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Wurzeln

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18.04.21 16:12
18 Ab 18 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

4 Charaktere

Senju Hashirama

Auch als Gott der Shinobi bekannt. Er ist mit seinem Freund und Rivalen Uchiha Madara einer der Gründer Konohagakures und wurde auch erster Hokage mit seinem jüngeren Bruder Tobirama als sein Nachfolger. Hashirama besitzt das einmalige kekkei genkai des Mokuton, das Erd- und Wasser-Elemente verbindet und ihn in die Lage versetzt, die Kräfte der Biju zu unterdrücken.

Uchiha Madara

Zur Zeit der Bürgerkriege war er einer der mächtigsten Ninja und Anführer der Uchiha. Zusammen mit seinem Bruder Izuna erlangt er das Mangekyō Sharingan, doch selbst damit war er nicht in der Lage, seinen alten Kindheitsfreund Hashirama zu besiegen. Später schloss er mit diesem Frieden, um ihren alten Traum zu verwirklichen, verließ dann jedoch Konoha, um es einige Zeit später wieder anzugreifen.

Senju Tobirama

Der jüngere Bruder Hashiramas und zweiter Hokage. Er ist weithin gerühmt für seine Schnelligkeit, auf deren Basis er auch das Hiraishin entwickelte. Außerdem entwickelte er zahlreiche weitere Jutsu, unter anderem auch das Edo Tensei. Er ist mit seiner ruhigen und rationalen Natur ein Gegenstück zu seinem Bruder und bremst oft dessen Enthusiasmus aus, um ihn in realistischere Bahnen zu lenken.

Uzumaki Mito

Mito vom Uzumaki Clan ist bekannt als der erste jinchūriki Kuramas, welchen sie in sich versiegelte, nachdem Uchiha Madara mit ihm Konoha angriff. Sie heiratete Senju Hashirama und unterwies später in ihrem Leben Uzumaki Kushina darin, was es heißt, der jinchūriki Kuramas zu sein.
Prolog: Wurzeln

Vor 13 Jahren

Der Blick von der Klippe in das bewaldete Tal war wie immer phänomenal. Madara konnte beobachten, wie ein Windstoß wie eine Welle durch die Bäume in Tal fuhr und goldenes Laub mit sich riss. Es wirbelte auf wie Funken eines Feuers.

»Was meinst du, wohin sollen wir die Akademie bauen?«, fragte Hashirama.

Madara wandte sich zu dem Jungen neben sich um und betrachtete dessen Silhouette. Hashiramas Haut hatte diesen ganz besonderen sonnengebräunten Teint, auf den Madara schon von Anfang an neidisch gewesen war. Er war dagegen so blass und käsig wie ein Leichentuch. Jetzt im Licht der herbstlichen Abendsonne stach der Gegensatz nur noch mehr hervor.

Zum Glück war sich Hashirama dieser Gedanken seines Freundes nicht bewusst, als er weiter plapperte. »Ich würde sagen … da!«, sagte er und deutete auf einen beliebigen Fleck im Wald unter ihnen. »Nicht außerhalb des Dorfes, auf gar keinen Fall, aber auch nicht im Zentrum. Ich find‘s furchtbar, wenn mir die alten Omis auf ihrem Weg zum Markt immer beim Trainieren zusehen und flöten, wie süß ich sei. Und es muss natürlich auch einen großen Platz für‘s eigentliche Training geben. Theorie ist wichtig, aber Praxis macht so viel mehr Spaß! Dann können die Kinder ganz in Ruhe ihre Jutsus üben. Stell dir das mal vor, ganz viele Kinder aus verschiedenen Clans, die zusammen trainieren!«

»Nun presch mal nicht gleich so vor«, zügelte Madara den Enthusiasmus seines Freundes. »Erst mal müssen wir dieses Dorf überhaupt erst gründen.«

Hashirama griff in seine Tasche und holte eine Handvoll Maronen hervor, die sie zuvor gesammelt hatten. Eine reichte er Madara, die zweite aß er selbst und die dritte warf er ins Tal. »Eines Tages wird daraus ein großer und starker Baum«, sagte er, als er dem rasch kleiner werdenden Punkt hinterher sah. »Er wird hoch wachsen und starke Wurzeln haben, dafür bedarf es nur einer Menge Geduld. Mit unserem Traum ist es dasselbe. Heute mag er noch ein kleines Samenkorn sein, aber mit genug Zeit und Vertrauen wird auch aus ihm ein Baum mit vielen starken Ästen. Seine Wurzeln werden tief reichen und nichts vermag es, ihn jemals umzureißen, denn die tiefe Wurzel erfriert nicht.«

Hashirama wirkte so glücklich. Seine Augen strahlten vor lauter Begeisterung und er grinste so breit wie eh und je. Alles an ihm strahlte Wärme und Zuversicht aus. Madara konnte einfach nicht anders, als sich davon anstecken zu lassen. Ohne weiter darüber nachzudenken, lehnte er sich gegen Hashirama und bettete seinen Kopf auf die Schulter seines Freundes.

»Das ist ein schöner Traum«, sagte er leise. Er stellte sich vor, wie hunderte kleiner Häuser zwischen dem Blätterwerk hervorlugten und tausende kleine Menschen im Schatten der Bäume entlang wuselten. Wie Kinder lachend umher rannten und niemals wieder fürchten mussten, dass ihre kleinen Geschwister in Gefahr gerieten oder ihre Eltern in grausigen Kämpfen ermordet wurden.

Eine Weile saßen sie schweigend da, jeder in sein eigenes Bild von ihrem Dorf versunken. Im Westen neigte sich die Sonne langsam dem Horizont entgegen und warf lange Schatten.

»Uhm, Madara …«

»Was gibt‘s?«

»Ich wollte dich was fragen.«

»Spuck‘s aus.«

»Aber nur, wenn du mir versprichst, mir keine Kopfnuss zu verpassen.«

»So schlimm wird‘s schon nicht sein.«

»Na ja …«

»Wenn du‘s nicht gleich sagst, verpasse ich dir dafür eine Kopfnuss!«

»Schon gut! Also … ähm, nun ja. Ich wollte wissen, ob du … Wie soll ich‘s sagen? Hast du jemals ein Mädchen … Was man halt so macht. Mit Mädchen. Du weißt schon.«

Madara fuhr zurück und starrte seinen Freund perplex an. Hashirama war knallrot angelaufen im Gesicht und grinste diese dämliche Grinsen, das er immer auflegte, wenn er verlegen war.

»Ob ich ein Mädchen geküsst hab, wolltest du wissen?«, hakte Madara nach.

Hashirama knautschte seinen hakama. »Ja. Hast du?«

Madara gab sich möglichst gefasst, während sein Hirn auf Hochtouren lief. Was sollte er antworten? Würde er sich eine Blöße geben, wenn er verneinte? Oder sollte er besser lügen? Besser, er wich der Frage aus. »Warum willst du das wissen?«

Falls es möglich war, wurde Hashirama noch röter im Gesicht. »Ich werde bald vierzehn«, nuschelte er. »Und da ist dieses Mädchen aus einem anderen Clan und Vater sagt, dass ich sie heiraten soll. Und na ja, da hab ich mich halt gefragt, wie das wohl wäre. Mit einem Mädchen.«

Als er ihn so sah, konnte es Madara einfach nicht über‘s Herz bringen, seinen Freund anzulügen. »Nee, hab noch nicht mit einem Mädchen geknutscht«, sagte er möglichst lässig. Zumindest hatte Hashirama darin also keinen Vorsprung vor Madara und sie waren noch immer gleich auf. Gut. »Mädchen sind nervig«, fügte er an.

Er konnte förmlich spüren, wie das Gebirge von Hashiramas Herz purzelte. »Echt jetzt!«, rief Hashirama energisch aus, alle Nervosität war vergessen. Dann schlug sein Missmut wieder wie eine Welle über ihm zusammen. »Aber ich muss dieses Mädchen trotzdem heiraten«, schmollte er. »Auch wenn sie erst zehn ist und bestimmt eine totale Zicke.«

»Musst du?«

»Ja. Papa sagt, das sei ganz wichtig. Claninterne Sache, du weißt schon.«

»Schon klar.«

Sie verfielen wieder in Schweigen. Wahrscheinlich hatten sie eh schon zu viel gesagt, aber das spielte jetzt auch keine Rolle mehr. Madara dachte einfach nicht weiter darüber nach, um nicht aus Versehen diese vielen kleine Puzzleteile zusammenzufügen. Er wollte das zwischen ihnen nicht ruinieren.

Während Madara die Beine über der Kante des Kliffs baumeln ließ, hatte Hashirama seine angezogen und das Kinn auf die Knie gebetet. Sie beobachteten wieder den Wald unter sich, auch wenn Madara heimlich aus dem Augenwinkel zu seinem Freund linste, um ihn verstohlen zu mustern. Als Hashirama in seine Richtung sah, wandte er hastig den Blick ab.

»Also …«, begann Hashirama langsam. »Du hast noch kein Mädchen geküsst und ich auch nicht und wir haben beide keine Ahnung davon. Aber bevor wir uns vor den Mädchen zum Deppen machen, da dachte ich …«

Oh-oh. »Du dachtest?«

Hashirama wurde schon wieder rot. Madara war sich nicht sicher, ob er sich den Rauch nur vorstellte, der aus seinen Ohren kam. »Wir könnten üben«, krächzte Hashirama. »Du weißt schon, zusammen trainieren, damit wir da auch besser werden.« Er grinste schon wieder so dämlich.

Madaras Magen machte einen Purzelbaum. »Ich bin doch kein Mädchen!«, brachte er hervor und hoffte, dass es angemessen empört klang und ganz und gar nicht so, als würde ihm diese Idee gefallen.

»Na ja, so viel anders wird‘s nicht sein, denke ich«, hielt Hashirama dagegen. »Kuss ist Kuss, weißt du.«

»Und das weißt du woher, du Kussexperte?«

»Das weiß ich halt! Einfach so. Kann ich mir eben denken.«

»Das ist eine bescheuerte Idee!«

»Nein, ist es nicht, sonst hättest du mich schon mit einem Tritt in den Hintern die Klippe hinunter befördert.«

Leider wahr.

»Also?« Hashirama hatte sich zu ihm hinüber gebeugt und sah ihn mit großen, hoffnungsvollen Augen an. Das tiefe Braun seiner Augen erinnerte an den Blick eines Welpen. Madara hoffte, dass er nicht hörte, wie sehr sein Herz in seiner Brust hämmerte.

»Meinethalben«, sagte er und hielt möglichst alle Vorfreude aus seiner Stimme.

Das nächste, das er wusste, war wie Hashiramas Stirn gegen seine krachte.

»Autsch!«

»Aua! Spinnst du!«

Sie rieben sich die Köpfe. Madara warf Hashirama einen giftigen Blick zu. Hashirama lachte. Dann, noch bevor Madara auch nur daran denken konnte, sich dagegen zu wehren, beugte er sich erneut vor und drückte seine Lippen auf Madaras.

Madara riss die Augen auf. Seine Haare stellten sich auf. Sein Magen flatterte ganz wild. Es war ein feuchter und fürchterlich ungeschickter Kuss und keiner von ihnen wusste so wirklich, wie das ganze eigentlich funktionierte.

Und trotzdem schmolz Madara dahin. Er wollte nicht an morgen denken, er wollte nicht einmal an den nächsten Moment denken, wenn das hier aufhören würde. Er wollte nicht daran denken, dass das alles fürchterlich dumm und gefährlich war und ganz sicher als Verrat gelten würde, würde es jemals irgendwer erfahren. Er wollte nicht an die Möglichkeit denken, dass Hashirama sein Feind war und dass sie schon am nächsten Tag gezwungen sein könnten, die Klingen im tödlichen Duell miteinander zu kreuzen.

In diesem Moment wollte er nichts weiter als Hashirama zu halten und von ihm geküsst zu werden. Und er wollte ihn beschützen. Mit allem, was er hatte. Er wollte sich diesen Moment für die Ewigkeit bewahren und ihn nie wieder verlieren. Es war ein entsetzlicher Gedanke, dass das hier enden und Hashirama etwas zustoßen konnte. Nein, das durfte nicht geschehen! Allein die Vorstellung, dass irgendetwas in dieser furchtbaren Welt der Erwachsenen, Hashirama von ihm reißen könnte, ließ tief in seinem Inneren etwas Gewaltiges aufbrodeln.

Es war unfair, einfach unfair. In dieser Welt der Erwachsenen durften Kinder niemals einfach nur Kinder sein, sondern wurden in die Rolle der Shinobi gezwungen. So einfache Dinge wie eine Freundschaft waren ihren verboten, sie wurden gar dafür gestraft. Das sollte so nicht sein, das durfte so nicht sein! Und er war einfach noch nicht stark genug, um diese kaputte Welt aus den Angeln zu heben. Es machte ihn rasend.

Da spürte er, wie sich plötzlich eine große Menge Chakra hinter seinen Augen sammelte. Sie brannten, oh, wie sie brannten! Nein! Nein, nein, nein! Nicht jetzt! Warum ausgerechnet jetzt? Er kniff die Augen zusammen und hoffte, dass Hashirama nicht die kleinste Spur Rot in ihnen sah.

Hashirama löste sich von ihm und brach den Moment. Madara blinzelte. Das Sharingan war wieder verschwunden, das Brennen gelöscht.

»Also auf einer Skala von eins bis zehn würde ich sagen, das war eine drei«, sinnierte Hashirama. »Fürs erste Mal nicht schlecht.«

»Fürst erste Mal, pah! Du hast mich vollgesabbert!«, schnauzte Madara ihn an, um nichts von seinem inneren Gefühlssturm zu verraten.

Hashirama lachte. »Du mochtest es, gibt‘s zu!«

Madara zog eine Grimasse und wünschte sich gleichzeitig, die Zeit würde einfach einfrieren.

Leider besaß nicht einmal das Sharingan diese Macht und die Tage ihrer gemeinsamen Zeit waren gezählt.

Der Titel ist eine Anspielung auf das Lied Roots von In This Moment, die ich, als ich das schrieb, in Dauerschleife hörte. Ich hatte zwischenzeitlich für einen winzigen Moment überlegt, den Text Dark Wedding zu nennen (auch ein Lied der Band), aber das hätte dem ganzen einen ziemlich düsteren Twist gegeben :'D Das wird ein Happy End haben, auch wenn es zwischenzeitlich nicht so aussehen wird. P.S.: Das hätte ein OneShot werden sollen *manisches Lachen* Wenn die Frage aufkommen sollte, ob dieses oder jenes eine Anspielung sei, lautet die Antwort: Ja. Und natürlich ist es hier Tolkien (Die tiefe Wurzel erfriert nicht).
Im nächsten Kapitel geht's mit der eigentlichen Story los. Die beiden schließen nach zehn Jahren Krieg Frieden miteinander und Hashirama findet ein paar Dinge über Madara heraus.
Handschlag
CN Alkohol, Berührungsangst, Verletzungen (gerissene Leber)

Frieden zwischen zwei Erzfeinden konnte so einfach besiegelt werden. Alles, was es dazu bedurfte, war ein fester Händedruck. Beinahe lächerlich einfach nach allem, was sie durchgemacht hatten, um so weit zu kommen.

Hashirama war sich durchaus der zahlreichen misstrauischen Blicke von beiden Seiten bewusst, die auf ihm ruhten. Tobirama war bei weitem nicht der einzige, der noch immer nicht restlos von dieser ganzen Sache überzeugt war. Umso entschlossener war dafür Hashirama. Mit einem selbstsicheren Lächeln stand er Madara gegenüber und genoss diesen historischen Moment – denn das war er ganz sicher – in vollen Zügen. Viele hatten das für unmöglich gehalten, aber darum, was möglich war und was nicht, hatte sich Hashirama noch nie geschert.

»Unsere eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt«, sagte er.

Madara erwiderte seinen Blick ebenso entschlossen. »Möge sie viele Früchte tragen.«

»Aber erst einmal wird gefeiert! Lasst uns auf Brüderlichkeit trinken!«, rief Hashirama enthusiastisch aus. Er konnte beinahe spüren, wie sein Bruder mit den Augen rollte, ignorierte das aber gekonnt. Dafür hatte er sich schon viel zu lange darauf gefreut, endlich einmal zusammen mit Madara Sake zu trinken.

Die beiden Clans der Uchiha und der Senju waren an diesem Tag auf neutralem Boden zusammengekommen. Sie planten, an diesem Ort bald schon mit den ersten Bauarbeiten für das Dorf zu beginnen, hatten aber vorerst einige provisorische Häuser errichtet, in denen nun die Feierlichkeiten abgehalten werden sollten. Hashirama hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst ein wenig nachzuhelfen und gleich noch einige blühende Kirschbäume wachsen zu lassen. Eine leichte Brise ließ deren Blütenblätter nun wie zartrosa Schnee herabrieseln.

Die Menge der umstehenden Menschen zerstreute sich und die ganze Atmosphäre wurde entspannter und lockerer. Gemeinsam mit Tobirama und Madara begab sich Hashirama zu ihrem erhöhten Platz auf der Veranda, der ihnen als Oberhäupter beider Clans zustand und von wo aus sie den ganzen Platz gut im Blick hatten. Man hatte ihnen bereits Sake bereitgestellt, als sie sich niederließen. Hashirama entging jedoch nicht, dass sowohl Tobirama als auch Madara darauf bedacht waren, ihn zwischen sich zu halten. Nun denn, der Alkohol würde ihre Stimmung schon lockern. Er hob seine Sakeschale. »Auf unsere alte Freundschaft!«

Während Tobirama wohl mehr aus Pflichtbewusstsein als allem anderen seinen Sake trank, war Madara wesentlich enthusiastischer. Nun, das, was bei ihm wohl als Enthusiasmus galt. Für die Clanangehörigen war dies das Zeichen, dass nun auch für sie die Feierlichkeiten eröffnet waren. Gespräche begannen und lockere Gruppen bildeten sich. Viele begaben sich sogleich zum Buffet.

Hashirama entging jedoch nicht, dass die beiden Clans dennoch überwiegend für sich blieben und sich kaum untereinander mischten. Und er sah auch einige Sharingan Augen, viele mit zwei tomoe, und einige gar mit dreien. Nun, er konnte ja wohl kaum darauf hoffen, dass sich sofort alle freudig in den Armen lagen. Wichtig war vor allem, dass sie alle sahen, dass er und Madara Seite an Seite standen.

»He, Madara-kun, ich hatte da schon länger einen kleinen Wunsch«, begann Hashirama. »Ich will eine Wette mit dir abschließen.«

»Eine Wette?« Madara sah ihn fragend an.

