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Auch in kleinen Pfützen spiegelt sich der Himmel

16
16.3.2018 20:19
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

Kapitel 1 - Verrat

Tränen sammelten sich in ihren Augen.
„Kenichi,“ schluchzte sie und starrte auf den leblosen Körper ohne Kopf.
Vor wenigen Sekunden war noch alles okay gewesen.
Shiho, Kenichi und sie waren vor wenigen Stunden aufgebrochen, um ihre Mission zu erfüllen. Außerhalb von Konoha sollte sich eine Räuberbande aufhalten, die Reisende angriffen.
Geräuschlos war die Falle hinabgesaust und hatte Kenichi einfach enthauptet. Wohin sein Kopf gerollt war, wusste sie nicht, dennoch wurde ihr schlecht.
Drei Shinobi sprangen direkt vor sie und Shiho, der längst einen Kunai gezückt hatte. Obwohl seine Miene ausdruckslos war, konnte sie den Schmerz in seinen Augen mehr als deutlich sehen.
„Ist sie das?“ Die dunkle Stimme des Mannes mit der Rabenmaske bereitete Akiko eine Gänsehaut. Seine anderen zwei Partner mit den Tigermasken nickten synchron und stürmten dann urplötzlich auf sie zu.
Der eine zog ein Katana und schlug zu, doch sie sprang in die Luft und landete auf einem Ast. Dann hörte sie den Schrei von Shiho. Sein Arm flog einige Meter nach oben und Blut spritzte aus der Arterie hinaus, besudelte den Boden.
„SHIHO!“ schrie Akiko und sprang hinab, wobei sie den Faustschlag des Gegners auswich. Sie landete direkt neben ihrem Kameraden, der auf die Knie fiel und gequält keuchte. Panisch sah sie sich um.
Sie war keine Kämpferin. Sie war eine Iryonin und im Kampf weniger erfahren, außerdem waren das Anbus. „Lauf.“ Das Flüstern von Shiho trieb ihr noch mehr Tränen in die Augen, doch sie schüttelte den Kopf.
Ein Kunai zischte auf sie zu und bohrte sich in ihre Schulter. Akiko schrie auf und taumelte zur Seite, als urplötzlich der Mann mit der Rabenmaske auf sie zu rannte, das Schwert nach vorne gerichtet.
Sie konnte sich nicht bewegen und sie fragte sich, was hier los war. Wieso wurden sie nur wenige Meilen von Konoha angegriffen? Es herrschte doch Frieden zwischen den Ländern.
„Weg da!“ brüllte Shiho, stand auf einmal hinter ihr und riss sie zur Seite.
Sie landete hart auf dem Boden und sie spürte, wie sich viele kleine Makibishis in ihre Seite und den Rücken bohrten. Sie keuchte auf, spürte wie das Blut aus den Wunden floss. Ihr Blick glitt eilig zu Shiho. Das Schwert hatte sich durch seinen Bauch gebohrt und kam beim Rücken wieder raus. Blut tropfte auf den Boden, bis es zu einem richtigen Schwall wurde. Er sah zu ihr.
Der Schock ließ sie nicht weinen.
„Lauf!“ formte er mit den Lippen und hastig stand Akiko auf. Sie sah noch, wie er den Arm des Mannes packte und ihn nicht los ließ.
Sie rannte los.
Die anderen Anbus hinter ihr.
Immer wieder fielen einige Makibishis aus ihren Wunden heraus.
Tränen rannen ihre Wangen hinunter. „Kenichi. Shiho,“ flüsterte sie und stürmte dann direkt in den Wald hinein. Dornenbüsche zerkratzten ihre Beine und das Laub knirschte unter ihr. Sie sprang auf den nächsten Baum, ihre Verfolger konnte sie im Moment noch nicht ausmachen. Ihre Augen huschten umher, um ein gutes Versteck zu finden und als sie noch weitere hunderte Meter hinter sich gebracht hatte, entdeckte sie einen Busch, der genug Sichtschutz bieten durfte. Sie musste nur schnell ihre Wunden heilen und dann...
Sie sah Shihos Frau vor sich. Erst vor wenigen Tagen hatte sie allen bekannt gegeben, dass sie schwanger war. Und Kenichi hatte erst vor kurzen seine lang verschollene Schwester gefunden. Wie lange hatte er nach ihr gesucht? Schon so lange, wie sie sich kannten.
Akiko rannen noch mehr Tränen die Wangen hinunter.
Ihren Freunden wurde einfach das Leben genommen und sie würde sich rächen, egal ob sie dabei umkommen würde oder nicht.
Blitzschnell sprang sie auf den Boden und rauschte in den Busch hinein.
Sie atmete schwer und stellte fest, dass sie mehr Blut verloren hatte, als erwartet. So schnell es möglich war zog sie die Makibishis aus ihrem Körper hinaus und fing an die kleinen Wunden zu heilen. Sie hatte noch nie jemanden getötet, obwohl sie schon seit zehn Jahren eine Kunoichi war. Sie hatte schon im frühen Alter ein hohes Talent für Medic-Nin-Künste gezeigt und hielt sich somit an diese Regeln.
Doch irgendwann war immer das erste Mal.
Gerade wollte sie die letzte Wunde heilen, da schossen mehrere Kunais durch den Busch und zerschnitten ihr Fleisch. Eins blieb in ihrer Schulter stecken und sie keuchte entsetzt auf.
„Komm raus, Kleine,“ knurrte der eine ANBU und sie hörte, die Schritte von drei Personen, dann wie der eine sein Katana aus der Scheide herauszog.
„Es ist ja sowieso ihre Schuld, dass die anderen sterben mussten.“ Zwar hatte der eine nur leise geredet, doch sie hatte es dennoch gehört.
Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie sollte daran schuld sein? Weshalb?
Akiko hörte, wie das Gebüsch raschelte und urplötzlich das Katana hindurch sauste. Sie schaffte es gerade noch so zur Seite zu springen, wodurch sich das Schwert in den Stamm des Busches bohrte.
Sie fuchtelte wild mit den Armen und hatte sich aus dem Gestrüpp befreit, als der nächste Kunai ihr entgegen flog. Sie schaffte es gerade noch den Kopf zur Seite zu neigen und dennoch durchschnitt das Wurfmesser den oberen Teil ihrer Ohrmuschel.
„Was wollt ihr von mir?“ zischte sie den Anbus entgegen und hielt sich die Hand auf das blutende Ohr, während sie einige Schritte zurück ging.
„Es ist unser Auftrag dich zu töten,“ war die einfache Antwort von dem Anführer mit der Rabenmaske, der sein Katana wieder aus dem Holz befreit hatte.
Akiko schluckte und eigentlich wusste sie schon, was für eine Antwort sie erwarten würde. „Wieso habt ihr dann meine Teamkameraden umgebracht?“ In der Zwischenzeit heilte sie ihr Ohr, doch die Anbus kamen langsam näher, als wollten sie mit ihr spielen.
„Sie waren mit dir unterwegs. Ein dummer Zufall.“ Es war genau die Antwort, die sie erwartet hatte und dennoch liefen ihr die Tränen die Wangen herunter, liefen beim Kinn zusammen und tropften auf den Boden. Ihr war schlecht und sie schluchzte unaufhaltsam.
Sie konnte und wollte es nicht begreifen. Kenichi und Shiho waren tot. Einfach nur, weil die beiden bei ihr gewesen waren. „Ihr seid krank,“ murmelte sie und ein seltsames Kribbeln durchfuhr ihren Körper. Ihr Blick richtete sich gen Boden und sie kniff die Augen zusammen, dennoch wollten die Tränen nicht versiegen. Mehrere Schauer jagten über ihren Rücken, sie ballte ihre Hände zu Fäusten. „Ihr seid absolut widerlich!“ zischte sie und richtete ihren eiskalten Blick auf den Anführer, der an der Spitze stand.
Erschrocken wich dieser einen Schritt zurück, als er in ihre Augen sah.
Urplötzlich wurde seine Haut blutrot, sein Augapfel verfärbte sich und anstatt Tränen rannen Blutstropfen aus diesen heraus. Die anderen zwei stolperten erschrocken zurück.
Der Anbu brach keuchend zusammen. Weiteres Blut trat aus seiner Nase und seinem Mund, seine Haut wurde noch dunkler.
Akiko machte einen Schritt nach vorne, die anderen zwei Gegner wichen einen zurück. Mit schnellen Schritten stand sie vor dem Anführer, der sich nicht mehr rührte und flach auf dem Bauch lag. Sie trat auf seinen Rücken und streckte jeweils einem Anbu die Hand entgegen. Auf ihr Gesicht legte sich ein böses Grinsen.
Vor ihren Augen sah sie einen weißen Nebelschleier, die Muskeln in ihren Fingern waren zum zerreißen gespannt. Ihre Gegner sahen sie an, doch als nichts passierte, schnappten sie sich einen Kunai, doch darauf hatte sie nur gewartet. Blitzschnell hatte sie ihre Hand zur Faust geballt.
Plötzlich röchelten die zwei Anbus nach Luft, bespuckten sie mit Blut, ehe sie einfach zusammensackten.
Akiko atmete schwer und als sie den einen Fuß von dem Anführer genommen hatte, taumelte sie los. Der weiße Nebel verschwand vor ihren Augen und auf einmal schmeckte sie Blut. Sie fiel auf die Knie und spuckte den Lebenssaft aus. Geschockt sah sie auf dieses, als auch noch welches aus ihrer Nase tropfte.
Ihr wurde schwindelig vor Augen. Sie warf einen Blick über ihre Schulter, sah zu den Anbus, die reglos auf dem Waldboden lagen. Die Blätter des Herbstwaldes rieselten herab, als ein warmer Wind aufkam.
Sie hatte zum ersten Mal jemanden getötet. Und trotz der Rache fühlte sie sich nicht gut.
Ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen und noch mehr Blut sammelte sich in ihrem Mund, das sie wieder ausspuckte. Shiho und Kenichi waren tot und daran würde keine Rache je etwas ändern.
Akiko kroch noch einige Meter über den Boden. Aus den vielen Schnitten der Kunais lief immer mehr Blut und langsam wurde ihr schwarz vor Augen. Sie spürte, wie ihr Chakra abgenommen hatte, es war kaum noch etwas übrig. Als sie kurz die Lider schloss und sie wieder öffnete, war wieder dieser weiße Schleier da und als sie den Kopf hob, entdeckte sie zwischen zwei großen Eichen eine Person.
Ihr Kopf sagte, dass sie rennen müsse, doch kurz darauf versagten ihre Beine und ihre Arme. Sie fiel mit dem Gesicht voran in den Dreck. Sie schaffte es noch ihren Kopf etwas zu heben und ihr Kinn auf das Laub zu legen. Sie sah die Ninja-Schuhe direkt vor sich, doch dann verwandelte sich die Welt in ein schwarzes Loch.

