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Krigsgaldr

255
25.08.21 23:42
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
Fertiggestellt

7 Charaktere

Senju Hashirama

Auch als Gott der Shinobi bekannt. Er ist mit seinem Freund und Rivalen Uchiha Madara einer der Gründer Konohagakures und wurde auch erster Hokage mit seinem jüngeren Bruder Tobirama als sein Nachfolger. Hashirama besitzt das einmalige kekkei genkai des Mokuton, das Erd- und Wasser-Elemente verbindet und ihn in die Lage versetzt, die Kräfte der Biju zu unterdrücken.

Uchiha Madara

Zur Zeit der Bürgerkriege war er einer der mächtigsten Ninja und Anführer der Uchiha. Zusammen mit seinem Bruder Izuna erlangt er das Mangekyō Sharingan, doch selbst damit war er nicht in der Lage, seinen alten Kindheitsfreund Hashirama zu besiegen. Später schloss er mit diesem Frieden, um ihren alten Traum zu verwirklichen, verließ dann jedoch Konoha, um es einige Zeit später wieder anzugreifen.

Senju Tobirama

Der jüngere Bruder Hashiramas und zweiter Hokage. Er ist weithin gerühmt für seine Schnelligkeit, auf deren Basis er auch das Hiraishin entwickelte. Außerdem entwickelte er zahlreiche weitere Jutsu, unter anderem auch das Edo Tensei. Er ist mit seiner ruhigen und rationalen Natur ein Gegenstück zu seinem Bruder und bremst oft dessen Enthusiasmus aus, um ihn in realistischere Bahnen zu lenken.

Uchiha Izuna

Izuna ist der jüngere Bruder Madaras und mit ihm einer der stärksten Mitglieder des Uchiha Clan. Sie beide erweckten schon in jungen Jahren das Mangekyō Sharingan und konnten damit über ihren Clan herrschen. Izuna steht treu zu seinem Bruder und unterstützt ihn. Er wurde von seinem Rivalen Senju Tobirama tödlich verwundet und gab seine Augen noch auf dem Sterbebett Madara.

Senju Toka

Toka war eine kunoichi vom Senju Clan zur Zeit der Bürgerkriege. Viel ist über sie nicht bekannt, nur dass sie eine enge Vertraute Hashiramas gewesen war. Toka war für ihr Geschick im Umgang mit Genjutsu bekannt, das sogar an das der Uchiha heranreichte.

Uchiha Hikaku

Hikaku war ein Ninja des Uchiha Clans in der Zeit der Bürgerkriege. Wie alle Uchiha besaß er das Sharingan. Viel ist über ihn und seine Fähigkeiten nicht bekannt, nur dass er ein Vertrauter Madaras war. Was aus ihm wurde, ist nicht bekannt.

Ōkami

Ōkami ist die Leitwölfin eines Rudels in den Wäldern des Feuerreiches, sowie Tobiramas Vertrauter Geist und seine Ersatzmutter. Als er einst in die Wölder ging, um mit den Wölfen einen Vertrag abzuschließen, akzeptiere sie ihn in ihrem Rudel und beschloss, dass von nun an Tobirama ihr Welpe sei.
Ihr kennt Heilung nicht? Jetzt kennt ihr sie. Galdr ist Altnordisch und steht für eine bestimmte Art von Zaubergesang zur Beschwörung, was sich im heutigen Sprachgebrauch noch als Galsterei erhalten hat.

Kapitel 1

Hashirama starrte auf den Fluss. Der Ort, wo alles begonnen hatte und wo alles geendet war. Er wusste nicht, welchen Namen er den Gefühlen geben sollte, die in ihm tobten. Er wusste nur, dass es ihn schmerzte, das verloren zu haben, das ihm das Kostbarste gewesen war.

Der Fluss floss träge dahin, wie er es schon lange vor Hashirama getan hatte und wie er es auch noch lange nach ihm tun würde. Das Wasser wusch davon alles, was schrecklich und hässlich war. Deswegen kam Hashirama noch immer hierher, weil es der einzige Ort war, an dem er seinen Gefühlen einen Raum geben konnte.

Sie nagten an ihm, brannten und verzehrten ihn von innen heraus auf und wenn er nicht aufpasste, würden sie ihn eines Tages verschlingen.

Einst hatte er hier teilen können, was er empfand. Jetzt waren da nur noch die stillen Wasser, die die Finsternis in ihm davontrugen. Er kniete sich am Ufer nieder und fühlte den Kies unter seinen Fingern. Dann ließ er sein Chakra in den Boden sickern und mit ihm all seine Gefühle, seine Trauer, seine Einsamkeit, seinen Schmerz.

Lotusblüten begannen, sich aus dem Flussbett zu winden, und strebten der Oberfläche entgegen. Sie entfalteten ihre Blätter und streckten ihre Blüten dem Sonnenlicht entgegen. Aber es war noch nicht genug. Also ließ er auch Astern am Ufer erblühen, ein Versprechen nicht zu vergessen, was einst gewesen war, und fügte schließlich auch noch einen Strauch weißer Kamelien hinzu.

Dann kehrte er dem Fluss den Rücken zu.

Das nächste Kapitel wird auch wie die darauf folgenden länger. Madara geht den Gerüchten um den Dämon aus den Wäldern auf den Grund und macht einen erstaunlichen Fund.
Wenn ich irgendwelche CNs vergesse, teilt mir das bitte mit.

Kapitel 2

In den Wäldern ging ein Dämon um, hieß es. Ein Rachegeist, der die Geheimnisse seines Reiches hütete und gnadenlos jeden Uchiha jagte, welcher die Dreistigkeit besaß, in die Schatten seiner Bäume zu treten. Niemand hatte diesen Dämon bisher gesehen, aber es gab Gerüchte, eines davon übertriebener als das andere. Sie sagten, der Dämon sei in der Lage, die Natur selbst zum Leben zu erwecken und sie gegen seine Feinde ins Feld zu führen. Andere besagten, er bräuchte nicht einmal die Natur um sich herum, sondern könne aus dem Nichts heraus wilde Pflanzen sprießen lassen, die seine Feine erdolchten und erdrosselten, als seien sie Lebewesen.

Madara wusste, dass das alles Blödsinn war. Der Fakt blieb jedoch bestehen, dass immer mehr Uchiha in letzter Zeit in den Wäldern verschwunden waren. Es begann, ihre Kampfstärke zu beeinflussen, und das wiederum hieß, dass Tajima nun endlich etwas dagegen unternehmen musste.

Auch wenn Madara nicht an den Blödsinn mit dem Dämon aus den Wäldern glaubte, so konnte er doch nicht leugnen, dass der dunkle Wald ihm nicht geheuer war, und er war froh, dass er nicht allein war. Izuna begleitete ihn und auch Hikaku war auf diese Mission geschickt worden. Ihre Aufgabe war es herauszufinden, was in den Wäldern vor sich ging, und bestenfalls auch das Schicksal der verschwundenen Uchiha aufzudecken.

»Angeblich soll das Gebiet der Senju nicht weit von hier sein«, sagte Izuna. »Vielleicht finden wir sogar ein paar von denen und können sie umlegen.«

Senju. Dieser Name hinterließ auch nach drei Jahren noch immer einen bitteren Geschmack auf Madaras Zunge. Er presste die Lippen aufeinander.

»Das ist nicht unsere Mission«, erinnerte Hikaku. »Wir sollen auskundschaften und Kämpfe wenn möglich vermeiden.«

Tajima hatte die drei ausgewählt, weil ihr dōjutsu zu den stärksten im Clan gehörten. Sollte irgendeine Art von Illusion auf den Wäldern liegen, dann wären sie in der Lage, sie aufzulösen, und sollte es doch zum Konflikt kommen, dann wären sie die Wahrscheinlichsten, die da lebend wieder herauskämen.

Natürlich wäre es Madara am liebsten gewesen, wenn Izuna daheim geblieben wäre, aber das kleine Wiesel wäre ihm wahrscheinlich dennoch gefolgt. Geheimnisse faszinierten ihn und gegenwärtig gab es kein größeres Geheimnis als dieser mysteriöse Dämon aus den Wäldern. Es war also besser, wenn er von Anfang an mitkam, dann konnte Madara ihn besser im Auge behalten.

»Was machen wir, wenn wir auf Senju treffen?«, fragte Izuna.

»Sollten sie uns zuerst finden, töten wir sie. Ansonsten versuchen wir unbemerkt zu entkommen«, sagte Madara. »Unsere Aufgabe ist es, Informationen zu sammeln, und dafür müssen wir unentdeckt bleiben.«

Ein Tropfen fiel aus dem Laubwerk über ihm und landete direkt in seinem Nacken. Das kalte Regenwasser ließ ihn erschaudern. Etwas war nicht geheuer an diesem Wald, dessen war er sich sicher. Die Luft war feucht und Dunst hing zwischen den Bäumen. Moos hing wie lange Bärte von den knorrigen Ästen. Die Schatten waren tiefer, die Natur wilder. Doch selbst mit seinem Sharingan konnte er nicht erkennen, was die Ursache für dieses beunruhigende Gefühl war, das ihn beschlichen hatte, seit sie den Wald betreten hatten.

Seit Stunden schon wateten sie durch feuchtes Laub und kämpften sich durch unwegsames Gelände. Das Unterholz des Waldes war dicht und behinderte ihr Vorankommen, zusätzlich erschwert durch die Gefahr des Ausrutschens auf dem Laub.

»Warum kann Vater diesen Wald nicht einfach ignorieren?«, schimpfte Izuna nicht zum ersten Mal. »Das hier liegt weit hinter unseren Grenzen.«

»Wenn das wirklich das Gebiet der Senju ist, dann gibt uns dieses Wissen einen enormen Vorteil«, erwiderte Madara, ebenfalls nicht zum ersten Mal. Warum er ausgerechnet mit Izuna so viel Geduld hatte, wusste er nicht.

Sie hielten ihre eigenen Grenzen geheim und die Senju hielten es ebenso. Tajima hatte seit einer Weile den Verdacht, dass seine Feinde sich vielleicht in diesem Wald hier verbergen könnten. Wenn er herausfinden könnte, wo seine Feinde ihr Kerngebiet hatten, dann würde ihn das einen unschätzbaren Vorteil verschaffen.

Madara wusste nicht, ob er sich darüber freuen sollte oder eher nicht.

Hikaku hob die Hand. »Seid still, ich glaube, ich habe etwas gehört. In der Richtung dort.«

Sie begaben sich in die Richtung, in die er gewiesen hatte. Vorsichtig schlichen sie sich durch das Unterholz und achteten darauf, so wenig Geräusche wie möglich zu machen. Bedächtig setzte Madara einen Fuß vor den anderen und sah sich aufmerksam um. Nichts regte sich im Wald, er hörte lediglich einige Vögel im Geäst über ihnen zwitschern. In der Ferne hämmerte ein Specht. Alles schien normal und doch wurde er das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden.

»Hier drüben!« Izuna winkte, als er etwas gefunden hatte.

Sie kamen zu ihm, um sich anzusehen, was er aufgespürt hatte. Dieses Etwas stellte sich als sonderbares Flechtwerk heraus, das an die Äste eines kleinen Baumes gebunden worden war. Lederschnüre waren miteinander verwoben worden und darin eingeflochten waren Knöchelchen verschiedener Tiere. An weitere Lederschnüre waren Holzperlen und noch mehr Knochen geknüpft worden und sogar der Schädel eines Vogels. Die Knochen klackten trocken, als sie im Wind hin und her schwangen und gegeneinander stießen. Das war es, was Hikaku gehört hatte.

»Eine Falle?«, überlegte Madara. Er sah sich mit seinem Sharingan und gezogenem Katana um, aber konnte noch immer nichts Ungewöhnliches entdecken. Jedenfalls abgesehen von diesem Ding, was sie gefunden hatten. Es machte ihn fuchsig.

»Oder eine Markierung«, ergänzte Hikaku. Er begann das Laub am Boden unter dem seltsamen Gebilde zur Seite zu scharren.

»Oh, ein Schatz vielleicht?« Izunas Augen leuchteten begeistert bei der Aussicht auf ein neues Geheimnis, das er vielleicht wortwörtlich ausgraben konnte. Er half Hikaku.

Madara ließ die beiden machen und behielt die Umgebung im Auge. Warum sollte jemand sich die Mühe machen, so etwas zu knüpfen und dann auch noch hier aufzuhängen? Eine Falle schien es ja doch nicht zu sein, und wenn doch, dann hatte er sie nicht durchschaut. Also vielleicht wirklich eine Markierung? Aber für was?

Hikaku und Izuna wurden nicht fündig. Sie füllten das Loch, das sie gegraben hatten, wieder und schoben dann wieder das Laub darüber, um ihre Spuren bestmöglich zu verwischen.

In der Ferne heulte ein einzelner Wolf. Sein Ruf hallte gespenstisch durch den Wald und wurde bald schon begleitet von den Rufen seiner Artgenossen. Aus der entgegengesetzten Richtung antwortete ein weiteres Rudel.

»Ich würde vorschlagen, wir entfernen uns von hier uns suchen uns anderer Stelle ein Nachtlager«, schlug Hikaku vor.

So hielten sie es. Sie ließen Izuna auf einen der Bäume klettern, da er der geschickteste von ihnen war, wenn es um solcherlei Dinge ging. Von der Krone des Baumes aus spähte er die Umgebung aus. Als er wieder bei ihnen war, berichtete er.

»In südlicher Richtung ist ein Felsenplateau. Heute werden wir es nicht mehr erreichen, aber auf unserem Weg dorthin liegt ein Fluss, gar nicht so weit weg von hier. Dort könnten wir ein lauschiges Plätzchen finden.«

Sie sahen zu Madara. Er nickte. »Klingt nach einem Plan.«

Während sie sich also in die Richtung des Flusses begaben, überlegte Madara, in welches Gebiet es sie führen würde. Sie waren weitaus nördlicher, als er damals immer gegangen war, aber wenn er sich nicht völlig irrte, müsste ihr Weg sie zu Naka Fluss führen. Würden sie ihm flussabwärts führen, würden sie irgendwann ihr eigenes Clangebiet wieder erreichen. Hierher war er früher oft geflohen, wenn ihm alles zu viel geworden war. Hier war es auch, wo er …

Er unterbrach seinen Gedankengang. Nein. Besser, wenn er nicht weiter darüber nachdachte. Er ignorierte den Schmerz in seiner Brust.

Als wäre ihr Marsch durch den Wald nicht ohnehin schon unangenehm genug, fing es auch wieder an zu nieseln. Madara merkte, wie seine Laune im selben Maße in den Keller sackte, wie seine Kleidung durchweichte und sich feuchtes Laub in seinen Haaren verfing.

Sie erreichten den Fluss in der Dämmerung. Eine Eule auf Jagd ließ ihren geisterhaften Ruf ertönen. Madaras Begleiter ließen sich davon nicht beirren und begannen ihr Nachtlager aufzuschlagen. Er selbst hatte jedoch nur Augen für das Flussufer.

Ja, hier war es gewesen. Sein kleiner geheimer Rückzugsort. Er konnte sich jedoch nicht erinnern, dass hier so viele Blumen gestanden hatten. Das ruhig dahinfließende Wasser war bedeckt von Lotusblüten und am anderen Ufer konnte er einen Kamelienstrauch sowie blühende Astern ausmachen. Es war eine seltsame Kombination an Blumen, die irgendwie Fehl am Platz wirkte. Als wären sie hier platziert worden.

Es konnte doch nicht sein, dass …?

»Hey, Big Bro, hör auf, Löcher in die Luft zu starren«, rief ihm Izuna zu.

Madara blinzelte und riss sich von dem Anblick los. Er wandte sich zu den anderen um, welche bereits begonnen hatten, ihr kleines Zelt zu errichten, und machte sich daran, ihnen zu helfen. Als das Zelt stand, war das letzte Tageslicht bereits im Schwinden begriffen und Madara holte die Petroleumlampe aus seinem Gepäck. Mit einem kleinen, durch sein Katon erzeugten Funken war der Docht entzündet. Er schraubte ihn nach unten, um die Flamme klein zu halten, gerade genug, um ihre unmittelbare Umgebung zu erleuchten. Dann teilten sie sich ihre Tagesrationen, schale, geschmacklose Proteinkugeln, die als Mahlzeit zwar unbefriedigend waren, aber sie mit Nährstoffen versorgten.

In der Ferne hörten sie erneut einen Wolf heulen, doch dieses Mal antwortete ihm niemand.

»Diese Biester sind mir nicht geheuer«, brummte Izuna.

»Keine Sorge«, sagte Hikaku beschwichtigend. »Wölfe sind sehr menschenscheu und fürchten das Feuer. Wenn sie uns gewittert haben, dann halten sie sich von uns fern und wenn doch nicht, können wir sie einfach vertreiben.«

Der Regen hatte indes zugenommen und trommelte rhythmisch auf die Zeltplane. Madara hoffte, dass sie dicht halten würde, weil er keine Lust hatte, noch nasser zu werden, als er ohnehin schon war. Er machte sich daran, das Wasser aus seinen Haaren zu wringen und die kleinen Ästchen und das Laub herauszupicken, das sich darin verfangen hatte. Er sparte es sich jedoch, die ganzen kleinen Knötchen zu lösen, es wäre ohnehin ein Kampf auf verlorenem Posten.

»Wie wäre es, wenn wir uns Geistergeschichten erzählen?«, schlug Izuna vor. Er schnappte sich die Lampe und hielt sie so unter sein Gesicht, dass das Licht der kleinen Flamme dunkle Schatten warf. »Kennt ihr die Geschichte der Waschfrau Okiku?«

»Jeder kennt die«, brummte Madara.

»Okiku war ein einfaches Dienstmädchen auf der Burg Himeji und angeblich von unvergleichlicher Schönheit«, plapperte Izuna munter drauf los.

»Ich will den Quatsch nicht schon wieder hören müssen«, unterbrach Madara ihn.

»Ach, komm schon!«, bettelte Izuna und zog eine Schnute. »Angeblich soll es hier in diesem Wald einen waschechten Dämon geben, das ist doch der perfekte Ort für eine gute alte Gruselgeschichte.«

»Ich will aber nichts davon hören. Wir sind auf einer Mission.«

»Und das verbietet uns, wenigstens ein bisschen Spaß zu haben?«

»Ja.«

»Spielverderber.«

Damit konnte Madara leben. Ihm stand jetzt nicht der Sinn nach Izunas Albernheiten. Er war vierzehn und noch immer ein Kindskopf. Madara hatte dafür jetzt keinen Nerv.

Hier zu sein ohne Hashirama, fühlte sich irgendwie falsch an. Er hatte ihn das letzte Mal außerhalb eines Kampfes vor drei Jahren gesehen und war seitdem nie wieder hierher zurückgekommen. Das, was sie einst gemeinsam geteilt hatten, war beschmutzt worden. Izuna, das kleine Wiesel, hatte herausgefunden, dass Madara sich davongeschlichen hatte, und anscheinend hatte Hashiramas kleiner Bruder dasselbe gemacht. Er wusste nicht, wie es Hashirama ergangen war (und eigentlich war es ihm auch egal, redete er sich ein), aber zumindest er war danach lange nicht gut auf Izuna zu sprechen gewesen.

Es war ein wenig weiter flussabwärts gewesen, wo sie sich immer heimlich getroffen hatten, aber nicht viel. Er wollte nicht, dass er jetzt hier mit Izuna war und dazu auch noch Hikaku, einem Außenseiter. Sie hatten kein Recht darauf, ein Teil dieses Ortes zu sein.

Und er sollte nicht mehr darüber nachdenken, sagte er sich im Stillen. Es war Geschichte. Aus und vorbei. Für immer verloren.

Ein unheimlicher Ruf hallte durch die Nacht, ein langgezogener Klang von etwas, für das sie keinen Namen hatten. Es hallte mit einem unheimlichen Nachklang in den Wäldern wieder und dann hob es erneut an, als würde es klagend nach etwas rufen.

Sie zuckten zusammen und dann tat Madara sogleich, als sei nichts gewesen, während gleichzeitig sein Herz wild in seiner Brust hämmerte.

»Was war das?«, hauchte Izuna, während er die Arme um die Knie schlang.

»Keine Ahnung«, wisperte Hikaku.

»Vielleicht war‘s ja doch der Dämon«, sagte Izuna mittlerweile so leise, dass Madara ihn kaum noch verstand.

»Blödsinn«, rügte Madara ihn. »Es gibt keine Dämonen und auch keine Geister. Vielleicht war es ein Tier und vielleicht hat auch nur der Wind in einem Astloch gepfiffen. Ich werd mal nachsehen.«

Er erhob sich und schlug die Zeltplane zurück. Draußen war es mittlerweile stockfinstere Nacht, da die Wolken am Himmel jegliches Licht vom Mond oder den Sternen blockten. Er versuchte den Regen so gut es ging zu ignorieren und trat vom Zelt weg. Sie hatten ihr Lager nahe des Flusses im Schutz einer Baumgruppe errichtet, die von einigen Büschen umgeben war. Das gab ihnen hoffentlich genug Sichtschutz, um den Schein ihrer Lampe zu verdecken.

Er gab seinen Augen einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen und allmählich konnte er schemenhaft die Bäume um sich herum erkennen. Er lauschte in die Nacht hinein, doch dieser seltsame Laut kehrte nicht zurück. Alles, was er hörte, war das gleichmäßige Rauschen des Regens im Laub des Waldes.

Aber irgendwie ließ ihn doch nicht das Gefühl nicht los, dass hier etwas vor sich ging, das nicht mit rechten Dingen zuging.

Ihm war mit einem Mal, als würde er wieder das trockene Klacken von Knochen hören, ganz schwach und in der Ferne. Er wagte es nicht, sich allein weit vom Lager zu entfernen, um nachzusehen, und so spitzte er die Ohren, doch er konnte nichts genaueres ausmachen.

Die Bäume um ihn herum raschelten mit ihrem Laub, als eine Windböe dazwischen fuhr. Äste knarzten. Er sah auf, konnte jedoch nicht viel im Schwarz der Nacht ausmachen.

Als er den Blick wieder senkte, musste er an sich halten, um keinen erschrockenen Laut von sich zu geben. Da in der Finsternis jenseits ihres Lagers meinte er eine menschenähnliche Gestalt auszumachen, der ein Geweih aus dem Kopf zu wachsen schien. Die Büsche raschelten und streckten ihm ihre Äste entgegen. Etwas Weißes blitze im Dunkeln auf, das vielleicht Augen sein könnten, vielleicht aber auch etwas anderes.

In der Ferne heulte der Wolf. Ein zweiter antwortete, ganz nah am Lager. Madara zuckte zusammen und ließ den Blick über seine Umgebung schweifen, doch er konnte nichts ausmachen. Als er wieder in die Richtung der Gestalt sah, war sie verschwunden.

»Ich Idiot«, murmelte er. Dass er sich von seinen Sinnen solch einen Streich hatte spielen lassen! Er kehrte in das Zelt zurück.

»Der Wolf war viel zu nah!«, rief Izuna nervös aus.

»Keine Sorge, der ist weg«, versicherte Madara ihm.

»Und? Hast du etwas gesehen?«, wollte Hikaku wissen.

Madara dachte an die sonderbaren Schatten. Dann schüttelte er den Kopf. »Nein. Nichts. Alles normal. Wir sollten jetzt schlafen.«

Sie teilten die Wache für die Nacht ein, dann begaben sie sich zur Ruhe. In dieser Nacht geschah nichts Ungewöhnliches weiter und Madara war froh, etwas Ruhe zu finden.

Am nächsten Morgen hatte der Regen zwar aufgehört, aber der Himmel war noch immer trüb und die Wolken versprachen, dass es im Laufe des Tages wieder regnen würde. Madaras Laune war noch immer nicht wesentlich besser, da seine Kleidung nach wie vor klamm war und es noch keine Gelegenheit gegeben hatte, sie ordentlich zu trocknen.

Sie packten das Zelt zusammen und brachen dann auf. Bevor sie ihren Rastplatz jedoch verlassen konnten, konnte es sich Madara doch nicht nehmen lassen, ihr Umfeld nach Spuren zu untersuchen. Er erwartete, Wolfsspuren im durchweichten Waldboden zu finden, doch was er tatsächlich fand, überraschte ihn zunächst und bereitete ihm dann Sorgen.

Es war ein Fußabdruck. Und nicht nur das. Neben dem Abdruck halb unter einem Busch verborgen fand er einen kleinen Knochenhaufen, alles blanke, bleiche Knochen von allerlei Getier und obenauf saß der Schädel einer Katze, in den sonderbare Symbole eingeritzt waren. Die leeren Augen des toten Tieres starrten anklagend zu ihm auf. So wie es aussah, lagen die Knochen noch nicht lange hier.

Er winkte seine Begleiter zu sich und sie versammelten sich um die Spur. »War das jemand von euch?«, fragte Madara. »Und wenn ihr hier langgelaufen seid, habt ihr die Knochen da bemerkt?«

Sie alle schüttelten den Kopf. »Und ich habe auch niemanden bemerkt«, sagte Hikaku. »Madara, du bist auch ein Sensor. Hast du etwas gespürt?«

Er verneinte. »Aber jemand war doch hier gewesen, und es muss schon einige Stunden her sein; das Regenwasser hat eine kleine Pfütze in dem Abdruck hinterlassen.«

Unweigerlich musste er an die gehörnte Gestalt denken. Konnte es sein … ? Aber nein, das war Unsinn. An den Geschichten über diesen Dämon war nichts dran, und wenn doch gab es sicher eine plausible Erklärung. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass es ihn doch ein wenig gruselte.

»Wir sollten der Spur folgen«, schlug Hikaku vor.

Dagegen war nichts einzuwenden und so hielten sie es dann auch. Sie hielten die Augen offen nach weiteren Spuren. Jetzt am Tag mit Vogelgezwitscher und dem leisen Rauschen des Windes im Laub wirkte der Wald weitaus realer, aber etwas Geheimnisvolles blieb doch. Nebel stieg vom feuchten Boden auf und hing schwer zwischen den Bäumen, wo er in langen Schleiern umher waberte. Madara konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich etwas in den Schatten verbarg. Etwas, das sie nicht hier haben wollte.

Dann rief er sich erneut zur Vernunft. Er würde garantiert nicht auf ein Schreckgespenst hereinfallen.

Sie fanden keine weitere Spur, weshalb sie einfach grob weiter in die Richtung gingen, in die der Fußabdruck bei ihrem Lager geführt hatte. Die ganze Zeit über löste sich der Nebel nicht auf, auch viele Stunden nach Tagesanbruch nicht. Ganz im Gegenteil schien er sogar dichter zu werden.

»Das ist nicht natürlich«, sagte Hikaku leise.

Warum sie sich nur mit gedämpften Stimmen unterhielten, wussten sie nicht. Aber irgendwie fühlte es sich falsch an, laut zu sprechen. Als würden sie damit aufwecken können, was in diesen Wäldern lauerte.

Madara bemühte seine Sensorfähigkeiten, konnte jedoch nichts finden. Er spürte nur die seltsame Energie des Waldes um sich. Als wäre er lebendiger, als ein Wald sein sollte.

»Also wir können wohl mittlerweile sicher sagen, dass etwas in diesen Wäldern vor sich geht«, flüsterte Izuna.

Wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, hörten sie auf einmal in der Ferne ein rhythmisches Schlagen, das wie ein tiefer Herzschlag durch den Wald hallte. Das Laub der Bäume rauschte immer wilder, obwohl nur ein leichter Luftzug wehte, und das war definitiv etwas, für das Madara keine Erklärung parat hatte.

Izuna rückte zu seinem Bruder auf, sein Blick huschte nervös umher. »Was geht hier vor sich?«, presste er hervor.

Madara gab ihm einen Stoß. »Reiß dich zusammen, wie du es gelernt hast. Das heißt, das wir nicht allein sind.«

»Vielleicht wendet jemand ein Fūton an. Aber das erklärt nicht, warum wir keinen Wind spüren«, sinnierte Hikaku.

Alle drei hatten sie ihre Waffen gezogen und beobachteten den Wald mit ihrem Sharingan. Madara und Hikaku suchten zusätzlich nach Chakrasignaturen, konnten jedoch nichts finden. Und das war vielleicht das überhaupt Beunruhigendste an der Sache. All diese Dinge, die sie hier fanden, waren keines natürlichen Ursprungs und doch konnten sie keine menschliche Quelle als Ursache finden. Wie konnte das sein?

Madara glaubte nicht an übernatürliche Phänomene, aber so langsam zweifelte er an seiner Überzeugung.

Das tiefe Hämmern hielt an und drang bis in ihre Knochen. Es war beinahe, als hätte die Erde selbst unter ihren Füßen einen Herzschlag gebildet. Was konnte das nur sein? Madara kannte kein Jutsu, mit dem man so etwas bewerkstelligen konnte.

Und dann, plötzlich, hallte ein schriller Schrei durch den Wald, der unmöglich von einem Menschen stammen konnte. Jeder, der so schrie, hätte sich unweigerlich die Stimmbänder ruiniert, so schrill und kreischend klang es.

Was darauf folgte, konnte Mandara nur als andersweltlich beschreiben. Eine weiße Gestalt tauchte mitten unter ihnen auf in einem Wirbel aus grauen Nebelschleiern. Diese Gestalt hätte ein Mensch sein können, hätte sie Augen im Schädel und wären nicht die Hörner auf ihrem Kopf. Sie stieß einen wilden Kampfschrei aus und im selben Augenblick erwachte die Natur zum Leben.

Die Bäume begannen sich zu bewegen. Ebenjene Bäume, die bis dahin so regungslos dastanden, wie Bäume es eigentlich hätten tun sollten, schlugen mit einem Male mit ihren Ästen nach den Uchiha. Hikaku erwischte es als erstes, als sich die Äste eines Baumes um seinen Nacken schlangen und ihn nach oben zerrten. Er schrie schrill auf und schlug wild um sich, doch sofort kamen weitere Ranken heran und entrissen ihm seine Waffe. Hikaku zappelte verzweifelt, als die Äste ihn immer höher zerrten.

Der geisterhaften Gestalt folgte etwas, das mehr Tier als Mensch war mit seinem wilden Pelz und Klauen und gefletschten Zähnen. Es fuhr wie ein Wirbelwind unter die Uchiha und ging direkt auf Izuna los. Izuna gab einen erschrockenen Laut von sich und wurde von den Füßen gerissen. Zusammen mit seinem Angreifer ging er in einem Wirrwarr an Armen und Beinen zu Boden. Er hatte nicht einmal Zeit, seine Waffe zu heben, die er in dem wilden Ansturm verlor, und so erwehrte er sich mit Händen und Zähnen seines Angreifers.

»Izuna!«

Madara wollte seinem kleinen Bruder zur Hilfe eilen, doch mit einem Mal begann der schlammige Boden unter seinen Füßen zu brodeln. Es war, als würde sich etwas Lebendiges darunter regen und winden und hervorbrechen. Madara wurde von einem Ansturm lebendig gewordener Wurzeln zurückgedrängt, die ihm an die Kehle gingen. Er schwang sein Katana in weiten Schwüngen und hackte sie nieder, doch es kamen immer mehr nach. Schritt für Schritt musste er zurückweichen. Grünzeug hatte kein Recht, so beweglich zu sein!

Mit einigen raschen Sprüngen wich Madara zurück und formte dann die Fingerzeichen für ein Katon. Sich bewegende Pflanzen hin oder her, sie waren immer noch Pflanzen! Er holte Luft. Doch bevor er sein Jutsu beenden konnte, schien sich die gesamte Luftfeuchte zusammenzuballen und krachte mit der Wucht eines Felsbrocken in seine Brust. Madara keuchte und brachte nicht mehr zustande als eine mitleidserregende Rauchwolke, während der Wasserball über ihn hinweg spülte. Er hustete und würgte, als ihm Wasser die Kehle hinabrann, und schnappte nach Luft. An Land ertrinken, das wäre doch gelacht!

»Genug!«

Diese Stimme. Madara erkannte sie. Aber das konnte nie und nimmer sein!

Mit einem Male waren die Pflanzen wieder so regungslos, wie sie sein sollten. Tatsächlich war die ganze Szenerie wie erstarrt. Hikaku hing noch immer über ihnen im Geäst und war von dicken Holzranken gefesselt. Izuna lag unter seinem Angreifer begraben am Boden. Madara stand bis auf die Knochen durchnässt da und das Wasser tropfte von ihm herab.

Er sah sich Auge in Auge mit dem Dämon aus den Wäldern gegenüber.

»Hashirama?«, hauchte er fassungslos.

Der nichtbinäre Charakter ist übrigens Izuna, welcher, wenn es diese Begriffe hier geben würde, sich als nonbinary demiboy definieren würde. Aufgrund der Länge habe ich dieses Kapitel geteilt, der zweite Teil widmet sich dem Gespräch, das sich heraus entwickelt. Werden sie es schaffen, die Differenzen beiseite zu legen? (Wenn ich schon so blöd frage, dann ist die Antwort darauf ja.)
CN Erwähnung von Gewalt, Erwähnung toter Familienangehöriger, Erwähnung von Mord

Was Madara für ein Gewand aus Nebelschwaden gehalten hatte, war in Wahrheit nichts weiter als sonderbar zusammengestoppelte Kleidung, von dessen Armen lange Stoffstreifen hingen. Hashiramas Augen waren von einem ledernen Kopfschmuck bedeckt, von dem Fransen herabhingen. Auf dem Kopf trug er in der Tat ein Hirschgeweih, doch es war mit Lederbändern befestigt. In die Haare hatte er sich kleine Knöchelchen, Holzperlen und Federn geflochten, die bei jeder Bewegung klapperten, und sein Gesicht war mit dunkler Farbe oder vielleicht auch einfach Dreck beschmiert.

Mit einem Male wirkte das alles vor allem lächerlich und keineswegs mehr bedrohlich und furchteinflößend. Außerdem hatte er sich diesen fürchterlichen Haarschnitt herauswachsen lassen, bemerkte Madara nebenbei.

Hashirama schob sich die Fransen aus den Augen. »Ihr Uchiha seid echt verdammt schwer zu vergraulen.«

Izuna zappelte. »Geh runter von mir, du Wal!« Dann schnappte er zu.

»Au!«

Die pelzige Kreatur stellte sich als Tobirama heraus, der unter dem ganzen Fell kaum wiederzuerkennen war. Der weiße Haarschopf jedoch war unverkennbar. Izuna hatte ihm kräftig in die Hand gebissen, als er ihm gerade ein Kunai an die Kehle hatte halten wollen. Jaulend fuhr er zurück und hielt sich die blutende Hand.

Madara packte sein Katana fester. »Was hat das zu bedeuten?«, verlangte er.

»Dass du ihn töten sollst, bedeutet das!«, schrie Hikaku ihm zu.

Madara behielt Hashirama im Blick und tat nichts dergleichen. Diese ganze Situation … verwirrte ihn. Er wusste nicht, was er tun sollte. Die Senju waren Feinde. Aber Hashirama war einmal sein Freund gewesen.

Da ertönte schon wieder dieser unmenschliche Schrei. Madara hob seine Klinge, alle Muskeln in seinem Körper wie zum Zerreißen gespannt und die Sinne aufs Äußerste geschärft. Hashirama legte die Hände an den Mund und machte einen Laut, der täuschend echt an das Geheul eines Wolfes erinnerte. Augenblicke später erschien eine junge Frau an seiner Seite, die die Uchiha mit einem mörderischen Blick bedachte. Auch sie trug ähnlich wilde Kleidung wie die beiden Senju Brüder.

»Was soll das?«, fauchte sie Hashirama an. »Warum brichst du die Mission ab?«

»Ist gut, Tōka. Die Dinge haben sich gerade geändert.«

Izuna hatte sich wieder auf die Beine gekämpft und sich neben seinen Bruder gestellt. Hikaku kämpfte noch immer gegen seine hölzernen Fesseln an. Das sah nicht gut aus, dachte Madara besorgt. Hashirama war schon immer stärker gewesen als er und jetzt war da noch diese unbekannte kunoichi und einer der Uchiha war gefangen.

Sollte er die Mission abbrechen und fliehen? Und Hikaku in Feindeshand zurücklassen? Nein, das konnte er nicht tun. Aber was sollte er stattdessen tun?

»Also ist dieser ganze Quatsch mit dem Dämon aus den Wäldern nichts weiter als eine alberne Verkleidung?« Hm, mit seinem Feind zu plaudern, war vielleicht nicht das, was er in diesem Moment tun sollte.

»Sozusagen …«, sagte Hashirama etwas zögernd, während er schon wieder mit den Fransen in seinem Gesicht kämpfte.

Er sollte angreifen, überlegte Madara. Dieses schräge Kostüm konnte nicht praktisch sein in einem Kampf. Er blieb, wo er war.

»Na los, Hashirama!«, drängte Tōka. »Einen von denen hast du schon mit deinem Mokuton und die beiden anderen kriegen wir zu dritt locker.«

Mokuton? Davon hatte Madara noch nie etwas gehört.

Hashirama brachte Tōka mit einer Geste zum Schweigen. »Eigentlich wollten wir euch nur Angst machen und vertreiben«, sagte er an Madara gewandt. »Aber nun ja. Wie es scheint, sind Uchiha ziemlich schwer zu vergraulen. Bei allen anderen klappt es ganz gut.«

Madara verstand. Also lebten die Senju doch irgendwo in diesem Wald. Warum sonst sollte Hashirama sich solche Mühe geben und Eindringliche vertreiben? Daher hatte er dieses Gerücht über den Dämon in den Wäldern erschaffen und ein bisschen nachgeholfen und dafür gesorgt, dass die Leute aus Furcht den Grenzen seines Clans fernblieben. Und für die, bei denen es nicht wirkte, hatte er dieses Theater vorbereitet.

»Was habt ihr mit unseren Leuten gemacht?«, zischte Izuna. »Ihr habt sie getötet, nicht wahr?«

»Einige ja«, gestand Hashirama grimmig. »Andere sind vor Schreck geflohen, und wenn sie nicht zu euch zurückgekommen sind, sind sie wohl in den Schluchten verunglückt.«

Izuna wandte sich zu Madara um. »Los, greifen wir sie an! Steh da nicht so dämlich rum!«

Madara regte sich noch immer nicht, sondern sah zu Hashirama. Dieser erwiderte seinen Blick entschlossen und schien ebenso wenig die Absicht zu haben, die beiden Uchiha Brüder anzugreifen. Tobirama neben ihm wirkte weitaus nervöser und hielt das Kunai fest im Griff, bereit zum Schlag.

Die Spannung war beinahe greifbar. Eine falsche Bewegung und sie würden aufeinander losgehen wie ein Pfeil, der von der Bogensehne gelassen wurde.

»Ihr hättet an unserer Stelle dasselbe gemacht«, sagte Hashirama ernst. »Das hier ist unser Land.«

Mit einem Mal ging Madara etwas auf. »Die Wölfe, die wir gestern gehört haben, das wart ihr.«

»Nur die einzelnen Rufe«, sagte Hashirama. »Tobirama ist der beste darin. Wenn er ruft, antworten die Rudel, die hier in der Gegend leben.«

»Und dieses gespenstische Jaulen, das wir letzte Nacht gehört haben?«

Hashirama zog ein Horn aus einer Halterung an seinem Gürtel. »Ein Ziegenhorn.«

»Das Trommeln?«

Hashirama deutete auf einen Holzrahmen, den Tōka bei sich führte und der mit Leder bespannt war. »Und bevor du fragst: Ja, sie kann so schreien.«

»Und … verdammt! Die Gestalt, die ich gestern gesehen habe, das warst du! Was soll dieses gruselige Zeug mit den Knochen?«

Hashirama zuckte mit den Schultern. Sein seltsamer Haarschmuck klimperte leise. »Es ist unheimlich, also erfüllt es seinen Zweck.«

»Verdammt!« Madara konnte es nicht fassen. Dass er sich so ins Bockshorn hatte jagen lassen! Und dann auch noch von so einem billigen Kinderschreck! Der erschreckend gut funktioniert hatte, wie er verstimmt zugeben musste.

»Anija«, zischte Tobirama seinem Bruder zu. »Hör auf, mit dem da zu plaudern!«

Hashirama musterte Madara eindringlich. »Wenn ich deinen Kameraden freilasse, können wir uns dann auf einen Waffenstillstand einigen?«

Hashirama sollte ihm so etwas nicht anbieten. Er hätte ja nicht einmal seine ganzen kleinen Geheimnisse ausplaudern sollen! Andererseits … sollte Madara auch definitiv nicht darüber nachdenken, dieses Angebot auch anzunehmen. Er tat es dennoch.

Madara nickte.

Und Hashirama, dessen ewig gute Laune anscheinend von nichts getrübt werden konnte, strahlte über das ganze Gesicht. Er schlug die Hände zusammen und die Ranken, die Hikaku gefesselt hatten, setzten ihn sanft ab und gaben ihn dann wieder frei. Er eilte zu Madara und beobachtete die Senju misstrauisch.

Tobirama sah seinen Bruder entsetzt an. »Was soll das, anija? Bist du jetzt völlig irre geworden?!«

»Wenn sie uns wirklich angreifen würden, hätten sie das längst getan«, stellte Hashirama fest.

Madara war ein wenig erstaunt, dass diese Annahme der Wahrheit entsprach. Einst hatte er einen unbekannten Jungen am Flussufer getroffen und sich dafür entschieden, ihn als seinen Rivalen im Steine hüpfen lassen zu akzeptieren. Jetzt traf er einen wohlbekannten Feind im Wald und entschied sich schon wieder dafür, die Waffen ruhen zu lassen. Er musste völlig den Verstand verloren haben, genau wie Hashirama anscheinend.

Welch Ironie des Schicksals.

»Und was machen wir jetzt?«, wollte Madara wissen.

»Hm. Steine hüpfen lassen vielleicht?«

Die Art und Weise, wie ernst Hashirama das sagte, während er dazu auch noch in diesem albernen Kostüm steckte, brachte Madara zum Lachen.

Izuna warf ihm einen giftigen Blick zu, dann sah er Hashirama ebenso giftig an. »Du hast zugegeben, dass ihr unsere Leute getötet habt!«

»Und ihr habt Senju getötet, und das nicht gerade wenige«, erwiderte Hashirama ruhig. »Einige davon waren meine Freunde.«

»Was willst du jetzt machen? Uns angreifen?«, fauchte Izuna und hob sein Katana.

Hashirama ließ sich davon erstaunlicherweise immer noch nicht aus der Ruhe bringen. »Madara, weiß du noch, was du einmal zu mir gesagt hattest? Dass auf Bruderschaft trinken der einzige Weg sei? Was hältst du davon, wenn wir genau das tun?«

Izuna schnaubte. »Ich hab genug von diesem Blödsinn!«

Er wollte schon vorstürmen, doch Madara packte ihn geistesgegenwärtig am Kragen und hielt ihn auf. Tobirama hatte anscheinend dasselbe vorgehabt, doch er wurde statt von seinem Bruder von diesen sonderbaren Ranken aufgehalten. Er fletschte die Zähne und Izuna erwiderte die Geste ebenso liebenswürdig mit einem Fauchen.

War das ein Jutsu? Madara hatte jedoch noch nie von einem Jutsu gehört, das so etwas bewerkstelligen konnte. Ein Genjutsu konnte es auch nicht sein, das hätte er bemerkt. Und am verstörendsten war wohl der Umstand, dass er es nicht mit seinem Sharingan durchschauen konnte.

Das Geheimnis um den Dämon in den Wäldern war zwar gelüftet, aber einige Dinge gingen hier dennoch nicht mit rechten Dingen zu.

»Warum sollte ich dir trauen?«, stellte er endlich einen vernünftige Frage.

Hashirama reckte das Kinn. »Weil unsere Väter nicht hier sind und nichts davon wissen. Ich kenne Tajima nicht, aber nach allem, was ich von ihm gehört habe, ist er Butsuma gar nicht so unähnlich. Und was sie von uns erwarten, weiß ich. Du wärst damals nicht zum Fluss gekommen, wenn du dem nicht hättest entkommen wollen. Und du hättest uns schon längst angegriffen, wenn du mittlerweile anders denken würdest.«

Auf den ersten Blick mochte Hashirama wirken wie ein idiotischer Träumer, der mit dem Kopf in den Wolken hing, aber in Wahrheit hatte er ein sehr gutes Gespür für seine Mitmenschen. Denn es stimmte: Tief in seinem Inneren verachtete Madara noch immer, zu was sein Vater ihn zwang. Er hatte den Traum, den er einst gehegt hatte, tief in sich vergraben, aber vernichtet hatte er ihn nicht.

Ein winziger Hoffnungsschimmer glomm auf.

Er musterte die drei Senju vor sich. Hashirama stand selbstsicher da und schien jedes Wort so zu meinen, wie er es sagte. Erstaunlicherweise verhielt sich selbst Tobirama mittlerweile zivilisierter. Noch immer funkelte er Izuna finster an, aber er versuchte nicht mehr sie anzugreifen. Nur diese Tōka gab nicht preis, was in ihr vor sich ging, und starrte mit unbewegter Mine die Uchiha an.

»Auf Bruderschaft trinken, sagst du?«, wiederholte Madara.

Hashirama nickte. »Ich habe ein Sakeversteck nicht weit von hier.«

Mit einem Male ging Madara auf, dass Hashirama das nicht nur im Übertragenen Sinne meinte. Er lud tatsächlich seine Erzfeinde ein, sich gemeinsam mit ihm zu betrinken! Entweder war er völlig übergeschnappt oder genial. Oder beides?

Madara stellte fest, dass er nickte. »Führe uns dorthin.«

»Was soll das, nii-san?«, zischte Izuna. »Lässt du dich schon wieder von ihm verzaubern? Ist das ein Genjutsu oder so?«

»Sei still, wenn du nicht verstehst, was das bedeutet!«, fauchte Madara ihn an und erschrak noch im selben Moment über seine eigene Heftigkeit. Izuna sah ihn zutiefst verletzt an, weshalb er versöhnlicher anfügte: »Das ist vielleicht die Chance, endlich wirklich etwas zu verändern.«

»Aber was ist mit unseren Brüdern?«, protestierte Izuna. »Du kannst doch nie und nimmer vergessen haben, wer Kou und Kuro und Togakushi ermordet hat!«

Nein, das hatte er ganz gewiss nicht vergessen. Wie konnte er auch? Es war Senju Butsuma gewesen, der nicht einmal davor zurückgeschreckt war, kleine, wehrlose Kinder zu erschlagen, um zu erreichen, was er wollte.

Aber Hashirama war nicht sein Vater.

»Irgendwie muss dem ein Ende gesetzt werden. Irgendwann muss das einmal aufhören. Und das erreichen wir ganz bestimmt nicht, indem wir immer nur weiter morden«, sagte Madara.

»Unsere Brüder würden uns hassen, wenn du das machst. Du spuckst auf ihr Andenken!«, knurrte Izuna.

»Unsere Brüder sind tot!« Madara hatte diese Worte geschrien. Seine Stimme hallte weit im Wald, als alle für einen Moment schwiegen. »Sie sind tot und nichts in der Welt kann sie wieder lebendig machen«, fuhr er ruhiger fort. »Und ich glaube nicht, dass sie wollen würden, dass wir uns selbst zerstören im Versuch sie zu rächen. Ich jedenfalls würde wollen, dass es meinen Brüdern nach meinem Ableben gut geht. Aber wahrscheinlicher ist, dass ich gar nichts mehr davon mitbekommen würde, weil ich verdammt noch mal tot wäre! Den Toten ist egal, was mit den Lebenden geschieht, denn es gibt keine Geister. Nur Idioten in albernen Kostümen.«

Hikaku hatte bis jetzt geschwiegen und nachdenklich aber wachsam das Geschehen beobachtet. »Du weißt, dass ich dir vertraue, Madara. Du bist einer unserer Besten. Aber das klingt echt irre. Andererseits …« Er atmete tief durch. »Andererseits klingt das wiederum so irre, dass es vielleicht funktionieren könnte.«

Hashiramas Augen leuchteten begeistert auf und er streckte Izuna die Hand entgegen. Dieser wich zurück und starrte auf die Hand, als wäre sie eine Giftschlange, die ihn jeden Augenblick beißen würde. Tobirama beobachtete Izuna genauestens; vielleicht ahnte er ja, dass dieser derzeit noch die größte Hürde war, die es zu überwinden galt.

