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Funny Moments

8
19.06.21 19:37
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
Fertiggestellt

Der Wahnsinn hat mich wieder oder doch der Humor?

Vermutlich beides, wenn ich mir den Klappentext so durchlese.

Aber hey, hin und wieder muss man auch mal lustig sein, albern und das Leben genießen.

Ernst hat man genug und den packen wir jetzt mal ein und bringen ihn runter in den Keller.

Da kann er bleiben bis er Schimmel ansetzt und ich meine Knaller mal wieder auf Instagram zusammengesucht habe.

Daher stammt das Ganze hier nämlich mal wieder und man kennt es bereits von der Bohnengeschichte und anderen kurzen Storys, die ich mit Mühe aus den Weiten des Internets zusammengefasst habe.

Einiges wurde jedoch umgeschrieben und nicht alles, was ihr lest, solltet ihr für bare Münze nehmen.

Vieles davon ist nämlich kilometerweit aus der Luft gegriffen oder entstand aus einem Gespräch heraus.

Nicht alle der Kurzgeschichten sind lustig, einige sind auch normaler Alltag oder ein kleines bisschen mit Romantik angehaucht. Außerdem sind hier nun auch meine anderen Kurzgeschichten zu finden, die man noch aus der Sammlung kennt. Einfach, damit ein wenig Ordnung reinkommt und man nicht tausend einzelne Bücher hat.

Ende 2019 kamen mir ein paar Ideen, die sich nicht als ganze Geschichte schreiben lassen.

Eher sind es Ideen für kurze Storys und da man diese nicht immer alleine als Oneshot schreiben will, habe ich mir ein Buch dafür zugelegt.

Man findet hier also alles, was kurz und knackig ist.

Woher aber stammen diese Ideen, worin sehe ich meine Inspiration?

Das ist unterschiedlich und ich sage es mal so, dass viele meiner Ideen aus Dokumentarfilmen für Erwachsene stammen.

Sorry für das Wort, aber so steht es tatsächlich in der Beschreibung einiger Filme und hin und wieder kommt auch da geballter Humor vor, den man hinterher gar nicht mehr sieht.

Den mache ich mir dann zunutze, greife ihn auf und schreibe es in eigenen Worten nieder.

Hin und wieder sind es aber auch Bilder, Storys von Instagram, die einen dazu bringen, kurze Geschichten zu schreiben.

Klingt verrückt, aber nur so funktioniert es und sorry, aber ich bin gerne verrückt und schreibe das nieder, was ich will und nicht, was andere wollen.

Kurzgeschichten sind die, die man schreibt, wenn sie spontan kommen oder man an seinen Großprojekten einfach mal hängenbleibt.

Da lohnt es sich einen Abstecher in die Weiten des Internets zu machen.

Auf Instagram, wo man durch so manche Story inspiriert wird.

Aber auch durch den Alltag, durch Medien und Filme.

Man muss nur genau hinsehen, den Humor dahinter finden und niederschreiben.

Hier wird Humor ziemlich großgeschrieben und ich kann schon mal sagen, dass ich bereits drei lustige Kurzgeschichten in Planung habe.

Wer es nicht abwarten kann, der kann gerne vorerst Alarm im Darm lesen.

Eine Geschichte über Bohnen, die man zufällig auf Instagram fand.

Habt Spaß und lasst ein bisschen Liebe da.

Nun aber viel Vergnügen mit der Chaostruppe, die sich gerne mal die Ehre gibt und völlig danebenhaut.

Spontan entstand diese Kurzgeschichte und das am 26.12.2019.

Eine Geschichte ist es nicht wirklich, sie ist so vor Wochen passiert und das wahre Leben schreibt doch meist die lustigsten Geschichten.

Ich musste es niederschreiben und man kann sich sicher sein, dass hin und wieder solche Kurzgeschichten auftauchen.

Namen wurden jedoch auf Wunsch jedoch geändert, denn nicht jeder möchte namentlich im Internet genannt werden.

Ich schon mal gar nicht und Freunde ebenso wenig wie deren Verwandte.


⚜⚜⚜⚜⚜⚜⚜



Dieser Zustand, wenn man nicht mehr schläft, aber auch nicht wirklich wach ist.

Man vernimmt so seine Umwelt ganz anders wahr, bewusster und auch irgendwie intensiver.

So ich jedenfalls, der seit ein paar Minuten im Bett liegt und das mit einer Katze im Rücken.

Persa, dazu haarig und am Schnurren.

Hört auf den Namen Ginger und gehört zu meinem besten Freund, der hier irgendwo auch noch im Bett herumliegen muss.

Und obendrauf noch sein Cousin, der irgendwo rechts neben ihm liegen sollte.

Wo wir gerade von liegen sprechen, irgendwas ist da scheinbar noch wach und im Bett, drückt sich erbarmungslos in meinen Rücken und ...

Holy Shit.

Mein erster Gedanke, ehe ich ganz langsam die Augen öffne und leise „What the hell?", murmel.

Entweder liegt Tobi neben mir oder aber Adam, wobei ich das nicht ganz glauben will.

Bitte lass es Tobi sein, denke ich mir, hebe ganz langsam den Kopf und drehe mich so, dass ich sehen kann, wer sich da mit seiner fiesen Morgenlatte an meinen Arsch drückt.


„Scheiße!", entfährt es mir laut, worauf Adam verschlafen die Augen öffnet, dreimal blinzelt und mich ansieht.

„What is wrong?", will er wissen, richtet sich langsam auf und wartet scheinbar auf eine Erklärung.

Schön und gut, aber sieh mich doch bitte nicht so treudoof, verschlafen an.

Wie war noch gleich das englische Wort für Latte?

Mist, es fällt mir echt nicht ein und Adam sein Blick hilft mir wenig dabei.

„Julian?"

„Äh ..." Verstohlen blicke ich auf Tobi, dann zu Ginger und schließlich krieg ich mein Englisch doch noch auf die Reihe.

„He has a boner."

So schnell wie Adam an den Rand des Bettes robbt und schließlich aus diesem herausfällt, kann ich gar nicht gucken.

„What the fuck?"

„Was treibt ihr da?" Rosmary steht plötzlich in der Tür, blickt erst Adam an, dann mich und schließlich springt dieser auf und verlässt hastig das Zimmer.

„I want go."

Bitte?

Lass mich doch nicht alleine mit Tobi!

Mein Englisch aber lässt mich im Stich, während ich aus dem Bett haste, Adam hinterher sprinte und laut durch den Flur „Jalarachahala", rufe.

„Julian?" Tobis Mutter ruft mir nach, ich drehe mich nochmals um und rufe ihr zu, dass es bei Tobi wohl etwas länger dauert.

Verstört betrete ich unten kaum später die Küche, werde wie Adam auch, von der ganzen Familie angesehen.

„Was ist? Habt ihr was angestellt?"

„No, nothing", kommt es wirsch von Adam, während ich knallrot neben ihm anlaufe und seiner Aussage keinen rechten Glauben verleihe.

Tatjana sieht uns von oben bis unten an, dann aber grinst sie und faselt etwas von Gangbang.

„Was zur Hölle ..." Mir fehlen die Worte, ich will am liebsten heulen, gleichzeitig aber lachen, als Tobi endlich in die Küche kommt und so tut, als wäre er sich keiner Schuld bewusst.

„Jalarachahala." Einzig seine Worte, bevor er sich setzt, genüsslich in seinen Tost beißt und einen Topflappen ausweicht, den ich ihm schmollend an den Kopf werfen will.

Warum musste der Supermarkt immer so voll sein?

Konnten Rentner nicht morgens einkaufen, wenn sie Zeit hatten?

Wieso immer abends, wenn berufstätige unter Stress die letzten Dinge wie Klopapier und Taschentücher kaufen wollten?

Elio war genervt, ebenso sein Freund, der sich mühselig mit dem Wagen, durch die engen Gänge schob. "Brauchen wir sonst noch was, außer Klopapier und Taschentücher?"

Elio überlegte, grinste und schob seinen schwarzhaarigen Freund weiter. "Gleitgel vielleicht? Dann machen immerhin die vielen Taschentücher einen Sinn."

Mates blinzelte, dann aber lachte er und kniff seinem Freund frech in den Hintern. "Wir brauchen noch Öl, aber sicher kein anderes Schmiermittel."

"Nicht? Auch nicht in der Werkstatt?", fragte Elio mit einem Zwinkern weiter nach und sorgte dafür, dass Mates mit den Augen rollte.

Ein deutliches Zeichen, dass er genervt war und das Thema besser unter den Tisch fiel. "Gut, dann Lauch. Als Suppe mit Hack und Käse."

Dagegen sprach nichts und Mates steuerte neben der Kühltheke auch gleich den Gang an, in dem das Gemüse aufgestellt war. Da war es auch ganz gleich, dass er nochmals zurück zum Eingang und an etlichen anderen Leuten vorbeimusste.

Er hatte Zeit, hetzte sich nicht und auch, wenn Elio hin und wieder stöhnte und somit zu verstehen gab, dass er nach Hause wollte, ließ sich der Schwarzhaarige mit den braunen Augen nicht aus der Fassung bringen.

Er sprach nicht, er schlenderte einfach durch die Gänge, besorgte die restlichen Sachen und steuerte letztendlich die Kasse an.

Elio folgte stumm, half aber den Einkauf auf das Kassenband zu legen und legte noch drei Schachteln Zigaretten dazu. "Du rauchst zu viel", murrte Mates, während er das Hackfleisch und den Käse nahm.

"Und du meckerst zu viel", moserte Elio zurück. "Außerdem ist eine davon für deinen Bruder."

Jakub rauchte schließlich auch und nicht nur Zigaretten aber das stand derzeit nicht zur Debatte, sondern Mates seine bissige Laune, die scheinbar aus dem Nichts kam und die er abbekam.

Und so sollten sie den restlichen Tag gemeinsam verbringen und kochen?

Elio seufzte innerlich und ihm verging immer mehr die Lust auf ein gemeinsames Wochenende mit seinem Freund.

Mates schien davon vorerst nichts zu merken, zahlte den Einkauf und drehte sich schließlich um. "Kommst du?"

Nur widerwillig setzte sich Elio in Bewegung, verließ den Supermarkt und lief schweigend zu ihrem Auto, öffnete den Kofferraum und fing an, einzuräumen.

Schweigend.

Er sah Mates dabei nicht einmal an, sondern schmiss mehr oder weniger achtlos das Toilettenpapier in den Kofferraum, ehe er nach dem Lauch griff, jedoch davon abgehalten und ernst angesehen wurde. "Elio, was ist los, hm?"

"Das fragst du mich? Du bist doch der, der mit einmal mal angefressen ist und das nur wegen drei Schachteln Zigaretten."

"Das war doch nur wegen ..." Mates hörte auf zu reden, biss sich auf die Unterlippe und sah unsicher in die blauen Augen seines Freundes.

"Wegen was, Mates?"

Elio beobachtete sein Gegenüber genau, sah, wie er mit sich rang und seinem Blick schließlich ganz auswich.

Wut machte sich in dem Blondschopf breit, er ahnte bereits, was Mates sein Problem war und das hatte mit seinem älteren Bruder Jakub zu tun.

Elio begann zu knurren, griff nach der Lauchstange und schlug sie ihm auf den Kopf. "Dein fucking ernst, Mates? Du pisst dich seinetwegen auf?" Wieder zog er ihm den Lauch über den Kopf, schimpfte, fluchte und ignorierte die belustigenden Blicke einiger Passanten.

"Elio hör auf, die Leute...

"Das ist mir scheißegal, Mates. Lass sie glotzen", fiel Elio ihm aufgebracht ins Wort, ehe die Lauchstange nochmals auf ihn niedersauste und ziemlich mitgenommen wirkte. "Er ist dein Bruder und keine Konkurrenz. Außerdem wollte ich nur nett sein und ihm helfen! Du weißt genau, dass es ihm derzeit verdammt Scheiße geht!"

Mates seufzte und hielt Elio davon ab, den Lauch ganz zu zerstören. "Meine Eifersucht ist dumm, oder?"

"Saudumm", murrte Elio ein letztes Mal, ehe er Mates an sich zog und kurz küsste. "Der Lauch hat einiges abbekommen, aber für ne Suppe geht er noch."

"Klasse, dass du dir mehr Sorgen um den Lauch machst, als um mich", grinste der Schwarzhaarige.

"Halt die Klappe und küss mich, sonst hol ich den Lauch nochmals raus", murmelte Elio leise und kam seinen Lippen langsam näher.

„Rocco?" Suchend sah Kevin sich um, klapperte das ganze Anwesen ab und doch konnte er vorerst seinen Kollegen und guten Freund nicht finden.

„Wo steckt der Kerl?", murmelte er leise, suchte weiter und bekam schließlich den Tipp, er solle bei den Hängematten nachsehen.

Davon hatten sie zwar nur eine, dennoch machte er sich auf den Weg, fand Rocco endlich und doch war er wenig begeistert. „Wie siehst du aus, du Penner? So kann ich nicht mit dir zusammenarbeiten."

„Äh was?" Rocco der geschlafen hatte blinzelte, nahm seine Sonnenbrille ab und krabbelte langsam aus der Liege heraus. „Haben wir heute nen Dreh, oder was machst du so nen Fass auf?"

„Nein, aber ich bin heute hinter der Kamera und du bist mein Assistent und rasieren hättest du dich auch mal können"; beschwerte sich Kevin, ehe er mit dem Kopf schüttelte und Rocco hinter sich herzog. „Mach jetzt, ich brauch nen guten Film und du weißt, was du zu tun hast."

Rocco rollte genervt mit den Augen, folgte jedoch seinem Kollegen und doch kam er nicht umhin kurz etwas an seinem Handy zu tippen.

„Was soll das? Konzentriere dich gefälligst", moserte Kevin, ehe er sich ins Haus schlich, wo Marty bereits Bilder von Jamie und Nino schoss.

Rocco folgte, stellte sich jedoch ungeschickter an, als Kevin lieb war und prompt wurden beide von Marty ermahnt, das Set zu verlassen.

Wirklich daran halten taten sie sich nicht, versteckten sich eher im Flur und da fiel Kevin ein, dass er Hunger hatte. „Mach mir mal was zu essen, Rocco. Ich halt hier die Stellung."

Rocco nickte, schlich sich in die Küche und es dauerte ewig.

Zwar hörte man irgendwas, doch so langsam verlor Kevin die Geduld und betrat nach fünf Minuten mehr als angefressen die Küche.

Bevor er Rocco verbal einen Einlauf verpassen konnte, reichte der ihm ein Brot, welches das Fass beinahe zum Überlaufen brachte.

Käse.

Auf dem Brot lag ernsthaft Käse und wirklich jeder wusste, dass Kevin diesen nicht vertrug.

„Bist du eigentlich noch ganz dicht? Du weißt, dass ich ne Allergie habe." Kevin hielt unterstreichend Rocco die Scheibe Käse unter die Nase, ehe er sie in die Ecke pfefferte und aus der Küche rauschte.

Rocco folgte ihm, konnte sich jedoch ein dümmliches Grinsen nicht wirklich verkneifen und zückte bereits wieder sein Handy, auf welchem er eifrig tippte und es anschließend wegsteckte, da Kevin ihn erneut gerufen hatte.

Ungesehen blieben die beiden dabei nicht, Marty hatte sie erneut erwischt und dieses Mal war er nicht mehr  ruhig, jagte sie mit dem Billard-Queue durch die gesamte Villa und schließlich laut schimpfend nach draußen.

Schöne Scheiße, der Film war dahin und das war ganz alleine Rocco seine Schuld.

Er hätte ihn schlagen können, so aber jagte er Rocco quer durch den Garten, vorbei an Jack, der den beiden verwirrt nachblickte, aber sich nicht einmischte.

Wenn Kevin sauer war, dann richtig und das wusste er noch am besten und ebenso Adam, der hinter ihm auftauchte und grinste.

„Scheint, als hätte Rocco richtig Mist gebaut."

„Kann uns egal sein, ist deren Sache."

„Stimmt, aber am Ende kriegt es wieder einer ab und ich hab darauf so gar keinen Bock", beschwerte sich Adam weiterhin, doch nur solange, bis Jack die Nase voll hatte und ihn unsanft ins Wasser stieß.

Wasser war auch etwas, was Kevin nach der gesamten Rennerei gebrauchen könnte, doch Rocco hatte daran so gar nicht gedacht.

„Was?" Fragend sah Rocco seinen Kollegen an.

„Hast du eigentlich ein Gehirn oder ist bei dir da oben nur Stroh?", wollte Kevin mit ernstem Blick wissen, doch eine Antwort bekam er nicht.

Rocco war schon wieder am Handy und so langsam reichte es.

„Kannst du endlich mal ne Flasche Wasser holen? Ich verdurste hier und du hast nichts Besseres zu tun, als am Handy zu kleben?"

„Geh halt selber in die Küche. Ich hab die Faxen dicke. Such dir nen anderen Deppen, der dir den Arsch nachträgt", verteidigte Rocco sich angefressen, ehe er Kevin einfach stehen ließ und weiterhin am Handy tippte.

„Sag mal gehts noch?" Fassungslos sah Kevin ihm nach, stapfte dann jedoch zurück ins Haus, in die Küche und was er da sah, beziehungsweise hörte, schlug dem Fass den Boden aus.

Rocco saß am Tisch und auf der Anrichte saß er, lachte sogar und machte seine Witze über ihn.

Das war zu viel, das Fass lief über und Kevin war richtig sauer. „Sehr witzig, ich lach dann später."

„Chill mal", lachte Andre, reichte Kevin eine Flasche Wasser und sofort schraubte dieser sie auf, nahm einen Schluck und spuckte diesen sofort aus.

Wohlgemerkt Andre mitten ins Gesicht.

