Storys > Rezensionen > Kultur, Kunst, Literatur > Bücher im Drachenfeuer der Rezension

Bücher im Drachenfeuer der Rezension

607
2
9.12.2017 18:27
6 Ab 6 Jahren
In Arbeit



„When you play the game of thrones, you win or you die“, sagte Cersei Lannister zu Eddard Stark, und es ist der wohl bezeichnendste Spruch der gesamten Reihe. Westeros und seine Sieben Königslande stehen im ständigen Konflikt miteinander, jeder Fürst spinnt seine eigenen Intrigen und spielt das Spiel der Throne nach seinen Regeln. Verlieren ist gleichzusetzen mit dem eigenen Untergang.

Das muss auch die Stark-Familie schmerzlich am eigenen Leib erfahren, als sie sie die Lannisters ihrer gerechten Strafe für den versuchten Mord an ihrem Sohn Bran zuführen wollen. Zudem findet Eddard Stark, Fürst von Winterfell, ein dunkles Geheimnis über die Zwillingsgeschwister Cersei und Jaime Lannister heraus und gerät damit zusätzlich in den Sog der Machenschaften der Lannisters. Gleichzeitig ist in Übersee Viserys Targaryen nichts zu teuer, um den Eisernen Thron zurückzugewinnen, dessen rechtmäßiger Erbe er ist und das ihm von Robert Baratheon und Eddard Stark genommen worden war. Er lässt nichts unversucht, und wenn der Preis auch die Freiheit seiner Schwester Daenerys ist.

Wie kaum ein anderer versteht sich Martin darauf, seine Welt zu entwickeln, als sei es das Natürlichste der Welt. Er erklärt wenig, vielmehr entfaltet sich alles durch die Charaktere selbst, etwas, das nur wenige so gut beherrschen wie er.

Man muss kontinuierlich am Ball bleiben, um all die Häuser, ihre Gefolgschaft und ihre Beziehungen zueinander im Blick zu behalten. Ein Glossar am Ende des Buches ist vor allem beim ersten Lesen dabei behilflich. Gerade die Komplexität macht jedoch den Reiz der Reihe aus. Martin kennt seine Charaktere bis ins letzte Detail, jede ihrer Handlungen ruft in den anderen Charakteren ganz individuelle Reaktionen hervor. Was zu Beginn ein rollendes Steinchen war, ist am Ende eine donnernde Lawine. Besonders deswegen lohnt es sich, die Reihe nicht nur einmal zu lesen, sondern sie auch später noch einmal aus dem Regal zu nehmen. Ist man beim ersten Mal noch damit beschäftigt, die ganzen Namen zu sortieren, kann man schon beim neuerlichen Lesen die Tiefe der Welt deutlich mehr genießen.

Und nicht zu vergessen, all die wunderbaren Zitate und großen Momente. Martin versteht es meisterlich, beeindruckende Szenerien zu errichten, sowie sie ebenso beeindruckend wieder zum Einsturz zu bringen. Auch die emotionalen Berg- und Talfahrten, die der Leser erfährt, dürften nicht übergangen werden. Entweder man hasst Martins Charaktere – und er kann wirklich hassenswerte Charaktere entwickeln – oder man liebt sie, egal, was für Scheusale sie eigentlich sind. Wie selten bei einem Buch fiebert man mit, bangt, hofft (meist um sonst), weint und flucht man mit den Charakteren. George R.R. Martin ist gnadenlos mit ihnen – und seinen Lesern.

Wer Fantasy liebt, kommt um A Song of Ice and Fire nicht herum. Allerdings sollte man sich beim ersten Lesen auf die unzähligen Namen und ihre Beziehungen zueinander einstellen. Komplexe Welten sind oft für ein erstes Lesen nicht unbedingt leserfreundlich. Ist man darüber hinweg, lohnt sich eine Lektüre aber auf jeden Fall und lässt einen bis zur letzten Seite nicht mehr los.



Daten
A Game of Thrones, A Song of Ice and Fire #1: ISBN 978-0-553-57340-4 , Bantam Books, 2011, 7,40€



Erwartungen sind alles bei „Königin im Exil“ (Original Dangerous Women), herausgegeben von George R.R. Martin und Gardner Dozois. Versprochen werden im Vorwort von Dozois Powerfrauen und Amazonen und keine zarten Prinzessinnen und schmachtende Hausfrauen. Hier erschlägt die Prinzessin selbst den Drachen und zeigt dem Prinzen, wer hier die Hosen anhat. Die üblichen Genderklischees der schwachen Frau, die sich bereitwillig von ihrer großen Liebe unterbuttern lässt, sollen hier nicht bedient werden.

„Königin im Exil“ ist eine Anthologie mit insgesamt 21 Kurzgeschichten und Novellen quer durch alle Genres. Belletristik, Historik, Mystery, Fantasy, Science-Fiction. Es finden sich hier viele bekannte Namen wie Brandon Sanderson, Diana Gabaldon und Joe Abercrombie. Die meisten von ihnen brachten Kurzgeschichten in den Universen ihrer bekannten und erfolgreichen Reihen heraus, so auch Martin, welcher eine weitere Geschichte aus Westeros abliefert, Sanderson mit einem Text aus dem Cosmere und Gabaldon mit der Vorgeschichte ihrer Highlander-Saga.

Gardner Dozois hat keinen Text in dem Werk, schrieb dafür aber das Vorwort und stellt vor jeder Kurzgeschichte den Autoren vor. Im Vorwort werden die Autoren in höchsten Tönen gelobt und hohe Erwartungen stellen sich alsbald ein. Alle Werke seien von Weltklasse, das Ungewöhnliche, das noch nie Dagewesene sei zu erwarten, Frauen die austeilen können und ihre männlichen Bundesgenossen dagegen alt aussehen lassen.

Die meisten der Texte sind für sich genommen gar nicht so übel. Es gibt teils deutliche Ausrutscher sowohl nach oben als auch nach unten, wie es bei einer Anthologie zu erwarten ist. Die breite Masse ist jedoch eher mittelmäßig. Annehmbar also, nett für ein bisschen Unterhaltung zwischendurch. Betrachtet man viele dieser Texte genauer und stellt sie vor allem in den Kontext der Anthologie, gefährliche Frauen, dann sieht die Sache schon anders aus.

Erwartungsgemäß war Brandon Sandersons Werk „Schatten für Stille in den Waldungen der Hölle“ herausragend. Allein der Titel ist ein Kunstwerk für sich! Er trifft den Inhalt des Textes exakt und ist doch so außergewöhnlich, dass schon allein das neugierig macht, was er damit wohl ausdrücken will.

Auch Diana Gabaldons Text „Unschuldsengel“ hatte Konsistenz, wenn auch mit einigen kleinen stilistischen Schnitzern, die allerdings bei weitem nicht so sehr ins Gewicht fielen wie bei manch anderem Text.

Eine kleine angenehme Neuentdeckung war „Nachbarn“ von Megan Lindholm, ein Text, der am ehesten noch der Mystery zuzuordnen ist. Die schon etwas reifere Dame Sarah macht sich Sorgen um ihre spurlos verschwundene Nachbarin. Diese wird nie gefunden und schon bald hat die amerikanische Kleinstadt den Fall auch vergessen. Nur Sarah lässt es keine Ruhe. Währenddessen macht sich ihr Sohn Sorgen um sie, dass sie zu alt wird, ihr Haus alleine zu bewirtschaften, und beginnt nach einem geeigneten Altersheim für seine Mutter zu suchen. Dieser gleitet ihr Leben immer mehr aus den Händen, als sie entdeckt, dass der Nebel, der manchmal vor ihrem Haus aufzieht, anscheinend ein Fenster zu einer anderen Welt ist.

Manche der Texte hatten die Eigenschaft, durchaus interessant zu sein, wenn auch nicht im Sinne der Anthologie. Der Science-Fiction-Text „Die Hände, die nicht da sind“ von Melinda Snodgrass ist so ein Fall. In diesem geht es um einen hochrangigen Beamten, der von einer Dame erst verführt und dann entführt wurde. In dieser Entführung wurde er in ein künstliches Koma versetzt und erhielt dann unfreiwillig ein völlig anderes Aussehen. Jemand anderes nahm seinen Platz in der Politik ein. All das erfolgte so täuschend echt, dass niemand den Wechsel bemerkte. Er zieht nun durch die Galaxis und erzählt allen seine Geschichte, doch anscheinend glaubt niemand ihm. Die in der Tat gefährliche Frau, die den Herrn verführte und den Doppelgänger einschleuste, wird dabei eher flach und uninteressant gezeichnet. Viel mehr reizt es zu erfahren, was aus dem politischen Komplott geworden wäre. Das war nebst Sandersons Geschichte der einzige Text, wo ich mir gewünscht hätte, mehr zu erfahren, während alle anderen zumeist in sich geschlossen waren.

Und dann gibt es noch die Machwerke, bei denen man das Buch am liebsten verbrannt hätte. „Ringen mit Jesus“ von Joe R. Lansdale war solch ein Werk. Die Handlung: Zwei gut achtzigjährige Ringer kämpfen seit Jahr und Tag um ein und dieselbe angeblich bildhübsche Frau. Ebenjene ist, gelinde gesagt, eine oberflächliche Nutte, die nur mit demjenigen ins Bett geht, der den Kampf gewinnt. Dabei wird mit unflätigen Schimpfwörtern und grausamen Metaphern leider nicht gegeizt. Von einer gefährlichen Frau ist hier weit und breit nichts zu sehen.

Das gleiche in „Ich weiß, wie man sie rauspickt“ von Lawerence Block. Handlung: Mann reißt Frau in der Bar auf, legt sie flach und ermordet sie am Ende. Tatsächlich: Mehr umspannt die Handlung nicht. Es handelt sich hier mehr oder weniger um einen Porno, der durch gelegentliche Rückblenden unterbrochen wird. In diesen Rückblenden klagt die Dame abwechselnd darüber, dass ihre Ehe unglücklich sei, und ihr Lover denkt über seine Vergangenheit nach. In der sich alles um Sex zu drehen scheint. Er bietet ihr im Laufe des Abends an, ihren Mann für sie zu ermorden, sodass sie beide glücklich miteinander zusammen sein können. Das Ende ist, wie gesagt, ihr Tod, der ihn augenscheinlich äußerst erregt. Mit einer gefährlichen Frau ist hier absolut nichts.

Darüber hinaus gibt es noch einige Texte, die mit diversen Stilschnitzern daher kommen. Der titelgebende Text von Sharon Kay Penman hat am Ende sogar eine Anmerkung der Autorin, in der sie erklären muss, warum ihre Protagonistin eine gefährliche Frau ist, und dabei nicht einmal sonderlich überzeugend argumentiert. Der Text selbst ist eine lose Aneinanderreihung von Ereignissen, die in keinem wirklichen Zusammenhang stehen.

Alles in allem ist das Lesegefühl eher durchwachsen. Man wird seine Lieblinge haben, aber auch seine hassenswerten Exemplare. Dennoch wird für viele mehr als nur ein lesenswerter Text dabei sein. Für Fans der in diesem Werk erschienen Autoren ist es also eine Überlegung wert. Notfalls kann man die schlechten Texte immer noch überblättern und hat nichts verpasst.




Daten
Königin im Exil, Orig. Dangerous Women:  ISBN 978-3-7341-6012-7 , blanvalet 2015, 1115 Seiten, 16,99€


Das letzte Einhorn ist ein zeitloser Klassiker unter den Fantasybüchern. Das Märchen um das Einhorn, das seine Freunde sucht, hat zahlreiche Adaptionen in den verschiedensten Medien erfahren und ist damit Jung und Alt ein Begriff.

Mehr durch Zufall erfährt das Einhorn, dass es das letzte auf der Welt ist. Es beschließt, seinen Wald zu verlassen und sich auf die Suche nach seinen Brüdern und Schwestern zu machen. Dabei stehen ihm der Zauberer Schmendrick und die Räuberbraut Molly Grue zur Seite. Gemeinsam wagen sie sich bis zum Schloss des finsteren Königs Haggart vor, zu dem die Spur der Einhörner führt.

Schon vom ersten Satz an spürt man die Magie, die dieser wunderbaren Geschichte von Peter S. Beagle innewohnt. Er schreibt eine bezaubernde Geschichte über Treue, Freundschaft und vor allem auch Liebe, die alle Grenzen überwinden kann, all das verwoben in eindrucksvollen Wortbildern. Der Autor vermag es wie kaum ein anderer, aus seinen Worten intensive Bilder zu erschaffen. Da ist zum einen die überirdische Schönheit und der Frieden, die das Einhorn umgeben, und die im Leser das unstillbare Verlangen nach all dem erweckt, für das das Einhorn steht. Auf der anderen Seite steht das trostlose Hagsgate und vor allem König Haggarts Schloss, alles tot und leblos und ohne Freuden. Dem scheinbar so grazilen Einhorn steht der Rote Stier gegenüber, ein teuflischer Dämon, der für all das Schlechte in der Welt steht, Bosheit und Habgier und Egoismus.

Mit der Hilfe Schmendricks des Zauberers und der Räuberbraut Molly Grue zieht das letzte Einhorn der Welt aus, um seine Gefährten zu finden und dabei über sich hinaus zu wachsen und mehr zu werden als „nur“ ein Einhorn. Auch Schmendrick und Molly Grue und auch Prinz Lír werden dabei zu mehr, als sie zu Beginn ihres Abenteuers waren. Alle können und werden sie viel voneinander lernen, in erster Linie Liebe, Treue und Selbstlosigkeit. Auch der Leser kann mehr daraus mitnehmen als ein wenig Ruhe und Frieden von dem hektischen Alltag.

Nicht nur, wer Fantasy und Märchen liebt, wird nicht um das letzte Einhorn herum kommen.





Daten
Das letzte Einhorn Und: Zwei Herzen, Orig. The Last Unicorn & Two Hearts: ISBN 978-3-608-93920-0 , Hobbit Presse Klett-Cotta, 2012, 14,95€


Sie werden als die Fantasy-Sensation des Jahres gefeiert: Bereits mit „Orks vs. Zwerge“ betrat das Autorenduo Tom und Stephan Orgel die deutsche Phantastik-Bühne. Nun machen sie mit den Blausteinkriegen, dem Auftakt ihrer neuen Reihe, erneut auf sich aufmerksam.

Einst war Berun ein mächtiges Kaiserreich. Die „Löwen von Berun“ nennt man seine Kaiser, die mit ihrem schlagkräftigen Heer eine Eroberung nach der anderen verzeichnen können. Magie, gewirkt durch die sogenannten Blausteine, betrachten die Beruner als verachtenswert, den Glauben an die Götter haben sie untersagt. Das schafft natürlich auch Feinde. Als sich der neue Kaiser nicht zuletzt durch Intrigen in den eigenen Reihen als schwach erweist, wittern sie ihre Chance und setzen zum Gegenschlag an. 