Akikos Gesicht verzog sich schmerzverzerrt, als sie langsam wieder zu Bewusstsein kam. Sie hörte das Knistern eines Feuers und als sie die Augenlider aufschlug, entdeckte sie eine Felsendecke, die im Licht der Feuers in ein dunkles Rot getaucht wurde. Es roch nach verbrennenden Nadelbäumen und Rauch, aber auch nach herbstlichen Regenwetter.
Ihre Glieder waren schwer und ihre Finger so taub, dass sie Probleme damit hatte, sie überhaupt zu bewegen. In ihrem Mund schmeckte sie Eisen und sie fragte sich, was passiert war. Sie erinnerte sich noch daran, wie sie am Stadttor gewartet hatte, ehe Shiho zu ihr gelaufen kam. Seine braunen Haare waren noch nass gewesen, sein Hemd falsch zugeknöpft und entschuldigend war er neben ihr zum Stehen gekommen. Wenig später war auch Kenichi eingetroffen, hatte es jedoch nicht für nötig gehalten, sich für die Verspätung zu entschuldigen. Er hatte sich einfach nur mit einem verschmitzten Grinsen das rote Pony aus dem Gesicht gestrichen und ihr zugezwinkert.
Sie hatte lächelnd den Kopf geschüttelt und zusammen waren sie los gegangen.
„Du bist wach.“ Die Stimme ließ Akiko zusammenzucken und erschrocken Luft holen. Weder gehörte diese Shiho, noch Kenichi.
Sie drehte den Kopf in die Richtung, in welcher sie annahm, dass die Person sich dort befinden würde. Es bereitete ihr Schmerzen nur ihren Nacken zu bewegen. Sie entdeckte eine Gestalt in einem Mantel, die auf einem Stein saß und den Kopf gesenkt hielt. Das Gesicht konnte sie nicht erkennen und der Schein der Flammen verlieh ihm etwas bedrohliches.
So hilflos hatte sie sich noch nie gefühlt. „Wo bin ich?“ fragte sie flüsternd. Ihre Kehle war staubtrocken und verlangte nach Wasser. Langsam konnte sie ihre Finger immer mehr bewegen und kurz danach ließ sie ihre Handgelenke kreisen.
„Ersteinmal in Sicherheit,“ sagte die Stimme und als er den Kopf hob, erstarrte sie. Eine orange Maske bedeckte sein Gesicht und aus dem einem Loch für sein Auge blickte sie etwas rotes an. Wenig später konnte sie es nur als Sharingan identifizieren.
Sie fragte sich, ob das ein schlechter Scherz war. Vielleicht war dies wieder so ein mieser Streich von Kenichi, doch sie glaubte kaum daran. Die einzig lebenden mit einem Sharingan waren Uchiha Itachi und Sasuke, sowie Hatake Kakashi. Also, wer saß da neben ihr und musterte sie so durchdringend?
„Wo sind meine Kameraden?“ Sie wollte Zeit schinden. Auch wenn er sagte, sie sei in Sicherheit, glaubte sie nicht daran. Und so langsam bekam sie wieder ein ordentliches Gefühl in ihren Körper und bevor er antwortete, schaffte sie es sich auf ihren Ellenbogen aufzurichten.
Er legte den Kopf schief, das Sharingan verschwand und nun konnte sie das Feuer sehen, welches sich in seinem schwarzen Auge spiegelte. „Oh, kannst du dich an nichts erinnern?“ kam seine Gegenfrage, diesmal klang seine Stimme jedoch verspielter und sie hörte sogar kurz ein leises Kichern.
„An was erinnern?“ murmelte sie vor sich her und als sie an sich herunter sah, riss sie die Augen vor Schock weit auf. Ihre Jonin-Weste war voller Blut und als sie darüber strich, stellte sie fest, dass es noch nicht allzu alt war. Es schmierte leicht zwischen ihren Fingern und langsam bahnten sich Tränen in ihre Augen. „Wir wurden angegriffen,“ flüsterte sie zu sich selbst, als die Erinnerung allmählich zurückkam.
„Das weiß Tobi auch schon,“ grummelte er gelangweilt und lehnte sich gegen die Gesteinswand und legte dann seinen rechten Fuß auf sein linkes Bein. Abschätzend sah er sie an.
Stumm rannen die Tränen ihre Wangen hinunter, sie setzte sich auf, obwohl ihr Rücken schrie, es sein zu lassen, zog ihre Beine an und vergrub ihr Gesicht in den Händen, die sie somit gegen ihre Knie drückte.
Akiko verstand die Welt nicht mehr.
Warum wollte man sie töten? Sie hatte nie etwas getan, hatte nie jemanden getötet.
„Wo sind die drei Anbus?“ Sie sah zu dem Fremden, der seinen Fuß wieder auf den Boden stellte, seine Ellenbogen auf den Oberschenkeln platzierte und sich nach vorne beugte.
„Tot.“
Sie hatte das Gefühl, als würde ihr Herz stehen bleiben. Alles in ihrem Inneren zog sich zusammen und sie hatte das Gefühl sich jeden Moment übergeben zu müssen.
Sie hörte, wie der Mann wieder das Wort ergreifen wollte, als sie plötzlich Schritte vernehmen konnte. Ihr Kopf schnellte zum Höhlenausgang, dem sie gegenüber saß und augenblicklich brach Panik in ihr aus.
„Es regnet,“ hörte sie das abfällige Knurren, als die dunkle Silhouette vor dem Eingang auftauchte. Sein blondes, langes Haar war komplett nass und tropfte. Er duckte sich etwas, um sich nicht den Kopf zu stoßen und als er sein Haupt hob und Akiko ihm in die Augen sehen konnte, erstarrte er.
„Tobi, wer ist das?“ fragte er verdutzt, bliebt noch halb im Regen stehen.
„Heute will aber auch jeder was von Tobi wissen,“ nörgelte er und verschränkte stur die Arme vor der Brust.
Akiko wich instinktiv ein Stück zurück, starrte den Fremden weiter an, dessen Gesicht etwas rot wurde.
„Verdammt Tobi! Wer ist das?“ keifte er los, marschierte auf den anderen zu und packte ihn am Kragen. „Bist du denn jetzt völlig bescheuert?“ Er pfefferte seinen Kameraden gegen die Wand, der nur ein leises „Au“ murmelte. „Was frag ich überhaupt. Natürlich bist du bescheuert,“ maulte der Blonde weiter herum und Akiko war sich sicher, dass er sich jeden Moment an ihr vergreifen würde.
Der Maskierte war teilweise von seinem Stein gefallen, richtete sich auf und klopfte sich den Dreck von seinem Mantel. Nun konnte Akiko auch erkennen, dass er genau dieselben roten Wolken darauf hatte, wie der andere. Also war ihre Vermutung richtig, dass sie Partner waren.
„Tobi hat gesehen, wie sie drei Anbus fertig gemacht hat,“ erklärte er und hob beschwichtigend die Hände vor die Brust.
Akiko schnappte nach Luft, starrte auf ihre Handflächen, drehte sie dann herum und entdeckte an ihren Fingerknöchel Blutspritzer. Sie hatte sie doch getötet. Ihr wurde schlecht.
Sie hatte schon so viele Tote gesehen, so viele Verletzte, Verstümmelte, doch noch nie hatte sie jemanden selbst getötet. Ihr wurde speiübel.
„Und? Das kann ich auch, hn,“ murrte der Blonde zurück und wollte zu einer weiteren Schimpftirade ansetzen, als Tobi weitersprach.
„Ohne sie zu berühren. Ohne eine Waffe.“
Akiko spürte, wie ihr Mittagessen hochkam. Sie sprang auf, taumelte kurz als sie sich umdrehte und erbrach sich. Sie stützte ihre Handflächen auf die Oberschenkel und spuckte. Von hinten konnte sie ein angewidertes „Iiih“ hören, doch das war ihr egal. Sie sah Kenichi vor sich. Seinen offenen Hals voller Blut. Shiho, der sie aus dem Weg geschubst hatte und das Schwert noch tiefer in sich hineinbohrte, damit sie einen Vorsprung bekam.
Wieder übergab sie sich.
Die blutrote Haut des Anbu, seine Augäpfel, dessen Adern alle geplatzt waren.
Die anderen Zwei, die ihr das Blut entgegen gespuckt hatten.
Akiko atmete tief ein. Sie zitterte und fühlte sich schwach. So ausgelaugt. Langsam drehte sie sich herum, wischte sich mit dem Ärmel über ihren Mund und trat einige Schritte nach vorne. Sie sah zu dem Blonden, der angewidert das Gesicht verzogen hatte und dennoch angestrengt aussah.
Tobi fing an zu lachen. „Ist Deidara-Senpai etwa auch schlecht?“ fragte er amüsiert nach, doch der Genannte schüttelte nur mit dem Kopf.
„Ich war nur ein paar Stunden weg,“ murrte er und trat noch weiter weg, bis er fast wieder aus der Höhle draußen war. „Und schon schaffst du uns einen Kotzbrocken an.“ Er drehte sich herum und starrte hinaus in den Regen.
Akiko erkannte, dass die Sonne schon langsam unterging. Sie war lange weg gewesen.
„Schaff sie aus dem Weg und dann gehen wir zurück, hn,“ befahl er, „eigentlich wollte ich hier übernachten, aber mir ist der Appetit darauf vergangen.“ An seiner Stimme konnte man hören, wie sehr seine Laune in den Keller gerutscht war.
Akiko sah ihn geschockt an. Er wollte was!? Panik keimte in ihrem Körper auf und ihr Herz fing an schneller zu pumpen. Unauffällig griff sie hinter ihren Rücken, immerhin befand sich dort, über ihrer linken Pobacke, ihre Kunaitasche. Doch sie fand sie nicht. Hastig huschten ihre Augen umher, als sie plötzlich eine Bewegung von Tobi vernahm, der etwas hinter sich hervorzauberte.
Ihre Kunaitasche schwankte an seinem Zeigefinger hin und her und obwohl er eine Maske trug, schwor sie darauf, dass er sie überlegen angrinste. „Suchst du die hier?“ fragte er vergnügt, doch entgegen ihrer Erwartungen warf er ihr die Tasche zu. „Tobi hat ein wichtiges Dokument gefunden. Das solltest du dir mal ansehen. Hach, Tobi is a good boy.“
Akiko fing ihr Hab und Gut, ignorierte das Gekeife von Deidara, der Tobi anschrie und öffnete den Verschluss. Sie entdeckte eine kleine Rolle, die sie nicht eingepackt hatte. Mit zittrigen Fingern holte sie diese heraus und öffnete sie. Sie schluckte und traute sich kaum die Wörter zu lesen.
Doch es musste sein.
Sie musste wissen, wer ihre Kameraden auf dem Gewissen hatte.
 