»Ich bitte dich nicht, mir zu vertrauen«, sagte Hashirama. »Aber deinem Bruder kannst du doch trauen, oder?«

Izuna musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen. »Aber kann er dir trauen? Du machst dieses komische Zeug mit den Pflanzen.«

»Das ist mein Mokuton, mein kekkei genkai«, sagte Hashirama leichthin. »Schau, damit kann ich auch solche Dinge machen.«

Wieder schlug er die Hände zusammen und mit einem Mal erblühte der ganze Wald um sie herum. Wo vorher nur modriges, feuchtes Laub gewesen war, sprossen auf einmal tausende kleine weiße Blumen, die Madara als Windröschen erkannte. Sie bildeten einen weiten weißen Teppich über dem Waldboden, dessen Zentrum Hashirama war.

Madara hatte schon immer gewusst, dass Hashirama stärker war als er. Er hatte jedoch nie angenommen, dass auch Hashirama ein kekkei genkai besitzen könnte. Er hatte ihn immer nur für einen ausgesprochen talentierten Shinobi gehalten. Anscheinend steckte doch mehr dahinter.

Dass sich ausgerechnet der absurdeste Teil der Geschichten über den Dämon aus den Wäldern bewahrheiten würde, hätte er nicht gedacht. Beinahe hätte er aufgelacht.

Izuna betrachtete die Blumen zu seinen Füßen misstrauisch und sah dann unsicher zu seinem Bruder. »Du glaubst ihm wirklich?«

»Er hat die ganze Zeit freigiebig seine Geheimnisse ausgeplaudert«, stellte Madara klar. »Wir könnten uns jetzt einfach aus dem Staub machen und das alles gegen die Senju verwenden. Hashirama ist nicht völlig verblödet, er hat das gemacht, um uns sein Vertrauen zu zeigen.«

Hashirama winkte ihnen. »Na los, kommt. Ich habe euch Sake versprochen. Ich will nicht wortbrüchig werden müssen.«

Tobirama und Tōka schienen von dieser ganzen Sache nicht vollends überzeugt zu sein, und auch wenn sie damit nicht allein waren, folgten sie doch alle Hashirama. Er führte sie ein Stück durch den Wald und zu einer Stelle, die die Uchiha bereits gestern gefunden hatten. Bei dem seltsamen Flechtwerk blieb er stehen.

Izuna blinzelte verwirrt. »Was? Hier?«

Hashirama grinste. »Ich hab das Zeug überall im Wald verteilt. Die meisten Stellen markieren nichts, aber unter ein paar habe ich ein paar kleine Schätze versteckt. Eigentlich sollen sie Eindringlinge abschrecken, aber bei euch Uchiha funktioniert so etwas Einfaches anscheinend nicht.«

Er legte eine Hand auf den Boden und eine einzelne Wurzel kam an die Oberfläche. Sie brach der Länge nach auseinander und enthüllte ihr hohles Inneres, in welchem mehrere Sakeflaschen verborgen waren. Clever. Ein Versteck, an das nur Hashirama herankam.

Izuna schien hin und her gerissen zu sein, ob er beleidigt sein sollte oder fasziniert, dass er selbst nicht auf so eine Idee gekommen war. Etwas zögernd beugte er sich vor, um besser sehen zu können. Dieses Geheimnis musste ihn unheimlich faszinieren.

Hashirama setzte sich auf den Boden und ließ mehrere kleine Holzschalen wachsen, aus denen sie trinken konnten. Dann streckte er ihnen grinsend die erste Flasche entgegen. »Was ist? Seid ihr da angewachsen? Kommt her!«

Madara war tatsächlich der erste, der sich niederließ. Tobirama und Tōka setzten sich neben Hashirama und Izuna und Hikaku hielten sich dicht bei Madara, in einer Art, dass sie die Senju zu jedem Zeitpunkt gut im Blick hatten.

Hashirama füllte eine der Schalen und reichte sie Madara.

»Halt«, warf Izuna ein. »Du zuerst. Vielleicht ist das Zeug ja vergiftet.«

Wortlos reichte Hashirama die Schale an Tobirama weiter. Dieser nahm sie ohne zu zögern und trank den Sake. Er verzog dabei keine Mine, was für jemanden in seinem Alter ungewöhnlich war.

»Ich hab gesagt, du sollst das trinken«, sagte Izuna bockig.

Hashirama sah ihn beinahe bedauernd an. »Tut mir leid, aber dass ich Mokuton beherrsche, heißt auch, dass ich ausgesprochen gute Zellenregeneration besitze. Gifte haben beinahe keine Wirkung auf mich, und das schließt Alkohol ein. Ich hoffe, du glaubst mir eher, wenn ich den Sake stattdessen an meinen Bruder weitergebe.«

Madara sah Hashirama verblüfft an. Wie viele Geheimnisse hatte er noch parat?

»Apropos. Tobirama, sei doch bitte so gut und trockne Madara«, bat Hashirama. »Du hast ihn ganz nass gemacht. Das kann nicht angenehm sein.«

Tobirama sah seinen Bruder verstimmt an, formte dann aber doch ein Fingerzeichen. Aus einem Reflex heraus machte sich Madara bereit für einen Angriff, doch dann merkte er, wie die Feuchtigkeit aus seinen Kleidern gesogen wurde. Eine kleinere Wasserkugel als zuvor bildete sich, die Tobirama zur Seite lenkte und dann fallen ließ. Das Wasser fiel platschend zu Boden und versickerte im Laub.

Hikaku runzelte nachdenklich die Stirn. »Ihr habt diese ganzen Täuschungen ohne Genjutsu bewerkstelligt. Wie? Ich meine, sich ein Hirschgeweih auf den Kopf zu setzen, sieht vor allem albern aus aber nicht gruselig.«

Erst jetzt schien sich Hashirama daran zu erinnern, dass er das Ding ja immer noch auf dem Kopf trug. Er nahm seinen befremdlichen Kopfschmuck ab.

»Dafür hat‘s echt gut funktioniert, nicht wahr?«, sagte Tōka mit einem selbstgefälligen Grinsen. »Ihr Uchiha seid nicht die einzigen, die sich mit Genjutsu auskennen. Ihr gebt so viel auf eure Augen, dass es euch furchtbar beschäftigen muss, wenn ihr einer Täuschung erlegt, die ihr nicht als Genjutsu durchschauen könnt.«

»Und dabei habt ihr nur einen kleinen Teil unseres Repertoire zu sehen bekommen«, sagte Hashirama. »Tōka ist nicht nur echt gut im Genjutsu. Was sie mit ihrer Stimme anstellen kann, macht selbst mir Angst, und ich weiß, dass sie das ist, die solche Geräusche von sich gibt.«

Tōka schien in der Tat eine Menge über Täuschungen zu verstehen, wenn sie so zielsicher die Stärke der Uchiha gegen sie hatte verwenden können. Sie verließen sich auf ihr Sharingan, weil es sie allen anderen Clans überlegen machte. Ein wenig nagte es doch am Stolz, dass sich das nun gegen sie richtete.

»Was ist mit diesem Nebel?«, wollte Madara wissen. »So ganz normal scheint der mir auch nicht zu sein.«

Hashirama legte seinem Bruder einen Arm um die Schulter und lächelte breit. »Das ist mein kleiner Bruder«, sagte er stolz. »Er kann die Luftfeuchtigkeit manipulieren. Außerdem ist er echt gut, was Siegel angeht, und kann unser Chakra unauffindbar machen.«

»Anija, jetzt ist aber gut!«, grummelte Tobirama. »Hör auf, alles auszuplaudern. Das ist dumm.«

»Dafür ist es doch jetzt eh zu spät.« Unbeeindruckt von der Laune seines Bruders schenkte Hashirama ihnen allen Sake ein und reichte die Schalen herum.

Izuna und Hikaku besaßen sich das Getränk noch immer skeptisch und Tōka und Tobirama schienen ebenfalls nicht sonderlich erpicht darauf zu sein, in Gegenwart ihrer Feinde zu trinken. Hashirama hatte seine Schale schon längst auf ex geleert und das war auch der Moment, in dem Madara beschloss, auch den letzten Rest symbolischer Vorsicht fallen zu lassen.

Hashirama hatte Recht: Ihre Väter waren nicht hier und es machte absolut keinen Sinn, die Feindschaft der Clans aufrecht zu erhalten, wenn keiner von ihnen wirklich erpicht darauf war, das Blut des Feindes zu vergießen.

»Es ist vielleicht an der Zeit, dass auch ihr etwas ausplaudert«, sagte Tōka und schwenkte ihre Sakeschale in Richtung der Uchiha. »Warum seid ihr hier?«

»Doch nicht so schlau, was?«, spottete Izuna.

»Chichi schickt uns, um herauszufinden, was mit den verschwundenen Uchiha geschehen ist«, sagte Madara. »Und um zu erforschen, was es mit diesem Dämon auf sich hat. Das hat sich ja nun geklärt, wie mir scheint.«

»Du willst also doch das Vertrauen meines Bruders missbrauchen und alles ausplaudern!«, fauchte Tobirama mit einer Giftigkeit, die Madara sonst nur von Izuna kannte. Mit einem Male begann die Luftfeuchte wieder Tropfen zu bilden.

Hashirama legte seinem Bruder beruhigend eine Hand auf die Schulter. »Lass ihn ausreden.«

Vielleicht war es an der Zeit, Hashiramas Vertrauen zu erwidern, dachte Madara bei sich. »Wenn ihr dem Flusslauf folgt, kommt ihr in eine zerklüftete Gegend. Der Fluss schneidet sich dort tief in die Schluchten ein und bildet ein verzweigtes Labyrinth. Dort in den Schluchten und Tälern lebt unser Clan.«

Wie einfach es sich anfühlte, seinen Vater zu verraten. Er hoffte nur, dass es sich auszahlen würde, solch ein hohes Risiko einzugehen.

»Hey, dann sind wir ja quasi Nachbarn!«, rief Hashirama begeistert aus.

Hikaku runzelte die Stirn. »Anscheinend kennt ihr euch, und das nicht nur vom Schlachtfeld. Ich kenne die Geschichte dahinter nicht, aber ich frage mich, wohin das hier jetzt führen soll.«

»Wer bist du überhaupt?«, wollte Tōka wissen.

»Oh. Richtig. Ich bin Hikaku.«

»Schön, dich kennenzulernen!«, sagte Hashirama fröhlich und schwenkte seine Sakeschale in Hikakus Richtung.

Hikaku sah ihn mit bewegungsloser Mine an.

»Es stimmt, Madara und ich kennen uns von früher«, fuhr Hashirama fort. »Damals wussten wir noch nicht unsere Clannamen, wobei ich es irgendwann doch erraten habe; es ist ja doch recht offensichtlich.«

Madara schnaubte. »Was soll das jetzt heißen?«

»Hat man einen Uchiha gesehen, hat man alle gesehen«, sagte Tobirama selbstgefällig und verschränkte die Arme vor der Brust.

Madara erdolchte ihn mit seinen Blicken.

»Und du warst die ganze Zeit so stolz auf deine Augen, obwohl du dein Sharingan erst erhalten hast, als unsere Väter uns hatten auffliegen lassen. Du musst schon zugeben, dass das nicht gerade subtil ist«, fügte Hashirama leichtherzig an.

Madara kam zu dem raschen Entschluss, dass es besser war, wenn er nicht verriet, dass er sein Sharingan schon länger hatte. Besonders deswegen, weil Izuna anwesend war. Ganz besonders deswegen. Diese kleine Kröte würde ihn nie wieder in Frieden lassen, wenn bekannt würde, dass er sein Sharingan erweckt hatte, weil Hashirama und er sich heimlich geküsst hatten und ihm klar geworden war, dass das mit ihnen nie würde funktionieren können.

Aber was, wenn doch?

»Wir hatten einen Traum«, sprach Madara zum ersten Mal aus, was er noch nie mit jemand anderem als Hashirama geteilt hatte. »Wir wollten beide, dass dieser Krieg endet und dass niemals wieder jemand sterben musste. Ganz besonders keine Kinder. Wir hatten … Ideen, sogar Pläne für ein Dorf, in dem Shinobi aller Clans friedlich zusammenleben könnten.«

»Und dann hatte Butsuma Wind davon bekommen«, sagte Hashirama bitter.

Erstaunlicherweise senkte Tobirama den Blick und wirkte beinahe reumütig.

Izuna sah seinen Bruder groß an. »Big Bro, du denkst echt, dass das kein Blödsinn ist?«

Madara sah zu Hashirama. »Jetzt sind es nicht mehr nur wir zwei, sondern wir sitzen zu sechst hier und sind uns noch nicht an die Kehlen gegangen. Wir sind ein paar Jahre älter, wir sind stärker und wir sind nicht mehr allein.«

Hashirama strahlte über das ganze Gesicht und ließ wahrscheinlich unbewusst einen Teppich kleiner Blumen mit blauen, glockenförmigen Blütenkelchen um sich herum wachsen.

»Ich bin wirklich dankbar, dass du das sagst, Madara-kun«, sagte er. »Denn auch ich denke ebenso. Dieser Krieg wird schon viel zu lange um des Krieges willen geführt. Irgendwo muss einmal Schluss sein, ansonsten wird am Ende niemand mehr übrig sein, der noch kämpfen kann.«

Tōka musterte die Uchiha vor sich. Dann wandte sie sich Hashirama zu. »Ich weiß echt nicht, wie du das machst, aber ich bin geneigt, dem eine Chance zu geben, so verrückt diese Sache auch klingt. So ganz vertraue ich denen da zwar noch nicht, aber …«

»Was haltet ihr davon, wenn wir uns regelmäßig treffen?«, schlug Hashirama vor. »Ich bin sicher, zusammen können wir mehr erreichen.«

Izuna hob skeptisch eine Augenbraue. »Und wie stellst du dir das vor? Chichi erwartet, dass wir ihm ein Ergebnis vorzeigen und nicht einfach so zurück spazieren und sagen, hier sei nichts und er habe sich geirrt. Und der Fakt bleibt bestehen, dass ihr unsere Leute getötet habt.«

»Das tut mir wirklich aufrichtig leid«, sagte Hashirama bedauernd. »Ich kann euch zeigen, wo wir sie begraben haben.«

Aber Izuna hatte durchaus einen Punkt. So schön die Vorstellung auch war, vielleicht wieder da anknüpfen zu können, wo sie einst auseinander gerissen worden waren, blieb das Problem bestehen, dass sich einige Dinge in den vergangenen Jahren geändert hatten.

»Ich überlege mir etwas bezüglich Tajima«, sagte Madara. »Aber ihr müsst aufhören, unsere Leute zu töten. Das war es, was ihn überhaupt erst auf die ganze Sache aufmerksam gemacht hatte.«

»Hm, das könnte schwierig werden, wenn ihr Uchiha weiterhin so schwer zu verschrecken seid. Aber wir finden schon einen Weg!« Hashirama wirkte ausgesprochen zuversichtlich.

Madara erlaubte sich ein Lächeln. Vielleicht schafften sie es ja dieses Mal, etwas zu verändern. »Sag, wie finden wir euch? Ich habe keine Lust, mich jedes Mal durch diesen schlammigen Wald kämpfen zu müssen.«

Hashirama überlegte einen Moment. »Wir könnten euch beibringen, wie Wölfe zu rufen. Wir nutzen das, um unsere Position zu übermitteln und um zu signalisieren, dass alles gut ist. So können wir uns gegenseitig vermitteln, wenn wir da sind und dass die Luft rein ist. Wie klingt das?«

»Bescheuert klingt das«, stellte Izuna klar.

»Angst, dass du neben mir alt aussiehst?«, spottete Tobirama.

Izuna funkelte ihn finster an. »Als ob du in irgendwas besser sein könntest als ich!«, fauchte er.

»Wir reden wieder, wenn du es schaffst, dass die Wölfe dir antworten.« Und wie um seine Fähigkeiten zu demonstrieren, heulte Tobirama wie ein Wolf.

Hätte Madara nicht gewusst, dass ein Mensch vor ihm saß, er hätte es in der Tat für den Laut eines Wolfes gehalten. In der Ferne antwortete das wilde Rudel. Tobirama grinste zufrieden.

Und damit war es beschlossene Sache zwischen ihnen.

Gebt Kindern keinen Alkohol, egal ob sie cute little murder beans sind oder nicht. Außerdem bin ich ein lazy ass und hab hier meine eigenen Headcanons für meine Fanfic Wurzeln verarbeitet. Der erwähnte Kuss ist der Prolog des Textes, zu Hashiramas Mutter steht etwas in Kapitel 10 und zu Madaras Mutter in Kapitel 15. Wenn euch das interessiert, aber nicht der Rest des Textes, dann könnt ihr das auch unabhängig vom Haupttext lesen (würde mich aber freuen, wenn ihr auch den Rest lest ^^). Beide Texte stehen unabhängig voneinander, dieser headcanon hatte nur genauso gut hier funktioniert.
Im nächsten Kapitel kommen sich beide Seiten näher, lernen sich besser kennen und fangen an, von ihrem geheimen Hauptquartier am Fluss aus Pläne zu schmieden. Und ganz vielleicht knistert es auch ein bisschen *badum tss*

Kapitel 3

Hashirama war ausgesprochen guter Laune, als er an diesem Tag zurück zu ihrer Siedlung ging. Er pfiff eine flotte Melodie, während er sich noch im Laufen den Schmuck aus den Haaren klaubte. Normalerweise wäre das der Punkt, an dem er sich immer beschweren würde, weil es eine furchtbare Plackerei war, seine Haare so herzurichten und dann wieder zu entwirren, aber heute war es ihm egal.

Heute hatte er etwas Großartiges erreicht, dessen war er sich sicher.

»Und du hältst das wirklich für eine gute Idee?«, fragte Tobirama leise. »Es sind immer noch Uchiha …«

»Hab einfach ein wenig Vertrauen. Hey, das waren mehr Worte, als du jemals zuvor mit einem Uchiha gewechselt hast, nicht wahr? Das allein spricht doch dafür«, sagte Hashirama fröhlich.

Tobirama hob seine Hand. »Die kleine Kröte hat mich gebissen!«

»Ja, weil wir sie angegriffen haben.«

Daraufhin sagte Tobirama nichts mehr.

Als sie die Siedlung erreichten, ließen sie das Thema fallen. Hier war es zu gefährlich, darüber zu reden, es konnte immer jemand lauschen.

Butsuma erwartete natürlich gleich nach ihrer Rückkehr einen Bericht, also begaben sie sich auf direktem Wege zu ihm. Hashirama fiel es erstaunlich leicht, seinen Vater zu belügen und nicht nur etwas vor ihm zu verheimlichen, als er ihm eine Geschichte über ein paar wagemutige Banditen auftischte. Und nein, sie hatten ganz bestimmt keine Uchiha gesehen. Wenn welche ihre Grenzen überschritten hatten, dann hatten sie sich anscheinend wieder verscheuchen lassen. Ja, er war ganz sicher.

Butsuma schien sich damit zufrieden zu geben. »Wir werden demnächst wieder einen größeren Ausfall gegen die Uchiha durchführen«, eröffnete er stattdessen. »Der daimyō selbst hat sie beauftragt. Das heißt, sie werden reicht entlohnt. Wenn sie siegreich daraus zurückkehren, werden wir sie überfallen und uns ihren Lohn nehmen.«

Hashirama merkte auf. »Aber otōsan, es geht auf den Winter zu. Wir führen selten so spät im Jahr noch so große Operationen durch«, gab er zu bedenken.

Der Herbst und Winter waren eine Zeit, in der alle Clans sich in ihre Kerngebiete zurückzogen, um die harte Jahreszeit auszusitzen. Es kam selten genug vor, dass in dieser Zeit größere Konflikte entbrannten, da es für beide Seiten sehr riskant war und es genauso gut auf den Aggressor zurückfallen konnte.

»Gerade deswegen werden wir es machen«, hielt Butsuma dagegen. »Sie werden nicht damit rechnen und jedes bisschen zählt, das in unseren Schatzkammern liegt statt in ihren.«

»Es ist riskant«, versuchte es Hashirama weiter. »Ich sehe nicht, wo der Lohn dieses Risiko aufwiegt.«

Und muss es wirklich zu einem Kampf kommen? Ist das das einzige Mittel, das du kennst? Aber diesen Gedanken sprach er nicht aus. Er wusste zu gut, dass er als Antwort nur Schläge bekommen würde.

»Das ist mein letztes Wort in dieser Sache«, widersprach Butsuma erwartungsgemäß.

Hashirama senkte den Kopf. »Ja, otōsan.«

Butsuma sah ihn durchdringend an. »Du kennst deine Rolle in diesem Kampf, und ich erwarte, dass du sie gewissenhaft erfüllst.«

Hashirama wusste nur zu gut, was sein Vater damit meinte. Er hatte einmal das Vertrauen seines Vaters missbraucht, und Butsuma war niemand, der für seine vergebende Natur bekannt war. Noch immer ruhte Butsumas wachsamer Blick stets auf ihm, wenn sie gegen die Uchiha ins Feld zogen, wie als würde er erwarten, dass sein Sohn sich jeden Augenblick mit dem Feind zusammentun würde.

Aber hatte er nicht genau das getan, als er Madara im Wald gefunden hatte? Ein gefährliches Spiel. Dieses Mal würde Butsuma nicht zögern, seinen Sohn als Verräter zu brandmarken.

Die kommenden Tage nutzte er, um mit Tobirama zu trainieren. Gelegentlich schloss sich ihnen Tōka an, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt war, irgendwelche administrativen Aufgaben zu übernehmen. Sie war sehr geschickt in solchen Dingen, was sie schon seit einigen Jahren zu einem unschätzbaren Teil des Clans gemacht hatte, obwohl sie kaum älter war als Hashirama.

Nach knapp einer Woche hieß es für sie, sich erneut an die Grenzen zu begeben und für deren Sicherheit zu sorgen. Seit Tōka auf die Idee mit der Geschichte über den Dämon gekommen war, hielten sie es so, dass sie einige Zeitlang die Grenzen patrouillierten und dann für einige Tage Ruhe in den heimischen Betten genießen durften. Zugegebenermaßen war es wirklich kein Spaß, bei Nacht durch den finsteren, nassen Wald zu schleichen und Leute zu erschrecken, aber bisher hatte es geholfen und die Zahl der Kämpfe an ihren Grenzen hatte nachgelassen. Allein das war es wert, sich tagelang im Schlamm zu wälzen.

Alles verlief wie immer. Sie legten ihre Kostüme an und machten sich daran, ihre Abschreckungsmaßnahmen an den Grenzen zu überprüfen und gegebenenfalls auszubessern. Gleichzeitig suchten sie nach Spuren von unerwünschten Eindringlingen, verfolgten sie gegebenenfalls und konnten sie im besten Falle ohne einen Kampf wieder verschrecken. Zumeist handelte es sich dabei ohnehin nur um Zivilisten, auch wenn sie in der Vergangenheit immer mal wieder Ärger mit Banditen gehabt hatten, die hier im Wald Zuflucht vor dem Gesetz gesucht hatten. Zuletzt hatten sich vor allem einige Halbstarke aus den umliegenden Dörfern in den Wald gewagt, wohl als eine Art Mutprobe. Bis Tajima Wind davon bekommen hatte und die Uchiha begonnen hatten, sich für diese Region zu interessieren.

Am dritten Tag ihrer gegenwärtigen Runde vernahmen sie aus Richtung des Flusses das, was wohl eine missglückte Imitation eines Wolfsrufes sein sollte. Das konnte nur eines bedeuten. Freudestrahlend erwiderte Hashirama den Ruf.

»Los, kommt«, forderte er Tobirama und Tōka auf. »Lasst uns nachsehen.«

»Ich halte das noch immer nicht für eine gute Idee«, gab Tobirama zu bedenken. »Was, wenn das eine Falle ist?«

»Wird es nicht sein«, war sich Hashirama sicher. »Komm schon, du hattest selbst einmal gesagt, dass man sich zusammensetzen muss, um zu einer Einigung zu kommen. Und nichts anderes machen wir hier.«

Tobirama verzog das Gesicht, als seine eigenen Worte gegen ihn gewendet wurden, folgte dann aber wie Tōka Hashirama. Etwa eine Stunde später erreichten sie den Fluss und fanden zu Hashiramas Freude Madara mit seinem Bruder und diesem Hikaku vor.

Er gab sich Mühe, ihr Kommen deutlich genug anzukündigen, um die Uchiha nicht zu verschrecken. Denn natürlich standen sie hier alle auf dünnem Eis und nicht einmal Hashirama konnte diese leise Stimme in ihm gänzlich zum Schweigen bringen, die ihm zuwisperte, dass Uchiha nicht zu trauen war.

Alle Sorgen verrauchten, als er sah, wie Madara Steine über das Wasser hüpfen ließ, um sich die Zeit zu vertreiben. Er grinste. Kurzerhand nahm er sich ebenfalls einen Stein und warf ihn über den Fluss. Er erreichte mit Leichtigkeit das andere Ufer.

Madara wandte sich um. »Ihr habt euch ganz schön Zeit gelassen.«

Izuna und Hikaku sahen ihn noch immer misstrauisch an, wobei vor allem Izuna noch sehr abweisend wirkte. Hashirama gab sich Mühe, besonders freundlich zu wirken.

»Wie ist es euch ergangen?«, wollte er wissen, als sie sich am Ufer niederließen.

Madara grinste verschlagen und zückte eine Sakeflasche. »Hab was mitgehen lassen.«

Er hatte sogar an Schalen gedacht, die sie nun verteilten, ehe sie den Sake herumreichten. Dass Izuna bereits alt genug war zum Trinken, erstaunte Hashirama; er konnte nicht älter als zwölf sein. Womit er anscheinend alt genug war, um für eine Erkundungsmission in Feindesland in Betracht gezogen zu werden … Andererseits hatte es Hashirama nie verstanden, wieso siebenjährige Kinder als erwachsen genug angesehen wurden, um im Kampf zu sterben, aber Alkohol sollte ihnen verboten sein.

»Ich habe chichi überzeugen können, dass zumindest einige von unseren Leuten bei schlechtem Wetter verunglückt sind«, berichtete Madara. »Aber er ist noch immer misstrauisch und will, dass wir weitersuchen.«

»Wenn er nur euch schickt, ist das doch eine gute Sache«, stellte Hashirama fest. »Dann müssen wir uns keine Sorgen um andere Uchiha machen, die nicht so gesprächsfreudig sind.«

Izuna schnaubte. »Und wenn wir weiterhin behaupten, hier sei nichts, wird er erst recht misstrauisch und marschiert vielleicht noch mit dem ganzen Clan hier ein.«

»Dann lasst euch halt was einfallen«, brummte Tobirama.

»Butsuma hat erfahren, dass euer Clan vom daimyō einen Auftrag erhalten hat, und will euch überfallen, um euch euren Lohn zu rauben«, eröffnete Hashirama.

Madara merkte auf. »Wie hat er davon erfahren?«

Hashirama zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe versucht, ihn davon abzubringen, aber leichter ist es, einen Berg zu bewegen.«

Izuna sah alarmiert zu seinem Bruder. »Big Bro, das müssen wir Vater sagen!«

»Und ihm unsere Quelle verraten? Ganz bestimmt nicht«, hielt Madara dagegen.

»Also willst du gar nichts tun, während die Senju einen Hinterhalt planen und du davon sogar weißt?«, begehrte Izuna auf.

»Irgendetwas müssen wir doch tun können«, stimme Hashirama zu. »Stell dir doch nur einmal vor, wie viele Tote und Verletzte es nur wieder geben wird, auf beiden Seiten.«

»Und was willst du tun, Hashirama?«, fragte Tōka. »Entweder berichtet Madara seinem Vater davon und verrät, dass er dieses Wissen von dir hat, oder du sabotierst deinen Vater. In beiden Fällen wenden wir uns offen gegen unsere Clans oder geben zu, dass wir es getan haben. Und was wäre dann gewonnen?«

Unwillig knirschte Hashirama mit den Zähnen, gab sich aber geschlagen. »Nur … irgendwo müssen wir doch anfangen. Und was ist, wenn wir gegeneinander kämpfen müssen?«

»Dann kämpfen wir eben. Es wäre nicht das erste Mal«, sagte Madara. »Du weißt, was das letzte Mal geschehen war, als unsere Väter spitzgekriegt hatten, dass wir uns trafen. Wir können das nicht schon wieder riskieren.«

Hashirama schwieg und dachte darüber nach. »All die Ideen, die wir damals hatten … Jetzt sind wir stärker, jetzt werden wir von unseren Clanangehörigen gehört. Und obendrauf sitzen wir hier zu sechst und reden offen und ehrlich miteinander und haben nur das Beste für alle im Sinn. Aber ich weiß immer noch nicht, wie wir es schaffen, unseren Clans deutlich zu machen, dass auch sie dazu in der Lage sind.«

»Ich bleibe dabei, dass es Grundsatzregel bedarf«, sagte Tobirama. »Bisher lebt jeder Clan nach seinen eigenen Regeln und Vorstellungen, und Rache ist noch immer ein zu großer Motivator. Das muss aufhören, sonst erreichen wir nie einen Waffenstillstand. Aber noch sind wir nicht in der Position, um so etwas zu bewerkstelligen.«

»Hashirama ist Butsumas Erbe, aber nicht einmal auf seinen ältesten Sohn hört er«, gab Tōka zu bedenken. »Jedenfalls dann nicht, wenn ihm nicht gefällt, was er zu sagen hat.«

Hikaku legte den Kopf schief, wie als würde er über etwas nachdenken. »So läuft das also bei euch Senju mit der Clanführung.«

Hashirama sah ihn fragend an. »Äh, ja. Ich bin Butsumas ältester Sohn, also bin ich sein Erbe. Ist das bei euch nicht so?«

»Das ist echt dämlich«, stellte Izuna fest. »Wie stellt ihr dann sicher, dass euer Clan am besten geschützt ist, wenn nicht der Stärkste von euch Anführer wird, sondern der, der als erstes geboren wird? Und was, wenn diese Person ein Vollpfosten ist?«

Tobirama sprang auf und hielt ihm seine Faust unter die Nase. »Willst du damit sagen, dass mein Bruder nicht dafür geeignet ist, eines Tages unseren Clan zu führen?«

Izuna grinste und streckte ihm die Zunge raus. »Zumindest war er derjenige, der die bescheuerte Idee hatte, dass wir uns hier zusammensetzen und miteinander reden

»Und was sagt das dann über dich aus? Du machst immerhin mit!«, entgegnete Tobirama.

Nun sprang Izuna ebenfalls auf und die beiden fochten ein hitziges Blickduell aus. »Jemand muss doch darauf aufpassen, dass ihr Senju meinem Bruder nicht irgendwelchen Unfug aufschwatzt!«

Da die Fäuste zu fliegen drohten und Tobirama Gefahr lief, wieder Opfer von Izunas Zähnen zu werden, ging Hashirama eilig dazwischen. »Tobirama, lass dein Ego nicht mit dir durchgehen.«

»Mein Ego?«, fauchte Tobirama. »Sag das der kleinen Ratte da! Die hat dich beleidigt!«

Izuna wollte schon zu einer Erwiderung ansetzen, wurde jedoch von Madara daran gehindert.

»Izuna, setzen. Jetzt.«

Izuna klappte den Mund zu und setzte sich. Jedoch nicht ohne vorher Tobirama noch einen giftigen Blick zuzuwerfen.

Zugegebenermaßen war es durchaus niedlich zu sehen, wie ähnlich sich die beiden zu sein schienen und wie sehr sie ihre älteren Brüder beschützen wollten. Hashirama schmunzelte.

Madara beobachtete seinen Bruder und als er überzeugt schien, dass Izuna nicht jeden Augenblick wieder auf Tobirama losgehen würde, wandte er sich wieder an die Runde. »Aber es stimmt, wir Uchiha bestimmen unseren Anführer danach, wer am stärksten ist, und das ist gegenwärtig nun einmal chichi.«

»Also müssen wir trainieren, um noch stärker zu werden«, beschloss Hashirama.

Izuna sprang erneut auf. »Tobirama, ich fordere dich zum Duell heraus!«

Tobirama verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich kämpfe nicht mit Kindern.«

»Ich bin kein Kind mehr!«, protestierte Izuna. »Ich bin vierzehn!«

Hashirama sah erstaunt zu Izuna auf. Er hätte nicht vermutet, dass er mit Tobirama in einem Alter war, die runden Züge seines Gesichts ließen ihn bedeutend jünger erscheinen.

»Na los, was ist?«, fuhr Izuna spottend fort. »Angst zu verlieren?«

Als ob sich Tobirama das zweimal sagen ließ. »Gegen einen Uchiha werde ich ganz bestimmt nicht verlieren!«

Sie beide erhoben sich und traten auf den Fluss hinaus. Zumindest nahmen sie sich die Zeit, sich formal mit dem Siegel der Konfrontation zu grüßen, bevor sie ihr Duell begannen. Wasser war Tobiramas Element, und auch wenn er alle Chakra Naturen beherrschte, war er mit diesem doch am geschicktesten. Deshalb erstaunte es Hashirama durchaus ein wenig, dass Izuna sich nicht von der riesigen Flutwelle beeindrucken ließ, die Tobirama sogleich auf ihn losließ, und sie gar mit einem beachtlichen Katon konterte. Augenblicke später hüllte Wasserdampf sie alle ein.

Tōka sah erst zu den beiden Jugendlichen auf dem Fluss und dann zu Hikaku. »Spielst du shōgi, Uchiha?«

Er nickte. »Ja, und ich denke, ich bin ganz passabel.«

Sie wandte sich an Hashirama. »Gib uns bitte ein Brett.«

Hashirama schmunzelte. Shōgi war Tōkas Leidenschaft und wenn er Hikaku richtig einschätzte, dann hatte sie vielleicht in ihm einen würdigen Gegner gefunden. Rasch ließ er eine Wurzel aus dem Boden sprießen, die an ihrer Spitze ein Spielbrett ausbildete, und ließ dann kleine Spielsteine wachsen, die wie kleine Knubbel aus dem Brett hervortraten und sich dann lösten. Das Brett hatte Vertiefungen, um die Spielfelder zu markieren und auch die Spielsteine waren eingeritzt, um ihren jeweiligen Wert anzuzeigen.

Hikaku beugte sich vor, um sich einen der Spielsteine zu nehmen und genauer zu betrachten. »Ich habe noch nie von einem Jutsu gehört, das so etwas machen kann. Das ist echtes Holz.«

Hashirama zuckte mit den Schultern. »Wir glauben, dass es einmalig ist. So etwas wie ein Holzelement gibt es nicht. Ich nehme Wasser- und Erdelemente und füge sie zusammen und so entsteht mein Mokuton. Ganz vereinfacht gesagt.«

Madara musterte ihn eindringlich. »Und nicht so vereinfacht?«

»Bin ich ein Sennin und kann theoretisch seit meiner Geburt Naturenergie nutzen. Auch wenn ich erst einmal lernen musste, damit umzugehen. Aber das ist wie laufen. Es ist mir in die Wiege gelegt und ich musste einfach nur lernen, es richtig zu führen. Und auch jetzt noch glaube ich, dass ich noch lange nicht das volle Potenzial von Mokuton erreicht habe.«

»Sennin …«, wiederholte Madara und sah ihn erstaunt an. »Das erklärt einiges.«

»So? Tut es das?«

»Ja, ich hatte immer das Gefühl, dass du … hm, wie soll ich sagen? Dass du lebendiger warst, in einer gewissen Weise.«

»Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Das kommt von meiner Verbindung zur Natur. Ich höre, was die Pflanzen sich zuwispern, und weiß, wovon Bäume träumen.«

Madara schnaubte. »Träumende Bäume, jetzt wird‘s absurd.«

Hashirama schmollte und ließ den Kopf hängen. »Nicht du auch noch. Tobirama tut das schon die ganze Zeit als Unsinn ab.«

»Ernsthaft, Hashirama?!«, rief Madara aus. »Du ziehst diese deprimierte Nummer immer noch ab?«

Hashirama grinste. »So lange ich dich damit immer noch über‘s Ohr hauen kann.«

Madara verzog unwillig das Gesicht.

Tōka neben ihm rollte mit den Augen und machte sich daran, das Spielbrett vorzubereiten. Im Hintergrund duellierten sich noch immer Tobirama und Izuna. Tobirama war so schnell wie eh und je, aber Izuna stand ihm in nichts nach.

»Dein Bruder ist gut«, stellte Hashirama fest.

»Natürlich ist er das!«, entgegnete Madara im Brustton der Überzeugung.

Hashirama schmunzelte und beobachtete weiterhin die beiden Jugendlichen. Sie schenkten sich nichts und teilten ordentlich aus. In der Vergangenheit war es durchaus vorgekommen, dass sie sich auf dem Schlachtfeld begegnet waren und gegeneinander hatten kämpfen müssen, genau wie ihre älteren Brüder. Aus solchen Kämpfen wussten sie, dass sie annähernd gleichstark waren, weshalb es interessant wäre zu sehen, wohin es sie führen konnte, wenn sie sich in einem geregelten Rahmen duellieren konnten, ohne bis aufs Blut kämpfen zu müssen.

Tōka und Hikaku waren alsbald in ihr shōgi Spiel vertieft und Tobirama und Izuna machten nicht den Eindruck, als würden sie in absehbarer Zeit ihr Duell beenden. Hashirama stelle fest, dass er dankbar dafür waren, dass sie alle seiner Idee eine Chance eingeräumt hatten und gewillt waren, sich darauf einzulassen. Er wusste, dass es keine Selbstverständlichkeit war. Glücklich lächelnd lehnte er seinen Kopf an Madaras Schulter.

Madara erstarrte. »Äh, Hashirama …«

»Ja?«

»Warum tust du das?«

»Warum nicht?«

»Nun …« Madara verstummte und gestattete Hashirama weiter, gegen ihn zu lehnen.

»Was wäre, wenn wir das hier zu unserer Basis machen?«, schlug Hashirama fort. »Nicht mehr nur ein Ort, wo zwei Jungen heimlich Steine über den Fluss hüpfen lassen, sondern wo sich Mitglieder beider Clans treffen, um wirklich Dinge zu verändern.«

»Nun ja …«, sinnierte Madara. »Dieser Ort liegt tief im Wald, hier kommen eher selten Leute her. Also wäre er wohl geeignet, denke ich.«

»Hervorragend!« Hashirama sprang auf, gab sich einen Augenblick Zeit, um die Waldgrenze abzusuchen und schlug dann die Hände zusammen. An dem Ort, den er auserwählt hatte, spross ein ganzes Haus aus dem Boden.

»Was zum …?!«, rief Madara aus.

»Ist ein bisschen karg eingerichtet«, sagte Hashirama entschuldigend. »Aber das kriegen wir schon hin.«

Madara trat zu ihm und besah sich das Haus, das Hashirama hatte wachsen lassen. Hütte träfe es wohl eher, denn es besaß nur eine Etage und nur zwei voneinander abgetrennte Räume. Aber für ihr Vorhaben war es vollkommen ausreichend. Hashirama ließ noch einige zusätzliche Efeuranken und Büsche wachsen, um das Haus besser im Wald zu tarnen. Und weil immer noch etwas fehlte, fügte er aus einer Laune heraus einige Edelweiß hinzu, die um das Haus herum wuchsen.

Fasziniert betrachtete Madara Hashiramas Kreation mit seinem Sharingan und fuhr mit den Fingern durch das Efeu. »Das ist unglaublich, Hashirama! Kannst du auch Nahrung wachsen lassen?«

»Theoretisch ja«, sagte Hashirama. »Jedenfalls glaube ich, dass es in der Theorie möglich ist. Aber ich habe noch nicht herausgefunden, wie. Bisher schmeckt alles, was ich wachsen lasse, nach Holzspänen.«

Auf dem Fluss hatte es Izuna mittlerweile geschafft, Tobirama in den Schwitzkasten zu nehmen, obwohl dieser größer und kräftiger gebaut war.

»Ha! Gewonnen!«, triumphierte Izuna. »Ergib dich, Senju!«

Tobirama gab keinen Kommentar ab. Stattdessen tauchte hinter Izuna einer von Tobiramas Schattendoppelgängern aus dem Wasser auf und zog Izuna nach unten. Alle drei fielen sie platschend in den Fluss und der Doppelgänger löste sich mit einem Puff auf. Die beiden setzten ihr Duell fort, indem sie sich mit Wasser bespritzten.

Hashirama ließ eine Bank vor dem Haus wachsen und setzte sich dann darauf. Madara gesellte sich zu ihm und gemeinsam beobachteten sie ihre Brüder. Irgendwann ergriff Hashirama aus einer Laune heraus Madaras Hand und betrachtete sie. Er fühlte die zahlreichen Schwielen unter seinem Daumen, viel davon neu, aber einige vertraut, und sah die Narben, die zahllose Schwertkämpfe und das eine oder andere fehlgeschlagene Katon dort hinterlassen hatten. Narben konnte Hashirama nicht heilen, aber nun konnte er ein Auge auf neue Wunden haben und musste nichts mehr verheimlichen.

Madara sagte nichts dazu und beobachtete nur stumm, was er tat.

»Wie erging es dir in den letzten drei Jahren?«, wollte Hashirama wissen.

Madara zuckte mit den Schultern und wandte den Blick ab. »Wie es uns allen erging, denke ich. Chichi war … nicht glücklich, als er das mit uns herausgefunden hatte, und hatte mir lange misstraut. Alles, was ich tat, wurde auf die Goldwaage gelegt und ich glaube, so ganz vertraut er mir immer noch nicht. Ich hatte geglaubt, dass unser Traum endgültig vorüber sei. Dass es keinen Weg zurück geben konnte. Also begrub ich jede Hoffnung daran tief in mir und tat, was chichi von mir erwartete. Ich versuchte, der vorbildliche Shinobi zu sein, den er in mir sehen wollte.«

»Warst du glücklich?«

»Ich … ich hatte Izuna beschützen können, und das war alles, was zählte.«

Madara hatte sich verändert, so viel konnte Hashirama sehen. Er war bitterer geworden, erwachsener. Unter den Senju hatte er sich längst eine Reputation als gnadenloser Kämpfer erworben, dem nur wenige entkommen konnten. Wenn es in der Vergangenheit zu offenen Kämpfen zischen den beiden Clans gekommen war, dann war es stets Hashiramas Aufgabe gewesen, sich ihm zu stellen, da er der einzige war, der seiner Stärke begegnen konnte.

Aber darunter, ganz tief begraben, war er noch immer der Träumer, mit dem Hashirama sich angefreundet hatte, ansonsten würden sie jetzt hier nicht sitzen. Madara mochte diese Seite an sich weggeschlossen haben, aber er hatte sie nicht getötet. Und plötzlich durfte er sie wieder hervorholen.

»Aber hey, mein Sharingan hat jetzt alle drei tomoe und ist eines der Stärksten im Clan«, sagte Madara in einem lockeren Tonfall.

Zugegebenermaßen war sich Hashirama nicht sicher, ob das etwas Gutes war oder nicht. Er kannte die Geschichten darüber, wie das Sharingan zu seiner Stärke kam. Dass es eines starken emotionalen Schmerzes bedurfte, um es zu stärken. Aber Madara sprach darüber, als sei es etwas, das es zu feiern galt.

»Ähm, Glückwunsch?«, sagte er daher. »Was sagt man da bei euch?«

»Wir Uchiha sind stolz auf unsere Augen, Izuna war sogar noch etwas jünger als ich, als er sein Sharingan erhielt«, betonte Madara mit einem zufriedenen Lächeln. »Er hat sogar schon zwei tomoe und steht mir in kaum etwas nach. Natürlich ist das etwas, das man feiern sollte.«

Zugegebenermaßen verstand Hashirama nicht, wie man es feiern konnte, wenn Kindern so ein Schmerz angetan wurde. Er wusste noch sehr gut, wie fürchterlich jener schicksalhafte Tage geschmerzt hatte, als er glaubte, Madara für immer verloren zu haben. Und anscheinend war es Madara da ebenso ergangen, sonst hätte er niemals in jenem Moment sein Sharingan erweckt.

»Möchtest du darüber reden?«, fragte er vorsichtig. »Wie ihr euer Sharingan gestärkt habt?«

Madara warf ihm einen Blick aus dem Augenwinkel zu, dann schüttelte er den Kopf. »Nicht jetzt jedenfalls …«

Tobirama und Izuna hatten es noch immer nicht geschafft, aus dem Wasser zu kommen und ihr Duell ordentlich fortzusetzen. Stattdessen versuchten sie, sich gegenseitig unter Wasser zu ditschen.

»Warum hast du dein Mokuton eigentlich nie im Kampf eingesetzt?«, fragte Madara irgendwann.

»Weil es unsere Geheimwaffe ist«, erklärte Hashirama. »Die ganze Geschichte mit dem Dämon würde nie funktionieren, wenn Leute wüssten, dass ich es bin, der so etwas anstellen kann. Und die Kostümierung allein reicht nicht aus. Es war doch ziemlich gruselig, als du das erste Mal mein Jutsu gesehen hast, oder?«

»Bild dir bloß nichts drauf ein«, grummelte Madara.

Hashirama grinste und stieß ihm den Ellbogen in die Seite. »Komm, gibt‘s zu. Du hattest ordentlich Angst.«

»Das stimmt überhaupt gar nicht!«, begehrte Madara auf. »Ich bin ein Shinobi und als solcher kann ich meine Emotionen perfekt kontrollieren!«

»Sicher? Nicht mal ein ganz kleines bisschen Angst?«

»Ja!«

»Wirklich? Dafür hatten wir euch ordentlich aufmischen können.«

»Halt die Klappe, baka.«

Hashirama lachte. Es war gut, diesen Satz wieder zu hören. Madara sagte das immer dann, wenn er zu überspielen versuchte, dass er ein Argument verloren hatte, und nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Glücklich lächelnd lehnte Hashirama sich erneut gegen seinen Freund, und dabei fiel ihm auf, dass er noch immer dessen Hand hielt. Kurzerhand legte er seine andere Hand obendrauf, sodass er nun Madaras Hand zwischen seinen hielt.

»Worte können gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich bin, dass wir heute hier sitzen«, sagte er.

Madara verschränkte ihre Finger miteinander. »Ja … Vielleicht hat unser Traum ja doch eine Zukunft. Aber sag, wie ist es dir ergangen?«

»Hm, lass mich überlegen.« Hashirama tat so, als würde er ernsthaft nachdenken. »Abschluss an der Schauspielschule, meine Abschlussarbeit bestand in einer Studie darüber, wie absurd mein Kostüm werden muss, damit es arme, unschuldige Uchiha im Wald verschreckt.«

Madara knuffte ihn, wohlgemerkt mit seiner freien Hand. »Du bist definitiv durch die Prüfung gefallen.«

»Au!«, protestierte Hashirama. »Ich war immerhin gut genug, um die Rolle zu bekommen.«

»Komm, jetzt sag schon«, drängte Madara. »Beantworte meine Frage. Hast du mittlerweile dieses Mädchen geheiratet, von dem du mir erzählt hattest?«

»Wer? Oh!« Hashirama erinnerte sich. An einem Herbsttag, ganz ähnlich diesem hier, hatte er Madara erzählt, dass er Uzumaki Mito heiraten sollte. Er hatte keinen Namen genannt, damals hatten sie noch halbherzig versucht, solche Details zu vermeiden. »Nein, habe ich nicht. Aber sie ist erst dreizehn, und selbst Butsuma meint, dass es noch zu früh wäre, egal wie vorteilhaft ein Bündnis mit den Uzumaki wäre.«

»Uzumaki?«

»Oh. Ja, richtig. Jetzt kann ich es dir ja sagen. Es ist Mito, Ashinas Tochter. Aber bis jetzt ist es nur ein Lippenbekenntnis, eine Idee unserer Väter, dass man auf diese Weise unser Bündnis stärken könnte.«

Hashirama bemühte sich, es möglichst sachlich zu sagen. Er wollte eigentlich nicht wirklich über dieses Thema nachdenken.

