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Black Lake-Auf den ersten dunklen Blick

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05.08.19 22:13
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

4 Charaktere

Amaris Ward

Hauptprotagonistin: (Kind des Mondes)

Qadria+Thorn Ward

Zieheltern der Hauptprotagonistin: fürsorglich, beschützerich, einfühlsam

Adrienne+Cadell Merchand-Myld und Valerian Merchand

Tante, Onkel und Cousin der ProtagonistinAdrienne: dominant und egoistischCadell: einfühlsam und ruhigValerian:

Sir Mephisto und Lady Drucio

Schulleiter und stellvertretende Schulleiterin

Ich hatte mir nie viele Gedanken über meine Zukunft gemacht, obwohl ich diese tun musste. Und doch hatte sich mein Schicksal ganz plötzlich verändert. Meine Träume waren auf eine dunkle Welt gerichtet und fokusiert. Es war sicher nicht leicht, aber als Kind des Mondes war ich bereit, einen weiteren Schritt zu machen.
Ein wenig Angst und Unsicherheit verspürte ich schon, doch das ließ mich kalt. Ich war bereit meine Ziele zu erreichen. Es war eine große Verantwortung.
Ich wachte auf und hatte schlecht geträumt. Einst wusste ich: Das Schicksal lag in meinen Händen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Schicksal hatte sich an meinem 16. Geburtstag geändert. Ich hielt wichtige Papiere in meinen Händen fest. Meine Hände zitterten vor Wut und Angst. Innerlich spürte ich auch die Gefühle von Hass, Belogen worden und Trauer. Ich las nochmal alles durch. Ich hasste Lügen. Schreie setzen sich meinen Kopf fest und mein Herz raste vor Zorn. Es pochte laut. 16 Jahre lang wurde ich belogen. Ich hatte mich in mein Zimmer eingeschlossen und wollte nicht mehr heraus. In ihre Augen wollte ich nicht mehr schauen. Sie riefen mich schon zum 10.Mal zum Abendessen, doch ich versuchte kein Wort beziehungsweise keine Antwort zu geben, sowie zu sagen. Sie kam die Treppen hoch und klopfte an meiner Zimmertür. „Amaris, komm doch bitte zum Abendessen!“, flehte sie mich an. Sie klang verzweifelt. Ich blieb auf meinem Bett sitzen und rührte mich nicht von der Stelle. Dreimal wiederholte sie noch ihre Aufforderung mit bettelnder Stimme. Ich hatte ohnehin keinen Hunger mehr seit ich von diesem Schreiben wusste, was die Tatsache war: Ich war adoptiert worden! Das stand fest und der Druck stieg.

Vom ersten Augenblick an, seit ich dies gefunden hatte, wusste ich, dass ich kein Wunschkind war. Meine Mutter (die ich nie kennenlernen konnte) hatte mich an fremde Menschen abgegeben (die für mich an diesem Tag nicht mehr als dumme, verlogene Kreaturen waren).  Auch die Gedanken zu meinem Erzeuger drehten sich wie in einem Kreis in meinem Kopf. Das Wort „Mutter“ war nicht auszusprechen, da sie eher eine Rabenmutter war und mein „Vater“ blieb in Mister XY in meinen Augen. Ich konnte es noch immer nicht fassen, dass ich adoptiert wurde.

In der Zwischenzeit hatte meine Ziehmutter wahrscheinlich die Hoffnung aufgegeben, mich weiter zu rufen. Sie war vermutlich im Wohnzimmer. Die Lautstärke des Fernsehers war laut und ich wusste, welcher Film ausgestrahlt wurde; Beetlejuice. Er war einer meiner Lieblingsfilme, doch an diesem Tag wollte ich ihn nicht mit meinen Zieheltern anschauen. Mein Magen begann unvermittelt zu knurren. Ich stand auf, ging leise aus meinem Zimmer und schloss vorsichtig die Tür meines Zimmers. Ich versuchte schleichend hinunter in die Richtung der Küche zu gehen, doch mein Ziehvater hatte mich bemerkt. Er war immer der Meinung, dass er auch hinten Augen hätte und wusste, wenn ich was angestellt hatte. Ich durfte mir bei ihm keine Lügen erlauben und musste gehorchen. „Amaris, Liebes, wir müssen mit dir reden.“, sagte er mit ernster Stimme und schaute mich mit seinen dunklen Augen an. Meine Ziehmutter stand neben ihm. Ich sah beide mit einem wutentbrannten Blick an und schrie sie zornig an: 16 Jahre lang habt ihr mich belogen und mir kein einziges Wort von allem gesagt! Ihr seid echt feige!“ Dabei hielt ich ihnen nervös die Adoptionspapiere vor ihren Augen, „Und das finde ich in der Schublade meines Nachttisches unter einem Kartonstück tief versteckt neben meinem Tagebuch. Wie dumm haltet ihr mich? Zeigt mir euer wahres Gesicht!“ Meine Ziehmutter fing an zu weinen und schlug sich die Hände über den Kopf. Mein Ziehvater versuchte sie zu trösten und zu beruhigen. Ich schritt zum Kühlschrank und holte mir den Rest vom Linsen-Mango-Curry Gericht, das er am vorigen Mittag gekocht hatte. Ich nahm einen Teller, belegte ihn mit dem Übrigen und ließ es in der Mikrowelle für drei Minuten und vierzig Sekunden aufwärmen. Als die Zeit abgelaufen war, holte ich den Teller heraus, nahm noch anschließend Messer und Gabel und setzte mich an den Esstisch. Sie setzten sich hinzu. „Amaris, wir müsssen gleich mit dir darüber reden, wenn du aufgegessen hast.“, wagte er mit beruhigender Stimme zu sprechen. Was gab es darüber noch zu reden?, fragte ich mich genervt. Ich schaufelte meine Gabel mit dem Essen und stopfte mir es in den Mund, sodass meine Frust anzumerken war.  Als der Teller leer war, wusch ich ihn ab.  Dann legte ich ihn in die Spülmaschine und knallte die Tür hoch.