Kapitel 2 – Akatsuki

Sie las die wenigen Zeilen.
Wieder.
Immer wieder.
Noch einmal.
Irgendwann wusste Akiko nicht mehr, wie oft sie diese Wörter gelesen hatte.

Kamibashi Akiko auslöschen.
Sie ist eine Gefahr für das Dorf.
Keine Zeugen hinterlassen.


Die Unterschrift der Dorfältesten, sowie Tsunade befanden sich darunter.
Obwohl sie durch den Tränenschleier kaum etwas sehen konnte, erkannte sie dennoch die Unterschrift des Godaime Hokage. Sie hatte diese Unterschrift schon so oft gesehen, dass sie sich mehr als sicher war.
Sie verstand die Welt nicht mehr. Was war sie bitte für eine extreme Gefahr? Sie war eine äußerst talentierte Iryonin, vielleicht erschreckend talentiert, aber damit konnte sie wohl kaum jemanden schaden. Und nur wegen ihr waren Kenichi und Shiho tot. Wenn sie alleine auf diese Mission gegangen wäre, wäre nur sie gestorben. Und nicht noch die Menschen, die ihr am Wichtigsten waren.
Sie schluckte den Klos in ihrem Hals herunter, schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Sie sollte so schnell wie möglich das Weite suchen, irgendwo im Nirgendwo, ganz weit weg vom Feuerreich eine kleine Hütte bauen und dort solange bleiben bis sie einfach starb.
„... das Pain zustimmt.“ Akiko hatte nur die letzten Wörter mitbekommen, zu sehr war sie in ihrer eigenen Welt gewesen. Wer würde bei was zustimmen? Verwirrt sah sie Tobi an, der das geäußert hatte, doch der packte sie nur am Handgelenk und zerrte an ihr. Akiko stemmte sich dagegen. Sie würde niemals mit zwei wildfremden... Die Erkenntnis durchzuckte sie wie ein Blitz und sie musterte noch einmal genau die Mäntel der zwei. „Akatsuki!“ schoss es quer durch ihre Gedanken und versuchte nun Tobi irgendwie abzuschütteln, doch sein Griff wurde nur fester, solange bis es sogar weh tat.
Akiko biss sich auf die Unterlippe, verengte die Augen zu Schlitzen und stemmte sich weiter gegen seine Kraft. Dann plötzlich ließ er sie abrupt los. Sie stolperte nach hinten, wedelte mit den Armen, ehe sie mit ihrem Hintern direkt in ihr Erbrochenes hineinfiel.
„Oh, das tut Tobi Leid. Entschuldige, Akiko-Chan,“ sagte Tobi hektisch und verbeugte sich einige Male entschuldigend. Dennoch hatte sie es aus seiner verspielten Stimme herausgehört. Die kleine Schadensfreude. Akiko sah auf und schaute zu Deidara, der seine Schadensfreude nicht halbwegs so gut verstecken konnte wie sein Partner und einfach lachte.
„Oh ja. Pain wird bestimmt zustimmen,“ lachte er, doch wurde dann auf einmal wieder ernst. „Pack' sie jetzt und nimm sie mit.“ Der Blonde duckte sich wieder und trat dann hinaus in den Regen, der noch stärker geworden war.
Beschämt stand Akiko auf, ihre Wangen waren etwas rot geworden. Sie spürte das Flucht keinen Sinn haben würde. Akatsuki waren perfekte Mörder, immerhin hatten sie den Kazekagen gefangen nehmen können und sie war weder so stark wie Sabakuno Gaara, noch hatte sie im Moment das benötigte Chakra dafür. Sie fragte sich wirklich, wann sie dieses verbraucht haben sollte. Bei dem Kampf gegen die Anbus?
„Kommt Akiko-chan jetzt freiwillig mit?“ fragte Tobi und stemmte die Hände in die Hüfte, während er sie ansah. Sie nickte nur zur Antwort und ging ohne ein weiteres Wort hinaus. Der Regen prasselte auf sie herunter und sie starrte hinauf zum Himmel, der in einem satten Orange leuchtete. Sie atmete tief ein und entspannte sich etwas. „Es könnte schlimmer sein,“ redete sie sich ein und folgte dann Tobi, der an ihr vorbeilief. Er beschleunigte seine Schritte bis er rannte und dann bei Deidara ankam, der mehrere Meter voran lief.
„Tobi konnte sie ganz einfach überreden, Deidara-Senpai,“ informierte er diesen und Akiko konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Die Zwei wirkten nicht gerade wie Massenmörder, sondern eher wie ein altes Ehepaar, die sich nicht mehr allzu gut verstanden.
Eilig beschleunigte sie ihre Schritte und holte die Beiden ein. Ihre Jonin-Weste war inzwischen komplett nass und ihre schwarze Hose ebenso, doch dadurch wurde etwas von ihrem Erbrochenem weggespült, worüber sie mehr als froh war.
„Ich glaub' trotzdem nicht daran, dass Pain zustimmt,“ murrte Deidara genervt seinem Partner zu und warf einen Blick zu Akiko. „Schau sie dir doch an.“ Tobi drehte sich herum, lief jedoch weiter neben dem Blonden her.
Augenblicklich bekam sie eine Gänsehaut, wendete den Blick auf den Boden und sie fühlte sich mehr als unwohl. Was sollte das heißen „Schau sie doch an.“? Sie sah normal aus. Sie hatte taillenlange, blonde Haare, große blaue Augen und einen durchschnittlichen Körper. Sie war nichts besonderes. Vielleicht relativ hübsch, aber nicht besonders. Die Tochter von Yamanaka Inoichi war ihrer Meinung nach wesentlich hübscher.
„Also Tobi findet, dass sie gut aussieht,“ stellte der Maskenträger fest und drehte sich wieder schwungvoll herum, wodurch er nicht sehen konnte, wie sie errötete.
Deidara klatschte sich die Handfläche gegen die Stirn und sah seinen Partner genervt von der Seite an. „Ich meinte, dass sie nicht wie eine fähige Kunoichi aussieht, hn,“ knurrte er missgelaunt, „aber was rede ich auch mit dir?“
Sie zog nur eine Fluppe. Sie war vielleicht nicht die Beste was Kämpfe betraf, dennoch hatte auch sie ihre gewissen Fähigkeiten, so wie alle anderen auch etwas gut konnten. „Ich bin eine Kunoichi. Sogar vom Rang eines Chunin,“ murmelte sie als Antwort, doch niemand reagierte auf sie.
„Jetzt hätten Sie ja die Wahl, Deidara-Senpai. Entweder Sie reden mit Tobi oder mit Akiko-Chan,“ sagte der Maskenträger freudig, worauf der Angesprochene zu Akiko sah und dann die Augen verdrehte.
„Hmpf,“ brummte er nur, weshalb sie die Stirn runzelte. Die Beiden waren mehr als seltsam, aber bisher hatte keiner versucht sie zu töten. Vielleicht war das ein Zeichen. Vielleicht sollte sie wirklich dort aufgenommen werden, denn Tobi hatte genug Zeit gehabt sie einfach zu töten und sie hätte es nicht einmal mitbekommen. Und dadurch hätte er auch keinen Stress mit seinem Partner gehabt.
Akiko folgte den Beiden immer noch, immer weiter, bis der Mond schon seit Stunden am Himmel stand und die Sterne am Firmament funkelten. Es war eine kühle Nacht, der Regen hatte längst aufgehört und sie fror wie verrückt. Den zwei Anderen merkte man nicht an, dass sie komplett nass waren und es draußen verdammt kalt war. Bibbernd und die Arme um den Oberkörper geschlungen, setzte sie weiter einen Fuß vor den anderen.
Sie gähnte und stellte fest, wie müde sie war. Ihre Füße taten weh und sie wollte etwas Trockenes anziehen. Sie betrachtete die zwei Nukenin, die stillschweigend nebeneinander herliefen. Tobi hatte das letzte Mal etwas vor einer Stunde gesagt, was sie etwas stutzig machte. Er hatte die ganze Zeit nur geredet und geredet und geredet. Zwar fand sie das nicht schlimm, sondern eher erheiternd, aber die Ruhe war dennoch angenehm gewesen. Doch jetzt wurde sie langsam erdrückend.
Die Stunden vergingen weiter und langsam verschwand der Mond wieder und die ersten Sonnenstrahlen drangen zwischen den Baumkronen hervor. Inzwischen war Akiko hundemüde und gähnte alle fünf Minuten. „Können wir nicht mal schlafen?“ fragte sie leise nach. Zwar war ihre Kleidung schon etwas trockener, aber auch eiskalt und sie rechnete schwer damit sich zu erkälten.
Deidara wandte sich zu ihr um, starrte sie an, doch gab keine Antwort. Wenige Minuten später zeigte er auf einen riesigen, hohlen Baum. „Dort machen wir Pause,“ sagte er, worauf Tobi erfreut in die Luft sprang.
„Na endlich!“ quietschte er, „wurde ja auch mal Zeit.“ Wie von der Tarantel gestochen, flitzte er los und machte sich sofort breit in ihrem Unterschlupf. Akiko kicherte leise. Wenn sie etwas Power hätte, wäre sie wahrscheinlich auch hineingestürmt, doch sie trottete lieber Deidara hinterher und gesellte sich dann ebenfalls in den hohlen Baumstumpf.
Es war eng, immer noch kalt und Akiko versuchte so gut wie möglich ihr Zittern zu verbergen. Sie zog die Beine an, schlang ihre Arme um diese und bettete ihr Kinn darauf. Wieder drängten sich die Bilder von Shiho und Kenichi in ihre Gedanken, doch so sehr sie es auch versuchte, wurde sie diese nicht los. Sie hatte zusammen mit den Beiden ihre Genin-Prüfung mit zehn Jahren bestanden und danach waren sie zusammen in ein Team gekommen. Von vornherein hatten sie sich prima verstanden. Während Shiho eher den ernsteren, erwachsenen Part übernahm, war Kenichi der kleine, talentierte Spaßvogel. Sie hatte ihre Auseinandersetzungen immer geschlichtet. Doch, sie hatten sich prima ergänzt und mit 13 hatten sie dann ihre Prüfung als Chu-Nin bestanden. Als Team.
Überhaupt hatten sie alles gemeinsam getan.
Das hatte sich auch später, mit ihren 22 Jahren, nicht geändert.
Auch nicht, als Kenichi und Shiho zum Jonin befördert wurden und sie es nicht geschafft hatte. Es hatte die Beiden nie gestört, dass sie eine fähigere Kunoichi hätten dabei haben können, die den gleichen Rang hatte, wie die Beiden. Natürlich war sie unabdingbar für das Team, aber eigentlich hätte ein anderer Iryonin die gleiche Arbeit machen können und sie eventuell sogar im Kampf unterstützt.
Ein mildes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
Sie hatten wirklich immer viel Spaß gehabt und in Teenagerzeiten so manche Mission versaut. Am Besten war es noch gewesen, als Kenichi die Schriftrolle verloren hatte und sie mehrere Stunden dabei zubrachten den ekligen Tümpel zu durchsuchen bis Shiho sie dann doch endlich gefunden hatte. Danach war sie jedoch komplett unbrauchbar gewesen. Sarutobi Hiruzen war keineswegs begeistert gewesen und sie mussten sich eine schreckliche Schimpftirade anhören.
Akiko kicherte leise, bemerkte dann jedoch den skeptischen Blick von Deidara, der sie genaustens im Auge behielt. Tobi, der zusammengerollt neben ihr lag, schnarchte leise vor sich her. Sie lehnte sich zurück, starrte hinauf in die Dunkelheit und schloss dann die Augen. Etwas Schlaf würde gut tun.

