Autor
|
|
Bewertung
Statistik
| Kapitel: | 26 | |
| Sätze: | 949 | |
| Wörter: | 10.070 | |
| Zeichen: | 60.170 |
Yis Amander und Jild Fossken sind meine Hauptcharaktere aus "Hauptgewinn: Mörderinsel" und dem bislang noch nur als Leseprobe veröffentlicht, zweiten Teil "Familienausflug: Arktis"
! Alle Geschichten die du hier findest sind auch in meinen Hörbuchsammlungen !
Inhaltsverzeichnis:
--- Der Wunsch etwas zu sein
In der Hoffnung akzeptiert zu werden, versteckt sich der junge Yis hinter Postern mit Wasserbootsport. Der grimmige Privatpolizist kann diese Verzweiflung nicht hinnehmen und zwingt den Jungen seine eigene Lüge zu erleben.
--- Der Polizist und sein Plagegeist
Jild ertappt seinen Schützling dabei, wie er etwas beobachtet. Handelt es sich dabei um die Gangs, in dessen Nähe er ihn schon öfters beobachtet hat? Jedenfalls befindet sich besagtes Zielobjekt in der Nähe seines eigenen Hauses, weshalb er wohl etwas unternehmen muss.
--- Die Leiche am Filmset
In einer Zeitung entdeckt Yis, dass man Kinderschauspieler in seinem Alter sucht. Vielleicht ist es eine Chance endlich ehrliche Freunde zu finden. Im Beisein seines Aufpasser hält er das für eine fantastische Idee.
--- Das Unwetter am Strand
Es ist Yis gelungen sich im Auto des Privatpolizisten zu verstecken. Dumm nur, das sie mitten in ein heftiges Unwetter geraten und sie Zuflucht finden müssen. Jild ist darüber am wenigsten begeistert. So muss er auch noch in dieser Lage auf ein Kind aufpassen.
--- Eine "Bambi-Mami"
Gemeinsam beobachten sie Tiere im Wald. Dabei bemerkt Yis ein junges Reh ohne Mutter. Sofort macht er sich Sorgen und will es suchen. Kann er das mit Jild an seiner Seite?
--- Ruf der Wildnis
Ein verrückter Traum am Lagerfeuer. Als würde ihn die Wildnis rufen, in die sich der Privatpolizist so gerne stürzt. Ob es so seltsame zwiiiip-Rufe in der freien Wildbahn wirklich gibt und was grillt sein Mentor da eigentlich?
--- Ballonfahrt mit Tollpatsch
Der Ausflug mit dem Heißluftballon geht schief. Yis und Jild stürzen ab. Es gilt sich irgendwie zu retten. Doch an Bord gibt es nur einen Fallschirm. Wer springt mit Absicherung, wer riskiert den Sprung?
--- Ehekrise
Gredo Freiherr von Krups kommt gerade von einer Reise zurück aber statt das Versprechen an seine Frau einlösen , nimmt er einen Auftrag von Jild an. Sein Kerbholz hat mehr Kerben als ihm bewusst ist.
--- Wahrheit oder Pflicht
Yis fährt extra nach Bayern um mit Gredo Wahrheit oder Pflicht zu spielen. Getreu seiner chaotischen Art versucht er auf diese Weise an Informationen über seinen Mentor heranzukommen, die vermutlich nur er ihm geben kann.
--- Das innere Kind
Für Gredo und Yis geht es in den Freizeitpark. Aphrodite wird dort dem Jungen seinen zukünftigen Mann zeigen. Doch es ist kein Mensch.
--- Auf Abenteuersuche
Yis ist bereit für ein neues Abenteuer. Doch gilt es auch den grummeligen Rentner davon zu überzeugen. Er ist ja sein Profi. Er hat nur das Material bestellt.
--- Die Meerjungfrau
Kaum zu glauben, doch ist Yis bei einem Ausflug mit Gredo einer Frau begegnet, die eine Meerjungfrau zu sein scheint oder aber er hat noch ein anderes Talent, außer das Atmen zu vergessen.
--- Fang mich
Yis will fangen spielen aber dazu kann er vermutlich nur Gredo überreden. Also fährt er nach Bayern und fragt ihn. Die Regeln darf sein Mentor bestimmen.
--- Ein Hauch Liebe (Veraltete Version)
In allen Versionen geht es um eine der ersten Begegnung zwischen Saritara und ihrem späteren Mann Jild.
--- Ein Hauch Liebe (Ein Sinn Challenge - sehen)
--- Ein Hauch Liebe (Ein Sinn Challenge - sprechen) (fail)
--- Ein Hauch Liebe (Ein Sinn Challenge - hören)
--- Ein Hauch Liebe (Ein Sinn Challenge - sprechen) (neu verfasst)
--- Gangs verzeihen nicht
Yis will sich nur ein Eis kaufen, doch plötzlich fliegen Autos in die Luft und er muss sich mit einen Sprung in einen Fluss retten. Seine kriminelle Vergangenheit holt ihn ein.
--- Adventskalendergeschichte
Der grimmige Jild Fossken fragt sich, warum er sich eigentlich einen Weihnachtsbaum gekauft hat und dann kann sein Plagegeist auch noch Weihnachten und Geburtstag nicht auseinander halten.
Yis betreffend
Wieder hatte ihn der schlecht gelaunte Polizist von der Schule abgeholt und ihn ins Waisenhaus gezerrt, als er nicht aus dem Auto aussteigen wollte.
„Aber Herr privat Polizist, ich will hier nicht sein.“ „Das interessiert mich nicht!“ „Aber du bringst mich immer wieder hier her!“ Als hätte er seine Davonlauf-Aktion gerochen, hielt er ihn am Shirt fest und zog ihn in sein Zimmer und auf sein Bett.
„Bau keine Scheiße, sonst bin ich irgendwann gezwungen, dich zu erschießen.“ „Das sagt man zu Kindern nicht!“ „Zu welchem Kind? Das, dass ich heute hinter dem Steuer eines geklauten Autos gesehen habe?!“ „Ich will doch nur Freunde haben.“
„So ein Müll!“ Damit riss der halb Fremde ein Poster über Wildwassersport von der Wand. Dem folgte noch ein harmloseres Bild, eines im Wasser liegenden Schlauchbootes.
„Mach was gescheits und verkriech di ned hinter dem glogana Schreißdregg!“ Obwohl er ihn mit den beiden Papieren abwarf, kicherte er über seinen Dialekt. Er liebte es, wenn er dem verfiel.
Der deutlich ältere murrte, wohl bemerkt, dass er witzig war. Er hasste Humor und daher transportierte er die Kichererbse wieder in sein Auto und fuhr zu einem See.
„Du findest schwimmen cool?“ „Boote, Herr privat Polizist“, kicherte er noch immer, was der Stimmung nicht unbedingt zuträglich war. Mit schweren, drohenden Schritten ging er an sein Auto zurück, holte ein kleines Schlauchboot heraus und warf es möglich weit in die Mitte des Sees.
„Dann verdiene es dir!“ „Okay“, wurde das Kind abrupt ernst, sprang in den See und schwamm zu seiner Belohnung, die er allerdings auch noch aufpusten musste.
Als er wie ein Leichensack über seiner Errungenschaft hing, erbarmte sich der schlecht gelaunte Polizist und zog ihn wieder an Land.
Jild packte sich dieses Kind, welches er ständig in der Nähe gefährlicher Gangs erwischte. Sofort hielt er ihm den Mund zu und überprüfte, was er neben seinem Haus beobachtete. Seine stets zornige Miene verzog sich kaum merklich. Danach wollte er ihn eindeutig schnell da weg haben. Was zur Folge hatte, dass er ihn, wie ein ungeliebtes Gepäckstück auf den Rücksitz schmiss.
„Red!“, befahl er, als er sich selbst auf den Fahrersitz gesetzt hatte. „Ich ... äh ... was soll ich denn reden, Herr Privatpolizist?“ Ängstlich schrumpfte er im Sitz zusammen. „Warum bist du nicht in der Schule?“ Mit dieser Frage schmiss er den Motor an und würde ihn dort, wie so häufig, abliefern.
„Ich darf die Antwort doch nicht mehr geben.“ Halbwegs gelang es ihm sein Schluchzen leise zu halten. „Es gibt ein Vortrag.“ Als wäre er ein gespanntes Gummiband gewesen, fatzte er hoch und haspelte seine Schlussfolgerung und Entdeckung zusammen.
„Du Schule Einbruch halten Scherben toll Fenster.“ Jild latschte auf die Bremse. „Aua.“ „Heul nicht und ordne sofort deinen Kopf!“ Eingeschüchtert kroch er wieder zurück und traute sich nicht ein Wort zu sagen. „Schule! Was willst du damit sagen. Überlegen, Pause, antworten! Anstrengen!“ Letzterer Befehl machte den jungen wieder kerzengerade.