Madara wusste anscheinend nicht so recht, wohin mit seiner freien Hand, und begann daher, sich an den Haaren zu zupfen. Er wich Hashiramas Blick aus. »Und? Ist sie hübsch?«

Er nuschelte so sehr, dass Hashirama ihn kaum verstand.

»Sie ist dreizehn! Und … ich weiß nicht, wie sie aussieht, ich habe sie noch nicht gesehen.« Nach einer kurzen Pause fragte er: »Hast du mittlerweile jemanden?«

Hashirama war sich nicht sicher, ob er sich die Röte auf Madaras Wangen nur einbildete. Konnte es wirklich sein, dass er Uchiha Madara zum Erröten gebracht hatte?

Madara schüttelte kaum merklich den Kopf. »Das ist peinlich, oder?«, sagte er leise. »Dass mein erster und einziger Kuss immer noch diese peinliche Sache von damals ist.«

»Grundgütiger.« Hashirama spürte, wie ihm die Wangen brannten, als er daran erinnert wurde. Damals auf dem Kliff hatte er Madara nicht nur verraten, dass er vielleicht in Zukunft eine arrangierte Heirat eingehen würde, sondern auch, dass er noch nie ein Mädchen geküsst hatte. Da es Madara auch so ergangen war und sie beide sich nicht vor den Mädchen hatten blamieren wollen, hatte Hashirama vorgeschlagen, dass sie ja »üben« konnten. Eigentlich war es nur eine billige Ausrede gewesen, um sich einen Kuss von Madara zu stehlen, und es hatte ihn erstaunt, dass sein Freund dem zugestimmt hatte. Eine Idee zweier dummer Jungen, mehr nicht.

Das änderte jedoch nichts daran, dass er nichts dagegen hätte, es zu wiederholen.

»Hey, das war bisher auch mein einziger Kuss, du musst also nicht allein leiden«, versuchte er es mit einem Scherz.

Madara warf ihm einen giftigen Blick zu. »Bild dir ja nichts darauf ein.«

»Wieso? Das ist ein Privileg! Ich bin der einzige in der ganzen Welt, der Uchiha Madara geküsst hat.«

»Nicht so laut!«, zischte Madara. »Du willst ganz bestimmt nicht, dass das Izuna hört. Der kleine Scheißer lässt uns damit bis ans Ende unseres Lebens nicht mehr in Ruhe.«

Hashirama lachte in sich hinein, verschonte aber Madara mit weiteren Kommentaren. »Aber du hast meine Frage nicht beantwortet«, sagte er stattdessen. »Du hast noch kein Mädchen geküsst. Aber gibt es überhaupt ein Mädchen, an dem du … interessiert bist? Ein Auge auf sie werfen, wäre bei Uchiha wohl nicht so die passende Wortwahl, oder?«

Madara warf ihm einen langen Blick zu. »Spar dir deine blöden Wortwitze.«

Hashirama ließ den Kopf hängen. »Ich fand ihn witzig.«

»Ha, ha«, sagte Madara trocken.

»Also, sag schon«, drängte Hashirama.

Dieses Mal war sich Hashirama sicher, dass Madara errötete. Er starrte auf seine Schuhspitzen und kaute verlegen auf seiner Lippe herum. Und Hashirama stellte fest, dass er starrte. Es war so unglaublich niedlich.

Madara räusperte sich. »Ich weiß, dass du ein Geheimnis für dich behalten kannst«, sagte er mit verschwörerisch gesenkter Stimme.

Hashirama blinzelte. Dann nickte er ernst. »Auf jeden Fall.«

»Also, es ist so …« Madara suchte nach passenden Worten. »Wie soll ich sagen? Ich … nun. Eventuell besteht die Möglichkeit, dass ich … Aber mach jetzt keinen blöden Kommentar.«

»Auf keinen Fall. Ehrenwort.«

»Nun ja, ich bin nicht an Mädchen interessiert. Nicht auf diese Weise jedenfalls. Eher an … Jungs.«

Das letzte Wort krächzte er.

»Ach so. Dann lass mich meine Frage anders formulieren: Gibt es einen Kerl, an dem du interessiert bist?«

»Was?« Madara sah ihn völlig verblüfft an.

»Warum so überrascht?«

»Na ja, weil … so eine Neigung unnatürlich ist.«

Hashirama hob skeptisch eine Augenbraue. »Wer sagt denn so einen Blödsinn?«

Madara zuckte mit den Schultern. »Alle?«, schlug er vor. Dann ließ er die Schultern sinken. »Ich hab das noch niemandem gesagt.«

Hashirama drückte seine Hand. »Dann muss ich dir nur umso mehr danken, dass du mir so sehr vertraust.«

Madara verdrehte die Augen, aber ein schmales Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln. »Du bist zu gut für diese Welt. Nein, halt. Zu naiv

»Meine Naivität hat dazu geführt, dass wir jetzt hier sitzen. Ich würde also nicht sagen, dass das etwas Schlechtes sein muss.« Dann merkte er auf und senkte ebenfalls beinahe verschwörerisch die Stimme. »Ich hab auch ein Geheimnis für dich.«

Madara sah zu ihm mit etwas in den Augen, das beinahe hoffnungsvoll wirkte.

»Ich habe zwar auch noch niemanden gefunden, an dem ich auf diese Weise interessiert bin, aber so ganz allgemein gesprochen spielt für mich das Geschlecht dabei keine Rolle. Männlich, weiblich, irgendetwas anderes, das sind Kategorien, die für mich dabei keine Rolle spielen.«

Madara blinzelte und schien sich das einen Moment durch den Kopf gehen zu lassen. »Das klingt nach etwas, das Izuna sagen würde. Er sagt ständig, dass Geschlecht ein gesellschaftliches Konstrukt sei und dass er nicht deswegen ein Junge sei, weil er gewisse Merkmale hat.«

Hashirama hob eine Augenbraue. »Und ich dachte, Tobirama sei der einzige, der in diesem Alter spricht, als sei er mindestens zehn Jahre älter.«

»Scheint so, als hätten wir beide Brüder, die in Wahrheit grummelige alte Männer im Körper unausstehlicher Jugendlicher stecken.«

»Definitiv.«

»Wenigstens muss ich jetzt nicht mehr allein leiden.«

Im Fluss hatten es Tobirama und Izuna mittlerweile aufgegeben, noch so zu tun, als sei es ein ernsthaftes Duell. Stattdessen jagten sie sich lachend durch das flache Wasser am Ufer und versuchten einander zu fangen. Hashirama beobachtete sie lächelnd. Es hatte in der Vergangenheit einfach viel zu wenige Gelegenheiten gegeben, in denen Tobirama Kind hatte sein dürfen. Die Momente, bei denen er seinen kleinen Bruder in den letzten Jahren hatte lachen hören, konnte er beinahe an einer Hand abzählen.

»Bleib stehen, du kleine Kröte, und hör auf, so herumzuhüpfen!«, rief Tobirama und versuchte Izuna zu schnappen.

Izuna entwischte ihm lachend und tänzelte davon. »Wir Uchiha nennen das tanzen, und ani ist ein sehr guter Lehrer. Na, willst du tanzen, Senju?«

Auch aus Madaras Augen schien der brüderliche Stolz, als er die beiden beobachtete. Doch dann wandte er sich wieder an Hashirama. »Sag mal, die Zeichnungen im Gesicht deines Bruders, haben die eine Bedeutung?«

»Narben«, erklärte Hashirama. »Er wollte einen Vertrag mit den Wölfen als sein Vertrauter Geist eingehen, aber sie machten es zur Bedingung, dass er erst ein Teil des Rudels werden sollte, bevor sie sich darauf einließen. Anfangs war es schwer und ein paar Dinge verliefen nicht ganz so, wie sie sollten, aber er hatte sich geweigert, dass ich ihm seine Wunden heile.«

Madara hob eine Braue. »Und was ist daraus geworden?«

Hashirama grinste. »Was denkst du, warum ihm die Wölfe antworten, wenn er ruft?«

Madara gab einen anerkennenden Laut von sich. Doch dann merkte er auf. »Ich habe eine Idee.«

Hashirama sah ihn fragend an. »So?«

»Ich weiß vielleicht, wie wir verhindern können, dass chichi diesem Wald noch mehr Aufmerksamkeit widmet«, sagte Madara. »Ich könnte ihm sagen, dass wir Spuren von Wölfen gefunden haben, die hungrig genug waren, um Menschen anzugreifen. Wir Uchiha respektieren die Natur und würden nicht leichtfertig eingreifen.«

»Allerdings würden sich Uchiha auch nicht von ordinären Wölfen aufhalten lassen«, gab Hashirama zu bedenken. »Ein gewöhnliches Rudel stellt für euch doch keine Gefahr dar.«

»Das stimmt, aber ich könnte Gerüchte streuen, dass es eben kein normales Rudel ist. Und wenn dein Bruder dann noch seine Wölfe um Hilfe bittet, um das zu unterstreichen, könnte es funktionieren.«

»Hmm, du meinst also, du ›lüftest‹ das Geheimnis um den Dämon im Wald, indem wir einfach ein weiteres Gerücht streuen?«

»Eines, das plausibler klingt als eine ominöse Kraft in den Wäldern, die die Natur für sich kämpfen lässt. Wirklich, hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, ich hätte es für ausgemachten Schwachsinn gehalten.«

Hashirama grinste. »Tja, ich bin halt doch für die eine oder andere Überraschung gut.«

Madara schnaubte. »Angeber.«

»Gern geschehen!«

Help, wo kommen die horny Teenager her? T.T Wie die halt original das Äquivalent zur Dorfjugend, lost in irgendeinem Kaff in Sachsen-Anhalt, ist, die des nächtens an der Bushaltestelle sitzt, kifft und billiges Dosenbier trinkt, lol. Im nächsten Kapitel setzen sie ihre Pläne fort, aber am Ende kommt doch immer alles anders als gedacht.
CN Gewalt gegen Menschen und Tiere

Kapitel 4

Verdammt! Verdammt, verdammt, verdammt! Das war überhaupt nicht gut. Madara hatte gedacht, seine Schwärmerei für Hashirama hinter sich gelassen zu haben, aber da hatte er sich wohl getäuscht. Da wagte es dieser Kerl, nach drei Jahren einfach so im Wald aufzutauchen und all diese Dinge zu sagen. Und Pubertät hatte ihm definitiv auch einen Gefallen getan, und das nicht nur, weil er sich seinen lächerlichen Haarschnitt hatte herauswachsen lassen.

Er sollte besser sofort aufhören, darüber nachzudenken, wie gutaussehend Hashirama geworden war. Natürlich dachte er trotzdem darüber nach.

Mit Gewalt versuchte sich Madara auf andere Gedanken zu bringen. Dafür hatten sie jetzt keine Zeit. Ihre Clans lagen noch immer im Krieg miteinander. Da blieb kein Platz für Träume darüber, wie es wohl wäre, seinen besten Freund zu küssen. Solche Träume hatten jedoch die Angewohnheit, sich den Platz zu schaffen, den sie verlangten.

Missmutig zog er sich die Kapuze tiefer ins Gesicht im vergeblichen Versuch, den Regen fernzuhalten. Dieser Herbst war besonders verregnet, wie es schien. Seine Kleidung war schon wieder gänzlich durchnässt und dass er unter seinem Umhang nicht pitschnass war, war bisher allein seinen Haaren zu verdanken.

Sie befanden sich auf dem Weg zurück in ihr eigenes Clangebiet und hatten den Wald bereits hinter sich gelassen. An diesem Tag würden sie jedoch nicht mehr nach Hause zurückkehren können, weshalb sie nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau hielten. Hikaku wusste von einem Gasthaus in der Nähe, welches sie nun anstrebten.

»Tōka ist echt gut im shōgi«, bemerkte Hikaku wie beiläufig.

Madara warf ihm einen Seitenblick zu und hob eine Augenbraue. »So? Ist sie das?«

»Ja, wirklich! Sie versteht es echt gut, einen Zug anzutäuschen und damit ihre eigentlichen Absichten zu verschleiern. Butsuma wäre ein Idiot, wenn er sie nicht als Generalin einsetzt.«

»Höre ich da so etwas wie Bewunderung aus deiner Stimme?«

»Wer wären wir, wenn wir unsere Feinde nicht ehren können? Das wäre barbarisch.«

»Tobirama stinkt nach nassem Hund«, warf Izuna eilig ein.

Madara hatte ein wunderbares Mittel gefunden, um seinen kleinen Bruder aufzuziehen, denn dieser konnte und wollte nicht zugeben, dass ihm sein »Duell« mit Tobirama sehr viel Spaß gemacht hatte. Aber es war gut für Izuna, auch einmal Kind sein zu dürfen, und egal, was er sagte, in diesem Alter war er noch ein Kind.

»Und du bist eine kleine Kröte, die nicht tanzt, sondern durch die Gegend hopst. Quak quak.« Er machte die Geräusche eines Frosches nach.

Izuna holte aus und boxte ihm halbherzig gegen den Arm. »Du bist gemein, Big Bro! Nur weil du schon alle drei tomoe hast, das ist unfair!«

Vor ihnen ließ sich allmählich die Silhouette einer Siedlung in den Regenschleiern ausmachen. Das hieß, dass sie endlich bald ins Trockene kämen. Sie schritten schneller aus und bahnten sich ihren Weg zwischen Reisfeldern auf die Häuser zu. Einige Bauern arbeiteten auf den Feldern, schenkten ihnen aber kaum Beachtung. Sie waren nicht die ersten Reisenden, die hier durch kamen.

Schließlich erreichten sie ihre Unterkunft, welche sich als minshuku herausstellte. Hikaku kannte die Familie von früheren Besuchen und sie stellten erfreulicherweise nicht allzu viele Fragen. Derzeit waren sie nicht die einzigen Gäste, weshalb es etwas eng werden würde, aber es war ja nur für eine Nacht.

Die Wirtsfrau schenkte ihnen Tee aus und reichte ihnen dazu senbai, die sie selbst hergestellt hatte. Außerdem bot sie ihnen an, ihre Kleidung zu trocknen, was die drei Uchiha dankend annahmen.

»Dieser Tage kommen immer weniger Reisende durch unser Dorf«, sagte sie. »Die Nähe zum Wald, Sie wissen schon.«

Sie nickten wissend.

»Man hört allerhand Geschichten, das stimmt«, sagte Madara wage.

»Es wird gefährlich, durch den Wald zu reisen«, fuhr die Wirtin fort. »Neuerdings verschwinden sogar Leute und tauchen nie wieder auf und man hört des nächtens unheimliche Geräusche.«

»Angeblich soll ein Dämon umgehen«, soufflierte Madara.

»Oh ja!«, ging sie sogleich darauf ein. »Jüngst hatte ich mit einigen Shinobi auf der Durchreise darüber geredet, und auch die hatten keine Erklärung dafür.«

»Wir sind auf einer Mission, um eben das herauszufinden«, eröffnete er. »Wir haben Spuren wilder Wölfe gefunden und es gibt Anzeichen, dass nicht alle Tiere ordinärer Natur sind.«

Kurz vor ihrer Abreise hatten sie besprochen, wie sie ihren Plan umsetzen wollten. Es wäre an Tobirama für besagte Spuren zu sorgen, und die Aufgabe der Uchiha war es, unauffällig Gerüchte zu streuen.

»Wölfe, huh?«, wiederholte die Wirtin. »Na das fehlte uns gerade noch.«

»Wölfe sind in der Regel keine Gefahr für Menschen«, beruhigte Hikaku sie. »So lange niemand ihr Revier stört und sie in die Ecke drängt, greifen sie Menschen nicht an. Es ist also ratsam, nicht allzu tief in den Wald zu gehen.«

»Aber niemand kann garantieren, dass diese Tiere den Wald nicht verlassen.«

»In der Regel bleiben sie in ihrem Revier, so lange Nahrungsmangel sie nicht dazu zwingt, es zu verlassen.«

Die Frau überlegte einen Moment. »Na hoffentlich stimmt das. Besser, wir bleiben des nachts drinnen.«

Zumindest sie hatte den Köder also geschluckt.

Später fanden sie sie sich zu dritt in ihrem kleinen Zimmer ein und setzten sich um den kleinen Tisch. Immerhin hatten sie ein eigenes Zimmer, das sie sich nicht mit den anderen Gästen teilen mussten.

»Das ist Verrat, was wir hier machen«, sagte Hikaku nicht zum ersten Mal. »Aber irgendwie bin ich doch davon angetan.«

»Weil es das Richtige ist«, betonte Madara.

»Aber jetzt sei ehrlich, nii-san«, sagte Izuna. »Wo soll das hinführen? Du hast einen Narren an diesem Trottel Hashirama gefressen, und irgendwie haben Hikaku und ich es zugelassen, dass du uns da mit hinein ziehst. Was eine Menge über uns aussagt, und nicht alles davon ist gut. Aber egal. Aber worin soll das enden? Chichi anlügen über das, was wir im Wald gefunden haben, ist eine Sache, aber gleichzeitig ist es gefährlich nahe daran, aktiv gegen ihn zu arbeiten.«

»Irgendwann schaffen wir es vielleicht doch, dass beide Clans Frieden miteinander schließen«, sagte Madara. »Wenn ich so darüber nachdenke, ist diese Idee mit dem Dorf vielleicht wirklich zu hoch gegriffen, aber ein Waffenstillstand muss doch möglich sein. Ein dauerhafter Frieden ist der einzige Weg, um zu verhindern, dass wir uns irgendwann im ewigen Krieg gegenseitig auslöschen.«

Izuna senkte den Blick und kaute auf seiner Lippe. »Ich muss trotzdem an unsere Brüder denken …«

»Kou hatte uns, seine kleinen Brüder, immer beschützen wollen«, sagte Madara. »Das ist jetzt meine Aufgabe. Er würde nicht wollen, dass wir uns seinetwegen in Gefahr bringen, nur um sein Andenken zu bewahren.«

»Aber was machen wir, wenn Vater das herausfindet?«

»Das wird er nicht.«

Das hoffte Madara jedenfalls. Noch einmal würde Tajima ihm nicht die Chance geben zu beweisen, dass er kein Verräter war.

Sie brachen früh am nächsten Tag auf und machten sich auf die Heimreise. Das Wetter hatte sich mittlerweile gebessert, auch wenn die Straßen aufgeweicht waren und sie ständig großen Schlammpfützen ausweichen mussten. Gegen Mittag erreichten sie endlich das vertraute Gebiet ihrer Siedlung und natürlich erwartete Tajima sogleich ihren Bericht. Auch ihm tischte Madara die Geschichte mit den Wölfen auf.

»Aber ihr habt nichts davon mit eigenen Augen gesehen, nur die Spuren«, schloss Tajima.

»Nur die Spuren«, bestätigte Madara.

»Normale Wölfe lassen nicht einfach so Uchiha verschwinden«, gab Tajima zu bedenken. »Jemand könnte das als Deckmantel benutzen und sich hinter diesen ganzen Ammenmärchen verstecken. Madara, ich will, dass du weiter an der Sache dran bleibst.«

Madara lief es eiskalt den Rücken hinab. Das war weitaus näher an der Wahrheit, als ihm lieb war. Wieso nur war Tajima so paranoid?

»Ja, chichi-ue«, sagte er so ruhig, wie er nur konnte.

»Gut. Außerdem will ich, dass du und Izuna mit an den Hof des daimyō kommen«, fuhr Tajima fort. »Ihr wisst um den Auftrag, den unser Clan von ihm erhalten hat. Er ist so gut wie erfüllt, und ich will, dass ihr zugegen seid, wenn er uns unseren Lohn gibt.«

Dieser Auftrag, von dem Butsuma irgendwie Wind bekommen hatte. Madara wusste noch immer nicht, wie er damit umgehen sollte. Sie hatten sich zwar darauf geeinigt, dass es besser wäre, ihren Vätern nichts darüber zu verraten und die Dinge einfach ihren Lauf nehmen zu lassen, aber so ganz ließ es Madara doch nicht in Frieden. Es würde unweigerlich zum Kampf kommen.

Izuna konnte besser Begeisterung heucheln. »Ich darf endlich die große Stadt sehen?«, fragte er freudig. Vielleicht war es ja nicht einmal geheuchelt.

»In der Tat«, bestätigte Tajima gönnerhaft. »Du bist alt genug, um aktiv in Clanpolitik involviert zu werden. Und es kann nicht schaden, wenn du mehr von der Welt siehst.«

Izuna strahlte über das ganze Gesicht. »Oh, das ist aufregend!«

Madara schmunzelte. Vielleicht hatte das Ganze ja doch eine gute Seite.

Für Madara wäre es nicht das erste Mal, dass er seinen Vater an den Hof des daimyō begleiten würde, aber für Izuna war es ein Abenteuer. Die große Stadt war eben doch etwas anderes, als ihre kleine Siedlung, in der nur wenige hundert Menschen lebten.

Sie waren offiziell hier, was hieß, dass sie offen das Wappen ihres Clans, den roten und weißen uchiwa, auf ihrer Kleidung tragen konnten. Das kam außerhalb der Clangrenzen selten genug vor, weshalb Madara es genoss, stolz zu zeigen, wer er war, und es nicht immer verheimlichen zu müssen.

Izuna war vom Pomp des daimyō beeindruckt, aber Madara wusste mittlerweile, dass all das Gold und all das Porzellan nur Schau waren, die vor allem eine Botschaft übermitteln sollten: Der Mann, dem all diese Reichtümer gehörten, besaß eine Macht, vor der sich selbst Shinobi beugten. Dennoch gönnte er es seinem kleinen Bruder, sich mit leuchtenden Augen umzusehen.

Die Audienz fiel wie zu erwarten lang und langweilig aus. Tajima kroch dem daimyō zu Kreuze und seine Söhne katzbuckelten noch tiefer, um dem Landesherren zu gefallen. Aber immerhin gewannen sie in der Tat sein Wohlgefallen und der Lohn fiel entsprechend aus.

Später am Tag machte Izuna seinem Namen alle Ehre und stibitze ihrem Vater wieselflink etwas Geld. Damit machten sie sich aus dem Staub, und Madara führte seinen kleinen Bruder in die schillernde Welt des nächtlichen hanamachi ein.

In die feineren Etablissements kamen sie mit dem bisschen Geld, das Izuna hatte mitgehen lassen, nicht hinein, und erst recht nicht, wenn sie nicht wollten, dass ihr Vater in Windeseile von ihrem Streifzug erfuhr. Aber Madara war schon einige Male hier gewesen und kannte ein paar Tricks, um Izuna dennoch die Wunder dieses Ortes zu zeigen.

Von früheren Besuchen kannte er eine junge Maiko, die gern bereit war, für ein paar zusätzliche Münzen die beiden herumzuführen und den einen oder anderen Teehausbesitzer zu bezirzen, sie einzulassen. Sie hatte jedoch auch ihre Arbeit zu erledigen und flatterte alsbald wieder davon. Izuna war hin und weg von den lebenden Kunstwerken, die Maiko und Geisha darstellten, und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Sie genossen ihren Tee und Madara nahm sich die Freiheit, sich einen Sake zu bestellen und ihn dann heimlich Izuna zuzuschieben. Wer alt genug war, um in Feindesland zu spionieren, war auch alt genug für Alkohol. Izuna stürzte den Alkohol, bevor irgendwer der anderen Gäste oder gar der Wirt es bemerkten.

Allzu lange konnten sie jedoch nicht bleiben, da Tajima sicher bald ihr Fehlen bemerken würde. Wenn es nicht schon längst geschehen war. Als sie das Teehaus verließen, erwartete sie eine Überraschung.

Madara bemerkte, wie etwas an seinem Kimono zupfte, und als er sich umwandte, sah er, wie sich eine Ranke unauffällig in eine unbeleuchtete Nebenstraße schlängelte.

»Psst, Madara! Hier drüben!«, hörte er Hashirama wispern.

Er nahm Izuna bei der Hand und zog ihn in die Gasse, wo er im Dunkeln Hashiramas Gestalt ausmachen konnte. Als sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt hatten, sah er, dass auch Tobirama anwesend war, der sein helles Haar uns seine auffälligen Narben unter einer Kapuze verbarg.

»Was macht ihr hier?«, fragte Madara leise.

»Spionieren«, sagte Hashirama und sah doch tatsächlich betreten zu Boden.

Izuna grinste. »Ihr seid echt lausig.«

Tobirama funkelte ihn an. »Hey, ihr hättet uns nicht bemerkt, hätte Hashirama euch nicht auf uns aufmerksam gemacht!«

»Warum hast du uns angesprochen, Hashirama?«, wollte Madara wissen.

Hashirama strahlte schon wieder fröhlich. »Um euch wissen zu lassen, dass wir auch in der Stadt sind, natürlich! Ich habe ein paar Straßen weiter einen vielversprechenden Dango-Stand gefunden, wollen wir uns den ansehen?«

Madara schüttelte den Kopf. »Zu gefährlich. Was, wenn uns jemand sieht? Wir sollten eigentlich nicht einmal hier sein. Chichi wird sicher bald bemerken, dass wir ihm entwischt sind.«

Hashirama schmollte. »Aber eines Tages!«

Izuna hatte dieses verschlagene Grinsen auf dem Gesicht, das er immer auflegte, wenn er etwas ausheckte. »Ich könnte uns welche klauen. Mich bemerkt niemand!«

»Pah!« Tobirama schnaubte abfällig. »Du bist ein Trampeltier, dich bemerkt selbst ein Tauber.«

Izuna streckte ihm die Zunge raus. »Wetten, dass ich besser schleichen kann als du?«

Tobirama funkelte ihn an. »Wette angenommen!«

Und damit waren sie in der Nacht verschwunden, um auf Dango Beutefang zu gehen. Hashirama sah ihnen schmunzelnd nach.

»Na hoffentlich denkt der kleine Scheißer daran, mir auch etwas mitzubringen«, murmelte Madara.

Hashirama wandte sich ihm wieder zu. Er ergriff Madaras Hände und sah ihn mit diesem Blick an, der Madaras Magen Purzelbäume schlagen ließ. Schon wieder! Ein einfacher Blick sollte das nicht mit ihm machen können. Zumindest dann nicht, wenn kein dōjutsu dahinter stand. Besonders dann nicht.

»Ich weiß ehrlich nicht, was ich Butsuma sagen soll«, sagte Hashirama ungewöhnlich betrübt. »Soll ich ihn anlügen darüber, mit wie vielen Shinobi ihr in die Stadt gekommen seid, sodass er mit zu wenigen Leuten den Überfall plant? Oder soll ich die Wahrheit erzählen? Aber das bringt euch in Gefahr.«

Madara sah ihm fest in die Augen. »Sag ihm die Wahrheit. Alles andere wäre zu gefährlich und würde dich nur unnötig verdächtig erscheinen lassen. So lange wir nicht in einer Position sind, wirklich etwas zu verändern, dürfen wir nichts riskieren. Aber vielleicht kannst du mir sagen, wo dein Vater den Überfall plant. Dann kann ich dafür sorgen, dass ihr uns nicht gänzlich unvorbereitet antrefft, was die Chancen vielleicht ausgleicht.«

»Natürlich. Butsuma geht davon aus, dass ihr den südlichen Weg aus der Stadt nehmen werdet, der euch unweigerlich durch die Klamm etwa zwei Kilometer von hier führen wird. Ein idealer Ort für einen Hinterhalt.«

»In der Tat …« Madara überlegte für einen Moment. »Sag, was wäre, wenn ich chichi sagen würde, dass dieser Weg gefährlich ist, und ihn davon abbringen könnte, diesen Weg zu nehmen? Ihr würdet um sonst dort auf uns warten und es würde nicht zu einem Kampf kommen.«

Hashiramas Gesicht hellte sich auf. »Ja! Eine sehr gute Idee. Vorausgesetzt, keiner unserer anderen Spione bekommt mit, dass ihr eine andere Route als die erwartete plant.«

»Es ist zumindest die beste Idee, die mir bisher dazu einfiel. Du hältst mich auf dem Laufenden über das, was ihr plant?«

»Natürlich! Aber … falls es dazu kommen sollte, dass wir doch kämpfen müssen …«

»Dann kämpfen wir eben. Hashirama, du darfst nicht vergessen, für was wir das hier machen.«

Hashirama trat vor und stand nun ganz nah vor Madara. Er war ein Stück größer als dieser, weshalb Madara zu ihm aufsehen musste. Auf diese Nähe stellte er auch fest, dass Hashirama nach etwas roch, das ihn an einen Wald nach einem erfrischenden Regenguss erinnerte. Ein Geruch, der ihm sonderbarerweise mehr zu Kopfe stieg als der Sake, den er kurz zuvor noch getrunken hatte.

Hashirama hielt noch immer seine Hand. Seine sonnengebräunte Haut bildete einen starken Kontrast zu Madaras beinahe leichenblassen Hautton, der sich selbst in der dunklen Gasse deutlich abzeichnete. Er betrachtete ihre Hände und ließ Madaras Finger durch seine gleiten.

»Kampf bedeutet immer, dass jemand sterben kann«, sagte er leise. »Es könnte auch einen von uns treffen, jederzeit. Und ich fände es schrecklich, wenn das passieren würde, bevor ich dir nicht eine Sache gesagt habe.«

»Hashirama …«, krächzte Madara. Er sollte ihm sagen, was er fühlte, ging ihm auf. Wer wusste schon, was der morgige Tag bringen würde. In der Welt, in der sie lebten, war es nie gewiss, ob sie den nächsten Tag noch erleben würden. Er hatte schon zu viele Chancen verpasst. Aber ausgerechnet jetzt schnürte es ihm die Kehle zu und er brachte kein Wort über die Lippen.

Hashirama atmete tief durch. »Du hast mir immer noch nicht gesagt, ob es jemanden gibt, an dem du romantisch interessiert bist. Aber für mich gibt es so jemanden, und er steht gerade vor mir. Madara, ich liebe dich, und bevor wir uns vielleicht wirklich im Kampf gegenüber stehen müssen, möchte ich dich um etwas bitten. Wärst du bereit, mich noch einmal zu küssen? Richtig dieses Mal, nicht dieses peinliche … was auch immer das damals gewesen war.«

Madara starrte ihn sprachlos an. Er hätte nicht gedacht, dass es eine Möglichkeit gab, ihn so kalt zu erwischen. Niemand sagte so etwas mit so ernster Miene! Und doch schien es Hashirama todernst zu meinen.

Hashirama ließ seine Hand los. »Tut mir leid, wenn das zu viel gewesen war. Du musst nicht, wenn du nicht willst.«

Kurz entschlossen ergriff Madara seine Hand wieder. Mit der anderen packte er Hashirama beim Kragen und zog ihn zu sich heran. »Halt die Klappe, baka.« Dann küsste er ihn.

Hashirama schien für einen Moment überrascht von dieser Reaktion, doch dann fackelte er nicht mehr lang. Als wäre ein Damm gebrochen, erwiderte er den Kuss und vertiefte ihn gar. Sie mochten seit dem letzten Mal vielleicht nicht an Erfahrung gewonnen haben, aber sie waren nun älter, reifer. Während Hashirama also seine Arme um Madara schlang und Madara seine Hände in Hashiramas seidiges Haar krallte, entdeckten sie, was man alles mit Zungen anstellen konnte.

Madara war froh, dass er sich an Hashirama klammern konnte, denn plötzlich wurden seine Knie ganz schwach und ihm schwirrte der Kopf. Wie viel Pech konnte er nur haben? Wieso hatte er sich ausgerechnet in Hashirama verlieben müssen? Und gleichzeitig konnte er diesem Moment doch einfach nicht bereuen, ein Moment puren Glücks.

Schließlich lösten sie sich doch voneinander, gerade genug, dass sich ihre Lippen nicht mehr unmittelbar berührten. Madara sah Hashirama tief in die Augen. Aus dieser großen Nähe sah er, dass sie nicht schwarz waren, wie er immer angenommen hatte, sondern von einem tiefen Braun. »Beantwortet das deine Frage danach, ob ich jemanden habe?«

Lächelnd strich ihm Hashirama über das Gesicht. »Wenn du mich haben willst.«

Die Stimmung wurde erschreckend effektiv von zwei vorlauten Jugendlichen zerstört. »Anija!«, hallte es empört durch die Gasse.

»Scheiße«, sagte Madara trocken. Er wandte sich seinem Bruder zu. »Wenn du auch nur einen Kommentar dazu abgibst, weide ich dich eigenhändig aus.«

Izuna grinste süffisant und klimperte unschuldig mit den Augen. »Das würdest du nie machen, liebster Bruder.«

»An deiner Stelle würde ich mich nicht darauf verlassen«, drohte Madara.

Tobirama sah aus, als würde er am liebsten die ganze Gasse unter Wasser setzen. Dieser Eindruck wurde auch dadurch nicht abgeschwächt, dass ihm noch etwas Zuckersirup im Mundwinkel klebte von den Dango, die er wohl soeben gegessen hatte.

Izuna leckte sich unbeeindruckt den Sirup von den Fingern und streckte Madara einen Pappteller mit mehreren Dangospießen entgegen. »Schau, wir haben Beute gemacht. Wir wissen zwar immer noch nicht, wer besser schleicht. Aber ich habe auf alle Fälle bewiesen, dass ich besser darin bin, der vorbeilaufenden Geisha schöne Augen zu machen, damit sie uns welche kauft.«

Tobirama schnaubte und schnappte sich noch einen Dangospieß, während er Madara noch immer abfällig musterte. Es war erstaunlich, wie viele Mordabsichten er mit nur einem Blick vermitteln konnte. Schon allein deswegen, weil er ihm nicht alle Dango allein gönnen wollte, nahm sich Madara auch einen Spieß und erlitt beinahe einen Zuckerschock. Grundgütiger, waren die Dinger süß!

»Big Bro, du musst eine Sache klären«, nuschelte Izuna mit vollem Mund. »Ich bin der Meinung, dass ich in einem susohiki gut aussehen würde, aber Tobirama sagt, das geht nicht.«

»Weil du kein Mädchen bist!«, stellte Tobirama klar.

»Ein Junge bin ich aber auch nicht«, entgegnete Izuna. »Und rein physisch bin ich durchaus in der Lage, mir so ein Teil anzuziehen. Ist ja nicht so, als würde ich versuchen zu fliegen, obwohl ich keine Flügel habe. Technisch gesehen widerspricht dem nichts.«

Herrje, es war definitiv zu spät, um sich mit all dem zu befassen. »Lass uns das morgen besprechen«, sagte Madara daher.

Izuna sah zwischen ihm und Hashirama hin und her und grinste schon wieder so bedenklich.

»Kein. Wort«, zischte Madara.

Hashirama hatte sich mittlerweile ebenfalls einen Spieß genommen und kaute mit einem unschuldigen Hundeblick auf seinem Dango herum. »Wir finden uns schon wieder zusammen, sollte es nötig werden«, versprach er. »Komm, Tobirama. Lass uns zurückgehen. Butsuma fragt sich sicherlich, wo wir bleiben.«

Sie wandten sich ab.

»Du kannst doch nicht ernsthaft mit diesem Uchiha rumknutschen!«, hörte Madara Tobirama noch leise schimpfen, dann waren sie in der Nacht verschwunden.

Izuna gab einen abfälligen Laut von sich. »Der soll froh sein, dass du dich mit diesem Kerl abgibst.«

»Izuna!«, fauchte Madara. Kurzerhand packte er seine Hand und schleifte ihn zu ihrer Unterkunft zurück. Er betete, dass Tajima ihr Fehlen noch nicht bemerkt hatte. Das hätte ihm gerade noch gefehlt.

Natürlich hatte Tajima bemerkt, dass seine Söhne sich davon geschlichen hatten. Er hielt ihnen eine Standpauke, die weniger streng ausfiel als erwartet, und das war es dann. Sie versprachen, dass es nicht wieder vorkommen würde, und jeder von ihnen wusste, dass es eine Lüge war; Tajima war in dem Alter nicht anders gewesen.

Am nächsten Morgen ergriff Madara beim Essen die Gelegenheit, seinen Vater auf die geplante Abreise anzusprechen. »Chichi-ue, ich habe noch einmal über unseren Heimweg nachgedacht.«

Tajima aß ruhig seinen Reis und bedeutete ihm fortzufahren.

»Unsere Anwesenheit hier und der Grund dafür sind kein Geheimnis. In der Vergangenheit hatten unsere Feine selten eine Gelegenheit ausgelassen, unsere Unterfangen zu stören und nach Kräften zu verhindern. Es wundert mich, dass dies bisher nicht geschehen ist, was in mir die Befürchtung aufkommen lässt, dass sie vielleicht einen Hinterhalt planen. Die Route, die du eingeplant hast, wird uns durch eine Gegend führen, die sehr gut für einen Überfall geeignet wäre. Vielleicht sollten wir eine weniger offensichtliche Strecke wählen und dafür einen Umweg in Kauf nehmen.«

Tajima antwortete nicht sogleich, sondern dachte für einen Moment darüber nach. Dann nickte er. »Du hast Recht. So langsam begreifst du also doch den Ernst der Lage, das ist gut.«

Dann war Tajimas Paranoia doch zu etwas gut. Jetzt blieb nur zu hoffen, dass die Senju keinen Wind davon bekommen würden. Hatte Hashirama nicht etwas von anderen Spionen gesagt? Vielleicht sollte Madara nach ihnen Ausschau halten, aber in einer so großen und turbulenten Stadt fiel es selbst ihm schwer, einzelne Chakren auszumachen und wahrscheinlich hatte Tobirama ohnehin seine Siegel im Einsatz. Widerwillig musste Madara dem Jungen zugestehen, dass er verblüffend gut darin war.

Bis zu ihrer tatsächlichen Abreise dauerte es noch etwas, und um sich die Zeit zu vertreiben, suchten Madara und Izuna einen Übungsplatz auf, auch wenn sie sich an diesem Ort auf Taijutsu beschränken mussten. In ziviler Umgebung war es selten gern gesehen, wenn sie Ninjutsu anwandten, das wurde im besten Falle mit Skepsis geduldet.

Heute war Madara jedoch nicht wirklich bei der Sache und natürlich bemerkte Izuna das. Er nutzte es schamlos aus und landete einige gute Treffer, die Madara sicher noch ein paar Tage lang spüren würde.

»Na, was ist los, Big Bro?«, spöttelte Izuna, während er um Madara herum tänzelte. »Noch immer abgelenkt von süßen Rehaugen?«

»Ich hab dich gewarnt!«, fauchte Madara. »Kein Wort darüber oder ich weide dich aus!«

»Na los, dann versuch es doch!«

Madara stürzte sich auf ihn, doch Izuna machte guten Gebrauch von dem Umstand, dass er kleiner und leichter war. Manchmal kam es Madara vor, als würde er versuchen, einen schlüpfrigen Fisch mit bloßen Händen zu fangen. Hin und wieder nahm es Izuna ein wenig zu wörtlich, dass die Uchiha den Kampf als Tanz ansahen, besonders dann, wenn er seinen Bruder damit auf die Palme bringen wollte, indem er ihre Duelle nicht ganz so ernst nahm, wie er vielleicht sollte.

Izuna tauchte unter seinem Schlag weg und Madara versuchte sogleich, einen Vorteil aus seiner Größe zu gewinnen. Doch Izuna sprang rasch aus seiner Reichweite heraus.

»Hat er ganz liebenswürdig mit den Augen geklimpert? Etwa so?« Izuna machte es vor.

Madara war kurz davor, entgegen aller guten Vorsätze doch ein Katon gegen seinen Bruder einzusetzen, und es war ihm vollkommen egal, wenn er dabei den ganzen Platz niederbrannte.

»Küsst er wenigstens gut?«

»Das geht dich einen Scheißdreck an!«, brüllte Madara und versuchte es mit einem besonders gemeinen Schlag.

Dieses Mal konnte Izuna nicht so leicht ausweichen und es wurde knapp für ihn. »Na, na«, tadelte er. »So spricht man doch nicht mit dem kleinen Bruder.«

So lange der kleine Scheißer noch Luft zum Spotten hatte, hatte Madara ihn noch immer nicht hart genug rangenommen. Er erhöhte das Tempo und jetzt endlich hielt Izuna den Mund.

Hinterher schmorte auch nur ein Teil des Platzes, und Tajima war sichtlich hin und her gerissen zwischen dem löblichen Trainingseifer seiner Söhne und dem Umstand, dass er den Schaden den Verantwortlichen erklären musste.

»Du hast mich immer noch nicht ausgeweidet«, murmelte Izuna, sodass nur Madara ihn hören könnte. Er atmete zwar noch immer schwer, grinste aber schon wieder frech.

»Nur eine Frage der Zeit«, drohte Madara.

Den ganzen Tag über hielt Madara Ausschau nach Hashirama, konnte aber weder ihn noch irgendeinen anderen Senju ausmachen. Als die Nacht hereinbrach, stellte er sicher, dass zumindest er und Izuna für eine kleine Weile unbeobachtet von anderen ihres Clans waren, doch selbst dann ließen sich weder Hashirama noch Tobirama blicken. Das Wissen, dass die beiden nicht die einzigen waren, die auf die Uchiha angesetzt waren, machte ihn zudem nervös, denn das bedeutete ein nicht einschätzbares Konfliktrisiko. Vielleicht hätte er Hashirama nach den anderen Spionen fragen sollen, aber dann hatte der Idiot ja darauf bestehen müssen, ihn zu küssen, und jeder rationale Gedanke war danach für die Katz gewesen.

Dieser Kuss war es auch, der einen Großteil seiner Gedanken den Tag über eingenommen hatte. Das und diese Dinge, die Hashirama gesagt hatte. Dass er ihn liebte und seine Gefühle erwidert wurden. Er hätte erwartet, dass er sich mehr darüber freuen würde. Stattdessen sank er mehr und mehr in eine große Traurigkeit über die Tragik ihrer Situation.

Sie konnten ihre Väter auf eine falsche Fährte locken. Tajima hatte sich leicht davon überzeugen lassen, eine andere Route zu wählen und Butsuma hatte hoffentlich nichts davon mitbekommen. Aber das war nur ein kleiner Erfolg. Was konnten sie tun, um wirklich auf ihr Endziel hinzuarbeiten? Wie sollte es nur möglich sein, die Clans zur Zusammenarbeit zu bewegen?

Am nächsten Tag schwangen sie sich in die Pferdesattel und brachen in Richtung Heimat auf. Noch immer hatte sich Hashirama nicht blicken lassen. Madara redete sich ein, dass das nichts zu bedeuten hatte und es tausend Gründe geben konnte, von denen keiner gleich eine Katastrophe bedeuten musste. Dennoch musste er sich bemühen, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen.

Tajima hatte sich für eine alternative Route entschieden, die sie zunächst in die entgegengesetzte Richtung führte und die Gelegenheiten für einen Hinterhalt minimierte. Wenn alles nach Plan verlaufen war, würde Butsuma jetzt in der Klamm auf der Lauer liegen und um sonst im nassen Herbstwetter auf sie warten. Ein bisschen schadenfroh war Madara ja schon bei dem Gedanken daran.

Tajima verließ sich auf die Sensorfähigkeiten Madaras, welcher damit Shinobi leicht ausmachen konnte, und gewöhnliche Banditen waren in der Regel nicht lebensmüde genug, Uchiha anzugreifen. Vielleicht war seine Selbstsicherheit sein Fehler, denn am zweiten Tag stießen sie auf ein verdächtig erscheinendes Problem.

Ihr Weg führte sie über eine Furt und für mehrere Kilometer im Umkreis war dies der einzige Weg über den Fluss. Ebenjener Weg war außerdem von mehreren großen Baumstämmen blockiert, die aus dem Weg zu räumen sie einige Zeit kosten würde.

Tajima sah sich misstrauisch um. »Madara?«

Sogleich bemühte Madara sein Chakra, doch er konnte nichts ausfindig machen. Er schüttelte den Kopf. »Nein, da ist nichts.«

»Hm, dann wohl doch keine Senju.« Tajima bedeutete ihren Leuten, sich an die Arbeit zu machen, hieß ihnen aber, dennoch wachsam zu sein.

Man musste kein Sensor sein, um eine so absurd große Menge an Chakra zu spüren, wie sie Hashirama besaß. Und Tajima ging ganz recht davon aus, dass Butsuma seinen ältesten Sohn mitbringen würde, wenn er mal wieder gegen die Uchiha vorgehen würde. Allerdings wusste Tajima nicht, dass Tobirama ein cleverer kleiner Bastard war, der selbst Madara an der Nase herumführen konnte.

Andererseits: Woher sollte Butsuma erfahren haben, dass die Uchiha kurzfristig ihre Reisepläne geändert hatten? Also waren es womöglich doch nur gewöhnliche Banditen, die wahrscheinlich auf leichtere Beute gehofft hatten. Ein herbstlicher Sturm jedenfalls hatte es nicht sein können, dafür waren die Baumstämme zu bewusst platziert worden.

Ein Schrei. Dann noch einer, der abrupt abbrach.

Madara fuhr herum und sah gerade noch, wie mehrere ihrer Leute von Pfeilen getroffen zu Boden gingen.

»Angriff! Wir werden angegriffen!«, brüllte Tajima. »Deckung!«

Madara riss die Zügel seines Pferdes herum, um sich aus dem direkten Schussfeld zu bringen, während er gleichzeitig versuchte herauszufinden, von wo die Pfeile kamen. Das Tier war schlachterfahren und ging trotz des ausbrechenden Chaos nicht durch. Die Situation war unübersichtlich. Die Pfeile schienen von überall her zu kommen. Die Uchiha eilten umher, um irgendwie Deckung zu suchen, oder wehren sich mit Katon, die die Pfeile noch in der Luft verbrennen liefen. Dennoch trafen viele ihr Ziel. Schreie erhoben sich.

Madaras Pferd schrie schrill und stieg auf die Hinterhand, als sich ein Pfeil in seine Schulter bohrte. Noch mehr Pfeile trafen das Tier, die wohl für Madara bestimmt gewesen waren. Es ruderte mit den Hufen in der Luft und verlor dann das Gleichgewicht. Sowohl Pferd als auch Reiter gingen zu Boden. Madara versuchte, aus dem Sattel zu kommen, doch sein Fuß verfing sich im Steigbügel.

Als er zu Boden prallte, wurde ihm die Luft aus den Lungen getrieben und für einen Moment sah er Sterne. Ein stechender Schmerz fuhr durch sein linkes Bein, welches unter seinem Pferd begraben wurde. Das Tier wälzte sich in Todesqualen und quetschte Madaras Bein noch mehr. Er versuchte irgendwie, nach seinem tanto zu greifen, und als er das Messer schließlich zu greifen bekam, stieß er es seinem Pferd in den Hals. Die Leiden des Tieres endeten, doch der Schaden an seinem Bein war angerichtet.

Madara kämpfte sich unter dem toten Tier hervor und biss die Zähne zusammen, als ein stechender Schmerz durch sein Bein fuhr. Er versuchte aufzustehen, doch sogleich wurde der Schmerz heftiger. Er zischte. Nicht nur geprellt, sondern mindestens angebrochen also.

Plötzlich kniete jemand neben ihm und legte eine Hand auf sein Bein. Sogleich ließen die Schmerzen nach. Im selben Augenblick sah Madara das Wappen der Senju auf der Rüstung und schlug aus einem Reflex heraus zu.

Es war allein Hashiramas Schnelligkeit, die ihn vor Madaras Klinge rettete. Denn natürlich war es Hashirama, der da plötzlich scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war. Madara erkannte ihn im letzten Moment und konnte seinen Schlag abwenden, um größeren Schaden zu verhindern. So säbelte er ihm nur ein paar Haarsträhnen ab. Er kämpfte sich auf die Füße und stellte fest, dass die Schmerzen erträglich geworden waren. Hatte Hashirama nicht auch erwähnt, dass er Heilfähigkeiten besaß?