„Jetzt lasst uns miteinander reden. Amaris, wir wissen, wie du dich fühlst und wir dir nichts gesagt haben, denn es war zu deinem Schutz. Du hast Recht darüber zu wissen, doch es ist uns deswegen sehr schwer gefallen, wie wir es dir sagen sollten und es tut uns sehr … sehr Leid, dass du selbst die Wahrheit erfahren musstest. Wir mussten deiner Mutter versprechen deiner Mutter versprechen, dass du es an deinem 16. Geburtstag erfährst. Wir dachten, dass das zu früh wäre, im Gegensatz dazu war deine Mutter in deinem Alter schon mit dir schwanger und überfordert mit der gesamten Situation. Sie wollte dich zuerst an ihre ältere Schwester Adrienne übergeben, doch deine Tante ist eine sehr beschäftigte Karrierefrau und könnte sich nicht um dich kümmern. Sie ist eine sehr berühmte Sängerin von einer Symphonic-Metalband, deren Name „Flame Snake“ ist. Ihre Stimme überwältigt die Menschenmenge. Sie ist großartig ...“, erzählte mir mein Adoptivvater. „Und wer seid ihr?“, unterbrach ich ihn, „wie steht die Beziehung zwischen meiner Mutter und Euch?“ „Deine Ziehmutter ist die beste Freundin von deiner Mutter. Trista hieß deine leibliche Mutter und hat dich uns übergeben.  Qadria und ich kümmern uns um dich seit deiner Geburt. Wir waren selbst jung und doch haben wir die Verantwortung genommen. Ich hatte für Qadria und dich gekämpft, um euch ein behütetes Leben zu schenken, deshalb hatte ich auch zwei verschiedene Jobs angenommen und mein Studium vorzeitig beendet.“, sicherte er mir zu. „Das stimmt und wir werden zusammen immer deine Familie sein, egal was kommen wird.“, bezeugte meine Pflegemutter. Mein Pflegervater Thorn war immerhin zehn Jahre älter als sie und doch sah er noch jung aus. Sein Haar war bisher nicht ergraut, auch als er viel Stress hatte. Manchmal glaubte ich, ich hätte alle überfordert, dabei war ich selbst überfordert mit der Situation. Ich wollte es selbst nicht eimsehen. Der Druck hatte sich jedoch ein wenig gelöst und mein Herz pochte nicht mehr so laut. Wo gehörte ich denn wirklich? Und wieso will meine Tante nicht für mich da sein? Mein Vater überreichte mir ein Foto und sagte: „Das ist deine leibliche Mutter mit deiner Ziehmutter. In ihren Armen hielt sie dich fest.“ Ich betrachtete das Foto und fing wieder an zu zittern und begann ebenfalls zu weinen. Qadria schloss ihre Arme um mich und umarmte mich tröstend. Ich schaute mir das Foto an und entdeckte, dass ich meiner leiblichen Mutter sehr ähnlich war: Alle Gesichts- und Körperzüge hatte ich wie sie. Ich nahm das letzte Erinnerungsstück und ging langsam traurig hoch in mein Zimmer zurück. „Gute Nacht, Liebes!“, rief mir meine Ziehmutter zu. Ich nickte spärlich und schloss sanft die Tür zu. Folgende Tage und Monate vergingen. Ich zog mich weiter zurück und musterte jeden Abend, vor dem Schlafengehen, das Erinnerungsfoto. Dann schlief ich.

Drei Monate später wendete sich alles erneut. Es war der erste September. An diesem Morgen wachte ich erschreckt auf, da ich ein rasendes Auto hörte, das die schwarze Engelsstatue umfuhr und diese niederfiel, als der Wagen bremste. Die Bremsen quietschten. Ich eilte zum Fenster. Ein schwarzer Lotus parkte vor unserer Haustür. Der Name des Modells war Evora und hatte vier Sitze. Ich kannte mich schon ein wenig mit Autos aus; insbesondere die Modelle der unterschiedlichen Automarken und weitere wenige Informationen. Plötzlich öffneten sich die Türen des Wagens. Eine Frau in einem schwarzen Kleid stieg aus. Sie trug langes schwarzes Haar und eine Sonnenbrille. Auf ihrer Schulter klemmte sie eine schwarze Tasche. Gegenüber ihr stand ein junger Mann. Ich schätzte ihn zwei Jahre älter als ich. Er hatte ebenfalls schwarzes Haar, das schulterlang war.  Er trug einen schwarzen, weiten langen Mantel, der bis zu seinen Schuhen ging. Sein Gesicht war leicht mit weißem Make-up gepudert, genauso ähnlich wie der unbekannten Frau. „Wir sind spät dran, Valerian! Hättest dich ein wenig schneller beeilen sollen!“, hörte ich sie zu ihrem Sohn verärgert sagen. Der junge Mann verdrehte genervt die Augen und folgte ihr. Wer waren diese Fremdlinge? Ich hatte ein ungutes Gefühl, das sich bald bewahrheitete.