„Du machst den Vortrag, damit die anderen Angst vor dir haben und mich mal nicht mobben. Ich darf nur nicht sagen, dass das voll nett von dir ist. Sonst machst du es doch nicht. Also bedank ich mich unterschwellig, Herr Privatpolizist.“ „Das war kein bisschen unterschwellig!“ „Na ja, ein bisschen deutlicher wollte ichs dann doch sagen.“ „DAS Nächste! Der Einbruch?!“ „Jemand hat das Fenster kaputt und eine Taschenuhr gestohlen, eine Marie-Antoinette Nr. 160. Voll teuer, weißte?!“ Der Polizist knurrte ernst, woraufhin Yis sein ''Weißte'' korrigierte.
Bevor die Glocke läutete schritt der grimmige Mann ins Schulgebäude. Diesmal war er sogar noch früher da als sonst. Man könnte sagen, er hätte geahnt, was sein Schützling heute versuchte, denn er rannte ihm direkt in die Arme.
„Frag nicht warum und lern gefälligst, schlauer zu sein!“ Der Fünfzehnjährige, der seine Haare rotbraun gefärbt hatte, schaffte es sowohl erleichtert als auch enttäuscht zu wirken. Natürlich hatte er ihm entrinnen wollen, um an dieser dummen Mutprobe teilzunehmen. Allerding wusste er auch, wie lebensgefährlich die Aktion war. Dumm war nur, dass sich diese kleine, naive Seele erhoffte endlich wahre Freunde damit zu finden.
„Bis zum Auto liest du das!“, befahl er und drückte ihm die Tageszeitung in die Hand. Natürlich war auf der Titelseite das Endergebnis eines illegalen Straßenrennens zu sehen. Acht Tode und ein Schwerverletzter, der allerdings heute morgen verstorben war.
„Die suchen Kinderlaienschauspieler.“ Grummelnd entriss man ihm die Zeitung wieder. „Ich würde vom Alter passen.“ „Ne Seifenoper“, schien der Älter halb zu Kotzen.
„Darf ich da mal hin?“ „Du hast keine Ahnung was ''Verliebt hinter Fassaden'' ist.“ „Du doch auch nicht. Oder hast du eine Frau?“ Unerwartet schnell hatte er ihn am T-Shirt Kragen und zerrte ihn daran zu seinem Auto.
Dort verbat er ihm zu Reden und schnallte ihn auf der Rückbank fest. Wissend, dass dort die Kinderscherung drin war, versuchte er gar nicht erst zu entwischen. Überhaupt war dieser nie uniformierte Polizist jeder seiner Fluchtfantasien gewachsen. Was ihn ehrlicherweise auch gefiel. Es hatte so etwas Fürsorgliches an sich und manchmal wünschte er sich, er wäre sein Papa.
Während der Fahrt kam er auf die Idee seine Betreuung vom Heim anzurufen. Wenn er diese überredet bekam, würde sich auch die Bereitschaft seines ''Stell koi Dummheiten o und mach was gscheids''-Aufpasser erhöhen.
„Sie hat gesagt, ich darf, wenn sie aufpassen, dass ich keine Dummheiten mache.“ „Und wenn ich nicht aufpasse?“ „Bitte vielleicht kann ich dort ein paar Freunde finden.“ Der Mann lachte, sah danach in den Rückspiegel und willigte ein.
Allerdings schien es dem Jungen dann erst eine utopische Vorstellung zu sein. Das Ganze hatte er beschlossen, weil er sich bei diesem Mann wohl fühlte. Davon abgesehen, machte er sich bestimmt nicht beliebter, sollte er es versuchen bei einer Schnulze mit zu spielen.
„Wir sind da?“, sagte der nicht uniformierte Polizist und reichte ihm ein Schreiben nach hinten. Diese Erlaubnis hatte er abgeholt, während er noch in seine trübsinnigen Gedanken versunken war.
„Diese Tür dort vorn. Verlauf dich nicht.“ Damit stieg der Mann hastig aus und pirschte einem Snakehead-Gang-Mitglied hinter her. Eine kurze Weile blieb er noch sitzen. Dann aber beraffte er sich und folgte den Schildern ''Tatort: Mord hinter Fassade''.
„Hallo?“, rief er unsicher, als er sich in eine dunklen Halle wiederfand. „Hast du dich verlaufen?“, erwiderte eine Männerstimme, die kurz darauf gurgelte und sich verschluckte.
„Entschuldigung“, hüstelte die blutüberströmte Person, die A gerade das Licht angemacht hatte und B ihn mit blutigen Wasser bespuckt hatte. „Sorry. Bring dich kurz zur Kostüm Leichni.“ Bevor er das Kind, welches er bei Licht für einen Volljährigen hielt, mitnehmen konnte, rannte es davon.
Zwischen den Dünen tauchte eine blaue Hütte auf. Die roten Fensterläden schlugen gegen die Wände. „Sieh nur, Herr Privatpolizist“, schrie Yis gegen den Wind an, obwohl es noch nicht nötig war. Vier bis fünf Meter hinter ihm lief der Angesprochene. Seine Laune schlechter, als das Wetter werden würde.
„Ich wusste doch, dass ich einen Unterschlupf gehört hatte.“ Begeistert klatschte der Fünfzehnjährige in die Hände. Eigentlich wäre er nicht hier, doch hatte er es geschafft, sich im Auto seines ganz persönlichen Beschützers zu verstecken.
„Steh!“ Kaum war der Befehl gehört und ausgeführt, knickte ein Fahnenmast um. Die Spitze zeigte exakt auf den Jungen, welcher etwa eine Minute später zurück stolperte und dann hinfiel.
„Hoch!“, befahl jener, der ihn widerwillig begleitete. Allerdings hatte er nun endlich aufgeholt und zog ihn hoch.
„Lauf weiter!“ Der Wind nahm immer weiter zu. Jeder hätte nun erkannt, dass ein heftiges Unwetter aufzog. Jild konnte nur hoffen, dass die Hütte stabil war. Schließlich war er nicht der Erziehungsberechtigte und das Heim, in dem er lebte hatte er auch nicht verständigen können. Kein Netz und nun ging auch noch das Finden eines sicheren Unterschlupf vor. „Ist verlassen“, rief sein Problem ihm zu. Eigentlich verstand er nur "assen" aber als ein Zettel von der Tür abriss und davon flog, reimte er sich die Worte zusammen.
„Öffnen!“ Inzwischen musste er laut brüllen und verzichtete lieber auf lange Sätze, damit keine Missverständnisse entstanden. Yis versuchte sich daran die Tür zu öffnen aber er scheiterte. „Weiter!“, brüllte sein Arschtreter. Er duldet keine Schwäche. Sicher würde er ihn nachher noch zusammenstauchen, dass er vor seinen Problemen nicht wegrennen konnte. Dabei hatte er es nur nicht ertragen, dass er vielleicht für immer wegfahren könnte.
„Fünfzehn Minuten! Nutz dein Hirn! Auf!“, drängelte er neben ihn, ohne selbst Hand anzulegen. Das war dann auch nicht mehr nötig als Yis ein Fenster aufstoßen konnte. Als hätte man nur auf diesen Geistesblitz gewartet, hob ihn der Beamte auf dem Sims.
„Als nächstes?“ Darauf wollte der Junge antworten, dass er hineinkommen sollte aber das wollte der Mann nicht hören. Er erwartete etwas, das klüger war. Das las er deutlich aus seiner Mimik heraus.
„Ich versuch die Tür zu öffnen, du verrammelst die Fenster mit den Läden. Sie dürfen nicht kaputt gehen, richtig?“ „Falsch!“, argwöhnte er. Trotzdem schloss er umgehen die roten Läden daneben.
Er hätte ihn nicht nach einer Bestätigung fragen sollen. Es war Schwäche! Beeilt huschte er zu einem großen Schrank neben dem Eingang. „Ich suche den Schlüssel“, versuchte er seine Schwäche wieder wettzumachen. „Anstrengen!“, kläffte er von außen und verschlossen die nächsten Fenster. Nur jenes ließ er unangetastet durch das seine Begleitung eingestiegen war.
„Beeil dich, hab was!“ Zunächst hörte er nicht auf das, was gesagt wurde. Er hatte noch drei Fenster vor sich. Diese sicherte er und ging zum Eingang.
Mittlerweile war der Wind so stark, dass der Fünfzehnjährige nicht stark genug war die Tür aufzudrücken. Selbst Jild hatte etwas Mühe damit.
Mit einem lautem Rumps stand er drin und wurde von einem Kind umklammert, das erst jetzt verstand, dass das da draußen kein Zuckerschlecken war. Er hoffte nur inständig, dass er sich nicht lange mit einem Kind beschäftigen musste. Er hasste Kinder und ihren Drängen nach Spielen, samt ihrer elenden Freude am Leben, von dem sie doch so rein gar nichts verstanden.
