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72 Stunden bis zur Liebe

35
26.07.20 07:12
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
Homosexualität
In Arbeit

72 STUNDEN BIS ZUR LIEBE

© 2020 by Mozambique

 

***

 

Prolog

 

 

(Der Tagesprophet vom 16. Oktober 1997)

 

HOGWARTS AB HEUTE UNTER QUARANTÄNE

Die Suche nach einem Gegenmittel läuft auf Hochtouren

 

Von Rita Kimmkorn

 

 

Es ist nun offiziell: Unser geschätzter Minister, Cornelius Fudge, hat die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei unter Quarantäne gesetzt. In Absprache mit Schulleiter Albus Dumbledore hat Minister Fudge so gehandelt, um die weitere Ausbreitung des neuartigen Virus ‚Youthona‘ zu verhindern.

 

Die Tränkemeister und Tränkemeisterinnen unseres Landes arbeiten momentan mit Hochdruck an einem Gegenmittel“, sagte Minister Fudge gestern Abend während einer Pressekonferenz. „Wir wissen noch nicht viel über das Virus, es ist allerdings eine Tatsache, dass bis jetzt nur Jugendliche zwischen dreizehn und siebzehn Jahren an ‚Youthona‘ erkrankt sind. Alle Erwachsenen, die bisher positiv auf das Virus getestet wurden, zeigen keinerlei Symptome. Die Quarantäne ist deshalb unabdingbar, um unsere Kinder zu schützen.“

 

Youthona‘ ist das erste Mal vor etwa einem Jahr in den USA entdeckt worden. Da die medizinische Forschung der amerikanischen Zauberergesellschaft nicht so weit fortgeschritten ist wie unsere, wurden dort im letzten Jahr 1265 Todesfälle verzeichnet. Über 3000 amerikanische Jugendliche werden derzeit wegen ‚Youthona‘ behandelt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die magische Bevölkerung auch dort nicht so zahlreich ist, sind diese Zahlen durchaus besorgniserregend.

 

Margo Valentine, leitende Oberheilerin der Station für ansteckende magische Krankheiten des St.-Mungo-Hospitals, erklärte mir bei unserem letzten Brunch: „Der Krankheitsverlauf von ‚Youthona‘ ist ähnlich, wie wir ihn von einer gewöhnlichen Grippe kennen, die sowohl Muggel, als auch Hexen und Zauberer bekommen können. Uns macht es große Sorgen, dass sich offenbar nur Jugendliche mit dem Virus infizieren. Ihre Magie hat noch nicht dieselben selbstheilenden Kräfte wie die von erwachsenen Hexen und Zauberern. Somit ist es für uns umso schwieriger, die richtige Behandlung vorzunehmen.“

 

Auf meine Frage, wie groß die Überlebenschancen sind, wirkte Margo sehr betroffen.

 

Wir tun alles, was wir können, liebe Rita. Je früher wir das Virus bei einem Jugendlichen entdecken, desto schneller können wir handeln. Die frühen Symptone sind mit einfachen Heilzaubern zu bekämpfen – aber auch hier kommt es darauf an, wie stark die Magie des Patienten ist. Ich muss leider sagen, dass das erste Aussetzen der Atmung der Anfang vom Ende ist. Die Jugendlichen fallen dann ins Heilkoma und werden durch magische Atmungsblasen am Leben erhalten. Ohne Gegenmittel sehe ich nur geringe Chancen auf Heilung.“

 

Wie Sie lesen, könnte diese Pandemie eine noch größere Bedrohung für die Zaubererwelt sein als es der, dessen Name nicht genannt werden darf, je hätte sein können. Doch was bedeutet es für unsere Kinder, wenn Hogwarts unter Quarantäne gesetzt wird?

 

Schulleiter Albus Dumbledore ließ mir heute Morgen per Eule diese Mitteilung zukommen:

 

Meine Liebe Miss Kimmkorn,

selbstverständlich kann ich Sie und Britanniens magische Bevölkerung insofern beruhigen, als meine Kollegen und ich alles dafür tun werden, die Sicherheit und Gesundheit unserer Schützlinge zu gewährleisten.

Nachdem Minister Fudge mir die Entscheidung des Ministeriums mitgeteilt hat, haben die Professoren McGonagall, Flitwick, Sprout und Snape in ihrer Funktion als Hauslehrer meiner Bitte Folge geleistet, ihr jeweiliges Haus entsprechend des empfohlenen Kontaktverbots anzupassen. Die Schlafsäle wurden vergrößert, sodass der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern eingehalten wird; ebenso wurden die Gemeinschaftsräume und Klassenräume angepasst. Die Große Halle wurde mit der Eingangshalle verbunden, sodass die Haustische erweitert werden konnten.

Zusätzlich ist es den Schülern nicht möglich, sich auf weniger als 1,5 Metern zu nähern, da ich diesbezüglich einen Zauber aus der Zeit der Pest angewendet habe.

In den nächsten Tagen wird jeder Schüler auf ‚Youthona‘ getestet werden. Bei einem negativen Ergebnis wird der Zauber gelöst. Die positiv getesteten Schüler werden in einem unbenutzten Flügel des Schlosses isoliert untergebracht, bis wir ihnen das Gegenmittel verabreichen können.

 

Mit den besten Grüßen,

Albus Dumbledore“

 

Wir alle hoffen, dass diese Maßnahmen Früchte tragen werden, denn aktuell müssen bereits drei Hogwartsschüler im St.-Mungo-Hospital beatmet werden. Unsere Gedanken sind alle bei Pansy Parkinson, Ernie Macmillan und Dennis Creevey sowie natürlich bei ihren Familien.

