkeit.
Nicht das Leben ist unendlich und auch nicht der Tod. Aber beide zusammen bildeten Unendlichkeiten, wie man sie sich kaum vorstellen konnte.
Lily Potter schloss die Augen und Ginny Weasley öffnete ihre.


Kapitel 1

Als Ginny Harry das erste Mal sah, waren sie am Bahnhof King's Cross. Er kam ihr sofort bekannt vor. Nicht die Blitznarbe war es, die ihr bekannt vorkam und auch nicht die Tatsache, dass sie schon Bilder von ihm kannte.
Irgendwo, tief in ihrem Herzen, berührte es sie. Und es wurde ganz warm, als hätte sie heiße Schokolade getrunken.
Harry hatte grün leuchtende Augen gehabt, mit denen er sie angeschaut hatte. Jedenfalls bildete Ginny sich ein, er hätte sie angeschaut. Und sie hatte zurückgeschaut, aus der Wärme ihres Herzens heraus.
Alle aus ihrer Familie hatten über den berühmten Harry Potter gesprochen, wie er den Fluch von Du-Weißt-Schon-Wem überlebt hatte, aber Ginny konnte das Gefühl nicht loswerden, dass keiner der anderen wirklich verstanden hatte, wer Harry wirklich war.
Hatte sie es denn verstanden?
Er hatte sie angeschaut. Sie hatte ihn angeschaut. Und sie hatte sich so gefühlt, als wäre sie in andere Zeiten zurückversetzt worden. Seine grünen Augen hatten sie an seltsame Dinge erinnert... Grüne Blitze... Ein Mann mit wuscheligen Haaren wie Harry... Voldemort, der hinter ihnen herkam.
Ginny schüttelte es bei den bloßen Gedanken. Seit wann wagte sie es, von … Du-Weißt-Schon-Wems richtigen Namen zu denken?
Es musste Harrys Anwesehnheit sein, die bloße Tatsache, dass er da stand... Und dann drehte er sich schon um, kaum, dass sie ihn richtig hatte anschauen können, noch bevor sie daran denken konnte, ihn zu fragen, woher sie ihn kannte. Er drehte sich um und lief durch die Mauer, und eine Flut von Stolz überkam Ginny, als ihr klar wurde, dass Harry auf dem Weg nach Hogwarts war.
Stolz auf jemanden, den sie nicht kannte, weil er an einen Ort fuhr, an dem sie noch nie gewesen war...
Ginny Weasley vergaß diesen ersten September nie. Und es tat ihr in der Seele weh, als sie mit ihrer Mutter umkehrte und zurück ging, fort vom Bahnhof. Auf einmal fühlte Ginny sich nicht ihrer Mutter zugehörig, sondern genau dem Jungen, der sie gerade verlassen hatte. Warum zog der Junge mit der Blitznarbe sie so an?
Warum durchfuhr sie eine starke Welle voll warmer Gefühle, wenn sie an ihn dachte?
Was war der grüne Blitz, der aus seinen Augen stach?
Ginny wusste es nicht. Verwirrt kehrte sie in den Fuchsbau zurück. Ein Jahr würde sie warten müssen, bis sie Harrys Gesicht wieder sehen würde. Vielleicht würde sie es dann herausfinden, vielleicht würde sie sich erinnern...
Das Gefühl, dass sie ihn kannte, war so stark, dass sie es nicht ignorieren konnte. Nicht heute, und auch nicht das ganze Jahr über. Und nachts verfolgten Ginny Träume, an die sie sich nicht erinnern konnte.

Geh zur Seite... geh zur Seite, dummes Mädchen!
Nein, nein, nimm mich an Harrys Stelle... Nicht Harry, bitte!
Meine letzte Warnung....
Und dann durchleuchtete ein grüner Blitz das Zimmer, leuchtete kurz auf den braunhaarigen Mann, der am Boden lag, und auf das Kind mit den grünen Augen. Lily schrie, und fiel zwischen Voldemort und Harry auf dem Boden...

Und Ginny wachte auf, ohne etwas zu wissen oder zu verstehen, ohne zu ahnen, dass Harry dieselben Träume hatten, und dass die Geschehnisse wahr waren... Dass sie sie gemeinsam erlebt hatten.
Ginny zählte die Tage bis zu ihrem ersten Jahr in Hogwarts. Grüne Blitze, und diese Augen... Es ließ sie nicht mehr los.
Was sie nicht wusste, war, dass es sie nie loslassen würde, und dass sie und Harry mehr verband, als Anziehung.

