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Schmetterlingseffekt

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23.09.21 17:57
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
Asexualität
In Arbeit

7 Charaktere

Senju Tobirama

Der jüngere Bruder Hashiramas und zweiter Hokage. Er ist weithin gerühmt für seine Schnelligkeit, auf deren Basis er auch das Hiraishin entwickelte. Außerdem entwickelte er zahlreiche weitere Jutsu, unter anderem auch das Edo Tensei. Er ist mit seiner ruhigen und rationalen Natur ein Gegenstück zu seinem Bruder und bremst oft dessen Enthusiasmus aus, um ihn in realistischere Bahnen zu lenken.

Uchiha Izuna

Izuna ist der jüngere Bruder Madaras und mit ihm einer der stärksten Mitglieder des Uchiha Clan. Sie beide erweckten schon in jungen Jahren das Mangekyō Sharingan und konnten damit über ihren Clan herrschen. Izuna steht treu zu seinem Bruder und unterstützt ihn. Er wurde von seinem Rivalen Senju Tobirama tödlich verwundet und gab seine Augen noch auf dem Sterbebett Madara.

Sarutobi Hiruzen

Sarutobi Hiruzen war der Hokage der Dritten Generation und wachte viele Jahre lang über das Dorf. Er trat zugunsten von Minato zurück, nahm sein Amt jedoch wieder ein, nachdem Minato im Kampf gegen Kurama sein Leben ließ. Hiruzen gehörte einst zum Team Tobirama und zur Eskort Einheit und wurde von Tobirama selbst zu seinem Nachfolger ernannt.

Uchiha Kagami

Uchiha Kagami war ein Shinobi aus Konoha zu Zeiten des Zweiten Hokage und zudem ein direkter Untergebener Tobiramas, auf den Tobirama große Stücke hielt. Kagami war dem Dorf treu ergeben und erreichte viel zum Wohl des Dorfes. Sein Sharingan zählt zu den stärksten unter den Uchiha seiner Zeit. Sein Nachfahre ist Shisui.

Ōkami

Ōkami ist die Leitwölfin eines Rudels in den Wäldern des Feuerreiches, sowie Tobiramas Vertrauter Geist und seine Ersatzmutter. Als er einst in die Wölder ging, um mit den Wölfen einen Vertrag abzuschließen, akzeptiere sie ihn in ihrem Rudel und beschloss, dass von nun an Tobirama ihr Welpe sei.

Team Tobirama

Team Tobirama besteht aus Sarutobi Hiruzen, Utatane Koharu und Mitokado Homura, die drei jungen Shinobi, die von Tobirama und gelegentlich auch Hashirama ausgebildet werden.

Team Izuna

Von Tobirama auch liebevoll als Terrorkobolde bezeichnet, besteht das Team aus Uchiha Kagami, Akimichi Torifu und Shimura Danzo und wird von Izuna geleitet.
Neuigkeiten

Bedächtig blies Tobirama über die Teeschale, um den noch dampfenden Tee abzukühlen. Der aromatische Duft von frisch aufgebrühtem Sencha wehte ihm entgegen. Er besaß nicht die Feinheit von Matcha, aber er war immerhin auch nicht zu Hause und daher war ein etwas alltäglicherer Tee durchaus in Ordnung.

Er spürte die Blicke seiner drei Genin auf sich ruhen, ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen, als er vorsichtig an seiner Schale nippte. Genau die richtige Temperatur. Hiruzen war der erste, der es ihm gleichtat. Etwas zögernder folgten Koharu und Homura.

Koharu senkte ihren Becher alsbald wieder. »Sind wir nicht hier, um zu trainieren, sensei?«

An diesem sonnigen Tag war Tobirama mit ihnen zu einer Lichtung nahe Konohas gegangen, die er für ihr Training als geeignet ansah. Nachdem er sie nun schon mehrere Stunden durch die Gegend gescheucht hatte und sie ihre Chakrakontrolle hatte üben lassen, war es nun an der Zeit für eine kleine Pause.

Ebenso bedächtig, wie er sie überhaupt erst angehoben hatte, setzte Tobirama seine Schale vor sich ab. Dann legte er die Hände auf die Knie und sah seine kleinen Genin an. »Ja, das sind wir. Aber alles im Leben will seine Momente der Ruhe haben. Es ist ein wenig wie mit dem Tee, den ich euch zubereiten ließ. Zunächst bedarf es gründlicher Vorbereitung und dann ein Innehalten, bevor man die Früchte der Arbeit genießen kann. Der Tee ist euch übrigens gut gelungen, genau die richtige Ziehzeit.«

Homura schien nicht überzeugt von dieser Metapher. Er sah erst kritisch auf seinen Tee und dann zu Tobirama.

Hiruzen stieß ihn mit dem Ellbogen an. »Das heißt, dass du nicht immer mit dem Kopf durch die Wand rennen sollst.«

»Aber Ninjutsu ist doch zum Kampf gedacht«, gab Homura zu bedenken. »Und nicht dazu, um Tee warm zu machen.«

»Warum nicht?«, hielt Hiruzen dagegen. »Ich finde das ziemlich aufregend.«

Tobirama hatte ihnen aufgetragen, mittels einfacher Jutsu ihren Tee zuzubereiten. Die Kanne und die Schalen sowie die getrockneten Teeblätter hatte er von zu Hause mitgebracht, den Rest hatten seine kleinen Genin erledigt. Zusammen hatten sie Holz gesammelt, das Hiruzen entzündet hatte. Homura hatte dann Wasser vom nahen Fluss holen wollen, bis Koharu ihn an ihre Aufgabe erinnert und selbst mit einem Suiton für Wasser gesorgt hatte.

»Nun ja, aber … Es ist irgendwie seltsam«, versuchte es Homura weiter.

»Warum?«, fragte Tobirama ihn schlicht.

Homura überlegte einen Moment und suchte nach den richtigen Worten. »Es ist, als würde man mit einem Tuschepinsel eine Hauswand streichen wollen. Es würde gehen, aber es ist doch falsch.«

»Was würde dagegen sprechen?«

Homura schien allmählich etwas frustriert zu werden. »Das macht man eben nicht!« Als wäre damit alles gesagt.

»Keiner weiß mehr, wo die Wurzeln des Ninjutsu liegen«, dozierte Tobirama ruhig. »Dieses Wissen ging irgendwann einmal im Laufe der Jahrhunderte verloren, oder vielleicht war Ninjutsu ja auch einfach immer schon da gewesen – auch wenn ich diese Erklärung für etwas dürftig halte. Natürlich und besonders aufgrund der Bürgerkriegszeiten denken die allermeisten zunächst an einen kriegerischen Einsatz und das ist ja auch nicht falsch. Es ist das naheliegendste.«

Tobirama fragte sich, wann seine kleinen Genin endlich bemerken würden, dass sie schon lange nicht mehr allein waren.

Hiruzen war wie immer am schnellsten dabei, seinen Gedanken aufzugreifen. »Aber nicht nur. Da wir nicht wissen, wo die Ursprünge des Ninjutsu liegen, kann es genauso gut sein, dass es ursprünglich für etwas anderes als den Kampf genutzt wurde.«

Außerdem fragte er sich, wie lange Izuna noch mit seinen Terrorkobolden auf der Lauer liegen wollte. Seit mehreren Minuten schon versteckten sie sich im Gebüsch des nahegelegenen Waldes. Tobirama konnte Izuna nicht ausmachen, wusste aber dennoch, dass er bei Kagami, Danzō und Torifu war. Hauptsächlich machte er es daran fest, dass die drei Genin mehr schlecht als Recht ihr Chakra zu verschleiern versuchten und sie die Technik mit Sicherheit von Izuna gelernt hatten.

Tobirama nickte Hiruzen zu. »Du hast es erfasst.«

Wahrscheinlich war Izuna nur wieder einmal faul und wälzte die Pflicht, seinen Genin etwas beizubringen, auf Tobirama ab. Es würde ihm ähnlich sehen.

Koharu runzelte die Stirn. »Das führt mich jedoch zu einer Frage. Hashirama-sama kann ganze Häuser wachsen lassen. Warum hat er dann nicht das Dorf allein errichtet? Warum wurden dennoch die meisten Häuser auf herkömmliche Weise gebaut?«

»Eine gute Frage«, lobte Tobirama sie. »Wir hatten früher schon sowohl mein Suiton genutzt, um Felder in Dürreperioden zu bewässern, als auch Hashiramas Mokuton, um Häuser zu errichten oder auszubessern. Die Antwort auf deine Frage, Koharu-kun, liegt jedoch schlicht und ergreifend darin, dass ich es ihm untersagt hatte. Er hatte noch andere Dinge, um die er sich kümmern musste, und außerdem haben auch seine Kräfte irgendwann einmal ein Ende.«

Koharu sah ihn groß an und schien etwas sagen zu wollen, unterließ es dann aber dennoch. Das war wahrscheinlich nicht die Antwort gewesen, die sie erwartet hatte.

Tobirama griff wieder zu seiner Teeschale und nahm einen weiteren Schluck. Der Tee war mittlerweile etwas abgekühlt und nun beinahe zu kühl für seinen Geschmack. Dennoch wäre es schade, ihn wegzukippen. Seine Genin hatten sich so große Mühe damit gegeben.

Natürlich wählte Izuna genau diesen Moment, um die Deckung seines Teams aufzugeben. Mit lautem Kampfgebrüll stürmten sie aus dem Gebüsch, in dem sie bis jetzt gelauert hatten, und stürzten sich auf ihre größtenteils ahnungslosen Opfer.

»Attacke!«, schrien Izuna und Kagami wie aus einem Mund.

Tobirama verdrehte genervt die Augen. So viel zu seinem wohlverdienten Tee. Immerhin waren die beiden Uchiha mit Schreien beschäftigt, was hieß, dass sie keine Gelegenheit für ein Katon hatten. Tobirama nutzte diese Chance, um mittels eines Suiton den Tee in seiner Schale Izuna ins Gesicht zu schleudern. Zumindest eine kleine Rache.

Seine drei kleinen Genin mochten unaufmerksam gewesen sein, aber immerhin reagierten sie nun angemessen schnell. Koharu und Homura zückten Kunai und Hiruzen warf sogar ein Shuriken nach Kagami.

Mit einer blitzschnellen Bewegung warf Tobirama ein Hiraishin-Kunai hinter Izuna und teleportierte sich sofort dorthin. Noch in derselben Bewegung versuchte er, Izuna die Beine wegzutreten. Izuna hatte das natürlich kommen sehen und konnte dem ausweichen, wenn auch nur dank seines Mangekyō. Die Kröte wollte es heute also wirklich wissen, wenn er gleich damit begann.

Tobirama führte sein Katana zwar in einer Schriftrolle versiegelt bei sich, entschied sich aber dennoch für den direktesten Kampf und zückte ein Kunai. Auch Izuna zog lediglich sein Tanto und wehrte Tobiramas Schlag damit ab. Klirrend trafen die Klingen aufeinander.

Koharu und Homura verlegten sich auf eine defensive Strategie und gingen in Verteidigungsstellung. Kagami und Torifu versuchten, sie zu umstellen, und da ihre erwählten Gegner ihr Vorhaben nicht früh genug unterbanden, gelang es ihnen auch. Hinzu kam, dass Torifu einiges Geschick in der Technik seines Clans erwies, was bedeutete, dass er seit dem letzten Mal fleißig trainiert hatte. Auch Kagamis Sharingan war selbst unvollständig ausgebildet nicht zu unterschätzen, und so gerieten Koharu und Homura schnell ins Hintertreffen und ihnen wurde die Initiative genommen.

Indes duellierten sich Hiruzen und Danzō. Hiruzen erwies wieder einmal sein bemerkenswertes Geschick mit den Shuriken, doch noch konnte Danzō sie abwehren, wie eine plötzlich aufkommende Windbö zeigte. Die Shuriken fielen wirkungslos zu Boden, doch Hiruzen ließ sich davon nicht aufhalten.

Mit einem einfachen Fingerzeichen beschwor Tobirama ein weiteres Suiton herauf und durchnässte Izuna damit. Es war nicht wirklich stark und zielte eher darauf ab, seine kleine Rache für die gestörte Teepause auszuleben.

»Ach, komm schon, Tobi-chan!«, beschwerte sich Izuna auch prompt. »Hör auf mit den Spielchen und tanz richtig.«

»Du sollst mich nicht so nennen!«, fauchte Tobirama. Jedes Mal dasselbe!

Izuna lachte frech auf und schnitt eine Grimasse. Das nächste Suiton traf ihn schon deutlich härter im Gesicht. Empört wischte er sich das Wasser aus den Augen. »Das war aber nicht fair. Dabei sollst du doch ein Vorbild für die Kinder sein.«

»Wir sind Shinobi, wir kämpfen nicht mit fairen Mitteln«, erinnerte Tobirama ihn todernst.

Schneller, als normale Augen es würden sehen können, formte er eine Reihe von Handzeichen. Wasser begann, um ihn herum zu wirbeln, das er sowohl aus dem Boden als auch der Luft zog und auch mit seinem eigenen Chakra selbst erzeugte. Noch in dem Moment, in dem sich der Wasserdrache herausbildete, sprang Izuna zurück, um etwas Distanz zwischen ihnen zu erzeugen, und begann selbst sein Jutsu. Als sich der Wasserdrache auf ihn stürzte, rief er seinen eigenen Feuerdrachen herbei.

Beide Kreaturen trafen brüllend aufeinander. Hoch hinaus in den Himmel wandten sie sich und schlangen sich umeinander wie zwei Liebende in einem tödlichen Kampf. Sie verbissen sich ineinander und zerrten wild an dem jeweils anderen.

Nur Augenblicke dauerte dies, dann annihilierten sich beide Jutsu und heißer Wasserdampf hüllte die ganze Szenerie ein. Er nahm ihnen allen die Sicht, doch Tobirama wusste selbst die Luftfeuchte zu manipulieren. Um ihn herum bildeten sich hunderte kleiner Wassertropfen wie winzige Geschosse, die er in die Richtung sandte, in der er Izuna ausmachen konnte. Izuna mochte zwar von ihm gelernt haben, wie man sich vor einem Sensor verbergen konnte, doch schlussendlich war noch immer Tobirama der Erfinder dieses Siegels und wusste daher auch, wie man es umgehen konnte.

»Autsch!«, jammerte Izuna irgendwo im Nebel, als Tobiramas Geschosse ihr Ziel fanden. »Du cleverer Fuchs!«

»Du hättest mich auch einfach meinen Tee trinken lassen können«, erinnerte Tobirama ihn.

»Wo bleibt da der Spaß?«

Tobirama erspürte die winzigen Verwirbelungen im Nebel, die Izunas Bewegungen verrieten. Der Nebel behinderte sein Sharingan nur bedingt, Tobirama hatte jedoch seinerseits gelernt, sich nicht immer auf seine Augen zu verlassen. So konnte er Izunas weiteren Vorstoß mit der Klinge abwehren.

Ein weiteres von Danzōs Fūton löste den Nebel auf. Wie sich herausstellte, hatte der Nebel Koharu und Homura zum Nachteil gereicht und sie waren Kagami und Torifu unterlegen. Hiruzen hatte die Situation besser gemeistert und hatte den Nebel zu seinem Vorteil nutzen können. Er hielt seinen Rivalen im Schwitzkasten, ein Kunai an dessen Kehle, womit er den Kampf für sich hatte entscheiden können.

Zwischen Tobirama und Izuna hatte sich ein Patt ergeben. Tobirama hatte Izuna am Zopf gepackt und seine überlegende Körpergröße genutzt, um Izunas Kopf nach hinten zu reißen und seine Kehle bloßzulegen. Tobirama hielt ihm das Kunai an den Hals. Izuna seinerseits hielt ihm jedoch sein Tanto an die Nieren, ein Stich, der tödlich wäre, würde er es darauf anlegen.

Izuna grinste zu Tobirama auf, der sich über ihn beugte. »Zwei zu eins und ein Unentschieden. Wir haben trotzdem gewonnen.«

Tobirama sah ihm direkt in das Mangekyō. Dann überwand er den letzten Abstand zwischen ihnen und küsste Izuna, wobei er die Position des Kunai so veränderte, dass er sich nicht selbst die Kehle aufschlitzte. Es hatte den erwarteten Effekt. Izuna schien für einen winzigen Moment überrascht zu sein, doch dann ließ er sein Tanto fallen, nahm Tobiramas Gesicht zwischen seine Hände und erwiderte den Kuss.

»Unentschieden«, korrigierte Tobirama ihn mit einem siegessicheren Schmunzeln. »Jetzt wärest du tot.«

Izuna schielte erst auf das Kunai an seinem Hals und sah dann wieder zu Tobirama. Ein verschlagenes Grinsen breitete sich langsam auf seinen Lippen auf. Dann traf sein Knie auf Tobiramas Leibesmitte.

Tobirama krümmte sich vor Schmerzen und fluchte saftig. »Du Scheißkerl!«

Izuna hielt sich vor Lachen den Bauch. »Na, wie schmeckt die eigene Medizin? Du hast selbst gesagt, dass hier nicht mit fairen Mitteln gekämpft wird.«

»Ich bring dich um!«

»Die Chance hast du vor neunzehn Jahren verpasst.«

»Ab sofort schläfst du auf dem Sofa!«

»Das glaube ich nicht.«

Die sechs Genin hatten das Wortgefecht ihrer beiden Lehrer mit einem gewissen Sicherheitsabstand verfolgt. Hiruzen verschränkte die Arme vor der Brust.

»Sensei, warum müssen wir eigentlich immer den Kopf für Ihre Ehestreitigkeiten hinhalten? Können Sie das nicht untereinander ausmachen?«

Tobirama versuchte, Haltung zu gewinnen, nicht jedoch, ohne vorher Izuna noch einen giftigen Blick zuzuwerfen. Dieser sonnte sich selbstgefällig in seinem Sieg.

