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Aus dem richtigen Holz - Teil 2

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02.08.20 17:13
12 Ab 12 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Staunend stand Harry vor dem Haus. Seit geschlagenen dreißig Minuten konnte er seinen Blick nicht losreißen. Severus hatte, nachdem die Schüler in den Zug gestiegen waren, ihre Koffer verkleinert und eingesteckt, dann waren sie bis vor das Tor von Hogwarts gelaufen und hierher appariert. Seitdem stand Harry da und bestaunte das Haus von außen. Es war weiß gestrichen, nur rund um die Fenster waren blaue Rahmen. Im ersten Stock war ein Balkon, der drei Seiten des Hauses umfasste, einzig die Nordseite, wo die Haustür war, blieb frei. Darunter lag eine Terrasse, die durch den Balkon überdacht war, rundherum war noch ein Garten mit verschiedenen Gemüse- und Kräuterbeeten. Dazu noch zwei Obstbäume, Birnen und Kirschen, wenn Harry es richtig sehen konnte. „Und das gehört alles dir?“, staunte er nun.

Severus schmunzelte. Die Reaktion seines Kleinen gefiel ihm. Ja, er war stolz auf sein Zuhause. Das hier hatte er sich mühsam erarbeitet, es war die ersten Jahre nicht leicht gewesen. Aber inzwischen hatte er das Haus abbezahlt und fühlte sich wirklich wohl hier. „Es gehört uns.“, berichtigte er Harry. „Du gehörst jetzt zu mir, also ist mein Haus auch dein Zuhause. Ich hoffe, es gefällt dir von innen genauso gut wie von außen. Komm, gehen wir rein.“ Er reichte Harry den zweiten Schlüssel. Der Junge würde ihn sicher nicht verlieren, deshalb durfte er bereits jetzt einen haben. Das war ein Zeichen für Harry, er sollte sich wirklich willkommen fühlen.

Ehrfürchtig griff Harry nach dem Schlüssel, den Severus ihm reichte. Seine Gefühle überwältigten ihn geradezu. Mit zitternden Fingern schloss er die Haustüre auf und sah sich um. Er fand sich in einem fensterlosen Flur wieder, rechts von ihm war eine Treppe, die nach oben führte, dahinter eine Tür.

„Dort ist das Gäste-WC.“, erklärte Severus, als er Harrys Blick sah.

Harry nickte nur, das war gut zu wissen. Er folgte Severus' Beispiel, der seinen Umhang in einen Garderobenschrank hängte und seine Schuhe hinein stellte. Dann blickte er in die verschiedenen Türen. Links vom Eingang ging es in eine Vorratskammer, die Zugang zur Küche hatte. Dort hinein gelangte man auch über die zweite Tür links. Die Küche war groß und hatte alles, was man brauchte, war aber ganz offensichtlich nicht magisch. Die Möbel waren aus einem hellen, braunen Holz, dazu Kühlschrank, Ofen und Spüle. Durch einen Durchgang gelangte man in das Speisezimmer, das einen Tisch für sechs Personen enthielt, dazu einige Vitrinen, in denen Geschirr zu sehen war, und zwei kleinere Anrichten. Und eine Schiebetür, durch die man auf die Terrasse konnte. In der rechten Wand war eine weitere Tür, durch die Harry nun ins Wohnzimmer trat. Überall war ein alter Holzboden verlegt, der leicht knarzte, wenn man darüber ging. Im Wohnzimmer fiel Harry sofort der große Kamin ins Auge. Bestimmt war der am Flohnetzwerk angeschlossen. Außerdem gab es ein großes Ecksofa, ein Zweisitzer-Sofa und einen Sessel, alles aus schwarzem Leder, die um einen kleinen Tisch arrangiert waren. Und – jetzt staunte Harry – ein Klavier. Dazu natürlich jede Menge Bücher in zwei großen Regalen, und auch hier Schiebetüren in den Garten.

„Das sieht toll aus!“, fand Harry. „Du hast wirklich ein schönes Haus.“

„Danke.“, antwortete Severus ein wenig heiser. Diese ehrlichen Worte aus Harrys Mund wühlten ihn auf. Zum ersten Mal, seit er das Haus hier gekauft hatte, war er absolut überzeugt, das Richtige getan zu haben. Damals hatte er lange mit sich gehadert, ob er Spinner's End nicht doch hätte behalten sollen, immerhin verbrachte er höchstens im Sommer Zeit außerhalb von Hogwarts, falls er nicht gerade im Manor bei seinem Patenkind war. Aber für Harry wäre Spinner's End sicher nicht das Richtige gewesen, dunkel, feucht und eng wie es war. Er hatte es gehasst, darum hatte er zugegriffen, als ein Unternehmer in der Muggelwelt damals beinahe das Doppelte des Wertes geboten hatte, weil er bereits alle Grundstücke in der Nähe besaß und etwas Größeres bauen wollte. Dort, wo einst sein Elternhaus gestanden hatte, gab es nun ein riesiges Freizeitbad. Von dem Geld, das er damals bekommen hatte, bezahlte er nur zwei Tage später die Anzahlung für dieses Haus. Ein spontaner Entschluss, den er sich bis heute nicht erklären konnte. Vielleicht, wegen der Lage. Das Haus stand einzeln, hatte keine direkten Nachbarn, aber es war nahe genug am nächsten Ort, sodass er zu Fuß hingelangen konnte. Von der Terrasse aus sah man bis zu den Klippen, das Meer selbst konnte man nur vom Balkon aus sehen. Apropos. „Wollen wir nach oben gehen?“, schlug er Harry vor. „Dort sind unsere Schlafzimmer und ein großes Bad. Vom Balkon aus siehst du das Meer.“

„Das … Meer?“, wisperte Harry. Er hatte das Meer noch nie gesehen, nur davon gehört, wenn Dudley erzählte. Die Dursleys hatten jedes Jahr Urlaub gemacht, immer ohne Harry.

„Ja, das Meer.“, nickte Severus. „Wir sind hier in der Nähe von Dover, du wirst sicher auch immer wieder Fähren sehen, die ein- und auslaufen.“ Der Junge hatte das Haus vorhin so lange bestaunt, aber vom Rauschen der Wellen wohl nichts mitbekommen. Wobei, wahrscheinlich kannte er dieses Geräusch einfach nicht und hatte deshalb nicht darauf reagiert. Sie gingen durch die Tür in den Flur und zur Treppe. „Hier geht es in den Keller.“, deutete Severus auf die untere Treppe. „Dort unten ist eine Waschmaschine und ein Trockner sowie Wäscheständer. Ich ziehe es vor, die Wäsche im Garten zu trocknen, wenn das Wetter mitspielt. Außerdem habe ich eine Hälfte des Kellers in ein Labor verwandelt, das aber wenig benutzt wird, da ich einfach zu selten hier bin.“

„Äh, aber warum dann ein großes Labor?“, wunderte sich Harry.

„Weißt du, ich wollte eigentlich nie Lehrer werden.“, gestand Severus. „Es waren verschiedene Umstände, die mich dazu machten, und nun stecke ich in Hogwarts gewissermaßen fest. Frage nicht danach, ich werde dir das noch nicht erklären, das ist etwas für später, wenn du ein wenig älter bist. Mein Traum war immer, in die Forschung zu gehen, dafür ist das Labor eingerichtet. Aber jetzt komm, wir wollten nach oben.“ Er führte Harry die Treppe hinauf. „Hier ist mein Schlafzimmer.“, zeigte er Harry die Tür gleich gegenüber der Treppe. Mit Harry ging er kurz hinein, sodass der Junge ihn finden konnte, sollte er nachts etwas brauchen. Er zeigte ihm seinen Arbeitsbereich, der gleich links neben der Schlafzimmertür lag. Hier würde er sicher auch tagsüber immer wieder sein. Dahinter war dann das große Schlafzimmer mit Zugang zum Balkon. Es war nüchtern eingerichtet, die Wände weiß, die Decke weiß, dazu der Holzboden und ein großes, dunkles Bett mit zwei Nachtschränkchen, auf denen Bücher lagen. Ein großer Kleiderschrank aus dem gleichen Holz wie die Küchenmöbel, dazu ein schwarzer Ledersessel mit einem Tisch und ein Bücherregal. Mehr gab es hier nicht. Außer einer weiteren Tür, die wohl ins Bad führte.