„Was soll der Mist?", regte sich Kevin lautstark auf, ignorierte hierbei jedoch Rocco, sondern eher fixierte er nun Andre mit bitterbösen Blicken.

„Hey, das war meine Idee, lass ihn daraus", mischte sich Rocco ein, stellte sich zwischen die beiden und versuchte weitgehendst zu vermitteln, ehe es noch eskalieren konnte.

„Deine?" Kevin ließ vorerst von Andre ab.

Rocco nickte mit einem lässigen Grinsen, erzählte, warum er ihn geprankt hatte und mit welchen Hintergedanken.

Er verschwieg jedoch nicht, dass Andre davon gewusst hatte, ebenso Jack und auch Adam war irgendwo involviert gewesen.

Kevin blickte eine Weile zwischen Rocco und Andre hin und her, er schien zu überlegen und doch stieß ihm das Gehörte böse auf.

So sehr, dass er Rocco wortlos aus der Küche schob, hinter ihm die Tür zu donnerte, abschloss und sich ohne jegliche Gesichtsregung Andre zuwandte, der noch immer auf der Anrichte hockte und vor sich hin grinste.

„Fahr mal nen Gang runter, Alter. Mich prangt man die ganze Zeit und ich reg mich nicht so auf."

Noch immer dieses Grinsen, dazu eine Ruhe weg, die alles andere als angebracht war.

„Ich soll einen Gang runterfahren, ja?", wiederholte Kevin die Worte seines Kollegen.

„Wäre ein Anfang, ja", schmunzelte Andre mit verwegenen Lächeln, welches jedoch sehr schnell verschwand, da Kevin nun endgültig der Geduldsfaden riss.

„Auf den Tisch." Er deutete es lediglich an, unterstrichen mit einem strengen Blick, der keinerlei Widerwort zulassen würde.

Andre hatte zwar keine Ahnung, was das jetzt werden sollte, folgte aber der stummen Anweisung und setzte sich auf den Küchentisch. „Und jetzt?"

Kevin antwortete nicht, stattdessen trat er an den Tisch heran, auf welchem Andre saß, zog ihn vorerst von diesem herunter und drehte ihn um.

Er drückte ihn bestimmend nach vorn, beugte sich dicht über ihn und knurre. „Jetzt bring ich dir Manieren bei."

Ruckartig zog er dabei die Hose runter und bevor Andre richtig reagieren konnte, klatschte es bereits einmal auf seinen Hintern und das so heftig, dass er zusammen zuckte.

„Wowow mach mal sachte", lachte er dennoch, doch Kevin ließ sich weder aufhalten, noch davon abbringen, kniete sich hinter Andre und biss sanft aber dennoch bestimmend in dessen wohlgeformten Hintern.

Adam, der die beiden letztendlich hörte, sah zu Jack rüber. „Irgendwie bin ich ja so gar nicht neidisch."

„Ach ernsthaft?" Jack grinste, zog Adam an sich und biss ihm frech in die Unterlippe. „Mich müsstest du für die harte Nummer nicht prangen."

Heiß, es war viel zu heiß und während einige der Jungs bereits im Whirlpool saßen, hatten es sich Elio und Jamie auf der Hollywoodschaukel gemütlich gemacht.

Stöhnend legte Jamie den Kopf in den Nacken und blinzelte mit seinen braunen Augen der Sonne entgegen. "Es ist viel zu heiß", beschwerte er sich.

"Wer hatte denn auch die scheiß Idee, bei dem Wetter die Prager Burg hochzulaufen, hm?" Elio sah seinen Kumpel von der Seite an, pickte ihm in die Wange und grinste frech über die Empörung. "Geh halt das nächste Mal mit Kevin in den Wald und sammel Pilze."

Pilze sammeln? Elio riss entsetzt seine blaugrauen Augen auf. "Ich kenn mich damit nicht aus. Hinterher vergiftet sich noch einer."

Überlegend strich Jamie sich über seinen Dreitagebart, dann grinste er so breit, dass seine süßen Grübchen hervorstachen. Elio beobachtete ihn, schüttelte den Kopf und wusste bereits, dass gleich ein frecher Spruch kam.
Dafür kannte er Jamie jetzt lang genug, um zu wissen, wie und wann er tickte. Und sowas triggerte ihn enorm und da konnte das Faultier schonmal anders.
"Elio, Elio", tadelte Jamie ihn, während er noch immer grinste. "Wem willst du hier eigentlich etwas vormachen?"

Wie? Elio verstand nicht, was Jamie meinte, sah ihn ratlos an und kratzte sich nachdenklich durch seine platinblonden Haare. Was sollte er ihm denn vormachen? Ihre Freundschaft?

Elio hatte keine Ahnung, was Jamie meinte und antwortete nicht auf dessen Worte. Stattdessen sah er zum Whirlpool, der mit sechs Leuten einfach zu voll war. "Man, die haben es echt gut."
Jamie nickte. "Meine Füße kochen, ich hab das Gefühl, die sterben gleich ab."

"Nicht nur deine", erwiderte Elio, dem die zündende Idee kam und er sich hastig erhob. "Zieh schon mal Schuhe und Socken aus."
"Wieso denn Socken?", rief Jamie ihm nach, doch eine Antwort bekam er darauf nicht. Jamie seufzte, beugte sich vor und öffnete seine Schuhe, die er kaum später auszog und ebenso die Socken.

Was plante Elio überhaupt, so ganz sicher war sich der blondhaarige Mann nicht und sah skeptisch zur Terrassentür.

"Elio?"
Keine Reaktion, Jamie saß da wie bestellt und nicht abgeholt.
"Klasse", knurrte er leise vor sich hin und schob mit seinen nackten Füßen seine Schuhe ein ganzes Stück weg. "Was zur Hölle treibt der Kerl?"


Jamie wippte ungeduldig mit den nackten Füßen auf der Stelle, dann zog er sie hoch und sah erneut zur Terrassentür. Kein Elio, er saß noch immer alleine auf der Hollywoodschaukel und langweilte sich.
"Man ey", stöhnte er laut, ignorierte die Andren, die sich umdrehten und mitfühlend ansahen.

"Jamie, komm halt zu uns", rief einer aus dem Whirlpool, doch genau in dem Moment kam Elio zurück und das mit einem Eimer in der Hand.

Bei genauerem Hinsehen erkannte man, dass es der Putzeimer war und was genau wollte Elio jetzt?
Jamie sah verwirrt auf, dann in den Eimer, den Elio genau neben seine Füße stellte und wieder Platz nahm.
"Äh ...", setzte er an, während sein Freund sich die Socken abstreifte und seine Füße in das kalte Nass eintauchte.
"Gott ist das geil", stöhnte Elio und ignorierte die Blicke seiner Freunde, die sich allesamt umgedreht hatten.
Jamie hingegen grinste frech, stellte ebenso seine Füße in den Eimer und lachte leise, als Elio erschrocken weg zuckte und ihn anstarrte. "Wir füßeln."


"Und?", fragte Jamie, zuckte mit der Schulter und berührte nochmals Elios rechten Fuß.
Skeptisch sah dieser in den Eimer, dann aber ruckte er mit dem Kopf hoch, sah zum Whirlpool, aus welchem plötzlich fünf Personen in alle erdenklichen Richtungen sprangen und angewidert wirkten.

"Alter, furz das nächste Mal draußen oder schieb dir nen Korken in den Arsch", beschwerte sich der durchtrainierte Ethan, während er sich durch seine braunen, mittellangen Locken fuhr und das Gelächter von Jamie und Elio ignorierte.

Weintrauben, dann eine Nektarine und zu allem Überfluss auch noch einen Apfel.

Ganz sauber waren die beiden nicht und so manches Mal zweifelte Andre am Verstand des Kameramannes, der irgendwas von einem Frühstück brabbelte, was man andersherum essen konnte.

Immer auf seine Kosten, als würde er irgendwie „verarscht mich" auf der Stirn stehen haben.

Und Kevin zog da mal eben locker mit.

Erst stieg er zum Fenster rein, störte seine morgendliche Rasur und dann besaß er noch die Frechheit, Weintrauben in seinen Arsch zu stecken.

Wohlgemerkt unter tosendem Gelächter und doch konnte er ihm deswegen nicht böse sein.

Er war dafür einfach zu gerissen, dazu dieses hinreißende Lächeln, welches so manchen Ärger einfach vergessen ließ.

Außerdem war es sein Job, ihr Job und da musste man dennoch professionell an die Sache herangehen und so manches schlucken, was einem doch sauer aufstieß.

Dazu gehörten scheinbar auch Weintrauben, von denen sich Kevin genüsslich eine in den Mund schob und ihm frech zuzwinkerte.

Ganz toll, am liebsten hätte Andre sich umgedreht, das Set verlassen und doch war der Andere wieder so süß, dass er den Gedanken ganz schnell vergessen hatte.

„Konzentriert euch bitte und hört jetzt auf euch anzumuffeln. Wir müssen das die Tage im Kasten haben", appellierte Luke an die beiden Jungs, die sofort wieder in ihrem Job waren und sich heiß und innig vor dem Kaffeeautomaten küssten.

Luke hielt die Kamera drauf, hatte zuvor schon einige Anweisungen gegeben und die beiden waren ganz Profi, wussten, was sie zu tun hatten und wechselten langsam Szene und Standort.

Kevin saß nun auf der Anrichte, Andre kniete zwischen seinen Beinen, wurde jedoch nach wenigen Minuten nach oben gezogen und erneut fordernd geküsst.

Heftig nach Atem ringend lösten sich beide und verlangend blickte Kevin seinen Kollegen an.

"Wo leg ich dich jetzt am besten hin?", fragte er mehr sich selber und doch drang diese Frage bis rüber zu Marty.

"Auf den Wäscheständer."


Wie selbstverständlich klangen die Worte, sorgten für einige Lacher und es dauerte, bis Luke sich besinnen und aufhören konnte zu lachen.

"Gut, dann mach Andre mal den Wäscheständer."

Beide sahen sich an, verfielen erneut in Gelächter und konnten mit einem Mal nicht wirklich ernst bleiben. "Ich kann nicht mehr. Erst die Trauben und jetzt das."

"Machen wir morgen weiter?"

"Ja, aber ohne Weintrauben und Nektarinen in meinem Arsch!"

Kevin sagte dazu nichts, zog ihn eher an und zu sich und flüsterte kaum hörbar "Miluji tě".

Wie sie wieder einmal allesamt nervten und ihm den letzten Nerv raubten.

Wie zur Hölle sollte er da bitte arbeiten und sich obendrauf konzentrieren?

Rhys rollte nun schon das dritte Mal mit seinen blauen Augen, fuhr unterstreichend seinen markanten Dreitagebart nach und schüttelte den Kopf.

Mit seinen 32 Jahren war er dann wohl doch schon zu alt, um den Blödeleien seiner Mitbewohner folgen zu können.

Einer seiner Kollegen übertrieb, Rhys musste nicht mal hingucken, um zu wissen, dass es wieder Jamie war, der es nicht lassen konnte.

Dabei nannten sie den dunkelblonden Mann mit den süßen Grübchen im Gesicht immer ein Faultier.

Einfach aus dem Grund heraus, dass er ständig auf dem Sofa gammelte und nichts tat.

Böse sein konnte ihm niemand, besonders Rhys selber, da er Jamie dann doch etwas zu gut kannte und ebenso seine Tricks.

Besonders heimtückisch war sein Anschleichen und dann ...

Dann schlug er zu, kraulte auf Teufel komm raus und alles war vergessen.

Rhys seufzte, versuchte sich wieder daran das Drehbuch zu schreiben und doch kam die nächste Attacke völlig unvorbereitet und warf ihn aus dem Konzept.

"Jamie", knurrte er bereits leise, doch als er genauer hinsah war es nicht Jamie, sondern eher der markante Kleiderschrank mit dem Namen Adam.

"Sorry, war keine ..." Adam merkte selber, dass weiterreden nichts brachte und so wie der Ältere wirkte, war da auch nicht mehr viel mit reden.

Während Rhys sich ganz langsam erhob, wich Adam bereits nach hinten aus, stieß jedoch sehr schnell gegen die Küchentheke und hatte keine weitere Option ausweichen zu können.

"Ruhig Brauner, das war keine Absicht, ich wollte doch nur ..."

"Was wolltest du?", schnitt Rhys ihm das Wort ab, ehe er galant auf die Theke griff und etwas nach Jamie warf, der dümmlich grinste.

"Alter", beschwerte der sich, traf ihn eine Rolle Toilettenpapier mit voller Wucht am Kopf und kullerte anschließend durch die Küche.

Adam war im ersten Moment fassungslos, dann aber begann er zu lachen und selbst Rhys, der eben noch emotional zu kochen schien, stimmte mit ein und amüsierte sich köstlich.

"Sehr witzig", maulte Jamie die beiden an, stieg über die halb ausgerollte Klopapierrolle und wurde an der Tür jedoch aufgehalten.

Mürrisch blickte er Rhys an, der noch immer ein breites Grinsen im Gesicht hatte. "Sei froh, dass es nur eine Rolle Klopapier war. Nächstes Mal fliegt der Pfannenwender."

Jamie knurrte, boxte Rhys gegen den rechten Arm und sah ihn herausfordernd an. "Ein nächstes Mal wird es nicht geben. Ich bin nämlich schneller als du gucken kannst."

Adam ahnte bereits, was Jamie meinte und er kannte beide jetzt schon seit Jahren und ebenso wie sie tickten und sich gegenseitig mehr als üble Streiche spielen konnten.

Elio konnte davon bereits ein Lied singen, doch war dies eine ganz andere Geschichte.

Gelangweilt drehte der großgewachsene Mann mit den braunen Augen jetzt schon die dritte Runde in seinem Bürostuhl, während sein Kumpel hinter ihm auf dem Sofa saß und nachdenklich den Kopf schief legte.

"Was mach ich denn jetzt?", fragte er mehr sich, bremste ab und schwang sich rasch aus dem Stuhl, nur um wie ein Tiger auf der Lauer durch das Zimmer zu schleichen.

"Hilf ihm doch. Zu zweit geht es schneller und ihr habt mehr Zeit", schlug Kevin vor, wurde dabei jedoch komisch angesehen und schließlich schüttelte Helmut den Kopf. "Du weißt genau, dass ich es nicht ausstehen kann. Das langweilt immer so."

Kevin rollte mit den Augen. "Dann beschwere Dich nicht", brummte er, stand von der Couch auf und nahm das Chatgespräch am Computer an.

Wie fast jeden Abend rief ein guter Freund an und doch hatte Kevin nicht lange Zeit, da er noch einiges anderes zu tun hatte.

Helmut hingegen schob den Dunkelblonden vom Tisch weg, setzte sich und grinste schon wieder in die Kamera. "Ey Elio, alles klar?"

Der blonde Junge auf der anderen Seite der Webcam grinste gelassen und nickte. "Und bei Dir? Wirkst ein bisschen frustriert, kann das sein?"

Helmut seufzte leise aber dennoch gut hörbar auf und fuhr sich gestresst durch die Haare.

"Helmut ist bockig, weil sein blondes Lockenschaf Kuchen backt und keine Zeit hat", erklärte Kevin mit einem Augenzwinkern, ehe er aus dem Sichtfeld verschwand, die beiden alleine ließ und hinter sich die Tür schloss.

Elio sah ihm ein paar Sekunden nach, ehe er sich entspannt zurücklehnte, sich seine Zigaretten schnappte und eine davon anzündete. "Er backt also Kuchen, ja? Und wo genau ist da jetzt das Problem, Helmut?"

Helmut schwieg für einen Moment, verschwand schließlich aus dem Bild und es sah aus, als würde er irgendwas unter dem Schreibtisch suchen.

"Helmut?" Elio runzelte die Stirn, es klirrte und klimperte und langsam fragte sich der Blondhaarige, was sein Kumpel unter dem Tisch zu suchen hatte. "Was zur Hölle suchst Du da unten?"

Keine Antwort, dafür aber tauchte ein Glas Nutella auf und einige Sekunden später Helmut selber.

"Ähm..." Elio wusste erstmal nicht, was er dazu sagen sollte, er wartete ab, sah zu, wie Helmut das Glas aufschraubte und den Finger in die Schokoladenmasse steckte.

Genüsslich wurde der Finger schließlich abgeleckt und erneut in die braune, klebrige und süß schmeckende Masse getaucht.

Elios blaue Augen blinzelten einige Male, dann schüttelte er den Kopf und fing an zu lachen. "Wir sollten Dich umtaufen. Nutellatier würde passen."

Helmut grummelte leise. "Nutella hilft  gegen alles."

"Bestimmt", lachte Elio weiter, griff zu seinen Zigaretten und ließ diese beinahe fallen, als er sah, was sein Kumpel mit dem Nutellaglas tat. "Also jetzt zweifle ich echt an Dir und Deinem Verstand. Das ist nen Glas."

"Mir doch egal", brummte Helmut und zog dabei eine Schnute. "Es kuschelt sonst ja keiner mit mir."

"Schmier Dich damit ein und geh in die Küche, Du Kindskopf", grinste der Blonde neckisch, suchte auf dem Schreibtisch sein Feuerzeug und als er wieder aufsah, war Helmut mit seinem Nutellaglas verschwunden.

Schon wieder war sie da oder noch immer?

Ich hatte keine Ahnung, aber es störte mich ganz gewaltig und obendrein war sie auch noch hässlich und unförmig.

„Hör mal, ich", setzte ich zum Sprechen an, doch Kevin war schneller, zog mich an sich und noch ehe ich mich versah, lagen seine Lippen auf den meinigen und brachten mich zum Schweigen.

Leise seufzend ergab ich mich, erwiderte den Kuss und doch störte sie mich immer noch.

Allein, weil sie hinter uns stand, ich mich dabei unwohl fühlte und sie nicht ausstehen konnte.