„Warum ist das witzig hier mit einem Fernglas auf dem Boden zu liegen?“ Der angesprochene Mann regte sich nicht. „Oh, oh guck mal, ein Bambi. Hallo Bambi!“ Der Junge sprang auf, hüpfte herum und versuchte tatsächlich dem Reh zu winken. Dieses machte aber kehrt und floh in einen dichteren Teil. „Mini Bambi, mini Bambi! Eichelvogel und da Kuckuck.“ Noch mehr herumspringen klatschte er in die Hände, was ein paar Tauben aufschreckte.
„Rattenvögel kacken. Plagen auch Ringelratten?“ Der Mann löste sich von seinem Baum, an dem er gelehnt hatte und ging störrisch den Weg zurück, den er den flüchtigen Waisenjungen vor exakt vierunddreißig Minuten hatte abhetzten lassen.
„Können wir nicht weiterspielen, Herr Privatpolizist? Büüütte!“ „Halt die Schnauze!“, kläffte der Mann. Zunächst ging er zügiger, dann aber blieb er abrupt stehen und wandte sich dem Kind mit einem mörderischen, bösen Blick zu. Jedes Kind, in diesem Alter hätte sicher davon Albträume bekommen.
„Du hast keine Ahnung, in was du schon geraten bist!“ „Sie sind Freunde.“ „Alleine, dass du das schon sagen musst! Bleib von diesen Menschen fern! Und vor allem … !“ Er beendete den Satz nicht und schleifte den Jungen an seinem Shirt aus dem Wald.
„Oh, guck mal, da ist wieder das mini Bambi aber wo ist die Mama?“ Das Fehlen des Muttertiers versetzte ihn in solch eine Panik, dass er sich losriss und zurück in den Wald rannte. „Bambi-Mami! Bambi-Mami, wo bist du?“ Hinter ihm folgte ein schwäbisches Fluchen. Nach etwa sieben Schritten war mit dem Davonlaufen Schluss.
„So findest du kein WILD-tier!“, erklärte der Grummelige erstaunlich sanft. Der festgehaltene Junge schluchzte und brach schließlich vollends in Tränen aus. „Hör auf zu flenn, hol das Fernglas und geh da hoch!“ Er zeigte auf einen leicht windschiefen Hochsitz, der aber noch sehr neu aussah. „Atme, hol das Ding und tu es einfach.“ „Hm.“ Nicht wirklich wollend schlurfte er los und befolgte die Anweisungen. Der Privatpolizist und der Waisenjunge blieben vier Stunden in diesem Wald, ehe sich Reh und Kitz in der nahegelegenen Wiese wiedergefunden hatten.
Es war ein ganz normaler Tag, vielleicht etwas zu warm für diese Jahreszeit aber er ignorierte das verdorrte Gras und den Geruch von einem Brand in der Nähe. Sein Ziel war ihm nicht ganz klar. Mehr als eine Art Alibi war ihm in den Sinn gekommen auf einen Markt zu gehen. Nur … nun ja … es gab hier keinen Markt.
Die Steppe ging weit und kein Mensch schien je hier gewesen zu sein. Eigentlich sollte er sich wundern, wo sein zu Hause abgeblieben war. Vor kaum mehr als zwei Minuten war er noch vor die Tür auf Asphalt getreten. Das alles war nicht hier.
Doch er zog völlig entspannt die flirrende Luft ein, hörte irgendwo ganz in der Nähe zwei Tiere, die ihre Geweihe aufeinanderschlugen und fühlte sich genau richtig. Als wäre er schon immer hier gewesen.
Abrupt wurde die Idylle unterbrochen. Eine Heuschrecke, die sich mit einem unfassbar lauten ‘‘zwiiiiiiiiiip‘‘ in der freien Weite verschätzte, knallte dem Entspannten in den Nacken und veranlasste ihn sich umzudrehen.
Hinter ihm war ein Markt aufgetaucht. Hölzerne, laienhaft zusammengeschraubte Stände, deren Bestandteile auch manchmal mit Juteschnüren zusammengehalten wurden. Rote Tücher dienten als Sonnenschutz.
Davon angelockt wandte er sich um und begutachtete den ersten Stand. Dieser verkaufte doch tatsächlich alle Arten von Tierlosung. Feinsäuberlich beschrieben von welchem Tier. Amüsiert schüttelte er den Kopf und ging. Jeder Stand bot etwas anderes. Die Händler und Händlerinnen boten es an, waren aber so leise, dass seine Aufmerksamkeit immer wieder von einem fernen ‘‘zwiiiiiiiiiip‘‘ abgelenkt wurde.
Ganz am Ende des Marktes arbeitete ein Mann, der ihm gleich auffiel, wie ein Freund in einer Menge aus Unbekannten. Interessiert ging er hin. Der Verkäufer bemerkte ihn nicht. Dessen Konzentration floss voll und ganz in die Arbeit eines frisch angefangenen Weidengeflechts.
Eine Weile beobachtete er die Sorgfalt, dann aber schaute er sich die Waren mit dem Fingern an. Alles handgemachte Weidenkörbchen bis Körbe. Ein ‘‘zwiiiiiiiiiip‘‘ lenkte seine Aufmerksamkeit in die hinterste Ecke. Dort stapelten sich Vogelkäfige, ebenfalls alles Handarbeit.
„Was kostet das?“, fragte er, ohne dafür einen Nutzen zu haben. Der Verkäufer reagierte nicht. Allerdings war das auch nicht weiter schlimm, denn die Vogelkäfige und das ‘‘zwiiiiiiiiiip‘‘ waren so interessant, dass er sich zwischen die Stände näher herandrückte. Tatsächlich! In jedem der Weidenkäfige befanden eine Heuschrecke.
„MacGyver-Anstecker“, sprach der Verkäufer plötzlich und hielt die Hand auf. „Alle Käfige für den MacGyver-Anstecker“, wiederholte dieser, nach dem unverständigen Blick und zeigte zur Verstärkung auf die Brust seines Gegenübers. Warum auch immer befand sich da tatsächlich solch ein Anstecker. Umständlich fummelte er das begehrte Stück ab und legte es dem Händler in die Hand.
„Blaubeeren. Blaubeeren dazu, für Käfige und Tiere.“ Ein wenig zornig knallte er ihm einen Pot mit gekochten Hagebutten hin, die er irgendwo aus dem Nichts her hatte. „Gibt nur Hagebutten!“, meinte er und nahm die ersten Käfige mit. Nachdem er alle Käfige an den Anfang des Marktes getragen hatte, öffnete er diese.
Zack, schreckte er aus dem Schlaf hoch und hielt gerade noch im rechten Moment einen Atlas vor das Gesicht. „Du sollst lernen und nicht träumen!“, knurrte der grimmige Privatpolizist, der dem fünfzehnjährigen Schulschwänzer aufgelesen hatte. „Du hast gerade mein Buch gekocht.“ Anklagend hob er den Atlas hoch, welcher tatsächlich lauwarmes Wasser abbekommen hatte.
„Wiederholung!“ Der Junge verdrehte die Augen. „Alle Flüsse, die du mir genannt hast liegen in Kanada. Außerdem kannst du mir kein Karibu vorsetzten, die heißen nur dort so. Also in Nordamerika mein ich“, ergänzte er, als ihn ein böser Blick traf.
„Weiter!“, knurrte sein Mentor unerbittlich. „Ist das eine Falle? Ich … äh mein, mein Stundenplan ist durch und ich hab … äh geschlafen. Ja, geschlafen. Da Auto.“ „Bevor du gehst, suchst du meine Schlüssel.“ „Hm.“ Schuldbewusst senkte er den Kopf, auch weil er jetzt nichts mehr von dem Eintopf kriegen würde, den der Privatpolizist vielleicht wirklich aus Amerika mitgebracht hatte.
Flugticket, Schlüssel, ein Foto und eine Tüte Fruchtgummis landeten auf einen gesprungenen Stein abseits des Feuers. „Hast du es verstanden?!“ Der Junge nickte kräftig und kassierte überglücklich die aufgehobene und gereichte Süßigkeit ein. Auch wenn das bedeutete, dass sein Aufpasser ab Morgen wieder streng sein würde.
Zwischen Band 1 und 2
„Schmecks Papi“, fragte der Zappelige. Sein Gegenüber schob die Schüssel beiseite und sah ihn mit diesem kaltherzigen Blick an. „Du kannst mich nicht bestechen.“ „Aber ich hab doch Geburtstag.“ „Übernächsten Monat.“ „Ich will aber dass du mitkommst.“ „Schmoll nicht, du elende Heulsuse.“
Mit diesen Worten stand er auf. Yis aber hüpfelte ihm sofort hinterher. „Das war kein Nein, Papi. Guck, sie sagt auch, dass es voll nett ...“ „Fass das Bild nicht an!“ Sofort schrumpfte er um die Hälfte.