Abrupt schlug Akiko die Augen auf und sah sich suchend um. Sie fühlte sich gerädert, ihr Rücken schmerzte, als sie sich nach vorne beugte und als ihr Blick auf die zwei Akatsuki fiel, überfiel eine Gänsehaut sie. Tobi lag immer noch neben ihr, die Maske hatte er nicht abgezogen. Deidara saß ihr gegenüber, sein Kopf war zur Seite gekippt und sie erkannte, dass er tief und fest schlief.
Akiko seufzte leise und streckte die Arme in die Höhe.
Sie könnte gehen.
Sich irgendwo verkriechen und ihr Dasein in Einsamkeit fristen. Doch als sie genauer darüber nachdachte, verwarf sie den Gedanken wieder. Erstens mochte sie es nicht alleine zu sein, zweitens, war sie sich unsicher in wie weit Konoha nach ihr suchen würde und drittens, konnte sie gegen Anbus kaum etwas ausrichten. Sie fragte sich noch immer, was sie getan hatte, um die drei Gegner zu töten.
So leise wie möglich ging sie in die Hocke und kroch nach draußen. Es roch nach Wald und Pilzen und die Sonne stand hoch am Himmel. Sie schätzte, dass in etwa Mittagszeit war und sie höchstwahrscheinlich nur fünf Stunden geschlafen hatte, wenn überhaupt. Sie streckte sich nochmal ausgiebig, ließ ihr Genick knacken und bückte sich dann mit durchgestreckten Knien um mit ihren Fingerspitzen ihre Schuhe zu berühren.
Als sie sich wieder aufgerichtet hatte, sah sie sich um und lief dann um den großen Baum. Sie wollte sich nicht zu weit entfernen, nicht dass die Beiden noch einen Herzinfarkt bekamen, weil sie nicht da war. Sie lauschte dem Vogelgezwitscher und beobachtete ein Eichhörnchen, dass von einem Baum zum Anderen sprang. Gerade wollte sie sich umsehen, ob sie hier irgendwo einen Apfelbaum entdecken konnte, da hörte sie schon den panischen Schrei Deidaras.
„Sie ist weg!“
Akiko grinste, ging wieder zum Eingang und streckte den Kopf hinein. Sie konnte den Blonden sehen, der seinen Partner am Kragen gepackt hatte und ihn durchgehend schüttelte. Tobi stotterte irgendwas vor sich her.
„Morgen,“ meldete sie sich zu Wort und ein kleines Lächeln bildete sich auf ihre Lippen. Verdutzt starrten die Beiden sie an, Deidara ließ Tobi einfach fallen, dann verengten sich seine blauen Augen zu wütenden Schlitzen. Aufeinmal hob er den Fuß und trat nach ihr. Akiko stürzte zurück und fiel auf ihren Allerwertesten. Der Blonde kam herausgestürmt, setzte seinen Fuß auf ihre Brust und drückte sie auf den Boden.
„Ich sags dir nur einmal,“ knurrte er wütend, „du entfernst dich keinen Meter von uns, denn ich will keinen Ärger dafür abbekommen, hn. Verstanden?“ Akiko sah ihn mit aufgerissenen Augen an und nickte stumm.
„Gut.“ Er nahm den Fuß von ihr herunter und hinter ihm konnte sie erkennen, dass auch Tobi endlich aufgestanden war.
„Also wirklich, Deidara-Senpai. So behandelt man doch kein Mädchen,“ tadelte er mit seiner kindlichen Stimme, weshalb der Genannte auch ihm einen zornigen Blick zu warf. Doch der Maskenträger reagierte gar nicht darauf, sondern ging zu Akiko und reichte ihr die Hand, die sie dankend annahm. Mit einem kräftigen Ruck hatte er sie auf die Beine gezogen. „Alles okay, Akiko-Chan?“
„J-ja,“ stotterte sie und wich Deidaras warnenden Blick aus. „Habt ihr was zu trinken?“
Der Blonde schnaubte laut. „Sehen wir aus wie die Wohlfahrt?“ fauchte er wütend, doch als Tobi ihr eine Flasche reichte, verdrehte er nur die Augen.
„Danke,“ flüsterte sie und nahm einen großzügigen Schluck. Erst jetzt merkte sie, wie durstig sie war, doch sie nahm nur noch einen Schluck und reichte sie ihm wieder zurück. Die Flasche verschwand in seinem Mantel und irritiert runzelte sie die Stirn. Sie fragte sich, wo er diese wohl verstaut hatte, doch Deidara befahl im gleichen Moment weiter zu gehen, da sie noch ihre Mission zu Ende bringen mussten. Zwar interessierte es Akiko brennend, was das für eine Mission war, doch sie konnte sich schon denken, dass sie sowieso keine Antwort bekommen würde. Sie lief den Beiden hinterher, die darüber anfingen zu streiten, wie man ein Mädchen, beziehungsweise eine Frau, behandelte. Akiko schmunzelte nur vor sich her. Zwar war ihr Deidara nicht mehr ganz so sympathisch, dennoch erkannte sie in ihm eigentlich nur einen jungen Mann, der vielleicht gerade Mal so alt war wie sie und sich ebenso impulsiv verhielt.
Die Sonne ging bereits wieder unter, als sie von weiten eine kleine Hütte entdecken konnte. Sie mussten so langsam das Ende des Feuerreichs erreicht haben und sie fragte sich, wo die Zwei genau hinliefen. Sie waren Nukenin und irgendwo mussten sie ja einen Unterschlupf haben.
„Deidara-senpai!“ quietschte Tobi aufgeregt und deutete auf die Hütte. „Davon hab ich gelesen. Die sollen den besten gegrillten Fisch in Taki no Kuni zubereiten. Können wir was essen? Können wir?“ Hibbelig sprang er auf und ab, weshalb Akiko wieder kicherte. Sie wollte unbedingt wissen, wieso dieser Typ bei Akatsuki war und wer ihn da überhaupt zugelassen hatte.
„Nein,“ grummelte Deidara, „wir müssen weiter.“ Er lief an Tobi vorbei, der sich ihm in den Weg stellte, doch Deidara drückte ihn mit seiner Hand einfach beiseite.
„Ach kommen Sie, Deidara-senpai,“ bettelte er, „Tobi nervt Sie solange bis Sie ja sagen.“ Immer wieder bohrte er seinen Zeigefinger in die Schulter des Blonden bis dieser mit einem genervten Stöhnen zustimmte. Mit einem Siegesruf rannte der Maskenträger auch gleich zu der Hütte. Akiko rannte ihm hinterher.