Kevin schien zu merken, dass ich mich anspannte, sogar versteifte und letztendlich löste er den Kuss und sah mich fragend an. „Habe ich irgendwas falsch gemacht?"

„Nicht direkt", erwiderte ich, atmete tief durch und drehte mich weg. „Sie da hinten stört mich. Sie ist immer da, sie nervt und sie ist hässlich. Ich will sie hier nicht haben."

„Bitte?" Kevin tat entrüstet, er verstand wirklich null und er verteidigte sie sogar. „Übertreibst du nicht etwas?"

„Nein, tu ich nicht. Aber mir reicht es langsam. Tag ein Tag aus ist die hier und ich hab dir schon zig mal gesagt, dass ich sie unnütz finde. Ich fühle mich mit ihr mehr als unwohl und ich will sie hier raus haben."

„Ich sage ja, du übertreibst", wiederholte sich Kevin, ehe er überlegend durch das Zimmer streifte und wieder stehenblieb. „Soll ich sie jetzt herausschmeißen, oder was?"

„Ich bitte darum. Entweder sie geht oder ich."

Ein Seufzen erklang und mit den Augen rollend, schritt er auf mich zu, packte mich an den Schultern und nagelte mich buchstäblich an ihr fest. „Sie bleibt und warum sie bleibt, wirst du gleich merken."

Äh was?

„Ich wiederhole mich nur ungern, sie oder ich." Ein letzter Versuch, der ignoriert und stattdessen meine Hose geöffnet und heruntergezogen wurde.

„Entspann dich, Andre. Es ist nur eine Lampe", murmelte er und ehe ich protestieren konnte, setzte er bereits seine Zunge ein und das so geschickt, dass ich sie tatsächlich vergessen hatte.

Wenn, auch nur für wenige Augenblicke.

Es gab Tage, da wachte man viel zu früh auf, trottete in die Küche, setzte Kaffee auf und stellte fest, dass man nicht alleine wach war.

"Auch Kaffee?", fragte Elio während er sich streckte und gegen die Theke lehnte.

Tony brauchte einen Moment, ehe er sich umdrehte, müde blinzelte und sich durch seine braunen Haare fuhr.

Gestern erst hatte er sich diese wieder schneiden lassen, trug sie an den Seiten abrasiert und das obige Deckhaar war kurz und stand in alle erdenklichen Richtungen ab.

Ein Anblick der Elio zum Schmunzeln brachte.
"Was ist, wieso grinst du so?", wollte sein Mitbewohner wissen, zuckte aber im selben Moment zusammen und sah Adam böse neben sich an. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass das Breitkreuz mit den blauen Augen aufgestanden war und sich am frühen Morgen schon erdreistete, ihn ärgern zu wollen.

Der blonde Elio beobachtete die Zwei, dann aber fiel ihm ein, dass Tony noch immer nicht gesagt hatte, ob er Kaffee wollte oder nicht. "Hey, ihr Raufbolde ...", setzte er an, doch weder Tony noch Adam reagierten.
Elio grummelte leise während sich zwei Arme um ihn schlangen und jemand einen Kuss in seinen Nacken hauchte. "Lass die Zwei doch machen. Ich nehme gern einen Kaffee."

Jamie, dazu ziemlich verschlafen und verstrubbelt auf dem Kopf. Ein niedlicher Anblick, wobei er es hasste, so betitelt zu werden.

Elio ließ es demnach bleiben, löste sich aus der Umarmung und goss eine zweite Tasse Kaffee ein, die er kaum später Jamie rüberreichte.

"Setzen wir uns raus auf die Terrasse?"
"Gerne", erwiderte Elio, folgte seinem besten Freund nach draußen und schob leise die Tür zu.
Jamie hatte es sich währenddessen bereits auf der Hollywoodschaukel bequem gemacht, lehnte sich entspannt zurück und doch wirkte er, als würde er gleich wieder schlafen.
Faultier, dachte sich Elio, setzte sich und trank vorsichtig einen Schluck aus seiner buntbemalten Tasse.

Wirklich wach wurde aber auch er nicht. "Ich geh erstmal duschen, der Kaffee bringt irgendwie rein gar nichts."


Jamie antwortete nicht, er schlief schon wieder und das im Sitzen, wie er feststellen musste.
Elio schmunzelte, stellte die Tasse auf den Tisch und schlich sich leise nach drinnen und an Tony und Adam vorbei.

Die beiden waren mit sich beschäftigt, er aber wollte wach werden und endlich in den Tag starten.

Zielstrebig steuerte er sein Schlafzimmer an, öffnete, nachdem er es betreten hatte, seinen Kleiderschrank und überlegte, was er anziehen sollte.
Klassisch schwarz oder doch ausgefallen und bunt?

Elio seufzte, zog schließlich eine hellblaue Jeans heraus, ein knallig rotes Shirt und verschwand im gegenüberliegenden Badezimmer.


Leise summend schlüpfte er aus seiner Boxershort, trug bei diesen Temperaturen nicht mehr am Leib und schritt leise gähnend zur geräumigen Dusche.

Nanu, warum rauschte das Wasser, er hatte es doch noch gar nicht angestellt.

Elio blinzelte verwirrt, kam jedoch näher und da erkannte er, dass es sich um Jamie handelte, der wohl doch nicht geschlafen hatte.
"Du hast wohl nur so getan", murmelte er, stieg unter die Dusche und griff nach seinem Duschgel, welches sein bester Freund jedoch festhielt und ihn angrinste.

"Du kennst mich, ich hab ein Talent dafür, mich schlafen zu stellen.

Stumm gab Elio ihm recht.
Tatsächlich hatte er dafür ein Talent und nicht nur dafür, sondern auch im Rücken einseifen, was keine Sekunde später geschah und ihm ein wohliges Seufzen entlockte.

Tatsächlich hatte er dafür ein Talent und nicht nur dafür, sondern auch im Rücken einseifen, was keine Sekunde später geschah und ihm ein wohliges Seufzen entlockte.

„Bor setz dich, du machst mich kirre!"

„Halt die Klappe, ich bin nervös."

Darauf kam erstmal nichts, nur Gebrumme, was ich ohnehin nicht verstand, weil es kein deutsch war.

Wunderbar und irgendwie war ich jetzt schon genervter, als ich es sein sollte.

Eigentlich sollte ich mich freuen, mir nen zweites Loch in den Arsch jubeln und nen russischen Volkstanz auf dem Tisch aufführen.

Aber nichts, eher kramte ich in meinen Hosentaschen nach Kleingeld für den Fall der Fälle.

„Was machst du?" Nino sah mich verwirrt an, dann aber verstand er und musste lachen.

„Komm schon, Dei, so schlimm wird es nicht werden. Notfalls rollt Alex die Mülltonne rein."

„Klar und am besten noch ne Rakete, damit ich ihn im schlimmsten Fall auf den Mond schießen kann."

Uhhh Alex war genervt und das noch schlimmer als ich es bereits war.

Einzig Robin saß gechillt auf dem Bett, knabberte seine Chips und grinste über beide Ohren.

Immerhin einer, der das neben Nino lustig fand und nicht ahnte, dass ich ganz sicher sterben würde.

Elendig an Nasenbluten krepierte und das nur, weil man skypt.

Lachhaft.

Für all jene, die nicht wissen, worum es überhaupt geht, geschulte Leser und Insider aber wissen es und der Rest kann mich mal am Bobbes knutschen.

Aber zurück zum Chat, beziehungsweise zu einem Telefonat via Skype, dem ich nicht wirklich folgen konnte.

Immerhin hatte keiner was von Salat gesagt, denn das hätte ich immerhin noch verstanden, wobei ich mir nicht ganz sicher war, bei dem, was Nino da alles gelesen hatte.

Es war aber wohl Kapitel vier, denn Adam hatte ich noch verstanden, was auch nicht schwer war, da es ein Name war.

Das kam aber erst später.

Zuerst kam Jerome und das mit seinem niedlich, gebrochenem Englisch und sichtlicher Überforderung.

Zum Knutschen, dieser blonde Lockenkopf.

Immerhin redete er locker über das Wetter und neidisch guckten wir alle vier auf den Sonnenuntergang in Afrika.

Hier goss es nämlich in Strömen und da wir uns ohnehin in Feucht befanden, konnte man auch gleich Nasshausen daraus machen.

Oder Frierdichtot.

Kalt war es nämlich auch und dunkel.

Arschdunkel und zudem hatte ich Bauchschmerzen vom allerfeinsten.

„Was hat er?"

Er?

Wer ich?

Überrumpelt glotzte ich buchstäblich wie ein Mondkalb in die Kamera und wäre schon jetzt am liebsten im Erdboden versunken.

Himmel nein, das fing echt gut an und Mister Sexiness war noch nicht mal im Bilde.

Dafür aber jemand anders und sofort musste ich heftig lachen, fiel fast von meinem Stuhl runter und vergrub mich lachend in Robins Hosenbein.

Warum?

Tja, dafür müsste man Sankt Benedikt lesen, um auf Kutten Günther ... äh ... Helmut zu kommen.

Ist aber nicht online aber in Produktion und wurde später noch übersetzt vorgelesen und für gut empfunden.

Es gab sogar Lob und man war erstaunt, wie sehr ich die pornöse Seite wiedergeben konnte.

Ich gebs gerne an Majuda weiter, die seinen Charakter wunderbar studiert hat und durch mich immer gut mit Futter versorgt wird.

Und ich bin süß.

Ein süßer Kerl, der aussah wie ne Tomate und sich in Robins Hosenbein geniert hatte.

Robin musste ohnehin viel erleiden den Abend.

Erst hatte ich ihn vor Lachen gebissen, ich hätte sonst gebrüllt, als man die Weintrauben auspackte und die mich enorm triggerten.

Fragt nicht, ich weiß, wohin man diese neben einem Apfel und einer Nektarine hinschieben kann.

Mit Wassermelonen kenn ich mich ebenfalls aus und mit Senf und Ketchup.

Auf meine Frage hab ich allerdings nicht wirklich eine zufriedenstellende Antwort bekommen, aber immerhin geht es ihm gut.

Mein Babyboy, Milchgesicht und Knuddelbär.

Man muss ihn einfach lieben und sein Babyface ist einfach zu drollig.

Richtig süß wurde es aber, als sich Tom und Ash wohl stritten und doch noch der Salat bitter um die Ecke kam.

Ernsthaft, es klang wie Chicorée und verdammt, ich weiß, was das heißt und dafür musste man nichts übersetzen.

Das hatte sogar Alex verstanden, sich fast an seinem Wodka verschluckt den Nino fast auf die Hose gespuckt bekam.

Robin blieb verschont, aber nicht sein loses Mundwerk, was er wie so oft noch schlimmer als ich an den Tag legen konnte.

Da kam dann was von Kleber im Gesicht oder Vorsicht, es klebt bereits nach wenigen Sekunden fest im Gesicht.

Ja sicher doch, die Diskussion hatte ich letztens erst mit meinem Freund und ich hatte auch gestern nachgehakt und nein, Ejakulat klebt nicht wie Pappe im Gesicht nach ein paar Sekunden.

Es ist auch nicht schädlich oder ekelhaft, es ist nen Fetisch und demnach leben und leben lassen.

Aber nun mal zu Mister Sexiness in seiner wunderbar knappen, gelben Hose, die mehr nicht verdeckte, als bedeckte.

Man kann sich nun einen Deidara vorstellen, der mit sich ringt hinzusehen oder wegzusehen.

Ich sah hin.

Ja, ich sah wirklich hin und Himmel ich hatte kein Nasenbluten und ich lebe auch noch.

Er ist auch nur ein Mensch mit einem für viele grenzwertigen Beruf und doch ist er auch nur ein normaler Mann, mit dem man reden kann.

„Wow your Boyfriend is pretty and he have green Hair. I love it."

Ja, grüne Haare habe ich aber nein, ich bin nur der beste und nicht der feste Freund meines besten Freundes.

Fand Alex im Hintergrund nicht so pralle und schmollte.

Robin war am Lachen und ich war erstmal hin und weg von dieser Stimme.

Sie klingt aber auch zu niedlich, wenn er Englisch spricht und hey, ich konnte sogar teils echt gut mit ihm reden.

Nicht viel, aber ich hab fast alles verstanden.

Englisch versteh ich besser, als das ich es sprechen kann.

Immerhin hab ich ihm nicht gesagt, dass ich nen Fanboy des Todes bin und wirklich jeden mit seiner Person nerve.

Ich war nicht mal im Fanboy-Modus, sondern eher ruhig und besonnen.

Bin ja auch nen paar Jahre älter und nen ganzen Kopf größer.

Son Mist aber auch, aber hey, ich hatte meinen schönen Moment und den werde ich so schnell nicht vergessen.

Ich zerre davon noch lange und ich hab lachen müssen wie lange nicht mehr.

Und mein Kleingeld in der Hosentasche?

Nun ja, das kullerte heute Morgen durch Nino sein Schlafzimmer, nachdem Robin es geschafft hatte, über meine Hose zu stolpern.

Und allesamt hatten wir nen fetten Kater.

Nie wieder Wodka, dazu den russischen und sündhaft teuren.

Der erste Schritt an diesem Tag war der Gang zur Kaffeemaschine und bevor Elio nicht mindestens eine Tasse Kaffee getrunken hatte, würde er heute seinen Arsch nicht hochkriegen.

Gähnend tappte er an zwei seinen Mitbewohnern vorbei, holte sich aus dem Schrank seine Lieblingstasse und goss sich den schwarzen Muntermacher ein, mit dem er sich kaum später an den Küchentisch setzte.

Nochmals gähnte er, führte die Tasse an seine Lippen heran und trank den ersten Schluck Kaffee. Kräftig, genau richtig, um wach zu werden und mit jedem weiteren Schluck merkte Elio, wie die müden Geister nach und nach wach wurden.

Der Tag konnte also endlich richtig beginnen.

"Gut geschlafen?", sprach ihn sein Mitbewohner vorsichtig an, worauf Elio den Kopf hob und Adam ansah. "Schon, aber irgendwie auch nicht."

Verstehend nickte der junge Mann mit dem breiten Kreuz, ehe er aufstand und sich Kaffee holte. "Auch noch einen, Elio?"

"Danke, ich habe noch", erwiderte dieser und lächelte, als auch Jamie die Küche betrat und sich schweigend setzte.

Mit seinen verstrubbelten, dunkelblonden Haaren und dem müden, zerknautschtem Gesicht sah Jamie zum Knuddeln aus und doch wusste jeder, dass man ihn besser nicht ansprach. Nicht, bevor er zwei Tassen Kaffee getrunken hatte und von sich aus das Gespräch suchte.

Daran hielt sich nur nicht jeder und es gab da diese eine Person, die ohnehin so ziemlich jeder gefressen hatte.

Besonders Elio und doch hielt er sich zurück, als ausgerechnet Pip die Küche betrat, sich breit grinsend an den Tisch setzte und ihn abfällig ansah.

Ekelhaft, wie dabei seine gelben Zähne zum Vorschein kamen und doch riss er sich zusammen, trank schweigend seinen Kaffee und sah stattdessen Adam an, der nicht minder genervt wegen Pips Anwesenheit wirkte.

"Wo ist Kevin?", wollte Pip wissen.

"Im Bett. In meinem Bett", betonte Elio ruhig und musste sich innerlich beherrschen, dem braunhaarigen Idioten nicht ins Gesicht zu springen und ihm die Augen auszukratzen.

Jeder wusste, dass Pip auf Kevin stand, er damals einen Keil zwischen ihn und Andre geschlagen hatte und dennoch so tat, als wäre er die Unschuld vom Land.

Elio hätte kotzen können oder schlimmer noch, er würde ihn am liebsten packen und aus der Wohnung werfen.

Die Stimmung war angespannt und das merkte man deutlich.

Auch Pip merkte das und doch war es ihm schlichtweg egal und er provozierte weiter. "In deinem? Was ist denn mit Mates? War er nicht gut genug für deine Ansprüche, dass du dir Kevin unter den Nagel reißen musstest?"


Elio schluckte, dennoch brodelte es ganz gewaltig in ihm und er setzte zum Gegenschlag an.

Adam hielt sich im Gegenzug vorerst zurück, dennoch sah man, wie er bereits die Lippen verzog, leise knurrte und erst damit aufhörte, als Tony sanft, aber bestimmend nach seiner Hand griff und sie drückte.

"Ich hätte dich echt taffer eingeschätzt", frotzelte Pip gegen Elio weiter. "Kevin hat echt etwas Besseres verdient, aber nicht so einen Lappen, wie du einer bist."

"Halt deine beschissene Fresse", ertönte plötzlich Jamies Stimme, der offensichtlich genug hatte und seinen Kaffee nicht einmal ausgetrunken hatte.

"Oho Elio bekommt Hilfe von einem Faultier."

"Schnauze, Penner", knurrte Jamie, während er nach der am Tisch liegenden Fliegenklatsche griff und sie Pip quer durch das Gesicht zog, dass es nur so klatschte.

Adam und Tony wirkten fassungslos und Elio fing einfach an, lauthals zu lachen. "Unterschätze das Faultier nicht, es kann auch anders."

Jamie grinste frech, zog nochmals nach und dreschte weiterhin auf Pip ein, der das weniger lustig fand und sich beschwerte. "Jetzt hör auf."

"Halt die Klappe und verpiss dich. Du bist hier unerwünscht und störst mich beim Kaffee trinken." Jamie zog noch einmal nach und das so heftig, dass die Fliegenklatsche brach und ein unschöner Abdruck in Pips Gesicht entstand. "Hau schon ab, ehe ich die gusseiserne Bratpfanne auspacke", drohte er an und erhob sich ganz langsam von seinem Platz.