Es klingelte an unserer Haustür. Ich ging behutsam aus meiner Zimmertür. Meine Ziehmutter eilte schnell zur Haustür und schaute wer davor stand. „Oh nein!“, regte sie sich innerlich auf. Es klingelte noch mal. Mein Ziehvater hatte ihren Blick gesehen. „Schatz, was ist los und warum öffnest du nicht die Tür?“, wollte er wissen. „Sie hat sie gefunden. Was machen wir jetzt?“ sprach sie stockend. „Wer?“ „Öffne sie selbst , dann  wirst du es sehen!“, befahl sie ihm aufgeregt. Er öffnete die Eingangstür. Ich beobachtete von der Treppe im oberen Stockwerk das Geschehnis; es waren die fremden Personen, die ich vor dem Fenster gesehen hatte. Die unbekannte Frau stolzierte zum Eingang hinein. Sie setzte ihre Sonnenbrille ab. „Oh mein Gott; es sind Adrienne und ihr Sohn Valerian!“, murmelte Qadria in sich leise hinein, sodass er es nicht hörte, hingegen erkannte er die Unbekannte. „Guten Tag, Mrs. Marchand und wer seid Ihr? Wie kommen wir zu Ihrer Ehre?“, wollte Thorn in Erfahrung bringen. Die Unbekannte begrüßte sie zurück: „Ich grüße euch, Freunde von Trista! Ich bin vier Stunden gefahren, um meine verehrte Nichte Amaris abholen zu kommen“ Neben ihr stand mein angeblicher Cousin. Ich schreckte hoch, als ich hinunter blickte. Habe ich das richtig verstanden? Ist das meine Tante Adrienne? Sie kam, um mich abzuholen, aber wieso und weshalb sprach sie formell? „Wo ist sie denn?“, fragte meine scheinbare Tante. Ich ging verwirrt ins Zimmer zurück. Mein Pflegevater hatte doch erzählt, dass ihre Karriere wichtiger wäre als Kinder und neben ihr stand ein junger Mann. „Oh bitte verzeiht mir! Mein Name ist Valerian Marchand und der Sohn von Adrienne Marchand.“, stellte er sich vor. Also doch waren es meine leibliche Tante und mein Cousin von gleicher Abstammung. „Lasst uns gemeinsam einen Tee trinken!“, schlug Qadria vor. Ich beschloss erneut leise ins Wohnzimmer zu schleichen, um in Erfahrung zu bringen, was sich ereignete. Es roch nach einem hergestellten Brombeerentee. „Jetzt tauchst du aus dem Nichts auf und verlangst, dass Amaris zu Euch ziehen wird. Das ist doch kompletter Quatsch! Wer wollte dir diese Erlaubnis geben? Wir haben uns um sie gekümmert, seit sie ein Baby war. Sie hat das Beste bei uns verdient.“, ärgerte sich meine Ziehmutter gegenüber meiner blutsverwandten Tante auf. Thorn hatte mich wieder entdeckt. Ich starrte  traurig zu Boden. Meine Ziehmutter war empört und wollte ihr weitere Vorwürfe machen, doch sie hatte auch mich gesehen. Adrienne und sie drehten sich zu mir um. Valerian beachtete mich nicht. Den ersten Blickkontakt wollte ich mit ihnen nicht austauschen. Meine Tante erhob sich. „Ich bin Adrienne, deine Tante; die ältere Schwester deiner leiblichen Mutter Trista.“, begrüßte sie mich. Sie kam auf mich zu und umarmte mich flüchtig. Ich fühlte keine Wärme. „Freut mich, Sie kennenzulernen, Mrs. Marchand!“, grüßte ich sie klein beigebend zurück.  „Sag bitte Tante Adrienne zu mir!“, forderte sie mich auf. Mein Cousin stellte sich nun auch nochmals persönlich vor. „Pack bitte deine Sachen, du wirst nun bei uns wohnen!“ Sie hatte vorhin die Frage von meiner Ziehmutter ignoriert. „Wer hatte dir das Befugnis gegeben, unsere Ziehtochter zu dir mitzunehmen?“, fragte Qadria sie ein letztes Mal. „Mein Anwalt hat mir das Recht gegeben, am heutigen Tag das Sorgerecht von Amaris zu übernehmen.“, antwortete Mrs. Marchand leicht gereizt. „Du kannst doch jetzt nicht erwarten, dass Amaris jetzt sofort zu Euch kommen wird. Vor drei Monaten hatte sie erfahren, dass wir nicht ihre leiblichen Eltern sind und nun dringlich, dass du sie kennenlernen möchtest.“, meckerte meine Ziehmutter sie weiter an. Meine Tante nahm einen Umschlag aus ihrer schwarzen Tasche, die wie ein Buch aussah und mit nekromantischen Symbolen bestickt war. „Hier ist ein persönlicher Brief von Trista, den sie verfasst hat und ihren Wunsch äußert, dass ich das Sorgerecht erhalte, wenn Amaris ihr 16. Lebensjahr erreicht. Und darunter die gerichtliche Verfügung!“ Sie übergab ihn an Thorn und er schaute sie unbescheiden an. Er öffnete den Umschlag und las die beiden Briefe vor. Ich stand unter Schock. Meine Blicke wanderten zu jedem einzelnen. Allerdings blieben sie nichtsahnend fixiert auf die dunkelbraunen Augen meiner Tante. Sie tat es ähnlich. „Nun lass uns endlich deine Koffer packen und zu Onkel Cadell fahren. Er wartet schon ungeduldig.“, appellierte sie leicht erregbar an mich. Kein weiteres Wort kam aus dem Mund von meinen Zieheltern, nur die Körpersprache drückte Trauer und ähnliches aus. Sie ging mit mir hoch und wir machten mein Gepäck fertig. „Alles Gute zum Geburtstag nachträglich!“, gratulierte sie mir.  Drei Monate zu spät, aber du hast wenigstens daran gedacht!, dachte ich mir für sie. „Danke Mrs. Marchand!“, bedankte ich mich. „Tante Adrienne.“, korrigierte sie mich. Ich konnte mich noch immer nicht daran gewöhnen. Sie schaute sich in meinem Zimmer um und nahm ein paar von meinen Zeichnungen wahr, die ich gezeichnet hatte. Zeichnen war mein größtes Hobby. Ich malte mit Bleistift-und Aquarellfarben; ich bevorzugte lieber Aquarell, da diese meine Lieblingstechnik war. „Hast du diese Bilder gezeichnet?“, wollte sie wissen. „Ja.“, antwortete ich mit leiser Stimme. „Du hast echt ein sehr großes Talent!“, sagte sie mir begeistert. Ich nahm sie von der Wand und legte sie in meine große Zeichenmappe.

Zwei Stunden vergingen und das Gepäck war fertig gepackt. Wir baten um Hilfe, um sie herunter tragen zu lassen. Thorn und Valerian halfen uns und trugen sie zum schwarzen Lotus Evora. Meine Tante öffnete den Kofferraum und die beiden Männer legten meine Sachen hinein. Valerian schloss den Kofferraum des Wagens.

Der Abschied folgte. Qadria umarmte mich erneut und sagte mir schließlich: „Wir werden immer für dich da sein. Ruf uns bitte an, wenn du angekommen bist und es dir nicht gut geht. Versprichst du mir das? Wir haben dich sehr lieb und pass bitte auf dich auf!“ „Ja, mach‘ ich!“, versprach ich ihr. Thorn drückte mich auch noch mal an sich und versicherte mir, dass Qadria und er mich besuchen kommen würden, wenn ich mich ein wenig eingelebt haben würde. Valerian öffnete mir die Hintertür des Wagens und befahl mir, ich sollte einsteigen. Ich zögerte und stieg schließlich ein. Ich drückte den Knopf, um die Fensterscheibe herunter zu lassen und schaute zum letzten Mal zu meinen Zieheltern hoch. Thorn hielt Qadria tröstend im Arm und beide winkten mir zum Abschied. Tante Adrienne stieg zur Fahrertür ein und fuhr rasend mit Valerian und mir davon, ohne sich zu verabschieden. Sie fuhr sehr schnell. Ich setzte meine Kopfhörer in die Ohren und drehte die Laustärke meines MP3-Players höher, sodass ich das Gespräch von meinen Blutsverwandten nicht hören konnte und beobachtete die Landschaft.

