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Der Preis der Jugend

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07.09.21 13:51
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

In den Zwischenpausen suchten wir hinter der Schule die Raucherecke auf, zündeten eine selbstgedrehte Fluppe an, um zu entspannen, abzuschalten, solch ein Schultag kostet Kraft, Nerven, Durchhaltevermögen und im Gegensatz zu unserer alten Schule am Land, lief es in der Stadt weitaus extravaganter ab, obwohl dies nicht die richtige Bezeichnung ist, und man kann sagen die Jugendlichen in der Stadt üben eine potentere kriminelle Energie aus. Zwar fanden wir dies auch am Land, es hielt sich jedoch in Grenzen, doch in urbanen Gebieten zeigte sich ein Schmelztiegel. Hier herrscht ein Bollwerk an kriminell-kreativer Entfaltung, was wohl auch im Zusammenprallen der diversen Kulturen geschuldet ist.

Bei Jugendlichen in unserem Alter, gerade wo das Taschengeld nicht großzügig ausfällt, herrscht somit immer pekuniärer Mangel und woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wenn die Eltern oder ein Elternteil, auch Stiefeltern oder sonstige Bezugspersonen, nicht viel aus der Hand geben müssen wir andere Einnahmequellen erschließen, die viel zu oft nicht im legalen Bereich angesiedelt sind, und dies bekam ich auch aus dem Freundeskreis zu hören als sie uns darüber aufklärten, wie die Mädchen wie Jenny und Co. das Geld für ihren täglichen Bedarf verdienen.

Ob als WebCam-Girl abends vorm Laptop indem sie die generösen Geschenke ihrer Kunden für freizügige Dienste auf ein Online-Konto transferieren oder sie sich auch mit ihren Sugar-Daddys privat treffen. Das kam selten vor jedoch ist auch persönliches Zusammenkommen mit einem noch höheren Honorar verbunden, und da sie schon in der Schule sich für gute Noten verkaufen, um es durch die Oberstufe zu schaffen, fällt auch die Hemmschwelle im privaten Bereich schnell und die Zusammenkünfte mit verheirateten älteren Männern bekam für sie Routine.

Um ehrlich zu sein kann ich ihnen keinen Vorwurf machen, heutzutage bleibt man schnell auf der Strecke, jeder muss den Pool seiner Möglichkeiten ausschöpfen, ob schon in der Schulzeit so gehen auch die Erwachsenen im Berufsleben nicht zimperlich miteinander um und stoßen jeden, wenn sie es können, von der Klippe um einen noch so geringen Vorteil zu erhalten. Schon in der Schulzeit wird uns Durchsetzungsvermögen gelehrt, ganz gleich mit welchen Mitteln, sobald man eine günstige Karte zugespielt bekommt, muss diese auch lukrativ ausgespielt werden.

Auch in der Klasse meiner Schwester, der 12-13jährigen, gibt es schon diverse Mädchen, die sich nebenbei Geld verdienen, entweder auch vorm Laptop als Online-Girl vor der Kamera, wo sie aufreizend oder nackt posieren, sexuelle Handlungen auf individuellen Wunsch an sich verüben, wofür sie auch großzügig entlohnt werden oder sie gehen zu fremden Personen in deren Wohnung. Prostitution fiel mir gleich als Begriff ein, aber das scheint an der Schule, wo niemand offiziell darüber spricht, schon normal geworden zu sein und zieht sich durch die ganzen Schulstufen, weil viele aus ärmlichen Verhältnissen kommen, wo die Eltern entweder zuwenig für den Unterhalt der Kinder verdienen oder die Eltern gar keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen. Selbst ein Vollzeitjob sorgt heutzutage für die Armutsgrenze, weil die zusätzlichen Unkosten untragbar geworden sind. Das Leben ist teuer, auch Jugendliche benötigen Dinge, die leistbar gemacht werden müssen und sei es auf unterschiedlichem Wege.