»Ja! Eine Wette! Ich wette darum, dass ich dich unter den Tisch trinken kann!«

»Anija, du bist eine Katastrophe im Wetten. Du solltest die Friedenszeremonie ernster nehmen und nicht mit deinen Spleens ruinieren«, rügte Tobirama.

Das traf Hashirama wie einen Schlag. Er ließ den Kopf hängen. »Aber wir sind doch auch hier, um Spaß zu haben«, jammerte er.

»Ich nehme die Wette an«, sagte Madara.

Das hellte Hashiramas Laune sogleich wieder auf. »Ha! Auf wen setzt du, otōto?«

»Auf keinen«, grummelte Tobirama. »Du verlierst sowieso und auf Uchiha-san setze ich ganz bestimmt nicht.«

»Wenn du unbedingt keinen Spaß haben willst, bitte. Du wirst schon sehen, was dir entgeht.«

Madara jedenfalls war durchaus gewillt und entschlossen, sich auf diesen kleinen Wettstreit einzulassen. »Pass nur auf, wie viel ich vertrage, Hashirama-kun. Wir sind schließlich keine Kinder mehr.«

Hashirama hatte bereits seine zweite Sakeschale gestürzt. »Ist es nicht sonderbar? Unsere Väter waren der Meinung, dass Kinder von sieben Jahren bereits Mann genug seien, um in den Krieg zu ziehen und zu sterben, aber Sake hatten sie uns dennoch verboten. Jetzt können die Kinder alt genug werden, um in den Genuss von Sake zu kommen.«

Madara beeilte sich, mit Hashirama gleichzuziehen. Tobirama ignorierte sie betont und hielt ein Auge auf die Feiernden.

Eifrig leerten sie einen Sake nach dem anderen. Hashirama stellte schnell fest, dass Madara in der Tat viel vertrug, und lächelte in sich hinein. Er hatte auch nichts anderes erwartet. So, wie Madara im Kampf austeilen konnte, hätte es ihn verwundert, wenn etwas mehr Alkohol ihn so einfach von den Beinen holen würde.

Für viele Jahre hatte ihre Beziehung allein aus Kampf bestanden, nahezu ihre gesamte Adoleszenz hatten sie damit zugebracht, gegenseitig ihre Kräfte in tödlichen Duellen zu messen. Oft genug, wenn auch nicht immer, hatte sich Hashirama als minimal stärker erwiesen. Es verwunderte ihn daher nicht, dass Madara auch das hier als Herausforderung ansah, wenn auch dieses Mal als freundschaftliche, und alles gab. In all diesen Kämpfen hatten sie viel über den anderen gelernt, aber Hashirama bedauerte auch, was sie alles verpasst hatten. Das Leben bestand eben nicht nur aus Kampf. Es gab vieles nachzuholen. Diese Wette war ein Teil davon.

»Sag mal, du schummelst ja!«, rief mit einem Male Madara aus.

Hashirama lachte. Aha, hatte er es also endlich bemerkt. Natürlich hatte er mit seinen Heilfähigkeiten die Auswirkungen des Alkohols gemildert. Nur ein wenig, damit es nicht sofort auffiel, aber genug, um ihm einen Vorteil zu verschaffen. »Ich habe nie gesagt, dass der Einsatz von Chakra verboten ist.«

»Das ist unfair!«

»Dann hättest du mir besser zuhören müssen.«

Madaras Blick durchbohrte ihn förmlich. Hashirama grinste. Er bemerkte aber auch, wie Madara ganz leicht die Augenbrauen zusammenzog und sein Blick flackerte. Das kam jedoch nicht vom Alkohol. Er wurde wieder ernst. »Was hast du?«

Madara hielt inne. »Ach, es ist nichts. Meine Augen sind nur etwas müde.«

Diese Augen also wieder einmal. Hashirama war schon bei ihrem letzten, alles entscheidenden Kampf aufgefallen, dass etwas an diesen Augen anders war. Das waren nicht mehr Madaras Augen, in die er so oft während ihrer Kämpfe geblickt hatte. Ein Geschenk Izunas hatte er es genannt. Aber bisher war Madara all seinen Fragen diesbezüglich ausgewichen. Nun denn, früher oder später würde die Zeit dafür schon kommen.

Fürs Erste legte er Madara eine Hand auf die Stirn und gab ihm etwas von seinem Chakra. Nun, jedenfalls wollte er das tun, denn noch bevor seine Finger Madaras Haut berühren konnten, packte dieser ihn beim Handgelenk.

»Fass mich nicht an!«, zischte er, das Sharingan wirbelte in seinen Augen.

Hashirama machte eine beschwichtigende Geste. »Schon gut.«

Madara ließ ihn los und ließ seine behandschuhte Hand wieder sinken. Hashirama entging nicht, wie er sich die Handfläche an seinem Mantel rieb, als wolle er etwas abstreifen, und seine ganze Haltung angespannt wirkte. Madaras Atmen wirkte erzwungen und er hielt den Blick seiner nun wieder schwarzen Augen auf die Feiernden gerichtet.

Vor wenigen Wochen noch war er dem Tod näher gewesen als dem Leben und jetzt tat er so, als sei nichts gewesen. Hashirama wusste es besser. Er würde ihn im Auge behalten, beschloss er. Madara würde sicher nicht so einfach zugeben, dass es ihm doch nicht so gut ging, wie er allen weismachen wollte.

»Dann lass uns unsere Wette ein andermal fortsetzen«, sagte Hashirama locker. »Mit ›müden Augen‹ bist du mir doch nicht gewachsen.«

»Pah! Du wirst schon sehen. Als ob ein Senju mich unter den Tisch trinken könnte!«

Dass er jedoch nicht weiter darauf bestand, den Trinkwettbewerb fortzusetzen, bestätigte Hashirama seine Beobachtung.

In diesem Moment brachte man ihnen große Platten mit Sushi. Hashirama wusste, dass Tobirama den Fisch dafür selbst gefangen hatte, als ihm die Vorbereitungen für die Friedenszeremonie zu lästig geworden waren. Hashirama hatte auch darauf geachtet, dass reichlich von Madaras liebsten Sushi dabei war. Zu irgendetwas musste es doch gut sein, dass er seinen alten Freund jahrelang hatte ausspionieren lassen. Als Madaras Augen freudig aufleuchteten, als er das inarizushi sah, wusste er, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Er klopfte sich gedanklich auf die Schultern.

Madara zögerte dennoch einen winzigen Moment. Auch das entging Hashirama nicht und kurz entschlossen beugte er sich über Madaras Platte und angelte mit seinen Stäbchen eines der inarizushi.

»Wenn ich dich hätte vergiften wollen, hätte ich bereits zahlreiche Gelegenheiten dafür gehabt, die nicht beinhalten, gutes Essen daran zu verschwenden«, erinnerte er.

»Pah! Gib her!«, schnaubte Madara und klaubte das Sushi aus Hashiramas Stäbchen. »Als würdest du mich mit so einer Lappalie besiegen können.«

»Werdet endlich fertig damit und esst«, warf Tobirama verstimmt ein. »Es gibt wichtigeres zu besprechen.«

Hashirama schmollte. Es gab an diesem Tag definitiv nichts wichtigeres, als eine alte Freundschaft aufleben zu lassen!

»Just gestern kam ein Schreiben der Uzumaki«, fuhr Tobirama fort. »Jetzt wo dieses ganze Chaos, das die Zeremonie hervorgerufen hat, zu einem Ende findet, solltest du dich auch wieder um solche Angelegenheiten kümmern, anija. Gerade jetzt.«

Hashirama wollte ihn bereits zum Schweigen bringen, weil solche Angelegenheiten nicht besprochen werden sollten, wenn andere anwesend waren. Dann hielt er inne und hätte beinahe über seine eigene Idiotie aufgelacht. Sie waren nicht mehr im Krieg, es gab nichts zu befürchten. Natürlich konnte Madara ruhig mit anhören, was die Uzumaki von den Senju wollten.

»Also, was wollen sie?«, erkundigte er sich daher. Auch wenn er die Antwort bereits erahnte.

»Ein Stück vom Kuchen, was sonst«, klärte ihn Tobirama auf. »Als Butsuma noch Clanführer war, gab es bereits Gespräche, dich mit Uzumaki Mito zu verheiraten, aber das hast du in den letzten zehn Jahren ja erfolgreich ignoriert. Uzumaki Ashina lässt ausrichten, dass er uns die Stärke seines Clans anbietet, wenn du gewillt bist, die alten Bindungen zwischen seinem und unserem Clan wieder aufleben zu lassen, indem du seine Tochter heiratest.«

Neben ihnen hätte Madara seinen Sake beinahe wieder ausgespuckt vor Lachen. Tobirama funkelte ihn böse an. »Was gibt‘s da zu lachen, Uchiha-san?«

»Findest du es nicht auch ein wenig amüsant, wie Ashina so wenig bietet, aber so viel will? Die Wahrheit ist doch, dass er seine Tochter verschachern will, weil er ein Bündnis der beiden stärksten Clans fürchtet und lieber auf der Gewinnerseite steht. Also bietet er großzügig seine eigene Tochter als Ehefrau für shinobi no kami an, sicherlich ein enormer Gewinn für euren Clan.« Der Sarkasmus in Madaras Stimme machte deutlich, was er wirklich darüber dachte.

Hashirama fühlte sich, als hätte jemand einen Eimer kalten Wassers über ihn ausgekippt. Er hatte diese Sache in der Tat erfolgreich verdrängt. »Wenn er sich mit uns zusammentun will, erwarte ich keine Gegenleistung. Aber wenn er wirklich darauf besteht, dann sollten wir ihm antworten und fragen, was Mito darüber denkt. Ich habe sie noch nicht einmal gesehen! Sag mal, Tobirama-chan, weißt du, ob unser Vater damals eventuell eine offizielle Verlobung vorgenommen hat?«

Madara lachte wieder auf. Hashirama spürte, wie seine Ohren brannten. Zum Glück war sonst niemand in Hörweite.

Tobirama rieb sich die Stirn. »Baka! Warum bist ausgerechnet du der ältere? Nein, das hatte er nicht, kurz darauf war er gestorben. Aber nimm das ja nicht zum Anlass, Ashina wieder zehn Jahre lang zu vertrösten und das dann einfach zu vergessen. Du bist jetzt sechsundzwanzig und damit zehn Jahre älter als Butsuma, als er dich in die Welt setzte. Viele im Clan pochen darauf, dass es längst überfällig ist, die Erblinie zu sichern.«

Jetzt brannten nicht mehr nur Hashiramas Ohren. Wie konnte er nur diesem schrecklichen Thema entkommen? Das war bei weitem nicht das erste Mal, dass sie darüber sprachen und es wurde mit jedem weiteren Mal nicht besser.

»Aber du weißt doch, otōto …«, stammelte er etwas hilflos.

»Ja, ich weiß.« Tobirama sah ihn unnachgiebig an. »Trotzdem.«

»Wir sollten dennoch Mito fragen.«

»Du sollst dich vor allem endlich nicht mehr aus der Sache herauswinden!«

Hashirama ließ den Kopf hängen.

Madara nutzte die Gelegenheit und klaute sich etwas von Hashiramas Sushi, da er seine Portion bereits aufgegessen hatte. Er verfolgte dieses Gespräch viel zu interessiert.

»Ich kümmere mich darum, versprochen«, nuschelte Hashirama. Aber dann kam ihm ein Gedanke, der seine Stimmung wieder aufhellte. »Sag mal, Madara-kun, wie sieht‘s bei dir aus? Hast du eine Frau?«

»Wenn du weißt, welches Sushi ich am liebsten esse, dann weißt du auch das«, erwiderte Madara kühl.

»Nein, weiß ich nicht. Komm, sag schon!«

»Eure Spione taugen nichts.«

»Immerhin haben sie herausgefunden, mit welchem Sushi du dich ködern lässt! Also?«

Madara seufzte. »Du bist eine Nervensäge. Nein, ich bin nicht verheiratet. Euch Senju einen Kopf kürzer zu machen, hält einen beschäftigt. Jetzt zufrieden?«

Hashirama spürte, wie das Chakra seines Bruders zu kochen begann. »Na, na, Tobirama-chan. Kein Grund, gleich dein Chakra zu bemühen.«

»Das war eine Drohung!«

»Tobirama, nimm den Finger runter.«

Es war schon immer diese ganz bestimmte Blick gewesen, der Tobirama dann doch dazu brachte, seinem älteren Bruder zu folgen.

Madara atmete durch. »Na, das fängt ja großartig an.«

Tobiramas kleiner Ausbruch war zum Glück von den meisten unbemerkt geblieben. Die Feiernden scherten sich nicht darum, was ihre Anführer taten, sondern begnügten sich mit dem Essen oder verfolgten die dargebotenen Schauspiele. Einige Schauspieler ließen gerade einen Papierdrachen über den Platz tanzen, während Musiker dazu eine rasche Melodie spielten, um das Bündnis mit Glück zu segnen.

Hashirama verbarg sein Gesicht hinter einer weiteren Schale Sake und überlegte, ob er seine Zellenregeneration unterdrücken sollte, um endlich betrunken zu werden. Das würde ihm wenigstens die Peinlichkeit dieser Situation ersparen. Fast schon unbewusst meldeten ihm seine medizinischen Kenntnisse, dass Madaras Atmen ein klein wenig unregelmäßiger geworden war. Er konnte sich nicht helfen, solche Dinge passierten einfach.

»Madara-kun, was fehlt dir?«, fragte er schließlich mit gesenkter Stimme.

»Ruhe vor deinen nervigen Attitüden fehlt mir«, blaffte Madara, um über seine geballten Fäuste hinwegzutäuschen.

»Wo hast du Schmerzen?« Hashirama ließ natürlich nicht locker. Er sah die Anspannung in Madaras Gesicht. Er kannte jeden Millimeter dieses Gesicht aus unzähligen Kämpfen und er wusste darin zu lesen wie in einem Buch. Gerade sprach dieses Gesicht eindeutig von unterdrückten Schmerzen.

»Ich habe keine …!«

»Doch, hast du. Du weißt, dass du mich darin nicht anlügen kannst.«

Madara funkelte ihn finster an. »Fein«, knurrte er nach einer halben Ewigkeit, in der er mit sich selbst zu ringen schien. »Aber nicht hier. Ich kann in aller Öffentlichkeit keine Schwäche zeigen.«

Hashirama grinste triumphierend. »Geht doch. Dann lass uns nach drinnen gehen.«

Tobirama seufzte. »Ich komme lieber mit, sonst gibt‘s wieder Gerüchte.«

»Was für Gerüchte?«, merkte Madara sogleich auf.

Hashiramas Ohren brannten schon wieder. Ob das gesund war? Er lachte nervös auf. »Ach, nichts.« Er erhob sich von seinem Platz auf dem erhöhten Vorbau, wo sie bis jetzt gesessen hatten, öffnete die shoji-Tür und schob Madara hindurch. Tobirama folgte ihnen in das Gebäude.

Natürlich wusste Tobirama um die bisher zwei Affären, die sein Bruder mit anderen Männern geführt hatte, Hashirama konnte vor ihm nichts verheimlichen. Hashirama hatte eigentlich gehofft, seine Liebschaften geheim halten zu können, da sie auf nicht allzu viel Akzeptanz stoßen würden. Aber Gerüchte hatte es trotzdem gegeben, obwohl unglücklicherweise keiner seiner Liebhaber lange auf dem Schlachtfeld überlebt hatte.

Na gut, und dann war da noch diese Sache mit Tōka gewesen. Sie lebte sogar noch, aber das zwischen ihnen hatte dennoch nicht funktioniert. Sie war ein wichtiges Element seiner Streitkräfte geblieben, aber mehr auch nicht.

Das kleine Haus, das Hashirama mit seinem Mokuton errichtet hatte, bestand nur aus einem einzigen Raum, der mit acht tatami-Matten ausgekleidet war. Die Wände bestanden aus shoji, das zwar Licht hereinließ, jedoch blickundurchlässig war. In der Mitte stand ein niedriger Tisch und eine Nische war in eine der Wände eingelassen. Hashiramas liebster Bonsai stand darin.

Sie knieten sich an den Tisch. »Also, wo tut‘s weh?«, begann Hashirama.

»Gleich landet meine Faust zwischen deinen Augen, dann weißt du, wo‘s wehtut«, knurrte Madara, öffnete aber dennoch den Reißverschluss seines Mantels und entblößte seine Brust. Sie war muskulös und übersät von Narben, die nur Hashirama ihm hatte zufügen können. Niemand anders wäre nahe genug an ihn herangekommen, um ihn ernsthaft zu verletzen.

Hashiramas Sorgen, er könne zu offensichtlich starren, wurden sofort zerstreut, als er das große Hämatom auf Madaras Brustkorb sah. Er erinnerte sich des letzten Schlags, den er gegen Madara gelandet hatte, der, der ihn endgültig zu Fall gebracht hatte. Er war genau an dieser Stelle gewesen.

»Aber wehe, du fasst mich an!«, schnauze Madara.

»Darf ich fragen, warum?«, erkundigte sich Hashirama. Direkter Körperkontakt machte das Heilen einfacher, aber es ging auch ohne. Dass Madara so sehr darauf bedacht war, jeglichen Körperkontakt zu meiden, war jedoch auffällig.

»Das geht dich nichts an«, sagte Madara schlicht, und selbst für Hashirama war klar, dass er nicht wünschte, weiter mit dieser Sache belästigt zu werden.

Also kniete Hashirama sich neben Madara und hielt eine Hand über die Verletzung, um sein heilendes Chakra auszusenden. Madara war angespannt, ließ die Nähe jedoch zu. »Das war ich, nicht wahr? Das tut mir leid.«

Tobirama rollte beinahe hörbar mit den Augen.

»Baka! Wir waren im Krieg, und wäre es umgedreht gewesen, ich hätte dich garantiert nicht mit Samthandschuhen angefasst, wie du es tatest.«

Hashirama ließ sich von Madaras schroffer Art nicht beirren und setzte seine Untersuchung fort. Sein Gesicht wurde ernst. »Deine Leber ist gerissen und du hast starke innere Blutungen. Habt ihr keine Medizin-Ninja? Das hätte tödlich enden können!«

»Natürlich haben wir die. Aber als ob irgendwer von denen dir das Wasser reichen könnte. Dir könnte man wahrscheinlich den Kopf abreißen und er würde einfach wieder nachwachsen.«

Hashirama grinste. »War das ein Lob? Und das aus deinem Mund!«

»Bild‘ dir bloß nichts drauf ein. Wahrscheinlich hast du ohnehin nur Holz da oben.«

»Das kann ich bestätigen«, grummelte Tobirama. »Ein Fest für Holzwürmer.«

Hashirama ließ den Kopf hängen. »Ich will doch nur helfen.«

Madara richtete seinen Mantel und erhob sich, da er offensichtlich der Meinung war, dass Hashirama seine Behandlung zu beenden hatte. »Mein Tee wird kalt.«

»Wenn du wieder Schmerzen hast, zögere nicht und komm zu mir. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Haarrisse gefunden habe.«

Madara ignorierte ihn und trat wieder nach draußen. Die Senju-Brüder folgten ihm.