 

Ihre Rita Kimmkorn

72 STUNDEN BIS ZUR LIEBE

© 2020 by Mozambique

 

***

 

Kapitel 1

Zwei Wochen vor der Quarantäne

 

 

 

„Könnt ihr das mal sein lassen?!“, blaffte Ron missmutig.

 

Er war wohl lauter gewesen als er dachte, denn seine beiden besten Freunde lösten sich erschrocken voneinander.

 

„Musst du hier so herumbrüllen, Ronald?“, sagte Hermine stirnrunzelnd. „Wir sind hier unter uns, falls du es noch nicht bemerkt hast.“

 

„Jaha – richtig, Hermine! Wir sind allerdings zu dritt, aber euch scheint das ja nicht mehr die Bohne zu interessieren!“, fuhr Ron sie wütend an. Er sprang von seinem Sessel auf, wobei sein Verwandlungsbuch von seinem Schoß fiel.

 

„Krieg dich wieder ein, Alter“, war Harrys Kommentar, der seinen Pullover wieder zurecht zupfte. „Wir haben dich gefragt, ob das für dich okay ist.“

 

Er schaute Hermine, die immer noch halb auf seinem Schoß saß, an. Sie zuckte bloß mit den Schultern.

 

Inzwischen stand Ron mit verschränkten Armen vor ihnen und fragte sich, wie all das in so kurzer Zeit passieren konnte. Kaum war man den Möchtegern-Lord los, da entdeckten seine besten Freunde plötzlich, dass sie ja eigentlich Teenager waren und man die verlorene Zeit jetzt auch nachholen konnte. Er hatte für einen kurzen Moment geglaubt, unter einem Verwirrungszauber zu stehen, als er Harry und Hermine in ihrer Ferien-WG in Italien in flagranti erwischt hatte.

 

„Es war okay, weil ihr versprochen habt, dass unsere Freundschaft nicht darunter leiden wird“, korrigierte Ron seinen Kumpel nun. „In der WG war es mir egal, weil unsere Freunde auch da waren, aber seit wir wieder hier sind, klebt ihr ja förmlich aneinander. Ganz Gryffindor glaubt, dass ihr ein Paar seid. Habt ihr zufällig vergessen, mir das zu sagen?“

 

„So ein Blödsinn, Ronald!“, beeilte Hermine sich zu sagen.

 

„Alter, wir vögeln nur!“, sagte auch Harry, bekam aber einen pikierten Blick von Hermine geschenkt, die seine Wortwahl wohl nicht guthieß.

 

„Ach ja?“ Ron war nach wie vor misstrauisch. So sexbesessen konnte man selbst als männlicher Teenager doch gar nicht sein, dass man ständig mit seiner besten Freundin in die Kiste hüpfte! Er selbst würde zwar auch ganz gerne mehr für ein erfülltes Liebesleben tun, aber da spielte ein gewisser Jemand garantiert nicht mit. Doch warum nicht stattdessen seine Freunde glücklich machen? Da war mehr zwischen den beiden, ganz klar.

 

„Wisst ihr was? Ich hab da keine Lust mehr drauf!“, sagte er kurz entschlossen. Wäre doch gelacht, wenn er ihnen keinen Arschtritt geben konnte!

 

„Hä?“ Harry sah ihn verständnislos an.

 

„Ich mach das nicht mehr mit“, erklärte Ron, sammelte seine Bücher ein und machte sich auf den Weg zum Porträt. Dort allerdings drehte er sich noch einmal um und jubelte innerlich, als seine besten Freunde ihn total perplex anschauten.

 

„Bis ihr nicht geklärt habt, was das zwischen euch ist, geh ich auf Sendepause“, sagte er. „Entweder, wir werden wieder das Goldene Trio – ohne eure Knutschsalven und nicht-jugendfreien Beschreibungen eurer sexuellen Vorlieben – oder ihr überzeugt mich glaubhaft davon, dass ihr mehr voneinander wollt, als diese blöde Sex-Affäre. Dann werde ich auch kein Wort mehr über eure Tête-à-têtes verlieren. Aber bis dahin verbringe ich meine Freizeit lieber mit Freunden, die mich nicht einfach stehen lassen, um in irgendeine Besenkammer zu verschwinden. Ciao!“

 

Mit diesen Worten wandte er sich ab, um den Gemeinschaftsraum zu verlassen und sich einen anderen Ort für die Hausaufgaben zu suchen.

 

 

***

 

 

„Du musst eine Entscheidung treffen, Albus!“, sagte Severus Snape energisch. Er hatte gerade eine flammende Rede darüber gehalten, warum er unter den gegebenen Umständen definitiv nicht weiter in Hogwarts unterrichten konnte. Jetzt beschränkte er sich darauf, seinen Vorgesetzten und Mentor fordernd anzuschauen. Leider war er damit nicht so erfolgreich wie bei seinen Schülern.

 

„So, so, mein lieber Severus“, antwortete Albus Dumbledore und lächelte innerlich, „ich muss mich also zwischen dem besten Tränkemeister des Landes und dem Mann entscheiden, ohne den wir Voldemort vermutlich nie besiegt hätten? Severus, er ist der beste Verteidigungslehrer, den wir zurzeit kriegen können!“

 

Severus schaute leicht entmutigt – etwas, was außer Dumbledore, der ihn nun schon sehr lange kannte, unter der allseits bekannten Ich-bin-ein-Griesgram-und-ihr-könnt-mich-alle-mal-Maske wohl nur wenige erkennen würden.