Nun gingen sie zurück in den Flur und rechts zur zweiten Tür. „Hier ist dein Zimmer, Harry.“, öffnete Severus die Tür und schob den Jungen vor sich her. „Sollte Draco uns besuchen, wird er bei dir schlafen müssen, ein Gästezimmer haben wir nicht. Ich hoffe, es gefällt dir, ansonsten können wir sicher noch Einiges ändern.“

Harry staunte. Auch hier war Holzboden, doch ein gemütlicher Teppich lag rund um das große Bett mit dem Holzgestell und der hellblauen Bettwäsche. Auch er hatte zwei Nachtschränkchen, die rechts und links vom Kopfteil des Bettes standen. An der rechten Wand war ein Bücherregal und daneben ein Schreibtisch, links an der Wand, hinter dem Bett von der Tür aus gesehen, stand ein Kleiderschrank. Neben seiner Balkontür stand ein türkis-farbener Sessel mit einem Tischchen, dazu ein weiteres Bücherregal, das schon erste Bücher enthielt. Keine Schulbücher, wie er sofort erkannte. Die waren im Regal neben dem Schreibtisch. Auch hier gab es eine Tür ins Badezimmer, das großzügig geschnitten war. Dusche, Badewanne, Toilette, Waschbecken. Alles da, was man brauchte.

Severus ließ Harry sein Zimmer erkunden, legte derweil dessen Koffer auf das Bett und vergrößerte ihn wieder. Schnell zeigte er Harry noch den bislang leeren Dachboden. „Wenn dir etwas einfällt, was wir daraus machen können, dann kannst du es mir ruhig sagen. Hier entscheiden wir gemeinsam.“, entschied er, als sie wieder nach unten gingen. „Für jetzt schlage ich vor, wir räumen unsere Sachen aus und du kannst dich noch ein wenig umsehen, dann treffen wir uns in zwei Stunden im Speisezimmer zum Essen. Nachmittag zeige ich dir dann die Umgebung, und wir müssen Einkaufen gehen. An Lebensmitteln haben wir nicht viel da, es reicht gerade für einige Sandwiches, die es heute Mittag geben wird. Wenn du sonst etwas brauchst, findest du mich in meinem Schlafzimmer und später dann in der Küche.“

Harry kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, er konnte kaum glauben, dass dieses ganze, riesige Zimmer alleine für ihn sein sollte. Spontan umarmte er Severus dankbar, bevor dieser in sein Schlafzimmer gehen konnte. „Danke!“, murmelte er. Er hatte keine Ahnung, wie er seine Dankbarkeit in Worte fassen sollte, es kam ihm immer mehr wie ein Traum vor.

„Gern geschehen, mein Kleiner!“ Severus festigte die Umarmung. Harry war deutlich gewachsen, inzwischen musste er nicht mehr fast in die Knie gehen, um den Jungen zu umarmen. Nun war er etwa so groß wie Draco vor einem Jahr. „Na geh schon und packe deine Sachen aus. Aber ich warne dich, ich erwarte, dass du dein Zimmer ordentlich hältst, genau wie den Rest des Hauses. Du kannst überall hin, außer alleine ins Labor, aber hinterlasse kein Chaos, ansonsten wirst du Ärger bekommen!“

„Okay, Sir!“, salutierte Harry. Das Funkeln in seinen Augen zeigte deutlich, dass er es scherzhaft meinte, aber durchaus verstanden hatte, was Severus meinte. Langsam verdaute er den Schreck, den Narzissa ihm vor gut drei Wochen verpasst hatte. Es tat ihm gut, aus Hogwarts heraus zu kommen, aber um Draco im Manor zu besuchen, brauchte er sicher noch mehr Zeit. Für den Moment beschränkte er sich darauf, seine Sachen ordentlich in den Schrank zu legen. So viele Dinge, die Severus ihm gekauft hatte. Natürlich ging er sorgsam damit um, nie zuvor hatte er so schöne Kleidung gehabt. Immer wieder trat er ins Bad und räumte auch dort alles in die Schränke. Severus hatte es ihm leicht gemacht, überall war der halbe Schrank leer, in der anderen Hälfte waren die Sachen des Tränkemeisters eingeräumt. Anschließend verbrachte er noch Zeit auf dem Balkon und bestaunte das Meer. Ob sie auch dorthin kamen? Er wünschte es sich sehr, wollte Severus aber nicht schon am ersten Tag der Ferien damit nerven. Wer wusste schon, was der Professor sonst in seinen Ferien machte? Seit er ihn kennen gelernt hatte, hatte Severus fast dauernd gearbeitet.

Nach dem Essen gingen sie gemeinsam am Strand entlang bis nach Dover. Es war nicht weit bis in den Ort, wie Harry erkannte, nur etwa eine halbe Stunde. Der Ort war durch und durch Muggel, wie Severus Harry erklärte, denn die Zauberer bevorzugten einige andere Orte in Küstennähe. Orte mit weniger Fährverkehr. Stimmt, das war Harry schon aufgefallen, dass sehr viele Schiffe in den Hafen hinein oder heraus fuhren. Bald hatten sie den Laden erreicht, zu dem Severus offensichtlich wollte. Sie kauften weniger ein, als Harry dachte, dass notwendig war, doch Severus raunte ihm zu, dass sie es mit einem Zauber vermehren konnten. Harry nickte. Er hatte gelernt, dass man Essen auch als Zauberer nicht aus dem Nichts erschaffen konnte, vermehren war aber, bis zu einem gewissen Punkt, durchaus möglich. Gemächlich gingen sie nach gut zwei Stunden in Dover zurück zum Haus, diesmal über einen Weg oberhalb der Klippen. Die Aussicht war wirklich toll, fand Harry. Dass sie keine schweren Taschen schleppen mussten, war auch toll, denn Severus hatte einen Zauber auf die Taschen gelegt, sodass viel mehr hinein passte, als es von außen zu sehen war, und dennoch wurden sie nicht schwerer.

Zuhause angekommen kochten sie gemeinsam. Zwar hatte Severus eine Hauselfe, dich sich um die Sauberkeit kümmerte, aber er kochte gerne selbst, wenn er die Zeit dafür hatte. „Frühstück ist fertig, wenn wir aufstehen, darum kümmert sich Tabby. Ich habe sie vor einigen Jahren von Lucius geschenkt bekommen, damit das Haus immer sauber ist. Sie wäscht und putzt, kümmert sich um alles Andere, nur aufräumen musst du selbst. Wenn wir kochen wollen, dann akzeptiert sie das, ansonsten kocht sie auch für uns. Während ich nicht hier bin, kümmert sie sich auch um den Garten, ansonsten bräuchte ich gar nichts anpflanzen. Solltest du etwas brauchen, rufe nach Tabby, sie kümmert sich gerne und wird froh sein, wenn sie nun etwas mehr zu tun hat.“

„Ich … ich darf sie wirklich rufen?“, versicherte sich Harry.

