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Eine gefährliche Hypnose

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02.07.21 16:20
12 Ab 12 Jahren
Pausiert

Eine gefährliche Hypnose 

 

Ich wachte wieder aus meiner Hypnose auf, als die Frau, die diese Veranstaltung machte, mit ihren Fingern schnippte. Ich blickte mich immer noch etwas benommen um. Normalerweise war eine kurze Hypnosephase ja nichts Besonderes. Doch diesmal war es anders. Ich wurde sofort hellwach, als ich merkte, dass keiner der Leute, die ebenfalls an der Vorstellung teilgenommen hatte, applaudierte. Nicht, dass die Vorstellung schlecht war. Die Leute regten sich kein bisschen. Okay, spulen wir mal ein bisschen zurück, damit ihr wisst, wie es überhaupt anfing. Okay, zuerst sollte ich mich vielleicht mal vorstellen: Ich bin Kyle Schuster, dreizehn Jahre alt und wohne in Gersthofen, in der Nähe des Ballonmuseums. Ich hatte mich noch acht Stunden vor der Vorstellung mit meiner Freundin Jenisse verabredet. Da ich einen dringenden Termin hatte, entschieden wir, uns später nochmal zu treffen. Eben zu der Vorstellung, da wir dachten, dass das bestimmt ganz witzig wäre. Okay, bevor ihr was falsch versteht: Wir sind wirklich nur Freunde, mehr nicht… Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir manchmal wünschte, es wäre mehr… Egal, darum geht es jetzt nicht. Wir trafen uns später also nochmal, vor dem Eingang des Ballonmuseums, denn dort sollte die Vorführung stattfinden. Wir nahmen unsere Plätze ein und die Show begann. Wenig später fiel ich in Trance, es fühlte sich wie beim Schlafen an. Nun wachte ich eben hier auf und saß hier. An mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern, es fühlte sich so an, als wurden alle meine Erinnerungen gelöscht. Ich wusste noch, dass die Hypnotiseurin ziemlich natürlich aussah. Damit meine ich, dass die Stoffe entweder nur aus der Natur kamen, oder überall Naturmotive zu sehen waren. Irgendwie schien es mir, als würde die Frau zufrieden grinsen, was natürlich auch nur Einbildung sein kann, da ich ja gerade eben erst aus meiner Trance erwacht war. Als sie mich sah und bemerkte, dass ich „wach“ war, wirkte sie für einen Moment erbost, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen, zuckte fast unmerklich mit den Schultern, rief mir zu: „Die Vorstellung ist zu Ende!“ und verschwand. Ich blickte mich erneut um, da fiel mir Jenisse wieder ein. Ich blickte neben mich…und erschrak. Selbst sie war wie…erstarrt. Ich winkte mit der Hand vor ihrem Gesicht, schnipste, klatschte, sprach sie sogar an, doch sie rührte sich nicht… Da fiel mir ein, dass diese Vorstellung außerdem live im Fernsehen übertragen worden war. Hieß das etwa, dass alle Bewohner Gersthofens erstarrt waren? Als ich schließlich begreifen musste, dass ich nichts für diese Menschen tun konnte, beschloss ich, erstmal nach Hause zu fahren.  

Draußen sah ich überall Autos stehen, Leute standen einfach so herum, es schien, als wäre tatsächlich ganz Gersthofen erstarrt. Aber wieso ich nicht? Nur ein Zufall? Oder Absicht? War das ein Test? Ich fuhr also mit meinem Fahrrad nach Hause, als auf mein Klingeln niemand die Tür öffnete, schloss ich die Tür auf, und trat ein. „Mama, Papa, ich bin wieder da!“, rief ich, doch ich bekam keine Antwort. „Lucy?“, versuchte ich meine ältere Schwester zu rufen. Doch auch sie antwortete nicht. Im Wohnzimmer fand ich alle drei auf dem Sofa sitzend vor dem Fernseher auf. Ich nahm meinem Vater die Fernbedingung aus der Hand und schaltete den Kasten aus. Ich beschloss mein Bestes zu versuchen, um den versteinerten Menschen zu helfen, mich ansonsten aber in mein Zimmer zurückzuziehen.