 

„Aber –“, setzte er an.

 

„Severus, glaubst du nicht, dass es an der Zeit ist, eure Feindseligkeiten von früher aus der Welt zu schaffen?“, sagte Dumbledore sanft.

 

Sein Tränkelehrer, der ihm in all den Jahren trotz seiner unantastbaren Aura ein guter Freund geworden ist, wirkte resigniert, als er sich in einen der Stühle vor Dumbledores Schreibtisch fallen ließ. Selten hatte der alte Zauberer den sonst so starken Mann so schwach erlebt.

 

„Du weißt, was er mir angetan hat“, sagte Severus schließlich leise.

 

„Ja“, erwiderte Dumbledore. „Aber deine negativen Gefühle ihm gegenüber werden nie verschwinden, wenn ihr euch vor einer Aussprache drückt. Oder weigerst du dich deshalb, weil er Harrys Pate ist?“

 

„Was hat denn Potter jetzt damit zu tun?“

 

„Nun – könnte es sein, dass du eine Feindschaft mit Sirius vorziehst, weil du für eine Freundschaft auch dein Bild Harry gegenüber ändern müsstest?“

 

Dumbledore musste sich zurückhalten, nicht vergnügt zu glucksen, als Severus ihm einen bösen Blick schoss. Er wusste, dass er einen wunden Punkt getroffen hatte. Doch er fand, dass es an der Zeit war, Severus in die richtige Richtung zu schubsen. Der Mann hatte viel dafür geopfert, um letztendlich zu Voldemorts Fall beitragen zu können. Er hatte den Sohn seiner besten Freundin beschützt, trotz der Tatsache, dass James Potter der Vater war. Nie hatte er Gelegenheit gehabt, eine eigene Familie zu gründen – oder wenigstens sein privates Glück zu finden. Denn wenn er sich nicht vollkommen täuschte, versuchte Severus vor mehr davonzulaufen, als nur vor einer eventuellen Freundschaft mit Sirius Black.

 

„Potter und ich sind quitt, Albus“, sagte Severus entschieden. „Er hat die Schlange getötet, bevor sie mich angreifen konnte. Dafür vergebe ich ihm so manches. Unser Umgang ist beinahe normal geworden.“

 

„Und trotzdem ist er für dich immer noch ein arroganter Bastard, weil er James Potters Sohn ist“, meinte Dumbledore.

 

„Mhm“, brummte Severus.

 

„Ich gebe dir einen Rat, mein lieber Severus“, Dumbledore kam hinter seinem Schreibtisch hervor, um sich dann vor Severus an diesen anzulehnen, „mach deinen Frieden mit Sirius und lerne auch Harry besser kennen. Versuch, ihn mit anderen Augen zu sehen. Begegne Sirius mit dem Verstand eines Erwachsenen und vielleicht auch ein bisschen mit der Offenheit, die Harry von der lieben Lily geerbt hat. Vielleicht findest du so eine Möglichkeit, nach vorne zu schauen. Quäle dich nicht mit deiner Vergangenheit – sonst läufst du in Gefahr, dass deine Zukunft nicht viel besser aussehen wird.“

 

 

***

 

 

Ron erschrak ein bisschen, als ein kräftiger Arm ihn auf dem Weg zur Bibliothek in eine Nische zog. Doch er fing sich wieder, als er seine Schwester erkannte.

 

„Ginny, was soll das?“, fragte er laut.

 

„Psst! Sie kommen gleich!“, zischte Ginny daraufhin und deutete in die Richtung, aus der Ron gekommen war.

 

Bevor Ron fragen konnte, vor wem Ginny sich versteckte, bekam er die Antwort auch schon auf dem Silbertablett präsentiert. Und sofort vermutete er wohl richtig, weshalb seine Schwester ihr zorniges Gesicht aufsetzte. Er merkte, wie sich in ihm selbst alles zusammenzog, weil das grüne, eifersüchtige Monster drohte, hervorzukommen. Mit einem heftigen Schlucken riss Ron sich zusammen, bevor er noch etwas Unüberlegtes tat.

 

Als ob sie es geplant hätten, blieben sie genau vor ihrer Nische stehen: Daphne Greengrass, die wie immer atemberaubend schön aussah, samt ihren Schoßhündchen – Draco Malfoy und Blaise Zabini. Jetzt warf Daphne ihr langes, schwarzes Haar zurück und sah, soweit Ron es beurteilen konnte, ziemlich genervt aus.

 

„Jungs! Wir sollten das im Gemeinschaftsraum besprechen, meint ihr nicht?“, sagte sie so leise, dass Ron und Ginny sie gerade noch so verstehen konnten.

 

„Slytherins flirten nicht so offensiv“, fügte Daphne noch hinzu und Ron entschied, dass sie es äußerst hochnäsig sagte.

 

„Ich flirte nicht, Daphne, ich bitte dich nur um ein Date“, widersprach Draco ihr. Sein Grinsen sah ein Tick zu lasziv aus, fand Ron.

 

„Aber vorher solltest du mit mir ausgehen, Daph“, mischte Blaise sich ein, was dazu führte, dass Ginnys Griff um Rons Arm ziemlich schmerzhaft wurde.

 

„Siehst du das? Diese Herzchen in seinen Augen?“, murmelte Ginny. „Grrr!“

 

„Psst!“, machte Ron.