„Ja, ich bin sicher, du übertreibst es nicht. Ansonsten werde ich die Erlaubnis zurücknehmen.“, bestätigte Severus. „Wenn du magst, können wir heute Abend ein wenig fernsehen, ich habe eine Satellitenschüssel angeschlossen. Die war bereits da, als ich das Haus gekauft habe.“

Das machten sie dann auch. Harry lehnte sich an Severus an, während sie einen Film schauten, bis er irgendwann einfach einschlief, so voller Eindrücke wie er war. Mit einem leisen Schmunzeln trug Severus Harry nach oben in sein Bett, froh darüber, dass er ihn vor dem Fernsehen geschickt hatte, sich bettfertig zu machen.

Auch in den nächsten Tagen blieben sie für sich, gingen es eher ruhig an. Harry hatte panische Angst davor, ins Manor zu gehen, aber Lucius konnte derzeit nicht weg, er hatte noch so viele Dinge, um die er sich nach dem Tod seiner Frau kümmern musste. Selbst für Severus hatte er keine Zeit, nicht einmal in den Nächten. Dracos Versprechen, mit Harry zu fliegen, war zwar nicht vergessen, aber weit in den Hintergrund gerückt. Natürlich war Lucius jetzt frei für Severus, doch sie konnten es nicht öffentlich machen, um Lucius' Position als Spion nicht zu gefährden. Sie hatten sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, als sie vor einigen Tagen – oder wohl eher Nächten, denn sie hatten sich nach Mitternacht getroffen – darüber sprachen.

Erst am folgenden Wochenende sprach Severus seinen Schützling darauf an. „Wir sind eingeladen, ins Manor. Draco möchte gern seinen Besen ausprobieren und er möchte, dass du dabei bist. Er will dir das Fliegen zeigen.“ Das hatte ihm sein Patenkind geschrieben, heute Morgen war seine Eule Herakles mit Post gekommen.

Erschrocken zuckte Harry zusammen. Er wollte nicht ins Manor, jetzt, wo er gerade anfing, keine Alpträume mehr zu haben. Diese Nacht hatte er endlich einmal durchschlafen können. Er sprach mit Severus über das, was passiert war, wie er sich fühlte, und Severus versprach immer wieder, dass es mit der Zeit besser werden würde, aber bisher merkte Harry davon nur wenig. Er hatte panische Angst, erneut dorthin zu kommen. Wild schüttelte er daher seinen Kopf.

„Harry.“, nahm Severus ihn fest in den Arm. Er wusste, welche Panik sein Kleiner hatte, doch das würde nicht besser werden, wenn sie länger warteten. Im Gegenteil. Harry musste sehen, dass das Manor nicht gefährlich war, dass nichts passierte, wenn er nun dorthin ging. Es zu wissen und es zu erleben waren nun einmal zwei völlig verschiedene Dinge. „Ich verspreche dir, dass nichts geschehen wird. Auch Lucius hat einen gewaltigen Schrecken davon getragen. Er hat sofort renovieren lassen, damit die Erinnerung nicht so übermächtig werden kann. Ich denke, es ist besser, wenn du es jetzt hinter dich bringst und dir selbst zeigst, dass das Manor keine Gefahr ist. Je länger du wartest, umso schlimmer wird es, das weiß ich aus Erfahrung.“

Noch immer zögerte Harry, aber Severus wartete. Mit Harry hatte er so viel mehr Geduld wie mit jedem anderen Kind, das konnte er sich noch immer nicht erklären. Ansonsten war er nur beim Brauen so geduldig. Schließlich nickte Harry zögerlich, es war deutlich, dass er nicht glaubte, was Severus ihm versprach, aber ihm zuliebe würde er es wagen.

Harry war nicht sicher, ob es gut war, die Zustimmung zu geben, aber er war inzwischen neugierig auf das Fliegen. Draco hatte ihm schon so viel davon vorgeschwärmt, dass er wissen wollte, wie es war. Außerdem konnte er dann schon ein wenig üben, bevor er im Herbst Flugunterricht in Hogwarts hatte. Wenn er ehrlich war, hatte er davor ein wenig Angst, denn was wäre, wenn er der Einzige war, der sich nicht auf einem Besen halten konnte? Draco hatte ihm von dem Gryffindor erzählt, der gleich nach nicht einmal einer Minute vom Besen gefallen war. Was, wenn ihm das auch passierte? Dann war es vielleicht doch besser, bald ins Manor zu gehen, um mit Draco zu üben. Hier konnten sie nicht fliegen, auch wenn das Haus gut geschützt war, sodass die Todesser sie nicht finden konnten. Dennoch könnten Muggel etwas sehen, wenn jemand im Garten flog, das hatte Severus ihm erklärt.

„Du wirst sehen, es wird halb so schlimm.“, versprach Severus erneut. „Wir sind morgen zum Mittagessen eingeladen, danach kannst du mit Draco fliegen.“

Bis zum Morgen wurde Harrys Angst dann doch wieder deutlich größer als seine Zuversicht, daher ging Severus gemeinsam mit seinem Schützling durch den Kamin. Nicht, dass er sich vor lauter Angst verirrte und sonst wo heraus kam. Lucius und Draco warteten bereits auf sie, auch, wenn sie einige Minuten vor der verabredeten Zeit ankamen. Nun gut, die beiden Blonden kannten Severus inzwischen ziemlich gut, er kam immer etwas früher. „Onkel Severus, willkommen!“, begrüßte Draco seinen Paten sofort. Dann umarmte er Harry. „Endlich kommst du, Harry, ich warte schon sooo lange auf dich!“

Jetzt erst kam Lucius dazu, seine Gäste zu begrüßen. „Willkommen, Harry, Severus.“, gab er ihnen die Hand. Er wirkte ein wenig erschöpft, fand Severus. Vermutlich bekam er derzeit ziemlich wenig Schlaf ab. Obwohl die Beerdigung von Narzissa bereits vorbei war – Draco war dafür direkt nach der letzten Prüfung für drei Tage nach Hause gereist – gab es offenbar noch mehr als genug zu tun. „Kommt, gehen wir ins Kaminzimmer, dort gibt es einen Aperitif. Das Essen wird in einer halben Stunde serviert.“

Ein wenig neugierig und mindestens genauso angstvoll sah Harry sich um, als er gemeinsam mit Severus den beiden Blonden folgte. Unwillkürlich griff er nach der Hand von Severus, um sicher zu gehen, dass nichts geschehen würde. Severus beschützte ihn. Das hatte er bereits mehrmals bewiesen. Und darauf vertraute Harry voll und ganz. Nichts kam ihm hier bekannt vor, Harry war sicher, in dem Teil des Manors noch nie gewesen zu sein. Aber sowohl Draco als auch Mister Malfoy hatten ihm erzählt, wie groß es war. Sie traten nach wenigen Minuten in das sogenannte Kaminzimmer. Harry fand es seltsam, denn sie waren doch in einem Zimmer angekommen, in dem ein riesiger Kamin stand, wieso gab es dann noch ein Kaminzimmer hier? Doch der erste Blick zeigte ihm, dass dieses Zimmer eine andere Nutzung hatte als das, in dem sie angekommen waren. Hier war es gemütlich, der Kamin diente offenbar nur als Wärmequelle. Mehrere Sessel verteilten sich an kleinen Tischchen, die immer neu gruppiert werden konnten, wie es schien. Es gab Schachteln mit Zigarren, wie eine Aufschrift zeigte, dazu eine große Bar, die gut gefüllt war. Darauf ging Lucius Malfoy nun zu. „Severus, einen Cognac?“, erkundigte er sich.

„Danke, gerne.“, nickte Severus.

Lucius schenkte seinem Partner und sich selbst ein, dann wandte er sich an die beiden Jungen. „Und ihr beiden? Einen Melon-Crush?“, erkundigte er sich.