Leider hält die „Sensation“ nicht ganz, was sie verspricht. Die ersten Kapitel stellen einen interessanten Einstieg in die Handlung und in die Welt dar und machen neugierig auf das, was die Orgel-Brüder erschufen. Das Magiesystem wirkt interessant und kreativ, Potenzial für Konflikte ist da. Allein schon der religiöse Aspekt eröffnet dabei allerhand Möglichkeiten. Das eindeutig weltlich veranlagte Berun hat den Glauben an die alten Götter abgeschafft und das Wirken von Magie als abnormal eingestuft. Freilich stößt das vor allem unter den eroberten Völkern auf Widerwillen, die dadurch durch den Usurpator ihre eigene Kultur bedroht sehen.

Leider bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück. Nicht zuletzt die namensgebenden Blausteine kommen dabei zu kurz. Magie spielt nur eine nebengeordnete Rolle, sodass der Leser lediglich einen oberflächlichen Eindruck von ihrer Wirkungsweise und ihren Möglichkeiten erfährt.

Nach einem anfänglich interessanten Einstieg flacht die Handlung ab und dümpelt gemächlich vor sich hin. Erst gegen Ende hin steigert sich die Spannung wieder. Die Handlung wird jedoch mit einem interessanten Cliffhanger abgeschlossen, der durchaus neugierig auf den Folgeband macht sowie Hoffnung erzeugt, dass sich Teil 2 als spannender erweist.

Peinlicherweise lassen sich auch einige formale Fehler ausmachen. So wechselt in den ersten Kapiteln die Anrede des sonst üblichen „Ihr“ auf das „Sie“, ohne dass ein tieferer Sinn darin erkenntlich wird. An anderer Stelle werden Wälder südlich der Stadt Tiburone erwähnt, obwohl auf der Karte ersichtlich wird, dass da nur Meer ist.

Die Blausteinkriege sind leichte, nicht gerade anspruchsvolle Kost. Wer nicht allzu viel von diesem Roman erwartet, wird abends beim Einschlafen gute Unterhaltung finden. Ansonsten hat er wenig verpasst. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Folgebände zeigen.

Ich danke Heyne für das Rezensionsexemplar.


Daten
Das Erbe von Berun, Die Blausteinkriege 1: ISBN 978-3-453-31608-1-, Heyne 2015, 14,99€
 


„Da wir die Autoren sind, wissen wir, dass sich Marten in ziemlich große Scheiße manövriert.“ Tom Orgel hat im Grunde in diesem einen Satz „Die Blausteinkriege“ zusammengefasst. Zusammen mit seinem Bruder Stephan haben die Beiden unter dem Pseudonym T.S. Orgel über den Verfall des einst mächtigen Kaiserreiches Berun geschrieben und sich dabei nach Leibeskräften bemüht, die Charaktere des jeweils Anderen in die größtmöglichen Schwierigkeiten zu bringen.

Gelassen sitzen die Brüder auf der Leseinsel Fantasy und präsentieren ihren Roman. Sie lesen abwechselnd mit verteilten Rollen, ebenso, wie sie auch ihr Buch gemeinsam geschrieben haben. Besonders Tom Orgel tut sich dabei hervor. Er weiß sehr gut mit seiner Stimme umzugehen und scheut sich auch nicht, das Gelesene mit vollem Körpereinsatz zu untermalen. Es gelingt ihm, die vorgestellten Szenen vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen zu lassen und ihrer Welt Leben einzuhauchen. Auch sein Bruder gibt sein Bestes, und es ist in der Tat genug, dass man sich wünscht, es gäbe ein Hörbuch, das von den Autoren selbst eingesprochen wurde.

Die Zuschauermenge ist zunächst überschaubar. Doch angelockt von den Lesekünsten der Autoren finden sich bald immer mehr Leute ein. Gebannt lauschen sie dem Vortrag und lassen sich bereitwillig nach Berun entführen. Alle? Nicht ganz. Der eine oder andere ist doch dabei zu ertappen, wie er an seinem Smartphone herumspielt. Eine Mutter verteilt Schokobons an ihre Kinder, eine süße Versuchung, die für einen kleinen Moment die Aufmerksamkeit weg von den Autoren zu locken vermag.

Das Brüderpaar liest sicher, nicht einmal die Schokobons können sie imponieren – eine beeindruckende Leistung! Gelegentlich blickt Tom Orgel auf und schaut ernst in die Runde. Doch er kann sich sicher sein: Süßigkeiten werden ihnen die meisten Zuhörer nicht streitig machen können.

Die beiden Textstellen wurden von den Autoren sehr gut ausgewählt. Sie führen zwei der Hauptcharaktere ein und geben einen Ausblick auf das, was dem Leser im Buch erwartet. Den Zuhörern wird somit eine appetitanregende Kostprobe auf den Auftakt der Trilogie gegeben.

Im Anschluss folgt die Signierstunde, bei der alle auf ihre Kosten kommen. Nebst Signaturen und individuellen Sätzchen in die Bücher gibt es auch für jeden, der es wünscht, ein kleines Gespräch. Die beiden Brüder sind offen und zu Scherzen aufgelegt, nachdem sie noch während der Lesung sehr ernst wirkten.

Wer genau hinhört, erfährt, dass Tom und Stephan Orgel noch gar nicht so lange mit verteilten Rollen lesen. Sie haben gerade erst angefangen, es einzuüben, verraten sie. Eines ist jedoch sicher: Dass sie noch dabei sind, sich darin zu erproben, merkt man definitiv nicht. Die Lesung ist ihnen in jedem Fall gelungen!



Daten
Die Veranstaltung: Tom und Stephan Orgel lesen aus Das Erbe von Berun –  Die Blausteinkriege 1, Moderation: Richard Haxel, 20.3.2016, 11.00 Uhr, Leseinsel Fantasy, Messegelände
Das Buch: T.S. Orgel: Das Erbe von Berun –  Die Blausteinkriege 1. Heyne, München 2015, 604 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 11,99 Euro
 


Auch Götter können sterben, die Reisenden haben das vor vielen Generationen in Berun bewiesen. Doch mitunter sterben selbst Götter nicht für die Ewigkeit. Dem Kaiserreich Berun stehen im zweiten Teil der »Blausteinkriege« des Autorenduos T.S. Orgel stürmische Zeiten bevor. 

Die Götter Beruns sind totgeglaubt, Magie, ermöglicht durch den Blaustein, im Kaiserreich verboten. Doch selbiges erweist sich als schwach, der Kaiser ist nur eine Marionette fremder Mächte. Das lockt die Feinde Beruns auf den Plan, die die Stärke des Kaiserreiches testen. Unbemerkt von ihnen allen droht eine neue, fremdartige Gefahr aus dem Süden: Zwei sonderbare Schiffe werden vor den Küsten Beruns gesichtet, und mit ihnen wird eine Zeit der Veränderungen eingeläutet.

Zugegeben fällt es mir schwer, das, was mich beim Lesen mehr oder weniger bei Laune hielt, auch in wirklich greifbare Worte zu fassen. Es sind weniger bestimmte Details, die mir gefielen, als eher die Grundstimmung. Auf der anderen Seite fällt es mir nämlich sehr wohl leicht zu sagen, was mir nicht so gut gefiel. Ich hatte mich schon beim ersten Teil etwas schwer getan, meine Gedanken zum Buch in angemessene Worte zu fassen, der Trend setzt sich hier fort.

Es gibt so einige Punkte, die mir nicht ganz so gut gefielen. Trotz allem hatte mir das Lesen eine gewisse Freude bereitet und war nicht allzu langweilig. Zu einem kleinen Teil liegt das auf jeden Fall daran, dass die Autoren sich nicht zu schade waren, gewisse Anspielungen auf andere Franchises im Buch zu verstecken. Ohne gezielt danach gesucht zu haben, konnte ich Anspielungen auf A Song of Ice and Fire/Game of Thrones, den Herrn der Ringe und Fallout ausmachen. Der Großteil dessen, was mir am Buch gefiel, fällt jedoch auf eine, nennen wir es, Metaebene. Der Grundton der Handlung sagte mir schlicht im Großen und Ganzen zu, ohne dass ich es konkret an irgendetwas festmachen könnte. Außerdem erinnerte mich das Motiv der getöteten und vielleicht wiederkehrenden Götter an die ausgesprochen gelungene Oblivion Total Coversion Mod »Nehrim«, das halte ich aber im Gegenzug zu den anderen Anspielungen für Zufall.

Was man auf jeden Fall festhalten muss, ist die gute Zusammenarbeit der beiden Autoren. Es verhält sich so, dass jeder der beiden Autoren, ähnlich wie in einem Foren-RPG, ein Charakterinventar besitzt, aus dessen Sicht er seine Kapitel schreibt. Dieses Vorgehen harmoniert wunderbar miteinander, sodass man als Leser, wenn man nicht gerade die Muse hat, eine genaue Literaturanalyse durchzuführen, keinen Unterschied feststellen kann.

Trotzdem: Das gewisse Etwas fehlt der Reihe einfach bisher, dieses Etwas, das mich an die Seiten fesselt und mich mit den Figuren und vielleicht auch um sie bangen lässt. Die Lektüre war eher seichtes Popcornkino, von dem man sich berieseln lässt, das einen aber nicht mitreißt.

Ich persönlich hatte auch Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden, obwohl im Laufe der Handlungen dann doch ein paar Erinnerungen wiederkamen. Leider war das arg knappe Glossar da keine große Hilfe. Zum einen konnte ich mich schon im ersten Teil nicht gut in die Welt einfinden, dessen Lektüre für mich bereits ein gutes halbes Jahr zurückliegt. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass ich schlicht keinen Draht zu den Figuren hatte. Sie erschienen mir eher Mittel zum Zweck, damit irgendwelche beliebig austauschbaren Personen zufällig gerade in der Nähe der Ereignisse sein können, welche verborgen vor allen anderen im Untergrund Beruns von statten gehen und vielleicht im dritten Teil plötzlich und für das Kaiserreich scheinbar aus dem Nichts auftauchen werden. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die meisten Charaktere sich eigentlich nur im Namen und ein zwei Hintergründen voneinander unterscheiden, was natürlich ein negatives Gefühl der Beliebigkeit erzeugt.

Auch nach dem zweiten Teil weiß ich nicht genau, was genau mich eigentlich dazu anhält, doch auf die Fortsetzung neugierig zu sein. Diese Reihe ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, aber auch nicht die allerschlechteste. Sie hat etwas an sich, das den Leser doch mehr oder weniger bei Laune hält, doch auch einiges, das Makel auf dem Bild hinterlässt.
  

Daten
Sturm aus dem Süden (Die Blausteinkriege 2): ISBN 978-3-453-31706-2 , Heyne, 2016, 14,99€


Es hätte ein Fest für alle Sinne werden sollen. Ja, sollen. Die Realität bestand leider aus seltsamen Herumgefuchtel hinter dem Moderator Richard Haxel, um die angepriesenen Kampfsportfähigkeiten zu untermalen, Technik, die nicht mitspielt, und einem seltsamen Buchtrailer. Die äußerst … motivierte Autorin und ihren Verleger nicht zu vergessen.

Die Rede ist von Sigrid Kraft, die gemeinsam mit ihrem Verleger Tobias Fahnauer aus dem dritten Band ihrer Ardeen-Reihe, „Nimrod“, vorliest. Nun: vorlesen lässt. Sie selbst hält sich während der Lesung vornehm zurück und gibt ihrem Verleger den Vortritt. Warum, das bleibt dem geneigten Messebesucher schleierhaft. Erst ein Post auf ihrer Facebook-Seite verrät mehr: „weil eine männliche Stimme besser zu den Charakteren passt als eine weibliche.“

Und was machen dann weibliche Hörbuchsprecher, die männliche Charaktere einlesen? Oder umgekehrt? Sicher haben sie bisher alles falsch gemacht!

Ein Trailer soll die Zuschauer locken und neugierig auf das nun Kommende machen. Wieder: Soll, denn die Technik macht nicht, was man von ihr will. Etwas verzweifelt steht die Autorin vor dem wartenden Publikum und redet über ihre Welt, während sie darauf wartet, dass zu dem Bild auch der Ton kommt. Vorführeffekt …

Der Moderator Richard Haxel hat es sehr gut in Worte gefasst: Buchtrailer mögen zwar immer beliebter werden, aber für eine Lesung sind sie denkbar ungeeignet.

In der Tat lockt der Trailer diverse Messebesucher an, die stehenbleiben, um dem Getöse zu lauschen. Sie drehen allerdings samt und sonders rasch wieder ab. Wirklich fesseln können die bunten Bilder mit den Hobbyanimationen und der viel zu laute Ton sie nicht. Selbst der eine oder andere Literaturdozent der Universität Leipzig sah sich das Trauerspiel nur Augenblicke an und ist alsbald wieder aus den Reihen der Zuschauer verschwunden.

Mit Grabesmiene sitzen Autorin und Verleger da und warten auf das Ende des vierminütigen Trailers. Ob sie damit das Publikum wiederspiegeln wollen? Die Grabesmiene weicht nicht vom Gesicht Frau Krafts, als Tobians Fahnauer neben ihr nahtlos an den Trailer anschließend anfängt zu lesen.

Sie haben das Pech, dass direkt vor ihnen in sehr überzeugender Weise Hörbuchsprecherin Friederike Walke aus „Infernale“ von Sophie Jordan gelesen hat. Die Eindrücke sind noch frisch, doch selbst, wenn man sie ausblendet, kann Fahnauers Vortrag nicht überzeugen. Er liest wenig ausdrucksstark und holpert immer wieder über die unbeholfen formulierten Sätze.

Auch für den Zuhörer ist es eine Tortur. Die ständig wechselnden Sichtweisen erschweren nicht nur das eigene Lesen, sondern vor allem auch das Zuhören. Wer spricht denn nun? Und worum geht es hier überhaupt? Was mache ich hier?!

Die halbe Stunde ist scheinbar einfach nicht genug. Die Minuten verrinnen, doch ein Ende ist nicht in Sicht. Etwas drängend kommt bereits Richard Haxel um die Ecke und zeigt auf die Uhr. Die Zeit sei um, bedeutet er.

Am Ende wird der Vortrag recht unrühmlich abgewürgt und wortlos ziehen die Beiden ab, um der nächsten Vortragenden Platz zu machen. Allzu glücklich wirken sie nicht mit sich und der Welt, wenn sie nicht einmal die Worte finden, das höflich applaudierende Publikum zu verabschieden.



Daten
Die Veranstaltung: Sigrid Kraft und Tobias Fahnauer lesen aus Nimrod – Ardeen 3, Moderation: Richard Haxel, 20.3.2016, 12.30 Uhr, Leseinsel Fantasy, Messegelände
Das Buch: Sigrid Kraft: Nimrod –  Ardeen 3. Fahnauer Verlag, Dresden 2014, 583 Seiten, 15,00 Euro, E-Book 7,99 Euro
 


„I’m scared of this giant crowd“, gesteht er seinen Zuschauern, und obwohl er einen ganz gelassenen Eindruck macht, nimmt man Peter V. Brett sein Geständnis dank seiner einnehmenden Art dennoch ab. Er ermuntert mit freundlichem Lächeln immer wieder das Publikum, ihm eine Frage zu stellen. „Don’t be shy“, sagt er.