 

„Oh Merlin“, sagte Daphne und verschränkte die Arme vor der Brust. „Okay, nochmal für euch zum Mitschreiben: Die Nacht mit euch war echt toll, aber das war's dann auch. Ich bin in keinen von euch verliebt und will im Moment keine Dates, alles klar? Ich habe bereits ein Stipendium für ein Studium an der Zauberer-Universität in Sydney. Und niemand wird mich davon abhalten, Karriere zu machen, verstanden?!“

 

Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern ließ die beiden Jungs stehen und verschwand Sekunden später um die nächste Ecke. Draco und Blaise standen etwas bedröppelt da.

 

„Sie hat mir einen Korb gegeben, Blaise! Mir!“ Draco sah ehrlich überrascht aus.

 

„Du bist nicht der Einzige, Mann!“, erwiderte Blaise. „Komm, so lassen wir uns nicht abspeisen. Jemand besseren als einen von uns wird sie auch in Sydney nicht finden.“

 

Damit zog er Draco mit sich.

 

Als auch die beiden Jungs nicht mehr zu sehen waren, ließ Ginny endlich den Arm ihres Bruders los. Sie kamen aus ihrer Nische hervor und rutschten wie auf Kommando gleichzeitig an der Mauer herunter, um sich auf dem Boden niederzulassen.

 

„Du stehst also auf Zabini?“, durchbrach Ron die Stille nach einer Weile.

 

„Wir haben uns auf der Party zum Schulanfang geküsst“, seufzte Ginny, „und seitdem krieg ich ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf. Klar, mehr ist nicht passiert, und wir haben auch was getrunken. Aber ich kann nichts dagegen tun. Und du? Ist es Malfoy oder Greengrass?“

 

Ron musste erst einmal seine Gedanken ordnen, bevor er seiner Schwester antworten konnte. Was waren das nur für verrückte Zeiten? Ihm war, als würden alle um ihn herum ihre Pubertät innerhalb von ein paar Wochen nachholen wollen. Seit Beginn ihrer Zeit auf Hogwarts hatte sich vor allem bei ihm, Harry und Hermine alles um Voldemort gedreht. Sie hatten schlicht keine Zeit gehabt, sich neben Schule und den zahlreichen Abenteuern auch noch um so etwas Banales wie erste Liebe zu kümmern, geschweige denn erste sexuelle Erfahrungen zu machen.

 

Die Ferien-WG in Mailand war da genau richtig gewesen: Nach zwei Wochen im Fuchsbau, wo sie den Sieg über Voldemort sehr ausgiebig gefeiert hatten, hatten sie beschlossen, mal in eine andere Zaubererwelt reinzuschnuppern. Und weil Hermine fand, dass die USA zu naheliegend waren, war es dann Mailand geworden. Das riesige Haus am Mittelmeer, welches am Rande des mailändischen Zaubererdorfes gebaut worden war, hatte ihnen sechs Wochen lang ein echtes Urlaubsfeeling beschert – ihm, seiner kompletten Familie, Harry, Hermine, Neville, Dean, Seamus, Luna, Sirius, Remus, Tonks und dem kleinen Teddy. Natürlich hatten er und seine Freunde darauf bestanden, dass die beiden obersten Stockwerke für die Erwachsenen tabu waren.

 

Ron hatte in Mailand viele Dinge erfahren. Zum einen, dass es gut war, dass Harry eigentlich schon immer sehr selbstständig gewesen ist – denn Sirius war eher der lustige, verrückte Patenonkel als ein väterliches Vorbild (denn bestimmt gehörte es zu diesem Job nicht dazu, den Barkeeper der örtlichen Kneipe so lange zu bezirzen, bis dieser sich zu einem Blowjob bereiterklärte). Die andere Sache hatte ihn dann doch etwas mehr überrascht. Er war nach einer durchzechten Nacht in Deans Bett aufgewacht und hatte sich lebhaft an die Dinge erinnern können, die er mit Dean und Luna angestellt hatte (zu Rons großer Erleichterung waren die beiden inzwischen ein Paar und ihre Freundschaft hatte nicht darunter gelitten). Schließlich, als Ginny dann festgestellt hatte, dass sie ziemlich oft ohne Harry und Hermine frühstückten, war Ron derjenige gewesen, der Harry in Hermines Bett gefunden hatte. Und so viel hatte er von den beiden ganz sicher niemals sehen wollen!

 

Nach ein paar folgenden One-Night-Stands hatte Ron dann ziemlich schnell erkannt, dass das mit Dean keine Ausnahme gewesen war, sondern dass er Mädels und Jungs gut fand. Eine Tatsache, die er der kompletten Ferien-WG, inklusive seiner Eltern, am letzten Urlaubstag beim abendlichen Vorglühen mitgeteilt hatte.

 

„Hey, Bruderherz, ich hab dich was gefragt!“, sagte Ginny und stupste ihn an. „Du kannst es mir ruhig sagen. Es ist sowieso eine aussichtslose Sache, auf jemanden aus Slytherin zu stehen.“

 

Ron kniff stöhnend die Augen zusammen.

 

„Malfoy.“ Seine Stimme war leise, denn er hatte es zum ersten Mal ausgesprochen.

 

„Oh je, Ron ... Bist du sicher?“ Ginny legte mitfühlend ihren Arm um Rons Schultern.

 

„So sicher, wie ich mir jetzt gerade wünsche, nur auf Mädchen zu stehen“, erwiderte Ron mit einem gequälten Lächeln. „Es wäre einfacher, sich von Greengrass eine Abfuhr zu holen und sich dann neu zu verlieben. Aber Malfoy? Super-hetero-Hengst und Eisprinz Slytherins? Warum kann ich ihn nicht einfach weiter bescheuert finden?“

 

Ginny sah ihn liebevoll an.

