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Black Lake Saga-Auf den Spuren der dunklen Vergangenheit (Band 2)

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15.06.21 15:24
18 Ab 18 Jahren
Heterosexualität
Workaholic

Die Liebe war immer für manche ein Spiel der Macht. Manche hatten mit dieser Aussage Recht. Für mich hatte die Liebe eine andere Bedeutung. Ich glaubte an wahre Liebe und an Sicherheit. Sie war geheimnisvoll und mit Magie verbunden. Ich war nun glücklich und hatte nun gelernt, etwas selbstbewusster zu sein. Doch war ich bereit für eine neue Herausforderung, die mir bevor stand?

Die Zeit am Black Lake Gymnasium hatte ich mit Höhen und Tiefen erlebt. Anfangs, wie ihr schon erfahren hattet, war ich Nightshades Schikanen überliefert. Durch Hesperias Unterstützung wurde ich selbstbewusster. Hesperia und ihre Zwillingsschwester wurden meine besten Freundinnen. Ozul hatte sich zu mir bekannt und wir waren nun ein glückliches Liebespaar seit sieben Monaten. Er hatte sich von Nightshade getrennt. Wer hätte gedacht, dass der begehrte Junge der Schule und ich eine Liebesbeziehung nun pflegten? Es hatte schließlich lange gedauert, bis Ozul bemerkte, dass ich nichts böses von ihm verlangte und wir uns beide ineinander verliebt hatten. Nightshade dagegen machte trotzdem uns das Leben schwer. Mein Cousin Valerian dagegen wurde sein bester Freund. Ozul und ich hatten ein ähnliches Schicksal; auch wenn er nicht gerne über es sprach und am Anfang sich wie ein echter Macho gegenüber mir benahm, als er damals in Nightshades Gegenwart war. Mit ihm verbrachte ich das dritte Wochenende in seiner Wohngemeinschaft und manchmal in der Mittagspause der Schule mit seinen Freunden, die zudem seine Bandkollegen waren, auch wenn sie nicht sehr begeistert von mir waren. Sie fragten sich, was er an mir, diesem Mauerblümchen nur finden würde und warum er nicht mit Nightshade, dem schönsten Mädchen der Schule im folgenden Jahr auf den großen Home sweet lovely dark dream* (hier: das Abschlussfest des Black Lake Gymnasiums) gehen würde. Ebenfalls gab er auf diese Frage keine Antwort. Ich fragte mich, ob es ihm peinlich war; unsere Beziehung öffentlich bekannt zu geben, doch er schüttelte den Kopf und antwortete mir still: „Es wird weiter gehen …Mach dir keine Sorgen!“Sein Flüstern seiner Stimme sagte mir Nur mit dir!. Ich war sehr gerührt und er sah mich mit seinen dunkelbraunen Augen leicht schmunzelnd an. Ich lächelte. Er war zufrieden und küsste meine Lippen sanft.

Sein Wohlbefinden verbesserte sich, seit wir ein Paar waren, jedoch stand seine Zukunft nicht unter einem guten Stern. Er hatte schlechte Noten und sein Abschluss stand auf der Kippe, aber ich versuchte ihm Mut zu sprechen, auch wenn es nicht einfach war. Er arbeitete hart an neuen Liedern, aber das Texten wurde schwieriger. Etwas machte ihm Kummer, aber was es genau war, wusste ich nicht. Er rauchte eine Zigarette nach der anderen, da er unter Druck stand und seine Bandkollegen und seine Lyrik Lehrerin Mrs. Calliope die Texte forderten. Es blieb ihm ein Jahr sich auf seine Abschlussarbeit konzentrieren. Er musste schon einmal seine Nachprüfung schreiben, sodass seine Versetzung von der neunten auf die zehnte Klasse nicht gefährdet war. Diese hatte er noch knapp geschafft. Nun drohte ihm die Gefahr, zum High School Diploma im folgendem Jahr nicht zugelassen zu werden.

Ich hielt meine Adoptiveltern stets über meine schulischen Laufbahn auf dem Laufenden. Ich war ihnen nicht mehr böse über die Adoption. Ich hatte mich mit ihnen versöhnt und wir pflegten wieder, wie früher ein sehr gutes Verhältnis. Qadria und Thorn waren sehr stolz auf mich und akzeptierten meine Beziehung zu Ozul. Sie nahmen ihn auf, als wäre er ihr eigener Sohn. Ozul schätzte es ebenfalls. Er bedankte sich oft bei Qadria für ihre tolle Kochkünste. Ich besuchte sie jedes zweite Wochenende und jedes vierte Wochenende Adrienne und Cadell, auch wenn ich mich in Adriennes Nähe nicht wohl fühlte, aber Valerian riet mir, den heilen Schein zu bewahren. Er hatte mir versichert, nichts über meine Liebschaft seinen Eltern zu erzählen. Dies war ich ihm sehr dankbar. Mein Cousin und ich verstanden uns weiter sehr gut.

Doch Adrienne war immer noch kritisch und skeptisch gegenüber meine Schulnoten, obwohl ich mein Bestes tat. Meine Lehrer waren zufrieden. Ich schrieb soweit gute Noten. Im Fach Kunst war ich soweit; beinahe die Klassenbeste.

An diesem Tage war ein sonniger Tag und ein warmer Sommer stand an. Die Sonnenstrahlen leuchteten ins Klassenzimmers hinein. Hesperia, ihre Zwillingsschwester Eranthe und ich hatten Literatur Unterricht. Wir nahmen die letzten drei Kapitel unserer Pflichtlektüre über den Hexenkult durch und unser Lehrer Mister Segeric forderte nun uns auf: „Ich möchte, dass ihr eine Zusammenfassung zu den letzten drei Kapitel verfasst und diese werde ich nächste Woche einsammeln. Dies ist eure letzte Benotung, bis zu eurem letzten Zeugnis.“ Wir notierten unsere Aufgabe in unser Aufgabenheft.

Dann kündigte die Schulklingel die Mittagspause an. Ich schritt mit meinen besten Freundinnen und Ione in Richtung Mensa „Möchtest du nicht auf Ozul warten?“, wollte Hesperia von mir wissen. „Du weißt doch, dass wir nicht jede Mittagspause zusammen verbringen.“, entgegnete ich ihr. Eranthe schüttelte den Kopf und wir gingen zur Essenskantine. Wir aßen vegane Gulasch Suppe. Ich war in Gedanken zu Ozul versunken und fragte mich, was sich mit ihm ereignete. „Was ist los?“, fragte Eranthe mich. „Nichts, aber ich sehe oft, dass es um Ozul in letzter Zeit nicht gut steht und irgendetwas bedrückt ihn.“, antwortete ich still. Die Zwillingsschwestern hoben gleichzeitig die Augenbraue hoch. Waren sie erstaunt oder waren sie eher geschockt? „Was geht denn in ihm vor?“, wollten sie wissen. „Er spricht nicht gerne über seine Probleme. Ihr wisst doch, wie ich war, bevor wir beste Freundinnen wurden ...“, entgegnete ich ihnen etwas verärgert. Beide nickten matt, um mir „Du hast Recht.“ zu konkretisieren. „Es wird weiter gehen...sowie du es gesagt hast.“, redete ich zu mir leise selbst.

Etwas später sprachen wir über unsere nächsten Schulstunden. Wir hatten noch eine Stunde Geschichte und zwei Stunden Kunst vor uns, bevor wir uns ins Internat begaben. Ich freute mich immer auf mein Lieblingsfach Kunst, auch wenn die erste Stunde Geschichte der dunklen Kunst war und uns genug Informationen eines weiteren großen malerischen Künstler von Theorie und Praxis verschaffen mussten. In der letzten Stunde mussten wir ein Gemälde im Stil des besprochenen Künstlers anfertigen. Es war nicht immer einfach, diese Theorie in die Praxis umzusetzen.

Nun an diesem Tag war es noch ein Monat bis zu den Sommerferien. Ich hoffte auf eine erfolgreiche Versetzung in die nächste Klasse und musste meine Kunstmappe vorbereiten. Meine Kunstlehrerin Mrs. Vendetta berichtete mir, dass ich in zwei Jahren eine Chance hätte, ein Stipendium zu erlangen und die Mappe ebenfalls eine kreative mündliche Abschlussarbeit für das High School Diploma werden würde. Ich musste diese Chance nutzen; ich war bereit.

Plötzlich vibrierte mein Mobiltelefon. Ich schrak leicht hoch und mein Display leuchtete einen Anruf von Ozul an. Ione lächelte und sagte: „Dein Schatz ruft an. Geh ran!“ Ich war überrascht, da ich der Meinung war, dass er mit seinen Kumpels seine Mittagspause verbringen wollte, aber es freute mich zugleich, dass ich ihm wichtiger war. Ich nickte und nahm Ozuls Anruf entgegen: „Hey meine sweet Mousie! Bist du fertig mit essen?“, sprach er mit niedlicher Stimme.

Ja, was gibt‘s?“, wollte ich wissen.

Kannst du bitte an unseren Geheimort bitte kommen?“

Jetzt?“

Ja bitte mein schöner Mond.“

Ok. Dann bis gleich. Ich liebe dich!“

Ich liebe dich auch.“, antwortete er mir und legte auf.

Mädels, ich muss los. Ozul braucht mich.“, sagte ich meinen besten Freundinnen. „Viel Spaß!“, wünschte mir Eranthe Glück. „Treibt es nicht so doll!“, scherzte Hesperia. Ich verdrehte die Augen und lachte. Ich ging zum Geheimort von Ozul und mir, zum See, der in kalten Jahreszeiten von Nebel bedeckt war. In der Gegend war eine Bank und Ozul stand davor. Er war alleine. „Komm her, meine Schöne!“ bat er mich. Ich lief in seine Arme. Er fing mich auf und hob mich hoch.

Dann küsste er mich und sagte mir:„Ich habe eine kleine Überraschung für dich … Mach die Augen zu!“ Er drehte mich zu sich, sodass mein Rücken zu ihm gedreht war. Er legte etwas um meinen Hals. „Mach die Augen wieder auf!“,befahl er mir. Ich trug ein wunderschönes Geschenk um mir.

Ich trug eine Halskette mit einer Mondsichel. „Das ist wunderschön, mein Schatz. Danke!“, sagte ich Ozul und küsste ihn. Er erwiderte meinen Kuss und deutete mir auf seinen Hals. „Schau...hier ist meine Kette: ein Drache. Ich will dir hiermit sagen, dass ich dies zu unserer Verbindung trage: Du die Sichel des Mondes und ich der Drache. Ich liebe dich sehr Amaris und seit ich dich kenne, merke ich, dass ich ein anderer Mensch geworden bin und du meine Prinzessin bist, auch ohne Krone, aber mit einem großen Herz, die mich in ihre Welt hineingelassen hat und ich mir eine Zukunft mit dir vorstellen kann.“,erzählte er mir. Ich wusste gerade nicht ob ich lächeln oder weinen sollte, aber das war eins der schönsten Dinge, die Ozul mir je gesagt hatte. „Und nun an meine Prinzessin des Mondes, kannst du dir ebenfalls vorstellen eine Zukunft mit mir?“, wollte er wissen. Ich verdrückte eine Träne und er wischte sie sanft von meinem Gesicht und ich bejahte seine Frage. Wir küssten uns innig und er hielt meine Taille mit seinen Händen fest. Ich war noch nie so glücklich. „Wir müssen das Qadria und Thorn erzählen.“, sagte ich zu ihm. Er nickte und flüsterte Wenn die Sommerferien beginnen. „Okay.“, stimmte ich ihm zu.

Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr und wir mussten zurück zum Schulunterricht. Geschichtsunterricht stand bei mir auf dem Programm. Ich winkte Ozul zur Verabschiedung und er warf mir einen Luftkuss zu. Ich gab ihm einen ebenfalls zurück. Er hatte wieder Lyricunterricht bei Mrs. Calliope und es schien so, dass er traurig in seinen Klassensaal musste. „Da bist du ja…“, erschreckte mich Hesperia. „Mann, Hesperia, ich habe dir schon mehrmals gesagt dass du mich nicht so erschrecken sollst.“, ärgerte ich mich über meine beste Freundin. Schon gut, meinte sie. „Schau mal, Schwesterherz, was Amaris da hat. Eine Kette mit einer Mondsichel.“, fiel Eranthe sofort auf. Sie hatte mein Geschenk von Ozul entdeckt. „Das ist ja schön!“, stimmte Hesperia zu. „Ja, Ozul hat sie mir geschenkt.“, sagte ich ihnen. Sie waren sehr erstaunt. Wir gingen nun in unseren Klassensaal, wo Mr. Leovigild uns bereits erwartete. Dieses Mal ging es um das Viktorianische Zeitalter und das Thema war heute Verwaltung und Justiz dieses Zeitalters. Unser Lehrer redete endlos und schrieb die wichtigsten Informationen mit Kreide an die Tafel und wir notierten uns alles in unser Heft. Es war an diesem Tag das langweiligste Thema von allen.

