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SCHACH MATT MIT DER LIEBE - Teil 2

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26.02.25 09:17
6 Ab 6 Jahren
Abgebrochen

Wochen, nein Monate vergingen und ich dachte wirklich ich hätte Paul vergessen. Jeden Donnerstag beim Schachabend sah ich ihn und die ersten paar Male fielen mir sehr schwer, es war nicht einfach mich zu konzentrieren. Am schlimmsten war es immer nach dem Schachabend, aber zum Glück konnte ich mich ablenken. Ich konnte es gut wegstecken und der Herzschmerz war nicht mehr ganz so schlimm.

Der Sommer verging, es wurde kalt und Weihnachten kam immer näher. Ander schlug vor im Pub eine kleine Weihnachtsfeier für die Mitglieder zu veranstalten. Einige von uns trafen uns an diesem Tag zwei Stunden vorher, um den Pub weihnachtlich zu dekorieren. Der Besitzer legte darauf keinen Wert. Wir hingen selbstgebastelte Sterne, Girlanden und Mistelzweige auf. Die Tische dekorierten wir mit einem kleinen Weihnachtsstern und stellten ein Teller mit selbstgebackenen Plätzchen dazu.

Als wir soweit fertig waren, ging ich nochmal kurz nach Hause, um mich umzuziehen, da meine Wohnung nicht weit vom Pub entfernt liegt. Zuhause zog ich mir mein kurzes, schwarzes Etuikleid an und machte mir einen Dutt. Links und rechts zog ich mir eine kleine Haarsträhne heraus die dezent um mein Kinn fielen. Ich schminkte mich mit ein wenig Makeup und legte einen leicht schimmerten Lippenstift auf. Zum Schluss sprühte ich mich mit meinem Lieblingsparfum ein, das ich speziell für besondere Anlässe benutze. Stolz und zufrieden betrachtete ich mich im Spiegel. Ich zog mir meine Stiefletten an, schnappte mir meine kleine Umhängetasche und begab mich auf den Weg zurück in den Pub zur Weihnachtsfeier.

Punkt 20 Uhr ging ich durch die Eingangstüre. Fast alle Mitglieder waren schon da, auch Paul. Zum Glück standen alle noch am Tresen und die Sitzplätze waren noch nicht belegt. Ich hatte nämlich keine Lust in der Nähe von Paul zu sitzen. So gut wie es ging vermied ich die Konfrontation mit ihm. Ich gesellte mich zu Christian, ein guter Schachspieler, mit dem ich schon oft Turniere gewonnen hatte. „Wow, Charlotte! Sexy schaust du aus. Hätte ich keine Freundin würde ich mich glatt an dich ranschmeißen.“ Lachend umarmte ich ihn zur Begrüßung. „Christian, du alter Charmeur! Du hast dich aber auch herausgeputzt, das Hemd steht dir. Wollen wir uns zwei Bier bestellen und uns einen Platz suchen?“ Christian nickte, “Klar, machen wir!“

So langsam nahmen dann auch alle weiteren Mitglieder ihre Plätze ein. Ander hielt noch eine kurze lustige Rede, ehrte die Jubilare und danach ging die Party so richtig los. Da Speisen und Getränke auf die Vereinskasse gingen, verlief die Feier feucht fröhlich. Die Stimmung war ausgelassen und es blieb nicht nur bei einem Bier. Der Wirt servierte Bier und von uns kreierte Schneeberge, ein Schnaps bestehend aus Vanillelikör mit einer Haube Schlagobers, in Dauerschleife. Die Musik wurde aufgedreht und kaum noch einer war auf seinem Platz. Es wurde getanzt oder an der Theke geredet.