»Übung«, sagte Tobirama trocken. »Ihr habt viel zu spät bemerkt, dass der Feind uns auflauerte. Wäre dies ein echter Kampf, ihr wärt alle tot.«

»Aber sensei, in einem echten Kampf hätten Sie uns doch sicher raushauen können«, sagte Koharu. »Sie haben uns beigebracht, dass man sich immer zuerst die schwächsten Glieder einer Gruppe heraussuchen und isolieren soll.«

Unwillkürlich musste Tobirama an die Messer denken, die damals Tajima und Butsuma auf den Sohn des Rivalen geworfen hatten. Noch heute sah er klar, wie die Klinge im Licht der Sonne aufblitzte, als sie direkt auf ihn zuflog und er ihr nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte. Zwei Jahrzehnte war dies nun her und immer noch erinnerte er sich dieses Momentes, als sei es gestern gewesen.

»Das stimmt. Das habe ich euch beigebracht«, sagte er. »Aber ich bin nicht immer da, um euch aus Gefahren zu retten. Ihr müsst lernen, selbstständig zu handeln.«

»Jawohl, sensei!«, rief Hiruzen aus. »Das nächste Mal werde ich besser sein!«

»Ich möchte, dass ihr alle das nächste Mal besser seid«, sagte Tobirama. »Saru, du hast dich im Einzelkampf gut geschlagen, kannst jedoch nicht immer allein voranstürmen. Koharu, Homura, zusammen wart ihr ebenfalls nicht schlecht, habt euch jedoch zu schnell in die Defensive drängen lassen. Hättet ihr von Anfang an Saru unterstützt, hättet ihr Danzō schneller überwältigt und hättet zu dritt bessere Chancen gegen Kagami und Torifu gehabt.«

Izuna knuffte ihn in die Seite. »Und was ist deine Ausrede, dass du verloren hast? Gibt‘s zu, es war mein Charme.« Er zwinkerte vielsagend. »Meine kleinen Gremlins sind einfach besser als deine.«

Kagami streckte stolz die Brust raus und grinste übertrieben. »Wir Uchiha sind eben einfach die Besten!«

Tobirama überhörte Izuna geflissentlich und fasste Kagami in den Blick. »Nimm den Mund nicht zu voll, Junge. Gerade du müsstest wissen, wie man ein Siegel ordentlich ausführt, keiner von euch hat das sachgemäß angestellt. Nachher gibt es nach dem Abendessen noch eine zusätzliche Lektion für dich, Kagami-chan.«

Kagami stöhnte gequält auf. »Och nö! Muss das sein, Tobi-oji?«

»Gönn unserem Jungen doch wenigstens einmal seinen Erfolg«, pflichtete Izuna ihm bei. »Warum habe ich dich überhaupt geheiratet? Du bist ein elender Besserwisser.«

Torifu lachte hämisch und knuffte Kagami in die Seite. »Ätsch.«

Bevor Tobirama auch noch ihn zu Nachhilfe verdonnern konnte, kam die Rettung der sechs Genin von unerwarteter Seite. Tobiramas Nichte Miyazaki trat auf die Wiese, auf dem Arm ein Korb, aus dem es verräterisch duftete. Sie winkte ihnen zu.

»Mom schickt mich und lässt ausrichten, dass ihr auch einmal eine Pause machen sollt«, sagte sie, als sie bei ihnen war. »Außerdem sagt sie, dass das ganz besonders für dich gilt, Tobi-oji.«

Tobirama schnaubte. »Musst du nicht lernen? Die Jahresabschlussprüfungen für die Akademie stehen bald an.«

Sie lächelte ihn unschuldig an und streckte ihm den Korb entgegen. »Mom hat gesagt, dass du das sagen würdest, und trug mir daher auf, dich so lange mit Marmeladenbrot vollzustopfen, bis du den Mund hältst.«

Tobirama kniff die Augen zusammen. Das war eindeutig Izunas Einfluss auf seine Familie.

Kagami hatte schon längst ein Auge auf den Inhalt des Korbes geworfen und schlug das Tuch zurück, das ihn abdeckte. Darunter kam ein Laib Brot, ein Marmeladenglas und mehrere Messer zum Vorschein. Kagamis Augen leuchteten auf.

»Mito-oba hat schon wieder Marmelade gekocht! Und das Glas ist sogar noch warm!«

Miyazaki nickte. »Mit Erdbeeren aus unserem Garten. Außerdem ist es Konfitüre. Du weißt, dass sie da pingelig ist.«

Torifu klatschte begeistert in die Hände. »Mito-hime kocht die beste Marmelade! Äh, ich meine Konfitüre.«

»Raubtierfütterung!«, verkündete Izuna.

Tobirama hatte den starken Verdacht, dass er schon lange nicht mehr Herr der Situation war.

Sie setzten sich ins Gras, schnitten das Brot in Scheiben und verteilten die frische Konfitüre großzügig darauf. Der eine oder andere Finger wanderte auch so ins Glas, um zu naschen. Es war Erdbeersaison und wie jedes Jahr verbrachte Mito viel zu viel Zeit damit, die Unmengen an Früchten einzukochen, die ihr Garten abwarf. Irgendwie wurde ihr Erdbeerbeet im Garten auch von Jahr zu Jahr größer … Tobirama hatte Hashirama im Verdacht.

»Danzō, du bist die ganze Zeit schon so still«, stellte Izuna irgendwann fest. »Was hast du?«

Danzō grummelte etwas Unverständliches und fügte dann doch zerknirscht an: »Ich habe verloren.«

»Man kann im Leben nicht immer gewinnen«, erwiderte Izuna, »und nur aus Fehlern lernen wir. Sieh es als Chance, das nächste mal besser zu werden.«

Danzō knirschte sichtlich mit den Zähnen und schielte zu Hiruzen. Rivalitäten unter jungen Leuten waren bis zu einem gewissen Maße gut und förderten ihren Ehrgeiz, aber Tobirama würde darauf achten müssen, dass es nicht Überhand nahm.

Miyazaki leckte sich die Konfitüre von den Fingern. »Dad lässt außerdem ausrichten, dass ihr bei Gelegenheit im Büro vorbei schauen sollt.«

Tobirama warf ihr einen mahnenden Blick zu. »Das hättest du gleich zu Anfang sagen sollen.«

Miyazaki schenkte ihm ihr unschuldigstes Lächeln, das sie sich unter Garantie von Izuna abgeschaut hatte. »Dad sagt außerdem, dass wir erst die Konfitüre essen sollen, und dass das ein Befehl sei, wenn du widersprichst.«

Tobirama grummelte missmutig. »Du versteckst dich zu gern hinter deinen Eltern.«

»Es ist halt praktisch.«

Zweifelsohne Izunas Einfluss. Er musste dringend heute Abend mit ihm reden. Das konnte so nicht weiter gehen.

»Dann gehen wir eben jetzt«, sagte er stattdessen. Es gab keinen Grund, noch länger zu warten. Er wollte Izuna bereits eine Hand auf die Schulter legen, als dieser seine Hand zur Seite schlug.

»Vergiss es!«, rief Izuna. »Wir laufen wie jeder vernünftig Mensch!«

»Aber Hiraishin ist wesentlich schneller.«

»Und ich kotz immer noch jedes zweite Mal. Big Bro ist sicher nicht begeistert, wenn er das Büro schon wieder schrubben lassen muss.«

Tobirama grummelte erneut missmutig und musste einsehen, dass er in der Minderheit war. Also liefen sie, so ineffizient es auch war. Miyazaki kam mit ihnen, sprang fröhlich voran und schwatzte mit Kagami. Stolz berichtete sie, was sie alles in der Akademie gelernt hatte und dass sie die Klassenbeste war, wenn es um Doppelgänger ging. Obligatorisch bettelte sie bei Tobirama, dass er ihr endlich sein Schattendoppelgänger Jutsu beibrachte und wieder erinnerte er sie daran, dass er das frühestens machen würde, wenn sie ihren Abschluss hatte.

»Aber du warst nur zwei Jahre älter als ich jetzt, als du es erfunden hast!« Sie schmollte.

»Andere Zeiten«, erinnerte Tobirama sie.

Sie presste sich eine dicke Krokodilsträne aus den Augen, obwohl sie ganz genau wusste, dass das bei ihm nicht wirkte.

Als sie den Hokage Turm erreichten, wurde er endlich von seiner Nichte erlöst. Sie stürmte voran und trat schwungvoll die Bürotür ein. »Mom! Dad! Onkel! Mission erfüllt!«

Gesitteter folgten die Andern ihr.

Es bot sich das gewohnte Bild. Mito blätterte in irgendwelchen Akten, während sie vor dem großen Aktenschrank auf und ab marschierte. Madara las ebenfalls in Berichten, gammelte dabei jedoch im Fenstersims und scherte sich kein bisschen um eine auch nur ansatzweise angemessene Präsentation seiner selbst. Hashirama hatte im Gegensatz zu ihm immerhin seine formalen Roben angelegt und saß sogar an seinem Schreibtisch, brachte es aber wie immer nicht fertig, Ordnung in die Papierberge zu bringen. Stumm seufzend setzte Tobirama es auf seine Liste, hier nach Feierabend noch aufzuräumen. Irgendwer musste ja alles am Laufen halten.

Lachend fing Hashirama Miyazaki auf, als sie auf ihn zu stürmte. »Gut gemacht, mein Bäumchen.« Er schob ihr heimlich einen Bonbon zu, als er dachte, keiner würde es bemerken.

Die sechs Genin hatten sich artig verbeugt. Torifu räusperte sich.

»Mito-hime, ich habe wieder einmal sehr für die ausgesprochen köstliche Konfitüre zu danken.«

Sie lächelte. »Das freut mich. Wer so fleißig trainiert, hat sich hin und wieder auch einmal etwas verdient. Wie war es heute? Hat Tobirama euch alle sehr geknechtet?«

Hatten sich hier alle gegen ihn verschworen?

»Überhaupt nicht«, sagte Hiruzen sogleich. »Tobirama-senseis Methoden sind ausgesprochen hilfreich. Wir lernen immer viel bei ihm.«

Wenigstens einer, der die Treue hielt.

Madara warf die Papiere auf den Schreibtisch und traf sogar. »Und dein Sharingan, Kagami?«, wollte er wissen.

Kagami streckte seinen Daumen. »Spitzenmäßig, Madara-oji. Bald bin ich so gut wie Papa!«

Madara sah ihn finster an. Er hasste es, so genannt zu werden, und Kagami tat es natürlich gerade deswegen jedes Mal. Zumal war Kagami eine der wenigen Personen, die sich nicht von Madaras berüchtigten Blicken einschüchtern ließ. Dann jedoch wurde Madaras Blick weicher.

»Dein Vater wäre stolz auf dich.«

Eine Spur Traurigkeit schlich sich in Kagamis Augen. »Danke.«

Vor drei Jahren waren Hikaku und Tōka auf einer Mission verunglückt und hatten ihren einzigen Sohn als Waise zurückgelassen. Für Izuna hatte natürlich außer Frage gestanden, sich Kagamis anzunehmen. So war es gekommen, dass Tobirama nicht nur einen Uchiha geheiratet hatte, sondern auch noch einen adoptiert.

»Es ist toll zu sehen, wie die nächste Generation heranwächst und erblüht«, sagte Hashirama. »Eure Fortschritte sind wirklich bemerkenswert, ihr macht das großartig. Ich wette, Tobirama meckert trotzdem die ganze Zeit.«

Tobirama sah ihn scharf an. »Red mir nicht rein, wie ich das Training meiner Genin zu gestalten habe.«

»Aber es ist doch wahr, du findest immer etwas, das du kritisieren kannst.«

»Halt den Mund, anija!«

Hashirama ließ den Kopf hängen. Fast ebenso rasch fand er zu seinem sonnigen Gemüt zurück. »Dann mach, was du für am besten hältst. Aber ich fürchte, ich muss euch dennoch eure sensei für einen Moment entführen. Wir haben noch etwas zu besprechen. Miyazaki-chan, geh doch mit Kagami schon einmal vor und überlegt euch, was wir heute zum Abendbrot essen.«

»Wird gemacht!«

Ebenso energetisch, wie sie eingetreten war, stürmte sie wieder nach draußen. Kagami deutete eilig eine Verbeugung an und rannte ihr dann nach, um zu verhindern, dass sie irgendetwas anstellte. Die anderen fünf Genin verbeugten sich ebenfalls und verließen den Raum gesitteter.

Izuna schloss die Tür hinter ihnen, sodass nun nur noch die Erwachsenen im Büro waren. »Was gibt‘s?«

»Die gute oder die schlechte Nachricht zuerst?«, wollte Hashirama wissen.

»Wenn du schon so fragst, dann die schlechte.«

Hashirama nickte und schob ihnen über den Tisch hinweg ein Schreiben zu. Tobirama erkannte das Wappen des Tsuchikage und witterte sogleich, dass die Hagoromo dahinter steckten.

Vor langer Zeit, noch vor der Gründung der Dörfer, hatten die Hagoromo ein Bündnis mit den Uchiha unterhalten. Das war zerbrochen, sobald Hashirama und Madara offiziell Frieden miteinander geschlossen hatten, was den Hagoromo augenscheinlich ganz und gar nicht geschmeckt hatte. Sie hatten sich nach Iwagakure zurückgezogen, doch seitdem hatte es immer wieder Spannungen gegeben, die schon einige Male drohten zu eskalieren.

»Sie stellen Landforderungen«, sagte Hashirama ernst. »Dabei berufen sie sich auf das Abkommen, das wir damals mit Sunagakure auf der Sechs Kage Konferenz geschlossen hatten.«

»Fünf Kage«, korrigierte Madara ihn automatisch.

»Sechs«, hielt Hashirama dagegen. »Damals wie heute teilen wir uns das Amt.«

»Aber du bist derjenige, der immer sein Gesicht hinhält.«

»Und das auch nur, weil du sonst immer allen damit drohen würdest, sie niederzubrennen.«

Indes hatte sich Izuna das Schreiben genommen und überflogen. »Aber Big Bro hat doch Recht. Das geht doch schon seit immer so. Irgendwann müssen wir dem einen Riegel vorschieben.«

Madara warf Hashirama einen vielsagenden Blick zu. »Und vergiss nicht die Berichte über Scharmützel an den Grenzen.«

»Die Ninja trugen keine eindeutigen Erkennungszeichen. Es hätte jedes der angrenzenden Länder sein können«, hielt Hashirama dagegen.

»Nicht einmal du glaubst wirklich daran, dass sie nicht aus Iwagakure kamen«, sagte Mito. »Wir mögen zwar noch keine zweifelsfreien Beweise haben, aber die Indizien sprechen dafür.«

Eine steile Falte hatte sich zwischen Hashiramas Brauen gebildet. Er wirkte sichtlich frustriert.

»Was gedenkst du zu tun?«, fragte Tobirama.

Hashirama lehnte sich zurück. »Die Situation deeskalieren, bevor die Gemüter noch weiter erhitzen. Das heißt, ich werde Izuna schicken, um mit Iwa zu verhandeln.«

»Das kommt gar nicht in Frage!«, sagte Madara sogleich. »Mein Bruder bleibt schön hier, ich werde gehen!«

»Hab doch wenigstens einmal ein bisschen Vertrauen in mich, Big Bro!«, protestierte Izuna sogleich. »Vor mir rennen immerhin nicht alle schreiend weg.«

»Mit Verlaub, Madara-kun, aber dein Bruder droht wenigstens nur damit, alles in Schutt und Asche zu legen. Du setzt deine Drohungen in der Regel auch in die Tat um«, sagte Mito ruhig.

Izuna grinste zufrieden. »Siehst du.«

Madara verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie alle finster an. »Und das ist jetzt weshalb besser?«

»Izuna soll die Situation entschärfen und nicht noch schlimmer machen.« Bevor Madara noch explodierte, ergriff Hashirama eilig seine Hände. Irgendwie schaffte es diese Geste immer, Madara wieder zu beruhigen. »Ich bin davon überzeugt, dass Izuna von uns allen am besten dafür geeignet ist. Außerdem bist du manchmal wirklich etwas überbehütend und zudem brauche ich dich hier.« Mit einem unschuldigen Blick hauchte er einen Kuss auf Madaras Hand und sah zu ihm auf.

Madara erdolchte ihn mit seinen Blicken, ließ aber seine Hände, wo sie waren.

»Warum Izuna und nicht ich?«, sprach Tobirama aus, was ihm schon die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte.

»Weil ich für dich auch was hab«, sagte Hashirama und zückte ein weiteres Schreiben. »Ich habe ja gesagt, dass ich auch eine gute Nachricht habe. Raikage A ist endlich gewillt, mit uns über ein engeres Bündnis zu reden.«

»Ach, jetzt doch?« Tobirama hob eine Braue. Er erinnerte sich noch zu gut daran, wie A immer so stolz darauf gewesen war, dass sich seine Leute niemandem beugten.

»Es kann nicht immer alles schlecht verlaufen«, sagte Hashirama. »Das ist ein großer Schritt nach vorn.«

In der Tat. Seit der Gründung der Dörfer hatte man in der Regel sein eigenes Süppchen gekocht und die Nachbarn misstrauisch beäugt. Spannungen waren immer wieder aufgekommen, die durchaus auch schon zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hatten. Hashirama hatte mit der Kage Konferenz zwar erreicht, dass die Kämpfe aufhörten, doch selbst das war nicht von langer Dauer gewesen. Dass Iwagakure, höchstwahrscheinlich unter dem Einfluss der Hagoromo, jetzt doch wieder die Muskeln spielen ließ, war nur das Ende einer langen Reihe von ähnlichen Ereignissen.

»Also geht Izuna nach Iwagakure und ich nach Kumogakure«, schloss Tobirama knapp. »Klingt nach einem Plan.«

»Ich bin immer wieder erstaunt, wenn du einmal keine Einwände zu erheben hast«, sagte Mito.

Tobirama kniff die Augen zusammen. »Was soll das heißen? Das ist eine vernünftige Idee, und warum sollte ich dem widersprechen, nur weil es von Hashirama kommt?«

Hashirama klappte mehrmals empört den Mund auf und zu und brachte doch kein Wort hervor.

»Dann ist es also beschlossene Sache«, schloss Izuna die Diskussion ab. »Mein Göttergatte und ich werden also endlich wieder einmal etwas Spaß außerhalb des Dorfes haben. Und vielleicht kann ich sogar endlich wieder einmal ein paar Ärsche treten. Muss ja nicht gleich zündeln.«

Na, das konnte ja nur schief gehen.

Tobirama ahnte nicht, wie schief es wirklich gehen sollte.