Es ist ein Schäkern zwischen Autor und Publikum. Mit überschlagenen Beinen sitzt er da und untermalt seine Aussagen gestenreich. Alle seine Charaktere würden im fünften Band seiner Demoncycle-Reihe sterben, rutscht ihm in einem Nebensatz heraus. Mit einem Lachen in den Augen hält er sich die Hand vor den Mund.

Brett ist ein Autor, der den Kontakt zu seinen Lesern zu lieben scheint. Als er auf die Bühne kommt, macht er als erstes ein Selfie mit sich und den gespannt wartenden Zuschauern. Schon wenige Stunden später ist das Bild auf Instagram und Twitter. Er freue sich, dass so viele gekommen sind, schreibt er dazu. In der Tat: Kein Platz bleibt mehr frei, und während Brett eifrig die Fragen seiner Zuhörer beantwortet, sammeln sich immer mehr rings um die Leseinsel Fantasy. Viele sind neugierig, was einen amerikanischen Starautor nach Leipzig verschlagen haben mag.

Anfangs sind die Zuschauer noch etwas zögerlich, obwohl Sebastian Pirling, der Editor des Autors, neben dem Amerikaner sitzt, um eine Hilfe beim Überwinden der Sprachbarriere zu sein. Doch schnell wird ersichtlich, dass sich Autor und Publikum blendend verstehen, und die Fragen werden immer zahlreicher.

Was für ein Autor sei Brett, will eine Zuschauerin wissen. Plottet er lieber oder ist er ein Entdecker und erforscht seine Welt während des Schreibens? Er sei ein Architekt, der alles wie am Reißbrett plane, so nenne es George Martin, eröffnet der Autor. „If someone knows Martin“, fügt er noch an, und das Lachen scheint ihm aus den Augen.

Ob er denn die anderen amerikanischen Größen der Fantasy näher kenne? Verstehe er sich vielleicht sogar gut mit ihnen? Brett plaudert aus dem Nähkästchen und verrät, dass er mit vielen sogar schon Dungeons & Dragons gespielt habe.

Peter V. Brett redet wenig über sein neuestes Buch, „Der Finstere Thron“, der vierte Band des Demoncycle. Seine Zuhörer sind auch wenig daran interessiert. Viel mehr wollen sie wissen, wie er arbeitet. Er bemüht sich, täglich zu schreiben, sagt er. Auch plottet er sehr viel, selbst, wenn davon das wenigste später im Roman erscheint. Hunderte Seiten, gar tausende, hat er bereits mit Notizen über seine Welt gefüllt. Zudem reist er sehr gern, denn Amerika sei ihm zu langweilig, und er liebt es, mit Leuten zu reden. Das sei wichtig für seine Romane, betont er. Er lerne so viel über die Gedanken, Emotionen und Beweggründe anderer, vieles davon lasse er in seine Charaktere einfließen. Auch der Fernseher sei eine Quelle seiner Inspiration – leider zu viel Fernsehen, wie er seufzend anfügt.
Im Anschluss an die halbstündige Fragerunde stellen sich die meisten der Zuschauer bereitwillig für Signaturen an. Brett findet für alle ein paar nette Worte und schenkt jedem einen kleinen individuellen Spruch in sein Buch.

Doch er redet nicht nur über sich. Unter seinen Zuschauern sind viele, die Rat von ihm für ihr eigenes Schreiben suchen. Für sie hat er einen wertvollen Ratschlag: „Read a lot, write a lot, and don’t expect to be good for a long time.“




Daten 
Die Veranstaltung: Fragerunde mit Peter V. Brett, Moderation: Richard Haxel, 19.3.2016, 16.00 Uhr, Leseinsel Fantasy, Messegelände
Das Buch: Peter V. Brett: Der Finstere Thron. Heyne, München 2015, 1024 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 13,99 Euro
 


„Das Lied der Dunkelheit“ (Original The Warded Man) ist ein Erstlingswerk, doch eines, das um die Welt ging. Peter V. Brett hat damit etwas geschafft, von dem viele träumen, doch nur wenige es auch in die Tat umsetzen können. Mit seinem Demoncycle hat er sich einen Namen in der Fantasy gemacht und seinen Platz neben Patrick Rothfuss und anderen Größen der amerikanischen Fantasy verdient. Im „Lied der Dunkelheit“ erzählt er die Geschichte dreier junger Menschen, die den Kampf gegen die allnächtlich aus dem Horc aufsteigenden Dämonen aufnehmen wollen.

Arlen flieht aus seinem Dorf, nachdem seine Mutter von Dämonen getötet wurde und sein Vater sich als zu ängstlich erwies, um sie zu retten. Sein Ziel ist die Stadt Fort Miln, um dort seinen Traum zu verwirklichen, Kurier zu werden und die Freiheit jenseits schützender Mauern kennenzulernen. Selbst wenn es bedeutet, sich Nacht für Nacht den Dämonen zu stellen.

Leesha leidet unter ihrer tyrannischen Mutter Elona. Als auch noch ihrer Verlobter Gared im Dorf herumerzählt, er habe mit ihr noch vor ihrer Hochzeitsnach geschlafen, flieht sie zur alten Kräutersammlerin Bruna, wo sie Schutz und eine neue Zukunftsperspektive findet. Sie löst gegen den Willen ihrer Mutter ihr Verlöbnis und lässt sich stattdessen zur Kräutersammlerin ausbilden.

Rojer ist drei Jahre alt, als seine Familie von Dämonen überfallen wird. Der Gaukler Arrick rettet ihn, auch wenn für seine Familie jede Hilfe zu spät kommt. Arrick ist nun seine Familie und bildet ihn zum Jongleur und Musiker aus, um mit ihm gemeinsam aufzutreten.
Die Geschichte ist solide erzählt, es wird viel Augenmerk auf die Charaktere und ihre Entwicklung gelegt. Jeder von ihnen hat seine eigenen Wünsche, Motive und Antriebe, mit denen man sich samt und sonders identifizieren kann. Brett baut dabei nicht immer auf die großen Dramen der Menschheit auf, sondern auf die des alltäglichen Lebens. Familie, junge Liebe und Freundschaften spielen dabei oft eine Rolle.

Bretts Geschichte gehört zu den wenigen, bei denen man wirklich mit den Charakteren mitfiebert und regelrechte Genugtuung verspürt, als Bruna Elona verprügelt, nachdem diese ihre Tochter wieder unter ihre Knute zwingen und ihr sämtliche Chancen auf Selbstständigkeit verbauen will.

Spannung kommt nie zu kurz, sei es, weil ein Dämonenangriff erfolgt, sei es, weil die Charaktere Entscheidungen für ihr Leben treffen müssen. Es gibt keinen Moment im Buch, der langatmig ist oder sich uninteressant liest.

Der Autor hat seine Welt konsequent errichtet und dachte dabei selbst an Details wie die infrastrukturellen Folgen der allnächtlichen Dämonenangriffe. Lediglich wünscht man sich, mehr über die Dämonen zu erfahren. Darauf wird man jedoch warten müssen, denn die Geschichte wird ausschließlich von den Charakteren erzählt, der Erzähler ist lediglich ihr Begleiter. Die Figuren beginnen gerade erst, die Geheimnisse der Dämonen zu entdecken, nachdem sie sich ihr ganzes Leben lang hinter schützenden Siegeln versteckten und auf den Erlöser warteten.

Brett bietet keine generische Fantasy sondern transportiert auch die eine oder andere Botschaft. So ist Arlen ein einsamer Kämpfer für die Menschheit, doch niemand folgt ihm. Die Meisten erklären ihn für verrückt, dass er es wagt, sich den Dämonen zu stellen. Es gibt viele, die ihm nicht einmal glauben, dass ein normaler Mensch einen Dämon töten könnte. Lieber verkriechen sich die Menschen in Bequemlichkeit und hoffen darauf, dass schon irgendwann ein Erlöser kommt und sie alle rettet.

Wer genau hinsieht, erkennt darin ein Bild unserer modernen Gesellschaft. Obgleich das Buch bereits 2009 erschien, ist das Thema doch noch immer präsent und momentan aktueller denn je. Arlen lehnt ab, dass er der Erlöser genannt wird. Stattdessen wird er selbst aktiv und trifft damit eine klare Aussage: Wer etwas verändern will, muss von sich aus in Aktion treten.



Daten
Ich selbst habe zunächst die deutsche Version gelesen, besitze nun aber auch die amerikanische Ausgabe, daher sind beide hier angeführt.
Das Lied der Dunkelheit, Orig. The Warded Man, Demoncycle 1: ISBN 978-3-453-52476-7 , Heyne, 2009, 15,00€
The Warded Man, Demoncycle 1: ISBN 978-0-345-51870-5 , Del Rey, 2009, 5,80€
 


Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen nimmt selten einen guten Verlauf und häufig werden dabei Freunde zu Feinden. Jeder meint, den einzig richtigen Weg einzuschlagen und die anderen Parteien notfalls auch mit Waffengewalt davon überzeugen zu können. Mit dem zweiten Teil der Demoncycle-Reihe hat Peter V. Brett ein Augenmerk auf Konflikte gelegt, die nur allzu vertraut wirken. 

Krasia hat seinen Eroberungsfeldzug gegen den Norden begonnen. Unter der Führung Jardirs hat sich das gesamte krasianische Volk unter vereinten Bannern versammelt und folgt seinem Erlöser. Gleichzeitig hat das nördliche Volk seinen eigenen Erlöser ernannt: Arlen, der tätowierte Mann. Jardir ist der Ansicht, dass die Menschheit über die Dämonen nur siegen kann, wenn sie unter seinen vereinten Bannern kämpft. Während Arlens Freunde alles in ihrer Macht stehende zu tun, um allzu schlimme Folgen der krasianischen Invasion zu vermeiden, zieht Arlen selbst über die Dörfer und weiht die Menschen in die Geheimnisse der Siegel ein, die ihnen einen Kampf gegen die Dämonen ermöglichen sollen.

Wieder gibt Peter V. Brett viele neue Einblicke in seine Welt. Besonders hervorzuheben ist die krasianische Kultur, welche erstmals besonders im ersten Teil des Buches ausgiebiger beleuchtet wird. Sein Worldbuilding bleibt weiter weitestgehend solide und interessant.
Besonders lobend ist hier hervorzuheben, dass die kulturellen und standesmäßigen Unterschiede in der Sprache viel besser hervorkommen, als es in der deutschen Übersetzung transponiert wurde. Anhand dessen, wie die Charaktere sprechen, merkt man sehr gut, woher sie kommen und welchem Stand sie angehören.

Krasianer beispielsweise sind ausgesprochen auf ihre verschiedenen Stände bedacht und reden einander auch dementsprechend differenziert an. Die Bildungsschicht der Nordländer hat wiederum eine eigene Sprache, von welcher sich wiederum die ländlichen Regionen mit ihrem eigenen Dialekt abgrenzen. Ebenjener Dialekt macht es für deutsche Leser mitunter etwas schwieriger zu verstehen, was soeben beredet wird, nichtsdestotrotz ist es auf jeden Fall eine Bereicherung des Textes.

Auch positiv anzumerken, ist das hier ausführlicher eingeführte Krasianische. Das Vokabular erstreckt sich zwar, da es sich zumeist um Rangbezeichnungen, Titel und Eigennamen handelt, vor allem auf Nomen und einige Adjektive, zeugt aber von einem gewissen Reifegrad. Schaut man genauer hin, erkennt man bestimmte Morpheme in den Wörtern wieder und kann ihre Bedeutung mittels der spezifischen Wortbedeutung ableiten. „Dama“ beispielsweise taucht in mehreren Verbindungen auf wie „Damaji“ oder „Dama’ting“, woraus man schließen kann, dass „dama“ allgemein eine Respektsperson bezeichnet, egal, ob religiöser oder militärischer Art.
Leider lassen sich im Gegenzug zum ersten Band auch einige negative Aspekte ausmachen. Dem Vorbild des ersten Bandes folgend, führt Brett Jardir, einen neuen POV-Charakter, ebenso ausführlich ein, wie er die Charaktere des ersten Bandes einführte, indem er seinen Werdegang vom Jungen zum Erlöser über gut ein Drittel des Buches verfolgt. Da man eigentlich erwartet, dass es relativ bald mit der Haupthandlung um Arlen, Leesha und Rojer weitergeht, fühlt sich das gesamte erste Drittel des Buches eher wie ein Prolog an, denn wie der Einstieg in die eigentliche Handlung.

So interessant es auch ist, über die Kultur der Krasianer zu lesen, so wirkt einiges dabei jedoch nicht völlig durchdacht. Ein Großteil der krasianischen Gesellschaft baut auf ihrem Militär auf, die meisten ihrer Männer sind Soldaten. Die Aufgabe der Frauen ist es, Herd und Kinder zu hüten. Damit bleiben nur noch die sogenannten Khaffit, die die Wirtschaft Krasias betreiben. Es wirkt unglaubwürdig, dass eine gesamte Gesellschaft auf den Schultern eines so geringen Bevölkerungsanteils bestehen kann.

Insgesamt ist das Leseerlebnis jedoch noch immer positiv. Da sich jetzt auch weitere Konflikte mit den Krasianern ergeben und Brett nicht mehr nur bei den Dämonen bleibt, gibt er einen schönen Ausblick auf die Folgebände. Er leibt weiterhin seiner Linie treu, legt das Augenmerk auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und zeigt damit, was passieren kann, wenn Menschen sich bis hin zu ihrer grundlegendsten Existenz bedroht fühlen. Manche erweisen sich als Feiglinge, manche als Kämpfer und manche als Narren. Doch wer am Ende überleben wird, bleibt abzuwarten.

Ich möchte hier noch einmal gesondert auf das Krasianische eingehen, es aber aus der eigentlichen Bewertung herausnehmen, da das Nachfolgende zu fachspezifisch ist. Mich als Linguisten hat es dennoch umgetrieben: Wie es aussieht, hat Peter V. Brett für das Krasianische keine Phonologie entwickelt. Das macht die ganze Sache etwas komplizierter, denn damit hat er seinen Lesern keinen Leitfaden an die Hand gegeben, wie das Krasianische auszusprechen ist, was, wie ich finde, beim Lesen eine nicht geringe Rolle spielt. Eben weil nichts gegeben ist, ist primär zunächst nichts richtig und nichts falsch. Ich als Deutsche werde also das Krasianische immer mit deutscher Phonologie lesen, ein Engländer wird es mit großer Wahrscheinlichkeit wieder anders lesen als ein Franzose oder Spanier. Das Krasianische ist aber eine eigene Sprache, die ihren eigenen linguistischen Regeln folgt, die nicht je nach Sprecher vollkommen nach Belieben wechseln. Ich persönlich hätte es schöner gefunden, wenn der Autor auch hier in die Tiefe gegangen wäre. Gute Ansätze sind, wie ich oben schon erläuterte, ja da.