Kapitel 2

Als Ginny aufwachte, war es dunkel. Unsicher blinzelte sie. Sie war sich ganz sicher, einen Blitz gesehen zu haben. Langsam stand sie auf und ging von ihrem Bett zu ihrem Schreibtisch.
Ein Jahr war vergangen, seit sie Harry das erste – und bisher letzte – Mal gesehen hatte. Ein Jahr voller Fragen und Erwartungen. Sie strich vorsichtig über die Kette, die sie immer um den Hals trug. Ginny wusste nicht, woher sie stammte. Sie hatte sie schon immer gehabt und angenommen, dass ihre Mutter sie ihr irgendwann geschenkt hatte – eine Tatsache, die Molly Weasley verneinte. Aber Ginny hatte nicht aufgehört, die Kette zu tragen.
Sie bestand aus einem schlichten Lederband, an dem ein rot funkelnder Rubin hing. Er passte gut zu ihren roten Haaren.
Draußen hörte man ein lautes Krachen und Ginny schob den Vorhang zur Seite. Es war nichts zu sehen, aber unten hörte man Schritte.
Unwillkürlich zog sich Ginnys Magen zusammen, ohne, dass sie wusste, warum. Vor ihrem inneren Auge tauchte ein Blitz auf, der alles in gleißendes Licht tauchte.
Ein knackendes Schloss, eine Türklinke, die heruntergedrückt wurde. Ein Sturm, der draußen tobte. Dann langsame, schwere Schritte. Sie hörte, wie jemand etwas rief...
Ginny öffnete die Augen. Mit klopfendem Herzen sah sie sich um. Es war alles in Ordnung. Sie war in ihrem Zimmer. Es kündigte sich kein Sturm an. Sie war allein.
Die Schritte aber hatte sie sich nicht eingebildet, und vorsichtig trat Ginny an ihre Zimmertür heran. Sie öffnete sie einen Spalt und lugte nach unten.
Leise Stimmen, die Ginny erleichtert ihren Brüdern zuordnete. Scheinbar hatten Fred und George nur Lust bekommen, einen morgendlichen Ausflug zu unternehmen. Beruhigt griff sie sich an ihren Rubin. Daran war nichts Ungewöhnliches.
Sie beugte sich etwas weiter hinaus, und erkannte Rons Kopf neben denen von Fred und George. Und daneben...
Ginny machte einen Schritt zurück und griff sich ans Herz. Ein stechender Schmerz in ihrem Kopf, und gleichzeitig spürte sie, wie sich ihr Körper mit Wärme füllte. Ihr wurde schwindelig und sie fiel fast nach hinten. Mit zitternden Fingern hielt sie sich am Türrahmen fest.
Harry Potter wusste nicht, dass sie ihn beobachtete. Er wusste nicht, dass ihr Herz laut klopfte und dass sich ein Gefühl der Wärme in ihr breit machte.
Er sah gut aus. Älter als noch vor einem Jahr, und Ginny kam er noch hübscher vor. Automatisch suchte sie in seinem Gesicht nach dem grünen Funkeln in seinen Augen, und fand es. Ein Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. Harry machte ein paar leise Schritte auf die Treppe zu. Er erinnerte Ginny stark an jemanden, aber sie konnte nicht genau sagen, an wen. Nur, dass seine Bewegungen und sein Körper fast identisch mit dieser Person waren. Langsam drehte sie den Rubin  in ihren Fingern.
Dann hörte sie ein lautes Poltern und zuckte zusammen. Im nächsten Moment stürmte ihre Mutter aus der Zimmertür und auf die Jungs zu.
Während Molly Weasley schrie, drehte Ginny sich um und ging zurück in ihr Zimmer. Sie öffnete ihren Kleiderschrank und zog einen schwarzen Rock und ein grünes T-Shirt heraus. Nachdenklich betrachtete sie die Klamotten und befand sie schließlich als gute Wahl. Das Grün erinnerte sie an Harrys Augen und der Rock gefiel ihr auch zu dem Oberteil. Schnell schlüpfte sie in ihre Klamotten und machte sich auf dem Weg nach unten. In diesen Sachen kam sie sich albernerweise sehr erwachsen vor. Langsam nahm sie auf der Treppe einen Schritt nach dem anderen.

Sie versuchte, Harry nicht direkt anzustarren, als sie den Raum betrat, aber sie konnte es nicht vermeiden, dass ihre Augen immer wieder zu ihm wanderten. Sie wollte ihn anlächeln, wollte ihm versichern, dass er sich wegen ihrer Mutter keine Sorgen machen sollte – dass sie immer rumschrie – und wollte sich bei ihm bedanken, dass er gekommen war. Sie wollte ihm in ihrem Haus willkommen heißen.
Harrys Augen fielen auf sie und alles, was sie sagen wollte, war vergessen.
Er lächelte sie schief an.
Ginny versuchte, in seinem Lächeln etwas zu Lesen – ein geheimes Verbündnis, das nur zwischen ihnen bestand – aber Harry lächelte sie an, wie er wahrscheinlich jeden Fremden auf der Straße anlächeln würde.
Er hatte kein besonderes Lächeln für sie.
Er sah nichts besonderes in ihr.
Er kannte sie nicht.
Ginny stolperte bei dieser Erkenntnis fast über ihre Füße, und öffnete ihren Mund, um ihn willkommen zu heißen. Sie wollte ihre Hand ausstrecken und den Jungen, der überlebt hatte, begrüßen.
Was sie sagte, war: „H---grjmm.“
Harry sah sie unsicher an und sein Lächeln verrutschte ein wenig. Ginny hörte, wie das Kichern der Zwillinge aus der Ferne in ihren Ohren klingelte.
Sie starrte Harry an, wollte ihm zu verstehen geben, wer sie war, aber er blickte nur verständnislos zurück.
Ginny gab sich Mühe, nicht in Tränen auszubrechen, als sie sich umdrehte und die Treppe hochstolperte, mit wehendem Rock und tränenden Augen.

Autorennotiz

Ein verrücktes Plotbunny von mir...

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Autor

LizTonkss Profilbild LizTonks

Bewertung

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Statistik

Kapitel:2
Sätze:100
Wörter:1.645
Zeichen:9.232

Kurzbeschreibung

Das Leben ist kurz und der Tod ewig - oder nicht? Was wenn der Tod nur kurz ist, und ein neues Leben beginnt? Was, wenn Ginny Weasley Harry schon länger kennt, als sie meint? Was, wenn Ginny und Lily dieselbe Person sind - und doch jemand anderes?/"Nicht das Leben ist unendlich und auch nicht der Tod. Aber beide zusammen bildeten Unendlichkeiten, wie man sie sich kaum vorstellen konnte."/Wiedergeburt!AU/

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Canon-Ship, Wiedergeburt, Romanze und Mystery getaggt.