Das Fest ging unbeirrt weiter. Der Drache tanzte über den Menschen. Die Kirschblüten rieselten sanft herab. Glückstalismane flatterten im Wind. Beinahe hätte man meinen können, alles wäre perfekt. Wären die Sharingan-Augen nicht.

Als ich den Anime schaute, fiel mir auf, dass Madara die meiste Zeit Handschuhe trägt. Ich habe mich gefragt, warum das wohl sei, und kam zu dieser Idee. Die Hintergründe dafür werden später im Text noch aufgeklärt.
Im nächsten Kapitel chillen die drei zusammen im onsen und besprechen ihre weiteren Pläne. Das verläuft jedoch nicht ganz so wie gedacht.
Ein Moment der Ruhe
CN Nacktheit (nur der Vorsicht halber, darauf wird nicht näher eingegangen, aber sie sind halt in einem Bad)

»Ich kann nicht fassten, dass das erste öffentliche Gebäude, das wir errichtet haben, ein onsen ist«, bemerkte Tobirama.

»Bot sich halt an«, bemerkte Madara nonchalant. Er hatte sich bereits im Wasser niedergelassen und entspannt zurückgelehnt. Er öffnete nicht einmal die Augen, als die beiden Senju-Brüder das Bad betraten.

Hashirama und Madara hatten die heiße Quelle schon vor vielen Jahren entdeckt, als sie noch Kinder gewesen waren. Als beschlossen worden war, dass an dieser Stelle des Waldes das Dorf entstehen sollte, hatten anscheinend auch andere denselben Gedanken wie Madara gehegt. Shinobi, die ein Dorf aus dem Nichts heraus errichteten, brauchten schließlich auch einmal etwas Entspannung, richtig? Schnell hatte sich jemand gefunden, der einen Steg zu der Quelle errichtete und ein kleines Badehaus unterhielt, in dem man sich umkleiden und waschen konnte.

Hashirama hielt vorsichtig einen Zeh in das Wasser. »Heiß, heiß, heiß!«, rief er aus. »Madara, warst du das?!«

Nun öffnete Madara doch eines seiner Augen. »Hab dich nicht so. Mein Katon ist heißer, und da hast du auch nie gejammert.«

Tobirama war anscheinend entschlossen, allen zu beweisen, dass er nicht hinter Madara zurückstand, und ging forsch voran. Etwas langsamer folgte sein Bruder. Sie ließen sich bis zum Hals ins Wasser sinken und seufzten wohlig. Endlich weg vom Schreibtisch.

»Also, eine Woche ist seit der Zeremonie vergangen und wie durch ein Wunder gab es keine Zwischenfälle«, begann Madara.

»Alles läuft ganz wunderbar!« Hashirama strahlte begeistert. »Nicht dass ich jemals daran gezweifelt habe, dass das funktionieren könnte. Aber ihr wisst schon.«

»Nur dass es langsam einmal Zeit wird, den Kopf aus den Wolken zu nehmen und wieder zurück auf die Erde zu kommen«, erinnerte Tobirama ihn.

Hashirama ließ den Kopf hängen.

»Zuallererst: Du kannst nicht jedes einzelne Haus selbst errichten, anija«, fuhr Tobirama fort.

»Aber bisher funktionierte das doch hervorragend!«

»Auch du hast deine Grenzen und zudem noch andere Pflichten.«

»So ungern ich das auch zugebe, aber dein Bruder hat Recht«, warf Madara ein. »Wir müssen uns Gedanken über die Infrastruktur des Dorfes machen. Die meisten Angehörigen unserer Clans sind Shinobi. Wir brauchen aber auch Zivilisten, Handwerker, die Storm und Wasser verlegen und Straßen bauen und Essen verkaufen.«

»Ich habe mir Gedanken gemacht, wie die Akademie aussehen könnte«, platzte Hashirama heraus. »Die Kinder werden nach Alter eingeteilt und keines von ihnen geht auf eine Mission, bevor es das zwölfte Lebensjahr erreicht. Und außerdem will ich ein Krankenhaus errichten, in dem ich Medizin-Ninja ausbilde, damit jeder die Hilfe bekommt, die er benötigt. Dafür will ich …«

»Jetzt sei endlich still!«, fuhr ihn Tobirama über den Mund. »Schön und gut, dass du dir darüber schon Gedanken gemacht hast, darauf können wir später wieder zurückkommen. Aber eines nach dem anderen.«

»Wir müssen uns Gedanken über ein Gesetzessystem machen«, ergriff Madara das Wort. »Bisher lebte jeder Clan nach seinen eigenen Gesetzen, aber das funktioniert nur so lange gut, bis wir in eine Situation geraten, in der unsere Gesetze nicht übereinstimmen oder sich gar widersprechen. Was machen wir dann?«

»Nicht zu vergessen die Verteidigung des Dorfs«, sagte Tobirama. »Dass wir uns zusammengetan haben, hat die Machtverhältnisse verschoben, was durchaus als Bedrohung aufgefasst werden kann. Wir müssen unsere Grenzen bewachen, aber noch vertraut keine der beiden Seiten der anderen genug, um die eigene Sicherheit in fremde Hände zu geben.«

Hashirama rieb sich den Nasenrücken. Waren sie nicht hierher gekommen, um sich zu entspannen? Und jetzt das. »Eigentlich wollte ich hier meine Ruhe haben.«

»Dann hättest du uns einen besseren Schreibtisch als unseren Küchentisch wachsen lassen sollen«, sagte Tobirama trocken.

Natürlich hatte Hashirama sein eigenes Haus wachsen lassen. An ein ordentliches Arbeitszimmer hatte er dabei aber nicht gedacht. Nachdem er das Ergebnis gesehen hatte, hatte Madara sich geweigert, das Angebot anzunehmen, auch sich ein Haus mit Mokuton wachsen zu lassen, und griff lieber auf althergebrachte Schreinerkunst zurück. Da das entsprechend dauerte und keiner von ihnen Lust hatte, solche Angelegenheiten unter freiem Himmel zu besprechen, hatten sie sich bisher immer am Küchentisch der beiden Brüder zusammengefunden. Schnell hatte ihnen allen der Rücken geschmerzt, und so war es schließlich Hashirama gewesen, der den Besuch im onsen vorgeschlagen hatte.

Er streckte seine langen Beine und versank bis zur Nase im Wasser. Die Wärme tat seinen verspannten Muskeln gut. Unter halb geschlossenen Augen schielte er zu Madara und betrachtete ihn heimlich. Hatte er seinen Freund eigentlich jemals so entspannt gesehen? Das letzte Mal musste in ihrer Kindheit gewesen sein, danach hatten sie sich nur noch auf dem Schlachtfeld gesehen. Und selbst jetzt noch strahlte Madara die gefährliche Ruhe eines Tigers aus, der scheinbar schlief, aber doch jeden Moment aufspringen und seinen Feinden an die Kehle gehen konnte. Er war ein Shinobi und ein Shinobi ließ niemals in seiner Wachsamkeit nach.

Während Hashirama sich seine Haare hochgebunden hatte, weil er nasses Haar um sich herum im Wasser nicht leiden konnte, hatte Madara seine Mähne offengelassen. Es stellte sich heraus, dass Wasser wohl das einzige Mittel war, dass seine Haare bändigen konnte. Sie hingen ihm schwer und nass vom Kopf und trieben in dunklen Schleiern im Wasser. Jeder andere hätte wie ein begossener Pudel ausgesehen, Madara jedoch trug selbst das mit Würde.

Hashirama bemerkte, dass er starrte und riss eilig den Blick vom Anblick seines Freundes los. Hoffentlich hatte niemand etwas bemerkt. Dafür bemerkte er jedoch etwas anderes.

»Otōto, du hast einen Sonnenbrand!«, stellte er fest. »Du weißt doch, dass deine Haut so empfindlich ist.«

»Hör auf, mich zu bemuttern«, versuchte Tobirama das Unausweichliche abzuwenden, aber da war Hashirama schon zu ihm aufgerückt und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt, wo die Haut rot und ungesund warm war. Tobirama war aufgrund seines Albinismus lichtempfindlich und seine Haut neigte stark zu Sonnenbrand. Selbst Hashirama machte sich nicht mehr ständig Sorgen deswegen, er musste nur gelegentlich seinen Bruder ermahnen, nicht zu lange in der Sonne zu bleiben.

Tobirama streifte seine Hand ab, als der Sonnenbrand geheilt war. Seit Mutter an einem Giftanschlag kurz nach Itamas Geburt gestorben war, hasste es Tobirama, wenn irgendwer ihn bevormundete. Hashirama tat es trotzdem. Tobirama war schließlich sein kleiner Bruder, er musste auf ihn aufpassen. Und wenn es eben bedeutete, gelegentlich seinen Sonnenbrand zu heilen.

 Hashirama setzte sich wieder an seinem Platz. »Also, das ist wirklich eine Menge Arbeit, die da vor uns liegt«, begann er. Wenn sie ihm keine Ruhe gönnen wollten, dann bitte. »Während alles irgendwie gleich wichtig ist, müssen wir doch irgendwo anfangen. Und nichts von alledem funktioniert, wenn wir nicht für die Sicherheit aller sorgen und alle am selben Strang ziehen.«

»Wie willst du das bewerkstelligen, anija?«, fragte Tobirama mit der üblichen Skepsis in der Stimme. »Ich sehe irgendwie nicht, wie morgen Senju und Uchiha Seite an Seite ausziehen und gemeinsam Missionen erfüllen sollen, ohne dass einer dem anderen ein Kunai zwischen die Rippen rammt.«

»Nun hab ein wenig Vertrauen, Tobirama-chan. Natürlich werden beide Seiten nicht von heute auf morgen zu besten Freunden, das ist mir bewusst. Das bedarf seiner Zeit, gegenseitiges Vertrauen muss aufgebaut werden.«

»Ich möchte eines anmerken«, warf Madara ein. »Auch die Uchiha wünschen Frieden, wir alle sind kriegsmüde. Uns ist bewusst, dass das nicht ohne ein gewisses Maß von gegenseitigem Vertrauen funktionieren kann. Aber dieses Vertrauen muss gefestigt werden, und ich denke, ich spreche da für beide Seiten. Wir sollten darauf achten, beide Clans in jede Angelegenheit gleichsam mit einzubeziehen, dann sehen sie, dass wir gar nicht so verschieden sind.

Mein Vater hat mir einmal, als ich noch ein Kind war, gesagt, dass es einfacher ist zu töten, wenn ich den Feind nicht als Menschen ansehe, sondern als Tier, das es abzuschlachten gilt. Das war – und ist – die Kriegsphilosophie, mit der viele Uchiha kämpfen. Das aus den Köpfen zu bekommen, wird nicht einfach und bedarf eines bedachten Vorgehens, aber es ist möglich. Wenn sie nur sehen, dass ihr Senju eben doch Menschen seid, die genauso leiden und lieben wie sie, dann wird niemand lange an dieser Ideologie festhalten können.«

Tobirama musterte ihn mit seinem üblichen finsteren Blick. »Das erklärt eine Menge über euch Uchiha.«

»Ich sag‘s nur.« Madara schnippte lässig etwas Wasser weg.

»Das wird funktionieren, ich bin mir sicher«, sagte Hashirama. »Es bedarf nur etwas Zeit. Und wenn es mit uns funktioniert, dann haben andere Clans keinen Grund zur Annahme, dass es nicht überall funktionieren kann.«

Tobirama gab nun ihm einen seiner legendären Blicke. »Hast du mir nicht zugehört, anija? Genau dieses Bündnis ist es doch, das andere Clans so misstrauisch macht. Ich weiß, dass du deine Machtposition nur dazu nutzen willst, um für Frieden zu sorgen, aber ich bin eben dein Bruder. Hast du auch nur einmal über den Tellerrand geschaut und überlegt, wie das andere Clans sehen könnten?«

»Die Kunde, dass du dich nach zehn Jahren Krieg doch stärker als ich erwiesen hast, dürfte sich mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus verbreitet haben«, fügte Madara an. »Und plötzlich tun sich Uchiha und Senju zusammen, wo doch jeder weiß, dass wir Erzfeinde waren. Selbst ich würde es für wahrscheinlicher halten, dass du einfach meinen Clan annektiert hast, wenn ich es nicht besser wüsste. Und da stehen wir also, die zwei mächtigsten Clans, Seite an Seite. Natürlich werden andere Clans denken, dass es ihnen bald schon so gehen wird wie meinen Leuten.«

Hashirama verzog das Gesicht. Nein, daran hatte er wirklich nicht gedacht. »Aber ich will doch nur Frieden. Ist das wirklich so schwer zu verstehen? Wenn ihr Uchiha das seht, muss das doch auch anderen möglich sein. Ich hege keinen Wunsch, gegen andere Clans zu kämpfen, nur weil sie das nicht erkennen. Irgendwann einmal muss das ein Ende haben!«

 Madara seufzte. »Nur weil du es willst, heißt das noch lange nicht, dass es deswegen auch Wirklichkeit wird. So mächtig bist nicht einmal du. Und daher ist es eben durchaus ein berechtigter Einwand, dass wir uns um die Sicherheit unserer Leute Sorgen machen sollten und zwar, bevor eine feindliche Armee an unsere Haustür klopft. Es wird nicht reichen, wenn Uchiha und Senju ihre Häuser nebeneinander bauen. Sie müssen zusammen daran bauen und abends, nach getaner Arbeit, gemeinsam Sake trinken gehen. Sie müssen lernen, dass sie einander vertrauen und sich auf die anderen verlassen können, erst dann können wir darüber nachdenken, effektiv unsere Grenzen schützen zu können. Noch herrscht zu viel Misstrauen zwischen beiden Clans.«

Darüber dachte Hashirama eine ganze Weile nach. »Tōka ist sehr gut darin, Leute, die sich nicht ausstehen können, zu einem effektiven Team zu formen. Das könnte eine Aufgabe für sie sein.«

»Hört, hört, die erste gute Idee an diesem Tag, die du dir aus deinem Holzkopf gezogen hast«, bemerkte Tobirama. »Die Liste an Sachen, um die wir uns Gedanken machen müssen, ist lang und wir sollten anfangen, Aufgaben zu verteilen. Und ja, anija, das heißt auch, dass du eben nicht jedes Haus selbst errichten kannst.«

Hashirama schmollte.

»Dann stelle ich eurer Tōka Hikaku zur Seite«, sagte Madara, der sich von Hashiramas Stimmung nicht beirren ließ. »Wie ich bereits sagte, sollten wir in solche Angelegenheiten beide Clans gleichberechtigt einbeziehen. Hikaku steht mir schon lange beratend zur Seite und hat unsere Truppen ausgebildet.«

»Das klingt nach einem hervorragenden Plan!«, rief Hashirama begeistert. Er sah es bereits vor sich. Senju und Uchiha Seite an Seite, wie sie auszogen und aller Welt zeigten, dass Frieden möglich war. Davon hatte er immer geträumt.

Der Traum zerplatzte, als er einen Habicht schreien hörte. Die umstehenden Büsche raschelten, als Hashirama schon aus einem Instinkt heraus ihnen mit seinem Mokuton befehlen wollte, den Vogel vom Himmel zu holen. Er konnte sich im letzten Augenblick noch zurückhalten. Auch Tobirama blickte zum Himmel und spannte sich an. Der einzige, der gelassen blieb, war Madara.

Natürlich war es sein Vogel. Die Falknerei war sein Steckenpferd und es waren in der Vergangenheit oft genug seine Greifvögel gewesen, die die Senju ausgespäht hatten. Alte Gewohnheiten legte man eben nicht so schnell ab.

»Nun entspannt euch wieder«, sagte Madara beinahe gelangweilt. »Sie will doch nur einen Happen von mir.« Er pfiff und deutete auf ein Gebüsch. Der Vogel schrie erneut und stürzte vom Himmel, um sich seine Beute zu greifen.

Tobirama verfolgte, wie der Vogel mit tödlicher Präzision und ausgestreckten Krallen auf eine kleine Maus niederging. »Wenn das eins der Viecher war, die mir das Gesicht so zugerichtet haben, weiß ich, was es morgen zum Abendessen gibt«, knurrte er.

Madara winkte ab. »Taka doch nicht. Kannst du nicht mal einen Habicht von einem Adler unterscheiden? Außerdem stehen dir die Narben, ich wette, die Damen schwärmen für dein verwegenes Aussehen.«

Tobirama wollte bereits zu einer wütenden Erwiderung ansetzen, wurde aber vom Lachen seines Bruders unterbrochen.

»Madara-kun, du hast einen Habicht nicht wirklich Taka genannt?!« Hashirama hielt sich vor Lachen den Bauch. »Unkreativer ging es nicht, oder?«

»Als ob du besser wärst!«, zeterte Madara. »Baka ist der passendere Name für dich!«

Er gab Hashirama eine Kopfnuss und ditschte ihn unter Wasser, wie sie es als Kinder so oft getan hatten, als sie am Fluss gespielt hatten.

Im nächsten Moment begann das Wasser unter Einfluss von Tobiramas Suiton zu brodeln und bäumte sich auf. Mit Wucht rammte es Madara und spülte ihn aus dem Becken, nur um sogleich von dessen Katon zu heißem Dampf verwandelt zu werden. Im selben Augenblick schossen Holzranken aus dem Boden und fesselten Tobiramas und Madaras Hände und Füße, sodass sie sich nicht mehr wehren konnten.

»Genug!«, donnerte Hashirama. »Was sollte das werden?«

»Er hat dich angegriffen, anija!«, protestierte Tobirama und kämpfte gegen die Fesseln an. Erfolglos.

Auch Madara konnte sich nicht freikämpfen. »Blödsinn, du Wasserkopf!«, keifte er. »Warum sollte ich das tun?«

»Eben, warum sollte er das tun?«, stimmte Hashirama zu. »Du hast da etwas falsch verstanden, otōto. Kein Grund, gleich handgreiflich zu werden.«

»Aber er hat dich geschlagen, du kannst das nicht leugnen!«, versuchte es Tobirama weiter.