"Ich an deiner Stelle würde ja gehen. Jamie redet nicht nur, der holt wirklich gleich die Pfanne", grinste Elio breit und sein Grinsen wurde deutlich breiter, als er das entsetzte Gesicht dieser ekelhaften Kakerlake sah.

"Na hopp, wird's bald?", kam es schon wieder von Jamie, der lauernd mit der Bratpfanne näher kam und doch kam ihm sein Freund Kieran zuvor und schob Pip weg. "Geh mal hier weg, ich brauch Kaffee und keinen hässlichen Zwerg, der mir im Weg rumsteht."

Gelächter am ganzen Tisch. Adam kugelte sich vor Lachen und ebenso Tony konnte nicht mehr an sich halten und stimmte mit ein. Elio hielt sich bereits den Bauch und noch schlimmer schmerzte dieser, als Kieran der Becher versehentlich aus der Hand fiel und das direkt auf Pips Fuß. "Sorry, war Absicht", murmelte der braunhaarige Wuschelkopf, ehe er galant an ihm vorbei schritt und sich setzte.

"Echt jetzt? Ihr mobbt mich und ich soll gehen?"

"Wir mobben dich nicht, wir können dich nur nicht ausstehen. Frag dich mal, warum das so ist", ergriff Tony das Wort, wandte sich dann aber wieder seinem Kaffee zu und ließ den erzürnten Pip, der aus der Wohnung rauschte, einfach links liegen.

"Und dabei wollte er so dringlich zu Kevin", grinste Adam breit. "Die Liebe zu ihm muss echt grenzenlos sein."

"So grenzenlos, wie seine Haare am Arsch", nuschelte Elio und wieder brach alles in Gelächter aus.

Langeweile machte sich breit, ebenso knurrte Adam der Magen, der lässig auf der Veranda saß und Jack dabei zusah, wie er versuchte ein paar Dehnübungen zu machen.

Kevin hingegen sonnte sich, hatte dazu die Sonnenbrille aufgesetzt und Andre war irgendwo hinter der großzügigen Villa.

Vermutlich schwimmen oder aber bei Billy und Darius.

Adam seufzte, zündete sich eine Zigarette an und sah erneut zu Jack, der mittlerweile aufgehört hatte und sich zu Kevin setzte. „Irgendwas sollten wir machen. Es ist stinklangweilig."

„Wem sagst du das und Hunger hab ich auch!", murrte Adam zur Antwort, blies den Rauch aus seiner Lunge und drehte sich suchend um. „Wo steckt eigentlich unser Babyface?"

„Keine Ahnung", erwiderte Jack Schulter-zuckend und auch Kevin schien keine Antwort darauf zu haben.

„Vielleicht hinten oder ..."

Ein Klappern und Scheppern ließ die drei Jungs aufhorchen, sich erheben und neugierig wie sie waren, schritten sie vor die Villa und sahen grübelnd zum silbernen Van, der auf dem Hof stand.

„Was treibt er da?"

„Keine Ahnung, aber sieht schon witzig aus", grinste Jack vor sich hin, ehe er sich anschlich und dicht hinter Andre stehenblieb.

Völlig in Gedanken und mit dem Kopf im Grill, wuselte der braunhaarige Wuschelkopf in diesem herum und merkte nicht, was hinter ihm geschah.

Er hörte auch nichts, hatte Kopfhörer im Ohr und summte vor sich hin.

Jack nutzte das gnadenlos aus, ignorierte Adam, der bereits ahnte, was er vorhatte und auch Kevin schien nicht sonderlich begeistert zu sein, wollte ihn sogar noch aufhalten und doch war es bereits zu spät.

Jack stand dicht hinter Andre, grinste noch immer und mit einem Ruck zog er ihm frech die Hose einfach runter.

Entnervt von der Situation nahm Andre die Stöpsel aus dem Ohr, drehte sich aber nicht um. „Was soll der Mist? Geh Jack oder Adam ärgern, aber lass mich in Frieden."

„Öhm ..." Kevin stand wie ein begossener Hund da, während Jack lachte und Adam triumphierend angrinste. „Du schuldest mir Kohle, ich hab die Wette gewonnen."

„Welche Wette?" Andre zog sich die Hose hoch, drehte sich um und ließ den Grill vorerst Grill sein.

„Mir kam da was zu Ohren, beziehungsweise bin ich nicht taub", schmunzelte Jack.

„Aja und deswegen zieht man mir die Hose runter", erwiderte Andre noch genervter und mogelte sich an seinen drei Freunden vorbei.

„Welcher Affe hat dich denn gebissen?" Adam sah seinem besten Freund nach, entschied sich jedoch ihn nicht weiter auszufragen. „Die Wette ist nicht gewonnen, Jack. Die Laune spricht ja wohl deutlich dagegen, meinst du nicht?"

„Ich weiß, was ich gehört habe und die Wände sind nicht wirklich dick."

Kevin, der noch immer zwischen den beiden stand, wirkte ratlos und runzelte die Stirn. „Was ist das für eine Wette und was hat die mit Andre und seiner Hose zu tun? So ganz steig ich da nicht durch."

„Du steigst vielleicht nicht durch aber definitiv drauf und das fernab der Kamera und das ist doch ziemlich offensichtlich, was da genau zwischen euch läuft", antwortete Jack, wurde kurz darauf aber etwas unsanft von Billy weggeschoben, der an das Auto herantrat und den Grill gemeinsam mit Darius heraushob.

„Pack lieber mal mit an, statt waghalsige Gerüchte in die Welt zu setzen", moserte der über-tätowierte Kerl mit Piercing an der Lippe.

„Ja doch", knurrte Jack, ehe er mit anpackte, den Grill vorsichtig herauszog und gar nicht mehr mitbekam, wie Kevin sich ganz leise bei Billy bedankte und schließlich im Haus verschwand.

Grillen war eine mega gute Idee, die von allen gut angenommen wurde und man sich gerade Gedanken machte, wer was essen und vorbereiten wollte.

Kevin und Adam wollten typisch Rindersteak und Jack entschied sich für ein paar Rostbratwürste.

Andre, Billy und Darius hingegen wollten einfach nur Hähnchenschenkel und Luke war der Meinung heute mal auf Fleisch ganz zu verzichten.

Fisch und Gemüse fanden also genauso ihren Platz auf dem großen Grill und die Stimmung war ausgelassen und freundlich.

Adam und Jack blödelten wie immer herum, während Kevin unschön auf dem Klavier herumklimperte.

Andre hingegen saß im Wohnzimmer auf der Couch, las eines der vielen Bücher und unterhielt sich hin und wieder mit Darius.

Billy half Luke am Grill und Marty und Lukas kümmerten sich um Salate und Getränke.

Jeder hatte seine Aufgabe, störte den Anderen nicht und kurze Zeit später saßen allesamt gemeinsam am Tisch.

„Hab ich einen Hunger", kam es von Adam, der sich bereits über sein Steak hermachte und genüsslich zu kauen begann.

„Nicht nur du, ich könnte ein ganzes Schwein verdrücken", erwiderte Jack, nahm sich bereits die zweite Wurst vom Grill und noch etwas von dem Gurkensalat, den Lukas gemacht hatte.

Andre hingegen aß schweigend, schien noch immer schlecht gelaunt zu sein und als Adam wie so oft einen seiner Sprüche losließ, war er nicht mehr zu halten und warf ihm seinen Hähnchenschenkel an den Kopf.

Zumindest versuchte er es, traf dabei leider Billy, der das Ganze weniger lustig fand und zum Ketchup griff.

Davon angesteckt nahm sich Darius den Senf, zielte damit auf Andre, der über und über mit beidem bekleckert war.

„Sag mal seid ihr noch ganz dicht?", regte er sich auf, sprang von seinem Stuhl auf und stürmte stinksauer nach draußen in den Garten.

Kevin erhob sich ebenfalls, folgte Andre raus in den Garten und fand ihn rauchend im hinteren Teil.

Er sah, dass er sauer war, immerhin hatte es sein Lieblingsshirt erwischt und woher er das hatte, wusste Kevin nur zu genau.

„Kindsköpfe", murmelte er, kam näher und erst da sah er, dass Senf und Ketchup nicht nur auf dem Shirt klebten. „Am besten ziehst du es aus und gehst duschen."

Andre nickte, zog sich das Shirt über den Kopf und legte es über den Gartenstuhl, der unmittelbar neben ihm stand. „Dann will ich mal und danach versuch ich mein Shirt zu waschen."

„Und wann verpasst du Billy und Darius einen Einlauf?"

„Gar nicht. Hab keinen Bock mich mit den beiden wegen Nichtigkeiten zu streiten", erwiderte Andre, ehe er zurück ins Haus ging, Adam ignorierte und ebenso Jack sein dümmliches Grinsen.

„Und ich hab meine Wette doch gewonnen. Hab es gerade von Billy erfahren."

„Und wenn schon, seine Aktion war für den Arsch", murrte Kevin nun selber, ehe er an Jack vorbei und nach oben ging.

Adam blickte die Treppe rauf, dann aber zu Jack und zu Billy, die abklatschten und sich derbe freuten. „Was war das denn?"

„Nichts, nichts, aber du schuldest mir noch immer Kohle."

Grummelnd zückte Adam seine Brieftasche und steckte Jack einen Schein zu. „Mit dir wette ich nie wieder."

"Bringst du mir auch noch einen mit? Ich muss noch zwei Filme schneiden und das kann dauern", wandte sich der dunkelblonde Jack an seinen guten Freund und Kollegen Elio, der sich von seinem Schreibtisch erhoben hatte und auf dem Weg zur Küche war.

"Logisch und dann helfe ich dir. Geht schneller", bot Elio an, verschwand vorerst im Flur und lief gemächlich zur Küche, in der sich Adam und Jamie befanden und sich angeregt unterhielten.

Kurz sahen die beiden auf, nickten ihm zu und doch ließen sie Elio in Ruhe, da sie wussten, dass er noch zu arbeiten hatte.

Rasch füllte er daher zwei Tassen mit Kaffee, klemmte sich eine Packung Kekse unter den Arm und verschwand genauso schnell, wie er gekommen war aus der Küche und zurück ins Büro, wo Jack bereits mit dem Schneiden einer der Filme begonnen hatte.

Schweigend stellte Elio die Tassen ab, beugte sich dafür kurz über Jack und runzelte kaum merklich die Stirn.

Entweder hatte er etwas an der Ohren, oder aber der Untenliegende keuchte einen ganz anderen Namen und nicht den, der über ihm lag. Vermutlich aber war er nicht richtig wach.

Bestimmt sogar. Basti würde doch nicht Jacks Namen von sich geben, wenn er gerade beruflich mit Andre unterwegs war. Einen kurzen Seitenblick warf er dann aber doch zu Jack, der völlig konzentriert den Film schnitt und nicht so wirkte, als würde er ...

Da schon wieder. Wieder der Name Jack und das klar und deutlich.

"Spul nochmal zurück. Ich hab entweder einen Hörsturz oder aber Bastian ist in Gedanken bei jemand ganz anderem", deutete Elio dann aber doch an, da es nun schon das zweite Mal war und das sicher kein Verhören mehr war.

"Hab ich was übersehen?", wollte Jack panisch wissen, tat Elio aber den Gefallen und spulte den Film einige Minuten zurück. "Mach den Ton mal lauter."

"Lauter? Kevin ist drüben im Chat", merkte der dunkelblonde Mann mit dem frechen Grinsen an, ehe er dem Wunsch nachkam, lauter drehte und angestrengt auf den Monitor sah.

"Maul nicht..." Da war es doch schon wieder und nun hatte es auch Jack gehört, der sich fluchend die Haare raufte und wenig begeistert wirkte. "Das kann ich nicht schneiden. Der Film ergibt dann kein Ganzes mehr."

Wie recht Jack hatte. Bastian versprach sich in nur vier Minuten ganze fünfmal und das so deutlich, dass man unmöglich schneiden und neu drehen konnte. Der Film musste morgen fertig und im Internet verfügbar sein, da bereits ordentlich Werbung gemacht wurde.

"Mist, verdammter." Wieder Jack, der fluchte und Elio ansah, als wüsste er die Lösung für das Problem. "Können wir das so lassen? Bitte sag nicht nein, ich sterbe sonst und quittiere meine Arbeitsstelle."

"Jetzt chill mal, Jacko und denk an Jamie."

"Was hat er jetzt damit zu tun?" Jack war noch verwirrter, allerdings arbeitete es bereits auf Hochtouren in seinem Kopf und schließlich kam die Erkenntnis, was Elio genau meinte. Er grinste so breit dabei, dass es beinahe schon gruselig wirkte. "Jamie und sein Ahoj."

Elio nickte eifrig. "Genau das und es kam dreimal und sogar hintereinander."

Beide lachten und erinnerten sich zurück an diesen Tag. "Ich frag mich bis heute, warum er dreimal Hallo sagt, während Benoit zwischen ihm kniet und seinen Ständer verwöhnt."

"Das weiß er selber nicht mehr", schmunzelte Elio wissend. "Ich hab ihn das nämlich schon gefragt und er wusste darauf keine Antwort."

"Typisch Jamie. Er ist nicht nur ein Faultier, er ist auch ein Schussel", erwiderte Jack und sah plötzlich zur Tür, in der Bastian stand und sich nervös mit der linken Hand über seinen rechten Arm fuhr.

"Basti", grinste er. "Na, war ich gut?"

"Wie, was, wo? Wer war gut?", stammelte Bastian und schielte fragend zu Elio, der sich das Lachen nur schwer verkneifen konnte. "Klärt mich halt auf, statt so blöd zu grinsen", beschwerte er sich und verzog seine vollen Lippen zu einer schmollenden Schnute.

Elio warf einen Blick zu Jack, zwinkerte ihm zu und schnappte sich dessen halbvolle Tasse. "Ich hole mal noch Kaffee. Ihr habt sicher noch einiges zu klären", merkte er an, ehe er sich an Bastian vorbeimogelte, der ihm imitiert nachsah. "Was soll das denn jetzt?"

Jack antwortete nicht. Er erhob sich stattdessen von seinem Platz und schritt ganz langsam auf Bastian zu, der einige Zentimeter größer als er selber war und doch hielt es ihn nicht davon ab, nach dem Saum seines Shirts zu greifen und den Braunhaarigen an sich zu ziehen. "Ist das nicht egal?", murmelte er verheißungsvoll.

"Äh..." Bastian stockte und wollte den immer näherkommenden Lippen ausweichen. "Jack das ist..." Weiter kam er nicht, wurde mit einem Kuss zum Schweigen gebracht und gegen den Türrahmen gedrückt.

„Bor so ne Scheiße, ey", regte Jack sich auf, ließ sich mehr oder weniger auf das Sofa fallen und sah bockig in die Runde.

Adam sah auch nicht besonders glücklich aus und Kevin sah stattdessen frustriert in den Kühlschrank. „Das wird eng die nächsten Tage."

„Na super", nörgelte Jack weiter, griff sich ein Kissen und legte maulig seinen Kopf auf diesem ab. „Schlimmer kann es echt nicht mehr kommen, oder?"

„Nicht wirklich", erwiderte Adam, der gelangweilt durch seine Instagram Benachrichtigungen scrollte und abgelenkt wirkte.

Alle standen sie unter Quarantäne, ein Virus war derzeit im Umlauf und sie hatten ausgerechnet in einem der Betroffenen Gebiete einen ihrer Filme gedreht.

Berufs und Ausgangsverbot für alle drei und das für ganze zwei Wochen.

Noch fühlte sich keiner krank, sie wirkten gesund und doch sah Jack nachdenklich aus dem Fenster. „Auf die Dachterrasse dürfen wir aber noch, oder?"

„Sicher, ist ja außer uns, keiner hier, den wir anstecken könnten", beantwortete Kevin die Frage, schmierte sich sein Brot und legte sich ein Blatt Salat obendrauf.

„Bist du jetzt unter die Veganer gegangen?", lachte Adam.

„Ne, aber Wurst ist knapp und ich hab Hunger", erwiderte Kevin sachlich, ehe er verwirrt zur Tür sah, an der es klingelte.

Bestimmt Luke, der nach ihnen sehen wollte und wehe, wenn nicht, mit Salat würde hier wohl kaum einer satt werden und das Klopapier war auch fast alle und nur noch schwer zu bekommen.

„Ich mach schon auf." Jack erhob sich, schritt zur Tür und öffnete diese schwungvoll.

„Hoppla." Mehr bekam er vorerst nicht raus, ließ den Anderen jedoch rein und schloss hinter ihm die Wohnungstür. „Was machst du hier?"

„Quarantäne. Ich war bis vor zwei Tagen ebenfalls in Italien."

„Fuck, das wird lustig werden", erwiderte Jack ironisch, ehe er zurück ins Wohnzimmer lief und sich Kevin schnappte. „Andre ist hier, er war scheinbar auch in Italien."

„Okay?" Kevin sah nicht gerade begeistert aus aber ändern konnte er es auch nicht.

„Reißt euch etwas zusammen und geht euch am besten, wenn es möglich ist, aus dem Weg."

Kevin fuhr sich gestresst durch die Haare und sah seinen besten Freund an. „Versuchen kann ich's, aber ich spreche da echt nur für mich. Du kennst ihn, er ist nicht mehr wie damals."

Jack nickte verstehend. Andre hatte sich seit sie in Afrika waren, stark verändert und das eher negativ als positiv.

Von Andre mit Hundeblick war nicht mehr viel übrig geblieben und Adam wusste das am allerbesten.

Jedoch war er auch einer der wenigen, der so noch Kontakt zu ihm hatte, ihn regelmäßig traf und wusste, wie man ihn zu nehmen hatte.

„Hoffen wir einfach, dass Adam ihn unter Kontrolle hat", murmelte Kevin leise, ehe er zurück ins Wohnzimmer ging und sich auf die Couch setzte.

