Storys > Kurzgeschichten > Nachdenkliches > Den Kopf in den Wolken

Den Kopf in den Wolken

59
1
21.02.22 20:10
In Arbeit

Für Dich, ich will wollen, glaub mir.

Ich sitze auf der Treppe und warte. Warte auf ihn.

Warte, verzweifle, hinterfrage, sollte ich besser gehen?

Doch dann steht er vor mir, lächelt mich an. Seine Augen strahlen!

Er ist hier falsch, ich bin hier falsch. Was für ein gespielter Moment, ein Theaterstück, eine Liebesgeschichte, viel zu schön um wahr zu sein.

Doch die Wärme seines Lächelns ist ansteckend und ich lächle zurück. Wie lange ist es her, dass ich so lächeln konnte? Wie lang ist es her, dass ich so gelächelt habe?

Ich versinke in seinem Blick, tauche ab in seinen dunklen Augen und erlaube mir diesen Moment zu genießen. Ein kribbeln wandert über meine Haut und verschwindet in meinem Bauch. Leichtigkeit lässt meine Seele fliegen und der schwarze Nebel in meinem Kopf lichtet sich ein wenig. Ich bin hier, ich lebe, ich darf leben.
Ich lasse mich auf ihn ein und lausche seiner Geschichte. Seine Worte schenken mir Mut an das Gute auf dieser Welt zu glauben. Seine Worte erinnern mich an das Gute in meiner Welt. Plötzlich bin ich im Hier und Jetzt, in der Gegenwart, in diesem Moment. Der Druck auf meiner Brust löst sich und ich atme einige Male tief ein und aus. Während sich meine Lungen mit Luft füllen werden meine Gedanken klar. Er erzählt weiter von sich, von bunten Erinnerungen mit hellen Worten und ich höre ihm zu. Höre niemals auf zu reden, denke ich. Erzähl mir von all den schönen Dingen die unser Universum für uns bereit hält, erzähl mir von all den Dingen für die es sich lohnt zu leben.
Während er weiter erzählt verschwindet langsam die Sonne hinter den Häusern der Stadt. Dämmriges Licht umhüllt uns und Gänsehaut bedeckt meinen Körper. Allmählich beginne ich zu frieren, mein Herz jedoch glüht. Kräftig schlägt es in meiner Brust so kräftig wie lange nicht mehr. Ich würde gerne bei ihm bleiben ein wenig, in diesem Augenblick, an diesem Ort, mit ihm. Doch die Nacht verscheucht uns und unsere Wege trennen sich.


Fühlt sich so Glück an? Frage ich mich und denke an ihn bevor ich die Augen in dieser Nacht schließe.


Kaum verspricht mir die Sonne Glück höre ich es wieder, das grollen des Donners.
Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken und ich spüre die Kälte, die meinen Körper noch nicht verlassen hat. Noch immer wütet und tobt das Gewittert auf dem Friedhof der letzten Tage der letzten Monate, der letzten Jahre. Tote Sekunden, Minuten und Stunden liegen dort begraben. Ermordete Zeit, die voll Wut und voll Hass über verlassene Gräber geistert und nach Rache sucht. Schwarze Wolken rufen nach mir und eine dunkle Macht zieht mich zu sich in die Finsternis. Die Sonne verliert ihre Kraft und der Nebel verschluckt mich, umhüllt mich. Eisige Kälte dringt unter meine Haut, sucht sich den Weg in meine Adern und gleitet durch meine Finger und Zehen über meine Arme und Beine bis hin zu meinem Herzen. Das Feuer in mir erlischt. Dunkle Gedanken graben sich in meinen Kopf und Panik beginnt sich in mir auszubreiten. Da ist sie wieder die Dunkelheit, die schwarze Farbe, die meine Fröhlichkeit übermalt. Das Mädchen das ich gestern noch war gibt es heute nicht mehr.
Wie ein Schatten meiner selbst suche ich verzweifelt nach einem Kokon, einer Hülle die mich verschluckt, umschließt und einfriert. Tränen lassen meine Welt verschwimmen. Schwarze Schleier trennen mich von meinen bunten Erinnerungen und nehmen mir meine Träume. Wird mich die Finsternis jemals frei lassen? Wieder hält mich das Labyrinth in meinem Kopf gefangen. Hilflos renne ich durch leere Gänge, laufe so schnell ich kann, irre umher doch das Labyrinth scheint endlos und ausbrechen aussichtslos. Ich bin müde, bin erschöpft, komme ins wanken, torkle, stolpere und stürze zu Boden. Stille gräbt sich in meinen Kopf und plötzlich fühlt sich die Dunkelheit vertraut an. Gestohlen hast du sie mir, die schönen Worte meiner Sprache möchte ich schreien doch mein Mund bleibt stumm. Zusammenkauert liege ich in einem dieser einsamen Gänge aus Beton.

Wieder stirbt Zeit.

Auf einmal spüre ich eine seltsame Wärme auf meiner Haut, fühle Finger die mir über den Rücken streichen und Hände die mich festhalten. Langsam breitet sich das warme Gefühl in meinem Körper aus, bedeckt mich wie eine Decke aus Samt und umgibt mich wie ein Schutzwall aus Hoffnung. Seine Nähe ist es, die mir Halt gibt und der dunkle Nebel vor meinem inneren Auge lichtet sich ein wenig. Meine Welt verschwimmt erneut vor meinen Augen und die schwarzen Schleier geben mir etwas aus meinen Erinnerungen zurück. Kaum werden meine Gedanken wieder klarer spüre ich ihn. Versunken in seiner Umarmung versuche ich Kraft zu tanken. Ich bin nicht alleine denke ich und lausche dem Takt seines Herzens.

 

Autorennotiz

Aufgeben ist keine Lösung, nie.

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

0
Ziskas Profilbild
Ziska Am 21.02.2022 um 21:33 Uhr
Vereinzelt sind Sprünge in der Geschichte da & es fällt schwer zu folgen. Der Rest ist aber unglaublich mitreißend geschrieben.
Mondellas Profilbild
Mondella (Autor)Am 22.02.2022 um 10:17 Uhr
Vielen Dank für dein Feedback. :) ja, ich geb dir recht noch hat der Text einige Lücken und ich arbeite noch an den Übergängen. Naja die Geschichte ist noch in Arbeit :)

Autor

Mondellas Profilbild Mondella

Bewertung

3 Bewertungen

Statistik

Sätze:48
Wörter:864
Zeichen:4.654

Kurzbeschreibung

Begegnungen können die Zukunft verändern, vielleicht verändert diese Begegnung meine Zukunft. Doch so einfach ist das nicht, ich kann die Vergangenheit nicht einfach loslassen. Sie hat mich im Griff und ob sie mich eines Tages frei lässt, das weiß ich nicht.