Storys > Kurzgeschichten > Science Fiction > Bruchlandung

Bruchlandung

49
17.05.21 21:57
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt
Lokation:B27AOrbit
Zeit: Unbekannt
Ziel: B27A Oberfläche
Vehikel: T-59 Rettungskapsel
Protokoll: Fehlerhaft

‚‚Warnung! System registriert heftige Turbulenzen, bitte setzen Sie sich umgehend eine Atemmaske auf und Schnallen Sie sich an!’’

Lauter schriller Alarmton, eine rote Lampe die panisch im Kreis tanzte, ohrenbetäubender Lärm, die Rettungskapsel knackte, quietschte und klopfte.

‚‚Warnung! System registriert heftige Rotation der Rettungskapsel, automatische Stabilisierung des Flugkörpers wird aktiviert!’’

Ein lautes Signalgeräusch ertönte.

‚‚Fehler! Automatische Stabilisierung nicht erfolgt, Systemfehler 0.1.45.A, manuelle Stabilisierung erforderlich!’’

Sie fluchte. Würde die Hülle halten? Wird sie die Landung überleben? Trotz ihres angelegten Körpergürtels wurde sie heftig durchgeschüttelt und hin und her geworfen. Das Atem fiel ihr schwer, ein Gefühl der Übelkeit und Ohnmacht hatte sie fest im Griff, sie versuchte mit aller Kraft wach zu bleiben.

‚‚Warnung, Eintritt in Atmosphere erfolgt, Oberfläche eines Planetoiden erkannt, Zustand der Rettungskapsel kritisch!’’

Ihr Kopf dröhnte, sie merkte wie die Magensäure ihre Kehle hochwanderte. Sie biss sich auf die Zähne, versuchte den schrillen Alarmton zu ignorieren und tastete mit ihrer Hand rechts von ihr nach dem lebenswichtigen Knopf zur manuellen Stabilisierung.

‚‚Warnung! Zustand der Rettungskapsel kritisch, Schäden an Rumpf, Triebwerk und Schild!!’’

‚‚Verdammt!’’

Brüllte sie in ihrem Helm panisch und fand den Knopf nicht nach dem sie blind tastete.

‚‚Warnung! Voraussichtliche Zeit bis zum Aufprall, 60 Sekunden!’’

‚‚Nein, nein, nein komm' schon stabilisere dich du verdammtes Ding!’’

Das ohnehin schon fahle Licht der Raumkapsel begann zu flackern, geschockt musste sie feststellen das die Elektronik zu versagen begann. Mit letzter Kraft und geballten Fäusten drückte sie sich von ihrem Sitz nach vorn und riss dabei ihren Gurt soweit wie mögklich mit. Sie verlagerte ihr Gewicht zur rechten Seite, für einen Augenblick sah sie den Knopf und schlug in letzter Sekunde ihre Faust auf diesen. Dann wurde sie zurück in den Sitz geschleudert, so heftig, dass ihr die Luft wegblieb.

‚‚Manuelle Stabilisierung eingeleitet, Zeit bis zum Aufprall, 30 Sekunden!’’

Sie schluckte voller ekel ihre Magensäure hinunter, ihre Kehle und Mund trockneten aus, sie verlor beinahe wieder das Bewusstsein. Die Rettungskapsel schien sich langsam zu stabiliseren, doch es dauerte zu lange.

‚‚Warnung! Aufprall in 20 Sekunden!’’

Sie hatte keine Kraft mehr, um sie herum wurde alles leise und fahl, vor ihren Augen drehte sich ihre Wahrnehmung, dann verschwomm alles zu einer dicken Masse.

‚‚Warnung! Aufprall in 10 Sekunden!’’

Das war das einzige was sie noch hörte, dann wurde es dunkel und still um sie.

