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The last Life - Das Labyrinth

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22.04.21 20:36
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Als Roxy aufwachte, merkte sie sofort, dass etwas anders war. Sie atmete ein. Frisches Gras, Stein und Freiheit. Ein leises Seufzen verließ ihren Mund. Im nächsten Moment merkte sie, dass sie leise sein musste. Ihr Vater war bestimmt in der Nähe. Eine Windböe wehte über sie und verschob ihre Haare nach links. Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus und tastete über den Boden. Gras und Erde.
Auf einmal stieß sie auf kalte Haut. Sofort zuckte ihre Hand zurück.
Roxy atmete tief ein und öffnete ihre Augen. Ihr war klar, dass ihr Vater es nicht dulden würde, wenn sie nur im Bett herumlag. Roxy merkte, wie ihr kalt wurde, als sie die Umgebung wahrnahm.
Sie sprang auf und drängte sich gegen eine kalte, graue Steinwand. Ihr Atem ging hektisch und sie schloss die Augen. Bis zehn zählen, ermahnte sie sich im Stillen und tat es. Aber als sie wieder schaute, hatte sich nichts geändert. Tief atmete die Jugendlich ein.
Sie war in einem kleinen Raum mit vier Steinwänden. In drei von ihnen gingen Gänge ab. Der Boden war mit Gras bedeckt, und elf andere Personen lagen dort. Beleuchtet wurde der Raum von vier Fackeln - jede an einer Wand.
Roxy atmete tief ein und schlich auf die andere Seite.
Die Menschen lagen in einem Halbkreis, sie hatte außen gelegen. Über den Köpfen lagen sechs prallbefüllte Rucksäcke. Neben jedem der Menschen lag ein Gegenstand.
Vorsichtig näherte sie sich der Ersten Person. In ihrem Kopf fuhren die Gedanken Karussel, aber sie verdrängte sie.
Als Erstes lag ein Mädchen da, neben ihr ein großer silbernen Ring. Regenbogenfarbende Haare, welche schief geschnitten wurden, lagen über ihrem Kopf. Ihre fast weiße Haut, ließ sie schwach wirken, aber der Erste Eindruck konnte imer täuschen.
Roxy kniete sich hin und nahm den Ring in die Hand. Eine kleine Spalte war in der Mitte von ihm. Genau am Ende davon, war ein kleiner Knopf. Roxy überlegte. Sollte sie schauen, was es bewirkte?
Alte Bilder traten in ihren Kopf. Ihr Vater, mit einer Vase in der Hand, sie in der Ecke, weinend und mit blutigen Kratzern überschüttet.
Erneut wehte ein leichter Wind und die Fackeln warfen unheimliche Schatten an die Wände. Roxy zuckte zusammen und legte den Ring weg.
Sie traute sich nicht, einen Rucksack zu nehmen. Vielleicht würden die Anderen ihr Schutz geben. Langsam ging sie zurück an ihren Platz und schaute, was sie bekommen hatte. Schon auf den Ersten Blick erkannte Roxy es. Schminke. Sie nahm die kleine Schachtel in die Hand und stellte sich an eine Wand. Ihr Blick fiel auf ihre Hände. Viele Kratzer zierten sie. Das Mädchen fing an, sie überzuschminken.

