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Extramorphs - The Conversion

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07.03.26 11:51
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Hallo.

Mein Name ist Jake.
Einfach nur Jake.
Mehr kann ich euch nicht verraten. Weder meinen Nachnamen, noch meine Adresse.
Aber was ich euch sagen kann, ist dass die Erde und alle Menschen die auf ihr leben in Gefahr sind.
Denn wisst ihr, ganz egal wie verrückt das jetzt  klingt, wir Menschen sind nicht allein im Universum und es hat auch keinen Sinn noch auf den Tag zu hoffen, an dem irgendwelche freundlichen kleinen grauen Aliens endlich mal Kontakt mit unserer guten alten Erde aufnehmen, denn das ist bereits geschehen.
Sie sind hier und  sogar grau, aber die meisten von ihnen sind leider nicht  freundlich.
Wenn ihr das hier lest, wisst ihr das alles wahrscheinlich bereits:

Dass sie Yirks heißen und die Fähigkeit haben, über den Gehörgang in die Körper anderer Rassen einzudringen.
Dass sie  erst mal im Gehirn angekommen, das Wesen dann steuern können, als wäre der gestohlene Körper ihr eigener.
Dass sie die Erinnerungen ihres "Wirts"anzapfen und dann allen rund um sich herum vorspielen können, sie wären wirklich diese Person.
Controller.


Ich weiß von uns allen am Besten wie das abläuft und wie es sich anfühlt, der Sklave eines Yirks zu sein, denn mein eigener Bruder ist einer von ihnen.
Ich selbst war einmal ein Controller, wenn auch nur für drei Tage, denn das ist die längste Zeit die ein Yirk außerhalb eines Yirkpools und ohne Kandronastrahlen überleben kann.

Hautnah zu erleben wie Temrash gestorben ist, seine Erinnerungen zu sehen und diese grauenhaften Schmerzensschreie in meinem Kopf zu hören, war das Furchtbarste, dass ich bisher erlebt habe.
Ich träume auch immer noch davon, manchmal.
Dann wache ich schreiend auf und glaube für einen Moment  wo ich schwitzend und zitternd im Bett hocke, ich wäre immer noch an einen Stuhl gefesselt in dieser verfallenen Waldhütte.

Manchmal habe ich auch friedliche Träume aus Temrashs Leben.
Von seiner ersten Zeit im Pool mit seinen Geschwistern.
Von erschreckend normalen Gedanken die er hatte und Träumen, aber ich erzähle nie jemanden etwas davon.
Immerhin hat irgendein ungeschriebenes Gesetz beschlossen, dass ich der Anführer unserer kleinen Widerstandsruppe ein soll und es kommt nicht gut an, wenn der Anführer  schwach ist, oder zu viel über den Feind nachdenkt.

Eigentlich dachte ich ja auch, es wäre nach wie vor ein Fehler gewesen, sich mit diesem Yirk zu treffen, aber nachdem Cassie gezwungenermaßen erste  Bande zur yirkanischen Friedensbewegung geknüpft hatte um Aftran zu retten und kurz danach diese Lizzie aufgetaucht war, war es eigentlich gar nicht mehr die Frage gewesen, ob wir ins Pedro´s gehen würden, sondern nur noch wann.

Dort hatten wir dann die Eckdaten für unser erstes Treffen besprochen, unter anderem auch, dass Mister Tidwell/Illim uns diesen Controller bringen würden und maximal einen anderen YPM-Yirk mitbringen dürften, dem sie vertrauten.
Der Treffpunkt war wieder die Hütte die ich sooft in meinen Träumen sah, einfach weil ich wusste, wie es enden würde, wenn nichts so lief wie geplant: Mit einem Sessel und einem Seil innerhalb von drei Tagen.

Umso schlimmer war es dann, als Tidwell sie reinbrachte und anschließend die Tür wieder hinter sich zuzog, weil sie einfach so schrecklich normal  und harmlos aussah: Groß, mager, grünbraune Augen rote Locken...
Aber ich wusste auch, dass man sich vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen durfte, denn so war es bei Allen und gerade das machte die Yirks so gefährlich.

Trotzdem sah ich die Angst in ihren Augen und ein Schaudern kroch mir über den Rücken, als ich den Ausdruck in in den Gesichtern der Anderen sah. Den Hass.
((Yirk!))
Ax!
Seine Gedankenstimme war plötzlich in meinem Kopf  Sie bebte vor Zorn und Abscheu.

Die tödliche Schwanzklinge lag an der Kehle des Mädchens, bevor sie auch nur einmal Piep sagen konnte.
Wäre sie ein normaler Mensch gewesen, hätte sie sicher spätestens jetzt versucht, davonzulaufen, oder wäre zumindest zusammengezuckt, wenn ein mundloser, blauer Zentaurenalien mit Skorpionschwanz auf sie losging, aber der Yirk in ihr wusste ganz genau, dass Andaliten schnell sind und Ax nur auf eine falsche Bewegung von ihm wartete.
Hätte sie sich nämlich gewehrt, oder ich den Befehl gegeben sie auszuschalten, hätte er ihr mit nur einem einzigen Schlag den den Hals durchtrennt und ihr Kopf hätte dann vom Boden aus zu seinem fallenden Körper hoch geglotzt.

"Schluss!"
Rief ich n ich bevor meine Gedankenbilder zu plastisch wurden. Gleichzeitig fühlte ich mich kribbelig und nervös.
Kaute immer wieder  auf meiner Unterlippe und ging hin und her wie ein Tiger im Käfig.
Gleichzeitig musste ich mir eingestehen, dass es nicht nur daran  lag, nicht nur an diesem Mädchen, sondern auch an diesem Ort:
An dem durchlöcherten Dach über mir.
An den verschimmelten, knarzenden Dielen.
An den umgekippten Stuhl hinter mir.
An dem Seil am Boden, das von allem, was hier herumlag,  noch den frischesten Eindruck machte...

Alles hier erinnerte mich nur an Temrash und seinen Todeskampf.
Mühsam schüttelte ich die Gedanken daran ab, versuchte mich abzulenken und die Anderen anzusehen:
Rachel, Marco und Cassie die wie eine lebende Mauer im Halbkreis vor dem Mädchen standen.
Tobias, der auf einem modrigen Dachbalken über uns thronte.

"Wer bist du? Wie..wie hast du die Kräfte bekommen, das Morphen? Wieso… Gott Ax, bitte!...-"
Meine Stimme  klang seltsam leise und stockte, obwohl ich mir Mühe gab laut zu sprechen. .
Ruckartig blieb ich stehen. Schluckte die in mir hochkommenden Tränen runter  und verdrängte die Panik.

((Ja, Prinz Jake.))
Schlagartig zog der Ax seine Schwanzklinge von ihrem Hals weg und gleichzeitig fühlte ich wie die Welt mir wieder näherkam.
Ich roch die modrige abgestandene Luft und sah die winzige Wunde am Hals des Controllers direkt über der Halsschlagader.
Mein Herz wummerte in meiner Brust wie ein Presslufthammer, als ich ihren Blick   auf mir spürte.

"Hey, Erde an Yirk, er  hat dich grad' was gefragt und wenn du nicht bald den Mund aufmachst, werde ich sauer. Du wirst zu Burgern verarbeitet, wenn ich sauer werde. Das wollen wir doch nicht, oder?"
"Rachel!"
"Was, Cassie?!"
((Rede Yirk!))
((Ja, )) stimmte Tobias Ax zu. ((Ich glaub' es wäre echt gut mal etwas zu deiner Verteidigung zu sagen. Wir sind hier nämlich in der Überzahl))
"I...ich bin kein Yirk!"


Die Stimme klang schrecklich  verunsichert und sie zitterte fast so schlimm wie meine Hände, die ich aus diesem Grund fest in meinen Hosentaschen vergraben hatte.
Niemand von den Anderen sollte sehen, wie stark mich das alles triggerte.
Nicht in einem Moment wie diesem .
"Falsch Schnecken-Tante.Du bist ein Controller und das bedeutet Yirk. Yirk, Controller, Controller, Yirk."
"N-nein!"

Um Fassung bemüht atmete sie  tief durch
"Ich meine ja. Ja, ich bin ein Controller aber… Aber Issrin - Der Yirk kontrolliert mich nicht. Ich bin es die gerade spricht!"
"Aha, so ist das, der böse kleine Alien in deinem Gehirn kontrolliert dich nicht, oookay, alles klar."

Marco verschränkte die Arme und warf einen genervten Blick in die Runde.
"Wisst ihr was Leute, das Beste wäre, wir lassen Ax und Rachel einfach den Spaß und gehen nachhause. Jake, bitte sag' uns, wir sollen nachhause gehen! MacGyver fängt bald an und ich schaue tausendmal lieber dabei zu, wie der gute alte Richard Dean Anderson aus einem Stück Klopapier 'nem Kaugummi und Alufolie eine Bombe bastelt, als dieser Schnecken-Tussi auch nur eine einzige Sekunde länger bei ihrem sinnlosen Gelaber zuzuhören, das...-!"
"Ruhe!"

Plötzlich von jetzt auf gleich fasste ich mich wieder und Wut kam in mir hoch.
Drohend sah ich alle der Reihe nach an und es wurde still .
Schließlich streifte mein Blick wieder das Mädchen. Er blieb an ihr hängen und je länger ich sie ansah, desto mehr wurde die Wut zu Hass.
"Ganz egal wer oder was du bist, rede einfach, weil du hast nur diese eine Chance. Deine Einzige. Wer seid ihr? Wie habt ihr die Morphingtechnologie bekommen? Wo, von wem und wann? Das hier ist kein Spaß mehr! Ich werde keinen Yirk, der morphen kann und unsere Gesichter kennt, einfach so rumlaufen lassen. Nicht freiwillig."
"I...ich bin nicht dein Feind Jake und Issrin auch nicht. Die Bewegung wir...-"
"Ich weiß von der Bewegung!"

