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Statistik
| Kapitel: | 2 | |
| Sätze: | 259 | |
| Wörter: | 3.126 | |
| Zeichen: | 18.641 |
Seit 2023 nehme ich einen Teil meiner selbstgeschriebenen Geschichten auf und lade es auf Instagram und YouTube hoch. Diese Geschichten habe ich alle als ''Mini'' bezeichnet, da der Gedanke dahinter war, nicht länger als ein Instagram Reel zu werden.
(In den seltensten Fällen hat das gepasst.
)
Darum habe ich für 2026 beschlossen ''Mini'' zu streichen und dazu eine neue Sammlung anzufangen.
-Info- Folgende Geschichte stammt eigentlich noch aus dem Jahr 2025. Auf Instagram gab es einen Adventskalender, der jeden Tag ein Wort preisgab. Diese hat man dann der Reihe nach in einer Geschichte eingebaut.
Quelle: Der Kalender war von fruhlingslektorat (Instagram)
Die Wörter: - Karminfeuer - Sternenhimmel - Plätzchenduft - Winterwald - Nordwind - Lichterkette - Tannenzweig - Einkaufsliste - Frostnacht - Weihnachtsmarkt - Schneegestöber - Kerzenschein - Geschenkband - Eiskristall - Stille - Pfefferminz - Weihnachtsmusik - Schneesturm - Glöckchen - Wintertraum - Schneehügel - Weihnachtszauber - Morgenröte - Heimweg -
Zum Anhören auf: Instagram (15-teilig, vollständig) und YouTube (vollständig) am 3.1.2026 um 18:00Uhr
Genre: Entwicklung - Gesellschaft - Winter
Ich sehnte mich danach meine tiefgefrorenen Beine hochzulegen und die nassen Socken an dem versprochenen Kaminfeuer in der Hütte zu trocknen. Bei meiner Pechsträhne hatte ich kaum Hoffnung, dass dies in Erfüllung gehen könnte. Okay, ich hatte diese nette Dame am Fluss getroffen, die mir die Beschreibung zu der Hütte gegeben hatte aber der Typ, der mein Auto gestohlen hatte und hier im Fluss versenkt hatte, war mir wieder entwischt.
Erleichtert fand ich die Notunterkunft. Zuversichtlich sah ich eine ganze Menge Brennholz, welches noch zerkleinert werden musste. Rauch sah ich keinen aber wer hätte es mir hier auch schon vorzeitig heizen sollen? Immerhin würde mir beim Hacken wärmer werden und ich konnte mich davon ablenken, dass meine Fußspuren zweieinhalb Meter an der Hütte vorbeiführten. Ich Idiot wollte anscheinend unbedingt diese rotleuchtende Hütte unter einem malerischen Sternenhimmel erreichen. Fragte sich nur, ob ich wirklich fähig war ein Beil zu schwingen, ohne mir auch noch ein Bein abzuhacken.
An mir verzweifelnd trat ich ein. Plätzchenduft stieg mir in die Nase und ich wurde misstrauisch. Sollte ich nicht alleine hier sein? Draußen waren keine Fußspuren und hier drin war es stockdunkel. Nicht zu erwähnen, dass dieser Holzkopf hier vergessen hatte, die Holzläden außen abzunehmen, die die Scheiben schützten.
„Ha … Hallo?“, fragte ich und bekam natürlich keine Antwort. Rücklings zur Tür öffnete ich diese wieder und lief ebenso umständlich wieder hinaus. Gut eine Minute starrte ich, die von mir geschlossene Tür von außen an und wusste nicht was ich tun sollte. Sicherlich wäre es eine fantastische Idee wegen Weihnachtsgebäck in diesem hübschen Winterwald zu übernachten, nicht wahr?
Zum x-ten Mal an diesem herrlichen Tag kratzte ich meine geschädigten Nerven zusammen, löste die Holzverschläge und trat ein. Mein Blick fiel sofort auf eine Wanduhr, die eine schmale, dafür aber mannshohe, weißgraue Platte war, mit winziger, ablesbarer Fläche. Okay, dachte ich an meine letzte gehörte Nachricht zurück. Ich hatte es immerhin noch vor dem angekündigten, heftigen Nordwind hierhergeschafft. Glückspilz, würde ich sagen. Positiv denken, Holz hacken, reinschaffen, Socken trocknen, Decken suchen und mich an den unzähligen gut duftenden Plätzchendosen bedienen. Man könnte es schlechter haben.
