Fanfictions > Bücher > Harry Potter > Unschuldiges Papier

Unschuldiges Papier

41
12.5.2019 8:28
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Charaktere

Ginevra Molly "Ginny" Weasley

Ginny Weasley ist die einzige Tochter und das jüngste Kind von Molly und Arthur Weasley. Sie war in Hogwarts eine Klasse unter Harry. Sie heiratet Harry Potter und hat mit ihm drei Kinder. Im Laufe der Bücher entwickelt sie sich zu einem mutigen Menschen, die für ihre Ansichten kämpft.

September

Sie war nervös. Aufgeregt. Seit Jahren hatte sie sich auf diesen Moment gefreut. Und nun war er da.
Ginny ballte die Hände vor Nervosität zu Fäusten, als sie in der Reihe der Erstklässler zwischen den Haustischen entlanggeführt wurde. Sie sah ihre Brüder. Doch Harry fand sie nicht. Sie wusste nicht, ob sie deswegen traurig war.
Ein Schüler nach dem anderen wurde aufgerufen. Ein Schüler nach dem anderen wurde eingeteilt. Was, wenn ich nicht ausgewählt werde? Ginny wusste nicht, dass jeder um sie herum diese Furcht hatte, oder gehabt hatte.
Doch als sie den Hut trug, war dieser sich sicher.
GRYFFINDOR!

Oktober

Das Tagebuch begleitete Ginny. Ihm vertraute sie alles an. Ihre Ängste, ihre Sorgen, ihre Gefühle. Vor allem für Harry. Sie schrieb und er schrieb zurück. Tom.
Sie sprach mit ihm über ihre Gefühle für Harry. Dass er sie niemals beachtete. Sie jedoch beobachtete ihn immer. Am Esstisch in der Großen Halle, in den Gängen, wenn sie ihn traf. Doch er blickte nicht zurück. Nur einmal, da trafen sich ihre Blicke. Ginny fuhr bei dem Blick der grünen Augen zusammen und ließ ihre Bücher fallen.
Und am Abend schrieb sie: Lieber Tom, er hat mich angesehen. Ich glaube, ich liebe ihn.

November

Ich weiß nicht, wo ich war! Ginny bekleckerte vor Nervosität die Seiten. Sie war früh aufgewacht. Irgendwo, sie wusste es nicht mehr. Sie hatte Farbflecken auf ihrem Umhang gefunden. Wie Blut.
Filchs Katze war angegriffen worden. Zusammen mit einer Schrift an der Wand hatte man sie gefunden. Die Kammer wurde geöffnet. Die Schrift hatte die Farbe von Blut. Genau wie die Flecken auf ihrem Umhang.
Was, wenn es doch meine Schuld ist? Die Antwort kam rasch. Nichts ist deine Schuld. Du bist unschuldig.
Aber Ginny war sich nicht sicher. Doch sie ließ sich von Tom beruhigen. Ihre Schuldgefühle legten sich.

Dezember

Wieder war jemand angegriffen worden, ein Schüler diesmal, den sie kannte. Colin Creevey hatte Harry besuchen wollen, der im Krankenflügel lag.
Tom hatte ihr versichert, dass sie unschuldig sei. Wie solltest du, denn? Das ist schwarze Magie.
Ginny wusste nicht, wo sie gewesen war. Doch wenn Tom ihr versicherte, dass sie unschuldig war, wie konnte sie das bezweifeln? Er war ein Freund aus Papier. Unschuldig und rein, wie die Seiten seines Zuhauses.
Er versteht mich, seufzte Ginny. Sie hatte sich dabei erwischt, dass sie das Tagebuch oft nur in der Hand hielt und es liebevoll betrachtete.
Er muss recht haben.

Jänner

Harry hatte im Duellierclub vor zwei Wochen eine Schlange auf einen Mitschüler gehetzt.
Eben dieser Mitschüler wurde versteinert. Und unser Hausgeist. Ich … ich bin mir nicht sicher, ob Harry das wirklich war. Ich kann mich nicht an den Tag erinnern.
Potter hat den Dunklen Lord besiegt. Da sollten einige Versteinerungen kein Problem sein.

Doch Ginny wusste nicht, ob sie das glauben konnte.
Aber, was ist mit mir? Tom, weißt du, wo ich war?
Stille.
Tom, bitte, ich muss es wissen. 
Warte nur ab, kleine Ginny. 

Die Tinte zog sich wieder in das Papier zurück.
Bitte lass mich unschuldig sein. 
Stille.

Februar

Ginny war nervös gewesen, als sie das Buch weggeworfen hatte. Im Zorn hatte sie es getan, als Tom nichts als herablassende Antworten auf ihre Fragen geschrieben hatte. Doch sie wusste nicht, ob das schlau gewesen war. Tom wusste etwas. Er wusste, was passiert war. Ginny war sich inzwischen sicher, dass sie Schuld an den Angriffen hatte. Nur so konnte sie sich Toms Reaktionen auf ihre Fragen erklären.
Sie hatte es weggeworfen, wollte nicht mehr, dass Tom … etwas mit ihr tat, etwas, dass sie gefährlich machte.
Und doch, Tom wusste um ihre Taten. Was würde passieren, wenn die Falschen davon erfuhren?