Obwohl es ein Schock war, meinen Namen aus ihrem Mund zu hören, war ich schon viel zu wütend und verzweifelt, um mir den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen.
In mir brannte ein Feuer und alles um mich herum heizte es zusätzlich an.
"Hör zu: wir waren im Pedro's aber die haben uns nur halbe Geschichten erzählt und das ist nicht genug um dir zu vertrauen. Vielleicht bist du eine Falle, vielleicht sogar diese ganze Bewegung und die anderen beiden Yirks da draußen vor der Tür ."
"Es ist keine Falle. Wäre es eine, wäre der Visser längst da und... Und alle seine Leute. Ich meine...-"
Kurz verstummte das Mädchen, fast als wäre sie von jetzt auf gleich in ihre Gedankenwelt abgetaucht, bevor sie endlich fortfuhr:

"...Okay, ich meine, wenn ich... - Wenn wir nicht ehrlich wären oder Ilim oder Fenya..."
"Fenya?! Ein Yirk namens Fenya, sag mal willst du  uns verarschen?!"
" Na ja eigentlich heißt sie Fenlin, Fenya das ist sowas wie... Wie ein Spitzname."
"Spitzname?!"
Marco brach in lautes Gelächter aus, allerdings nur, bis ihm einen bösen Blick zuwarf.
Denn so froh ich sonst über seine ständigen Witze war, sowenig passte das gerade jetzt, wo wir alle in größter Gefahr schwebten
"Tschuldigung Mann", sofort verstummte er und sagte wieder deutlich ernster zu dem Controller-Mädchen:
"Okay, Yirks haben anscheinend Spitznamen, kapiert. Wie geht's weiter?"
"Äh, na ja, was ich sagen wollte, war eigentlich, wenn llim und Fenya unsere Feinde wären dann... Dann wärt ihr gar nicht mehr am Leben  und die Geschichte ist lang. Das heißt, es würde lang dauern sie zu erzählen und...-"
"Das ist mir egal."

Das erste Mal seit ich mit dem Mädchen sprach, gab ich mir wirklich Mühe, ruhig zu bleiben und leise zu sprechen.
Dem Drang einfach durchzudrehen nicht nachzugeben.


" Ich meine verstehst du nicht, was ich gerade gesagt habe? Gut, dann sage ich es noch einmal, sodass du es wirklich begreifst: Wir haben schon einmal einen Yirk ausgehungert, hier drin und wir werden mit dir genau das Gleiche nochmal machen, wenn du nicht sofort redest. Wir werden nicht zulassen, dass ihr aus dieser Hütte hier raus spaziert. Wenn nötig überlebt heute keiner von euch und deswegen, damit ich das nicht tun muss, will ich alles wissen, von Anfang an und jedes einzelne verdammte Detail! "

Ausgehungert..
Allein das Wort war schrecklich und die plötzliche Panik im Gesicht dieses Mädchens zu sehen, schnürte mir die Kehle zu.
Es dauerte dann auch eine ganze Weile, bis sie sich wieder weit genug unter Kontrolle hatte, um zu reden.
"Also gut."


Obwohl sie  noch einmal tief Luft  geholt hatte und wirklich versuchte  nicht  zu dem Stuhl und dem Seil hinüberzusehen, von denen  sie jetzt ganz genau wusste, warum sie dort lagen, war ihre Stimme leise und piepsig, als sie endlich begann zu erzählen:

"U-unser Name ist Louisa. Na ja, nicht wirklich. Louisa stimmt zwar  schon irgendwie, aber wenn ich ganz ehrlich zu euch sein soll, muss ich zugeben, dass der Name ein Scherz ist. Die Anderen... na ja, Nalek und seine Leute haben sich das ausgedacht und das Ganze, also das mit Issrin und mir hat eigentlich schon kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag angefangen... Na ja.

 

Ich war ein ziemliches Durchschnittsmädchen glaub ich. Also so was wie unauffällig mit Allerweltsgesicht und langweilig. Jemand mit wenig sozialen Kontakten der irgendwo in der Mittelschicht rum dümpelt. Ein perfektes Wirtsobjekt für die Yirks, weil neben all dem ganzen anderen war ich auch ein Controller und Issrin war mein erster und einziger Yirk..."

 

Wie euch schon die Bewegung gesagt hat, kommen wir... --ich auch nicht von hier, eben weil die Yirks nicht nur hier sind!
Nicht nur auf eurem Kontinent, in eurem Land oder in eurer Stadt.
Es ist nicht nur hier ein Problem, sondern eine weltweite Invasion und findet auch in vielen anderen mächtigen Ländern dieser Welt statt:Russland, China, Frankreich und Deutschland, wo ich gelebt habe, bevor wir hier her geflüchtet sind, sind nur ein paar von denen ich weiß.
Und wie hier gibt es auch dort überall Visser und Sub-Visser, Nessirks und Sub-Nessirks, die diese heimlichen Invasionen leiten.
Unzählige Yirk-Soldaten und Initianten, Wissenschaftler und Techniker, aber auch immer mehr von dem was sie Zivilisten nennen, überfallen heimlich unseren Planeten, auf der Suche nach Wirtskörpern.

Auch Issrin, der Yirk in meinen Kopf, hat niemals zu Visser Dreis Leuten gehört, Sonden zu Visser Neunundzwanzigs Truppen.
Die Tarnorganisation der Yirks in meiner Stadt heißt auch nicht "The Sharing" sondern "Der Freundschaftsklub", aber es ist eigentlich genau dasselbe wie hier: Ein Versuch, möglichst viele freiwillige Wirte anzuwerben und am  Anfang ahnte ich von dem Ganzen natürlich nichts.

Der Freundschaftsklub war für mich nur eine Möglichkeit, nette Leute kennen lernen und neue Freunde zu finden.
Nebenbei gab natürlich es auch gutes Essen, Camping-Wochenenden, Partys, Radtouren, Museumsbesuche und so weiter, ihr kennt das sicher.

Sie versuchen alles, damit die "Neuen" eine möglichst gute Zeit haben und sehr an dem Klub hängen, bevor sie wirklich mit offenen Karten spielen.
So war es auch bei mir gewesen  und erst, wie sie mir alles gesagt haben, mit ganz ähnlichen Worten wie ich es euch jetzt sage, habe ich gedacht, dass sie einfach nur ein paar Volltrottel sind, die sich so einen makabren Scherz alias Freundschaftsklub-Initiationsritus mit mir erlauben.

So wie ein paar Stunden vorher beim allgemeinen Klub-Treffen, wo schon Ella versucht hatte, mir mit irgend einer wirren Geschichte über körperklauende Aliens Angst einzujagen.
Ich hatte ihr kein Wort geglaubt und nur gelacht.
Auch dann noch als sie gemeint hatte, sie würde es mir zeigen und mich zu einem ihrer offiziellen Büros gebracht hatte.

Ich wollte mich einfach nur umdrehen und gehen, wie dort auch so ein merkwürdiger junger Typ hinter einem Schreibtisch von irgend welchen Aliens anfing und man uns seltsame schneckenartige Dinger in einem Aquarium gezeigt hat.
Aber sie sind natürlich gut vorbereitet auf die, die rennen.
Sie sind nicht wirklich nett zu denen die rennen und dann...
Dann haben sie es uns wirklich gezeigt.


Sie hatten mich abgepasst und in die Mitte genommen, kurz nachdem ich aus dem Büro gestürmt war, genauso wie die drei anderen"Vollmitglieds-Anwärter die  mit uns hergekommen waren.
Sie, das waren Michael, Lukas, Elena und Raphael.
Na ja, jedenfalls dachte ich damals noch, dass unsere "Guides" wirklich so heißen.

Ich glaubte immer noch kein Wort von der Aliengeschichte, auch dann noch nicht, wie plötzlich drei weitere Leute dazukamen und sich in einem kleinen Putzraum direkt vor meinen Augen ein Geheimgang öffnete.
Als wir dann eine schier endlose Treppe und viele schmale Gänge später diese große unterirdische Halle erreichten, einen riesigen kuppelförmigen Saal irgendwo unter dem Park und dem nächsten Einkaufszentrum begann ich mich zu fürchten.

Diese Furcht wurde zur Panik, auch bei den Anderen.
Keiner glaubte mehr an einen Scherz.
Ich meine da waren auf einmal sowas wie Käfige!
Käfige voll mit schreienden, weinenden Menschen, Monster die wie Dinosaurier aussahen.
Aufrecht gehende Dinoasaurier mit Hornklingen am ganzen Körper und …
Na ja.

Ich glaube, ich muss nicht ins Detail gehen, damit ihr euch das vorstellen könnt
Es ist nicht viel anders als der Pool-Komplex unter eurer Stadt.
Leider war ich in dem Fall aber auch die Erste von uns, die an der Reihe war.

Natürlich versuchte ich mich loszureißen, trat dabei um mich und schrie, als sie mich zwei der Monster übergaben, doch ich kam natürlich nicht frei.
Meine Arme saßen in ihren Klauen fest wie in einem Schraubstock während sie mich über den stählernen Pier zerrten und dann,wie meine Kraft nachließ, zwangen sie mich in die Knie und drückten meinen Kopf runter in diesen kreisförmigen Pool direkt unter dem Pier.

Ich versuchte zu schreien, doch da war nur noch diese undefinierbare widerliche Brühe.
Sehr bald schon machte mich der Sauerstoffmangel ziemlich benommen und dann wie ich wirklich das Gefühl hatte, jeden Moment in der schleimigen Kloake zu ersticken, spürte ich eine seltsame Berührung in meinem Gesicht: Das was mich da ganz zart streifte, war...
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll.
Weich und schleimig wie eine Qualle vielleicht und "es" berührte mich …
Zuerst sanft.
Der erste Yirk schwamm zu meinem Ohr rüber, wurde dann aber von einem anderen weggestoßen.

Ein plötzlicher, heftiger Schmerz presste mir das letzte bisschen Luft aus den Lungen und ließ mich fast ohnmächtig werden, als dieses Ding zu meinem großen Entsetzen, begann, sich zu verformen und in mein Ohr zu kriechen.
Die Angst machte es sicher schlimmer als es war.
Eigentlich tut es nur kurz weh, weil Yirks während der Infestation so eine Art Schmerzmittel abgeben und das Ohr betäuben, das Einzige, worüber man froh sein kann, wenn man auf diesem Pier kniet...

Ich meine, sie perforieren das Trommelfell und wandern dann durch die Eustachische Röhre über den Nasenrachen bis in die Nasenhöhle, um schließlich durch die natürlichen Löcher in der Siebbeinplatte ins Gehirn zu gelangen...
Sicher verschließt der Yirk das Loch, das er im Trommelfell verursacht hat, sofort mit einem speziellen Schleim, und sie sind auch sehr flexibel, was die Festigkeit ihrer Körper betrifft, aber ohne Betäubung wäre das Ganze sicher um einiges schmerzhafter.

Im Vergleich zu Wirten von ein paar anderen Spezies dauert es außerdem relativ lange, bis sie einen Menschen unter Kontrolle haben und am Ziel angelangt sind, weil, na ja...
Man kann seine Ohren ja nicht irgendwie verschließen, oder?
Ohren können außerdem nicht niesen oder beißen, deswegen ist es für sie, auch wenn's unbequemer ist, einfacher und sicherer, „den langen Weg zu nehmen“ sobald es um Menschen geht, so  einfach ist das.
Aber ja … Genug von den Details.

Wichtiger ist, dass ich trotzdem immer noch spürte, wie der Yirk tiefer in meinen Schädel kroch, auch als sie meinen Kopf endlich wieder aus dem Pool hoch tauchen ließen.