Sie hatte einen riesigen Hunger, doch kurz vor der Eingangstür blieb sie stehen und starrte auf ihre Füße. Sie hatte gar kein Geld dabei und sie war sich sicher, dass keiner der Beiden für sie bezahlen würde. „Obwohl,“ murmelte sie leise vor sich her. „Wenn sie denn bezahlen,“ führte sie ihre Idee gedanklich weiter. Ihr Magen knurrte zustimmend.
„Schneller, Deidara-Senpai!“ rief Tobi und winkte dem Blonden, der genervt an Akiko vorbeilief und dann die Tür öffnete. Sein Blick sagte ihr, dass sie sofort nachkommen sollte und das tat sie auch eiligst.
In der Hütte war es angenehm warm und in einem Kamin prasselte ein kleines Feuer. Sofort stellte sich Akiko vor dieses und wärmte ihre kalten Finger. Gut, sie hatte zwar fast immer kalte Hände, doch jetzt war es schon unangenehm geworden. Tobi und Deidara hatten sich längst an einen Tisch gesetzt und eine alte Dame nahm die Bestellung auf. „Dreimal den besten Fisch, den sie haben,“ hatte Tobi gesagt. Also würde sie auch etwas bekommen, außer einer der zwei wäre ein Vielfraß.
Langsam gesellte sie sich auch zu den Zwei, setzte sich jedoch lieber neben den Maskenträger.
„So, Akiko-Chan,“ fing er verschwörerisch an, „wie hast du denn die Anbus getötet? Das würde Tobi unheimlich gerne wissen.“
Akiko senkte den Kopf. Das würde sie auch gerne wissen. Sie zuckte zur Antwort nur mit den Schultern und hoffte darauf, dass die Frau schon mit dem Essen fertig war und es gleich bringen würde. Doch sie hörte noch immer das Brutzeln aus der Küche.
„Wahrscheinlich hat sie die Anbus nicht einmal selbst getötet,“ erwiderte Deidara darauf und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei er sie abschätzend ansah.
„Aber Tobi hat es doch gesehen,“ jammerte der Maskenträger und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust, scheinbar aus Trotz.
„Wer weiß, was du gesehen hast. Sie weiß davon jedenfalls nichts,“ knurrte er wütend und machte eine abfällige Handbewegung zu ihr herüber.
Akiko betrachtete ihre Hände. Sie wusste, dass sie es mit diesen getan hatte, doch sie konnte sich nicht daran erinnern, wie sie es genau getan hatte. Als sie wieder aufsah, konnte sie erkennen, dass sich die Beiden ein Blickduell lieferten, was sie eine Augenbraue in die Höhe ziehen ließ.
Es war mehrere Minuten ruhig, bis auf einmal die alte Frau kam und drei Teller vor ihnen abstellte. Akiko sah auf den Teller hinab. Ein Stück gegrillter Fisch, Reis und Soja-Soße. Sie hatte gerade die Essstäbchen ergriffen, da schielte sie zu Tobi herüber. Er musste ja zum Essen die Maske abnehmen und das wollte sie dann doch nicht verpassen.
Sie beobachtete ihn dabei, wie er die Stäbchen packte und ein Stück Fisch zwischen diese klemmte. Sie machte es ihm gleich und schob sich dieses sofort in den Mund, doch wendete den Blick nicht von dem Maskenträger ab.
Als ihre Pupillen ganz kurz zu Deidara huschten, erkannte sie, dass es ihn gar nicht zu jucken schien und er ganz in Ruhe einfach nur aß. Sie sah wieder zu Tobi, dessen Stäbchen der Maske langsam näher kamen. Akiko platzte fast vor Neugier, doch versuchte es sich nicht anmerken zu lassen.
Ihre Augen wurden größer, als er an seine Maske griff, als wolle er sie hochschieben, doch dann drehte er ihr urplötzlich den Rücken zu und verschlang den Fisch außerhalb ihres Blickfelds. Enttäuscht sah sie ihm dabei zu, wie er seinen Teller packte, ihn auf einer Hand balancierte und einfach so aß.
Sie widmete sich ihrem eigenen Essen und schaufelte es förmlich in sich hinein. Jetzt, wo sie endlich etwas gegessen hatte, fiel ihr erst auf was für einen Hunger sie hatte. Dennoch lugte sie immer wieder zu Tobi, um eventuell doch etwas von seinem Gesicht zu erhaschen.
„Du kannst es vergessen,“ sagte Deidara, ohne auch nur aufzusehen. Verwirrt hob Akiko den Kopf und legte diesen schief. Hatte er sie gemeint? „Wir sind seit einigen Wochen schon ein Team und ich habe sein Gesicht auch noch nicht gesehen.“ Sie nickte nur still und fand sich damit ab.
In wenigen Minuten hatten sie alle aufgegessen und Tobi zog aus seinem Mantel etwas Geld heraus, gab es der Frau, sowie etwas Trinkgeld.
Es wunderte sie, dass er bezahlte und dann auch noch etwas mehr Geld gab. Sie runzelte die Stirn, doch folgte den Beiden dann doch wieder nach draußen. Inzwischen war es schon dunkel geworden, doch an Rast dachten die Zwei nicht, sondern liefen einfach schnurstracks weiter, als würde das ganze Gelaufe sie kaum anstrengen. Ihr taten bei jedem Schritt die Füße mehr weh, dennoch versuchte sie mitzuhalten. Sie war es gar nicht gewohnt, so lange und so weit unterwegs zu sein. Ihr Team hatte normalerweise eher kleinere Missionen übernommen und dabei auch wenigstens öfters mal eine Pause gemacht.
Der Mond veränderte seine Position durchgehend bis sie ihn nicht mehr im Blick hatte und dann sagte Deidara plötzlich: „Genug gelaufen für heute.“ Am liebsten wäre Akiko vor Freude in die Luft gesprungen, doch das erledigte Tobi für sie.
„ENDLICH!“ schrie er begeistert und rannte dann herum, um sich einen geeigneten Schlafplatz auszusuchen. Deidara war derweil schon elegant auf einen Baum gesprungen, hatte sich einen Ast ausgesucht, auf den er sich setzte und dann seinen Oberkörper gegen den Stamm lehnte. Sie selbst sah sich auch noch etwas um und entdeckte dann einige Büsche, die eng aneinander standen. Sie kroch unter diese, Tobi hatte sich derweil einfach auf den Boden gesetzt und lehnte sich gegen den gleichen Baum wie sein Partner. Innerhalb von wenigen Minuten war sie eingeschlafen.
 