Es war immerhin noch ein Monat bis zu den Sommerferien aber es standen noch zwei Klausuren vor uns. Eine Kunstklausur über Freskenmalerei

Die Literaturklausur unserer Pflichtlektüre über den Hexenkult stand als letzte Klausur an und unsere Hausaufgabe bestand, die drei letzten Kapitel zusammen zu fassen. Es kam eins der drei Themen vor: die Magie der Kristallen, die Weissagung der Tarot Karten oder der Wicca-Kalender. Die Pflichtlektüre des Hexenkults begleitete uns dieses ganze Schuljahr. Es war eine Zerreißprobe. Manche Unterthemen waren nicht immer für schwache Nerven, sowie die Esbate*. Ich hoffte auf die Versetzung in die High-Diploma Klasse. Bis jetzt war kein Grund zur Sorge. Doch zwei der drei Themen wurden ausgesucht.

Eine Stunde später kündigte die Schulklingel das Ende des Geschichtsunterricht an und nun endlich war mein Lieblingsfach an der Reihe. Wir gingen nochmal das Thema unserer Klausur durch und zeichneten in der letzten Stunde weiter an unserem Werk, das das Thema Totentanz beinhaltete. Mit dem Material Kohle sollte dieses verarbeitet werden. Es war ein schauriges und zugleich interessantes Bild. Ich zeichnete einen, der ebenfalls die Liebe in Betracht zeigte. Eine Frau, die mit dem Tod tanzte, andere gingen in die Richtung des Mittelalters, die den Totentanz als geistliches Spiel sahen. Mrs.Vendetta sah mein Werk an und war sehr überrascht von diesem, dass es eine leichte Abwandlung hatte, als ihm Gegenzug zu den anderen. „Das sieht gut aus Amaris, versuche noch etwas Schatten im Hintergrund zu setzen sowie im Motiv!“, gab sie mir Rat. Ich nickte. Hesperia schaute kurz herüber und flüsterte kichernd: „Soll das Ozul und du sein? Das nenn ich ja mal wahre Liebe!“ „Psst!“, zischte ich sie leise an. Hesperia neckte mich wieder und ich musste trotzdem etwas schmunzeln. So unrecht hatte sie doch nicht. Ich fragte mich die ganze Zeit, wie Ozul in seinem Unterricht zurecht kam. Ich hoffte, er schaffte es, neue Lyrics zu bringen, sodass er mit seinen Kollegen ein neues Musikalbum produzieren konnte. Dieses Jahr kamen ein einziges Album und eine Single heraus. Der Song der Single war der an mich gewidmet wurde und ich die einzige war, die davon wusste und Nightshade es trotzdem geahnt hatte und vor Wut tobte. Die Single verkaufte sich gut. Ozul hatte mir selbst eine geschenkt und ich hörte den Song oft auf meinem MP3-Player. Der Name des Songs war Show me your bright side.

Ich setzte die Schatten für die Zeichnung und Mrs.Vendetta schien zufrieden zu sein. Sie war sehr fasziniert von meinen Ideen. Ich zeichnete weiter an meinem Werk, bis die Schulklingel den Unterricht unterbrach. Alle packten ihre Sachen und Hesperia und ihre Schwester wollten auf mich warten, doch Mrs. Vendetta fragte mich, ob ich noch einen Augenblick hätte und sagte meinen besten Freundinnen, dass sie vor der Klassenzimmertür auf mich warten könnte. Sie nickten und gingen aus dem Atelier heraus. „Mit Verlaub!“, war meine Antwort. „Amaris, ich muss Ihnen etwas sagen.“, fing an Mrs. Vendetta mir zu erzählen.Was ist denn nun los?, fragte ich mich. Sie überreichte mir einen Briefumschlag und ich wollte wissen, von wem dieser Brief ist. Sie antwortete mir mit knappen Sätzen, dass ich diesen selbst lesen müsste und setzte mich in Kenntnis, ich sollte auf mich aufpassen. Ich sah sie mit einem verwirrten Blick an, als ich den Umschlag betrachtete. Es war kein Absender. Nur eine Aufschrift mit gotischem Schriftzug „An das Kind des Mondes“ war in der Mitte des Umschlags gekennzeichnet. Meine Kunstlehrerin sagte nur: „Nehmt diesen Brief und lest ihn, wenn Sie im Internat angekommen sind. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen Amaris und viel Erfolg beim Lernen der Klausur. Ich bin mir sehr sicher, dass Sie diese bestehen.“ Ich bedankte mich und ging aus dem Kunstatelier heraus. Ich wurde nervös, da ich durchaus wissen wollte, von wo dieser Brief stammte und wer diesen verfasst hatte. Hesperia erkannte meine Nervosität und erkundigte sich, was sich ereignete. Ich antwortete ihr nicht. „Amaris...ich sehe doch, dass dich irgendetwas beschäftigt.“, erwiderte meine beste Freundin. Ich zeigte ihr den Brief und sie fragte mich ebenfalls dieselben Fragen, die ich schon hatte. Gleichzeitig war ich in Gedanken bei Ozul, denn ich machte mir auch Sorgen um ihn. Ich schrieb Ozul noch eine Nachricht, dass ich nun lernen werde und fragte ihn ob wir später telefonieren konnten. Aber sicher doch, meine Mousie. Ich liebe dich...<3 antwortete er zurück. Ich liebe dich auch <3 <3 :*

Hesperia und ich gingen ins Internat zurück und wir gingen in unser Schlafzimmer. Ich setzte mich aufs Bett und öffnete hastig den Briefumschlag. Was mich dort erwartete, war ein tiefer Schlag. Es zog mir den Boden unten Füßen weg.

29. April 2007

An meine geliebte Tochter, mein Kind des Mondes, meine Amaris Eugenia Nicolea,

Du wirst dich wundern, dass ich dir jetzt erst schreibe...nach fast 17 Jahren… Zuerst möchte ich dir sagen, dass es mir sehr leid, dass ich dich weggegeben habe …Ich weiß, es war ein Fehler, aber ich bitte dich mir zu verzeihen und ich kann mir vorstellen, dass du dich oft gefragt hast, warum ich keinen Kontakt zu dir gesucht habe. Es war nie der richtige Zeitpunkt gewesen, dir mich zu erklären, deswegen habe ich mich entschlossen, es dir nun anhand dieses Briefes zu schreiben: Meine Eltern, also deine Großeltern waren sehr strengIn ihren Augen war ich ein Nichts und meine Schwester Adrienne war ihre Lieblingstochter, da sie die beste Leistungen hatte und sich nicht wie ein Dirne verhielt als ich es sein würde ….

Ich lernte deinen leiblichen Vater auf derselben Schule, die du nun auf Adriennes Wunsch ebenfalls besucht. Rox Trishswall war dein Vater. Ich dachte, er wäre meine wahre Liebe. Als ich mit dir schwanger wurde, wollte er nichts mehr von mir und dir wissen und Qadria nahm mich auf ... Ich übergab dich ihr nach der Geburt. In meinen Augen warst du ein wohlgeborenes Mädchen, aber ich musste dann weg...weit weg, so dass mich niemand finden konnte. Ich war jung und meine Eltern (deine Großeltern) hatten dich nie akzeptiert, als ich dich unter meinem Herzen trug. Sie sahen dich als eine Sünde des Teufels Ich litt sehr darunter …

Ich weiß, dass du mich vielleicht als eine Rabenmutter siehst, aber ich schwöre dir, ich hatte keine andere Wahl gehabt, als auf Wunsch deiner Großeltern dich abzutreiben, das ich nicht getan habe. Des weiteren habe ich dir ein Paket geschickt. Es wird in einer Woche ankommen. Ich habe in Erfahrung gebracht, dass Mrs. Hestia dich im Internat betreuen tut und sie wird dieses Paket entgegen nehmen. Sie wird es dir überreichen.

Du fragst dich wahrscheinlich auch, warum Mrs. Vendetta dir diesen Brief in diesem Umschlag überreicht hat. Mrs. Vendetta war schon damals auch meine ehemalige Kunstlehrerin und ich konnte ihr meinen Kummer und die Schwangerschaft anvertrauen. Qadria war auch die einzige meiner Freundinnen, die ebenfalls von der Schwangerschaft wusste, aber ich habe Mrs.Vendetta darum gebeten, diesen Brief dir zu geben, wenn du das erste Jahr abgeschlossen hast. Es ist ok, wenn du mich nicht kennenlernen möchtest, aber irgendwann möchte ich gerne wissen, was aus dir geworden ist.

Eine Antwort kann ich dir jedoch nicht geben… Ich weiß nicht, wo dein leiblicher Vater sich aufhält. Zu meiner Situation, ich werde dich irgendwann besuchen kommen...Auch wenn meine Gesundheit mir sehr zu schaffen macht . Und ich werde versuchen dir alles zu erklären, so gut ich kann...

In dunkler Erinnerung, deine leibliche Mutter Trista Myld.

Ein kalter Schauder kroch meinen Rücken hinunter und ich fang zu zittern. Warum jetzt erst?, fragte ich mich. Meine beste Freundin Hesperia nahm den Brief vorsichtig von meinen Händen und wollte wissen, was passiert war. „Lies ihn bitte selbst!“, sagte ich mit wütender und zugleich trauriger Stimme. Hesperia las diesen durch. „Ich wusste es, dass diese Leinwand mit der Zombie Hälfte … und Menschenfrau diese Frau gezeichnet hat. Ich kann sie nicht ... als meine leibliche Mutter sehen ... und ich will sie nicht kennenlernen …“, schluchzte ich. Hesperia versuchte mich zu trösten und mir Mut zu zu sprechen. Sie umarmte mich und beruhigte mich. Sie konnte meinen Schmerz verstehen. Mein Kopf hielt trotzdem das aufgewühlte Chaos nicht aus und hatte weitere tausende Fragen im Kopf, die eine Antwort verlangten. Nun war schon klar, dass ich eins war: eine Sünde des Teufels und nicht eine Prinzessin ohne Krone des Mondes. Das breitete sich in meiner Wut zu meiner nichts losen Mutter aus. Warum konnte Mrs.Vendetta es mir nicht sagen? Und war dies der Grund, warum Adrienne ihre Schwester und mich verabscheute? Ich wollte einfach die ganzen Erklärungen und dies hier nicht lesen. Ich musste mich nämlich auf wesentliche Dinge konzentrieren; auf meine letzte Klausur und anfangen Notizen zur Kunstmappe zu machen.

Aus meinen Gedanken kurz heraus reißend, vibrierte mein Handy kurz und zeigte eine neue Nachricht von Ozul an. Meine Mondprinzessin, wie fühlst du dich gerade? Ich liebe dich :* Und könnten wir uns noch heute sehen und nicht telefonieren? „Ich glaube, es ist besser, wenn du ihn siehst..:“, sagte Hesperia zu mir. Ich nickte. Sie zeigte nur auf mein Gesicht und ich wusste was sie mir sagen wollte. Ich sah total verweint aus und musste mich neu schminken. Erst beruhigte ich mich und schickte eine Nachricht an Ozul zurück. Um wie viel Uhr und wo treffen wir uns? Ich liebe dich auch…. :‘( <3 :* Kurz darauf erreichte ich seine Antwort Um halb neun beim Pavillon des dunklen Gartens der Schule und was ist los mein Schatz? :( Ich schrieb ihm Erzähle ich dir später! Ich setzte mich an den Schreibtisch und Hesperia und ich fingen an die Themen der Wicca Lektüre für die Klausur zu wiederholen. Es fiel mir schwer, mich auf das Thema der Weissagung der Tarot Karten zu konzentrieren da wir ebenfalls mit dem Kartenstapel lernen sollten eine Prophezeiung oder die Zukunft für jemand voraussagen sollten. Und eine dieser Voraussagen mussten wir wahrscheinlich ebenfalls in der Klausur detailliert beschreiben. Mein Schicksal hatte sich bereits vorher angedeutet und meine Vergangenheit hatte sich erneut in mein Leben eingeschlichen. Ich musste mich leider gegenüber dieser stellen, wie dem auch sei, ich musste …

In meinen Gedanken versunken auf das Thema „die Magie der Kristalle“ konzentrierte sich der Fokus hauptsächlich auf den Mondstein und dessen Volksglaube und Heilwirkung. Ich setzte meine Kopfhörer auf und hörte Musik. Die Texte des folgenden Liedes spiegelten genau mein Schicksal wieder, da ich nun die Wahrheit halbwegs kannte.