Tobirama ist ein Tee Snob, don't @ me. Das nächste Kapitel ist ein bisschen dosmestic fluff mit ein ganz klein bisschen spicy content.
Am Abend
CN nicht explizite sexuelle Inhalte

Später am Abend fand sich die Familie zum Essen zusammen. Miyazaki hatte sich ganz erwartungsgemäß für Yakisoba entschieden und auch wenn sie manchmal ein kleiner, verschlagener Teufel sein konnte, konnte ihr doch niemand so wirklich widersprechen. Zu siebt saßen sie um den Tisch und schwatzten über das, was der Tag für sie bereitgehalten hatte. Geschirr wurde herumgereicht und klapperte. Die Papierwände des Zimmers waren zurückgeschoben, um die laue Luft des Sommerabends hineinzulassen, und draußen auf dem engawa lagt Ōkami und kaute auf einem großen Knochen herum, den sie zwischen ihren Pfoten hielt.

»Izuna-oji, du musst mir unbedingt deinen Feuerdrachen beibringen«, sagte Kagami gerade enthusiastisch. »Das war richtig beeindruckend heute, ich will das unbedingt auch können.«

»Es ist ein B-Rang Jutsu, aber wenn du fleißig übst, schaffst du das bestimmt«, sagte Izuna. »Und dann suchst du dir einen Senju, der ein Talent für Suiton hat, und zusammen erzeugt ihr einen Nebeldrachen, der noch stärker ist.«

Kagamis Augen leuchteten auf, doch Tobirama hob eine Hand. »Irgendwann einmal zeigen wir es dir, aber noch bist du dafür zu jung.«

Kagami schmollte. »Das Argument zieht nicht, Tobi-oji, wenn ich genau weiß, was du schon alles auf die Beine gestellt hattest, als du sechzehn gewesen warst. Hörte, da war ein Dorf darunter.«

»Andere Zeiten«, erinnerte Tobirama ihn.

Um genau zu sein war er vierzehn gewesen, als Hashirama und Madara nach dem nicht ganz so zufälligen Ableben ihrer Väter die Clanführung übernommen und Frieden miteinander geschlossen hatten. Bereits damals war Tobirama nicht ohne Grund als Weißer Wolf unter den Feinden der Senju gefürchtet worden, ein Beiname, der ihm auch heute noch anhaftete. Krieg hatte sie zu dem gemacht, was sie waren, und ihnen die Kindheit geraubt. Die Kinder dieser Generation sollten in Frieden aufwachsen und Kinder sein dürfen. Nie wieder sollte ein Kind gezwungen werden, auf einem Schlachtfeld zu kämpfen.

Kagami schmolle noch mehr, aber in dieser Sache blieb Tobirama eisern.

Izuna hatte sich indes mit seinem charmantesten Lächeln an Mito gewandt. »Mito-kun, ich fürchte, ich muss mir die Tage wieder einmal einen deiner Kimono ausborgen. Und vielleicht brauche ich auch den einen oder anderen Ratschlag beim Schminken.«

Mito hob eine Braue. »Du meinst, borgen in dem Sinne wie die anderen Male, wo ich meine Kleidung nie wieder gesehen hatte, weil die irgendwo in deinem Schrank verschwand?«

Izuna mimte die Unschuld in Person. »Es ist wirklich wichtig, und von allen Anwesenden hast du den besten Sinn für Mode.«

»Ich schlage vor, du gräbst ganz tief in deinem Schrank und bedienst dich an dem Diebesgut, das du ohnehin schon entwendet hast.«

»Wir könnten auch zusammen im Dorf einkaufen gehen, dann muss ich dich nicht immer fragen.«

»Quälgeist. Meinethalben.«

»Mito-kun, du bist die Beste! Und jetzt brauche ich nur noch deine besten Schminkgeheimnisse.«

»Ich auch!«, rief Miyazaki dazwischen.

»Morgen vielleicht«, vertröstete Mito sie. Dann wand sie sich wieder an Izuna. »Übertreib‘s nicht. Die Leute in Iwagakure sind in mancherlei Hinsicht ziemlich sturköpfig.«

»Aber ich muss mich doch angemessen präsentieren, also frage ich die Person, die sich damit am besten auskennt. Außerdem weißt du doch, dass Kleidung kein Geschlecht hat.«

»Da hast du Recht. Ich sage nur, dass manche in Iwagakure das anders sehen könnten. Aber nun gut. Der Trick ist, sich die Lippen klein zu malen, nur ein kleiner Bogen auf der Unterlippe. Siehst du, so.« Sie beugte sich etwas vor, sodass Izuna im Licht der Deckenlampe besser sehen konnte, was sie meinte.

Er nickte. »Hmhm.«

»Das wirkt niedlicher.«

»Dafür machst du mir aber immer noch ziemlich oft Angst.«

Mito lächelte und es war dieses Lächeln, in dem eine ganz eigene Verschlagenheit mitschwang, die ihr bisher noch immer den Respekt auch des konservativsten Shinobi eingebracht hatte. Jeder wusste, dass man sich nicht mit ihr anlegte.

»Was ist denn mit Iwagakure?«, wollte Kagami wissen.

»Die kriegen den Mund nicht voll genug«, grummelte Madara.

»Also geh ich hin und überzeuge sie, dass sich besser nicht mit uns anlegen«, sagte Izuna.

»Möglichst ohne allzu viele Todesdrohungen«, erinnerte Hashirama ihn. »Besser noch ganz ohne …«

»Ein oder zwei müssen es schon sein, sonst lernen sie es nie«, hielt Izuna dagegen. »Andernfalls hättest du Tobirama schicken sollen.«

»Oh, und was ist mit unserem Training? Nimmst du uns mit?« Kagami sah hoffnungsvoll zu Izuna.

»Nein, ihr bleibt hier. Du weißt doch, was vorhin erst Tobirama zum Thema Pause sagte. Eine kleine Auszeit kann nicht schaden.«

»Aber dann kann Tobi-oji ja unser Training übernehmen!«

»Der hat in Kumogakure zu schaffen.«

»Och manno.«

»Vielleicht habe ich als Trost noch irgendwo eine kleine Mission für euch«, warf Hashirama ein. »Tobirama und Izuna verschwinden ja nicht gleich morgen schon.« Er stand auf und ging nach oben in sein privates Arbeitszimmer. Kurz darauf kam er mit einem Missionspapier wieder, das er Kagami hinhielt. »Wie wäre es damit?«

Kagami musterte den Auftrag und verzog unwillig das Gesicht. »D-Rang, schon wieder Oma Nekobaas Katzen.«

»Das ist mindestens ein C-Rang«, widersprach Madara. »Die Biester sind kratzbürstig.«

Kagami verdrehte die Augen. Er war offensichtlich anderer Meinung, was den Rang dieser Mission anging.

Draußen hatte es Ōkami mittlerweile geschafft, ihren Knochen aufzubrechen, und schlabberte hörbar das Mark heraus. Krachend zerkleinerte sie auch den Rest, um an weiteres Mark zu gelangen. Dann jedoch stellte sie die Ohren auf, als sie anscheinend etwas vernommen hatte, erhob sich und trottete davon. Im selben Moment spürte Tobirama Hiruzens Chakra an der Haustür.

Kurz darauf kam die weiße Wölfin wieder und führte Hiruzen über den engawa herbei. Sanft stieß sie ihn mit der Schnauze an, um ihn zum Eintreten einzuladen. »Welpe, dein Welpe fragt nach dir.«

Mito winkte ihn herein. »Komm, setz dich zu uns. Wir haben noch genug übrig.«

Hiruzen verbeugte sich und bedankte sich für die Einladung. Sie rückten alle etwas zusammen und machten ihm Platz. Miyazaki stellte ihm eine Schale und Stäbchen hin. Tobirama goss ihm Tee in eine Schale, den guten dieses Mal.

»Was gibt es?«, fragte er dann.

»Ich hatte eine Idee für ein Jutsu«, sagte Hiruzen. »Aber das kann auch warten, ich möchte nicht beim Essen stören.«

»Du störst nicht«, versicherte Mito ihm. »Du weißt, du bist bei uns immer willkommen.«

Hiruzen verneigte sich erneut und bedankte sich. Bald schon kam er mit Kagami über ihr heutiges Training ins Gespräch und die beiden tauschten rege Tipps miteinander aus.

Schon lange nicht mehr war es wirklich still gewesen in ihrem Haus, immer hatte hier gesellige Betriebsamkeit geherrscht. Immer war irgendwer ein und aus gegangen, zu Beginn, weil irgendwer etwas von Hashirama und Madara als Anführern ihrer Clans und später als Hokage wissen wollte. Letzteres hatte sich gegeben, als sie endlich das eigentliche Büro hatten fertigstellen können. Dann war Mito zu ihnen gestoßen und die Kombination aus Mito und Izuna hatte sich als ausgesprochen explosiv herausgestellt. Als dann auch noch Miyazaki geboren worden war, war es endgültig aus gewesen mit Ruhe in diesem Haus.

Tobirama war kein geselliger Mensch. Um genau zu sein hasste er Trubel und große Menschenmassen. Sie machten ihn nervös, weil er nicht alles und jeden zugleich im Auge behalten konnte, und waren ganz allgemein anstrengend. Aber noch mehr hatte er die Stille nach den Toden Kawaramas und Itamas gehasst. Ein stilles und verwaistes Haus, durch das die letzten Hinterbliebenen mit gesenkten Köpfen schlichen, erinnerte ihn nur allzu schmerzlich an diese Zeit, die er möglichst weit hatte hinter sich lassen wollen.

Als sie schließlich alle aufgegessen hatten, wandte sich Mito an Madara. »Du hast heute Küchendienst. Izuna-kun, kommst du?«

»Jawohl! Die Herrin des guten Geschmacks will ich natürlich nicht warten lassen.« Izuna sprang auf und folgte ihr. Miyazaki rannte ihnen nach.

Madara sah missmutig auf den vollgestellten Tisch. »Na toll.«

»Ich helfe dir«, bot sogleich Hashirama an. Mit ein paar Holzdoppelgängern war der Tisch in Windeseile abgeräumt und dann verschwanden sie beide in der Küche.

Zum Schluss blieben nur noch Tobirama mit Kagami und Hiruzen. Draußen hatte sich Ōkami mittlerweile wieder ihrem Knochen gewidmet und kaute weiter hörbar darauf herum.

»Lasst uns rausgehen«, sagte Tobirama.

»Was, ich auch?«, protestierte Kagami.

»Ja, du auch. Oder denkst du, ich habe vergessen, was ich vorhin noch zu dir sagte?«

Kagami nuschelte etwas. Tobirama meinte, ein »Hätte ja sein können« zu verstehen.

Sie setzten sich auf den niedrigen Holzbalkon zu Ōkami. Sie rückte ein wenig zur Seite, um ihnen Platz zu machen, und schnüffelte dann an Hiruzen. Sie schnaubte zufrieden, als sie feststellte, dass er wohlgenährt war, eine alte Angewohnheit noch aus der Zeit, als Tobirama in diesem Alter gewesen war. Hiruzen hatte sich in den Jahren, in denen er Tobiramas Schüler war, noch immer nicht wirklich an die Eigenheiten der Wölfin gewöhnen können, ließ es aber etwas irritiert zu, von ihr inspiziert zu werden. Nicht dass er etwas dagegen hätte unternehmen können, ihre Widerristhöhe überragte ihn deutlich. Kagami indes kletterte auf ihren Rücken, legte sich hin und kraulte sie hinter den Ohren, während er sich gleichzeitig in ihr weiches Fell kuschelte.

»Also, was willst du mir zeigen, Saru?«, begann Tobirama.

»Ich hatte überlegt, ob sich Kage Bunshin no Jutsu auf Shuriken anwenden ließe«, sagte Hiruzen. »Theoretisch müsste es ja möglich sein.«

Tobirama überlegte einen Moment. Dann nickte er. »Das stimmt, auch wenn es noch einmal ungemein anspruchsvoller wäre, da du dein Chakra nicht auf dich, sondern auf ein Objekt einwirken lassen müsstest. Der Effekt in einem Kampf wäre jedoch verheerend.«

»Das stelle ich mir echt gemein vor«, warf Kagami ein. »Da wirft dein Gegner ein Shuriken auf dich und plötzlich sind da ganz viele. Wenn du herausfindest, wie das geht, musst du mir das auch zeigen, Hiruzen!«

»Verfolge die Idee weiter«, ermunterte Tobirama ihn. »Doch gleichzeitig musst du an deiner Kage Bunshin Technik feilen. Du bist schon sehr gut, aber dafür noch nicht gut genug.«

Derzeit brachte Hiruzen zwei Schattendoppelgänger zu Stande, was eine beachtliche Leistung war. Tobirama konnte mit Leichtigkeit ein Dutzend zur gleichen Zeit erzeugen, ohne seine Kampfkraft signifikant zu schmälern, allerdings war er auch kein Maßstab für seinen Schüler, er wusste das. Andere Zeiten, wie er zu sagen beliebte.

»Natürlich!«, sagte Hiruzen und machte dann eine nachdenkliche Geste. »Es wäre natürlich auch möglich, das echte Shuriken in einer Menge aus Illusionen zu verbergen. Aber weitaus effektiver wäre es, wenn sie alle Schattenshuriken wären.«

Sie diskutierten noch eine Weile die theoretischen Möglichkeiten eines solchen Jutsu und dessen Umsetzung, und auch Kagami beteiligte sich rege daran. Tobirama kam nicht umhin, einen gewissen Stolz auf Hiruzen zu empfinden, dass dieser bereits in so jungen Jahren begann, solch komplexe Jutsu zu entwickeln. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass das keine kleine Sache war.

Irgendwann schickte er dennoch Kagami, um Siegelpapier und Tusche zu holen, denn natürlich war das immer noch nicht vergessen. Maulend zog Kagami ab, kam jedoch alsbald mit den angeforderten Utensilien wieder. Und da Hiruzen nun gerade einmal da war, erhielt er kurzerhand ebenfalls noch eine zusätzliche Lektion im Ausführen von Siegeln. Tobirama trug beiden auf, ihre Verschleierungssiegel aufzuzeichnen und fand natürlich allerhand Kleinigkeiten, an denen sie noch feilen konnten. Ihre Pinselführung war gut, aber doch noch etwas nachlässig.

»Du kannst das Siegel vereinfachen.«

Als er aufsah, sah er sich Mito gegenüber, die sich interessiert über seine Schulter gebeugt hatte.

»Dann lässt seine Zuverlässigkeit jedoch nach«, hielt er dagegen.

»Du kannst mir glauben, dass das nicht der Fall sein wird.« Sie deutete auf mehrere Stellen im Siegel. »Die Verankerungen hier und hier reichen völlig aus. Die hier, hier und hier kannst du streichen. Siegel wollen klare, einfache Linien, das weißt du doch.«

»Als würde ich nicht die grundlegendsten Dinge des Fūinjutsu beherrschen.«

»Dann schau mich nicht so skeptisch an. Wer ist hier die Uzumaki Siegelmeisterin?«

»Fein. Gleich morgen probieren wir das aus.«

Sie lächelte triumphierend. »Wie du willst. Aber lass die Jungs jetzt in Frieden, es ist spät genug.«

Hiruzen verabschiedete sich mit einer Verbeugung und wurde von Ōkami zum Gartentor hinausbegleitet. Tobirama ermahnte Kagami, nicht mehr allzu lange aufzubleiben, in seinem Alter bräuchte er den Schlaf, was ihm jedoch nur ein genervtes Augenrollen einbrachte. Dann ging er selbst nach oben auf sein und Izunas Zimmer. Izuna hatte indes gebadet und kämmte sich gerade auf ihrem futon kniend die Haare. Wortlos setzte sich Tobirama zu ihm, gab ihm einen sanften Kuss auf die Wange und half ihm dann. Izuna lächelte.

»Was hat Hiruzen ausgeheckt?«

»Er hatte die Idee zu Schattenshuriken«, sagte Tobirama. Vorsichtig entwirrte er einen besonders widerspenstigen Haarknoten. »Eine gute Idee, meine Schattendoppelgänger auf diese Weise abzuwandeln.«

»Das klingt nach einem im höchsten Maße anspruchsvollen Jutsu.«

»Das stimmt. Auch ich würde wohl eine Weile brauchen, um herauszufinden, wie ich dieses Jutsu am besten realisieren würde.«

»Autsch!«

»Entschuldige bitte.«

»Schon gut.«

Für einen Moment schwiegen sie. Tobirama fuhr darin fort, Izunas noch feuchtes Haar Strähne für Strähne zu bürsten.

»Vielleicht solltest du doch noch einmal darüber nachdenken, dir die Haare kurz zu schneiden«, sagte er dann.

»Warum?«, wollte Izuna wissen.

»Ich habe dir doch heute erst demonstriert, wie gefährlich lange Haare in einem Kampf sein können. Dein Gegner kann sie leicht greifen.«

Izuna wandte sich ihm zu und strich mit einer Hand durch sein weißes Haar. »Immer so praktisch veranlagt, mein Lieber.«

»Ich mache mir nur Sorgen um dich.«

»Das ist echt niedlich. Aber mit so kurzen Haaren würden mich doch erst recht alle fälschlicherweise für einen Mann halten.«

Das war allerdings in der Tat ein berechtigter Punkt. »Pass trotzdem auf dich auf.«

Izuna schmunzelte. »Tobi-chan, wir sind dreiunddreißig. Ich brauche nun wirklich niemanden mehr, der mich bemuttert.«

Tobirama zog ihn ein wenig näher zu sich heran. »Dann benimm dich nicht andauernd wie ein Kindskopf.«

Izuna sah die Geste anscheinend als Einladung, denn das altbekannte verschlagene Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus, und kurzerhand setzte er sich auf Tobiramas Schoß und schlang die Beine um seine Hüften. Nach seinem Bad hatte er sich nicht mehr bemüht, seine Kleidung anzulegen, und trug daher nur ein Handtuch. Aus seinen Augen schien sein Sharingan.