 

„Weißt du, ich könnte mir vorstellen, dass es genau daran liegt“, meinte sie lächelnd. „Ihr habt euch jahrelang gestritten und bekriegt. Liebe und Hass liegen manchmal nahe beieinander, habe ich mal gehört. Es liegt jetzt an dir, herauszufinden, ob sich auch bei ihm was verändert hat.“

 

„Garantiert nicht!“, sagte Ron. „Du hast doch gesehen, wie er Greengrass angeschmachtet hat! Genau wie dein Traumprinz übrigens.“

 

„Na und?“ Ginny hatte jetzt einen entschlossenen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Kurzerhand stand sie auf und stellte sich vor ihren Bruder. Sie reichte ihm eine Hand.

 

„Ron, wir sind Gryffindors! Wenn wir mordlustigen Todessern die Stirn bieten können, können wir uns ja wohl auch um unser Liebesglück kümmern! Was haben wir zu verlieren?“

 

Ron war ziemlich beeindruckt von seiner Schwester. Aus dem kleinen Mädchen, das früher in Harrys Gegenwart keinen Ton herausbekommen hatte, war ein selbstbewusster Teenager geworden. Er grinste und ergriff Ginnys Hand, um sich von ihr hochziehen zu lassen.

 

„Du hast recht“, sagte er. „Lass uns die Slytherin-Prinzen erobern!“

 

 

TO BE CONTINUED...

72 STUNDEN BIS ZUR LIEBE

© 2020 by Mozambique

 

***

 

Kapitel 2

Eine Woche vor der Quarantäne

 

 

 

„Habt ihr's schon gehört?“ Hermine kam atemlos am Haustisch der Gryffindors an, wo der Großteil ihrer Hauskameraden das Abendessen bereits beendet hatte und in Aufbruchstimmung war.

 

Ron, der zwischen Dean und Ginny saß, ignorierte seine beste Freundin demonstrativ, indem er nicht antwortete, sondern stattdessen seinen Löffel in den leckeren Schokoladenpudding tauchte. Er hielt sich an seine Drohung. Seit einer Woche hatte er mit Hermine und Harry außerhalb des Unterrichts nicht ein Wort gesprochen. Ja, er wusste, dass er sich damit selbst bestrafte, denn er vermisste die beiden unendlich. Aber auch Ginny hatte ihn darin bestärkt, es durchzuziehen. Seine besten Freunde mussten eben einfach mal über ihren Schatten springen und zu ihren Gefühlen stehen.

 

Trotzdem sperrte Ron seine Ohren auf, als Hermine sich neben Harry setzte, der sie liebevoll anlächelte.

 

„Was denn genau?“, wollte Seamus von gegenüber wissen. „Hat Harry dir einen neuen Orgasmus beschert? Das ist ja nun nichts Neues mehr.“

 

„Ach, halt die Klappe, Seamus!“, erwiderte Hermine. Sie warf Ron einen kurzen Blick zu, der nur mit den Schultern zuckte. Er war eben nicht der Einzige, der diese Freundschaft-Plus-Sache zum Kotzen fand.

 

„Mach dir nichts draus, Mine. Erzähl doch mal“, sagte Harry beruhigend und lächelte so, wie Ron gerne Draco Malfoy ansehen würde, ohne die Befürchtung haben zu müssen, dafür von diesem verprügelt zu werden.

 

Hermine lächelte Harry ebenfalls an, bevor sie noch einen Zentimeter mehr an ihn rutschte. Dann bekam ihr Gesicht allerdings einen traurigen Ausdruck.

 

„Ich weiß, wo Dennis Creevey steckt“, sagte sie schließlich, womit sie die Aufmerksamkeit aller Gryffindors in der Nähe erreichte. Sie hatten sich alle gewundert, weshalb Dennis nach den Ferien nicht wieder nach Hogwarts gekommen war.

 

„Er ist im St. Mungo, schon seit ein paar Wochen“, erzählte Hermine. „Ich habe es eben gehört, als ich aus der Bibliothek gekommen bin. Colin, sein Bruder, hat es unter Tränen seinen Klassenkameraden gesagt. Offenbar hat Dennis dieses neuartige Virus, Youthona heißt es.“

 

„Ja, und?“, erwiderte Ginny. „Das ist doch sicherlich nichts, was man mit ein paar Heilzaubern wieder richten kann.“

 

Hermine zuckte mit den Schultern.

 

„Ich habe keine Ahnung, Leute. Hey, guckt nicht so! Es ist ein neues Virus. Es ist noch total unerforscht, also kann ich auch nichts darüber lesen.“

 

„Vielleicht ist irgendwas schiefgelaufen, ein unerfahrener Heiler oder so“, überlegte Ron und vergaß völlig, dass er Harry und Hermine eigentlich ignorieren wollte.

 

„Es wird schon nichts Schlimmes sein.“

 

Ginny schaute in die Runde.

 

„Na, ansonsten hätte Dumbledore doch was gesagt, oder? Er hat sich noch nie mit Hiobsbotschaften zurückgehalten.“

 

„Na ja, aber Ernie Macmillan und Pansy Parkinson sind auch nicht da, habt ihr das nicht bemerkt?“, wollte Dean wissen.

 

„Also, Parkinson kann von mir aus bleiben, wo der Pfeffer wächst“, ätzte Ron. „Ihre dämlichen Anbaggerversuche waren Dra – ähm, Malfoy – ganz schön peinlich“, Ginny trat ihn unter dem Tisch, „– ähm, könnte ich mir vorstellen.“

 

Verdammt, das war knapp! Aber seine Freunde schienen nichts bemerkt zu haben, denn sie fingen allesamt an, über Pansy zu lästern. Ron warf einen dankbaren Blick zu Ginny, die nur verständnisvoll lächelte. Es war schon seltsam, mit seiner Schwester im selben Boot zu sitzen. Aber sie würden das schon schaffen.