Plötzlich klopfte Hesperia auf die Schulter und setzte mich in Kenntnis, dass es Zeit war zum Abendessen.Ich hatte keinen Appetit, doch sie zerrte mich zur Mensa. „Iss eine Kleinigkeit und trinke wenigstens eine Matcha Latte, dann wird es dir besser gehen. Eranthe und Ione sind auch da. Tizane habe ich heute noch nicht gesehen.“, versicherte sie mir. Wir saßen uns an den Esstisch und die Küchenhilfen brachten unser Essen. Ich lehnte allerdings ab. „Möchten Sie vielleicht etwas anderes haben, Amaris?“, wollte die Küchenhilfe Meyra wissen. „Ein Stück Obst wäre mir recht.“, antwortete ich ihr. Sie wusste, welches ich essen mochte und brachte mir eine Kaki mit und einen Energieriegel, den ich brauchte, nachdem Joggen. Ich bedankte mich bei ihr und Eranthe sah mir an, dass ich nichts von ihrer Mahlzeit wollte. Sie fragte in Mimiksprache, ob alles in Ordnung wäre? Ich nickte behutsam, doch sie ahnte ebenfalls, dass sich etwas anderes ereignet hatte.

Ich stand auf und nahm meine Sachen. Amaris, die Kraft des Mondsteins ist sehr stark und du weißt, dass du manche Menschen in deinen Bann gezogen hast. Bleib zu dir treu und diese Bindung zu Ozul ist die magische Anziehungskraft der Liebe. Ozul ist der, den du dir wünschst, ich weiß das …Eine tiefe Verbindung reicht aber nicht aus … Wenn du ihn so liebst ….Doch eines muss dir klar sein ...Die Zukunft ist ungewiss, Kind des Mondes ….Sei es der Schatten, der über dir liegt … Denke reichlich an die Worte… Dein Schicksal wird sich nochmal verändern … Dies waren meine Gedanken, die in meinem Kopf kreisten. Ich ging nach draußen und joggte etwas. Mein Herz pochte laut und schnell und mein Atem war schwer. Ich versuchte auf andere Gedanken zu kommen. Gleich werde ich Ozul treffen und hoffe, er hat Verständnis für meine Situation.

Nachdem ich ins Internat zurückkehrte, duschte ich und lernte noch etwas, bevor ich mich mit Ozul verabredete. Die Zeit verlief schnell. Bald schlug die Uhr halb neun. Ich zog eine schwarze Legginghose mit einer schwarzen Tunika an mit dem Motiv einer Fledermaus im Vollmond an, das einem sofort ins Auge fiel. Ich lief schnell.

Draußen stand die Sonne bereits tief im Westen. Die Abenddämmerung war am Anbrechen. Ich erreichte den Pavillon des dunklen Gartens unserer Schule. Rote und weiße Rosen blühten mit aller Pracht und kleine Sonnenstrahlen der Sonne schienen auf ihnen. Ozul wartete bereits vor dem schwarzen Pavillon. Er rauchte gerade seine Zigarette fertig und drückte sie dann aus. „Hi!“, begrüßte ich ihn mit geknickter Stimme und umarmte ihn. Er küsste mich. „Hi, meine Prinzessin! Was ist denn los?“, wollte er wissen. Wir setzten uns auf die schwarze Bank und ich erzählte ihm vom Brief meiner leiblichen Mutter und dass ich als eine Sünde des Teufels angesehen würde. Ich fing wieder an zu weinen, da dieser Ausdruck mich sehr schmerzte. Er tröstete mich und es tat mir gut, da er mir zuhörte, obwohl seine Situation etwas ähnlich war, dennoch gab es einige Unterschiede. „Amaris, Schatz, hör mir bitte zu! Du bist kein Teufel! Du bist der wertvollste Schatz, den ich je besitze, das mir vorher nie bewusst war. Du kennst ebenfalls mein eigenes Schicksal. Leider kann ich dir nicht viel helfen, denn auch du musst dich nochmals deiner Vergangenheit stellen. Ich kann dich nur unterstützen, falls etwas passieren wird. Ich musste es an meinem 18. Geburtstag tun, doch es kam nicht soweit. Ich hatte doch immer in meinem Inneren eine leiseste Stimme, die es ahnte und es seit längerem wusste,dass meine Eltern, mich nie haben wollten, da ich ein Schatten war, denen ich Unheil brachte. Ich hatte mich jedoch damit abgefunden, in einem Heim aufgewachsen zu sein. Meine Eltern haben mich einmal im Heim in meiner Wohngemeinschaft besucht. Mein Schatten hatte sich über sie gestellt. Mein Charakter war kalt und ich wurde aggressiv, als ich sie sah. Ich versuchte immer meinen Schmerz zu verdrängen, solange man nicht über meine Eltern sprach, jedoch kam ich anfangs mit neuen Menschen nicht zurecht, die in mein Leben kamen. Ich entwickelte Strategien, diesen keine Beachtung zu schenken, sowie dir am Anfang, da es mir schwer fiel, dich zu akzeptieren. Als du auf unserer Schule aufgenommen wurdest und ich an dem Tag mit der Band auftrat, war mir klar, dass ich bald eine andere Richtung wählen musste, aber Nightshade hielt mich davon ab und führte Rituale mit mir durch. Diese sollten mich im Wissen lassen, dass ich dich verabscheuen sollte, sowie sie es tat. Als ich am Wochenende in meine Wohngemeinschaft zurück ging, sperrte ich mich das ganze Wochenende in mein Zimmer ein. Ich sah dich vor mir und dachte nach….“ „Mein Liebster, warum hast du mir das nie vorher erzählt, dann hätte ich verstehen können, warum dein Verhalten so fremd gegenüber mir war?“, wollte ich wissen. Er zuckte mit den Schultern und umarmte mich. Er antwortete nichts und ich konnte ahnen, warum er dies tat. Wir sahen uns tief in die Augen und küssten uns. Ich legte meinen Kopf leicht an seine Schulter und er wiegte mich in seinen Armen langsam links und rechts.

Dann schaute Ozul in Richtung Westen, wo die Sonne unterging. Ich drehte mich zu ihm und legte seine Hände an meine Taille herum und wir beobachteten den Sonnenuntergang. Ein schöner Anblick, diesen gemeinsam mit Ozul zu erleben. Eine stille Stimmung und der Wind wehte sanft durch mein Haar. Ich fühlte mich geborgen. Lange standen wir still im dunklen Pavillon, bis mein Handy plötzlich vibrierte. Es war meine Ziehmutter Qadria. „Hallo Liebes, wie geht es dir? Ich hoffe, ich störe dich nicht beim Lernen.“, fragte meine Adoptivmutter nach. „Nein alles gut, damit bin ich schon fertig. Wie geht es dir?“, sagte ich ihr, „Mir geht es gut. Ich war etwas joggen und bin jetzt mit Ozul im dunklen Garten der Schule.“ „Oh, das ist schön. Uns geht es uns gut, Amaris. Könntest du ihm einen lieben Gruß ausrichten?“ „Das werde ich machen. Einen kurzen Moment bitte.“ Ich legte mein Mobiltelefon kurz zur Seite und richtete an Ozul den Gruß von meinen Zieheltern aus. Er nickte und ich richtete ebenfalls einen von ihm ihnen aus. Qadria bemerkte an meiner Stimme, dass sich trotzdem etwas ereignet hatte. Ich antwortete ihr, dass ich ihr dazu später eine Nachricht schicken würde. Ich hatte ihr kurz über den Brief meiner leiblichen Mutter erwähnt und dass ihr später alles nochmals erzählen würde. Ozul rauchte gerade eine Zigarette und wartete, bis ich das Telefonat beendet hatte. Insgesamt freute sich Qadria über meine gute schulische Leistung und meine Liebesbeziehung. Ich war etwas nervös wegen meinen letzten Klausuren, da alles davon abhing, ob ich versetzt werden würde in die nächste Klasse oder nicht. Qadria verabschiedete sich und legte auf. Meine Armbanduhr kündigte die Uhrzeit an, sich auf den Weg ins Internat zurück zu begeben. „Darf ich dich begleiten, meine Schöne?“, fragte Ozul mich mit lieblicher Stimme. Ich nickte „Einverstanden“. Er brachte mich bis zur Treppe, den Rest musste ich wie immer alleine gehen. Wir küssten uns und er ging wieder in seine Wohngemeinschaft zurück. „Ich liebe dich!“, sagte er. „Ich liebe dich auch.“Wir verabschiedeten uns. Meine Gedanken konnten dennoch immer keine Ruhe finden. Warum hatte Mrs. Vendetta den Brief? Klar wegen Vertrauen, aber warum hatte meine leibliche Mutter meiner Ziehmutter diesen nicht überreicht oder geschickt? Steckt Adrienne wieder dahinter? Oder steckt sie in ernsthaften Schwierigkeiten? Was hat dies alles zu bedeuten? Und Ozul scheint auch nicht gerne über sein Schicksal zu sprechen… Es ist ihm sicher schwer gefallen vorhin. Ach mann ...langsam hasse ich es… immer unnötige Fragen! Ich soll mir keinen Kopf machen … Ich hasse diesen Stress…

Ich öffnete meine Zimmertür. Hesperia schien mich noch nicht gehört zu haben, da sie die Themen der Wicca-Kultur mehrmals durchgehen musste, da das Fach der Literatur eins ihrer wichtigen Schulfächer war, um später die Kunst der Rituale umzusetzen und die Heilkraft der Kristalle zu verstehen. Ihre Zwillingsschwester hatte sich angeschlossen.

Ich schickte Qadria ein Foto vom Brief meiner Mutter per Messenger. Sie schickte kurz darauf einen Schock-Emoji zurück und eine Sprachnachricht: „Sie hat sich nach deiner Geburt nie gemeldet und jetzt dieser Brief? Ich verstehe sie selbst nicht, denn ich habe sie unterstützt, wo ich nur konnte. Einst musst du wissen, dass sie krank geworden ist, sodass sie in ein tiefes Loch gefallen ist. Aber ich werde dir das ein anderes Mal erzählen. Wir wünschen dir eine gute Nacht und schlaf gut. Wir haben dich sehr lieb. Küsschen.“ Ich hörte die Nachricht leise ab, antwortete ihr noch kurz zurück und machte mich zurecht ins Bett zu gehen. Ich war schon müde, jedoch nahm ich nochmal den Stoff der drei Themen in unserer Lektüre durch. Hesperia und Eranthe waren sehr konzentriert. Und ich wollte sie nicht weiter stören. Ich versuchte mir die Namen der Kristalle und deren Magie zu merken und wiederholte die Weissagung der Tarotkarten.

Dann fing Eranthe zurück in ihr Zimmer. Aus der Konzentration herausreißend, wollte Hesperia wissen:„Du, Amaris, wie war eigentlich das Treffen mit Ozul?“ Ich versuchte ihre Frage zu ignorieren, da ich sie nicht belasten mochte. Hesperia drehte sich in meine Richtung, „Amaris, ich rede mit dir. Was ist passiert? Ich hoffe nur, dass er nicht Schluss gemacht hat oder?“

Ich schüttelte den Kopf und antwortete ihr: „Nein, das nicht. Er hat nur kurz über seine Vorherbestimmung geredet, die ebenfalls nicht so schön ist und als ich hier her kam, sein Gewissen ihn anfangs plagte, als er mich gesehen hatte. Er meinte, als er mich traf, eine andere Entscheidung müssen zu treffen und er ist darüber glücklich. Er stellt sich eine Zukunft mit mir vor. Ich möchte es auch, aber das einzige, was ich jetzt weiß, ebenfalls mich nochmals meiner Vergangenheit zu stellen, auch wenn dies meine seelische Kraft kosten wird…“, erzählte ich ihr. „Glaubst du, dass du bereit bist?“, fragte meine beste Freundin mich. „Ich weiß es nicht, aber irgendwie muss ich dadurch..“, flüsterte ich. Hesperia nickte matt und verstand meine Worte. „Gute Nacht, beste Freundin.“„Gute Nacht, Hesperia.“
Und so versuchten wir zu schlafen und eine neue Aufgabe stand mir bevor.