Daten
The Desert Spear, Demoncycle 2: ISBN 978-0-345-52414-0 , Del Rey, 2009, 5,80€


Der Daylight War ist nahe, und wo die Menschheit vereint gegen die Dämonen hätte stehen müssen, ist sie gespalten in inneren Konflikten. Im dritten Teil des Demon Cycle vom amerikanischen Autor Peter V. Brett führt er seine Geschichte über den Kampf gegen die Dämonen des Core und gegen die inneren Dämonen fort. 

Während Arlen Cutter’s Hollow verlassen hat, um sich selbst wiederzufinden, fielen die Krasianer im Land ein. Jardir hat ein Auge auf Leesha Paper geworfen und will sie als seine erste nördliche Ehefrau gewinnen. Sie kann nicht abstreiten, dass sie von ihm angetan ist, weiß aber, welche Gefahr von ihm ausgeht. Gleichzeitig hat sie ihre Beziehungen zu Arlen noch nicht vergessen und kann daher nicht einfach darüber hinweg sehen, dass dieser sich nun mit Renna verbunden hat. Und über allem schwebt der Konflikt zwischen Jardir und Arlen, welche beide als Deliverer proklamiert werden.

Wie gewohnt setzt Brett das Augenmerk auf die Charaktere und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, ohne dabei jedoch die Dämonen völlig außer Acht zu lassen. Ebenso wie gewohnt führt er zu Beginn des Buches einen neuen POV-Charakter, Inevera, ein. Bedingt dadurch, dass er jedoch zunächst mit Arlen und Renna in die Handlung einsteigt, und Ineveras Teil nicht über die Gebühr gestreckt wird, liest es sich angenehmer als Jardirs Einführung im Vorgängerteil. Wieder einmal hat er es gut gelöst, dass er einzelne Passagen nun auch aus einer neuen Sicht noch einmal erzählt, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, er hätte einfach nur von sich selbst abgeschrieben.

Danach kommt Brett erneut auf die gegenwärtige Zeitlinie zurück. Hier jedoch dümpelt die Handlung zunächst bis etwa zur Hälfte vor sich hin und nimmt nicht wirklich Fahrt auf. Erst danach, als Leesha von ihrem Aufenthalt bei Jardir in die Heimat zurückkehrt und dort das erste Mal auf Renna trifft, wird es wieder interessant.

Durch die Figurenkonstellation bauen sich etliche Konfliktpotenziale auf, die auch zur Gebühr ausgelebt werden. So hat Rojer zwei Frauen aus Jardirs Gefolge geheiratet, ihre kulturellen Unterschiede führen mitunter zu Problemen zwischen den Eheleuten und auch mit den Bewohnern der Nordlande.

Man merkt sehr gut, dass die Charaktere mit all ihren persönlichen Problemen oft unter Spannung stehen, da sie in großen Rahmen denken müssen. Sie sind verantwortlich für viele Leben, die sie vor den Dämonen beschützen müssen, gleichzeitig haben sie aber auch private Probleme, die sie beeinflussen. Zudem ist bekannt, dass zu Neumond eine neue und gefährlichere Rasse Dämonen einen Angriff beginnen wird, auf dem die Protagonisten sich ebenfalls vorbereiten müssen.

Im Buch passiert leider selten etwas, das sonderlich überraschend oder schockend war, womit über weite Teile des Textes auch viel von der Spannung verloren geht. Bei einer Geschichte wie dem Demon Cycle erwartet man nicht unbedingt nur einen reinen Fokus auf die Charaktere und ihre persönlichen Schicksale, sondern ganz platt mal auch ein bisschen Action und Drama. Davon fehlt oft einfach zu viel.

Dafür ist Brett mit dem Schluss ein Ende gelungen, das einem George Martin würdig wäre. Es war natürlich abzusehen, dass irgendwann Arlen und Jardir ihren Konflikt austragen werden, und das Ergebnis ist konsequent umgesetzt. Man hätte es nicht wirklich erwartet, dass Brett das Buch so enden lässt, vor allem, nachdem vorher lange nichts passierte. Der Autor regt hier sehr schön zum Weiterdenken an. War es gut, wie es geendet hat, und welche Konsequenzen erwachsen daraus? Wurde es nicht vielleicht sogar zu früh gelöst? So oder so, Brett hat damit seinen Lesern einen Grund gegeben, auch zum vierten Band zu greifen, denn mit einem Male ist doch nicht mehr alles so statisch, wie es im Buch wirkte.

Bis zu diesem Punkt kann man zum Demon Cycle sagen, dass Brett die Handlung mitunter zu sehr streckt, dennoch aber die Charaktere interessant gestaltet. Ein oder vielleicht sogar zwei Bücher weniger hätten der gesamten Reihe aber sicher gut getan.


Daten
The Daylight War, Demoncycle 3: ISBN 978-0-345-52415-7 , Del Rey, 2013, 8,45€


Es geht spannend weiter mit dem vierten Demon Cycle von Peter V. Brett! Die beiden Deliverer Arlen und Jardir gelten als vermisst, beide die größte Hoffnung ihrer Völker auf einen Sieg. Mit ihrem spurlosen Verschwinden beginnt ihr Werk zu zerfallen. Jardirs Söhne zerfetzen sich über dem Erbe des Skull Throne, während sie gleichzeitig einen Krieg gegen die Nordreiche führen. Ihnen gelingen zwar durchaus bedeutende Eroberungen im Feindesland, doch Arlens Leute sind ein wehrhaftes Völkchen. Indes hat Arlen Jardir entführt und hält ihn an einem geheimen Ort gefangen. Dort kann er ihn überzeugen, dass sie beide zusammenarbeiten müssen, um über die Dämonen siegen zu können. Ihr Plan ist gewagt: Hinab in den Core steigen und dort die Dämonenkönigin höchstselbst töten. 

Wieder einmal ist das Lesegefühl sehr durchmischt. Arlens und Jardirs Handlungsstrang ist ausgesprochen packend. Zwar sah es nach dem Ende des letzten Bandes so aus, als sei mindestens Jardir im Duell der beiden gestorben, was der Story natürlich auch einige spannende Aspekte verliehen hätte. Doch so verbünden sich zwei Feinde, die eigentlich gar keine Feinde sind. Zwischen ihnen herrscht eine Art Hassliebe, die sehr schön herausgestellt wird. Einerseits erinnern sich beide noch gut an die Freundschaft, die sie einst geteilt hatten. Doch auf der anderen Seite kann Arlen nicht vergessen, dass sein krasianischer Freund ihn zum Sterben in der Wüste zurückgelassen hat. Jardir seinerseits hat zwar durchaus deswegen Gewissensbisse, ist aber dennoch überzeugt davon, dass er richtig gehandelt hatte. Diese Kombination sorgt für viel Spannung zwischen den beiden, was wirklich cool zu lesen war.

Hinzu kommt einfach die Idee Arlens, den Krieg in den Core zu tragen, was ausgesprochen spannend zu werden verspricht. Es ist ohnehin eigentlich wünschenswerter, dass Peter V. Prett einen größeren Fokus auf die Dämonen gelegt hätte als auf die ganzen höfischen Intrigen und Ränkespiele. Mir jedenfalls gefallen die Kapitel stets am meisten, die mehr oder weniger direkt mit den Dämonen in Verbindung stehen, weil das einfach das ist, was ich von Anfang an von diesen Büchern erwartet hatte. Es heißt immerhin Demon Cycle.

Es war abzusehen, dass mit Jardirs Tod beziehungsweise seinem spurlosen Verschwinden sein Reich zu zerfallen beginnt. Das hat viele Ränkespiele sowohl in Everam’s Bounty zu Folge als auch am Hofe in Fort Miln. Diese ganze Teepolitik und das viele Gerede waren mitunter ziemlich zäh zu lesen. Gerade das letzte Drittel das Buch war langatmig und wenig spannend, ehe es auf den letzten Seiten noch einmal wieder heiß her ging.

Hinzu kommt, dass die Ränkespiele zwar mitunter sehr ausufernd geschildert werden, aber auf der anderen Seite manches zu kurz kommt. Wie ein lästiges Insekt wird die Rebellion der chin in Everam’s Bounty abgefertigt und man erfährt quasi nur in einem Nebensatz hunderte Seiten später, dass die Rebellion von den Nordländern heimlich finanziert wurde. Gerade das erscheint mir aber ein durchaus wichtiger Punkt in der Handlung, da das die Krasianer mitten ins Herz getroffen und sie in ihrem Kriegstreiben erheblich behindert haben muss.

Auch die Namen werden allmählich unübersichtlich. Das Glossar am Ende ist nicht unbedingt förderlich, da man nicht ständig dorthin blättern und nachschlagen will, wer zu Geier noch mal Shanvah und wer Shanjat waren. Die Namen klingen mitunter zu ähnlich, merken sich daher schlecht und haben keinen allzu großen Wiedererkennungswert.

Immerhin: Leeshas Ringen um ihr Kind und ihre Angst um das Ungeborene sind überzeugend. Sie hat Angst, sich irgendwem anzuvertrauen in Sorge, dass das ein Fehler sein könnte, und begeht gerade dadurch einige Fehler, die sie in Bedrängnis bringen. Das ist ausgesprochen menschlich und nachvollziehbar. Gerade die Sorge einer Mutter um ihr Kind ist eine starke Triebkraft, die mitunter zu irrationalem Handeln verleitet, wo man unter weniger Druck mit Sicherheit einen kühleren Kopf bewahrt hätte.

Einer der lästigsten Aspekte der vorhergehenden Bücher waren die anfänglichen Rückblenden über viele, viele Kapitel hinweg, die neue Charaktere und ihren gesamten Werdegang ausführlich eingeführt hatten. Dieses Mal hatte sich Brett angenehmer Weise damit sehr zurückgehalten und es nur bei einer kleinen Rückblende über wenige Seiten hinweg, vielleicht 50, belassen. Die dort eingeführten Charaktere hatten aber an Ende (bisher) keine wirklich große Rolle in der Handlung gespielt, sodass der Autor die Rückblende auch hätte streichen können, um gleich mit der eigentlichen und wesentlich spannenderen Handlung hätte fortfahren können.

Alles in allem hatte das Buch zwar seine wirklich langweiligen und langatmigen Stellen, aber konnte diese zumindest zum Teil mit anderen, spannenderen Szenen wieder ausgleichen. Die Reihe bleibt dennoch auch an diesem Punkt hinter ihren Möglichkeiten zurück und setzt den Fokus der Handlung nicht immer wirklich optimal.



Daten
The Skull Throne, Demoncycle 4: ISBN 978-0-345-53149-0 , Del Rey, 2016, 7,99$


Noch während seines Studiums des Kreativen Schreibens an der Brigham Young University wurde Brandon Sanderson immer wieder gesagt, er solle besser keine Fantasy schreiben. Er tat es dennoch unbeirrt und musste mittlerweile trotz seiner eigenen Zweifel einsehen, was seine Fans schon lange wissen: Er gehört zu den Großen der amerikanischen Fantasy. Bekannt wurde er zwar durch die Mistborn-Bücher aus seinem Cosmere-Zyklus, mit den Reckoners jedoch wagt er sich in die Gefilde der Jugenddystopien vor und zeigt eine Version unserer Zukunft.

Steelheart stellt den Auftakt einer neuen Trilogie dar. Calamity ist am Himmel erschienen, eine mysteriöse Erscheinung, über die man kaum mehr weiß, als dass sie mit der Verwandlung normaler Menschen in sogenannte Epics in Zusammenhang steht. Epics besitzen mehr oder weniger starke übernatürlich Kräfte, die sich ganz unterschiedlich ausprägen können. Die stärksten von ihnen sind so mächtig, dass sie unverwundbar scheinen. Naturgewalten gleich herrschen sie wie Götter über die Menschen und haben sie sich Untertan gemacht. 

Steelheart ist der Tyrann Newcagos, der rauchenden Ruinen dessen, was einst Chicago gewesen war. Die Reckoners, eine Widerstandsbewegung, aber haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Epics zu töten und die Menschen von ihrem Joch zu erlösen. Für David Charleston sind die Reckoners Helden. Er ist fest entschlossen, sich ihnen anzuschließen und gemeinsam mit ihnen Steelheart zu töten. Denn eine Schwäche hat jeder Epic, und David hat als einziger noch lebender Mensch Steelheart bluten sehen.

Sanderson, obwohl er anfangs selbst skeptisch war, zeigt hier, dass er auch außerhalb des Cosmere packende Geschichten schreiben kann. Actiongeladen und spannend schreitet die Handlung voran, hat dabei aber genügend Raum, um sich zu aufzubauen. Stück für Stück entfaltet sich das Geflecht und arbeitet auf den Schluss hin. Was anfangs seltsam und rätselhaft erschien, löst sich am Ende logisch und interessant auf. Die Story des ersten Buches ist in sich geschlossen, lässt aber immer noch genügend Anknüpfmöglichkeiten für die beiden Nachfolgebände.

Auch die Charaktere sind gelungen, sehr lobenswert ist die Gruppendynamik dargestellt. David trifft als exzentrischer Neuling zu einer Gruppe hinzu, die schon über Jahre hinweg aufeinander eingespielt ist. Die Folgen werden glaubhaft und facettenreich dargestellt. Auch die Charaktere an sich sind jeder individuell und klar voneinander abgrenzbar. Jeder hat seine Eigenheiten, seine Ansichten und Denkweisen, die ihn prägen und auszeichnen.

Und nicht zu vergessen der Humor. Es geht nicht nur bierernst darum, die Menschheit aus der Tyrannei der Epics zu erretten. David mit seinen ausgesprochen schlechten Metaphern, Megan, die deswegen über David herzieht, Cody und seine Dämonen ... Sie haben alle immer wieder lockere Sprüche auf den Lippen.

Die Trilogie mag auf den ersten Blick wie eine simple Geschichte über Superhelden erscheinen, die dem Bösen verfielen. Jedoch wird schnell ersichtlich, dass Sanderson darüber hinaus geht und das Thema interessant und lesenswert umsetzt. Nicht nur Fans von Jugenddystopien und Comicsuperhelden kommen hier auf ihren Geschmack.



Daten
Steelheart, Orig. Steelheart, Reckoners 1:  ISBN 978-3-453-26899-9 , Heyne Fliegt, 2013, 17,99€


Noch während seines Studiums des Kreativen Schreibens an der Brigham Young University wurde Brandon Sanderson immer wieder gesagt, er solle besser keine Fantasy schreiben. Er tat es dennoch unbeirrt und musste mittlerweile trotz seiner eigenen Zweifel einsehen, was seine Fans schon lange wissen: Er gehört zu den Großen der amerikanischen Fantasy. Bekannt wurde er zwar durch die Mistborn-Bücher aus seinem Cosmere-Zyklus, mit den Reckoners jedoch wagt er sich in die Gefilde der Jugenddystopien vor und zeigt eine Version unserer Zukunft.

