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Elbenwein und seine Folgen

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22.10.18 19:28
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

3 Charaktere

Thorin Eichenschild

Thorin Eichenschild, Thrains Sohn, ist der Erbe des Königreichs unter dem Berge, doch er wurde schon in jungen Jahren vom Drachen Smaug vertrieben. Auf Anraten des Zauberers Gandalf sucht er sich eine Reisegemeinschaft zusammen, zu der auch der Hobbit Bilbo Beutlin gehört, um Erebor zurückzuerobern. Thorin stirbt in der Schlacht der Fünf Heere.

Bilbo Beutlin

Der Hobbit Bilbo Beutlin hat sich in seinem Leben nie etwas zu Schulden kommen lassen. Bis eines Tages der Zauberer Gandalf vor seiner Tür steht und ihn mitten in ein Abenteuer mit den 13 Zwergen rund um Thorin Eichenschild schubst. Es gilt, dem Drachen Smaug den Erebor und seinen Schatz abzureißen und dafür braucht es einen Dieb: niemand geringeres als Bilbo.

Thranduil

Thranduil ist der König der Waldelben des Düsterwaldes. Er erbte die Krone von seinem Vater Oropher nach dessen Tod im ersten Ansturm auf Mordor im Krieg des Letzten Bündnisses am Ende des Zweiten Zeitalters. Er ist Legolas' Vater.

Das Quietschen seiner Lederstiefel hörte sich an, als trage er den ganzen Fluss darin spazieren. Vermutlich war dem auch so, denn bei jedem Schritt gluckerte es unheilvoll und noch mehr Wasser schoss oben aus dem Schaft heraus und spritzte auf die ohnehin schon völlig durchnässten Steine, aus denen das Ufer bestand, an das sie gespült worden waren. Seine Kleidung war durchnässt und er fühlte sich, als würde ihm nie wieder richtig warm werden. Ansatzlos ließ er sich zu Boden fallen, wo ihn die Steine unangenehm in den Hosenboden stachen, schnürte erst den einen, dann den anderen Stiefel auf, zog sie aus und drehte sie herum, sodass sich ein Schwall Wasser daraus ergoss. Er schüttelte das lederne Schuhwerk noch einmal, bevor er wieder hineinschlüpfte. Es fühlte sich noch immer nass und rutschig an, und wenn er mit nassen Stiefeln und noch nasseren Fußlappen noch länger unterwegs war, würden ihm das seine Füße sicherlich nicht danken.


Dwalin dagegen dankte Mahal zum Himmel, dass sie alle noch am Leben waren, auch wenn er mehr Flusswasser geschluckt hatte, als gesund sein konnte. Immerhin nicht ganz so viel wie Bilbo, der eher aussah, als habe man versucht, eine Ratte zu ertränken und sie dann nach dem erfolglosen Versuch wieder aus dem Wasser gezogen. Er wirkte bleich und elend, wie so ziemlich jeder der Umstehenden. Sie alle schütteten ihre Stiefel aus, aus denen sich wie bei Dwalin beträchtliche Wasserschwälle ergossen, und der Blick des Kriegers schweifte ein Stück zurück, wo Thorin sich zu Boden hatte fallen lassen, ein Bein aufgestellt, einen Ellbogen darauf abgestützt und den Kopf in der Hand. Er schwankte, während er den Boden anstarrte, weil das das einzige war, das sich nicht hektisch bewegte, und er sah aus wie jemand, der sich nicht sicher war, ob er im nächsten Moment erbrechen musste oder nicht. Wenn er das musste, wollte Dwalin nicht unmittelbar daneben stehen.
Trotzdem ging er zu seinem König hinüber.

„Mir ist schlecht“, stieg es leise von den nassen Steinen auf, in einem so kleinlauten Tonfall, dass Dwalin sicherheitshalber genauer hinschaute, um nicht vielleicht einem Trugbild zu erliegen. Vielleicht saß da gar nicht sein König, sondern ein jammerndes Elbenweib, das versehentlich mit ihnen aus den Höhlen unter Thranduils Palast gespült worden war. Doch dem war nicht so. Nein, dort saß wirklich Thorin, der jetzt ein jämmerliches Hicksen ausstieß und wieder schwieg. Dwalin schnaubte spöttisch.
„Daran bist du ganz allein schuld“, knurrte er.