Ich hatte auch ziemlich viel von diesem schleimigen, schlammigen Wasser geschluckt:  Es schmeckte wirklich absolut ekelhaft.
Mir war übel und meine Nase brannte.
Gleichzeitig versuchte ich natürlich auch immer noch mich zu befreien, während ich da mehrere Minuten  verzweifelt hustend und würgend von den zwei Hork-Bajirs auf den Boden gedrückt wurde, aber plötzlich begann sich etwas zu verändern!

Es fühlte sich erst an wie ein leichtes Kribbeln, das sich über meinen ganzen Körper ausbreitete.
Ähnlich wie das Gefühl, wenn einem die Beine einschlafen und es wurde immer intensiver!
Steigerte sich zu echter Taubheit und wurde dann zu einer Art Paralyse!

So, als würde man stückchenweise gelähmt und dann, als mein ganzer Körper taub war und ich vollkommen bewegungsunfähig, hörten meine Beine von einer zur anderen Sekunde einfach auf zu strampeln.
Alle meine Muskeln entspannten sich, mein Mund schloss sich.

"Ich" wurde vollkommen ruhig und richtete mich wie von Geisterhand auf, als die Klingenmonster ihren eisernen Griff endlich lockerten.

In mir drin war ich natürlich überhaupt nicht ruhig.
Ganz im Gegenteil, ich wusste nicht, was da gerade mit mir passiert war und hatte  Todesangst!
Ich wollte davonlaufen, um mich schlagen und schreien, aber nichts davon passierte.

Ich konnte zwar im Geist die Befehle bilden, aber das hatte ungefähr so viel Zweck, wie sich einfach nur vorzustellen fliegen zu können, wenn man wirklich fliegen will.
"Ich" blieb einfach nur stehen wo ich war und sah zumindest nach außen hin seelenruhig dabei zu, wie mit dem nächsten Menschen nach mir genau dasselbe gemacht wurde.
Danach benutzte der Yirk mich, oder besser gesagt meinen Kopf dazu, den anderen zu zunicken.

Meine Hände wurden ausgestreckt und griffen sich ein Handtuch, dass "Ella" mir reichte, um damit die schleimige Brühe aus meinen Haaren zu rubbeln. Danach setzten sich meine Beine in Bewegung und kurz darauf, zirka eine halbe Stunde später war ich wieder oben.

Oben in der Welt und unter unzähligen anderen Menschen, die sich nicht mal ansatzweise vorstellen konnten, was mir von den Vollmitgliedern des Freundschaftsklubs gerade angetan worden war, oder was sich da direkt unter ihren Füßen abspielte.

Ich wurde panisch, als mir klar wurde, dass dieses Ding in mir Richtung U-Bahn ging, dass es zu mir nach Hause  wollte, um als ich durchzugehen und ich absolut nichts dagegen tun konnte.

Ich dachte an meine Mama und an meine kleine Schwester Emily und hatte gleichzeitig das Gefühl, jeden Moment wahnsinnig zu werden, weil da auf einmal diese Stimme war, oder besser gesagt diese andere "Präsenz", denn das, was ich hörte, waren nicht wirklich Worte, viel mehr war es wie Gedanken.

Keine Ahnung, ob ihr wisst wie es ist, aber so fühlt es sich an, wenn sie mit uns sprechen: Als, ob man für sich selbst einfach über etwas nachdenken würde, aber es ist eine fremde Gedankenstimme und es sind auch absolut nicht deine eigenen Gedanken.
Du spürst dass da etwas anderes ist.
Eine Person die eindeutig nicht du bist.

((Sei still, Mensch.))
War das Erste, was  dieses "Etwas" zu mir sagte, während ich gerade erst anfing zu verstehen, das da plötzlich ein zweiter Verstand in meinem Kopf war und jetzt mit mir sprach.
((Ja, ich spreche mit dir.  Wenn du kooperierst, werde ich weder dir noch deiner Sippe etwas antun. Im Gegensatz zu einigen meiner Artgenossen halte ich nicht viel davon mein Eigentum zu beschädigen. Aber ich werde es tun, wenn du mich dazu zwingst))

Die Stimme klang kühl. Gefasst, aber auch resigniert, während meine eigenen Gedanken immer verworrener wurden:
Was soll das? Was ist das für eine Stimme in meinem Kopf? Warum kann ich meinen Körper nicht mehr steuern. Wer tut mir das an? Wie? Warum? Ist das ein Scherz?
((Kein Scherz. Ich tue es, weil alles stimmt, was sie sagen.))
Wer hat das gesagt?... Was ist das für eine Stimme in meinen Kopf?... Was passiert mit mir ?!..

((I c h  bin ein Yirk. Deine Versuche mich zu bekämpfen, verschlimmern nur die Situation, denn ich befinde mich bereits in diesem Kopf. Du kannst nichts dagegen tun.))

In meinem Kopf?! Irgendein außerirdisches D i n g  ist in meinem Gehirn!
Jetzt flippte ich vollkommen aus.

((Mir ist vollkommen egal was du bist und ich bin nicht dein Eigentum! VERSCHWINDE! Verschwinde aus meinem Kopf und hör auf mit mir zu reden! Gib mir die Kontrolle über meinen Körper wieder!... Ich bin kein Sklave! Ich... ich werde einen Weg finden,dich …-))
((So viel Mühe. Unnütze Verschwendung von Energie.))

Die Stimme unterbrach meine Gedanken.
Diesmal klang sie erstaunt, fühlte sich verwirrt an, fast schockiert. Da war jetzt Frustration aber auch Selbstsicherheit.
Dieser Yirk wusste was zu tun war.
((Wenn Kontrolle alles ist, was du möchtest, gut. ))

Für den Bruchteil einer Sekunde fühlte ich wie sich der Klammergriff des Wesens ein wenig lockerte.
Mir war immer noch ein bisschen schlecht und ich hatte ziemliche Kopfschmerzen, aber ich fühlte wenigstens wieder etwas!

Ich konnte meine Augäpfel wieder bewegen, meinen Kopf.
Ich hatte die Kontrolle über meine Lippen zurück!
Meine Stimme ich könnte...-
((Ich denke nicht, dass du das tun kannst. ))
Sagte der Yirk spöttisch.
((Du hast ein sehr schlechtes Benehmen Mensch. Dein Glück, dass ich geduldig mit dir bin. ))

Noch  bevor ich auch nur einen Laut von mir gegeben hatte, war alles wieder wie vorher. Ich war wieder ein Gefangener in mir selbst.

NEEEIN!. Nein! nein! nein! nein! Nein!
((Begreifst du es jetzt?))
Nein! nein! nein! nein! Nein!
((Doch und auf jedes n e i n  folgt ein Weiteres. Hör auf zu kämpfen!))

Da war ein Hauch von Bedauern, aber dafür viel mehr Ärger und schließlich Entspannung…
Selbstsicherheit!

Meine Emotionen waren dem Yirk vertraut. Er wusste, dass ich kurz davor war aufzugeben und die Gedankenstimme wurde zu einem schaurigen Flüstern.
((Jede einzelne Ritze deines Gehirns ist vollkommen mit meinen Sekreten durchtränkt. Meine Neuronen sind fest verbunden mit deinen Nervenzellen. Ich kann jeden deiner Gedanken in meinen eigenen fühlen. Ich kann auf deine Erinnerung zugreifen und sie zu meinem Vorteil nutzen. Beende den Widerstand. Dieser Körper gehört mir! ))

N E I N! Nein. Bestimmt träume ich das alles nur! Dachte ich krank vor Angst und Ekel stumm für mich selbst.
Das k a n n alles ganz einfach nicht wahr sein. So etwas gibt es nicht und es sitzt da auch sicher kein ekelhafter außerirdischer Hirnparasit in meinem Kopf ! Sicher bin ich nur irgendwie übergeschnappt oder ich träume das alles nur. Ja! genau das ist es ! Das ist alles nur irgendein verrückter Traum und jeden Moment werde ich aufwachen ! Ich werde aufwachen z u h a u s e in meinem Bett, ganz für mich allein und mich über das alles hier totlachen.

((Nein Mensch... L o u.))

Der Yirk klang  jetzt sehr ernst und zum aller ersten Mal sprach er mich auch direkt mit meinem Namen an, ohne dass ich ihn verraten hätte.
((Kein Traum. Es ist eine Tatsache, dass es für dich keine Möglichkeit gibt etwas an deinem momentanen Zustand zu ändern. Ich w e i ß auch dass du versuchst dich selbst zu belügen. Dass du dir einredest, an einer Geisteskrankheit zu leiden, aber es ist zwecklos. Dein Wille ist irrelevant. Du wirst meine Anwesenheit akzeptieren und als erstes Zeichen deiner Kapitulation wirst du mich ab sofort direkt ansprechen. Entweder du tust es, oder du wirst deinen Ungehorsam bereuen.))

Ich soll es direkt ansprechen?
Dachte ich verwirrt und voller Angst vor dem, was es vielleicht mit mir machen könnte, wenn ich es nicht tat.
Wie bitte soll ich dieses Ding ansprechen?
Warum?


((Meine Bezeichnung lautet Issrin Neun-Acht-Fünf vom Ya-Terash-Pool, aber ich erlaube dir, mich Issrin zu nennen. Du wirst es tun, weil ich es w i l l.  Als es darum ging mich zu beschimpfen und mir zu drohen, warst du weit weniger unentschlossen.)) Spottete der Yirk.
((Also gut… I s s r i n..)) Sagte ich und richtete meine volle Aufmerksamkeit auf diese körperlose Stimme. Gleichzeitig versuchte ich mich irgendwie zu beruhigen.
((Was willst du von mir? ))
((Dummes Menschenwesen hör auf meine Zeit zu verschwenden! Du w e i ß t es! Beende den Widerstand. Akzeptiere mich. E r g i b  dich. Noch sagst du niemals. Aber wie bereits erklärt: Wenn du dich ergibst, kannst du ein gutes Leben haben. Freiwillige sind sehr wertvoll für uns und sobald du mich von deinem Gehorsam  überzeugt hast, darfst du sogar diesen Körper wieder benutzen.Ich halte mehr vom Belohnen als von Strafen.))
((Kann sein, dass  d u  so denkst, aber leider bin ich ein schlechter Sklave.))

Issrin war entspannt und ich weiß nicht, warum, aber ich hatte das Gefühl seine Kontrolle hätte sich wieder gelockert so wie vorhin und es wäre genau jetzt der richtige Moment.
Ich setzte alles auf eine Karte und stemmte mich in einem letzten verzweifelten Aufbäumen mental gegen den Yirk.
Ich wehrte mich mit aller Kraft, die ich irgendwie aufbringen konnte gegen die fremde Kontrolle und stellte mir gleichzeitig so fest wie ich konnte vor, wie ich meinen eigenen Körper steuerte.
Wie es sich anfühlte, meine Hände zu bewegen, wie es war zu schreien.
LAUT und so lange bis mir der Hals wehtat.