 

Rons Blick wanderte zum Haustisch der Slytherins, an dem Draco gerade versuchte, Daphne in ein Gespräch zu verwickeln. Diese verdrehte nur die Augen – etwas, das Ron als positives Zeichen wertete.

 

Irgendwie mussten er und Ginny diese Slytherins einfach erobern.

 

Oder sie würden sich zur Lachnummer des ganzen Schlosses machen.

 

 

***

 

 

Albus Dumbledore schaute in die Runde. Nach außen hin wirkte er so ruhig wie immer, doch innerlich kochten seine Gedanken beinahe über. Er hatte geglaubt, dass die Zaubererwelt nach Voldemorts Tod endlich in Frieden leben konnte – aber so, wie es aussah, mussten sie schnell handeln, damit es nicht zu einer weiteren Katastrophe kam.

 

Er wusste, dass seine Kollegen misstrauisch waren, weil er nach dem Abendessen kurzfristig eine Lehrerkonferenz einberufen hatte. Das war so gut wie nie vorgekommen, seit er Schulleiter war.

 

„Sehr verehrte Kollegen“, begann er schließlich, als sich alle gesetzt hatten.

 

„Ich möchte nicht um den heißen Brei herumreden, denn es ist ernst – so ernst, wie zu Zeiten Voldemorts. Sicherlich haben Sie sich alle schon gewundert, weshalb ich Ihnen die Abwesenheit dreier unserer Schüler nicht erklären konnte. Der Grund dafür ist das Ministerium, das mich um Stillschweigen gebeten hat, bis es neue Kenntnisse gibt.“

 

Dumbledore machte eine kurze Pause, doch niemand unterbrach ihn.

 

„Dennis Creevey, Ernie Macmillan und Pansy Parkinson werden derzeit im St. Mungo behandelt“, fuhr er so ruhig wie möglich fort. „Sie alle wurden positiv auf das Virus Youthona getestet, das vor einem Jahr zum ersten Mal in den USA entdeckt worden ist.“

 

„Oh Merlin, Albus! Wie geht es ihnen?“, fragte Minerva McGonagall erschüttert.

 

„Leider weniger als den Umständen entsprechend“, seufzte Dumbledore. Nun setzte auch er sich hin, ans Kopfende des großen Tisches im Lehrerzimmer.

 

„Das Virus übersteigt sowohl das magische Heiler-Wissen, als auch den Fortschritt der Muggel-Medizin. Heilerin Margo Valentine, welche die Station für ansteckende Krankheiten leitet, hat den Eltern und dem Ministerium versichert, dass alles, was magisch möglich ist, versucht wurde – leider bisher ohne Erfolg. Ernie Macmillan und Pansy Parkinson sind noch bei Bewusstsein, haben aber so starke Atemaussetzer, dass sie spätestens morgen ins Heilkoma versetzt werden, um sie durch eine magische Atemblase am Leben zu erhalten. Dennis Creevey ist bereits im Heilkoma. Heilerin Valentine vermutet, dass die selbstheilenden Kräfte seiner Magie noch nicht ausgeprägt ist, da er noch so jung ist.“

 

Dumbledore endete mit seinem Bericht und beobachtete seine Kollegen, die diese Nachricht erst einmal verdauen mussten.

 

Minerva rang sichtlich um Fassung, was sie in ihrer Funktion als stellvertretende Schulleiterin zweifellos als ihre Pflicht auffasste. Doch Dumbledore hatte keinen Zweifel, dass sie sich große Sorgen um die Schüler machte – vor allem, da der jüngere Creevey in ihrem Haus war. Sie betrachtete grundsätzlich alle Gryffindors als ihre Familie.

 

Hagrid schien ebenso besorgt, aber die Erlebnisse der letzten Jahre hatten sein Temperament gezügelt. Er versuchte lediglich, Aurora Sinistra zu beruhigen, der ein paar Tränen über die Wangen liefen. Seine tollpatschigen, mehr als zaghaften Versuche, ihre Schulter zu tätscheln, ließen die Astronomielehrerin leicht lächeln. Sie sah den gutmütigen Halbriesen dankbar an.

 

Sybill Trelawney versuchte Filius Flitwick davon zu überzeugen, dass sie dieses Virus schon vor Jahren gesehen hatte. Dieser sah hilflos zu seiner Nachbarin, Pomona Sprout, die jedoch, wie Dumbledore vermutete, mit ihren Gedanken ganz bei ihrem Schützling Ernie war.

 

Schließlich wandte sich Dumbledores Aufmerksamkeit seinen Problemlehrern, wie er Severus Snape und Sirius Black insgeheim nannte, zu. Die beiden saßen notgedrungen nebeneinander, weil Sirius als Letzter erschienen war. Doch wie so oft vermieden sie jeglichen Blickkontakt – nur, wenn sich jeder von ihnen unbeobachtet fühlte, erlaubten sie sich einen Blick. Und Dumbledore würde seinen Lieblingsumhang darauf verwetten, dass es bei beiden schon längst keine Feindseligkeit mehr war, die er in diesen Blicken erkannte.

 

„Wie geht es nun weiter, Dumbledore?“, wollte Severus schließlich wissen. „Ich meine, wie viel weiß man über dieses Virus? Wie weit ist es erforscht?“

 

Ganz der Wissenschaftler, fand Dumbledore.