Als sie langsam wieder ihr Bewusstsein erlangte, lag sie mit dem Bauch auf dem Boden der Rettungskapsel. Sie konnte im ersten Moment keine klaren Gedanken fassen, dafür merkte sie sofort ihren dröhnenden Kopf und die Übelkeit, welche sie nun überkam. Sie spuckte säurehaltige Magenflüssigkeit, sie hustete und schnappte nach Luft. Zum Glück konnte sie Arme und Hände ohne Einschränkungen bewegen, also nahm sie sich ohne groß nachzudenken den Helm ab. Erleichtert sog sie frische Luft in ihren Körper, auch wenn das bedeutete, dass einiges an Rauch und Staub in ihre Lunge kam. Sie hustete daraufhin nochmal heftig. Langsam begann sie ihren schmerzenden Körper zu bewegen. Als sie sich aufrichten wollte, tat ihr linkes Bein höllisch weh, sie fiel wieder zu Boden, es war gebrochen. Dann merkte sie warmes Blut, welches ihr an ihrer rechten Schläfe hinunterfloss. Sie stöhnte vor Schmerzen, versuchte sich zu orentieren und aufzurichten. Als sie es endlich geschafft hatte sich auf ihren Hintern zu setzen, sah sie an ihr linkes Bein hinunter. Es war unnatürlich verbogen und lag schlaff zur Seite gedreht am Boden. Sie überprüfte dann ihren Raumanzug, dieser sah mitgenommen aus, aber bis auf ihren Helm gab es keine nennenswerte Beschädigungen. Während ihr das Blut an der rechten Gesichtshälfte bereits zu Boden tropfte, checkte sie das in ihren Raumanzug integrierte Display. Dieses schien eine Macke zu haben, der Bildschirm flackerte und zeigte Warn und Fehlermeldungen an.

Warnung! Protokoll fehlerhaft, Kommunikation zur Arche nicht möglich!

Warnung! Sauerstoff des Raumanzuges gering!

Fehler! Standorterfassung nicht möglich!

Fehler! Frequenzen zurzeit nicht erfassbar!

‚‚Na toll.’’

Seufzte sie niedergeschlagen. Dann fiel ihr ein das sie eine Pistole und ein Messer bei sich trug, mit ketischen Bewegungen und zitternden Händen tastete sie nach den Stellen, an den die Waffen befestigt sein sollten. Erleichtert stellte sie fest das sowohl ihre Pistole als auch das Messer noch da waren. Nun sah sie sich langsam um. Das Licht der Rettungskapsel flackterte, einige Kabel waren aus der Wand gerissen worden und sprühten Funken. Ungeschickt fasste sie sich an die Platzwunde an der rechten Schläfe und besudelte ihre Hand mit Blut.

‚‚Scheiße.’’

Hauchte sie und die Platzwunde begann weh zu tun.

‚‚Wo ist der Verbandskasten?’’

Sie sah sich um und entdeckte es im flackerten Licht dank der auffällig blauen Farbe. Es hang schräg an der Wand, angeblich hatte es den Verbanskasten beim Aufprall aus einer Verankerung gerissen. Sie fing an sich in die Richtung des Vrbandskasten zu drehen, dass gebrochene Bein schmerzte direkt.

‚‚Fuck!’’

Schrie sie auf und verzog vor Schmerzen ihr Gesicht. Sie hatte keine Wahl und robbte weiter auf den Verbandskasten zu. Sie biss sich auf ihre Unterlippe, stöhend und keuchend trug sie ihren, durch den Raumanzug, erschwerten Körper vorwärts. Als sie auf Höhe des Kastens an der Wand ankam, machte sie schwer atmend eine Pause. Zwei mal tief durchatmen um den Schmerz zu kanalisieren. Dann zog sie ihren Oberkörper nach oben und stützte sich dabei auf ihre beiden Arme. Der erste Griff nach dem Kasten ging daneben und kostete ihr viel Kraft, sie sammelte sich nochmal, versuchte sich zu konezntrieren. Doch auch der zweite Griff ging daneben, sie brüllte fluchend und schlug gegen die Innenwand der Raumkapsel. Der Schmerz in ihrem linken Bein lähmte sie und die klaffende, stark blutende Wunde machte sie benommen. Der dritte Versuch, sie beruhigte sich wieder. Mit dem dritten Griff erreichte sie den Kasten, doch dieser löste sich nun komplett aus seiner Verankerung und flog ihr entgegen. Gerade rechtzeitig konnte sie ihre Arme schützend über ihren Kopf stemmen. Polternd landete das Medikit neben ihr auf dem Boden. Sie drehte sie auf den Rücken und lehnte sich mit ihrem Rücken gegen die Wand. Als sie nach dem Kasten griff bemerkte sie, dass der Boden mit Wasser bedeckt war. Sie hielt kurz inne und sah zur Luke der Rettungskapsel die vor ihr lag. Die Luke war ein Spalt weit aufgebrochen, durch diesen Spalt plätscherte Wasser hindurch. Wo sie gelandet war interessierte sie, aber das konnte sie auch noch später herausfinden. Zu aller erst musste sie die Blutung der Platzwunde stoppen und irgendwie ihr Bein richten. Sie hiefte den verbandskasten in ihren Schoss und wollte gerade den Deckel öffnen, als plötzlich ein Schwall von Wasser durch die Luke kam und sie unter sich einen Wellengang merkte. Zudem hörte sie nun in der Ferne ein rumoren das an ein entferntes Gewitter erinnerte. Nervosität stieg in ihr auf und sie fasste den Entschluss, doch erstmal zu schauen wo sie abgestürzt war. Sie nahm den Kasten mit und robte angesntrengt zur Luke, dass Wasser reichte ihr mittlerweile über ihre Unterarme und stieg immer schneller an. Immer mehr Wasser schien sich durch die Luke zu quetschen, also versuchte sie schneller zu robben, so schnell wie es ihr gebrochenes Bein zu ließ. Als sie die Luke erreichte schielte sie über das sprudelnde Wasser durch den Spalt, frische, salzige Luft füllten ihre Lungen. Das wunderte sie nicht wirklich, da sie bereits eine Vermutung hatte wo sie gelandet sein könnte. Beruhigend war dies aber dennoch nicht. Ihre Gedanken begannen zu sprinten, langsam kamen ihre Kräfte zurück, sie rappelte sich auf und versuchte auf ein Bein zu stehen. Es klappte, wenngleich ihr linkes Bein immer noch schmerzte. Sie schob den Hebel der Luke nach oben und die Verankerung löste sich. Dann drückte sie die Luke mit aller Kraft zur Seite und Sonnenstrahlen kamen ihr entgegen. Nun umspülte noch mehr Wasser ihre Beine. Ein gedankenblitz, hastig stolperte sie zum Boardcomputer und schaltete gerade rechtzeitig die Energieversorgung der Rettungskapsel aus. Ein paar Sekunden später und sie sonst einen tödlichen Stromschlag bekommen. Sie atmete tief durch, doch dann hörte sie von außerhalb etwas, was sie zutiefst beunruhigte. Es war ein tiefes grollen, ein bebendes rollen. Sofort sprang sie zur Luke und kletterte ein stückweit hinaus, erst sah sie nach unten, Wasser, dann nach vorn, endloses Wasser, zur linken Seite, endloses Wasser, als sie nach rechts blickte, endloses Wasser. Angst und Verzweiflung schockten sie, als die Wassermasse, aufgetürmt zu einer riesigen Welle, auf sie zu kommen sah.