Hashirama war nicht der einzige Senju, der plötzlich aufgetaucht war. Irgendwie war ihr Plan nach hinten losgegangen und Butsuma hatte doch erfahren, dass die Uchiha einen anderen Weg nahmen. Er hatte den Hinterhalt gelegt und sie überfallen. Schon waren hitzige Kämpfe ausgebrochen. Madara hatte Izuna aus den Augen verloren, was ihn nervös werden ließ. Irgendwo in einiger Entfernung hörte er einen Wolf heulen und als er in die Richtung blickte, sah er einen riesigen weißen Wolf, auf dessen Rücken Tobirama saß.

»Tut mir leid«, sagte Hashirama entschuldigend. »Ich hatte es nicht verhindern können.«

Madara musste darauf vertrauen, dass Izuna auf sich selbst aufpassen konnte. Er zog sein Katana. »Dann ist es eben so. Lass uns kämpfen.«

Hashirama stand ihm noch immer regungslos gegenüber und machte keine Anstalten, nach seiner eigenen Waffe zu greifen. »Aber du bist verletzt.«

»Was heißt, dass du das jetzt zu deinem Vorteil nutzen wirst«, knurrte Madara. »Wir haben darüber gesprochen, wir wussten, dass diese Situation kommen würde. Los jetzt!«

»Aber …«

Madara ließ ihn nicht ausreden und stürmte voran. Er versuchte nicht allzu sehr zu humpeln. Sie konnten nicht mitten in einem Kampf ein Pläuschchen halten, als wären sie alte Freunde! Selbst im Chaos des Kampfes würde das alsbald auffallen und sie mussten den Schein wahren.

Madara schlug nach Hashirama, wenn auch nicht mit seinem üblichen Enthusiasmus. Hashirama wich ihm aus, zog aber noch immer nicht seine Waffe. Auch als Madara ihm energischer nachsetzte, änderte sich das nicht.

Nun wurde Madara doch zornig. »Was soll das werden?«, fauchte er. »Muss ich dich erst ansengen, bevor du mitspielst?«

»Wenn wir jetzt kämpfen, würde ich dich besiegen, und das will ich nicht«, hielt Hashirama stur dagegen.

»Ich kann dich gern vorher windelweich prügeln, um die Chancen wieder auszugleichen. Nun mach schon! Irgendwer wird das noch bemerken und dann stecken wir beide in Schwierigkeiten.«

Anscheinend war das das Zauberwort, denn nun griff Hashirama doch nach seinem eigenen Schwert und begann endlich, Madaras Angriffe angemessen abzuwehren.

Es war dennoch eine Farce. Madaras Verletzung erschwerte ihm den Kampf und auch Hashirama war nur halb bei der Sache. Zumindest nach außen hin versuchte Madara den Eindruck zu erwecken, sie würden ernsthaft miteinander kämpfen. Um sie herum waren zahlreiche weitere Einzelkämpfe ausgebrochen. Irgendwo brüllte Tajima Befehle, während er gleichzeitig versuchte, Butsuma mit einem mächtigen Katon zurückzudrängen. Madara fragte sich, wie die Senju von ihrer Planänderung erfahren hatten. Hashirama oder Tobirama konnten es nicht gewesen sein, dessen war er sich sicher.

Aber jetzt war es müßig, darüber nachzudenken. Auch wenn sein Kampf mit Hashirama nur halbherzig geführt wurde, galt das noch lange nicht für den Rest seines Clans. Die Senju hatten die Überraschung auf ihrer Seite und wussten anscheinend sehr gut über die Stärke der Uchiha Bescheid. Butsuma hatte das hier gut geplant.

Der Wagen, mit dem sie die Truhe mit ihrem Lohn nach Hause hatten transportieren wollen, wurde besonders heiß umkämpft. Madara beschloss, dass es an der Zeit war, dem ein Ende zu setzen, und griff aktiv in den Kampf ein. Hashirama verstand wortlos und setzte ihm nur halbherzig nach, und auch Madara bemühte sich, seine Gegner nur kampfunfähig zu machen und nicht tödlich zu verwunden. Er hatte es Hashirama versprochen.

Es war ein seltsamer Eiertanz, den sie hier aufführten, hin und her gerissen zwischen Loyalität zum eigenen Clan und Freundschaft zu dem, den sie eigentlich ihren Feind nennen sollten. Selbst der Kampf an sich hatte seinen Reiz für Madara verloren. Das hier war kein Duell zwischen Gleichgestellten, kein gleichberechtigtes Kräftemessen, wie er es so sehr schätzte. Das hier war einzig und allein ein blutiges, hinterhältiges Gemetzel, Gewalt um der Gewalt willen. Madara konnte darauf wetten, dass es Tajima den Senju mit gleicher Münze würde heimzahlen wollen, worauf Butsuma wiederum nur mit Gewalt antworten würde. Und so würde es immer und immer weiter gehen.

Weil Madara nun aktiv in den Kampf eingriff und nicht mehr wirklich ernsthaft von Hashirama aufgehalten wurde, wendete sich alsbald das Blatt zu Gunsten der Uchiha. Doch der Schaden war angerichtet. Auch Butsuma erkannte, dass sich der Kampf gegen ihn zu wenden begann. Er befahl den Rückzug.

Hashirama führte ein paar letzte symbolische Schläge gegen Madara. Er machte den Eindruck, als würde er jeden Augenblick in Tränen ausbrechen. Es war ja nicht so, als hätten sie darüber gesprochen und hätten absehen können, dass es so weit kommen würde. Madara versuchte, nicht allzu sehr darüber nachzudenken. Es würde alles nur unnötig kompliziert machen.

»Es tut mir leid«, wisperte Hashirama, sodass es nur Madara hören konnte. »Ich liebe dich, vergiss das nicht.«

Damit wandte er sich ab und folgte seinen Leuten.

Der Rausch des Kampfes verflog und machte dem Schmerz in Madaras Beinwunde Platz. Er ließ sich auf ein Knie sinken, um sein Bein zu entlasten, und atmete schwer. Der beißende Geruch vom Rauch zahlreicher Feuer stieg ihm in die Nase und brannte ihm in der Kehle. Als er Hashirama nachsah, wie dieser in den Rauchschwaden verschwand, war ihm mit einem Male selbst nach Weinen zumute.

Romantrik können sie defintiv nicht. Der Kuss war nicht an dieser Stelle geplant. Aber was soll ich machen? Horny Teenager und cute little murder beans. Und Tobirama hat aus dem einfachen Grund Wölfe bekommen, damit er Prinzesson Monoke style auf ihnen in die Schlacht reinen kann, because fuck yeah, es ist cool. Im nächsten Kapitel wird eine weitreichende Entscheidung getroffen. Da jetzt wieder die Zeit gekommen ist, wo ich am Wochenende nicht zu Hause bin, werden die nächsten Updates wohl immer donnerstags erfolgen statt Freitag.
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Kapitel 5

Noch mit dem Blut derer an den Händen, die er soeben geheilt hatte, eilte Hashirama zornig zu Butsumas Zelt. In einem Wirbel aus kaum kontrollierten Chakra schlug er die Zeltplane zurück und stürmte hinein. Butsuma, der bis zu diesem Augenblick über einem Bericht gebrütet hatte, sah auf. Eine leise Stimme in Hashirama wisperte ihm zu, dass er das hier sehr schnell bereuen würde, aber noch ließ er sich von seinen Emotionen vorantragen. In diesem Moment war es vor allem Wut.

»Das Blut ist auch an deinen Händen!«, rief Hashirama ohne Umschweife aus und schlug seine Hände auf den Tisch, sodass Butsuma das Blut an ihnen deutlich sehen konnte. »Drei unserer Leute sind tot und nicht einmal ich konnte noch was für sie tun! Und für was? Ein paar lausige Münzen und eine Handvoll toter Uchiha! War es das wert? Sag es mir! War es das wert?!«

Butsuma sprang auf und starrte finster auf seinen Sohn nieder. Sie waren mittlerweile beinahe gleich groß, doch noch immer fühlte sich Hashirama neben ihm klein und nichtig.

»Ja«, knurrte Butsuma. »Jedes bisschen, das wir ihnen nehmen, ist es wert, dass wir dafür unser Blut vergießen. Würdest du aufhören, mit diesem Uchiha-Bengel zu spielen wie eine Katze mit der Maus, dann würden unsere Verluste auch geringer ausfallen.«

»Ach, jetzt bin ich wohl schuld?«, fauchte Hashirama zurück. »Und das lag auch ganz bestimmt nicht daran, dass du gegen jede Vernunft dennoch diese Mission befohlen hast? Der erbeutete Wert wiegt nicht einmal eine Woche auf und dafür hast du drei preislose Menschenleben geopfert! Das sind unsere Leute, sie hatten Freunde, Familie! Sie waren einmal lebende, atmende Menschen mit Träumen und Hoffnungen, und das hast du alles willentlich weggeworfen für ein paar Kupferpfennige!«

Butsuma packte Hashirama beim Kragen und zerrte ihn halb über den Tisch. »Du vergisst, wo du stehst, Sohn! Sei nur froh, dass du so wichtig bist für den Clan, ansonsten würde ich dir eine Lektion erteilen. Vielleicht tue ich das ja trotz allem und helfe deinem Gedächtnis auf die Sprünge.«

Hashirama erstarrte und hasste sich sogleich dafür. Dass Butsuma immer noch diese Wirkung auf ihn haben konnte! Seit Hashirama erwiesenermaßen stärker geworden war als sein Vater, während er sein Mokuton immer besser zu beherrschen gelernt hatte, hatte Butsuma es nicht mehr gewagt, die Hand gegen seinen Sohn zu erheben. Aber allein die Erinnerung daran reichte, um Hashirama spuren zu lassen.

Mit einem Male vermisste er seine Mutter. Sakura hätte gewusst, was zu tun wäre. Sakura hätte die Wogen von Butsumas Jähzorn glätten können. Aber Sakura war vor beinahe elf Jahren von den Uchiha ermordet worden, als Hashirama gerade einmal sechs Jahre alt gewesen war.

Gegen die Tränen ankämpfend riss er sich von Butsuma los. »Du bist nichts weiter als ein Tyrann«, zischte er, dann verließ er das Zelt.

Draußen erwartete ihn bereits Tobirama und musterte ihn besorgt. Mit Sicherheit suchte er nach neuen Schrammen. Es wäre nicht das erste Mal, und es wäre auch nicht das erste Mal, dass sich Tobirama dem Zorn Butsumas in den Weg warf, um ihn von Hashirama abzulenken. Es war falsch. Alles hieran war so falsch.

Nach ihrem Rückzug aus dem Kampf waren sie zügig marschiert und hatten relativ bald vertrautes Territorium erreicht. Tajima hatte ihnen halbherzig einige seiner Leute nachgesandt, um sicher zu gehen, dass sie so schnell nicht wieder kommen würden, und sie dann ziehen lassen.

Hashirama bedeutete Tobirama, ihm ein Stück vom Lager weg zu folgen. Er brauchte jetzt ein paar Momente nur mit seinem Bruder. Als sie weit genug von den anderen ihres Clans entfernt waren, ließ sich Hashirama mit einem schweren Seufzen auf einen umgestürzten Baumstamm sinken. Tobirama stellte sich mit verschränkten Armen vor ihm, aber die Sorge war noch immer nicht aus seinen Augen gewichen. Keiner von ihnen hatte bisher seine Rüstung abgelegt, sie hatten sich gerade einmal genug Zeit genommen, um ihre Waffen zu reinigen.

Hashirama ließ den Kopf in die Hände sinken. »Es wird nicht aufhören, nicht wahr?«

»Nein. Nicht, so lange Butsuma lebt.«

Keiner von ihnen setzte diesen Gedanken fort.

»Ich mache mir Sorgen um Madara«, sagte Hashirama irgendwann. Er war verletzt und Hashirama hatte keine Gelegenheit gehabt, die Wunde komplett zu heilen. Es könnte alles mögliche passieren. Der Knochen könnte falsch zusammenwachsen oder die Wunde sich entzünden. Madara könnte gar sein Bein verlieren oder im schlimmsten Fall daran sterben.

»Du machst dir dieser Tage immer Sorgen um den Kerl«, sagte Tobirama Augen rollend.

»Natürlich! Du ahnst ja nicht, welche Komplikationen mit so einer Wunde alles auftreten können!«

»Du meine Güte, er stirbt dir schon nicht so einfach weg. Die Uchiha haben sicher auch iryō-nin.«

»Ja, aber was, wenn die nichts taugen?«

»Dann wäre der Clan wahrscheinlich schon längst ausgestorben und wir würden gar nicht darüber reden.«

Hashirama ließ die Schultern hängen. »Du hast wahrscheinlich Recht. Aber trotzdem …«

Auch wenn sie noch nicht lange rasteten, ließ Butsuma bald schon wieder das Lager abbrechen und befahl den Weitermarsch. Er wollte an diesem Tag noch einigen Abstand zwischen sich und den Kampfplatz bringen. Hashirama wich seinem Blick aus und sprach an diesem Tag kein Wort mehr mit ihm. Butsuma schien ebenfalls kein Bedürfnis zu haben, das Wort an seinen Sohn zu richten, und strafte ihn mit eisiger Stille.

In den kommenden Wochen kehrten sie zur gewohnten Normalität zurück. Zumindest für den Moment schien sich Butsuma mit dem zufrieden zu geben, was er hatte, und plante keine weiteren Überfälle. Der Winter stand unmittelbar bevor und sie mussten sich darauf vorbereiten.

Hashirama, Tobirama und Tōka kehrten zu ihrem Dienst als Grenzwächter zurück. In den kommenden Wochen stibitzen sie immer wieder kleinere Mengen der Vorräte und lagerten sie in ihrer Hütte am Fluss ein. Sie achteten darauf, dass es nie so viel war, dass es auffallen würde. Die Hütte war zwar immer noch karg eingerichtet, aber langsam wurde es doch gemütlich und konnte alsbald in der Tat als Außenlager dienen. Sie lagerten Kissen und Decken ein, um es sich gemütlich zu machen, sowie einige Essensvorräte, die ein paar Tage halten würden. Hashirama brachte außerdem noch einige seiner liebsten Romane mit. Tōka vertrieb sich die Zeit, indem sie das shōgi Brett, das Hashirama hatte wachsen lassen, verzierte und das Holz polierte.

Außerdem hatten sie in der Mitte des Hauptraumes einen Feuerstelle eingerichtet, um die sie es sich gemütlich machen und über der sie Tee und Speisen zubereiten konnten. Auch wenn die Tage mittlerweile kalt und die Nächte beinahe frostig wurden, hatten sie zusätzlich vor dem Haus eine weitere Feuerstelle eingerichtet, falls sie lieber draußen sitzen wollten. Um Feuerholz mussten sie sich freilich keine Gedanken machen.

Die ganze Zeit über hielt Hashirama nach Madara, Izuna und Hikaku Ausschau, doch als der erste Schnee des Winters fiel, war noch immer keine Spur von ihnen auszumachen. Allmählich wurde er nervös. Sollte er vielleicht in das Gebiet der Uchiha schleichen und versuchen herauszufinden, was los war? Als er Tobirama und Tōka seine Idee mitteilte, rieten sie ihm erwartungsgemäß davon ab.

»Was ist das nur mit dir, dass du keinen Augenblick lang mehr stillsitzen kannst, seit wir diese Uchiha im Wald aufgelesen haben?«, schimpfte Tōka nicht zum ersten Mal. Dann hielt sie inne, wie als sei ihr ein plötzlicher Gedanke gekommen. »Sag mal, läuft da was zwischen dir und Madara?«

Hashirama fürchtete, dass er sehr ertappt wirkte. »Vielleicht«, sagte er vorsichtig.

Doch Tōka grinste nur breit. »Das erklärt eine Menge.«

Hashirama wurde nur wenige Tage später von der Ungewissheit erlöst. Er war wieder einmal dabei, die Markierungen zu überprüfen und auszubessern (und ganz nebenbei seine geheimen Sakevorräte aufzufüllen), als er in der Ferne die Imitation eines Wolfsrufes hörte. Izuna schien geübt zu haben, aber an Tobirama würde er noch lange nicht heranreichen. In einiger Entfernung antwortete Tōka und auch Hashirama gab einen freudigen Laut von sich und machte sich sogleich auf den Weg zur Hütte. Unterwegs stieß Tōka zu ihm. Tobirama war bei der Hütte geblieben und arbeitete an seinen Siegeln, also würde er ihre Uchiha-Freunde als erstes begrüßen können.

Zu Hashiramas allergrößter Freude waren nicht nur Izuna und Hikaku gekommen, sondern auch Madara. Und er schien auch noch bei bester Gesundheit zu sein! Mit einem freudigen Ausruf fiel er seinem Freund um den Hals und vergrub die Hände in dessen wilder Mähne. Er beugte sich vor, um ihn zu küssen, doch Madara wandte verlegen den Kopf ab, sodass Hashiramas Lippen nur seine Wange trafen.

»Ich bin ja so froh, dass es dir besser geht, Madara-chan!«, rief er aus.

Izuna konnte sein Lachen nur schwer zurückhalten und prustete los.

Madara funkelte Hashirama finster an und wand sich aus dessen Umarmung. »Untersteh dich, mich noch einmal so zu nennen!«

»Madara-chan!«, flötete Izuna.

»Kleine Kröte!«, schoss Madara zurück. Dann wandte er sich wieder an Hashirama. »Was hast du gedacht, was passieren würde? Dass ich krepiere, sobald du eine Sekunde nicht hinschaust?«

»Mit so einer Verletzung ist nicht zu scherzen und ich wusste nicht, ob eure iryō-nin was taugen«, rechtfertigte Hashirama sich.

Madara trat ihm demonstrativ gegen das Schienbein.

»Au!«, jammerte Hashirama und verzog das Gesicht. »Ja, sie taugen was.«

Indes hatte sich Hikaku die Entwicklung an der Hütte angesehen. »Ihr seid nicht untätig geblieben. Aber Feuerholz fehlt.«

Hashirama ließ einige Planken aus dem Boden sprießen. »Das ist kein Problem.«

»Ich find das immer noch total abgefahren«, kommentierte Izuna. »Ich hab auf dem Weg hierher zwei Kaninchen gefangen. Wollen wir sie essen? Ich hab echt Hunger.«

Dagegen war nichts einzuwenden und rasch war ein Lagerfeuer gebaut, die Kaninchen wurden gehäutet und ausgenommen und schmorten auch schon alsbald über dem Feuer.

»Wie ist es euch in der Zwischenzeit ergangen?«, wollte Tōka wissen.

»Ist deine Verletzung wirklich gut abgeheilt?«, fügte Hashirama an.

Madara funkelte ihn finster an. »Ich verpass dir gleich noch einen Tritt. Chichi ist wütend und will es Butsuma mit gleicher Münze heimzahlen, aber das war wohl abzusehen. Er hat eine immer stärkere Vermutung, dass ihr Senju hier in diesem Wald hockt und kommt der Wahrheit gefährlich nah. Dass Tobirama mit seinem Wolf aufgetaucht war, macht die Sache nicht gerade leichter, und chichi kann eins und eins zusammenzählen. Deswegen hat er uns geschickt, um seine Vermutung zu bestätigen.«

»Der Alte ist völlig paranoid«, fügte Izuna an. »Hinter jeder Ecke wittert er einen Feind und vermutet Verrat. Und na ja, so ganz liegt er damit ja auch nicht falsch …«

»Aber euch vertraut er noch?«, fragte Tōka.

»Fragt sich nur für wie lange«, wiegelte Madara ab. »Er ist gut darin, diese vielen kleinen Puzzleteile zusammenzufügen, und langsam wird es schwer, die Wahrheit vor ihm zu verheimlichen. Und seit damals behält er mich sowieso im Blick.«

Wie Butsuma. Auch dieser vertraute seinem ältesten Sohn nicht mehr völlig. Diese Entwicklung war nicht gut.

»Irgendwelche Ideen, wie wir mit dieser Entwicklung umgehen?«, fragte Tobirama.

»Ich schlage vor, wir essen erst einmal. Ich hab Hunger!«, erwiderte Izuna.

So hielten sie es dann auch. Tōka und Hikaku waren alsbald in ein Gespräch über Taktiken im shōgi vertieft. Izuna und Tobirama diskutierten darüber, wer besser darin war, Wolfsrufe zu imitieren – was derzeit noch unbestritten Tobirama war, was Izuna aber nicht wahrhaben wollte. Und Hashirama konnte einfach nicht nah genug bei Madara sitzen. Er kam kaum zum Essen, weil er die ganze Zeit an Madara hing und nicht mehr loslassen wollte. Unbewusst ließ er eine Reihe von Vergissmeinnicht um sie herum sprießen. Madara sah die Blumen mit gerunzelter Stirn an und ließ Hashiramas Avancen etwas widerwillig zu.

»Bekomme ich jetzt einen Kuss?«, schnurrte Hashirama.

Eine entzückende Röte schlich sich auf Madaras Wangen. »Nicht vor den anderen.«

»Ach komm schon. Was ist schon dabei? Andere küssen sich auch ständig in der Öffentlichkeit.«

Madara knurrte und stieß ihm den Ellbogen in die Seite. »Meinethalben. Quälgeist.«

Er beugte sich vor, um einen keuschen Kuss auf Hashiramas Wange zu hauchen, doch dieser neigte rasch den Kopf und fing seine Lippen zu einem richtigen Kuss ein. Madara leistete symbolische Gegenwehr, ließ es dann aber doch zu und sank gar in Hashiramas Umarmung.

Hashirama genoss jeden Augenblick davon in vollen Zügen. Das war es, wovon er so lange geträumt hatte. Er hatte gefürchtet, es für immer verloren zu haben, und hatte doch die Hoffnung nicht aufgegeben.

Schließlich ließ er Madara doch essen, allzu weit kam dieser allerdings nicht. Nur kurze Zeit später hörten sie den Ruf eines Habichts und kurz darauf ließ sich das entsprechende Tier in einem der umstehenden Bäume nieder. Madara sah auf.

»Da steckst du, Taka. Komm her!« Er nahm etwas von seinem Kaninchen und streckte es dem Vogel entgegen.

Zu Hashiramas Erstaunen folgte der Habicht der Aufforderung und segelte von seinem Hochsitz herab. Madara schien sich nicht an den scharfen Krallen zu stören, die sich durch den Stoff seines Ärmels bohrten, als der Vogel auf seinem Arm landete und sich über das dargebotene Fleisch hermachte. Taka beachtete die Menschen um sie herum nicht, als sie den Happen systematisch zerrupfte.

»Ich wollte dir schon länger einmal Taka vorstellen«, sagte Madara nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme. Er strich seinem Vogel mit einem Finger durch das Gefieder. »Ich beschäftige mich schon seit einigen Jahren mit der Falknerei. Sie war eines meiner ersten Tiere.«

Fasziniert betrachtete Hashirama Taka, welche sich davon noch immer nicht beirren ließ. Erst als er die Hand nach ihr ausstreckte, blickte sie auf und starrte ihn mit ihren durchdringenden Augen direkt in die Seele. So kam es ihm jedenfalls vor. Der Blick dieser Raubtieraugen war unheimlich.

»Mach nur weiter, wenn du einen Finger verlieren willst«, sagte Madara. »Der wächst wahrscheinlich ohnehin wieder nach.«

Hastig zog Hashirama die Hand zurück. »Und mein Steckenpferd sind Bonsai. Ziemlich langweilig im Vergleich dazu«, scherzte er stattdessen.

»Ja«, sagte Madara gnadenlos. »Und so vorhersehbar

»Aber es hilft mir wenigstens mit meinem Mokuton!«

Madara reichte Taka noch etwas von den Innereien, welche das Habichtweibchen auch sogleich verschlang.

»Ist es nicht aufregend, dass wir jetzt all diese Dinge teilen können, ohne fürchten zu müssen, zu viel zu sagen?«, fuhr Hashirama fort. »Dass wir jetzt endlich zusammen sein können, du und ich.«

Madara warf ihm einen langen Blick zu. »Können wir wirklich zusammen sein, so lange unsere Väter Krieg gegeneinander führen?«

Nicht einmal Hashirama konnte das noch mit einem Lächeln schönreden. Madara hatte Recht.

Tobirama wandte sich ihnen zu. »Butsuma kennt nur eine Sprache und das ist die des Schwertes. Nach allem, was ich von Tajima weiß, scheint er da gar nicht so anders zu sein.«

»Das stimmt«, bestätigte Izuna. »Wie gesagt, er ist paranoid, und nachdem Butsuma diese Nummer vor einigen Wochen abgezogen hat, ist das noch einmal zu neuen Höhen angewachsen. Er wollte Madara erst gar nicht gehen lassen, deswegen hatten wir so lange nicht kommen können.«

»Ich sehe keinen Weg, wie wir es schaffen wollen, diese beiden zusammenzubringen, ohne dass sie sich umzubringen versuchen«, sagte Hikaku. »Ich meine, selbst wir wären beinahe aufeinander losgegangen, und wir sind doch wesentlich offener als unsere Anführer. Ich glaube nicht, dass Butsuma und Tajima sich jemals zusammensetzen und Sake trinken wie wir.«

»Die Clans bestehen nicht nur aus uns und den beiden alten Säcken«, gab Tōka zu bedenken. »Wir müssen auch bedenken, wie andere Clanangehörige darauf reagieren würden. Aber ganz ehrlich glaube ich, dass viele insgeheim unsere Ansichten teilen würden, würden sie nur sehen, dass sie nicht allein stehen.«

Hashirama nickte. »Wenn ich nur daran denke, wie es mir damals erging. Ich hatte immer Angst, das auszusprechen, was ich wirklich dachte. Zum einen wusste ich, dass ich von Butsuma nur Schläge zu erwarten hatte, und zum anderen fürchtete ich, dass ich allein dastünde und man mich dafür bestrafen würde.«

Madara sah ihn entsetzt an. »Euer Vater schlägt euch?«

»Ja … Seit er weiß, dass mein Mokuton stärker ist als er, hält er sich zwar zurück. Aber … Worte können genauso verletzen.«

Madara machte den Eindruck, als würde er am liebsten jemanden erwürgen. »Was für ein Bastard!«

Izuna starrte in die Flammen des Lagerfeuers und rang die Hände. Er holte zitternd Luft. »Eine meiner ersten Erinnerungen ist die an unsere tote Mutter. Später sagte chichi mir, dass Senju Butsuma sie und unsere drei Brüder ermordet hatte. Im nächsten Frühling werden es zwölf Jahre, seit das passiert ist. Kou war elf gewesen und Kuro und Togakushi gerade einmal zwei. Er sagte auch, dass er deswegen versucht hatte, auch Butsuma seine Familie zu nehmen. Ich weiß noch, wie ich das damals schon nicht verstand, wie ich nicht wollte, dass irgendeinem anderen Kind, das ich nicht einmal kannte, ebenfalls seine Geschwister genommen würden. Später ließ ich mich viel zu sehr von seiner Ideologie beeinflussen, aber vielleicht war es ja nur die Furcht, von ihm verstoßen zu werden, weil ich nicht stark genug sei, und ich ihm daher gefallen wollte. Aber … es ist falsch. Von Grund auf falsch.«

Hashirama biss die Zähne zusammen, als mit aller Gewalt die Erinnerungen an diese furchtbare Zeit zurückkamen. Eine Zeit im eisigen, finsteren Winter, als Itama gerade erst geboren worden war und alle fürchteten, dass Sakura im Kindsbett sterben würde. Und gerade, als sie sich zu erholen begann, wurde sie Opfer eines Giftanschlags und niemand hatte sie mehr retten können.

»Chichi bekam später im Jahr seine Rache, aber auch beinahe sofort den Gegenschlag von seinen Feinden, und so ging es seitdem immer weiter, ein endloses Rad aus Gewalt«, fuhr Izuna fort. Er sah auf. »Die Wahrheit ist, dass unsere Väter sterben müssen. Ich sehe keine andere Möglichkeit.«

Hashirama erstarrte und starrte Izuna groß an. Butsuma ermorden? Es stand keine Liebe zwischen ihm und seinem Vater. Aber so weit zu gehen und ihn zu ermorden? Würde er das wirklich tun?

»Wir Senju mögen zwar eine geregelte Erbfolge haben, aber wenn bekannt wird, dass wir aktiv gegen Butsuma intrigiert haben, dann spielt auch das keine Rolle mehr«, gab Tōka zu bedenken. »Wir würden als Verräter gebrandmarkt und verbannt werden, wenn nicht gar schlimmeres. Allein schon darüber nachzudenken, würde für solch eine Bestrafung reichen. Grundgütiger, wir sind bereits Verräter!«

»Also können wir genauso gut diesen einen Schritt auch noch gehen«, sagte Izuna.

»Wie kannst du das einfach so sagen?«, fragte Tobirama fassungslos. »Das ist auch dein Vater, den du tot sehen willst.«

»Ich weiß!«, rief Izuna mit zitternder Stimme. »Aber siehst du einen anderen Weg? Du hältst dich doch für ach so clever.«

Daraufhin schwieg Tobirama.

Mit einem Male lachte Madara freudlos auf. Es kam so unerwartet, dass Hashirama ihn entgeistert anblickte.

»Heute ist mein Geburtstag und wir reden darüber, unsere Väter zu meucheln! Was für ein außergewöhnlicher Weg, um den siebzehnten Jahrestag zu begehen.«

»Was? Du hast heute Geburtstag?«, krächzte Hashirama. Das war definitiv etwas, das wesentlich greifbarer war als das, was Izuna da vorgeschlagen hatte.

Madara nickte, dann zuckte er mit den Schultern. »Spielt doch eh keine Rolle.«

»Doch! Tut es!«, begehrte Hashirama energisch auf. »Du hast Geburtstag und ich wusste es nicht!«

»Ich weiß doch auch nicht, wann du Geburtstag hast«, hielt Madara dagegen.

»Bleibt beim Thema«, warf Hikaku ein.

»Es ist ja nicht dein Vater, über dessen Tod wir hier reden«, fuhr Madara ihn an. »Wie sollen wir das überhaupt anstellen? Soll ich einfach zu ihm hingehen und ihn zu einem öffentlichen Duell um die Clanführung herausfordern?«

»So geschah es doch schon in der Vergangenheit, wenn der Verdacht bestand, dass unser Clanführer für die Position nicht mehr geeignet sei«, sagte Izuna. »Stell ihn in aller Öffentlichkeit bloß und sag, dass du seine Führungsqualitäten anzweifelst. Dass sein Biss an Schärfe verloren hat, weil er sich nicht mehr gegen die Senju behaupten kann. So eine Herausforderung wird er nicht ignorieren können.«

Erstaunlicherweise wirkte Madara daraufhin unsicher.

»Izuna, unser Vater ist nicht um sonst der Anführer, das weißt du.«

»Ja. Aber ich denke auch, dass wenn einer ihn herausfordern kann, du das bist. Dein Sharingan gehört zu den stärksten und … vielleicht ist es sogar das stärkste.«

»Und dann? Angenommen, ich würde diesen Kampf gewinnen, was soll dann passieren?«

»Niemand würde anzweifeln, dass du würdig bist die Uchiha anzuführen. Du könntest einfach befehlen, dass wir nie wieder gegen die Senju kämpfen, sondern stattdessen mit ihnen kooperieren.«

»Das stellst du dir so einfach vor, Izuna, aber das ist es nicht«, warf Tōka ein. »Wie gesagt, wenn bekannt würde, dass wir gegen Butsuma intrigieren, dann wäre Verbannung wohl noch eine milde Strafe, und egal wie kampfesmüde der Clan ist, er würde doch gegen uns stehen. Aber damit dieser Plan funktioniert, muss jemand Clanführer sein, der einen Frieden mit euch Uchiha befürwortet und vom Clan akzeptiert wird. Im besten Falle ist das Hashirama.«

»Es gibt genug Wege, um jemanden heimlich und ohne auffindbare Spuren zu ermorden«, sagte Hashirama zu seinem eigenen Erstaunen. »Ich besitze Heilfähigkeiten, und ja, sie können nicht nur zum Retten von Leben eingesetzt werden.«

Tobirama starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. »Du denkst wirklich darüber nach? Was, wenn das auffliegt?«

»Dann sollten wir es besser geschickt anstellen«, sagte Hashirama leise. Er wich dem Blick seines Bruders aus.

Madara ergriff seine Hand. »Ich weiß auch keinen besseren Weg. Es stimmt, so lange unsere Väter am Leben sind, werden sie immer weiter gegeneinander Krieg führen, bis am Ende niemand mehr übrig ist, der noch eine Waffe erheben könnte. Wenn sie diesen Pfad weiter beschreiten, dann werden sie am Ende uns alle vernichten, doch sie weigern sich, der Stimme der Vernunft zu lauschen. Also gibt es nur eine Möglichkeit: in der Sprache zu ihnen zu sprechen, die sie verstehen, und das ist die des Schwertes. Ich werde chichi herausfordern.«

Hashirama sah ihn furchtsam an. »Bist du wirklich stark genug? Vielleicht kann ich das ja auch übernehmen. Er kennt mein Mokuton nicht, er weiß nicht, wie stark es ist.«

Madara schnaubte und schüttelte den Kopf. »So funktioniert das bei uns nicht, das solltest du mittlerweile verstanden haben. Wenn wir uns ebenbürtig sind, dann sollte ich doch erst recht mit meinem eigenen Vater fertig werden.«

Hashirama drückte seine Hand und starrte ihn an. »Wir planen, unsere eigenen Väter zu ermorden, dass es wirklich so weit gekommen ist …«

Madara erwiderte seinen Blick entschlossen, doch sagte er nichts mehr dazu.

Den Rest des Tages verbrachten sie mit unverfänglicheren Themen und vermieden es tunlichst, auf Butsuma und Tajima oder ihre Familien im Allgemeinen zu sprechen zu kommen. Hashirama fuhr darin fort, Madara wegen seines Geburtstages auf die Nerven zu gehen, und machte ein Fass auf, was er ihm schenken sollte.

»Jetzt sei endlich still!«, fuhr Madara ihn irgendwann ungehalten an. »Ist das mit dem Geburtstag bei euch Senju irgend so ein Ding oder so? Du nervst!«

»Nein, ist es nicht«, gestand Hashirama etwas geknickt. »Aber mir ist das trotzdem wichtig. Immerhin ist das eine Sache, die dich betrifft, und ich will alles über dich wissen.«

»Wenn ich gewusst hätte, wie anstrengend du bist, hätte ich dich damals in den Fluss geworfen und uns allen eine Menge Ärger erspart«, knurrte Madara. Er wirkte wie eine große und vor allem grummelige Katze.

»Big Bro will nur nicht zugeben, dass er sehr gern andere Leute knuddelt«, warf Izuna mit einem selbstgefälligen Grinsen ein und klimperte liebenswürdig mit den Wimpern. »Besonders mich. Nicht wahr, Big Bro? Als wir Kinder waren, hast du mich immer liebend gern durchgeknuddelt.«

»Dich hasse ich ganz im Besonderen«, knurrte Madara nun seinen Bruder an. »Für kleine Scheißer wie dich gibt es einen ganz besonders scheußlichen Ort in der Hölle und wenn du so weiter machst, sorge ich persönlich dafür, dass es für dich noch scheußlicher wird.«

Izuna ließ sich davon nicht beeindrucken. »Du bist auch mein liebster Bruder, ich weiß. Ich weiß das sehr zu schätzen.«

Madara schien beschlossen zu haben, dass es seiner Würde besser zu Gesicht stand, darauf nichts mehr zu sagen, und verfiel in beleidigtes Schweigen.

Hashirama versuchte, dieses neu gewonnene Wissen für sich zu nutzen. Madara gab sich unbeeindruckt von seinen Annäherungsversuchen, aber Hashirama war überzeugt davon, dass Madara es insgeheim mochte, ansonsten würde er heftiger protestieren. Später am Abend, als sie sich schlafen legten, ließ er es sogar zu, dass Hashirama zu ihm unter die Decke kroch und sich fest an ihn schmiegte. Definitiv ein Gewinn.

Leider war Hashirama ein sehr unruhiger Schläfer, was unweigerlich dazu führte, dass er irgendwann quer über Madara lag. Prompt kassierte er dafür einen heftigen Stoß in die Rippen, und Madara stemmte ihn von sich herunter. Für den Rest der Nacht musste Hashirama sehr zu seinem Verdruss für sich allein schlafen.

Auch in den kommenden Tagen verweilten sie vor allem bei leicht bekömmlichen Themen und vermieden das Unvermeidliche. Niemand von ihnen wollte wirklich darüber nachdenken, den eigenen Vater zu ermorden. Aber es war doch ein Gedanke, der stets in einer kleinen Ecke in Hashiramas Gedanken verweilte. Der Gedanke verhielt sich leise und unauffällig, aber doch so, dass sich Hashirama stets seiner Präsenz bewusst war.

Sie würden nicht darum herum kommen. Bis dahin genossen sie ihr kleines Geheimnis im Wald. Izuna gab mittlerweile offen zu, von Tobiramas Wölfen fasziniert zu sein, und übte eifrig, um den Wolfsruf ebenso perfekt zu beherrschen wie Tobirama. Auch Tōka und Hikaku verstanden sich immer besser, was hauptsächlich an ihrer gemeinsamen Leidenschaft für shōgi lag. Madara nahm Hashirama mit in den Wald und zeigte ihm, wie man mit Greifvögeln jagte.

Madara war offensichtlich in seinem Element, denn er vergaß sogar, schnippische Kommentare in Hashiramas Richtung abzulassen, während er gleichzeitig begeistert von der Beizjagd erzählte und sie es sogar schafften, ein paar Hasen und Tauben zu erlegen, die sie später essen konnten. Außerdem bedeutete dieser Ausflug, endlich etwas ungestörte Zeit allein mit Madara, und Hashirama wusste das sehr wohl zu nutzen.

Aber schlussendlich waren das nur Momente, kleine ungestörte Augenblicke des Friedens in einem Meer aus Krieg. Sie konnten nicht ewig währen und sie konnten auch nicht ewig davor weglaufen.

Also setzten sie sich wenige Tage später doch wieder zusammen und begannen, konkrete Pläne zu schmieden, um Butsuma und Tajima unschädlich zu machen. Hashirama verspürte eine starke Abneigung dagegen, von Mord zu sprechen, obwohl sie hier doch eigentlich nichts andres planten. Sie alle vermieden diese Art von Sprache. Tōka und Hikaku schienen damit keine so großen Probleme zu haben, hielten sich aber aus Respekt vor den anderen vier zurück.

Sie diskutierten lange und ausführlich und selbst danach hatte Hashirama nicht das Gefühl, dass sie alle Eventualitäten bedacht und alle Risiken aus dem Weg geräumt hatten. Er machte sich weniger Sorgen um sich selbst als um Madara. Er wusste um Tajimas Stärke und wäre selbst nie leichtfertig gegen ihn in den Kampf gezogen. Wie konnte er da eben das von Madara erwarten? Aber die drei Uchiha betonten immer wieder, dass es für sie keinen anderen Weg gab. Er fügte sich, doch es hinderte ihn nicht daran, sich weiter um Madara zu sorgen.

Er dachte lieber darüber nach, als über das, was ihm bevorstand. Es war eben doch etwas anderes, den eigenen Vater einfach nur zu verabscheuen, statt ihn tatsächlich umzubringen. Schlussendlich war Butsuma doch noch immer Familie und mit Tobirama das einzige, was Hashirama davon noch geblieben war. Wenn alles nach Plan lief, wäre sie danach die letzten, die noch übrig wären. Dann wären sie in der Tat allein in der Welt.

Und doch setzten sie ihren Plan in die Tat um. Und doch wurden sie zu Sippenmördern, denn das war der Preis für Freiheit und Frieden.

Nun, im nächsten Kapitel wird ebenjener Plan in die Tat umgesetzt. Aber ob sie damit auch Erfolg haben oder ob etwas schief geht?
CN Mord, Familienmord, Gewalt gegen Menschen, Blut

Kapitel 6

In der Schwärze der Nacht saß Hashirama allein in seinem Zimmer und starrte in die Schatten. Nicht einmal das hereinfallende Mondlicht konnte sie durchdringen. Wenn alles nach Plan lief, würde Madara seinen Vater jetzt herausfordern und siegreich aus diesem Kampf hervorgehen. Und wenn nicht …

Nein. Nein, das würde nicht passieren. Diese Möglichkeit durfte schlicht und ergreifend nicht bestehen.

Tobiramas helles Haar war das einzige, was verriet, dass er den Raum betrat. Ansonsten war kein Laut zu hören, als er sich zu seinem Bruder kniete.

»Die Siegel sind alle angebracht und funktionieren«, sagte er leise.

Und trotzdem flüsterten sie, ging es Hashirama auf. Wie die gemeinen Meuchelmörder, zu denen sie bald schon werden würden.

»Weißt du …«, sagte Tobirama langsam. »Je länger ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich, dass er es verdient hat. Vielleicht rede ich mir das auch nur ein, aber … nun ja. Du weißt schon.«

Hashirama nickte. So zu denken, machte es einfacher. Er ermordete hier nicht seinen Vater, sondern Senju Butsuma. Diese Unterscheidung war von äußerster Wichtigkeit.

Trotzdem fiel es ihm unendlich schwer, sich zu erheben und zu tun, was getan werden musste.

Auf leisen Sohlen schlichen sie in das Zimmer Butsumas. Die Siegel, die Tobirama im ganzen Haus angebracht hatte, würden verhindern, dass irgendein Laut nach außen drang, aber dennoch bemühten sie sich, kein Geräusch zu verursachen. Außerdem würden die Siegel verhindern, dass irgendwer ihr Chakra aufspüren konnte. Die Siegel waren so konzipiert, dass sie nicht lange halten würden, und das mussten sie auch gar nicht. Bald schon würden sie sich auflösen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Tobirama hatte sich wieder einmal selbst übertroffen.

Butsuma schlief friedlich und schien nicht zu ahnen, welche Gefahr ihm drohte. Wo er doch sonst immer stete Wachsamkeit predigte und dass hinter jeder Ecke ein Feind lauern konnte. Hashirama kniete sich neben sein futon und streckte die Hand nach seiner Kehle aus.

Butsuma schlug die Augen auf.

Hashirama erstarrte. Tobirama fluchte und zückte ein Kunai, doch ansonsten regte auch er sich nicht. Butsuma starrte Hashirama direkt in die Augen und schien erstaunlich gefasst.

»Irgendwie hatte ich es immer geahnt, dass dieser Moment kommen würde«, sagte er ruhig. »Der Moment, in dem sich mein eigen Fleisch und Blut gegen mich wendet. Na los, tu es! Oder bist du noch immer nicht Mann genug, das zu tun, was du für notwendig erachtest?«

Hashiramas Hand zitterte. Er blinzelte. Seine Sicht verschwamm, als Tränen ihm über das Gesicht rannen. Tobirama regte sich noch immer nicht.

»Du bist ein Kriegstreiber«, wisperte Hashirama. »Früher oder später hättest du uns alle ans Messer geliefert und die Flüsse wären rot vom Blut Unschuldiger, das du vergossen hast.«

»Und du denkst, du bist besser? Du denkst, deinen Vater zu ermorden, löst all deine Probleme? Dass danach plötzlich Frieden in der Welt herrscht und nie wieder eine Schlacht ausgefochten werden muss? Nein, Hashirama, ganz bestimmt nicht. Nur zu, bring mich um, und du wirst sehr bald schon lernen, dass es ein Fehler war.«

»Sei still!« Mit einem Schluchzen, das mehr an ein Krächzen erinnerte, presste Hashirama seine Hand auf Butsumas Brust und lähmte dessen Atemmuskulatur. Butsuma riss die Auge auf und schnappte nach Luft, doch seine Lungen versagten ihm den Dienst. Vielleicht realisierte er ja erst in diesem, seinem letzten, Moment, dass Hashirama es dieses Mal ernst meinte.

»Es ist nie falsch, etwas aus Liebe zu tun«, fuhr Hashirama leise fort. »Sagtest du nicht immer, dass wir Senju ein Clan der Liebe sind? Ich liebe unseren Clan und ich will sie beschützen. Ich will nicht, dass irgendwer von unseren Leuten leiden oder gar sterben muss. Aber ich liebe auch Uchiha Madara und nichts in der Welt wird das ändern können. Ich lasse nicht zu, das deine Kriegstreiberei uns noch weiter voneinander entfernt. Wenn der Preis dafür nur noch ein weiteres Menschenleben ist, dann sei es so.«

Er legte seine Hand über Butsumas Herz.

»Aber ich will dich auch nicht länger als unbedingt nötig leiden lassen.«

Butsumas Herz hörte auf zu schlagen. Er verlor das Bewusstsein. Nur wenige Minuten und sein Tod würde unumkehrbar sein.

Die Tat war vollbracht. Senju Butsuma war tot, ermordet von seinem eigenen Sohn. Herzstillstand, wie sie am nächsten Tag behaupten würden, wenn die Leiche gefunden wurde. Ganz plötzlich, unvorhersehbar. Wahrlich tragisch. Aber Hashirama kannte die Wahrheit. Er wusste, dass dieses Blut für immer an seinen Händen haften würde.

Er erlaubte sich zu weinen.

 

In der Schwärze der Nacht saß Madara allein in seinem Zimmer und starrte in die Schatten. Er fragte sich, ob Hashirama seinen Teil mittlerweile erfüllt hatte und wie es ihm danach wohl gehen mochte. Hoffentlich wäre Tobirama bei ihm, er konnte seinem Bruder Trost und Halt geben. Sie hatten ihren Vater ganz bestimmt nicht geliebt, aber schlussendlich war Butsuma immer noch ihr Vater. So war es nun einmal mit Eltern und Kindern. Diese Bande gewaltsam zu durchtrennen, war stets ein unmenschlicher Akt.

Und doch würde Madara bald schon genau dasselbe tun.

Jemand klopfte leise an seiner Tür und wartete gar nicht erst auf sein Zeichen, bis er sie aufschob. Es war Hikaku. Natürlich.

»Tajima will dich sehen«, informierte er Madara. »Dein Bruder ist schon bei ihm.«

Madara erhob sich und griff nach seinem Katana. Er befestigte es unter seinem obi. Es gab ja doch kein Davonlaufen vor dem Unvermeidbaren. Hikaku musterte ihn aufmerksam.

»Du kennst den Plan?«, fragte Madara, wenn auch rein aus Formalität.

Hikaku nickte ernst. »Jetzt zählt‘s.«

Ohne ein weiteres Wort ging Madara an ihm vorbei und zu seinem Vater. Er war ruhiger, als er gedacht hatte. Er wusste nicht, was Tajima von ihm oder seinem Bruder wollte, aber das spielte jetzt auch keine Rolle mehr.

Wie Hikaku bereits gesagt hatte, war Izuna bereits da. Als Madara eintrat, sah er besorgt zu ihm. Madara bemühte sich um ein möglichst selbstsicheres Auftreten, um seines Bruders Willen. Izuna sollte nicht fürchten müssen, dass irgendetwas schief gehen könnte.

Das tat Madara bereits genug.

»Setz dich, Junge.«

Siebzehn Jahre und Tajima dachte von Madara noch immer als Kind. Unterschätzte er seinen Sohn wirklich so sehr? Oder weigerte er sich einfach, ihn für voll zu nehmen?

Madara kniete sich neben Izuna an den niedrigen Tisch, Tajima gegenüber. Tajima verfolgte jede seiner Bewegungen genauestens. Wie, als würde er auf etwas lauern … Madara konnte nicht verhindern, dass es ihm kalt den Rücken hinab lief.

»Es wird Zeit, dass wir über etwas reden«, eröffnete Tajima. »Und eigentlich ist es schon längst überfällig, dass wir es tun. Aber nun ja, am Ende seid ihr eben doch meine Söhne, was es mir nur umso schwerer macht.«

Izuna wollte etwas sagen, doch Madara hielt ihn auf.

»Nur zu, Izuna«, forderte Tajima ihn auf. »Was wolltest du sagen?«

Doch Izuna schüttelte nur den Kopf. »Nichts, chichi-ue. Wir sind ganz Ohr.«

Tajima musterte sie streng. »Das will ich doch hoffen. Denn ihr habt mich enttäuscht, beide. Ich weiß, dass ihr etwas vor mir verheimlicht. Ich bin mir nur noch nicht sicher, wie tief euer Verrat am Clan wirklich geht. Einmal hatte ich ja Milde walten lassen, aber nicht ein zweites Mal. Zweimal werde ich nicht denselben Fehler begehen. Eine Schande, dass du deinen Bruder da hast mit hinein ziehen müssen, Madara. Für ihn hatte ich noch Hoffnungen.«

Jedes Wort war wie ein eisiger Messerstoß. Wie hatte Tajima es nur herausfinden können? Wie nur, wie? Sie waren doch so vorsichtig gewesen!