Die Tage vergingen…ich konnte nichts tun und es regte sich nichts. Manchmal dachte ich darüber nach, ob die Leute in Gersthofen wohl jetzt für immer versteinert bleiben würden und ich der einzige „lebendige“ Mensch in Gersthofen bleiben würde. Nach drei Wochen erwachte ich aus einem unruhigen Schlaf, weil ich Menschenstimmen hörte. Moment...Menschenstimmen?! War alles nur ein schrecklicher Traum gewesen? Aber konnte ein Traum über drei Wochen dauern? Ich blickte aus dem Fenster. Mein Herz wollte zuerst einen Hüpfer machen, als ich sah, dass alle Menschen sich wieder bewegten! Doch im selben Moment starrte ich entsetzt auf das Geschehen dort draußen: Einige Menschen rissen alte Gebäude wie die alte Villa ab, andere pflanzten neue Pflanzen wie Bäume. Ich sah sogar meine Eltern, meine ältere Schwester Lucy, und meine beste Freundin Jenisse. Alle bewegten sich jetzt fast wie gefühlslose Maschinen. An der Spitze der Menschenmenge sah ich…die Hypnotiseurin! Auf einmal wurde mir alles klar: Sie war die Auslöserin! Sie wollte hier anscheinend alles in seinen alten Zustand bringen, bevor es Gersthofen überhaupt gab, eine Art…Biotopia Gersthofen… Sofort eilte ich hinaus auf die Straße. Ich musste sie sofort aufhalten! Ich drängelte mich durch die Menschenmasse, was nicht gerade einfach war bei so vielen Menschen. „Hören Sie sofort auf damit!“, rief ich der für dieses Chaos Verantwortlichen mutig entgegen. Erbost blickte mich die Frau an. „Ich brauche keine Störenfriede!“, brüllte sie durch das Chaos zurück. „Ist mir egal was du brauchst und was nicht!“, rief ich tapfer. „Du denkst also du kannst allein die ganze Welt retten?“, rief sie nun spöttisch, „dann beweis es mir!“. Voller Wut, Kummer und Angst, die Menschen, die ich am meisten liebte zu verlieren, rannte ich auf die Auslöserin zu. Leider hatte ich das nicht wirklich durchdacht, denn sie wehrte meinen Angriff leichtfüßig ab und schleuderte mich zu Boden. Benommen stand ich auf und versuchte es erneut. Das Problem war, dass ich keinerlei Kampferfahrung hatte, damals hatte ich einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Ein bisschen Taekwondo, Karate oder Kung Fu hätte mir bestimmt geholfen. So kam es, dass sie mich erneut zu Boden schleuderte. Nach einigen weiteren vergeblichen Versuchen musste ich begreifen, dass ich alleine nie gegen sie ankommen würde. Ich dachte nach…  

Da fiel mir ein, dass ich in Filmen gesehen hatte, wie Leute, die in so einem Zustand waren wie die Gersthofer hier, wieder aus diesem Zustand zurück geholt wurden. In diesen Filmen sprachen die Helden oft mit ihnen, oder erinnerten sie an schöne Momente... Ich weiß, das klang total absurd, aber ich musste es versuchen, ich hatte keine andere Wahl... Ich lief zurück zu meinen Eltern, meiner älteren Schwester Lucy und meiner besten Freundin Jenisse. Ich fing mit Jenisse an: „Jenisse! Ich weiß du kannst mich hören! Du musst dich dagegen wehren! Lass deinen Verstand nicht von dieser…Macht beherrschen! Komm zu mir zurück! Ich brauch dich doch! Wir sind doch beste Freunde! Ich will dich nicht verlieren!“. Langsam kam das Leben in Jenisses Gesichtsausdruck zurück. „Komm zu mir zurück!“, wiederholte ich. „K-Kyle?“, kam es zurück. „Ja“, antwortete ich, „ich bin’s!“. Jenisse umarmte mich stürmisch und küsste mich auf die Wange. Natürlich gefiel mir das, aber wir mussten weiter machen! „Wir sollten den anderen helfen…“, murmelte ich. „Kl-klar“, antwortete Jenisse noch etwas benommen. „Wir müssen meine Eltern und meine Schwester noch zurückholen!“, drängte ich sie. Doch sie gab zu Bedenken: „Dazu reicht uns die Zeit nicht! Wir müssen sofort die Auslöserin für all das aufhalten!“. Ich musste ja zugeben, dass sie recht hatte… Ich sah ein letztes Mal zu meiner Schwester und meinen Eltern, dann bestätigte ich: „Du hast recht…“. Wir liefen zu zweit wieder nach vorne. „Was zum…“, rief uns die Hypnotiseurin entgegen, „war sie nicht gerade eben noch wie die anderen hier? Wie hast du das gemacht?“. „Einfach durch reden…“, sagte ich beiläufig. „Das wird euch nichts nützen!“, brüllte sie hasserfüllt. „Das werden wir ja sehen!“, antwortete Jenisse. Nun griffen wir an. Dadurch dass wir nun zu zweit waren, konnten wir schneller und effektiver angreifen. Außerdem konnte Jenisse besser kämpfen. Als sie benommen am Boden lag löste sich der Bann auf. Vier Polizisten kamen gleich, riefen: „Sie sind verhaftet!“ und nahmen sie mit. Während sie weggebracht wurde rief sie noch: „Das ist noch nicht vorbei! Das ist noch nicht vorbei!“. Ich belächelte sie nur müde. Das sagten doch alle! Da sah ich meine Eltern und meine Schwester auf mich zukommen. Sie nahmen mich in den Arm und sagten: „Ihr habt es geschafft!“ und „Ich bin so stolz auf dich!“. Dann ließen sie mich alleine und gingen noch zu Freunden und Arbeitskollegen. Jenisse sah mich an und rief: „Hey, du hast es geschafft!“. „Nein wir haben es geschafft!“, konterte ich. Sie lächelte nur, kam näher und...küsste mich… Ich ließ es geschehen und erwiderte ihren Kuss. So gesehen war also alles wieder in Ordnung: Gersthofen war erlöst, die Hypnotiseurin besiegt…und ich hatte das Mädchen meiner Träume gefunden… Besser könnte es echt nicht laufen… 

 

 

Ende 

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Diese Story wird neben Fantasy auch in den Genres Action, Mystery, Vermischtes und Natur gelistet.