Stunden, Minuten und Sekunden vergingen. Beinahe war ich eingeschlafen, doch da sagte Valerian mir: „Willkommen in Death Valley, verehrte Cousine!“ Ich schaute kurz hoch. Es war schon dunkel geworden. Die Nacht war schon angebrochen. Adrienne fuhr auf einmal langsamer. Sie parkte ihren Wagen in einem Garagentor einer großen Villa. Mein Magen zog sich zusammen. Mein Cousin öffnete mir die Wagentür und ich stieg aus. Valerian holte meine Sachen aus dem Kofferraum. Adrienne rief nach Cadell: „Cadell, mein geehrter Ehemann, wir brauchen deine Hilfe!“ Mein Onkel schritt edel wie ein König in dunkler Kleidung zur Garage und half seinem Sohn, mein Gepäck hoch zu bringen. Auf seinem Kopf trug er einen schwarzen Zylinder. Er verbeugte sich kurz und stellte sich vor: „Mein Name ist Cadell Marchand. Ich bin Adriennes Ehemann und dein Onkel. Es freut mich sehr, endlich die Bekanntschaft meiner Nichte zu machen.“ Ich nickte leicht und folgte ihnen ebenfalls. Die Villa war sehr groß und unübersichtlich wie ein Labyrinth. Sie hatte insgesamt vier Stockwerke; Untergeschoss, Erdgeschoss+ und Garten, erstes Stockwerk und zweites Stockwerk. Ich betrachtete die Räumlichkeiten. Sie waren dunkel und dunkle Kronleuchter beleuchteten sie schwach. Alles war ordentlich eingeräumt. Wir bestiegen in diesem Augenblick eine Wendeltreppe mit einem versilberten Geländer des ersten Stockwerkes zum Zweiten. Es war so edel. Der Griff hatte einen gemeißelten Kopf eines Drachens. Ich bemusterte ihn und hielt mich am Geländer fest, als ich weiter hochging. Ich zählte leise die Stufen: 40 Stufen waren es, als wir das zweite Stockwerk erreichten. Keiner sagte etwas und es war still. „Wir werden dir jetzt dein neues Zimmer zeigen.“,machte Adrienne mich damit aufmerksam. Ich nickte und gähnte. Ein wenig müde war ich schon. Onkel Cadell zeigte mir in der linken abgebogener Richtung auf die dunkelbraune Ebenholztür, in der schöne Filigrane rund herum geschnitzt wurden und öffnete sie. Meine Familienverwandte setzten mein Gepäck nieder, verließen das Zimmer und ließen mich allein. Onkel Cadell schaltete zuletzt das Licht an, dann ging er. Ich betrachtete das Zimmer. Es war jedenfalls größer als mein ehemaliges in Wicked Rose. Die schwarze Lampe erhellte leicht den Raum. Alle Möbel waren aus dem selben Holz wie die Tür hergestellt. Wenige Zeit später entdeckte ich mein Bett. Die Decke- und Kissenbezüge waren ebenfalls schwarz, sowie alles vorhin. Schon seltsam, dass sie nicht viel sagen und mich wieder allein lassen! Das ist echt gruselig! Und ist das Wort „Gute Nacht“ überwertet? Ich verstand ihre Art und Weise nicht. Ich holte mein Handy und schrieb meiner Ziehmutter, dass ich angekommen war und sie sich keine Sorgen machen sollte, obwohl ich mich den ersten Tag nicht wohl spürte. Dann schaltete ich es aus und legte mich ins Bett. Ich schlief schnell ein.

Am nächsten Morgen rissen mich dunkle Glockenschläge aus dem Schlaf. Ich schaltete das Licht meiner Nachttischlampe an und schaute auf die Uhrzeit des schwarzen Weckers: Es war sieben Uhr morgens. Ich krabbelte mühsam aus dem Bett. Wenige Minuten später, klopfte jemand an meiner Zimmertür.  „Ja?“, fragte ich leise. „Ich bin’s Tante Adrienne, meine Kleine. Dürfte ich rein kommen?“, wollte sie wissen. Seit wann bin ich ihre Kleine? Ich bin nicht ihr Kind! „Kommen Sie  herein!“, sagte ich ihr. Sie öffnete die Tür, kam ins Zimmer und regte sich leicht auf, warum ich noch nicht geduscht un mich nicht angezogen hatte. Was ist mit ihr los? Ich habe doch nichts gemacht! Ich antwortete, dass ich erst seit ein paar Minuten wach wurde. Sie befahl mir, dass ich mich beeilen sollte, da sie mit mir wichtige Sachen zu besprechen hatte. Ich wollte wissen wo das Badezimmer sich befand. Sie wirkte gestresst und begleitete mich dorthin. Nach ein paar Schritten entdeckte ich erneut eine Ebenholztür mit einem gravierten gotischen Schriftzug, das das Wort „Bad“ hervor hob. Ich ging hinein. Tante Adrienne schritt eilig wieder davon. Schwarze Fliesen mit weißen Ornamentfiligranen waren auf dem Boden gelegt. Die Decke und Mauer waren weiß und mit französischen schwarzen Lilien tapeziert. Es sah interessant aus. Ein silberner Lüster erhellte den Raum leicht. Ich duschte schnell.

Nachdem ich geduscht hatte, zog ich mich an, stieg die Wendeltreppe und die andere Treppe hinunter und rief nach meinen Verwandten. „Wir sind im Wohnzimmer, die zweite Tür links.“, antwortete Cadell mir zurück. Ich eilte zu ihnen. Mein Onkel nahm seine Tasse Kaffee und trank einen Schluck davon. Dann setzte er sie nieder. Tante Adrienne saß neben ihm auf einer schwarzen Couch. „Setz dich!“, forderte sie mich auf. Ich schaute sie verwirrt an und fühlte mich noch immer nicht wohl hier. Ich setzte mich auf einen Stuhl. Sie sprach „Amaris, hör uns jetzt bitte genau zu! Wir müssen ein  paar Sachen verändern. Ich hörte zu, dennoch verspürte ich wieder Druck sowie zuletzt vor drei Monaten. Ich bewegte meine Arme hin und her. Was will diese Gruselfrau noch von mir? Ich gestikulierte sehr nervös. Etwas dazu zu sagen, war unmöglich! Ich biss mir auf die Unterlippe, damit ich mich nicht aufzuregen. Doch es war zu spät! Das dunkle Paar Merchand hatte mich durchschaut, jedoch sagte nichts zu meinem Verhalten. Tante Adrienne war jedoch hin leicht genervt. „Zuerst gehen wir mit dir neue Kleidung kaufen, dann zum Frisör und anderen Geschäften. Später gehen wir eine Kleinigkeit essen, dann neues Schulmaterial einkaufen und um 16 Uhr haben wir ein Gespräch.“ Wozu diese Veränderungen? Welches Gespräch? Und bei wem? Ich wollte protestieren, aber meine Stimme stockte. Wieso nahm ich alles hin, was sie sagte? Ich wusste es nicht, warum ich dies tat. Mrs. Merchand stand auf und forderte auf, ich sollte mitkommen. Ich folgte ihr. Wir schritten zum Garagentor und setzten uns in ihren Lotus. Sie setzte ihre Sonnenbrille auf. „Wir fahren Neroluz, das ist unsere Stadt. Sie ist nicht weit von hier. Nur 20 Minuten müssen wir fahren.“, erklärte sie mir ernst, „Und sei nicht so angespannt! Es wird alles gut!“ Nichts ist gut! Ich will wieder zurück nach Wicked Rose! Ich versuchte das Weinen zu unterdrücken, auch wenn dies mir sehr schwer fiel. Ich durfte keine Schwäche zeigen! Du musst stark und selbstbewusst sein!  Denk immer daran! Der schwarze Lotus rollte aus der Garage. Tante Adrienne tippte noch schnell das Ziel ins Navigationssystem.