Lucky atmete tief ein und aus, hielt die Augen geschlossen. Jemand ging auf und ab. Er musste tot wirken, falls es ein Gegner war. Langsam und so, dass es niemandem auffallen sollte, schob er seine Hand zum Hosenbund und griff nach seiner Pistole. Gerade, als er sie umschloss, erstarrte er. Da war nichts. Nur Luft! Ein leises Knurren verließ seinen Mund. Diese Schweine! Natürlich hatten sie ihm die Waffe weggenommen, sie waren nicht blöd. In dem Moment hätte Lucky sich am Liebsten für seine Dummheite geohrfeigt. Er merkte, wie seine rechte Hand anfing zu zucken. Unkontrolliert. Mit einer schnellen Bewegung, brachte er sie dazu, aufzuhören. Hoffentlich hatte sein Feind es nicht gesehen. ,,Firdo?", flüsterte er.
In dem Moment hörte er, wie die Schritte immer näher kamen. Er hielt die Luft an, bereitete sich auf einen Schlag, oder womöglich einen Schuss vor.
Es passierte nichts.
Jemand ging neben ihm in die Hocke. Lucky nutzte das und atmete tief ein. Ihm schlug der Geruch von frischem Shampoo in die Haare. Leicht öffnete er seine Augen und schaute ein Mädchen mit den türkisen Haaren an. Sie stellte sich an eine Steinwand und schaute auf ihre Hände. Dann schmierte sie etwas auf sie drauf.
Stopp - Steinwände? Wo war er? Wurde er entführt? Und was machte das seltsame Mädchen hier? Er hatte noch nie engen Kontakt mit Mädchen gehabt. Und was machte sie verflucht nochmal da?
Lucky öffnete seine Augen noch ein Stück weiter. Sie hatte einen Schminkpinsel in der Hand. Was schminkte sie auf ihren Händen?
Lucky fuhr mit seiner Hand über den Boden. Gras. Seit wann waren die Feinde denn so schlampig? Der junge Mann versuchte sich zu erinnern. Was war passiert?
Er atmete tief ein und ging in sich hinein. Vieles war verschwommen oder unerkennbar. Das Meiste aber, war gelöscht. Umso mehr er versuchte, sich an etwas zu erinnern, umso weiter entfernte sich alles von ihm.
Lucky wollte fluchen, toben, jemanden angreifen, bewusstlos schlagen, wenn nicht sogar töten. In ihm brandte eine Wut auf, welche bisher erst selten da war. Er ballte seine Hand zur Faust und löste sie wieder. Wer auch immer hierfür zuständig war, würde bezahlen! Das schwor er sich.

Roxy beobachtete den Mann, welcher neben ihr gelegen hatte. Neugierig betrachtete sie ihn, obwohl sie wusste, dass er gefährlich war. Eine angespannnte Aura ging von ihm aus, welche man spürte. Neben ihm lag ein Messer.
Sofort zuckte Roxy zurück.
Im selben Moment fing der Mann an, schneller zu atmen. Ängstlich presste Roxy sich wieder an die Wand, ihr Blick lag auf dem Messer und dem Mann. Er war mehr als gefährlich. Und sie wusste, wenn sie sich einmal alleine begegnen würden, könnte sie ihrem Leben 'Leb wohl' sagen.
Der Mann, war er wach?
Vorsichtig näherte Roxy sich und hockte sich neben ihm. Die Schminke legte sie an den vorherigen Platz.
 ,,Bist du wach?", fragte sie mit zittriger Stimme nach und betrachtete ihn. Er antwortete nicht und atmete wieder ruhig weiter. Roxy stand wieder auf, da er schlief, wie sie dachte.
Sie ging an die rechte Wand und fuhr mit ihrer Hand über die glatte, kalte Oberfläche. Bedächtig ging sie in den Gang. Ihre Augen huschten hin und her, sie sagte nichts. Ein eisiger Wind kam ihr entgegen und drang durch ihre Klamotten bis an ihren Körper. Schützend schlang sie ihre Arme um sich und ging weiter. Dabei kam es ihr vor, als würde sie kein Stück weiterkommen. Roxy ging immer weiter, aber nichts passierte. Waren das endlose Gänge? Hatte ihr Vater sie hier eingesperrt, damit sie sich später nicht mehr wehren konnte? Roxy drehte sich um und erschrak.
Sie war nur etwa zehn Meter gegangen. Konnte das sein?
Das Mädchen ging wieder zurück und bemerkte, dass die Wege aus Stein waren. Sie schaute hoch. Die Mauern waren zehn Meter hoch, wenn nicht sogar höher. Dazu kam noch, dass der Weg zwischen ihnen drei Meter breit war. Sie stellte sich vor die Mauer und suchte mit ihrer Hand nach kleinen Spalten. Nach fünf Minuten gab sie es auf und ging zurück in den kleinen Raum.
Sofort fiel ihr auf, dass ein Rucksack bewegt worden war. Er stand nun in einer Ecke. Ängstlich wich sie wieder zurück.
 ,,Bitte, tu mir nichts", wimmerte sie und kauerte sich zusammen. Ihr Atem beschleunigte sich.