Jack nickte einfach, folgte kaum später und blieb jedoch an der Tür zur Terrasse stehen. „Wie machen wir das jetzt?"

„Na ja, Jerome und Ashton sind noch in Amerika, die müssen da auch vorerst bleiben. Heißt, wir können ihr Zimmer nutzen und sollten es beiden jedoch sagen", ging Kevin gezielt auf die Frage ein, ehe er zu Adam sah. „Du schläfst am besten mit Andre in Jerome seinem Zimmer und Jack im Zimmer von Ash."

„Klingt nach nem Plan, oder?", wandte sich Adam an Andre, der direkt neben ihm saß, bisher jedoch nichts gesagt hatte und lieber mit seinem Bruder via Instagram chattete.

„Mir egal", murmelte er dann aber doch ohne den Blick zu heben.

„Fein, dann hätten wir das ja geklärt", grinste Jack zufrieden. „Alkohol haben wir aber nicht zufällig da?"

„Doch, aber nur noch Wodka", erwiderte Kevin und schien zu überlegen. „Wir müssten echt jemanden losschicken, der einkaufen gehen kann. Zu viert wird das echt die reinste Qual."

„Das wird allein schon ne Qual, weil ich dich zwei Wochen ertragen muss."

Wow es ging schneller los, als gedacht und noch ehe Adam oder Jack etwas sagen konnten, machte Andre munter weiter.

„Könnt ihr euch bitte zusammenreißen? Wir sind in einer ernsten Lage und in keinem Wettbewerb. Verschiebt euren Kleinkrieg auf den nächsten Monat", stöhnte Jack entnervt.

„Andre bitte, es sind zwei Wochen. Danach siehst du ihn doch gar nicht mehr", appellierte Adam an dessen Vernunft, sah ihn eingehend an und zog ihn letztendlich hinter sich her und raus auf die Terrasse. „Butter bei die Fische! Was ist bei euch kaputt? Du stänkerst ja nur noch gegen ihn. Was zur Hölle hat er dir eigentlich angetan, dass du so Scheiße bist?"

„Je to trochu hloupá děvka!"

Adam blinzelte einige Male und musste das erstmal sacken lassen. „Es ist sein Job, schon vergessen?"

„Všichni jste se plazili po jeho zadku."

„Ach und du nicht?", erwiderte Adam gereizter als er es eigentlich wollte. „Du sprichst hier von einem sehr guten Freund von mir und ganz ehrlich, das ist Unsinn, was du da sagst. Keiner kriecht ihm in den Arsch."

„Justin, zvlášť", knurrte Andre, steckte sich eine Zigarette an und blies mehr als stinkig den Rauch aus den seiner Lunge.

„Justin ist mir noch nie in den Arsch gekrochen. Ich weiß nicht, wie du darauf kommst." Kevin, dazu völlig ruhig und an der Tür stehend. „Es klingt fast so, als könntest du ihn nicht leiden und ich frag mich warum."

„Geht dich einen Scheiß an."

„Es geht mich etwas an. Ich bin sein Coach und bin für ihn verantwortlich", wagte Kevin einen erneuten Versuch, kam dabei näher und deutete Adam an, er möge sie bitte allein lassen.

Adam ging schweigend zu Jack ins Wohnzimmer, dennoch behielt er die beiden im Auge und sah immer wieder angespannt nach draußen.

Nur für den Fall es könnte eskalieren.

„Rede endlich und friss nicht immer alles in dich rein."

„Ich fresse gar nichts in mich rein."

„Ich sehe es doch. Ich seh es auf Instagram und ich sehe genauso gut, was du da alles schreibst."

„Ist mir egal", schnarrte Andre, schnippte die Kippe über die Brüstung und sah starr geradeaus auf die Stadt.

„Andre", seufzte Kevin. „Was ist seit Afrika damals anders zwischen uns? Ich dachte, wir sind sowas wie Freunde und nicht bloß Kollegen."

Freudlos lachte Andre bei diesen Worten auf. „Ja genau Freunde", wiederholte er, biss sich dabei heftig auf die Unterlippe und umschloss noch fester das Geländer.

Kevin kam langsam unbemerkt näher, blieb dicht hinter ihm stehen und umfasste ihn schließlich an der Hüfte. „Du bist eifersüchtig. Das ist es."

„Bin ich nicht", grummelte es unter heftiger Gegenwehr zurück.

„Doch. Immerhin weiß ich ganz genau, was ich dir in Afrika gesagt habe und das meine ich noch immer so."

„Merkt man leider so gar nichts von", murrte Andre, der sich noch immer versuchte aus der Umarmung zu lösen, scheiterte und schließlich aufgab, sich wehren zu wollen. „Du hast dich danach wie ein Arsch aufgeführt und dann verlangst du ernsthaft noch, ich soll mich um dieses Kind kümmern, während du schön nach Kapstadt fliegst."

Kevin seufzte erneut." Ich musste nach Kapstadt und das weißt du. Ich kann auch nichts dafür, wenn Luke da keine Rücksicht nimmt."

„Wie soll er das, wenn er es nicht mal weiß? Immerhin hast du es ja nicht mal angedeutet", beschwerte sich der Braunhaarige weiterhin.

„Ich hab nichts gesagt, weil du nichts gesagt hast. Ich war mir nicht mal sicher, ob du überhaupt verstanden hast, was ich dir in der Küche nach dem Dreh gesagt habe."

„Hast du es denn verstanden?"

„Schon und auch, was du sonst noch gesagt hast", schmunzelte Kevin wissend und schwelgte bereits in Erinnerungen.

„Aha." Andre spürte, dass Kevin locker gelassen hatte, drehte sich daher um und sah ihn wie ein begossener Pudel an. „Už žádné hrozny."

„Schade, dabei sind sie so lecker", grinste Kevin, ehe er die letzten Zentimeter überbrückte und Andre, trotz Quarantäne küsste.

"Mir ist langweilig", maulte Jamie, der neben seinem braunhaarigen Freund Kieran auf dem Sofa saß und sich müde streckte.

Kieran nickte lediglich, schloss sich stumm an und Adam und Tony wirkten ebenfalls so, als würde ihnen die Decke auf den Kopf fallen.

Nur Jack und Basti waren anderer Meinung und erhoben sich. "Wir gehen mal mit Bingo vor die Tür", erklärte Jack, rief nach seinem schwarzen Mischling und schnappte sich dessen Leine, während Bastian bereits seine Jacke holte und die Schlüssel einsteckte.

Bingo sprang freudig an Jack hoch, bellte, wedelte mit dem Schwanz und rannte schließlich zur Tür, die Bastian in der Zwischenzeit geöffnet hatte.

"Jacko?"

"Komme", rief er, schnappte rasch seine Jacke und folgte beiden nach draußen.

Im Treppenhaus liefen sie Elio über den Weg, dahinter folgte Helmut und dessen Freund Jerome, der einen riesigen Karton nach oben schleppte.

"Ich will zuerst."

"Nein, ich. Immerhin hab ich das Ding gekauft und auch bezahlt."

Elio schüttelte schmunzelnd über beide den Kopf, schloss oben die Tür auf und schwang sich gut gelaunt auf das Sofa.

"Was hat Jerome da?", wollte Kieran wissen, deutete auf den großen Karton und setzte sich von der Neugier gepackt, aufrecht hin.

Jerome grinste, schnitt vorsichtig das Paket auf und legte das Messer weg. "Hier drin verstecken sich Entspannung und Wellness für zu Hause."

"Da drinnen? Bisschen klein für Wellness meinst du nicht?"

"Sicher wieder ein Putzeimer", grinste Kevin, der aus dem Büro kam und die Unterhaltung mitbekommen hatte.

Jerome ließ sich davon nicht beirren, packte weiter aus und zog etwas heraus, was einem Zelt ähnelte und rosa war.

Jamie grinste bereits, ebenso Elio. Beide schienen zu wissen, was Jerome mitgebracht hatte und vor ihren Augen aufbaute.

"Eine Sauna", jubelte Kieran, klatschte begeistert in die Hände und sprang vom Sofa auf, nur um sie aus der Nähe zu betrachten. "Wann ist sie fertig? Wann nutzen wir sie?"

"Nachher. Erst baue ich sie auf und dann wird Jack sie testen, da ich jemanden brauche, der klein ist. Der Stuhl ist nicht sonderlich komfortabel", erklärte der großgewachsene Kerl mit den blonden Locken und ignorierte das Gejammer im Hintergrund.

Es vergingen weitere Minuten, dann stand die Heimsauna und wurde kritisch von allen Seiten betrachtet.

"Der Stuhl ist winzig", maulte Kieran.

"Wenn ich mich draufsetze, dann bricht das Ding", mischte Helmut sich ein und auch Kevin wirkte wenig begeistert.

"Wir brauchen eine richtige Sauna. Die hier ist für Jacko und kleine Jamies", kam es von Elio.

"Basti passt auch nicht rein und ich erst recht nicht. Voll der Fehlkauf", murrte Jerome sichtlich enttäuscht.

"Mal langsam. Man sitzt doch drin und für den Notfall geht die ganz sicher", lenkte Elio ein, lief einmal um die Sauna herum und sah grinsend zur Wohnungstür, die sich öffnete.

Neugierig schnupperte Bingo an dem rosa Ding, bellte es an und sauste zum Sofa, um sich abzulegen. Ganz geheuer war ihm die Sauna also auch nicht und Bastian sah ebenfalls nicht sonderlich angetan aus. "Das Ding war im Karton drin? Wer soll das denn nutzen?"

"Ich", grinste Jack und schälte sich bereits aus seinen Klamotten. "Ich brauch dringend Entspannung."

Gespannt sahen alle zu, wie Jack auf dem kleinen Klappstuhl Platz nahm, den Reißverschluss hochzog und die rosa Kappe aufzog, die sich oben befestigt vorfand.

So sah er aus wie ein Heinzelmännchen, sorgte für amüsierte Lacher und grummelte. "Ich will mich entspannen, also Klappe."

Kevin grinste gelassen, verzog sich mit Elio an die Küchentheke und Jamie sah es vor, mit Kieran das Sofa zu belagern.

Basti setzte sich mit den restlichen Jungs an den Tisch, zückte sein Handy und scrollte neugierig durch Instagram. Viel war nicht los, kaum einer hatte neue Beiträge und so steckte er das Handy wieder weg. "Bingo scheint das nicht zu passen, dass Jack in einem rosa Zelt sitzt."

"Rosa Heinzelmännchen trifft es eher", grinste Adam. "Ne, Ku-Klux-Klan mit rosa Kapuze", lachte Jamie laut und kugelte sich bereits auf dem Sofa.

Bingo schien verwirrt, tappte zur Sauna und winselte diese immer wieder an. Er wirkte unzufrieden, wollte gestreichelt werden und das rosa Ding schien ihn dabei enorm zu stören.

Er bellte, trappelte immer wieder um die Sauna herum und sprang sie an.

"Bingo aus. Ich entspanne", wies Jack seinen Hund aus dieser heraus an. "Bekommst nachher auch ein Leckerchen, aber jetzt..."

Weiter kam Jack nicht. Sein Hund sprang erneut die Sauna an, warf sie damit um und verschwand oben im Loch.

Ein Anblick, der für Gelächter sorgte. "Sauniert es sich im Liegen besser?", wollte Kevin wissen und kam langsam näher.

Keine Antwort. Jack hatte Mühe mit seinem Hund, der ihn freudig ableckte und seine Streicheleinheiten einforderte.

"Wir sollten ihm helfen. Keine Ahnung, ob die Hitze für Bingo so gut ist", merkte Elio an.

"Es ist aber zu witzig. Das ganze Ding wackelt und bellt", prusteten Basti und Jamie gleichzeitig.

Helmut und Jerome hingegen lachten zwar auch, hievten aber gleichsam die Sauna hoch und ließen den Hund heraus.

Kurz darauf folgte Jack und das mit einem bitterbösen Blick. "Das Ding ist scheiße und hält nichts aus."

Wieder lachten seine Freunde und es dauerte nicht lange und Jack lachte ebenso. "Aber nichts für ungut, die Idee war schon nicht schlecht. Das Teil ist nur leider nicht sicher, wenn man ein verschmustes Monster von einem Hund hat."

Bingo bellte erneut und sah sein Herrchen auffordernd an.

"Besser du streichelst ihn. Nicht, dass er dir noch die Wurst abbeißt", grinste Adam und reichte Jack ein Handtuch.

"Witzig. Sehr witzig, Adam", knurrte Jack, band sich das Handtuch um die Hüfte und setzte sich auf die Couch. Bingo folgte, legte seinen Kopf auf seinen Beinen ab und ließ sich zufrieden brummend graulen.

Da saßen sie nun und wirkten allesamt sehr betroffen.

Kevin weinte sogar, lehnte sich an Adam, der schweigend den Arm um ihn gelegt hatte und dennoch zu Jack herübersah. "Ihn trifft das am meisten."

"Ich seh es, aber was wollen wir machen? Es geht nicht und das war von vornherein klar", erwiderte der Blonde mit Tunnel im Ohr und wirkte beinahe, als hätte er keinerlei Feingefühl.

Dabei ging es ihm genauso nahe, nur tat er sich schwer, dies zu zeigen.

Er war nicht wie Kevin und Adam, denen man sofort ansah, was sie fühlten und schlimmer noch war Andre, der sich noch gar nicht geäußert hatte.

Eher schwieg er, biss sich ständig auf die Unterlippe und trieb Adam damit fast in den Wahnsinn. "Hör auf damit, mich macht das kirre."

Adam war nicht nur angefressen, er war müde und Kaffee hatte er heute Morgen auch noch keinen bekommen.

"Jetzt hört doch mal auf", mischte Kevin sich ein, hob den Blick und sah nicht nur Adam an, sondern auch Andre, der sofort den Kopf wegdrehte und zu Jack sah. "Ich kann das echt nicht mehr. Es geht einfach nicht."

"Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?", wandte sich Jack an seinen Sitznachbarn und wirkte zum ersten Mal fassungslos.

"Dieses ständige Hin und Her. Budapest, dann wieder Prag und wieder zurück. Das geht so nicht, das macht fertig und dieses ständige Fliegen schlägt auch auf den Magen."

"Mag ja sein, aber denkt auch mal jemand an Kevin?", mischte sich nun auch Luke ein, der die ganze Zeit geschwiegen hatte und die Jungs dabei filmte.

Jack seufzte, er nuschelte irgendwas mit Andre, der sich wiederum an Adam wandte und dieser sah zu Luke und der zu Kevin. "Wie es scheint, ist da nichts zu machen. Es muss sein und du wirst das akzeptieren."

"Ich will aber nicht. Das waren immerhin drei Jahre und ich hänge an dem Kerl", beschwerte sich Kevin, während sich alles in seinem Innern zusammenzog und ihm erneut die Tränen kamen.

Luke konnte es ja verstehen, ebenso Adam, der beruhigend über den Rücken seines Kumpels streichelte. "War schon ne geile Zeit, aber wir müssen ihn gehen lassen."

"Und mit wem kuschel ich dann nachts?", murrte es neben Adam weiter. "Ich lieb den Kerl."

Jack sah erstaunt rüber zu Kevin, ebenso Andre, der sich dezent räusperte. "Nun übertreib mal nicht. Franky ist ein Kater, ein Tier und wir wussten von Anfang an, dass er irgendwann gehen muss."

Blonde Locken und doch kein Engel. So würde Helmut seinen Freund beschreiben, wenn man ihn danach fragte.

Seit fast sechs Jahren waren sie jetzt ein Paar, hatten in dieser Zeit ihre guten und schlechten Tage und so manchen heftigen Streit.

Meist war es Helmut, dem etwas nicht passte, er laut wurde und Jerome für Dinge tadelte, die meist nicht von großer Bedeutung waren.

Offene Zahnpasta, herumliegende Chipstüten und Schuhe, die nicht ordentlich vor der Tür standen, gaben dem braunhaarigen Riesen oft genug Anlass, ihm die Leviten zu lesen.

Sehr zur Belustigung der anderen. Wenn Helmut meckerte, brauchte man weder einen guten Film noch ein Buch.

Man hatte die besten Seifenopfern direkt live vor Augen und immer genügend Popcorn im Haus, um die Show zu genießen.

Auch heute fand Helmut wieder einen Grund zu meckern.

Worum es genau ging hatte Jamie jedoch nicht mitbekommen und auch Kevin schien ratlos.

Er runzelte überlegend die Stirn, trank seinen Milchkaffee und sah immer wieder zwischen Helmut und Jerome hin und her.

"Tausend mal habe ich es dir schon gesagt und du?" Helmut kochte bereits vor Wut, pfefferte den Wischlappen in die Spüle und warf seinem Freund vernichtende Blicke zu.

"Oha, gleich fliegen wieder die Fetzen", murmelte Tony leise an seinen Freund gewandt, der trotz der Lautstärke mit seinem Handy beschäftigt war. Es folgte daher keine Antwort, sondern eher ein Nicken.

"Hörst du überhaupt zu? Ich rede mit dir und du? Du tust so, als wäre das völlig normal." Wieder Helmut, der auf Jerome einredete und den Ton schärfer anzog.

"Es war auch normal", verteidigte sich Jerome aufgebracht, doch sein Freund schüttelte den Kopf und motzte weiter. "Falsch, Rome, ganz falsch. Normal ist das nicht und du weißt auch, dass ich es hasse. Wir haben oft genug darüber geredet."

"Und ich hab dir auch schon oft genug gesagt, dass es nicht anders geht. Wenn du das nicht in deinen Dickschädel kriegen willst, dann ..." Perplex hielt der Lockenkopf inne, schielte auf die Packung Toastbrot, die ihn am Kopf getroffen hatte und nun zu seinen Füßen lag.