„B ... bin gar nicht Tisch. Im Leben mir nicht einfallen Bild zu fassen ein.“ „Klappe! Steh gefälligst gerade!“ „Jawohl!“ Er schlug sich die Handseite ein wenig zu doll gegen den Kopf aber sein obligatorisches "Aua" hielt er zurück.
„Ein wenig länger noch.“ „Jildi, ich will doch nur so ein kleines, kleines Ballonfährtchen mit dir machen. Aua.“ „Hast du das durchdacht?“ „Nein, Chef.“ „Gut.“ „Wirklich? Du bist einverstanden?“ „Geh!“ Und schon flitzte er besorgt anstatt freudig hoch in seine Wohnung.
Erst am Zielort wurde er sich seiner Höhenangst bewusst. Damit er seinen "Papi" nicht umklammerte, drücke er ihm einen Rucksack in die Arme, welchen er, ab dem Moment des Abhebens, an sich drückte.
„Du lebst, Yis.“ „Hm.“ „Ich habe eine Aufgabe für dich.“ Ehe er erläuterte, was dies sein sollte, ließ sich ihr Ballonfahrer über den Rücken aus dem Korb fallen.
„Wa ... war das geplant?“ Der Ältere nickte und deutete, dass er das Fahren übernehmen musste. Entschlossener, als es seine Mut tatsächlich war, zog er sich den Fallschirmrucksack auf den Rücken und untersuchte den Antrieb.
„Wir sinken“, bemerkte sein Mentor. „Ich denke, hoppla“ Versehentlich stieß er gegen etwas, das eine hohe Flamme erzeugte. Trotz sofortigen rückgängig machen, war ein minimales Loch entstanden, welches aber größer wurde.
„Yis spring!“, befahl seine Begleitung. Er drehte ihn zum Rand des Korbes und zeigte ihm die Schnur, die er ziehen musste.
„Aber du hast kein Schirm! Hing an Fuß von dem Leichner!“ „Ballonfahrer, du elender Depp!“ Kaum zu Ende gesprochen, schlug er dem Tollpatsch gegen die Schulter, somit er ohne weitere Diskussion einfach hinausstürzte.
Zurückgeblieben hatte der Sechsundsechzigjährige verdammt schlechte Karten, diesen an Geschwindigkeit gewinnenden Fall zu überleben.
Ein Blitzgedanke ließ ihn die Option ergreifen, sich flach auf den Boden zu legen. Vermutlich das einzige, was er tun konnte und es war keine verflixte Sekunde zu spät. Der Korb knallte gegen einen Baum, geriet in Schieflage und ehe er sich versah, hing er dreißig Meter über dem Boden am Rand des Korbes.
„Festhalten Jild. Ich denke mir etwas aus, ja?“, rief die hektische Ursache hoch. „Hast du ein Handy?!“ „Hab Notruf gerufen.“ Mit einem mühevollen Blick nach unten entdeckte er, dass sein Schützling Grünzeug aufhäufte.
„Vielleicht kannst du auch einen Wassereimer suchen!“ „Ist das Scherz oder Verzweiflung?“ „Du bist Verzweiflung!“ Mit diesem Satz ließ sich Jild auf gut Glück auf einen dicken Ast fallen, der etwa auf Kniehöhe gewesen war.
„Hast du dir was gebrochen?“ „Nein“, presste er langgezogen hervor. Als er sich halbwegs gefangen hatte, ergänzte er, dass er einen sicheren Ast habe.
„Gut, Jild. Ich habe den Rettungsleuten gesagt, dass sie den Wanderweg Höhenfälle nehmen müssen vom Wanderparkplatz 2 aus, ist doch richtig oder?“ Er wusste das nicht, bestätigt es aber trotzdem. „Okay dann müssen sie nur noch meine Fallschirm-Handyhülle-Schuh-Socke-Schuh-Socke-Gürtel-Jacke-Pflasterpackung-Spur finden.“
„Ich hoffe, du hast überhaupt noch etwas an.“ „Joa, hab noch. Bist du okay?“ „Ja, Yis.“ „Schön. Weißt du, du musst nämlich unbedingt durchhalten, sonst sieht Yisi Schiss alt aus.“ „Du hast eine Spur gelegt.“ „Nö!“ „Doch!“ „Meno, jetzt brauch ich en anderes Argument. Hihi, wie wärst, wenn du runterfällst, muss ich dich mit einer Unterhose verbinden.“ „Du kannst nicht mal dich selbst retten.“ „Stimmt. Deshalb wäre ne Unterhose auch voll Kacke. Eklig und en bisschen wenig Stoff.“ „Verflucht sei der Tag, wo ich dich gefunden hab.“ „Hihi. Hauptgewinn, Papi stimms?“
Sieben Minuten später holte jemand Jild aus dem Baum.
Ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten war, als ich das Flugzeug betrat. Meiner Frau hatte ich versprochen, dass sie diesmal den Wellness-Urlaub bekommen würde. Nun war es aber so gekommen, dass mir mein Onkel einen Gangaussteiger zugeschoben hatte. Ich sollte ihn an den kältesten Ort begleiten und ihn ein wenig abhärten.
Vermutlich drehte er da wieder sein eigenes Ding und wollte den Kerl irgendwo einschleusen. Gute Aussichten hatte es ja, da er aus zwei brutalen Gangs aussteigen konnte und heute noch lebte.
Dennoch würde ich mir irgendetwas einfallen lassen müssen, um meine Frau zu besänftigen. Ich verschob dieses Versprechen nicht zum ersten Mal und Urlaub könnte ihr wirklich mal gut bekommen.
Als ich beschloss ihr ein Ticket zu besorgen, wenn ich den Kleinen vorbereitet hatte, machte ich mich daran für die Kinder eine Art Ferienunterkunft mit Nachhilfe zu besorgen. Zufrieden genoss ich meinen Rückflug in die Heimat.
Allerdings erhielt ich ihre Meinung schon beim Aussteigen, in Form dessen, dass sie die Unterkunft abgesagt hatte. Kurz danach kam die SMS. ''Nettes Lebenszeichen! Wenn du dein Wort nicht hältst, freuen sich deine Hunde über einen neuen Mitbewohner!“
Sie war ziemlich biestig geworden über die letzte Zeit. Wirklich Lust hatte ich nicht, mit ihr am Telefon zu streiten aber das Versprechen würde ich im besten Willen nicht halten können. Typisch Frau ließ sie mich klingeln. Gut, dann wartete ich eben bis sie sich etwas beruhigt hatte und kümmerte mich um meinen Auftrag.
Nachdem sich dieser, als so zu sagen ''Wer zu spät kommt, bestraft das Leben'' entpuppte, fand ich Zeit meinen ersten Plan zu überdenken. Ich erinnerte mich an einen Streit, in dem sie mir vorgeworfen hatte, die Kinder könnte ich mit Links in ein Internat geben aber meine Mutter müsste ich ihr aufladen. Vermutlich hätte sie positiver auf mein Einmischen nach drei Wochen reagiert, wenn ich meine Mutter in einer Betreuung angemeldet hätte. Eigentlich hätte ich ihr einen mindergroßen Gefallen getan, hätte ich ihr nach meinem ''Urlaub'' angerufen. Beizeiten sollte ich mir wirklich etwas Besseres ausdenken, warum ich berufsbedingt nicht zu Hause sein konnte.
Endlich gelang es mir, sie zu erreichen. „Dein Bettzeug ist drüben!“ „Lass uns nicht streiten.“ „Ich streite nicht, ich bin stinksauer. ... Deine feine Frau Mama brüllt!“ Bevor ich etwas entgegnen konnte, kam ein Knallen und die Leitung war Tod.
Okay, nächstes Mal sollte ich wirklich meine Mutter in einer Betreuung anmelden. Wenn das alles nur nicht immer so kompliziert wäre.
Mit meinem nächsten Versuch wollte ich meine Mutter anrufen. Wenn ich sie dazu brachte nichts zu benötigen, bis ich selbst zu Hause war, könnte ich vielleicht Milde bekommen. Ich musste ja zugeben, dass sie keine einfache Persönlichkeit war aber irgendwie stellten sich die beiden auch an. Sie kam im Haus nicht mehr alleine klar und meine Frau wollte sie nicht unterstützen und ja, ihr verdammtes Verhältnis war noch nie das Beste gewesen. Und gerade deshalb tat ich ja alles, um sie selbst zu versorgen, wenn ich nicht gerade arbeiten musste.