»Ich weiß, dass du das magst.«

Tobirama machte ein möglichst ausdrucksloses Gesicht. »Ach?«

»Nach demnächst sieben Jahren Ehe und insgesamt neunzehn Jahren Bekanntschaft würde ich schon behaupten, dich so langsam etwas durchschaut zu haben.«

»Du wirst mir mit deinen Spleens bis ans Ende meiner Tage ein Rätsel bleiben.«

Izuna grinste. »Das eine oder andere Geheimnis macht mich attraktiver.«

»Das war kein Lob.«

Daraufhin schmollte Izuna, doch schon im nächsten Moment grinste er wieder und ließ neckend einen Finger über Tobiramas Brust gleiten. »Ich weiß trotzdem, dass du dafür jetzt in der Stimmung bist.«

»Dann weißt du mehr als ich.«

»Da siehst du mal, was diese überragenden Augen alles sehen können. Ich jedenfalls bin in der Stimmung dafür.«

Das war auch nur schwer zu übersehen, das Handtuch verbarg ja kaum etwas.

»Willst du?«, fragte Izuna nun schon deutlich ernster.

Tobirama küsste ihn sanft auf den Kieferbogen. »Wenn du willst.«

»Mit dir? Immer!«

Tobirama küsste ihn erneut, dieses Mal auf den Mund. Dann hob er ihn mühelos hoch, bettete ihn auf das futon und beugte sich über ihn, ohne den Kuss zu unterbrechen. Es erstaunte ihn immer wieder, wie zierlich gebaut Izuna war für einen Shinobi mit lebenslangem Training. Oft wirkte er beinahe zerbrechlich unter Tobiramas Händen.

»Ich liebe es, in deinen starken Armen zu liegen«, schnurrte Izuna.

»Sei still«, murmelte Tobirama.

Sie hatten langsamen, aber intensiven Sex, ganz so, wie es Izuna mochte. Der Akt an sich gab Tobirama nicht wirklich etwas, dafür jedoch Izuna, und das war es, worauf es für ihn ankam. Es war eben wie mit Essen, wenn er hungrig war, aber keinen Appetit hatte: eine Notwendigkeit, um körperliche Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn es Izuna jedoch gefiel, es mit ihm zu teilen, dann hatte er nichts dagegen einzuwenden.

Izuna lag ausgebreitet unter ihm da, die Haare wirr um seinen Kopf verteilt und eine leichte Röte auf den Wangen, während er auf seiner Unterlippe kaute. Voller Leidenschaft sah er zu Tobirama auf, während das Rot seines Sharingan aus seinen Augen schien. Ein Bild für die Götter.

Hinterher, als sie sich gereinigt hatten, lagen sie zusammen auf ihrem futon, und Izuna hatte sich an Tobirama gekuschelt. Dieser ließ nachdenklich seine Finger durch Izunas langes Haar gleiten, welches nun wieder ordentlich gebürstet war.

Izuna richtete sich auf einen Ellbogen auf und bettete eine Wange auf seine Hand, während er mit dem Finger der anderen Hand gedankenverloren Kreise auf Tobiramas Brust malte. »Es hat schon seine Vorteile, seinen hauseigenen Senju zu haben.«

Tobirama hob eine Braue. »So?«

»Ja. Man kann ihn knuddeln und lieb haben und gelegentlich auch ein bisschen foppen.«

»Toll … Jetzt sag bloß, das war der Grund, warum du mich damals unbedingt heiraten wolltest.«

»Natürlich. Siehst du doch, es funktioniert.« Izuna lachte in sich hinein. »Und vielleicht auch, weil ich dich ganz furchtbar lieb hab.«

Izuna brachte ihn regelmäßig zur Weißglut, und dann sah er ihn doch wieder mit diesem Blick an und Tobirama konnte ihm einfach nicht mehr böse sein. Ein Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln.

Izuna schmunzelte und schob seinen Mundwinkel noch ein Stückchen weiter nach oben. »Manchmal hab ich schon den Eindruck, dass deine Mimik festgefroren ist.«

»Das ist eine glatte Lüge.«

»Das stimmt in der Tat, aber um das zu erkennen, muss man dich schon mindestens so gut kennen wie ich. Ich würde behaupten, ich bin Experte in der hohen Kunst des Deutens von Tobirama-Mimik.«

Tobirama schnaubte und kniff die Augen zusammen. »Kindskopf.«

Izuna grinste. »Das zum Beispiel bedeutet, dass du mir Recht gibst, es aber nicht zugeben willst.«

Tobirama sagte nichts darauf. »Hattest du aufschlussreiche Erkenntnisse von Mito gewinnen können?«, fragte er stattdessen.

»In der Tat! Dein Bruder hat definitiv die richtige Person geheiratet. Sie werden staunen in Iwa, wie modisch ich bei ihnen aufkreuzen werde. Das werden sie bestimmt nicht erwarten! Und wenn sie mich dann auch noch für eine Frau halten, habe ich sowieso schon gewonnen.«

Tobirama lächelte und strich Izuna über die Wange. »Das sowieso.«

Izuna gab ihm einen kecken Kuss auf die Nasenspitze. »Wenn du nach Kumo gehst, denk daran, dass sie uns vielleicht noch die Sache mit Kyubi krumm nehmen.«

Es war nun schon etliche Jahre her, da war der Fuchsgeist in einer tollwütigen Raserei über das Dorf hergefallen. Die einzige Möglichkeit, seiner dauerhaft Herr zu werden, hatte darin bestanden, sein Chakra mit Mitos Acht Trigrammen in ihr zu versiegeln. Hinterher hatte sich herausgestellt, dass Kumogakure versucht hatte, sich des Kyubi zu bemächtigen, Kyubi jedoch hatte die Shinobi, die der Raikage mit der Aufgabe betraut hatte, verschlungen und war dann blind vor Schmerzen durch die Lande getobt. Konoha hatte einfach das Pech gehabt, ihm im Weg zu stehen. Kurz vorher musste er die Shinobi wieder ausgespien haben, was aus ihnen geworden war, wusste sie jedoch nicht. So oder so, der Raikage war nicht gerade erfreut gewesen, dass jetzt Konohagakure einen jinchūriki hatte und nicht er.

»Ich weiß schon, was ich mache«, versicherte Tobirama ihm. »Pass lieber du auf dich auf. Dass der Tsuchikage auf Frieden aus ist, ist im Gegenzug nicht so sicher.«

»Deswegen schickt dein Bruder ja auch mich und keinen sonst.« Izuna lächelte selbstsicher. Dann kuschelte er sich doch wieder an Tobiramas Seite. Gemeinsam schwiegen sie.

»Tobi-chan, vielleicht solltest du unsere kleinen Genin doch mitnehmen«, sagte Izuna nach einer Weile.

»Wieso das?«

»Ich denke, dass sie reif genug dafür sind, das haben sie mir heute beim Training wieder einmal gezeigt. Das, was sie mittlerweile drauf haben, ist über dem Level eines Genin. Und schau dir nur einmal Saru an, er ist sogar schon so weit und denkt sich eigenständig hochkomplexe Jutsu aus, die mit deinen locker mithalten können. Nimm sie mit und lass sie etwas ausländische Luft schnuppern und wenn sie sich gut anstellen, dann kann das ja ihre Chūnin-Prüfung sein.«

Tobirama dachte einen Moment darüber nach. »Noch immer haben sie eine Menge zu lernen.«

»Natürlich haben sie das. Aber wer Chūnin wird, hat auch noch nicht ausgelernt.«

»Ich weiß nicht. Das wäre keine kleine Sache …«

»Hab Vertrauen. Deine Eskorte spielen und dich vor bösen Wegelagerern beschützen, kriegen sie allemal hin.«

Tobirama war nicht überzeugt. »Darüber werde ich noch nachdenken müssen.«

»Tu das.« Izuna gab ihm einen Kuss auf die Wange. Einen Moment schwieg er, und Tobirama dachte schon, dass er jetzt endlich Ruhe geben würde, sodass sie schlafen konnten. Doch dann schien Izuna doch noch etwas einzufallen. »Du hattest jetzt ja gar keinen Orgasmus.«

»Ja.«

»Soll ich das ändern?«

»Nein. Du weißt doch, dass ich darauf keinen großen Wert lege.«

»Hm. Wie du willst.«

»Schlaf jetzt.«

»Tobirama?«

»Hm?«

»Ich liebe dich.«

»Ich dich auch.«

Sie löschten das Licht.

Meine Idee ist, dass es zu dieser Zeit noch keine zentralisierten Chūnin-Prüfungen gab. Die kamen erst später. Daher obliegt es hier noch der lehrenden Person selbst zu entscheiden, ob ihre Genin nun Chūnin sind oder nicht. Im nächsten Kapitel brechen sie auf und dann geht es auf nach Kumogakure.
Wassertanz
CN Erwähnung toter Eltern, Trauer

Wie Tobirama gesagt hatte, dachte er über Izunas Vorschlag nach. Er nahm sich ein paar Tage dafür Zeit, in denen er mit seinen Genin den Auftrag mit Oma Nekobaas Katzen erledigte. Taschengeld, mehr war es nicht, und selbst er sah ein, dass es reine Beschäftigung war. Hinterher hatte Oma Nekobaa ein paar Pfotenabdrücke mehr in ihrer Sammlung und alle, inklusive Tobirama, ein paar Kratzer mehr auf ihren Armen. Warum Oma Nekobaa immer darauf bestand, dass sie diese albernen Katzenohren aufsetzten, hatte er immer noch nicht verstanden, es schützte sie ja doch nicht vor den nadelspitzen Krallen ihrer kleinen Monster, wie sie behauptete.

Nach reichlicher Überlegung kam er zu dem Entschluss, dass Izuna Recht hatte. Ihre sechs Genin waren bereit dazu. Zusammen mit Izuna kamen sie zu einer Teambesprechung zusammen. Wie immer trafen sie sich dazu auf ihrer kleinen Wiese, erwartungsvoll saßen die Genin vor ihnen und sahen zu ihnen auf.

»Izuna und ich werden demnächst für einige Zeit außer Landes sein«, begann er. »Das heißt jedoch nicht, dass euer Training für diese Zeit ausgesetzt ist, im Gegenteil. Ihr werdet mich nach Kumogakure begleiten.«

Torifu stieß einen begeisterten Ruf aus. »Das klingt aufregend! Ist das unsere erste richtig große Mission?«

»Es soll sogar eure Chūnin-Prüfung sein«, stellte Izuna klar. »Da ich selbst nach Iwagakure gehen werde, vertraue ich euch die ausgesprochen verantwortungsvolle Aufgabe an, auf Tobirama aufzupassen.«

Koharu hob lediglich eine Augenbraue. »Sensei kann sicher gut auf sich allein aufpassen.«

»Ein Gutteil der Aufträge eines Shinobi besteht aus Eskorten«, sagte Tobirama. »Es wäre euer erster bedeutender Auftrag dieser Art, ein C-Rang, mindestens. Wenn ihr euch gut anstellt, ernenne ich euch zu Chūnin; ihr seid bereit dazu.«

Kagami riss die Hände in die Luft. »Wie toll ist das denn! Endlich kein Kinderkram mehr!«

»Nicht zu voreilig«, dämpfte Tobirama seinen Enthusiasmus. »Ihr habt noch immer viel zu lernen. Wie man so eine große Mission vorbereitet zum Beispiel.«

Kollektives Stöhnen schlug ihm entgegen.

Izuna stupste ihn mit den Ellbogen an und grinste. »Er hat Kinderkram gesagt. Das bringt Erinnerungen hoch.«

Tobirama musste schmunzeln, als er an die Zeit zurück dachte, als er selbst keine fünfzehn Jahre alt gewesen war, und er das erste Mal gemeinsam mit Izuna auf eine Mission gegangen war. Damals hatten sie sich ebenfalls bei ihren Brüdern beschwert, dass sie etwas Richtiges erledigen wollten und kein, wie sie es ausgedrückt hatten, Kinderkram.

In den kommenden Tagen zeigten sie ihren kleinen Genin, wie man solch eine große Mission vorbereitete. Die Grundlagen, wie man eine Mission allgemein vorbereitete, kannten sie freilich, aber hier ging es um Diplomatie und internationale Beziehungen. Das war etwas völlig anderes, als einem Bauern dabei zu helfen, eine Horde Wildschweine von seinen Feldern zu vertreiben.

»Und was machen wir, wenn wir da sind?«, fragte Homura. »Sie erwarten doch nicht von uns, dass wir uns aktiv an den Verhandlungen mit dem Raikage beteiligen, sensei?«

»Wichtig aussehen«, schlug Tobirama vor. »Zuhören und lernen, wie diese Dinge gehandhabt werden. Natürlich sollt ihr euch nicht aktiv daran beteiligen, wenn überhaupt lernt ihr erst viel später etwas darüber.«

Schließlich war der Tag ihrer Abreise gekommen. Tobirama war froh, dass der Himmel bewölkt war, da er starke Sonneneinstrahlung nicht leiden konnte. Es war jedes Mal beinahe garantiert, dass er einen Sonnenbrand bekam, er konnte sich immerhin nicht von Kopf bis Fuß komplett verschleiern.

Mito, Hashirama und Madara waren ebenfalls gekommen, um sie am großen Haupttor zu verabschieden. Izuna war ebenfalls bei ihnen, da er ein Stück des Weges gemeinsam mit ihnen gehen würde.

Tobirama prüfte ein letztes Mal sein Gepäck, das er Ōkami auf den Rücken gebunden hatte, als er ein junges Mädchen bemerkte, das schüchtern etwas abseits des Geschehens stand. Als Hiruzen zu ihr blickte, winkte sie verlegen. Plötzlich wirkte auch er nervös, ging aber dennoch zu ihr und redete leise mit ihr. Sie umarmten sich zum Abschied.

»Wer war das?«, wollte Tobirama wissen, als Hiruzen wieder zu ihnen stieß.

Hiruzen wurde verräterisch rot im Gesicht. Er räusperte sich. »Biwako. Sie war an der Akademie eine Klasse unter mir und ich hab ihr manchmal bei den Hausaufgaben geholfen.«

Tobirama schmunzelte. Aha, so war das also.

»Wehe, du setzt es in den Sand«, sagte gerade Madara drohend an Izuna gerichtet.

»Ich doch nicht!«, hielt dieser dagegen. »Du weißt, ich bin ein verantwortungsvoller Erwachsener und kann mich beherrschen. Ich werde schon nicht alles niederbrennen, so schwer es mir auch fallen wird.«

Madara durchbohrte ihn mit seinem Blick. »Na gut, meinethalben. Ein kleines Katon ist erlaubt.«

»Big Bro, du bist der beste!« Jubelnd fiel Izuna ihm um den Hals.

Resignierend schüttelte Tobirama den Kopf. Dann wandte er sich an Hashirama. »Du bist also immer noch der Meinung, das sei eine gute Idee?«

»Absolut!«, erwiderte dieser über das ganze Gesicht strahlend. Er legte einen Arm um Mito. »Das siehst du doch auch so, Liebes, oder?«

»Ihr seid allesamt solche Kindsköpfe«, sagte sie schmunzelnd. »Wird schon schief gehen.«

Sie verabschiedeten sich voneinander, dann stiegen sie auf ihre Pferde oder in Tobiramas und Izunas Fall Ōkami und brachen auf. So lange sie noch einen gemeinsamen Weg gingen, wollte Izuna »wie in guten alten Zeiten« bei Tobirama mitreiten, während Kagami Izunas Pferd mit sich führte. Tobirama hegte den Verdacht, dass Izuna einfach nur eine Ausrede gesucht hatte, um hemmungslos seinen Pelz zu kuscheln, an den er sonst niemanden heranließ. Jedenfalls hatte Izuna die Arme um ihn geschlungen und war etwas näher aufgerückt, als er eigentlich gemusst hätte.

Was die sechs Genin nicht wussten, war der Umstand, dass sie nicht die einzigen waren, die an diesem Tag aufbrachen. Verborgen im Laub des Waldes am Wegesrand begleiteten sie vier Anbu, die unter Izunas Kommando standen, denn natürlich würde Izuna nicht allein nach Iwagakure gehen. Dafür war seine Mission viel zu riskant.

»Vielleicht sollten wir doch einmal überlegen, ob wir Schienen nach Konoha verlegen lassen«, sagte Izuna irgendwann mit dem Kinn auf Tobiramas Schulter gebettet. »Die Hauptstadt hat seit ein paar Jahren einen Bahnhof, der sie mit anderen Nationen verbindet. Das hätte viele Vorteile. Wir kämen viel schneller von einem Ort zum anderen und Handelsgüter und Rohstoffe könnten auch viel effizienter hierher geschafft werden.«

»Das stimmt, aber es würde auch Gefahren bergen«, hielt Tobirama dagegen. »Die Schienennetze sind anfällig für Sabotage und es ist schwer kontrollierbar, wer ein- oder ausreist. Spione hätten so ein leichtes Spiel. Außerdem trau ich diesen neuartigen Dampfmonstern nicht.«

»Dafür, dass du derjenige bist, dem wir es zu verdanken haben, dass damals Strom im Dorf verlegt wurde, bist du Neuem oft erstaunlich unaufgeschlossen gegenüber.«

»Tse. Gesundes Misstrauen, nichts weiter. Das hat mich schon im Krieg am Leben gehalten und das wird es auch weiterhin.«

»Aber Tobi-oji, ich will unbedingt eines Tages Zug fahren!«, warf Kagami ein. »Ich habe gehört, dass es total aufregend sein soll und man ist in Windeseile an neuen Orten. Ganz schnell soll das gehen und man ist in nur wenigen Stunden ganz woanders, wo wir noch tagelang unterwegs sind.«

»Welpe, du musst deine eigenen Füße zu schätzen wissen«, widersprach Ōkami. »Sie tragen dich dein Leben lang in genau der richtigen Geschwindigkeit. Es ist nicht immer besser, alles größer und schneller machen zu wollen.«

»Musst du mich wirklich noch Welpe nennen?«, protestierte Kagami. »Aus dem Alter bin ich schon lange raus.«

»Wenn Tobi-chan mein Welpe ist, dann seid ihr alle erst recht Welpen«, sagte Ōkami geradeheraus.

Tobirama überhörte solche Kommentare schon lange. Er hatte schon vor etlichen Jahren gelernt, dass man Ōkami nicht widersprach. Kagami musste das augenscheinlich noch verinnerlichen.