Toastbrot, sein Ernst? Jerome stieg einfach drüber, schritt auf Helmut zu, der mit einer Scheibe Brot nach ihm warf und mitten ins Gesicht traf.

Todernst wurde er angesehen, doch Jerome nahm es mit Humor und fing die nächste Scheibe ab. "So sauer kannst du nicht sein, wenn du mich mit altem Toast abwirfst."

"Irgendwo haben wir auch noch ein Brötchen, das ist knochentrocken und tut sicher weh", murrte Helmut bockig und wich seinem Freund aus, der näher kam und breit grinste. "Schmollbacke."

"Gar nicht wahr", beschwerte Helmut sich, wurde gegen den Kühlschrank gedrängt und versöhnlich geküsst.

Wie lange wusste er nicht, schob Jerome nach Beenden des Kusses von sich und sah ihn tadelnd an. "Du räumst hier jetzt aber auf. Strafe muss sein und nur so lernt man Ordnung."

Widerwort bekam er keines, nicht ein Mucks kam von seinem Freund, der sich abwandte und anfing, dass Chaos zu beseitigen.

"Wow, so schnell versöhnen sie sich." Adam war erstaunt, lächelte jedoch, als Helmut sich von hinten an seinen Freund schmiegte und ihm irgendwas ins Ohr flüsterte.

Jerome sein Grinsen war eindeutig, so eindeutig, dass auch Tony begriff, um was es gehen könnte. "Ich hol dann schon mal die Watte", stöhnte er.

"Dämmwolle ist besser", kam es von Kevin bevor er lachend dem Spüllappen auswich und dem wild knutschenden Paar nachsah, was sich hastig in Richtung ihres Schlafzimmers verzog.

Verdammter Hund und elender Bastard waren noch die nettesten Beschimpfungen, die Jack für seinen Kollegen einfielen, der ihn ein paar Stunden zuvor richtig in den Arsch getreten hatte.

Getreten im Sinne von, abgelenkt und somit hatte er schlechter abgeschnitten, als ihm lieb war.

Dabei war diese bescheuerte Sportstunde seine Idee und die von Gino, der der Meinung war, ein paar der Jungs seien zu speckig geworden.

Kevin hatte ihn abgelenkt, dazu massiv und am Ende büßte er entscheidende Punkte ein und stand Adam gegenüber ziemlich scheiße da.

Sein siegessicheres Grinsen war ihm noch immer ein Dorn im Auge, während er muffig seine Wassermelone schnitzte und sich ein Stück des Fruchtfleisches in den Mund schob.

"Das magst du doch, Kevin", redete er mit dem Stück Obst, während er brutal von oben heraus mit einem großen Küchenmesser darauf einstach.

"Und niemand wird uns jetzt noch trennen", plapperte er mit vollem Mund weiter, während die Melone langsam ein Gesicht bekam.

"Niemals!"

Zufrieden sah er sein Werk an, aber da fehlte noch was.

"Du brauchst einen großen Mund. Du kannst damit von einem Ohr zum anderen Grinsen, du blöder Sack."

"Und dann magst du mich auch wieder."

Noch ein Stück der Melone wanderte in seinen Mund. "Und du kannst heute nur noch eines für mich tun.

Ein dümmliches Grinsen schlich sich auf Jacks Lippen, während er das letzte aus dem Obst herausholte und stolz das Gesicht der Melone ansah. "Oh warte, nicht weinen. Ich mach deinen Mund etwas größer."

"Tief magst du es doch auch. Schön tief muss dein Mund werden."

Adam, der von seinem Strandausflug kam und Jacks Worte von weitem hörte, blieb irritiert in der Veranda-Tür stehen und besah sich das Schauspiel.

Da stand sein Kollege und einer seiner besten Freunde und hielt seine Nulle in eine Melone rein.

Erst musste er nur breit grinsen, dann aber brach er in schallendem Gelächter aus und trat schließlich näher heran. "Was zur Hölle machst du da?"

"Ich fick Kevin", knurrte Jack, ehe er die Melone von seinem Schwanz nahm, auf den Boden legte und wegkickte.

Adam hielt sich vor Lachen den Bauch, er kugelte sich fast schon und wischte sich die Tränen aus den Augen weg.

"Wer braucht schon Kevin, wenn du mich hast."

Jack schmunzelte, hakte sich bei Adam ein und eilig verschwanden die beiden im Schlafzimmer.

Allein aber blieb Kevin im Garten und sah böse zerdeppert aus.

Die Nacht war kurz und Elio hatte es wieder nicht geschafft, vor Mitternacht in sein Bett zu kommen. Entsprechend murrte er auf, tastete mit geschlossenen Augen nach dem Wecker, der ihn mit schrillem Ton aus dem Schlaf gerissen hatte. Kurz nach fünf am Morgen. Draußen noch dunkel und alles still. Elio krabbelte aus den Federn, streckte sich und machte sich auf den Weg zur Küche.

Kaffee war nun wichtig. Ohne diesen würde er nicht wach werden und von seiner Laune wollte er gar nicht erst anfangen. Gähnend tappte er durch den kargen Flur, öffnete den Küchenschrank und holte seine Tasse heraus. Seine liebste. Aus dieser schmeckte der Kaffee deutlich besser oder aber er bildete sich das nur ein.

„Auch schon wach?", ertönte da eine schläfrige Frage und Elio wusste auch so, dass es sich um Tony handelte. Die Stimme war einfach schon bekannt und auch, wenn er derzeit nur zu Besuch war, so kannte man sich mittlerweile ziemlich gut.

„Mein Wecker hat mich aus dem Bett geschmissen. Kennst mich ja inzwischen und weißt, dass ich dann sofort aufstehe."

„Wecker?", wiederholte Tony und blinzelte einige Male, da er nicht ganz dahinter stieg, warum Elio sich an diesem Tag den Wecker gestellt hatte.

Es war Sonntag und bekanntlich schlief man länger, sofern man kein Frühaufsteher war.

„Ja, Wecker. Das ist so ein Ding, was ..."

„Ich weiß, was ein Wecker ist", fiel Tony ihm ins Wort. „Ich wundere mich nur, warum du den für sonntags stellst? Ist irgendwas für heute geplant?"

Sonntags? Das Wort sickerte ganz langsam durch und Elio sah sicherheitshalber selber nach, welcher Wochentag heute war. Tatsächlich war Sonntag und den hatte er frei.

Wie kam er dann bitte dazu, seinen Wecker zu stellen? Elio konnte sich daraus keinen Reim machen, schnappte sich aber seinen Kaffee und beschloss einfach wach zu bleiben.

Heute hatte er zwar nichts vor, aber ein gutes Buch lesen könnte er auch wieder mal. Erst aber Kaffee. Mindestens drei Tassen und dann konnte er gucken, was er unter seinen unzähligen Büchern noch nicht gelesen hatte.

„Bleibst du auch wach?"

„Ja, Adam schnarcht wieder und ich kann dann nicht wieder einschlafen", antwortete der andere und setzte sich neben Elio auf die Couch.

„So schlimm?"

„Frag nicht. Ich hab das Gefühl, er sägt einen ganzen Wald ab, wenn er loslegt", seufzte Tony und nippte vorsichtig an seinem Kaffee.

Mitfühlend nickte der blonde Frechdachs mit den blauen Augen. „Bin ich froh, dass Kevin nur schnarcht, wenn er was getrunken hat."

Tony seufzte abermals. „Hast du es gut. Ich würde ihn am liebsten mit dem Kissen ersticken."

"Was du jedoch nicht tun wirst. Du liebst Adam und da gehört das Schnarchen dazu." Elio lächelte, als genau in diesem Moment Adam in der Küche auftauchte. "Guten Morgen", brummte er knapp, setzte sich zu ihnen und lehnte sich müde an seinen Freund. "Würdest du mich echt mit einem Kissen ersticken?", wollte er wissen und sah Tony mit müden Blick an.

Tony schüttelte mit dem Kopf. "Nein, aber dein Schnarchen ist manchmal furchtbar. Besonders, wenn ich schlafen will."

Adam schmunzelte, klaute seinem Freund den Kaffee und sah anschließend zu Elio. "Und du? Jamie hat dich echt heftig erwischt mit dem Wecker, was?"

Jamie hatte bitte was, ihn mit dem Wecker erwischt? Elio schien zu überlegen, sah Adam jedoch ruhig an und leerte seine Tasse.

Es war also sein bester Freund, der ihm den Sonntag versaut hatte und seelenruhig schlief. Das schrie nach Rache. Ungeschoren wollte er Jamie nicht davonlassen und schmiedete bereits Pläne.

"Rache ist Blutwurst." Diebisch grinste Elio während er sich freudig die Hände rieb und einen zweiten Kaffee holte.

Adam und Tony sahen sich an, blickten ihrem Freund nach und erkannten, dass es deutlich in ihm arbeitete. Dem Grinsen nach zu urteilen, war seine Vergeltung fies und dennoch gerecht für Jamies frechen Scherz.

Dabei hieß es immer, er sei ein Faultier, würde nur schlafen und keiner Fliege etwas zu leide tun. Weit gefehlt. Jamie konnte scheinbar auch anders. Ganz anders und es hatte ausgerechnet Elio erwischt.

"Was genau hast du vor?", wollte Adam neugierig wissen, doch Elio hüllte sich in Schweigen und wartete geduldig ab.

Ganz nach dem Motto, in der Ruhe liegt die Kraft und Elio hatte bereits gelernt, dass man nicht alles preisgab. Schon gar nicht, wenn es um einen gerechten Ausgleich ging.

"Gemein, dass du uns nicht einweihst", schmollte Tony kindlich und auch sein Freund Adam schien enttäuscht zu sein.

Elio aber schwieg und wartete den passenden Moment ab. Er lauerte regelrecht und wusste genau, dass Jamie im Laufe des Tages seinen Mittagsschlaf hielt. Dann würde er zuschlagen und seine Rache bekommen.

Elio hatte Zeit, viel Zeit und vor allem Geduld, die dennoch auf eine harte Probe gestellt wurde. Jamie hatte nicht vor seinen Mittagsschlaf vorzuziehen, stand unterstreichend erst gegen Mittag auf und wirkte, als würde er heute darauf verzichten.

Mist, dachte Elio und ließ Jamie keine Sekunde aus den Augen. Es war wie verhext oder aber Jamie ahnte bereits, dass etwas falsch lief. Schlaf doch endlich, murrte Elio gedanklich und warf immer wieder verstohlen einen Blick zu seinem besten Freund, der es sich auf der Couch bequem machte und ein Buch las.

Nichts zu machen, er las und las. Seite um Seite und ließ sich dabei von Kieran kraulen. Zum Mäuse melken und langsam verlor er dann doch die Geduld, wollte aufstehen und in sein Zimmer gehen. „Pscht", erklang da Adam seine Stimme und machte ihm deutlich, dass Jamie endlich eingeschlafen war. Jetzt musste nur Kieran verschwinden oder eingeweiht werden.

Elio entschied sich jedoch dagegen, steuerte stattdessen den großen Eisschrank an und öffnete diesen. Genug Eiswürfel waren auf den ersten Blick vorhanden und Elio griff großzügig zu. Viel half viel. Galt das auch für Eis oder nur für guten Käse? Elio hatte keine Ahnung aber falsch war es sicher nicht und auch nicht, Eiswürfel in die Hose zu packen.

Er schlich leise zum Sofa, hatte Glück, dass Jamie nur mit dem Kopf auf Kierans Beinen lag und somit freie Hand hatte. Zwar wurde er angesehen und das fragend, doch Elio grinste nur und griff bereits nach Jamies Jogginghose. „Was..."

„Kieran vermiese mir nicht meine Rache", zischte Elio mitten im Satz und unterbrach den anderen somit. Kieran wollte erst nicht verstehen, dann aber sah er das Eis und musste grinsen. "Warte", flüsterte er, griff vorsichtig den Bund und zog ihn so weit vor, dass Elio die Eiswürfel in Jamies Hose stecken konnte.

Kaum lagen diese an Ort und Stelle, zeigten ihre verheerende Wirkung, schoss Jamie aus dem Schlaf und griff sich zwischen die Beine. "ALTAAA." Er brüllte, sprang auf und tanzte sehr zur Freude seiner Freunde durch das Wohnzimmer. Elio kugelte sich lautstark vor lachen, ebenso Kieran und Adam hatte auch nur wenig Mitleid mit dem Faultier.

"Fuck ist das kalt. Meine armen Eier", jammerte Jamie und fischte die wenig verbliebenen Eisbrocken aus seiner Hose. "Was sollte das überhaupt?"

"Rache", grinste Elio. "Rache für deine Aktion mit dem Wecker", sprach er weiter und sah belustigt auf die Hose seines besten Freundes. Es sah aus, als hätte er sich nicht unter Kontrolle und im Schlaf seine Notdurft verrichtet.

"Du bist ein Arsch, Elio", knurrte Jamie. "Das weiß ich", erwiderte dieser schmunzelnd, ehe er von seinem besten Freund in die Arme gezogen wurde. "Aber ein liebenswerter Arsch."

Müde schälte Jack sich aus den Federn, trat auf den Balkon, wo bereits Gino schon stand und das nackt wie Gott ihn schuf.

Kein ungewohnter Anblick, sie waren Kollegen und da kam es oft vor, dass sie sich so sahen und Schabernack im Kopf hatten.

So wie Jack, der sich hinter Gino stellte und ihm frech in den Bauch pickte. "Seh ich da einen Hauch von Fett?"

"Ich geb dir gleich mal fett", lachte Gino, drehte sich zu seinem Kollegen um und küsste trotz der Neckerei dessen Lippen.

"Ach komm, etwas Sport würde nicht schaden", merkte Jack an, nachdem sie sich voneinander gelöst hatten.

Gino dachte darauf nach, dann aber nickte er und grinste verwegen. "Ein paar der Jungs sind wirklich etwas speckig geworden. Da hilft nur ausreichend Bewegung."

Jack rieb sich freudig bereits die Hände und zusammen mit seinem Kollegen trommelte er die anderen Jungs zusammen, scheuchte sie auf der Veranda zusammen und baute sich majestätisch vor ihnen auf.

"Ihr seid fett, ihr seid träge und das geht nicht", fing er an, schritt wie ein Oberfeldwebel an seinen Kollegen vorbei und besah sie kritisch. "Schaut euch Adam an. Die Perfektion von einem Mann. Sportlich, gutaussehend und kein Gramm zu viel auf den Rippen."

Jack ging weiter, blieb vor Helmut stehen und stutzte. "Was ist das? Babyspeck?"

Unterstreichend kniff er in die besagte Stelle rein, wandte sich dann aber ab und trat in den Garten. "Wir machen jetzt den Propeller und wehe, ihr weigert euch mitzumachen."

"Den was?", fragte Kevin verwirrt nach, dann aber musste er lachen, da er ahnte, was das für eine Sportstunde wurde.

Eine nicht ganz ernstzunehmende und doch bemühte sich jeder, folgte der Anweisung und vehement musste sich Adam das Lachen verkneifen, da Jack tatsächlich einen Hubschrauber imitierte.

Auch Jerome nahm es nicht ganz so ernst mit dem Sport, stand einfach nur locker da und hielt sich seinen locker in der Hand.

Natürlich blieb das nicht unbemerkt und sofort stand Jack auf dem Schirm und das direkt vor Jerome. "Was wird das?"

"Na der Propeller", erwiderte Jerome, doch Jack schüttelte den Kopf. "Runter auf die Knie und Liegestütze!"

Ohne zu murren, tat der Andere was verlangt wurde und doch hielten es nicht alle für nötig mitzumachen.

Eher blödelten sie herum und das gefiel Jack ganz und gar nicht.

"Adam du auch und gleiches gilt für dich, Kevin"

Beide sahen sich grinsend an und kicherten.

"Wird es bald oder soll ich nachhelfen?"

Die Geduld von Jack war dahin, doch Adam trat lachend aus der Reihe hervor und schob ihn beiseite. "Chill mal, ich übernehme ab jetzt."

Lediglich nickte er, stellte sich auf Adams alten Platz und ermahnte Kevin neben sich, ernst zu bleiben.

Konnte er aber nicht, denn nun war die Übung Achselhaare kraulen dran, die ordentlich für Gelächter aber auch für Verwirrung sorgte.

Besonders bei Helmut, der unter seine Arme sah und stutzte. "Ich hab keine und jetzt?"

"Dann nimm die von deinem Nebenmann", wies Adam ihn an.

Helmut nickte, kraulte Joel neben sich unter den Armen und doch musste auch er sich nun das Lachen verkneifen.

"Und jetzt zehnmal wiederholen."

jedna

dvě

tři

čtyři

pětka

Bis zehn wurde gezählt, erst auf Tschechisch, dann aber fing Adam auf Deutsch an.

"Und jetzt in Germany. Eins, zwei, drei, vier, sieben, neun, zähn, zeen ... zehn!"

Ja, die deutsche Sprache ist nicht ganz so einfach und Patzer passieren.

Aber man möge es Adam verzeihen, er hat sich immerhin Mühe beim Zählen gegeben.

Geduld ist eine Tugend und nicht jeder Mensch ist geduldig und kann warten.

Besonders Jack nicht und das wussten sie alle. Besonders Adam, der ihn jetzt seit fast 13 Jahren kannte und einiges mitgemacht hatte.

Mit einem Schmunzeln auf den Lippen schwelgte der braunhaarige junge Mann in Erinnerungen, dachte zurück an Bali und Kapstadt, wo Jack hin und wieder die Geduld abhandenkam und er wie ein Vulkan ausbrechen konnte.

"Was grinst du so, Adam?", wollte Elío wissen, griff nach dem Käse, belegte großzügig sein Brötchen und ignorierte Kevins angewiderten Blick.

"Nur Erinnerungen, nichts weiter", ging das Breitkreuz auf die Frage ein.