»Du hast nichts zu sagen, Madara?«, fuhr Tajima fort. »Dann sag mir wenigstens folgendes: Steckst du hinter dem Überfall der Senju? Hast du ihnen verraten, welchen Weg wir nehmen würden? War es deswegen, weshalb du wolltest, dass wir eine andere Route nehmen? Und dann taucht Butsumas weißhaariger Bastard auf einem Wolf auf, der zufällig zu genau der Beschreibung passt, die ihr mir gegeben habt. Ihr deckt die Senju, also seid ihr Verräter am eigenen Blut.«

Worte wie Peitschenschläge. Doch jeder Schlag ließ in Madara den Widerstand wachsen. Trotzig hob er den Kopf und sein Sharingan begegnete dem Tajimas. »In einem hast du Recht, chichi-ue«, sagte er mit fester Stimme. »Wir decken die Senju, einige zumindest. Hashirama und ich hatten beide die Absicht, diesen Überfall zu verhindern. Wir haben aber auch beide die Absicht, diesen sinnlosen Konflikt zwischen unseren Clans zu beenden, und du stehst dem im Weg.«

Tajima wirkte erstaunlich gefasst, als er sich zurücklehnte und die Arme vor der Brust verschränkte. Er versuchte nicht, Madara mit einem Genjutsu zu belegen, aber er war durchaus bereit, jeden Versuch Madaras abzuwehren. »Und was willst du jetzt tun, jetzt, da du sogar gestanden hast, ein Verräter zu sein?«

»Ich vordere dich um die Clanführung heraus, denn du bist dafür nicht mehr geeignet.«

Da. Es war gesagt. Jetzt gab es kein zurück mehr. Tod oder Sieg, das waren die beiden Optionen.

Tajima faltete langsam seine Arme auseinander und erhob sich ebenso langsam, um auf Madara niederzustarren. »Also zwingst du mich jetzt auch noch, dich zu töten. Meinen eigenen Sohn. Dass du so weit gesunken bist …«

Madara spürte, wie Angst ihm die Glieder lähmte, weshalb er versuchte, tief und ruhig zu atmen. Ein und aus. Er konnte das schaffen. Ein und aus.

»Die Herausforderung ist ausgesprochen und kann nicht wieder zurückgenommen werden!«, sagte Izuna energisch.

Tajima sah zwischen seinen Söhnen hin und her. »Also intrigiert ihr beide gegen mich um die Clanführung. Und dazu macht ihr auch noch gemeinsame Sache mit den Senju. Ihr lasst mir keine Wahl, der Clan muss vor Verrätern wie euch geschützt werden.«

»Ein formales Duell, wie es die Tradition verlangt«, erinnerte Madara.

Tajima nickte grimmig. »Wie es die Tradition verlangt. Du bist nicht mehr mein Sohn, also erwarte nicht, dass ich dich verschonen werde.«

Madara sprang beinahe förmlich auf und begegnete dem Blick Tajimas. »Beleidige mich nicht, indem du mich unterschätzt!«

Für einen Moment fochten sie ein stummes Blickduell aus, jeder auf der Lauer und bereit, den anderen sofort mit einem Genjutsu zu belegen. Dann, ohne ein weiteres Wort, wandte sich Tajima ab und Madara folgte ihm. So etwas musste öffentlich ausgetragen werden, unter den Augen des Clans. So wollte es die Tradition.

Irgendwie hatte es sich in Windeseile herumgesprochen, was hier gerade geschah, denn obwohl die Stunde bereits weit fortgeschritten war, versammelten sich bereits die ersten Menschen, um dem Kommenden beizuwohnen. Einige tuschelten, doch Madara achtete nicht darauf. Er war sich jedoch sehr wohl der besorgten Blicke seines kleinen Bruders bewusst.

In den letzten Tagen hatte er sich selbstsicher gegeben, um Hashirama und vor allem Izuna zu beruhigen, aber er war sich sehr wohl des hohen Risikos bewusst, das er hier einging. Wer dieses Spiel spielte, gewann … oder er starb. Madara wusste das. Tajima wusste das. Jeder wusste es.

Ein Kampf auf Leben und Tod. Ein echter Kampf. War es nicht das, was Madara immer gewollt hatte? Er lenkte seine Gedanken darauf. Und ja, irgendwie lag eine gewisse Aufregung in dem Gedanken, dass dieses Duell mit solch einem hohen Einsatz gefochten wurde. Er sollte seine Aufmerksamkeit darauf richten und weg von der lähmenden Angst, seinen eigenen Tod unterzeichnet zu haben.

Panik lähmte. Furcht hingegen … Furcht schärfte die Sinne. Furcht ließ ihn alles um sich herum viel schärfer wahrnehmen, wie als würde er die echte Welt zum ersten Mal wirklich sehen. Die Nacht war mit einem Male voller Farben, die Schatten schwärzer, die Feuer röter, die Sterne klarer. Überdeutlich nahm er seinen eigenen Atem wahr, das Blut, das ihm in den Ohren rauschte.

»Ich fordere dich, Uchiha Tajima, zum Duell um die Clanführung heraus«, wiederholte er in aller Öffentlichkeit. Kein Grund, den Anlass dafür noch einmal zu wiederholen, er war ohnehin klar. Details spielte keine Rolle.

»Ich nehme an und bin bereit, bis zum Tod zu kämpfen, deiner oder meiner«, sagte Tajima laut und vernehmlich.

Der Formalität war genüge getan.

Madara dachte an Izuna und Hashirama und den Grund, warum er das hier tat. Das beruhigte seine Nerven. Mit einem Mal war er so ruhig, wie er nur sein konnte. Dann wandte er seine volle Aufmerksamkeit Tajima zu.

Tatsächlich war es Tajima, welcher als erstes angriff. Mit einem irrwitzigen Klingensturm ging er auf seinen Sohn los, die Mordlust in den Augen. Tajima machte nie halbe Sachen.

Wenn Tajima für eines bekannt war, dann seine unglaubliche Schnelligkeit und die Macht seines Katon. Madara wusste, dass er alles geben musste, um dem begegnen zu können. Wie er es bereits Izuna gesagt hatte: Es gab einen Grund warum ihr Vater der Anführer ihres Clans war. Auch wenn Madaras Katon und sein Kenjutsu gerade so mithalten konnten, so hatte er nur eines, das Tajima ernsthaft begegnen konnte, und das war die Stärke seiner Augen. Er wusste nicht, ob sein Genjutsu wirklich stärker war als das Tajimas. Bis zu diesem Tag hatten sie es noch nie gegeneinander angewandt. Es war also an der Zeit, alles auf diese eine Karte zu setzen.

Ein riskantes Spiel. Dabei war es doch Hashirama, der so gern wettete, wie Madara jüngst gelernt hatte.

Ihre Klingen trafen klirrend aufeinander. Tajima hatte all seine Kraft in diesen Schlag gelegt und Madara musste ebenso viel Kraft aufwenden, um dem zu begegnen. Zusätzlich feuerte Tajima ein Genjutsu auf Madara ab, das dieser jedoch abwehren konnte. Die zusätzliche Ablenkung jedoch sorgte dafür, dass er Tajimas Kraft nicht mehr erwidern konnte. Er musste den Klingenkontakt unterbrechen und zurückweichen.

Tajima ließ ihm keine Luft zum atmen und setzte ihm sogleich nach. Mit raschen Schlägen drängte er Madara in die Defensive. Madara konnte seine Schläge abwehren und mit Tajimas Schnelligkeit mithalten, doch sein Vater ließ keinen Raum für einen Gegenangriff.

Also versuchte es Madara mit einem Genjutsu.

In einem Wirbel aus Feuer und blitzendem Stahl durchdrang Tajima Madaras Deckung, zerschmetterte sein Katana und rammte ihm die eigene Klinge in den Leib. Madara keuchte, als Blut ihm aus dem Mund lief. Tajimas Sharingan schien sich direkt in sein Hirn zu bohren.

Madara lächelte grimmig. »Nicht gut genug.«

Das Bild zerstob in einem Wirbel aus schwarzen Rabenfedern. Tajima fiel. Unter ihm tat sich mit einem Male ein bodenloser Abgrund auf. Er schrie erschrocken auf, doch fing sich rasch wieder. Mit rudernden Armen suchte er nach Halt, doch es gab keinen. Er fiel immer weiter, während Ströme von Blut um ihn herum niederfielen.

Ein dumpfer Aufprall. Ein stechender Schmerz. Blut spritzte.

Madara fand sich mit einem Mal wieder in der realen Welt wieder. Er fasste sich an den schmerzenden Kopf. Tajima stand in einiger Entfernung und schien ebenfalls zu kämpfen zu haben. Wenigstens das hatte Madaras Genjutsu erreichen können.

»Nicht … gut genug«, presste Tajima zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Er hob seine Klinge.

Dann ließ er das gewaltigste Katon los, zu dem er fähig war.

Madara blieb nichts anderes übrig, als Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Er begegnete Tajimas Katon mit seinem eigenen und für einen Moment hielten sich die Flammenströme die Wage. Doch wenn Tajima für eines bekannt war, dann die Macht seines Feuers. Lange würde Madara dem nicht begegnen können.

Bei den Uchiha gab es eine Legende. Die Legende vom Vogel, der zu Asche verbrannte, und aus der Asche stieg er mit brennenden Schwingen zum Himmel hinauf und wurde zum Drachen.

Madara wurde zum Drachen.

Er ließ zu, dass Tajimas Katon über seinem obsiegte und schnitt stattdessen mit einem Fūton eine Schneise in die Flammenwand. Für einen winzigen Moment zögerte Tajima, was Madara für seinen Frontalangriff nutzte. Mit erhobener Klinge stürmte er voran und schlug mit aller Kraft zu, zu der er fähig war.

Tajima blockte seinen Schlag und für einen winzigen Moment starrten sie sich direkt in die Augen. Dann lenkte Tajima Madaras Schlag zur Seite ab und trat ihm im selben Augenblick die Füße unter dem Leib weg. Ein Raunen erhob sich unter den Zuschauern.

Schmerzhaft schlug Madara auf dem Boden auf, die Luft wurde ihm aus den Lungen getrieben. Verdammter Anfängerfehler!

Tajima verschenkte keinen Augenblick und schlug sogleich nach seinem am Boden liegenden Gegner. Im letzten Augenblick konnte Madara zur Seite rollen, sodass die Klinge nur einen Fingerbreit von seinem Kopf entfernt in den Boden eindrang. Tajima trat nach ihm. Kein besonders fairer Zug, aber in solch einem Kampf war alles erlaubt.

Madara stemmte sich auf die Füße und brachte sich mit einem Rückwärtssalto aus der Reichweite Tajimas. Dieser nutzte das, um Madara gar nicht erst die Gelegenheit zu geben, erneut eine Deckung aufzubauen.

Also versuchte es Madara erneut mit einem Genjutsu. Tajima gelang es, den Angriff abzuwehren, jedoch zu Lasten seiner eigenen Offensive. Madara verstärkte seinen Angriff und setzte sogleich mit weiteren Schwertstreichen nach. Keines seiner Genjutsus hatte Erfolg, aber sie alle störten Tajimas Gegenangriffe, sodass sich nun Tajima in der Defensive wiederfand.

Stück für Stück drängt Madara ihn zurück. Tajima hatte genau einen Nachteil, und das war sein Alter. Er mochte kräftiger und erfahrener sein als Madara, doch nicht so ausdauernd wie dieser. Unter dem konstanten Beschuss mit Genjutsus und dem Hagel an Schlägen, den Madara auf ihn niedergehen ließ, wurde er allmählich mürbe.

Und dann strauchelte er über eine kleine Unebenheit im Boden.

Ohne weiter darüber nachzudenken holte Madara aus und schlitze ihm mit einer einzigen fließenden Bewegung die Kehle auf. Blut schoss aus der klaffenden Wunde, und gurgelnd fasste sich Tajima an den Hals. Er verlor den Halt und fiel hinten über. Verzweifelt krallte er seine Finger in seinen Hals, um irgendwie den Blutfluss zu stoppen, doch es war vergebens. Unaufhaltsam rann ihm das Blut über die Finger. Seine Beine zuckten. Er spuckte Blut.

Dann lag er still. Leer starrten seine nunmehr wieder schwarzen Augen in den Himmel, ein Ausdruck des absoluten Unglaubens auf dem Gesicht.

Schockierte Stille hatte sich über den Clan gelegt. Wie, als hätte ihn alle Kraft verlassen, ließ Madara seinen Schwertarm sinken. Die Klinge glitt ihm aus den Fingern und fiel klirrend zu Boden. Fassungslos starrte er auf die Leiche seines Vaters zu seinen Füßen.

Er hatte ihn getötet. Er hatte Uchiha Tajima getötet. Er hatte seinen eigenen Vater getötet.

Plötzlich fuhr ihm ein stechender Schmerz durch die Augen. Stöhnend kniff er die Augen zusammen und umklammerte seinen Kopf. Das war schlimmer noch als damals, als er sein Sharingan erweckt hatte, viel schlimmer. Irgendetwas geschah da in seinem Schädel, dass er sich am liebsten die Augen ausgekratzt hätte, nur um diesem Schmerz zu entkommen. Es war unerträglich. Als würde irgendwer glühende Eisen in seinen Schädel bohren.

»Nii-san!«

Nur am Rande bekam er mit, wie Izuna zu ihm eilte und ihn auffing, weil seine Beine ihm den Dienst versagten. Mühsam kämpfte Madara darum, wieder zu klarem Verstand zu kommen und allmählich ebbte auch der Schmerz in seinem Schädel ab. Besorgt sah Izuna auf ihn herab. Blutige Tränen liefen sowohl ihm als auch Madara über die Wangen.

Aus Izunas Augen schien dasselbe fremdartige Sharingan, wie es wohl auch bei Madara erscheinen musste.

»Mangekyō Sharingan.«

Izuna nickte und schniefte. Madara bemerkte, dass sein kleiner Bruder am ganzen Leib zitterte wie Espenlaub, also umarmte er ihn und drückte ihn an sich.

»Er ist tot«, schluchzte Izuna und presste sein Gesicht in Madaras Kleidung.

Madara sagte nichts dazu und strich seinem Bruder nur sanft über den Rücken. Was gab es da auch zu sagen? Er hatte ihren Vater getötet, kaltblütig ermordet. Und jetzt konnte er nicht einmal weinen. Er fühlte sich … leer.

Die Furcht war dem Rausch des Kampfes gewichen und jetzt, wo auch das abgeebbt war, war da schlicht und ergreifend nichts mehr. Alles in ihm war taub, leblos und leer, eine Leere so gewaltig, dass da kein Raum mehr für etwas anderes war.

Jemand aus ihrem Clan trat vor und verneigte sich. »Uchiha Madara, du hast dich an diesem Tag als stärker erwiesen. Wir akzeptieren deine Führung.«

Aber Madara wusste es besser. Er wusste, dass es eine Lüge war. Tajima hatte ihn gewinnen lassen. Er hatte zugelassen, dass sein eigener Sohn ihn ermordete. Ansonsten hätte er nicht daneben geschlagen, als Madara am Boden lag.

Die Wahrheit war, dass Tajima zugelassen hatte, von seinem eigenen Fleisch und Blut hintergangen zu werden, und hatte willentlich mit seinem Leben dafür gezahlt. Die Wahrheit war, dass Tajima es nicht übers Herz gebracht hatte, seinen Sohn zu töten.

Am Ende waren sie eben doch eine Familie. Und Madara hatte sie zerstört.

In dem Song I Spit Fire von Scarlet gibt es eine Zeile, die "The bird turned to dragon, now I spit fire" lautet. Ich hab mir mal die Freiheit genommen, das hier ein wenig anklingen zu lassen. Technisch gesehen endet der Text hier, aber es gibt da ja noch in zweites Pairing. Im nächsten Kapitel treffen sie wieder aufeinander und besprechen ihr weiteres Vorgehen.
CN Erwähnung von Familienmord, Trauer
Ich: Hmm, der Epilog wird vielleicht so 5K lang. Epilog: Hold my 10k and counting. *sobs* Jedenfalls ist das der Grund, warum ich ihn in mehrere Teile aufgespalten habe und es so lange dauerte.

Kapitel 1

 Tobirama war erstaunt, dass er Butsumas Tod so gut wegsteckte. Er hätte erwartet, dass es ihn mehr beschäftigen würde. Stattdessen trauerte er eine angemessene Zeit und dann war die Sache für ihn auch abgeschlossen. Butsuma war keinen zweiten Gedanken wert. Diese Person war endlich aus seinem Leben verschwunden, und irgendwie fühlte er sich jetzt … frei. Als wäre eine große Last von seinen Schultern genommen.

Noch mehr erstaunte es ihn jedoch, dass er anscheinend der einzige war, der relativ leicht darüber hinweg kam, den Tod des eigenen Vaters verursacht zu haben. Bis auf jene eine Nacht, als die Tat vollbracht worden war, hatte Tobirama seinen Bruder nicht weinen sehen. Hashirama lachte wie eh und je, aber Tobirama wusste, dass es eine Maske war. Er erkannte, wenn das Lachen Hashiramas Augen nicht erreichte.

Hashirama sprach nicht darüber, nicht offen jedenfalls. Manchmal jedoch ließ er kleine Bemerkungen fallen, die durchscheinen ließen, was wirklich in ihm vor sich ging. Und wenn er dachte, dass niemand hinsah, ließ er seine Maske fallen.

Nach außen hin tat er so, als würde es ihm gut gehen, als hätte ihn der überraschende Tod seines Vaters erschüttert, aber nicht völlig aus der Bahn geworfen. Aber sobald er allein war, konnte es durchaus passieren, dass er stundenlang in die Leere starrte. Er verlor seinen Appetit, merkte oft nicht, wenn Tobirama ihn ansprach, lächelte, wenn es angemessen war, und versank ansonsten in tiefe Melancholie.

Zumindest lenkte es ihn etwas ab, nun den Clan führen zu müssen. Ein Führungswechsel war immer mit einer Menge Verwaltungsarbeit verbunden, jedenfalls wenn sie den Ältesten glauben wollten. Hashirama wurde überhäuft mit Arbeit und er stürzte sich diensteifrig darauf. Es machte Tobirama nicht minder Sorgen, aber zumindest hatte Hashirama etwas zu tun, das ihn von seinen Gedanken ablenkte.

Madara und Izuna schien es nicht leichter getroffen zu haben, wie Tobirama wenige Wochen später erfahren sollte.

Nur kurze Zeit, nachdem Hashirama die Clanführung übernommen hatte, erreichte sie Nachricht von den Uchiha, ganz offiziell und unterzeichnet von Madara. Hashirama bewahrte sich seine Freudentränen für den Moment auf, in dem er mit seinem Bruder allein war, aber zumindest dann tauchte er für kurze Zeit aus seiner Depression auf.

In dem Schreiben bot Madara einen Waffenstillstand an. Sie wussten natürlich, dass das nur pro forma war, um den Schein zu wahren, dass sie das hier auf gar keinen Fall von langer Hand geplant hatten, weshalb sich Hashirama auch nicht wirklich um die Details scherte. Natürlich rieten die Ältesten ihm davon, natürlich witterten sie eine Falle und natürlich scherte sich Hashirama auch darum nicht. Tobirama riet dennoch zur Vorsicht, weniger mit den Uchiha und viel mehr mit ihrem eigenen Clan und wie die Senju auf den neuen Wind reagieren würden, der nun wehte.

Dennoch trafen sie sich einige Wochen später mit Madara und Izuna, um die Details des Waffenstillstands auszuhandeln. Das war jedenfalls der offizielle Grund. Hinter den Kulissen hingegen würden sie besprechen, wie sie ihre Clans behutsam in die Richtung lenken konnten, die sie haben wollten.

Sie trafen sich auf neutralem Grund, immerhin konnten sie nicht herum posaunen, dass sie schon längst um die geheimen Siedlungsorte des jeweils anderen Clans wussten. Vor dem Zelt, das sie errichtet hatten, hielten Tōka und Hikaku Wache, ihre eigentliche Funktion bestand jedoch darin, Angehörige beider Clans nicht zu nah heranzulassen, damit sie nicht zufällig etwas aufschnappen konnten, was sie nicht hören sollten.

Kaum dass sie unter sich waren, konnte Hashirama erwartungsgemäß seine Finger kaum noch von Madara lassen. Dass er sich überhaupt bis jetzt hatte zurückhalten können, grenzte beinahe an ein Wunder. Tobirama wäre genervt, wenn es der Stimmung seines Bruders nicht so zuträglich wäre. Also verkniff er sich ein Augenrollen.

 »Madara-chan, ich bin so froh, dass es dir gut geht!«, rief Hashirama aus und schlang seine Arme um Madara. Er machte den Eindruck, ihn nie wieder loslassen zu wollen.

Erstaunlicherweise sagte Madara nichts, sondern erwiderte lediglich die Umarmung.

Izuna sah zu Tobirama und zuckte mit den Schultern. »Schön, dass wir alle noch in einem Stück sind und so weiter und so fort.«

»Aber etwas beschäftigt dich trotzdem, ich seh‘s«, stellte Tobirama fest. Hauptsächlich machte er es daran fest, dass Izuna nicht so dümmlich grinste wie sonst immer.

Und schon wieder erstaunten die Uchiha, als Izuna betrübt nickte. »Du wirst das vielleicht sogar spannend finden, aber etwas ist mit unseren Augen passiert, als chichi … nun … als es vorbei gewesen war. Unser Sharingan hat sich weiterentwickelt.«

Bei diesen Worten hielt Hashirama Madara auf Armeslänge von sich und sah ihn erstaunt an. »Ich dachte, mit drei tomoe ist es bereits voll ausgebildet?«

»Nun, es gab … Gerüchte, beinahe Mythen, möchte man schon sagen. Sieh her«, sagte Madara und rief sein Sharingan herbei. Izuna tat dasselbe.

Er hatte Recht gehabt, Tobirama fand das ausgesprochen spannend. Bei ihren heimlichen Treffen im Wald hatte er sich oft mit Izuna über das Sharingan unterhalten, weil er es verstehen wollte. Dabei hatte Izuna jedoch nie erwähnt, dass das Sharingan auch diese Form annehmen konnte.

Die drei tomoe waren verschwunden und zu zwei verschiedenen Mustern verschmolzen. Noch immer waren sie kreisförmig angeordnet und dreiteilig, doch die genauen Muster unterschieden sich zwischen Madara und Izuna.

»Was ist das?«, wollte Tobirama wissen und betrachtete fasziniert Izunas Augen. »Wieso sagst du, dass das ein Mythos sei?«

»Mangekyō Sharingan«, sagte Madara. »Seit vielen Generationen gibt es Gerüchte im Clan, dass sich das Sharingan stärken lässt, aber bisher hatte niemand herausgefunden, wie das gehen soll, oder das Wissen darum ging verloren. Wir haben da diese Steintafel, die etwas Derartiges andeutete, aber keiner kann sie lesen. Man braucht dafür das Sharingan, aber selbst die stärksten Augen waren bisher nicht dazu in der Lage. Ich hab‘s vor kurzem erst mit meinen neuen Augen getestet und ich kann sie immer noch nicht wirklich lesen, wenn auch ein paar Dinge jetzt klarer sind. Um das Mangekyō Sharingan zu erlangen, muss man den Tod einer geliebten Person mit ansehen – oder selbst der Mörder sein, in meinem Fall.«

Er sagte es so technisch, so emotionslos. Aber Tobirama wusste, dass das Sharingan auf starke Emotionen reagierte. Ihnen hatte also doch etwas an Tajima gelegen. Und doch war es überhaupt erst Izuna gewesen, der all das vorgeschlagen hatte.

Hashirama nahm Madaras Gesicht zwischen seine Hände und sah ihn schockiert an. »Das tut mir so schrecklich leid. Für euch beide.«

Madara lächelte schmallippig. »Zumindest wird niemand so schnell meine Führung anzweifeln. Das Mangekyō ist viel stärker als das normale Sharingan.«

»Wir hatten schon eine Menge Spaß, als wir Susanoo austesten, nicht wahr, Big Bro?« Izuna grinste, doch auch bei ihm sah Tobirama, dass sein Lächeln nicht seine Augen erreichte.

War er wirklich der einzige, der insgeheim froh war, seinen Vater los zu sein? Und … was sagte das über ihn aus? Ein ungutes Gefühl kniff ihm in die Eingeweide.

Im Folgenden besprachen sie ihr weiteres Vorgehen und wie sie ihre Clans langsam einander annähern konnten. Nach außen hin dachte natürlich jeder noch, sie seien Todfeinde, weshalb das kein allzu leichtes Unterfangen werden würde. Aber jetzt, wo sie wussten, dass es den anderen gut ging, war ihnen doch eine große Sorge genommen worden. Tobirama würde es niemals jemandem gestehen, aber ein wenig Sorgen hatte er sich schon gemacht. Man forderte Tajima nicht einfach so zum Duell heraus. Madara sprach nicht darüber, was genau geschehen war, und auch Izuna hielt sich bedeckt. Da Hashirama nicht allzu sehr nachbohrte, hielt sich Tobirama ebenfalls zurück.

Obwohl ihn dieses neue Sharingan durchaus interessierte, da hatte Izuna durchaus recht. Was machte es so anders und warum waren Madara und Izuna die ersten, die es erlangt hatten? Er wollte mit Izuna darüber reden, doch dieser zeigte sich erstaunlicherweise zurückhaltend.

Tobirama versuchte es ein paar Mal, Izuna darauf anzusprechen, doch dieser wich dem Thema aus. Also beschloss er, es für den Moment ruhen zu lassen und es später noch einmal zu versuchen, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen war.

Als »Zeichen gegenseitigen Vertrauens«, wie sie es ihren Clans gegenüber nennen würden, schoben Hashirama und Madara einige Ressourcen zwischen ihnen hin und her, wie es dem anderen Clan am besten nützen und den eigenen am wenigsten verärgern würde. Hashirama zeigte sich ein wenig großzügiger, als er müsste, weil ihn sein schlechtes Gewissen plage für all die toten Uchiha, die auf das Konto der Senju gingen. Tobirama betonte jedoch, dass sie besser offiziell alle vergangenen Taten einander verziehen, statt reumütig nutzlose Gesten der Wiedergutmachung zeigten, die ohnehin niemanden zurück brachten. Rache war ein zu starker Motivator, der diesen Konflikt immer wieder von neuem befeuert hatte. Wenn sie wirklich tiefgreifend etwas verändern wollten, mussten sie da ansetzen.

»Aber wo fangen wir da am besten an?«, überlegte Hashirama. »Wie du bereits sagtest, ist der Rachegedanke noch zu tief in den Köpfen drin. Das werden wir ihnen nicht austreiben, indem wir einfach sagen, dass jetzt alle Freunde sind.«

»Nun ja …«, sagte Izuna langsam und sah zwischen Hashirama und seinem eigenen Bruder hin und her. »Bei euch war es am Ende nicht groß anders, oder? Nur dass ich es irgendwie komisch finden würde, wenn auf einmal alle Uchiha und Senju miteinander knutschen würden. Andererseits …« Mit diesen Worten wandte sich sein Blick Tobirama zu, und er grinste sein freches Grinsen.

Tobirama ahmte erfolgreich einen Fisch an Land nach. »Auf gar keinen Fall!«, sprudelte es aus ihm heraus, als er seine Sprache wiedergefunden hatte. »Träum weiter!«

Izunas Grinsen wurde breiter. »Was? Findest du mich nicht hübsch? Das verletzt mich aber!«

Madara warf seinem Bruder einen mahnenden Blick zu und erlöste dann erstaunlicherweise Tobirama von seiner Marter. »Wir kannten unseren Clannamen nicht, wir waren unvoreingenommen. Das wird jetzt nicht mehr funktionieren, das heißt, wir müssen uns etwas anderes überlegen, um die Vorurteile zu überwinden.«

»Mit anderen Worten, irgendwer muss mit gutem Beispiel vorangehen.« Izuna wies auf den Ausgang des Zeltes. »Also geht ihr jetzt einfach da raus und knutscht vor den Augen aller.«

Hashirama schien das ernsthaft in Erwägung zu ziehen und Madara machte den Eindruck, als würde er seinen Bruder am liebsten erwürgen. Andererseits war der Grundgedanke gar nicht so schlecht, überlegte Tobirama.

Bevor Hashirama im Eifer des Gefechts Izunas albernen Vorschlag wirklich noch in die Tat umsetzte, sagte Tobirama eilig: »Jemand sollte in der Tat mit gutem Beispiel vorangehen und beweisen, dass eine fruchtbringende Kooperation zwischen Mitgliedern beider Clans möglich ist. Da ihr beiden mit der Clanführung beschäftigt seid, kommen dafür entweder Tōka und Hikaku in Frage oder Izuna und ich. Da jeder weiß, dass ihr überbehütende Glucken seid, wenn es um eure Geschwister geht, schlage ich Izuna und mich vor, das würde ein ziemlich deutliches Zeichen setzen.«

Noch in dem Moment, in dem er diese Worte sprach und dabei Izunas breiter und vor allem frecher werdendes Grinsen sah, wusste Tobirama, dass er es bereuen würde.

»Super Idee!«, rief Izuna aus.

Hashirama nickte begeistert. »Sehe ich ebenso! Haben wir irgendwelche Missionen auf der Liste, die ihr übernehmen könnt?«

Tobirama bereute es bereits jetzt.  

Im nächsten Kapitel brechen Tobirama und Izuna auf, um, wie sie es nennen, »Kinderkram« zu erledigen und Izuna lernt Tobiramas Wölfe besser kennen.
CN Trauer, Erwähnung toter Familienmitglieder, Erwähnung von Mord, Erwähnung emotionalen Missbrauchs

Kapitel 2

Er bereute es auch wenige Wochen später noch immer, als er tatsächlich mit Izuna loszog, um zu erledigen, was auch immer ihre Brüder im Sinn hatten. Sie hatten ihnen natürlich nur irgendwelchen nebensächlichen Kram gegeben, der weit unter ihren Fähigkeiten lag, und prompt hatten sich sowohl Izuna als auch Tobirama beschwert, dass sie etwas Herausforderndes wollten. Weder Hashirama noch Madara hatten nachgegeben.

»Aber in Feindesgebiet herumschnüffeln war in Ordnung!«, protestierte Izuna.

»Das war etwas anderes«, hielt Madara eisern dagegen. »Da konnte ich dabei sein.«

»Big Bro, komm schon!« Izuna legte seinen besten Hundeblick auf, der selbst Steine hätte erweichen können. Erstaunlicherweise wirkte das allerdings nicht einmal bei Hashirama und bei Madara schon gar nicht.

So kam es also, dass sie sich mit Kinderkram abgeben mussten. Sie hatten im Schutze der Straßenböschung ihr Nachtlager aufgeschlagen, ein kleines Lagerfeuer entzündet sind sich nun in Ōkamis weiches Fell geschmiegt, um der kalten Winterluft zu entkommen. Die gigantische weiße Wölfin, Tobiramas vertrauter Geist, hatte ihnen bereitwillig als Reittier gedient, auch wenn sie anfangs etwas irritiert gewesen war, einen Uchiha auf ihren Rücken zu lassen, statt ihm die Kehle herauszureißen.

Tobirama stocherte im Feuer herum, während Izuna auf einer Bambusflöte spielte, die er sich unterwegs geschnitzt hatte, als ihm langweilig gewesen war. Er konnte erstaunlich gut spielen.

Ōkami stellte sicher, dass sie beide gut geschützt vor dem kalten Wind waren, was hieß, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Izuna Bekanntschaft mit ihrer Zunge machen durfte. Momentan jedoch hatte sie noch die Ohren aufgestellt und spähte die Nacht aus nach potenziellen Gefahren. Tobirama mochte ausgesprochen gute Sensorfähigkeiten haben, aber die Sinne der Wölfin waren weitaus schärfer als die eines jeden Menschen. Mit ihr an seiner Seite fühlte er sich sicher.

Izuna verfehlte einen Ton, hielt kurz inne und setzte dann von neuem an. Er runzelte die Stirn und schien generell nicht mehr allzu zufrieden zu sein. Ōkami erschnüffelte das natürlich sofort. Sie gab ein tiefes Brummen von sich, das in ihrem ganzen Körper vibrierte, und senkte ihre Schnauze auf Izuna nieder. Dann leckte sie ihm quer über das Gesicht. Das war schneller gegangen als vermutet.

Izuna fiel völlig überrumpelt hinten über und versuchte, ihrer Zunge zu entkommen. Die Wölfin jedoch streckte lediglich einen Hinterlauf aus, um ihn am Entkommen zu hindern, und packte dann ausgesprochen vorsichtig seinen Kragen und zog ihn zu sich, um ihn dann weiter abzulecken. Izuna versuchte sie vergeblich von sich zu schieben. Seine Händen sanken tief ein in das dicke Fell an ihrem Hals.

»Was soll das?«, protestierte er. »Das ist –«

Er wurde effektiv von einer großen feuchten Zunge mitten im Gesicht zum Schweigen gebracht. »Du bist jetzt Rudel«, sagte Ōkami nur.

Tobirama genoss es, endlich einmal Izunas arrogantes Grinsen zurückgeben zu können. »Gegenseitige Fellpflege gehört zum Sozialverhalten von Wölfen, so stärken sie die Bande innerhalb des Rudels und besonders die zwischen Welpen und den Alttieren.«

»Ich bin kein Wolf!«, begehrte Izuna auf, während er sich mit dem Ärmel über das Gesicht wischte. Ōkami schob ihre Schnauze dazwischen, um ihn daran zu hindern, ihren Sabber loszuwerden, und leckte ihn dann unbeeindruckt weiter über die Haare.

»Mag sein«, sagte sie ruhig. »Du bist trotzdem ein Welpe des Rudels.«

Izuna gab einen unwilligen Laut von sich. »Ihr Senju seid völlig irre. Erst Hashirama mit seinem verrückten Pflanzending und jetzt das hier.«

Ōkami hob warnend die Lefzen. »Werd nicht frech, Welpe.«

Der Anblick ihrer Fänge schien Izuna dann doch Respekt einzuflößen, denn er gab es auf, sich ihrer Aufmerksamkeit zu erwehren.

»Du bist zu schmächtig«, stellte sie fest. »Weißt du überhaupt schon, wie man jagt? Morgen werden wir gemeinsam jagen.«

»Tobirama!«, jammerte Izuna. »Mach was!«

Tobirama verschränkte nur grinsend die Arme vor der Brust und ließ den Uchiha in seinem eigenen Saft schmoren. Als Ōkami jedoch der Ansicht war, dass Izuna nun vorzeigbar war, wandte sie ihre Aufmerksamkeit Tobirama zu und ließ ihm dieselbe Fürsorge zukommen.

»Dasselbe gilt für dich, Welpe«, stellte sie fest. »Wann warst du das letzte Mal jagen? Du weißt, wie es geht, sei nicht faul.«

»Bin ich nicht!«, widersprach Tobirama mit Nachdruck. »Wir waren beschäftigt.«

Ōkami fuhr mit ihrer Zunge durch seine Haare, weil sie genau wusste, dass er das nicht mochte. »Im Rudel achtet man aufeinander«, rügte sie ihn. »Ich werde mit deinem Bruder sprechen müssen, denn offensichtlich hat er noch nicht verinnerlicht, was einen guten Rudelführer ausmacht.«

Vor Izuna von Ōkami bemuttert zu werden, stand definitiv nicht auf Tobiramas Liste. Er hätte es besser wissen müssen.

Anders als Hashirama erinnerte er sich kaum noch seiner Mutter; er war zu jung gewesen, als sie getötet worden war. Da war nur eine schwache Erinnerung an Wärme und Geborgenheit, an einen Ort, eine Person, wo er keine Angst haben musste vor seinem Vater. Lange Zeit war dieser Ort verwaist gewesen, bis er sein Rudel gefunden hatte. Ein Rudel nahm nicht jeden streunenden Wolf auf, die Narben in seinem Gesicht waren deutliche Zeichen dessen. Aber er hatte seinen Wert bewiesen und war dafür mit dem Schutz durch das Rudel belohnt worden. Ōkami kam einer Mutter am ähnlichsten. Gelegentlich Sabber aus der Kleidung zu waschen, war nun wirklich kein großes Übel im Austausch für die Gemeinschaft des Rudels.

»Was soll das überhaupt heißen, ich sei jetzt Rudel?«, maulte Izuna missmutig.

»Genau das«, sagte Ōkami, als sei es das natürlichste der Welt. »Eure beiden Rudel haben beschlossen, nun gemeinsam zu jagen, und Tobi-chans Rudel ist auch meines.«

Izuna wirkte nicht überzeugt und sah skeptisch erst zu der Wölfin und dann zu Tobirama. »Echt jetzt?«

Tobirama nickte todernst. »Echt jetzt.«

Ōkami brummte wieder. »Du bist ein kleiner, schmächtiger Welpe, aber das bekommen wir schon hin. Du wirst sehen, wenn du erst einmal gelernt hast zu jagen, ist das kein Problem mehr.«

Schon am nächsten Tag machte sie ihre Androhung wahr, als sie, während sie ihren Weg fortsetzten, lang und breit verschiedene Jagdtechniken erklärte und welcher Platz welchem Rudelmitglied dabei zuteil wurde. Gelegentlich mussten sie anhalten, damit sie etwas demonstrieren konnte und in der Regel musste dafür Tobirama als Versuchsobjekt herhalten.

Izuna stand mit skeptischem Blick neben ihnen, als Ōkami gerade demonstrierte, wie man Beute am effektivsten erlegte.

»Du gehst deiner Beute immer an die Kehle, siehst du. So«, nuschelte sie, während sie vorsichtig ihre Kiefer um Tobiramas Hals schloss. Sie hätte ihm mit Leichtigkeit den Kopf abreißen können, aber ihre Fänge berührten kaum seine Haut.

Izuna schien mit der Gesamtsituation überfordert, dabei war es nicht einmal sein Nacken, der zwischen den knochenzermalmenden Kiefern einer riesigen Wölfin steckte. »Wie kannst du da nur so ruhig bleiben?«

Tobirama zuckte nur mit den Schultern. »Deine Mutter hätte dir doch auch nicht weh getan, obwohl sie sicher eine gute kunoichi war, nicht wahr?«

»Mutter?« Izunas Augen weiteten sich.

Ōkami steckte ihre Schnauze in Tobiramas Haar und schnaubte. »Du bist ein Welpe des Rudels, aber Tobirama ist mein Welpe. Aber bleibt beim Thema, ich war noch nicht fertig mit Erklären.«

Izuna blinzelte einige Male. »Das erklärt eine Menge«, murmelte er an. Er war augenscheinlich nicht mehr bei wirklich bei der Sache, als Ōkami erklärte, wie die stärkeren Mitglieder eines Rudels ihre Beute zu Boden rangen, sodass sie mittels Kehlbiss erstickt werden konnte.

Sie konnten ihren Weg erst fortsetzen, als sie ihre Lektion zufriedenstellend beendet hatte, und selbst dann musste Tobirama sie überzeugen, dass sie jetzt keine Zeit hatten, die Theorie auch in die Tat umzusetzen. Auch wenn die Mission weit unter ihren Fähigkeiten lag, war es doch noch immer eine Mission, die sie irgendwann noch zu erfüllen hatten.

Später am Tag erreichten sie eine größere Siedlung und damit auch ihr Ziel. Die Kontaktperson musste hier irgendwo sein.

Izuna, der hinter Tobirama auf Ōkamis Rücken saß, spähte über Tobiramas Schulter und deutete dann begeistert nach vorn. »Seht! Es scheint Markttag zu sein, wie aufregend!«

Tobirama glitt von Ōkamis Rücken und legte ihr eine Hand auf die Schulter. »Du wartest besser hier. Ich danke dir für deine Hilfe.«

Als er das Beschwörungsjutsu jedoch schon lösen wollte, zwackte sie ihm in die Hand. »Kommt gar nicht in Frage, Welpe.«

»Dein Anblick könnte die Leute beunruhigen. Das ist keine Shinobi-Siedlung.«

»Das ist mir gleich. Das ist eure erste Jagd, bei der ihr auf euch allein gestellt seid. Ich muss auf euch aufpassen.«

»Wir sind keine Kinder mehr!«, protestierte Izuna.

Sein Fehler war es, dabei noch auf Ōkami zu sitzen. Die Wölfin ließ sich kurzerhand zu Boden fallen und rollte zur Seite. Izuna gab einen erschrockenen Laut von sich, als er unter einer gigantischen Masse weichen weißen Fells begraben wurde. Tobirama wusste, dass jeder Widerspruch zwecklos war, weshalb er es gar nicht erst versuchte. Er hoffte nur, dass sie keine Panik auslösen würden.

Anders als Hashiramas Mokuton waren Tobiramas Wölfe nicht direkt ein Geheimnis des Clans, aber allzu sehr hatten sie es dennoch sie an die große Glocke gehangen. Dennoch war er schon einige Male mit ihnen an seiner Seite in den Kampf gezogen, was ihm den Beinamen Weißer Wolf eingebracht hatte. Nichtsdestotrotz würde die Anwesenheit der Wölfin sicher für einige Aufregung sorgen.

Ōkami gab Izuna wieder frei und gemeinsam gingen sie in die Siedlung. Wie Tobirama geahnt hatte, sorgte Ōkamis Anwesenheit für einige Unruhe, die er erst mühsam wieder legen musste. Izuna war dabei keine große Hilfe, denn er interessierte sich eher für den Markt, der an diesem Tag im Ort veranstaltet wurde. Als Tobirama endlich alles hatte klären können, war Izuna längst über alle Berge. Tobirama gab einen unwilligen Laut von sich und bemühte seine Sensorfähigkeiten. Ōkami neben ihm schnüffelte, doch als sie sah, was er tat, stupste sie ihre Nase in seinen Rücken, um ihn dazu zu ermuntern weiterzumachen.

»Gut so«, lobte sie. »Eine Fährte kannst du also in der Tat schon selbst finden.«

Tobirama kniff die Augen zusammen. »Natürlich. So unerfahren bin ich nun wirklich nicht mehr.«

Sie leckte ihm über das Gesicht, dann machten sie sich gemeinsam auf die Suche nach Izuna. Sie fanden den Uchiha am einem Süßigkeitenstand, wo er sich bereits über einen Teller mit Dango hergemacht hatte. Als er seine beiden Begleiter herannahen sah, streckte er ihnen den Teller entgegen. »Beute!«

Ōkami senkte den Kopf und schnüffelte an der Süßigkeit. »Das ist keine Beute.«

»Doch, ist es«, hielt Izuna dagegen und deutete auf einen Mann neben sich. »Und nicht nur das. Ich habe auch unseren Kontakt gefunden.«

Der Mann war aschfahl geworden, als er die Wölfin auf sich hatte zukommen sehen. Tobirama trat vor, verneigte sich leicht und stellte dann sich und seine Begleiter vor. Außerdem betonte er ausgesprochen deutlich, dass von Ōkami keine Gefahr ausging.

Ihr Kontakt war Masao, ein örtlicher Bauer, der die Senju beauftragt hatte, seinen Hof zu bewachen, wie er ihnen auf dem Weg zu besagtem Hof erklärte. Die Region hatte in letzter Zeit vermehrt Probleme mit Banditen, welche es ausnutzten, dass die großen Ninja-Clans mit ihren Konflikten untereinander beschäftigt waren, statt sich um so etwas zu kümmern. Umso erstaunter war er, Izuna zu sehen, welcher kein Geheimnis aus seiner Clanzugehörigkeit machte. Das sei eine lange Geschichte, sagte Izuna jedoch nur. Als Masao seine Sorgen verlauten ließ, ob es ihn daher nun doppelt kosten würde, versicherten sie ihm, dass der ursprüngliche Deal noch galt und sie das schon unter sich ausgemacht hatten. Viel hätte das ohnehin nicht eingebracht, dachte Tobirama still bei sich, von daher war es nicht einmal ein großer Verlust, die Hälfte des Geldes mit den Uchiha zu teilen.

»Aber warum nur den Hof bewachen?«, wollte Tobirama wissen. »Es wäre weitaus effektiver und langfristiger, die Banditen auszuschalten.«

»Mag sein«, stimmte Masao zu. »Aber sich jahrein, jahraus den Rücken krumm zu schuften auf den Reisfeldern, bringt eben nicht so viel Geld ein. In den Sommermonaten können wir die Banditen meist selbst noch vertreiben, aber jetzt im Winter, wenn das Essen knapp wird, werden sie verzweifelter. Ihr könnt euch dem gern auf eigene Faust annehmen, aber dafür werde ich nicht mehr zahlen können.«

Tobirama und Izuna sahen sich an. Dann nickten sie. Kein Kinderkram mehr.

Für den Rest des Tages machten sie sich mit dem Hof vertraut, den sie bewachen sollten, und ließen sich von Masao alles sagen, was sie über die Banditen wissen mussten. Dann ging jeder seiner Arbeit nach.

»Also«, begann Izuna. »Mit deinen Schattendoppelgängern sind die Banditen für dich kein Problem.«

»Richtig.«

»Und Ōkami kann sie erschnüffeln, also sind sie auch schnell aufgespürt.«

»Stimmt ebenfalls.«

»Warum hab ich mir überhaupt die Mühe gemacht mitzukommen?«

»Weil es nicht das ist, worum es hier geht.«

Izuna verzog unwillig das Gesicht. »Ich will was anzünden.«

Tobirama verdrehte die Augen. »Uchiha.«

Sie hatten sich ein lauschiges Plätzchen gesucht, von wo aus sie das Gelände gut im Blick hatten, ohne selbst allzu exponiert zu sein. Ōkami patrouillierte mit der Nase am Boden die nähere Umgebung, um eine Fährte aufzunehmen.

Um sich die Zeit zu vertreiben, begann Izuna, seine Kunai zu schärfen. Tobirama hatte seine Grundausrüstung für seine Siegel mitgebracht, um an seiner neuesten Idee zu arbeiten. Er war beinahe sicher, dass es funktionieren würde, wollte sicherheitshalber aber noch einmal alles überprüfen, bevor er es testete.

Als er schließlich ein kleines Siegelpapier um den Griff eines Kunai wickelte, sah Izuna auf. »Was wird das?«

Tobirama warf das Kunai ein Stück weit fort, wo es im Boden stecken blieb. »Wenn es funktioniert, ein neues Jutsu. Wenn nicht … dann bin ich gleich nur noch ein feuchter Fleck.«

Bevor Izuna oder gar Ōkami protestieren konnten, aktivierte er das Siegel und fand sich schon im nächsten Augenblick an der Stelle wieder, wo er das Kunai hingeworfen hatte. Er hätte sich über seinen Erfolg gefreut, würde es sich nicht anfühlen, als würde jemand seine Gedärme verknoten. Er schlug die Hand vor den Mund und erbrach sich dann doch.

Izuna schien wenig Mitleid zu empfinden. »Das heißt, es hat funktioniert?«

Tobirama warf ihm einen giftigen Blick zu, während er sich mit dem Handrücken über den Mund wischte. Mit einem fixen Suiton sammelte er etwas Wasser, mit dem er sich den Mund ausspülen konnte. Er musste dringend am Feinschliff arbeiten.

»Was schaust du mich so an?«, protestierte Izuna. »Ich habe nichts gemacht und wollte nur wissen, ob das nun ein gutes Ergebnis ist oder nicht. Du hast immerhin nur gekotzt und bist nicht zerfetzt worden.«

Ōkami eilte heran und leckte Tobirama besorgt über das Gesicht. »Du sollst nicht so einen Unfug machen, Welpe.«

»Das ist kein Unfug, sondern ein neues Jutsu«, sagte Tobirama unwirsch und versuchte sie von sich zu schieben. Natürlich ohne Erfolg.

»Wie willst du es nennen?«, wollte Izuna wissen.