Gerade als ich Gas geben wollte, um schneller in mein eigenes Unglück zu rennen, rief mich mein Onkel wieder an. Mein Auftrag, natürlich. Jetzt verstand ich auch, warum er immer meinte, ich könnte meine Arbeit nicht geheim halten. Meine Frau musste warten. Nur das ich sie diesmal ein weiteres Mal anrief.
„Nicht auflegen!“, befahl ich schnell und haute auf meine Hupe. „Schatz, ... Du hast recht. Ich komme schon wieder zu spät.“ „Ich bin es gewohnt, deine Versprechen nicht ernst zunehmen! Bleib in der Leitung!“
Sie blieb ziemlich lange weg. Genau genommen so lange, dass ich inzwischen meinen Einsatzort erreicht hatte und einschreiten musste. Ich befürchtete schon, sie hätte mich endgültig aufgegeben, als ich mich zwanzig Minuten später wieder ins Auto setzte.
„Was lieb ich an dir eigentlich?“ „Ich hoffe nicht, dass es meine Abwesenheit ist. ... Es ...“ Ein blöder Reiz im Hals brachte mich zum Husten. Mit Mühe konnte ich meiner Frau erklären, dass ich nach Hause kommen würde.
„Ich überlegs mir noch“, erwiderte sie kühl und gestand mir eine Eingangssperre ab spätestens zwei Uhr morgens zu. Mich nicht mehr zu Wort kommen lassend, legte auf. Immerhin hatte sie mir eineinhalb Stunden als Bonus eingerechnet. Ich war dann ja wohl doch nicht so übel.
Nach Band 2
„Du willst was?“ „Wahrheit oder Pflicht spielen!“ Trotzig verschränkte Yis die Arme. Es war schon mühsam gewesen, den Freiherrn in seinem Wald aufzustöbern. „Du fährst vier Stunden hier her, um was zu wollen?“
Seine Haltung wurde noch bockiger. „Ich kann nicht klartextiger sprechen, als dir den Namen des Spieles zu nennen. Außerdem bin ich drei Stunden und vierundzwanzig Minuten gefahren und habe vier Stunden achtzehn gebraucht, um dich zu finden.“ „Deshalb ist auch schon Nacht.“
Nach diesen Worten bastelte er weiter an seiner Unterkunft. Realisierte dabei aber dennoch, dass Yis ein gutes Argument mitgebracht hatte. Das Bier klemmte er im Bach zwischen Steinen ein. „So, du nimmst Wahrheit, richtig?“ „Warum sollte ich?“ Das Interesse war inzwischen da.
„Ist Jild auch ein Personenschützer?“, ignorierte man die Verweigerung. „Warum fragst du ihn das nicht einfach?“ „Wenn du wieder keine Antwort gibst, muss du Pflicht machen.“ „Und die wäre?“ Sich dies nicht überlegt, sah er sich um und blieb auf der Bierdose hängen. „Gibt es eine Bierdusche.“ „Oh wie furchtbar“, lachte der Freiherr, weswegen der Jungspund sich diese Dose nun holte.
Allerdings nahm es ihm Gredo spielend einfach ab. „Was wählst du?“ „Pflicht, weil ich dir sonst irgendetwas Peinliches verraten muss.“ „Nimm eine Bierdusche!“ „Gut.“ Er zögerte nicht einmal. Da er ihm aber ausgewichen war und seine Pflicht beseitigt hatte, hob Yis Hundekot auf und warf es gegen ihn, um unbekümmert mit der zweiten Runde fortzufahren.
Yis wollte in den Freizeitpark. Da er aber seinen Ziehpapi nicht überreden konnte, schleppte er den Personenschützer Gredo mit. „Und? Was wollen wir heute spannendes tun?“, fragte dieser mit einem seltsamen, breiten Grinsen. Der reizüberflutete Flummi nahm ihn gar nicht wahr, weshalb man hinter ihn trat und auf seine Schultern drückte.
„FLAUA!“ Krampfhaft hielt seinen Körper still. „Atmen, du Katastrophe!“ „Tun frei endlich Park!“ Die Fingerspitzen bohrten sich in seine Schultern und befahlen damit wortlos: ''Red east wenn du di beruhigt hosd, Schafkopf!''
Er wartete und schoss dann hervor, dass er gelesen habe, dass man sein Kind bewahren solle. Bevor Bedenken ausbrachen, verkündete er hektisch, dies bereits bezahlt sei und flitzte durch den Eingang.
Bei einer Pappfigur, der Göttin der Liebe, fand er das von innen nach außen gekehrte Kind wieder. „Hihi. Guck mal jetzt hab ich auch nen Ring.“ "Als ob du jemals ne Frau finden würdest.“
Als Yis in den Spiegel der Gottheit aufsah, erschreckte er vor Gredo, der sich eine Zeitung mit der Ogar-Land-Achterbahn vors Gesicht hielt und durch die freigepuhlten Augenlöcher spickte.
„Schaut man heutzutage zu viele Spionage-Filme oder was?“, brummelte er, ohne seine Ogar-Maske zu bemerken. „Nö, aber ich bin offensichtlich dazu verdammt einen Ogar zu heiraten, hihi.“
Jild betrat sein Lieblingszimmer, in dem bereits Yis mit seinem Handy vor der Nase stand. „Vergiss es“, beantwortete er die Frage, die ihm der Jungspund sicher aufgrund des laufenden Videos gestellt hätte.
„Aber guck, ist voll lustig. Will ich auch.“ „Und das Boot hast du sicher schon gekauft.“ „Hm hm! Natürlich. Zwei Papi. Eins für mich, eins für dich und die Dinger heißen ...“ Er spulte das Video zurück. „Raft. Hihi.“
„Yis! Ich bin über sechzig, garantiert setze ich mich in kein Schlauchboot.“ „Aber Papi.“ „Nichts Papi! Lass mir meine Ruhe.“ „Du bist aber gar nicht pampig und das Video hast du selbst angeguckt. Büütte. Yis ist auch garantiert kein Unfallopfer.“
„Sagt der, der vor zweieinhalb Minuten einen Karton die Treppe hochzieht und beim Runtergehen genau diesen vergisst und drüber fliegt.“ „Aber der Zweite unten hat mich gut abgefangen. Hihi. Doofheitsintelligenz, weißte doch.“
„Nein bleibt nein.“ „Och mano. Warum bist du so ein Felsbrocken? Oh oh, wie wäre es, wenn ich sage, dass ich ganz große mega dolle Bärenphobie habe.“ „Dann friss keine Beeren.“ „Hihi, Sarkasmus, Sarkasmus. Jildi hat Humor.“
„Sitz!“ Schnurstracks nahm der Chaot auf dem Boden Platz und blickte auf, wie ein winselnder Hund, der sein Leckerli direkt vor der Nase hatte und sich zügeln musste.
Sein ''Papi'' lief irgendetwas planend zum Schreibtisch. Dort nahm er sein Handy auf und reckte ihm ein Video der selben Reihe entgegen.
„Und was machst du dagegen?“ „Bedrohlicher sein, sieht man doch.“ „Sieht es so aus, als würde es etwas bringen?“ „Also en Dingsbums Busch krieg ich auf jeden Fall hin.“ „Ein Dingsbums Schuss?!“ „Ich versuche zu umgehen, dass ich es als Danebenschuss bezeichnen will.“ „Warnschuss!“ „Wär ja dasselbe. En Warnschuss geht daneben und daneben kann ich äußerst hervorragend. Also kann ich ein Warnschuss. Punkt!“
Kaum verständlich gab der Ältere ein Fluchen von sich. Dennoch bekam er ihn nicht umgestimmt und als hätte er bereits verloren, nahm er auch noch an seinem Schreibtisch Platz.
„Also Gredo hätte ich schon überzeugt.“ „Ehers Hirn vermatscht.“ „Ähm, was wenn ich euch beide mitnehmen? Ich kann Warnschuss und ihr den äh ... Momentmal ich wollte doch nur ne Bootsfahrt haben. Jildi, du machst da schon wieder ne Arktis draus.“ „In der Arktis könntest du auch Boot fahren, was?“ „Ja, äh über Eisflächen könnte man schon rutschen, abers Material wäre a bissle dumm. Kunststoff ist ned so Kältedings und ä Holzding ... “ „Hör auf zu denken!“ „Aber ich denke mir noch dich überzeugen!“
„Geh! Und in zehn Minuten bist du wieder hier. Und wehe, du kriegst jetzt irgendetwas nicht gebacken! Ich höre es!“ Kerzengerade schoss er hoch und so schnell er konnte in seine Wohnung.
Aus dem Handy, mit dem Bärenclip, drang Gelächter. „Ich buch einen Flug, strenger ''Papi''?“ „Hm!“, knurrte er und legte den vergessenen Anruf auf.