Die Novelle knüpft in sehr schöner Weise an die Ereignisse in „Steelheart“ an und leitet weiter zu „Firefight“. Sanderson gibt hier einen schönen Einblick in das Leben in Newcago nach Steelhearts Tod. Zunächst scheint alles friedlich und die Reckoners albern in ihrer üblichen Manier ein wenig herum, während sie ihren Stadtrundgang machen. Dann taucht plötzlich der High Epic Mitosis auf und sofort wird die Situation mit jeder Seite brenzliger und bedrohlicher, als er David herausfordert.

Mit „Mitosis“ erweitert er seine Reckoners-Trilogie um eine Novelle. Zeitlich ist sie zwischen Band eins und zwei verortet. Man muss sie nicht gelesen haben, um die eigentliche Reihe genießen zu können, es lohnt sich aber.

Wieder einmal hält der Autor, was er allein mit seinem Namen auf dem Einband verspricht. Bereits der Einstieg in die Novelle ist sehenswert: „The day had finally arrived, a day I'd been awaiting for ten years. A glorious day, a momentous day, a day of import and distinction.
It was time to buy a hot dog.“ Es geht also da weiter, wo „Steelheart“ aufhörte.

Wie es alle von Sandersons Texten an sich haben, wird man sofort vom Sog erfasst und kann den Text nicht mehr aus der Hand legen, bis man die letzte Seite erreicht hat. In diesem Fall bedauert man es wirklich, dass es „nur“ eine Novelle ist, denn scheinbar viel zu schnell ist alles wieder vorbei.

Die Charaktere handeln alle so, wie es ihren Eigenschaften entspricht. Während Tia planen will, wagt sich David allein vor und improvisiert. Das Team wird dabei ersichtlich, denn sie alle arbeiten zusammen, kennen und vertrauen einander. Die Spannung bleibt dabei stets erhalten und bis zur letzten Seite hochgehalten.

Mitosis eignet sich sowohl als Einstieg in die Reckoners-Reihe, um ein Gespür für die Geschichte zu bekommen, als auch als zusätzliche Kost, wenn man die eigentliche Reihe bereits kennt.



Daten
Mitosos, Reckoners 1.5: ISBN 978-1-473-20935-0 , Gollancz London, 2014, 11,99€


Noch während seines Studiums des Kreativen Schreibens an der Brigham Young University wurde Brandon Sanderson immer wieder gesagt, er solle besser keine Fantasy schreiben. Er tat es dennoch unbeirrt und musste mittlerweile trotz seiner eigenen Zweifel einsehen, was seine Fans schon lange wissen: Er gehört zu den Großen der amerikanischen Fantasy. Bekannt wurde er zwar durch die Mistborn-Bücher aus seinem Cosmere-Zyklus, mit den Reckoners jedoch wagt er sich in die Gefilde der Jugenddystopien vor und zeigt eine Version unserer Zukunft.

Steelheart ist tot, getötet von den Reckoners. Newcago ist nun eine freie Stadt. Die Reckoners tun ihr Bestes, um es auch dabei zu belassen, doch sie haben es nicht leicht. Immer wieder greifen andere Epics die Stadt an. Allen scheint eines gemeinsam zu sein: Sie kommen aus Babylon Restored, dem einstigen New York. Prof beschließt, nach Babilar zu gehen und Regalia, dem dort regierenden High Epic, das Handwerk zu legen, David soll mit ihm kommen. Dieser folgt dem Anführer der Reckoners nur allzu bereitwillig, nicht zuletzt weil Megan, bekannt als Firefight, zuletzt in Babilar gesehen worden war. 

Auch im zweiten Band geht es wieder heiß her mit fast schon cineastischem Worldbuilding. Sanderson baut die Welt der Epics weiter aus und fügt ihr ausgesprochen kreative Dinge hinzu. Babilar wird als eines der weltgrößten Rätsel beschrieben. Regalia hat die ganze Stadt geflutet, sodass die Häuser wie Inseln aus dem Meer ragen. Darüber hinaus leuchten in der ganzen Stadt die Graffitis in der Nacht in prächtigen Farben, ebenso die seltsamen Pflanzen, die überall wachsen und die Bewohner von Babilar ernähren. Niemand weiß so genau, warum das so ist, doch vermutet man einen geheimnisvollen Epic namens Dawnslight als Urheber des faszinierenden Phänomens.

Noch immer ist die Actiondichte sehr hoch, doch geht es im Vergleich zu Steelheart ruhiger zu. Hier wird mehr geplottet, überlegt und geplant, was in der Stadt vor sich geht, was Regalia damit bezwecken will, als sie erst Obliteration in die Stadt holte, um sie zu zerstören, und dann doch die Reckoners bittet, ihn zu töten.

Am Ende des Buches sind zahlreiche Fragen offen, die sehr viel Lust auf den dritten und zumindest vorläufig letzten Band machen. Auch regt die Geschichte wieder sehr viel zum selbst Nachdenken an. Wer ist der Gute und wer der Böse? Lügt Megan oder lügt Prof und tut David wirklich das Richtige oder handelt er rein aus egoistischen Gründen?

Dennoch ist dieses Mal etwas Skepsis angebracht. Stellenweise zog es sich ein wenig, sprang der Funken nicht ganz über. Während im ersten Band noch auf jeder Seite etwas Spannendes geschah oder faszinierende neue Details eingeführt wurden, fehlte das hier manchmal, sodass sich die Lektüre an einigen Stellen etwas zog.

Nichtsdestotrotz bleibt es ein Werk Sanderons und damit auf alle Fälle sehr empfehlenswert.



Daten
Firefight, Reckoners 2: ISBN 978-0-385-74358-7 , Delacorte Press, 2015, 16,60€


Noch während seines Studiums des Kreativen Schreibens an der Brigham Young University wurde Brandon Sanderson immer wieder gesagt, er solle doch besser keine Fantasy schreiben, das brächte keinen Erfolg. Er tat es dennoch unbeirrt und musste mittlerweile einsehen, was seine Fans schon lange wissen: Er gehört zu den Großen der amerikanischen Fantasy. Bekannt wurde er zwar durch die Mistborn-Bücher aus seinem Cosmere-Zyklus, mit den Reckoners jedoch wagt er sich erstmals in die Gefilde der Jugenddystopien vor.

Mit Calamity finden die Reckoners ihren Abschluss. Prof ist durch einen hinterhältigen Trick Regalias seinen Kräften zum Opfer gefallen und wütet nun durch die zerbrochenen Staaten, bis er sich in Ildithia, dem ehemaligen Atlanta, niederlässt, dem dort regierenden Epic Larencer die Herrschaft streitig macht und sich zum neuen Herrscher der Stadt aus Salz aufschwingt. David ist bestrebt, Prof von der Dunkelheit in ihm zu befreien, statt ihn einfach zu töten, wie es die Reckoners üblicherweise tun würden. Gleichzeitig gilt es, das Geheimnis von Calamity zu lösen, denn es scheint, dass Prof mit Calamity selbst Kontakt aufnehmen und der mächtigste Epic aller Zeiten werden will.

Wieder einmal zeigt Sanderson seine Kreativität beim Errichten seiner Welten. So ist Ildithia wortwörtlich eine Stadt aus Salz, die gemächlich über die Ebenen der Zerbrochenen Staaten wandert. Während im Wochenrhythmus am einen Ende der Stadt die Salzhäuser zerfallen, bilden sie sich am anderen Ende neu; auf diese Weise bewegt sich die Stadt fort.

Gleichzeitig erfahren wir natürlich wieder sehr viel über die Epics sowie nun auch endlich das Geheimnis Calamitys. Auch wenn das Ende ab einem gewissen Punkt durchaus etwas vorhersehbar war, so war es doch noch immer fulminant und spannend. Anders als die Vorgängerteile ist dieser Band etwas langsamer und ruhiger erzählt, was ihm jedoch gut zu Gesichte steht. Die Reckoners planen sehr viel und agieren vor allem im Verborgenen, da sie in Prof einen Gegner haben, der um ein Vielfaches tödlicher ist, als es selbst Steelheart seinerseits war. Eile wäre hier daher fehl am Platz.

Gleichzeitig wird auch viel über Megans Kräfte berichtet, was ebenfalls einige interessante Dinge eröffnet, besonders über die Welt, aus der Firefight stammt. Dies wird besonders auf den letzten Seiten des Buches noch einmal sehr relevant, da auch dort Davids Vater noch einmal eine Rolle bekommen wird. Allein schon wegen dieser Dinge lohnt es sich, die Reihe bis zum Ende zu lesen!

Am Ende bleiben dennoch noch einige Fragen offen. Die Enthüllung, was Calamity wirklich ist, beantwortet zwar einige Fragen, wirft dafür aber wiederum duzende Neue auf. Es ist also durchaus Potenzial für eine bereits geplante Fortsetzung da.

Wer gute Unterhaltung sucht, ist hier definitiv an der richtigen Stelle. Nicht nur junge Leser uns Fans von Superhelden dürfen hier zugreifen.


Daten
Calamity, Reckoners 3: ISBN 978-0-37599123-3 , Delacorte Press, 2016, 16,60€
 


Er ist einer der Großen der deutschen Fantasy: Mit seinen Elfenromanen stürmte Bernhard Hennen die Bestsellerlisten und schrieb sich in die Herzen seiner Fans. Die Drachenelfen sind sein Exkurs in die frühesten Tage seiner Welten.

Die Drachenelfen, Diener der mächtigen, fast gottartigen Regenbogenschlagen, sind ausgebildete Mörder und Agenden. Sie wachen im Verborgenen über das Wohl Albenmarks und beobachten die Menschen der Welt Daia und ihre Expansionsbestrebungen auf die Welt Nangog.

Die Elfenbogenschützin Nandalee tötet auf ihrer Jagd unwissentlich den Thronerben der Trolle, woraufhin sie fliehen muss, um ihren Clan nicht in Gefahr zu bringen. Der Drachenelf Gonvalon rettet sie und bringt sie zu den Drachenelfen, wo sie fortan den Drachen dienen soll.

Gleichzeitig wird der Bauer Artax durch den Zauber eines Devanthars, eines Dämons, in den Körper des unsterblichen Gottkönigs Aaron versetzt, des Herrschers über ein mächtiges Reich der Menschen. Er sieht sich gezwungen, seine neue Rolle perfekt zu spielen, um vor der Welt zu verschleiern, dass auf einmal ein Bauer Gottkönig ist und der alte Aaron nicht mehr existiert.

Sie beide ahnen nicht, dass sie damit zum Spielball der Mächte geworden sind, Mächte, die alle drei Welten gefährden und in einen großen Krieg verwickeln könnten.

Hennen verwendet viel Zeit darauf, seine Welt aufzubauen und so ein sehr detailliertes Bild von Albenmark, Nangog und Daia zu entwerfen und ihnen Leben zu verleihen. Den Charakteren wird Raum gegeben, um sich zu entfalten und sich in ihren neuen Rollen zu etablieren. Sie wirken dabei überwiegend glaubhaft und überzeugend. Lediglich Artax erscheint zu Beginn inkonsistent, als es ihm von Anfang an gelingt, als einfacher ungebildeter Bauer ein ganzes Reich zu führen. Hennens Erklärung überzeugt nicht wirklich, dass Artax dabei auf das Wissen Aarons zurückgreift, denn Wissen auch anzuwenden ist schließlich noch einmal ein anderer Schuh.

Auch die Handlung kann für sich sprechen. Sie ist zumeist kurzweilig und interessant und hält den Leser bei Laune. Lediglich stellenweise zieht sie sich und wirkt aufgebläht. In Anbetracht des Umfangs der gesamten Reihe ist leider zu befürchten, dass sich das auch auf die Folgebände auswirkt.

Die Romanzen zwischen Nandalee und Gonvalon beziehungsweise zwischen Artax und Shaya sind völlig überflüssig. Um Spannung aufzubauen, wären auch Konflikte anderer Art dienlich und vor allem lesenswerter gewesen.

Leider überzeugt das Lektorat nicht an jeder Stelle. Nebst kleineren Fehlern in Rechtschreibung und Interpunktion sind der größte Fauxpas die verschiedenen Schrifttypen. Kursiv für Gedankenrede hätte völlig genügt und wäre der Lesbarkeit weitaus dienlicher gewesen, denn einige der Schrifttypen sind sehr unglücklich gewählt.

Der Schreibstil ist überwiegend angenehm und passend, wenn auch nicht allzu anspruchsvoll. Lediglich die immer mal wieder gehäuft auftretenden Ausrufezeichen und die elliptischen Sätze stören das Bild, da sie unbeholfen und holprig wirken. Auch einige der Metaphern sind allzu blumig und unpassend geraten. Artax bezeichnet eine aus dem Himmel fallende Leiche als Himmelskind. Regenbogenschlangen oder Himmelsschlangen als Synonym für die Drachen wirkt gleichfalls unpassend.

Alles in allem ist das Bild aber ein gutes und es lohnt sich durchaus, in das Buch hineinzulesen und auch zu den Folgebänden zu greifen.



Daten
Drachenelfen 1: ISBN 978-3-453-26658-8, Heyne, 2011, 17,99€


Verrat! Eine Gruppe von Zwergen unter der Leitung Hornboris hat es gewagt, einen Drachen zu töten. Dies können die Himmelsschlangen, die Statthalter der Alben, nicht ungesühnt auf sich beruhen lassen und schicken daher ein Heer von Drachen und ihre Drachenelfen aus, um die Tiefe Stadt auszulöschen. Nandalee, die sich zu diesem Zeitpunkt in der dem Untergang geweihten Stadt befindet, weiß nicht, dass auch ihr dabei von einigen der Drachen ein übles Schicksal angedacht ist. Gleichzeitig muss sich Artax in der Gestalt des Unsterblichen Aaron auf den Krieg gegen Muwatta vorbereiten und sieht sich dabei vielerlei Hürden gegenüber. Er ahnt nicht, dass seine Geliebte Shaya an seinen Kontrahenten als Bettgespielin verschachert wird. 

Hennen verwendet wieder einmal sehr viel Zeit darauf, seine Welt auszubauen und ihr Leben und Details zu verleihen. Er hat einige besonders liebenswerte Charaktere im Gepäck, die immer wieder für ein Schmunzeln gut sind. Allen voran Volodi mit seinen Sprachproblemen und seiner rauen aber doch herzlichen Art, aber auch die Zwerge um Hornbori Drachentöter.

Sehr anrührend geschrieben ist auch, wie Artax mit den Bauern in seinem Heer interagiert. Er weiß, dass einige darunter seine alten Freunde aus seiner Heimat sind, fürchtet aber gleichzeitig, dass sie entdecken könnten, dass er nun der Unsterbliche Aaron ist. Nichtsdestotrotz fühlt er sich ihnen noch immer sehr verbunden und geht wider aller Vernunft vertraulich mit ihnen um.