Leider nur mit kaum sichtbaren Erfolg.
Meine Fingerspitzen zitterten ein ganz kleines bisschen und die Gesichtsmuskeln rund um die Mundpartie  auch. Mehr passierte nicht. Trotzdem fand Issrin es ganz und gar nicht lustig.

Die gerade noch fast entspannte gönnerhafte Laune schlug plötzlich in rasende Wut um, in Panik!
bevor ich verstand was mit mir passierte, spürte ich wie Issrin irgendetwas in meinem Gehirn aktivierte.
Da war kein Schmerz und auch sonst nichts Physisches denn mein Körper tat nicht weh.
Er fühlte ich nur distanziert an.
Viel mehr war es viel tiefer als einfach nur Schmerz.
Psychisch...
So wie ich mir eine ausgewachsene Psychose oder einen drogenmäßigen Horrortrip vorstelle.
Alles, was ich war, schien einfach nur in Flammen zu stehen. Issrins Wut fegte durch den mir verbliebenen Rest meines Verstandes wie eine Feuerwalze. Die Panikattacke schien mein Ich aufzulösen und riss mich fast auseinander.
Erst als ich vor Entsetzen ohnmächtig wurde, hörte es auf.

Mental zu mir kam ich erst wieder ein paar Stunden später.
Inzwischen war es draußen vollkommen dunkel geworden . Ich hatte ein Nachthemd an, lag frisch geduscht in meinem Bett und starrte zum Fenster hinaus oder besser gesagt, Issrin sah hin und ich tat es auch da ich keine andere Wahl hatte.
Gleichzeitig tauchten vor meinem inneren Auge lägst vergangene Szenen aus meinem Leben auf während sich ohne dass ich es wollte, immer mehr Erinnerungen öffneten.
Dieser Yirk tastete sich geübt und mit unglaublicher Geschwindigkeit durch meinen Verstand um möglichst schnell alles über mich und mein Leben zu erfahren.
Es fühlte sich fast so an wie kühle Finger, die routiniert durch einen schon zig male gelesenen Roman blättern und hundert prozentig wissen, wo sie welchen Absatz finden.

((Ah du bist wach, gut. Noch mehr und ich hätte dich verletzt. Bedauerlicherweise war es notwendig. Du musstest diszipliniert werden. Zu deiner Information:  Ich habe Erfahrung darin einen rebellischen Wirtsverstand niederzuschlagen. Eine weitere Konfrontation mit mir wäre nicht ratsam))
Sagte Issrin plötzlich zu mir und lenkte gleichzeitig die Aufmerksamkeit von meinen Erinnerungen  weg und auf mich.
Die Bilderflut stoppte augenblicklich.

Sie - inzwischen hatte ich nämlich entschieden, dass dieses Wesen eindeutig eher weiblich als männlich wirkte und ihre Stimme sich auch eher nach einem einem ernsten jungen Mädchen anfühlte... oder eher anhörte? Keine Ahnung, es war irgendwie eine merkwürdige Mischung aus Beiden,  nicht zu begreifen für meinen panischen Verstand. Es überforderte mich vollkommen.
Aber zumindest wirkte Issrin im Moment nicht wütend. Sie fühlte sich sogar fast  belustigt an, während sie hinzufügte:
((Ja, taste ruhig nach mir und mach dich damit vertraut. Nimm, was ich mit dir
t e i l e , Mensch. Ich bin jung wie du richtig erkannt hast, und dir mental überlegen. Doch im Gegensatz zu anderen in meiner momentanen Situation bin ich nicht grausam. Es wird keine weitere Bestrafung geben, wenn du mich nicht dazu zwingt und dich an die Regel hältst:  G e h o r c h e , nichts weiter. Deine Erzeugerin hat übrigens keinen Verdacht geschöpft. Menschen glauben das, was sie sehen… Ah, natürlich ist da noch das Kleine die S c h w e s t e r.
E m i l y hat mich über den Freundschaftsklub ausgefragt. Sie denkt zu viel. Ich werde mich mit ihr befassen, um sie zu beruhigen.))

((NEIN! Lass deine Finger von Em!  du bist nicht ihre Schwester du ekelhaftes Monster! ))
Schrie ich Issrin an, noch bevor ich es verhindern konnte.
Gedanken sind schneller als Worte, aber noch bevor es ganz aus mir raus war bereute ich es schon wieder.
(( B i t t e ! )) sagte ich deshalb in Gedanken und versuchte mich zu beruhigen.
((Bitte Issrin, nicht Em. Nicht meine Familie! Mach...mach  mit mir alles was du willst. Ich werde alles tun, was du von mir verlangst, in Ordnung? Aber b i t t e lass meine Familie aus dem Spiel.))

Panik kam in mir hoch als die Yirk nicht sofort antwortete denn sie sagte die Wahrheit.
Niemand würde bemerken oder auch nur jemals ahnen, dass dieses stille unauffällige Mädchen namens Lou in ihrem eigenen Kopf verloren war.
Alle würden auf die Scharade hereinfallen und ihr blind ins Messer laufen, wenn  sie das wollte.

((Ja.))
Sagte Issrin endlich nach einer gefühlten Ewigkeit nach dem sie mich lange genug hatte zappeln lassen.
((Niemand wird davon erfahren. Es bleibt ein Geheimnis in diesem Kopf. Bedauerlicherweise verstößt deine Familie zu verschonen gegen unsere Protokolle, ich sollte sie schnellstmöglich  dem Imperium zuführen.))
((W a s ?! NEIN! BITTE NICHT! ICH HAB DOCH GESAGT ICH...))
((Still! ))
Issrin unterbrach meine panischen Gedanken.
Die Emotionen die von ihr zu mir hinüberschwappten, fühlten sich an, wie ein listiges Grinsen. Schmierig und lauernd wie eine Spinne im Netz die nur auf eine Gelegenheit wartet.
Ihre Stimme in meinem Kopf wurde bedrohlich-sanft.


(( Ich sagte, ich  s o l l t e, nicht dass ich  m u ß , denn das Kind und die Mutter sind unwichtig für uns, wertlos. Deshalb lasse ich sie in Ruhe. Nicht für immer natürlich, aber für den M o m e n t. Dieser Moment lässt sich ausdehnen. Solange d u kooperierst und sie keine Gefahr darstellen, werde i c h versuchen, sie herauszuhalten solange ich kann. Darauf gebe ich dir mein Wort. Zu deinem Glück habe ich die Angewohnheit, meine Versprechen zu halten. Solltest du aber noch einmal versuchen, gegen meine Kontrolle zu rebellieren, oder einen beleidigenden Gedanken d i r e k t an mich richten, wird deine Schwester der erste Wirtskörper sein, den ich meinen Artgenossen bringe.))

 

Die darauffolgenden Tage und Wochen vergingen für mich wie im Traum.

Issrin ging meinen normalen Alltagsbeschäftigungen nach, erledigte alle Aufgaben an meinem  Arbeitsplatz vorbildlich, besuchte montags und dienstags die Berufsschule, half meiner Mama im Haushalt und ärgerte meine Schwester, während sie ihre Hausaufgaben kontrollierte.
Alle drei Tage brachte sie mich unter dem Vorwand ein Treffen des Freundschaftsklubs zu besuchen zurück zum Yirkpool und weil ich mich die meiste Zeit über „anständig“ verhielt, "durfte" ich schon nach kurzer Zeit sogar im offenen Bereich bei den anderen „freiwilligen Wirten“ sitzen.

Sicher fragt ihr euch jetzt, warum ich das getan habe.
Warum ich Issrin nicht bekämpft und meine eigene Spezies verraten habe, aber Tatsache ist, dass viele von den Freiwilligen gar nicht wirklich freiwillig sind.
Oft bekommen Yirks von halbwegs "kooperativen" Wirten einfach nur die Anweisung, den Platz in den Käfigen für "Neuzugänge" freizumachen und meistens haben diese Yirks auch genug gegen ihre Wirte in der Hand, um sie von der "Zusammenarbeit" zu überzeugen, oder sie machen ihnen das Leben einfach so lange zur Hölle, bis den Leuten gar nichts anderes übrigbleibt, als zuzustimmen.
Ich gehörte auch zu dieser "Kategorie" und habe trotz der ganzen Wochen wo ich Issrins Gefangene war, nie  gelernt das Weinen zu ignorieren oder die Schreie.

Jedes Mal, wenn ich am Pool war, sah ich die Opfer der Yirks nur wenige Meter von mir entfernt in den Käfigen sitzen, die ich selbst nur zu gut kannte. Habe mich schmutzig und feige gefühlt, weil ich aus Angst selbst alles zu verlieren, was mir wichtig war, absolut nichts getan habe, um ihnen zu helfen.
Und Issrin...
Sicher hat es mir die Tatsache, dass sie nicht so war wie die viele andere Yirks auch leichter gemacht, zu "kooperieren".
Nicht dass sie nicht grausam zu mir war...
Das sind die meisten von ihnen auf die eine oder andere Weise, sondern einfach, weil sie mit mir geredet hat, nachsichtiger war, geduldiger.

Aber trotzdem, auch wenn sie anders war und ich im Gegensatz zu den meisten Unfreiwilligen noch Glück hatte, konnte Issrin meine Emotionen gar nicht verstehen und verspottete mich dafür, wenn sie dann wieder zurück war.
Zurück in meinem Kopf...

Anstatt sie zu bemitleiden, ärgerte sie sich zum Beispiel über die unfreiwilligen Wirte und bezeichnete mich mehr als nur einmal als Lügnerin, weil man diesen Menschen das Ganze, wie man ja an meinem "Beispiel" sah, auch viel komfortabler machen könnte, wenn sie einfach nur ihren sinnlosen Widerstand endlich aufgeben würden.

Ich sagte meistens nichts zu diesen Emotionen und Gedanken, selbst wenn issrin sie manchmal unter dem Vorwand nur eine "sinnvolle Unterhaltung" mit mir führen zu wollen mit voller Absicht direkt an mich richtete.
Erstens weil ich inzwischen nur zu gut wusste, dass es sowieso absolut sinnlos war, mit ihr darüber zu diskutieren und zweitens weil alles, was sie sagte irgendwo auch stimmte:
Ich wäre auch wenn ich mich schrecklich und wie der letzte Dreck fühlte, nie freiwillig dorthin zurückgegangen wäre, wo diese Menschen waren...
Man kann sich selbst belügen, wenn man es nur lange genug probiert, aber zu versuchen jemanden anzulügen, der quasi non stop in deinem eigenen Kopf lebt, ist absolut sinnlos

Deswegen beschränkte ich mich meistens auch nur darauf alle negativen Emotionen weit von mir wegzuschieben und einfach ganz für mich allein froh zu sein dieser Hölle namens Yirkpool, zumindest für ein paar Tage wieder, entkommen zu sein. Ich genoss die Welt um mich herum auch, wenn ich sie nur gedämpft wahrnahm und manchmal, wenn es noch nicht zu spät war, brachte Issrin meinen Körper danach in den nahegelegenen Park.