"Müssen ja sehr tolle sein, wenn du so blöd vor dich hin grinst", murrte Tony und boxte seinem Freund leise schnaufend in die Seite. "Eifersüchtig?"

"Schwachsinn", erwiderte er, leerte seinen Kaffee und wünschte Jack einen guten morgen, als dieser in der Küche auftauchte, herzhaft gähnte und sich streckte.

Jack sagte vorerst nichts, bedachte Bastian jedoch mit einem Kuss auf die Wange und griff zuerst nach der Kanne mit Kaffee. Erst dann sah er sich suchend auf dem Tisch um und stellte mit Schrecken fest, dass die Salami nicht da war. "Keine Salami?"


"Im Kühlschrank ist noch welche", beruhigte Elio den anderen, erhob sich von seinem Platz, holte rasch Jacks liebste Wurst aus dem Froster und legte sie ihm direkt vor Kopf. "Danke, mein Tag ist gerettet."

Unserer auch, dachte sich Adam im Stillen, setzte sein Frühstück fort und überlegte, was er heute mit Tony unternehmen konnte. Eine Runde laufen oder doch ins Fitnessstudio und Gewichte stemmen?

Frische Luft, einen Coffee to go und Zweisamkeit mit Tony. Verlockend und scheinbar dachte sein Freund ähnlich.


Sein Lächeln verriet es, ebenso, dass er nach seiner Hand griff und in einem Zug seine Tasse leerte. "Gehen wir?", fragte er schließlich, wollte sich erheben und warf einen skeptischen Blick zu Jack.

Adam folgte diesem und stellte mit Erstaunen fest, dass Jack Probleme hatte, eine simple Verpackung aufzukriegen.

"Soll ich dir helfen?", mischte er sich ein, doch Jack schüttelte den Kopf und zerrte weiter an dem Plastik.

"Jetzt lass dir halt helfen", versuchte es Bastian, doch auch er wurde abgewimmelt. "Ich kann das. Ist nur eine Packung Wurst und kein Staatsakt."

Bastian nickte irritiert. "Wie du meinst, aber ..."

"Nichts aber. Ich bin schon groß", murrte Jack seinen Freund an, der deutlich merkte, wie angespannt er war.

Er zog und zerrte, fluchte und schließlich flog die Packung Salami durch die Küche. "So ein Scheißdreck", knurrte er, schmiss sein Messer auf den Tisch und stapfte erzürnt aus dem Raum.

Bastian erhob sich, wollte Jack hinterher und wurde von Adam zurückgehalten. "Lass, er beruhigt sich schon wieder. Geduld ist leider nicht seine Stärke."

"Er kriegt sich schon wieder ein. Wir kennen das nicht anders", mischte sich Kevin in die Unterhaltung ein und lächelte aufmunternd dem braunhaarigen Wuschelkopf zu. "Gib ihm ein paar Minuten und dann lacht er darüber."

Bastian nickte. "Also gut, aber wehe, wenn nicht", drohte er an, zuckte aber stark zusammen, als ihn jemand frech von hinten packte und frech mit der Zunge über sein Ohrläppchen leckte.


"Jack", quiekte er erschrocken, ignorierte das Gelächter der anderen und blies bockig die Wangen auf. "Mir mangelt es an Geduld und dir an der nötigen Ruhe", grinste sein Freund. "Wir ergänzen uns ziemlich gut, meinst du nicht?"

"Schon, aber..."

"Nichts aber, Schmollbacke", schnurrte Jack, wiederholte seine Neckerei an Bastis Ohr und lachte leise, als dieser erneut zuckte. "Ich sag ja, dir fehlt die Ruhe."

"Und dir die Geduld", murrte Bastian während er sich endlich aus Jacks Griff befreien und aufstehen konnte. Mit einem frechen Grinsen hob er die Salami auf, legte sie zurück auf den Tisch und blickte seinen Freund herausfordernd an. "Und jetzt mit mehr Geduld. Ich bin mir sicher, du schaffst das."

Der Tag fing ja schon mal gut an und sichtlich genervt setzte sich der blonde, junge Mann mit einer Tasse Kaffee an den Schreibtisch.

Er war müde, man sah es ihm an und doch musste er heute arbeiten und das bis spät in die Nacht.

Leise seufzend fuhr er den Rechner hoch, stellte die Kamera richtig ein und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

Ein paar Minuten hatte er noch und nutzte diese, um sich vorzubereiten, vor allem aber wollte er die Bilder von gestern verdrängen.

Nichts gegen Frauen, aber diese war nicht nur dick gewesen, sie war hässlich und obendrauf auch noch oberflächlich.

Da wunderte sich auch sein Kollege nicht mehr, dass vier Dosen Bier und eine Flasche Eierlikör auf dem Schreibtisch standen.

"Das hilft auch nicht mehr."

"Mag sein, aber es hilft ungemein, es zu ertragen."

"So schlimm war es?"

"Glaub mir, so viel Alkohol gibt es nicht, um sich so eine schön saufen zu wollen."

Verstehend nickte der Lockenkopf und legte freundschaftlich seine Hand auf die Schulter seines Kollegen. "Vergiss es einfach. Es gehört zu deinem Job und sei froh, dass solche Personen eher selten im Chat unterwegs sind."

Hoffentlich behielt er recht und es kamen nicht noch mehr solcher Frauen, die die Weisheit mit der Suppenkelle gefressen hatten und sich aufspielten wie ein Gott und der Meinung waren, sie wüssten alles.

Solche Leute waren nicht nur nervig, sie waren auch anstrengend und vermiesten einem schon mal die Lust am Arbeiten.

"Kopf hoch. Vergiss die Pferde-Fresse und denk nicht mehr dran."

Pferde-Fresse traf es genau richtig und veranlasste ihn dazu zu lächeln und schließlich lachte er laut und winkte ab. "Hau schon ab, sonst kann ich gar nicht mehr arbeiten."

"Viel Spaß", flötete der Andere an der Tür, wich jedoch dem kleinen Stressball, welcher nach ihm geworfen wurde aus und verzog sich lachend nach drüben in die Küche.

"Dann will ich mal", seufzte der Blonde, lehnte sich zurück und wartete, dass sich der erste Chatpartner rührte und ihn anschrieb.

Lange musste er nicht warten, eine Nachricht ploppte auf und bei genauerem Hinsehen stellte er fest, dass es sogar jemand war, der die selber Sprache sprach.

Das erleichterte einiges, Englisch konnte er zwar, aber hin und wieder fielen ihm Worte nicht ein oder aber er nutzte das falsche und fühlte sich dann ziemlich unwohl.

Jetzt war das anders, man schrieb locker hin und her, hatte viel zu lachen und irgendwann tauchte dann die Frage aller Fragen auf und ob man doch lieber über die Cam reden wollte.

Der Andere war einverstanden, dennoch ließ er sich Zeit und bevor das Bild seinerseits auftauchte, hörte man bereits ein Lachen. "Was machst du denn mit vier Dosen Bier und einer Flasche Eierlikör?"

Ups die Stimme kam ihm dann doch bekannter vor, als ihm lieb war.

Da lachte tatsächlich sein alter Kollege über ihn und das mit dem süßesten Lächeln, das er je gesehen hatte.

"Du?"

"Überrascht?", lachte der braunhaarige Wuschelkopf, zog dabei wie selbstverständlich an seiner Zigarette und zwinkerte ihm frech zu.

"Nun ja, mit dir hab ich nicht gerechnet. Warum auch?", murmelte es auf der anderen Seite der Leitung und eine leichte Röte legte sich auf sein Gesicht.

"Auf Insta merkst'e ja nichts. Da kommt von deiner Seite auch nur Uladula."

Wie war das?

Ula - was?

Der Blonde überlegte kurz, öffnete dabei die erste Dose Bier und geriet ins Stocken.

Natürlich.

Der Kerl mit dem schlechten Englisch.

Jener, der ihn mit Eis, statt Sonnencreme einschmieren wollte.

"Das warst also du."

"Ja, das war ich und nein, dass mit dem Eis war kein Fehler."

Vor Schreck fiel ihm fast das Bier aus der Hand, wurde gerade noch so abgefangen und doch erwischte es die Flasche Eierlikör, die laut scheppernd zu Boden fiel.

"Schöne Scheiße", murrte er, blickte wenig begeistert auf den Boden und auf die gelbe Masse, die sich langsam verteilte.

"Der schöne Likör", hörte er, ruckte mit dem Kopf wieder hoch und stieß sich diesen jedoch böse an der Tischkante an.

"Verdammt", fluchte er, hielt sich die geschundene Stelle und wieder war da dieses verdammt süße Lächeln.

"Soll ich pusten kommen?"

Ja, bitte, schoss es ihm durch den Kopf, doch bevor er antworten konnte, war der Andere weg und der Chat beendet.

Bei genauerem Hinsehen sah er, dass gar kein Chat stattgefunden hatte und kein Likör war verschüttet.

Stattdessen waren vier Dosen Bier leer und sein Kopf drehte sich ganz gewaltig.

Warum genau wollte Bastian die deutsche Sprache lernen? Er wusste, dass sie nicht leicht zu lernen war, die Grammatik der Hölle glich und doch hatte er es sich in den Kopf gesetzt. Allein wegen Elio, der die Sprache perfekt in Wort und Schrift beherrschte. Ganze Bücher auf Deutsch las und sich gerne gewandt mit anderen unterhielt.

Basti wollte das auch, übte jeden Tag und doch war er lange noch nicht so weit wie sein guter Freund. Es frustrierte ihn, stimmte ihn teils schlechtgelaunt und so manches Mal saß er mit langem Gesicht am Tisch und zog schmollend Kreise mit dem Finger auf die hölzerne Platte.

"Basti du musst Geduld haben. Man lernt eine Sprache nicht von heute auf morgen. Deutsch erst recht nicht", wandte Elio sich an den Braunhaarigen, der bockig ihm gegenüber saß und frustriert in sein Wörterbuch starrte.

"Setz dich nicht selber unter Druck", sprach Elio weiter auf ihn ein, hielt ihm dabei ein Stück Schokolade unter die Nase und schmunzelte, da Bastian mürrisch danach griff und schon sehr viel zufriedener wirkte.

Gut so, dachte er sich, legte noch ein Stück der braunen Süßigkeit auf den Tisch und ging vorerst zurück zu seinem eigentlichen Arbeitsplatz. Basti war somit auf sich gestellt, Elio war sich jedoch sicher, dass er sich bei Problemen melden und ihn in seinem Büro aufsuchen würde.

"Kommt er klar?", fragte Jack als er sich hinter seinen PC setzte und Twitter öffnete. "Er setzt sich zu sehr unter Druck", erwiderte Elio wahrheitsgemäß.

Jack nickte verstehend. "Wie lange hast du nochmal gebraucht, um unsere Sprache zu lernen?"

"Jahre, Jack, Jahre", seufzte Elio hinter seinem Rechner und überlegte, wie er den kurzen Clip möglichst interessant bewerben konnte. Wohlgemerkt in englischer Sprache, die nicht zu seinen Stärken zählte. "Jack, ich brauch kurz deine Hilfe."

"Englisch?"

"Ja, Englisch", wiederholte er und wartete darauf, dass Jack sich erhob und zu ihm kam. "Warte kurz. Ich will mir nur schnell was zu futtern machen. Mir hängt der Magen durch", erklärte er sich und verschwand aus dem Büro.

Zurück blieb Elio, der sich zurücklehnte, die Wand anstarrte und erst da fiel ihm auf, dass diese neu tapeziert war. Kein typisches himmelblau. Mehr zierte nun eine Fototapete die Wand und weckte Elios Interesse. Bekannte Straßenschilder aus New York, Stopp und Toilettenschilder waren zu erkennen aber auch ein Backsteinhaus, das die ganze Wand dominierte und dennoch nicht überladen wirkte.

Nett, es gefiel Elio und der königsblaue Ohrensessel schien ebenfalls neu eingezogen zu sein. Vorher thronte dort ein schlichtes, weißes Sofa und Elio fragte sich, wann und wer das Büro neu eingerichtet hatte. Bestimmt Kevin. Er nutzte es am meisten und verbrachte Stunden vor dem Computer.

Sein Blick schweifte erneut zu dem Sessel, ein breites Grinsen zierte seine Lippen und Elios Kopfkino schaltete sich ungefragt ein. Er sah sich selber in diesem sitzen, seinen Freund kniend vor ihm und die Hand an seinem ...

Verwirrt schüttelte Elio den Kopf, sah in Richtung Tür und konnte deutlich Bastians Stimme hören. Jack vernahm er ebenso und so wie es klang, diskutierten sie. Genervt stand er auf, schritt in die Küche und erkannte von Weitem Bastis angewidertes Gesicht. Jack stand an der Theke, in der einen Hand ein Messer und in der anderen eine Scheibe Brot, an der sich der andere scheinbar störte.

Elio kam näher. "Was ist hier denn los?", fragte er die beiden. "Jack und seine stinkende Wurst ist los", beschwerte Bastian sich und deutete angeekelt auf seinen Freund, der genüsslich von seinem Brot abbiss und kaute.


"Was für eine Wurst? Ich versteh nur Bahnhof."

Bastian verdrehte die Augen, blätterte in seinem Wörterbuch und schien etwas darin zu suchen.

"L...Lä..."

"Bitte was?", hakte Elio nach. "Läääber...Läääberworscht. Er isst diese widerliche Läääberworscht", maulte Bastian und blickte Elio bockig an, der anfing zu lachen. "Basti, das heißt Leberwurst und die ist nicht eklig."

"Sie stinkt, diese Läääberworscht", meckerte er weiter und ignorierte, dass er korrigiert wurde. "Er soll sich ja hinterher die Zähne putzen. Ich hasse Läääberwurscht."

Elio sah zu Jack, der erst breit grinste und schließlich laut lachte. "Bastian, wenn du so weiter machst, dann sterbe ich. Verschluckt an deiner verhassten Wurst."

"Ich nicht weiß, was du meinen", maulte Basti mit niedlichem Akzent und vertiefte sich kaum später wieder in sein Buch. "Oh doch, du weißt genau, was ich meine, du Arsch."

"Nein,Jacko. Ich nicht weiß." Elio sah zwischen den beiden hin und her, dann aber gab er sich einen Ruck und schob Jack bestimmend zu dessen Freund. "Vertragt euch bitte und streitet nicht wegen Läääberwoscht."

Basti drehte sich um, dann grinste er. "Du auch nicht richtig sagen." Elio nickte daraufhin nur, während Jack seinen Freund von hinten umarmte und in den Nacken küsste. "Dein Akzent ist sowas von niedlich, ich könnt dich fressen." Unterstreichend biss er Bastian in den Hals und zerrte ihn vom Stuhl.

Elio wusste, was das bedeutete und rollte mit den Augen. Englisch musste scheinbar warten und das nur wegen einer Scheibe Brot mit Leberwurst.

Das Auto war fertig, der Lack saß und vor morgen konnte er ohnehin nichts mehr an dem Wagen machen.

Zeit für den wohlverdienten Feierabend und den verbrachte er dann doch gerne auf dem Sofa und beschäftigte sich mit ganz normalen Sachen.

Abschalten und ...

Noch bevor er das Sofa erreichte, nahm er sein Handy, öffnete Instagram und sah sich ein paar Storys seiner Freunde an.

Nicht wirklich der Renner, aber schon zum Schmunzeln und einige Selfies waren dann doch ziemlich schräg.

Besonders das von Jiri, der eine urkomische Grimasse schnitt und Andre deswegen kurz lachen musste.

Typisch, aber so war er und er zählte nun seit Jahren schon zu seinen besten Freunden.

Auf ihn war Verlass, ihm konnte man alles erzählen und nichts kam an Dritte oder wurde irgendwie sonst weitergetragen.

Die App wurde geschlossen, er stand auf und ging vom Wohnzimmer aus rüber in die Küche, holte sich einen Kaffee und setzte sich zurück auf die Couch.

Kaum saß er, kam auch schon Velvet, stupste ihn mit der Nase an und forderte somit ihre Streicheleinheiten ein.

Eine weiße Spitzdame, der man nur schwer widerstehen konnte.

Besonders nicht, wenn sie einen direkt ansah, den Kopf schief legte oder direkt seine Beine in Beschlag nahm und sich auf den Rücken rollte, um am Bauch gekrault zu werden.

Und genau das tat sie nun, rollte sich um, sah ihn erwartungsvoll an und bellte einmal auffordernd auf.

"Schon gut, ich kraule dich ja", murmelte Andre, ehe er der Aufforderung nachkam und Velvet ausgiebig das Fell kraulte.

Zufrieden schloss der kleine Spitz die Augen, öffnete sie jedoch gleich wieder, da sie sich von einem Klingen dann doch gestört fühlte und Reißaus nahm.

Andre sah ihr lächelnd nach, dann aber sah er auf sein Handy, las sich die SMS seines Kumpels durch und runzelte die Stirn.

Wer machte wo was und was sah komisch, beziehungsweise affig aus?

Wovon redete Vladimir?

Andre tippte rasch eine Antwort, bekam kaum später wieder eine SMS und nun wusste auch er endlich was los war.

Sieh an, sieh an.

Da war also jemand im Urlaub, dazu auf den Philippinen und das seit zwei Wochen.

Ein Luxus den Andre noch nie verstand, lieber seinen Urlaub auf Kreta verbrachte oder ab und an in Ungarn.

Da gab es auch schöne Orte und man lief nicht unbedingt Gefahr sich mit seltsamen Tropenkrankheiten anzustecken.


Nun war Andre aber dennoch neugierig, öffnete erneut Instagram und rief das Profil seines ehemaligen Kollegen auf.

Die Story, von der Vladimir sprach, fand er ebenso, tippte diese an und sofort ertönte Gangnam Style und mehr schlecht als recht, tanzte sein Ex vor der Kamera.