März

Du hast mich benutzt, Tom! Ich habe dir vertraut!
Aber, aber, liebe Ginny. Du hast mich zu dir zurückgeholt. Warum? Seit zwei Wochen versuche ich, das herauszufinden.
Ginny war panisch geworden, zwei Wochen zuvor. Sie hatte das Tagebuch bei Harry entdeckt. Was, wenn Tom sie verraten würde? All das, was sie ihm erzählt hat.
Warum tust du mir das an? Warum?
Du warst da. Und du warst willig. Ich hätte dich Anfangs nicht kontrollieren können, wäre da nicht etwas in dir gewesen, dass es gewollt hat.
Aber jetzt will ich es nicht. Ich kann mich wehren.

Stille.
Träume nur, Mädchen.

April

Ich kontrolliere dich, kleines Mädchen. Durch dich ist mein Triumph nahe.
Tom, bitte!
Ginny war verzweifelt. Seit Wochen kämpfte sie, seit Wochen wand sie sich. Doch sie wusste nicht, wie lange sie Tom aufhalten konnte.
Nein, nicht Tom. Der Dunkle Lord. Lord Voldemort. Tom hatte es ihr gesagt. Und sich über sie lustig gemacht, weil sie es nicht früher gemerkt hatte.
Du warst früher so nett, Tom. Warum tust du das?
Kleine Ginny. So unschuldig. Ich brauche Harry Potter. Ich muss es wissen. Ich brauche dich. Durch dich erstarke ich.

Ginny starrte auf die Schrift. Mit Tränen in den Augen.

Mai

Gehorche mir! 
Ginny zitterte leicht, während sie wie gebannt auf den Satz starrte. Sie würde nicht klein beigeben. Sie würde kämpfen. Um ihr Leben. Um das ihrer Freunde.
Nein. Du wirst niemandem wehtun. Das lasse ich nicht zu! 
Fast glaubte sie zu hören, wie Tom lachte.
Kleine Ginny. So mutig. Und so dumm. Du kannst dich nicht gegen mich wehren. Und das weißt du genauso wie ich. 
Ich werde es! 
Ich bin immer bei dir, Mädchen. Ob du willst, oder nicht. 

Und Ginny spürte, wie etwas Fremdes in ihren Körper drang, wie ihr Geist übernommen wurde. Dann wurde alles schwarz.

Juni

Das helle Mittagslicht drang durch die Fenster des Krankenflügels und brachte Ginnys Haar zum Leuchten. Doch das Mädchen bemerkte es nicht und wenn sie es bemerkte, interessierte sie sich nicht sonderlich dafür.
Ihre Eltern hatten geschimpft, aus Sorge, wie Ginny wusste. Sie selbst hatte geweint. Vor Erleichterung und aus Scham. Harry hatte sie sanft angesehen, doch sie hatte ihn verraten.
Tom wäre es fast geglückt. Er hatte sie in ein Mädchenklo geschickt, eine Rutschbahn hinunter in eine feuchte Kammer. Sie war ein Köder gewesen.
Harry hatte sie gerettet, wärend sie ihn hintergangen hatte. Sie, die Voldemort als Freund gesehen hatte.

Juli

Die Sommerferien hatten begonnen und Ginny bemühte sich, unbeschwert zu wirken, damit ihre Eltern sich keine Sorgen machten. Das taten sie ohnehin genug. 
Sie war froh, dass Harry diesmal nicht zu ihnen kam, sie hätte nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollte. Immer noch fühlte sie sich schuldig, immerhin hatte Harry ihr das Leben gerettet, aber sie konnte sich nicht daran erinnern, sich bedankt zu haben. Das musste sie nachholen. Aber andererseits wusste sie nicht, wie sie zu Hogwarts stand. Immer hatte sie gerne gehen wollen, doch dieses Schuljahr hatte einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Ginny hatte Angst vor der Rückkehr.

August

Man kann lernen, mit der Vergangenheit leben.
Dumbledore hatte dies zu ihr gesagt als sie im Krankenflügel gelegen hatte. Hatte ihr erklärt, dass schon weitaus erfahrenere Menschen von Lord Voldemort hinters Licht geführt worden waren. Niemand war darauf aus gewesen, sie zu bestrafen.
Jetzt, Wochen nach den Ereignissen, dachte Ginny zum ersten Mal wirklich über diese Worte nach. Das, was geschehen war, würde für immer ein Teil von ihr sein. Doch sie durfte sich davon nicht beherrschen lassen. Denn nur dann hatte das Böse wirklich gewonnen.
Das Böse, welches sich gezeigt hatte hinter der trügerischen Maske von unschuldigem, weißem Papier.

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

Autor

Arduinnas Profilbild Arduinna

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Kapitel:12
Sätze:119
Wörter:1.279
Zeichen:7.302

Kurzbeschreibung

Papier ist rein, weiß und unschuldig. Und ein Freund in einem Tagebuch ist doch bestimmt ebenso unschuldig, wie die Seiten seines Zuhauses.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Angst und Freundschaft getaggt.