Es waren knapp zwei Wochen bis zum Zeugnis und den Sommerferien. An diesem folgenden Dienstag stand die Literatur-Klausur uns bevor. Draußen zogen dunkle Schatten auf. Es sah nach einem stürmischen Tag aus.

Meine Klassenkameraden und ich saßen in der Aula, um unsere Literatur Klausur zu schreiben. Die Tische waren auf zwei Meter Abstand, sodass niemand von jemand abschreiben konnte. „Nun, ich hoffe, ihr habt alle fleißig für eure Klausur gelernt...es gibt zwei unterschiedliche Klausuren. Die eine ist über die Magie der Kristalle, die andere die Weissagung der Tarotkarten. Für diejenigen, die das Thema der Tarotkarten haben, bin ich in der Hoffnung, dass ihr euer Kartenstapel dabei habt, jedoch dürft die Anleitung nicht benutzen. Ich teile nun die Klausurbögen aus und ihr lasst diesen solange umgedreht, bis ich das Wort Laboremus! ausgesprochen habe. Ihr habt drei Stunden Zeit“, informierte uns Mister Segeric, indem er die Bögen noch unter dem Arm fest hielt. Hoffentlich bekomme ich das Thema die Magie der Kristalle, da es mir einfacher fällt., hoffte ich zumindest. „Laboremus!“, hallte Mister Segerics Stimme durch den Raum und wir drehten unsere Klausur um. Mist! Leider doch Weissagung der Tarotkarten „Dark Wood Tarot Deck“!, schimpfte ich leise zu mir selbst, ohne dass mich jemand hören konnte. Ich packte die Karten aus meiner schwarzen Schatulle aus. Die erste Aufgabe war kurz zu beschreiben, was „der blinde Fleck“ sei und die zweite „die Zusammenstellung des Liebesorakel“. Alleine die erste Aufgabe kostete mich sehr viel Überwindung. Na gut, auf in den Kampf, dachte ich und atmete einmal tief und aus. Ich legte mir die Karten und zeichnete sie in meiner Klausur auf und beschrieb die Situation. Ich darf mir keine Fehler erlauben, es ist die letzte Klausur … Ich darf dies hier nicht vermasseln.

Das Wetter sagte ein Gewitter voraus mit einem Sturm, der darauf drohte. Ich hörte nun das Grollen des Donners und mir wurde bewusst, dass sich irgendetwas ankündigte. Nun, ich sollte mich besser auf meine Klausur konzentrieren. Die Karten zeigten mir ein Unheil und ich konnte irgendwie ahnen, was es sein könnte. Ich beschrieb meine Vorahnung und mein Körper und meine Hände fingen an zu zittern. Du schaffst das schon ...Ich weiß das, sprach eine Stimme in meinem Kopf. Geh mir endlich aus dem Kopf!

Einen kurzen Blick warf ich auf die Uhrzeit. Noch zwei Stunden und dreißig Minuten. Noch genug Zeit ...aber ich war bald mit der ersten Aufgabe fertig, auch wenn diese Kopfschmerzen verursachte. Die zweite Aufgabe fiel mir nicht so schwer und wusste im ersten Augenblick, was diese bedeutete. Ich hatte mich etwas beruhigt und es ging mir etwas besser. Ich fragte mich erneut, wie Ozul zurecht kam, da er auch etwas unter Druck stand und seine letzte Lyric-Klausur ihm bevor stand. Falls er wieder einen Text in Richtung Ballade schreiben sollte, dann könnte ihm dies seinen Ruf kosten, da Nightshade noch immer eine gewisse Macht besaß und versuchte, uns auseinander zu reißen, obwohl er sich längst zu mir bekannte und doch unsere Beziehung im engsten Kreis zeigte, auch wenn die meisten mich nicht sehr als seine Liebe ansahen. Manche hatten schon behauptet, ich wäre eine Wette von seinen Freunden. NEIN, so war es nicht! Ich sammelte mich nochmals und verfasste die zweite Aufgabe der Klassenarbeit zu Ende. Ich hatte es geschafft in zwei Stunden, die ganze Klausur zu schreiben und gab diesen als Erste bei Mr. Segeric ab. „Na schon fertig?“, wollte er wissen. Ich nickte matt und er ebenfalls mit einem zufriedenen Eindruck. „Sie können schon den Saal verlassen, Amaris. Genießen Sie Ihre Freistunde!“, sagte er. „Vielen Dank!“, antwortete ich ihm leise und ging aus dem Aula Saal heraus. Hoffentlich wird alles gut. Ich ging den Flur entlang und die Treppe hinauf.

Eine Freistunde hatte ich nun vor mir und entschloss mich kurz in mein Zimmer zu gehen, um ich etwas auszuruhen. Donner grollten und Blitze schlugen. Dunkle Wolken waren am Himmel und dies Mitte Mai. Als ich zur Tür meines Zimmers hineinkam, lag ein kleines Paket mit weißem Geschenkpapier und schwarzen Lilien auf meinem Bett. Neben dem Paket lag ein Zettel:

Sehr geehrte Miss Amaris Ward,

Ich habe dieses Paket entgegen genommen, sowie es abgesprochen wurde. Es tut mir Leid, dass ich es Ihnen selbst überreichen kann, da ich außer Haus bin. Daher habe ich es Ihnen in Ihr Zimmer gebracht. Leider kann ich Ihnen nicht sagen, wer dieses Ihnen geschickt hat.

Mit freundlichen Grüßen,

ihre Betreuerin Mrs. Hestia

Merkwürdig,
dachte ich und setzte mich aufs Bett. Soll ich jetzt auspacken oder später? Obwohl ...hmm...vielleicht doch schon, da sich irgendeine Botschaft des Wetters verbirgt. Ich packte das Päckchen aus. Es war ein rechteckiges violettes und schwarzes Schmuckkästchen, das die Form eines Sargs hatte und ich zog den Reißverschluss der oberen Öffnung. In diesem Augenblick kündigte sich ein heftiger Donnerschlag an. In diesem Schmuckkästchen Lag ein schwarzes Lederarmband mit einer silbernen Legierung die ein geflochtenes Kelten Muster im Hintergrund verzierte. In der Mitte war der Lebensbaum der Wikinger zu erkennen und mein Name. Unter diesem Armband lag ein gefaltetes Pergament Schriftstück, das mit einem Lederband zusammengebunden wurde. Ich löste es und es war ein kleiner Brief:

3. Mai 2007

Geliebte Tochter, mein Kind des Mondes, meine Amaris Eugenia Nicolea,

Soweit ich mich erinnere, habe ich dir erzählt, dass ich dir ein Paket schicken werde. Ich hoffe, dass dieses nun angekommen ist und es geöffnet hast.

Es sind wahrscheinlich ein paar Wochen vergangen, als ich dir letztens geschrieben habe.Ich weiß, ich hatte es dir versprochen, dich zu besuchen, aber ich kann es nicht. Hör mir nun gut zu, mein Kind. Dieses Geschenk ist das letzte, was ich dir geben kann, da meine Gesundheit mir sehr zu schaffen macht. Ich hoffe, das Armband gefällt dir. Der Lebensbaum soll uns beide verbinden, als Mutter-Tochter-Symbol. In zwei Monaten ist dein 17. Geburtstag und dies wird ein großer Abschnitt in deinem Leben werden ...Du wirst es sehen.

Im Schmuckkästchen findest du ebenfalls einen kleinen silbernen Handspiegel und ein Foto. Das Foto ist etwas älter, aber du wirst sehen, dass ich es bin, deine leibliche Mutter. Das war ich in deinem Alter. Amaris, Liebes, mit dem Spiegel kannst du dir wünschen, mich zu sehen und mit mir zu sprechen. Versprich mir etwas: Hüte den kleinen Schatz in dir und lege das Armband an dein rechtes Handgelenk. Was ich dir sagen möchte ist , dass ich sehr stolz auf dich bin und du eine geborene malerische Künstlerin bist, sowie ich es einst war.. Pass auf dich auf und ich hab‘ dich

lieb.
In ewiger dunkler Erinnerung, deine Mutter Trista

Die Botschaft des Wetters hatte es genau angedeutet. Was sollte ich wirklich von meiner leiblichen Mutter denken? Ich legte das Lederarmband um mein rechtes Handgelenk und betrachtete es. Es hatte irgendwie schon eine magische Seite.

Meine Armbanduhr piepste kurz darauf. Los, Amaris! Dein Lieblingsfach steht an und in einer Wochen muss dein Gemälde vom Totentanz der Liebe fertig werden ...Ich stand auf und eilte schnell zum Kunstatelier. Mrs. Vendetta zeigte einen trüben Blick. Hesperia und Eranthe kamen zehn Minuten zu spät. Wo waren sie denn? „Sie sind beide zu spät!“, erläuterte Mrs. Vendetta den Zwillingen.

Es tut uns leid Mrs. Vendetta, aber wir mussten noch zum Lehrerzimmer, da wir ein paar Fragen an Mr. Leovigild hatten.“

Na gut, aber nun setzen Sie sich hin. Ihr Gemälde muss heute in einer Woche fertig werden, da nächste Woche die Zeugnis Konferenz ansteht.“ Ich schüttelte den Kopf.

Das Wetter hatte sich etwas verbessert, doch die dunklen Wolken waren noch immer zu sehen. Innerlich fühlte ich mich nicht gut und versuchte es zu verdrängen. „Hören Sie mir bitte kurz zu, bevor Sie Ihre Gemälden beenden. Ich habe eure Klausur über die Freskenmalerei ausgewertet. Von einigen bin ich etwas enttäuscht. Ich dachte, es war klar und deutlich gewesen, was ich in Ihrer Klausur erwartet habe. Ein Durchschnitt von der Note C. Ich werde Ihnen die Klausur austeilen.“, kündigte Mrs. Vendetta uns an. Hoffentlich habe ich wenigstens bestanden., dachte ich und in Gedanken bei meiner leiblichen Mutter. Meine Kunstlehrerin gab meine Arbeit zurück. Das Ergebnis war sehr gut erkennen. Eine A+. Ich hatte es mit sehr bester Leistung bestanden. Ich blätterte in die Klausur und Mrs. Vendetta hatte mir eine positive Bemerkung verfasst:

Eine der besten Arbeiten, die ich je gesehen habe. Ihre Mutter wäre sicher stolz auf Sie. Des Glücks Seite. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Ich war etwas überrascht, aber sonst glücklich, dass ich diese Klausur bestanden hatte. Ich schaute auf mein Lederarmband. Ich verzeihe dir Trista, murmelte ich. Hesperia stieß mich kurz mit dem Ellbogen an. „Und was ist deine Note?“, wollte sie wissen. Ich zeigte ihr meine Klausur. „Voll krass; du bist wirklich eine geborene Künstlerin der Malerei und Klassenbeste.“, stimmte Hesperia zu. Ein kurzes Lächeln setzte ich auf und wieder entdeckte Eranthe sehr schnell etwas an mir und zwar das Geschenk meiner Mutter: das Lederarmband mit dem Lebensbaum. „Ist das auch von Ozul?“, wollte sie wissen. In diesem Augenblick drehte sich Nightshade zu ihr und beschimpfte sie. Ich antwortete nicht. „Ruhe!“, schrie Mrs.Vendetta durch das gesamte Atelier und verteilte weiter die letzten Klausuren mit dem Ergebnis. Ich versuchte Nightshade nicht zu beachten. Und du, dummes Ding, meinst du wirklich , es hält ewig?“, regte sie sich bei mir auf. „Hören Sie sofort auf, Miss Ward zu provozieren, Miss Venenum!“, schimpfte Mrs. Vendetta über Nightshade. „Tzz!“, hörte ich sie sagen. Ich schenkte ihr keine Beachtung und konzentrierte mich auf meine Situation. Irgendwann soll sie sich mal beruhigen, diese giftige Schlange. Nochmal, dein Freund, seit sieben Monaten dein Ex-Freund hat dich verlassen. Du hattest ihm genug angetan… Lass uns endlich in Ruhe! Es war immer wieder derselbe Kampf, sich nicht erneut auf Nightshades Schikanen hereinzulassen, aber ich schaffte es Stück und Stück.