Die Liebe zum Detail ist in diesem Band jedoch Fluch und Segen zugleich. Ein wenig merkt man es bereits an der Zusammenfassung der Handlung. Man kann die Kernhandlung des fast 900 Seiten starken Buches in ungelogen drei Sätzen zusammenfassen. Die Drachen wollen die Zwergenstadt auslöschen. Nandalee schwört Rache an den Trollen für das, was diese ihrem Clan angetan haben. Artax bereitet sich auf die Schlacht gegen Muwatta vor.

Insbesondere die Handlungen um Artax herum ziehen sich enorm. Es werden zwar teils wirklich sehr kreative Lösungen gefunden, um sein völlig unterlegenes Bauernheer auf die Schlacht vorzubereiten, aber im Grunde passiert den Großteil über kaum etwas Anderes. Das über ein knapp 900 Seiten starkes Buch zu verteilen, war gelinde gesagt nicht die beste Idee.

Spannender geht es da bei Nandalee zu. Hier passiert etwas, hier geht es auch mal actiongeladen zu und vor allem geht die Handlung voran und kommt vom Fleck.

Während man noch im ersten Teil das Gefühl hatte, dass im Hintergrund eine große Intrige abläuft, von der nicht einmal alle Drachen etwas wissen, wird auf sie im zweiten Teil kaum bis gar nicht Bezug genommen. Hennen konzentriert sich hier viel mehr auf die persönlichen Geschichten der Charaktere, wobei eine Verbindung der Handlungen um Nandalee und Artax fehlen. Beide laufen parallel und so ganz ist noch immer nicht klar, wohin die Reise gehen soll. Dass zudem die Intrige aus dem ersten Teil nicht wieder aufgegriffen wurde, ist recht schade, denn das wäre doch wirklich interessant. Immerhin scheint es dabei um das Schicksal gleich dreier Welten zu gehen.

Alles in allem kann man sagen, dass das Buch nicht das allerbeste ist. Es ist nett und erweckt zudem immer noch den Eintrug, dass sich auch ein Griff zu den weiteren Teilen in der Reihe lohnt. Allzu unspannend ist es zudem auch nicht, auch wenn es deutliche Längen hat.



Daten
Die Windgängerin (Drachenelfen #2): ISBN 978-3-453-53345-5 , Heyne, 2012, 17,99€
 


„Verrat!“, heißt es im dritten Band der Drachenelfen, Die gefesselte Göttin, von Bernhard Hennen. Sowohl Drachen als auch Devanthar wittern an allen Ecken und Enden Verrat und Intrigen ihrer Feinde – und merken dabei nicht, dass sie selbst sich den Feind schaffen, um den Krieg herbeizurufen, den beide Seiten gern hätten. 

Um die Devanthar und Menschen aus Nangog zu vertreiben, der Welt, auf die sie kein Anrecht haben, schicken die Drachen ihre Drachenelfen unter der Führung Nandalees aus, um die im Herzen der Welt gefesselte Göttin Nangog zu befreien. Sie soll die Menschen von der nach ihr benannten Welt vertreiben, wofür die Drachen in Kauf nehmen, neben den Alben und Devanthar eine dritte Schöpfermacht auf den Plan zu rufen. Gleichzeitig schmieden sie Pläne, um die Saat der Rebellion in den Reihen ihrer Drachenelfen auszulöschen – auch für den Preis, einige von ihnen in den Tod zu schicken.

Es ist mittlerweile eine Hassliebe, die mich mit den Büchern verbindet. Es gibt Passagen, da will ich das Buch vor lauter Langeweile einfach zur Seite legen. Dann lese ich doch weiter und finde wieder etwas, das mich in seinen Bann schlägt. Die Höhen und Tiefen dieser Reihe sind einmalig, zumal sie mich trotz der Schwankungen immer wieder dazu reizen, bis zum Ende zu lesen.

Hennen benötigte geschlagene drei dicke Wälzer von je 800 Seiten und mehr, um den Drachen und Devanthar einen Grund zu liefern, nun endlich den offenen Krieg gegeneinander auszutragen. Das ist einfach viel zu viel. Die Bücher haben ihre Längen und oftmals passiert trotz der vielen Worte nichts wirklich Nennenswertes. Zu Artax kann man in diesem Band fast gar nichts sagen, Hornbori und seine Gefährten haben ebenfalls kaum etwas zu melden. Wobei bei den Zwergen immer noch fraglich ist, was sie in dem kommenden Krieg zu melden haben und welche Rolle sie noch spielen werden – und ob die überhaupt relevant ist.

Nandalee selbst mustert sich immer mehr zu einem ziemlich lästigen Charakter. Sie rebelliert gegen ihre Drachenmeister, was diese wenigstens am Ende dieses Bandes nicht mehr dulden, kommt aber dennoch ungeschoren davon. Und warum? Wegen Gonvalon und dieser schmierigen, kitschigen Romanze der beiden. Nandalee ist schrecklich rechtschaffen und will ach so perfekt sein. Sie ist in keinster Weise ein ambivalenter Charakter, sondern durch und durch gut. Sie will zwar unbedingt eine Drachenelfe sein, dabei aber für das Gute in der Welt einstehen. Das ist eigentlich teils ein Widerspruch in sich, was sie aber nicht daran hindert, ihr Mary Sue Dasein weiter auszubauen.

Auf der anderen Seite stehen Bidayn und Lyvianne, welche eine Menge wieder herausreißen. Sie beide streben nach großer magischer Macht und insbesondere Lyvianne kennt dabei keine Skrupel. Sie ist darin ihrer Schülerin ein Vorbild, womit diese ebenfalls immer mehr vom rechtschaffenen Pfad abgebracht wird, der ihre Freundschaft zu Nandalee einst vorgezeichnet hatte. Das sind Charaktere, die mir wesentlich mehr Freude bereiten und die viel mehr Seiten zu bieten haben.

Ein Aspekt in Büchern, den ich spätestens seit A Song of Ice and Fire sehr zu schätzen gelernt habe, ist das Unvorhersehbare von Charaktertoden, insbesondere von Hauptcharakteren. Es wird so oft argumentiert, dass, wenn ein Charakter der Hauptcharakter ist, er mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende des Buches noch leben wird. Das trifft leider auf sehr viele Bücher zu, auch auf die Drachenelfen. Hennen verwendet oft sehr viel Aufwand darauf, neue Charaktere einzuführen, was in allen Fällen bis auf bisher eine einzige Ausnahme am Ende vom dritten Band ein Indiz dafür ist, dass die Situation noch so gefährlich sein kann, der Charakter wird es überleben. Das ist schlicht langweilig (und führt mitunter zu etwas absurden Situationen, in denen die Überlebenschancen eigentlich sehr gering sein sollten).

Die Bücher bestanden bisher, so habe ich das Gefühl, aus nur lose miteinander verbundenen Einzelepisoden. Zusammengenommen führen sie zwar zum nun ausbrechenden Konflikt zwischen Drachen und Devanthar, doch fehlt mir darüber hinaus ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Ereignissen. Sie stehen lediglich episodenartig nebeneinander.

Wie schon die Vorgänger hat auch „Die gefesselte Göttin“ Längen und Tiefpunkte. Neben Bidayn und Lyvianne als Charaktere gibt es dann aber doch wieder Szenen, in denen ich total gefesselt bin von den Ereignissen. Plötzlich wird es doch spannend, plötzlich taucht etwas unheimlich Faszinierendes auf, denn bei all dem Gemeckere muss man eben doch sagen: Das Worldbuilding ist genial. Für mich reißt das zusammen mit Lyvianne und Bidayn eine ganze Menge wieder heraus.

Zusammenfassend war der Leseeindruck trotzdem positiv. Die Kritikpunkte sind zahlreich, die positiven Aspekte wiegen relativ viel davon wieder auf. Auch wenn ich im vieren Teil eine Menge Jammern von Seiten Nandalees erwarte sowie, dass sie noch weiter in meiner Gunst sinken wird, so freue ich mich auf diesen.



Daten
Die gefesselte Göttin (Drachenelfen #3): ISBN 978-3-453-53346-2 , Heyne, 2013, 17,99€
 


Die Messer werden gewetzt und blutige Taten stehen bevor. Albenmark rückt im vierten Band der Drachenelfen, „Die letzten Eiskrieger“, von Bernhard Hennen gegen die Heere der Menschen aus. List und Tapferkeit sind gefragt, um ihre zahlenmäßige Unterlegenheit gegen die Menschenkinder zu ihrem Vorteil zu wandeln. Währenddessen sind eine Handvoll tapferer Pioniere in den hohen Norden von Nangog unterwegs, um das mysteriöse Traumeis zu bergen, eine fremdartige Substanz, die Träume wahr werden lässt. Dabei müssen sie sich der Geister Nangogs stellen, welche eine schier unüberwindliche Gefahr darstellen. 

Wieder mal so ein Buch, das man in einer Handvoll Sätze zusammenfassen kann, weil quasi nichts passiert. Auf der anderen Seite baut Hennen dafür weiter seine Welt aus. Die Eisgeister, körperlose Kinder Nangogs, nehmen Besitz von den Lebenden, was nicht nur ein weniger an die Others aus A Song of Ice and Fire beziehungsweise der Serie Game of Thrones erinnert, aber doch eine unheimliche Atmosphäre erzeugt. Hennen transportiert die Spannung sehr schön zum Leser, während die Pioniere nach und nach entdecken, was es mit den Geistern und dem Traumeis auf sich hat, und dabei in immer größere Gefahr geraten.

Was Hennen als ein Gesamtbild aller bisherigen Bücher sehr schön gelungen ist, ist das Bild der verschiedenen Kulturen, das er gibt. Die Drachenelfen gehören zu der früheren Geschichte Albenmarks, dementsprechend ist alles noch nicht so ausgereift wie in den Folgebänden. Gerade die Menschen betreffend merkt man dies. Ihre Gesellschaft erinnert an unsere altorientalistische Kulturen wie Babylon und dergleichen. Teilweise kämpfen die Menschen sogar noch mit Bronzewaffen, Waffen aus Eisen gelten als sehr wertvoll.

Und ja, es ist auch ein positiver Aspekt, dass Nandalee in diesem Buch quasi nicht zu Wort kommt. Ich merkte schon im Vorgängerband, wie mein Aggressionslevel stets etwas anstieg, wenn wieder einmal ein Kapitel mit ihr anstand. Mary Sues sind und bleiben einfach eine Pest.

Spätestens in diesem Band kommt zum Tragen, dass man auf beiden Seiten so seine Lieblinge hat. Hennen hatte stets die Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln erzählt: dem der Albenkinder und dem der Menschen. Nun treffen beide im offenen Krieg aufeinander und so recht will man sich als Leser nicht auf die eine oder andere Seite schlagen. Was ist, wenn es Volodi an den Kragen geht? Oder Hornbori? Das will man ja alles nicht, aber trotzdem schlagen sie sich jetzt gegenseitig die Köpfe ein. Es fehlt in dem Sinne ein klarer Antagonist, weil für jede Seite die andere der Feind ist, der Leser jedoch mittlerweile beide Parteien gut kennt. Schwarz-Weiß-Malerei ist in der Fantasy leider zu einem gängigen und furchtbar langweiligen Klischee geworden, daher ist eine Abwechslung wie diese stets sehr erfrischend.

Allerdings fragt man sich doch, was Bidayn da eigentlich die ganze Zeit bei Shanadeen macht. Warum hat sie ihn gehreitatet, was bezweckt sie damit? Entweder es wurde genannt und ich habe es einfach überlesen (kann ja auch sein), oder dieser Handlungsstrang ist wirklich so undurchsichtig und vielleicht ohne tieferen Sinn, wie er scheint.

Störend fiel auf, dass das Lektorat ständig Fragezeichen unterschlagen hat. Mir fallen in gedruckten Büchern in letzter Zeit immer mehr und mehr Fehler auf, und zwar nicht nur vereinzelte Fehler auf hunderten von Seiten, sondern durchaus gehäuft. Das darf einfach nicht passieren und erweckt einen schlechten Eindruck.

Am Ende des Buches wird schließlich und endlich die Brücke zu den anderen Elfenbüchern Hennens geschlagen. Nandalee gebiert ihre Kinder und gibt ihnen ihre Namen: Emerelle und Meliander. Ich fand es ganz witzig, dass das quasi in einem Nebensatz geschieht. Für Nandalee ist es natürlich toll, dass sie nun endlich ihre Kinder hat, aber noch hat das keine wirkliche Bedeutung für das große Ganze. Der Leser weiß in dem Moment nur einfach wesentlich mehr durch die anderen Elfenbände.

Insgesamt macht das Buch vor allem durch das fast durchgängige Fehlen Nandalees einen durchaus guten Eindruck. Dass gerade das ein positiver Aspekt ist, zeugt allerdings nicht unbedingt davon, dass hier wirklich alles im Reinen ist.



Daten
Die letzten Eiskrieger (Drachenelfen #4): ISBN 978-3-453-27001-5 , Heyne, 2015, 17,99€
 


Die finale Schlacht steht unmittelbar bevor, und der Himmel steht in Flammen im letzten Band der Drachenelfen, Himmel in Flammen, von Bernhard Hennen. Noch einmal wird alles geboten, um den Feind niederzuringen, darunter auch ein Cthulhu-Monster und fliegende Felsen. Aber ein Ende? Nicht wirklich. 

Nun sitze ich hier, habe den bisher dicksten Elfenband vor mir und weiß nicht, was ich davon halten soll. Die ganze Reihe ist in Hinblick auf ihren Umfang wahrlich monströs, was zumindest den Vorteil hat, dass Hennen seine Welt ausgesprochen detailliert darstellen konnte. Er verliert sich dabei zumindest nur teilweise etwas im Detail und kann größtenteils die Handlung stets vorantreiben. Mit Nangogs Kind, das durchaus gewisse Ähnlichkeiten mit Cthulhu hat, und dem Himmelland, einem Verbund von fliegenden Felsen, die zur Schlacht ausgerüstet wurden, hat er in der Tat am Ende seiner Reihe noch einmal einige ausgesprochen kreative und, verzeiht mir den recht jugendhaften Ausdruck, coole Ideen eingebracht.

Es fühlt sich trotzdem nicht wie ein Ende an. Nicht etwa, weil ich so lange nun an den Drachenelfen gelesen habe, nein. Viele Handlungsstränge wurden unsauber zu Ende gebracht oder verlaufen einfach ins Nichts, sodass es insgesamt wirkt, als würde da noch ein Drachenelfen-Band kommen. Mit fünf Wälzern hatte Hennen jedoch genug Spielraum, um das Ende auch wirklich wie ein Ende aussehen zu lassen. Klar, in der Chronologie geht es nahtlos weiter mit „Die Elfen“, lang lang ist’s her. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass vieles, das in den Drachenelfen am Ende offen blieb, in den anderen Elfenbüchern aufgegriffen und dort dann zu Ende geführt wurde.

Hinzu kommt, dass etwa nach der Hälfte des Buches ein plötzlicher Bruch kommt. Bisher hatte Hennen die Geschichte der Drachenelfen kontinuierlich erzählt ohne allzu große Zeitsprünge zu haben. Plötzlich jedoch übergeht er geschlagene sieben Jahre Krieg und kommt von den Anfängen des Konfliktes direkt zu seinem Ende. Nachdem er im Vorfeld viereinhalb Bücher so kontinuierlich erzählte, wirkt dieser Sprung unelegant und bringt ein gewisses Ungleichgewicht ins Lesen hinein.