Hashiramas Chakra brodelte, und das war es wohl, das Tobirama endlich zur Vernunft brachte. »Ja, auf dieselbe Art und Weise, wie ich dir gleich eine Kopfnuss verpassen werde, weil du überreagiert hast, Tobirama«, sagte Hashirama unnachgiebig und verschränkte die Arme vor der Brust. »Gibst du Frieden?«

Zögernd nickte Tobirama. Hashirama gab sich damit zufrieden und ließ die Ranken verschwinden, die seinen Bruder fesselten.

»He, und was ist mit mir?!«, rief Madara, der noch immer von dem Gebüsch gefesselt wurde, in das er gefallen war.

Mit einem Wink gab Hashirama auch ihn frei. Dann sah er sich um und sah, was dieser kleine Ausbruch mit dem onsen angerichtet hatte. Viel stand nicht mehr. »Schade um das schöne Bad.«   

Kunai ist einfach die nutzloseste Waffe im Naruto-verse. Ich mein, die sind nackt und zerlegen den Onsen trotzdem mal eben im Vorbeigehen. Btw headcanone ich Tobirama als acespec, auch wenn das für den Text hier keine Rolle spielt.
Das nächste Kapitel ist ein Rückblick zu der Zeit, als Hashirama gerade erst Clanaführer wurde. Er sieht sich mit dem Problem konfrontiert, irgendwie Tajima in Schach zu halten, um den Vorteil, den die Uchiha durch Butsumas Tod erhalten haben, wieder auszugleichen.
Ein Traum, Teil 1
CN Krieg, Gewalt, Tod, graphische Beschreibung tödlicher Verletzungen, Erwähnung toter Angehöriger

Vor 10 Jahren

»Mach das bitte noch mal, Tobirama.«

»Meinst du wirklich, dass uns das helfen wird?«, fragte Tobirama seinen Bruder besorgt, formte aber dennoch das Fingerzeichen und erschuf einen weiteren Schattendoppelgänger.

Hashirama nickte und beobachtete genau, was Tobirama tat. Leider war er kein Sensor wie sein Bruder, aber er hoffte, dennoch etwas daraus mitnehmen zu können. Er besah sich den Doppelgänger von allen Seiten und bohrte ihm einen Finger in die Rippen. Tobiramas Technik war vielleicht genau die Lösung, die sie für ihre Rettung brauchten. Anders als Tobirama war Hashirama nicht gut darin, sein Hirn um die ganzen theoretischen Hintergründe von Jutsus zu knoten, aber sein Mokuton brauchte auch keine Theorie. Es basierte auf Instinkt, und dieser Instinkt sagte ihm, dass er damit etwas ganz ähnliches würde schaffen können. Tobirama, wie immer ganz der Theoretiker, war davon nicht überzeugt.

Hashirama mochte es nicht, mit seinem Mokuton vor anderen Leuten zu experimentieren und selbst Tobirama war nur bedingt eine Ausnahme davon. Seit Jahren hatten sie versucht, diese Technik mit anderen bekannten Techniken in Verbindung zu bringen, bisher ohne Erfolg. Was jedoch bisher ganz gut geklappt hatte, war, dass Hashirama in den Wald ging, die Naturenergie um sich herum aufnahm und dann einfach das tat, was sich natürlich anfühlte. Manchmal kam dabei tatsächlich etwas dabei herum und er kehrte mit einem neuen Jutsu zurück.

Es wurmte ihn, dass niemand verstand, was er da tat. Nicht mal Tobirama und er war die cleverste Person, die er kannte. Sein Mokuton hob ihn ab von anderen und machte ihn einmalig. Er wollte nicht einmalig sein. Er wollte nicht, dass andere ihn ansahen wie irgendeine fremdartige Anomalie.

Hashirama konzentrierte sich und schlug die Hände zusammen. Vielleicht, wenn er sein Chakra dieses Mal so formte …

»Jetzt wo Butsuma tot ist und du unser Anführer, solltest du dich vielleicht nur um Tajima kümmern, während ich so lange Madara und Izuna hinhalte«, schlug Tobirama vor. »Mit den Schattendoppelgängern sollte das gehen.«

»Nein«, hielt Hashirama dagegen. »Madara ist zu stark für dich und Tajima ebenfalls. Ich muss das machen.«

»Du kannst nicht gegen beide gleichzeitig kämpfen«, protestierte Tobirama. »Du magst vielleicht stärker sein als Madara, aber nicht um viel. Das reicht nicht, um gleichzeitig …« Er unterbrach sich, als er sah, was sein Bruder tat. Seine Augen weiteten sich in Erstaunen.

Eine hölzerne Gestalt löste sich von Hashirama. Die Form des Doppelgängers war eindeutig menschlich, wenn auch seine Züge nur entfernt an Hashirama erinnerten und seine Bewegungen abgehackt wirkten und, nun, hölzern eben. Triumphierend streckte Hashirama eine Faust in die Luft. »Ha! Ich wusste es!«

Tobiramas Schattendoppelgänger ging um den Holzdoppelgänger herum und dieses Mal war es an ihm, in dem anderen herumzubohren. »Der Chakrafluss wurde nicht richtig übertragen«, stellte er fest. »Das fühlt sich noch nicht natürlich an, das muss mehr fließen.«

Hashirama verdrehte die Augen. »Otōto, deine Doppelgänger maulen noch mehr herum als du. Und das will was heißen! Hey, schau mal, ein neues Jutus. Ist das nicht klasse?!«

Tobirama löste seinen Doppelgänger auf. »In diesem Zustand verarbeitet Madara ihn in Sekundenschnelle zu Spänen, wenn du das in den Kampf schickst.«

Sowohl Hashirama als auch sein Doppelgänger ließen simultan den Kopf hängen. »Immer so ernst«, klagte Hashirama. »Dabei ist es doch total aufregend, sich neue Jutsus auszudenken.«

Tobirama schnaubte. »Du meinst wohl eher, dass du wild in der Gegend herumfuchtelst und ohne Sinn und Verstand mit deinem Chakra um dich wirfst.«

»Hey, dieses Mal habe ich versucht, das ganze wenigstens ein bisschen systematischer anzugehen! So wie du! Und siehst du, es hat geklappt. Jetzt muss ich es nur verfeinern. Hmm, wie soll ich das Jutsu nennen?«

»Denk nicht mal dran, dir wieder etwas Lächerliches auszudenken. Halte es einfach, Moku Bunshin no Jutsu wird es tun.«

Hashirama gab sich geschlagen. »Meinethalben. Aber jetzt lass uns daran arbeiten, diese Technik besser zu machen, damit sie auch wirklich etwas nützt.«

Für den Rest des Tages machten sie sich daran, die Holzdoppelgänger zu verbessern. Hashirama mochte zwar nicht so gut in der Theorie sein, aber er besaß genau zwei Stärken: Die erste war seine unglaublich große Chakrareserve, an die allein Madara heranreichte, und die zweite seine extrem präzise Beherrschung ebenjener enormen Chakramenge. Verbunden mit Tobiramas Sensor-Fähigkeiten war es ihnen ein leichtes, die Holzdoppelgänger so zu verbessern, dass sie auch tatsächlich einsatzfähig waren.

Danach hieß es, ihre Möglichkeiten auszutesten. Als Vorbild nahmen sie erneut die Schattendoppelgänger und ließen beide Techniken gegeneinander antreten. Dabei machten sie eine interessante Entdeckung.

»Wartet, war das nicht ein klarer Treffer?«, unterbrach Tobirama den Testkampf.

»Definitiv«, bestätigte sein Doppelgänger.

»Au, du hast mir eine Kopfnuss verpasst!«, beschwerte sich Hashiramas Doppelgänger und rieb sich die Stirn.

Tobirama trat zu ihnen und verpasste erst dem Holz- dann dem Schattendoppelgänger noch eine Kopfnuss. Wie zu erwarten löste sich der Schattendoppelgänger mit einem Puff auf, der Holzdoppelgänger blieb jedoch erhalten und schmollte.

»Wie interessant«, bemerkte Tobirama.

Hashirama rieb sich nachdenklich das Kinn. »Das ist anders als bei allen anderen Doppelänger-Techniken.« Er löste das Jutsu, was wiederum wie gewohnt funktionierte.

»Los, erschaffe noch einen«, forderte Tobirama ihn auf. »Ich will sehen, was sie alles aushalten.«

Hashirama kam dem nach und sie setzten die Experimente fort. Wie sich herausstellte, waren Hashiramas Holzdoppelgänger ausgesprochen widerstandsfähig. Nicht nur besaßen sie dieselben Fähigkeiten wie er, sondern auch seine Stärke und anders als Tobiramas Schattendoppelgänger lösten sie sich nicht beim ersten ernsthaften Treffer auf. Dieser Vorteil war enorm.

Wie auch bei anderen Doppelgänger-Techniken verteilte sich Hashiramas Chakra gleichmäßig auf all seine Doppelgänger. Selbst halbiert war das noch immer weitaus mehr, als die meisten insgesamt besaßen, aber in Anbetracht dessen, dass sie diese Technik nutzen wollten, um Madara hinzuhalten, wäre es nur eine Verzögerungstaktik. Ihnen war bewusst, dass Madara in der Lage sein würde, früher oder später einen Doppelgänger zu besiegen. Sie hofften auf später.

Butsuma war tot und Tajima war es nicht und das versetzte den Senju einen herben Rückschlag. Kämpfe zwischen den beiden Clans waren bisher immer nach demselben Muster abgelaufen: Während sich die beiden Clanoberhäupter duellieren, gingen ihre Söhne sich gegenseitig an die Kehlen und der Rest sah zu, dass er ihnen nicht in die Quere kam. Tōka war mittlerweile sehr gut darin, ihre Shinobi aus den Duellen herauszuhalten. Die Kräfte waren ausgeglichen und bisher hatte keiner die Oberhand gewinnen können. Jetzt, wo Butsuma tot war, war Hashirama der einzige, der es mit Madara oder seinem Vater würde aufnehmen können. Aber beide zusammen, das wäre selbst für ihn eine nahezu unlösbare Aufgabe. Ihr Plan war daher, Madara so lange hinzuhalten, bis es Hashirama gelang, seinen Vater zumindest kampfunfähig zu machen, besser noch ihn zu töten. Das würde ihre Kräfte wieder ausgleichen und den momentanen Vorteil der Uchiha zunichte machen. Mit den Möglichkeiten der Holzdoppelgänger wäre das vielleicht sogar zu bewerkstelligen.

Wenn nicht, nun …

Hashirama verbot sich jeden weiteren Gedanken daran, dass er hier plante, den Vater seines Freundes zu ermorden. Und ja, noch immer sah er Madara als seinen Freund an. Tief in seinem Inneren wollte er das nicht tun müssen, denn noch immer hegte er den Traum von Frieden. Er schien weiter denn je davon entfernt zu sein. Aber hatten Madara und er nicht zusammen überlegt, dass der Weg zum Frieden daraus bestand, stärker zu werden, so stark, dass sie schließlich von allen anerkannt werden mussten? Er wollte den Weg zur Stärke nicht über die Leichen der Familie seines Freundes gehen. Aber er musste.

Sein Vater wäre stolz auf ihn, und das war überhaupt das Schlimmste an der Sache. Mutter hatte ihn davor gewarnt, so zu werden wie Butsuma, und stets hatte er ihre letzten Worte im Herzen getragen. Er wollte nicht der Mörder werden, den Butsuma in ihm hatte sehen wollen.

»Otōto, vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit«, sinnierte Hashirama. Er wollte die Hoffnung einfach nicht aufgeben. »Eine, die nicht beinhaltet, Tajima zu töten. Es gibt doch sicher Gifte, die ihn nur verkrüppeln, sodass er nicht mehr kämpfen kann. Dann müssten wir nicht …«

»Zu riskant«, unterbrach Tobirama ihn. »Alles kann irgendwie rückgängig gemacht werden, bis auf den Tod. Er muss sterben, ansonsten war‘s das für uns.«

»Verstehe«, murmelte Hashirama niedergeschlagen.

Madara war sein Freund. Aber er trug auch die Verantwortung für seinen Clan. Der Weg der Shinobi war noch nie ein leichter gewesen. Hashirama blieb keine andere Wahl, als sich das Schwert seines Vaters umzugürten und die nächste Schlacht vorzubereiten.

Früher oder später würde es dazu kommen, ganz egal, ob irgendein daimyō sie angeheuert hatte oder nicht. Senju und Uchiha waren schon längst über diesen Punkt hinaus, dass sie einen Kontrakt als Grund benötigten, um aufeinander loszugehen. Die Kluft, die beide Clans trennte, schnitt zu tief.

Hashirama wusste, dass er ein hoffnungsloser Optimist war, aber anders als Tobirama sah er das nicht als etwas Negatives an. Madara und er waren wie Tag und Nacht, doch einst hatten sie einen gemeinsamen Traum geteilt. Dieser Traum hatte sie verbunden und die Brücke zwischen ihnen geschlagen.

Madara hatte es Wunschdenken genannt, als ob ihre Ideen nichts weiter als Illusionen gewesen wären, die niemals Wirklichkeit werden könnten. Aber Hashirama weigerte sich, das anzuerkennen.

Dieser Tage saß er oft bis weit in die Nacht auf der engawa des Hauses, das einst seine ganze Familie beherbergt hatte und jetzt so leer war, seit nur noch Tobirama und er da waren. Er sah zu Mond auf und lauschte in die Stille der Nacht, um die Stille des Hauses hinter sich zu lassen. In diesem Momenten fragte er sich, ob Madara ebenfalls zum Himmel aufsah und dasselbe erblickte wie er.

Sie hatten einst einen Traum geteilt, und er würde nicht zulassen, dass diese Welt, in der sie lebten, das zerstören würde, was sie einst geteilt hatten. Die Brücke mochte zertrümmert worden sein, doch er würde sie wieder aufbauen. Irgendwie.

Irgendwie würde er Frieden schaffen und damit würde er nicht nur seinen Clan beschützen, sondern auch Madara als seinen Freund zurückgewinnen können. Irgendwie.

Auch wenn er nicht wusste, wie er das jetzt noch bewerkstelligen sollte.

Tajima wusste, dass er schnell zuschlagen musste, jetzt wo sein Erzfeind tot war. Es hatte die Senju geschwächt, ihr Clanoberhaupt zu verlieren, und Hashirama war mit gerade einmal sechzehn Jahren noch vergleichsweise jung und unerfahren, um sein Erbe anzutreten. Er hatte mehr als die Hälfte seines Lebens im Krieg verbracht und an der Seite seines Vaters gekämpft. Aber einen Clan auch tatsächlich zu führen, war etwas anderes, als nur der zweite hinter seinem Vater zu sein.

Entsprechend dauerte es nicht lang, bis die Uchiha einen weiteren offenen Konflikt provozierten. Es ging auf den Winter zu und die meisten Clans bereiteten sich auf die harsche Jahreszeit vor. Sie sammelten Vorräte und zogen sich in ihre Kerngebiete zurück. Im Winter wurden selten Kämpfe ausgetragen, zu riskant waren die Witterungsbedingungen für beide Seiten.

Tajima wusste das dennoch für sich zu nutzen. Er attackierte so lang die Versorgungslinien der Senju, bis Hashirama gezwungen war, aktiv etwas dagegen zu unternehmen. Und so traf es sich, dass sich beide Clans kaum einen Monat nach Butsumas Tod erneut gegenüber standen. Eine kurze Zeit, in der beide Seiten kaum die Gelegenheit gehabt hatten, sich ihre Wunden zu lecken. Die Uchiha waren geschwächt, aber das waren auch die Senju.

Es war ihnen nicht möglich gewesen, ein Schlachtfeld zu ihrem Vorteil zu wählen. Tajima wusste, dass die Senju im Wald daheim waren wie kein anderer Clan, und hatte sie daher raus aufs offene Feld gelockt, um sie auch noch dieses Vorteils zu berauben.

Mit der Hand am Heft von Butsumas Katana – sein Katana, wie sich Hashirama korrigierte – beobachtete er von seiner erhöhten Position auf dem Hügel aus, wie die Uchiha sich ihnen näherten. Wie immer ging ihnen Tajima voran, an seiner Seite seine zwei verbliebenen Söhne. Aus alter Gewohnheit heraus suchte Hashirama in Madaras Augen den winzigsten Funken dessen, was sie einmal geteilt hatten, fand jedoch nichts als eiskalte Feindseligkeit. Es versetzte ihm einen Stich.

Blicke niemals einem Uchiha in die Augen. Nie. Du stirbst schneller, als du blinzeln kannst, wisperte Butsuma ihm noch aus dem Grab heraus ins Ohr.

Hashirama hatte Madara unzählige Male in die Augen geblickt.

»Er hinkt ein wenig«, wisperte Tobirama neben ihm. »Vielleicht hatte Butsuma ihn verletzten können, bevor er getötet wurde.«

»Ich bin mir nicht sicher, ich hatte den Kampf nicht genau verfolgen können«, wisperte Hashirama als Antwort. »Aber ja, jetzt wo du es sagst. Tajima scheint sein linkes Bein zu bevorzugen.«

»Er ist Rechtshänder«, erinnerte Tobirama ihn. »Das heißt, sein Stand wird unsicher sein. Nutze das.«

Hashirama nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Das hier würde kein Zuckerschlecken werden. Zu viel konnte schief gehen, zu viele Eventualitäten auftreten. Er würde jeden noch so kleinen Vorteil nutzen müssen, den er hatte.

Tajima trat vor. »Gib auf, Kind!«, rief er zu ihnen hinüber. »Warum das Unvermeidliche noch länger hinauszögern und unnötig Blut vergießen? Dein Vater ist tot, krepiert auf meiner Klinge, und ohne ihn habt ihr keine Chance gegen uns.«

»Da bin ich anderer Meinung«, erwiderte Hashirama. »Der Tod eines Mannes macht keinen so großen Unterschied, wie Ihr das gern hättet, Uchiha-sama.«

»Scheint so, als hätte dir dein Vater keine vernünftigen Kriegstaktiken eingebläut«, sagte Tajima. »Nun gut, dann lern es auf die harte Tour.«

Hashirama blickte zum Himmel. Dunkle Wolken zogen in der Ferne auf und ließen einen ohnehin trüben Tag noch finsterer erscheinen. Bereits fielen erste Schneeflocken und tanzten sacht zur Erde, getragen von einer frostigen Brise. Der Winter kam früh dieses Jahr.