»Hiraishin no Jutsu.«

Izuna brach in schallendes Gelächter aus und hielt sich den Bauch, als er beinahe hintenüber gefallen wäre. »Angeberischer ging‘s wohl nicht?«

Tobirama schnaubte. »Mach mir das erst einmal nach!«

Mittlerweile hatte sich sein Magen wieder etwas beruhigt, und er setzte sich wieder zu Izuna. Die Arbeit an den Details für sein Jutsu verschob er auf später. So schnell wollte er diese Erfahrung nicht noch einmal machen. Bis dahin konnte er sich theoretische Anwendungsmöglichkeiten überlegen. Das Jutsu funktionierte, und das war die Hauptsache. Details kamen später.

Izuna deutete auf sein Gesicht. »Dafür habe ich die besseren Augen und kann mit denen eine ganze Menge Sachen, die du nicht kannst.«

Oder er befasste sich damit. »Von denen du mir immer noch nicht viel erzählt hast.«

Izuna grinste schon wieder dieses freche Grinsen, das Tobirama überhaupt nicht leiden konnte. »Das eine oder andere Geheimnis macht mich interessanter.«

Das Grinsen erreichte noch immer nicht seine Augen. Tobirama musterte ihn. Izuna tat, als würde er das nicht bemerken.

»Da hast du schon rote Augen und dann bringt es dir trotzdem nichts, Senju«, stichelte Izuna.

Tobirama funkelte ihn finster an. »Das Sharingan macht euch nicht automatisch zu besseren Shinobi.«

»Doch, natürlich! Nenn mir einen Clan, der unseren Augen überlegen ist.«

»Hyūga!«

»Pah! Allesamt Idioten. Deren Byakugan hat außerdem einen blinden Fleck. Big Bros und mein Susanoo hingegen ist eine absolute Verteidigung. Da kommt nichts durch.«

»Sicher? Habt ihr das getestet?«

»Natürlich!«

»Dann zeig es mir.«

Mit einem Male verfiel Izuna in Schweigen, und die Stimmung kippte merklich. Er wich Tobiramas Blick aus. »Nein. Ich … will nicht. Ich will damit nichts zu schaffen haben.«

»Warum? Warum sagst du das?« Tobirama hoffte, seiner Stimme ihre übliche Schärfe genommen zu haben. Er war nicht so gut in solchen Dingen.

Ōkami bemerkte es natürlich auch und trottete zu ihnen. Sie brummte, stupste Izuna mit ihrer feuchten Nase an und legte sich dann hinter sie. Izuna lehnte sich in ihr Fell.

»Das kannst du dir doch denken«, sagte er leise. »Du weiß, wie wir diese Augen bekommen haben.«

Tobirama runzelte die Stirn. »Aber es war doch deine Idee gewesen. Du hattest es doch überhaupt erst angestoßen.«

»Und du denkst, das macht es leichter?«, begehrte Izuna auf.

Sofort stupste Ōkami ihn etwas derber an. »Kein Grund, die Stimme zu erheben, auch wenn ich verstehe, dass du aufgebracht bist.«

Izuna gab einen unwilligen Laut von sich und starrte in die Nacht hinaus. »Ich weiß, ich sollte ihn hassen und froh sein, dass er … nicht mehr da ist. Aber … aber er ist immer noch Papa, verstehst du?« Das letzte wisperte er beinahe. Seine Stimme klang belegt, wie als würde er mit den Tränen kämpfen.

Ōkami rückte ein wenig näher auf und rollte sich um Izuna zusammen. »Kein Welpe muss allein trauern.«

Das war es, was Tobirama empfinden sollte, nicht wahr? Das wäre eine angemessene Reaktion auf die Ermordung des eigenen Vaters. Und nicht etwa, Erleichterung zu verspüren, eine unangenehme Person aus der Welt geschafft zu haben.

»Aber dich scheint das alles nicht zu bewegen.« Izuna sah zu ihm, seine Augen glitzerten verräterisch.

Dieses Mal war es Tobirama, der seinem Blick auswich. »Das ist unnormal, ich weiß.«

Izuna schwieg einen Moment. »Ich … weiß nicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ihr Senju seid doch der Clan der Liebe und so, aber wenn jemand so ein Widerling wie Butsuma war, dann ist es vielleicht verständlich, wenn nicht mal seine eigenen Kinder ihn leiden können.«

»Hashirama trauert um ihn.«

»Und du nicht.«

»Nein.« Nach kurzem Zögern fügte Tobirama an: »Eigentlich bin ich sogar froh, dass er weg ist.«

Wahrscheinlich dachte Izuna jetzt, Tobirama sei total irre und ein gefühlskaltes Monster. Familie war Familie. Man war nicht einfach so über deren Ableben froh, besonders dann nicht, wenn man sogar noch dabei seine Hand im Spiel hatte. Das einzige, was Tobirama bedauerte, war, dass diese ganze Sache Hashirama zu schaffen machte. Aber Butsumas Tod? Wenn er ganz ehrlich zu sich war, dann sah er es als etwas Gutes an und er würde es jederzeit wieder tun. Vielleicht dieses Mal sogar er selbst, statt Hashirama diese Bürde aufzuerlegen.

Ōkami leckte ihm tröstend über die Wange. »Manchmal müssen eben Einzelne das Rudel verlassen, wenn sie es gefährden. So ist das nun einmal.«

Izuna holte tief Luft. »Also eigentlich ist es so: Ich bin sogar ganz froh darum, dass du so darauf reagierst.«

Tobirama sah ihn irritiert an.

Izuna zuckte mit den Schultern, wie um seine Worte herunterzuspielen. »Das ist die Reaktion, die ich von jemandem erwarte, der so weit geht, den eigenen Vater zu ermorden. Man macht das nicht aus einer Laune heraus und schon gar nicht, wenn man ihn eigentlich sogar mag. Vielleicht bin ich ja das Monster hier.«

Ōkami rückte noch näher auf, sodass Izuna nun beinahe in der Masse ihres Fells verschwand. »Manchmal kommt es im Leben eben so. Ihr habt das Rudel beschützt und dafür musste eben die gehen, die es gefährdeten. Ihr habt das Richtige getan.«

»Aber es fühlt sich nicht richtig an!« Izuna gab sich nicht mehr die Mühe, seine Tränen zurückzuhalten.

»Und bis es das tut, sage ich, dass es richtig war«, bot die Wölfin an.

»Wie kann es richtig sein, den eigenen Vater zu ermorden? Wie kann es richtig sein, dass ich zu so einem Monster geworden bin?«, heulte Izuna und vergrub das Gesicht in Ōkamis Fell.

Etwas hilflos saß Tobirama daneben und wusste nicht so recht, wie er damit umgehen sollte. »Du bist kein Monster«, versuchte er es.

Ein schwarzes Auge, gerötet vom Weinen, linste skeptisch in seine Richtung. »Du weißt, wie das mit dem Sharingan funktioniert. Wie kannst du da so etwas sagen? Ich hab dabei geholfen, jemanden zu ermorden, der mir trotz allem noch genug bedeutet hat, um mir diese verfluchten Augen zu bescheren.«

»Aber wenn du das nicht gemacht hättest, dann wäre alles nur viel schlimmer gekommen. Du weißt das, wir haben lang und breit darüber gesprochen.«

»Du hast ja recht. Und doch … Weißt du, während dieses Kampfes, da ist was passiert. Madara lag am Boden, und ich dachte, das war‘s jetzt, jetzt sterben wir beide. Ich kenne wirklich niemanden, der besser mit einer Waffe umgehen kann als unser Vater. Aber trotzdem hat er daneben geschlagen. Und weißt du, was das heißt? Dass er es zugelassen hat, von Madara besiegt zu werden, weil er es nicht übers Herz gebracht hat, seine eigenen Söhne zu töten. Anders als wir.«

Tobirama runzelte die Stirn. »Und dir wäre es lieber, wenn er wie Butsuma gewesen wäre?«

Izuna zuckte schwach mit den Schultern. »Weiß nicht. Vielleicht nein. Vielleicht ja. Aber wenn er uns wirklich gehasst hätte, wäre das alles vielleicht leichter. Dann hätte ich nicht dabei geholfen, das einer Person anzutun, der ich immer noch etwas bedeute. Er … er hat uns beigebracht, unsere Feinde nicht als Menschen anzusehen. Das macht das Töten leichter. Aber wie kann ich so von jemandem denken, der mich entgegen seiner Worte bis zum Schluss als seinen Sohn ansah?«

»Du hast das Richtige getan«, wiederholte Ōkami. »Aber es ist auch völlig in Ordnung, wenn du jetzt deswegen trauerst. Er war eben dein Vater, und das schüttelt man nicht so leicht ab. Also trauere so lange um ihn, wie du es nötig hast. Gefühle sind dazu da, um gefühlt zu werden.«

Ja, das waren sie wohl. Ōkami sagte gern einmal solche Dinge. Aber was fühlte Tobirama eigentlich? Und was sollte er fühlen? Wäre Izunas Reaktion die angemessenere gewesen?

»Tobirama-kun?«

»Hm?«

»Wie machst du das?«

»Was?«

»Na das. Alles. Als wir das erste mal darüber sprachen, schien dich das ja ziemlich aufzuwühlen, aber jetzt gehst du mit dem Ergebnis so locker um.«

Daraufhin schwieg Tobirama eine Weile. Dann sagte er: »Vielleicht habe ich ja schon vor einer ganzen Weile damit abgeschlossen, dass er nicht mehr mein Vater ist.«

Izuna musterte ihn. »Für dich ist er schon vor langer Zeit gestorben und geblieben ist nur Butsuma.«

Erstaunt sah Tobirama auf. »Ja. Woher …?«

»Ihr habt ihn immer nur beim Namen genannt. Das ist mir schon vor einer ganzen Weile aufgefallen. Schätze, das ergibt irgendwie Sinn.«

»Es war ein langsames Sterben«, sprach Tobirama schließlich aus, was er noch niemandem gesagt hatte. »Über viele Monate hinweg. Vielleicht sogar Jahre. Als Kind wollte ich ihm gefallen und tat alles dafür. Ich gab mir alle Mühe, der perfekte kleine Soldat zu sein, den er haben wollte. Aber ich sah auch, wie er Hashirama behandelte und was es mit ihm machte, von Butsuma in eine Rolle gezwungen zu werden, die einfach nicht er war. Tse, kein Wunder also, dass er sich so oft davon geschlichen hatte. Vielleicht fing ich ja da an zu realisieren, dass es nicht richtig war, was er mit uns tat. Dass kein Vater seine Kinder so behandeln sollte. Aber irgendwie glaubte ich dennoch noch lange an sein Gefasel elterlicher Liebe, und ganz ehrlich: Es fühlte sich gut an, von ihm für all die Jutsus gelobt zu werden, die ich mir ausdachte.«

»War es deswegen, weshalb du unsere Brüder verpfiffen hast?«

Obwohl Izuna es ohne Vorwurf in der Stimme gefragt hatte, senkte Tobirama beschämt den Blick. »Ja, auch wenn es nicht so einfach war. Ich hatte bereits meine Zweifel, aber sie waren noch lange nicht stark genug, mich gegen ihn zu wenden und mich seinem Befehl zu widersetzen, Hashirama zu folgen. Das kam erst hinterher. Als ich sah, was das mit Hashirama gemacht hatte. Er war wie ausgewechselt, eine völlig andere Person. Ich erkannte ihn kaum wieder. Da begriff ich, dass kein Vater so etwas seinen Kindern antun sollte. Dass es seine Aufgabe gewesen wäre, uns zu schützen und für uns zu sorgen und nicht … uns so kaputt zu machen.

Die letzten Wochen haben mir eines vor Augen geführt: Es waren nicht ihr Uchiha, die Kawarama und Itama getötet haben. Es war Butsuma und seine wahnsinnige Kriegstreiberei. Er war es, der kleine Kinder in den Krieg schickte zum Sterben und der auch nicht davor zurückschreckte, wehrlose Kinder anderer Clans zu töten, nur weil sie einen anderen Namen tragen.«

Izuna sah ihn eine ganze Weile sprachlos an. Doch dann lächelte er. »Tobirama-kun, du bist echt schwer in Ordnung. Ihr Senju seid zwar alle ein bisschen verrückt, aber das geht schon klar, denke ich.«

Tobirama schnaubte. »Und ihr Uchiha seid alle zündelnde Irre, aber wenigstens wisst ihr euch zu benehmen. Meistens jedenfalls.«

Izuna lachte in sich hinein, während er seine Beine streckte, sich entspannt gegen Ōkami lehnte und die Hände hinter dem Kopf verschränkte. »Sag mal, das mit unseren Brüdern, das scheint ja schon was festes zu sein. Da hab ich mich gefragt, ob das uns zu Schwagern macht.«

Tobirama sah aus dem Augenwinkel zu ihm und kniff die Augen zusammen. »Denk nicht mal dran.«

Izuna mimte die Unschuld in Person. »Was? Ich hab mir das weder ausgedacht noch ausgesucht. So ist das nun mal definiert! Beschwer dich bei deinem Bruder. Oder meinem, je nachdem.«

Und so nahm die Eskalation ihren Lauf, als ich plötzlich mitten beim Schreiben dachte: "Okay. White Wolf. Warum also nicht gleich einen Witcher contract draus machen und das ganze ausschreiben statt nur anzureißen? Tobirama hat eh Witcher senses! Kinda." Und hier sind wir nun ... Im nächsten Kapitel verfolgen sie die Banditen und kommen zu einem Entschluss.

Kapitel 3

Mit einem Mal hob Ōkami den Kopf, stellte die Ohren auf und hob die Lefzen. Ein tiefes Knurren ließ ihren ganzen Körper vibrieren.

»Oh, endlich kann ich was anzünden!«, rief Izuna begeistert.

Ōkami erhob sich und trottete auf leisen Pfoten dem kleinen Wald entgegen, der sich dem Hof anschloss. »Sie kommen. Aber sie stinken nach Furcht. Gut.«

Die beiden jungen Shinobi traten an ihre Seite. Tobirama kniete sich neben die Wölfin und legte eine Hand auf den Boden. Dann sandte er seine Sinne aus.

»Neunzehn Menschen, eindeutig Zivilisten, also ziemlich sicher die Banditen, die wir suchen«, berichtete er. »Sie nähern sich aus südöstlicher Richtung, noch etwa einen Kilometer entfernt. Sie beginnen sich aufzuteilen, wollen uns also umzingeln.«

Ōkami wandte sich zu ihnen. »Welpen, es ist Zeit für eine Jagd.«

Izuna rollte mit den Schultern. »Sehe ich genau so! Was ist mit dir, Tobirama?«

»Bin dabei.«

»Beute finden, beobachten und stellen. Los geht‘s!« Ōkami sprang in das Unterholz und trotz ihrer Größe verschwand sie nahezu lautlos darin. Tobirama und Izuna wählten den Weg über die Äste.

Dank Ōkamis feinen Sinnen und Tobiramas Sensorfähigkeiten war ihre Beute rasch ausgemacht. Die Wölfin ließ jedoch den Menschen an ihrer Seite den Vortritt, da dies, wie sie meinte, deren erste eigenständige Jagd sei. Izuna, der noch nicht gelernt hatte, dass es zwecklos war, ihr widersprechen zu wollen, war natürlich pikiert über den Umstand, dass Ōkami sie bemutterte, und war der Ansicht, dass er sehr wohl wusste, wie ein Shinobi eine ordentliche Verfolgung anzustellen hatte. Ōkami schollt ihn für sein vorlautes Mundwerk (und Tobirama gab ihr im Stillen Recht).

Schnell war die erste Gruppe der Banditen ausgemacht. Sie waren sich augenscheinlich nicht des Umstandes bewusst, dass sie schon längst vom Jäger zum Gejagten wurden, und schlichen weiter durch den Wald, um ihn Position zu kommen für was auch immer sie geplant hatten. Tobirama hielt weiterhin auch die anderen Banditen im Sinn, während er die vier vor ihnen beobachtete.

Es waren ärmliche, abgerissene Gestalten. Man sah ihnen deutlich an, dass sie schon lange in der Wildnis lebten, denn ihre Kleidung war wild zusammen gestoppelt, oftmals geflickt und nicht immer wieder vollständig zu retten gewesen. Ihre Gesichter zeigten die Spuren harter Zeiten und Hunger und Kälte ließen sie weitaus älter erscheinen, als sie womöglich waren.

»Gut gemacht, Welpen«, lobte Ōkami wispernd, während sie sich mit ihnen hinter einem Gebüsch verbarg. »Ihr habt euch so positioniert, dass der Wind euren Geruch von der Beute fortträgt. Tobi-chan, sei ein gutes Vorbild. Izuna-chan, sag mir, wen du auswählen würdest als deine Beute. Erinnere dich, was ich dir beigebracht habe.«

Izuna antwortete nicht gleich. Die Banditen hatten augenscheinlich nicht viel Erfahrung im lautlosen Pirschen, denn sie traten ungeschickt auf, brachen Äste ab und ließen überhaupt eine deutliche Spur hinter sich, der selbst ein Blinder hätte folgen können. Die Waffen, die sie bei sich trugen, waren in kaum besserer Verfassung als ihre Kleidung. Wenn sie überhaupt Schwerter besaßen, dann waren sie schartig und stumpf. Ansonsten trugen sie alles mögliche bei sich, was als Waffe dienen konnte. Tobirama machte sogar eine Mistgabel aus. Wobei diese Dinger durchaus genauso tödlich sein konnten wie ein gut geschmiedetes Katana …

»Die da sind keine Beute«, sagte Izuna schließlich sehr zu Tobiramas Erstaunen.

Ōkami legte sich der Länge nach hin und machte das Äquivalent einer gehobenen Braue. »Und warum willst du die Jagd hier abbrechen? Ist es nicht das, weshalb wir hierher kamen?«

Izuna deutete auf die Männer vor ihnen, die sich ihrer Anwesenheit immer noch nicht bewusst waren. »Schaut sie euch doch mal an. Die sind höchstens so alt wie unsere Brüder. Und so gern ich jetzt auch etwas anzünden würde, aber die sind uns nun wirklich nicht gewachsen. Gegen dich zu kämpfen, Tobirama-kun, war unterhaltsam, weil ich weiß, dass du mit mir mithalten kannst, aber für die da braucht‘s nicht einmal ein besonders starkes Katon.«

Die Erkenntnis traf Tobirama wie einen Schlag. Izuna hatte Recht. Sie hatten sich mokiert, dass ihre Brüder ihnen eine Aufgabe gegeben hatte, die so weit unter ihren Fähigkeiten lag, aber einen Kampf nur um des Kampfes willen zu suchen, half ebenso niemandem.

»Und was schlägst du stattdessen vor?«

»Unser ursprünglicher Auftrag war es, den Hof zu verteidigen. Wie das geschehen soll, war nicht spezifiziert. Also lass sie uns einfach verjagen und dann folgen wir ihnen und schauen, ob wir eine andere Lösung finden.«

»Ich weiß aus Erfahrung, dass die meisten sich von Wölfen verscheuchen lassen, und die, denen das Geheul nicht reicht, geben in der Regel beim Anblick Ōkamis Fersengeld. Du übernimmst die Gruppe hier, Ōkami und ich nehmen uns der anderen an.«

Izuna grinste. »Also erkennst du jetzt doch an, dass ich besser werde.«

Tobirama kniff die Augen zusammen. »Vielleicht kannst du Amateure täuschen, aber mehr auch nicht.«

Ōkami stupste Izuna an. »Du machst das schon sehr gut, Welpe. Los jetzt!«

Sie stoben davon und verteilten sich. Tobirama schickte noch zwei seiner Doppelgänger davon, um einen noch größeren Radius abdecken zu können.

Die Banditen einfach nur zu verschrecken, war keine dauerhafte Lösung. Für den Moment mochte es den Hof sicherer machen, aber sie würden wiederkommen und es erneut versuchen. In ihren Augen hatte Verzweiflung gestanden. Vielleicht würden sie es noch nicht wagen, es mit Ōkami aufzunehmen, aber in ein paar Wochen, wenn der Hunger sie von innen heraus auffraß, würden sie die Fänge der Wölfin allmählich als das kleinere Übel ansehen.

Aber sie einfach zu töten … Nein, das wäre grausam.

Hunger war Tobirama nicht fremd. Die Senju mochten ein wohlhabender Clan sein (und der Krieg hatte einen nicht unbedeutenden Teil dazu beigetragen), doch auch sie waren nicht vor harten Zeiten gefeit. Er wusste, wie es war, aus lauter Verzweiflung Ledersohlen auszukochen und darauf herumzukauen, nur um irgendwie dieser schmerzenden Leere zu entkommen. Diese Art von Verzweiflung ließ Menschen alles andere vergessen, bis ihre Welt nur noch aus dem Verlangen bestand, dem Hunger irgendwie zu entkommen. Und wer konnte es ihnen auch verübeln?

Er stimmte seinen Ruf an und einige hundert Meter östlich und westlich von ihm antworteten sogleich Izuna und Ōkami. Einen Amateur konnte Izuna in der Tat mittlerweile mit Leichtigkeit täuschen; nicht, dass das Tobirama jemals einfach so zugeben würde.

Es hatte den gewünschten Effekt. Die kleine Gruppe Banditen vor ihm zuckte erschrocken zusammen und sah sich sogleich um. Tobirama huschte von einer Position zur nächsten und achtete darauf, vernehmlich im Laub zu rascheln. Er knurrte wölfisch.

In der Ferne heulte Ōkami erneut und ließ ein lautes Kläffen vernehmen.

»Boss, das sind Wölfe«, sagte einer der Männer besorgt.

»Ich weiß«, zischte der Boss, ein großer Kerl mit einer dicken Narbe im Gesicht. »Ich bin nicht taub.«

»Sollten wir nicht besser umkehren?«

»Nee. Das sind nur wilde Viecher.«

Tobirama raschelte erneut.

»Oi! Ich glaub, ich hab da was weißes gesehen!«

»Mach dir nicht in die Hosen.«

»Ja, aber hast du nicht gehört? Dieses Gerücht, das umgeht, von diesem monströsen weißen Wolf?«

In der Ferne bellte Ōkami erneut und aus der anderen Richtung ließ Izuna sein Heulen vernehmen. Der Uchiha verstand schnell, wie das funktionierte. Bald hatten sie sie.

»Und du glaubst auch das mit dem Dämon? Was bist du? Ein Muttersöhnchen?« Aber der Boss klang bei weitem nicht so selbstsicher, wie er gern hätte.

»Aber an den Geschichten ist was dran! Der Wolf wurde schon gesichtet.«

»Von wem?«

»Hab ich so gehört. Neulich in einer Taverne aufgeschnappt.«

Tobirama setzte mit einem erneuten Heulen nach. In dem Moment hörte er Schreie und das Krachen eines großen Astes, als vermutlich Ōkami den Geräuschen nach irgendwo durch das Unterholz brach. Aus ihrer Richtung ließen sich die Geräusche einer Jagd vernehmen, als Menschen schreiend davon rannten und Ōkami ihnen nachsetzte. Tobirama huschte zur nächsten Deckung.

»Mir reicht’s!«, rief einer der Gesetzeslosen. »Ich hau ab!«

»Nichts da!«, rief der Boss, aber die Stimmung war bereits gekippt. Noch war der Hunger also nicht groß genug, um dafür eine Hand oder gar den ganzen Arm und vielleicht sogar das Leben einzubüßen. Die Männer türmten. Tobirama stellte sicher, ihnen vernehmlich nachzustellen, ohne jedoch seine Tarnung aufzugeben.

Bald schon stießen Izuna und Ōkami zu ihm und gemeinsam verfolgten sie die Gruppe eine Weile durch den Wald, bis sie sicher sein konnten, die Banditen vertrieben zu haben. Dann ließen sie sie ziehen.

»Ha! Das war ein Spaß!«, rief Izuna begeistert aus. »Wenn ich nicht das Opfer bin, ist das viel unterhaltsamer.«

Tobirama verdrehte die Augen. Er konnte nicht glauben, dass Izuna sogar neun Tage älter als er sein sollte, so kindisch wie er sich immer benahm.

Ōkami schnaubte und zerwuschelte damit Izuna seine Haare. Nicht dass bei Uchiha-Frisuren überhaupt etwa zu ruinieren war, sie alle verstanden das Konzept von Frisuren nicht. »Gut gemacht, Welpe.«

Izuna grinste selbstgefällig. Tobirama funkelte ihn an.

Nachdem die Banditen Fersengeld gegeben hatten, folgten die drei Jäger ihnen langsamer. Die Spur war deutlich genug und sie hatten keine Eile mehr. Ihr Weg führte sie quer durch eine locker bewaldete Gegend, die alsbald von scharfen Felsgraden durchbrochen wurde. Der Boden stieg allmählich an und mit einem Male ragten steile Felswände um sie herum auf.

Ōkami schnüffelte am Boden und führte sie durch das Felslabyrinth. Teils standen die Wände so nahe beieinander, dass sie sich über ihnen beinahe berührten. Knorrige Bäume ragten über die Schluchten und krallten sich mit ihren Wurzeln in jede noch so kleine Spalte. Izuna führte eine kleine Laterne bei sich, die er mit einem Funken entzündet hatte. Er hielt die Flamme jedoch klein, damit der Lichtschein sie nicht verriet. So reichte es gerade einmal, um den Boden vor ihren Füßen zu erleuchten, aber es war genug.

»Das ist ein gutes Versteck«, sagte Izuna und ließ die Finger über die feuchten, mit Moos bedeckten Wände gleiten. »Erinnert mich an Zuhause.«

»Hast du eine Vorstellung, mit was für einer Sorte Menschen wir es zu tun haben?«, fragte Tobirama.

»Hmm. Deserteure. Kriminelle. Enteignete Bauern. Die Sorte, denke ich.«

Tobirama nickte. »Das ist auch mein Eindruck.«

Menschen, die nichts mehr zu verlieren hatten, denn sie hatten bereits nichts mehr außer ihrem nackten Leben. Manche von ihnen überlebten vielleicht schon seit Jahren in der Wildnis, ohne ein Dach über dem Kopf und immer mit der Ungewissheit, ob sie am nächsten Tag noch genug zu beißen finden würden.

Die Fährte führte sie schließlich zu einer halb offenen Höhle. Die überhängenden Felswände führten hier zusammen und waren nur noch von einzelnen Spalten durchbrochen, die tagsüber etwas Licht hinein lassen würden. Schnell machten sie die Wachen aus, während sie sich selbst verbargen.

Tobirama beobachtete die Wachen, doch diese rührten sich nicht von ihren Posten und Patrouillen schien es ebenfalls nicht zu geben. Also blieb es bei den drei um den Eingang herum. Aus der Höhle heraus vernahm er gedämpfte Stimmen und zu seinem Erstaunen auch einige weibliche Stimmen.

Izuna regte sich. »Sind da noch mehr als die, die wir hierher gejagt haben?«

Tobirama legte die Hand auf den Boden, um auf Nummer sicher zu gehen. »Ich vermute noch einmal etwa zehn Frauen, aber das war es.«

»Eine beachtlich große Gruppe. Da frage ich mich, warum sie noch kein eigenes Dorf gegründet haben. Mit so vielen Leuten würde es sich lohnen, ein paar Hütten zusammenzuzimmern.«

Tobirama zuckte mit den Schultern. »Wer weiß.«

Izuna beobachtete eine Weile den Höhleneingang und die Schatten, die sich hin und wieder dort bewegten. Gelegentlich trugen Gesprächsfetzen zu ihnen hinüber, waren jedoch zu leise, als dass sie verstanden, was dort besprochen wurden.

»Wir sollten näher heran«, wisperte Tobirama.

Izuna legte ihm eine Hand auf seinen Pelz, um ihn aufzuhalten. »Warte, ich habe eine andere Idee.«

Tobirama sah ihn finster an und befreite seinen Pelz. Demonstrativ klopfte er ihn ab.

»Big Bro erwähnte doch mal, dass er und dein irrer Bruder ein Dorf gründen wollten«, sagte Izuna. »Und so ein Dorf braucht mehr als nur Shinobi, sondern auch Zivilisten, die auch diesen ganzen anderen Kram erledigen können.«

»Hashirama ist nicht irre!«, zischte Tobirama.

»Hm, natürlich. Er hat nur ein total verrücktes kekkei genkai, das sonst keiner hat und das ihn irrsinnig stark macht.«

»Und was hat das mit denen da zu tun?«

»Na alles! Sie zu ignorieren und jetzt einfach zu gehen, hilft niemandem. In ein paar Wochen oder vielleicht auch schon ein paar Tagen haben sie es wieder auf Masao-sans Hof abgesehen und das endet auf die eine oder andere Weise blutig, und wenn sie nicht auf den Mistgabeln der Bauern aufgespießt werden, dann erledigt das der Schnee in ein paar Wochen. Wenn wir sie jetzt aber angreifen, dann werden sie ebenso sterben. Wir könnten sie aber auch einfach fragen, ob sie mit uns kommen wollen, und ihnen ehrliche Arbeit anbieten. Das sieht nach einem bunt zusammengewürfelten Haufen aus, die bringen bestimmt alle viele Fähigkeiten mit.«

»Dein Bruder hat selbst gesagt, dass die Idee mit dem Dorf Schwachsinn sei.«

»Ja, jetzt vielleicht. Unsere Clans schauen sich noch immer nicht ohne ein Kunai in der Hand an. Natürlich wird es nicht funktionieren, wenn wir jetzt verlauten lassen, dass wir ab sofort Nachbarn sind. Aber wer weiß, in der Zukunft vielleicht …«

»Ganz recht, in der Zukunft. Bleib auf dem Boden der Tatsachen.«

»Hast du eine andere Idee? Alle Alternativen sind nicht tragbar.«

»Ich versuche nur, realistisch zu denken.«

Dieses Mal war es Izuna, der die Augen verdrehte und mit der Zunge schnalzte. »Du und deine heiß geliebte Rationalität!«

Ōkami stieß sie beide etwas gröber mit der Schnauze an. »Nicht streiten, Welpen.«

Tobirama brummte missmutig.

Ōkami biss ihn mahnend und hob die Lefzen. Natürlich nicht fest genug, um ihn zu verletzten, aber doch fest genug, dass er es merklich spürte. »Dein Wurfbruder hat gute Argumente, du solltest ihnen Gehör schenken.«

»Wurfbruder?«, wiederholte Izuna irritiert. Doch dann breitete sich langsam ein gefährliches Grinsen auf seinen Lippen aus.

Oh nein.

»Ōkami-san, du wirst mir immer sympathischer«, stellte Izuna fest. »Also, ich bin dafür, dass wir denen da ein ordentliches Heim anbieten, Dorf hin oder her. Ein paar Zivilisten haben noch keinem Clan geschadet.«

Tobirama blieb skeptisch. »Und was wird dein Bruder dazu sagen?«

»Wieso meiner?«

Na super. »Bescheuerte Idee.«

»Aber wieso denn? Dein Bruder hat doch diesen Komplex, alles und jeden zu adoptieren. Er wird das sicher ebenso sehen wie ich.«

»Jetzt willst du also Hashiramas gutwillige Natur gegen ihn einsetzen? Nur über meine Leiche!«

Izuna atmete sichtlich durch. »Gleich zünd ich was an und dein Pelz sieht sehr entflammbar aus. Aber bitte, mach einen anderen Vorschlag, wenn du meinst, dass meine Idee nicht funktioniert!«

»Lass meinen Pelz aus der Sache heraus!«, lenkte Tobirama ab.

Izuna grinste und wusste ganz genau, dass er gewonnen hatte. Tobirama musste sich dringend etwas überlegen, um es der Kröte heimzuzahlen.

»Fein. Machen wir es auf deine Weise. Du redest und wenn du es verbockst, war es ganz allein deine Schuld«, grummelte er.

»Ja!« Izuna machte eine triumphierende Geste. »Los, komm!«

Ohne lang zu fackeln verließ er mit erhobenen Händen ihr Versteck. Tobirama seufzte schicksalsergeben und tat es ihm gleich. Ōkami folgte.

Sofort reagierten die Wachen auf sie. Na immerhin taugten sie etwas. Sie spannten die Bögen und riefen ihnen eine Warnung zu. Tobirama sah zu Izuna, doch dieser hatte nicht einmal sein Sharingan bemüht. Ruhig trat er in den Lichtschein, der aus der Höhle fiel, sodass die Männer ihn gut sehen konnten. Ein Pfeil landete vor seinen Füßen im Boden. Er blieb stehen. Die Warnung war deutlich genug.

»Wir wollen nur reden!«, rief Izuna den Wachen zu.

»Wer seid ihr?«, blaffte der, der den Pfeil geschossen hatte. Sonderlich sicher wirkte seine Hand nicht. Izuna hatte Glück gehabt, dass der Pfeil nicht in seinem Fuß gelandet war.

»Die, die angeheuert worden waren, Masao-sans Hof zu bewachen«, erklärte Izuna nicht ohne eine ordentliche Portion Stolz in der Stimme.

Der Schütze lachte trocken auf. »Pah! Zwei Kinder seid ihr.«

»Sicher?« Mit einem selbstgefälligen Grinsen rief Izuna sein Sharingan herbei. Das normale, wohlgemerkt, nicht sein Mangekyō. »Außerdem spricht doch Ōkami-san an unserer Seite für sich, oder?«

»Scheiße! Uchiha!«

»Er. Nicht ich«, stellte Tobirama klar. Dieser Unterschied war wichtig. Nicht dass hier noch irgendwer nur wegen seiner roten Augen dachte, er sei ein Uchiha, so weit kam‘s noch!

Die Wachen schienen das leider überhört zu haben, denn sofort kam Bewegung in sie. Sie stürmten in Richtung des Höhleneingangs, um ihn zu versperren und einer rannte hinein, um die Einwohner zu warnen. Die anderen beiden richteten ihre gespannten Bögen auf die beiden Shinobi, auch wenn ihre Hände sichtlich zitterten. Sie vermieden es, ihnen in die Augen zu sehen, auch wenn sie so wahrscheinlich erst recht nichts treffen würden.

Auch in der Höhle kam Bewegung auf und nur Augenblicke später sahen sie sich beinahe der ganzen Bande gegenüber, die ihnen ihre Waffen entgegen streckten. Auch einige Frauen waren unter ihnen.

Izuna pfiff. »Kein Grund, gleich so einen Aufriss zu machen. Wir wollen nur reden.«

Derjenige, den Tobirama schon vorher als den Anführer der Gruppe ausgemacht hatte, schob sich zwischen seinen Leuten hindurch. »Was habt ihr hier zu suchen? Warum greifen uns Uchiha an?«

»Ich bin kein Uchiha«, zischte Tobirama beleidigt. Selbst ein Blinder konnte das sehen!

»Wie ich bereits sagte, wollen wir nur reden«, wiederholte Izuna. »Kein Angriff. Seht, unsere Hände sind weit weg von unseren Waffen.«

»Hände da behalten, wo ich sie sehen kann, und keine plötzlichen Bewegungen!«, blaffte der Boss. »Das Vieh da rührt auch keinen Muskel!«

»Ich schreibe es der etwas angespannten Situation zu und überhöre großzügig die Beleidigung«, sagte Ōkami gönnerhaft.

Die Männer vor ihnen wichen geschlossen einen Schritt zurück. »Verdammte Ninja und ihr Hexenwerk«, fluchte jemand.

Tobirama musste ein Augenrollen unterdrücken und gab sich Mühe, seine Hände gut sichtbar zu halten. Er wollte das hier nicht eskalieren lassen. Der Rest war Izunas Aufgabe.

»Masao-san wollte, dass wir seinen Hof bewachen«, fuhr Izuna seelenruhig fort. Seine Augen waren wieder schwarz. »Die Aufgabe ist erledigt, ihr habt euch dankenswerterweise davon überzeugen lassen, die Bauern für heute in Frieden zu lassen. Uns war aber von Anfang an klar, dass das keine dauerhafte Lösung wäre. Ich gehe doch recht in der Annahme, dass ihr es wieder versucht hättet. Unser erster Gedanke war, euch zu jagen und zu töten. Aber«, er hob eine Hand, als die Banditen bereits drauf und dran waren, ihn gar nicht erst weitersprechen zu lassen, »wir kamen zu dem Schluss, dass das auch keine Lösung wäre. Und daher wollen wir euch vorschlagen, mit uns zu kommen und euch uns anzuschließen.«

Für einen Moment herrschte irritierte Stille.

Der Boss regte sich als erstes. »Das ist … Warum solltet ihr das tun? Ihr könnt euch denken, wer wir sind. Was wir sind.«

Izuna nickte. »Eben deswegen ja unser Vorschlag. Ich sehe hier vor mir keine gewissenlosen Mörder, sondern in erster Linie verzweifelte Menschen, die genauso leben wollen wie alle anderen auch. Ihr habt Hunger und ihr friert; diese Lumpen da können schließlich kaum wärmen. Im Gegenzug für eure Arbeitskraft, könnten wir euch ein Dach über dem Kopf und regelmäßige und vor allem warme Mahlzeiten anbieten.«

»Warum sollten ausgerechnet Uchiha sich so barmherzig zeigen?« Der Boss kniff misstrauisch die Augen zusammen. »Jeder weiß, dass das ein Clan voller irrer Pyromanen ist.«

So ganz unrecht hatte er da allerdings nicht.

»Dass ich Tobirama auf dem ganzen Weg hierher nicht angesengt habe, widerspricht dem, finde ich.« Izuna schmollte. »Und außerdem, wer spricht denn von Uchiha?«

»Hä?«

Tobirama deutete wortlos auf sein happuri. Wie konnte man nur so blind sein und das eingeritzte Clanwappen immer noch übersehen? Selbst der letzte Idiot musste mittlerweile begriffen haben, dass er kein Uchiha war!

»Hä?«

»Also, es ist so«, setzte Izuna zu einer Erklärung an. »Unsere Brüder sind jetzt die Clanoberhäupter und sie haben beschlossen, den Konflikt zwischen Uchiha und Senju beizulegen. Unsere Clans haben Frieden geschlossen. Ja, das klingt total unglaubwürdig, ich weiß, aber wie ich bereits sagte, ich habe Tobirama immer noch nicht angesengt, obwohl die Versuchung wirklich groß war. Man könnte also sagen, wir kommen im Auftrag unserer Clanoberhäupter und sprechen mit einer gewissen Autorität. Das hier mag vielleicht so im Detail nicht im Vorfeld mit ihnen besprochen worden sein, aber da lässt sich sicher etwas zurecht biegen. Also, was sagt ihr?«

»Jeder weiß, dass die Ninja-Clans seit Generationen im Krieg miteinander sind«, sagte der Boss. »Viele von uns haben deswegen Heim und Hof verloren oder sind aus der regulären Armee desertiert, weil sie nicht mehr von euch abgeschlachtet werden wollten. Man muss kein Experte in Geschichte sein, um zu wissen, dass von all diesen sich bekriegenden Clans die Uchiha und Senju seit jeher die erbittertsten Feinde gewesen waren. Ich glaube euch nicht.«

»Dann solltet ihr vielleicht erst recht mit uns kommen«, schlug Izuna vor. »Damit ihr es mit eigenen Augen sehen könnt. Ich würde es wohl sonst auch nicht glauben, denke ich. Ich muss völlig verrückt sein, mich freiwillig mit Senju abzugeben, aber seht. Hier stehe ich.«

Gemurmel erhob sich unter der Bande. Sie steckten die Köpfe zusammen und tuschelten miteinander. Hin und wieder schielte jemand in Richtung Tobiramas und Izunas.

»Seht, ich weiß, wie schrecklich die Konflikte zwischen unseren Clans gewesen waren und dass manchmal ganze Landstriche verwüstet worden waren in unseren Kämpfen«, fuhr Izuna fort. »Dass es nicht nur für die Clans verheerend war, sondern vor allem auch für Leute wie euch, die damit gar nichts zu schaffen haben und die einfach nur das Pech hatten, zwischen die Fronten zu geraten. Deswegen haben unsere Brüder Frieden miteinander geschlossen. Bis jetzt sind es nur unsere beiden Clans, aber wer weiß.«

Der Boss verschränkte die Arme vor der Brust und musterte sie, als würde er abschätzen, wie hoch das Risiko war, einen Kampf gegen sie zu beginnen. »Ninja wie ihr waren es, die jedem von uns hier alles genommen haben. Ihr macht euren Hokuspokus und schert euch einen feuchten Dreck darum, wer noch alles ins Kreuzfeuer gerät. Und Uchiha und Senju sind die schlimmsten von allen.«

Etwas von Izunas Optimismus schien nun doch einen Dämpfer zu erhalten. Sein Grinsen verschwand. »Genau deswegen wollen wir dem doch ein Ende bereiten. Nicht nur ihr habt unter den Konflikten zu leiden, wir ebenso. Es war Tobiramas Vater, der meine Mutter und drei meiner Brüder ermordet hat, und trotzdem stehen wir jetzt hier vor euch.«

»Süß. Soll ich jetzt Mitleid haben?«

»Nein. Ich meine nur … Ich denke, gemeinsam können wir so viel mehr erreichen. Dem ewigen Kämpfen ein Ende zu setzen, wäre zumindest ein Anfang.«

»Und was sollen wir da schon verändern? Sind wir ehrlich, wir sind ein wild zusammengewürfelter Haufen Aussätziger. Uns will niemand. Es gibt einen Grund, warum wir in der Wildnis hausen.«

»Aber ihr müsst nicht. Nicht mehr jedenfalls.«

Jemand trat an den Boss heran und flüsterte ihm etwas zu. Der Boss antwortete und eine hitzige aber gedämpfte Diskussion begann. Tobirama besah sich die Menschen vor sich. Izunas Worte waren anscheinend nicht völlig auf taube Ohren gestoßen und zumindest einige schienen ernsthaft mit dem Gedanken zu spielen.

Er musste sich eingestehen, dass er sich früher nie groß Gedanken um andere Leute außerhalb seines eigenen Clans gemacht hatte, zu beschäftigt war er mit dem Überleben seiner eigenen Leute und der Sorge um seinen Bruder gewesen. Letzteres mochte vielleicht zumindest in Teilen unbegründet gewesen sein, Hashirama war immer noch Hashirama, aber trotzdem konnte Tobirama sich nicht des Gedankens erwehren, dass sein Bruder am Ende doch nur ein Mensch war.

Es stimmte, was Izuna gesagt hatte. Die Konflikte hatten ganze Landstriche ausradieren können. Selten war in bewohnten Gegenden gekämpft worden, aber es war nicht immer zu vermeiden. Und auch zerstörte Felder konnten für die Bauern, die dort arbeiteten, den Ruin bedeuten.

»Also wie ich das sehe, habt ihr eigentlich nur eine Wahl«, sagte Izuna. »Unsere Aufgabe war es, den Hof zu bewachen, und genau das werden wir tun. Ihr habt keine Chance gegen uns, glaubt mir. Und wenn wir euch nicht erledigen, tut‘s der Winter. Also entweder nehmt ihr mein Angebot an oder sterbt auf die eine oder andere Weise. Ich würde es präferieren, wenn ihr mein Angebot annehmt.«

»Boss, der Junge hat Recht«, sagte einer der Männer. »Jetzt sei ehrlich, das hier ist kein Leben, das ist bloßes Überleben. Jetzt schluck deinen Stolz herunter und nimm an.«

»Wenn‘s der Boss nicht tut, mach ich‘s. Ich komm mit«, sagte jemand anderes.

Ein Raunen ging durch die Gruppe. Mehrere nickten zustimmend und murmelten, dass sie sich ebenfalls anschließen würden. Der Boss kniff die Augen zusammen und wirkte ausgesprochen mies gelaunt, doch auch er musste sehen, dass er die Situation nicht mehr in Händen hielt. Widerwillig nickte er.

»Fein. Aber aus Nächstenliebe macht ihr das garantiert nicht.«

»Nein«, sagte Izuna frei heraus. »Das heißt, Hashirama würde das wahrscheinlich anders sehen, aber er ist nicht hier. Aber ihr könnt mit uns kommen, alles andere werden wir dann sehen. Ich bin froh, dass ihr die Logik seht.«

Und damit war es also beschlossene Sache.

Mit einem triumphierenden Grinsen wandte sich Izuna Tobirama zu. »Siehst du, ich hatte Recht gehabt. Das funktioniert!«

Tobirama verdrehte genervt die Augen und zog es vor zu schweigen.

Im nächsten Kapitel geht es nach Hause und alle sind überrascht mit dem Ergebnis.

Kapitel 4

Ōkamis gleichmäßiger Trott hatte eine einlullende Wirkung auf Izuna, wie es schien. Wie schon auf dem Hinweg saß er hinter Tobirama auf dem Rücken der Wölfin, während diese ruhig ihrem Weg folgte. Dieses Mal waren sie jedoch nicht allein, sondern begleitet von gut dreißig Leuten, die ihnen zwar immer noch nicht gänzlich über den Weg trauten, aber immerhin doch genug, um sich auf ihr Angebot einzulassen. Izuna schien sich daran absolut nicht zu stören, denn er hatte schamlos die Arme um Tobiramas Hüften geschlungen und das Gesicht in dessen Pelz geschmiegt, während er vor sich hin döste.

Warum Tobirama das, wenn auch widerwillig, zuließ, wusste er selbst nicht so recht. So lange der Uchiha ihm den Pelz nicht vollsabberte …

Sie reisten schon einige Tage und heute waren die Temperaturen erstmals so weit gesunken, dass der Schnee nicht nur als matschige, wässrige Pampe liegen blieb. Ein scharfer Wind pfiff und sie hatten sich zusätzliche Felle gegen die Kälte um die Schultern gelegt. Izuna hatte keine Hemmungen, sich dennoch in Tobiramas Pelz zu kuscheln.

»So weich«, nuschelte er. »Wie hast du das angestellt?«

»Siegel«, sagte Tobirama knapp. Natürlich hatte er seinen Pelz mit Siegeln präpariert, wie sonst hätte er all die Kämpfe unbeschadet überstehen und immer noch so makellos sein können?

Eine Weile schwieg Izuna, und Tobirama fragte sich schob, ob er jetzt wirklich eingeschlafen sei. Dann fuhr der Uchiha doch fort: »Was hat es eigentlich mit dem Pelz auf sich? Als wir uns damals auf dem Fluss gegenüber gestanden hatten, hattest du ihn noch nicht gehabt, aber ich habe dich seitdem kein einziges Mal mehr ohne gesehen.«

»Schneefuchs. Ein Andenken«, entgegnete Tobirama.

Izuna fuhr zurück. »Warte. Du meinst das ernst?«

Tobirama warf ihm einen Schulterblick zu. »Ja, natürlich. Was hast du gedacht, was das ist? Dass ich mir aus Schurwolle was zusammengesponnen habe?«

»Nun …«

»Es war Tobi-chans erste Jagd mit dem Rudel«, warf Ōkami ein. »Wir waren hoch in den Norden gezogen und er hatte die Fährte eines Fuchses gefunden. Das Tier war etwas mager, aber es war sein erstes.«

»Du hast den Fuchs gegessen?«, fragte Izuna völlig entgeistert.

»Was? Nein, natürlich nicht!«, fauchte Tobirama zurück. »Was denkst du für einen Blödsinn? Nimm doch nicht alles so wörtlich! Manchmal jagen Wölfe Füchse, das ist nun einmal so. Ich hatte mir lediglich den Pelz genommen, der übrig blieb.«

Izuna schien immer noch nicht überzeugt zu sein. Zumindest hatte es den positiven Nebeneffekt, dass er jetzt endlich wieder von Tobirama wegrückte und ihm nicht mehr sprichwörtlich im Nacken saß.

»Fressen oder gefressen werden«, fügte Ōkami an. »So ist nun einmal der Lauf der Natur. Es verkommt nichts. Was von den Räubern übrig gelassen wird, holen sich kleinere Räuber und Aasfresser. Und selbst, was diese übrig lassen, findet irgendwie seine Verwendung. Auch wenn ihr Menschen manchmal solche Dinge wie Moral oder Sentimentalität empfindet …«

»Ja, ja, ist ja schon gut!«, unterbrach Izuna sie energisch. »Es ist nur, dass … Ach, egal.«

Er sagte nichts mehr dazu und schwieg auch für den Rest des Weges. Tobirama befürwortete das; er hasste sinnlose Gespräche über das Wetter, die nur dazu dienten, die Stille zu füllen. Die Meisten konnten Stille einfach nicht wertschätzen.