Lucky hörte, wie das Mädchen schneller atmete. Sie war also wieder da. Innerlich verdrehte er seine Augen. Was hatte die nur für ein Problem? Er hatte einen Rucksack umgestellt, damit er näher bei ihm war. Was störte sie daran? Ein Mädchen hier hatte eine Axt! Das war gefährlicher, als sein kleines Messer. Wer war sie überhaupt?
Lucky drehte seinen Kopf und beobachtete die Jugendliche. Sie hockte über dem Boden und schnappte nach Luft.
Lucky sagte nichts. Er fuhr sich mit seiner Hand über seinen Nacken, wo eine tätowierte Pistole war. Es war einfallslos von der Gang gewesen. Aber anders, wäre es nicht gegangen. Anders, hätte er seine Mutter nicht stolz machen können. Lucky nahm seine Hand wieder runter und wartete. Die Zeit verging ätzend langsam.
Irgendwann kam das Mädchen wieder, weshalb der junge Mann die Augen schloss. Tief atmete er ein ... und wieder aus. Sie legte sich wieder hin.
Leider hielt die Ruhe nicht lange an, da sie wieder aufstand und hin und herging. Lucky hätte sie am Liebsten angeschrien, dass sie sich hinsetzten soll, aber er wollte die anderen nicht aufwecken.
In seinem Kop wurden Bilder klarer. Er steht einem Jungen gegenüber - er war leider verschwommen - und hält eine Pistole in der Hand, auf den Jungen gerichtet. Gerade als er schießen will, schubst ihn jemand von der Seite, so dass er nicht trifft.
Lucky riss die Augen auf. In dem Moment war es ihm egal, ob jemand es sah. Der junge Mann richtete sich auf und stützte sich mit einer Hand auf dem Boden ab. Er atmet tief ein und aus. Was war danach passiert? Hatte er ein Kind umgebracht? Panik überfiel Lucky. Er konnte töten, das war nicht das Problem, aber bei Kindern hatte er schon immer eine Schwäche. Das war für ihn leider schon zum Nachteil geworden.
Der junge Mann schaute sich um, aber das Mädchen war weg. Er konnte auch nirgends ihre türkisen Haare ausfindig machen. Lucky legte eine Hand auf seine Brust.
Erst da bemerkte er, dass er eine Jacke trug. Er zog sie aus und betrachtete das Kleidungsstück. Leichter Wind wehte es, so dass Taschen zum Vorschein kamen. Ein Blick an sich selbst hinunter, bestätigte ihm, dass er sein weißes Unterhemd trug. Etwas normales. Er zog sich wieder die schwarze - wie er mittlerweile festgestellt hatte - Jacke an und legte sich hin.

Roxy rannte hin und her, versuchte an den Wänden hochzuklettern, weiter als zehn Meter vom Raum wegzukommen und alles auszutricksen.
Nichts gelang ihr.
Sie boxte auf den Stein ein, warf sich mit der Schulter dagegen. Sie rannte immer weiter, trat ins Nichts. Sie sprang, griff nach der Wand.
Nach zehn Minuten, ließ sie sich erschöpft gegen die Wand fallen.
Es hatte keinen Sinn. Sie würde niemals hier wegkommen.
Und irgendwo würde ihr Vater auf sie warten.
Die Jugendliche blickte zur Lichtung. Es war für sie unklar, ob ihr einer von den Leuten helfen würde. Wahrscheinlich würden sie um ihr eigenes Leben kämpfen und nicht weiterkommen wollen. Es würde Roxy nicht wundern.
Sie stand auf und ging zurück. Dann schob sie die kleine, kühle Schachtel in eine Tasche von ihrer Jacke und legte sich hin.
Sie hatte nichts bekommen. Sie war leer ausgegangen. Das würde sie den anderen erzählen, wenn sie fragten.

 

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Kurzbeschreibung

Zwölf Jugendliche wachen plötzlich in einer fremden Welt auf. Sie sind in einem Raum, drei Gänge gehen von ihm ab. Gemeinsam müssen sie den Ausgang finden. Auf dem Weg dahin, entsteht viel Streit, aber auch Freundschaften. Das Problem ist: Nicht jeder möchte im Team arbeiten und sie sind nicht allein.

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