Kapitel 3 – Vögelchen

Als Akiko ihre Augen öffnete, merkte sie sofort, dass etwas seltsam war. Die Nacht war zwar nicht sonderlich erholsam gewesen, aber das war es dennoch nicht. Irgendwie fühlte sie sich anders. Sie spürte den leichten Wind, die Luft, die um sie zirkulierte.
Unbeholfen krabbelte sie aus ihrem Busch heraus und stellte fest, dass die Sonne erst vor wenigen Minuten aufgegangen war. Es war noch kalt und ruhig, bisher hatten nicht einmal die Tiere des Waldes angefangen Geräusche von sich zu geben. Sie streckte sich wieder ausgiebig, beugte sich hinunter um ihre Schuhspitzen zu berühren und sah dann zu Deidara und Tobi. Während der Blonde langsam wach wurde, da die Sonne ihm direkt ins Gesicht schien, schnarchte der Maskenträger noch leise vor sich her, wobei sein Kopf nach vorne gefallen war. Sie konnte sich denken, dass er, wenn er wach werden würde, heftige Nackenschmerzen haben würde.
Deidara sprang von seinem Baum herunter, die Augen noch immer geschlossen, doch dann blinzelte er langsam und weckte Tobi mit einem unsanften Tritt. Bis jetzt schien er sie noch nicht bemerkt zu haben.
„Aufstehen,“ brummte der Blonde seinem Partner entgegen, der vor Schreck aufgesprungen war. Panisch sah er sich um, als sein Blick an Akiko hängen blieb.
„Was ist denn mit dir passiert, Akiko-Chan?“ fragte er schockiert nach, weshalb sie zurückschreckte. Sie wusste nicht, was er meinte und sah an sich herunter. Ja gut, sie war etwas dreckig, aber sonst war alles wie immer.
„Was zum Teufel!?“ brüllte Deidara und starrte sie unverhohlen an.
„Glauben Sie mir jetzt, Deidara-senpai?“ fragte Tobi, ohne auf den schockierten Blick von Akiko einzugehen. Der Angesprochene nickte nur fassungslos mit dem Kopf.
Sie stand immer noch völlig verwirrt da und schob langsam Panik. Was war mit ihr? „Hab ich was im Gesicht?“ fragte sie und legte ihre Hände an die Wangen, fuhr über ihre Stirn, ihre Nase und den Mund, doch sie konnte keine Veränderung spüren. Kein übermäßiger Dreck auf der Haut, kein überdimensionaler Pickel und sie hatte auch kein Auge verloren. Sie griff sich an den Hinterkopf. Ihre Haare waren auch noch da.
„Im Gesicht nicht,“ murmelte Deidara fasziniert und betrachtete sie weiter.
„Tobi findet, dass sie ein bisschen aussieht wie ein Engel,“ lachte der Maskenträger, stand urplötzlich vor ihr und streckte seine Hände in Richtung ihres Kopfes. Augenblicklich lief Akiko rot an und war gespannt darauf, was er vor hatte, doch seine Hände gingen weiter nach oben, bis sie plötzlich etwas berührten, was sie nicht kannte. Obwohl sein leichter Griff mehr als unangenehm war, ließ sie es über sich ergehen. Ihr Kopf ratterte, immerhin glitt das Gefühl in ihre Schläfen.
„Kannst du jetzt fliegen, Akiko-Chan?“ fragte er, doch als sie in sein Auge blickte, konnte sie so etwas wie misstrauen sehen, obwohl seine Stimme völlig neugierig und kindlich klang. Sie stutzte. Fliegen?
Sie trat schnell einen Schritt zurück und befreite sich somit von Tobis Griff und fasste sich an die Schläfe. Sie spürte weiche Federn, darunter konnte sie Muskeln erfühlen, die sich bewegten, als sie die Stirn runzelte. Ihre Hände glitten höher, erfühlten weitere Federn bis sie spitz zuliefen und es dann einfach endete.
Tränen sammelten sich in ihren Augen, während sie weiter die kleinen Flügel ertastete, die einfach aus ihrem Kopf wuchsen. Panisch griff sie fest um diese zu, doch augenblicklich bohrte sich ein schrecklicher Schmerz in ihren Kopf und sie ließ davon ab. Ihre Finger vergruben sich verzweifelt in ihren Haaren. Was passierte mit ihr. Wurde sie jetzt zu einem Vogel? Zu einem Engel?
Die ersten Tränen rannen ihre Wangen hinunter.
„Oh Gott, jetzt geht das Geheule wieder los,“ meckerte Deidara und verdrehte die Augen, doch letztendlich kam er doch näher um die komischen Auswüchse ebenfalls genau anzusehen.
Akiko fühlte sich immer unwohler in ihrer Haut und starrte zu Boden. Die Tränen tropften herunter und verschwanden tief im Laub. Der Blonde stupste gegen ihre Flügel und zuckte mit seiner Hand zurück, als hätte er sich verbrannt.
„So ungern ich es auch zugebe, hn. Du hast gewonnen Tobi,“ gestand Deidara, drehte sich herum und sah in die Richtung, in welche sie weiter laufen würden.
„Ja, Tobi hat gewonnen,“ schrie er begeistert, machte einen riesigen Sprung in die Luft und drehte sich herum, ehe er neben Deidara landete. „Wie lange dauert es noch?“
Akiko hörte seine Antwort nicht mehr. Sie begrabschte weiterhin ihre geflügelten Auswüchse und folgte den Beiden mit gesenkten Haupt. Sie konnte sich nicht erklären, wie das passieren konnte. Wie das überhaupt möglich war. Und warum ausgerechnet sie es abbekommen hatte.
Sie durchforstete ihr Gehirn nach einer eventuellen Antwort. Sie hatte viel Zeit in der Bibliothek verbracht, ob nun alleine oder mit Shiho und Kenichi, doch davon hatte sie noch nie etwas gelesen.
„Hey Akiko-Chan. Das könnte doch ein Kekkei Genkai sein.“ Vor Schreck biss sie sich auf die Zunge. Tobi stand urplötzlich hinter ihr und stupste mit seinem Zeigefinger ihre Auswüchse an.
„Ich hab kein Kekkei Genkai,“ war ihre ernüchternde Antwort. Na gut. Sie hatte ihre Eltern nie wirklich kennenlernen können und wusste auch nichts von ihrer restlichen, toten Verwandtschaft, also könnte alles möglich sein, aber es kam ihr so verkehrt vor. So falsch.
Tobi eilte vor sie und lief rückwärts. „Jetzt schon. Das würde auch erklären, warum man Akiko-Chan rausgeworfen hat,“ erläuterte er seine Theorie und nickte stolz. Sie sah ihn nur skeptisch an und sie spürte, wie sich die zwei Flügel nach hinten an den Kopf anlegten.
„Du hast es gelesen?“ fragte sie, als sie nochmal genau über seine Worte nachgedacht hatte.
„Natürlich hat Tobi es gelesen. Immerhin musste Tobi ja wissen, wen er da mit nimmt,“ antwortete er, doch Akiko war sich unsicher, ob er die Wahrheit sagte. Aber warum sollte er sie anlügen? Auch wurde ihr jetzt klar, dass sie sich nie vorgestellt hatte und er dennoch ihren Namen von Anfang an gekannt hatte. Sie bekam eine Gänsehaut. Doch, der Typ war gruselig.