Dort ging sie eine Runde spazieren oder starrte einfach in den Sonnenuntergang und hing ihren Gedanken nach. Was in ihrem Kopf dabei vorging, konnte ich nicht sagen denn ich konnte sie bei weitem nicht so gut „sehen“ wie sie mich, aber manchmal drangen ein paar wenige vage Emotionen und Gedankenfetzen zu mir durch besonders, wenn sie entspannt war.
So auch wieder an diesem Tag wo sich alles ändern sollte.


Es war jetzt schon über drei Monate her seit Issrin das erste Mal gewaltsam meinen Körper übernommen hatte und sie zwang mich schon eine halbe Ewigkeit dazu zwei Mädchen zu beobachten, die gerade Frisbee spielten. Sich natürlich absolut bewusst, wie sehr ich richtige Bewegung inzwischen vermisste, besonders weil ich es während meiner Gefangenschaft zumindest einmal erlebt hatte.
Ein einziges mal "oben" gewesen war ohne sie.

Allerdings "dachte"ich diesen Wunsch nicht direkt an Issrin und versuchte auch nicht mich gegen ihre Kontrolle zu wehren.
Wenn man es genau nimmt, hatte ich meinen Widerstand seit dem Abend wo sie mir unmissverständlich klargemacht hatte, dass die Freiheit meiner kleinen Schwester ganz allein von meinem Verhalten abhing, vollkommen aufgegeben und ertappte mich zu allem Überfluss manchmal sogar dabei, dass ich Issrin fast dankbar war.
Wahrscheinlich war es wirklich eine Art Stockholm Syndrom. Ganz sicher war ich zu einem großen Teil auch einfach nur feige, aber andererseits...

Andererseits wusste ich inzwischen auch ganz genau, wie das alles normalerweise ablief.
Ich meine immerhin konnte ich doch wirklich zufrieden sein, wenn ich mein Schicksal mit dem anderer Wirte verglich, die ich am Yirkpool getroffen hatte, weil Issrin mich meistens ignorierte und nach wie vor meine Familie verschonte.

Andere hatten weitaus grausamere Yirks die ihre Wirte ohne bestimmten Anlass oder sogar nur zu ihrer eigenen Belustigung quälten und bei den meisten Human-Controllern mit denen ich gesprochen hatte, egal ob freiwillige oder nicht, hatte man die nächsten Angehörigen so schnell wie möglich ebenfalls zu Wirten gemacht.

Natürlich hätte Issrin nichts dagegen tun können, wenn höherrangige Yirks es von ihr verlangt hatten.
Es war tatsächlich nur eine Vereinbarung zwischen ihr und mir, das war mir klar. Ein kleines Stückchen trügerischer Frieden, der jederzeit enden konnte.
Trotzdem war ich unglaublich froh darüber.

((Ja, Mensch. Sei dankbar. Es wird Zeit, dass du erkennst, dass ich dich weit besser behandele, als du es verdienst. Ich denke, es ist so weit.))
Platze Issrin mitten in meine Gedanken hinein.
((Wofür?))
Fragte ich verwirrt, doch anstatt einer Antwort hatte ich plötzlich das Gefühl eine sehr lange in mir aufgebaute Anspannung würde sich mit einem Mal endlich und ganz langsam lösen.

Schlagartig war die Welt so viel heller.
Lauter und ich fühlte mich allem, was mich umgab näher als jemals in meinem Leben zuvor. Aber nicht nur der Welt. Issrin , ihren Emotionen , ihren Gedanken. Ein Teil von ihr schien buchstäblich in mich hinein zu fließen und es war eindeutig zu viel.
Es machte mir unbeschreibliche Angst. Ich wollte, dass es aufhörte.
Sofort!

Deshalb wehrte ich mich auch dagegen, obwohl ich nicht einmal ansatzweise wusste was diese Yirk da eigentlich mit mir vorhatte.
„Issrin...nein! Hör auf damit, bitte! Du verletzt mich!“
Keuchte ich immer noch schockiert und in Panik.
Mein Mund hatte sich bewegt, aber erst wenige Sekunden später hatte ich, betäubt von all dem anderen das gerade eben noch auf mich eingestürmt war, die Kraft zu begreifen, dass ich –tatsächlich ich! -laut gesprochen hatte.

Ich hatte die Kontrolle über meinen Körper zurück!
Nicht nur über meine Hände oder einzelne Körperteile, sondern alles auf einmal! Absolut alles!
((Dummes Tier!))
Zischte Issrin . Sie war wütend auf mich. Sehr wütend ohne, dass ich eigentlich so recht wusste warum. Doch das spielte keine Rolle.

Anstatt einer Erklärung zog sie sich mindestens so schnell zurück, wie sie sich mir "genähert" hatte und antwortete wieder etwas gefasster, allerdings immer noch sehr reserviert:
((Mein A n g e b o t  du erinnerst dich? Ich werde dich gut behandeln, solange du gehorchst. Habe ich auch nur einen Moment das Gefühl du willst mich hintergehen, oder die Situation ausnutzen, wie beim letzten Mal, wirst du es bereuen. Ich will dich für deine Kooperation belohnen, bevor ich dich verlasse.))
((Du verlässt mich? Wieso?))
Ich war verwirrt und alarmiert zugleich.
Ich meine natürlich wusste ich wieso.

Ich war ohnehin schon ungewöhnlich lange Issrins Wirt gewesen, sogar für einen Freiwilligen.
Irgendwann hatte es passieren müssen, dass ich an einen anderen Yirk weiterging, aber dennoch schockte es mich.
((Ja, d i e s e r Grund. Mein Training ist abgeschlossen.))
((T r a i n i n g ?!))
((Natürlich)) Issrin lachte höhnisch.
((Denkst du das yirkanische Imperium hätte Interesse an einer schwachen Halbwüchsigen? Nein, dieser Körper wird einem anderen Yirk gegeben, um ihn an den Umgang mit einem menschlichen Wirt zu gewöhnen. Du bist das perfekte Übungsobjekt: Ein unwichtiger Zivilist. Einfach zu beseitigen, falls ein Yirk seine Tarnung vernachlässigt. Niemand würde dich vermissen.))
„Meine Familie würde mich vermissen, meine Freunde!“

Rief ich zutiefst entsetzt von Issrins Worten, doch ich empfing nichts von ihr außer noch viel mehr Ärger drapiert um ein winziges, kaum merkliches Körnchen Mitleid während sie mit samtig weicher Stimme, als rede sie mit einem geistig degenerierten Kleinkind wiederholte:
((Ja, wie ich sagte: N i e m a n d  würde dich vermissen. Jetzt hör auf zu sprechen oder ich übernehme wieder die Kontrolle.))
((Warum tust du das?))
Fragte ich trotzdem weiter, während ich durch den Park schlenderte, diesmal allerdings in Gedankensprache.
((Warum gibst du mir die Kontrolle über meinen Körper zurück?))
((Warum nicht? Du bist freiwillig. Freiwilligen von Zeit zu Zeit die Kontrolle zu überlassen ist Standard und verletzt keines unserer Protokolle, insofern die Wirte vertrauenswürdig genug sind, dieses Privileg zu verdienen.  Du hast deine Lektion gelernt und ich denke wir B e i d e würden es vorziehen, so etwas wie das letzte Mal nicht zu wiederholen.))
Das letzte Mal...
Ich wusste genau, was sie meinte.

Erinnerungsfetzen tauchten vor meinem inneren Auge auf:
Das Behandlungszimmer...
Der Geruch von Blut...

Wie ich danach ewig nicht mit ihr gesprochen hatte.
Tagelang nicht.
Kurz schauderte ich mental.

((Gut. Ich sehe, wir sind uns einig. Abgesehen davon bist du mein Eigentum. Ich kann so lange ich hier bin mit dir machen, was ich will. Keinen Yirk in diesem Universum interessiert es, was ein Anderer seinem Wirt gestattet, solange er dem Imperium gegenüber loyal ist.))
Issrins  Gedankenstimme klang kühl, fast lässig  und sie schaffte es dabei sogar diesen kalten und böse hin gespuckten Satz vollkommen ungerührt klingen zu lassen.
So als wäre es eine unumstößliche Tatsache, dass ich ihr gehörte und das Normalste auf der Welt.
((Ich verstehe.))

Automatisiert schob ich diese widerlichen Erinnerungen von mir weg und spürte, nach dem ich mich wieder gefasst hätte, wie sich ohne dass ich es wollte, ein Lächeln auf meine Lippen stahl, als der Groschen fiel.

Natürlich wusste ich, dass es gefährlich für mich war in diesem Ton direkt an sie gerichtet "weiterzureden", ich hatte ihn den letzten Monaten eigentlich genug erlebt, um zu wissen, wann es besser war den Mund zu halten, aber ich konnte irgendwie einfach nicht aufhören.
((Dann ist das also nur deine Belohnung für mich, weil du dank mir braven Sklaven schneller befördert worden bist. Deine Eltern werden begeistert sein... Haben Yirks überhaupt Eltern?))
((Natürlich. Allerdings hat sich unsere Art der Reproduktion anders entwickelt als eure. Unsere Erzeuger existieren nach der Geburt der Nachkommen nicht mehr.))
((Moment mal, du meinst sie s t e r b e n ?! Ihr lernt eure Eltern nie kennen))
((Ja))
((Aha.))
Sagte ich nur und versuchte mein Entsetzen über Issrins Worte weit von mir wegzuschieben.
((Ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeiner von euch so etwas freiwillig tut))
Schlagartig wurde Issrins Verwirrung über die Wahl des Gesprächsthemas zu Wut.
((Selbstverständlich kannst du das nicht. Du bist ein M e n s c h. Ein gruppenbildendes, egozentrisches Säugetier. Für d i c h  ist es normal so zu denken.))
((W a s ?))
Trotz allem musste ich plötzlich lachen.
((Das hat doch nichts damit zu tun, dass ich ein Mensch oder irgendein S ä u g e t i e r  bin! Kein intelligentes Wesen will sterben, schon gar nicht für Nachkommen, die es nie kennenlernen wird. D u auch nicht. Das kannst du mir nicht erzählen.))
Doch Issrin sagte nichts mehr.
Anscheinend hatte ich ein empfindliches Thema erwischt, denn sie war jetzt neben ziemlich verärgert auch noch beleidigt.
((Ich habe dich gewarnt meine Geduld nicht zu strapazieren, Mensch.))
Fauchte sie anstatt einer Antwort nur und übernahm zu guter Letzt auch noch ohne jedes weitere Wort wieder die Kontrolle, um mit meinem Körper nach Hause zu gehen.