Als er hinter sich sah, sah er die erwartungsvollen Blicke seiner Clanangehörigen, die alle auf ihm ruhten. Sie verließen sich auf ihn, denn er war nun der einzige, der noch zwischen ihnen und den zwei stärksten Uchiha stand. Wenn er scheiterte, dann … Nein. Nein, das würde er nicht zulassen. Um keinen Preis. Er konnte sie nicht im Stich lassen und am allerwenigsten konnte er Tobirama allein lassen.

Er hatte einen Traum. Aber er hatte sich auch einen Eid geschworen.

»Ich beschütze jene, die sich nicht selbst beschützen können.« Ein Eid, den er dieses Mal um jeden Preis zu halten gedachte. Dann warf er Tōka einen Blick zu. »Du kennst den Plan.«

Sie nickte. »Geht klar.«

Nun gut. Jetzt galt es. Hashirama schlug die Hände zusammen.

»Mokuton Hijutsu: Jukai Kōtan!«

Der Boden erwachte zum Leben. Auf Seiten der Uchiha brachen überall Bäume hervor und wanden sich empor. Als wären sie Lebewesen, die sich frei bewegen konnten, krallten die Bäume ihre kräftigen Wurzeln in das Erdreich, während ihre Äste sich umher schlängelten und jeden Feind packten, der ihnen nicht schnell genug entkommen konnte. In nur wenigen Augenblicken war die Kampfformation der Uchiha in totalem Chaos versunken. Verblüfft wandten sich Tajima und seine Söhne um und sahen mit Schrecken, was Hashirama mit den Uchiha mit nur einem Angriff hinter ihnen angerichtet hatte.

Der Wald war das Element der Senju und Hashirama ließ nicht so einfach zu, dass Tajima ihnen das wegnahm.

Während Tajima noch viel zu überrumpelt von dem ihm unbekannten Jutsu war, das ihm mit einem Schlag seinen Vorteil genommen hatte, stürmte Tobirama vor, um sich auf Izuna zu stürzen. Hashirama formte seinen Holzdoppelgänger, der seinem Bruder sogleich folgte und hoffentlich Madara lang genug beschäftigt hielt, bis die Sache mit Tajima geklärt war. Dann zog er sein eigenes Schwert und begann den Kampf.

Tōka rief einen Befehl und die Senju gingen zum Angriff über, die momentane Verwirrung ihrer Feinde nutzend, so lange sie noch anhielt. Bereits flammten erste Feuerbälle im Wald auf, die das Holz in Sekundenschnelle zu Asche verwandelten. Die Senju waren Meister des Kampfes im Wald und machten reichlich Gebrauch von ihren Fähigkeiten, als sie zwischen die Bäume eilten.

Hashirama legte alle Kraft, die er hatte, in seinen Schlag, als er das Katana auf Tajima niederfahren ließ. Klirrend trafen die Klingen aufeinander.

»Nicht schlecht«, sagte Tajima anerkennend, während er Hashiramas Kraft konterte. »Du hast uns überrascht, damit hätte ich nicht gerechnet.«

»So ein Pech aber auch, dass Euer Sharingan nicht in der Lage ist, mein Mokuton zu kopieren«, erwiderte Hashirama.

Er war noch nie direkt gegen Tajima angetreten, sein Gegner war immer Madara gewesen. Butsuma hatte seine Kämpfe mit Tajima jedoch oft genug analysiert und seine Söhne an seinen Erkenntnissen teilhaben lassen, sodass er trotzdem eine Vorstellung von seinem Gegner hatte. Tajima hatte diesen Vorteil anscheinend nicht. Niemand außer Hashirama verstand das Mokuton in seiner Gänze, und wenigstens dieses eine Mal sollte es ihm hoffentlich zum Vorteil gereicht sein. Madara war der einzige, der Erfahrung darin hatte, gegen das Mokuton anzutreten, und mit Sicherheit würde auch er sein Wissen mit seiner Familie geteilt haben. Aber dass Hashirama Tajima dennoch mit seinem Wald hatte überraschen können, zeigte ihm, dass er vielleicht doch einen winzigen Vorteil aus dem Überraschungsmoment hatte ziehen können.

Während sie noch die Klingen kreuzten, ließ Hashirama hinter seinem Gegner eine speerartige Wurzel aus dem Boden schießen. Sie hätte Tajima durchbohrt, doch in letzten Moment konnte er ausweichen. Die Wurzel streifte ihm an der Schulter, doch seine Rüstung schützte ihn. Er sprang davon und brachte Abstand zwischen sich und Hashirama.

»Ohne ein Handzeichen.« Erstaunen klang aus Tajimas Stimme. Doch dann fasste er sich wieder. »Aber das nützt dir nichts, Kind. Gegen Madara und mich kannst du nicht gleichzeitig bestehen.«

»Stimmt«, bestätigte Hashirama. »Aber das muss ich auch gar nicht.«

Tajima hob den Blick und suchte die Umgebung nach seinen Sohn ab. Als er erkannte, welchen Plan Hashirama verfolgte, biss er die Zähne zusammen und packte sein Schwert fester. »Ein Doppelgänger, und ich kann nicht mal erkennen, wer der Echte ist.«

»Vielleicht er, vielleicht ich. Man weiß es nicht.«

Tajimas Gesicht verzog sich zu einem grimmigen Lächeln. »Du steckst voller Überraschungen. Das wird ein unterhaltsamer Kampf.«

Hashirama hatte nicht vor, ihn lange zu unterhalten. Als er sah, wie Tajima sein Sharingan herbeirief, wusste er, dass sein Gegner ihn nun endlich für voll nahm. Er ging zum Angriff über.

Wie zu erwarten, war Tajima unglaublich schnell und so wendig, wie nur ein Sharingan-Träger sich bewegen konnte. Es gereichte Hashirama zum Vorteil, dass er gewohnt war, gegen Madara zu kämpfen, denn dieser reichte an die Geschicklichkeit seines Vaters heran, übertraf ihn vielleicht gar.

Er deckte Tajima mit einer Serie von schnellen und kraftvollen Schlägen ein. Tajima hielt mit ihm mit, doch als Hashirama seine Angriffe auf seine rechte Seite konzentrierte, wurde er allmählich in die Defensive gedrängt. Mehrere Male versuchte Tajima, ihn mit einem Genjutsu zu belegen, doch jedes Mal konnte Hashirama ausweichen. Tajima war nicht Madara, ihm würde er ganz sicher nicht in die Augen schauen.

Mit einem geschickten, Sharingan-verstärkten Konter löste sich Tajima von Hashirama und wich erneut ein Stück zurück. Hashirama setzte ihm sogleich mit mehreren Wurzelspeeren nach, um ihn gar nicht erst zur Ruhe kommen zu lassen, doch Tajima verarbeitete sie alle zu Spänen. Er war in der Tat ein Meister des Schwertes, das musste man ihm lassen.

»Schluss mit den Spielchen!«, drohte Tajima. »Dein Holz brennt genau wie jedes andere auch.« Er formte eine rasche Folge von Handzeichen. Dann holte er tief Luft.

Hashirama wartete gar nicht erst, was darauf folgen würde. Er schlug die Hände zusammen und rief die Wurzeln des Waldreiches zu seinem Schutz herbei.

»Katon: Karyū Endan!«

Im selben Moment, in dem Tajima die Feuerdrachen formte, schloss sich Hashiramas Holzmuschel zu einer Halbkugel. Wie er es erwartet hatte, hatte Tajima einen seiner Drachen um ihn herum lenken wollen, während die anderen ihn von vorn und der Seite angriffen. So jedoch prallten sie alle vier auf Hashiramas Verteidigung. Er ließ noch mehr von seinem Chakra in sein Holz fließen, um es zu stärken, dennoch nahm er alsbald beißenden Rauchgeruch wahr. Tajimas Feuer war in der Tat stark.

Er ließ dem Uchiha keine Zeit, sich eine neue Strategie zu überlegen, um Hashiramas Verteidigung zu durchbrechen. Er presste die Hände auf den Boden und ließ blind erneut Holzspeere aus der Erde schießen. Hashirama ging nicht davon aus, dass er Tajima damit treffen würde, aber das hatte er auch nicht vor. Viel mehr wollte er ihn beschäftigt halten und ihn genau dorthin lenken, wo er ihn haben wollte.

In den Wald.

Hashirama löste die Holzmuschel auf. Eine Spur von Holzspeeren führte zum Waldrand und als er den Blick hob, sah er Tajima auf einem der Äste stehen. Nun war es an ihm, grimmig zu lächeln, als er zu seinem Gegner empor sah.

»Du bist stark, das muss man dir lassen«, sagte Tajima anerkennend. »Fast schon schade, dass du ein Senju bist.«

»Ich nehme das als Kompliment«, sagte Hashirama trocken. Ohne weiter Zeit zu vertrödeln, griff er Tajima erneut mit seinen Speeren an.

»Du musst dir jedoch auch einmal etwas Neues einfallen lassen«, rief Tajima ihm zu, während er dem Frontalangriff nach hinten auswich und gleichzeitig das Holz mit seinem Schwert abwehrte.

Perfekt. Tajima hatte einen Fehler gemacht und es war hoffentlich sein letzter. Denn jetzt war er im Wald.

Mit einem gewaltigen Ausbruch an Chakra, stark genug, um den Boden um ihn herum zu zertrümmern, ließ Hashirama den Wald erneut zum Leben erwachen. Mit ihren Ästen begannen die Bäume nach Tajima zu schlagen, Lianen wanden sich umher und versuchten ihn zu packen. Die Angriffe erfolgten von allen Seiten gleichzeitig. Tajima erkannte seinen Fehler und formte ein Katon nach dem anderen, während er gleichzeitig mit seinem flammenden Schwert um sich schlug. Sein Feuer war in der Tat mächtig, doch der Wald war stärker.

Hashirama koordinierte die Angriffe so, dass Tajima nicht aus dem Wald entkommen konnte, und konzentrierte sie gleichzeitig auf seine schwache rechte Seite. Den ganzen Wald über einen längeren Zeitraum hinweg nach seinem Willen tanzen zu lassen, kostete selbst ihm eine enorme Menge Chakra, und er wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Also legte er all seine Macht in diesen letzten Angriff.

Und es wirkte.

Tajima tanzte, wie Hashirama noch nie jemanden hatte tanzen sehen. Seine Bewegungen waren fließend wie Wasser und so schnell, dass das menschliche Auge kaum folgen konnte. Doch Hashiramas Angriffe prallten ununterbrochen auf ihn ein. Irgendwann musste passieren, worauf Hashirama gehofft hatte. Tajimas verletztes Bein gab unter ihm nach.

Er strauchelte und versuchte sofort wieder, das Gleichgewicht zurückzuerlangen. Doch Hashirama setzte ihm sogleich nach. Lianen schossen heran und fesselten Tajima, bis er völlig bewegungslos war. Er wehrte sich nach Leibeskräften, doch es war ein aussichtsloser Kampf.

Hashirama näherte sich ihm durch die Feuer, die Tajima verursacht hatte. Die Hitze versengte seine Haut, aber seine Regeneration machte das schnell wieder wett. Kritischer war sein niedriges Chakralevel. Dies hatte ihm mehr Chakra gekostet, als ihm lieb war.

»Bring es zu Ende!«, rief Tajima ihm zu. »Na los, mach schon!«

»Es scheint mir, dass nicht ich derjenige bin, der heute eine Lektion lernt«, stelle Hashirama fest. »Dabei wisst ihr Uchiha doch, dass wir Senju ein Clan des Waldes sind.«

Tajima verzog die Lippen zu einem Lächeln. »Du bist ein Dämon aus den Wäldern, fürwahr. Scheint so, als ob Butsumas und meine Söhne uns doch noch übertreffen.«

Hashirama gönnte ihm die Ehre eines raschen Todes. Ein letzter Holzspeer durchbohrte Tajimas Brust, zerfetzte Lunge und Herz und trat am Rücken wie eine scharlachrot erblühende Blume wieder aus. Und selbst dann noch klammerte sich Tajima aus puren Trotz für einige letzte Sekunden verzweifelt an das Leben, bis schließlich doch das Licht in seinen Augen erlosch.

Hashirama fühlte nichts als Bedauern, als die Finsternis seines Vaters schlussendlich doch obsiegt hatte.

»Nein!«

Hashirama fuhr herum, als er den Schrei vernahm. Zwischen den Feuern und dem Rauch konnte er eine Gestalt ausmachen. Madara war gekommen, und das konnte nur bedeuten, dass er den Holzdoppelgänger hatte besiegen können. Wie unpassend. Hashirama hob sein Schwert und hoffte wider besseren Wissens, dass sein Chakra auch noch für diesen Kampf reichen würde.

Doch dazu sollte es nicht kommen. Madara sah die Leiche seines Vaters, aufgespießt auf dem Mokuton, und mit Sicherheit sah er auch Hashiramas geschwächten Zustand. Und doch rührte er sich nicht.

»Madara.« Es klang flehender, als Hashirama es beabsichtigt hatte.

Madaras Gesicht zeigte keinerlei Regung. Wortlos wandte er sich ab und rannte davon, um den Rückzug zu befehlen. Hashirama ließ erschöpft das Schwert sinken. Diesen Kampf mochten sie entgegen aller Widrigkeiten gewonnen haben, aber zu welchem Preis? Sein Traum schien in unerreichbar weite Ferne gerückt zu sein.

Irgendwie. Aber wie?

"I will protect those who cannot protect themselves", ist ein weiteres Cameo und Leute, die mich kennen, wissen ganz genau, dass das eine Anspielung auf Brandon Sandersons Stormlight Archive ist. Ich musste einfach! Kaladin hat eine Steilvorlage geboten! Dieser Spruch (ich weiß leider nicht mehr genau, wie der exakt ins Deutsche übersetzt worden ist) ist der zweite Eid der Windrunner. Brandon hat dieses nette Knight Radiant Quiz und ich hatte mir den Spaß gemacht, das mit Hashirama im Kopf auszufüllen. Ich hätte vermutet, dass Bondsmith dabei herauskommt, aber tatsächlich war das Ergebnis Windrunner. Ich musste ein wenig lachen, weil ich mir vorstellen kann, dass Lopen und Hashirama sehr gut miteinander auskommen würden. (Ich hatte dasselbe danach für Madara gemacht und als Ergebnis Elsecaller erhalten. Er tut mir schon ein bisschen leid, weil das bedeutet, dass er mit Jasnah klarkommen musst und gegen die hat er einfach keine Chance. Das Ergebnis für Tobirama war übrigens auch Elsecaller... )
Tobirama, einige Tage später mitten in der Nacht: "Ist der Tod wirklich unumkehrbar? *galaxy brain*"
Nächstes Kapitel gibt es grummelige alte Leute und das zukünftige Sidepairing.
 Die Ältesten
CN Erwähnung von Kindesmisshandlung, Erwähnung toter Familienmitglieder, Kindstod

Hashirama kniete sich vor den kleinen Familienschrein im Haus. Dann läutete er die Glocke, faltete die Hände, verneigte sich vor den ihai seiner Ahnen und hielt einen Moment inne, bevor er ihnen eine Schale mit Reis und Edamame darbot. Da die alten Räucherkerzen niedergebrannt waren, entfernte er ihre Asche und entzündete neue.

»Okāsan«, begann er mit einem liebevollen Lächeln. »Ich versuche mein bestes, um meinen kleinen Bruder zu beschützen, wie ich es dir versprochen habe. Ich hoffe, ich schaffe das zu deiner vollen Zufriedenheit. Jeden Tag bedauere ich es, dass du von uns gehen musstest, bevor ich die Kräfte, die mir gegeben wurden, voll verstehen konnte. Meine Blumen hätten dir sicher gefallen. Ich bin trotzdem eine Niete, wenn es um ikebana geht. Ich lass die Dinge lieber wachsen.

Kawarama, jeden Tag danke ich dir, dass du an unserer Seite standest und für eine Weile mit uns deinen Weg gingst. Damals dachte ich noch, dein Tod wäre sinnlos gewesen, aber jetzt denke ich, dass dies der Moment war, der alles ins Rollen gebracht hatte. Ich hoffe, ich habe dich nicht enttäuscht und habe das beste aus dem gemacht, das du mir gabst.

Itama, mein kleiner Baby Bruder. Ich hoffe, du bist mir nicht böse, dass ich mit unseren Feinden Frieden geschlossen habe. Ich habe nicht vergessen, dass sie es waren, die dir das Leben nahmen. Vielleicht verstehst du ja trotzdem, warum ich diesem Kreislauf an Gewalt ein Ende setzen musste. So oder so hast du die Erlaubnis, meine Reisschalen umzuwerfen, wenn du nicht mit mir zufrieden bist.«

Er hielt inne, bevor er sich dem letzten ihai zuwandte. »Otōsan.« Seine Stimme war ernst. »Auch dir möchte ich danken, denn du machtest mich zu dem, der ich bin. Du gabst mir die Liebe, die du geben konntest, und lehrtest mich das Kämpfen. Ich hoffe, dass du zumindest auf meine Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld stolz sein kannst, wenn auch sonst nichts anderes. Ich folgte nicht deinem Pfad, ich weiß, aber ich musste. Ich konnte das nicht mehr mit ansehen.«

Er richtete sich auf und setzte sich auf seine Fersen. Selbst wenn sein Bruder sich immer über seine angeblich nicht vorhandenen Sensor-Fähigkeiten beschwerte, hatte er bemerkt, dass Tobirama ihn beobachtet hatte. Er spürte dessen Blick in seinem Rücken, während irgendwo im Haus die Handwerker rumpelten, die an diesem Tag hatten kommen sollen.

»Dass du selbst Butsuma noch danken kannst«, brummte Tobirama. »Nach allem, was er uns angetan hat.«

»Er wusste es halt nicht besser, und ich glaube, auf seine Art meinte er es auch gut mit uns. Und dafür danke ich ihm.«

Tobirama schnaubte. »Wenn du meinst. Ich jedenfalls werde nichts dergleichen tun.«

Hashirama grinste. »Deswegen mach ich‘s ja! Wollen ja nicht, dass er als rachsüchtiger Geist zurückkommt und mehr als nur unsere Reisschalen umwirft.«

»Hmpf. Aber jetzt kümmere dich um die anderen Sachen, die heute auf der Liste stehen.«

Hashirama sah seinen Bruder genervt an. »Was ist es heute?«, maulte er.