»Das ist doch albern«, beschwerte sich Danzō. »Dieses ganze Gerede von Rudel und Welpen und was weiß ich nicht alles noch.«

»Oh, mach jetzt nicht denselben Fehler wie ich damals«, mahnte Izuna. »Man respektiert Ōkami-san und ihre Wege oder macht Bekanntschaft mit ihrer Zunge. Außerdem weißt du nie, wann ihr Wissen dir einmal das Leben retten könnte.«

Ōkami gab ein zufriedenes Brummen von sich und wedelte einmal kurz mit dem Schwanz. »Das ist richtig. Immerhin haben euch Tobi-chan und Izuna-chan das Jagen beigebracht, so wie ich es ihnen einst gelehrt hatte, als sie noch kleine, fast zahnlose Welpen waren.«

»Ach, wirklich?« Erstaunt sah Hiruzen zu Tobirama.

Dieser nickte. »Wölfe jagen in Rudeln, indem sie ihre Beute über lange Strecken hinweg verfolgen und einzelne Tiere von der Gruppe isolieren, in der Regel junge, alte oder kranke Tiere, die zu schwach sind, um mit dem Rest der Gruppe mitzuhalten. Sie umstellen ihre Beute und fügen ihr immer wieder einzelne Wunden zu, die das Beutetier schwächen, bis es an Schock und Blutverlust stirbt. So können sie auch Beute erlegen, die um ein vielfaches größer und stärker ist als sie selbst. Das sollte dir bekannt vorkommen.«

Für Shinobi waren die Regeln einer Wolfsjagd natürlich nicht immer genau so anwendbar. So präferierte es Tobirama beispielsweise, aus dem Verborgenen heraus zuzuschlagen, wenn sein Feind es am wenigsten erwartete. Dennoch hatte er viel von den Jagdtaktiken der Wölfe für sich selbst übernommen und es hatte ihm mehr als nur einmal den Sieg eingebracht. Sein Wissen hatte er schließlich auch an seine Schüler weitergegeben.

»Der einzelne Wolf geht auf kurz oder lang unter, aber zusammen ist das Rudel stark«, sagte Ōkami. »Jagt immer im Rudel.«

Sie hatte noch allerhand Weisheiten mehr für die Genin und erging sich darin, ihnen lang und breit den Unterschied zwischen einer Jagd auf einen Hirsch oder einen Fuchs zu erklären. Tobirama konnte es glücklicherweise verhindern, dass sie ihre Theorie an ihm demonstrierte. Jeder hier wusste schließlich, wie man am effektivsten eine Kehle öffnete.

»Aber esst immer zuerst die Innereien, das ist der beste Teil«, schob sie dann dennoch nach.

Koharu verzog das Gesicht und gab einen angeekelten Laut von sich. »Pfui. Meine Mutter brät manchmal Hühnerleber, das stinkt immer erbärmlich. Lieber esse ich gar nichts.«

»Oh, glaub mir, wenn du nur hungrig genug bist, schmecken selbst ausgekochte Ledersohlen«, hielt Izuna ernst dagegen. »Sei froh, dass du das nie erleben musstest.«

Koharu wurde still.

Natürlich hatte Tobirama ihnen beigebracht, wie man in der Wildnis überlebte und dazu gehörte eben auch das Fallenstellen und wie man ein Kaninchen ausnahm. Koharu hatte sich immer schwer damit getan. Er gönnte ihr den Luxus, so wählerisch zu sein, auch wenn er darauf bestanden hatte, dass sie sich dennoch hin und wieder daran beteiligte.

»Meine Familie kennt ein super Rezept für Leber. Ich kann es dir bei Gelegenheit einmal geben, wenn du willst, Koharu-kun«, bot Torifu an.

Koharu wirkte immer noch skeptisch und nickte wahrscheinlich nur aus Höflichkeit.

Torifu fuhr darin fort, weiter begeistert von all den Geheimrezepten seiner Familie zu erzählen und welches Gericht in seinem Clan am meisten geschätzt wurde. Die Akimichi hatten eine reiche Tradition, die sich rund um das Essen und die Gastfreundschaft drehte. Daraus entbrannte bald schon eine Diskussion unter den Genin, welches Gericht das beste war und wer am besten kochen konnte. Torifu bestand darauf, ihnen allen zu beweisen, dass er darin einsame Spitze war und damit war zumindest geklärt, wer sich für die Dauer der Reise um die Versorgung kümmerte.

Izuna grinste zufrieden. »Wir essen immer gut beim Training und manchmal noch besser, wenn wir damit fertig sind und Torifus Mutter uns einläd.«

Tobirama warf ihm einen Schulterblick zu. »Warum hast du mir nie was mitgebracht?«

»Weil du nicht Torifus sensei bist, immerhin muss ich die ganze Arbeit machen.«

Daraufhin hob Tobirama nur eine Augenbraue. »Ach. Die Hälfte der Zeit, in denen ich meinen Genin Lektionen erteile, liegst du mit deinen drei Teufeln irgendwo in der Nähe auf der Lauer und nennst es Unterricht. Ich finde, ich hab mir eine Einladung verdient.«

»Wie? Implizierst du etwa, dass ich nur auf der faulen Haut liege? Meine kleinen Gremlins werden einmal die besten Infiltratoren sein, die es weit und breit gibt, du wirst sehen.«

So ging es die nächsten Stunden weiter. Als die Sonne doch noch herauskam, band Izuna kommentarlos Tobiramas Strohhut von seinem Gepäck los und setzte ihn Tobirama auf, bevor er nahtlos ihre Diskussion fortsetzte. Schließlich erreichten sie doch den Scheideweg, wo sich ihre Wege trennen würden.

»Pass gut auf meine Terrorkobolde auf«, sagte Izuna leichthin.

»Pass gut auf dich auf«, erwiderte Tobirama ernster.

Ōkami stupste Izuna mit ihrer Nase an und leckte ihm über die Wange. »Ich hab ein Auge auf deinen Gefährten, also mach dir keine Sorgen, Welpe.«

Izuna lachte auf und kraulte ihr das Kinn. »So lange du bei ihm bist, weiß ich, dass ihm nicht passiert, weil du einfach alles und jeden frisst, der ihn auch nur schief anschaut.«

»Genau.«

Tobirama verzichtete darauf, seinen Sorgen Ausdruck zu verleihen. Abgesehen von ihren Brüdern war Izuna der fähigste Shinobi, den er kannte. Er würde mit nahezu allem fertig werden und zudem ging er ja nicht allein, seine Anbu Teamkameraden waren ja auch noch da. Das sorgte dennoch nicht dafür, dass sich Tobirama nicht mehr um ihn sorgte, weshalb er ihn noch einmal fest umarmte und ihm einen Kuss zum Abschied gab. Dann stieg Izuna auf sein Pferd, winkte ein letztes Mal und ritt davon. Ein Schmetterling flatterte über den Weg, den er genommen hatte.

Tobirama setzte sich wieder auf Ōkami und führte seine Genin in die andere Richtung.

Hiruzen ritt an seine Seite. »Izuna-san geht nicht alleine, nicht wahr?«

»Gut«, lobte Tobirama. »Ich hätte nicht erwartet, dass du sie bemerkst.«

»Wen?« Danzō wurde hellhörig.

»Anbu«, sagte Hiruzen. »Ich war mir erst nicht sicher, aber es erschien mir von Anfang an seltsam, dass Izuna-san allein gehen soll, wo Sie doch immer und immer wieder betonen, dass Shinobi niemals allein operieren, sensei.«

»Respekt«, sagte Kagami. »Nicht mal ich hab was mitbekommen, und dabei hab ich von uns allen doch die besten Augen. Äh, nichts gegen dich, Tobi-oji.«

»Bild dir ja nicht zu viel darauf ein«, ermahnte Tobirama ihn. »Euer Sharingan macht euch Uchiha nicht automatisch zu besseren Shinobi.«

»Aber es gibt uns doch einen erheblichen Vorteil, selbst du musst das einsehen«, konterte Kagami frech.

»Wie kämpft man gegen jemanden mit einem dōjutsu?«, wollte Homura wissen. »Sowohl Uchiha als auch Hyuga leben in Konoha, daher werden wir es wohl nie außerhalb des Trainings anwenden müssen, aber Wissen hat noch nie geschadet.«

»Ihr kämpft so, wie ich es euch beibrachte: Schaut ihnen niemals in die Augen«, sagte Tobirama. »Augen können lügen und manche Augen können noch viel mehr als das, aber der Körper kann es nicht. Lernt, euren Sinnen zu vertrauen, all euren Sinnen, und verlasst euch nicht immer nur auf das, was ihr seht. Kagami-chan, heute Abend wirst du uns zeigen, was dein Sharingan schon alles kann, und ihr anderen werdet versuchen, gegen ihn anzukommen.«

Kagami lachte auf. »Ha! Ich werd‘s euch nicht leicht machen!«

Für den Rest des Weges diskutierten sie verschiedenste Kampfstrategien in ausgedachten Szenarien. Es war ein beliebter Zeitvertreib bei seinen Genin und Tobirama förderte dies, da es ihre Kreativität anregte und sie zugleich auf echte Kämpfe vorbereitete. Nicht selten schon hatten sie das eine oder andere Szenario, das sie sich dabei ersonnen hatten, auch ausprobiert, je unwahrscheinlicher, desto besser. Man konnte nie wissen.

Als die Sonne sich jedoch dem Horizont entgegen neigte, wurde es Zeit, einen Rastplatz für die Nacht zu suchen. Nicht allzu weit ab vom Weg fanden sie eine kleine Lichtung, die von einer Seite von einem Felsvorhang geschützt wurde. In dessen Windschatten schlugen sie ihr Lager auf und Tobirama schickte einen Doppelgänger los, um ihnen ihr Abendessen zu fangen. Er würde einen Teufel tun, das Angebot auszuschlagen, von einem Akimichi bekocht zu werden, und frisches Essen war allemal besser als die gängige Wegzehrung, die zwar nahrhaft aber wenig geschmackvoll war.

Während sie also auf ihr Essen warteten, ließ er seine Genin gegen Kagamis Sharingan antreten, wenn auch zunächst nur im Taijutsu. So würden sie am besten ein Gespür für die Bewegungen ihres Gegners bekommen.

»Kampf«, sagte Tobirama, »ist ein Tanz. Wir hacken nicht wild drauf wie einfache Bauern, sondern sind fließend und formbar wie Wasser.«

Kagami hielt sich nicht zurück, wie er es angedroht hatte, und Tobirama hielt ihn sogar dazu an, jedes Mittel zu nutzen, zu das ihn sein Sharingan befähigte. Seine Genjutsu waren beeindruckend stark. Izuna hatte einmal gesagt, dass sein Clan Kagami als das Ausnahmetalent seiner Generation ansah, ganz so wie einst Madara und Izuna. Kagami hatte sein Sharingan schon zu Akademie-Zeiten erweckt und schon damals hatte sich seine Stärke abgezeichnet, weshalb Hikaku den Wunsch geäußert hatte, dass eines Tages Izuna Kagamis sensei werden würde. Hikaku und Tōka wären stolz, wenn sie sehen könnten, wie stark ihr Junge geworden war.

Kagami schaffte es, sich seiner fünf Teamkameraden zu erwehren, auch wenn sie ihm gemeinsam ordentlich zusetzen konnten. Gegenwärtig hatte er sowohl Torifu als auch Koharu mit einem Genjutsu außer Gefecht setzen können, auch wenn Koharu sich davon nicht lange würde aufhalten lassen; sie war gut darin, Genjutsu wieder zu lösen. Hiruzen, Danzō und Homura arbeiteten zusammen gegen Kagami und hielten sich gut, auch wenn Kagami bereits ihre Kampfmuster durchschaut hatte.

»Im Kampf gibt es nur einen Gott«, erinnerte Tobirama sie.

»Den Gott des Todes«, antwortete Hiruzen verbissen.

»Und was sagen wir zum Gott des Todes?«

»Nicht heute!«

Danzō wechselte sein Kampfmuster und veränderte den Rhythmus seiner Bewegungen. Gut. Kagami brauchte einen winzigen Moment, um sich darauf einzustellen, und diesen Moment nutzte Koharu, um endlich das Genjutsu zu lösen, das er auf sie gewirkt hatte.

Tobirama beobachtete sie vom Ast eines Baumes aus, von wo aus er sie gut im Blick hatte. Er beschloss, dass es Zeit war, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Jetzt im Hochsommer war das Wetter trocken und der Boden ausgedörrt, weshalb er sein eigenes Chakra zur Hilfe nahm, um die Lichtung in Nebel zu hüllen.

»Euer Gegner hat eine überragende Sicht, der Nebel behindert ihn kaum und er kann euer Chakra noch immer sehen«, sagte Tobirama. »Ihr hingegen müsst euch jetzt auf eure anderen Sinne verlassen.«

Am Ende gereichte der Nebel Kagami zum Vorteil und er konnte sich behaupten. Seine fünf Gegner hatten sich jedoch nicht schlecht geschlagen. Indes war auch Tobiramas Doppelgänger mit zwei Hasen wiedergekehrt, was hieß, dass sie jetzt den Tag ausklingen lassen konnten. Torifu machte sich bereitwillig daran, die Hasen zuzubereiten, um sogleich die Kochkünste der Akimichi auch in der Feldküche unter Beweis zu stellen.

»Ich hätte den Nebel mit einem Fūton auflösen können«, sagte Danzō hinterher beim Essen.

»Das stimmt und in einem echten Kampf hättest du es sogar tun sollen«, sagte Tobirama. »Hier jedoch ging es darum, eine Situation zu simulieren, die euch eures Sehsinns beraubt. Nicht immer lässt sich ein temporärer Nachteil so leicht umgehen. Stellt euch vor, ihr müsstest an einem lichtlosen Ort kämpfen oder wärt gar geblendet. Dann bliebe euch gar nichts anderes übrig. Dafür habt ihr euch sehr gut geschlagen.«

»Wir haben dennoch verloren«, sagte Koharu. »Wieder einmal.«

»Ihr habt gekämpft wie Wölfe«, erwiderte Ōkami. Sie hatte bis jetzt am Rand der Lichtung gelegen und das Treiben stumm beobachtet. »Ihr habt zusammengearbeitet und immer wieder Vorstöße gegen einen stärkeren Gegner gewagt, die ihn mehr und mehr geschwächt hatten. Am Ende hatte es nicht gereicht, aber nicht jede Jagd ist erfolgreich. Das nächste Mal werdet ihr besser sein.«

Kagami grinste bis über die Ohren. »Das hat echt Spaß gemacht. Ich glaub, ohne den Nebel hättet ihr‘s geschafft.«

»Sensei, gelten all diese Regeln auch in einer Schlacht?«, fragte Koharu mit einem Mal. »Alles, was Sie uns beibringen, bezieht sich auf kleine Gruppen von Gegnern, die einander auflauern und aus dem Verborgenen heraus angreifen. Aber was ist, wenn große Gruppen im offenen Feld gegeneinander antreten? Gelten dann dieselben Regeln?«

Tobirama schwieg einen Moment und fragte sich, woher Koharu diesen Gedanken so plötzlich nahm.

»Nein«, sagte er dann. »Krieg ist ein Ort ohne Regeln, ohne Gnade und Erbarmen. In einer Schlacht geht es um nichts anderes als das eigene Überleben und jedes Mittel ist Recht, um das zu gewährleisten. In einer Schlacht kämpft man nicht, um zu töten, sondern um den Gegner möglichst schnell kampfunfähig zu machen und ebenso schnell den nächsten auszuschalten. Ihm die Gliedmaßen abzuhacken, ob nun Hände oder Beine oder der Kopf, ist das effektivste. So lange er nur schreiend im Schlamm liegt, in seiner eigenen Pisse und den Gedärmen in seinen Händen, spielt es keine Rolle, ob er nun tot ist oder nur für den Rest seines Lebens verkrüppelt, denn es ist einer weniger, der einem selbst gefährlich werden kann.«

Die Genin verfielen in Schweigen. Hiruzen ließ den Löffel sinken und schien den Appetit auf seinen Eintropf verloren zu haben. Den anderen ging es ebenso.

»Hast du in vielen Schlachten gekämpft?«, fragte Kagami leise.

»Ich war vier, als Butsuma anfing, mich an der Waffe auszubilden, und sechs, als er der Meinung war, ich sei alt genug, um mich im Feld zu beweisen«, sagt Tobirama emotionslos. Er dachte nicht gern an diese Zeit zurück. »Seid froh, wenn ihr das nie erleben müsst.«

Den Rest ihres Mahls verbrachten sie schweigend.

Nach dem Essen übernahm Tobirama die erste Wache. Er erklomm die Felswand, von wo aus er einen guten Überblick über die nähere Umgebung hatte und auch die Straße im Blick behalten konnte. Ōkami trottete auf leisen Sohlen neben ihm her und ließ sich dann am Rande der Felswand mit überkreuzten Pfoten nieder. Sie gähnte und entrollte dabei ihre lange Zunge, dann ließ sie den Blick ihrer goldenen Augen über den Wald schweifen. Tobirama setzte sich zwischen ihre Vorderbeine und lehnte sich gegen ihre Schulter. Eine ganze Weile schwiegen sie zusammen.

»Vielleicht ist es ja doch noch zu früh für sie«, sagte Tobirama irgendwann.

Ōkami stupste ihn sanft mit ihrem Kiefer an. »Hör nicht auf deine Zweifel. Du hast deine Welpen gut gelehrt, sie sind bereit für den nächsten Schritt.«

Tobirama antwortete nicht gleich und sah stattdessen auf ihr Lager hinab. »Es ist ein großer Schritt.«

»Das stimmt. Aber kleine, hilflose Welpen bekommen früher oder später ihre Fänge und schon alsbald sind sie groß genug, um ihr Rudel zu verlassen und ein eigenes Rudel zu gründen. Das gehört auch dazu.«

Tobirama schwieg.