Dass es allerdings nicht nur die yirkanische Version von Bienen und Blümchen gewesen war was Issrin zu schaffen machte, sollte ich erst etwas später am Abend erfahren. Genauer gesagt in der darauffolgenden Nacht; denn ich wachte auf und stellte überrascht fest, dass mein ganzer Körper von Krämpfen geschüttelt wurde. Sofort dachte ich  panisch an Issrin, doch sie antwortete nicht.
Stattdessen nahm ich ihre Emotionen wahr. Ich spürte wie elend und schwach sie sich fühlte und ihre ganze beklemmende Furcht die sich bald in Todesangst verwandelte und schon nach Kurzem hatte ich keine Zweifel mehr: Die Yirk in meinem Kopf war offensichtlich durch irgendetwas ziemlich mitgenommen. So schlimm, dass sie vielleicht sogar daran sterben würde.

Das machte es  natürlich auch für mich nicht einfacher ruhig zu bleiben, besonders weil ich wusste, dass das Leben meiner Familie und auch mein eigenes nicht mehr viel wert waren, wenn ihr irgendetwas zustieß und sie nicht zum erwarteten Zeitpunkt am Yirkpool auftauchte.

Meine Mutter, meine kleine Schwester  und ich würden entweder unauffällig bei einem arrangierten Unfall getötet werden, oder zu Controllern gemacht, denn das Imperium konnte es sich nicht leisten, dass auch nur einer von uns herumlief und erzählte was er wusste.
Auch dass wir nichts weiter als normale Durchschnittsbürger  waren, denen sowieso niemand glauben würde spielte keine Rolle.
Es gab kein Entrinnen.

Issrin hatte es mir ganz am Anfang oft genug erklärt.
((Ja …))
Sagte sie jetzt auch endlich. Ihre inzwischen nur zu vertraute Stimme "klang " ungewohnt schwach fast leise.
(( …Sie werden euch… umbringen wenn ich sterbe .Du… wirst also… keine Freude an deiner kurzen Freiheit haben…hilf mir Mensch....))
Wie bitte?, ihr helfen ?!,
Dachte ich verwirrt und versuchte verzweifelt meinen zitternden Körper ruhig zu stellen, doch obwohl eindeutig ich die Kontrolle hatte, funktionierte es nicht .

Ich konnte einfach nicht aufhören. Meine Arme und Beine fühlten sich steif an und meine Zähne schlugen heftig klappernd aufeinander als hätte ich einen starken Schüttelfrost.
Wie bitte soll ich Irgendjemandem helfen in diesem Zustand und abgesehen davon weiß ich ja noch nicht einmal was mit der Yirk los ist!
((Issrin! Hast du dich schon einmal so gefühlt wie jetzt? B i t t e rede mit mir!))
((V o o r – H a r ...))
Antwortete Issrin schleppend auf meine Gedanken.
((Wie bitte?)), fragte ich.
((V o o r- H a r ?, Hört sich irgendwie an wie eine Krankheit.))
(( Das ist es...Eine Infektion. Es... verläuft tödlich ohne…Behandlung))
((Na dann los!. Mach, dass ich zu zittern aufhöre und geh' zu deinen Leuten. Die werden dich sicher behandeln! ))  Gab ich drängend zurück .
((Nein! Visser Neunundzwanzig ist...es...in ... deinem Land, aber...Visser Drei... ist... Anführer der Erdinvasion... V o o r H a r ist.. ausgerottet... Man wird... es ihm melden... Visser Drei… lässt seine eigenen Leute... verhungern... Er wird... mich nicht retten!...Ich habe...gegen das Protokoll gehandelt... Deine Familie verschont... Du schuldest...mir etwas!))

Was? Er würde sie nicht retten? Leute verhungern lassen?...
Das was Issrin mir erzählte, ergab für mich absolut keinen Sinn.
Dass ich ihr etwas "schuldig war stimmte zwar irgendwo, aber sie hatte trotzdem auch genug schlimme Dinge getan, um genau das hier zu verdienen...

(( Ja aber nicht nur ich... werde sterben …Wirte sind…Überträger. Kein infizierter Wirt wird... neu zugeteilt. Du weißt.... was passiert, wenn... du zulässt...dass ich sterbe.))
((Ok, aber auch w e n n ich dir helfen wollen w ü r d e , w a s zur Hölle soll ich denn machen?!, ich zittere wie eine Verrückte und kann mich nicht bewegen und auch w e n n das aufhört,  zu den Yirks kann ich dich ja nicht bringen und...- ))
((Bring mich zu Yaheen Zwei-Zwei-Vier .... J u l i a N a v r á t i l o v á . Du weißt w o…T u es Mensch . Ich  komme jetzt. Kann... nicht mehr... Hilfe… ))

Issrins letztes Wort ging in ein gequältes mentales Ächzen über und ich hatte das Gefühl, sie würde es nicht mehr lange durchhalten mit mir zu sprechen.
((Halt !, was heißt das, du k o m m s t jetzt ?))
Fragte ich sie panisch und voll böser Ahnungen .
((Meinst du damit etwa  aus mir r a u s ?!. Ja und was soll ich dann machen?.Wie soll ich meiner Mutter erklären was du bist und wohin ich gehe?.Bitte s a g' mir dass ich mich irre!)) Doch ich bekam keine Antwort mehr.
Stattdessen fühlte ich diesen inzwischen nur zu bekannten fiesen Druck im Ohr, den ich auch immer spürte wenn Issrin sich dazu bereitmachte eine Runde im Yirkpool zu schwimmen. Nur dass hier kein Yirkpool war sondern mein Bett!.

Entsetzt griff ich an mein Ohr und stellte fest dass ein Fitzelchen nasses glitschig-warmes Fleisch bereits herausglitt. Schnell hielt ich mir selbst den Mund zu, um nicht zu schreien und musste mich gleichzeitig fast übergeben, als noch der Rest von Issrins Leib aus meinem Ohr flutschte, eine warme Schleimspur quer über meinem Gesicht hinterließ und anschließend mit einem leisen Rascheln auf meinen Kopfpolster plumpste.

Das Zittern hatte augenblicklich aufgehört sowie sie ganz aus mir raus war, doch das war mir in diesem Moment schlagartig egal.  Hastig und mit nervösen Fingern tastete ich eine gefühlte Ewigkeit nach dem Knopf an meiner Nachttischlampe.
Irgendwie hatte ich nämlich die kindische Hoffnung es würde alles sofort besser werden, wenn ich erst Licht aufdrehte, doch  so war es  nicht.

Ganz und gar nicht denn das erste was ich sah, war Issrin in ihrer natürlichen Gestalt und das war kein schöner Anblick.

Ich meine sicher, ich hatte schon öfters Yirks im Yirkpool gesehen, oder wenn sie ihre Wirte verließen, um zu schwimmen, aber immer nur sehr kurz, oder meinen eigenen Yirk aus den Augenwinkeln und nie von Nahem. Jetzt war das anders:
 

Da auf meinem Polster lag etwas, das auf den ersten Blick an eine dicke  Nacktschnecke, oder vielleicht auch an einen Blutegel erinnerte. Es war cirka fünfzehn Zentimeter lang.
Nichts weiter als ein Klumpen wabbliges, graugrünes  Fleisch überzogen mit einer dicken Schicht widerlichen, leicht gelblichen Schleim, der bereits etwas auszutrocknen begann.
Und glaubt mir, ich bin eigentlich überhaupt nicht zimperlich, sondern sogar eher eins von den Mädchen, die auch mit Blut, oder Spinnen oder Krabbelzeug absolut keine Probleme haben, aber trotzdem konnte ich in diesem Moment irgendwie nicht verhindern, dass sich mein Magen schmerzhaft zusammen krampfte. Der Gedanke, dass dieses Ding gerade noch in meinem Kopf gewesen war, machte mich ganz krank.

Ich fühlte die Körperflüssigkeiten dieses Wesens buchstäblich in meinem Schädel brennen, in meinem Ohr , auf meinem Gesicht!

Gleichzeitig stieg eine heiße Blase meinen Hals empor und ich lief, ohne länger darüber nachzudenken, aus meinem Zimmer. Die Tür warf ich einfach hinter mir zu und verbarrikadierte mich stattdessen im Bad.
Dort übergab ich mich erst mal und wusch mich anschließend wie eine eine Besessene.
Der Schleim ließ sich mit Seife leicht entfernen, doch auch als nichts mehr davon zu sehen war, hatte ich immer noch das Gefühl es an mir zu spüren. In mir...

Grünbraune Augen, ein schmales, etwas langweiliges blasses Gesicht, Sommersprossen und dichte dunkelbraune Locken mit einem deutlichen Rotstich, die mir bis über die Schulter reichten.
Ich.
Eine halbe Ewigkeit starrte ich einfach nur in den Spiegel, weil ich es konnte.


Einmal hatte ich schon etwas Ähnliches erlebt.
War hier gewesen in meinem Zuhause, ohne einen Yirk in meinem Kopf.
Damals hatten "sie" ganz genau gewusst, was los war, wo ich war.
Flucht war keine Option gewesen, aber dieses Mal...

Mit zitternden Händen  umklammerte ich den Rand des Waschbeckens und spielte einen kurzen, schrecklichen Moment mit dem Gedanken, Issrin in meinem Zimmer einfach ihrem Schicksal zu überlassen.
Immerhin hatte sie es wirklich verdient und abgesehen davon könnte ich mit ihr als Beweis an die Öffentlichkeit gehen und danach versuchen, mit meiner Familie unterzutauchen, oder in eine Art Zeugenschutzprogramm zu kommen.


Sicher gab es sowas auch in meinem Fall.

Der Plan war absolut lebendig in meinem Kopf!
Was mich schließlich davon abhielt, war das kleine Wörtchen wenn.
Was wenn alles schiefging?

Wenn der Erste, an den ich mich wandte, ebenfalls ein Feind in einem menschlichen Körper war?


Schließlich sieht man es den Leuten von außen nicht an, ob noch was Anderes in ihren Köpfen haust und genau das ist eben das größte Problem mit der Yirkhörigkeit: Sie wirken wie jeder andere Mensch auch. Sie können Jeder sein!


Aber das wisst ihr sicher schon und deshalb war mir genauso klar wie euch, dass wenn einer von Issrins Yirkkollegen herausfand, was ich wusste - dass ich alles wusste, eben weil ich ein entflohener Wirt war - alles vorbei gewesen wäre.

Ich wäre geliefert gewesen und meine Familie gleich mit dazu.