Die Ruhe genießend streckte Jild seine Beine aus, klappte die Rückenlehne seines Stuhles herunter und bettete seine müden Beine unter dem Schreibtisch hindurch auf einem Holzstuhl. Kaum eine Minute später klingelte sein Handy. Entnervt riss er die Augen wieder auf. Für wichtige Anrufe, die er aber ignoriert hätte, hatte er den Klingelton möglichst leise gestellt. Nur zwei Nummern waren durch Vibration als Notfall markiert. Und dreimal ist zu raten, was sein Handy auf dem Tisch vollführte. ... Richtig! ... Verärgert ging er in die Sitzhaltung zurück und war erst an seinem Handy, als es verstummt war. Also rief er zurück.
„Bist du mittlerweile zu langsam, um an dein Handy zu gehen?“, scherzte Gredo, der fast so schlecht Scherzen konnte wie Jild Humor erwiderte. „In welchem Krankenhaus ist er?“ „Es ist in Bayern. Du wirst nicht extra kommen“, war das Gegenüber nun doch nicht mehr so belustigt. „Ich dachte der Kerl kann schwimmen“, ließ er es gar vorwurfsvoll werden. „Bei sieben Goldmedaillen erwarte ich das“, entfuhr es Jild, der seinen Schützling damit eigentlich nicht verteidigen oder entschuldigen wollte. „Ach wirklich? Und dann kriegt er ein Krampf ins Bein und faselt mir irgendwas von Meerjungfrauen vor. Dem hat doch was in den Kopf gebissen. Und dein Plan war es ihn Wildwasser fahren zu lassen? Pah!“ Im Hintergrund war ganz leise Yis Gesülze zu hören. Offenbar hegte er Gefühle, für eine Frau, die einen Braun und Gold geschuppten Bikini getragen hatte. Laut Aussage war es Nuancen exakt auf ihre Augen und ihre schulterlangen Haare abgestimmt.
„Du hockst di da hi und hoitst dei Goschn“, bläffte Gredo offensichtlich Yis an, welcher den Behandlungsraum verlassen durfte. „Sie schwamm mit dieser Flosse wie ein Engel, Gretchen. Wichtig alagant. Wie en Buch das man ins Flügeln haben wirft und dann absinkt.“ „HÄ?!“, knurrte der Personenschützer, der nur Bahnhof verstanden hatte. Jild war nur eine Haaresbreite davon entfernt, ihm das allgemeine Kopfchaos des Jungens zu übersetzen. Doch er entschied sich für die Kurzform des ganzen Dilemmas. Yis hatte beim Schwimmen eine kostümierte Frau gesehen.
„Ach wirklich?!“, tat der Freiherr so, als wäre ihm das die ganze Zeit klar gewesen. „Und wie kam es nun dazu, dass du ihn rausziehen musstest?“ „Sagte ich doch. Er hatte nen Krampf im Bein.“ „Und wie hast du das bemerkt?“ „Ja wie schon? Er hat gekreischt, wie ein Mädchen und war dann weg. Worauf willst du hinaus?“ Yis säuselte kaum verständlich, wie hübsch das Meerjungmädchen gewesen war und welch eine begnadete Farbwahrnehmung sie haben müsste, um ihre Kleidung so perfekt auf ihre Augen und dem wallenden Haar abzustimmen.
„Stelle dein Telefon laut!“ „Hier, dein Papi“, alberte Gredo herum und reichte ihn offenbar währenddessen weiter. „Hy Jildi. Gretchen ist voll die Ente im Wasser! Hihi.“ „Ich hau dir das ''Gretchen'' gleich in die Rippen runter!“ „Hihi. Biste aber immer noch langsamer. Hihi.“ „Yis!“ „Ja, Papi?“ „Wer ist dir beim Schwimmen begegnet?“ „Merjinjaka Jongje. ... Sie hat gesagt sie findet mich auch voll süß und ich würde auch schwimmen als wäre ich ein angeborener Fisch am Kopf. ... Hä? ... Das ist doch ne Beleidigung.“ Die Leitung begann zu knacksen. Vermutlich stellte Yis irgendwas mit dem Handy an. „Nein Yis, ich nehme an sie hat deinen verdrehten Satz imitiert“, beruhigte ihn Jild, nachdem er die Merjinjaka Jongje auf Cam-man-Pics gefunden hatte.
„Aber warum hat mich eine Unbekannte unter Wasser gezogen?“ „Mach dir kein Kopf, ich prüfe sie. Kannst du mir sagen ob Gredo sie gesehen hat?“ „Glaub nicht. Die hat gesagt, da kommt en irrer Gorilla mit ner Waffe ins Wasser und als ich gesagt habe, dass er mein Bodyguard ist, hat sie gesagt, da verzieht sie sich lieber, bevor er sie für nen Angreifer hält. Danach ist sie selbst zu so nem Gorilla geschwommen. Nur das der nen schwarzen Anzug an hatte mit irgend nem Kabel. Gretchen, ich glaub die Aussage sicherer See und keine Menschenseele musst du nochmal überdenken.“ „Nix muss ich! Du hast einfach nur zu viel Wasser geschluckt.“ Es rumste in der Leitung. Vermutlich hatte Gredo wieder vergessen, dass er dem instabileren Yis etwas behutsamer auf die Schulter klopfen sollte.
Yis hatte eine grandiose Idee, die Jild aber nicht mitmachen würde. Darum lieh er sich sein Auto und fuhr nach Bayern. Mittlerweile kannte er die Stellen auswendig, wo er den Freiherrn von Krups in seinem Wald fand. So war bereits die zweite Stelle ein Volltreffer. Und natürlich bestärkte ihn das kein bisschen. Nicht mal einen Millimeter. Nein so ganz und gar nicht. Gretchen wäre nur so schlecht, dass er eigentlich schon gestern verloren hätte. Hihi.
„Wo kommst du Flummi her?“ Gredo ging ein paar Schritte zur Seite, um die Kettensäge aus der Reichweite dieses Chaoten zu wissen. Danach bemerkte er, was der Jungspund für Schuhe trug. „Damit gehst du in den Wald?“ Yis blickte auf seine nicht mehr ganz so blitzeblank, weißen Schuhe, die im Übrigen auch Sandalen waren. „Äh … Hab ich wohl vergessen.“
„Stehen bleiben!“, befahl er und stieg über einen Baumstamm zu einer Hütte, deren Dach von eben diesem beiseite geschafftem Baum eingeschlagen wurde. „Du brauchst mir keine Schuhe zu leihen, Gretchen. Hihi. Du hast Elefantenfüße.“ Trotzdem zwängte er sich weiter zur Hütte vor, rammte die Tür auf und entnahm dieser ein altes Schuhpaar von seinem Ältesten.
„Nimm die, bevor du …“ Er brach ab. Seine Warnung war bereits passiert. Auf einem Bein balancierend entfernte sich Yis einen eingetretenen Ast aus der Sohle. „Jetzt hab ich die nächste Wette verloren, dass diese Dinger bei mir heil bleiben. Hihi.“ „Wolltest du nicht aufhören zu wetten?“ „Schon, war aber auch wirklich kein Risiko dabei.“ „Was war der Einsatz?“ „Nichts. Außer, dass ich mir diese Schuhe kaufen musste. Hihi. Also …“ Seine Mimik wurde schlagartig ernst und die des Freiherrn auch, da er das Schlimmste befürchtete.
„Ich will, fangen spielen.“ Nun verzog er ungläubig das Gesicht. Der Chaot war sechsundzwanzig Jahre alt. Älter als seine fünf Kinder, die bis auf den aller Kleinsten Fangenspielen albern fanden. „Das klingt jetzt irgendwie lächerlicher, als ich gedacht hab.“ „Seit wann denkst du denn über etwas nach, bevor du es tust?“ „Stimmt, das kommt sehr selten vor. Hihi. Machst du trotzdem mit?“ „Beim Fangspielen?“ „Ich lass es Jild planen, dann hat es mehr von ner echten Verfolgungsjagd. Hihi.“
Wenn der Griesgram das plante, wäre es ein Höllentrip. „Ich würde dich doch nach zwei Minuten kriegen.“ „Pha, dich findet man doch mit links. Erstens bist du breit wie ne Mauer und zweiten hinterlässt du Schuhabdrücke, die so gar ein Dummkopf wie ich findet. Nö, Gretchen, du bist kein guter Teamplayer, also musst du mit mir in en Dingsbums arbeiten. Jetzt brauch ich nur noch die Gewehre, ich meine Förster und ne Telefonnummer nicht schlecht oder en Hornochse?“ „Kann es sein, dass du gerade das Wort Jäger suchst?“ „Warum sollten die Gejagten die Jäger suchen? Dann sind doch die Gejagten Jäger und die Jäger jagen oder jagen die Gejagte Jäger jagen dann Taktik.“ „Ich habe nicht ein Wort verstanden.“ „Das passiert dir ja ständig. Spielst du jetzt mit?“ Diese kindliche Freude und der bettelnde Blick machten ein Nein unmöglich. Gredo verdrehte die Augen und stimmte schweren Herzens zu.