Der nächste dunkle Schatten zog auf. Ich wusste wieder, was dies zu bedeuten hatte. Wir setzten den Fokus wieder auf unseren Unterricht und arbeiteten nun weiter an unserem Gemälde des Totentanz. Ich war fast fertig und schmückte nun noch kleine Details auf mein Kunstwerk. Mrs Vendetta kam auf mich zu und fragte: „Ist bei Ihnen alles in Ordnung, Amaris?“ Ich nickte. „Wirklich?“ „Es geht schon...“, antwortete ich. „Ihr Gemälde stellt eine Harmonie zum Totentanz dar oder irre ich mich?“, erkundigte sie sich. „Ja es soll ein Totentanz zwischen zwei Toten die ihre Liebe zu einander finden.“, erklärte ich ihr. Sie lächelte kurz und fand es sehr in die Richtung des Surrealismus dargestellt. Interessant.“, war ihre Antwort. Noch eine halbe Stunde ging die Unterrichtsstunde, dann war endlich Schulende für diesen Tag. Die Literatur Klausur lag mir auf dem Magen, dann die Situation von meiner richtigen Mutter, obwohl ich ihr verziehen hatte und nun Nightshades neuem verbalen Angriff auf Eranthe und mich. Hesperia sah mir an, dass ich mit mir kämpfte, da die Nervosität bei mir nicht leicht war zu verdecken. „Gib Amaris etwas Ruhe nachher, Schwesterherz. Ich werde mich um sie kümmern.“, flüsterte Hesperia ihrer Schwester zu. „Warum das denn? Schließlich bin ich auch ihre beste Freundin.“, ärgerte sich Eranthe. Es ist schon gut … Ich komme schon zurecht. Eranthe schüttelte den Kopf. Ich war soweit fertig mit dem Gemälde.

Die Schulklingel kündigte das Ende des Unterrichts an und ich eilte schnell aus dem Klassenzimmer heraus. Ich wollte so schnell wie möglich in mein Zimmer, um mich zu beruhigen. Ich holte mein Handy aus meinem Rucksack und eine neue Nachricht von Ozul war eingegangen. Hallo meine Prinzessin, wie fühlst du dich heute? Ich weiß, dass du mich wahrscheinlich brauchst, um genug Kraft zu sammeln, sodass du dich deiner Vergangenheit stellen kannst, ohne weitere Qualen. Ich bin in Gedanken bei dir.

Ich würde ihm lieber später antworten, da dies keine gute Nachricht war. Ich schaltete den Flugmodus nun ein.

Zum einen Teil stand er unter Druck, zum anderen wollte er für mich da sein, da ich ihn brauchte. Er wollte mir helfen. Hesperia war mir schnell hinterher gelaufen. „Es tut mir leid Hesperia, aber ich brauche jetzt etwas Zeit für mich.“, sagte ich ihr, ehe sie mir die Frage stellen konnte, was sich erneut ereignet hätte. Ozuls Antwort war jedoch auch zugleich süß, weil er sich Sorgen um mich machte, obwohl er letztes Mal sagte, ich müsste allein mein eigenes Schicksal herausfordern. Ich schritt schnell in mein Zimmer und holte das Schmuckkästchen aus der Schublade von meinem Schreibtisch. Ich nahm den Handspiegel heraus. Kurz darauf sprach ich die Worte Oculus vitae sapientia (Die Weisheit ist das Auge des Lebens) aus. Eine ungewöhnliche hohe Temperatur strahlte in meiner Hand aus und der Spiegel zeigte Blitze. Draußen drohte wieder ein Gewitter und es stürmte. Dunkle Wolken stapelten sich zusammen auf. Ein Donner grollte fürchterlich und der Spiegel zeigte meine leibliche Mutter, die in ihrem Krankenbett lag. „Amaris...Amaris…“, rief sie mich mit einer kratzender Stimme. Neben ihrem Krankenbett stand eine Infusion. Was fehlte ihr? Was war passiert?

Trista…“, sprach ich kurz ihren Vornamen aus. Es war noch zu früh zu ihr das Wort „Mama“ zu sagen. Sie räusperte sich und versuchte mit mir zu sprechen. Die Verbindung mit dem Spiegel zu meiner Mutter war bereit. Ich konnte jedoch meiner Mutter nicht erzählen, dass ich schon den Brief gelesen hatte, den Mrs. Vendetta mir überreicht hatte, da ich sie nicht beunruhigen wollte.

Trista nahm tief Luft und zitterte jedoch. Es fiel ihr schwer mir ihre Geschichte der Geburt zu erzählen, da Tränen in ihren Augen sie überrollten.

Mein liebes Kind, wie geht‘s dir? Bevor du mir antwortest , möchte ich mich bei dir nochmals entschuldigen und mich erklären … Wahnsinn, wie groß du geworden bist und zu einem heranwachsenden Teenager geworden …Ich hoffe, du trägst das Lederarmband und werde dir nun deine Geschichte des Lebens erzählen: Zuerst möchte ich dir sagen, es ist keine schöne Situation gewesen, als du geboren wurdest ...Aber du musst mir glauben, ich wollte dich. Doch mein seelischer und körperlicher Zustand haben Spuren hinterlassen ...“, erklärte sie mir. Das Zittern ihres Körpers wurde stärker. „Willst du mir es nicht ein anderes Mal erzählen? Mir geht es soweit gut.“, fragte ich sie.

NEIN!“, schrie sie weinend und fing an zu erzählen: Es werden bald siebzehn Jahre her sein. Du musst es nun erfahren, bevor jemand anderes dir Lügen erzählen tut.“

Wer soll mir denn eine andere Version deiner Geschichte erzählen?“, wollte ich wissen.

Deine Tante Adrienne sehr wahrscheinlich, da sie nicht gut auf mich zu sprechen ist...So ich möchte nun dir diese schreckliche Situation erzählen. Es war an einem Herbst Tag des Jahres 1989 ... Es war der fünfzehnte November. Rox … dein Vater hatte Geburtstag an diesem Tag und wurde neunzehn.Wir waren auf dem Konzert von seinem besten Freund Balduin eingeladen, der Rhythmusgitarrist der Musikgruppe „Flame Snake“von Cadell (deinem Onkel) war. Adrienne stand kurz vor ihrer Stelle als Leadsängerin und die Band spielte in unserer Stammkneipe.

Dein Vater und ich waren sieben Monate ein Liebespaar und ich dachte, er wäre meine wahre Liebe, aber er ließ an diesem Abend, nach dem Konzert seine Maske fallen und drängte mich zu seinem Vorhaben. Er wollte mit mir schlafen, doch ich war noch nicht bereit. Ich war sechzehn, aber er meinte: „Ich habe lange genug gewartet. Lass uns endlich mal zur Sache kommen.“ Ich bekam Angst und wollte gehen, doch ich wurde dann ohnmächtig und kann mich an den Augenblick erinnern, als ich zu Bewusstsein kam: Ich lag nackt im Bett deines Vaters und meine Hände waren gefesselt. Ich schrie, da er auf mir lag. Er hielt mir mit seiner linken Hand den Mund zu und drang in mich ein. Mit der anderen Hand knetete er meine Brust so fest, dass es Schmerzen auslöste …Ich konnte mich nicht befreien… Denn als er meine Fessel löste, befahl er mir, dass ich mich umdrehen sollte. Er schlug mit seinem Gürtel auf meinen Rücken ein und beschimpfte mich: „Der Teufel wird dich solange quälen, bis ich ihn aus dir heraus habe.“ Ich weinte und fragte mich, was mit ihm geschehen sei, da er so gefährlich wurde. Ich konnte es nicht verstehen … Als er fertig war mit seiner Tat, lachte er hämisch und sagte mir diese Worte: „Leb‘ wohl, du kleines Luder!“ Dann ließ er mich los. Ich zog mich an und rannte zurück nach Hause zu deinen Großeltern. „Hast du dich wieder mit diesem nichtslosen Trishswall abgegeben?“, wollte dein Großvater wissen. Ich konnte ihn schlecht anlügen und gab es zu. Er sperrte mich zwei Tage ein. Deine Großmutter war sehr entsetzt …“ Donner grollten bedrohlich draußen und Trista machte eine kurze Pause. Sie trank einen Schluck Wasser.

War ich also wirklich kein Wunschkind?“, wollte ich von ihr wissen.

Sie schüttelte den Kopf und fuhr mit der Erzählung fort: „Doch, für mich warst du und bist es immer gewesen, trotz diesen Qualen, die dein Vater mir angetan hatte. Ich habe nur die erste Zeit nichts von der Schwangerschaft bemerkt und ich verkroch mich die ersten Monate. Ich meldete mich krank, doch eines Tages entschied ich mich Qadria, meine beste Freundin und deine Adoptivmutter zu besuchen und ich verspürte einen großen Hunger. Sie machte sich über mein Essverhalten Sorgen. „Etwas stimmt nicht mit dir Süße!“, meinte sie. Ich war verwirrt und sie riet mir einen Arzt aufzusuchen. Wieder hatte die Angst mich unter Kontrolle. Ich fragte sie, ob sie das wirklich im Ernst meinte. Und sie schlug vor mitzukommen. Qadria kam mit und man fand heraus, dass ich im dritten Monat schwanger war. Keiner hatte in dem Zeitpunkt etwas bemerkt. Qadria ahnte nur, dass meine Eltern, mich und dich verabscheuen werden, wenn sie wüssten, wenn ich schwanger wäre. Meine beste Freundin nahm mich auf. Wir überstanden meine schwierige Zeit. Du wirst dich sicher fragen, ob ich deinem Vater von der Schwangerschaft erzählt habe. Ja allerdings hatte ich das … Er wollte jedoch nichts mehr hören und sagte, sowie deine Großeltern, dass ich eine Sünde des Teufels in mir trage. Nun den Rest, denke ich mal, dass du diesen kennst. Ich muss nun gehen, mein liebes Kind, du weißt nun, wie es war und wenn du noch etwas wissen möchtest, dann vergiss nicht, wie du dies tust. Und Amaris, bitte vergib mir!

Ich hatte ihr die ganze Zeit zugehört und dann verschwand das Spiegelbild von meiner Mutter. Ich war geschockt und es tat mir sehr Leid, dass sie so leiden musste. Ebenfalls verstand ich nicht, warum mein Erzeuger so brutal wurde und ihr Schmerzen zu gezogen hatte. Würde diese Situation auch bei mir passieren? Ich wusste es nicht, jedoch hatte ich noch ein paar Fragen, aber das Gespräch war beendet. Ich legte den Spiegel zurück ins Schmuckkästchen und schrak hoch, als meine beste Freundin hinter mir stand. „Musst du mich so erschrecken?“, fragte ich sie genervt. Hesperia lachte. „Es ist wirklich nicht komisch.“, regte ich mich auf. „Hattest du vorhin irgendwie Selbstgespräche geführt oder tatest du nur so? Und übrigens… Ich habe versucht dich seit zwei Stunden zu erreichen, da wir gleich zum Jazz-Tanztraining müssen. Hast du schon vergessen?“ Wie konnte ich das vergessen? Ich blickte kurz auf meine Armbanduhr und es war noch eine halbe Stunde bis dahin.

An diesem Tag war für mich kein guter Tag gewesen und fragte Hesperia: „Könntest du Mrs. Lethia bitte ausrichten, dass ich mich für heute abmelde?“ „Ja, kein Problem, aber was ist mit dir los Süße, du erschreckst dich bei jeder Kleinigkeit?“, wollte meine beste Freundin wissen und erkannte, dass mein Gesicht sehr stark verblasste und wie weiße Kreide war. Ich zitterte vor negativer Aufregung.