‘‘Jingle Bells‘‘ summend schweifte ich in der Hütte umher, um ein Beil zu finden. Also strenggenommen war das der eigentliche Plan. Stattdessen strich ich über jede Lichterkette, die wieder eine andere Ecke der Hütte schmückte. Es war zu verlockend sie einzuschalten, auch wenn ich mir einredete, dass ich es nur machte, weil es schon so spät und dunkel war.
Später, als ich schon fast ein ausreichendes Häufchen Holz gespalten hatte, kam ein uneiniges Paar vom Schnee und Wind weißverklebt auf die Hütte zu. Strich, ich würde wohl meine Bleibe mit ihnen teilen müssen. „Sie waren aber nicht gerade fleißig“, bewertete die Frau meinen gespaltenen Holzhaufen, während sie ihre Begleitung harsch zu Tür hin zerrte. Entrüstet über ihre Bemerkung, legte ich meine Arbeit nieder und hob ein paar der Spalten auf. Wie ich mich davon wieder aufrichtete, sah ich einen Tannenzweig in der offenen Tür liegen.
Dieser Tannenzweig ärgerte mich deshalb, weil ich erkannte, dass es von einer Kilikirsche-Tanne stammt, welche ich A: In meinem versenkten Auto transportiert hatte und B: Diese Baumart es hier gar nicht gab. Aufgebracht stolperte ich in die Hütte nach. Das Pärchen saß bereits auf der Sitzbank um den Ofen herum. „Was soll das?!“, brachte ich wenig verständlich rüber. Die Bande verstand nämlich, dass ich wegen ihrem Eintreten sauer war. „Sie werden wohl etwas teilen können! Es ist Weihnachten!“ „Ende November“, korrigierte ich aus purer Gewohnheit. Die Frau sprang auf und fuchtelte mit einem beschriebenen Zettel herum. „Glauben sie etwa, ich schaffe den ganzen Einkauf, wenn ich erst im Dezember anfange?“ Ich blinzelte irritiert. „Ist das etwa eine Einkaufliste?“ Meine Wut war erloschen. Doch der Wahn ersetzte sie. Nach kaum zwei Sekunden begann ich gestört zu lachen. „Sie sind weit abgeschieden, mitten in der Pampa und bald vielleicht für Tage eingeschneit und sie schreiben ernsthaft einen Einkaufzettel. Ich werde die Frauen wirklich nie verstehen.“
„Joy“, meldete sich der Junge, reckte seinen Arm in die Höhe, wie ein Metalhead, wie ein maßlos betrunkener Metalhead. Da hatte ich wohl meine Begründung, wie er hatte mein schönes Auto zehn Meter neben der kerzengeraden Straße im Fluss versenken können. Der Kerl war knüppeldicht! „Wir können sie auch wieder vor die Tür setzen. Eine kleine Frostnacht könnte ihnen sicher helfen, ein wenig Nächstenliebe zu lernen!“, giftete mich die Frau an, die zusätzlich einen übertriebenen Schmollmund zog.
Der Betrunkene lallte etwas und schlug vergnügt mehrmals auf den Tisch. „Natürlich steh ich wieder auf den Weihnachtsmarkt. Es ist die schönste Zeit im Jahr!“ quittierte sie das unverständliche Gebrabbel. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass mein Blick hin und her schoss. Bei dem Anblick seines grünen, fellartigen Pullis, bei dem die Kapuze aufgezogen war und ihrem weißen Rollkragenpulli mit goldenen Akzenten, dachte ich mir so wieso nur noch meinen Teil.
Geschlagen legte ich Holz in den Kamin. Es hätte schon früher passieren können, den das anfänglich sachte Schneegestöber wurde immer mehr zu einem Sturm. Und ich wollte den Ofen hier nicht brennen haben, wenn es ganz ungemütlich wurde. Keine Ahnung, ob der heftige Wind draußen, nicht dafür sorgen würde, dass wir den ganzen Rauch, hier drin hatten.
„Lass mal“, tippte mir die Frau versöhnlich auf die Schulter. Als ich mich umwandte, knipste sie bereits die Lichterketten aus. „Wir sparen uns die Batterien auf und nehmen zuerst die Kerzen, die ich sowieso nicht verkaufen kann.“ „Oh Kerzenschein, Oh Kerzenschein, im Garten steht dein Weihnachtbaum“, trällerte der Betrunkene los, was mich veranlasste ihm ein Plätzchen in den Mund zu stopfen.