Darüber hinaus gibt es auch Mitschüler wie Deniz und seine Gang, die nebenbei ihre weiblichen Mitschüler gewissermaßen auf den Strich schicken. Sie vermitteln sie nebenbei nach der Schule an Privathaushalte, wo die syrischen, pakistanischen, türkischen, somalischen, afghanischen usw. Männer warten, sie die Mädchen mit Drogen, Alkohol, Geld oder diversen Geschenken anlocken und für sexuelle Gefälligkeiten bezahlen bzw. missbrauchen -, Deniz, Baran, Adil oder auch Casim sowie andere schneiden hier mittels Provision als Zuhälter mit. Und immer wenn ich durch die Klasse schaue, denke ich mir, wie völlig anders, völlig entfremdet diese verkauften Mädchen im Gegensatz zu ländlichen Mädchen sind. Als seien sie mit ihren Köpfen in einer anderen Welt und kein Wunder, dass sie die Drogen benötigen um über das außerschulisch Erlebte hinwegzukommen. Wenn sie nach Unterrichtsschluss mitgehen, sie zu den Häusern oder Wohnungen gebracht werden, um gegen Bezahlung Sex zu haben. Geld stinkt nicht, zumindest nicht offiziell, und an einem Nachmittag, wenn sie ganz fest die Augen schließen, können sie mehr verdienen als ihre berufstätigen Eltern  in einem Vollzeitjob. Diesen verbrauchten Mädchen ist ihr Leben schon in jungen Jahren deutlich anzusehen. Armut ist schlimm, selbst in der heutigen Zeit, und wo das Normalmaß an Optionen nicht ausreicht muß eben ein Plan B her, um die Familie finanziell zu unterstützen oder auch die eigenen täglichen Belange finanziell zu stemmen. Ihre Jugend spielt ihnen in die Hände, wie sie selber sagen. Es ist völlig, mehr als verständlich, und wenn meine Schwester von den Erlebnissen der anderen Mädchen berichtet, die sie in den Umkleideräumen mitbekommt, stellen sich einem nicht bloß die Zehennägel auf. Aber Armut ist ein Los mit dem man sich niemals anfreunden kann.

Wenn mir aus dem Freundeskreis geschildert wird, dass viele Mädchen einfach keine Wahl haben, sie auch noch ihre jüngeren Geschwister durchbringen müssen, Jugendamt und Heim keine Lösung ist, weil man die Familie erst recht trennt und aufspaltet, nehmen sie den Sex und Verkauf ihrer Körper gerne hin, um ihre Geschwister zu versorgen oder auch die eigenen Bedürfnisse nach materiellen Gütern zu befriedigen.

„Die Mädchen haben sich mittlerweile schon daran gewöhnt, dass man sie als Weißen Abschaum bezeichnet“, beschrieb es meine Schwester. „Sie wissen ganz genau wie die moslemischen Kunden über sie denken und erzählen, dass die moslemischen Frauen erst Sex mit ihren Männern haben, wenn sie verheiratet sind, und darum suchen sie nach Weißen Mädchen aus den niederen sozialen Schichten, die sie dafür mit Almosen bezahlen. Sie wissen, diese sind auf jeden Cent angewiesen sind und die Zuhälter bieten ihnen immer gute Ware zum Diskontpreis an.“

Meine Schwester spricht darüber schon recht gelassen wie auch die anderen Mädchen es inzwischen mit Gelassenheit hinnehmen, weil ihnen auch keine andere Wahl geboten wird und sie, meine Schwester, sei auch schon von Casim angesprochen worden, ob sie Lust habe nach der Schule Geld zu verdienen. Sie lehnte natürlich ab, wurde zeitgleich auch bedroht, sie solle die Schnauze halten sonst wird sie es bereuen. Aber sie hat keinen Grund zu plaudern, das weiß auch Casim, weil auch wir nicht ganz unbescholten sind und Drogen von diversen Dealern beziehen.

Die gehörten Geschichten entsetzen, sie lassen einem mehr als die Nackenhaare aufstellen, wenn man hört wie mehrere Männer über die Minderjährigen an einem Nachmittag drübersteigen, die drei bis vier Mal so alt sind wie sie selber, und sie nur alles ertragen können bis sie schließlich mit dem Geld aus dem Haus verschwinden, während der Zuhälter im Nebenzimmer wartet um zu kassieren. Und am nächsten Morgen sitzen diese Mädchen wieder in der Klasse, tun so als wäre alles in Ordnung, um Eltern und Lehrer etwas vorzuspielen oder auch mit den Lehrern in einen Extraraum zu gehen. Jeder weiß davon, keiner spricht darüber, der Skandal wäre verheerend und solch Sachen kehrt man unter den Tisch.

Es sind auch schon Mädchen vergewaltigt worden aber was bringt eine Anzeige, die Polizei unternimmt kaum etwas aus Angst vor rassistischen Vorwürfen, die dann skandalös in den Medien aufgebauscht werden und wenn erfolgt hinterher eine Anzeige auf „Freien Fuß“ für die Täter.