Abgesehen davon sah ich Issrin,egal wie sehr ich mich dagegen wehrte, trotz allem was sie mir angetan hatte, inzwischen auch als intelligentes, empfindungsfähiges Wesen und glaubte sie inzwischen sogar zumindest ein bisschen zu kennen .

Ich hatte grade noch ihre Todesangst gespürt, wie schlecht es ihr ging und auch, dass sie fest darauf vertraute, dass ich ihr helfen würde.
Gerade hatte sie sich mir sogar vollkommen ausgeliefert.

Sie hatte Konsequenzen und die Anschuldigung ein Sympathisant zu sein mehr als einmal riskiert, indem sie die Infestation meiner nächsten Angehörigen, wenn auch nicht verweigert, zumindest doch auf unbestimmte Zeit hinausgezögert hatte.
Ohne es zu wollen, dachte ich plötzlich an unsere Gespräche.
An ihre Vorliebe für die einen oder anderen menschlichen Dinge.
An ihre fast kindliche Freude an meinen Büchern, oder Ems Videospielen.

Daran, wie Issrin Sub-Visser Zweihundertdreiundsechzig widersprochen hatte und auch Carlan und Yaplin, nur um meine Familie zu beschützen...

Sicher versteht das niemand von euch, aber zu meinen ganzen anderen Zweifeln kam je länger ich im Bad stand und mein Spiegelbild anstarrte, auch noch diese kleine wispernde Stimme die sagte: Bist du denn auch nur einen Deut besser als die Yirks  wenn du Issrin jetzt einfach qualvoll sterben läßt?
Besonders die trockene Umgebung in der sie sich momentan befindet, muss die reinste Folter für sie sein! Sie wird vertrocknen und ersticken...Willst du ein empfindungsfähiges, intelligentes Wesen wirklich so sterben lassen?...


Als jemand der in einer kleinen Aquaristik tagtäglich mit Tieren arbeitete, von denen Manche zumindest äußerlich Issrin sehr ähnlich waren, konnte ich mir das recht lebhaft vorstellen und es war falsch!
Auch wenn ich davonkam und meine Famile retten konnte, wusste ich nicht, ob ich mit einem Mord leben wollte.
Ob ich es könnte.
Deshalb beschloss ich schließlich meinem Feind trotz allem zu helfen.

Ohne noch lange darüber nachzudenken flitzte ich also leise aus dem Bad, und tastete mich über die Treppe hinunter in unsere kleine Küche.
Dort suchte ich in dem durch den Vollmond erhellten Raum, der durch die Fenster herein schien und alles in dieses silbrig-blasse Licht tauchte nach einem möglichst großen Gefrierbeutel und einem Gummiband.

Den Beutel füllte ich zu einem Drittel mit lauwarmen Leitungswasser und tappte damit, sorgsam darauf achtend nichts zu verschütten, wieder  die Treppe hinauf.

Was das Wasser betraf folgte ich ehrlich gesagt eigentlich mehr einem Instinkt als tatsächlichem Wissen, denn Issrin hatte mir ja leider nicht mehr sagen können, wie ich sie zu diesem Yaheen transportieren sollte.
Ich wusste also nicht, ob ich das Richtige tat, aber besser als sie weiter austrocknen zu lassen war das Wasser bestimmt allemal.

Als ich endlich wieder in meinem Zimmer ankam, war der Körper der Yirk auch bereits ganz matt.
Die schützende Schleimschicht die ihre empfindliche Haut vor dem Austrocknen schützte, war beinahe vollkommen verschwunden.
Besonders deshalb weil sie - vermutlich in Panik- von meinem Polster herunter gekrochen war und sich dabei mehrere Male  überschlagen hatte.
Außerdem bewegte sie sich nicht mehr.


Auch als ich sie schließlich vorsichtig mit dem Finger antippte, lag sie weiterhin da wie tot und überall an ihrem kleinen schneckenartigen Körper klebten Fusseln .
Vielleicht war es bereits zu spät und ich hatte zu lange gewartet...


Hastig und mit gut angefeuchteten Händen griff ich nach dem Alien und hob es hoch.
Das war gar nicht so leicht, weil ihre  körpereigenen Sekrete wenn sie zu trocken zu wurden, kleberartige Eigenschaften annahmen, aber schließlich schaffte ich es doch Issrin vom Stoff meiner Bettdecke zu lösen, ohne sie zu verletzen.

Vorsichtig setzte ich ihren nach wie vor reglosen Körper ins Wasser und verschloss anschließend den Beutel mit etwas Luftvorrat ausgestattet mit dem Gummiband. Dann wartete ich.
Hoffte einfach auf irgendeine Regung doch vergebens.
Es war vorbei.
Zu spät.
Die Yirk war tot.
Was jetzt?

Sollte ich sofort meine Familie wecken und mit ihnen das Land verlassen?
Würden sie mir glauben?
Wo sollten wir hin?.
Würden wir überhaupt bis zum Flughafen kommen?
In welchen Winkel der Welt sollten wir fliehen?

Wo uns verstecken?.
Wo waren Issrins Artgenossen noch nicht ?.

Verzweifelt stellte ich den Sack mit dem leblos darin treibenden Alien auf meinen Schreibtisch und lehnte ihn gegen mein kleines Aquarium, das direkt daneben auf seinen Unterschrank stand, während ich mich nach wie vor zittrig in meinen Schreibtischsessel fallen ließ.


Ein paar meiner Guppys waren durch das schummrige Licht ebenfalls munter geworden und inspizierten mit ihren kleinen Fischmäulern neugierig gegen das Glas pickend die farbigen Aufdrucke auf der Plastiktüte...

Ich fühlte mich schäbig und mies.
Sicher, Issrin und ich waren keine Freunde gewesen, ganz sicher nicht, aber ich wollte einfach keine Mörderin sein.
Auch dann nicht, wenn der Getötete sein Ende mehr als verdient hatte.


Mit Tränen in den Augen starrte ich auf meine Hände die ebenfalls mit ihrem trockenen, klebrigen Schleim überzogen waren und versuchte schließlich sie an meinem Nachthemd abzuwischen doch es ging nicht wirklich ab.

Tief in Gedanken versunken und wie betäubt vor Schock dass die Yirk gestorben war, jetzt wo ich eigentlich beschlossen hatte genau das zu verhindern, saß ich also am Rand meines Bettes und  nahm nur aus den Augenwinkeln die sachte Bewegung im inneren des Beutels wahr.
Erst hielt ich es ja für eine Täuschung doch als ich endlich richtig hin sah, bemerkte ich, dass Isssrin sich langsam aber doch wieder zu regen begann.
Sie war doch nicht tot!

Gottseidank!.
Schnell sprang ich auf und schnappte mir den Beutel so hastig, dass die Yirk in seinem Inneren erst mal ordentlich durchgerüttelt wurde.
Auch als ich die Treppe hinunter lief, ging es ihr nicht viel besser, da ich mich erst als ich mein Rad eilig aus der Garage holte weit genug beruhigt hatte, um mich zusammenzureißen.

Doch erst als ich wie eine Irre unsere Einfahrt hinunter radelte, wurde mir wirklich klar, dass ich gar nicht wusste wo ich eigentlich hin musste.
Du weißt wo.
Das hatte Issrin gesagt, aber die Wahrheit war dass ich gar nichts wusste!


Yaheen...

Der Name kam mir zwar irgendwie bekannt vor, denn es war ein Yirk den ich gut kannte oder besser gesagt Issrin kannte ihn. Irgendwo in meinem Hinterkopf war auch ein Bild dazu.
Eine vage Erinnerung an meinen achtzehnten Geburtstag.

An Issrins Auftrag, eine Nachricht zu überbringen und wie ich das erste Mal die Erde vom Weltraum aus gesehen hatte...

Mein Körper hatte an diesem Tag in einer schwarzorgangen Uniform gesteckt, aber Issrin hatte mir diese Uniform natürlich nicht zuhause angezogen...

Ich hatte von dem Allen insgesamt nur wenig mitbekommen. War erschöpft gewesen, öfters mental eingenickt und noch gar nicht richtig wach, weil es noch sehr früh am Morgen gewesen war, aber da war auf jeden Fall ein großes Haus gewesen.
Ein Hochhaus und in einer der Wohnungen dort hatte Issrin mich umgezogen!


Es gab eine Seitenstraße kurz bevor man den Stadtpark erreichte. Ich sah Issrin mit meinem Körper die Straße entlanggehen und an ihrem Ende rechts abbiegen.
Bingo!


„Ich hab´s!“ Rief ich über mich selbst erstaunt und legte eine Hand schützend auf Issrins Beutel im Radkorb vor mir während ich noch kräftiger in die Pedale trat.

Erst als das Hochhaus aus meiner Erinnerung sichtbar wurde, machte ich langsamer.

Kurz vor dem Ziel schob ich nur noch und als ich mein Rad endlich im Radständer vor dem Haus geparkt hatte und vor der ziemlich massiv wirkenden Eingangstür stand, wo ich nach ewigem Suchen unter all den Klingelschildern endlich den Namen Julia Navrátilová gefunden hatte, wagte ich lange Zeit nicht, tatsächlich zu drücken und starrte stattdessen das rostige Gitter der Gegensprechanlage an als läge darin irgendwo das Zentrum der Welt.

Immerhin wusste ich ja auch nicht was mich erwartete.

Die meisten Yirks waren es bestimmt nicht gewohnt, dass plötzlich freie Wirte ihnen mitten in der Nacht einen an Voor-Har erkrankten Artgenossen in einer Plastiktüte vorbeibrachten.
Doch Überlegungen hin oder her, Issrins Wasser kühlte immer mehr aus und ich wusste nicht, was mit ihr geschehen würde wenn es vielleicht zu kalt wurde.
Dieser Yaheen war ihre – unsere - einzige Chance.

Deshalb drückte ich Irgendwann nach einer halben Ewigkeit schließlich doch.
Einige Minuten später als sich niemand meldete noch einmal etwas energischer.
“Ja? Wer ist da?“
Sagte plötzlich eine verschlafene und nicht gerade freundliche Frauenstimme wenige Sekunden später .
“ Hallo…" Antwortete ich leise. „Ich…ich komme wegen Issrin."

Eigentlich hatte ich  das Gefühl keinen Ton herauszubringen und irgendwie nur zu flüstern, aber die Person am anderen Ende hörte mich trotzdem .
„Issrin-Ya-Terash?, tamel voi ne?“Gab sie in einer seltsamen Sprache zurück und es klang wie eine Frage.
„Tut mir leid, ich…ich verstehe Sie nicht. Könnten Sie bitte trotzdem die Tür aufmachen? Issrin hat mich hergeschickt….Sie ist…Sie ist wirklich sehr krank und sie wird vielleicht sogar sterben.“
Erst nur Schweigen. Dann endlich wieder ein Knacken in den Lautsprechern der Gegensprechanlage und ein lauter Summerton der anzeigte, dass die Haustür nun geöffnet war.
„Achter Stock . Nimm den Fahrstuhl.“ Sagte die Stimme wieder.
Ich nickte nur automatisch obwohl ich wusste, dass Yaheen es nicht sehen konnte und betrat das Haus.