Tobirama wedelte mit einer Skizze. »Ich habe unser Haus umgeplant. Und dieses Mal hältst du dich an den Plan, sonst endet das wieder in einer Katastrophe wie der jetzige Zustand. Dann können die Handwerker den Strom verlegen. Danach steht ein Treffen mit den Uchiha-Ältesten an. Madara hat immer noch nicht gesagt, was sie von uns wollen, sah aber jedes Mal sehr verstimmt aus, wenn ich ihn fragte.«

Hashirama erhob sich und nahm die Skizze entgegen. »Und das lag ganz bestimmt nicht an der Art, wie du fragtest?«

»Pah!«

Hashirama besah sich die Skizze. »Warum brauchen wir überhaupt Strom?«

Tobirama gab ihm den Blick. »Die meisten anderen Clans sind schon längst mit dem Zeitgeist vorangegangen, wird Zeit, dass wir das ebenfalls tun. Kaum zu glauben, dass du Holzkopf die ganze Shinobi-Welt umkrempeln willst und gleichzeitig so verbohrt an alten Traditionen festhältst.«

Hashirama gab klein bei. »Meinethalben.«

Gemeinsam verließen sie den kleinen Raum. Im Eingangsbereich begegneten sie den Handwerkern, die sich eilig verbeugten und ihnen dann nach draußen folgten, als Hashirama ihnen sagte, er müsse vorher noch eine Kleinigkeit erledigen. Im Vorbeigehen griff Hashirama schon automatisch zu einem Strohhut und setzte ihn seinem Bruder auf. Dann stellten sie sich alle vor das Haus. Er betrachtete noch einmal Tobiramas Skizze und achtete darauf, sie auch richtig herum zu halten. Dann sah er zu ihrem Haus, schlug die Hände zusammen und ließ sein Chakra arbeiten.

Holzwände sprossen aus der Erde und verbanden sich mit den bereits vorhandenen. Massive Balken schlangen sich umeinander, als seien sie biegsame Seile, und formten neue Strukturen. Am Ende hatte Hashirama ihre Wohnfläche beinahe verdoppelt und auch die Raumaufteilung nach den Wünschen seines Bruders verändert. Na gut, wenn Tobirama meinte, dass sie so viel Platz bräuchten … Wenigstens hatte er ihm seinen Garten gelassen, der sich dem Haus anschloss.

»Und du bist sicher, dass ich nicht alle Häuser so bauen kann? Das geht viel schneller.«

»Ja!«

»Ist ja gut, kein Grund laut zu werden …«

Die Handwerker gafften ihn mit offenen Mündern an. Er reichte ihnen die Skizze. »Mein Bruder hat alles Wichtige hierauf verzeichnet. Ich hab keine Ahnung von diesem neumodischen Kram, aber er besteht darauf. Viel Spaß.«

Sie ließen die Handwerker mit ihrer Arbeit zurück und begaben sich zur Zeremonienhütte, wo vor wenigen Wochen Hashirama und Madara den Frieden zwischen beiden Clans besiegelt hatten. Madaras Haus war immer noch nicht fertiggestellt (vielleicht würde er sich ja jetzt überzeugen lassen, nachdem er die Veränderungen am Haus der Brüder gesehen hatte) und die Ältesten des Uchiha-Clans ließen sich nicht dazu herab, sich in Hashiramas und Tobiramas Küche niederzulassen. Also war das kleine Haus ein guter Kompromiss.

Zwei mehrere Tagesreisen voneinander entfernte Siedlungen zusammenzuführen, hatte sich als logistisch … herausfordernd herausgestellt. Die wenigsten wollten ständig zwischen dem neuen Dorf und der alten Heimat hin und her pendeln. Also waren als erstes provisorische Unterkünfte mit großen Gemeinschaftsäumen errichtet worden. Wenigstens das hatte Tobirama seinem Bruder erlaubt, wenn er ihn schon von der Errichtung der eigentlichen Häuser abhielt. Gerade die älteren unter den Clanmitgliedern bevorzugten es aber, die ganze Sache erst einmal abzuwarten und in ihren alten Dörfern zu bleiben. Man musste schließlich auch einige Privilegien haben, wenn man so alt wurde in einer Welt, in der die meisten nicht einmal das vierzigste Lebensjahr sahen.

Die Luft war erfüllt vom Klang geschäftigen Treibens. Überall wurden Bäume gefällt, um Holz und vor allem Platz zu schaffen (Hashirama würde später jeden gefällten Baum an anderer Stelle wieder wachsen lassen). Die gefällten Stämme wurden von ihren Ästen und ihrer Rinde befreit und dann zu Balken zurecht gesägt, die sich bereits meterhoch stapelten, um dann weiterverarbeitet zu werden. Überall wurde gehämmert und gebohrt und gesägt und die Silhouetten erster Straßenzüge ließen sich ausmachen. Hashirama, Tobirama und Madara hatten sich viele Nächte um die Ohren geschlagen, um die Gestalt des Dorfes zu planen.

Überall, wo sie entlang kamen, vernahmen sie lockere Gespräche, zu Hashiramas Freude sogar hin und wieder zwischen Senju und Uchiha. Die Menschen verbeugten sich tief vor ihnen, als sie vorbei kamen, und Hashirama winkte ihnen fröhlich zu. Auch Tobirama wirkte zufrieden. Kinder spielten zwischen den Erwachsenen, auch wenn auch sie häufiger bei ihren Clanangehörigen blieben als sich mit den Kindern des jeweils anderen Clans zusammenzutun. Sie hatten quasi mit der Muttermilch das Wissen aufgesogen, dass die Senju und Uchiha Feinde waren, und auch wenn Kinder weitaus schneller im Schließen von Freundschaften waren, hatten doch zu viele von ihnen bereits das Schlachtfeld gesehen und würden nicht sofort den alten Drill überwinden können. Hashirama hoffte jedoch, dass sie die Brücke für die Erwachsenen werden würden.

Hashirama wurde aus seinen Überlegungen gerissen, als er Kinderweinen vernahm. Ein wenig vor ihnen sah er ein kleines Mädchen aus seinem eigenen Clan, das am Boden kniete und ein zerbrochenes Spielzeug an sich drückte. Noch bevor er reagieren konnte, trat Madara zwischen zwei Holzstapeln hervor und kniete sich vor das Mädchen. Es sah ihn mit großen Augen an, und als es erkannte, wer er war, wurde es mit einem Schlag ganz still. Madara versuchte offensichtlich, es zu trösten, machte die Sache aber eher noch schlimmer.

Hashirama schmunzelte. Oh je. Er trat zu ihnen und kniete sich neben Madara. Dann ließ er ein kleines Holzpferd aus seiner Hand wachsen, das zu Boden sprang und um das Mädchen herum galoppierte. Die Augen des Mädchens leuchteten auf, alle Tränen waren vergessen. Begeistert klatschte es in die Hände und lachte. Dann erinnerte es sich seiner Manieren und verbeugte sich artig vor Hashirama.

»Vielen Dank, Senju-sama«, bedankte es sich.

Noch immer lächelnd legte ihm Hashirama eine Hand auf den Kopf. »Viel Spaß damit.«

Behutsam nahm das Mädchen sein neues Spielzeug in die Hand und eilte dann zu seiner Mutter. Die beiden Männer erhoben sich wieder und sahen ihm hinterher.

»Das ist unfair«, bemerkte Madara.

Hashirama sah ihn fragend an.

»Du kannst Holz aus deinem Körper wachsen lassen, und keiner findet das in irgendeiner Weise beunruhigend, während ich einfach ich bin und damit Kinder zum Weinen bringe.«

»Hast du heute morgen in den Spiegel geschaut? Bei deiner finsteren Miene würde ich auch weinend weglaufen.«

Madara gab ihm einen besonders finsteren Blick. »Hast du dir mal deine Klamotten angeschaut? So etwas hat meine Großmutter getragen!«

Hashirama ließ den Kopf hängen. »Aber die sind halt Tradition«, jammerte er.

»Hört mit eurem Gezänke auf und kommt«, erinnerte Tobirama sie.

Sie folgten ihm und kamen alsbald bei der Hütte an. Noch immer wehten die beiden Banner der Clans und an den Dachgiebeln flatterten die Glücksbringer. Niemand hatte sich bisher darum geschert, sie abzunehmen, sie alle hatten wichtigeres zu tun. Zumindest die beiden Banner gaben aber ein schönes Bild ab und Hashirama wollte sie eigentlich gar nicht entfernen lassen.

Die beiden Ältesten des Uchiha-Clans waren bereits anwesend und erwarteten sie im Inneren. Madara hatte veranlasst, dass man ihnen Tee bereitstellte. Als sie die engawa betraten, streiften sie ihre Sandalen ab und knieten sich mit einer Verbeugung vor der Tür nieder. Sie mochten zwar die Clanoberhäupter sein, aber dennoch zollten auch sie den Ältesten ihren Respekt, so gehörte es sich.

»Na endlich«, schnarrte jemand. Madara hatte Hashirama bereits von den Ältesten seines Clans erzählt und so nahm er an, dass es sich dabei um Uchiha Naoki handelte.

Für Madara war das der Anlass, die Tür aufzuschieben. Sie traten ein und mit einer neuerlichen Verbeugung knieten sie sich den beiden Ältesten gegenüber an den Tisch. Tobirama blieb im Hintergrund, er war immerhin der jüngere der Brüder.

Uchiha Kimora beugte sich vor und musterte Hashirama eindringlich. Hashirama bemühte sich, möglichst freundlich zu wirken. Sie rückte die Brille auf ihrer Nase zurecht. »Das ist also der Dämon aus den Wäldern. Sieht mir nach einer halben Portion aus.«

Autsch. Der hatte gesessen.

Madara neben ihm regte sich. Seine Hände, die auf seinen Knien ruhten, waren zu Fäusten geballt, und Hashirama spürte das Feuer, das unter der ruhigen und beherrschten Oberfläche brodelte. Er musste die Ältesten wirklich verabscheuen. Er fragte sich, was der Grund dafür war.

»Verehrte Älteste, wir sind auf Euer Bitten gekommen«, sagte er und hielt doch tatsächlich den Blick gesenkt. Der stolze und unbeugsame Madara gab sich lammfromm.

»Hauptsächlich, damit wir sehen können, ob du das Andenken deiner Brüder und deines Vaters wirklich so beschmutzt«, stellte Naoki klar. »Und siehe da, da kniest du an der Seite dieser Senju-Hunde. Aber na gut, du bist das Clanoberhaupt, da können wir eben nichts machen.«

Madaras Hände zitterten leicht und das war das einzige, was seine Emotionen preisgab. »Ist das alles?«, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Gib uns den Waffenstillstand, den du unterzeichnet hast, Madara. Ich will ihn lesen und erfahren, für was du das Leben deiner Familie weggeworfen hast«, verlangte Naoki.

Madara fischte die Schriftrolle aus seinem Mantel. Es existierten zwei Ausgaben davon, die andere war in Hashiramas Besitz. Unter beide hatten sie ihre Siegel gesetzt. Dabei handelte es sich um Abschriften des Waffenstillstandes, den Hashirama Madara nach dem Kampf hatte zukommen lassen, in dem Izuna tödlich verwundet worden war. Als Madara schließlich doch angenommen hatte, hatte sich keiner von ihnen darum geschert, die Formulierungen an die gegebenen Umstände anzupassen und sie einfach unterzeichnet, wie es war. Sie alle waren zu müde gewesen, um sich um Kleinigkeiten zu scheren, die ohnehin keine Rolle mehr spielten.

Naoki entrollte das Reispapier und überflog die Schriftzeichen. Kimora beugte sich zu ihm herüber, um auch einen Blick darauf zu erhaschen. Er sah auf und blickte erst zu Tobirama und dann zu Hashirama. »Izuna heilen? Na, daraus ist wohl nichts geworden«, bemerkte er sarkastisch.

So langsam verstand Hashirama, warum Madara nicht viel von den Ältesten hielt. »Leider sahen die Dinge zu diesem Zeitpunkt noch anders aus«, sagte er bedauernd. »Ich bereue aus tiefstem Herzen, dass Izuna hatte sterben müssen, ich wünschte, alles wäre anders gekommen. Aber nicht einmal ich kann die Toten wieder zum Leben erwecken. Umso froher bin ich, dass wir schließlich doch Frieden schließen konnten und kein Blut mehr vergossen werden muss.«

Kimora sah ihn schon wieder mit diesem durchbohrenden Blick an. »Zu dem Zeitpunkt waren wir noch Feinde, und Ihr wolltet dennoch Euren Feind heilen? Du meine Güte, Madara, du hast dich wirklich von so einem Idioten besiegen lassen. Wenn das dein Vater wüsste.«

Da Hashirama fürchtete, dass die Hütte, in der sie sich befanden, jeden Augenblick in einem von Madaras Feuerbällen explodierte, warf er hastig ein: »Es war einfach Pech. Madara und ich sind gleichstark, das hat er mir in vielen Kämpfen gezeigt. Es hätte genauso gut Madara sein können, der mich niederstreckte.«

Naoki lehnte sich zurück, ganz offensichtlich nicht davon überzeugt. »Nun, die Dinge sind, wie sie sind. Ich weiß, dass die Senju der Tradition der Blutlinie folgen, wenn sie ihr Clanoberhaupt ernennen, aber bei uns Uchiha ist das anders. Wir folgen Stärke, und Ihr, Senju-sama, habt Euch als stärker erwiesen. Damit sind die Uchiha nun der erste Clan, der von Euch annektiert wird. Auslöschung durch Eure Hand wäre vielleicht gnädiger, aber nun gut, dann müssen wir eben mit dieser Schande leben. Aber wisst auch, dass bei uns Uchiha die Dinge etwas anders geregelt werden, wir Ältesten haben in den Angelegenheiten des Clans ebenso wie Madara ein Mitspracherecht.«

Hashirama sah, dass hier wohl etliches falsch kommuniziert worden war. »Ich habe niemanden annektiert und ich hege auch keinen Wunsch danach«, betonte er. »Madara und ich stehen in dieser Sache auf einer Stufe. Wenn Ihr, verehrte Älteste, wünscht, auch in Zukunft weiterhin in die Angelegenheiten der Clans involviert zu werden, so steht das natürlich außer Frage und kann arrangiert werden. Die Weisheit des Alters beratend an unserer Seite wissend, kann nur zum Nutzen aller sein.«

Kimora schnaubte. »Ein Schönschwätzer seid Ihr durchaus. Fragt sich, ob diesen Worten auch Taten folgen.«

»Wie dem auch sei«, fügte Naoki an. »Madara hat sich einmal als schwach erwiesen. Wir erkennen Eure Führung an, Senju-sama.«

Die beiden Alten verbeugten sich vor ihm.

»Ich bin sicher, dass die Zusammenarbeit beider Clans bald schon reiche Früchte tragen wird!«, sagte Hashirama optimistisch. Neben ihm brodelte Madara, konnte aber erstaunlicherweise noch an sich halten. Nun, irgendwie konnte er seinen Freund verstehen. Die Ältesten hatten ihn in einem fort beleidigt.

»Wir werden sehen.« Kimora blieb skeptisch. »Das wäre dann alles.«

Sie verbeugten sich und verließen den Raum. Madara stapfte wütend in den Wald, und als er sich weit genug entfernt hatte, schlug er mit der Faust gegen einen Baum. Das Holz knackte hörbar. Hashirama war weise genug, einen gewissen Sicherheitsabstand einzuhalten, und auch Tobirama blieb hinter ihm.

»Diese verfluchten alten Säcke!«, knurrte Madara und schlug erneut auf den Stamm ein. Die Krone des Baums zitterte. »Jedes Mal dasselbe! Jedes Mal versuchen sie alles, was ich mache, zu untergraben!«

»Ich bin sicher, sie werden bald schon sehen, dass sie sich irren«, versuchte es Hashirama.

»Halt ja die Klappe, baka!«, keifte Madara. »Du hast ja keine Ahnung! Wären diese Arschlöcher nicht, Izuna würde noch leben und keiner würde hinter meinem Rücken über meine Augen tuscheln!«

Hashirama verschob die Frage, was Madara damit meinte, auf später. So dumm war er schließlich doch nicht. Mit einem frustrierten Schrei trat Madara gegen den Baum und fällte ihn damit endgültig. Und weil das anscheinend noch nicht genug war, setzte er ihn danach in Brand.

Tobirama trat zu seinem Bruder. »Jemand nähert sich uns rasch, ein Uchiha der Chakra-Signatur nach«, meldete er ihm.

Bevor der Uchiha bei ihnen ankam, ließ Madara seinen Frust noch an einigen weiteren Bäumen aus und selbst dann schien sein Zorn noch immer nicht vollständig verraucht zu sein. Auf dem Weg, den sie gekommen waren, näherte sich ein Uchiha, den Hashirama schon einige Male auf dem Schlachtfeld gesehen hatte. Der Mann erkannte anscheinend mit einem Blick, dass hier nicht gekämpft wurde und lediglich einige Bäume Madaras Temperament zum Opfer fielen, und wartete geduldig, bis sein Moment gekommen war.

Als Madara schließlich doch genug Dampf abgelassen hatte, um wieder zu halbwegs vernünftigen Konversationen bereit zu sein, wandte er sich ihnen zu. Auch wenn das Sharingan wieder aus seinen Augen gewichen war, brannten sie noch immer voller Zorn.

»Was willst du, Hikaku?«, fauchte er.

Aha, das war also Hikaku, von dem Madara so viel hielt. Dieser schien mit den Launen seines Clanoberhaupts jedenfalls vertraut zu sein, denn er wich nicht zurück. Durchaus eine Leistung, die Anerkennung verdiente.

»Das Treffen mit den Ältesten verlief also wie zu erwarten«, bemerkte er mit einem Blick auf die zu Asche verbrannten Bäume. »Ich komme, um zu melden, dass sich uns eine Gruppe fremder Shinobi nähert.«

»Was für ein Pech für sie«, knurrte Madara und machte sehr deutlich, dass er sie am liebsten als Boxsack benutzen würde.

»Welcher Clan? Wollen sie sich uns anschließen?«, erkundigte sich Hashirama hoffnungsvoll.

»Etwa dreißig Leute vom Yamanaka-Clan«, berichtete Hikaku. »Auf mich machten sie keinen feindlichen Eindruck. Sie dürften bald die Siedlung erreichen.«

»Das ist der gesamte Clan, sie sind keine große Gruppe«, bemerkte Tobirama. »Und wo die Yamanaka sind, sind in der Regel die Nara und Akimichi auch nicht weit.«

»Oh, das sind wunderbare Neuigkeiten!«, rief Hashirama begeistert aus, die unangenehme Erfahrung mit den Uchiha-Ältesten war bereits vergessen. »Lasst uns schnell gehen und sie begrüßen.«

Madara seufzte genervt. »Wenn‘s denn sein muss.« Sein Chakra hatte sich in der Zwischenzeit deutlich beruhigt. Er würde die Neuankömmlinge also hoffentlich doch nicht gleich wieder verschrecken mit seiner finsteren Attitüde.