Innerhalb von einigen Sekunden fuhr sie den Wagen mit sehr hoher Geschwindigkeit. Ich wurde nervöser und mein Herz begann schneller zu schlagen. 20 Minuten sollte die Fahrt dauern, aber wir war schon 10 Minuten vor der Zeit am Ziel angekommen. Um welchen Preis verkaufte sie  mich? Ich war nicht dumm, besser gesagt; ich war kein dummer Teenager! Das hatten Qadria und Thorn mir schon immer versichert und gemerkt, aber meine ehemals verschollene Tante hielt mich von dem einen zum anderen Augenblick für unintelligent und leichtgläubig. Das wahre Probleme war, dass ich alles hinunter schluckte und Angst hatte, meine Meinung zu vertreten. Wir parkten in der Nähe des Zentrums. Neroluz war eine mittelgroße Stadt. Ich beobachtete die Menschenmenge, die durch die Fußgängerzone schlenderten. Ihre Gesichter waren mit sehr hellem Make-up eingeschmiert. Die Augenlider waren mit schwarzen Lidschatten und die Lippen der Frauen waren mit dunklen Farben  aufgetragen: dunkelrot, dunkelviolett, dunkles Kirschrot. Jeder hatte ein unterschiedlicher Kleidungsstil, doch die Farbe war schwarz.

Meine Tante begleitete mich zu einem Geschäft, das den Namen „Royal Blood Moon“ trug. Es war ein riesiges Kleider-, Schuh und Accessoiresgeschäft; alles was die schwarze Seele beinhaltete Ich versuchte mich langsam an die Farbe schwarz zu gewöhnen und das ging unerwartet sehr schnell. Adrienne begrüßte die Geschäftsinhaberin. Sie war eine Bekannte. „Sei herzlichst gegrüßt, Adrienne“, grüßte die Bekannte sie, „Suchst du dir eine neue Garderobe?“ Ich beachtete die beiden nicht und überhörte das Gespräch. „Nein, verehrte Rhodante. Meine Nichte Amaris braucht neue Kleidung und dabei bitte ich dich, dass du sie berätst. Ich finde, dass du sie sehr gut beraten kannst und sie hier in guten Händen ist. Ihr habt zwei Stunden Zeit. Ich muss noch zur Post, denn dort müssten die Formulare vom Black Lake Gymnasium mittlerweile angekommen sein. Wir haben um 16 Uhr einen Termin bei Mr. Mephisto.  Und schick mir die Rechnung zu mir nach Hause!“ „Amaris, ich gehe noch wichtige Briefe bei der Post abholen. Rhodanthe kümmert sich um deine neuen Garderoben und weiterem. Ich bin bald wieder hier.“, setzte sie mich in Kenntnis und verließ das Geschäft. Die etwas mollige Frau mit schwarzen Haaren und kirschroten Strähnen beäugte mich mit großen Glubschaugen, wie die eines Chamäleons an und wollte von mir wissen: „Welche Kleider und Schuhgröße hast du?“
„Meine Kleidergröße ist zwischen 40 und 42 und meine Schuhgröße ist 37.“, antwortete ich ihr. Sie führte mich  zuerst den unterschiedlichsten Kleider. Die Motive von Totenköpfen, Raben, antichristliche Symbole stachen in meine Augen und die Verkäuferin und zugleich die Bekannte von meiner Tante suchte mir die verschiedensten Kleider und Schuhe aus. Sie befahl mir, diese anzuprobieren. Ich probierte die Sachen an und erkannte mich nicht selbst nicht wieder, aber solangsam fing dieser Stil an, mir zu gefallen. Der Preis der Kleidungsstücke und Schuhe waren nicht preiswert! Rhodante zeigte mir nun den Schmuck. Silberohrringe, Ketten mit gotischen Ornamenten und Silberringe passten gut zu den Kleider.  Als ich alles anprobiert hatte und die Geschäftsinhaberin zufrieden war, faltete sie die Kleider zuammen und legte sie in einen großen Karton. Die Schuhe wurden in einen anderen Karton verpackt. „Aus dir wird eine sehr attraktive Frau der Schwarzen Szene! Die Rechnung wird an deine Tante geschickt“, murmelte sie leise. Ich verstand solangsam, was die  Schwarze Szene war. Ich nickte mühelos ohne weiterhin etwas zu sagen.

Tante Adrienne kam zum richtigen Zeitpunkt wieder.  Sie  bedankte sich bei ihrer Bekanntschaft; nahm mein Paket entgegen und lief mit mir zum Frisör „Dark Magic Cut“, der auf mich wartete. Sie zeigte mir ein Bild von meiner zukünftigen Frisur; ein Stufenschnitt mit schwarzer Haartönung und grau-weißen Strähnen und einem Sidecut auf der linken Seite mit einem Halbmondmuster, den man noch verdecken konnte. Ich wusste nicht so recht, ob mir das passen würde. Ich ließ mich überraschen. „Ach die hübsche Principessa della luna! Folgt mir hier!“, empfang mich der Frisör, der Cinder hieß mit einem leichten italienischen Akzent. Prinzesssin des Mondes? Was hat das jetzt zu bedeuten? Ich folgte ihm und meine Tante sprach ihm flüsternd: „Enttäuschen Sie mich nicht, Cinder!“ „Ganz bestimmt nicht, gnädige Donna scura del mare!“, gab er ihr als sein Wort zurück. Sie wartete auf der Wartebank. Ich setzte mich auf den Stuhl und begann sein Werk auf Geheiß von meiner  leiblichen Verwandten zu realisieren. Cinder stellte mir sehr viele Fragen und erzählte mir von sehr vielen bekannten Künstler. Ich hörte halbwegs zu und antwortete ihm nicht. Er verzweifelte. Ich versuchte zu entspannen. Meine Augen schloss ich.