„Mahals Bart, Thorin, was in Durins Namen hat dich bewogen...“
Sein König hob eine Hand, während er das Gesicht verzog.
„Bitte, lass mich zufrieden mit deinem ‚warum hast du‘ und ‚warum musst du‘, bei mir dreht sich alles…“
Der Krieger schüttelte den Kopf. „In deiner Haut möchte ich morgen früh nicht stecken…“
Er packte Thorin am Arm und zog ihn hoch, bis er schwankend stand. Der andere Zwerg hielt sich an ihm fest und schloss für einen Moment die Augen, vermutlich, damit der Boden aufhörte, sich zu drehen. Er war blass um die Nase, aber in diesem Moment hatte der Krieger kein Mitleid mit seinem Kameraden. Schließlich machte Thorin sich los und seine Augen wieder auf.
„Gut … gehen wir. Wir sind spät dran.“
Mit Staunen verfolgte Dwalin, wie Thorin sich schwankend und in Schlangenlinien in Bewegung setzte. Die anderen sahen ihm nicht minder perplex nach, bis Bilbo dem Olifanten, der die ganze Zeit um sie herumlief, einen Namen gab. 
„Ist er immer so, wenn er getrunken hat?“
Dwalin warf ihm einen halb amüsierten, halb spöttischen Seitenblick zu.
„Du warst noch nie richtig betrunken, oder?“
Bilbo schluckte und schaute Thorin hinterher, der mehrfach im Kies ausglitt und sich auf allen Vieren abfangen musste, um nicht bäuchlings am Boden zu liegen.
„Doch, aber nicht … so.“


*


Eine elbische Wache hielt ihn fest, während man den anderen die Handfesseln abnahm und sie nach Waffen durchsuchte. Das kannten die Zwerge schon, schließlich war es bei ihren ersten Besuch hier vor so vielen Jahren nicht anders gewesen. Sicherlich hatte der Elbenkönig Angst, sie könnten ihm mit ihren Waffen gefährlich werden, was umso lächerlicher war, weil Thorin wusste, dass die Elben ihnen an Waffengewalt durchaus ebenbürtig waren. Aber laut aussprechen würde er diese Tatsache niemals. Nicht, wenn man ihn fesselte und von seinen Kameraden trennte.
Er musste sein Schwert und seinen Bogen samt Pfeilen abgeben, seine Axt und seine Messer, dann ließ man ihn auf der Plattform allein, während man die anderen wegführte, um sie in Gruppen in die Zellen zu sperren, die tief in den Hügel hineinreichten, auf dem Thranduils Palast errichtet worden war. Thranduil schenkte ihm keine sonderliche Aufmerksamkeit, und wenn Thorin ehrlich war, machte ihn das wütend. Jetzt wurde er nicht nur gefangengenommen, von seinen Gefährten getrennt und dem Elbenkönig vorgeführt, nun wurde er auch noch warten gelassen, als sei er ein einfacher Bittsteller.
Dann richtete er seinen Blick auf das, was der Elbenkönig in den Händen hielt und er schluckte.
Er hielt sein Schwert in den Händen, drehte es hin und her, sodass das diffuse Sonnenlicht, das durch die Decke fiel, schimmernd von der Schneide reflektiert wurde.

Schließlich wandte Thranduil sich ihm mit einem interessierten Blick zu.
„Woher habt Ihr das?“, wollte er wissen und musterte den Zwergenkönig aus dunkelblauen Augen. Thorin senkte den Kopf und zögerte. Der Elb wusste, dass das Schwert elbischer Machart war. Sicherlich amüsierte er sich im wahrsten Sinne des Wortes königlich darüber, dass ausgerechnet ein Zwerg eine elbische Waffe führte. Ob es ihn sehr in Rage versetzen würde, wenn Thorin ihn anlog und sagte, er habe einen Elben erschlagen und ihm die Waffe abgenommen? Thranduil würde ihn ohnehin einsperren, bis er seiner Sturheit überdrüssig geworden war und ihm die Antworten lieferte, die er haben wollte. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.
„Ich habe es gefunden“, murmelte er daher und hob den Kopf, um dem Elbenherrscher in die Augen blicken zu können. Thranduil zog misstrauisch die Augenbrauen in die Höhe und erhob sich mit einer einzigen, geschmeidigen Bewegung von seinem Thron. Seine bodenlangen Gewänder flossen wie Wasser um ihn herum, als er mit langen Schritten die Stufen vor seinem Thron herabstieg und zu ihm kam. Er blieb dicht vor Thorin stehen und neigte sich zu ihm hinunter.
„So? Ich glaube kaum, dass ein Schwert aus der Schmiede Gondolins einfach so am Wegesrand liegt, Zwerg.“ Thranduil richtete sich wieder auf und lief mit gemächlichen Schritten um ihn herum.
Thorin schnaubte.
„Es lag auch nicht am Wegesrand herum, sondern in einem Trollhort in der Nähe der großen Oststraße“, erwiderte der Zwerg und sah mit Genugtuung, wie Thranduil schräg rechts von ihm seine Runde unterbrach und ihn missbilligend musterte.
„Trollhort? Ich glaube nicht, dass es Herrn Elrond gefällt, als Troll bezeichnet zu werden.“
Thorin lachte auf. So viel Humor hätte er dem Elben gar nicht zugetraut.
„Glaubt mir, für Euch würden mir auch ein paar nette Bezeichnungen einfallen…“
Der Elbenkönig nahm unterdessen seine Runde wieder auf. Das schleifende Rascheln des Stoffes auf dem Boden machte den Zwergenkönig zunehmend nervös.