Sie begaben sich wieder zurück zum erblühenden Dorf, und gerade, als sie ankamen, sahen sie, wie Tōka eine Gruppe Fremder begrüßte. Das hieß, dass sie sie finster anstarrte und nicht gewillt war, auch nur einen Millimeter zur Seite zu weichen, so lange Hashirama ihr nicht ausdrücklich erlaubte, die Fremden vorbei zu lassen.

Der Yamanaka-Clan bestand aus einer einzigen Familie. Die Shinobi befanden sich in der Begleitung sowohl ihrer Ältesten als auch ihrer Kinder und hatten anscheinend auch einen Großteil ihrer Habseligkeiten mit sich gebracht. Für Hashirama war damit der Fall klar.

Er trat auf sie zu und breitete die Arme aus. »Willkommen, Freunde! Ich nehme an, dass ihr gekommen seid, um euch uns anzuschließen?«

Die Neuankömmlinge sahen ihn mit einer Mischung aus Irritation und Misstrauen an. Einige der jüngeren Kinder versteckten sich hinter ihren Eltern. Hatten man ihnen etwa auch diesen Quatsch über den Dämon aus den Wäldern erzählt? Hashirama machte sich eine gedankliche Notiz, das schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen.

Ein Mann trat vor und verneigt sich. »Ich bin Yamanaka Inori und das Oberhaupt meines Clans. Wir sind gekommen, um Euren Schutz zu ersuchen, da wir vom Hagoromo-Clan von unserem Land vertrieben wurden. Wir können nicht viel bieten außer der speziellen Technik, die wir seit Generationen in unserer Familie weitergeben. Ich hoffe inständig, dass dies Euch genug ist, Senju-sama, so wenig es auch sein mag.«

»Natürlich ist es das!« Hashirama strahlte. »Jeder, der Frieden wünscht und um Hilfe ersucht, ist bei uns willkommen, und wir wollen nicht einmal eine Gegenleistung dafür. Es soll genug sein, wenn ihr uns die eine oder andere helfende Hand beim Aufbau dieses Dorfes leiht.«

Inori fielen bei diesen Worten beinahe die Augen aus dem Kopf. Getuschel kam unter den Yamanaka auf. Dann fiel Inori vor ihm auf die Knie und drückte die Stirn auf den Boden. »Shinobi no kami, Ihr seid zu gütig! Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um diese Schuld zu begleichen.«

Hashirama hatte sich noch nie viel aus solchen Gesten gemacht, aber wenn es den Leuten Freude bereitete, sollten sie es halt machen. So lange sie nur nicht anfingen, Schreine für ihn zu bauen … »Ihr solltet auch Madara-kun danken. Ohne ihn wäre nichts von all dem hier möglich.«

Das Getuschel der Yamanaka verstummte, als sie zu den beiden Uchiha an Hashiramas Seite sahen. Madara warf ihm einen vielsagenden Seitenblick zu.

»Aber du hast nicht vergessen, dass wir Uchiha ein lockeres Bündnis mit den Hagoromo unterhalten, ja?«, sagte er leise.

»Umso besser. Das unterstreicht doch unserem Punkt, dass jede alte Feindschaft überwunden werden kann.«

»Ob das die Hagoromo auch so sehen, wage ich zu bezweifeln. Die werden das wahrscheinlich als Verrat der Uchiha an ihnen ansehen, wenn wir ihren Feinden Unterschlupf bieten.«

»Umso mehr ein Grund, diesen Leuten hier zu helfen.«

»Tu, was du nicht lassen kannst, aber ich rate dir als Freund, dass du in Zukunft zumindest einen Augenblick länger nachdenkst, bevor du mit dem erstbesten Clan auf Bruderschaft trinkst.«

Für Hashirama war die Sache damit erledigt und die Yamanaka nun spontan und ganz unzeremoniell ein Teil des erblühenden Dorfes. Dass sich so rasch andere Clans ihnen anschließen würden, hätte er nicht gedacht, es freute ihn jedoch umso mehr.

Während einige umstehende Arbeiter sich der Neuankömmlinge annahmen, blieb Tōka auf Hashiramas Geheiß. Wenn sie schon einmal hier war, dann konnten sie auch gleich diese andere Sache besprechen, die sie neulich im onsen besprochen hatten. Der onsen, den Hashirama zwar wieder errichtet hatte, in dem sie aber immer noch Hausverbot hatten … Er schob den Gedanken schnell wieder zur Seite.

»Tōka-san, es trifft sich gut, dass du gerade da bist. Da gibt es eine Sache, bei der wir deine Hilfe benötigen«, begann er. »Jetzt wo der Grundstein für das Dorf gelegt ist, müssen wir auch für seine Sicherheit sorgen. Du warst schon immer sehr gut in solchen Dingen, und daher möchte ich dir diese Aufgabe anvertrauen.«

Hinter ihm sagte Hikaku etwas leise zu Madara und wollte sich bereits abwenden, doch Madara hielt ihn auf. »Nein, bleib, denn das ist eine Sache, die auch dich betrifft. Ich will, dass du Tōka-san dabei zur Seite stehst und gemeinsam die Shinobi beider Clans zu effektiver Zusammenarbeit bringst.«

Tōka und Hikaku warfen sich lange Blicke zu, aus denen die Skepsis sprach. Doch dann nickte sie beide und traten aufeinander zu.

»Ich kenne dich aus einigen Kämpfen«, sagte Tōka. »Du bist nicht völlig auf den Kopf gefallen.«

»Und deine Taktiken haben sich so manches Mal als harte Nuss erwiesen«, erwiderte Hikaku.

Hashirama war sich sicher, dass damit der Grundstein für eine fruchtbringende Zusammenarbeit gelegt worden war.

Das nächste Kapitel hat das erste Mal Talk no Jutsu und meinen zugegeben liebsten OC in dieser FF ^^ 
Du bist mein Freund
CN Erwähnung verstorbener Familienangehöriger, Trauer

Hashirama kniete im Schatten eines roten Ahorns und beobachtete die Kois in seinem Gartenteich. Ein einzelnes Blatt wurde von einer sanften Brise hinabgetragen und landete federleicht auf der Wasseroberfläche. Konzentrische Ringe breiteten sich darum aus. Ein kleiner Vogel setzte sich auf den Ast, dessen Laub Hashirama Schatten in den frühen Morgenstunden spendete. Das Licht der ersten Sonnenstrahlen tanzte wie Diamanten auf dem Wasser.

Natürlich hatte er den Garten selbst angelegt, sein ganz eigener Ort der Ruhe. Nun, und der seines Bruders, auch wenn dieser hier eher selten anzutreffen war und sich in seiner Freizeit lieber seinen Experimenten widmete. Sich einfach still hinzusetzen, eine Schale Tee zu genießen und über die Natur nachzusinnen, war einfach nicht Tobiramas Ding. Er musste immer etwas zu tun haben.

Die Blätter des Ahorns raschelten zur Begrüßung, als Tobirama sich näherte. »Guten Morgen, anija.«

Hashirama erhob sich und kam ihm entgegen. »Ungewöhnlich früh für dich. Was hat dich aus dem Bett gescheucht?«

»Die Arbeit, die du liegen lässt, weil du lieber mit deinen Bonsai redest. Ich wollte heute damit beginnen, unser Haus einzurichten, und als ich durch die Versiegelungsrollen mit unseren Sachen ging, fiel mir auf, dass meine Kunai nicht dabei waren. Du weißt schon, die für mein Hiraishin, nicht die normalen. Weißt du, wo sie sein könnten?«

Hashirama überlegte für einen Moment. »Hm, du hattest die meisten unserer Sachen versiegelt, als wir hierher umgezogen sind. Aber vielleicht sind sie ja doch in einer meiner Rollen gelandet. Lass uns nachsehen.«

Es gab einen Grund, warum sich Tobirama um das Versiegeln ihrer Sachen für den Umzug gekümmert hatte. Er war weitaus organisierter als Hashirama, der am liebsten einfach alles auf einen großen Haufen warf und damit die Angelegenheit für sich abschloss. Dies war wohl auch der Grund, warum Tobirama so viel besser darin war als sein älterer Bruder, neue Jutsus zu entwickeln. Hashirama tat einfach, was sich richtig und natürlich anfühlte und erschuf durchaus aus Versehen auch einmal einen Urwald, ohne dass er es bezweckt hatte. Tobirama hatte versucht, die Kräfte seines Bruders wissenschaftlich zu erklären, aber wirklich weit waren sie nicht gekommen. Hashirama war der einzige, der das Mokuton beherrschte, jedenfalls soweit sie wussten, und konnte diese Technik auch nicht weitergeben. Tobirama hatte sein Mokuton daher als absolut einmaliges kekkei genkai eingestuft.

Im Haus angekommen, holte Hashirama seine große Versiegelungsrolle hervor. Er öffnete sie und rollte einige Meter ab, bis er etwas fand, das Tobiramas Kunai sein könnten, und löste das Siegel.

»Was zum …?«, begann Tobirama irritiert. »Ist das Madaras Gunbai? Was machst das hier?!«

»Ach du meine Güte!«, rief Hashirama aus und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. »Madara köpft mich! Besser, ich bringe es ihm schnell zurück.«

Tobirama verdrehte seufzend die Augen. »Nicht bevor du meine Kunai ausgegraben hast. Dass du mit diesem unordentlichen Ding von einer Schriftrolle überhaupt etwas anfangen kannst, grenzt an ein Wunder.«

»Ich komme damit klar.« Bevor Tobirama jedoch Madara zuvorkommen konnte, Hashirama einen Kopf kürzer zu machen, suchte er rasch weiter. Beim nächsten Versuch fand er, was sie suchten, und ein beachtlicher Haufen Kunai erschien. »Siehst du.«

Tobirama nahm eine seiner deutlich kleineren Rollen und versiegelte seine Waffen darin. »Ich lass dich nie wieder an meine Sachen ran. Wer weiß, ob ich sie beim nächsten Mal wiederfinde.«

Hashirama griff nach dem Gunbai. »Ich mache mich dann mal auf den Weg. Ich nehme an, du willst mich ohnehin nicht im Weg haben, wenn du unsere Sachen entsiegelst.«

Tobirama packte ihn am Arm, bevor er gehen konnte, und sah ihn mit diesem Blick an, den er immer auflegte, wenn er Sachen von großer Wichtigkeit zu besprechen hatte. »Anija, nimm dich vor Madara in Acht.«

Hashirama sah ihn fragend an, aller brüderlicher Leichtsinn zwischen ihnen war vergessen. »Was meinst du damit?«

»Er ist nicht mehr derselbe Mann, den du einst zu kennen glaubtest. Ich weiß, du denkst, er sei dein Freund, ganz ungeachtet all der Jahre, in der ihr euch bis aufs Blut bekämpft habt. Aber da ist eine bodenlose Finsternis in ihm, die durch seine Augen scheint, und das macht ihn gefährlich. Er ist ein Uchiha, vergiss das nicht, dieser Clan war schon immer anfällig für die Dunkelheit. Und außerdem sehe ich, wie du ihm hinterher starrst. Schlag dir das schleunigst wieder aus dem Kopf.«

Das verschlug Hashirama für einen Moment die Sprache. Doch dann lächelte er. »Du machst dir zu viele Sorgen, otōto. Dafür besteht kein Anlass, glaub mir.«

Tobirama war natürlich nicht überzeugt. »Versuch zumindest, nicht allzu naiv zu sein. Bitte.«

»Ich bin erwachsen, schon vergessen?«

Tobirama murmelte etwas Unverständliches, ließ seinen Bruder dann aber gehen. Als er vor die Haustür trat, stellte Hashirama wieder einmal mit Freuden fest, dass sich allmählich so etwas wie eine Nachbarschaft herausbildete und ihr Haus nicht mehr das einzige war, das bereits fertiggestellt war. Die Straßenzüge des Dorfes wurden immer deutlicher und ließen immer mehr erkennen, wie es hier alsbald aussehen würde.

Auf seinem Weg zu dem Ort, der alsbald schon Madaras Heim sein würde, kam er an einem kleinen Haus vorbei, an dem fleißig gewerkelt wurde. Ungeachtet der Menschen, die sich an dem Haus zu schaffen machten und ein und aus gingen, stand eine alte Frau davor. Hashirama erkannte sie als eine vom Yamanaka-Clan, welcher vor kurzem zu ihnen gestoßen war. Sie hatten sich erstaunlich schnell eingefügt. Die Frau hatte mehrere Körbe voller Blumen bei sich, die sie soeben auf einer Bank vor dem Haus ausbreitete. Interessiert trat Hashirama näher.

Die Alte verbeugte sich vor ihm, als sie ihn bemerkte. »Verehrter Senju-sama.«

»Das sind hübsche Blumen, die Sie hier haben, Yamanaka-san«, sagte er anerkennend und beugte sich herab, um eine der Blumen genauer zu betrachten.

»Vielen Dank, Senju-sama«, sagte die Frau mit einer neuerlichen Verbeugung. »Ich pflücke sie immer in der Dämmerung, dann strahlen sie besonders schön. Solche Blüten kaufen die Leute am liebsten, das bringt ihnen die Morgenstunden in die Wohnungen. Shinobi sind immer so sehr damit beschäftigt, allen ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, dass sie oft die einfachen Freuden des Lebens vergessen. Darum verkaufe ich Blumen: um sie daran zu erinnern. Mein Name ist übrigens Yamanaka Ino.«

Nun war es an Hashirama, sich zu verbeugen. »Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft machen zu dürfen, Ino-san. Was halten Sie davon, wenn ich Ihnen einen schöneren Stand gebe als eine einfache Bank? Dann können Sie Ihre wunderschönen Blumen noch besser präsentieren und alle können sich an ihnen erfreuen.«

»Ach nicht doch. Ihr habt sicher wichtigeres zu tun, als einer alten Frau wie mir zu helfen, Senju-sama.«

»Aber nein! Den Leuten unseres Dorfes zu helfen, ist doch meine Aufgabe. Geben Sie mir nur einen Augenblick.« Hashirama faltete die Hände und formte sein Chakra. Im Nu spross ein Vorbau vor dem Haus aus dem Boden, der einen wesentlich besseren Verkaufsstand abgab als die Bank.

Ino rieb sich die alterstrüben Augen. »Du meine Güte«, sagte sie anerkennend. »Die Leute tuscheln über Euch hinter vorgehaltener Hand als den Dämon aus den Wäldern, der die Natur selbst zum Leben erwecken kann, um seine Feinde in Scharen zu erdrosseln. Hätte nicht gedacht, dass da wirklich so viel dran ist.«

Hashirama lachte verlegen auf. »Die Leute erzählen viel. Bestimmt ist mehr als die Hälfte davon maßlos übertrieben.«

Ino pflückte eine Blume aus einem der Körbe und reichte sie Hashirama. »Die ist für Euch, Senju-sama. Als kleiner Dank für Eure Hilfe und dass Ihr einer alten Frau ein Ohr leiht. Wisst Ihr, was das für eine Blume ist?«

Dankend nahm Hashirama sie entgegen und bewunderte das kräftige Rot, das sich von dem Weiß abhob. »Natürlich. Eine suisen.«

»So ein ansehnlicher junger Mann wie Ihr hat sicher viele Verehrerinnen. Das ist doch ein schönes Geschenk, nicht wahr? Hanakotoba sagt, dass die Narzisse für Freundschaft und Zuneigung steht. Wenn Ihr sie einem guten Freund schenkt, dann sagt Ihr ihm damit, dass Ihr stolz darauf seid, mit ihm befreundet zu sein.«

Natürlich musste Hashirama sogleich an Madara denken. »Ich danke Ihnen für diese freundliche Geste, Ino-san.«

Er verabschiedete sich von Ino und begab sich zu Madara. Vielleicht würde er ihm nur eine Kopfnuss verpassen und ihm nicht gleich den Kopf abreißen, wenn er ihm sein Gunbai zusammen mit der Blume gab.

Bei der Baustelle angekommen, musste er jedoch feststellen, dass Madara nicht anwesend war. Die Uchiha, die an dem Haus arbeiteten, sagten ihm, Madara sei in die umliegenden Wälder gegangen, um zu trainieren. Hashirama beschloss, dass es seiner Gesundheit zuträglicher wäre, den Fächer einfach hier zu lassen und selbst seinen Freund zu suchen. Er konnte sich schon denken, wo Madara war.

Der Fluss, wo sie früher Steine über das Wasser hatten hüpfen lassen, lag etwas außerhalb dessen, was einmal die Dorfgrenzen werden sollten. Irgendwie hatte es Hashirama nicht behagt, den Fluss in das Dorf zu integrieren und damit seinen Frieden zu stören. In all den Jahren hatte sich doch nichts an diesem Ort verändert. Es war Niemandsland, ein Gebiet, das die Clans in all ihren Konflikten immer ignoriert hatten. Madara und Hashirama waren damals aus demselben Grund zu diesem Fluss gekommen: um all dem Krieg und Elend zu entkommen. Er musste unwillkürlich lächeln, als er an all die schönen Stunden denken musste, die er hier mit seinem Freund verbracht hatte, als ihre Bekanntschaft noch ihr Geheimnis gewesen war, das nur ihnen allein gehört hatte.

Madara war jedoch entgegen seiner Erwartungen nicht hier anzutreffen und schien auch nicht in der Nähe zu sein. (Tobirama konnte sagen, was er wollte, aber so miserabel waren Hashiramas Sensor-Fähigkeiten dann doch nicht.)

Hashirama beschloss, hier auf Madara zu warten und die Gelegenheit zum Meditieren zu nutzen. In letzter Zeit passierte so viel, da fand er selten Ruhe. Eine Kiefer war so freundlich, ihm einen ihrer Äste anzubieten, auf dem er sitzen konnte. Dankend nahm er an. Er ließ sich im Lotussitz nieder und schloss die Augen. Dann fluteten seine Sinne die umliegenden Wälder.

Schon von frühen Kindesbeinen an hatte er eine tiefe Verbundenheit zu allem Leben um sich herum verspürt. Sein Vater hatte das zunächst als unnützen Unfug abgetan, der ihn von seinem Kampftraining ablenkte, doch als er etwa sechs Jahre alt gewesen war, wurde klar, dass doch mehr dahinter steckte. Weil sein Mokuton so einmalig war, wusste zunächst niemand so wirklich etwas damit anzufangen. Für Butsuma zählte vor allem, dass ihm seine Fähigkeiten einen unschätzbaren Vorteil im Kampf boten und ließ ihn hart trainieren, um seine Fähigkeiten auszubauen. Alsbald übertraf er all seine Altersgenossen.