‚‚An alle T-59 Rettungskapseln der Arche Sirius, falls sie überlebt haben und diese Nachricht erhalten... (Störsignal) Sie ihren Standort. Ich... (Störsignal) aktuallisieren Sie ihren Standort, over!’’

So ein Mist, die Arche Sirius war neben ihrer Rettungskapsel in einiger Entfernung ins Wasser abgestürzt und hatte diese riesige Welle veursacht. Sie war gelähmt bei dem Anblick des Ungetüms, sie hatte noch nicht einmal die Durchsage registriert. Vielleicht auch nicht gehört, da das grollen der Poseidon-Flut immer lauter wurde. Tränen kullerten ihr über ihre Wangen als die Welle das Licht der Sonne hinter sich verschluckte und es schlagartig kühler wurde. Feiner Regen begann nun auf sie nieder zu prasseln. Sie stieg zurück in die Rettungskapsel, in der aussichtslosen, aber irgendwie akzeptierten Hoffnung doch irgendwie zu überleben, schloss sie die Luke hinter sich. Es wurde finster in der Rettungskapsel. Am Display ihres Raumanzuges tippte sie eine Frequenz ein, auf der sie zu sprechen begann. Ohne zu wissen ob diese auch funktionierte, doch dies war nun nicht mehr entscheidend.

‚‚Hier spricht Jane Fox...von der Arche Sirius, ich bin auf dem Planet B27A abgestürzt...’’, aller Akzeptanz zu wider, begann sie nun doch zu weinen und wimmern. ‚‚Ich weiß nicht ob meine Nachricht jemanden da draußen erreicht, aber falls doch...sagt meinen Kindern Tom und Mary das ich sie liebe. Und meine Frau Ha...’’

Ein plötzlicher Ruck und sie wurde von der einen Innenwand der Rettungskasel an der sie Platz genommen hatte gegen die andere geschleudert. Ihr Kopf knackte unter dem Aufprall gegen die Wand auf, wie eine Walnuss die man zwischen dem Nussknacker öffnete. Ein kurzer stechender Schmerz, ein letzter Schub von Adrenalin gepaart mit Angst, ein letzter Gedankengang an die Liebsten, dann wurde es um Jane dunkel.

Over

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

Autor

TheWanderers Profilbild TheWanderer

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Sätze:134
Wörter:1.761
Zeichen:10.840

Kurzbeschreibung

Eine abstürzende Rettungskapsel bringt Angst, Verzweiflung und Schmerz.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Science Fiction auch in den Genres Abenteuer, Drama gelistet.