Hesperia, setz mich nicht unter Druck! Eine Kälte kroch in mir hoch. Ich wusste nicht, was ich ihr antworten sollte. Meine beste Freundin versuchte mich zu beruhigen. „Schon gut, du kannst es mir auch später erzählen.“, sagte sie. Ich nickte und legte mich ins Bett. Hesperia verabschiedete sich und ging mit ihrer Zwillingsschwester zum Tanztraining. „Bis später!“

Das Wetter hatte sich nun etwas beruhigt. Mist, ich habe vergessen Ozul zu antworten. Es war bereits halb acht und schaltete den Flugmodus von meinem Mobiltelefon aus. Zwei Nachrichten gingen ein. Eine weitere Nachricht von Ozul und eine Nachricht von Adrienne. Was wollte meine Tante jetzt? Fing sie wieder an Terror zu machen, obwohl ich schon jedes vierte Wochenende bei ihr verbringen tat. Zuerst las ich Ozuls Nachricht: Was ist los mein Schatz? Ich mache mir Sorgen um dich. Könntest du mich bitte anrufen?

Adrienne schrieb: Hallo. Ich hoffe, dass du ins nächste Schuljahr versetzt wirst und ein gutes Zeugnis hast. Du weißt, ich habe meine Quellen. Bis am Samstag. Valerian kommt dich abholen. Und seid bitte pünktlich!

Konnte sie nicht irgendwann mal Ruhe geben? Ach war ja auch egal, aber ich rief Ozul an. „Hey sweety mouse! Warum hast du mir nicht geantwortet? Und bist du nicht sonst wie jeden Mittwoch beim Tanz-Training?“, fragte mein Liebster mich. „Es tut mir Leid mein Schatz, aber gerade geht es mir gar nicht gut. Ich möchte jetzt bitte nicht darüber sprechen, weil innere Wunden aufgegangen sind und ich mit der jetzigen Situation nicht zurecht komme. Ich habe mich meiner Vergangenheit nun gestellt, aber der Schmerz sitzt tief. Ich erzähle dir das, wenn wir am dritten Wochenende der nächsten Wochen sehen. Versprochen! Gib mir jetzt nur etwas Zeit! Hesperia sagt Mrs. Lethia heute Bescheid , dass ich nicht zum Training komme. Wie fühlst du dich?“

Das tut mir sehr Leid, meine Liebste. Ach, mir geht es gut, sobald ich deine Stimme höre. Du kannst es mir dann erzählen am dritten Wochenende und du hast jede Zeit, die du brauchst. Naja, wenn du mich auf meine Versetzung sprichst, kann ich dir nur so viel dazu sagen, dass ich sehr wahrscheinlich die 11. Klasse wiederholen muss, sowie meine Kameraden auch, die ja in der Schulband spielen, da wir nicht sehr erfolgreich waren. Das tut allerdings gar nicht zur Sache, denn in zwei Jahren wirst du zur High School Diploma Klasse erreichen und der Abschluss wird großartig werden. Ich wollte dir vorschlagen, dass du dich zu Dark Princess bewerben kannst. Bis dahin hast du noch Zeit zu überlegen. Ich wünsche mir nur, dich heute noch zu sehen…“, erzählte er mir. Es klang nicht gut, dass seine Versetzung in Gefahr stand. Ich machte mir Sorgen und wusste nicht was ich von seiner Idee der High School Diploma Klasse halten sollte. Ich wollte ihn zwar auch sehen, aber ich brauchte etwas Zeit, wie ich ihm bereits erklärt hatte.

Ozul, Liebster, das klingt nicht so gut, aber eine andere Frage: Wärst du mir böse, wenn ich etwas Ruhe brauche?“, fragte ich ihn.

Nein Liebste, nimm dir diese Zeit. Es ist schon in Ordnung.“, antwortete er geduldig.

Danke!“

Keine Ursache. Eine gute Nacht wünsche ich dir im Voraus und versuch gut zu schlafen...Träum was schönes!“

Das wünsche ich dir auch!“, sagte ich ihm und legte dann auf. Hoffentlich war er jetzt wirklich nicht böse auf mich. Vielleicht war er eher etwas traurig, dass wir uns nicht sehen würden.

Ich legte mich ins Bett, fasste an meiner Kette und dachte an Ozul. Auf meinem Nachtschrank stand unser erstes gemeinsames Bild: Ozul und ich, wo wir uns gegenseitig in die Augen schauten. Es beruhigte mich etwas. Ach Ozul, heilt Zeit wenigstens ein paar Wunden? Unser Schicksal ist nicht einfach und eine Prophezeiung droht. Ich hoffe, sie erfüllt sich nicht. Möge Lilith auf uns Acht geben! Ich versuchte einzuschlafen. Es war ein schwerer Augenblick. Hesperia und Eranthe waren noch beim Training. Ich nahm mein MP3-Player aus der Schublade und hörte Musik, um besser einzuschlafen. Ozuls Lied brachte mich in einen tiefen Schlaf.

Wo bist du? Ich suche nach dir...Komm her du kleine Sünde...Na los!“ Jemand nähert sich. Ein Mann in einem dunklen weiten Mantel tritt auf und sein Kopf ist durch die Kapuze des Mantels nicht ganz zu erkennen. „Was willst du eigentlich in deinem Leben erreichen?“, spricht eine weibliche Stimme. „Und was verschafft mir deine Ehre?“, wollte der Mann im dunklen Mantel wissen. „Ich glaube, dir ist klar, was dieses kleine Biest dir für Schwierigkeiten machen wird. Du hast die Wahl: Entweder wird sie dich auslöschen oder du tust sie vernichten!“ „Ich werde ihr ein Zeichen geben!“

Ich wachte schweiß gebadet auf: Ein schlechter Traum hatte mich eingeholt. Hesperia lag in ihrem Bett. Ich hatte sie vorhin nicht zur Tür herein kommen gehört. Sie schlief fest und ich wollte sie nicht aufwecken. Ich schaute kurz auf das Armband von meiner Mutter. Was hat dieser Traum zu bedeuten? Irgendwie beschlich mich dieser Gedanke, dass mein Vater oder besser mein Erzeuger genannt und Adrienne in diesem Traum vorkamen und in einer kleinen Sequenz ich selbst zu sehen war. Sicher will ich ihn nicht mehr wiedersehen, nachdem was er meiner Mutter angetan hat . Ich schaute kurz auf die Uhrzeit meines Weckers. Es war bereits halb fünf in der Früh. Wenigstens ist heute Freitag, aber das Wochenende graut mir schon. Ich versuchte noch die letzten zwei Stunden zu schlafen, bevor mein Wecker klingelte. Schon wieder setzte ein Druckgefühl in mir aus, da bald die Zeugnisse anstanden und ich Adrienne nicht enttäuschen durfte. Ich hoffte nur, dass ich bald wieder in mein wahres Zuhause zurückkehren konnte und zwar zu Qadria und Thorn.

Der Albtraum hinterließ jedoch Spuren in mir und versuchte ihn irgendwie aus dem Kopf zu verbannen.

Der Wecker riss mich aus dem Schlaf und ich stand auf. Ich schaute auf meinen Unterrichtsplan. An diesem Tag standen die Fächer Latein, Spanisch und Förderunterricht in Sport an. Ich ging duschen und versuchte mich zu entspannen, da an manchen Freitage um zwölf Uhr Schulschluss war. Am heutigen Freitag war dies der Fall. Ich war nervös, da ich dieses Wochenende zu Adrienne musste. Es war wie jedes vierte Wochenende nie leicht, da ich meistens lernen musste und Valerian mir scheinbar helfen musste, da seine Mutter der Ansicht war, meine Noten würden sonst nicht besser ausfallen, jedoch hatte Valerian meine Schulnoten gesehen und erklärte seiner Mutter, dass ich nicht auf seine Hilfe angewiesen war, da es gute waren. In den meisten Fächer der Quartal Zeugnissen hatte ich A und B. Nur in Sport da war ich mit der Benotung zwischen B und C. Zum Glück war kein F auf meinem Zeugnis. Ich war gespannt auf das letzte Halbjahr Zeugnis, da meine Versetzung anstand. Ich musste mich darauf noch eine Woche geduldigen.

Nachdem ich mich zurecht gemacht und die Schuluniform angezogen hatte, schritt ich in Richtung Mensa, um zu frühstücken. Hesperia kam etwas später und war wie jeden Tag etwas müde, jedoch wollte sie wissen, was sich am vorigen Abend ereignet hatte. Ich erzählte ihr über die Verbindung zwischen meiner leiblichen Mutter und mir. Hesperia war sehr bestürzt und hatte nicht mit einer solch emotionalen Geschichte gerechnet.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass deine Mutter durch die Hölle gegangen ist.“, sagte sie entsetzt.

Ich stimmte ihr zu: „Das kannst du wohl laut sagen!“

Weißt du aber schon, was deiner Mutter fehlt, da du mir erzählt hast, sie sei sehr krank?“

Nein, leider weiß ich dies noch gar nicht und Hesperia, bitte behalte diese Informationen für dich.“

Kein Problem. Diese sind bei mir in sicheren Händen.“

Wir aßen noch schnell unseren Dinkel Grießbrei auf und tranken unsere Mandelmilch aus. Wir schritten schnell zum Lateinunterricht, wo Mr. Vitus uns erwartete. „Salvete!“, begrüßte er uns. Wir verbeugten uns wie in jeder Unterrichtsstunde und kehrten an unseren Sitzplatz zurück. Wir nahmen mehrmals die ganzen Zeitformen durch von vielen Verben. Die Zeitform Futur machte den meisten Schwierigkeiten und Nightshade regte sich jedes Mal über uns auf. Ich hatte mich oft gefragt, warum sie noch den Kurs belegte, da Mr.Vitus der Meinung war, sie könnte schon die wichtigsten Sachen, sowie die Tempus-Formen auswendig. Vielleicht wollte sie uns nur ihre Besserwisser-Seite zeigen und uns damit provozieren … Sie war so in etwa seine Lieblingsschülerin geworden. Der Unterricht war unter Mr. Vitus etwas theatralisch und an manchen Momenten sehr langweilig, weil er uns als Hausaufgabe jedes Mal zwei lange Texte zum Übersetzen gab. Er benahm sich an manchen Tagen wie ein Herrscher der antiken Römerzeit; als den Herrscher Augustus. Seine Befehle waren ebenso wie die Worte dieses Kaisers.

Sein Lieblingszitat: „Sat celeriter fieri quidquid fiat satis bene.“ („Was gut genug getan wurde, ist auch schnell genug getan.“ Dies sagte er bei jedem Unterricht, wenn die Stunde zu ende war. Man konnte glatt meinen, er wäre selbst der Imperator Augustus, da er in unserem Unterricht in einer römischen Rüstung auftrat und die Frisur einmalig war.

Die Stunde des Lateinunterrichts kündigte ihr Ende an und wir mussten uns so schnell wie möglich in den Spanisch Kurs begeben. Mrs. Anela hatte an diesem Tag eine Filmanalyse aufgetragen. Es ging um einen ehemaligen oberen Chef eines mexikanischen Drogenkartells. Wir schauten den Film in der spanischen Sprache mit spanischen Untertitel. Einige langweilten sich, da die Sommerferien bald kamen und andere hatten keinen Lust auf diesen Film, da das Thema Drogen im Vordergrund stand. Ich versuchte mich zu konzentrieren und machte Notizen.

Die Schulklingel unterbrach uns und kündigte die erste Pause an. „Mann, war das langweilig bei Mrs.Anela!“, sagte meine beste Freundin genervt. Sie hasste das Thema Drogen und der Film verlief sehr eintönig nach ihrer Meinung, „Die Sommerferien stehen ab nächsten Freitag eh vor der Tür! Warum noch nutzloser Unterricht? Was wirst du eigentlich in den Sommerferien machen? Eranthe und ich fahren zu unserem Vater. Er fährt mit uns wie jedes Jahr nach Sawblade Nebula. Das ist eine große gotische Stadt mit dem berühmten malerischen Kunstmuseum der Welt des Landes Okurnoc. Das Museum stellt jedes Jahr eine neue Ausstellung von malerischen Werke vor. Wir werden in einem dunklen Schloss übernachten. Ich wünschte, du könntest mitkommen, denn dieses Museum würde dich bestimmt sehr interessieren.“, wollte sie von mir wissen.

Ich weiß es noch nicht genau, aber ich vermute, dass ich die ersten zwei Wochen bei meiner Tante und meinem Onkel verbringen muss, dann vier Wochen bei meinen Adoptiveltern und die letzten drei Wochen bei Ozul in seiner Wohngemeinschaft.“, vermutete ich.

Darf Ozul dich überhaupt besuchen?“, fragte sie mich.