Nach zweieinhalb Stunden war meine neue Frisur vollendet. Ich öffnete meine Augen und fand mein eigenes „Ich“ nicht mehr. Ich war und die neue Frisur hatte mich verändert. Adrienne war begeistert und bezahlte die Rechnung.

„Hast du Hunger?“, fragte sie mich nach. „Ja, ich habe sehr großen Hunger, Mrs. Merchand.“, antwortete ich ihr. „Prima, lass uns zur „Koni Sushi Bar“ gehen! Du magst doch Sushi, oder nicht? Und nochmal, ich bin deinen Augen Tante Adrienne und nicht Mrs. Merchand!“, schlug sie vor und bat mich sie als meine Tante anzusehen und nicht als eine Fremde.  „Ja klar!“, antwortete ich ihr. Sie als meine leibliche Tante anzuerkennen fiel mir noch immer schwer. Wir schritten zur „Koni Sushi Bar“ und bestellten uns zwei Sushiboxen zum Mitnehmen. Viel Zeit wollte Adrienne im Restaurant nicht verbringen. Sie musste mit mir noch Schulmaterialien kaufen, aber bevor wir das taten, gingen wir in das Caféhaus „Obscure Star“. Sie bestellte sich einen Latte Macchiato und ich mochte einen Oreo-Milkshake. Ein Kellner brachte in wenigen Minuten unsere Getränke. Adrienne trank einen Schluck von ihrem heißen Getränk und hielt dann einen Umschlag mir entgegen. Dieser war größer als der letzte. Sie überreichte ihn mir. Bevor ich ihn öffnete, sah ich einen unbekannten Absender: Black Lake Gymnasium und Internat. Auf der Rückseite war ein schwarzer Siegel von einem schwarzen Raben zu erkennen. Das ist nicht doch nicht ihr Ernst? Sie schiebt mich ab sowie meine leibliche Rabenmutter?! Ich soll ein Internat und eine neue Schule besuchen? Ich öffnete den Brief:

Black Lake School und die vier Internatshäuser

Wickeystraße 7

713M-7G  Denicum

Betreff: Aufnahme der Schülerin  Amaris Ward

Denicum, 25.August  2006

Sehr geehrte Familie Merchand und  Amaris Ward,

wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, ihre Nichte Amaris in unserer Schule und Internat aufzunehmen. Neben Ihrem Aufnahmebrief sind die benötigte Schulbücher und Material beibelegt, ein Formular der Kleidungsvorschriften und der Kursbelegung. Sie sind in der Mazus Cross Straße zu finden.   

Vergessen Sie nicht am 01, September um 16 Uhr pünktlich im Büro von unserem Schulleiter Sir Mr.Mephisto zu erscheinen und ihm das Formular der Kurswahlbogen mitzubringen.

Mit  freundlichen Grüßen,

Lady  Drucio

(Stellvertretene Schulleiterin) 

Anhang

- Schulbücher und Material

- Kleidungsvorschriftenformular

- Kurswahlbogen

Der Brief  war vorwiegend an mich adressiert. Ich fühlte mich wieder abgeschoben. Thorn hatte Recht gehabt. Das Ziel meiner Tante war, mich loszuwerden und meine Zieheltern als Versager an den Pranger zu stellen. Diese dumme Ziege! Muss ich ihr die Würmer aus der Nase ziehen und ich alles selbst erfahren? Was weiß ich noch nicht? Thorn und Qadria haben Recht gehabt und ich wollte ja nicht hören!

Ich trank schnell den Oreo-Milkshake und setzte das leere Glas entsetzt nieder. Tatsächlich war an diesem Tag der dritte September. Meinen bestürzten Blick ließ ich meiner Tante nicht anmerken. Sie beachtete mich nicht. Sie wusste alles davon; die Kleidervorschriften und Kurse der Schule, und alles andere. Sie hatte sogar schon mein Formular der Kursbelegung ausgefüllt, doch ich hatte diesen mir noch nicht durchgelesen. Vielleicht könnte mir der Schulleiter davon erzählen.  Alles ist ihr Plan gewesen! Ich hatte versucht, mich an alles zu gewöhnen, doch dieser neue Schritt war in meinen Augen zu viel. „Und was sagst du dazu?“, wollte sie von mir wissen. „Was sollte ich denn dazu sagen?“, fragte ich sie verwundert. Auf diese Frage antwortete sie mir nicht. Ist diese Frage wieder zu erhoben? Sie trank ihren Milchkaffee leer und bezahlte die Rechnung an denselben Kellner, der uns die Getränke gebracht hatte.

Dann hasteten wir in die Mazus Cross Straße, um mein Schulmaterial und meine Schulbücher zu besorgen. In der „Spooky Somber Library And Staionery Business“ fanden wir die Schulbücher und suchten nach Schulordner und Schreibwaren.

Schließlich fanden wir die Büroartikel und die erforderlichen Bücher. Tante Adrienne schaute auf die Uhr und schreckte auf. Es war schon halb vier und wir mussten uns beeilen; zum Gespräch bei Sir Mr. Mephisto - den Schulleiter des Black Lake Gymnasiums und seinen vier Internatshäuser.

Noch eine halbe Stunde hatten wir Zeit, doch sie lief uns davon. Meine Tante und ich mussten uns beeilen. Wir liefen schnell zu ihrem Wagen. „Wir brauchen 25 Minuten nach Denicum. Das wird knapp.“, sagte Adrienne beunruhigt. Ich war genervt und legte die Einkaufstüten, sowie die Paketkiste in den Kofferrraum.

Dann schloss ich ihn. Wir setzten uns ins Auto und sie fuhr mit rasanter Geschwindigkeit zu meinem Aufnahmegespräch. Alles musste schnell gehen, sowie nach ihrem Plan und Willen. Das Bestimmen von meiner Zukunft wollte sie immer mehr erlangen, doch hatte sie nicht schon alles erfüllt? Sie fragte mich nicht einmal, wie es mir ging weder noch wie ich ihre Idee fand, da dies alles bei ihr keine Rolle spielte. Sie wirkte überfordert und war nie in meiner Anwesenheit entspannt. Dies begründete ihr Fahrverhalten. Jeden Augenblick waren wir zu spät.