„Aber wir geben dir einen Peilsender mit. Für den Fall, dass du den Wald vor lauter Bäumen nicht findest.“ „Hihi. Jetzt brauch ich nur noch en äh Tier, Ball, Spiel, Hand, Netz.“ „Fänger! Du meinst Fänger!“ Gredo bereute, dass er zugestimmt hatte.
„Erst Plan, das heißt Jild anrufen.“ „Halt!“ Ruppig hielt er ihn an der Schulter zurück, somit er nicht wie geplant weggehen konnte. „Du ziehst dir zuerst die Schuhe an.“ Misstrauisch schaute er die alten Dinger an. Prinzipiell sollten die ihm passen aber die sahen nicht wirklich wie die Art Schuhe aus, die einer seiner Söhne tragen würde.
„Mach schon. Ich ruf Jild lieber selbst an, nicht das wir am Ende noch irgendwelche bekloppten Mutproben-Sprünge oder etwas anders machen müssen.“ „Ich hab Höhenangst.“ „Eben.“ Dem Griesgram, das zu symbolisieren wäre ein fataler Fehler. Nichts triggerte ihn mehr als Angsthasen.
Auf einem Bein balancierend tauschte Yis schließlich seine Schuhe aus. Damit war er fertig, bevor Gredo den Rentner erreicht hatte. Deshalb hatte er wohl Zeit über sein gerade getanes nachzudenken. Und was sollte er sagen, er hatte natürlich wenig nachgedacht.
Ersten hatte er eine Orientierung, die vielleicht en Kilometer gut gehen würde, zweitens kannte Jild seine Schwächen hervorragend und drittens hatte er keine Freunde, die diesen Schwachsinn mitmachen würden.
„Heulst du?“ „Nö“, versuchte er mehr als schlecht so zu tun, als sei er noch fröhlich. „Ich erreich ihn nicht.“ Yis senkte den Blick und sah genau, dass die letzte angerufene Nummer einer ‘‘Schneeflocke‘‘ gehörte.
„Das ist mein Wald. Ich fang dich und das Problem ist gelöst.“ „Du bist echt en bisschen faul.“ „Sagt der, der über zwei Stunden gefahren ist, um Fangen zu spielen.“ „Was ist daran faul? Ich bin halt aktiv. Hihi.“ „Na und trotzdem ist an dir nichts dran.“ „Das nennt man Wendigkeit. Hihi. Also, dann machen wir es so, unser Spielfeld ist Bad Kubs bis äh Baldsachsbrunn.“ „Spinnst du?“ „Na komm schon, du bist Personenschützer und ich en Tollpatsch. En bisschen schwerer muss ich dir schon machen. Sagen wir bis 19:00 Uhr musst du mich gefangen haben.“ „Und dann soll ich dich über zwei Stunden zurückfahren lassen?“ „Wenns dich beruhigt penn ich danach im Auto aber jetzt lass uns bitte bitte spielen.“ „Dann renn halt.“ Irritiert blickte er ihn an, als sei es gar nicht logisch, dass er wegrennen sollte.
„Na, was ist jetzt?“ „Ich starte doch keine zwei Meter vor dir.“ „Dann mach halt drei draus, bevor ich mir des anders überleg.“ „Nee nee nee, Gretchen. Ich will ne Chance haben. Jild hat mir jetzt zwei Punkte geschickt. An dem einem starte ich und das andere ist mein Ziel. Oh!“ Yis wurde blass, als er auf das Display schaute. „Äh egal, egal, egal, das schaff ich. Du kriegst Handypunkt, wenn ich am Startschuss bin.“ Auf sehr originelle Weise rannten die Beine mit dem restlichen Körper davon.
Fünfzehn Minuten später bekam der Freiherr von einer unbekannten Nummer einen Daumen nach oben geschickt. Kurz musste er zugeben, war er irritiert, da er Yis Nummer eigentlich eingespeichert hatte. Yis hatte wohl irgendwie sein Handy ergattert, um sich aus den Kontakten herauszunehmen. So viel dazu, dass er fair spielen wollte.
Er pfiff seine Husky Bande zusammen, ging zu dem Feldweg in der Nähe, wo er zufrieden feststellte, dass es ganz frische Reifenspuren gab, die dazu auch kein Jeep war. Yis besaß kein eigenes Auto, weshalb er zu hundert Prozent mit dem Auto, seines Ziehpapis unterwegs war. Ein alter schwarzer Mercedes, der schon recht ramponiert war.
Wieder pfiff er seinen Husky, damit sie alle samt in den Jeep einstiegen. Sich des Sieges bereits sicher fuhr er den Spuren eher langsam nach. Ein bisschen Zeit sollte er dann doch bekommen.
Allerdings hatte er ausgeblendet, dass es einen Bach gab und der Junge eine absolute Wasserratte war. Selbst wenn der Trottel kein Boot besaß, hätte er garantiert diesen Weg eingeschlagen. Vor allem auch, weil er den Wagen sichtlich daneben geparkt hatte. Die Frage war jetzt nur, war er dort hineingesprungen oder auf der anderen Seite. In der Mitte war es aufschüttet, um es überfahren zu können.
Seine Faulheit gab dem intelligenten Einwand recht, das Yis nach einem langen, zeitlich knappen Weg ausgesehen hatte und darum nicht Kilometer lang danach in nassen Klamotten verbringen wollte. Stolz über diesen Entschluss ging er wieder zum Jepp zurück und fuhr über die Aufschüttung hinweg.
Als jedoch das Auto nur noch leise zuhören war, kroch direkt neben der Aufschüttung Yis aus dem Wasser. Die Kälte trieb den Nackedei sehr schnell zu dem offen da liegenden Schlüssel, der ihm ein Handtuch und seine Kleidung wieder gaben.
Entspannt trottete dann auch er über die Aufschüttung und starrte in sein Handy. Start und Zielpunkt waren beide genau dort, wo sein Auto parkte aber um zu gewinnen hatte Yis drei Aufgaben bekommen. Die erste, dass er Gredo austricksen sollte, hatte er bereits erledigt. Jetzt hatte er nur noch ihm einen Tipp über seinen Standort zugeben und ihn ins Wasser zu kriegen.
Jild und Saritara betreffend
Beim Betreten der Straße hielt er plötzlich inne. Es ... Nein ... Konnte das wirklich sein? Ein Hauch von Flieder lag in der Luft. Ihr Parfüm, unverwechselbar und dazwischen der Geruch von Schweiß. Er wusste, diese Frau war eine Wilde, ein Freigeist und sich keines Dreckes zu schade. Dass es so etwas gab?
„Hallo, der Herr.“ Die Sinne kehrten zu spät zurück. Entzückt war er ihrer Spur gefolgt und nun vor Schreck gegen einen Pflanztrog gelaufen.
„Was zum Teufel?!“ „Es soll da aufgestellt werden aber sie haben vermutlich recht, eine Warnfarbe täte dem sicher gut.“ „Tun sie das“, krächzte er und lockerte seinen Kragen.
„Sie waren doch am See!“ „Wie?“ „Ich erinnere mich genau an sie. Nicht sehr nett, ihr ... beobachten.“ „Verzeihung, Miss. Ein Mann bleibt eben ein Mann.“ Sie lachte und packte sich seine Hand. „Saritara Fossken, sie sind mir sympathisch.“ „Nis, Jild Nis. Das höre ich selten, dass ich sympathisch sein soll. Geben sie auf sich acht, Miss.“
Der Griff der Tür ging runter und ich blickte auf eine fast leere Straße. Ein Raucher schnippte seine Zigarette vor meine Füße, schiss sich halb in die Hose, als er mich erkannte und hob dieses Ding innerlich schon längst fliehend, wie ein feiges Karnickel, auf. Ich habe nicht gerade den freundlichsten Ruf. Das ist mir recht. Die Menschen um mich herum nerven. Sind Abschaum.
Mein Weg führte mich den mit Kaugummi, Stummeln und Spuke verseuchten Plastersteig entlang. Am Fuß einer Fassade sah ich die Überbleibsel einer Person, die zur falschen Zeit am falschen Ort mit dem Übel der Stadt zusammengestoßen war. Ein Pech, dass sich seit Jahren häufte.
Plötzlich sah ich sie und diesen vermaledeiten Betonpflanztrog. Sie lächelte, hob entschuldigend ihre Hände hoch, die voller schwarzer Erde waren. Heute pflanzte sie lilane und gelbe Stiefmütterchen ein. Letzte Woche war noch ein junger Flieder an dessen Platz. Jemand hatte ihn aber zerschnitten und scheinbar war er nun eingegangen.