„Nun gut, da Ihr scheinbar beschlossen habt, es mir nicht leicht zu machen, frage ich Euch etwas anderes. Was wollt Ihr in meinem Wald?“
Es war klar, dass diese Frage früher oder später hatte kommen müssen, und Thorin hatte sich eine passende Antwort zurechtgelegt, die er nun aufgrund der Umstände variieren musste, aber das war nicht weiter dramatisch.
„Nun, Euer Wald ist verflucht groß. Und durch ihn hindurch zu gehen ist der kürzeste Weg, wenn man in die Eisenberge möchte.“ Er setzte sein unschuldigstes Lächeln auf. „Verwandtenbesuch, wisst Ihr?“
Der Elbenkönig blieb vor ihm stehen und beugte sich zu ihm hinunter, sodass ihre Nasenspitzen sich fast berührten.
„Mir wäre neu, dass Eure Verwandten Schuppen haben und Feuer speien, Meister Zwerg.“
Thorin betrachtete scheinbar gelangweilt die Fingernägel seiner rechten Hand.
„Die Schuppen kann ich nicht bestätigen, aber was das Feuerspeien angeht, kann ich nur sagen, wenn Ihr einmal Dáins Frau richtig wütend gemacht habt, kann sie…“
„Lügt mich nicht an!“, fuhr Thranduil wütend dazwischen und richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf, um seine Runde um Thorin wieder aufzunehmen.
„Ich weiß, wohin Ihr unterwegs seid! Ihr glaubt, Ihr könntet Euch einfach durch meinen Wald schleichen und niemand würde…“

Thorin wedelte genervt aufseufzend mit der rechten Hand, deren Fingernägel er eben noch eingehend betrachtet hatte.
„Oh bitte, langweilt mich nicht mit so etwas.“ Er schaute sich gespielt interessiert um.
„Ich habe gehört, heute Nacht findet ein Fest statt. Solltet Ihr nicht feiern, Euer Abwaschwasser trinken und friedlich sein?“
Thranduil blieb hinter ihm stehen.
„Abwaschwasser?“, wollte er gefährlich leise von dem Zwerg wissen. Thorin zuckte die Schultern.
„Wie würdet Ihr dieses Gesöff denn sonst bezeichnen? Ich habe einmal bei Herrn Elrond von diesem Zeug gekostet und es war … widerlich. Ihr Elben versteht wirklich nichts von der Alkoholherstellung, nicht wahr?“ Thranduil kam um ihn herum und blieb vor ihm stehen.
„Es gibt eine Menge Dinge, von denen Zwerge nichts verstehen, das Weinkeltern scheint eines dieser Dinge zu sein“, erwiderte er eisig und winkte mit einer Hand nach einem der Diener, der ihnen eine Karaffe aus goldverziertem Glas brachte, in dem rubinroter Wein erwartungsfroh gluckerte, sowie zwei goldene Kelche. Er ließ erst den einen, dann den anderen Kelch füllen, bevor er Thorin einen davon reichte.
„Nur zu, überzeugt Euch von der Qualität meines … Abwaschwassers.“


*

 

„Nun?“, wollte Thranduil nach dem ersten Schluck wissen, der nicht so schlecht geschmeckt hatte, wie Thorin ihn hatte glauben lassen wollen. Aber zuzugeben, dass die Elben Meister des Weinkelterns waren, hätte er sich niemals erlaubt. Elben hatten keine Vorzüge, nur Nachteile und nichts, was sie taten, konnten sie besser als die Zwerge.
Thorin spülte den ersten Schluck mit einem zweiten, wesentlich tieferen Zug aus dem Kelch hinunter, bis der Becher leer war. Eine feine Stimme in seinem Kopf warnte ihn, dass Thranduil das mit Absicht machte, dass er am besten überhaupt nichts getrunken hätte, weil er das hinterher sicherlich bereute, aber er verdrängte die Stimme und hielt stattdessen dem Bediensteten seinen Becher zum Nachfüllen hin. Er beobachtete Thranduil, der seinerseits den Becher an die Lippen setzte und einen Schluck trank. Der Elbenkönig saß mittlerweile wieder auf seinem Thron, und auch für Thorin hatte man einen niedrigen Schemel gefunden. Sicherlich diente das der Demütigung, denn so konnte der König immer noch auf ihn hinunterblicken.