Verwundert sah Harry auf. Einen was bitte?

„Ja, bitte, Vater!“, antwortete Draco bereits. Er drehte sich zu Harry um. „Das ist Meloneneis in Trinkwasser, garniert mit einem Zweig Zitronenmelisse.“, erklärte er. „Schmeckt fruchtig und leicht süß, solltest du wirklich probieren.“

„Okay.“, nickte Harry. Es klang jedenfalls nicht schlimm. Also nahm er das Glas von Mister Malfoy entgegen und wartete ab, was die Anderen machten. Severus und Mister Malfoy prosteten sich kurz zu, dann schwenkten sie ihre Gläser und nippten. Draco blickte auf Harry, wartete mit erhobener Augenbraue. Als Harry sich seinem Freund zuwandte, prostete der ihm ebenfalls zu und nippte an seinem Glas. Also tat Harry es ihm gleich und riss die Augen auf. „Das ist wirklich lecker, danke Mister Malfoy!“, lächelte er.

„Lucius.“, entgegnete der Blonde. „Harry, ich habe schon lange überlegt, dir die persönliche Anrede anzubieten, aber bisher hat es sich nicht ergeben. Jetzt gerade ist genau der richtige Moment dafür. Du bist nun nicht mehr als Schüler hier sondern als Gast, als guter Freund. Nenn' mich Lucius, Harry.“ Nun prostete er Harry zu.

Etwas überfahren nickte Harry und erhob ebenfalls sein Glas. „Danke … Lucius.“, stammelte er unsicher und bekam rote Wangen.

Lucius nickte nur zufrieden und genoss seinen Cognac, ein guter Tropfen, den er für besondere Gelegenheiten aufgehoben hatte. Zwar wussten die beiden Jungen nichts davon, aber heute war für ihn eine besondere Gelegenheit. Er war nun endlich frei für Severus, ohne sich vor seiner Frau verstecken zu müssen. Und auch, wenn Severus nie etwas gesagt hatte, es hatte ihm weh getan, dass Lucius nicht frei gewesen war. Zwar hatten sie entschieden, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, dennoch war es jetzt etwas Anderes. Und das feierte er nun. Er tauschte einen tiefen Blick mit Severus und wusste, sie beide feierten das heute. Auch, wenn Narzissas Ende erschreckend war, so fühlte sich Lucius so frei wie seit vielen Jahren nicht mehr. Er hatte seine Frau nie geliebt, hatte sie auf Druck seines Vaters und des Lords geheiratet. Nicht alles war schlecht, was sie gebracht hatte, denn ohne sie hätte er Draco nie bekommen, und der Junge bedeutete ihm alles.

Draco erzählte Harry leise vom Manor, von den weißen Pfauen, die auf dem Grundstück lebten, von den Pferden, die sein Vater züchtete, von den vielen Möglichkeiten, die es im Manor und auf dem riesigen Grund gab. „Warum übernachtest du nicht einmal hier bei mir? Dann haben wir Zeit, ein bisschen was davon zu erkunden?“, schlug er schließlich vor. „Wir könnten neben meinem Zimmer ein Gästezimmer für dich einrichten. Blaise hat auch ein eigenes Gästezimmer hier, das ist auf einer Seite meines Zimmers, aber auf der anderen Seite ist noch ein Zimmer frei. Onkel Sev hat auch ein Gästezimmer hier, es ist gegenüber von dem Zimmer, das für dich frei wäre. Mein Vater schläft mir gegenüber. Er meint immer, das sei besser so, damit ich nachts nichts anstellen kann. Naja, Väter halt. Das wirst du sicher noch lernen.“

Severus und Lucius tauschten einen amüsierten Blick, als sie Dracos Monolog hörten. Aber sollte Harry hier übernachten wollen, würden sie ihm sicher nicht im Weg stehen. Dennoch, um seinen Vaterpflichten nachzukommen, erkundigte sich Lucius: „Hast du deine Hausaufgaben bereits fertig, Draco? Du weißt, was ich gesagt habe. Du darfst Freunde einladen, sobald du deine Sommerhausaufgaben fertig hast. Und ich will sie zuvor sehen.“

„Ich bin fast fertig, Vater, ich habe mich extra beeilt.“, nickte Draco ernst. „Ich habe Zaubertränke, Kräuterkunde, Verwandlung und Verteidigung bereits komplett fertig, sie liegen auf meinem Schreibtisch. Für Geschichte muss ich noch etwas nachlesen und den letzten Absatz überarbeiten, dann bin ich damit ebenfalls fertig. Dann fehlt nur noch Astronomie, aber das schaffe ich morgen sicherlich.“

Lucius hob eine Augenbraue. „Du scheinst mehr gelernt zu haben als ich dachte in Hogwarts.“, lobte er. „So zuverlässig kenne ich dich gar nicht. Was willst du?“

„Äh, können wir heute Abend darüber reden, Vater?“, wand sich Draco, die Frage war ihm sichtlich unangenehm.

Das brachte Lucius' zweite Augenbraue dazu, sich zu heben. „Jetzt bin ich neugierig. Ich erwarte dich heute, nach dem Abendessen, mit deinen Aufsätzen in meinem Arbeitszimmer.“

Erleichtert nickte Draco. Er atmete auf, als nun eine Hauselfe kam und verkündete, dass das Essen serviert sei. Gemeinsam mit Harry ging er nun zwei Zimmer weiter in das kleine, private Speisezimmer, in dem er immer mit seinem Vater zusammen aß. Wenn Narzissa dabei gewesen war, mussten sie immer im wesentlich prunkvolleren großen Speisezimmer essen, das fand Draco mehr als lächerlich. Da hallte es immer so sehr, wenn sie zu dritt darin saßen und miteinander sprachen.

Das kleine Speisezimmer fand Harry angenehm, nicht so protzig, wie manche anderen Zimmer, die er bereits gesehen hatte. Er setzte sich neben Draco, der am Tischende saß, während Lucius am Kopf des Tisches Platz nahm. Severus saß Harry gegenüber, sodass sie sich leicht unterhalten konnten. Viel größer war der Tisch nicht. Kaum, dass sie saßen, tauchte eine Schale auf dem Tisch auf. Als er sah, dass es eine einfache Suppe mit kleinen Flöckchen war, entspannte sich Harry.

Nach dem Essen gingen sie nach draußen. Draco wollte nun endlich das erste Mal mit seinem Nimbus 2001 fliegen. Außerdem wollte er Harry zeigen, wie das Fliegen funktionierte. Daher reichte er Harry seinen vorherigen Besen, einen Sauberwisch. Seiner Meinung nach ein guter Anfängerbesen. „Okay, Harry. Stell dich neben deinen Besen und sag: ‚hoch‘, dann müsste er in deine Hand fliegen.“ Draco zeigte es ihm.

Ein wenig unsicher machte Harry es ihm nach. „Hoch.“, befahl er. Tatsächlich landete der Besen direkt in seiner Hand. Er vibrierte ein wenig, aber hielt still.

„Und nun musst du aufsteigen.“, war Dracos nächster Befehl.

Erneut kopierte Harry das, was Draco tat. Es war überhaupt nicht schlimm, eher im Gegenteil. Harry spürte das Vibrieren des Besens in seinem ganzen Körper, aber auch er selbst vibrierte vor Spannung, seine Angst war wie weggeblasen. Nur am Rande hörte er Dracos Erklärungen, folgte einfach seinem Gefühl. Fliegen war leicht, stellte er fest. Der Besen reagierte auf ihn, als folge er einfach seinen Gedanken. Ohne darüber nachdenken zu müssen, flog Harry ein wenig höher, lehnte sich nach vorne und beschleunigte. Er sah nicht, dass Severus blass wurde und seinen Manövern sorgenvoll mit den Augen folgte, den Zauberstab bereit, um Harry notfalls aufzufangen. Doch das war absolut nicht nötig, Harry konnte fliegen. Es war nicht schwer. Jubelnd zog Harry seinen Besen ein wenig höher und folgte Draco, versuchte, ihn aufzuholen. Lachend zischte Draco davon, schlug einige Haken. Harry folgte ihm, er hatte keine Angst mehr, genoss einfach nur das Gefühl von Freiheit, den Wind in seinen Haaren.