Ja, bei meinen Adoptiveltern in Wicked Rose schon. Bei der Kobra Schlange, also meiner Tante nicht. Nach ihrer Meinung bin ich noch zu jung für eine Liebesbeziehung, aber Cousin Valerian hält sein Wort und sagt ihr nichts davon. Er ist immerhin sein bester Freund geworden, aber ich freue mich gar nicht auf dieses Wochenende, da ich zu meinen Blutsverwandten muss und es führt daran kein Weg vorbei. Doch immerhin verstehen mein Onkel und mein Cousin mich. Und ja hoffen wir mal, dass das Zeugnis ein gutes wird.“

Hesperia seufzte und wir mussten zum Förderunterricht Sport. Beim Sport wurde ich etwas de-konzentrierter.Konzentrieren Sie sich etwas besser, Miss Ward.“, appellierte Mr. Falkmor, „Sie werden das schon schaffen und seien Sie vorsichtig!“ Leichtathletik war nie meine Stärke, wie ihr bereits gelesen hattet. Ich musste meine Note in Sport auf C. bringen, obwohl ich das Fach hasste. Bald hast du eh das erste Jahr der Oberstufe geschafft, Amaris. Endlich war der Sportunterricht zu Ende. Valerian schien sich bald auf den Weg zu machen, um mich abholen zu kommen. Und doch hatte sich ein Gefühl von Übelkeit leicht wieder angestaut, da meine Erinnerung hoch rief, dass ich dieses Wochenende zu Adrienne musste.

Die Mittagszeit hatte sich angekündigt und es war Schulschluss. Ich duschte noch schnell nach dem Sportunterricht und holte dann meinen Koffer und den Rest, den ich am Wochenende brauchte. Mein Handy klingelte in diesem Augenblick; es war Ozul. „Meine Schönheit, ich bin‘s. Ich wollte dir noch ein schönes Wochenende wünschen, auch wenn ich weiß, dass es nicht einfach bei deiner leiblichen Tante wird. Ich ruf dich morgen Abend an, ist das für dich in Ordnung?“, wollte er wissen. „Ich weiß leider nicht, was dieses Wochenende bei der Giftschlange ansteht. Wenn ich etwas mehr in Erfahrung bringe, sage ich dir auf jeden Fall Bescheid.“, sagte ich ihm etwas genervt. Er hörte, dass ich gestresst und nicht sehr erfreut über dieses Wochenende war, wie jedes dieser Wochenenden bei Adrienne. Er entschuldigte sich bei:„Es tut mir leid, meine Prinzessin, ich wollte dich nicht verärgern. Es war wirklich keine Absicht. Ich warte dann auf deine Nachricht. Bis dann!“, verabschiedete er sich von mir und ich legte auf. Ich nahm meine Sachen und eilte schnell zum Eingangstor, wo Valerian auf mich wartete. Er stand neben Adriennes Wagen. Hoffentlich ist sie jetzt nicht mitgekommen, um Terror zu schieben. Verehrte Cousine, schön dich zu sehen!“, begrüßte er mich. „Ich freue mich auch, verehrter Cousin.“ Valerian öffnete mir die Beifahrersitztür und sagte, ich könnte mich hierhin setzen und Adrienne und Cadell wären die letzten zwei Wochen bis am folgenden Tag nicht zuhause, da sie auf einer Konzerttournee in Ardabur waren. Ich nickte zufrieden, dass wenigstens an diesem Tag etwas Ruhe vor dem Sturm stand. Ich setzte mich ins Auto und er legte meine Sachen in den Kofferraum. Was möchtest du gerne machen? Wir könnten vielleicht mein neues Dark-Fantasy Videospiel auf der Konsole spielen oder wir könnten auch ins Kino, den Film Station Dream Hell uns anschauen.“, wollte er wissen.

Ein Videospiel zu spielen wäre toll.“, antwortete ich ihm. Mein Cousin nickte, fuhr los und bemerkte, dass ich etwas angespannt war, daher fragte er nicht, wie ich mich fühlte, da er die Antwort kannte. Er fragte nur, wie es sich anfühlte, da die die folgende Woche die letzte wäre vor den Sommerferien, erkundigte sich nach Ozuls Wohlbefinden und ob in unserer Beziehung alles in Ordnung war. „Ich glaube, Ozul ist etwas traurig, dass ich dieses Wochenende nicht mit ihm verbringe und es ist schwierig zu sagen, wie es ihm geht. Hat er dir nicht geschrieben? Naja, ich weiß nicht, wie sich es anfühlt vor den Zeugnissen. Irgendwie bin ich schon etwas aufgeregt.“, erzählte ich ihm kurz und knapp. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Nein, er hat mir nicht geschrieben.“

Wir erreichten in einer knappen Stunde später Death Tale und Valerian nahm meine Sachen aus dem Kofferraum. „Wir können heute Abend Essen bestellen, Mutter und Vater kommen erst morgen zurück. Was meinst du?“, fragte er mich. „Super Idee!“, stimmte ich meinem Cousin zu. Valerian brachte meine Sachen ins Zimmer.

Dann gingen wir in sein Zimmer und spielten gemeinsam das Dark-Fantasy Videospiel. Drachen, Oger, Zwergen, Magier, Ritter und düstere Gestalten kamen drin vor. Man konnte seinen eigenen Charakter erstellen. Valerian mochte die Ritter und ich wählte eine Magierin der Charaktere. Man musste gemeinsam gegen Monster kämpfen. Es war interessant und mit meinem Cousin über fantastische und dunkle Kreaturen zu plaudern. Wir spielten einige Stunden und es wurde später Nachmittag. Das Spiel war faszinierend und doch waren die Bosse sehr schwer zu besiegen. Ich hatte damit etwas Schwierigkeiten, aber Valerian half mir, so gut er konnte und der Genre des Spiels gefiel mir.

Später sagte ich meinem Cousin Bescheid, dass ich etwas joggen gehen wollte. „Kein Problem, mach das ruhig. Sei bitte aber gegen halb sechs zurück, denn dann können wir gemeinsam schauen, was wir zum Essen bestellen.“, setzte er mich in Kenntnis.

Ich werde dann wieder da sein.“ Ich joggte und schaute kurz auf mein Handy. Eine neue Nachricht ging ein. Hesperia hatte geschrieben: Hey Amaris, mein Schwesterherz und ich fragen uns, wie es dir im Moment geht. Wir hoffen, dass deine Tante nicht wieder Ärger macht. Was machst du gerade? Bis am Sonntag!

Ich antwortete schnell zurück, dass an diesem Tag noch etwas Ruhe war, da meine Tante noch auf einer Konzerttournee war und mein Cousin und ich alleine in der Villa waren. Dann lief ich noch etwas und kehrte dann zurück. Ich war etwas verschwitzt, als ich das Ziel erreichte.

Valerian war im Wohnzimmer und legte eine CD in den CD-Player der Stereoanlage auf. „Du kennst bestimmt die Band oder?“, fragte er mich etwas neckend. „Ja klar.“, lachte ich. Es war Ozuls Band. Valerian hatte ein Album bei ihm abgekauft und mochte die Musik. „Ich wusste irgendwie, als das Lied Show me your bright side veröffentlicht wurde, dass dies mit dir zu tun hätte.“, sagte er. Ich war erstaunt: „Echt?“

Ja!“ Wir summten gemeinsam die Lieder. Es freute ihn, mich lächeln zu sehen und er machte den „Headbanging Slow motion“ Style. Ich fand dies aufregend, da der Lead-Gittarist von Ozuls Band dies genauso tat.

Als das Lied „Show me your bright side“ erklang, fing ich an es etwas zu singen. Danach ging ich duschen. Als ich fertig war, war es bereits halb sechs Uhr abends. Valerian rief mich und überreichte mir ein paar Take-Away Speisekarten. Vegane asiatische Gerichte und die ayurvedische Küche. Wir beide entschieden uns für die ayurvedische Küche. Wir wählten eine Vorspeise und eine Hauptspeise , die für zwei Personen geeignet war. Mein Cousin rief beim Lieferservice an und bestellte das Essen. „In einer Stunde wird Ihre Lieferung ankommen!“, hörte ich die Stimme der Auftragnehmerin sagen. Valerian bedankte sich und legte auf. „So, was machen wir jetzt?“, wollte er wissen.

Ich zuckte mit den Achseln: „Vielleicht mache ich den Rest meiner Hausaufgaben noch.“, sagte ich ihm.

Er nickte und sagte: „Ich rufe dich, sobald das Essen geliefert ist.“

Kein Problem. Es ist in Ordnung. Danke Valerian!“

Ich ging hoch ins Zimmer und machte meine Hausaufgaben. Ich bereitete meine Notizen für meine Abschlussarbeit in der Kunst in zwei Jahren vor. Fantastische Kunst, Surrealismus, Gotische Buchmalerei und dunkle Horrorkunst. Diese vier Themen wären gut für die nächste Zeit zu bearbeiten. Ich setzte meine Kopfhörer auf und schaltete meinen MP3-Player ein. Ich hörte ein paar Lieder auf und ab und recherchierte auf meinem Laptop im Internet nach den folgenden Themen. Zwei bekannte Künstler pro Kategorie und vier Zeichnungen pro Thema sollten im Stil dieser bearbeitet werden. Eine A3 Mappe und einen A4 Schnellhefter fehlten mir, aber ich hatte noch genug Zeit diese mir zu besorgen.

Plötzlich klopfte es an meiner Zimmertür. „Die Bestellung ist angekommen. Wir können jetzt zu Abend essen, verehrte Cousine.“, kündigte Valerian an. Ich antwortete ihm: „Ich komme!“ Ich schaltete meinen Laptop aus und den MP3-Player. Ich schloss die Tür hinter mir und schritt zum Esstisch. Valerian hatte den Tisch bereits gedeckt und unsere Speisen auf die Teller verteilt. „Lass es dir schmecken.“

Danke, verehrter Cousin.“ Es war sehr köstlich und der Duft der Gewürze schwebte durch den Raum. Man dachte, man wäre in einem Hindutempel.

Nach dem Essen war ich etwas müde, aber ich entschied mich, noch etwas zu meiner Abschlussarbeit zu recherchieren und Ozul noch anzurufen, bevor ich zu Bett ging. Ich schrieb Ozul eine Nachricht. Es dauerte nicht lange, bis er sie gelesen hatte und er mich anrief. „Na meine Süße, ist wieder Stress bei deiner Tante?“, fragte er. „Nein, noch ist alles gut. Valerian und ich sind alleine in der Villa. Meine Tante und mein Onkel kommen morgen zurück. Wie geht‘s dir, Liebster?“, wollte ich von meinem Freund wissen.

Naja, was soll ich sagen? Meine Kumpels sind unterwegs und ich bin alleine in der WG. Ich versuche einen neuen Song zu schreiben, doch ich habe keine Inspiration. Und doch sind bald die Sommerferien. Ich hoffe, wir können uns dann sehen, da ich mit dir irgendwo hinfahren möchte, wo nur wir beide sind.“, sagte er mit einer unruhigen Stimme.

Was ist nur los mit Ozul? Er wirkt so besorgt, oder ist ein weiteres Unheil im Anmarsch?

Ich versuchte ihn zu beruhigen: „Versuch doch mal dich an einen besonderen Musikkünstler zu inspirieren und dann kommen die Ideen bestimmt für den neuen Song. Und ich bin sehr gespannt, wo du mit mir hinfahren möchtest. Sei mir nicht böse, aber ich gehe gleich schlafen.“

Danke für den Ratschlag, Liebste und es ist in Ordnung. Eine wunderschöne gute Nacht und träume behütet! Ciao!“,verabschiedete er sich von mir. „Ciao!“ Ich legte auf und machte mich zurecht zum Schlafengehen, doch ich hörte unerwartet eine Stimme: Adrienne und Cadell waren doch schon an diesem Tag zurückgekehrt. Leider hatte Valerian nicht Recht gehabt. Was machten sie schon hier? Ich hörte, dass meine Tante sich wieder aufregte und dann war noch zwei weitere Stimmen, die ich nicht kannte. „Ach Balduin, du solltest doch etwas mehr Respekt haben vor der Herrin dieses Hauses!“, seufzte Cadell etwas genervt. „Ach, papperlapapp! Du kennst doch unser Freund Balduin!“, lallte ein anderer Mann. Dieser schien betrunken zu sein. Adrienne schrie diesen Unbekannten an: „Du solltest dich schämen, Rox. Nun schlaf mal hier deinen Rausch aus.“ „Schrei mich nicht so an, du Diva!“, beklagte dieser sich. Habe ich etwa wirklich den Namen Rox gehört?Moment ...hatte meine Mutter nicht erwähnt, dass der Vorname meines Erzeugers Rox ist? Das kann jetzt nicht wahr sein! Panik bahnte sich in meinen Körper aus und schnappte nach einem Papiertaschentuch und mit etwas ätherischem Lavendelöl. Ich legte es in die Richtung meiner Nase und versuchte mich zu beruhigen. „Amaris wird sich sicher freuen, dich morgen zu sehen.“, sagte Adrienne. „Wer ist Amaris? Ich kenne keine Amaris“, wollte Rox wissen.