Mokuton war pure Lebenskraft, ein Schlüssel zu der Energie, die alles durchdrang, Wasser, Erde und schlussendlich das Leben selbst. Irgendwer hatte Hashirama diesen Schlüssel anvertraut und damit auch ein tiefes Verständnis für die Natur um ihn herum.

Was dazu geführt hatte, dass Hashirama dieses einmalige kekkei genkai besaß, wusste keiner. Keiner seiner Brüder hatte jemals Anzeichen gezeigt, auch etwas von seinen Fähigkeiten zu besitzen. Tobirama mochte zwar ein Genie sein, aber auch er musste sich schlussendlich mit herkömmlichen Jutsus begnügen. Wer weiß, wenn Itama und Kawarama nur alt genug geworden wären … Aber das war müßiges Denken.

Hashirama lauschte auf den Pulsschlag der Natur. Beinahe schon automatisch ging er in den Eremiten Modus über, um seine Verbindung zu stärken. In Momenten wie diesen hörte er auf, ein Individuum zu sein.

So spürte er auch, dass Madara sich näherte, lange bevor er bei ihm war. Madara ließ sich elegant neben ihm auf dem Ast nieder. Hashirama öffnete seine Augen und sah, dass Madara fasziniert die roten Muster in seinem Gesicht mit seinem Sharingan betrachtete. Mit einem Mal setzte Hashiramas Herz einen Schlag aus ob dieser unerwarteten Aufmerksamkeit.

»Was ist das für ein sonderbares Chakra?«, wollte Madara wissen. »Seit wann besitzt du das?«

Hashirama blinzelte, um seine Gedanken zu sammeln und um sich nicht allzu sehr von Madaras Präsenz ablenken zu lassen. »Senjutsu«, brachte er schließlich hervor und löste ebenjenes auf. Die Meditation war vorüber. »Und wahrscheinlich habe ich es schon immer besessen, aber ich lernte es besser zu nutzen, als ich auch mein Mokuton meisterte. Das eine hängt mit dem anderen zusammen.«

Madara legte den Kopf schief und etwas an dieser Geste erinnerte sonderbar an einen Greifvogel. »Dieses besondere Chakra gibt dir zusätzliche Kräfte, wie mir scheint. Ich habe davon gehört. Also bist du zu den Kröten vom Berg Myōboku gegangen und hast von ihnen gelernt. Halt, warte. Waren es die Schlangen der Ryūchi Höhle? Oh nein, lass es bloß nicht die Schnecken vom Shikkotsu Wald sein, das ist eklig.«

Hashirama lachte auf. »Weder noch. Wie ich bereits sagte, wurde es mir gewissermaßen in die Wiege gelegt.«

Madara musterte ihn nachdenklich mit seinen Sharingan-Augen. »Du hättest mich damit schon viel früher besiegen können. Warum hast du es nicht getan?«

»Weil du mir keinen Anlass dazu gabst«, sagte Hashirama. »Ich meine, warum hätte ich das tun sollen? Ich hatte dich von Anfang an nie als meinen Feind bekämpfen wollen. Du weißt, dass ich nie etwas anderes als Frieden erreichen wollte. Was hätte es mir da also genützt, dich niederzuwerfen?«

Daraufhin schwieg Madara. Er wandte den Blick ab. Das Sharingan verschwand aus seinen Augen, als er nachdenklich den Fluss unter ihnen betrachtete. »Dann bist du also tatsächlich stärker als ich«, sagte er schließlich leise.

Hashirama fragte sich, woran Madara wohl gerade dachte. »Ich hab einen unfairen Vorteil, könnte man wohl sagen. Also zählt das nicht und wir sind gleichstark.«

»Das spielt doch jetzt eh keine Rolle mehr.«

Etwas an Madaras Ton machte Hashirama klar, dass Madara gerade nicht in der Stimmung für albernes Geschwätz war, also ließ er es bleiben. Gemeinsam schwiegen sie und beobachteten das vorbeiziehende Wasser.

Madara war es schließlich, der die Stille brach. »Hättest du Izuna wirklich heilen können?«

Hashirama brauchte kein Sharingan, um sich noch immer jedes einzelne Detail jenes einen Augenblicks in Erinnerung zu rufen. Wie sein Bruder durch Izuna schnitt wie durch Luft und ihn förmlich ausweidete. Das Blut, das einfach nicht aufhören wollte zu fließen. Die Angst in Izunas Augen, als ihm wohl bewusst geworden war, dass sein viel zu kurzes Leben beendet worden war. Die Panik, als Madara begriff, dass ihm auch sein letzter Bruder genommen worden war.

»Ja«, sagte er bedauernd. »Das hätte ich.«

Madara presste die Lippen aufeinander.

Izuna war stark gewesen und stur. Hashirama hatte angenommen, dass Izuna nicht sogleich an seinen Wunden sterben würde, sondern sich mit jedem bisschen, das er noch hatte, an sein Leben klammern würde. Es musste ein grausamer, langsamer Tod gewesen sein. Deswegen hatte er unmittelbar nach der Schlacht einen Waffenstillstand formuliert und Madara übermittelt. Er hatte ihn angeboten, ohne jegliche Bedingungen Izuna zu helfen. Es wäre schwer geworden, selbst für ihn, aber nicht unmöglich.

Leider hatte Madaras Antwort aus gestreckten Waffen bestanden. Er wusste nicht, was in der Zwischenzeit geschehen war, Madara hatte kein Wort darüber verloren. Nun, außer dem Moment, nachdem sie die Ältesten getroffen hatten. Hashirama drängte ihn auch nicht, denn ihm war bewusst, welch tiefes Trauma das bei seinem Freund hinterlassen haben musste. Aber wenn es so weit wäre, dass Madara sein Schweigen brach, dann würde er für ihn da sein.

Nach außen hin wirkte Madara so lässig, wie er sich immer gab, mit einem Arm über das Knie gelegt, während er dem Strom des Flusses folgte. Doch sein unruhiges Chakra verriet, was wirklich in ihm vor sich ging.

»Du bist nicht allein, Madara, vergiss das nicht«, sagte Hashirama deshalb.

»Das bringt mir meinen Bruder auch nicht mehr zurück.«

»Nein. Aber hast du dir erlaubt, ihn zu betrauern? Hast du auch nur einmal in den vergangenen Monaten deine wahren Gefühle gezeigt?«

»Wir sind keine kleinen, schwachen Kinder mehr, die dasitzen und heulen.«

»Der Verlust eines geliebten Menschen schlägt eine Wunde, die keine Salbe und kein Chakra der Welt heilen können. Aber Tränen können es. Hier ist niemand außer uns, hier sieht keiner, wenn du dich schwach gibst. Und wenn du willst, kann ich auch gehen und dich allein lassen. Aber glaub mir, das ist keine Schwäche, dich deiner Trauer zu stellen, sondern erfordert große Stärke.«

»Du Holzkopf«, murmelte Madara. Dennoch zog er die Knie an die Brust und schlang die Arme darum. Und dann endlich erlaubte er sich seine Tränen. Seine ganze Haltung wirkte angespannt, wie als würde er mit aller Macht versuchen, die Tränen zurückzuhalten, die sich in ihm angestaut hatten, aber es war vergebens. Es war, als würde er mit bloßen Händen gegen eine Flut ankämpfen. Er musste sie so sehr angestaut haben, dass sie ihn nun förmlich überrollten in ihrer Intensität, und er schien nicht wirklich gut damit umgehen zu können, wenn er noch immer versuchte, seine Trauer zurückzuhalten.

Hashirama rückte zu ihm auf und wollte ihm schon eine Hand auf die Schulter legen, ließ es dann aber bleiben, als er sich erinnerte, dass Madara Berührungen aus irgendeinem Grund nicht mochte. »So ist es gut«, sagte er stattdessen leise. »Lass los, dir kann nichts passieren.«

Madara weinte geschlagene zehn Minuten, und dass er so lange dafür brauchte, zeigte Hashirama, dass Madara noch immer nicht seine Gefühle loslassen konnte. Er hatte gelernt, dass der Körper Gefühle sehr gut selbst regulieren konnte, wenn man ihn nur ließ und nicht wie Madara trotzdem alles noch irgendwie zurückzuhalten versuchte. Aber gesund zu trauern war nichts, das Shinobi lernten. Nur ein Grund mehr, warum es gut war, dass sie nun endlich Frieden hatten schließen können.

Schließlich beruhigte Madara sich doch wieder. Er schniefte und wischte sich die letzten Tränen aus den Augen. Dann lehnte er sich zurück und sah zur Baumkrone auf. »Ich fühl mich beschissen.«

»Ich könnte dich in den Fluss werfen, das erfrischt«, schlug Hashirama vor.

»Das hast du schon mal versucht und es hat nicht funktioniert.«

»Stimmt. Wir sind beide reingefallen.«

»Halt die Klappe, baka

Hashiramas Antwort bestand in einem herzhaften Lachen. Dann erinnerte er sich jedoch endlich wieder des eigentlichen Grunds, warum er hierher gekommen war. »He, Madara, ich hab was für dich.«

Er fischte die Blume aus seiner Kleidung und reichte sie seinem Freund. Madara sah ihn nur mit gehobener Augenbraue an. »Aha. Eine Blume«, sagte er wenig beeindruckt.

»Ja! Eine Narzisse. Ich habe heute Yamanaka Ino kennengelernt, eine wirklich reizende alte Dame, die Blumen verkauft. Sie hat mir die hier gegeben und gesagt, dass sie ein hervorragendes Geschenk für einen Freund wäre. Sie sagte, wenn ich diese Blume verschenke, dann würde ich damit ausdrücken, wie stolz ich darauf bin, mit dir befreundet sein zu dürfen. Und ich meine, es stimmt auch. Ich bin wirklich sehr froh, dass du mein Freund bist.«

»Dein Freund …«, wiederholte Madara nachdenklich. Er nahm die Narzisse in die Hand und betrachtete sie lange. Ein Ausdruck, den Hashirama nicht wirklich deuten konnte, trat in seine Augen. »Denkst du wirklich, wir können einfach wieder so weiter machen wie früher? Als wäre nichts gewesen?«

»Nun, es war nicht nichts. Wir haben uns bekriegt und es waren schreckliche Kämpfe, das lässt sich nicht leugnen. Aber in all den Jahren habe ich auch fest daran geglaubt, dass wir wieder Freunde werden können. Ich habe mich geweigert, eine andere Wahrheit als dies anzuerkennen. Und du weißt doch, ich bin ein Holzkopf. Du schienst all das, was wir damals geteilt hatten, einfach so davon geworfen zu haben. Aber ich denke, dass du es eben doch nicht getan hast, dass dir unsere gemeinsame Zeit doch etwas bedeutet hast. Sonst hättest du mich nicht aufgehalten, als ich mich …«

»Nein, sag‘s nicht«, unterbrach Madara ihn. »Erinnere mich nicht mehr daran. Allein die Vorstellung, dass du … Nein.«

Daraufhin verfielen sie in Schweigen. Madara hielt die Narzisse zwischen seinen Fingern und schien über Hashiramas Worte nachzudenken. Hashirama betrachtete seinen Freund und mit einem Male war es ihm, als würde er ihn das erste Mal wirklich sehen. Man lernte viel übereinander, wenn man dutzende Duelle ausfocht, aber ein Mensch hatte doch so viele Facetten mehr. Das Leben bestand nicht nur aus Kampf und Krieg und Tod.

Madara war blass, beinahe ungesund, und seine rabenschwarzen Haare bildeten einen starken Kontrast dazu, der das nur noch unterstrich. Hashirama waren bei ihrem Besuch im onsen auch nicht die zahlreichen schlecht verheilten Narben entgangen, die Madaras Körper bedeckten. Madara vermied Körperkontakt und wahrscheinlich war das der Grund, warum seine Wunden und damit auch seine Leberverletzung nur selten angemessen behandelt worden waren. Narbengewebe zu heilen, war nahezu unmöglich und das betrübte Hashirama nur umso mehr, weil er wusste, dass er derjenige war, der all das Madara angetan hatte.

Eine sanfte Brise ließ das Laub der Bäume rascheln. Das Sonnenlicht warf smaragdene Schatten, die auf Madaras scharf geschnittenen Zügen tanzten. Ob seine Haut wohl so weich war, wie sie aussah? Seine Lippen, über die sonst nur tödliches Feuer und scharfe Worte kamen, so samten, wie sie versprachen?

Mit einem Mal erinnerte sich Hashirama der Worte seines Bruders früher an diesem Morgen. Mit wild pochendem Herzen riss er den Blick los. Seine Ohren brannten. Er räusperte sich verlegen. »Ähm, Madara, da gibt‘s noch eine Sache, die ich dir sagen wollte, weshalb ich dich eigentlich suchen kam. Warum warst du eigentlich allein im Wald?«

»Weil ich allein sein wollte«, betonte Madara. Er klang genervt, aber das war sein Grundzustand, weshalb Hashirama schon lange darüber hinweg hörte. »Und deswegen kam ich auch nicht hierher, weil ich genau wusste, dass du mich hier suchen würdest. Du bist wie eine Klette. Also raus mit der Sprache, was gibt‘s?«

»Aber du musst mir versprechen, mir nicht den Kopf abzureißen.«

»Der wächst doch eh wieder nach. Dich kriegt man nicht tot, genau wie Unkraut.«

»Nun, eventuell hab ich was gefunden, das dir gehört. Dein Gunbai, um genau zu sein. Keine Ahnung, wie das in meine Sachen gekommen ist.« Hashirama lachte nervös auf.

»Du hast was?!«, explodierte Madara. »Wieso kommt das überhaupt zu dir? Hä? Was fällt dir ein!«

»Keine Ahnung, wie das passieren konnte.« Hashirama hob abwehrend die Hände. »Tobiramas Kunai haben wir auch bei mir gefunden. Ich hab‘s dir schon zu deinem Haus gebracht, also kein Grund zur Sorge.«

»Du lässt in Zukunft gefälligst die Finger von meinen Sachen, kapiert!« Madara holte mit der Faust aus.

Ihr Gerangel endete natürlich damit, dass sie beide in den Fluss fielen.

Nope, niemand ist gay, auf gaaaaar keinen Fall *pfeif* (Was tatsächlich in Hashiramas Fall stimmt, hier ist er nämlich pansexuell.) Nächstes Kapitel wird sad :c Izunas letzte Momente.

Autorennotiz

Ab 18 gerated für genau eine (1) explizite Szene ziemlich am Ende. Die meiste Zeit bewegt der Text sich zwischen 12 und 16. Updates jeden Sonntag
Kleine Playlist für die Fic: open.spotify.com/playlist/5LLBh7xE3M8Aua5ZuJpce9?si=U36FFAp5R7qskXmI9M25eA

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Wintergeists Profilbild
Wintergeist Am 21.03.2021 um 19:31 Uhr Mit 2. Kapitel verknüpft
> Hashirama hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst ein wenig nachzuhelfen und gleich noch einige blühende Kirschbäume wachsen zu lassen.

Verdammter Angeber, bin Fan! :D

> »Wenn ich dich hätte vergiften wollen, hätte ich bereits zahlreiche Gelegenheiten dafür gehabt, die nicht beinhalten, gutes Essen daran zu verschwenden«, erinnerte er.

Prioritäten auch im Griff 11/10!

Also keine Ahnung, was da abgeht, dass die die ganzen Hochzeitssachen vor ... Außenstehenden besprechen, aber ich mag die Situationen, die sich daraus ergeben sehr,

> »Bild‘ dir bloß nichts drauf ein. Wahrscheinlich hast du ohnehin nur Holz da oben.«
> »Das kann ich bestätigen«, grummelte Tobirama. »Ein Fest für Holzwürmer.«

TOLL, sie haben Gemeinsamkeiten! Ich lachte tatsächlich ein wenig, aber Brüder/Absolut-gar-nicht-BFs zu mobben ist halt eine gute Basis für eine freundliche Beziehungsbasis zueinander :D

Finde die Charakterisierung sehr nice, auch wenn ich natürlich das Ausgangsmaterial nicht kenne *hust*
Aber 's passt schon so!
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Elenyafinwe
M
(Autor)
Am 22.03.2021 um 22:26 Uhr
Hashirama ist casual Angeber, das wird noch schlimmer xP Zumal er sich dessen nicht mal bewusst ist, hehehehe.
Und klar! Man verschwendet Sushi nicht! Ist Gesetz. (Was Madara auch so sieht.)
Ohhh, dass dich da mal nicht täuschen. Die einzige Beziehung, die Tobirama und Madara haben, ist purer Hass. Aber es ist beidseitig. Immerhin. Stell dir mal vor, der eine müsste ganz allein den anderen hassen, ohne zurückgehasst zu werden. Ist schon tragisch :c Nee, im Ernst. Tobirama ist derjenige, der Madaras kleinen Bruder getötet hat, falls du das im Manga/Anime noch nicht mitbekommen haben solltest. Und Izuna hat die Welt bedeutet für Madara, so ... well, shit :D
lg
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Wintergeist Am 21.03.2021 um 17:57 Uhr Mit 1. Kapitel verknüpft
Wäre dieses Feedback ein Emoji, würde er diese rausploppenden Herzchenaugen haben.
Bin großer Fan der leichten, aber nicht cringigen Awkwardness zwischen den Beiden und der trotzdem relativ entspannten Stimmung, wissend, dass da noch ordentlich Drama folgen wird. :D

Bin jetzt schon Fan!
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Elenyafinwe
M
(Autor)
Am 21.03.2021 um 18:11 Uhr
Ja! Die sind einfach soooo cute als Teenager! Ich geh kaputt! *-*
Und wenn Madara eins ist, dann ne fucking Dramaqueen.
Hoffe, dir gefällt auch der Rest ^^
lg

Autor

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Kapitel:6
Sätze:1.522
Wörter:20.289
Zeichen:120.887

Kurzbeschreibung

Ein Handschlag. Mehr bedarf es nicht, um den Frieden zwischen den Senju und Uchiha zu beschließen. Hashirama und Madara sind endlich in der Lage, den Generationen übergreifenden Zwist zwischen ihren Clans beizulegen und ihren lang gehegten Traum eines Shinobidorfs zu verwirklichen. Doch alte Feindschaften lassen sich nicht so leicht vergessen und eine neue Welt erschafft sich nicht aus dem Nichts. [HashiMada]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Slow Burn, Longfiction, canon aware, Psychische Krankheit(en), Trauma, Liebe, Liebesdreieck, Freundschaft, Schmerz und Trost und Happy End getaggt.

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