Für den Abschluss dieser Reihe hätte ich etwas Bombastisches erwartet, etwas, das mich von den Socken haut und mich denken lässt: „Boah, krass! Wie genial war das denn?!“ Gut, wir haben Nangogs Kind und das Himmelland, aber das sind lediglich zwei Aspekte auf knapp 1100 Seiten. Der Rest hebt sich nicht wirklich von den vorhergehenden Bänden ab. Hinzu kommt, dass Nandalee jetzt wieder ihre innere Mary Sue ausleben darf.

Alles in allem soll dies hier also das Ende sein, ist aber kein wirkliches Ende. Der Band war nicht schlechter als seine Vorgänger, jedoch waren die Erwartungen an ihn, weil er eben der Abschluss der Reihe ist, um einiges höher. Ihnen konnte er einfach nicht gerecht werden.

Ich danke Heyne für das Rezensionsexemplar!



Daten
Himmel in Flammen (Drachenelfen #5): ISBN 978-3-453-26889-0 , Heyne, 2016, 18,99€


Was ist erstrebenswerter? Keine Erinnerungen an die früheren Lebensjahre besitzen und dafür in Frieden leben, oder all die Erinnerungen wiedererlangen und damit einen blutigen Krieg heraufbeschwören? Kazuo Ishiguro widmet sich dieser Frage in seiner Geschichte über kleine und große Entscheidungen des Lebens und die Treue zueinander. 

Das ältere Ehepaar Axl und Beatrice lebt zurückgezogen als Bauern in einem britanischen Dorf. Das einzige, was den Frieden stört, ist der Nebel, der die Landschaft umfangen hält. Anscheinend ist er es, der alle Erinnerungen an die früheren Lebensjahre verblassen lässt.  Dennoch treibt Beatrice das unstillbare Verlangen an, ihren Sohn zu finden. Das Ehepaar bricht auf, um ihn zu suchen und zugleich das Geheimnis des Nebels zu lüften.

Ins Auge fällt, wie ausgesprochen höflich alle Protagonisten miteinander umgehen. Flüche findet man so gut wie keine, den auftretenden Rittern tut es sogar Leid, dass sie gegeneinander antreten müssen, weil sie keinen Konsens finden können. Es wirkt, als schienen hier Ishiguros japanische Wurzeln durch.

Mit viel Liebe und Gefühl begleitet der Erzähler die beiden Protagonisten auf ihrem Abenteuer. Die Handlung mag ordinär wirken: Die Helden ziehen aus, um etwas oder jemanden zu finden und am Ende sogar einen Drachen zu erschlagen. Doch in ihr finden sich fein eingeboben Botschaften und Denkanstöße.

In unserer Zeit, in der der Lebenspartner so austauschbar zu sein scheint wie das nächste Smartphone, wirkt eine langjährige und innige Beziehung wie die Axls und Beatrices bemerkenswert. Doch nur sie hat es ihnen ermöglicht, ihr Abenteuer gemeinsam durchzustehen. Axls stete Sorge um seine „Prinzessin“, wie er Beatrice nennt, ist herzerwärmend.

Gerade die Einfachheit, in der Axl und Beatrice leben, macht die Geschichte interessant. Sie sind beide ebenso einfache Leute, keine großen Helden oder Ritter. Damit sind sie in einer sehr ähnlichen Position wie der Leser. Dennoch sehen sie sich auf einmal in einer Situation, die ihnen fremde Rolle einnehmen zu müssen und über Krieg oder Frieden zu entscheiden.

Zum Schluss bleibt die Frage im Raum stehen, was man selbst wählen würde. Frieden oder Erinnerungen? „Der Begrabene Riese“ ist kein Buch, das man beiseitelegt und dann vergisst.


Ich danke dem Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar.



Daten
Der Begrabene Riese, Orig. The Buried Giant: ISBN 978-3-89667-542-2 , Karl Blessing Verlag, 2015, 22,99€
 
 


Drachen sind grausame Monstrositäten, die ohne Rücksicht auf ihre Umwelt alles niederbrennen und Tod und Verderben sähen. Sie sind gefürchtet und gehasst, einen Ritter gebührt große Ehre, wenn er einen von ihnen erschlägt. Oder? Aber was wäre, wenn sie doch vernunftbegabte und rücksichtsvolle Wesen sind? Wären sie dann immer noch gehasst und verfolgt? 

Die letzten Drachen der Welt leben zurückgezogen in einem Wald. Ein Zauber schützt ihre Siedlung, doch als eine junge ehrgeizige Drachendame ein mächtiges Zauberbuch findet, bringt sie sie alle in Gefahr. Gleichzeitig wird der Junge Errol wider seinen Willen, zu einem Kriegerpriester ausgebildet, dessen Bestimmung es sein wird, Drachen zu töten. Dabei ist es doch sein Wunsch, so viel wie möglich über Drachen zu lernen, statt sie umzubringen. Zu allen Ungunsten stirbt auch noch der alte König, welcher bis jetzt eine schützende Hand über die Drachen gehalten hatte, und seine Tochter lechzt nach Blut.

Bücher, die Drachen thematisieren, stellen diese meist in der üblichen Symbolik als Feinde dar, in der sie auch in der klassischen Mythologie zu finden sind. Daher präsentiert sich die Trilogie James D. Oswalds als angenehme Abwechslung und wirft gleichzeitig einige interessante Fragen auf.
Seine Drachen sind weder stumpfsinnige Tiere noch verschlagene und grausame Jäger. Vielmehr sind sie kluge Wesen, die eigentlich nichts mehr wollen, als in Frieden zu leben. Die Menschen halten jedoch die Erinnerungen an die blutigen Konflikte der Vergangenheit in ihren Sagen und Legenden wach. Erst königliche Edikte der jüngeren Vergangenheit haben eine Koexistenz von Mensch und Drache ermöglicht. Der kriegerische Orden des Hohen Fryd ist jedoch an einem friedlichen Miteinander nicht interessiert und verteufelt die Drachen zu Bestien, die es auszurotten gibt. Wenn es kein Feind gibt, wird sich einer geschaffen. Klingt vertraut, oder?

Leider nimmt der Prolog die besondere Herkunft Errols vornweg, sodass der Leser in diesem Moment mehr weiß als der Protagonist. Auch wenn sich damit von Anfang an ein Konfliktherd abzeichnet, nimmt es doch die Spannung, da man nicht mehr mit Errol gemeinsam herausfinden kann, wer er eigentlich ist.

Der erste Band der Trilogie ist mehr ein Auftakt. Die Handlung braucht, um in Fahrt zu kommen und tritt teilweise auch ein wenig auf der Stelle. Dadurch fehlt zu einem Großteil die Spannung, da lange nicht ersichtlich wird, wo der Konfliktherd liegt. Der letzte Teil ist dafür umso rasanter und gipfelt in einem sehr gelungen Cliffhanger hin zum Folgeband.

Stattdessen verwendet der Autor viel Zeit, um seine Welt aufzubauen und dem Leser nahezubringen. Lobend sind die Texte zu Beginn eines jeden Kapitels hervorzuheben, die Auszüge aus der Literatur seiner Welt darstellen und ebenjener dadurch auch mehr Substanz verleihen.

J.D. Oswalds Sprache ist gelungen. Er schreibt sehr bildhaft, sodass Umgebung und Charaktere deutlich vor die Augen des Lesers treten. Insbesondere was das Aussehen seiner Drachen betrifft, beschreibt er weniger, als dass er es durch das deutlich macht, was sie tun, was definitiv eine angenehme Abwechslung zu einer stupiden Aneinanderreihung von Eigenschaften ist.

Der Grundgedanke ist sehr interessant, dass Drachen nicht die Bösen sind, sondern dazu gemacht werden. Interessant ist auch ihre humanoide Darstellungsweise, die zunächst ein wenig befremdlich ist, bei genauerer Betrachtung aber interessante Interpretationsaspekte aufwirft. Obgleich Dreamwalker nicht die packendste Lektüre ist, ist der Schluss definitiv gelungen und auch ein Griff zu Band Zwei empfiehlt sich.



Daten
Der Zauber des Drachenvolkes, Orig. Dreamwalker, Dreamwalker 1: ISBN 978-3-570-40306-8 , cbj, 2015, 12,99€
 


„Das Geheimnis des Magierordens“ (Orig. „The Rose Cord“) setzt da an, wo der Vorgängerteil aufhörte. Benfro flieht vor Inquisitor Melyn und seinem Orden des Hohen Fryd, nachdem sie seine Mutter Morgum ermordeten. Ihm gelingt die Flucht, nicht zuletzt auch durch die letzte Magie seiner Mutter. Der Geist Morgums erscheint ihm kurz darauf und trägt ihm auf, den Drachen Corwen ausfindig zu machen. Dort soll er seine besondere Gabe des Traumwandelns verfeinern und in die Magie eingewiesen werden. Der Geist Magogs hat es jedoch auf ihn abgesehen, und es gelingt ihm zeitweilig, Benfro in seine Gewalt zu zwingen. 

Errol befindet sich noch immer in den Fängen des Ordens vom Hohen Fryd. Dort wird er zum Drachenjäger ausgebildet, obgleich er eigentlich nichts weiter will, als die Drachen zu studieren und sie ansonsten in Frieden in ihren letzten Refugien leben zu lassen. Aus Selbstschutz bewährt er sich jedoch im Orden und soll als Spion zu den Feinden des Reiches geschickt werden. Dort jedoch wird er an den König ausgeliefert und gerät von einer Katastrophe in die nächste.

„Das Geheimnis des Magierordens“ knüpft nahtlos an den ersten Teil der Reihe an. Wurde am Ende des ersten Bandes Morgum gerade geköpft, so ist Benfro hier sogleich auf der Flucht. Der Leser ist von Anfang an mitten im Geschehen und hofft, dass es dem jungen Drachen gelingt, seinen Häschern zu entkommen.

Auch mit Errol fiebert man mit. Der Plottwist, dass er plötzlich an den verfeindeten König ausgeliefert wird, ist sehr gelungen und bringt noch einmal zusätzlich Spannung hinein.

Generell ist bis zu diesem Punkt der Reihe lobend herauszuheben, dass auf überflüssigen Konfliktaufbau verzichtet und sich eher auf das konzentriert wird, was die Handlung auch tatsächlich voranbringt. Was man hier lediglich am Rande findet, sind Romanzen, die unnötig Konflikte aufbauen, die keinen größeren Mehrwert für die Geschichte beinhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen ist das eine angenehme Abwechslung.

Leider ist es dem Autoren dieses Mal nicht so gut gelungen, den Leser bei der Stange zu halten. Prinzipiell ist es immer gut, wenn etwas Sonderbares passiert und es nicht gleich auf den nächsten Seiten aufgelöst wird. In diesem Fall aber passieren zu oft rätselhafte Dinge, die die Protagonisten zudem auch jedes Mal aus dem Schlamassel retten.

Mehrmals droht Errol unmittelbar der Tod und doch entkommt er auf eine Weise, die er selbst nicht erklären kann. Leider geht dadurch einiges an Spannung verloren, wenn Errol wieder und wieder dem Tod von der Schippe springt. Auch Benfro kann auf einmal auf wundersame Weise fliegen, und es wird leider viel zu spät erklärt, woher er diese Fähigkeit bekommt. Bis dahin wundert man sich nur über die scheinbare Unlogik, was ebenso den Lesegenuss trübt.

Oswald hat sich auch in diesem Buch stark seiner Welt gewidmet. Man erfährt viel über ihre Geschichte und den aktuellen politischen Zustand. Er flechtet es gut in die Handlung ein, tritt jedoch in manchen Passagen zu sehr auf der Stelle, sodass sich der Roman streckenweise zieht.

Alles in allem ist das Leseerlebnis jedoch gut und auch der Griff zum bald erscheinenden dritten Teil ist eine lohnende Investition.



Daten
Das Geheimnis des Magierordens, Orig. The Rose Cord, Dreamwalker 2: ISBN 978-3-570-40307-5 , cbj, 2016, 12,99€
 


Manchmal müssen Feinde zu Freunden werden, wenn sie von demselben Feind verfolgt werden. Im dritten Teil der Dreamwalker-Reihe von James D. Oswald muss Benfro lernen, dass Errol, obgleich ein Mensch, nicht sein Gegner ist und sie nur gemeinsam gegen Melyn bestehen können. 

Magogs Einfluss auf Benfro wird immer stärker, was Benfro immer unberechenbarer macht. Wann ist er noch er selbst und wann gewinnt der Geist des bösen Drachenmagiers die Oberhand über ihn? Es fällt ihm schwer sich einzugestehen, dass Errol in der Tat der einzige ist, der ihm jetzt noch helfen kann, besonders dann, als Corwen der Magie Magogs erliegt und Inquisitor Melyn ihnen immer dichter auf den Fersen ist. Da erscheint auf einmal ein wilder Drache, ein wahres Ungetüm, wie es die Welt seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen hat. Es scheint, dass er aus der Parallelwelt Gogs stammt, die Benfros Vater gesucht hatte. Ebenjene Welt scheint auch die einzige Rettung für die letzten Drachen zu sein.

Sehr rasch fällt ins Auge, dass das Lektorat hier keine gute Arbeit leistete. Da werden immer wieder Kommata oder Anführungszeichen vergessen, ganze Wortgruppen wiederholen sich direkt hintereinander und Namen werden vertauscht. Bereits in den ersten Bänden fielen gelegentlich kleine Fehler auf, hier jedoch häufen sie sich so sehr, dass sie störend wirken.

Inhaltlich ist dieses Mal jedoch nichts auszusetzen. Da jetzt auch noch eine zweite Welt ins Spiel kommt, wird der Weltenbau interessanter als noch in den Vorgängerteilen. Plötzlich sind Drachen in der Tat wieder eine Bedrohung sowohl für die Menschen als auch die letzten ihrer Artgenossen. Man fragt sich, wieso sie plötzlich auftauchen und wo sie her kommen. Das Buch wirft damit allerhand Fragen für die kommenden Bände auf und macht viel Lust auf sie.

Auch charakterlich tut sich einiges. Nachdem Beulah am Anfang der Reihe vor allem als skrupellose Königin gezeichnet wurde, die in erster Linie an ihrer eigenen Macht und weniger am Wohlergehen anderer interessiert ist, wandelt sich das zunehmend mit ihrer Liebe zu Clun. Er stammt eigentlich aus einfachen Verhältnissen, sie jedoch riskiert eine Menge, als sie ihn in den Adelsstand erhebt und ihn heiratet. Sie zeigt ihm gegenüber sogar romantische Attitüden, was ihr mehr Vielschichtigkeit verleiht und sie als Charakter interessanter macht.