Andre fiel fast vor Lachen vom Stuhl, er amüsierte sich köstlich und wurde von sechs Hunden komisch angesehen.

Besonders aber von Magie, die verstört vom Sofa heruntersprang und sich hinter dem Sessel versteckte.

"Soll ich nen Arzt rufen, oder gehts?", wollte Andres Bruder wissen, der völlig ahnungslos das Wohnzimmer betrat und Magie auf den Arm nahm.

"Habs gleich." Wieder verfiel er in Gelächter und das, obwohl er genau wusste, dass Kevin alles andere als tanzen konnte.

Lukas rollte mit den Augen, setzte sich neben seinen Bruder und neugierig sah er auf dessen Handy. "Nicht dein Ernst? Erst zickst du die ganze Zeit wegen dem die Leute an, stänkerst öffentlich gegen ihn und dann schaust du aber seine Instatorys an?"

"Ich hab nur das angeguckt und hätte es wohl kaum, wenn Vladimir das nicht erzählt hätte", verteidigte Andre sich schmollend, ehe er sein Handy weglegte, Kevin auf den Arm nahm und streichelte.

"Schon klar", winkte der Jüngere ab und dachte sich seinen Teil.

Er wusste ganz genau, dass ihm sein Bruder etwas vormachte, er insgeheim noch immer an Kevin hing und einfach zu stolz war, auf diesen zuzugehen.

Lukas beobachtete seinen Bruder eine Weile, dann aber verließ er das Wohnzimmer und ging nach draußen.

Zum einen wollte er telefonieren und zum anderen war da noch Magie, die dringend Auslauf brauchte.

Fernab vom Haus seines Bruders rief er direkt Adam an und erzählte diesem brühwarm von seinen Beobachtungen.

Angesichts dieser Tatsache war Adam erstaunt, sah zu seinem Kollegen Jack, der wiederum zu seinem Handy griff und telefonierte.

Jetzt hieß es handeln, dazu schnell und das am besten noch, bevor die Grenzen dicht machten oder ein Rückflug nicht mehr möglich war.

"Und?", wollte Adam nach einiger Zeit wissen.

"Geht klar und er weiß Bescheid. Schick du ihm die Adresse, ich bin ansonsten aus der Sache raus."

Adam rollte mit den Augen, versprach jedoch Jack, dass er die Adresse weitergab und legte schließlich auf.

Mehr konnte auch er nicht machen, der Rest lag nicht an ihm, sondern vielmehr bei Andre und dessen Bruder Lukas.

So vergingen ein paar Tage und in denen merkte man deutlich, wie schlecht gelaunt Andre war oder er versuchte, irgendwas zu überspielen und versteckte.

Besonders aber merkte man es an Kevin, einem niedlichen kleinen Hund, der plötzlich wieder so viel Aufmerksamkeit bekam, dass es schon verdächtig war.

Auch an diesem Tag lag der Hund dicht neben ihm, schlief genauso wie Andre auch und rührte sich nicht.

Lukas stand im Wohnzimmer, besah sich das Bild und schmunzelte.

Dann aber wandte er sich ab, schritt leise zum Flur, zur Haustür und öffnete die Tür.

"Psst er schläft", merkte Lukas leise an, schloss hinter ihm die Tür und schlich auf leisen Sohlen zurück zu seinem immer noch schlafenden Bruder, der bereits von drei Hunden belagert wurde.

"Den hat er ja immer noch", stellte Lukas sein Besuch fest und prompt wurde er freudig von zwei weiteren Hunden begrüßt, die auf dem Sessel lagen.

Vanilla und Magie, die um ihn herumsprangen, gestreichelt werden wollten und immer wieder an ihm hochsprangen.


"Der reinste Fellhaufen", lachte er leise, nahm Vanilla jedoch schließlich auf den Arm und gnadenlos nutzte dieses das aus und leckte ihn freudig von oben bis unten hin ab.

Er ließ sie gewähren, setzte sich mit der kleinen Hundedame hin und kraulte ihr das Fell.

"Kaffee?", fragte Lukas.

"Klar."

"Ich nehme an, du trinkst ihn noch immer mit Milch."

"Richtig", erwiderte er schmunzelnd und sah auf, da sich Kevin rührte, ihn ansah und laut bellend auf ihn zukam.

So laut, dass auch Andre wach wurde, verschlafen blinzelte und sich plötzlich ruckartig aufsetzte.

Fassungslos sah er nicht nur seinen Hund Kevin an, sondern auch seinen Exfreund, der dummerweise den gleichen Namen hatte. "Was machst du hier?"

"Dich besuchen. Nach was sieht es denn sonst aus?", erwiderte der Andere, nahm Lukas die gereichte Tasse ab und nahm vorerst einen Schluck.

"Du wusstest davon?" Andre sah bockig seinen kleinen Bruder an, der stumm nickte und sich neben ihn auf die Couch setzte. "Irgendwer musste doch was machen. Man sieht ja deutlich, dass da noch irgendwas ist."

"Das da ..." Andre blieben die Worte im Hals stecken, seine Haltung versteifte sich und ebenso wich er den Blicken von Lukas aus, der ihn ganz genau beobachtete.

Aber nicht nur er.

Auch Kevin entging das Verhalten nicht, er setzte die beiden Hunde neben sich und stand schließlich auf.

"Du warst mit einem Mal weg, hast weder gesagt warum, noch hast du dich von irgendwem verabschiedet. Nicht mal von Adam und er ist dein bester Freund."

"Wozu hätte ich mich verabschieden sollen? So war es deutlich besser", murmelte Andre vor sich hin, griff dabei nach vorne zum Tisch, nahm sich seine Zigaretten und zündete sich sogleich eine an.

Lukas schüttelte den Kopf, wandte sich jedoch ab und sah es für angebrachter, die beiden alleine zu lassen.

"Ich verstehe es nicht. Ich verstehe dich nicht, Andre", seufzte Kevin und setzte sich neben seinen ehemaligen Kollegen.

"Musst mich auch nicht verstehen", grummelte es neben ihm leise.

"Ich will dich aber verstehen und auch, das warum."

"Hatte halt einfach keinen Bock mehr. Mir war das alles zu viel", hörte er Andre sagen und verdrehte mehr als genervt die Augen.

"Und deswegen hört man auf und sagt dann nichts? Ist klar."

"Ist so, find dich damit ab."

"Tut mir leid, aber das werde ich ganz sicher nicht", knurrte Kevin leise, nahm Andre die Zigarette ab, drückte sie im Aschenbecher aus und ignorierte gekonnt dessen Gemecker. "Rauchen ist ungesund und du weißt, dass ich das nicht mag."

"Was du magst und was nicht, das ist mir sowas von egal." Andre sprang auf, tigerte durch sein Wohnzimmer und fuhr sich gestresst durch die Haare. "Was soll das überhaupt? Musst du nicht arbeiten?"

"Müsste ich schon, aber erst nächste Woche", antwortete er darauf und erhob sich von der Couch.

"Dann geh anderen auf den Sack, aber nicht mir", moserte Andre weiter.

"Keine Lust", winkte Kevin lässig ab." Außerdem interessieren mich andere nicht."

"Sind ja ganz neue Töne." Andre blieb stehen, drehte sich um und blickte Kevin an. "Geh einfach wieder zurück nach Prag und mach deinen Job. Ich bin aus der Sache raus und das hab ich Adam bereits mehrfach gesagt."

"Darum geht es mir nicht. Mir geht es um dich, um uns. Darum, was du einfach hingeschmissen hast und mir hast du damit nicht nur vor den Kopf gestoßen."

"Mir wurde das zu viel, wie oft denn noch?", regte sich Andre erneut auf. "Wenn du das kannst, dann bitte, aber ich kann es nicht und ich will es auch nicht."

"Du willst es nicht?", wiederholte Kevin leise. "Mich auch nicht?"

"Tut mir leid, aber nein. Nicht so. Meine Nerven machen das nicht mit und ich halt sowas auf Dauer einfach nicht aus."

Kevin biss sich bei diesen Worten auf die Unterlippe, er schwieg eine ganze Weile und schien zu überlegen.

"Geh einfach bitte."

Gehen?

Nein, so nicht, da müsste Andre ihn schon herausschmeißen.

"Ich werde nicht gehen. Ich bin nicht so feige wie du."

"Ne feige biste nicht, aber ein Dickkopf, wie er im Buche steht und jetzt verschwinde endlich", wiederholte sich Andre mit mehr Nachdruck, mogelte sich in die Küche und tat einfach so, als wäre der Andere gar nicht mehr da.

Er und Dickkopf?

Der Dickkopf war in seine Küche geflohen und überhaupt war es Andre, der sich seit zwei Jahren versteckte und so tat, als würde ihn alles nicht mehr interessieren.

Kevin war sauer, stinksauer und enttäuscht.

Dennoch betrat auch er die Küche, schlich sich an Andre an, der an der Kaffeemaschine stand und an dieser hantierte.

Nur wenige Zentimeter trennte sie und noch bevor Andre sich umdrehen konnte, hatte er diesen bereits von hinten umarmt.

"Dickschädel", brummte er in seinen Nacken, grinste verwegen und wissend, da Andre sich zu schütteln begann und sich damit mehr oder weniger selber verriet.

"Lieber ein Dickschädel, als ein blödes Arschloch."

"Werd nicht frech", knurrte Kevin und biss Andre sanft dabei in den Nacken. "Das Arschloch bist du und das seit zwei Jahren."

"Pfff ..." Mehr sagte Andre nicht dazu, er wehrte sich aber auch nicht mehr, sondern lehnte sich an den Anderen an und schloss für einen Moment die Augen.

"Miluji tě", flüsterte er kaum später, öffnete die Augen, drehte sich um und sah Kevin weinen. "Já taky, hloupý muž."

Mit diesem Kapitel verabschieden sich die Jungs, doch ganz weg sind sie und ihre WG nicht. Sie werden erneut wiederkehren, nur anders und in richtiger Wohngemeinschaft. Hier wohnten einfach zu viele unter einem Dach.

Lustig, aber auch unmöglich, da die Wohnung gar nicht so viele Zimmer hat und es somit etwas unrealistisch ist. Das letzte Kapitel ist so tatsächlich passiert, beziehungsweise fast und daher habe ich es mir erlaubt, den Screen zu nutzen. Ein wenig bin ich schon traurig, meine Chaos WG zurückzulassen aber sie macht auch Platz für die echte WG, für Tom, der diese  Geschichte rein aus seiner Sicht erzählen wird.

Ich  bedanke mich nun aber bei euch fürs Lesen, dafür, dass ihr da wart und die Jungs mit verfolgt habt.


⚜⚜⚜⚜⚜⚜⚜


Wie zu erwarten, hatte Elio seinen freien Tag und sein Freund musste arbeiten. Nichts mit einem gemeinsamen Abend vor dem Fernseher und das stimmte ihn muffig. Ändern konnte er es jedoch nicht, er musste das Beste daraus machen, den Tag nutzen und Dinge tun, die er sonst auch alleine tat.

Lesen, vielleicht auch GTA zocken oder für die WG kochen. Elio war vielseitig, konnte sich gut ablenken und nicht daran denken, dass sein Freund arbeitstechnisch mit anderen Männern flirtete. Privates und berufliches wurde strikt getrennt und das eine hatte auch nichts mit dem anderen zu tun.

Die Liebe zu Elio war sicher, tiefgründig und er merkte auch so, dass Kevin viel Zeit in ihre Beziehung investierte, ihn gerne auch mal überraschte. Gerade tat er es wieder, stellte ihm schweigend einen Latte auf den Tisch und verzog sich schließlich aus der Küche.

Elio lächelte, nahm den Becher an sich und betrachtete ihn nachdenklich. Warum war der Milchschaum besser, fester und nicht so cremig? Was machte Kevin anders? Tat er es überhaupt anders? Elio hatte keine Ahnung und noch immer keinen Plan, was er jetzt anstellen konnte.

Basti und Jack waren mit den Hunden draußen und soweit Elio mitbekommen hatte, waren Kieran und Jamie ebenfalls beschäftigt. Womit wollte er lieber nicht wissen, er konnte es sich auch so schon denken.

"Gott ist das langweilig", seufzte er laut und wenn er nicht bald eine Beschäftigung fand, würde er das Stricken anfangen oder Helmut seine Socken stopfen.

"Lies halt etwas, du bist doch sonst so versessen darauf zu lesen." Der Vorschlag kam von Adam, der gemeinsam mit seinem Freund am Tisch saß und Karten spielte. "Alle hast du sicher noch nicht durch", redete er weiter und legte breit grinsend eine zwei gleiche Paare auf den Tisch.

"Nein, aber ich hab derzeit keine Lust auf die Bücher, die ich im Regal habe. Die sprechen mich nicht an", erklärte Elio. "Dann lies doch mal etwas Neues. Jerome liest derzeit auf einer App Bücher und die sind gar nicht mal so schlecht."

Eine App und auf der konnte man lesen? Elio kannte diese E-Books, aber die las er nicht am Handy, sondern auf seinem Tablet, da er das sehr viel angenehmer empfand. "Ich weiß nicht", murmelte er, doch Adam bestand drauf, dass er sich diese wenigstens einmal ansah und stöberte.


"Schön, ich seh sie mir an", stöhnte der platinblonde Mann, erhob sich von seinem Platz und suchte nach Jerome, den er im Wohnzimmer neben Helmut auf dem Sofa fand. "Was ist das für eine App, auf der du liest?", fragte er frei heraus und zog sofort Jeromes Aufmerksamkeit auf sich.

"Eine lustige. Immerhin sind das keine bekannten, sondern Hobbyautoren, die dort schreiben. Erwarte also keine Bestseller."

Verstehend nickte Elio, setzte sich vorsichtig zwischen das Pärchen und sah neugierig dabei zu, wie der blonde Lockenkopf sein Handy aus der Hosentasche zog. Es dauerte nicht lange und er öffnete eine App, reichte ihm das Handy und ließ Elio einfach machen.

Padwatt. So hieß die App, war leicht zu bedienen und machte neugierig sich ein paar der Geschichten genauer anzusehen. "Darf ich dein Handy nutzen? ich will mir die App nicht gleich herunterladen."

"Klar, mach ruhig. Wir müssen uns ohnehin gleich aus dem Sichtfeld setzen, da Kevin heute im Wohnzimmer chattet", merkte Jerome an, erhob sich kurz darauf und auch Helmut setzte sich um.

Elio folgte, war jedoch schon in der ersten Geschichte vertieft und musste aber recht schnell feststellen, dass diese ihm nicht sonderlich gefiel. Fantasy war nur bedingt sein Fall und wenn, dann müsste es schon mehr in Richtung Harry Potter gehen. Herr der Ringe war ebenfalls willkommen und alles, was ein bisschen in die historische Richtung ging.

Da etwas Passendes zu finden war schwer und die Auswahl enorm. So gewaltig, dass Elio noch immer suchte und Kevin längst im Wohnzimmer saß und via Chat mit seinen Fans redete. Was genau gesprochen wurde interessierte ihn nicht, er vertraute seinem Freund, wusste, dass es sein Job war und er mit einem Fan nie etwas anfangen würde.

Elio fand schließlich doch etwas, öffnete die Story und las die ersten Zeilen. Sie war gut, fesselnd und bewegend. Er spürte regelrecht die Leidenschaft der Autorin und wie sie ihn mit Worten in ihren Bann zog. Kapitel um Kapitel wurde aufmerksam gelesen, ab und an murrte er und dann passierte etwas, womit keiner gerechnet hatte.

Am wenigsten Kevin, der die Frage beantwortete, ob er schonmal untreu gewesen wäre. Er antwortete deutlich mit einem Ja und genau in dem Moment platzte Elio der Kragen. "Verdammter Bastard, ich reiß dir die Eier ab." Kevin war derart geschockt, dass er fast nach hinten wegkippte, sich gerade noch fangen konnte und fassungslos in die Richtung seines Freundes blickte.

Gelächter erklang, wurde jedoch ignoriert und Kevin beschloss eine kurze Pause zu machen. Er beendete den Chat für einige Minuten, stand auf und trat an Elio heran. "Elio, das war vor deiner Zeit, ich war damals 16 Jahre alt und es war auch nur einmal."

Verwundert hob der Angesprochene seinen Kopf und legte das Handy zur Seite."Wovon sprichst du? Ich lese seit fast einer Stunde und hab keinen blassen Schimmer, was du meinst."

"Du meinst also nicht mich?"

"Nein, ich lese wie gesagt und da ist so ein Vogel, dem möchte ich die Eier abreißen, für das, was er getan hat", erklärte Elio seinem Freund, der sichtlich erleichtert schien und sich zu ihm runterbeugte. "Ich liebe dich, Elio. Dich und niemand anderen."

"Das weiß ich", schmunzelte er, überbrückte die letzten Zentimeter und küsste Kevin sanft auf die Lippen. Nicht lange dann löste er sich und sah ihn auffordernd an. "Na hopp, geh arbeiten und lass mich hier weiterlesen."

"Wie fies", beschwerte sich Kevin gespielt, erhob sich jedoch und schritt zurück zur Couch, wo er sich direkt setzte und seine Arbeit wieder aufnahm. Dieses Mal ohne Unterbrechung seitens Elio, der noch lange am Handy las.

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Autor

Pragomas Profilbild Pragoma

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Kapitel:30
Sätze:1.098
Wörter:20.977
Zeichen:120.062

Kurzbeschreibung

In einer Wohngruppe zu leben ist gar nicht verkehrt. Man hat jede Menge Spaß und Momente, die absurd und irgendwie lustig sind. Besonders dann, wenn man sich einen Spaß aus Klopapier, Toast und einem Eimer Wasser macht und das ganze mit Nutella kombiniert.

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