„Na komm, lassen wir die Beiden fliegen.“, schlug Lucius schließlich vor. Er hatte sofort erkannt, dass Harry auf dem Besen sicher war.

„Und wenn Harry ...“, wandte Severus protestierend ein.

„Keine Sorge, meine Hauselfen passen auf.“, schnitt ihm Lucius das Wort ab. „Dein Kleiner ist ein Naturtalent, würde ich behaupten. Ich vermute, er wird Draco schnell den Rang ablaufen, wenn es ums Fliegen geht. Die Beiden sind hier sicher, darum hätte ich gern ein wenig Zeit mit dir alleine.“ Den letzten Satz raunte Lucius nur noch. Mit einem letzten Blick zurück zu seinem Schützling folgte ihm Severus in den Salon.

„Wie geht es dir?“, wollte Severus wissen, sobald sie alleine waren. Sie setzten sich im Salon auf das Sofa, sodass sie die Jungen im Blick hatten, die noch immer durch die Luft jagten.

Lucius' Maske löste sich, und nun sah man ihm die Erschöpfung deutlich an. „Du musst nun mehr als vorsichtig sein, Sev.“, warnte Lucius. „Jetzt giltst du als Verräter ersten Ranges, weil du Narzissa getötet hast. Sie suchen überall nach dir. Nun gut, keiner hat auch nur die geringste Idee, wo du lebst, sie alle kennen nur Spinners End, aber trotzdem solltest du vorsichtig sein.“

„Ich habe das Haus so gut geschützt, wie ich es alleine kann.“, nickte Severus. „Das Einzige, was noch sicherer ist, wäre ein Fidelius, den schaffe ich aber nicht alleine. Allerdings habe ich das im Moment noch nicht vor, denn ich werde Lupin sicher nicht in den Fidelius einweihen.“

„Lupin?“, echote Lucius. „Willst du ihn einladen? Ich dachte, Harry hat kaum noch mit ihm zu tun?“

„Harry spürt, dass Lupin etwas vor ihm geheim hält.“, antwortete Severus. „Außerdem scheint es mir immer noch so zu sein, dass er Vertrauen von Harry erwartet, aber wie soll Harry ihm vertrauen, wenn er ihn kaum kennt? Und wenn da noch ein großes Geheimnis lauert. Auf der anderen Seite wünscht sich Harry nichts mehr, als von Lupin mehr über seine Eltern zu erfahren. Harry ist hin und her gerissen, vor allem auch, weil ich mit Lupin nicht auskomme.“

„Hat er sich immer noch nicht vernünftig entschuldigt?“, wunderte sich Lucius. „Und da wirft er dir vor, kindisch zu sein, weil du dem alten Hass gegen James Potter noch immer nachhängst?“

„Nicht nur das, er tut so, als wäre nichts gewesen.“, knurrte Severus. „Und dann wirkt es, als hätte er einen Anspruch auf Harry, weil er der Sohn seines besten Freundes ist. Warum kann er nicht verstehen, dass Harry eine eigene Person ist? Er ist kein Klon seines Vaters. Merlin sei Dank!“

„Nein, das ist er beileibe nicht.“, schüttelte Lucius den Kopf. „Der Kleine ist ein toller Junge. Er ist es wert, dass du dafür Frieden mit Lupin schließt.“

„Er schreibt mir immer wieder, weil Harry nichts mehr von sich hören lässt.“, seufzte Severus. „Als ob ich ihm verbieten würde, Lupin zu schreiben!“ Severus schüttelte den Kopf. Das hatte Harry nun wirklich selbst entschieden, und wenn Lupin die vorherigen Briefe richtig gelesen hätte, wäre ihm das vielleicht sogar aufgefallen. Denn sie waren immer mehr als oberflächlich geblieben. Harry hatte sie ihn ab und zu lesen lassen. Das war einfach nur ein Bericht geworden, kein persönlicher Brief. „Er hat um eine Aussprache gebeten, jetzt, im Sommer. Er will zu Harrys Geburtstag kommen. Ob das eine gute Idee ist, weiß ich nicht, aber ich habe einer Aussprache zugestimmt. Nur würde ich es vorziehen, wenn Harry dann nicht im Haus ist. Von daher wäre Dracos Einladung für mich ebenfalls von Vorteil. Außerdem muss ich meine Hausapotheke auffüllen, ich habe kaum noch Tränke zuhause.“

„Sobald Draco mit seinen Hausaufgaben fertig ist, steht dem nichts mehr im Wege.“, stimmte Lucius zu.

„Dann kann Lupin nächstes Wochenende kommen.“, entschied Severus. „Aber du hast meine Frage noch nicht beantwortet. Wie geht es dir?“

Lucius schwieg eine Weile. Er wusste, er konnte ehrlich mit Severus sein, aber es war schwierig, seine Gefühle in Worte zu fassen. „Draco nimmt es so wenig mit. Irgendwie kein Wunder, so kalt, wie Narzissa immer mit ihm umging. Ich bin froh, dass ich den Jungen nicht aufrichten muss, aber eine gewisse Traurigkeit hätte ich schon erwartet. Aber da ist einfach nichts. Diese Frau war keine Mutter für ihn, noch nicht einmal eine Bezugsperson. Das ist schon irgendwie verrückt.“

„Und du?“, bohrte Severus nach, als Lucius erneut in Schweigen verfiel.

„Ich weiß es einfach nicht.“ Lucius seufzte, dann lehnte er sich bei Severus an, vergrub das Gesicht in dessen Hals. Severus strich ihm über den Rücken, aber Lucius wusste, er würde den Garten im Auge behalten, damit sie nicht überrascht wurden. „Ich bin froh und erleichtert, dass sie den Lord nicht zurück holen konnte. Aber ich weiß, er wird wieder kommen. Ich habe Angst, was dann mit Draco passiert, aber auch, was mit dir und Harry sein wird. Ich vermisse Narzissa nicht, aber trotzdem fehlt etwas. Immer wieder sehe ich mich um, ihre Anwesenheit ist immer noch spürbar. Ich bin froh, endlich frei zu sein, aber eigentlich bin ich es immer noch nicht. So lange der Lord nicht besiegt ist, endgültig vernichtet, werde ich nicht frei für dich sein.“ Er biss sich auf die Lippen. Jetzt, wo er seine Maske gelöst hatte, fiel es ihm schwer, seine Gefühle zu zügeln. Der Geruch von Severus, direkt hier bei ihm, überwältigte ihn beinahe. „Es gibt so viel zu tun, bis ihr Erbe geregelt ist. Narzissa hatte kein Testament, natürlich erbe daher ich einen Großteil, aber ihre Schwestern haben auch Anspruch auf einen Teil des Erbes. Selbst Bellatrix, obwohl sie in Askaban sitzt. Andromeda will davon nichts wissen, aber gerade sie hätte es verdient. Sie und ihr Mann, ein Muggel, arbeiten hart, um einigermaßen gut leben zu können. Natürlich stand Narzissa auf der anderen Seite, aber mir sind diese Menschen nicht egal, müssten es aber sein, wenn man sieht, wem ich offiziell diene. Ich muss ihr ganzes Verlies durchsehen, da ist so viel Verbotenes. Draco darf das niemals in die Hände bekommen.“