„Hey!“, beschwerte sie sich an seiner Stelle. „Die werden alle verkauft. Das hat ewig gedauert, die alle zu backen.“ Skeptisch sah ich die abertausend, identisch aussehenden Dosen an. Wenn darin wirklich selbstgebackene Kekse lagerten, wollte ich nicht wissen, wie alt diese waren. „Dann lasst uns mal beginnen.“ Womit, lag mir auf der Zunge, als ich mich zurückwandte. Doch der Anblick vierer, schiefer Kerzen auf Tellern in Renntierform, ließ mich das vergessen. „Sind die selber gebunden?“ Sie deutete schief lächelnd auf meine Schuhe. „Wenn ich noch Zwei wäre, wüsste ich das.“ „Sieht schön aus. Du nimmst das Geschenkband.“ Aus Überforderung schwieg mein Hirn und somit auch ich.
„Jetzt steh nicht rum, wie eine Straßensperre, die den Weihnachtsmann nicht durchlässt. Schnapp dir die Tüten und das weiße Band mit den Eiskristallen. Die Kinder werden sich freuen.“ „Welche Kinder?“, fragte ich verdattert, erwachte aber so allmählich aus meiner Starre und setzte mich mit den Utensilien an den Tisch. „Sie besengd jedes Wind midem Kind“, erklärte mir der Typ, senkte den Kopf, reckte dabei den Arm und streckte zwei seiner Finger aus. Allerdings wurde er hecklastig und schlug mit der Stirn auf den Tisch auf.
Wir erschrocken, er vermutlich benommen, herrschte eine Weile Stille zwischen uns. Zumindest bis er endlich wieder den Kopf hob und faselte: „Ganz schwön hardwer Kopf, Kumfel.“ „Sollten wir ihn vielleicht nicht zum Arzt bringen?“ „Bei dem Wetter?“, entgegnete sie ruhig und deutete zu dem Fenster. Der Sturm hatte beachtlich zugelegt. „Schaffe ich es noch die Fenster zu schließen?“ „Stimmt. Die Bäume drum herum könnten eventuell die Scheiben einschlagen.“ Ihr rechtgebend brummelte ich etwas und stand, die Fenster an fixierend auf. Doch für diese Schutzmaßnahme war es mittlerweile zu spät. Der Wind presste die Tür zu.
„Halt die Klappe!“, fauchte ich hysterisch, als ich, in meiner ohnehin schon misslichen Lage, sah, wie der Betrunkene schon wieder anfangen wollte zu singen. „Schrei nicht schon wieder rum und setzt dich hin, du Jammerlappen!“ „Ja …“, setzte ich empört an, wurde aber von ihrem hektischen Aufrichten und dem zornigen „Setzen!“ unterbrochen. Keine Ahnung wieso aber ich gehorchte. „Ich hab nen strengen Zeitplan, keine Helfer und wenn sich der Sturm hält, wie versprochen, bin ich pleite. Also halt du endlich deine verdammte Klappe und akzeptiere, dass es auch noch andere Menschen außer dir gibt, die durch diesen verfickten Sturm vielleicht bald keine Existenz mehr haben.“ Obwohl ich angeschrien wurde, sah ich wie erstaunlich präzise der Betrunkene auf einmal Plätzchen einpacken konnte. „Du hast Pfefferminz?“ Plötzlich war die Frau wieder ganz entspannt. „Äh, ja.“ „Kann ich was abhaben?“ Unsicher reichte ich ihr die verknautschte Verpackung.
„Jetzt hab dich nicht so und sei froh, dass du nicht mehr da draußen bist.“ Sie klopfte mir auf die Schulter. Zeitgleich entnahm sie meiner Packung erneut Pfefferminz. Ich würde wohl gut darauf aufpassen müssen, wenn ich nicht bald ohne dastehen wollte. „Was bist du beruflich?“ „Archivar.“ „Ha! Unser Vater auch. Hast du gehört?“ Sie stieß ihren Bruder an, der noch ewig lang nachschaukelte, ehe er erstaunlich nüchtern erklärte, dass ein Archivar kein Sammler sei. „Ihr Vater sammelt?“, fragte ich nur, um nicht zu schweigen. „Fragst du mich oder ihn?“ Während sie lächelte und das fragte, starrte er mich an, als hätte ich etwas Verbotenes erfragt. „Dreimal darfst du raten, warum ich Weihnachten verabscheue.“ „Ach komm, das ist gar nicht wahr“, grätschte seine Schwester dazwischen. „Du summst das ganze Jahr über die Weihnachtsmusik nach.“ „Weil der Dreck mir das ganze Jahr ums Ohr flötet.“
Ängstlich wanderte mein Blick zum Fenster ab. Der Schneesturm draußen war unfassbar laut. Ich meinte unter dem Rauschen sogar Bäume krachen zu hören. Okay, das waren vermutlich eher meine Nerven aber das ich das Fenster nicht mehr hatte schützen konnte, machte mich nervös. Keine Ahnung wie viel ein kaputtes Fenster kosten würde. Ich würde mir ein neues Auto kaufen müssen, mal ganz davon abgesehen, was mich eine Rückfahrt nach Hause erst wieder kosten würde.