 

„Zunächst einmal muss ich Sie alle bitten, den Schülern noch nichts zu sagen“, sagte er mit einem Bedauern in der Stimme. „Ich weiß, dass es Ihnen schwerfallen wird, aber es muss sein, bis das Ministerium eine Entscheidung darüber getroffen hat, wie es in Hogwarts weiter geht. Denn offenbar ist es so, dass sich nur Jugendliche mit dem Virus anstecken – Erwachsene können aber die Überträger sein. Die Experten aus dem St. Mungos vermuten, dass die Schüler sich in der Winkelgasse angesteckt haben. Da ich davon ausgehe, dass auch Sie alle, mich eingeschlossen, kurz vor Schulbeginn in der Winkelgasse gewesen sind, ist es möglich, dass wir die übrigen Schüler anstecken. Wir sollten daher bereits jetzt auf Abstand zu den Schülern gehen.“

 

Alle Lehrer nickten zustimmend.

 

„Des Weiteren hat das Ministerium einige Forschungsgelder zur Verfügung gestellt“, fuhr Dumbledore fort. „Alle Tränkemeister und -meisterinnen des Landes arbeiten mit Hochdruck an einem Gegenmittel. Sie wollen auch dich verpflichten, Severus. Allerdings nur zusammen mit Sirius.“

 

Trotz der Situation mussten sich die meisten Lehrer ein Grinsen verkneifen, als sie zu den beiden Streithähnen schauten. Beide waren wohl noch zu perplex, um etwas zu erwidern.

 

Dumbledore entließ alle Lehrer bis auf Severus und Sirius, denn das nachfolgende Gespräch würde sicherlich einiges an Fingerspitzengefühl erfordern.

 

 

***

 

„Es funktioniert bestens, Jungs“, frohlockte Daphne Greengrass mit breitem Lächeln, als sie, Draco und Blaise nach dem Abendessen den Gemeinschaftsraum der Slytherins betraten.

 

„Ihr hättet ihre Blicke sehen müssen, als du versucht hast, mich anzugraben, Draco!“

 

Draco und Blaise grinsten sich gegenseitig an und ließen sich zusammen mit Daphne auf das gemütliche Sofa, das vor dem Kamin stand, fallen. Sie waren beste Freunde seit Kindertagen, hatten glücklicherweise einen Scheiß auf die Reinblut-Ideologie gegeben und Dumbledore davon überzeugen können, dass sie nicht wie ihre Eltern waren. Draco würde nie den Blick von Potter vergessen, als er Ron Weasley vor dem Todesfluch eines Todessers gerettet hatte.

 

Ron ... Ja, Draco wusste nicht mehr genau, wann das angefangen hatte. Vielleicht war Blaise daran schuld, der schon seit gut einem Jahr von der einzigen Weasley-Schwester schwärmte. Er als bester Freund hatte sich dann natürlich dazu verpflichtet gefühlt, Ginnys Freunde und ihren Bruder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Schnell war ihm klar geworden, dass die Gryffindors eigentlich ganz okay waren, wenn man sie nicht aus der Slytherin-Perspektive betrachtete. Sogar Potter schien nicht ganz so dämlich zu sein, wie Draco immer geglaubt hatte (auch wenn diese Dämlichkeit seit Neuestem wieder zu Vorschein kam, weil Potter nicht merkte, wie Granger ihn anschmachtete). Na ja, und Ron war auch nicht mehr das Wiesel, seit Draco ihn hatte kämpfen sehen. Er war ... Ron. Nicht Dracos übliches Beuteschema, nicht der Sexappeal, welcher ihn sonst bei Jungs antörnte ... aber trotzdem war er bis über beide Ohren verknallt.

 

„Ich versteh immer noch nicht, was ihr mit dieser Eifersuchtsnummer erreichen wollt“, sagte Theodore Nott, der sich gerade auf die Sofakante neben Daphne gesetzt hatte.

 

„Na, wir können ihnen doch nicht einfach unsere Herzen vor die Füße werfen!“, echauffierte sich Blaise. „Nee, erst müssen wir sicher sein, dass sie uns auch wollen.“

 

„Genau“, pflichtete Draco seinem besten Freund bei. „Immerhin haben Potter und ich uns jahrelang bekriegt – da kann ich doch nicht einfach zu Ron gehen und sagen, hey, weißt du, ich mag dich echt gerne, also vergiss alles, was ich deinem besten Freund angetan hab.“

 

„Sie sind jedenfalls bald so weit, dass sie mir die Augen auskratzen, weil sie mich als Gefahr sehen“, meinte Daphne lachend.

 

„Keine Sorge, ich beschütze dich, Süße“, sagte Theodore und gab seiner Freundin einen Kuss auf die Wange.

 

„Übrigens haben mir Pansys Eltern geschrieben“, wechselte Draco das Thema. Obwohl Pansy ganz Slytherin oft genervt hatte, waren sie doch alle sehr besorgt um ihre Kameradin.

 

„Die Heiler wollen sie morgen ins Heilkoma versetzen, weil ihre Atemaussetzer immer stärker werden.“

 

„Das ist alles so unfair“, sagte Daphne resignierend. „Wir überleben den gefährlichsten Schwarzmagier seit Grindelwald und müssen stattdessen gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen. Vielleicht sollten wir Professor Snape fragen, ob er ein Gegenmittel kennt?“

 

„Wenn er eins kennen würde, wäre Pansy schon längst wieder hier“, erwiderte Draco. „Er würde keinen Schüler im Stich lassen, schon gar keine Slytherin.“

 

„Vielleicht findet er noch ein Gegenmittel“, sagte Blaise hoffnungsvoll.