Ich trank Bier und die Schneeberge durcheinander. Leicht angetrunken musste ich mal raus an die frische Luft und durchatmen. Durch die ganzen Leute wurde es im Pub stickig und ich hatte das Gefühl ich glühte, was auch dem Alkohol geschuldet war. Ich schnappte mir mein Mantel und ging nach draußen. Die Raucher standen vor der Türe in kleinen Trüppchen zusammen. Ich stellte mich dazu und kam mit Ander ins Gespräch. Ganz vertieft in das Gespräch bekam ich nicht mit, wie Paul auch nach draußen kam. Erst als er sich plötzlich in unsere Unterhaltung einmischte, zuckte ich zusammen, da ich nicht erwartet hatte seine Stimme zu hören. „Also wenn ihr mich fragt, ich wäre dafür das Charlotte nach München auf die internationale Schachmeisterschaft fährt. Sie ist von uns eindeutig die Beste. Ich würde alles dafür geben sie einmal im Spiel zu schlagen.“ Lachend zwinkerte er mir zu. Meine Knie wurden total weich und ich merkte, wie ich nervös wurde. „Danke, Christian hat da aber auch noch ein Wörtchen mitzureden. Besprechen wir das einfach beim nächsten Treffen, ja.“ Ich wollte so schnell wie möglich die Situation verlassen, also drehte mich um und ging eilig wieder in den Pub. Na, ganz großartig, das war überhaupt nicht auffällig.

Im Pub schnappte ich mir mein Bier und nahm einen großen Schluck. Um mich abzulenken, ging ich auf die Tanzfläche. Eine Tänzerin bin ich definitiv nicht, eher eine die den Rhythmus fühlt und dabei leicht mit wippt. Ich schloss meine Augen und bewegte mich dezent zum Takt der Musik. „Weißt du eigentlich, dass du mich ganz schön verrückt machst!“, erschrocken zuckte ich zusammen, als Paul plötzlich diese Worte in mein Ohr flüsterte. Ich war sprachlos, „Ähh, Was?“. Ich hatte überhaut nicht mitbekommen das er wieder im Pub war, geschweige denn zu mir auf die Tanzfläche gekommen ist. „Du bist ganz schon heiß heute Abend. Weißt du das nicht?“ „Danke!“, lächelnd schaute ich ihm in die Augen. Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch. „Komm mit“, sagte Paul. Er nahm mich bei der Hand und führte mich in eine ruhige Ecke des Pubs. Verwirrt ging ich mit. Was sollte das? Was war plötzlich los? Ich verstand die Welt nicht mehr. Ohne Vorwarnung drückte er mich leicht an die Wand und schaute mir tief in die Augen. Er nahm eine Haarsträhne von mir und strich sie hinter mein Ohr. Seine Hand war warm und er legte sie in meinen Nacken. Wie oft habe ich mir genau das in meiner Fantasie vorgestellt. In Wirklichkeit war es tausendmal schöner. Ich verlor mich in seinen tiefgrünen Augen und meine Knie wurden zu Pudding. Langsam kam er immer näher und ich spürte sein Atem. Er gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich hielt ganz still und genoss seine Berührung. Er merkte wohl, dass ich keine Anstalten machte die Situation aufzulösen. Tief schaute er jetzt mir in die Augen, „Darf ich?“. Ich nickte nur. Langsam kam er näher und seine Lippen berührten meine. Er drückte mich mit seiner Hand im Nacken immer näher und wir verschmolzen miteinander. Die Küsse wurden immer intensiver und wir vergaßen alles um uns herum.

Nach einer gefühlten Ewigkeit merkte ich, wie er sich langsam von mir löste. „Charlotte“, sagte er ganz ruhig, „ich werde jetzt gehen. Danke für Alles!“ Verdutzt schaute ich ihn an. Traurig lächelte er mir zu und dann verließ er ohne ein weiteres Wort den Pub.

Verwirrt und traurig stand ich zurückgelassen da. Er hat mich einfach stehen lassen, nachdem wir uns so intensiv geküsst haben. Was war passiert? Habe ich einen Fehler gemacht? Aber es ging doch von ihm aus.

Ich hatte keine Lust mehr auf Feiern. Schnell schnappte ich mir mein Mantel und meine Tasche und ging nach Hause. Tausend Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Meine Gefühlswelt war abermals total auf den Kopf gestellt. Wie soll es jetzt weitergehen? Was hat das alles zu bedeuten gehabt. Er fand mich doch heiß, oder doch nicht?

Ich ließ mich auf mein Bett fallen und die Tränen liefen einfach los.

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Weinend schlief ich irgendwann ein, ohne ein Stückchen schlauer zu sein.

 

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