Ōkami machte das, was bei Wölfen ein Lächeln wäre, und brummte tief. Ihr ganzer Körper vibrierte. »Loszulassen will gelernt sein. Sie sind ja nicht aus der Welt. Nur ein wenig größer. Und du hast ihnen geholfen zu wachsen. Das ist etwas, worauf du stolz sein kannst.«

Tobirama hob die Hand, um sie am Kiefer zu kraulen, und schmunzelte. »Das sagt die richtige.«

Sie leckte ihm über das Gesicht. »Du bist eben mein ganz besonderer Welpe.«

Er lehnte seine Stirn gegen ihren Kopf, dankbar dafür, dass sie nach all den Jahren noch immer an seiner Seite stand. Zuneigung wärmte ihn. »Mutter.«

Die Nacht war sternenklar und es würden noch viele Stunden vergehen, bis der Mond aufging und die Sterne überstrahlte. Im Wald zirpten unzählige Insekten und sogar einige Glühwürmchen schwebten zwischen den Bäumen umher wie kleine Sterne, die vom Himmel herabgekommen waren. Irgendwo im Gehölz ließ ein nachtaktiver Vogel seinen Ruf ertönen. Es war eine ausgesprochen friedliche Nacht.

Kagami kam verfrüht, um Tobirama von seiner Wacht abzulösen, und setzte sich zu ihm, um mit ihm den Sternenhimmel zu betrachten.

»Du hättest noch etwas ruhen können«, stellte Tobirama fest.

Kagami lachte auf. »Jetzt sag bloß nicht, in meinem Alter bräuchte ich meinen Schlaf. Dann klingst du erst recht wie ein alter Mann.«

»Willst du damit etwa andeuten, ich sei alt?«

»Klar. Jeder über dreißig ist ein alter Knacker.« Kagami musste lachen, als er zu Tobirama sah. »Izuna-oji hat echt Recht. Dich kann man so leicht ärgern, wenn man nur weiß wie.«

Tobirama kniff verstimmt die Augen zusammen. »Sobald wir wieder zu Hause sind, könnte ich ganz einfach die Adoptionspapiere nehmen und verbrennen. Ich könnte auch einfach einen Doppelgänger mit einem Hiraishin zurückschicken und es gleich sofort machen.«

Kagamis Grinsen wurde nur breiter. »Izuna-oji und du haben schon so oft damit gedroht, dass das langsam nicht mehr glaubwürdig erscheint. Ihr müsst euch mal was Neues überlegen.«

Mit einem Schnauben lehnte sich Tobirama zurück und tat so, als würde er über den Dingen stehen. Kagami knuffte ihn leise lachend in die Seite. Ōkami schwenkte ihren großen Kopf herum und fing an, ihm die Haare zu lecken. Mittlerweile hatte er verinnerlicht, dass sie diese Geste als Fellpflege ansah, was bei Wölfen eine Art der sozialen Interaktion war, und ließ es protestlos über sich ergehen.

»Was führt dich her?«, fragte Tobirama schließlich.

Kagami lehnte sich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen gegen Ōkamis Flanke und sah zu den Sternen auf. »Ich hab nachgedacht. Über das, was du vorhin gesagt hast. Ihr redet so gut wie nie über das, was vor der Gründung des Dorfes war. Nur manchmal, wenn ihr abschreckende Horrorgeschichten über den Krieg erzählt. Selbst Hashirama-oji wird dann ganz ernst, was ihm überhaupt nicht ähnlich sieht.«

»Aus gutem Grund«, sagte Tobirama düster. »Das System, das wir erschaffen haben, hat all diese Regeln aus dem einen Grund heraus, um zu verhindern, dass diese Zeit jemals wiederkommt. Ich will nicht, dass irgendeine der nach uns kommenden Generationen erleben muss, was wir hatten durchleiden müssen. Du kannst dir einfach nicht vorstellen, wie das ist, mit gerade einmal elf Jahren am Grab deines Zwillingsbruders zu stehen und zu wissen, dass deine andere Hälfte für immer von dir gerissen wurde. Und Itama war sogar noch jünger, als sie ihn ermordet hatten.«

»Hasst du uns?«, fragte Kagami mit einem Mal. »Es waren Uchiha, die dir all das angetan haben.«

Erstaunt sah Tobirama zu Kagami. Dann schüttelte er energisch den Kopf. »Nein. Wie könnte ich auch? Es gab eine Zeit, da hätte ich ohne zu zögern jeden Uchiha getötet, der mir vor die Klinge kam, aber irgendwann wurde mir klar, dass mir das auch nicht meine Mutter und meine Brüder zurückbrachte. Der, der sie wirklich auf dem Gewissen hatte, war Butsuma mit seiner immerwährenden Kriegstreiberei.«

Kagami schwieg einen Moment. Dann sah er zu Tobirama. Ungeweinte Tränen standen in seinen Augen. »Wie war es für dich, als dein Vater gestorben war?«

»Ich glaube nicht, dass ich die richtige Person bin, die du das fragen solltest«, sagte Tobirama leise.

Nicht einmal Kagami kannte die ganze Wahrheit. Nicht einmal er wusste, dass Butsuma keines natürlichen Todes gestorben war.

»Ich will‘s trotzdem wissen.« Kagami schniefte. »Ich vermisse Mama und Papa noch immer so schrecklich.«

»Ich weiß.« Tobirama zog ihn seine Arme und wartete geduldig, bis er sich ausgeweint hatte. »Butsuma starb zweimal für mich. Zum einen in jener Nacht, als sein Herz versagte. Aber meinen Vater hatte ich schon viele Jahre zuvor verloren, als mir klar wurde, dass er eigentlich nie mein Vater gewesen war. Dass kein Vater so etwas seinen Kindern antun sollte. Es ist wohl auch eine Art Tod, denke ich, und es hatte geschmerzt, als ich das erste Mal wirklich sah, wie er meine Familie zugrunde gerichtet hatte. Trauer wird über die Jahre nicht kleiner, und es ist schwer, die Leere zu füllen, die zurückbleibt. Aber wir wachsen um diese Wunden herum und mit der Zeit vernarben sie. Selbst alte Narben können manchmal noch schmerzen, aber je mehr Jahre vergehen, umso mehr lässt der Schmerz nach.«

»Wird er jemals ganz weggehen?«

»Ich weiß nicht. Aber er wird zumindest erträglich.«

Daraufhin schwieg Kagami eine ganze Weile. »Danke«, nuschelte er dann. Er wand sich aus Tobiramas Armen, zog die Nase hoch und wischte sich etwas verlegen die letzten Tränen aus den Augen. »Aber sag bloß nicht den anderen, dass ich geheult hab.«

»Es ist vollkommen in Ordnung zu weinen«, entgegnete Tobirama.

Kagami grummelte. »Du hast auch für wirklich alles einen tollen Spruch.«

»Mit dem Alter kommt auch die Weisheit.«

Daraufhin musste Kagami schon wieder lachen. »Zu irgendwas muss es ja gut sein, alt und schrumpelig zu werden.«

Tobirama lächelte. »Siehst du.«

»Na los, alter Mann. Geh. Du brauchst deine Ruhe.«

Tobirama warf ihm einen besonders finsteren Blick zu. »Frecher Bengel.«

Ōkami grollte amüsiert und packte ihn am Kragen. »Dein Welpe hat Recht. Geh schlafen.«

Und wieder einmal hatte sich die Welt gegen ihn verschworen. Tobirama erkannte eine verlorene Schlacht, wenn er sie sah, und gab klein bei.

Na, wer hat Syrio Forel erkannt? Im nächsten Kapitel erreichen sie ihr Ziel und Tobirama wittert sogleich, dass da was im Busche ist.
Kumogakure

Sie waren gut eine Woche unterwegs. Sie hätten sicher auch zwei Tage herausschlagen können, wenn sie es darauf angelegt hätten, aber es war Hochsommer und Tobirama hielt es für gerechtfertigt, gelegentlich am Wegesrand anzuhalten und ein erfrischendes Bad zu nehmen, wenn sie einen kleinen Bach oder sogar einen Teich fanden. Hauptsächlich tat er es, um selbst aus der Sonne zu kommen; seine Hände waren schon ganz rot und verbrannt. Sommer war wirklich nicht seine Jahreszeit.

Als sie das Land des Feuers verließen, wurde der Wald allmählich lichter und damit auch der Schatten, den die Bäume gespendet hatten. Tobirama gab es auf, noch irgendwie einen Sonnenbrand zu vermeiden. Sein Albinismus störte ihn in der Regel nicht, aber zu dieser Jahreszeit konnte es lästig werden.

Ihr Weg führte sie nun durch Wiesen und Felder. Reis wechselte sich in regelmäßigen Abständen mit Getreide ab und ab und zu ritten sie auch durch weite Graslandschaften, in denen sich das Gras um sie herum bis zum Horizont wie ein Meer erstreckte. Der Wind brachte das Gras zum Wogen wie Wellen auf dem Wasser.

Die Bauern auf den Feldern beachteten sie kaum. Die Ernte stand bald bevor und viel musste vorbereitet werden. Ihr Weg führte sie durch einige Siedlungen und jedes Mal rannten die Kinder aufgeregt den Schweifen ihrer Pferde nach, auch wenn sie alle respektvollen Abstand zu Ōkami hielten.

Tobirama hatte eine Route gewählt, bei der sie nicht jede Nacht im Freien schlafen mussten. Die meisten Unterbringungen entlang ihres Weges waren nicht gerade die wohlhabendsten, aber allemal ausreichend. Zumindest den Luxus wollte er sich gönnen, wenn er sich schon mit krebsroten Händen herumplagen musste, von denen sich die Haut abpellte. Zum Glück hatte Hashirama ihm einen großzügigen Vorrat an Salbe mitgegeben, die das Brennen seiner Haut zumindest für eine Weile beruhigte.

Umso erleichterter war er, als sie endlich ihr Ziel erreichten. Kumogakure lag im Schutze eines Gebirgszuges im Land des Blitzes. Schon früh am Tag begannen sie den Aufstieg in die Berge. Das Dorf wurde zu mehreren Seiten von hohen Bergen geschützt und der Weg dorthin führte oft nur über schmale Bergpfade, die sich durch einen wilden Wald wanden.

Die meiste Zeit mussten sie von ihren Pferden steigen und sie vorsichtig hinter sich her führen. Eines der Tiere zeigte sich besonders störrisch, als sie immer mal wieder Brücken überwinden mussten, die sich über rasch dahin fließende Gebirgsbäche oder steile Schluchten spannten. Hier war es Danzō, der ein besonderes Händchen für das Tier erwies und es so weit beruhigen konnte, dass sie es mit verbundenen Augen über die Brücke führen konnten.

Und dann, ganz plötzlich, öffneten sich die Felswände vor ihnen und gaben den Blick frei auf Kumogakure. Das Dorf fügte sich erstaunlich organisch in die raue Felsenlandschaft mit hohen Gebäuden, die sich an den steilen Hängen empor reckten. Anders als Konoha, dessen Häuser oftmals in einem eher traditionellen Stil erbaut worden waren, setzte Kumo auf einen großen Anteil an Glas in seiner Architektur. Tobirama hatte davon gehört. Das sollte jetzt angeblich modern sein. Er fand es hässlich.

Noch bevor sie auch nur einen Schritt weiter gehen konnten, tauchten zwei dunkelhäutige Shinobi vor ihnen auf. Sie trugen die Standardausrüstung der Shinobi dieses Dorfes und auf ihren Stirnbändern prangte das Zeichen Kumos. Beide waren sie mit gut gearbeiteten Katana bewaffnet, die sie jedoch etwas ungewöhnlich über den Schultern trugen.

Einer von ihnen trat vor und verneigte sich knapp. Er konnte kaum älter sein als Kagami, stellte Tobirama fest.

»Mein Name ist Amai und ich wurde damit beauftragt, Sie in Kumogakure willkommen zu heißen. Meine Kameradin ist Asahi.«

Auch sie verbeugte sich.

Tobirama erwiderte die Geste und seine Genin taten es ihm gleich. »Wir danken für die Gastfreundschaft.«

Amai bedeutete ihnen, ihm zu folgen, und wandte sich zum Gehen. Tobirama bemerkte, wie Torifu Kagami einen Ellbogen in die Rippen stieß.

»Was starrst du so?«, wisperte Torifu und grinste. »Was hübsches gesehen?«

Kagami blinzelte und schüttelte sich. »Halt bloß den Mund.«

Tobirama folgte Kagamis Blick, blieb an Amai hängen und sah dann wieder zurück zu Kagami. Aha.

Sie folgten den beiden Kumo nin in das Dorf. Obgleich Tobiramas Genin versuchten, nicht allzu offensichtlich zu gaffen, kamen sie doch nicht umhin, sich staunend umzusehen. Es war das erste Mal, dass sie ein anders verstecktes Dorf zu Gesicht bekamen, daher unterband es Tobirama nicht und ließ ihnen ihr Staunen. Sie würden schon schnell genug wieder zum Ernst der Sache zurückfinden.

Anders als in Konoha war hier vieles aus Stein gebaut. Ein guter Teil der Häuser war mit Doton errichtet worden, einige davon sogar direkt in den Fels hinein, aber es waren auch einige dabei, die auf herkömmliche Weise erbaut worden waren. Über allem ragte der Turm des Raikage auf, ein großes rundes Gebäude mit einer in der Sonne gleißenden Glasfassade, das sich an eine besonders hohe Felszinne schmiegte.

Kumogakure verdankte seinem Namen dem Umstand, dass es so hoch in den Bergen lag, dass es wortwörtlich von Nebel verborgen wurde. Wolken hingen hier mitunter so tief, dass die Gebäude darin verschwanden.

Tobirama konnte sich nicht helfen, aber er musste einfach die strategische Lage des Dorfes begutachten. Während sie Amai durch die Straßen folgten, zeichnete er bereits in Gedanken eine Karte des Weges, den sie zurücklegten, und wo sich strategische Posten befanden. Von Zeit zu Zeit machte er Shinobi aus, die von den Dächern aus das Treiben im Dorf überwachten, und nicht alle Blicke, die ihnen folgten, waren ihnen auch wirklich wohlgesonnen.

Schließlich erreichten sie den Fuß der Felsnadel, in die der Turm des Raikage eingelassen war.

»Die Gästequartiere sind hier unten«, sagte Amai. »Die Stallungen sind nicht weit weg von hier, da können die Pferde untergebracht werden. Allerdings«, und hier lachte er nervös auf, »sind wir nicht auf gigantische Wölfe eingerichtet. Schätze, das ist unser Fehler, dass wir das mit dem Weißen Wolf von Konoha nicht wörtlich genommen haben.«

Ōkami trat an Tobiramas Seite. »Das macht nichts. Ich finde schon einen Ort, wo ich bleiben kann.«

Amai atmete sichtlich auf. »Oh. Gut. Allerdings würde ich Sie bitten, vorläufig hier zu bleiben. Ich komme später noch einmal wieder und schaue nach dem Rechten. Kumo kann für Außenstehende am Anfang verwirrend sein, und wir wollen doch nicht, dass sich irgendwer verläuft.«

Na, wenn das keine Einladung war, genau das zu tun.

Amai ging davon, und Asahi übernahm es, ihnen ihre Quartiere zu zeigen und ihnen eine erste Stärkung nach ihrer langen Reise zu bringen. »Der Raikage läd später zu einem formalen Essen, aber Sie wollen sicher erst einmal zur Ruhe kommen.«

Tobirama nickte, während er sein Zimmer betrat und das Gepäck ablud. »Das stimmt. Vielen Dank für die Info.«

Kagami hatte mit Torifu und Danzō das gegenüberliegende Zimmer bekommen. Gerade stand er im Türrahmen, lehnte sich dagegen und grinste Asahi lässig an. »Sag mal, dein Begleiter … Er ist süß.«

Asahi blinzelte irritiert. »Ja. Das ist sein Name.«

»Nein, ich meine, er ist süß. Ich dachte nur …« Kagami räusperte sich verlegen. »Vielleicht könntest du ihn mir etwas näher vorstellen.«

Asahi runzelte die Stirn. »Ich geh das Essen und die Getränke holen.« Dann drehte sie um und verschwand.

Torifu starrte Kagami mit offenem Mund an. »Was? Der Kerl? Ich dachte, du hast Asahi hinterher gestarrt!«

»Hä? Hast du Amai mal gesehen?«, erwiderte Kagami energisch. »Ich mein, guck ihn dir doch nur mal an!«

»Ja, schon, aber …«

Oh, herrje. Tobirama hatte nun wirklich keine Lust, sich mit hormonellen Jugendlichen abzugeben. »Lagebesprechung«, unterbrach er sie daher.

»Jawohl!«

Sie fanden sich in seinem Zimmer ein, und während Tobirama den Sonnenbrand auf seinen Händen mal wieder mit Hashiramas Salbe behandelte, lies er sie zusammentragen, was ihnen auf ihrem Weg durch das Dorf aufgefallen war.

»Die Stimmung ist irgendwie … Hm, wie soll ich sagen? Angespannt?«, sagte Homura.

Tobirama nickte, während er vorsichtig einen Hautfetzen abzupfte und dann die Salbe auf seine brennende Haut auftrug.

Koharu beobachtete ihn und verzog das Gesicht. »Autsch.«

Tobirama winkte ab. Dann wandte er sich an Homura. »Das ist mir auch aufgefallen. Sie wirken nervös.«

»Vielleicht ist etwas vorgefallen und sie wollen nicht, dass wir davon erfahren«, sinnierte Hiruzen. »Amai-san meinte, wir sollen hierbleiben, und das erscheint mir schon verdächtig.«

»Anzunehmen, dass sie uns beobachten«, fügte Danzō an. »Vernünftig, das würde ich an ihrer Stelle auch tun.«

»Mir ist auch aufgefallen, dass sie uns nicht auf direktester Route hierher geführt haben«, sagte Kagami. »Und eine Stadtbesichtigung war es bestimmt nicht, weshalb Amai einen Umweg genommen hat.«

Torifu stieß ihn den Ellbogen in die Seite und grinste. »Ach, hast du doch noch was anderes angeschaut.«

Kagami starrte ihn finster an, das Sharingan schien aus seinen Augen. Den Blick hatte er sich garantiert von Madara abgeguckt, auch wenn es bei ihm nicht die erhoffte Wirkung erzielte. »Sei still!«

»Bleibt bei der Sache«, mahnte Tobirama ruhig.

»Ich schlage vor, wir stellen ein paar Nachforschungen an«, sagte Danzō eifrig.