Später am Abend, als sie ihr Lager aufschlugen, kam Izuna dennoch noch einmal darauf zu sprechen.

»Sag mal, dieses ganze Gerede von Jagd, was ist da wirklich dran?«

Izuna hatte leise gesprochen, obwohl sie für sich blieben. Die Gruppe, die sie in ihr hoffentlich neues Zuhause führten, hatten in kleinem Abstand zu ihnen ihr Lager aufgeschlagen und sich um mehrere Feuer gedrängt. Izuna hatte ihnen angeboten, ihnen mit dem Entzünden zu helfen, aber sie hatten abgelehnt. Schulterzuckend war er zu seinem eigenen Platz zurückgekehrt und demonstrativ ein besonders großes Lagerfeuer entzündet. Das Holz wäre schneller heruntergebrannt, als ihnen lieb wäre, und Tobirama hatte ihn dafür gescholten; schließlich war Hashirama nicht bei ihnen und er hatte keine Lust, schon wieder Holz sammeln zu gehen.

»Hast du wirklich gedacht, dass ich mit meinen bloßen Zähnen ein Reh erlege oder so?« Tobirama sah ihn scharf an. Dieser Uchiha trieb ihn noch in den Wahnsinn mit seinen verrückten Ideen.

»Keine Ahnung!«, rechtfertigte Izuna sich. »So, wie Ōkami-san davon sprach, erweckte es schon ein wenig den Eindruck, als würdest du genau das tun. Und ganz ehrlich, als wir uns im Wald begegnet waren, da wirkte das schon so ein bisschen, als hättest du mir die Kehle rausbeißen wollen.«

War es wirklich nicht einmal ein viertel Jahr her? So viel war geschehen, so viel hatte sich geändert.

Tobirama verdrehte die Augen. »Für was hältst du mich? Einen Wilden?«

Kleine Flämmchen schienen in Izunas Augen zu brennen, als er eine Grimasse zog. »Hör auf, dich über mich lustig zu machen! Erst erfahre ich am eigenen Leib, dass dein Bruder total schräges Zeug drauf hat und dann freunde ich mich auch noch mit euch Senju an. Wie unwahrscheinlich ist es da, dass du, keine Ahnung, ein halber Wolf bist oder so?«

»Sehr!«

»Und woher soll ich das wissen?«

Ōkami knurrte und hob die Lefzen. »Nicht streiten, Welpen, wie oft denn noch?«

Izuna fuchtelte wild mit den Armen. »Da! Genau das meine ich! Ōkami-san nennt uns die ganze Zeit Welpen und besteht darauf, mir beizubringen, wie man jagt, als wäre ich ein Wolf. Ich bin ein Shinobi

»Das ist nun mal ihre Art zu reden!«, konterte Tobirama. »Wie alle Wölfe will sie ihr Rudel beschützen, denn Rudel heißt Familie. Ich habe keine Mutter mehr, aber ich habe sie. Ist das so schwer zu verstehen?«

Izuna schien erst etwas Hitziges sagen zu wollen, überlegte es sich dann aber doch anders. »Nun ja, eigentlich nicht«, sagte er schließlich, nun schon bedeutend ruhiger. »Es ist, nun ja … gewöhnungsbedürftig. Und so, wie ihr die ganze Zeit geredet habt, erweckte das schon einen gewissen Eindruck.«

Tobirama brummte etwas Unverständliches. Vielleicht hatte Izuna ja nicht ganz Unrecht. Er hatte kaum Erfahrung im Umgang mit Leuten außerhalb des Clans und von den Senju wussten die meisten von seiner Verbindung mit den Wölfen. Da hatte er nie etwas erklären müssen.

»Ich mag dich trotzdem.«

»Was?«

Da Izuna schon wieder sein dämliches Grinsen grinste, schien sein Ärger verfolgen zu sein. »Es erstaunt mich zwar jeden Tag aufs Neue, was für ein schräger Clan ihr Senju seid, aber ich mag dich trotzdem. Vielleicht sogar gerade deswegen.«

Da Tobirama wirklich nicht wusste, was er dazu sagen sollte, entschied er sich, besser gar nicht zu sagen.

Izuna stocherte im Feuer herum. Wie Tobirama vorhergesehen hatte, war die anfänglich hell prasselnde Flamme schon alsbald heruntergebrannt. Er sollte das nächste Mal einfach den Uchiha zum Holz sammeln schicken. Wer es aus Stolz verbockte, sollte es auch wieder ausbaden.

»Sag mal, ich will dich schon eine Weile etwas fragen«, wechselte er das Thema. »Was ist damals bei euch Uchiha passiert? Butsuma und Tajima waren zur gleichen Zeit auf die gleiche Idee gekommen. Ein ziemlich großer Zufall, findest du nicht?«

Izuna stocherte noch intensiver im Feuer herum und wich sehr offensichtlich Tobiramas Blick aus. »Nun, das war wohl ich gewesen. Du wurdest immerhin noch von deinem Vater manipuliert, deinen eigenen Bruder auszuspionieren. Aber ich … Chichi hatte nichts dergleichen gemacht. Ich war einfach nur eifersüchtig.«

»Eifersüchtig?«

»Ja«, sagte Izuna zähneknirschend. »Ich bin echt eine unausstehliche kleine Kröte, was?«

Tobirama runzelte die Stirn. »Warum solltest du das sagen? Denkst du, es ist besser, was ich getan habe?« Und er war auch noch stolz auf die Zurschaustellung seiner Sensorfähigkeiten gewesen und hatte Butsumas Lob genossen …

»Dann sind wir wohl beide unausstehliche kleine Kröten. Wir passen echt gut zusammen.« Izuna lächelte schwach, aber es war eines dieser Lächeln, die seine Augen nicht erreichten. »Irgendwann einmal hatte ich spitz bekommen, dass Big Bro sich heimlich davon schlich, auch wenn ich noch nicht wusste, weshalb oder wohin. Aber ich musste es um jeden Preis herausfinden. Er ist schließlich mein Big Bro und es kann nicht sein, dass er etwas vor mir verbirgt. Als ich ihn zur Rede stellte, speiste er mich mit fadenscheinigen Ausreden ab und da wurde ich erst recht misstrauisch. Ganz ehrlich? Ich fühlte mich verraten. Wir hatten alles miteinander geteilt und waren gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Big Bro hat sich mehr als nur einmal richtig üblen Ärger eingehandelt, nur um mich zu schützen, weil ich mal wieder was angestellt hatte.

Also schlich ich ihm eines Tages nach. Es war schon seltsam, dass er es nicht bemerkte, aber dann entdeckte ich, dass er sich heimlich mit einem anderen Jungen traf. Zumal augenscheinlich ein Shinobi eines anderen Clans! Ich war so schrecklich wütend geworden, dass ich sofort umgekehrt war und chichi alles berichtet hatte. Und nun ja, den Rest kennst du. Big Bro war danach das erste Mal wirklich böse mit mir gewesen. Und ich meine, so richtig! Erst hatte ich nicht verstanden, warum, aber dann hatte ich Angst, dass ich das nie wieder würde gutmachen können. Dass ich es ausgerechnet mit meinem letzten Bruder verbockt hab. Das war ein schreckliches Gefühl, ich will das nie wieder haben. Du verstehst das sicher.«

Tobirama nickte. Er verstand sehr gut. Er hatte sich elendig gefühlt, förmlich erdrückt von einem Sturm aus Gefühlen bestehend aus Wut, Eifersucht, Einsamkeit, Furcht und einer Menge mehr, für das er keine Worte hatte. Es war furchtbar gewesen. Nie wieder. Er würde Hashirama beschützen, um jeden Preis. Er wollte nicht noch einmal fürchten müssen, für immer allein in der Welt sein zu müssen.

»Tobirama-kun?«

»Hm?«

»Kann ich dir noch was sagen?«

»Sicher kannst du. Ich kann dich eh nicht davon abhalten.«

Izuna warf ihm einen pikierten Blick zu. »Kannst du wenigstens einmal was nettes sagen?«

Tobirama setzte schon zu einer empörten Antwort an, hielt dann jedoch inne. Ōkami musterte ihn mit ihren goldenen Augen. Dann schloss sie sie langsam; ihre Form der stummen Zustimmung. »Ich … bin nicht so gut im Umgang mit Menschen.«

Izuna lächelte auf eine Weise, die Tobirama beinahe als schüchtern bezeichnet hätte. »Aber du kannst gut zuhören. Das geht schon klar.«

Also schwieg Tobirama und warte auf was auch immer Izuna ihm erzählen wollte.

»Du hast doch immer wieder nach unserem Mangekyō gefragt und bisher wollte ich darüber nichts sagen, weil … Nun ja, du weißt schon. Aber vielleicht hilft es mir und du hast was, worüber du nachdenken kannst.«

Izuna setzte sich anders hin und schmiegte sich in Ōkamis Fell. Er hatte sich augenscheinlich schnell an sie gewöhnt, wenn er bereits jetzt ihre Nähe suchte. Dann fuhr er fort. »Du weißt von den generellen Fähigkeiten den normalen Sharingan. Bedeutend mehr sogar als die meisten anderen nicht-Uchiha, schätz dich glücklich. Und Madara hat auch erzählt, was es mit dem Mangekyō Sharingan auf sich hat. Während das normale Sharingan allgemein von starken Emotionen geweckt wird, vermuten wir, dass das Mangekyō direkt mit dem Verlust einer geliebten Person in Verbindung steht.«

»Ihr vermutet?«, fragte Tobirama dann doch nach.

»Ja. Vieles ist uns noch unklar. Es gibt da diese Steintafel, die seit vielen Generationen vom Clan gehütet wird und die eine ganze Menge über das Sharingan erzählt. Aber sie ist verschlüsselt. Was echt dämlich ist, weil sie zugleich auch eine Warnung ausspricht. Wer auch immer sie geschrieben hat, hat das nicht bis zum Ende durchdacht.«

Ja, das war wirklich dämlich. »Wovor gewarnt wird, wisst ihr nicht?«

»Nein. Madara vermutet, dass es mit der Augenstärke zu tun hat. Dass es gefährlich sei, wenn sie zu stark werden. Aber nur mit besonders starken Augen kann man die Tafel überhaupt lesen. Da wir jetzt zwar mehr lesen können, aber noch immer nicht alles, ist die logische Schlussfolgerung, dass es etwas noch stärkeres als das Mangekyō gibt. Was echt gruselig ist, weil das Mangekyō bereits irrsinnig stark ist.«

»Und du sagst, ihr seid die ersten, die es erlangt haben?«

»Ja.«

»Wie kann das sein? Ihr seid mit Sicherheit nicht die ersten, die eine nahestehende Person verloren haben.«

Izuna zuckte mit den Schultern. »Ich sag ja, die ganze Sache wirkt ziemlich halbgar. So weit wir das bisher hatten entziffern können, muss man laut Tafel einen Freund oder nahen Verwandten töten, um das Mangekyō zu erlangen.« Er deutete auf seine eigenen Augen. »Das ist offensichtlich nicht die ganze Wahrheit. Vielleicht reicht es ja, wenn man irgendwie im Tod der Person involviert ist oder man den Verlust mit ansehen muss. Wir wissen es nicht.

Das Mangekyō hat neben all der normalen Fähigkeiten des Sharingan noch einige einmalige Fähigkeiten. Von Susanoo weißt du bereits. Ein passiver Effekt ist außerdem, dass ich Bewegungen viel besser sehen und entsprechend darauf reagieren kann. Zukünftige Duelle werden spannend. Du musst dir was überlegen, wenn du da noch mithalten willst

Tobirama kniff die Augen zusammen. Darauf konnte die selbstgefällige kleine Kröte Gift nehmen.

»Viele der weiteren Eigenschaften scheinen individuell zu sein und mit dem Umstand zusammenzuhängen, wie das Mangekyō erworben wurde. Manche Eigenschaften scheinen sich sogar nur in einem Auge zu manifestieren und nicht in beiden«, fuhr Izuna fort.

Das wiederum warf eine Menge Fragen auf. Tobirama runzelte die Stirn. »Ihr seid sicher, das ihr die ersten seid, die diese Augen haben?«

Izuna lachte freudlos auf. »Ich sehe, wir haben denselben Gedanken. Der Clan hat keine weitere Aufzeichnungen als diese Steintafel über das Mangekyō. Das ist unsere einzige Quelle. Aber irgendwer muss bereits vor uns entdeckt haben, dass sich das Sharingan weiterentwickeln lässt, ansonsten wäre all das niemals niedergeschrieben worden. Aber wer auch immer es war, er geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Warum auch immer.«

Geschichte war nicht Tobiramas bevorzugtes Forschungsfeld, aber das wäre sicher eine Ausnahme wert. Das hieß, wenn die Uchiha ihn ließen. Izuna redete zwar frei heraus über all das, aber trotzdem würde er sicher nicht einfach so in die Archive des Clans spazieren können. Vor allem jetzt noch nicht.

»Was können du und Madara mit euren Augen anstellen?«, fragte Tobirama stattdessen.

»Wir haben beide dieselbe Fähigkeit«, sagte Izuna und war sichtlich bemüht darum, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. »Wir können das Hirn unseres Gegners sprichwörtlich zu Brei verarbeiten und sie als sabbernde Idioten zurücklassen.«

»Das heißt?«

Izuna schluckte schwer. »Chichi ist … war paranoid, das weißt du. Als mir irgendwann klar geworden war, wie schlimm es war, wollte ich nichts anderes, als ihm klar zu machen, wie falsch er lag und dass er seinen Söhnen nicht misstrauen muss. Manchmal war der Wunsch, auf ihn Einfluss zu nehmen, so stark, dass ich mir vorstellte, direkt auf seine Gedanken einzuwirken und sie umzuschreiben. Das kann ich jetzt tatsächlich. Nur dass es das Hirn meines Gegners sprichwörtlich frittiert und ihm die Synapsen durchschmoren. Menschliche Gehirne sind augenscheinlich nicht darauf ausgelegt, völlig neu strukturiert zu werden, als wären sie Ton.«

Die Art und Weise, wie Izuna darüber sprach, bereitete Tobirama zugegebenermaßen Sorge. So … salopp, als würde er sich gekünstelt lässig geben, um darüber hinweg zu täuschen, wie nahe ihm das wirklich ging.

Andererseits, wie würde es Tobirama gehen, wäre er an Izunas Stelle? Er musste sich eingestehen, dass er sich nur schwer in die Lage seines Freundes hineinversetzen konnte. Vielleicht hing es ja damit zusammen, dass er eigentlich ganz froh war, Butsuma loszusein? Wenn er dafür auch noch besonders starke Fähigkeiten erhalten hätte, hätte er es vielleicht sogar willkommen geheißen. Izuna hingegen schienen sie sogar zuwider zu sein, es wirkte, als habe er Schwierigkeiten, sie und ihre besondere Natur zu akzeptieren.

Zum wiederholten Male wünschte er sich Hashirama herbei. Sein Bruder war so viel besser mit diesem ganzen emotionalen Kram.

Und dann, völlig zusammenhangslos, ging ihm auf, dass er gerade das erste Mal von Izuna als seinem Freund gedacht hatte. Es wurde immer besser …

»Du stellst erstaunlich wenige Fragen«, stellte Izuna fest.

Tobirama hob eine Braue. »Du hast gesagt, du willst jemanden zum Zuhören.«

Izuna lachte verlegen auf. »Punkt für dich. Es erstaunte mich nur, weil das dir nicht ähnlich sieht.«

Izuna sollte sich vielleicht einmal entscheiden, was er wollte. Tobirama wusste schon, warum er so wenig mit Menschen zu schaffen hatte. Es konnte anstrengend werden.

Doch die Stunde war bereits fortgeschritten und am nächsten Tag wollten sie früh aufbrechen. Also schlangen sie die Felle fest um sich, schmiegten sich an Ōkami und hofften, dass kein allzu kalter Wind in der Nacht blies oder noch mehr Schnee fallen würde. Auf letzteres hofften sie vergebens, und am nächsten Morgen musste Tobirama eine ganze Menge Schnee aus seinem Fell klopfen. Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder Wärme in seine Finger bekam, und die ganze Zeit über war er missmutig gelaunt. Es wurde nicht besser durch Izunas spitze Bemerkungen ob seiner Stimmung. Als Shinobi waren sie es gewohnt, Entbehrungen in Kauf zu nehmen, aber das hieß noch lange nicht, dass er sich gerne die Extremitäten abfror. Höchste Zeit also, dass sie wieder nach Hause kamen.

Die Stimmung unter ihren Begleitern war angespannt, weniger wegen des Wetters und mehr ob des nahenden Zieles. Tadashi, der Boss der Bande, fragte Tobirama und Izuna während ihres Marsches immer wieder aus. Anscheinend wollte er nicht so wirklich glauben, dass ihre Clans wirklich Frieden miteinander geschlossen hatten, und wollte seine Leute auf jeden Fall in guten Händen wissen. Irgendwie verständlich, aber nach dem fünften Mal fing es an zu nerven. Irgendwann überließ Tobirama es einfach Izuna, dem Mann zu antworten.

Irgendwann deutete Izuna aufgeregt zum Himmel. Tobirama folgte seinem Fingerzeig und erblickte hoch hoben einen Falken.

»Big Bro hält nach uns Ausschau! Na, der wird staunen!«

Ōkami reckte den Kopf gen Himmel und heulte, um ihr Kommen anzukündigen. Der Ton trug weit über das offene, verschneite Feld hinaus.

Wie sich herausstellte, hatten Hashirama und Madara das provisorische Lager am Rand beider Clangebiete erhalten, Hashirama hatte sogar eine einfache Hütte anstelle des eilig aufgestellten Zeltes wachsen lassen. Das erstaunte Tobirama durchaus, denn noch immer war Mokuton nicht über die Clangrenzen hinaus bekannt und sie hatten auch nicht darüber gesprochen, das zu ändern.

Wie zu erwarten gewesen standen sich beide Clans noch immer misstrauisch gegenüber. Allerdings hatten sie gemein, dass sich alle erstaunt zeigten, als Tobirama und Izuna mit ihrer kleinen Gefolgschaft eintrafen. Hashiramas und Madaras Reaktion fiel ebenfalls erwartbar aus. Madara sah ihnen mit Skepsis entgegen, während Hashirama schon wieder Feuer und Flamme war, bevor er überhaupt wusste, was es mit der ganzen Sache auf sich hatte.

Izuna sprang von Ōkamis Rücken und eilte ihren älteren Brüdern entgegen. »Schaut, wir haben eine Überraschung mitgebracht!«

»Sehe ich«, sagte Madara trocken und gestikulierte wage in Richtung der Leute hinter ihnen. »Was soll das sein?«

Tadashi trat vor und drückte die Schultern durch. »Uns wurde ehrliche Arbeit und ein Dach über dem Kopf versprochen.«

»Kein Problem!«, rief Hashirama sogleich aus. »Da lässt sich sicher etwas einrichten.«

»Anija!«, fauchte Tobirama. »Immer eins nach dem anderen.« Grundgütiger, warum musste er mit solchen Kindsköpfen geschlagen sein? »Außerdem ist mir kalt und ich habe Hunger; der Weg war lang.«

Das ließ sich Hashirama nicht zweimal sagen. Rasch wurde für die Neuankömmlinge gesorgt und sie geleiteten Tadashi in die Hütte hinein. Kurz darauf hielten sie alle drei je eine Schüssel mit warmer dampfender Suppe in Händen und schlürften sie eifrig. Hashirama und Madara knieten ihnen gegenüber an einem niedrigen Tisch und warteten, bis sie aufgegessen hatten.

»Also«, begann Izuna schließlich und stellte bedächtig seine Schüssel ab. »Auftrag erfüllt und alles lief glatt, wenn auch mit einem etwas unerwarteten Ergebnis.«

»Ach«, sagte Madara nur.

Tobirama überließ es Izuna, den Bericht abzuliefern, immerhin war es dessen Idee gewesen, die Sache auf diese Weise zu lösen. Hashirama hörte mit sichtlich wachsender Begeisterung zu und Tadashi machte ein finsteres Gesicht. Von Zeit zu Zeit machte er einen Einwurf, wenn Izuna etwas sagte, das ihm nicht zu passen schien.

Als sie geendet waren, herrschte für einen Moment nachdenkliche Stille.

»Also von meiner Seite aus spricht nichts dagegen, euch in den Clan zu integrieren«, brach Hashirama die Stille. »Ihr seid zwar keine Shinobi, aber ich hatte da ohnehin eine Idee.«

Tobirama hob lediglich eine Augenbraue.

Izuna grinste triumphierend, als sein Plan aufging, und stieß Tobirama einen spitzen Ellbogen in die Rippen. »Siehst du, Bruder, ich hatte Recht.«

Madara verschluckte sich beinahe an dem Tee, den er sich organisiert hatte. Tobirama bereute es bitterlich, Izuna nicht schon längst im Schlaf stranguliert zu haben.

»Was soll das bitte schön heißen? Bruder?!«, zischte Madara.

»War nicht meine Idee!«, rechtfertigte sich Tobirama sofort und hob in einer abwehrenden Geste die Hände.

»Na ja, das mit euch macht uns doch quasi zu Verwandten«, sagte Izuna. »Und Ōkami-san hatte uns das eine Mal Wurfgeschwister genannt – auch wenn es manchmal echt schräg ist, wie sie redet. Da dachte ich, das wäre nur passend.«

Hashirama zupfte Madara am Ärmel. »Er hat Recht. Ist das nicht niedlich?«

Tobirama legte das finsterste Gesicht auf, zu dem er fähig war.

Madara musste sichtlich an sich halten, um nichts anzuzünden. »Wenn man einmal nicht aufpasst«, murmelte er. Dann wandte er sich an Tadashi. »Und warum genau denkt ihr, wir würden euch aufnehmen wollen? Jetzt im Winter, wo die Clans schon genug mit sich selbst zu schaffen haben.«

Man musste Tadashi zugute halten, dass er Madaras Blick standhielt. »Als hätten wir eine Wahl gehabt. Ich hatte wirklich keine Lust gehabt, wie eine lästige Fliege zerquetscht zu werden, glaubt mir, ansonsten würde ich mich niemals freiwillig mit euresgleichen abgeben. Es hieß, hier könnten wir uns nützlich machen im Gegenzug für ein Dach über dem Kopf. Durchgefroren und hungrig ist man doch irgendwann bereit, die eigenen Moralvorstellungen noch einmal zu überdenken.«

Madara sah ihn eigen Augenblick mit erstarrter Mine an. »Das ist die lausigste Bewerbung, die mir je untergekommen ist.«

»Mir ist es gleich«, sagte Hashirama. »Ihr sucht Hilfe und ihr sollt sie bekommen. Wie ich bereits sagte, schwebt mir da sogar schon etwas vor. Denn ich will meine Fähigkeiten nicht mehr verbergen müssen und mir daher einen lang gehegten Wunsch erfüllen, ein Krankenhaus zu bauen. Ein paar helfende Hände sind da auf jeden Fall sehr praktisch.«

Tobirama blinzelte. »Du willst was?« Ja, in der Tat. Wenn man einmal kurz nicht aufpasste, dann passierte so etwas.

Hashirama machte eine ausladende Geste. »Ich will mein Mokuton nicht mehr geheim halten. Die Geschichte mit dem Dämon funktioniert jetzt ohnehin nicht mehr, und ich glaube auch nicht, dass wir sie überhaupt noch brauchen, jetzt wo wir Frieden mit unseren alten Feinden geschlossen haben. Ich will meine Fähigkeiten nutzen, um anderen zu helfen, aber ich kann das nicht allein. Ich hatte schon überlegt, andere Shinobi zu iryo-nin auszubilden und ihnen beizubringen, was ich weiß, aber zivile Ärzte zu haben, ist sicher auch von Vorteil. Das heißt, wenn das was für euch wäre.«

Tadashi zuckte mit den Schultern. »Ein paar von uns wissen das eine oder andere und zimmern können auch einige. Eine Arbeit so gut wie jede andere auch.«

Tobirama war sich nicht sicher, ob es so eine gute Idee war, die Existenz von Hashiramas Mokuton in der weiten Welt herumzuposaunen, aber so, wie es aussah, wussten die Uchiha bereits davon. Das hieß, dass sie es jetzt sowieso nicht mehr würden geheim halten können. Und ohne Hashirama, der nun mit seinen Pflichten als Clanführer eingebunden war, würde ihre Masche mit dem Dämon ohnehin nicht mehr funktionieren.

Trotzdem. Was wäre, wenn irgendwer versuchen sollte, Hashiramas kekkei genkai zu stehlen? Augendiebstahl war immerhin ein großes Problem für die Uchiha, und Mokuton war, wenn auch kein dōjutsu, doch auf seine Weise eine mächtige Waffe, die viele Begehrlichkeiten wecken konnte. Er würde aufpassen müssen. Rückgängig machen konnte er Hashiramas Entscheidung ohnehin nicht mehr, also konnte er nur abwarten, wie sich die Dinge nun entwickeln würden.

»Fein«, sagte Madara desinteressiert. »Dann sind diese Vagabunden jetzt euer Problem. Soll mir recht sein.«

Hashirama strahlte. »Das wird alles ganz wunderbar!«

Wenn ich OCs einen Namen gebe, geschieht das in der Regel nicht wahllos. So auch im Falle Tadashis. Denn vor langer Zeit fing ich einmal einen Fantasy Roman an zu schreiben, dessen Protagonist Tadashi heißt. Ich hab den leider nie beendet (würde aber) und dachte mir, dass ich hier so eine kleine Reminiszens reinpacke. Das letzte Kapitel ist quasi der Abspann, das "Wie geht es weiter" im Zeitraffer.
Die letzten beiden Kapitel sind eines, ich habe es nur aufgrund der Länge von etwa 9k geteilt.

Tobirama erstaunte sich selbst, als er schon alsbald seine Reise mit Izuna zu vermissen begann. Da hatte er wenigstens nur mit einem Kindskopf zu tun gehabt und nicht mit einem Kindskopf und zwei Clans, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit giftige Blicke zuwarfen. Und manchmal nicht nur das. Der Waffenstillstand war zwar offensichtlich von beiden Seiten akzeptiert worden, aber unter der Oberfläche brodelte es.

Beide Clans waren kampfesmüde und ausgelaugt von zu vielen Verlusten. Gleichzeitig konnten sie aber auch nicht vergessen, wer ihre Freunde und Verwandten getötet hatte. Die meisten bemühten sich zumindest, ihre tief verwurzelte Feindschaft hinunterzuschlucken und den anderen Clan wenn schon nicht zu akzeptieren, so zumindest doch zu tolerieren. Doch kein Anführer hatte jemals die absolute Unterstützung aller Gefolgsleute gehabt und so gab es natürlich auf beiden Seiten doch einige, die mit dem neuen Kurs nicht zufrieden waren. Die es noch immer nach Blut verlangte und die im Gegenzug zu manch anderem auch nicht davor zurückschreckten, das offen anzusprechen.

Hashirama und Madara hielten ihre Liebelei noch geheim, weil sie zu Recht annahmen, dass es dafür noch zu früh wäre, damit offen umzugehen. Ebenso warnte Tobirama vor den aufrührerischen Elementen ihrer Clans. Sie mussten den Gegenwind möglichst gering halten und ihm gar nicht erst die Gelegenheit geben, an Kraft zu gewinnen. Also präsentierten sie nach außen hin eine Einheit, um zu zeigen, dass Uchiha und Senju erfolgreich zusammenarbeiten konnten. Tobiramas und Izunas Mission hatte da bereits ein gutes Beispiel abgegeben.

Ihnen war bewusst gewesen, dass alle dem Ergebnis der Mission gespannt entgegen gesehen hatten – und wahrscheinlich hatten auch ein paar darauf gewartet, das nur einer von ihnen zurückkehren würde mit dem Blut des anderen an den Händen. Der tatsächliche Ausgang hatte alle erstaunt. Hashiramas Entscheidung, Tadashis Bande aufzunehmen, stieß auf einigen Widerstand, als nicht alle Senju sich damit einverstanden zeigten. Tobirama hatte alle Hände voll zu tun, seinen Bruder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und seinen Enthusiasmus zu dämpfen, während er gleichzeitig zwischen ihnen und den unzufriedenen Clanmitgliedern vermittelte. Schlussendlich einigten sie sich darauf, dass Tadashis Leute vorerst geduldet wurden, solange sie ihren Wert bewiesen. Tobirama war bewusst, dass sein Bruder es niemals übers Herz bringen würde, die Zivilisten jetzt wieder davonzujagen, aber darum konnte er sich sorgen, wenn es so weit kommen sollte.

Zusammen mit Izuna machte er es sich zur Aufgabe, auch zwischen ihren Clans zu vermitteln. Ihre Brüder mochten die Anführer sein, aber sie konnten nicht immer und überall zur gleichen Zeit sein. Das hieß also auch, auch einmal einen Blick in die Schatten zu werfen und auf das zu lauschen, was ihre Clans wisperten, wenn sie sich unbeobachtet meinten. Auch Tōka und Hikaku schlossen sich ihnen an, während auch sie sich gleichzeitig möglichst häufig zusammen zeigten. Es dauerte einige Wochen, doch allmählich zeigten ihre Bemühungen Wirkung, als die Clans sich langsam doch anzunähern begannen und einander nicht mehr ausschließlich mit tiefsten Misstrauen begegneten.

Die Enthüllung von Hashiramas kekkei genkai hatte anscheinend unter den Uchiha für einiges Aufregen gesorgt, vor allem in Anbetracht dessen, wie er es getan hatte: indem er einfach vor den Augen aller die Hütte hatte wachsen lassen. Für Vertrauen hatte das nicht gerade gesorgt, auch dann nicht, als Hashirama angeboten hatte, alle Verletzten, die die Uchiha derzeit hatten, zu heilen. Niemand hatte das Angebot angenommen, vielmehr hatte ihm das etliche misstrauische Blicke eingebracht.

Natürlich kannten die Uchiha die Geschichten vom Dämon aus den Wäldern und natürlich konnten sie eins und eins zusammenzählen. Izuna berichtete alsbald, dass Gerüchte unter seinen Leuten aufkamen, die unangenehm nah an der Wahrheit waren. Es gab genug Leute, die wussten, dass Tajima zuletzt seine Söhne damit beauftragt hatte, das Geheimnis um den Dämon zu lüften, und ebenso war bekannt, dass deren Suche angeblich nicht von Erfolg gekrönt war. Und jetzt war Tajima tot und Madara erklärte den Frieden mit den Senju. Es gab einige, die gern einmal eine Verschwörungstheorie witterten, wo keine war, und Verbindungen sehen wollten, die (vorgeblich) nicht existierten.

Sie bemühten sich, die Stimmen zu stärken, die das alles als Zufall abtaten, und Hashirama war bestrebt, allen zu beweisen, dass seine Fähigkeiten nicht nur eine mächtige Waffe waren, sondern auch ein nützliches Werkzeug. Im Winter einen quasi unendlichen Vorrat an Feuerholz produzieren zu können, spielte ihm da natürlich in die Hände. Es dauerte dennoch lange, bis der erste Uchiha zu ihm kam, um eine Verletzung heilen zu lassen. Dieser Schritt war ein großer Vertrauensbeweis, immerhin begab sich dieser Shinobi damit in eine äußerst verletzliche Lage, die ihn vollkommen abhängig von Hashiramas Gutwillen machte. Umso begeisterter war Hashirama, als der Mann auf ihn zu trat.

Obwohl Winter war, gingen Tobirama und Izuna noch einige Male mehr auf Missionen. Winter mochte eine Ruhezeit sein, in denen sich die Clans zurückzogen. Dennoch gab es auch jetzt noch immer einiges für sie zu tun, und Tobirama und Izuna zogen so oft, es ging, gemeinsam aus. Eine einzige Mission bewies immerhin noch lange nichts, zumal eine, die auf so unerwartete Weise geendet war.

Izuna erwies sich trotz seiner kindischen Art als ausgesprochen fähiger Shinobi, wie Tobirama irgendwann dann doch offen zugab. Er bereute es sofort, denn natürlich zog Izuna ihn deswegen auf Tage hinaus auf. Trotzdem stellten sie sich als effektives Team heraus, das mit beachtlicher Effizient alles erledige, was ihnen aufgetragen wurde oder sie sich selbst auferlegten. Effizient genug, dass selbst ihre Brüder irgendwann zugeben mussten, dass der ganze Kinderkram, den sie ihnen überließ, unter ihren Fähigkeiten lag.

Dennoch bemerkte Tobirama so einige Male den einen oder anderen Greifvogel am Himmel und auch Ōkami bestand fast jedes Mal darauf, sie zu begleiten.

Der Frühling kam und mit ihm eine bessere Auftragslage. Jetzt waren es nicht mehr nur Tobirama, Izuna, Tōka und Hikaku, die gemeinsam auszogen, sondern Hashirama und Madara gingen behutsam dazu über, auch andere ihrer Clans auf gemeinsame Missionen zu schicken. Sie wählten die entsprechenden Shinobi sorgsam aus, und auch wenn Tobirama die ersten Male etwas nervös war, so ging es doch die allermeiste Zeit gut aus.

Mittlerweile hatte sich die Waffenruhe beider Clans, die allmählich zu einem Bündnis anwuchs, herumgesprochen und andere Clans reagierten entsprechend. Die meisten begnügten sich vorerst damit, die Entwicklung aus vorsichtiger Entfernung misstrauisch zu beäugen. Ein Bündnis zweier mächtiger Clans drohte immerhin das Kräfteverhältnis zu verschieben, wo vorher jeder Clan sich selbst der nächste gewesen war mit dem einen oder anderen sporadischen Bündnis, das ebenso schnell wieder aufgelöst werden konnte, wie es geschlossen worden war. Manche jedoch zeigten offen ihr Missfallen.

Unter jenen waren die Hagoromo die lauteste Stimme. Zuletzt hatten sie mit den Uchiha ein lockeres Bündnis gehegt, das in erster Linie ein Nichtangriffspakt gewesen war und nur gelegentlich aus gemeinsamen Kämpfen Seite an Seite bestanden hatte. Dennoch missfiel es ihnen, dass sich Uchiha und Senju nun zusammengetan hatten, und werteten das als Verrat an ihrem Bündnis.

Madara erhielt einige wütende Botschaften von den Hagoromo, tat sie jedoch alle mit einem arroganten Schulterzucken ab. Tobirama mahnte dennoch zur Vorsicht, während Hashirama natürlich sogleich vorschlug, sie könnten den Hagoromo ja ebenfalls ein Bündnis anbieten.

Der Frühling ging und der Sommer kam und die Zusammenarbeit beider Clans begann allmählich, immer besser zu verlaufen. Schon längst waren ihnen die jeweils anderen Siedlungsorte kein Geheimnis mehr und nicht mehr nur Hashirama und Madara waren bereits beim jeweils anderen Clan zu Gast gewesen. Dennoch überraschte es sie, als auf einmal Tōka und Hikaku verkündeten, sie wollten heiraten.

Das hatte einige Aufregung und eine ganze Menge Diskussionen zur Folge. Die Clans duldeten sich zwar mittlerweile, aber alte Feindschaften waren noch immer nicht vollkommen vergessen und Freundschaften zwischen Uchiha und Senju konnten sie an einer Hand abzählen. Aber so weit zu gehen und zwei Clanmitglieder miteinander verheiraten? Der Aufschrei war groß.

Natürlich hatten die Clans auch in der Vergangenheit schon fremdes Blut in die eigenen Reihen gelassen, um die Stärke des Clans aufzufrischen, doch noch nie hatte es sich dabei um einstige Erzfeinde gehandelt. Und dann begannen die Diskussionen um profane Nichtigkeiten.

Wie sich herausstellte, unterschieden sich die Heiratstraditionen von Senju und Uchiha in einigen Punkten. In Tobiramas Augen handelte es sich dabei um Nichtigkeiten, aber wenn er sich so manch anderen im Clan ansah, konnte er den Eindruck gewinnen, als würde die Welt untergehen, wenn diese Traditionen nicht gewahrt werden würden. Natürlich waren sie nur ein vorgeschobener Grund, um nicht offen zugeben zu müssen, dass man wollte, dass der eigene Clan in der ganzen Sache die Oberhand behalten würde.

Dann begannen die Diskussionen darum, wo die Hochzeit abgehalten werden sollte und wer am Ende wohin ziehen würde. Die Senju wollten eine so fähige Kunoichi wie Tōka nicht hergeben und die Uchiha konnten es auf gar keinen Fall erlauben, dass eines ihrer stärksten Sharingan den Clan verließ.

»Tja, wie es aussieht, müssen wir am Ende doch ein Dorf bauen, nur damit keiner sagen kann, wir hätten dem anderen etwa weggenommen«, scherzte Hashirama.

»Sicher, und das machen wir einfach so. Ganz spontan.« Madaras Stimme tropfte vor Sarkasmus.

Ein schelmisches Glitzern schlich sich in Hashiramas Augen. »Ich habe vielleicht eine bessere Idee. Wir geben Tōka her, immerhin ein wirklich heroisches Opfer, das wir erbringen würden. Und dafür heiratest du mich.«

»Untersteh dich!«, fauchte Madara und stürzte sich auf Hashirama. »Du wirst mich niemals in so ein albernes Kostüm stecken!«

»Tobirama-kun, willst du mich heiraten?«, quäkte Izuna dazwischen.

»Was?«, krächzte Tobirama völlig überrumpelt. Bis jetzt hatte er das übliche Gezänk ihrer Brüder stoisch ertragen. Aber das hatte ihn völlig aus der Kalten heraus erwischt. »Was für ein Blödsinn!«

Izuna schmollte. »Aber warum denn nicht? Ich will einen shiromuku tragen, aber dafür brauche ich jemanden, der mich heiratet.«

Tobirama knurrte ihn an. Er hätte diesen kleinen Scheißer wirklich schon vor langer Zeit erwürgen sollen!

Damit war dieses Thema vorerst beendet. Tōka und Hikaku scherten sich wenig um die Kontroverse, die ihre Verlautbarung ausgelöst hatten, und machten einfach ihr eigenes Ding. Einige Wochen später verkündeten sie ganz spontan, dass sie jetzt verheiratet wären und Hikaku zu Tōka ziehen würde, um mit ihr Genjutsus zu erforschen, die, so betonten sie ganz besonders nachdrücklich, beiden Clans zugute kommen würden. Natürlich löste auch das wieder einen Aufschrei aus, aber das war ihnen egal. Die Clans waren vor vollendete Tatsachen gestellt worden und hatten damit jetzt umzugehen.

Hashirama und Madara waren von Anfang an hinter den beiden gestanden und hatten sie in dieser Angelegenheit vollstens unterstützt. Hashirama war vor lauter Freude gar kaum noch zu zügeln. Die erste Hochzeit zwischen Senju und Uchiha, was für eine Sensation! Dennoch sah Tobirama die kleinen betrübten Blicke in Richtung Madaras, die von Hashiramas Wunsch sprachen, seine eigene Liebe offen zeigen zu können. Sie waren eben nicht nur Verbündete, nicht nur Freunde. Doch dafür war die Zeit noch nicht reif. Noch war nicht genug Gras über die Sache mit ihren Väter gewachsen.

Die ganze Diskussion um die Hochzeit ging größtenteils an Tobirama vorbei. Sollten sich doch die Klatschweiber die Mäuler zerreißen, er hatte wichtigeres zu tun. Izuna sah das anders und verwickelte Tobirama immer wieder in belanglose Gespräche.

»Du weißt, wir haben immer noch nicht geklärt, ob ich in einem susohiki gut aussehe«, flötete die kleine Kröte und klimperte liebenswürdig mit den Augen.

Tobirama verdrehte die Augen. »Belästige deinen Bruder.«

»Der ist mit deinem Bruder zu Gange.« Izuna grinste unangenehm wissend.

Wenn Izuna deswegen jetzt Tobirama auf die Pelle rückte, würde sich das in der Tat noch zu einem Problem ausweiten können. »Und was lässt dich vermuten, ich wäre stattdessen dafür die richtige Adresse?«

»Ich schätze deine Meinung eben.«

»Du brauchst wirklich ein anderes Hobby, wenn dir langweilig wird, sobald dein Bruder dich nicht mehr bespaßt.«

»Mir ist nicht langweilig! Komm schon, Tobirama-kun. Tu wenigstens so, als würde dich das interessieren.«

Tobirama seufzte genervt. »Und wo willst du so ein Teil auftreiben? Die sind sündhaft teuer.«

»Alternativ könntest du mich heiraten und ich könnte einen shiromuku tragen. Damit würde ich mich auch zufrieden geben. Tōka sah echt umwerfend aus.«

»Nein!«, fauchte Tobirama mit Nachdruck.

»Was? Du fandest nicht, dass Tōka nicht gut aussah auf ihrer eigenen Hochzeit? Lass sie das bloß nicht hören.«

»Das meine ich nicht, das weißt du! Ich meine, ich werde dich ganz bestimmt nicht heiraten, nur damit du dich verkleiden kannst.«

»Das heißt also, dass du mich aus anderen Gründen heiraten wirst? Da freue ich mich aber!«

»Ich bring dich um, du kleiner Scheißer!«

Ein besonders großes Suiton vertrieb Izuna vorerst, auch wenn der Frieden natürlich nur von kurzer Dauer sein würde.

Was Izuna damals auf ihrer ersten gemeinsamen Mission zu seinem Mangekyō gesagt hatte, stimmte. Diese neuen Augen ermöglichten ihm besonders schnelle und geschmeidige Bewegungen, sodass seine nunmehr freundschaftliche Duelle mit Tobirama besonders herausfordernd geworden waren. Tobirama hatte sich in der Tat so einige Kniffe überlegen müssen, um da noch mitzuhalten.

Tobirama war schon immer für seine Schnelligkeit bekannt gewesen und hatte sich im Clan einen gewissen Ruf erarbeitet. Doch das reichte schon lange nicht mehr. Auch wenn er es gewohnt war, gegen gewöhnliche Sharingan anzutreten (und unter denen hatten schon vorher Madaras und Izunas Augen zu den stärksten gehört), reichten seine alten Tricks nicht mehr. Etwas Neues musste her.

Nach einigem hin und her Überlegen und etlichen gescheiterten Versuchen, in denen Izuna jedes Mal großspurig über ihn triumphierte, bot schließlich Tobiramas Affinität für Suiton die Lösung. Er gehörte zwar zu den wenigen, die alle Chakranaturen beherrschten, aber Suiton hatte ihm schon immer am meisten gelegen. Wie es sich herausstellte, bot eine hauchdünne Wasserschicht unter seinen Schuhsohlen einen enormen Geschwindigkeitsschub. Auf ihr konnte er dahingleiten wie auf einer vereisten Oberfläche. Die anfänglichen Versuche stellten sich noch als nicht allzu praktikabel heraus, da sie eine ausgesprochen präzise Chakrakontrolle benötigten, doch über die Wochen wurde Tobirama darin immer besser. Irgendwann einmal ging er dazu über, seinen ganzen Körper mit Wasser zu überziehen wie eine hauchdünne zweite Haut.

»Dich Weißer Wolf zu nennen, ist einfach nicht treffend«, schimpfte Izuna, als Tobirama nach langer Zeit wieder einmal in ihren Duellen die Oberhand hatte behalten können. »Glibbriger, schleimiger Fisch, der sich aus allem herauswindet, passt viel besser!«

»Tja.« Tobirama grinste triumphierend. »Das Leben besteht eben nicht nur aus Gewinnen!«

Auch an seinem Hiraishin arbeitete er natürlich weiter. Hashirama hatte er zunächst nicht viel darüber gesagt, da er genau wusste, dass sein Bruder sich vor lauter Sorge gar nicht mehr einbekommen würde; Hashirama mochte es überhaupt nicht, wenn Tobirama seine Siegel an sich selbst ausprobiere. Daher ließ er Details erst durchsickern, als das Hiraishin allmählich eine präsentable Form annahm. Erstaunlicherweise stellte sich Izuna aus ausgesprochen hilfreich heraus.

Bei all seiner kindischen Albernheiten war Izuna nicht nur ein fähiger Shinobi, sondern auch ausgesprochen intelligent. Nicht zuletzt Hashirama zeigte sich erstaunt, dass Tobirama es das erste Mal in seinem Leben zuließ, dass jemand ihm bei seinen Forschungen half. Madara beobachtete die Entwicklung mit Argusaugen und schien zu wittern, dass sein kleiner Bruder zusammen mit Tobirama an nicht immer ganz koscheren Dingen arbeitete. Er bekam immerhin mit, was für einen Aufriss Hashirama jedes Mal machte, sobald auch nur der leiseste Verdacht bestand, Tobirama würde etwas gefährliches tun. Tobirama erhielt die eine oder andere versteckte Drohung, Izuna auch ja kein Haar zu krümmen, ansonsten würde er es bereuen. Als Izuna das spitzbekam, schenkte er seinem Bruder sein unschuldigstes Lächeln, das definitiv nicht dazu beitrug, Madaras Sorgen zu zerstreuen.

Doch noch etwas entdeckten sie während ihrer gemeinsamen Arbeit, etwas von großer Bedeutung und gleichzeitig auch ausgesprochen besorgniserregend. Izuna bemerkte es als erstes. Das Mangekyō Sharingan gewährte seinem Besitzer zwar eine unvergleichliche Stärke, doch gleichzeitig schwächte es auch die Sehkraft bei jeder Benutzung ein winziges bisschen. Es stand zu befürchten, dass am Ende dieser Entwicklung die völlige Blindheit stünde.

Ihr Mangekyō einfach nicht zu benutzen, wäre natürlich eine Möglichkeit, doch eine, die weder Madara noch Izuna offen stand. Sie machten sich keine Illusionen, es würde mit Sicherheit auch in Zukunft Situationen geben, wo sie nicht darum herum kommen würden.

Vorerst konnte Hashirama den Schaden rückgängig machen, der durch die Benutzung des Mangekyō entstand, doch er sagte selbst, dass er sich nicht sicher war, ob das eine dauerhafte Lösung wäre.

»Wenn ihr es einfach nur aktiviert und keine der Mangekyō spezifischen Fähigkeiten nutzt, wie sieht es da aus?«, fragte Tobirama. Diese Entdeckung war alarmierend.

»Das schädigt die Augen nicht«, sagte Izuna, während Hashirama gerade wieder einmal besagte Augen des jüngeren Uchiha-Bruders behandelte. Seine Hände waren in heilendes Chakra gehüllt, und er hatte sie Izuna seitlich an die Schläfen gelegt, wo er das Chakra vorsichtig zum Sehnerv sickern ließ. Madara stand daneben und beobachtete das Geschehen mit Argusaugen aber auch sichtlicher Sorge im Gesicht.

»Dann könnt ihr ja weiter eure Steintafel lesen«, schlug Tobirama vor. »Wenn irgendwo etwas dazu steht, dann sicher dort.«

Madara schnaubte. »Idiot. Was denkst du, was wir gleich als erstes gemacht haben? Außerdem stellst du dir das so einfach vor. Das ist völliger Kauderwelsch, der da steht. Das zu entziffern, benötigt seine Zeit.«

»Dann benutzt eure Augen so wenig wie möglich. Am besten gar nicht«, schlug Hashirama vor, auch wenn selbst ihm bewusst war, was für ein dürftiger Ratschlag das war. Doch was blieben ihnen derzeit anderes übrig?

Izunas Behandlung war mittlerweile abgeschlossen und nun war Madara an der Reihe. Sanft strich Hashirama ihm über das Gesicht, bevor er begann. Madara schloss die Augen, seine tödlichste Waffe und zugleich die Waffe, die er nicht würde einsetzen können, wenn er nicht völlig hilflos enden wollte. Hashirama war der einzige, in dessen Gegenwart er sich so verletzlich zeigte und den er so nah an sich heranließ.