Wir erreichten Denicum 15 Minuten vor der benötigten Zeit, die sie gesagt hatte. Sie fuhr durch das Eingangstor, wo ein Sprach eingraviert war: Et flamma de tenebris. Dies bedeutete im Einzelnen „die Flamme der Finsternis“. Es war auch ein ziemlich dunker Ort und ein großer Campus breitete sich aus . Das Schulgebäude lag in einem dunklen Wald. Über dem Schulgelände hinaus standen vier unterschiedliche Häuser. Ein weiteres Gebäude stand ein paar Meter vor dem Park. Adrienne parkte ihren Wagen auf dem Schulhof, obwohl dieser Platz nur dem Schulleiter gebührte. Das war jedoch ihr bedeutungslos.

Wir stiegen aus dem Auto aus und es waren noch zehn 10 Minuten bis das Gespräch anfing. „Beeil dich Amaris, wir müssen Sir Mr. Mephistos Büro noch suchen.“, sagte sie nervös. Ich seufzte und folgte ihr. Eine schlanke Dame mit einer Hochsteckfrisur und einem schwarzen viktorianischen Kleid aus Samt und Spitze kam uns entgegen und begrüßte uns mit vibrierender Stimme: „Herzlich Willkommen am Black Lake Gymnasium! Ich bin Lady Drucio, die stellvertretende Schulleiterin. Haben Sie einen Termin bei Sir Mr. Mephisto?“ Ihr Gesicht war mit sehr hellem Make-up aufgetragen und ihre Augenlider waren schwarz bemalt. Ihre Stimme klang wie eine Sopransängerin, die ihre Begrüßung sang. „Ja, wir haben eiuen Termin und zwar in fünf Minuten.“, antwortete Tante Adrienne ihr. „Folgen Sie mit!“, befahl die stellvertretende Schulleiterin. Wir folgten ihr durch einen schmalen dunklen Flur und standen anschließend vor einer dunkelbraunen Ebenholztür; diese Tür war genau aus demselben Material wie die in der Villa von meiner Tante. Neben der Tür stand ein Schild mit dem Namen des Schulleiters und die Besuchszeiten. Lady Drucio klopfte an die Tür. Ein junger Mann öffnete die Tür. „Kommen Sie doch bitte herein, Lady Drucio und?!“, fragte er nach. „Mrs. Adrienne Merchand- Myld und ihre Nichte Ms. Amaris Ward.“, erklärte Mrs. Merchand ihm. Das Büro war mit dunklen Möbel ausgestellt und Metalmusik dröhnte aus den Lautsprecherboxen die link und rechts der Stereoanlage standen. „Sir., eure Anwesenheit wird erwartet!“, wies der junge Mann auf den dunklen Bürostuhl hin, der wie ein Thron aussah. Dieser drehte sich langsam in unsere Richtung und der Schulleiter begrüßte uns willkommen. Er trug einen schwarzen Tunikaanzug und hatte mittellanges schwarzes Haar, das anfing zu ergrauen. Auf seinem Kopf trug er einen schwarzen Zylinder. Er war auch geschminkt sowie Lady Drucio und erkannte meine Tante augenblicklich. Kennt sie wirklich jeden hier? Warum sagt sie mir nichts? „Nimm Platz, meine verehrte, ehemalige Schülerin! Und wer bist du?“ , grüßte er sie und erkundigte sich, wer ich war. „Mein Name … ist ... Amaris Ward … und bin …. ich …bin … die Nichte … von Adrienne.“, gab ich abgehakt als Antwort. Oh Gott, wie peinlich!, dachte ich. „Setz dich bitte!“, befahl Sir Mr.Mephisto. „Mann, bist du erwachsen geworden!“, sagte er zu meiner Tante. Sie sprachen über vieles und ich ignorierte sie. Ich versuchte mich auf den Rhythmus und die Melodie der Musik zu konzentrieren. Das Tempo des Liedes war schnell. Die Melodie klang düster und der elektrische Bass spielte dunkle Töne. Der Sänger knurrte seine Strophe. Ich verstand nicht alles, was er sagte, aber dies war nicht der Rede wert. Wenigstens bekam ich das Gespräch nicht mit, da es mich nicht interessierte.

Aus meinen Gedanken herausgerissen, wollte der Schulleiter mich auf einiges hinweisen: „Für Jungs und Mädchen gibt es kleine Unterschiede beim Pflicht- und Wahlbereich des Wahlbogens, aber diese sind bei unserer männlichen Schüler geheim. Wenn du Fragen zu einem deiner Fächer hast, dann kannst du sie gerne stellen.“ Ich nickte flüchtig und doch verstand ich nicht, weshalb bei den Männer alles so geheim war. Er legte den Kurswahlbogen auf sein Bürotisch und fuhr weiter fort: „ Ich werde nur die Kurse deines Wahlbogens erklären: Es gibt ein Pflicht- und ein Wahlbereich. Ich erkläre dir zuerst den Aufbau Pflichtbereich. Drei Fächer sind schon voraus bestimmt: Die Sprache Englisch und der Sportunterricht. Das Fach Englisch und Latein sind schriftlich und Sport ist mündlich belegt. Eine Gesellschaftswissensschaft muss ebenfalls schriftlich nachgewiesen werden: Geschichte oder Erdkunde. Von diesen zwei genannten, kannst du dir eine heraussuchen. Dann wird eiue zusätzliche Fremdsprache ausgewählt; eine die du schon beherrschst bezeihungsweise verstehst: Französisch, Spanisch oder Italienisch. Diese Fächer sind immer in drei Wochenstunden aufgeteilt. Im Wahlbereich kannst eine weitere Fremdsprache erlernen auf Wunsch: Französisch, Spanisch oder Italienisch. Diese sind zwei Wochenstunden und schriftlich belegt. Am Ende kannst du zwei von drei Kunstwissenschaften wählen: Mode, Kunst oder Literatur. Diese werden in drei bis vier Wochenstunden eingeteilt und man kann sie mündlich oder schriftlich wählen. Und zum Schluss kannst du ein Förderkurs belegen: in Englisch, Latein oder Sport. Zweimal in der Woche besuchst du diesen. Hast du alles verstanden?“ Ich war überfordert und versuchte es nicht mitzuteilen. Er blickte mich fragend. „Ja Sir!“, antwortete ich ihn in mich hineinkehrend. „Bitte füll diesen Wahlbogen aus! Nachher werde ich dir noch etwas anderes berichten.“, ergänzte Sir Mr. Mephisto. Ich verspürte Unsicherheit und jeden Augenblick dachte ich, ich müsste mich erbrechen. Alles war zuviel. Hier sollte ich die zwei letzten Jahre High School verbringen. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, doch der Druck von Aufregung stieg erneut. Alles konnte eskalieren; das war die Tatsache. Der Schulleiter reichte mir einen schwarzen Kugelschreiber. Ich bedankte mich und füllte das Formular aus. Als Gesellschaftswissenschaft kreuzte ich Geschichte an. Die spanische Sprache war die zweite Fremdsprache, die ich gut kannte. Im Wahlbereich entschied ich mich für die Fächer Französisch, Kunst und Literatur. Literatur bestimmte ich schriftlich und Kunst hob ich mündlich hervor. Zum Schluss setzte ich ein Kreuz für das Fach Sport. In diesem Fach wollte ich mich verbessern, da ich oft die Note F* erhielt. Ich durchlies nochmal die Zeilen, ob ich alles eingetragen hatte und reichte diesen dem Schulleiter. Er überprüfte ebenfalls alles und legte den Zettel in eine Einteilung seines Ordners.