Akiko runzelte die Stirn. „Wieso hast du mich gerettet?“ fragte sie geradeheraus und sie wünschte, dass er die Maske abnehmen würde. Zu gerne würde sie seine Mimik sehen um ausschließen zu können, dass er sie anlog.
„Gerettet?“ kam seine perplexe Gegenfrage, „So gesehen war Akiko-Chan schon in Sicherheit. Tobi hat nichts gemacht.“
Sie biss sich auf die Unterlippe. „Warum nehmt ihr mich mit?“ Er musste ihr doch irgendwann eine ordentliche Antwort geben.
„Das würde ich auch gerne wissen, hn,“ gab Deidara seinen bissigen Kommentar dazu, doch Tobi schien ihn zu ignorieren.
„Weil Tobi der Meinung ist, dass Akiko-Chan am besten zu Akatsuki passt.“
Die Antwort half ihr gerade nicht weiter, doch sie schenkte dem Maskenträger ein kleines Lächeln, woraufhin er sich drehte und weiter vor ihr her stiefelte. Sie war davon keineswegs so überzeugt wie Tobi, doch wollte es sich nicht anmerken lassen.
Sie gingen noch mehrere Stunden bis sie ein kleines Dorf erreichten. Es sah arm aus und die Häuser waren eher kleine, schäbige Holzhütten. Teilweise war das Glas der Fenster kaputt und es sah eher so aus, als würden die maroden Holzlatten unter dem Gewicht der Dächer zusammenbrechen. Unwohl sah sie sich um. Die zwei Akatsuki-Mitglieder waren schon einige Meter weiter vorne und hatten es anscheinend eilig, doch Akiko suchte nach etwas.
Dann entdeckte sie eine Wasserpumpe. Sie sah sich um. Es schien der Marktplatz zu sein, doch nirgends konnte sie eine Menschenseele erblicken. Sie ging näher auf die Pumpe zu, um welche sich einige Wasserpfützen gebildet hatten. Sie schluckte und hatte Angst davor zu erfahren, wie sie aussah. Doch dann fasste sie sich Mut und starrte in die Pfütze. Sie sah ihr verdrecktes Gesicht, das leicht fettige Haar und die zwei kleinen Flügel, die an ihrer Schläfe herauswuchsen. Die Federn waren schneeweiß und jetzt verstand sie auch, warum Tobi das Wort Engel in den Mund genommen hatte. Ja, irgendwie erinnerte es einen wirklich daran. Neugierig standen die zwei Auswüchse nach oben, etwas nach vorne gerichtet. Akiko kam sich wie ein Tier vor, da sich die Flügel bewegten als wären es weitere Ohren, die ihre Stimmung verrieten.
Sie sah sich weiter an, als jemand sie urplötzlich am Arm packte und sie von der Pfütze wegzog. „Ich hab doch gesagt, dass du dich nicht entfernen sollst,“ brummte ihr Deidara entgegen, weshalb sie sich kleinlaut entschuldigte. Sie spürte, wie sie ihre Flügel hängen ließ. Es ärgerte sie, dass diese ihre Stimmung so genau anzeigten.
Deidara schleifte sie weiter hinter sich her bis sie außerhalb des Dorfes ankamen und bei einer alten Birke stehen blieben. Die Mittagssonne stand bereits am Himmel und ungeduldig trommelte Deidara mit dem Fuß auf den Boden. „Wo bleibt der denn?“ nörgelte er ungeduldig vor sich her, doch Akiko störte das nicht. Sie ließ sich am Baumstamm herunterrutschen und streckte die Beine aus. Kurz noch etwas die Füße entspannen, bevor der Marsch wieder fortgesetzt werden würde.
Als sie die Augen schloss, spürte sie die leichte Brise, konnte die Luft um sich herum förmlich spüren, doch als sie Schritte hörte, öffnete sie die Lider und das Gefühl war wieder verschwunden. Verwundert versuchte sie ihre Flügel anzuschauen.
„Dämmerung.“ Die tiefe Stimme ließ sie aufschrecken und als ein Mann, er musste etwa Mitte vierzig sein, hinter dem Baum hervortrat, bekam Akiko fast einen Herzinfarkt. War der schon die ganze Zeit da gewesen?
Deidara trat vor und nickte. „Du sollst ein paar Informationen haben,“ meinte der Blonde und sah zu Tobi, der sich völlig teilnahmslos neben Akiko gestellt hatte und sich wohl mehr für die Umgebung interessierte.
„Ja. Der Rokubi befindet sich in Mizu no Kuni, aber den genauen Standort kennt niemand, da er selbst ein Nukenin ist. Doch ich habe-“ Der Mann unterbrach sich selbst, nahm sich den Rucksack vom Rücken und durchwühlte diesen. Es dauerte eine Weile, Akiko konnte genau erkennen, wie genervt Deidara war, bis der Mann endlich das gewünschte Objekt gefunden hatte. „Ein Bild.“ Er reichte ihm das eingerollte Papier und neugierig sah er dieses an.
„Gut. Hier, deine Bezahlung.“ Der Blonde öffnete seinen Mantel. An seinem Hosenbund baumelte ein kleines Säckchen, das er geschwind löste und dem Mann reichte. Dieser bedankte sich mit einem Grinsen. Akiko beobachtete Deidara dabei, wie er seine Hände in zwei Taschen vergrub, die wie Kunaitaschen an seiner Hüfte hingen und dem Mann wenig später auf die Schulter klopfte. „Akatsuki meldet sich bei dir,“ meinte er aufmunternd, verabschiedete sich und drehte sich zu seinem Kameraden herum. Ein breites Grinsen zierte seine Lippen und ein wahnsinniges, freudiges Funkeln lag in seinen Augen.
Der Mann war erst wenige Meter entfernt, da formte Deidara ein Fingerzeichen, beugte sich zu Akiko herunter und flüsterte: „Pass gut auf, Vögelchen.“ Sein Grinsen wurde noch breiter, dann murmelte er ein „Katsu.“
Die ohrenbetäubende Explosion ließ Akiko aufspringen und sich die Handflächen aufs Ohr drücken. Sie schloss die Augen und wollte sie nie wieder öffnen. Den Mann musste es in tausend Stücke gerissen haben und sie wollte nicht wissen, wie der Laubboden aussah, wie viel Blut überall verteilt war, wo welcher Körperfetzen hing.
Das wahnsinnige Lache von Deidara jagte ihr mehrere Schauer über den Rücken, doch sie konnte sie nicht darauf konzentrieren, einfach weg zuhören. Einer der Zwei, und sie hoffte, dass es Tobi war, packte ihre Hand und rannte los. Sie stolperte die ersten paar Schritte, doch öffnete dann doch die Augen. Sie rannten weg von der Leiche, Gott sei dank.
„Das sie auch immer so übertreiben müssen, Deidara-senpai,“ sagte Tobi gefrustet, zog Akiko immer noch hinter sich her, die kaum mit ihm mithalten konnte. Deidara lachte nur auf, doch erwiderte nichts.
Sie hetzten weiter, Tobi ließ sie los, als sie dichteren Wald erreichten und fing dann an von Ast zu Ast zu springen, Deidara und sie machten es ihm gleich. Sie wollte weinen, doch keine Träne kam, als wären sie versiegt. Sie sah zu Deidara, der knapp vor ihr war. Ja, er war absolut wahnsinnig.