Das Mangekyō stellte ein ungeahntes Problem dar, doch die Zusammenarbeit beider Clans funktionierte mittlerweile gut genug, dass Madara es Tobirama schließlich doch erlauben konnte, die Archive der Uchiha aufzusuchen, ohne einen mittelgroßen Skandal auszulösen. Auch Tōka bot ihre Hilfe an, denn anders als Tobirama, dessen Spezialgebiet Fūinjutsu war, verstand sie sich wie kaum jemand anderes auf Genjutsu. Oft saßen sie zusammen mit Izuna stunden- wenn nicht gar tagelang vor der Steintafel und versuchten ihre Rätsel zu lösen. Nicht selten war Madara bei ihnen, so oft er nur Zeit entbehren konnte. Doch es sollte noch lange dauern, bis sie erste Erkenntnisse gewinnen konnten.

In der Zwischenzeit hatte sich Hashirama schon längst Tadashis und seiner Leute angenommen. Wie er es versprochen hatte, hatte er sie in den Clan integriert und für sie alle Aufgaben gefunden. Es gab immer etwas zu tun, wo ein zusätzliches Paar Hände nützlich sein konnte. Außerdem hatte er begonnen, denen, die es wollten, alles über die Heilkunde beizubringen, was er wusste und was sich ohne Chakraeinsatz bewerkstelligen ließ.

Sobald er begonnen hatte, offen sein Mokuton zu zeigen, hatten sich seine Fähigkeiten schnell weit über die Clangrenzen hinaus herumgesprochen. Tobirama würde ja behaupten, dass vieles von dem, was gerüchteweise über die Fähigkeiten seines Bruders behauptet wurde, maßlose Übertreibungen waren, aber er wusste aus eigener Erfahrung, dass eher das Gegenteil der Fall war. Hashirama hatte ihm gegenüber nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er bisher nur an der Oberfläche seiner Fähigkeiten gekratzt hatte und er noch zu weitaus mehr in der Lage war, wenn er nur wollte.

Als er das erste Mal hörte, wie Hashirama als shinobi no kami betitelt wurde, hielt er es dennoch für albern.

Seine Idee von einem Krankenhaus konnte Hashirama zwar dennoch noch lange nicht verwirklichen, aber dennoch kamen schließlich doch Menschen zu ihm, die seiner Heilfähigkeiten bedurften, da sie anderweitig keine Hilfe finden konnten. Tobirama musste wieder einmal den Enthusiasmus seines Bruders ausbremsen, da dieser ansonsten allem und jedem auf der Welt geholfen und dafür alles stehen und liegen gelassen hätte.

Die Zusammenarbeit beider Clans verlief nach über einem Jahr mittlerweile immer reibungsloser und es gab kaum noch Konflikte zu schlichten, die auf ihre alte Feindschaft zurückzuführen waren. Auch nach außen hin wurden sie mittlerweile als ein festes Bündnis wahrgenommen, was dazu führte, dass die meisten Clans einen weiten Bogen um sie zu machen begannen. Niemand wollte es mit zwei solch starken Clans auf einmal aufnehmen. Nun, die meisten jedenfalls. Denn einige gab es dennoch, die es natürlich versuchten und die Stärke dieses Bündnisses testeten.

Unter denen waren die Hagoromo die federführende Kraft. Bisher hatten sie sich damit begnügt, sie nur an ihren Grenzen zu piesacken, doch Tobirama ahnte, dass es nicht für immer nur dabei bleiben würde.

Irgendwann einmal begannen Hashirama und Madara von ihrem Dorf zu reden. Tobirama wusste nicht viel über diese Idee. Er hatte das erste Mal davon gehört, als sie damals die drei Uchiha im Wald aufgelesen hatten, doch seitdem hatten sie irgendwie nie groß darüber geredet. Immer gab es etwas anderes, um das sie sich hatten Sorgen machen müssen, und selbst Madara hatte damals eingeräumt, dass es illusorisch gewesen wäre, zu diesem Zeitpunkt ernsthaft darüber nachzudenken. Jetzt jedoch standen die Dinge gänzlich anders.

Ein klein wenig verstimmte es Tobirama dennoch, auch wenn es lange dauerte, bis er es sich selbst eingestehen konnte. Es gab also Dinge in seinem Leben, die Hashirama nicht bereit gewesen war, mit seinem kleineren Bruder zu teilen. Denn es war offensichtlich, dass Hashirama und Madara schon vor langer Zeit die Idee mit dem Dorf gehegt hatten, doch gegenüber ihren kleinen Brüdern hatten sie bis vor kurzem nie etwas darüber verlauten lassen. Und während Tobirama noch darüber nachsann, ging ihm auf, dass es ihn besorgte.

Ausgerechnet in Izuna fand er einen Leidensgenossen. Er erinnerte sich, wie sein Freund einmal gesagt habe, dass er auf seinen älteren Bruder eifersüchtig gewesen sei, und genau das war es nun, das jetzt auch tief in Tobirama vor sich hin blubberte. Er mochte das Gefühl nicht.

»Ist doch verständlich, oder nicht?«, sagte Izuna dazu. »Was das betrifft, sind wir uns ziemlich ähnlich. Außer Madara und Hashirama haben wir keine Familie mehr, und auch wenn wir sie immer damit aufziehen, dass sie überbehütende Hennen sind, wenn es um uns geht, gilt das umgekehrt doch irgendwie genau so. Es fühlt sich fast wie Verrat an, wenn es da auf einmal etwas gibt, aus dem sie uns bewusst herausgehalten hatten.«

»Nun ja …«, setzte Tobirama bedächtig an und wollte Izunas Wortwahl bereits als zu extrem abtun. Doch dann ging ihm auf, dass es eigentlich doch ganz treffende Worte waren. »Du hast wohl Recht. Aber es besorgt doch, dass sie einmal so gedacht haben. Was das über mich aussagt.«

»Ich denke, wäre es umgedreht gewesen, die Dinge wären nicht viel anders verlaufen. Du warst immerhin damals noch Butsuma hörig gewesen und ich habe meinen Bruder sogar aus eigenem Antrieb heraus verpfiffen. Dass sie nicht glücklich darüber waren, ist doch naheliegend.«

Die Worte schmerzten. Ob er das jemals wieder würde gutmachen können?

»Aber das gute ist«, fuhr Izuna schon wieder grinsend fort, »ist, dass das jetzt Geschichte ist. Und sieh, jetzt reden sie über dieses Dorf, als gäbe es nichts tolleres im Leben. Außer Sex.«

»Oh, bitte!« Tobirama fürchtete, dass seine Ohren verräterisch rot wurden.

Izuna Grinsen wurde frecher. »Wie? Du willst ernsthaft behaupten, es gäbe keine entsprechenden Aktivitäten zwischen unseren Brüdern?«

»Ich will’s mir vor allem nicht vorstellen!«

Izuna lachte, ließ ihn dann aber erstaunlicherweise in Frieden. »Nun, jedenfalls hatte sich Big Bro neulich abends hingesetzt und ernsthaft begonnen, Pläne für dieses Dorf zu machen. Wie sich herausstellte, hat er keine Ahnung, wie man das anstellt.«

»Und du hast wohl Ahnung?«

»Nö. Aber wenigstens tu ich nicht so, als hätte ich welche.«

Tobirama schnaubte. »Denkst du echt, das könnte funktionieren?«

Izuna zuckte mit den Schultern. »Warum nicht? Es wäre zumindest sehr praktisch. Dann könnten wir Nachbarn sein und ich könnte dir jeden Tag auf die Nerven gehen. Ich wüsste spontan nichts, das dem widersprechen würde. Außer unsere Brüder allein an diese Sache heranzulassen. Dann wird es definitiv schiefgehen. Wir werden externe Hilfe benötigen. Unsere alten Siedlungen sind über viele Generationen hinweg organisch gewachsen, aber etwas völlig neues aufzubauen, ist etwas gänzlich anderes.«

»Es braucht genauer Planung. Eine Infrastruktur muss her. Baumaterial herangeschafft werden.«

»Zumindest um Holz müssen wir uns keine Sorgen machen.«

»Ob du es glaubst oder nicht, auch Hashiramas Kräfte haben ihre Grenzen.«

»Bevor die erreicht sind, dauert es aber eine kleine Weile.«

»Er hat auch noch anderes zu tun.«

»Meinen Bruder zu vögeln zum Beispiel, ich weiß.«

»Izuna!«

Izuna kicherte. »Warum reagierst du so empfindlich auf das Thema? Das ist was ganz normales, jeder hat Sex.«

Nicht jeder. Aber das behielt Tobirama aus irgendeinem Grund für sich.

Glücklicherweise ließ Izuna ihn danach in Frieden. Vorerst.

Izuna sollte Recht behalten. Die Planung dieses Dorfes ihren Brüdern allein zu überlassen, drohte schon sehr bald in eine Katastrophe auszuarten. Also setzten sie sich wie in guten alten Zeiten zu sechst zusammen mit Tōka und Hikaku zusammen und schmiedeten Pläne.

Das Dorf sollte am Fuße der Klippe entstehen, ganz in der Nähe ihres alten Geheimversteckes, das sie in jenem Winter eingerichtet hatten, mit dem alles begonnen hatte. Der Ort lag ungefähr auf halber Strecke zwischen ihren gegenwärtigen Siedlungsorten und hatte zudem eine gewisse Geschichte. Wenn auch eine, von der niemand außer den sechs etwas wusste. Sie planten auch nicht, etwas daran zu ändern, obgleich Hashirama und Madara mittlerweile offener mit ihrer Beziehung umgingen. Es gab das eine oder andere Gerücht, dass sie vielleicht nicht nur Freunde seien, und sie taten nichts mehr, um solche Gerüchte zu unterbinden. Tobirama war ohnehin der Meinung, dass es offensichtlich war, wenn man nur Augen im Kopf hatte.

Ein Dorf zu planen, stellte sich als Mammutaufgabe heraus, und so dauerte es noch einmal ein Jahr, bis sie beginnen konnten, erste Pläne in die Tat umzusetzen. Dass nun beide Clans eng miteinander zusammenarbeiteten, hatte ihnen einige enorme Vorteile eingebracht, die sich unter anderem in bedeutend größeren und lukrativeren Aufträgen zeigten, die auch entsprechend mehr Geld einbrachten. Geld, das sie nun dringend benötigten. Tobirama und Izuna schlugen sich die Nächte zu Dutzenden um die Ohren, in denen sie Stunden um Stunden Zahlen hin und her wälzten und Berechnungen anstellten. Die Zahlenkolonnen verschwammen ihnen allmählich vor den Augen.

Als schließlich die ersten Grundsteine gelegt wurden, rief dies das erste Mal den daimyō auf den Plan. Eines Tages, einem schönen Sommertag, kam ein Abgesandter des Feudalherren des Landes des Feuers zu ihnen und wollte wissen, was das hier alles werden sollte. Er war ein Samurai, einer der Ritter, die dem Feudalherren direkt unterstanden, und der Art der Samurai entsprechend sah er vom Rücken seines Pferdes arrogant auf sie herab und musterte die Baustellen vor ihm mit abschätzendem Blick.

Der daimyō wünschte die Clanführer zu sprechen und in Erfahrung zu bringen, was ihre Pläne seien. Hashirama und Madara blieb nichts anderes übrig, als dem Wunsch (Befehl würde es eher treffen) des Landesherren Folge zu leisten, aber immerhin konnten Tobirama und Izuna erwirken, dass sie ihre Brüder begleiten würden. Andernfalls würde es nur in einer Katastrophe enden – und Tobirama wusste schon jetzt, dass es wieder einmal an ihm hängen bleiben würde, die Katastrophe abzuwenden.

Beide Clans hatten in der Vergangenheit immer mal wieder mit dem daimyō zu schaffen gehabt, besonders dann, wenn dieser wieder einmal plante, seinen Nachbarn ein weiteres Stück Land abzuknöpfen. Manchmal hatte er wissentlich die Clans seiner eigenen Nation gegeneinander ausgespielt. Der Bürgerkrieg hatte zwar die Lande verheert, gleichzeitig aber auch die Clans klein gehalten und sie daran gehindert, sich gegen ihren Herrn aufzulehnen. Zugegebenermaßen war es vor diesem Hintergrund ein wenig erstaunlich, dass der daimyō erst jetzt an sie herangetreten war und sie antanzen ließ wie brave Schoßhündchen, damit sie ihm Rede und Antwort stehen konnten.

Hashirama erzählte begeistert von dem Dorf, das sie sich ersannen, und Tobirama stellte sicher, ganz besonders ausdrücklich die wirtschaftlichen Vorteile zu betonen, die dem daimyō daraus entstehen würden, würde er den Zusammenschluss zweier Clans (Tobirama hielt den Enthusiasmus seines Bruders im Zaum, als dieser bereits von mehr als nur zwei Clans sprechen wollte) in seiner Nation erlauben. Mehr Aufträge hießen immerhin auch mehr Steuereinnahmen, und schlussendlich waren die Shinobi auch nur ein Wirtschaftszweig der Nation. Die moralischen Aspekte schienen den daimyō nicht wirklich zu überzeugen, aber als er vermutlich im Kopf durchrechnete, wie viel Geld ihm das einbringen konnte, erlaubte er ihnen doch, ihr Vorhaben fortzusetzen.

Mit einer Bedingung: Sie mussten das Land, auf dem sie ihr Dorf errichten wollten, vom daimyō erwerben.

»Uff«, war alles, was Izuna dazu sagte, als er die Summe sah.

Für ein Stück Wald, das bis dahin niemanden interessiert hatte, war es eine horrende Summe. Madara war drauf und dran, den ganzen Palastbezirk niederzubrennen, doch bevor er auch nur einen winzigen Funken erzeugen konnte, fiel Hashirama ihm ins Wort und akzeptierte die Bedingungen des Feudalherrn.

Tobirama wusste nicht, ob er aus lauter Verzweiflung lachen oder weinen sollte. Er hatte keine Ahnung, wo sie all das Geld hernehmen sollten, aber eine Wahl hatten sie ebenso wenig.

Also wieder einmal nächtelang Berechnungen über Berechnungen anstellen, nur damit sie am Ende feststellen mussten, dass sie alles Geld investieren mussten. Und das bedeutete, dass sämtliche Baumaßnahmen vorerst auf Eis gelegt werden mussten.

Madara schrie Zeter und Mordio und war drauf und dran, den daimyō anzugreifen, notfalls auch im Alleingang, aber zu dritt konnten sie ihm das zum Glück wieder ausreden. Zufrieden wirkte er dennoch nicht, aber das war nicht mehr Tobiramas Sorge.

Also hieß es für sie alle, doppelt und dreifach so hart zu arbeiten, um ihren Clans möglichst viel Geld zu beschaffen. Eine Überraschung hielt jedoch der beginnende Frühling des nächsten Jahres für sie bereit, als Hashirama eines Morgens beim Frühstück hereinplatzte und begeistert verkündete, er habe Nachricht sowohl von den Sarutobi als auch Shimura erhalten, zwei wenn auch nicht so große, so doch aber alteingesessene Clans.

Tobirama musterte seinen Bruder ruhig. »Und was wollen sie? Uns wie die Hagoromo Zeit, Geld und Nerven kosten?«

»Nein, viel besser! Sie wollen sich uns anschließen!«

»Gut, dann müssen wir das ganze Geld nicht mehr allein erwirtschaften.«

»Otōto! Denk doch nicht immer so praktisch. Sind das nicht wunderbare Neuigkeiten? Jetzt sind es nicht mehr nur wir Senju und Uchiha. Jetzt verändert sich vielleicht wirklich etwas.«

Ah, diese Sache wieder. Ihre beiden Clans zum Frieden zu bringen, war die eine Sache, aber etwas grundsätzlich zu ändern, etwas völlig anderes. Hashirama und Madara hatten die Idee, dass ihr Dorf eine Art Rahmen werden sollte, in dem alle Clans zusammenfinden und Frieden schließen konnten, und während Tobirama ihnen da grundsätzlich zustimmte, war ihm auch bewusst, dass das nicht so einfach zu bewerkstelligen sei. Der Generationen überdauernde Konflikt hatte eben nicht nur Senju und Uchiha betroffen, sondern alle Clans, und während sie die meisten Kämpfe in der Tat mit den Uchiha ausgetragen hatten, so hatten sie so manch einem anderen Clan doch kaum minder zugesetzt. Dass Misstrauen war noch immer da, und zugegebenermaßen verwunderte es Tobirama dann doch, dass sich bis jetzt noch keine anderen Clans zusammengetan hatten, um ihr Bündnis zu zerschlagen. Aus der Sicht anderer Clans stellten sie ein uneinschätzbares Risiko dar, denn sie konnten immerhin jederzeit beschließen, gemeinsam diese erobern zu wollen. Hashirama würde das niemals tun, und Tobirama schätzte auch Madara nicht so ein, aber das wussten die anderen Clans nicht.

Schlussendlich war es wahrscheinlich nur eine rein praktische Überlegung der Sarutobi und Shimura, sich ihnen anzuschließen und damit im Zweifelsfall auf der Gewinnerseite zu stehen. Ihnen sollte es recht sein, so lange es nur ihren eigenen Zielen nützte.

»Vielleicht solltest du in Zukunft auch nur ein paar Sekunden länger in unsere Finanzen schauen, statt es immer nur Izuna und mir zu überlassen«, schlug Tobirama vor.

»Da ich, wie du nie müde wirst zu betonen, nicht jede Aufgabe selbst übernehmen kann, muss ich mir eben für manche Aufgabenfelder kompetente Leute suchen.« Hashirama lächelte unschuldig.

Tobirama kniff die Augen zusammen.

»Aber du, sag mal. Du und Izuna, ihr versteht euch doch ganz gut, oder?«, wollte Hashirama noch unschuldiger wissen.

»Warum willst du das jetzt wissen?« Tobiramas Misstrauen wuchs. Verdächtig.

»Ach, nur so. Dachte ich eben. Als wir in der Hauptstadt waren, wart ihr den einen Abend sogar zusammen ausgegangen.«

»Ja, und ich habe dem nur zugestimmt, weil die kleine Kröte mich sonst bis ans Ende meiner Tage damit genervt hätte«, knurrte Tobirama. Nicht dass sein Bruder hier noch auf falsche Gedanken kam!

»Na, wenn das so ist …«

Tobirama grummelte etwas Unverständliches und blickte seinem Bruder missmutig hinterher, als dieser den Raum verließ.

Dass sich ihnen gleich zwei Clans ausgerechnet jetzt anschließen wollten, erwies sich als Glücksfall. Wenn es nach Hashirama gegangen wäre, hätte er das nicht einmal an irgendwelche Bedingungen geknüpft, so begeistert war er von der Aussicht ihres wachsenden Bündnisses. Zum Glück war Madara sehr schnell dabei, ihm Gegenwind zu geben, und stellte sich als knallharter Verhandlungspartner heraus. Anders als Hashirama war er nämlich sehr wohl daran interessiert, was für ihre Seite bei der ganzen Sache heraussprang, und hatte in der Vergangenheit doch den einen oder anderen Blick mehr in ihre Finanzen geworfen.

Die Verhandlungen verliefen über mehrere Wochen hinweg und beinhalteten auch eine Einladung an die beiden Clanführer der Sarutobi und Shimura in das, was einmal das Dorf werden sollte. Sie zeigten sich ein wenig ernüchtert, dass die geplante Siedlung derzeit noch eine einzige große Baustelle war, als sie ihnen jedoch ihre Pläne für die Zukunft erläuterten, wandelte sich das allmählich. Sarutobi Sasuke zeigte sich vor allem von der Akademie begeistert. Schlussendlich war ihnen jedoch klar, dass sie sich hier nicht ins gemachte Nest setzen konnten und noch eine Menge Arbeit vor ihnen allen lag.

Am Ende jedoch stand ein unterzeichneter Bündnisvertrag und damit auch eine Menge Geld. Noch hatten sie den daimyō zwar nicht ausgezahlt, aber sie waren ihrem Ziel ein bedeutendes Stück näher gekommen und es war in greifbare Nähe gerückt.

Nur einige Monate später traten die Uzumaki auf den Plan und es erstaunte Tobirama ungemein, dass Madara nicht sofort alles in Schutt und Asche legte, als er den Grund dafür erfuhr. Denn Uzumaki Ashina bestand darauf, dass das alte Abkommen, das er damals noch mit Butsuma getroffen hatte, weiterhin Bestand hätte und es jetzt an der Zeit wäre, es einzulösen. Er wollte seine Tochter mit Hashirama verheiratet sehen.

Mit sichtlichem Unbehagen betrachtete Hashirama das Bild Mitos, das dem Schreiben beigelegen hatte. Eine junge Frau, fast noch ein Kind, war darauf zu sehen mit dem charakteristischen roten Haar der Uzumaki und einem erstaunlich erwachsenen und strengen Blick. Madara stand mit verschränkten Armen hinter ihm und besah sich ebenfalls das Bild.

Izuna warf seinem Bruder einen vorsichtigen Blick und wartete wahrscheinlich wie Tobirama darauf, dass dieser schließlich doch explodierte. »Wie alt ist sie jetzt?«

Hashirama räusperte sich. »Sechzehn.«

»Ziemlich jung. Und ihr Vater besteht wirklich darauf, das jetzt durchzuziehen? Warum?«

»Ich hätte es absagen sollen, sobald ich die Gelegenheit dazu hatte. Aber mit all den Dingen, die geschehen sind …«

Und die Uzumaki womöglich noch verprellen, vielleicht gar gegen sie aufbringen? Beide Clans hatten immerhin seit jeher enge Verbindungen gehegt und einander als Vettern angesehen. Eine verzwickte Situation.

»Sei still, Holzkopf«, sagte Madara unwirsch. »Du wirst nichts dergleichen tun. Ihre Mitgift ist ganz passabel, und irgendwann müssen wir den daimyō auszahlen, ansonsten werden wir hier nie fertig.«

Dann ging er.

Verwundert sahen sie ihm nach.

»Das kam unerwartet«, bemerkte Izuna. »Ich hätte erwartet, dass er dir die Gedärme herausreißt und dich daran erhängt. Verdient hättest du es, Hashirama.«

Hashirama ließ den Kopf hängen. »Ich weiß, ich hab‘s vermasselt. Ich würde es absolut verstehen, wenn du und dein Bruder jetzt wütend auf mich wären. Andererseits …« Hoffnungsvoll sah er in die Richtung, in die Madara verschwunden war.

Tobirama witterte ein großes Drama, das auf sie zurollte, und er hatte schon jetzt keine Lust mehr darauf.

Im beginnenden Frühling des nächsten Jahres luden sie die Uzumaki zu sich ein, um die Details auszuhandel. Die ganze Zeit über war die Stimmung zwischen Hashirama und Madara etwas angespannt, aber noch immer war es nicht zu dem unausweichlichen Eklat gekommen, das ihre jüngeren Brüder erwarteten. Selbst Izuna sagte, dass das seinem Bruder ganz und gar nicht ähnlich sah.

Schlussendlich wusste Tobirama nicht genau, was zwischen Hashirama, Mito und Madara beredet worden war, weil es ihn auch nichts anging, aber irgendwie diskutierten sie es wohl aus, denn einige Wochen später verkündete Hashirama, dass er Mito heiraten würde, wenn sie im entsprechenden Alter wäre (und hatte den Termin dafür großzügig noch einmal um ein paar Jahre verschieben können). Die Mitgift sagte Ashina ihm dennoch schon jetzt zu, und Mito verkündete, dass sie zu ihnen ziehen wollte, um sich am Aufbau dessen, was einmal ihr neues Zuhause werden sollte, vom Anfang an zu beteiligen.

»Ich freue mich, meine Tochter in guten Händen beim Anführer einer so starken Allianz zu wissen«, sagte Ashina zum Abschluss der Verhandlungen. Hashirama hatte ihm natürlich angeboten, dass die Uzumaki sich ihnen anschließen konnten, aber Ashina hatte betont, dass sein Clan schon immer seine Unabhängigkeit geschätzt hatte, und er auch weiterhin lieber in seiner angestammten Heimat im kleinen Wirbel-Reich blieb.

Für einen Moment herrschte Stille.

»Nun, da liegt wohl ein Missverständnis vor«, sagte Hashirama schließlich. »Ich mag der Anführer meines Clans sein, aber mehr auch nicht.«

Ashina runzelte die Stirn. »Aber irgendwer muss den geplanten Dorf doch vorstehen.«

»Nun …« Hashiramas Blick wanderte unweigerlich zu Madara. Madara widmete ihm einen seiner berühmt-berüchtigten Todesblicke.

Der daimyō hatte ebenfalls etwas in diese Richtung gesagt, aber bisher hatten sie sich kaum Gedanken darum gemacht. Bisher hatten die Finanzen im Vordergrund gestanden, alles andere war sekundär gewesen. Hashirama schien aber dennoch einige Ideen zu haben, denn in den nächsten Tagen durften Tobirama und Izuna eine ewig hin und her springende Diskussion zwischen ihren Brüdern ertragen, bei der jeder darauf bestand, dass der andere besser als Hokage geeignet sei. Hokage war anscheinend der Titel, den sich Hashirama irgendwann einmal ersonnen hatte (und Tobirama vermutete, dass eine signifikante Menge Sake dabei eine Rolle gespielt hatte).

»Dann macht‘s doch beide!«, explodierte Izuna irgendwann einmal.

Hashirama und Madara sahen ihn für einen Moment verblüfft an.

»Was für eine geniale Idee!«, rief Hashirama aus und duldete keinerlei Widerworte mehr.

Gesegnet sei Izuna, dachte Tobirama im Stillen bei sich. Wenigstens einer, der noch mit etwas Intelligenz gesegnet war.

Dass damit Izuna und er die einzigen in ihrer Gruppe waren, darin sollte er sich jedoch täuschen und wurde schon sehr bald eines besseren belehrt, als Mito zu ihnen zog. Tobirama gab eines auf seine Fähigkeiten in Fūinjutsu, aber vielleicht hätte er ahnen sollen, dass es schwer war mit den Siegelmeistern der Uzumaki mitzuhalten. Und Mito hatte von den besten gelernt. Sie mochte noch jung sein, aber dennoch mischte sie sie auf wie ein Wirbelwind.

(Tobirama ignorierte die leiste Stimme, die ihn in Erinnerung rief, dass Mito nur zwei Jahre jünger war als er.)

Mit Mitos Mitgift waren sie endlich in der Lage, den daimyō auszuzahlen und den Bau des Dorfes vollends in Gang zu setzen. Madara hatte irgendwann den Namen Konohagakure vorgeschlagen, und da das auch nicht schlimmer war als Hashiramas Hokage-Idee, beschloss Tobirama, es einfach hinzunehmen.

Tobirama bestand darauf, dass Hashirama nicht jedes Haus selbst errichten konnte, aber Hashirama ließ es sich zumindest nicht nehmen, sein eigenes Heim mit Mokuton entstehen zu lassen. Tobirama verhinderte das Schlimmste, indem wiederum er darauf bestand, dass er es im Vorfeld entwarf und Hashirama nicht einfach frei heraus etwas wachsen lassen konnte, wie ihm gerade der Sinn stand. Schlussendlich entstand mit Madaras und Izunas Anregungen ein netter kleiner Hof mit einem ausgesprochen großen Garten (den ließ sich Hashirama nicht nehmen), einer ausgesprochen geräumigen Voliere für Madaras Vögel (er drohte jedem mit dem Tod, der seine Tiere auch nur falsch anschaute, natürlich lebten sie luxuriöser als ihre Menschen) und zwei Wohnhäusern, eines für Hashirama, Madara und Mito und eines für Tobirama und Izuna. Letzteres wurde jedoch sehr schnell zweckentfremdet und zum Labor und für Testzwecke umfunktioniert. Als ihre Brüder jedoch mitbekamen, dass sie sich nicht mal um ordentliche Schlafzimmer bemüht hatten, sondern einfach zwei futon Betten in ihr Labor geschoben hatten, bestanden Hashirama und Madara doch darauf, dass sie alle unter einem Dach schliefen.

Mito stellte sich als ebenso unverbesserlich heraus. Jedenfalls waren das Hashiramas Worte gewesen, als Mito sich kurzerhand Tobiramas und Izunas Forschungen angeschlossen und keine Widerworte geduldet hatte. Sie stellte sich als kaffeesüchtig und extrem talentierte Fūinjutsu-Anwenderin heraus, von der selbst Tobirama noch einiges lernen konnte. Sie besah sich nur einmal seine Notizen zum Hiraishin und fand sogleich eine Handvoll Dinge, die es ihrer Meinung nach zu verbessern galt.

Tobirama protestierte heftig, lernte aber sehr schnell und auf recht schmerzhafte Weise, dass man sich Mito nicht in den Weg stellte. Und schlussendlich erwiesen sich ihre Verbesserungen auch als tatsächliche Verbesserungen. Jetzt drehte es ihm nicht mehr jedes Mal den Magen um, wenn er das Jutsu anwendete.

Konoha wuchs schnell und das war es auch, das auch andere Clans auf den Plan rief. Sarutobi und Shimura waren längst ein fester Bestandteil ihres Bündnisses und so manch ein anderer Clan wollte es ihnen gleichtun. Doch längst nicht alle Clans waren mit dem neuen Wind, der nun wehte, einverstanden. Besonders die Hagoromo machten ihnen immer wieder Probleme, die so weit gingen, dass es immer mal wieder zu Scharmützeln an ihren Grenzen kam. Die Spannung war greifbar und jeder hoffte, dass es nicht bis zu einem ausgewachsenen Konflikt kommen würde.

Schlussendlich zogen sich die Hagoromo jedoch nach Iwagakure zurück, denn wie sie alle in Konoha vernahmen, wurde ihre Idee mit dem Dorf auch in anderen Ländern übernommen. Vielleicht würde es ja irgendwann doch zu Frieden führen, wie sie es immer gehofft hatten, auch wenn ihre Beziehung zu Iwagakure noch angespannt war.

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Man lebte sich in Konoha ein und jeder trug seinen kleinen Teil dazu bei, das Dorf zu einem lebenswerten Ort zu machen. Hashirama und Madara teilten sich das Amt des Hokage, Tobirama Izuna und Mito unterstützen sie dabei und verhinderten, dass sie alles vor die Wand fuhren. Und ganz nebenbei forschten sie frei heraus an allem, was ihnen so in den Sinn kam. Vieles davon verließ besser niemals die geschützten Räume ihres Labors.

Eigentlich war alles perfekt. Eigentlich. Bis Izuna eines Tages im Kimono im Labor aufkreuzte.

Mito war gerade anderweitig beschäftigt und Tobirama daher allein im Labor. Er hätte beinahe seinen Kaffee vor lauter Schreck ausgespuckt, als mit einem Mal die Tür aufgerissen wurde und Izuna in einem Wirbel aus Seidenstoff hereinstürmte.

»Izuna!«, fauchte Tobirama und räumte hastig die Schriftrollen zur Seite, um zu retten, was zu retten war.

»Ja, ich weiß, das ist mein gar wohlklingender Name«, flötete Izuna. »Aber schau her! Sehe ich nicht umwerfend aus?«

Tobirama lag schon ein schnippischer Kommentar auf der Zunge, aber er verkniff ihn sich. »Hast du den von Mito?«, fragte er stattdessen.

»Jap, eine freundliche Leihgabe. Dauerhaft.« Izuna hielt kurz inne. »Von der Dauerhaftigkeit der Leihgabe muss ich sie allerdings noch überzeugen.«

Tobirama kniff die Augen zusammen. »Hast du Mito überhaupt gefragt, ob du einen ihrer hōmongi tragen darfst?« Er kannte Izuna und genauso gut wusste er mittlerweile, dass Mito einigen Wert auf ihre Kimono aus feinster Seide legte.

»Nun ja, mehr oder weniger …« Izuna druckste herum.

Tobirama seufzte. Na wunderbar.

»Aber siehst du, es steht mir großartig!«, fuhr Izuna enthusiastisch fort. »Ich hab das die ganze Zeit immer gesagt.«

»Toll.«

Izuna verzog das Gesicht. »Ach, komm schon! Kannst du dich nicht ein bisschen mehr begeistern?«

Tobirama atmete einmal tief durch. »Ich meine das so. Ich bin nur mit den Gedanken gerade woanders. Und ganz ehrlich, ich bin nun wirklich nicht die beste Adresse in Modefragen. Trag, was immer du willst.«

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf Izunas Gesicht aus. Mit einem freudigen Ausruf fiel er Tobirama um den Hals. »Das ist das netteste, was du jemals zu mir gesagt hast!«

»Was?«

»Damals hattest du noch diesen Blödsinn behauptet, ich könne so etwas nicht tragen, weil ich keine Frau sei, und jetzt das!«

»Ich wiederhole mich nur selten, aber: Was?«

»Das ist großartig! Du glaubst gar nicht, wie viel mir das bedeutet!«

»Nun ja, zugegeben kann ich es nicht so ganz nachvollziehen, aber dir scheint‘s wichtig zu sein, und darum geht es schließlich.«

Falls es möglich war, wurde Izunas strahlendes Lächeln noch breiter. Dann küsste er Tobirama. Einfach so. Mitten auf den Mund.

Tobirama verschlug es die Sprache, und das war nun wirklich eine außergewöhnliche Leistung. Er blinzelte. »Was zum …?«

Heute schien wirklich nicht sein eloquenter Tag zu sein.

Nun wurde Izunas Grinsen frech. »Wollte ich schon lange einmal machen.«

Tobirama blinzelte noch einmal. »Was sollte das eben sein?«

Izuna lachte auf. »Ein Kuss, du Dummerchen! Dafür, dass du so viel auf deinen Intellekt gibst, stellst du dich manchmal echt dämlich an. Soll ich dich noch mal küssen? Zwecks wissenschaftlicher Evident. Ich küss dich gern noch einmal. Ach, weißt du was, ich mach es einfach.«

Und damit küsste er Tobirama noch einmal, ohne diesem überhaupt die Gelegenheit für eine Gegenwehr zu geben. Er nahm Tobiramas Gesicht zwischen seine Hände, beugte sich zum ihm herab und presste ihre Lippen aufeinander. Sein Sharingan war aktiv, nicht etwa, um ein Genjutsu zu wirken, sondern um diesen Moment für immer in seiner Erinnerung festzuhalten.

Tobirama saß einfach nur da, wie zur Salzsäule erstarrt, und starrte Izuna an. Schon lange hatte er keine Angst mehr, in ein Sharingan zu blicken.

Izuna gab ihn wieder frei. »Ich muss jetzt leider gehen, hab noch etwas im Dorf zu erledigen. Wir sehen uns heute Abend!« Und damit stürmte er genauso energetisch aus dem Labor, wie er es zuvor betreten hatte.

Tobirama starrte ihm immer noch sprachlos hinterher. Aus irgendeinem Grund hatte er Herzrasen. »Was bei allen Göttern war das gewesen?«

Er versuchte, irgendwie wieder auf andere Gedanken zu kommen, musste aber zu seinem Leidwesen feststellen, dass es ihm einfach nicht so recht gelingen wollte. Seine Gedanken kreisten immerzu um diesen Kuss. Nein, halt. Küsse. Er war mittlerweile so einiges von Izuna gewohnt, aber das übertraf alles bis dahin Dagewesene.

Hashirama musste her. Er würde Rat wissen. Er war bei solchen Dingen viel besser als Tobirama.

Weil es ohnehin nichts bringen würde, sein Gehirn gewaltsam um die Formeln zu winden, an denen er derzeit arbeitete, ließ er seine Arbeit links liegen und machte sich auf die Suche nach seinem Bruder. Er fand ihn im Garten, wo er gerade dabei war, seine über alles geliebten Rosen zu beschneiden. Das Laub der umstehenden Bäume raschelte ein wenig, als Tobirama sich näherte. Hashirama blickte auf.

»Hallo, otōto! Ein seltener Anblick, dass du dich um diese Uhrzeit ans Tageslicht wagst. Oh, ist etwas passiert? Du siehst besorgt aus.«

Tat er das? Das war nicht seine Intension gewesen. Tobirama bemühte sich, seine Gesichtszüge wieder zu richten. »Etwas ist passiert. Nichts, worum du dir Sorgen machen müsstest.« Glaubte er jedenfalls. »Izuna hat mich geküsst.«

Hashirama hielt mitten in der Bewegung inne und starrte seinen Bruder an. Dann ließ er die Gartenschere achtlos fallen und fiel Tobirama um den Hals, während er gleichzeitig über das ganze Gesicht strahlte. »Das ist großartig!«

Tobirama gab einen erstickten Laut von sich, als er sich so plötzlich in Hashiramas Umarmung wiederfand. »Was ist großartig?«

»Na, dass ihr endlich zusammengekommen seid!«

»Bitte was?«

»Ich hatte es mir schon so lange gedacht. Ihr hattet euch von Anfang an so gut verstanden, und schlussendlich waren so einige von Izunas Kommentaren auch nicht gerade subtil. Ich freue mich so sehr für dich, otōto!«

Tobirama versuchte Hashirama von sich zu schieben, um wieder etwas Luft zum Atmen zu bekommen. Vergeblich. »Wir sind nicht romantisch miteinander involviert! Keine Ahnung, warum die kleine Kröte das gemacht hat, aber bestimmt nicht deswegen.«

Hashirama lächelte unangenehm wissend. »Ich könnte wetten, Izuna sieht das anders. Frag ihn doch einfach. Weißt du, auch ich hatte eine Weile gebraucht, um mir meine Gefühle für Madara einzugestehen. Dass er für mich mehr als nur mein Freund war. Gut, damals war alles ohnehin ein wenig anders, da waren wir noch Feinde. Aber das ist auch egal. Was ich sagen will, ist, dass es völlig in Ordnung ist, wenn du in Bezug auf deine Gefühle derzeit noch ein wenig verwirrt bist.«

Bevor er weiterreden konnte, hob Tobirama eine Hand und unterbrach seinen Redeschwall. »Du behauptest also, dass Izuna die Beziehung, in der wir zueinander stehen, mehr als nur freundschaftlich ansieht?«

Irgendwie half dieses Gespräch nicht, Klarheit in seine wirren Gedanken zu bringen. Er spürte beginnende Kopfschmerzen.

»In Bezug auf Izuna bin ich mir ziemlich sicher, und das schon seit geraumer Zeit. Was dich betrifft, so musst du das selbst wissen. Allerdings würde ich jetzt nicht behaupten, dass Izuna die allerschlechteste Partie ist. Wenn er dich noch einmal fragt, ob du ihn heiraten willst, würde ich an deiner Stelle nicht nein sagen.«

»Anija!« Tobirama kniff missmutig die Augen zusammen.

Hashirama lachte lediglich. Dann wurde sein Lächeln milder. »Doch, wirklich, ich freue mich sehr für dich, otōto. Und selbst wenn du merken solltest, dass eine romantische Beziehung nichts für dich ist, dann ist Izuna dir trotzdem ein sehr guter Freund.«

Tobirama rieb sich die Stirn. Dass diese verdammten Uchiha ihm jetzt auch noch solche Kopfschmerzen bereiteten. Er hätte sich nie mit ihnen einlassen sollen. »Ich denk darüber nach«, sagte er dann trotzdem.

Und das tat er dann auch für den Rest des Tages. Er zermarterte sich das Hirn und ging all die gemeinsamen Momente durch, die er mit Izuna erlebt hatte, seit sie damals die drei Uchiha im Wald aufgelesen hatten und Izuna ihm in die Hand gebissen hatte. Es war wirklich eine Menge, und wenn er es sich recht überlegte, hatte er in den letzten Jahren fast mehr Zeit mit Izuna verbracht, als mit Hashirama. Was beachtlich war, Tobirama war nicht gerade eine gesellige Person und verbrachte seine Zeit lieber mit seinen Forschungen statt mit seinen Mitmenschen. Dass er Izuna so bereitwillig einen Teil davon hatte werden lassen, erstaunte sogar ihn, wenn er jetzt so darüber nachdachte.

Aber Liebe? Was war überhaupt Liebe? Wie sollte er Liebe erkennen, wenn er sich nicht einmal sicher war, wie sich das überhaupt anfühlen sollte? Und Hashirama war ihm da auch keine Hilfe, weil er garantiert nicht mit all diesem kitschigen Kram anfangen würde, mit dem sein Bruder einst Madara umgarnt hatte und das jetzt auch Mito zu gefallen schien. (Dass Madara eingewilligt hatte, Hashirama mit einer anderen Person zu teilen, erschien Tobirama noch immer wie ein Wunder.)

Er rätselte noch immer, als sich am Abend Izuna zu ihm gesellte. Wie immer teilten sie sich abends auf der engawa ihres Hauses einen Tee, den sie manchmal mit etwas sake aufbesserten. Izuna reichte ihm seine Teeschale und setzte sich neben ihn. Noch immer trug er Mitos Kimono, was hieß, dass er sie den Tag über erfolgreich hatte vermeiden können. Andernfalls hätte sie ihm längst den nackten Hintern versohlt und ihn dann so einmal quer durch das ganze Dorf gejagt.

Er bemerkte, wie Izuna ihn eingehend musterte und sich dabei merklich vorbeugte. »Hab ich was in meinem Gesicht?«

»Nein, aber ich hab vorhin was bemerkt«, sagte Izuna. »Schau an, das sind ja wirklich Wimpern. Ganz weiß.«

Tobirama hob eine Braue. »Natürlich hab ich Wimpern wie jeder andere auch. Was dachtest du denn, was das ist? Federn?«

»Hmm, gar nichts zum Beispiel? Die sind so weiß, man sieht sie kaum. Und ich hab dich vorher noch nie von so nahem betrachtet, da dachte ich irgendwie, dass du einfach keine Wimpern hast. Vielleicht sollte ich doch einfach öfters von nahem betrachten, findest du nicht auch?« Izuna legte seinen besten Unschuldsblick auf.

Er sollte Izuna einfach fragen, hatte Hashirama gesagt. Also tat Tobirama genau das. »Warum hast du das vorhin gemacht?«

»Was?«

»Na, was wohl? Der Kuss!«

»Die Küsse, wenn schon. Es waren zwei. Und ich wollte eben.«

Tobirama verdrehte die Augen. »Darauf wäre ich jetzt nie allein gekommen. Man küsst nicht einfach so seine Freunde.«

Und wirklich brüderlich waren die Küsse auch nicht gerade gewesen.

»Stimmt.« Izuna senkte den Blick und kaute nervös auf seiner Lippe.

Süß, ging es Tobirama auf einmal durch den Kopf.

Izuna holte die Luft. »Also … Keine Ahnung, wie oft ich dir schon gesagt hab, dass ich dich mag. Weil … ich mag dich wirklich sehr.«

»Du bist ungewöhnlich zurückhaltend«, stellte Tobirama fest.

Izuna drehte die Schale in seinen Händen hin und her. »Weil ich mich nicht mehr hinter frechen Sprüchen verstecken will. Es mochte damals wie ein Scherz gewirkt haben, und jetzt zäume ich das Pferd wahrscheinlich von hinten auf, aber ich würde mich wirklich freuen, wenn wir vielleicht eines Tages heiraten.«

Das war in der Tat sehr voreilig. »Eines nach dem anderen.«

Hoffnungsvoll sah Izuna zu ihm auf. »Heißt das also, dass du mich auch magst? Auf diese Weise?«

Verdammt niedlich, präzisierte Tobirama. Und seit wann dachte er so von Izuna? Oder war es ihm vorher einfach nie aufgefallen? Als er antwortete, wählte er seine Worte mit Bedacht: »Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht sicher. Aber ich denke, wir könnten es einmal probieren.«

Die Hoffnung wandelte sich in Begeisterung. »Das klingt großartig! Dann lass es uns probieren!« Zufrieden lächelnd lehnte sich Izuna gegen Tobirama und trank seinen Tee. »Wie sieht‘s eigentlich bei dir mit Sex aus?«

Tobirama verschluckte sich beinahe an seinem eigenen Tee. Er hustete. »Warum fragst du das?«

»Na, warum wohl? Ich will mit dir schlafen, Dummerchen!«

Oh. Nicht gut. Tobirama räusperte sich. Er sollte es jetzt wirklich einmal ansprechen. »Nun … Da gibt es ein Problem.«

»Ach so? Falls du dir Sorgen machen solltest, wenn das dein erstes Mal ist: Das wäre für mich auch das erste Mal.«

»Schon irgendwie. Aber das ist es nicht. Ich …« Ach, verdammt, warum fehlten ihm ausgerechnet jetzt die Worte? »Also … nun ja … das ist einfach nicht so mein Ding. Nicht in dem Sinne, dass ich dem völlig abgeneigt wäre. Ich kann nur auch hervorragend ohne leben.« Mit einer bedauernden Geste fügte er an: »‘tschuldigung.«

Izuna fuhr auf. »Das muss dir doch nicht leidtun!«, beteuerte er. »Dann ist es eben so. Aber ist es dann für dich in Ordnung, wenn ich mit jemand anderem Sex habe?«

»Und warum sollte wiederum mich das stören?«

»Weil manche am Konzept der Monogamie festhalten. Big Bro gehört erstaunlicherweise nicht dazu, aber hätte ja sein können, dass du darauf Wert legst.«

Tobirama hob eine Augenbraue. »Du kannst tun und lassen, was du willst. Ich kann dich ohnehin nicht aufhalten.«

»Aber ich kann dich aus Höflichkeit trotzdem um dein Einverständnis bitten.«

»Was ich zu schätzen weiß.«

»Siehst du.« Izuna hielt einen Moment inne. Ein plötzlicher Gedanke schien ihm zu kommen. »Aber sag, ist es für dich in Ordnung, wenn ich dich küsse? Wenn nicht, tut mir das vorhin im Labor leid. Das hätte ich wahrscheinlich nicht einfach so tun sollen, nicht wahr? Ah, das tut mir wirklich leid.«

»Hm. Das ist schon in Ordnung. Auch wenn‘s wirklich ein Überfall gewesen war. Und immerhin schließe ich Sex auch nicht kategorisch aus.«

»Aber nicht, dass du dich zu irgendetwas gedrängt fühlst!«

»Nein.«

»Gut.« Izuna lächelte und lehnte sich wieder an Tobirama. »Ich bin echt froh, dass wir uns damals nicht gegenseitig ausgeweidet haben.«

»Hm.« Dieses Mal war es Tobirama, der sich zu Izuna beugte und ihn küsste. Es fühlte sich richtig an.

Im Westen ging die Sonne unter. Alles, wirklich alles, war genau so, wie es sein sollte.

Ich habe bewusst Tobirama nur als ace gelabelt und den Rest offen für Interpretationen gelassen. Bin auch neugierig, was ihr noch so alles seht ^^

Autorennotiz

Und wieder ein Text, der etwas aus dem Ruder lief.
Im Text verbirgt sich auch (wieder einmal) hanakotoba, die japanische Blumensprache:
Lotus: Weit entfernt von der Person, die man liebt; Reinheit; Keuschheit
Astern: Erinnerung
Weiße Kamelien: Warten
Windröschen: Aufrichtigkeit
Atlantisches Hasenglöckchen (das sind die blauen Blümchen): Dankbarkeit
Edelweiß: Tapferkeit, Kraft
Vergissmeinnicht: wahre Liebe

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Elenyafinwes Profilbild Elenyafinwe
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Kapitel:13
Sätze:4.079
Wörter:54.670
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Kurzbeschreibung

In den Wäldern geht ein Dämon um. Ein Rachegeist, der die Geheimnisse seines Reiches hütet und gnadenlos jeden Uchiha jagt, welcher die Dreistigkeit besitzt, in die Schatten seiner Bäume zu treten. Gerüchte besagen, der Dämon könne aus dem Nichts heraus wilde Pflanzen sprießen lassen, die seine Feine erdolchen und erdrosseln, als seien sie Lebewesen. Madara weiß, dass das alles Blödsinn ist, dennoch muss etwas gegen den Dämon unternommen werden. Was er jedoch tatsächlich im Wald vorfindet, überrascht selbst Madara. Plötzlich scheint der Traum, den er einst hatte, gar nicht mehr so unerreichbar. [HashiMada und ein klein wenig TobiIzu]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit mittellang, Alternativuniversum, Kampf, Freundschaft, (romantische) Beziehungsentwicklung, canon aware, Songfiction, nichtbinärer Charakter und Spannung getaggt.