Dann legte er diesen beiseite und fragte Adrienne: „Hat Amaris schon einmal ein Internat besucht?“ Was hat er sie gefragt? Ich habe nie ein Internat besucht. „Nein, das hat sie nicht, aber es wäre besser, dass sie hier in eins der zwei Mädchenhäuser kommt, denn ich habe sehr viele Auftritte und sie braucht eine Bezugsperson, die sich um sie kümmern kann.“, informierte sie ihn. Thorn hatte mit allem Recht! Sie stellte mich als schwierig, kompliziert und minderwertig hin. Sie hatte Macht über mich und ich war befangen. Keine Entscheidung durfte ich treffen. Ich empfand noch mehr Hass für meine Monstertante. Nun sollte ich auch noch die Schule und Internat wechseln. Stopp, es reicht! Alarmstufe rot! Wie konnte sie das nur ihrer Nichte (also mir) das antun? „Ich werde Amaris nun das Schulgebäude und die Internatshäuser zeigen. Noch eine Frage hätte ich: Hat Amaris schon die passende Kleidungstücke und Schulbücher besorgt?“, wollte Sir Mr. Mephisto wissen. „Ja das haben wir schon alles erledigt.“, antwortete Adrienne ihm. Die erhobene Person stand auf, stützte sich auf seinem Gehstock ab und gab uns eine Führung durch das Schulgebäude und der Internatshäuser. Alles war still, dunkel und ein wenig unheimlich.

Zuerst zeigte er uns den Sprachenunterrichtsraum, dann die Klassensäle, wo Literatur, Geschichte und Erkunde unterrichtet wurde. Später folgten wir ihm in die Ateliers der Kunstmalerei und Mode. Das Kunstmalereiklassenzimmer gefiel mir am meisten. Es war sehr groß. An den Wänden hingen Kunstwerke von anderen, sowie ehemaligen Schülerinnen. Bei einem Bild blieb ich stehen. Es war ein Selbstportrait von einer jungen Teenagerin, die etwa in meinem Alter war und einen traurigen Blick hatte. Daneben las ich den Namen der jungen Künstlerin: Trista Myld und der Titel des Kunstwerkes war: Mein anderer Teil des Lebens. Die eine Hälfte hatte sie sich selbst in Form eines menschlichen Körper und die andere eines Zombies dargestellt. Ich betrachtete es genauer. Was wollte sie vermitteln? Sie war, wie ich sehr begabt in der Kunstmalerei, doch sie hatte eine Begabung auf Leinwände zu zeichnen. „Amaris, was machst du denn da?“, fragte meine Tante ein wenig gereizt. Der Schulleiter versuchte sie zu beruhigen. Ich seufzte und wir gingen weiter zur Sporthalle und Schulkantine. Wenige Minuten später zeigte Sir Mr. Mephisto uns die Bibliothek, die sich im oberen Stockwerk eines Schlossgebäudes, das neben dem Hauptschulgebäude befand. Zum unteren Stockwerk durften wir nicht, da dieser ja geheim war. Vielleicht befand sich dort ein Unterrichtsaal, der nur die männlichen Studenten betreten durften. Anschließend gingen wir aus dem Schlossgebäude und schritten ein paar Meter weiter zu vier einzelnen Häuser, die immer wenige Meter Abstand hatten und sich hinter gräsige Hügel versteckte. „Im ersten und zweiten Internatshaus sind unsere weibliche Schüler untergebracht. Im dritten und vierten Haus die männlichen. Lady Drucio und ich entscheiden gemeinsam, in welches Haus der Mädchen, du aufgenommen wirst.“, erzählte Sir Mr.Mephisto mir, „Du wirst es bald wissen.“ Ich hörte ihm zu und ignorierte Adrienne. Er war nett und er sollte nicht gekränkt sein. Meine Blutsverwandte sollte wissen, wie sehr ich sie hasste.

Nach den gesamten zwei einhalb Stunden war die Schulführung beendet und der Schulleiter teilte uns mit, dass ich schon an diesem Sonntag erscheinen sollte, da die Aufnahme im Internatshaus gegen halb acht abends stattfand und meine und anderen die Entscheidung gefällt werden sollte, in welches Haus ich und andere zugesprochen wurden und der Termin der Einschulung war schon am folgenden Montag. Ich fragte neugierig nach, ob es nun wirklich sicher war, dass ich aufgenommen war. Der Schulleiter bejahte. Adrienne war zufrieden und fügte hinzu: „Dann werden wir deinen Koffer und deine Schultasche fertig packen. Ich werde dich am Sonntag hierhin bringen und bleibe bis die Entscheidung getroffen ist. Wenn diese Aufnahmezeremonie zu lange dauert, muss ich leider wieder fahren, denn ich habe um halb zehn eine Probe mit meiner Musikband „Flame Snake“.“ Sie dachte nur an sich und ich war psychisch verletzt. Es gab kein Zurück mehr … Die Zeichnung von meiner Mutter warf mir noch mehr Fragen auf. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. ​​​​​​

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Kapitel:4
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Diese Story wird neben Liebe auch im Genre Drama gelistet.