„Er ist nicht so übel, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber lasst mich noch einen Becher trinken, dann kann ich Euch mehr dazu sagen.“
Um Thranduils Mundwinkel spielte ein berechnendes Lächeln.
„Nur zu. Trinkt, so viel Ihr mögt. Meine Keller sind zum Bersten gefüllt mit dem besten Wein aus Dorwinion, nicht einmal Eure ganze Gruppe könnte diesen Vorrat in irgendeiner Weise gefährden.“


*


Irgendwie klang die Stimme des Elbenkönigs merkwürdig. Als befänden sie sich in einer Höhle, in der es hallte. Nun, streng genommen befanden sie sich in einer Höhle, aber sie war eigentlich zu weitläufig, um noch einen Hall zu erzeugen. Ihm wurde angenehm warm und seine Zehen und Fingerspitzen kribbelten. Das wievielte Mal hatte er seinen Becher jetzt nachfüllen lassen? Drei, vier, fünf Mal? Er wusste es nicht. Aber er wusste, dass Thranduil mindestens ebenso oft nach neuem Wein verlangt hatte und ihm schien dieser Genuss überhaupt nichts auszumachen.
„Nun, wollt Ihr mir nicht doch sagen, was Ihr vorhabt?“, verlangte die Stimme des Elbenkönigs einschmeichelnd zu wissen. Er lief schon wieder um ihn herum, und jedes Mal, wenn Thorin versuchte, ihm dabei mit den Augen zu folgen, wurde ihm übel, also ließ er es sein und starrte stur geradeaus.
Den Kopf zu schütteln erwies sich als ebenso gefährlich.
„Nein“, kam es zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Er stieß ein Hicksen aus und schwieg. Thranduil lachte leise, und es klang, als schlage man ziemlich hübsch klingend zwei Glöckchen aneinander, wenn ihm nur von dem Geräusch nicht schon so schlecht geworden wäre, dass er die Zähne zum eigenen Schutz noch fester zusammenbiss.


Er beschloss, dass es vielleicht besser wurde, wenn er den Becher bis zur Neige leerte. Es dauerte einen Moment, schwankend anzusetzen und den Becher auszutrinken. Alles um ihn herum drehte sich und er war froh, dass er saß. Ohne ihn dazu aufgefordert zu haben, füllte ihm der Diener den Becher erneut.
„Sicher, dass Ihr nicht doch sagen wollt, weshalb Ihr in meinem Wald seid?“, wollte Thranduil wissen. Allmählich ging ihm dieser Elb gehörig auf die Nerven.
„Nein! S-selbst wenn Ihr…“ Bei der Vorstellung brach der Zwergenkönig in einen Sturm irren Kicherns aus „vor mir auf Kn …“ Er hickste und hielt sich mit einer Hand am Schemel fest, um nicht zu Boden zu fallen, „auf Knien … bitten würdet…“
Thranduil seufzte und erhob sich von seinem Thron, um zu ihm hinüberzugehen. 
„Nun gut, ich denke, ich habe gehört, was ich hören wollte. Ich lasse Euch zu Euren Freunden bringen, wie findet Ihr das?“ 
Zwei Elben packten den schwankenden Zwerg an den Armen und zogen ihn hoch. Man nahm ihm den Becher ab, aus dem er soeben noch hatte trinken wollen.
„Und dann … dann lasst … lasst Ihr uns ge … gehen, richtich?“, wollte er hicksend wissen.
Das Lächeln des Elbenkönigs, der hinter seinem Rücken den ersten richtigen Zug aus seinem Weinbecher nahm, sah er nicht mehr.
„Sicher nicht …“, hört er Thranduil murmeln, aber er war viel zu sehr damit beschäftigt, nicht auf den glatten Steinboden zu kotzen, um dieser Erwiderung noch nähere Beachtung zu schenken.