„Soll ich dir helfen?“, bot Severus an. „Du weißt, ich kenne mich gut aus.“

„Ich weiß es nicht.“, zuckte Lucius unschlüssig die Schultern. „Ich will das Zeug einfach nur loswerden, aber es darf nicht in die falschen Hände gelangen. Und wenn ich es ins Ministerium bringe, kann es mir passieren, dass sie mich dafür einsperren.“

„Das werden sie nicht, wenn die Kobolde bezeugen, dass es aus Narzissas Verlies ist, zu dem du bislang keinen Zutritt hattest.“, schüttelte Severus den Kopf. „Lucius, was ist da noch? Deshalb bist du nie im Leben so fertig.“

Lucius richtete sich auf, um Severus in die Augen sehen zu können. „Du erinnerst dich an das Tagebuch, das Narzissa erwähnt hat, als ich sie ablenken wollte?“

„Ja, ich hörte es, aber konnte es mir nicht erklären.“, nickte Severus. „Du weißt, wovon sie sprach?“

Nun war es an Lucius, zu nicken. „Ja, leider.“ Er atmete tief durch. „Es ist etwas, das mir der Lord zur Aufbewahrung gab, kurz bevor er zu den Potters ging. Ich weiß nicht genau, was es tun kann, aber er meinte damals, es müsse irgendwann nach Hogwarts, um die Unwürdigen endgültig von dort zu entfernen. Ich habe versucht, mehr darüber heraus zu finden, aber außer, dass es tiefste schwarze Magie ist, konnte ich nichts festmachen. Narzissa hat es offenbar wirklich in ihre Hand gebracht, es ist verschwunden, nur habe ich keine Ahnung, wohin sie es gebracht haben könnte. Ich suche Nacht für Nacht danach, vor allem in ihren persönlichen Gemächern, aber erfolglos. Es ist gefährlicher als alles, was sie in ihrem Verlies hat, zusammen.“

„Oh Luc.“ Severus zog seinen Partner an sich. „Hättest du nur früher mit mir gesprochen, wir hätten auch Albus fragen können.“ Er seufzte. „Es ist vorbei, wir können die Vergangenheit nicht ändern. Hast du die Hauselfen bereits gefragt, vielleicht wissen sie etwas?“

„Selbst wenn, Narzissa hat sie sicherlich zum Schweigen gebracht. Nein, nicht umgebracht, wenn du das jetzt denkst, aber mit einem Zauber das Gedächtnis dahingehend gelöscht. Zumindest würde das zu ihr passen.“ Lucius war auch bereits auf diesen Gedanken gekommen, aber es hatte kein Ergebnis gebracht. Alle Zauber, die dazu dienten, etwas zu finden, schlugen fehl. Entweder war es zu gut versteckt – Narzissa war eine fähige Hexe gewesen, hatte viel von ihrem Vater gelernt – oder aber nicht mehr im Haus. „Und Dumbledore will ich nicht einweihen, wenn ich ehrlich sein soll. Ich vertraue ihm absolut nicht. Wer weiß, was der Alte daraus machen würde. Am liebsten würde ich ihn aus der Schule entfernen, das käme auch Harry zugute, denke ich, aber der Großteil des Schulrates ist auf seiner Seite. Da kann ich machen, was ich will.“

„Fragt sich nur, wer dann kommt.“, knurrte Severus. „Vielleicht ist es trotz allem besser, Dumbledore in Hogwarts zu haben. Bei ihm wissen wir, woran wir sind. Und wenn der Lord zurück kommt, bietet seine Anwesenheit zumindest einen gewissen Schutz für die Kinder.“

„Irgendwie hast du Recht.“, musste Lucius zugeben. „Es ist so unbefriedigend, nichts tun zu können.“

„Wir können nur weiterhin die Augen offen halten.“, brummte Severus. „Gib dir selbst ein bisschen Zeit, mach etwas mit Draco, das tut euch beiden gut. Viel zu schnell ist er wieder in Hogwarts und du vermisst ihn.“

Jetzt musste Lucius schmunzeln. Seine Augen verloren dabei ein wenig der ganzen Sorgen. „Du hast Recht. Ich werde ein wenig Zeit mit meinem Sohn verbringen, das haben wir Beide nötig. Wenn Harry am Wochenende hier übernachtet, kommst du dann auch?“

„Das werde ich.“, raunte Severus. Mit einem Mal richtete er sich auf. „Wir können froh sein, dass Narzissa keinen Überwachungszauber auf deinem Schlafzimmer hatte!“ Immerhin hatte sie einen auf Lucius' Büro gelegt, ohne dass dieser etwas davon mitbekommen hatte.

„Mein Schlafzimmer war dagegen gesichert. Genau wie die Hauselfen nie etwas verraten konnten, weil sie mir gehören.“, knurrte Lucius, als er daran erinnert wurde. „Beim Arbeitszimmer dachte ich nur leider nicht, dass es notwendig wäre. Verzeih mir, ich habe Harry in Gefahr gebracht!“

„Es war nicht deine Schuld.“, versicherte Severus. „Ich werde dir die Schuld daran nicht geben, bitte gib sie dir nicht selbst. Du hast so viel getan, aber damit hätte ich auch nicht gerechnet. Es ist vorbei, Luc.“

„Du hast dich verändert.“, staunte Lucius. „Früher hättest du mir das nicht so schnell vergeben. Harry tut dir genauso gut wie du ihm.“

Severus schwieg. Hatte Lucius Recht? Hatte er sich tatsächlich so sehr verändert? Er konnte es kaum glauben, aber es schien so zu sein, wenn er genauer darüber nachdachte. Eine Weile lehnte er sich an Lucius und erlaubte seinen Gedanken, auszuschweifen. Viele Dinge gingen ihm durch den Kopf, doch er hielt keinen Gedanken länger fest, ließ sie ziehen. Die Ruhe, die Lucius ihm gerade schenkte, tat ihm gut, half ihm, selbst zur Ruhe zu kommen. Bis Lucius wieder ein wenig Abstand zwischen sie brachte, weil die beiden Jungen auf das Haus zu traten.

 

Am folgenden Wochenende reiste Harry bereits am Samstagmorgen ins Manor. Severus wollte ein wenig brauen, bevor Lupin später kam, er versprach Harry aber, am Abend zum Essen zu kommen. Dass er dort übernachtete, hatte er bereits mit Lucius besprochen. Endlich hatten sie dann wieder ein wenig Zeit zu zweit. Doch vorher … aber darüber wollte er gerade nicht nachdenken. Gleich drei Kessel hatte er gleichzeitig über dem Feuer, um seine Hausapotheke endlich wieder ordentlich aufzufüllen. Sein Arbeitspensum war genau berechnet, er konnte keine Unterbrechungen gebrauchen, daher hatte er einen Zauber über sein Labor gelegt, um nicht gestört zu werden. Ihm war immer noch bewusst, dass jeder seiner Zauber registriert wurde, aber er dachte nicht mehr weiter darüber nach, nicht so wie noch vor vier Wochen etwa. Wahrscheinlich würde morgen Lucius mit hierher kommen, damit sie den Fidelius wirken konnten. Sollte Harry Lupin irgendwann wieder vertrauen, konnte er ihn immer noch einweihen, bis dahin mussten sie einen neutralen Treffpunkt finden. Harrys Sicherheit ging vor.