Drinnen war es muffig und still.

 

Meine Schritte hallten auf dem Weg zum Aufzug unnatürlich laut durch das leere, dunkle Treppenhaus. Ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen aber wagte es auch nicht Licht zu machen da aus den Wohnungen rundherum hie und da menschliche Geräusche zu mir durchdrangen.

In meiner Vorstellung konnte ich sie sehen: Menschen die gemeinsam zu Abend aßen, Familien, die miteinander lachten und alte Leute, die vor ihren viel zu laut aufgedrehten Fernsehern hockten.

 

Ein fremdes, merkwürdiges Mädchen dass nur mit Nachthemd, dünner Zip-Jacke, Jogginghosen und Sneakers bekleidet eine noch viel merkwürdigere Tüte vor sich hertragend durch ihr Wohnhaus schlich würde ihnen bestimmt verdächtig vorkommen und Aufmerksamkeit erregen war wirklich das Letzte was ich wollte .

Die Kabine war leer und getaucht in fahles flackerndes Licht als die Tür des Aufzuges endlich rumpelnd aufging.

Trotzdem wickelte ich Issrins Plastikbeutel vorsichtshalber in meine Jacke, denn der Weg in den achten Stock war lang und ich wollte nicht riskieren, dass irgendeiner von Yaheens Nachbarn der spätabends den Fahrstuhl noch benutzte, einen Yirk  in seiner natürlichen Gestalt sah.


Überhaupt war ich nach wie vor sehr nervös und es wurde nicht besser, als ich endlich im achten aus dem Aufzug  stieg.

Wenigstens musste ich dank Issrins Yirkkollegen die Wohnung nicht lange im Dunkeln suchen, denn die zweite Tür auf der linken Seite des langen engen Flurs der vor mir lag, war nur leicht angelehnt und ein schmaler Lichtkranz drang zu mir hinaus ins Dunkel.

Drinnen war es jedoch merkwürdig still und auch als ich mich erst leise bemerkbar machte und anschließend eintrat meldete sich niemand.
„Hallo?“ Fragte ich dennoch unsicher nach dem ich die Tür leise hinter mir geschlossen hatte.


Ich stand  nun in einer winzigen Garderobe.

Rechts und links neben mir war jeweils eine geschlossene Tür – vermutlich Bade- und Schlafzimmer - und vor mir  lag eine gemütliche kleine Wohnküche.
Alles war in angenehmen gelb, beige- und Rottönen gehalten.


Am Kühlschrank der modernen Einbauküche hingen ein Kalender und eine Einkaufsliste. Bilder schmückten die Wände. Auf einem schmalen Kasten an der Wand thronte ein keiner Fernseher.
Teppich, Sofa, Couchtisch…
Es war so sauber und gemütlich.

So erschreckend normal, fast wie ein Bild aus einem Möbelkatalog.
Kaum zu glauben dass hier ein parasitärer Außerirdischer lebte der vorhatte, die gesamte Menschheit zu versklaven.

Gerade wollte ich zum Sofa hinüber gehen und Issrins Beutel auf dem davor stehenden, niedrigen Couchtisch abstellen, weil meine Hände die sich vor Aufregung bereits krampfhaft daran klammerten langsam taub wurden, als ich plötzlich einen kalten, metallischen Gegenstand in meinem Rücken spürte.
„Halt den Mund!" zischte eine Stimme hinter mir und ich fühlte warmen Atem ganz nahe an meinem Ohr.
„Keinen Laut, oder ich werde dich vernichten!“


Yaheen! dachte ich stumm und ich wusste auch was das für ein Gegenstand war der sich da schmerzhaft zwischen meine Rippen bohrte: Ein Draconstrahler.

„Bitte…ich bin wegen Issrin hier, versuchte ich trotz der Gefahr zu erklären „Sie ist…-"
„Still sage ich!“
Yaheen gab mir einen unbarmherzigen Stoß, dass ich stolperte.
„Setz dich!. "

Langsam, ganz langsam und am Boden kniend wandte ich mich um und sah vor mir eine hochgewachsene  junge Frau mit glatten dunkelbraunen Haaren die ihr bis zu den Schultern reichten .
Ihre Haut hatte eine leichte Bräune und sie war schlank.
Allerdings meine ich mit schlank nicht so dürr, schlaksig und flachbrüstig wie ich .
Sie war viel mehr athletisch mit schönen Kurven.

Ihre großen dunkelbraunen Augen musterten mich kalt und die vollen Lippen waren nichts weiter als ein schmaler Strich als sie immer noch mit dem Draconstrahler auf mich zielend zischte  „Ich habe gesagt setz dich, Mensch. Hast du keine Manieren?. “

Yaheens Blick wanderte weiter und sah endlich auch den Beutel mit ihrem Artgenossen in seinem Inneren.

Er war mir mit samt meiner Jacke darüber aus den Händen gerutscht als ich hingefallen war.

Sofort nahm sie ihn an sich und betrachtete die stark geschwächte und sich mittlerweile kaum mehr bewegende Issrin während ich auf der Couch Platz nahm.
“Was ist geschehen?“ Fragte  Yaheen sich selbst nicht mich, denn sie sah mich dabei nicht einmal an.

Ich antwortete ihr trotzdem .
Erzählte von Issrins Verdacht an Voor-Har zu leiden, von dem Zitteranfall und wie sie schließlich unter Schmerzen meinen Körper verlassen und ich sie anschließend auf ihre Bitte hin hier her gebracht hatte.

 

Ich fügte auch hinzu dass ich es getan hatte weil ich wusste, was mit mir geschehen würde, wenn ich sie sterben ließ und auch weil ich es nicht mit meinem Gewissen hätte vereinbaren können, sie einfach im Stich zu lassen.
Nur dass ich die Yirk davor eine gute Viertelstunde in meinem Bett liegen gelassen hatte, um darüber nachzudenken, ließ ich klugerweise aus.

Voor-Har... Filshig ya seerow-veehal!" murmelte  Yaheen nur und für ein paar Sekunden war das alles was sie sagte.
Dabei starrte sie an mir vorbei ins Leere und ich hatte schon Angst, sie würde gar nichts weiter mehr tun, als sie plötzlich fortfuhr:

„Es war richtig das zu tun. Alles war richtig. Jetzt muss Issrin behandelt werden, möglichst bald und auch der infizierte Wirtskörper. Du . Aber Voor-Har ist selten... Ich habe ich kein Serum hier. Es unauthorisiert zu besorgen ist kompliziert.“

Ihre Stimme klang dabei merkwürdig ungelenk. Wahrscheinlich weil sie es nicht gewohnt war, als Yirk mit normalen Menschen zu sprechen. Allerdings hörte sie während sie sprach auch endlich auf,mit dem Draconstrahler auf mich zu zielen und steckte die Waffe stattdessen in die Tasche des grauen Morgenmantels, den sie ihrem Wirtskörper in aller Eile übergestreift hatte. Darunter trug sie einen blauen Satinpyjama und ihre nackten Füße steckten in flauschig weißen Pantoffeln.
Das fiel mir erst jetzt auf wo sich meine Anspannung allmählich legte und ich musste unwillkürlich schmunzeln.

Yaheen bemerkte es nicht, weil sie mir inzwischen den Rücken zugedreht hatte und an der Küchenzeile stand. Der Beutel mit Issrin lag neben ihr auf der Anrichte, während die frisches Wasser in eine weiße, viereckige Plastikform laufen ließ in die sie die Yirk schließlich auch setzte.

„Wie lange ist Issrin schon ohne Kandrona?" Fragte sie mich als sie fertig war.


Die Gummihandschuhe die sie während der ganzen Aktion getragen hatte, hatte sie sowie Issrin versorgt war, sofort ausgezogen und wie auch den Beutel mit spitzen Fingern im Müll entsorgt, um sich danach eine halbe Ewigkeit und mit viel Seife ihre Hände zu waschen.

Mit Voor-Har verstanden die Yirks also anscheinend wirklich absolut keinen Spaß.

„Kandrona?" fragte ich verwirrt. „Leider weiß ich nicht was das ist . "
„Ya kannronoor nan-makdshara!."

Yaheen seufzte kurz bevor sie in meiner Sprache fortfuhr „Der Yirkpool Mensch! Wann hat Issrin Neun-Acht-Fünf zuletzt den Yirkpool aufgesucht?“
„Heute. ...Heute Nachmittag." Antwortete ich.
"Gut. Dann ist noch Zeit. Wenn es mir gelingt, das Medikament zu besorgen habe ich es morgen."
„Okay," hastig stand ich auf. " Und wenn Sie es nicht schaffen?, ich weiß ich sollte das wahrscheinlich nicht fragen aber…-“
„Ja das solltest du nicht.“ unterbrach Yaheen mich ernst.


Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen  und ihre Stimme war bedrohlich leise während sie fortfuhr:
„Keine Zeit für Erklärungen. Geh nachhause und komm wieder. Morgen, sechzehn Uhr. Keine Minute später. Wenn es mir gelingt unentdeckt zu bleiben, erwarte ich dich hier. Verzögerungen werde ich nicht tolerieren und solltest du auf die Idee kommen an Flucht zu denken, werde ich dich suchen. Ich werde dich finden und für deinen Verrat sehr langsam töten."

 

Autorennotiz

A/N I : (( ...)) Steht für Gedankensprache (Telepathie) aber auch für "innere Gespräche" zwischen Lou/Issrin.
A/N II: Update immer Samstags.

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Kapitel: 5
Sätze: 576
Wörter: 12.204
Zeichen: 70.938

Kurzbeschreibung

Als Lou den Yirks in die Hände fällt, ahnt sie nichts von einer heimlichen Invasion, oder von der Ankunft parasitärer Aliens auf der Erde, die vorhaben, die gesamte Menschheit zu versklaven. Als Issrin ʏel-Taʏetai-ʏae - YaTerash nach Nan versetzt wird, erhofft sie sich ihre baldige Initation die sie zu einem vollewertigen Soldaten machen wird und eine Gelegenheit, um mit ʏaemari zu beginnen. Keiner von Beiden rechnet damit, sich plötzlich konfrontiert zu sehen mit allmächtigen Entitäten, weitreichenden Entscheidungen, Verrat und den Intrigen der Oberbefehlshaber des yirkanischen Imperiums...

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Science Fiction, Fantasy und Fanon getaggt.

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