 

 

***

 

 

Harry Potter wandte den Blick zur Seite, als er ihre Nähe spürte. Es war nicht einmal ihr Parfum oder die vorsichtigen Schritte, weil sie noch immer ein wenig Höhenangst hatte, nein, er spürte sie, wann immer sie den Raum betrat.

 

„Der Astronomieturm?“, fragte sie und klang fast ein wenig verzweifelt. „Etwas Besseres ist dir für unser erstes Date nicht eingefallen?“

 

Harry gluckste.

 

„Na ja, wir zwei verhalten uns schon länger seltsam, oder?“

 

Er reichte ihr die Hand. Hermine ergriff sie zaghaft und setzte sich dann langsam mit seiner Hilfe neben ihn.

 

„Das ist das erste Mal seit Wochen, dass wir alleine sind und keinen Sex haben“, meinte sie nach einer Weile.

 

„Stört es dich?“, fragte Harry.

 

„Ich weiß nicht“, erwiderte Hermine. „Ich hab mich nie als das Mädchen gesehen, das sein erstes Mal total ungeplant erlebt. Und dann warst du da.“

 

„Ich bin schon da, seit wir elf waren.“

 

„Eben“, sagte Hermine und schaute ihn lächelnd an. „Du warst immer da, seit wir Hogwarts das erste Mal betreten haben. Auch wenn wir Ferien hatten, du warst nie ganz weg. Es war anders als mit Ron ... Ich hab ihn auch vermisst, aber eben nur so, wie man einen Bruder vermissen würde. Aber mit dir ... Ich hatte immer Sehnsucht nach deinem Lachen, nach diesen verrückten Abenteuern, die du immer magisch angezogen hast, nach deinen Umarmungen ... Und jetzt weiß ich gar nichts mehr, was uns angeht. Das ist so neu für mich, keine Ahnung zu haben.“

 

Harry legte einen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich. Sie kuschelten oft in letzter Zeit – aber normalerweise eben erst nach dem Sex. Ja, Ron hatte schon recht gehabt, dass sie irgendwie in diese sexuellen Eskapaden geflüchtet waren. Sie hatten Voldemort besiegt, waren in Mailand, in dieser herrlichen Stadt, und ihre beiden Zimmer waren nur durch eine Durchgangstür getrennt gewesen. Wenn Ron mit seinen Brüdern um die Häuser gezogen war, hatten sie zusammen im Bett gelegen und über Merlin und die Welt geredet. Und plötzlich war da dieses Knistern gewesen, was Harry während seiner kurzen Beziehung mit Cho Chang nie gespürt hatte. Sie hatten sich geküsst – und am nächsten Morgen festgestellt, dass sie ihr erstes Mal miteinander verbracht hatten.

 

Irgendwie waren sie stillschweigend darin übereingekommen, ihre Gefühle zueinander nicht infrage zu stellen. Sie waren schließlich immer noch Harry und Hermine gewesen – bis Ron vor einer Woche etwas in ihnen wachgerüttelt hatte.

 

„Ich kann dir sagen, was ich weiß“, sagte Harry irgendwann leise. „Ich weiß, dass du meine beste Freundin bist und immer sein wirst. Und ich finde dich wunderschön, sexy, liebenswert und anziehend. Aber wir sitzen hier, und obwohl du all das für mich bist, habe ich im Moment kein Verlangen danach, mit dir zu schlafen. Wenn wir reden oder zusammen lachen – oder von mir aus auch einfach nur in der Bibliothek lernen –, dann sehe ich dich immer noch so. Ich weiß nicht viel über Liebe, aber ich weiß einiges über Freundschaft. Und das, was ich für dich empfinde, ist mehr als Freundschaft.“

 

Hermine schaute auf, blieb aber so dicht wie möglich bei Harry sitzen. In ihren braunen Augen sah Harry seine Worte widergespiegelt.

 

„Dann können wir uns also auch küssen, ohne dass wir im Bett landen?“, fragte Hermine leise.

 

Harry grinste.

 

„Also, ich sehe hier kein Bett.“

 

Er fasste sanft in ihren Nacken und zog sie an sich. Als seine Lippen auf ihre trafen, wurde ihm ganz warm ums Herz.

Autorennotiz

Hier habe ich eine brandaktuelle Kurzgeschichte für euch, die im Rahmen eines Wettbewerbs in einem anderen Schreibarchiv entstanden ist. Thema des Wettbewerbs war, wie euch sicherlich aufgefallen sein dürfte, die Corona-Krise. Ich wollte die Story außerdem dazu nutzen, mich mal an andere Pairings heranzuwagen. :)

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Autor

Mozambiques Profilbild Mozambique

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Kapitel:3
Sätze:414
Wörter:5.633
Zeichen:34.788

Kurzbeschreibung

Ein gefährliches Virus ist in der Zaubererwelt von Großbritannien ausgebrochen. Weil „Youthona“ irritierenderweise nur pubertierende Jugendliche befällt, hat das Ministerium ganz Hogwarts unter Quarantäne gestellt. Die Lehrer sehen das Kontaktverbot für ihre hormongesteuerten Schützlinge kritisch – zu Recht, denn nicht nur Gryffindors und Slytherins spielen verrückt. Auch Professor Snape hat mit Gefühlen zu kämpfen, die er eigentlich niemals haben wollte. [ Harmony, Ronaco, Blinny & Snack | AU ]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Drama (Genre), Romanze und Alternativuniversum getaggt.

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