Da fiel ihm ein, er musste Lupin auch noch fragen, wie genau er erfahren hatte, wo Harry war und dass etwas passiert war. Das hatte er eigentlich gleich am anderen Tag fragen wollen, hatte es aber vergessen, weil Harry so panisch gewesen war. Natürlich war Lupin am anderen Tag wieder aufgetaucht, kurz nachdem Dumbledore ihm einen Besuch abgestattet hatte. Der Schulleiter war nicht begeistert, aus dem Tagespropheten von den Ereignissen erfahren zu müssen. Eigentlich wunderte das Severus, er war sicher, dass Moody für seinen alten Freund eine Ausnahme gemacht hätte. Vor allem, da Dumbledore einen Sitz im Gamot hatte, könnte Moody sogar mit ihm darüber reden, ohne den Verschwiegenheitszauber umgehen zu müssen. Severus hatte nur kurz die Ereignisse umrissen, da ihm ohnehin nichts Anderes übrig geblieben war, immerhin war der Prophet mehr als gut informiert gewesen. Das Gleiche hatte er auch Lupin erzählt, den er nicht einmal mit in die Wohnung genommen hatte, da Harry panische Angst bekam, er wolle wieder verschwinden und ihn Lupin mitgeben.

Seine Tränke waren pünktlich fertig, sodass Severus noch unter die Dusche gehen konnte, bevor sein Besuch kam. Als Gast würde er ihn erst einmal nicht bezeichnen. Hedwig saß im Wohnzimmer, als Severus aus dem Bad kam. Er gab ihr einen Eulenkeks. „Harry ist bei Draco, du kannst zu ihm fliegen, wenn du willst.“, schlug er der weißen Schneeeule vor. Eigentlich ungewöhnlich, fiel ihm erst jetzt auf. Sie war eindeutig ein Weibchen, die waren bei den Schneeeulen normalerweise aber braun gefleckt. Also hatte Harry Recht, Hedwig war etwas Besonderes. Oben, in Harrys Zimmer, gab es nun eine Eulenstange und ein kleines Eulenfenster, durch das sie kommen und gehen konnte, wie sie wollte. Sie knabberte kurz an Severus' Finger, dann breitete sie die Flügel aus und glitt lautlos durch die offene Terrassentür. Severus blickte ihr einen Moment nach, dann trat er durch das Esszimmer in die Küche. Dort war Tabby gerade damit beschäftigt, einige Sandwiches zu richten, außerdem stand ein duftender, dampfender Kuchen auf der Arbeitsplatte.

„Meister Severus? Tabby ist gleich fertig und wird alles im Esszimmer servieren.“, piepste die Kleine. Sie war eindeutig der gute Geist des Hauses, überlegte Severus.

Er nickte zufrieden. „Danke, Tabby.“ Das machte es zwar nicht leichter, aber zumindest sah es nach außen hin freundlich aus. Er würde Lupin noch diese eine Chance geben. Gab es heute keine Übereinkunft, würde er Lupin aus seinem Leben verbannen. Damit zwar wohl auch aus Harrys Leben, was für den Jungen schade war, aber wenn Lupin nicht erwachsen wurde, hatte das keinen Sinn.

Pünktlich um zwei Uhr nachmittags klingelte es an der Tür. „Lupin.“, öffnete Severus sein Haus. „Kommen Sie rein.“ Er brachte ihn ins Esszimmer, das Wohnzimmer war nicht das Richtige für den Moment. „Setzen Sie sich.“ Er bot Lupin einen der Stühle an und setzte sich selbst auf die andere Seite des Tisches. „Tee? Kaffee?“ Er wusste, was sich gehörte. Nicht, dass er es gern machte, aber er wollte zeigen, dass er eine Chance gab.

„Tee, danke.“, murmelte Remus leise. Er spürte genau, dass Severus ihn nicht hier haben wollte. Staunend und ein wenig suchend sah er sich um. „Ein schönes Haus hast du. Das gefällt Harry sicher auch. Wie geht es ihm?“

„Er ist nicht hier, sondern bei einem Freund.“, antwortete Severus. „Es tut ihm gut, aus Hogwarts zu sein. Hier blüht er wieder auf. Sein Zimmer ist oben. Wollen Sie sich überzeugen, dass ich ihn nicht einsperre?“ Am Ende konnte Severus nicht verhindern, sarkastisch zu werden.

„Nein, nein, Severus.“, schüttelte Remus den Kopf. „Ich weiß, dass du ihm gut tust. Harry hat mir nicht viel erzählt, aber ich habe inzwischen Einiges erfahren. Wenn auch nur die Hälfte davon wahr ist, hast du wirklich gute Arbeit geleistet.“ Er atmete tief durch und trank einen Schluck von seinem Tee. Auch der war sehr gut. Nicht das billige Zeug, das er selbst immer trinken musste.

Remus traf eine Entscheidung. Er sah auf. „Ich will ehrlich sein.“, begann er erneut. „Du hattest Recht mit deinen Vorwürfen am Anfang. Ja, ich hätte mich viel eher kümmern müssen. Anfangs konnte ich es nicht, war zu sehr geschockt von den Ereignissen. Der Tod von James und Lily, Harry hat überlebt, dann der Mord an Peter durch Sirius. Ich habe Sirius vertraut. Ich verstehe bis heute nicht, wie er James und Lily verraten und Peter ermorden konnte. Ich weiß nicht, was bei seiner Verhaftung passierte, ich konnte einfach nicht nachfragen. Es tut zu weh, bis heute. Danach habe ich versucht, irgendwie wieder auf die Beine zu kommen. Einen Job zu finden. Nachdem ich zweimal rund um Vollmond ausfiel, wurde meinem Arbeitgeber klar, was ich bin. Nun, meine Augen verraten ziemlich viel, vor allem rund um Vollmond. Wenn man dann eins und eins zusammen zählt … Ich habe es ein weiteres Mal versucht, nach drei Monaten wurde ich erneut rausgeschmissen. Dann verlor ich auch noch meine kleine Wohnung und all meinen Besitz, als meine Vermieter herausfanden, was ich bin. Sie haben alles verbrannt, was mir gehörte, während ich auf der Suche nach Arbeit war, das Schloss ausgetauscht, die Zauber geändert. Ich kam von jetzt auf gleich nicht mehr in meine Wohnung. Ich hatte nur noch einen Notgroschen. Damit ging ich in die Muggelwelt, suchte mir eine kleine Wohnung außerhalb eines kleinen Ortes, wo es billig war, und arbeitete in London. Als Zauberer konnte ich jeden Tag apparieren. Ansonsten hatte ich nicht viel mit der magischen Welt zu tun. Der Orden traf sich nicht mehr, Freunde hatte ich keine mehr. Also versuchte ich, bei den Muggeln irgendwie Fuß zu fassen. Ohne Abschluss war es schwer, einen Job zu bekommen, aber ich habe mich so durchgebissen. Erst, als ich einen Brief von Albus bekam, dachte ich wieder an die magische Welt, an Harry. Ich bekam ein schlechtes Gewissen. Wie konnte ich nur Harry vergessen? Ich habe einfach alles verdrängt. Albus hat es wieder hoch geholt.“

„Was wollte Dumbledore von Ihnen?“, fragte Severus nach, als der Andere schwieg und seinen Tee trank.

Remus seufzte. „Ich denke, er erhoffte sich mehr Informationen über Harry.“, gab er zu. „Er sandte mir einen Tagespropheten zu und bestätigte mir, dass Harry bei dir lebt, nicht in den Unterricht geht. Das machte mich neugierig, das gebe ich zu. Ich meine, ich weiß, wie du zu James … Naja, Harry ist James' Ebenbild.“

„Bis auf die Augen.“, entfuhr es Severus unwillkürlich.