Tobirama machte eine beschwichtigende Geste. »Wir beobachten erst einmal nur, immerhin sind wir hier Gäste.«

»Aber etwas geht hier vor«, sagte Koharu. »Zumindest das ist offensichtlich, auch wenn es nicht zwingend etwas mit uns zu tun haben muss.«

»Wir warten ab und beobachten«, sagte Tobirama.

Sie konnten immer noch später herumschnüffeln, sollte sich herausstellen, dass, was auch immer hier vor sich ging, auch Konoha betreffen konnte. Für‘s erste würde es reichen, wenn sie die Ohren aufsperrten. Vielleicht würde Tobirama auch ein paar unauffällige Nachforschungen betreiben. Amai hatte offensichtlich etwas vor ihnen zu verbergen.

Kurz darauf kam Asahi wieder und brachte Erfrischungsgetränke und ein paar Happen. Sie erkundigte sich, ob alles ihren Wünschen gemäß eingerichtet war, und fragte sogar, ob sie Ōkami etwas Fleisch bringen sollte. Dankend nahm Tobirama an, setzte jedoch hinzu, dass sie solche Dinge besser Ōkami selbst fragte. Dann ging Asahi wieder.

Unter seinen Genin war eine Süßspeise aus Fruchtgelee besonders beliebt. Es war in kleine Würfel geschnitten worden, die in Kokosflocken gehüllt waren. Tobirama probierte etwas davon und entschied schon beim ersten Bissen, dass es ihm zu süß war. Seine Genin hingegen konnten gar nicht genug davon bekommen. Innerhalb von Minuten hatten sie alles aufgegessen. Tobirama begnügte sich mit den herzhaften Häppchen. Nach der langen Reise war es erholsam, sich mit kleinen Appetithappen auszuruhen, und Tobirama gönnte es sich, sich zurückzulehnen und dem lockeren Geplauder seiner Genin zu lauschen.

Ganz plötzlich jedoch rann ihm ein eiskalter Schauer den Rücken hinab. Als würde jemand über sein Grab laufen … Er sah auf und bemühte instinktiv seine Sensorfähigkeiten.

»Sensei?« Hiruzen war die Änderung in seiner Haltung nicht entgangen.

Doch bevor er ihm antworten konnte, kam Amai wieder. Er klopfte an und trat auf Tobiramas Ruf hin ein. Kagami wurde verdächtig ruhig und starrte Amai an. Eine verräterische Röte schlich sich auf seine Wangen.

»Raikage-sama hat nun Zeit für Sie«, sagte Amai. »Ich begleite Sie zu ihm.«

Tobirama erhob sich und bedeutete seinen Genin, ihm nachzufolgen. Gehorsam sprangen sie auf und bemühten sich, wichtig auszusehen, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie Amai folgten, behielt Tobirama seine Umgebung genau im Sinn, dieses sonderbare Gefühl war noch nicht vergessen.

Was nur ging hier vor sich?

Das Büro des Raikage war durch eine Treppe im Inneren des Felsens zu erreichen, und Tobirama kam nicht umhin, den strategischen Vorteil dieses Zugangs anzuerkennen. Das Büro lag hoch oben an die Felszinne geschmiegt und war von allen Seiten von massivem Gestein geschützt. Ein Angriff wäre ausgesprochen schwer zu bewerkstelligen.

Auf ihrem Weg versuchte Kagami nicht gerade unauffällig Amai in ein Gespräch zu verwickeln. »Diese kleinen Geleewürfel waren echt lecker. Sind die so eine Art lokale Spezialität?«

Amai schien nicht wirklich erpicht, antwortete aber dennoch, wenn auch mit einem etwas unterkühlten Ton. »Wir nennen das Lokum.«

»Also ich könnte das den ganzen Tag essen«, versuchte es Kagami weiter und grinste Amai an.

Versuchte er allen ernstes zu flirten? Selbst Tobirama stellte sich da besser an, und Izuna wurde nie müde zu betonen, dass er die unromantischste Person auf Erden sei.

Amai zeigte sich wenig beeindruckt. »Ich würde davon abraten. Man bekommt ziemlich schnell Magenschmerzen, wenn man zu viel davon isst.«

»Ach …« Kagami suchte verkrampft nach etwas, das er darauf antworten konnte. »Nun … Also wir in Konoha haben keine solche lokale Spezialität. Aber ich kenne eine nette alte Dame, die uns zu Hause manchmal Dango vorbei bringt, die sie selbst macht. Die sind auch sehr lecker!«

»Aha.« Amai hörte offensichtlich nur halb zu und wollte lediglich nicht unhöflich erscheinen, was Kagami aber nicht aufzuhalten schien.

»Also, Lokum. Was gibt es denn noch so für kulinarische Geheimtipps aus Kumo, die wir unbedingt ausprobieren müssen?«, fuhr Kagami unbeeindruckt fort.

Torifu biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszulachen.

Bevor sich Kagami jedoch vollends zum Narren machen konnte, erreichten sie das Büro. Amai kündigte sie an und dann traten sie ein.

Das Büro des Raikage war ein großer Raum mit einer Glasfront, die sich über die gesamte Höhe und Breite einer Wand erzog und durch die man einen hervorragenden Blick über fast das gesamte Dorf hatte. Der Raum selbst war recht spartanisch eingerichtet bis auf wenige Möbel. Darunter befanden sich auch ein Trainingsstand zum Gewichte heben, an dem gerade As Leibwächter eine beeindruckend große Hantel stemmte, und ein Sofa, das direkt vor der Glasfront stand und auf dem Raikage A sich ausgestreckt hatte und Gitarre spielte.

Tobirama hatte den Raikage zusammen mit seinem Leibwächter bereits damals auf der Kage Konferenz kennengelernt. Seit damals hatte Leibwächter A noch mehr an Muskelmasse zugenommen und Raikage A hatte sich eine noch wildere Lockenmähne wachsen lassen. Außerdem fehlte ihm die rechte Hand. Um dennoch Gitarre spielen zu können, hatte er sich um seinen Armstumpf ein Band geschlungen, das das Plektrum hielt. Eine simple aber effektive Lösung. Zumal er gar nicht mal so übel spielte.

»Kommt rein, kommt rein!«, begrüßte Raikage A sie, ohne von dem Sofa aufzustehen. Stattdessen schwenkte er seinen verstümmelten Arm auf ein weiteres Sofa, das im rechten Winkel zu seinem eigenen stand. »Setzt euch zu mir und genießt die Aussicht. Später ist immer noch Zeit für‘s Geschäftliche.«

Sein Leibwächter fuhr darin fort, die Hantel zu stemmen und ließ es so aussehen, als würde sie kaum etwas wiegen. Dabei musste sie mindestens so schwer sein wie Tobirama, wenn nicht gar mehr. Auch Raikage A setzte mit seinem Gitarrenspiel wieder ein. Tobirama war sich nicht sicher, ob er ein bestimmtes Lied spielte, oder einfach nur die Saiten zupfte, wie es ihm in den Sinn kam.

»Ich wusste nicht, dass Sie einen Sinn für Musik haben«, sagte er, als er sich setzte. Das Sofa war angenehm weich und bequem. Seine Genin stellten sich hinter ihn und gaben sich Mühe, wichtig zu wirken. Kagami warf ab und zu einen Blick zu Amai, der an der Tür stand, aber ansonsten war auch er bei der Sache. Tobirama würde dennoch hinterher mit ihm reden müssen. Am besten unter vier Augen.

»Hat nicht jeder so seine kleinen Zeitvertreibe, mit denen er sich den Tag versüßt?« A stellte die Gitarre zur Seite und richtete sich auf. »Ich hoffe die Reise war angenehm.«

»So angenehm, wie es im Hochsommer eben sein kann«, erwiderte Tobirama.

A warf einen Blick auf seine Hände und verzog das Gesicht. »Das stelle ich mir unangenehm vor. So etwas kann unsereins nicht so leicht passieren.«

Tobirama sagte nichts dazu. Er hatte schon jeden nur erdenklichen Spruch zu dem Thema gehört und langsam war er es müde.

Er wurde davon erlöst, als Asahi durch eine Seitentür hereinkam und ein silbernes Tablett hereintrug. Darauf stand eine Teekanne mit zwei Ausgüssen sowie mehrere Gläser. Sie stellte alles auf einen kleinen Tisch vor den beiden Sofas ab und füllte zwei Gläser mit einem schwarzen Tee. In das Glas des Raikage tat sie einen Löffel mit Honig. »Zucker oder Honig? Oder vielleicht doch Milch?«

Wer trank bitteschön Tee mit Milch? Tobirama lehnte ab. »Nichts von alledem.«

A nahm sein Glas und schwenkte es in Richtung seiner Gäste. »Ihr könnt gern auch etwas haben. Ihr seid meine Gäste und ich will nicht, dass ihr dursten müsst.«

Etwas zögernd nahmen die sechs Genin an und Asahi reichte ihnen ebenfalls Tee, bevor sie sich zu Amai begab. Tobirama nippte bedächtig an seinem Glas. Schwarzer Tee war eigentlich nicht nach seinem Geschmack und jetzt fragte er sich, ob er doch den Honig hätte annehmen sollen, um den bitteren Beigeschmack zu überdecken.

»Es ist das erste Mal, dass wir so hohen Besuch aus Konoha oder überhaupt einem der anderen Dörfer hier bei uns begrüßen dürfen«, sagte A. »Ich fühle mich geehrt, dass der Hokage auf mein Gesuch reagierte, indem er seinen eigenen Bruder schickte.«

»Die Ehre ist ganz unsererseits«, erwiderte Tobirama. »Schon lange war es das Ansinnen meines Bruders, einen dauerhaften Frieden zu etablieren. Auch wenn wir damals auf der Kage Konferenz einen Friedensvertrag erzielen konnten, so waren die Spannungen zwischen den Dörfern und auch den kleineren Nationen auch danach noch spürbar. Dies kann ein erster Schritt in Richtung des großen Ziels sein.«

»Es ist unsere Pflicht, eine Zukunft für die nachfolgenden Generationen zu errichten und ihnen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.« A deutete auf die sechs Genin. »Und wie ich das so sehe, macht Konohas Nachwuchs auch einen ganz passablen Eindruck.«

»Äh, danke?«, erwiderte Hiruzen, offensichtlich nicht so ganz sicher, wie er damit umgehen solle, so direkt angesprochen zu werden.

»Ihr seid noch ziemlich jung für Chūnin«, stellte A fest. »Andererseits ist Konoha ja auch für seine Ausnahmetalente bekannt.«

»Oh, wir sind keine Chūnin, noch nicht jedenfalls«, stellte Hiruzen richtig. »Aber Tobirama-sensei sagt, dass wir, wenn wir uns auf dieser Mission gut schlagen, zu Chūnin befördert werden.«

»Ich bin sicher, ihr schafft das. Meine zwei Assistenten Amai und Asahi habt ihr ja bereits kennen gelernt. Redet ein bisschen mit ihnen, ihr könnt von ihnen sicher viel lernen«, sagte A. »Amai, Asahi, zeigt unseren Gästen heute Abend diese neue Robata Bar, die aufgemacht hat. Die Rechnung geht auf mich.«

Kagami schien ausgesprochen begeistert von diesem Vorschlag. Amai machte ein möglichst ausdrucksloses Gesicht und nickte nur steif. Asahi notierte etwas auf einem Klemmbrett, das sie bei sich führte.

»Sie kommen nicht mit uns?«, erkundigte sich Tobirama.

A machte eine dramatische Geste. »Irgendwann muss die ganze Arbeit ja gemacht werden. Es gibt immer was zu tun.«

Tobirama nickte und lächelte, als würde er diesen Scherz auch tatsächlich lustig finden. »Das kommt mir nicht unbekannt vor.«

Wenn A so viel zu tun hatte, warum hing er dann in seinem Büro herum und amüsierte sich mit seiner Gitarre, während er seinen Gästen Tee servierte? Was lief im Hintergrund ab? Tobirama wollte niemandes Zorn auf sie lenken, indem er anfing, seine Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken, zumal das im schlimmsten Falle noch einen internationalen Vorfall heraufbeschwören könnte. Aber die Sache stank mittlerweile zum Himmel.

»Nun, jedenfalls würde ich mich sehr freuen, wenn wir zu einer Übereinkunft kommen«, sagte A und reichte Tobirama die Hand. »Eine Zusammenarbeit zwischen Kumo und Konoha kann nur fruchtbringend sein.«

»In der Tat.« Tobirama schlug ein.

Im Hintergrund stemmte der Leibwächter des Raikage noch immer seine Gewichte.

Aaalso, Raikage A. Ich hab mir mit dem ein paar kleine Späße erlaubt. Die Wiki sagt, dass er Jimi Hendrix ähnelt und es stimmt einfach. Das war der Grund, warum er überhaupt Gitarre spielt. Dann sah ich, wie groß er angeblich sein soll (unglaubliche 2,10m!) und der Wintergeist schrie sogleich "Mähdross der Ninja Welt!" und deswegen hat mein Jimi Hendrix Rip off nur eine Hand. Man kann übrigens einhändig Gitarre spielen. Im nächsten Kapitel geht es weiter den Geheimnissen Kumos auf der Spur.
Geheimnisse

»Das stinkt doch zum Himmel«, sagte Danzō.

Mittlerweile waren sie wieder in ihren Quartieren, hatten sich den Staub der Straße abgewaschen und gönnten sich in Tobiramas Zimmer noch eine Runde von diesem Lokum. Das hieß, Tobirama überließ die Süßigkeit seinen Genin und begnügte sich lieber mit seinem eigenen mitgebrachten Tee.

Kagami war gerade erst hinzugestoßen und rubbelte sich die noch feuchten Haare mit einem Handtuch trocken. »Was stinkt hier?«

»Na, alles«, betonte Danzō. »Es ist doch offensichtlich, dass hier irgendetwas vor uns verborgen wird. Wir sollten herausfinden, worum es sich dabei handelt.«

»Und damit was erreichen?«, wollte Tobirama wissen.

»Es könnte Konoha betreffen«, sagte Danzō. »Oder vielleicht sogar gezielt uns hier. Vielleicht ist es ja eine Falle.«

»Das klingt völlig paranoid«, hielt Koharu dagegen. »Klar, wir in Konoha haben auch so unsere Geheimnisse, die wir nicht in der Welt herum posaunen wollen. Aber hat das nicht jedes Dorf? Ich würde da jetzt nicht gleich eine Verschwörung wittern.«

»Also ignorieren wir das einfach?«, wollte Hiruzen wissen. »Das halte ich aber auch nicht für eine gute Idee.«

»Überlegt: Was würde passieren, wenn wir anfangen, diesem Mysterium auf den Grund zu gehen?«, sagte Tobirama ihnen.

»Wir würden es angehen wie jede Erkundungsmission«, sinnierte Homura. »Wir würden uns aufteilen, um einen größeren Bereich abzudecken. Gasthäuser sind immer ein guter Ort, um Informationen einzuholen, also wäre die Einladung des Raikage tatsächlich ein guter Start dafür.«

»Und was wären die Konsequenzen, wenn jemand herausfände, dass ihr herumschnüffelt?«, fragte Tobirama weiter.

»Nun …« Homura antwortete darauf nicht sogleich.

»Sie wären in Kumo wahrscheinlich nicht allzu glücklich darüber«, sagte Kagami. »Es wäre sehr verdächtig und ließe uns als Spione aussehen. Was wir technisch dann auch wären. Niemand mag das. Hashirama-oji und Madara-oji wären wahrscheinlich auch nicht allzu glücklich darüber, wenn sie die Wogen glätten müssten, die das zur Folge hätte. Die Lage zwischen den Nationen ist nach wie vor eher fragil.«

Fragil war gar kein Ausdruck. Tobirama musste an Izuna denken. Wie es bei ihm wohl lief?

»Zugegeben, auch ich bin neugierig, was hier vor sich geht«, sagte Tobirama. »Aber vorerst haben wir keinen Grund zur Annahme, dass diese Sache uns in irgendeiner Weise betrifft. Es ist offensichtlich, dass der Zeitpunkt unseres Eintreffens dem Raikage nicht passt, was heißt, dass das, was auch immer vorgefallen ist, erst vor kurzen passiert sein muss. Vielleicht ein Zufall, vielleicht auch nicht. Wir werden wachsam bleiben, aber mehr auch nicht.«

»Es gibt keine Zufälle«, warf Kagami nachdenklich ein. »Das sagt zumindest Izuna-oji immer.«

Tobirama musste an den Schauer denken, der ihm den Rücken hinabgelaufen war. War es nur seine Einbildung gewesen oder stand da doch mehr dahinter?

»Wir werden nichts aktiv tun, so lange kein begründeter Verdacht besteht, dass es Konoha in irgendeiner Weise betreffen würde. Das ist mein letztes Wort in dieser Sache«, sagte Tobirama. »Ihr müsst lernen, das große Ganze im Blick zu behalten und nicht immer im vorauseilenden Gehorsam zu handeln.«

»Verstanden, sensei!«, bestätigten seine Genin.

»Und jetzt geht und zieht euch was Alltagstaugliches an. Amai und Asahi werden bald hier sein.«

Sie taten, wie er ihnen aufgetragen hatte, und gingen auf ihre Zimmer. Nur Kagami blieb. Nun gut, Mit ihm hatte Tobirama ohnehin reden wollen.

Kagami räusperte sich und suchte verlegen nach Worten. Er starrte auf seine Schuhspitzen. »Du, Tobi-oji, kann ich dich was fragen?«

Tobirama deutete auf den Stuhl neben sich. »Nur zu.«

Kagami setzte sich. »Äh … Also, wo anfangen? Nun, es ist so: Ich dachte bisher immer, ich sei eher an Mädchen interessiert. Na ja, und dann tauchte einfach so Amai auf und jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Weißt du?«

»Und jetzt bittest du ausgerechnet mich um Rat.«

»Na ja … ja.«

»Dann lass dir eins gesagt sein: Renn nicht dem erstbesten hübschen Hintern hinterher, den du siehst.«

Kagami blinzelte. »Was?« Dann wurde er knallrot im Gesicht.