*


In dem Augenblick, in dem die Elben Thorin wieder zu den übrigen Zwergen zurückbrachten, wusste Dwalin, dass etwas faul war. Sie führten ihn nicht zurück zu ihnen, sie trugen ihn. Einer der Elben schloss die Zelle auf und der andere schob den Zwergenkönig durch die Tür, bevor sich diese wieder hinter ihm schloss. Anschließend stand er dort, schwankend und zu keiner Äußerung in der Lage als einem vollkommen untypischen Kichern, durchbrochen von gelegentlichen Hicksern.
„Was, bei Mahals Bart …“, fing Dwalin an, als Thorin ihm auch schon kichernd entgegensackte. Der Krieger fing ihn auf und ließ ihn an der Wand hinter sich wieder zu Boden sinken.
„Was hast du gemacht? Oder eher … was hat er mit dir gemacht?“, wollte er wissen und kniete sich hin, um seinem König ins Gesicht schauen zu können, der ihn mit einem breiten Grinsen unter halb geschlossenen Lidern anschaute und nicht ganz bei sich zu sein schien.
„Weissu, elbischer … elbischer Wein … is‘ nich‘ so schlimm. Nich‘ so gut wie … wie Bier, aber nich‘ … nich‘ schlimm.“
Dwalin schaute unschlüssig Balin an, der zaghaft die Schultern hochzog. Was sollte man darauf auch erwidern?

Es dauerte nicht lange, da hatten sie sie mit einem markerschütternd schnarchenden Zwergenkönig halbwegs arrangiert. Dennoch betete Dwalin, irgendein Wunder mochte geschehen, das sie hier heraus brachte und zwar ohne, dass der König mit seinem Gesäge die Wachen auf den Plan rief. Das Wunder stand wenig später in Form eines lächelnden Hobbits vor ihrer Zellentür, der ein Schlüsselbund in die Höhe hielt.
„Mahal sei Dank!“, murmelte Dwalin, als Bilbo ihre Zellentür aufschloss und zur Seite trat, um sie nach draußen zu lassen. Das Schnarchen hatte mittlerweile aufgehört, allerdings bloß, weil Thorin durch das Geräusch der sich öffnenden Tür wach geworden war. Oder was er in seinem Zustand unter Wachsein verstand.
Dwalin zog ihn wortlos hoch und warf ihn sich über die Schulter, um die Zelle zu verlassen. Bilbo schloss die anderen Zellentüren auf und so leise sie konnten, machten sie sich auf den Weg nach draußen.
Schließlich setzte Dwalin Thorin ab, der schwankend stehen blieb und Bilbo entdeckte, den er mit einem breiten Grinsen musterte, um die Hand zu heben und ihm die Frisur zu verstrubbeln. 
„Isser nich niedlich?“
Bilbo seufzte tief und versuchte nach Kräften, nicht wie ein kleiner Junge auszusehen.
„In die Fässer mit euch. Los.“
Die ersten Zwerge schoben sich in die leeren, bereitgestellten Fässer. Dwalin musste Thorin erneut um die Mitte packen und in eines der Fässer zwängen, weil er sich nicht weiter vom Fleck bewegte, abgesehen davon, dass er immer noch bedrohlich schwankte.
„Kein Alkohol mehr für dich, bis wir den Drachen getötet und den Berg zurückerobert haben, mein Freund!“, murrte der Krieger, ehe er selbst in ein Fass kletterte. Wahrlich, in der Haut seines Königs wollte er nicht stecken, weder jetzt noch morgen oder an einem anderen Tag, schon gar nicht, als Bilbo den Hebel betätigte, der die Fässer über die Planke in den Fluss rollen ließ. Ihm wurde schlecht dabei, so herumgeschleudert zu werden, wie musste es da erst seinem König ergehen?

*


Dwalin schüttelte den Kopf und stapfte den anderen mit quietschenden Stiefeln nach. Thorin konnte man wirklich nicht allein lassen. Erst verlief er sich, und dann betrank er sich … wohin sollte das in der Zukunft noch führen?
Der Krieger schwor sich im Stillen, den König von jetzt an besser im Auge zu behalten. Mahal allein wusste, was ihnen ansonsten noch alles widerfuhr.


FINIS

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Eremon Am 08.11.2018 um 9:32 Uhr
Hallo,

schön geschrieben, wirklich, besonders die Trinkszene mit Thranduil und auch Dwalin. Auch wenn ich nicht glaube, dass Thranduil wirklich seinen Wein hergeben würde.
Und ich musste wirklich aufpassen um nicht laut herauszulachen (ich bin an der Uni und sollte aufpassen).

LG Eremon

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Kurzbeschreibung

Eigentlich wollte Thranduil nur in Erfahrung bringen, was eine Gruppe von Zwergen in seinen Wald verschlägt. Aber die Herabwertung des besten Weins in ganz Mittelerde - und das ausgerechnet durch einen Zwerg - kann der Elbenkönig dann doch nicht auf sich sitzen lassen...

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Humor und Freundschaft getaggt.