„Ja, er hat Lilys Augen.“ Remus blickte gedankenverloren in die Ferne. Irgendwann ging ein Ruck durch seinen Körper. „Also, Albus hat mich eingeladen, ich könnte mich selbst davon überzeugen, wie es Harry ging. Ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte. Er bat mich, nach dem Besuch bei euch noch zu ihm zu kommen, eine Tasse Tee trinken, meinte er. Nun, ich war dankbar, dass er es mir ermöglichte, immerhin komme ich nicht einfach so in die Schule. Also kam ich zu dir, zu euch. Danach ging ich zu Albus. Er wollte tatsächlich, dass ich herausfinde, was du mit Harry vorhast. Zugegeben, ich wollte das auch wissen, aber Harry hat mir sehr deutlich klar gemacht, dass du ihn wirklich gut behandelst und gar nichts mit ihm vor hast. Genau das habe ich Albus auch gesagt, mehr nicht. Ich glaube er denkt, du nimmst ihm den Jungen weg.“

„Das werde ich auch, wenn er Harry weiterhin als seine Waffe im Kampf gegen den Lord sieht.“, machte Severus wütend klar. Also hatte er mit seinen Vermutungen Recht gehabt, Lupin hatte nicht die Wahrheit gesprochen. Noch ein Grund weniger, ihm zu vertrauen. Egal, wie schwer dessen Leben bisher war, es hatte weder mit Harry noch mit Severus zu tun.

„Und genau das ist auch richtig.“, stimmte Remus zu. „Das wurde mir erst in den letzten Wochen klar, und das tut mir ehrlich leid. Ich habe immer ohne einen eigenen Gedanken daran Albus geglaubt. Wie idiotisch das war, wurde mir leider jetzt erst klar. Der Kleine ist wirklich ein so liebes Kind, wie kann man ihn nur zu einer Waffe machen wollen? Ich meine, er ist ein Kind! Aber du hattest Recht. Ich habe mich wie ein Idiot aufgeführt und einfach alles geglaubt, was Albus sagte.“

„Dabei dachte ich früher mal, du hättest mehr im Hirn.“, fügte Severus ironisch hinzu.

Remus schmunzelte kurz, wurde aber wieder ernst. „Das dachte ich auch mal, inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher. Spaß beiseite. Ich möchte, dass es Harry gut geht. Ich weiß, ich habe Fehler gemacht, aber ich will ihm sicher nichts tun. Der Kleine hat eine glückliche Kindheit mehr als verdient, und ich weiß, du wirst ihm das geben. Wenn er mich nicht sehen will, dann werde ich das akzeptieren, aber ich will ihn beschützen. Deshalb habe ich ihm das Armband geschenkt.“

Jetzt fiel es Severus wie Schuppen von den Augen. Daran hatte er nicht mehr gedacht. Lupin hatte Harry das Armband zu Weihnachten geschenkt, er hatte gesagt, Schutzzauber seien darauf. Der Junge nahm das Band niemals ab, nicht einmal zum Duschen, dafür hatte ihm Severus das Band wasserabweisend gezaubert. Obwohl Harry keinen Kontakt zu Remus wollte, trug er das Band. „Deshalb wusstest du, dass etwas passiert war und wo Harry ist.“, erkannte er. „Aber wieso erst im Manor? Warum nicht schon vorher, als Harry mit Draco nach dem Stein suchte?“ Auch das hatte sich inzwischen herum gesprochen, offenbar dank Dumbledore.

Der Werwolf nickte. „Es dauerte eine Weile, bis ich ihn durch die Schutzzauber des Manors orten konnte, dann bin ich sofort los. Vorher? Da habe ich nichts gespürt, aber Albus hat mir erzählt, was passiert ist. Ich kann nur vermuten, dass der Schutz auf der Kammer den Zauber außer Kraft setzte.“

Diese Vermutung könnte sogar stimmen, immerhin konnte Harry dort auch keine Hauselfe erreichen. „Danke, dass du dich um Harry gekümmert hast.“ Severus schauderte, er wollte nicht mehr an diese Stunden denken. Vor allem nicht an das panische Gesicht und die Schreie seines Kleinen, als er zurück kam.

„Er hat dich ‚Daddy‘ genannt.“, flüsterte Remus.

„Ja, das hat er.“ Erneut konnte Severus das Staunen aus seiner Stimme hören.

Auch Remus hörte es. „Er tut dir genauso gut wie du ihm.“, lächelte er. „Ich weiß, wir beide werden wohl keine Freunde, dafür ist zu viel passiert, aber ich bin froh, dass Harry bei dir ist. Er ist in den besten Händen. Danke, dass du dich um ihn kümmerst.“ Er schwieg.

Severus wurde wütend, als er das hörte. Oder besser nicht hörte. Obwohl Lupin einsah, dass er Scheiße gebaut hatte, konnte er sich noch immer nicht entschuldigen? Das war wie ein Schlag ins Gesicht für ihn. „Ich tue das für Lily.“, entgegnete er kalt. „Das hat nichts mit Potter oder sonst jemandem zu tun. Für Lily und für Harry, der bereits mehr für mich getan hat als alle Rumtreiber zusammen in ihrem ganzen Leben. Ich werde Harry die Wahl lassen. Wenn er Sie sehen will, dann gerne, aber nicht hier im Haus. Das ist mein Zuhause, ich brauche keine negativen Erinnerungen hier. Vielleicht in der Winkelgasse, er mag das Eis dort, oder an einem anderen, neutralen Ort, der vor Todessern geschützt ist. Aber Sie, Lupin, will ich hier nicht mehr sehen.“ Wütend wie er war deutete er einfach auf die Tür.

Überrascht stand Remus auf. Ihm schien nicht bewusst zu sein, was er falsch gemacht hatte. Hastig verabschiedete er sich und dankte für Tee und Sandwiches, dann ging er nach draußen. Sobald er außerhalb des Grundstückes und somit außerhalb der Schutzzauber war, disapparierte er, immer noch ziemlich verwirrt aussehend.

Severus, der wusste, so wütend wie er war, konnte er weder brauen noch ins Manor, zog seine Turnschuhe und leichte Sportkleidung an, lief hinunter an den Strand. Dort rannte er einige Meilen in Richtung Westen, weg von Dover, bis er kaum noch Luft bekam. Nur langsam beruhigte sich seine Atmung, genau wie seine Stimmung, als er in leichtem Trab zurück in sein Haus lief, wo er erneut duschte. Bevor er zum Abendessen ging, sah er noch eine Weile fern, er musste seine Gedanken beruhigen. Morgen würde er den Fidelius wirken, gemeinsam mit Lucius, entschied er. Nur Harry, Lucius und Draco würden außer ihm Zutritt bekommen. Er wollte seine Ruhe haben für die nächsten Wochen.

Autorennotiz

Die Figuren und Handlungsorte gehören JKR, ich leihe sie nur aus und verdiene kein Geld hiermit.

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Autor

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Kapitel:2
Sätze:733
Wörter:8.705
Zeichen:50.156

Kurzbeschreibung

Hier ist nun Teil 2. Sinnvoll ist es durchaus, 'Aus dem richtigen Holz - Teil 1' vorher gelesen zu haben. Ich orientiere mich an den Büchern, in diesem Fall an Band 2, aber natürlich ändere ich so Einiges. Okay, das hier ist gerade verwirrend. Genauer: Harry startet nun, nach seinem erlebnisreichen Vorbereitungsjahr, endlich in Hogwarts. Schnell wird klar, auch das hier ist kein langweiliges Schuljahr. Harry hört eine seltsame Stimme, auf einmal werden versteinerte Opfer eines geheimnisvollen Monsters gefunden. Und Harry ist natürlich mal wieder mittendrin, obwohl Severus versucht, ihn außen vor zu halten, so gut es geht. Severus als Vormund hat alle Hände voll zu tun, seinen Schützling zu beschützen. ~~ Pairing weiterhin SS/LM