„Nehmen sie. Dann geht es ihnen wieder besser.“ Die Frau schob mir ein Lebkuchen zu, der die Form eines Männchens hatte. Ihr Angebot war zwar nett aber ich hatte nicht vergessen, dass ihre Existenz von den Backwaren abhing. Also packte ich es in eine Tüte und band eine Schleife rum. Nach meinem beiseitelegen, stand ihr Bruder auf, torkelte eine Weile, bevor er erstaunlich geradlinig einen Stapel Tütchen herbeischaffte. Auf meiner Höhe zurück begann er recht genervt ‘‘Kling Glöckchen kling‘‘ zu singen. „Das ist Süß. Auf das Lied ist er als Baby am meisten abgegangen.“ „Ich dachte auch, dass der Weihnachtsmann mein Vater ist und der Nordpol nur verschleiern soll, dass er eigentlich genau unter den Kindern lebt, die er beschenkt.“ Unweigerlich musste ich lachen, denn als ich damals herausgefunden hatte, dass meine Eltern die Geschenke unter den Baum legten, war ich tödlich beleidigt und vermieste den anderen Kindern das Fest. Ich ging so weit, dass ich eine ganze Woche Stubenarrest verdient hatte.
„Was lachen sie denn?!“, fragte er und traf bei seiner drohenden Annährung gerade noch so den Tisch. „Ich lache nicht über sie“, gestand ich und hatte mich noch kaum in den Griff bekommen. „Ich glaube ich weiß, was sie denken“, kam sie meiner genaueren Erklärung zuvor. „Noel, komm setzt dich.“ Warum auch immer hatte ich erwartet, dass sie wieder von Null auf Hundert sauer sein würde aber sie klang liebevoll und Noel gehorchte ihr. „Wie ein Wintermärchen, stimms?“, wandte sie sich wieder an mich. „Wie … äh was?“ „Alptraum! W A H … Traum, halt!“, versuchte er es zu buchstabieren, bekam es aber nicht gebacken und ließ es schließlich sein. „Ein Weihnachtstraum …“ „Bor Natalia! Es ist nicht alles immer Weihnachten! Nenns anders verdammt! Ich kanns nicht mehr hören!“ „Weihnachten anders nennen?“, verstand ich nur noch Bahnhof. Natalia kicherte. „Das hier, Herr Archivar.“ „Boreas Wintermann“, korrigierte ich wie am Anfang und wurde wieder falsch verstand. Noel ging davon aus, dass ich, wie er den Winter verabscheute. Seine Schwester bastelte aus meinen Namen gleich ein Kosewort für unsere missliche Lage, die laut ihrer Erklärung wie ein klischeehaftes Weihnachtmärchen rüberkam. Unsere Situation war also ein Wintertraum. Wie gesagt, ich versteh von Frauen nichts. Am wenigsten verstand ich dieses Individuum. So scherrte ich mich doch lieber wieder um die Packungen. Kekse hinein, Tüte zu, weitergeschoben zu Noel, nächste Packung.
„Sag mal …“, begann dieser nach seiner Qualitätskontrolle, musste aber eine ziemlich lange Pause einlegen. Es fiel ihm sichtlich schwer zu reden und dabei seinen Körper in der Waage zu behalten. „Wieso bist du hier?“ „Ich? Na ja ich habe einen Typen verfolgt, der meinen Skoda Octavia gestohlen hat.“ „Ach deshalb waren sie im Fluss, bei dem kalten Wetter. Ich dachte echt, dass sie nicht mehr alle Latten am Zaun habe.“ „Ich finde das nicht witzig. Die Versicherung wird mir nämlich nix zahlen, da ich beim Ausladen vergessen habe meinen Schlüssel abzuziehen. Defacto darf ich die Räumung aus eigener Tasche zahlen, plus das Reinigen des Flusses vermutlich, der ein geschütztes Gewässer ist. Wenn ich Pech habe, verklagt mich der Fischerverein und sie sind garantiert noch minderjährig.“ „Wieso greifen sie dauernd meinen Bruder an?!“ „Weil er die Person ist, die mir meinen Wagen gestohlen hat.“ Zum Beweis hob ich den Tannenzweig hoch. Doch zu weiterer Ausführung kam ich nicht mehr. „Sind sie eigentlich gegen einen Schneehügel gefahren?! Mein Bruder hat keinen Führerschein, ist siebzehn und sturzbetrugen! Außerdem war er bis vor kurzen in Auer bei einem Metalkonzert.“ Da hatte ich ein weiteres belastendes Mittel. Ich lebte in Auer, genau neben dem Konzert, dass sie meinte.