Schließlich bemerkte ich meine Unfreundlichkeit, nickte ihr grüßend zu und lief dann weiter zur Polizeistation.
„Mein Türschloss ist beschädigt. Sie kommen heute vorbei. Die Tür kann nicht die ganze Nacht offenbleiben. Verstehen sie den Sinn eines Schlüsselnotdienstes nicht?! … Aufgelegt, dieser … Dann eben persönlich, wenn er es nicht anders haben will.“
„Sie, stopp! Ja natürlich sie. Haben sie was vor. Ich nehme nein an. Gucken sie nicht wie ein erschrecktes Eichhörnchen! Sie lassen hier niemanden ins Haus, verstanden? In zehn Minuten bin ich wieder hier.“
„So ein unfähiger Haufen! Ich werde es ihn in Rechnung stellen. Notdienst? Ha. Er soll mich mal im Notdienst erleben. Pha! Schlüsselnotdienst in Pause, was? Was glotzen sie so blöd? Heute Samstagsabendkino, oder was?! Ha! Glotze, des känna se aber wenn drufakommd, dann ziegend se alle da Schwanz ei, wie … Was zum Teufel!“
„Die Pflanzentröge brauchen wohl eine Warnfarbe, hm? Geht’s ihnen gut?“
„Natürlich Miss! … Was ist denn mit dem Flieder hier passiert? Ist der kaputt? Also nicht, dass er recht kahl hinter ihnen liegt.“
„Bescheuerte Frage. Ich geh dann mal weiter, ehe ich mich verleitet fühle ihnen Witze zu erzählen. Fleißiges schaffen, die Dame.“
„Warten sie einen Moment. Kenne ich sie nicht? Oh, doch sie Schlingel … Sie waren der am See.“ „Ertappt. Verzeihung. Bin eben auch nur ein Mann. Passen sie auf sich auf.“
„Na warten sie doch. Vielleicht ein richtiges Treffen?“
„Sie habens aber eilig. Ist das nicht ein bisschen gefährlich?“
„Na nicht gefährlicher, wie wenn sie mich heimlich beim Schwimmen beobachten. Und wie sie sehen, bin ich eine Frau die anpacken kann? Oder sehen sie vielleicht einen kräftigen Mann, der mir die schweren Erdsäcke hätte abnehmen können.“
„Mit Verlaub, noch nicht mal eine Schubkarre.“
„Sie lächeln.“
„Gut. Ich lade sie heute Abend in die Maultaschen Mühle ein.“
„Ach so, da haben sie mich auch schon gesehen? Nur Spaß, schauen sie nicht so. Aber pünktlich müssen sie sein. Es ist ihre einzige Chance.“
„Ehrensache. Ich mag Pünktlichkeit.“
Autos rauschen an meinem Haus vorbei. Durch den Regen noch viel lauter, als es meine Laune gerade ertragen kann. Nach dreimaligen Klicken entriegelt sich mein Türschloss und ich trete hinaus. Hier ist es natürlich noch lauter. Was erwartet man auch, wen man die halbwegs dämmenden vier Wände verlässt? Nun aber weiß ich endlich, was ich heute tun muss. Weg aus der tosenden Stadt.
Ein Rascheln und ein erschrockener Laut lässt mich herumfahren. Sie sagt sofort, dass nichts passiert sei. Was noch weniger glaubhaft wird, als ihre Leiter gegen ihr Fahrzeug schlägt. Mit meinem Näherkommen wiederholt sie das aber glauben würde ich ihr das nicht so einfach. Zu Wort lässt sie mich aber gar nicht kommen, denn sie schimpft sofort wem einfalle, Tüten in ihren Flieder zu binden.
Geräuschvoll stelle ich die Leiter wieder an den Baum, denn ich weiß egal was ich sagen würde, sie würde wieder hinauf gehen. Sie lacht und nimmt mein unausgesprochenes Angebot an. Die Leidenschaft dieser Frau, war einfach unmöglich.
Als sie Achtung ruft, ist es eigentlich schon geschehen, mit einem Platsch steht sie vor mir in der Pfütze und drückt mir den lautesten Schmatz auf die Wange, den ich je bekommen hatte. Das Autorauschen, das leichte Prasseln wird zu einer Untermalung und ich glaube, ich hatte diese Frau noch nie schweigen gehört.
„Turnt sie wieder im Flieder rum?“, dachte er laut und ein wenig nervös. „Nein. Gut“, hakte er gefühlt eine innere Sicherheitsliste ab. „Sie macht mich noch wahnsinnig.“ Es ging einfach nicht ohne laut zu denken. Sie machte ihn wirklich wahnsinnig! „Hab ich gerad an dem Brief gerochen? Humbug! Weg …“ Das ‘‘damit‘‘ schaffte er gar nicht mit anzuhängen. „Nochmal … hm hm hm hm … hm. Sie will mich Treffen, so ein Humbug! … Na ja, ne Entschuldigung wäre angebracht. … Wo hab ich denn … wo ist denn meine gute Jacke hin? Momentmal! Als würde ich meine gute Jacke dafür anziehen. Wer braucht im Sommer auch schon eine Jacke? So ein Humbug! Diese Frau macht mich wahnsinnig! So wahnsinnig. Und wo sind jetzt meine Schuhe? Tu doch endlich diesen blöden Brief weg!“ schimpfte er mit sich selbst. Etwas das er erst ein paar Minuten später bemerkte.
„So, jetzt ist aber mal Schluss hier!“, verbat er sich ein bisschen gefangener. „Frau Fossken, ich nehme ihre Einladung nicht an. Guten Tag und passen sie auf sich auf.“
Keine genaue Einordnung
Yis Amander wollte sich gerade ein Fruchtwassereis mit Kaugummistiel kaufen, als er aus der fünf Meter entfernten Straßenabzweigung einen dunkelroten Sportwagen fahren sah. Beeilt warf er dem Verkäufer das Münzgeld hin und schwang sich auf ein Fahrrad.
Kaum hatte er in die Pedale getreten, flog ein Auto neben ihn in die Luft. Die Druckwelle schleuderte ihn vom Rad, in den Fluss unterhalb der Brücke.
Panisch kämpft er sich an die Wasseroberfläche und holt sein Handy hervor. „Wo ist der Kerl hin?!“, brüllte jemand von oben, weshalb er ganz schnell mit der gewählten Nummer untertauchte.
„Jild!“, blubberte er in die Leitung. Natürlich kam beim Empfänger nichts Verständliches an. „Yis! Bluadige Hennaköpf! In was bisch jedzd wiedr groda?“ Er antwortete, bevor ihm einfiel, dass er wieder auftauchen musste.
„Be beng auf mich weil Bunox doch noch Leben geben tut.“ „Tauch unter und schweig um Himmels willen.“ Trotzdem murmelte er ein Danke und wartete brav unter Wasser getaucht bis ihn sein Retter holte.
Der Ex-Kommissar saß in seinem ‘‘Büro‘‘-Zimmer und starrte den vertrockneten Weihnachtsbaum in der Ecke an. Vielleicht hatte er ihn ein wenig zu früh gekauft, dachte er und wandte seinen Blick auf den hohen Nadelhaufen darunter. Warum hatte er ihn überhaupt gekauft, schoss es ihm als nächstes durch den Kopf. Sein Blick wanderte weiter an die Tarn-Tapete. Plötzlich sprang die Tür auf, Luftschlangen flogen herein und eine Stimme, die er abgrundtief hasste, ertönte fröhlich mit Geburtstagsglückwünschen.
Die Person trat ein, hatte eine Uniform an und machte einen Gruß. „Es ist der vierundzwanzigste!“, knurrte Jild und wünschte sich, der ungebetene Gast würde wieder umkehren. „Weiß ich doch und darum auch ein frohes Fest.“
Es konnte nicht sein Ernst sein, dass er einen Duftbaum präpariert hatte, um ihn vor seine Nase auf den Schreibtisch stellen zu können. Doch leider täuschte sich Fossken nicht. Das war sein Ernst! „Alles gute zum Geburtstag und ein fröhliches Fest“, grinste der Peiniger und nahm Platz.
„Ich habe keinen Geburtstag!“ Eigentlich war er schon ein Christkind aber das hatte fünfundsechzig Jahre niemand gewusst und das war auch gut so.
„Ach grieskram nicht so. Hier!“ Er reichte ihm eine Gutscheinkarte, die sofort die Mimik des Mannes erhellte. ‘‘Fallschirmspringen‘‘ las er und war auf dem schnellsten Weg verschwunden.
|
|
| Kapitel: | 26 | |
| Sätze: | 949 | |
| Wörter: | 10.070 | |
| Zeichen: | 60.170 |
Feedback
Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!