Österreich ist das Land des „Täterschutzes“, das merkt man immer wieder bei der hiesigen Kuscheljustiz und seit 2015 ist die Hölle los. Das bekomme ich auch aus dem Freundeskreis zu hören, dass viele vor einer Anzeige zurückschrecken aus Scham, aus Angst, zu wissen sie müssen das Erlebte wiederholt schildern, die Opfer alles minuziös wiedererleben um hinterher zu erfahren die Täter werden auf Freifuß gesetzt. Drum schweigen viele, weil Rassismus nicht an heimischen Schulen existieren darf, es ein Tabuthema ist und die Mädchen als Lügnerinnen hingestellt werden. Das „Skandalurteil von Tulln“ ist noch immer unvergessen und die Mädchenmorde seit 2015 durch Flüchtlinge/Illegale ebenso.

Natürlich, wie sollte es auch anders sein, bekommen wir auch Loverboy-Geschichten von Opfern zu hören, aber es passiert so viel an einem einzigen Tag, in einer einzigen Nacht, wovon seitenweise berichtet werden kann, aber man flüstert all diese Taten nur hinter vorgehaltner Hand.

Wenn ein Mädchen spricht, darüber erzählen will, wird ihr das Wort von den Behörden im Mund umgedreht bis es als unglaubwürdig dasteht. Das ist nicht zum ersten Mal passiert, weil niemand in diesem Land gegen Ausländer Kritik üben darf, und die LINKEN gehen gleich auf die Barrikaden. Drum fühlen sich die Asylkinder in den Klassen uns auch überlegen, drum werden die Mädchen auch als “Weißer Abschaum“ bezeichnet, weil sie wissen sie können nicht abgeschoben werden, ihnen droht auch keine Strafe – eben wegen dem „Täterschutz“ – drum haben sie in diesem Land volle Narrenfreiheit. Drogen machen abhängig, sie schicken die Mädchen dann anschaffen und bauen so ihr Netzwerk auf.

„Wie nach dem Vorbild in Rotterdam“, hörten wir im Freundeskreis. „Solch Vorgänge sind in England schon Gang und Gebe.“

Seit dem Schulwechsel haben wir schon viel in Erfahrung gebracht, leider keine positiven Sachen, außer den neuen Freundeskreis, der uns einweihte damit uns nicht dasselbe Schicksal erleidet. Ob Zuhälter, Dealer, an der Schule läuft viel kriminelles Pack herum, das auf die Chance wartet zuzuschlagen und von den Lehrern ist nichts zu erwarten, ganz im Gegenteil, die nutzen die Hilflosigkeit der Mädchen ebenso ungeniert aus.

Dessen ungeachtet, wenn wir in den Zwischenpausen beisammenstehen, tauschen wir Informationen aus, reden über Gott und die Welt und versuchen einen Schultag halbwegs unbeschadet zu überstehen, um nicht selbst ins Kreuzfeuer zu geraten. Wir erleben es hautnah mit und hören die Geräusche aus den Toilettenkabinen. Hunger tut weh! Geld wächst nicht auf Bäumen! Und gerade in der Corona-Zeit, wo Jobverlust überall droht und schon passiert ist, die Zahl der Privatkonkurse angestiegen sind, müssen selbst die Kleinsten und Schwächsten für das Familieneinkommen – auf welch Weise auch immer – beitragen, um nicht das Dach über den Kopf zu verlieren. Das Spiel mit der Angst passiert tagtäglich.

Meine Schwester und ich wissen nun was hier an der Schule vorgeht, wie die Dinge laufen, drum halten wir uns bedeckt und auch diplomatisch.

Die Schule ist ein Schlachtfeld, ein täglicher Überlebenskampf und gerade in der heutigen Zeit scheint es nicht genug Drogen zu geben, um einen gewöhnlichen Schulalltag zu überstehen. Wir beschützen uns gegenseitig wie wir es auch bisher getan haben, denn wen sollen wir vertrauen? Eltern, die mit ihrem eigenen Leben schon überfordert sind? Lehrern, die sich an uns befriedigen? Den Erwachsenen, die über uns herfallen?

Wir, Jugendliche, haben nur uns allein und gerade in dieser egoistischen Ellbogengesellschaft kann jeder Tag unser Letzter auf Erden sein!

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