Deine Tochter, du Dummkopf.“, beschimpfte sie ihn. Adrienne stapfte laut mit ihren Stöckelschuhen im Haus herum. „Was für eine Tochter? Ich habe keine Tochter!“, fluchte Rox.

Ja hast du und das ist nicht alles! Du wirst sehen …“, rief sie erzürnt.

Schließlich hörte ich Cadell sagen: „Schatz, jetzt beruhige dich mal...Valerian und Amaris schlafen schon bestimmt. Und jetzt lass Balduin und Rox ihren Rausch ausschlafen und wir gehen jetzt auch ins Bett.“

Tzz!“

Kann diese Frau einen nie in Ruhe lassen? Seitdem ich hier manche Wochenenden verbringe, geht das schon und diese arrogante Art war nie zu ertragen.

Ich wollte schlafen … Nun ja, ich legte mich ins Bett und versuchte einzuschlafen. Ich schaute kurz auf die Uhrzeit: Es war halb elf. Ich wachte jede Stunde auf, da ich mit der Angst kämpfte und griff nach meinem Handy. Ich schrieb Qadria eine Nachricht: Hallo Mama, ich bin bei Adrienne und ich habe etwas sehr seltsames gehört: Mein leiblicher Vater ist bei ihr und ich habe Angst. Was soll ich tun? Ich weiß jetzt, was mit Trista passiert ist. Ich hab dich lieb.

Ich versuchte dann erneut einzuschlafen und hielt das Taschentuch fest.

***

Am nächsten Morgen weckten mich die ersten Sonnenstrahlen vor sechs Uhr. Es war Samstag und doch war ich noch müde, da ich die letzte Nacht nicht gut geschlafen hatte. Die Situation von meinem leiblichen Vater lag mir auf dem Magen. Ich stand für einen kurzen Augenblick auf um einen Blick nach draußen zu werfen, dann legte ich mich nochmals ins Bett. Krähen flogen draußen verwirrt herum und krächzten laut. Es dauerte nicht lange, als ich jemand sich in Richtung Bad schleichen hörte. Diese Person seufzte genervt. Ich vermutete, dass es Valerian war, da Adrienne ihn immer sehr früh weckte. „Was hast du dir nur dabei gedacht, Rox?“, schimpfte dieser mit sich. Es war doch nicht Valerian, sondern mein leiblicher Vater, wenn man diese Person überhaupt Vater nennen konnte. Nun hieß es abwarten, bis er wieder unten war. Mein Körper spannte sich erneut an und ich versuchte irgendwie Atemübungen zu machen. Es fiel mir schwer; besonders wenn ich in einer Stresssituation war. Ich schaute kurz auf mein Mobiltelefon und Qadria hatte geantwortet: Hallo Liebes! Dies sind keine gute Nachrichten. Ich hoffe, dass er dir nichts antut. Trista hat sich viel Schmerz ergehen lassen. Einen Ratschlag kann ich dir geben: Stell dich gegenüber ihm und versuch das magische Beschwörungsritual! Du wirst ihn so zwingen, dass er sich stellen und dich als seine eigene Tochter sehen muss. Thorn und ich haben dich auch lieb.

Ich dachte darüber nach. Gut, ich werde dies tun. Es bleibt mir keine andere Wahl.

Pah! Ist das Wasser kalt!“, regte sich Rox auf. Sicherlich meinte er das Wasser der Dusche oder des Waschbeckens. Es war mir gleich gültig; es geschah ihm recht. Es vergingen eine oder zwei Stunden und ich ging mich zurecht machen. Ich schritt die Treppe hinunter. Valerian kam mir in diesem Augenblick entgegen. „Guten Morgen, verehrte Cousine.“, flüsterte er.

Guten Morgen.Warum flüsterst du so?“

Psst! Ich weiß, dass es jetzt für uns beide nicht einfach wird, aber wir müssen da durch. Meine Mutter hat uns etwas wichtiges zu sagen.“

Und was hat sie jetzt wichtiges zu sagen?“

Jemand räusperte sich im Hintergrund: Adrienne! Hatte sie uns schon wieder belauscht?

Ab ins Wohnzimmer und zwar sofort!“, ärgerte sie sich. Wir gehorchten ihr und gingen schnell ins Wohnzimmer.

Wir versammelten uns im Wohnzimmer. Was wird jetzt noch kommen? Erst sind es Nightshades und Adriennes Schikanen, dann meine traumatische Geburtsgeschichte, den meine leibliche Mutter wie eine Hölle beschrieben hat und jetzt, wo ich gegenüber meinem Erzeuger stehe, der immer ein Mister XY in meinen Augen gewesen ist und ich nur dessen Vor- und Nachname kenne. Ich habe einen tiefen Hass über ihn. Wie konnte er das nur Trista und mir antun?

Balduin, jetzt richte dich mal auf!“, regte sich Adrienne auf. Balduin war der beste Freund von Rox, sowie es meine leibliche Mutter erzählt hatte. Er hatte lange dunkelbraune Haare, die leichte Locken hatten. Seine Augen waren sehr dunkel. Er lächelte kurz und verbeugte sich zur Begrüßung. Rox stand neben ihm und schaute mich hasserfüllt an. Ich sah ihn auch so an. Er knirschte mit den Zähnen und kratzte sich an seiner Brust. Er war schlank und muskulös, genau die selbe Körperstatur wie Ozul. Sein Haar war schwarz und zu einem Fransenschnitt frisiert. Seine Augen waren grün-grau und sein Blick zeigte sich eiskalt. Sein Gesicht verblasste. „Du bist nicht meine Tochter und wirst sie nie sein.“, brüllte er mich an. „Du bist mein Erzeuger! Wag es gar nicht zu leugnen!“, schrie ich ihn an. Zorn spannte sich in mir zusammen und fing an auf Latein das Beschwörungsritual durchzuführen, das ich in meinem ersten Schuljahr gelernt hatte., um Lügen auf zu decken. Umbram maximam, Erebum reconcilio! Legio malus abyssum reliquito! Vos iam incanto exercitum tenebrarum. Evoco daemones, devoce paludamentum! Exorcismus cruore, sanguine advenite! Ein Portal öffnete sich um Rox herum

Tu das nicht!“, sang Adrienne wie im Fall einer Oper. Ich hörte ihr nicht zu und konzentrierte mich auf das Ritual. „Na gut, wie du willst, gebürtige Teufelin des Mondes. Du willst es wissen … Dann wirst du es wissen.“, sagte er wütend, „Es gab eine Wette. Das Ziel war mit deiner Mutter zu schlafen für 400 Mäuse und 13 Prügelschlägen … Ich habe zum Glück diese Wette gewonnen. Man sieh, was daraus geworden ist: du bist und bleibst eine Bastardin!“

Die Wut stieg mehr in Rage um. „Lügner! Du bist ein Verbrecher und mein Erzeuger. Trista hat mir die ganze Tat erzählt. Es war keine Wette.“, schrie ich ihn an. Adrienne war empört und wand etwas ein: „Meine Herrschaften, ich muss etwas gestehen. Es tut mir leid Valerian, aber ich muss dies tun …“ Was hat sie nun zu sagen? Na jetzt bin ich gespannt. „Was denn, Mutter?“, wollte Valerian. Cadell schaute eingeknickt zu Boden. „Dein Vater, also Cadell ist nicht dein Vater.“, gestand sie. Was?! Hat dies zu bedeuten, dass Valerian mein Halbbruder ist? Das wäre ja krass, da er von beiden keine negativen Charakterzüge übernommen hat. Oder ist Balduin der Vater von meinem Cousin? Ich wollte es dir schon länger sagen mein Sohn.“, sagte Cadell betrübt. Schon gut, nickte Valerian zu meinem Onkel. Er klopfte ihm auf die Schulter und stellte sich vor seine Mutter.

Wie kannst es nur wagen, mich 22 Jahre lang anzulügen?“, schimpfte mein Cousin über seine Mutter, „und wer ist dann mein Vater?“

Rox ist auch dein Vater! Du bist Amaris Halbbruder. Es tut mir leid! Verzeih mir bitte!“, flehte Adrienne ihren Sohn um Vergebung. Das war also die Situation, wo Adrienne mit ihrem Sohn und mir reden wollte.

Niemals Mutter und du bist das Allerletzte!“, verurteilte mein jetziger Halbbruder sie.

Das war also Adriennes Geheimnis, was sie lang genug behütet hatte.

In diesem Augenblick verstand ich, warum Valerian und ich eine enge Bindung zueinander hatten. Er war mein Halbbruder und nicht mein Cousin. Adrienne hatte wirklich genug auf den Kerbholz gehabt. Valerian und ich waren uns außer vor Wut und Enttäuschung. Wie sehr wie wir Adrienne hassten und rannten aus dem Wohnzimmer heraus. Wir gingen zum Drachenbrunnen, weinten und versuchten uns gegenseitig zu trösten. „Ich werde ihr dies nie verzeihen können!“, ärgerte sich Valerian.

Es ist schon gut, aber jetzt verstehst du wahrscheinlich, warum unsere Bindung zusammen geschweißt war.“, tröstete ich ihn.

Er nickte: „Ich hätte es irgendwie wissen müssen …“

Ich sah Cadell auf uns zukommen und er entschuldigte sich bei meinem Halbbruder. „Wusstest du es?“, fragte Valerian ihn wütend.

Ja, ich wusste es.“, antwortete sein Ziehvater, „Als ich den Test gemacht hatte, wurde deutlich, dass ich 0,00000% dein Vater sein würde. Davor hatte ich einmal eine Untersuchung und mein Arzt teilte mir die Diagnose mit, dass ich zeugungsunfähig sei. Eins musst du mir glauben, du warst und bist immer wie mein eigener Sohn, wie mein Fleisch und Blut, den ich aufgezogen habe.“

Und du bist der beste Vater der Welt.“, sagte Valerian weinend. Sie taten eine Umarmung wie unter Männer.

Wirst du dich von Adrienne jetzt trennen?“, wollte ich von meinem Onkel wissen.

Ich weiß es noch nicht.“, antwortete Cadell und wies uns darauf hin, zurück zur Villa zu kehren. Valerian ging in sein Zimmer und knallte die Tür zu. „Kannst du diese nicht leise schließen?“, ärgerte sich seine Mutter.

NEIN!“

Ich warf allen anderen nochmals einen wütenden Blick zu und ging ebenfalls hoch. Wie konnte Adrienne nur so etwas tun? Hat sie definitiv keine Skrupel?Und Rox, der sieht in mir eine Bastardin, aber was ist jetzt sein Sohn? Ebenfalls ein uneheliches Kind? Ich weiß es nicht … Ich verschloss die Tür mit dem Schlüssel, dass keiner herein kommen konnte. Warum muss ausgerechnet jetzt alles vor den Sommerferien ans Licht kommen? Rox erzählt Lügen und tut Adrienne dies auch? Ach … was soll ich machen? Ich muss irgendwie von hier weg … Es gibt diese Vereinbarung, die leider ohne meine Entscheidung getroffen wurde …, doch jetzt muss diese Vereinbarung gebrochen werden ...aber wie ist diese möglich? Vielleicht kann Valerian etwas erreichen. Mann, Amaris konzentriere dich jetzt auf andere Dinge …

Ich setzte mich an den Schreibtisch und schrieb das Ereignis in mein Tagebuch nieder, was sich ereignet hatte und verriegelte das Schloss wieder.

Dann holte ich mir mein Dark-Fantasy Buch aus meiner Schultasche und las noch ein paar Seiten.