»Ich meine das genau so. Du kennst ihn noch nicht einmal einen Tag und versucht bereits sehr offensichtlich und nicht gerade geschickt, mit ihm anzubandeln.«

»Was?«, krächzte Kagami erneut. Dann schlug er die Hände vors Gesicht und stöhnte. »Oh nein, ich hab mich bestimmt zum Vollpfosten gemacht!«

»Ja.«

Kagami sank noch weiter in sich zusammen. »Das tut weh. Izuna-oji hat Recht, manchmal bist du echt gnadenlos direkt.« Nach einem kurzen Moment, in dem er in Selbstmitleid versank, fuhr Kagami fort: »Und was mach ich jetzt?«

»Dich ihm nicht mehr förmlich an den Hals werfen«, sagte Tobirama geradeheraus. »Und starre nicht so offensichtlich. Du hast immer noch eine Mission zu erledigen, konzentriere dich darauf.«

Kagami grummelte etwas Unverständliches. »Wie war das mit dir und Izuna-oji damals?«, wollte er dann wissen. »Wie seid ihr zusammengekommen?«

»Ich glaube nicht, dass du uns als Vorbild nehmen solltest«, versuchte Tobirama auszuweichen.

»Ich will‘s aber trotzdem wissen«, beharrte Kagami.

Tobirama überlegte für einen Moment, ob er weiter darauf beharren sollte, das für sich zu behalten. Kagami musste nun wirklich nicht alles wissen. Allerdings war der Junge derzeit auch etwas durch den Wind ob seiner Erkenntnis, dass er nicht nur an einem Geschlecht Interesse hatte, also verdiente er wohl doch eine Antwort.

»Wir waren neunzehn, als Izuna eines Tages mit einem kimono in unser Labor stürmte, den er Mito stibitzt hatte. Dauerhaft geliehen, wie er es nannte«, sagte er daher. »Er wollte von mir wissen, ob der kimono ihm gut zu Gesicht stehen würde. Ich sagte ihm, dass er nicht mich fragen solle, da Mode mich nach wie vor nicht wirklich interessiert, aber er tragen könne, was auch immer er wolle. Das erfreute ihn so sehr, dass er mich küsste.«

Kagami starrte ihn einen Moment lang schweigend an. »Echt jetzt?«

»Ja.«

»Warum erstaunt mich das überhaupt? Eigentlich hätte ich mir so etwas doch denken können.«

»Mach das nicht nach«, betonte Tobirama. »Am besten fragst du das nächste Mal meinen Bruder solche Dinge. Oder besser noch Mito. Hm, eigentlich nur Mito.«

Daraufhin musste Kagami schon wieder grinsen. »Romantik ist echt nicht so dein Ding, was? Ein Wunder, dass Izuna-oji dich überhaupt rumgekriegt hat.«

Tobirama kniff die Augen zusammen. »Zieh ab. Das Essen steht bald an und ich will nicht, dass wir wegen dir zu spät kommen.«

Kagami lachte frech und verdrückte sich, bevor Tobirama ihm noch etwas hinterher werfen konnte.

Als der verabredete Zeitpunkt näher rückte, verließ Tobirama sein Quartier, um sich vor den Gästeunterkünften die Beine zu vertreten. Vor dem Gebäude war ein kleiner Platz, der jetzt von der Abendsonne beschienen wurde. Ōkami hatte sich hier niedergelassen und wärmte sich den Pelz. Eine Gruppe Kinder hatte sich in einiger Entfernung versammelt und beäugte die Wölfin neugierig, die sich davon aber nicht stören ließ.

Ein Junge trat vor und versuchte mit Lockrufen Ōkami dazu zu bewegen, zu ihm zu kommen. »Komm her. Sei ein guter Junge und komm her. Los, Hundi. Ich hab ein Leckerli.«

Ein anderes Kind griff nach einem Stock und warf ihn davon. »Hol das Stöckchen!«

Daraufhin öffnete Ōkami nun doch ein Auge und sah zu den Kindern hinüber. »Was soll das werden? Haltet ihr mich für einen tumben Hund?«

Die Kinder stießen schrille Schreie aus und stoben davon.

Tobirama trat zu Ōkami. »Du hättest ihnen die Freude machen können.«

Sie gähnte herzhaft und entblößte ihr Gebiss. Dann rollte sie sich auf den Rücken, um sich von Tobirama den Bauch kraulen zu lassen. »Hätte ich. Aber ich bin kein Hund. Wer weiß, am Ende hätten sie noch auf mir reiten wollen.«

»Mich lässt du auf deinen Rücken. Und Izuna auch.«

»Ihr seid ja auch meine zwei ganz besonderen Welpen.«

Bevor er irgendwas darauf erwidern konnte, begann sie, ihn von Kopf bis Fuß abzulecken. Er versuchte vergeblich, sich dagegen zu wehren. Sie stemmte einfach eine Pfote auf seinen Brustkorb und hielt ihn unten, bis sie der Meinung war, dass er präsentabel sei.

So fanden ihn seine Genin. Kagami lachte offen, während der Rest immerhin noch den Anstand hatte, ihr Kichern zu verbergen. Tobirama sah sie finster an und grummelte missmutig, als er sich aufrappelte und sein happuri zurechtrückte.

»Toll«, brummte er. »Wirklich großartig. Jetzt darf ich mich noch mal umziehen.«

Ōkami leckte ihm ein letztes Mal durch die Haare und stupste ihn dann mit der Nase an. »Jetzt riechst du immerhin wieder nach Wolf, so wie es sein sollte.«

Noch immer leise vor sich hin schimpfend eilte er in sein Quartier zurück, wusch sich in Windeseile und suchte dann aus seinem Gepäck frische Kleidung heraus. Bis auf seinen üblichen schwarzen Anzug, den er stets zum Training oder unter seiner Rüstung trug, hatte er jedoch nichts weiter dabei. Nun ja, das musste jetzt genügen.

Als er endlich wieder vorzeigbar war, waren bereits Amai und Asahi anwesend. Kagami beherzigte anscheinend Tobiramas Rat, denn er bemühte sich, Amai nicht allzu offensichtlich anzuschmachten. Ōkami saß zwischen ihnen und tat so, als sei sie die Unschuld in Person.

»Kommt der Wolf mit?«, fragte Asahi anscheinend etwas irritiert.

»Na, hör mal, kleiner Welpe. Natürlich komme ich mit. Bin ich nicht etwa auch ein Gast hier?«, betonte Ōkami. »Ich bin mit den Sitten und Gepflogenheiten der Menschen nicht immer ganz vertraut, weil sie mir oftmals eigensinnig erscheinen. Aber vom Gastrecht habe auch ich schon gehört.«

Asahi wirkte etwas pikiert ob der implizierten Unterstellung, wahrte jedoch ihre Manieren. »Natürlich. Es kommt nur nicht jeden Tag vor, dass wir einen Wolf bewirten.«

»Gut, dass wir das klären konnten. Führe uns.« Ōkami erhob sich und starrte Asahi durchdringend an. Mittlerweile war sich Tobirama sicher, dass sie sich ihren Scherz mit der jungen Frau erlaubte.

Die beiden Kumo nin führten sie ein kleines Stück durch das Dorf. Dieses Mal erzählte Amai auch das eine oder andere zu den Orten, an denen sie vorbei kamen, denn Kumogakure hatte ein paar Sehenswürdigkeiten. Ōkami trottete die ganze Zeit neben ihnen her und atmete Asahi direkt in den Nacken. Man musste es der kunoichi zugute halten, dass sie keine Miene verzog, ihre Haltung war dennoch angespannt. Tobirama fragte sich, was zwischen den beiden vorgefallen war.

Hiruzen beobachtete Ōkami eine Weile und sah dann zu Tobirama. »Sensei, kann ich eine Frage stellen?«

»Immer.«

»Was muss ich tun, wenn ich ebenfalls einen Vertrauten Geist haben möchte?«, wollte Hiruzen wissen.

Danzō merkte sichtlich auf und wandte sich ihnen zu.

»Dich von Ōkami abschlecken lassen, was sonst?«, warf Kagami scherzend ein.

»Ich könnte dich anknabbern«, sagte Ōkami. »Ich habe nicht vergessen, wie Uchiha schmecken. Ihr seid besonders saftig, und es ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal einen gefressen habe.«

Sie bleckte die Zähne. Kagami wurde blass um die Nase.

Tobirama überhörte sie. »Dein Clan unterzeichnet traditionellerweise einen Vertrag mit den Affen. Du wirst deinen Vater fragen müssen, ob er dir erlaubt, den Vertrag abzuschließen. Aber wenn er dem zusagt, kann ich dir den Rest beibringen.«

Hiruzen warf einen Blick zu Ōkami. »Und wie ist das mit den Wölfen als Vertragspartner? Haben die Senju ein Tier, mit dem sie den Vertrag abschließen?«

»Nein, wir haben keine solche Tradition. Ich entschied mich damals aus eigenem Antrieb heraus für die Wölfe. Allerdings«, Tobirama deutete auf die Narben in seinem Gesicht, »akzeptieren sie nicht jeden streunenden Wolf in ihrem Rudel.«

Hiruzen nickte. »Dann werde ich Vater fragen, sobald wir wieder heim sind.«

»Was ist mit uns Shimura?«, warf Danzō ein. »Haben wir auch ein Vertragstier oder muss ich mir selbst eines suchen?«

»So weit ich informiert bin, hat dein Clan ein Abkommen mit den Tapiren«, sagte Tobirama ihn.

Ein entschlossener Ausdruck trat auf Danzōs Gesicht. »Gut. Dann will ich das auch lernen.«

Mittlerweile hatten sie die Robata Bar erreicht und sie traten ein. Ōkami musste ein bisschen schieben und drücken, bis ihre Schultern durch die Tür passten, aber dann war auch sie in den Gebäude. Stille schlug ihnen entgegen.

»Wie wunderbar«, murmelte Amai mit einem leicht genervten Unterton und trat dann auf den Wirt zu. »Für die Gäste des Raikage.«

Der Mann starrte die Neuankömmlinge noch für einen Moment mit weit aufgerissenen Augen an. Dann schüttelte er sich und beeilte sich, ihnen ihre Plätze zu geben. Tobiramas kleine Genin gaben begeisterte Rufe von sich, als sie das Essen rochen, und auch Ōkami tropfte der Zahn. Raikage A ahnte anscheinend nicht, wie kostspielig es werden konnte, diese Horde hungriger Mäuler zu stopfen. Torifu hatte bereits angekündigt, dass er sich einmal quer durch die Karte probieren wollte und Kagami hatte mit ihm gewettet, dass er da locker würde mithalten können. Tobirama war froh, dass er die Rechnung nicht begleichen musste.

Torifu setzte seine Androhung in die Tat um, und Kagami tat sein Bestes, um mit ihm gleichzuziehen. Der Rest der Genin benahm sich zum Glück etwas gesitteter. Ōkami bekam ein saftiges Steak mit Knochen, mit dem sie sich für den Rest des Abends begnügte. Tobirama bestellte für die ganze Runde den guten Sake.

Amai sah ihn mit fragend hochgezogener Augenbraue an. »Sind Ihre Genin dafür nicht noch etwas jung?«

»Nein«, erwiderte Tobirama lediglich. Er ließ unerwähnt, dass Hashirama Honigwein aus dem Vorrat Butsumas geschmuggelt hatte, seit Tobirama zwölf gewesen war.

Amai zuckte mit den Schultern und beließ es dabei.

Alsbald schon waren sie alle in lockeres Geplauder vertieft. Tobirama bemühte sich, sich interessiert an dieser Art von Gespräch zu zeigen; er war sonst nicht für oberflächliches Geschwätz zu haben und präferierte einvernehmliches Schweigen, wenn man sich schon nichts gehaltvolles zu sagen hatte. Seine Genin hingegen tauschten sich angeregt mit Amai und Asahi aus und verglichen begeistert die Trainingsmethoden Konohas mit denen aus Kumogakure. Kagami warf so manch einen schüchterten Blick zu Amai und wurde knallrot, als dieser einmal den Blick erwiderte. Tobirama war sich nicht so sicher, ob ihm diese Entwicklung gefiel. Der Junge kannte den Kerl doch kaum. Was Izuna wohl dazu sagen würde?

Indes hatten auch die anderen Gäste ihre Gespräche wieder aufgenommen, auch wenn noch immer so einige Blicke in ihre Richtung und insbesondere zu Ōkami geworfen wurden. Das Gespräch nahm kaum Tobiramas Aufmerksamkeit in Anspruch, also spitze er die Ohren. In einem hatte Homura eben doch Recht gehabt: So ein Restaurant war ein guter Ort, um Informationen einzuholen.

Die meisten sprachen über Alltägliches, das, was der Tag für sie bereitgehalten hatte, oder ihre Pläne für die Zukunft. Was aber war derzeit Stadtgespräch?

»Haben sie die Diebe eigentlich mittlerweile gefangen?«, hörte er eine Frau am Nachbartisch fragen.

»Nein«, erwiderte ihre Begleitung. »Die sind immer noch fahnenflüchtig.«

»Wer hätte das gedacht? Die Brüder waren doch so gefeiert worden. Aber seit damals sind sie ohnehin total abgehoben.«

»Wer würde sich auch freiwillig mit diesen Irren anlegen? Seit der Fuchsgeist sie gefressen hatte, haben sie diese … Kräfte. Es ist unheimlich.«

»Weißt du, was sie gestohlen haben?«

»Nein. Aber es sollen wohl irgendwelche wertvollen Artefakte sein. Da ist nicht viel durchgesickert, aber der Raikage ist wohl sehr besorgt deswegen.«

A war ein guter Schauspieler, wie‘s schien, denn besorgt hatte er nicht auf Tobirama gewirkt. Eher überbetont entspannt … Er kam der Sache langsam näher.

Das Gespräch am Nachbartisch wandte sich belangloseren Themen zu, und irgendwann begann die Frau, sich für ihren Tisch zu interessieren. Sie warf Tobirama ein paar bedeutungsschwangere Blicke zu und zwinkerte vielsagend. Er wandte ihr die kalte Schulter zu. Sie schnaubte empört.

Etwas war also gestohlen worden und anscheinend war dieses Etwas von großem Wert. Tobirama kramte in seinem Gedächtnis, ob ihm irgendwelche Kenntnisse von Artefakten im Besitz Kumogakures vorlagen, ad hoc fiel ihm jedoch nichts ein. Er sah zu Amai uns Asahi, die jedoch anscheinend nicht mitbekommen hatten, was am Nachbartisch beredet worden war. Sie würden ihm sicher keine Auskunft geben, würde er sie danach fragen.

Es schien eine interne Angelegenheit zu sein, zwei Ninja, die desertiert waren und etwas von großem Wert gestohlen hatten. Kein Wunder also, dass dem Raikage Tobiramas Erscheinen genau zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich passte und er versuchte, es zu verschleiern. Darin sah Tobirama keinen Anlas, dem weiter auf den Grund zu gehen.

Aber was war das mit Kyubi? Nachdem der Fuchsgeist damals über Konoha hergefallen und herausgekommen war, dass unbekannte Ninja aus Kumogakure dafür verantwortlich gewesen waren, wäre es beinahe zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen. Viele hatten das als Kriegsakt gewertet, obgleich Raikage A reumütig betont hatte, dass nichts dergleichen seine Absicht gewesen sei. Er hatte gar großzügige Entschädigungen nach Konoha gesandt und später einen ordentlichen Aufschlag für Nibi und Hachibi bezahlt. Tobirama hatte ihm sogar seine Reue geglaubt, aber was aus den Ninja geworden waren, die den Kyubi in solch eine Raserei versetzt hatten, wussten sie bis heute nicht. Er hätte nicht gedacht, jemals wieder von ihnen zu hören.

Als der Rest von ihnen schon satt war, kämpften sich Torifu und Kagami immer noch durch die Speisekarte. Amai und Asahi staunten nicht schlecht und waren sichtlich froh, dass sie das alles dem Raikage in Rechnung stellen konnten. Augenscheinlich hatten sie noch nie einen Akimichi erlebt und dazu hatte Kagami auch noch Izunas kompetitiven Sinn geerbt. Eine explosive Mischung.

Irgendwann jedoch musste Kagami seine Niederlage einräumen, als er sich so vollgefressen hatte, dass ihm der Magen schmerzte. Er jammerte so wehleidig, dass Ōkami sich sogar dazu erweichen lies, ihn auf ihrem Rücken zurückzutragen. Torifu erging es kaum besser, aber ihn hielt sein Sieg aufrecht.

»Die Küche von Kumogakure lässt sich auf jeden Fall sehen!«, tönte er, als er mit vollem Magen durch die Straßen zurück zu ihrer Unterkunft torkelte.

Na immerhin etwas, das dieser Abend erreicht hatte.

Im nächsten Kapitel treffen Tobirama und A ein Abkommen.

Autorennotiz

Alternativ könnte man diesen Text auch wie folgt umschreiben:

Das Handbuch, um die Gold und Silber Brüder zu überleben - von Senju Tobirama, mit Uchiha Izuna (Co-Autor)
1. Schritt: Don't kill that Uchiha
2. Schritt: Marry (fuck) that Uchiha
3. Schritt: DRACARYS, MOTHERFUCKERS!!

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Moanas Profilbild
Moana Am 02.09.2021 um 0:16 Uhr
Habe mit Spannung gelesen. Es ist kein Genre, was ich besonders gut kenne ... Mir gefält das Kapitel sehr. Aber über eine Sache bin ich gestolpert. Würden sie wirklich "Attacke" sagen. Es kam mir wie eine Art Stilbruch vor ...
Liebe Grüsse, Moana
Elenyafinwes Profilbild
Elenyafinwe
M
(Autor)
Am 08.09.2021 um 2:10 Uhr
Hallo, danke für deinen Kommenar ^^ (Bissl ungewohnt, auf deutsch zu antworten xP) Freut mich, dass es dir gefallen hat!
Ich denk schon, dass sie das sagen würden. Ich hab hier versucht, die Sprache etwas moderner zu gestalten. Sie sind gerade an einem Kipppunkt zwischen strickt feudalem System und moderneren Zeiten.

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Kapitel:5
Sätze:1.582
Wörter:19.724
Zeichen:117.430

Kurzbeschreibung

Einst verschonte Tobirama Izunas Leben. Nun ist es an Izuna, Tobiramas Leben zu retten. [TobiIzu]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Alternativuniversum, mittellang, Happy End, Liebesbeziehung (harmonisch), Polyamorie, nichtbinärer Charakter und Kampf getaggt.