Irgendwann hatten sie aufgehört zu rennen und den Weg wieder auf dem Boden fortgeführt. Akiko war völlig fertig und wollte nur noch nach Hause. In ihre Wohnung, in ihr Bett und unter die warme Dusche. Sie hatte nichts, außer das, was sie am Leibe trug und das wurde ihr jetzt schmerzhafter denn je bewusst. Sie hatte alles verloren. Ihr zu Hause, ihre Freunde, ihre Heimat und jetzt wohl auch noch ihre Zukunft.
Sie war keine kaltblütige Killerin.
Und sie würde es auch nie sein können.
Doch Widerspruch war sinnlos, da Deidara sie einfach in die Luft jagen würde und Tobi... wer wusste schon, was er alles konnte.
Und sie hatte Angst vor dem Anführer Akatsukis. Wieso sollte er zustimmen? Warum sollte er sie nicht einfach auf der Stelle umbringen? Irgendwas an ihr war besonders, doch sie wusste nicht was und ob es überhaupt für die Organisation von nutzen war.
„Komm mal her, Vögelchen,“ grinste Deidara und blieb stehen, ebenso wie Tobi, der sich ihm direkt zu wand. Wahrscheinlich war er genauso ratlos wie sie.
Misstrauisch kam sie seiner Aufforderung nach und wollte gerade fragen, was er wollte, da hatte er schon einen Kunai in der Hand und packte grob ihren Arm, sie schrie kurz auf und kniff die Lider zusammen. Sie wartete auf den Schmerz, doch sie hörte nur das Reißen von Stoff und als sie aufsah, bemerkte sie, dass er ihren kompletten, rechten Ärmel abgeschnitten hatte.
Verwundert starrte sie ihn an, doch Deidara achtete nicht auf sie, warf Tobi das Stück gelangweilt zu und sagte: „Verbinde ihr die Augen. Nicht, dass sie doch noch irgendwie abhaut und unseren Standort verrät.“
Erleichtert atmete Akiko auf und ließ es über sich ergehen, dass Tobi ihr die Augen verband. „Und jetzt? Ich kann schlecht durch meinen Mund sehen,“ murmelte sie missgelaunt und seufzte leise auf. Als keiner antwortete wurde ihr mulmig. War das eine Hinrichtung? Aufgeregt und ängstlich streckte sie die Hände reflexartig nach vorne und stieß dabei gegen Tobis Kopf. Ihre Finger fühlten sein Haar und sie war sich sicher, dass es sein Hinterkopf war.
„Tobi trägt dich doch gerne, Akiko-Chan,“ freute der Maskenträger sich, platzierte ihre Hände auf seinen Schultern und ging etwas in die Hocke. Eilig klammerte sie sich an ihm fest und merkte dann auch schon wie er los lief. Sie fühlte sich wie ein kleines Kind. Planlos, hilflos, völlig überfordert.
Dennoch ließ sie es über sich ergehen, ohne nur ein schlechtes Wort zu verlieren. Das war sowieso nicht ihre Art, obwohl es mehr als angebracht gewesen wäre.
Es kam Akiko wie eine Ewigkeit vor bis Tobi endlich stehen blieb und sie von ihm herunter rutschte. Die Augenbinde nahm er ihr dennoch nicht ab, sondern packte sie sanft an ihren Schultern und dirigierte sie weiter.
Ihr Herz klopfte wie verrückt und sie hatte Probleme damit ihre Atmung ruhig zu halten. Ihre Nervosität steigerte sich weiter bis sie spürte, wie Tränen in ihre Augen traten. Sie war froh, dass niemand diese sehen konnte durch die Augenbinde. Sie spürte, wie er sie nach links dirigierte, nochmal links, rechts, eine Zeit lang geradeaus und wieder links. Kurz drückte er zu und als hätte er einen Nerv getroffen, blieb sie abrupt stehen. Zitternd atmete sie tief ein- und wieder aus. Es war kalt und ihr freiliegender Arm war von einer leichten Gänsehaut überzogen.
„Das regelst du alleine, Tobi,“ hörte sie Deidara genervt Knurren, während sich der Maskenträger daran zu schaffen machte seinen eigenen Knoten wieder zu öffnen. „Und zieh mich da bloß nicht mit rein.“
„Warum denn nicht, Deidara-senpai? Pain-sama wird Ihnen schon nicht den Hals umdrehen,“ versuchte Tobi ihn zu überreden und quengelte etwas. Dann hatte er endlich die Augenbinde von Akiko entfernt. Hastig sah sie sich um, denn wer wusste schon, wann sie dieses Wissen gebrauchen könnte.
Sie standen in einem langen Gang aus grauen Stein. In gewissen Abständen brannten Fackeln in ihren Halterungen, die an der Wand angebracht waren. Es sah mehr als düster aus und sie wusste jetzt auch, warum sie so fror. Sie mussten unter der Erde sein, denn so lange wie sie hier hindurch gelaufen waren, wäre es unmöglich gewesen, dass das Gebäude an der Oberfläche nicht aufgefallen wäre. Dann fiel ihr Blick auf die Tür direkt vor ihr. Dunkles, massives Holz und als Tobi dagegen klopfte, zuckte sie unwillkürlich zusammen.
Sie hörte keine Antwort, dennoch öffnete der Maskenträger die Tür, griff nach ihrem Oberarm und zerrte sie hinein. Deidara blieb draußen, wie sie feststellte, als das schwere Holz mit einem lauten Knall hinter ihr ins Schloss fiel.
Vor ihr stand ein gewaltiger Schreibtisch, Regale, die bis an die Decke reichten, nahmen die Wände ein. Überall Bücher und Schriftrollen. Es sah aus wie in einer Bibliothek. Sie entdeckte eine Fackel, die brannte und nur mäßig den Raum erhellte.
Plötzlich entzündeten sich weitere und ihr Blick fiel auf den Mann, der die ganze Zeit schon hinter dem Schreibtisch gesessen hatte. Seine langen, orangen Haare trug er offen, während sie in seinem Gesicht so etwas Ähnliches wie Piercings ausmachen konnte. Jeweils zwei auf einer Wange bohrten sich durch diese und durch die Nase etwas schräg ein ebenso metallischer Stab. Doch am ungewöhnlichsten fand sie seine Augen. Die vielen Ringe darin ließen es unnatürlich wirken.
Der Mann, höchstwahrscheinlich der Anführer, starrte sie durchdringend an und am liebsten hätte sie sich hinter Tobi verkrochen, doch sie blieb stark. „Keine Schwäche zeigen,“ raste es durch ihren Kopf.
„Wenn du jemand Fremdes mitbringst, muss das schon was heißen,“ begann der Mann und seine Stimme schien von einer Wand zur anderen zu hallen. Neugierig stellten sich ihre Flügel auf und nach vorne. Sie blickte ungläubig zu Tobi. Anscheinend hatte dieser doch mehr zu sagen, als sie gedacht hatte.
Tobi kratzte sich am Hinterkopf, als wäre er verlegen. „Ja, ein lustiger Zufall,“ lachte er, weshalb Akiko die Stirn runzelte. Er hatte eine seltsame Auffassung von lustig.
„Und? Wer ist sie?“ fragte der Anführer nun, seine Stimme war monoton und ruhig und hatte etwas gefährliches im Unterton. Sein Blick durchbohrte sie förmlich, als könnte er ihre Gedanken lesen.
Gerade wollte Tobi darauf antworten, da trat sie nach vorne. Wenn schon, würde sie antworten und nicht jemand anderes. „Ich bin Kamibashi Akiko.“ Sie verbeugte sich tief und sah ihn dann wieder an. Er schien sie zu röntgen und im nächsten Moment bereute sie ihren Entschluss. Sie hätte doch lieber die Klappe halten sollen.
Tobi packte sie an ihrem Kragen und zog sie wieder hinter sich. „Akiko-Chan wäre eine gute Bereicherung für Akatsuki,“ fing er an ihren Fehler wieder auszubügeln, „sie hat eine seltene Fähigkeit.“ Er wartete ab und Akiko fragte sich, ob er mehr wusste, als er zugab.
„Was für eine?“ wollte der Leader nun wissen, sein Blick glitt zwischen ihr und Tobi hin und her, doch dann fixierte er sich wieder auf sie.
„Tja, gute Frage, Pain-sama,“ lachte er wieder, doch wurde abrupt wieder ernst. „Es scheint sehr stark zu sein.“ Der Angesprochene stand auf und lief um seinen Schreibtisch herum. Seine Präsenz glich der eines Gottes und Akiko schaffte es nicht ihren Blick von ihm abzuwenden. Er machte ihr Angst, ließ ihr Blut gefrieren und ihre Muskeln erstarren. Er kam direkt vor ihr zum Stehen und starrte sie einfach nur an.
So gerne sie den Blick abwenden wollte, hielt sie dagegen. Im Moment hatte sie das Gefühl, dass alles eher gegen sie sprach, bis er plötzlich sagte: „Sie sieht ungewöhnlich aus.“ Seine Feststellung klang emotionslos. „Wenn du behauptest, dass sie stark ist, glaube ich dir. Ich würde vorschlagen, dass sie in....“ führte er weiter, doch Tobi unterbrach ihn hastig.
„Oh!“ Er hob den Arm, als würde er sich melden. „Darf Akiko-Chan zu Deidara und Tobi ins Team? Bitte!“ bettelte er und Akiko war sich unsicher, ob das wohl so gut bei diesem Mann ankam, doch dann nickte er einfach stumm. Sie war sprachlos.
„Danke Pain-sama!“ Er stieß ihr den Ellenbogen in die Seite, worauf sie sich wieder verneigte und ein leises, demütiges „Dankeschön“ hauchte. Dann hatte Tobi sie auch schon gepackt, die Tür aufgemacht und sie hinaus geschubst. Sofort knallte sie gegen Deidara, der mit einem Fluch zurücktaumelte und gegen die Wand donnerte.
Akiko zog den Kopf ein, doch der Blonde ging gar nicht auf ihren Zusammenstoß ein, sondern sah Tobi mit hochgezogener Augenbraue an. „Er hat nicht wirklich ja gesagt oder?“ wollte er wissen, obwohl er die Antwort wohl schon wusste.
„Tja, Tobi hatte halt recht, Deidara-senpai!“ rief er erfreut aus und reckte stolz die Brust.
Deidara grinste. „Wie du wolltest, Tobi. Dann ist sie ab jetzt dein Problem.“ Er hob die Hand zum Abschied und ging einfach. „Außerdem solltest du aufpassen, dass sie Hidan nicht über den Weg läuft.“

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Autor

Barghests Profilbild Barghest

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Kapitel:3
Sätze:645
Wörter:10.246
Zeichen:59.086

Kurzbeschreibung

Niemals hätte Akiko gedacht, dass sich ein Leben dermaßen schnell ändern kann. Doch urplötzlich steht sie vor der Wahl, als Nukenin ein einsames Leben auf der Flucht zu verbringen oder sich Tobi und Deidara anzuschließen. Erst zu spät bemerkt sie, dass der geheimnisvolle Mann mit der Maske eine größere Verwendung für sie hat als angenommen. Und sie somit nur eine Spielfigur für ihn ist.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Romanze, Abenteuer, Schmerz und Trost, Krieg, Kampf und Freundschaft getaggt.