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Ein Tag wie jeder andere

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18.01.26 22:48
18 Ab 18 Jahren
In Arbeit

Winter - 2:00 Uhr.

Die täglichen Tabletten zur Nachtruhe mitsamt dem Alkohol verhelfen mir schon lange nicht mehr zum herbeigesehnten ruhigen Schlaf.

Zwei, drei Stunden lang und ich schrecke Schweißnass aus meinen Alpträumen auf.

Ich kann Realität und Traumwelt kaum noch auseinander halten.

Die Nacht ist noch lang.

Nach der Wetterapp herrscht Sonne bei minus 11 Grad.

Das lautkranke Husten meines Nachbarn auf dem Flur weckt mich schließlich ganz auf.

Er ist auf dem Weg zum Klo.

Ich lass ihn den Vortritt.

Doch auch bei mir drängt es.

Endlich.

Nach den blutigen Papierhandtüchern im Abfalleimer der gemeinsam genutzten Toilette zu urteilen könnte es sich um ein ernsthaftes gesundheitliches Problem handeln.

Auf die Frage danach versichert er mir gegenüber seit über einem Jahr mit dem Rauchen aufgehört zu haben.

Also daran wird es wohl nicht liegen.

 

Scheisskalt - 5:00 Uhr.

Der andere läuft mit lauten Getöse mit seinen abgerockten Rollator durch den Gang auf den Weg an mir vorbei zum WC.

"Alarm! Alarm!"

Ruft er.

Zu spät.

Er gleicht einen Soldaten den man hinterrücks in den Arsch schoss und dessen rotbraunen Spuren sich nach allen Seiten hin erstreckt.

Wer macht das wohl diesmal weg?

 

Schon wieder - 6:irgendwas.

Der Wein geht zu neige,

das Bier ist alle.

Ich muss einkaufen.

Ein Brötchen wäre auch gut.

 

Bäcker/Aldi&Co. - 7:00 Uhr.

In der Stadt in der ich morgens auf dem Weg zum Bäcker schon mal angesprochen werde ob ich Heroin zu verkaufen hätte oder "Steine schiebe" bin ich geneigt meinen Tagesrhythmus entsprechend anzupassen um dieses zu vermeiden.

Ich frage mich ernsthaft was für ein Bild ich gegenüber anderen abgebe.

Und es spielt keine Rolle wann ich ausgehe.

Tatsächlich hoffe ich inständig das diejenigen über den Tag hinweg versterben und ich abends vor ihnen Ruhe habe.

Oder zumindest am nächsten Tag.

Das ist meist nicht der Fall.

So soll mich die Dunkelheit schützen.

 

18:00 - Dunkel

 

Die ausgefallene demolierte Laterne

am Eingang zum nahen Park

in dem ich mich keuchend auf der nassen Holzbank von den Strapazen eines mir langwierigen Weges erhole trägt nicht dazu bei die Szenerie zu beleuchten und die Zuversicht um meine Sicherheit zu verbessern in der ich mich täglich nächtlich wiederfinde.

Neben dem heftigen Klopfen meines Herzens vernehme ich Schatten und schemenhaft das Wesen der Nacht, das fleuchent und kreuchend um mich herum ein böses verspricht.

Auch der Mond scheint nicht.

Börse und Handy sind sicherheitshalber nicht dabei.

Eine Gruppe Jugendlicher die mit lauten Getöse um mich herum die gutbürgerliche Nachtruhe stört.

Das stetige Bangen um die eigene Existenz widerspricht meiner Hoffnung auf ein baldiges Ende.

Der Frieden, der damit einhergehen mag.

Indes geht die Nachricht über einen erschossen Mann einher.

Nicht weit von mir.

Autorennotiz

k.A.

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Autor

Ingo27568s Profilbild Ingo27568

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Kurzbeschreibung

Schön ist anders