„Ey und des war en Auto vom Kumpel. Schlüssel steckt, der Tank ist aber nur noch en bisserl voll oder so.“ „Ich glaub es hackt!“ Ich zuckte zusammen, als sie auf den Tisch schlug. „Du bist gefahren?! In diesem erbärmlichen Zustand?!“, brach der Vulkan aus und es bedurfte wohl einen Weihnachtszauber sie je wieder zu beruhigen. Ich stand auf, schaltete einen Radio ein, der kaum sichtbar hinter den Dosen hervorgelinst hatte. Damit war wieder Ruhe eingekehrt und ich fuhr mit dem Einpacken fort.
„Warum geht das Ding?“, fragte er nicht ganz unbegründet. Noch immer war draußen die Hölle los und ohne Hilfe von außen würden wir auch danach noch festsitzen. „Wer von euch hat eine Telefonnummer von jemanden, der uns hier freischaufeln kann?“ Erst kam keine Regung, dann aber hoben beide brav, wie Schulkinder, ihre Finger. „Ich möchte, dass ihr eure Handys kontrolliert …“, befahl ich über das Verpacken hinweg. Beide hatten Handys dabei, beide Bildschirme leuchteten auf. „Schreibt euch je die eigene Pinn auf einen Zettel und packt es in eure Tasche“, fuhr ich fort und tat es auch. „Und nun entscheidet, wer von euch das Handy ausmacht. Akku sparen, damit wir nach dem Sturm auch jemanden anrufen können.“ Schon vor meiner Erklärung, schaltete ich meines aus. Ich hatte niemanden, der sich bei mir erkundigen würde und auch niemanden, der mir etliche Kilometer entfernt zur Hilfe eilen könnte. Dennoch hatte ich die Option, sollten ihre Akkus versagen, den Rettungsdienst zu verständigen. Die beiden entschieden sich dafür, ihr Handy auszuschalten, da sie am wenigsten Akku hatte und der Vater eventuell zuerst bei dem Sohn anrufen würde. Wie ein Mahnmal lag ein Zettel mit dessen Telefonnummer in der Mitte. Sollte etwas sein, wüsste er, wo die Hütte war und hätte die Mittel uns freizuräumen. Vorerst hieß es jedoch aussitzen und zur Beschäftigung Plätzchen verpacken. Irgendwann wurden wir nacheinander müde. Der Erste, der schlief, war unserer Alkoholisierter. Ich stand auf und schlug eine zweite Wolldecke um ihn. Wir hatten genug davon. Weshalb ich später auch sie dicker einpackte. Ich selbst hielt mich wach, bis die Morgenröte es schaffte, ein wenig durch die verklebten Scheiben zu dringen.
Der Sturm hatte sich gelegt, war nur noch ein schwaches Rauschen. Testweise rammte ich gegen die Hüttentür hatte aber keine Chance. Damit wir es wenigsten warm hatten, machte ich uns ein Feuer und weckte dann die Kinder mit meinem Fund von einer Kiste Wasser auf. „Wer ruft an?“ Trotz meines Lärmes wachte nur Noel auf. „Aufstehen!“, wurde ich bei ihr gröber. Glücklicherweise kam sie zu sich. „Setzt euch vor an den Ofen!“ befahl ich und trieb sie dazu an. „Alles gut. Meine Schwester schläft immer wie en Granitblock.“ „Trinken!“, blieb ich im Panikmodus, da mir nicht mehr einfiel, ob wir gestern etwas Getrunken hatten. Noel griff danach in die Kiste, reichte eine Flasche an seine Schwester, dann eine an mich und nahm sich eine am Schluss. In umgekehrter Reihenfolge begannen wir zu trinken. Meine Nerven entspannten sich, nachdem auch sie fit aussah. „Geht dein Akku noch?“ Stirnrunzelnd sah der Angesprochene nach. „Nö“, war alles, was er von sich gab. Natalia seufzte und kramte dann ihres hervor. „Haben sie einen Überlebenskurs belegt?“, fragte sie mich, während sie darauf wartete, das es anging. „Nee aber wenn man ständig im Archiv eingeschlossen wird, entwickelt man wohl seine Methoden“, grub ich den Witzbold aus, den vermutlich niemand verstand. Das war mir jedoch egal, denn wenn wir erstmal alle den Heimweg angetreten hätten, würden wir uns sicher nie wieder sehen.
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| Kapitel: | 2 | |
| Sätze: | 259 | |
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