Auch mit Benfro und Errol geht es vor allem in der zweiten Hälfte des Buches spannend weiter. Magogs Einfluss auf Benfro wird immer dramatischer, gleichzeitig muss er aber lernen, Errol als Verbündeten anzusehen. Für sie gilt es herauszufinden, was es mit den fremden Drachen und der Welt, als der sie stammen, auf sich hat, da das womöglich ihre einzige Rettung ist. Dabei werde sie noch immer von Inquisitor Melyn verfolgt und sehen sich zahlreichen neuen Gefahren gegenüber. Das Buch endet wie Band 1 mit einem ähnlich gelungenen Cliffhanger, der dazu verleitet, sich sogleich Band 4 anzuschaffen.

Nachdem Band 1 und 2 durchaus gute, wenn auch nicht die allerbeste Unterhaltungsliteratur waren, weist Band 3 eine deutliche Richtung nach oben auf. Er lässt die Ernüchterung nach dem zweiten Teil rasch wieder vergessen und darauf hoffen, dass die Reihe sich einem packenden Finale entgegenneigt.



Daten
Die Gefangene des Drachenturms, Orig. The Golden Cage, Dreamwalker 3: ISBN 978-3-570-40308-2 , cbj, 2016, 12,99€
 


Benfros und Errols Abenteuer neigen sich ihrem Ende entgegen. In „The Broken World“, dem vierten und vorletzten Teil der Ballad of Sir Benfro von James D. Oswald, spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu. Benfro ist in einem Zirkus gefangen, Drachen einer anderen Welt greifen das Zwillingskönigreich an und Inquisitor Melyn führt mit grausamer Zielstrebigkeit den Willen seines Gottes aus, nicht merkend, dass er betrogen wird. Die Hoffnung für Benfro liegt erneut bei Errol. Sie beide wollen in die neue Welt entkommen, denn nicht alle Drachen, welche dort leben, scheinen wilde und grausame Bestien zu sein.

Erneut liefert der Autor wieder viele interessante Informationen über die Welten, die er geschaffen hat. Nicht nur zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es Auszüge aus der Literatur der fiktiven Kulturen, auch im Text selbst ist viel gegeben. Errol und Benfro gelingt es, in die neue Welt zu fliehen, und lernen dort die Kulturen der dort lebenden Menschen und Drachen kennen. Damit bekommt Oswalds Welt mehr Tiefe und Komplexität.

Leider flacht die Handlung vor allem gegen Ende ab. Es wirkt zunächst, als ginge die Reihe ihrem Ende entgegen, was besonders dann etwas verwunderlich wirkt, wenn man bedenkt, dass noch ein Teil folgen soll. Wortwörtlich auf den letzten Seiten reißt der Autor jedoch das Ruder noch einmal herum und baut die Brücke zum abschließenden Teil der Reihe.

Leider ist das Ende vor allem in Hinblick auf Inquisitor Melyn sehr vorhersehbar und nicht so packend und überraschend wie in Band 1 oder 3.

Alles in allem fehlt ein wenig die Klimax des Spannungsbogens, sodass sich das Buch eher verläuft, als ein tatsächlich klar definiertes Ende zu haben. Das ist bedauernswert, da die Handlung an sich eigentlich durchaus spannende Elemente hat besonders in Hinblick auf den religiösen Fanatiker Melyn und seinen „Gott“. Dieses Mal hat Oswald leider das Potenzial seiner Geschichte nicht völlig ausgereizt.



Daten
The Broken World, The Ballad of Sir Benfro 4: ISBN 978-1-405-91778-0 , Penguin Books, 2015, 9,20€


Die Welt ist nicht schwarz und weiß, nicht so einfach in Gut und Böse aufgeteilt. Manchmal werden alte Feindbilder über den Haufen geworfen und ein einstiger Feind wird zum Verbündeten, vielleicht gar zum Freund. J.D. Oswalds fünfter und abschließender Band der »Ballad of Sir Benfro«, »The Obsidian Throne«, ist ein Stückweit auch ein Statement gegen Rassismus. 

Die größte aller Gefahren droht den zerbrochenen Welten von Gog und Magog. Melyn hat sich mit seinem Gott vereint, welcher sich als der Drache Magog entpuppte, und gelangt so zu großer und schrecklicher Macht. Auch Beulah und ihre Drachen fügen während der Eroberung von Candlehall dem Zwillingskönigreich großen Schaden zu. Ihr Ziel ist der Obsidianthron, welcher auch ihre Macht hin zur Unbezwingbarkeit vervielfältigen würde. Jetzt ist es allein an Benfro, Magogs Macht über die Welt zu brechen, doch er ist schwer verletzt. Seine letzte Hoffnung liegt bei Errol. Drachen und Menschen müssen sich verbünden, um ihren gemeinsamen Feind Melyn und Magog zu besiegen.

Endlich wurde im fünften Band eine wunderschön illustrierte Karte von Benfros Welt gegeben. Karten sind in Fantasyromanen kein Muss, es ging bisher ja auch ohne. Doch sie helfen immer, noch mehr in die Welt einzutauchen und sie zu illustrieren.

Wie auch schon in allen vorherigen Bänden geht auch hier jedem Kapitel ein kleiner literarischer Text aus Oswalds Welt voran, welcher das Thema des Kapitels vertiefend illustriert und in manchen Fällen auch wesentliche Informationen beisteuert, mit deren Hilfe die Kapitel deutlich mehr Leben und Tiefe bekommen. Wie immer sind diese Texte sehr schön zu lesen und verraten viele interessante Details, die das Worldbuilding weiter ausschmücken.

Es erwies sich als schöner Kniff des Autors, dass er die Geschichte aus der Sicht beider Parteien erzählt und dem Leser auch die eigentlichen Antagonisten, vor allem Beulah, nahebrachte. So ganz will man sich mitunter am Ende nicht entscheiden müssen, ob nun Beulah oder Benfro und seine Freunde triumphieren … Das unterstreicht noch einmal die Aussage, dass die Welt nicht immer so einfach in Gut und Böse einzuteilen ist.

Bei dieser Reihe ist die Lektüre der originalen Fassung gegenüber der deutschen Übersetzung  definitiv ein Gewinn für den Lesegenuss. Oswald hat eine schöne, in seine mittelalterliche Welt passende, dabei aber doch auch für Nicht-Muttersprachler leicht verständliche Sprache. Außerdem ging in der Übersetzung der ersten drei Bände allerhand auf sprachlicher Ebene verloren. Neben Bezeichnungen wie dem »rose cord« gingen auch die sprachästhetischen Aspekte der Drachennamen verloren. Statt sie in ihren walisischen Formen zu lassen, wurden sie eingedeutscht. Aus dem originalen Namen von Benfros Mutter Morgwm wurde so zum Beispiel Morgum. Eine der maßgeblichen Inspirationen Oswalds für diese Reihe war die walisische Sprache, welche er selbst erlernt hat, daher ist es sehr schade, dass das im Deutschen nicht erhalten wurde.

Leider trat die Handlung vor allem zu Beginn des Buches sehr auf der Stelle. Nachdem der vorherige Band so rasant und spannend endete, ging es vergleichsweise ruhig weiter. Dafür war das Ende umso packender, als im letzten Drittel endlich angezogen wurde. Die Reihe hat ein sehr schönes Ende, ein wenig bittersüß, aber doch sehr zufriedenstellend, sodass man auch später wieder gern zu den Büchern greift und erneut Benfro auf seinen Abenteuern begleiten möchte.

»The Obsidian Throne« ist definitiv ein schöner Abschluss der Reihe, welche insgesamt zwar durchwachsen, aber doch lohnenswert zu lesen war.


Daten
The Obsidian Throne, The Ballad of Sir Benfro 5: ISBN 978-1-405-91780-3 , Penguin Books, 2016, 7,99£
 


Emotionen sind das, was uns menschlich macht, uns Wärme geben und uns von den Eisdrachen und anderen Kreaturen des Winters unterscheidet.

George R.R. Martin, zu Recht als amerikanischer Tolkien betitelt, erzählt in „The Ice Dragon“ die Geschichte des Winterkindes Adara. Sie lebt mit ihrer Familie im Norden auf einem einfachen Bauernhof. Als sie geboren worden war, herrschte einer der kältesten Winter seit vielen Jahren, und ebenso kalt ist auch sie. Sie lacht nicht, sie weint nicht, und wenn der Frost klirrt und alle sich vor den warmen Kamin drängen, fühlt sie sich in der Kälte des Winters am wohlsten. Sie ist zudem der einzige Mensch, der jemals einen Eisdrachen berührt oder gar geritten hat. Als feindliche Drachenreiter das Königreich angreifen und auch ihre Familie bedrohen, ist diese Verbindung vielleicht das einzige, was sie noch retten kann. 
In seiner unvergleichlichen Art und Weise erzählt Martin eine Kindergeschichte, die uns lehren soll, füreinander da zu sein, Mensch zu sein und uns gegenseitig Wärme zu geben. Es ist eine jener Geschichten, die dem Namen nach für Kinder geschrieben wurde, aber einen großen Mehrwert für Jung und Alt hat.

Adara wirkt und ist auch zu Beginn der Handlung emotional distanziert und kalt. Da der Leser die Geschichte durch sie erfährt, hat das natürlich auch einen Effekt auf das Lesen. Anders als Adara versteht der Leser jedoch auch, warum ihre Familie und deren Freunde mitunter abweisend und befremdet auf sie reagieren. Umso intensiver erfährt man daher das „Auftauen“ des Mädchens am Ende der Geschichte, als ihre Familie sich ein neues Leben im warmen Süden aufbaut, womit auch final die Intension des Buches transportiert wird.

Die Ausgabe wurde von Luis Royo illustriert, der den Winterzauber der Geschichte mit wundervollen Bildern einfängt. Fast jede Seite ist reich und detailliert illustriert. Auch auf der Innenseite des Covers und auf den Innenseiten der Buchdeckel finden sich fein ausgearbeitete Bilder. Damit wird das Buch nicht nur zu einem besonderen Lesegenus, sondern auch zu einem Fest für die Augen.








Daten
The Ice Dragon: ISBN: 978-0-7653-7877-4 , Tor Teen, 2014, 10,90€


Rithmatists sind privilegiert. Nicht jedem wird die Gabe der Rithmatics vergönnt, doch der Preis ist hoch: Jeder Rithmatist wird verpflichtet, für die Vereinten Inseln zu kämpfen – und notfalls auch sein Leben zu geben. Brandon Sanderson erzählt in seinem Jugendroman rund um die Magie aus Kreidefiguren die Geschichte Joels, eines einfachen Jungen, der davon träumt, ein Rithmatist zu sein, selbst wenn es ihm das Leben kosten könnte. 

Die Armedius Academy ist eine von insgesamt acht Schulen in den Vereinten Inseln, Sandersons Steampunk-Version der USA, die die Kunst der Rithmatics lehrt, bei der mittels verschiedener geometrischer Figuren kleine Kreidebilder zum Leben erweckt werden. Zwar kann theoretisch jeder die Linien erlernen, doch nur die Rithmatists haben die Fähigkeit, ihnen auch Leben zu geben.

Joel ist kein Rithmatist, wünscht sich aber nichts sehnlicher, als einer sein zu können. Da sein Vater Kreide für Rithmatists hergestellt hatte, bevor er bei einem Unfall starb, ist ihm erlaubt, gelegentlich am Unterricht der Rithmatics-Schüler teilzuhaben. Er lernt und studiert eifrig die Rithmatics. Als mehrere Schüler auf mysteriöse Weise verschwinden, wird er daher zum Assistenten von Rithmatics-Professor Fitch ernannt, denn ein Rithmatist scheint in die Vorfälle verwickelt zu sein. Zunächst werden nur Schüler der Akademie entführt, doch als Leute dabei umkommen, spitzt sich die Lage immer mehr zu. Auch Joel gerät schließlich in das Visier des Scribbler genannten Täters und muss um sein Leben fürchten.

Der Leser steigt in die Geschichte mitten im Geschehen ein. Man befindet sich an einem der Tatorte und verfolgt aus den Augen des Opfers das Geschehen. Damit wird die Geschichte von Beginn an dynamisch und spannend.

Sanderson gelingt es sehr gut, seine Kreidemagie zu erläutern, indem er auf eine Mischung aus Theorie, beispielsweise in Form des Unterrichts, und  aus Praxis zurückgreift, als er in einem der ersten Kapitel ein Duell zwischen zwei Rithmatists beschreibt. Wieder einmal zeigt er damit seine beeindruckende Kreativität.

Was jedoch ins Auge fällt, ist, dass Joel ähnlich wie viele andere von Sandersons Hauptcharakteren funktioniert. Er ist sehr schlau und hat eine gute Kombinationsgabe, die ihm immer wieder plötzliche Eingebungen gibt, die er dann weiter verfolgt. Wer andere von Sandersons Büchern gelesen hat, weiß damit schon sehr schnell, wer definitiv nicht der Täter ist, da Joel, wie auch zum Beispiel Kaladin (Sturmlicht-Chroniken) oder Raoden (Elantris), zwar gute Einfälle hat, die ihn auch voranbringen, damit aber nicht unbedingt auf der richtigen Spur ist.

Erst gegen Ende wird offenbart, wer hinter dem Verschwinden der Schüler und schließlich auch den Morden steckt. Die Auflösung kommt sowohl für Leser als auch Charaktere überraschend und verblüffend. Sanderson packt hier noch einmal aus und greift tief in seine Trickkiste der Kreativität, womit er die Weichen für kommende Folgebände stellt. Der Täter wird gefasst, dennoch sind noch immer viele Fragen offen, die Raum für eine Fortsetzung bieten.

Am Ende des Buches findet sich ein Reading and Activity Guide. Da das Buch vor allem, aber nicht nur, an ein junges Publikum gerichtet ist, sollen verschiedene Fragen und Aufgaben motivieren, sich vertiefend mit dem Buch zu befassen, beispielsweise im Rahmen des Schulunterrichts. Die Fragen regen dazu an, über verschiedene Passagen des Textes zu reflektieren und mitunter auch einen neuen Blick darauf zu gewinnen. Zudem sind einige Kreativaufgaben dabei, die den Inhalt zusätzlich aufarbeiten sollen.

Aufgrund von Joels Ähnlichkeit zu anderen Charakteren des Autoren geht ein wenig Spannung verloren. Nichtdestotrotz verblüfft Sanderson wieder einmal mit seiner Kreativität. Auch die Aufmachung des Buches ist sehr schön. Zusätzlich zu dem Guide finden sich zu Beginn jedes Kapitels Zeichnungen, die die Kreidemagie bildlich darstellen und zur Bildhaftigkeit des Romans und seinem Verständnis beitragen. Obgleich das Zielpublikum vordergründig ein sehr junges ist, kann es auch von älteren Lesern genossen werden.


Daten
The Rithmatist 1: ISBN 978-1-4472-6615-0 , Tor Books, 2015, 9,60€
 


Natürlich kann man sich streiten, ob ein weiteres Buch über Nihal wirklich notwendig gewesen war. Natürlich kann man auch wagemutig verlautbaren lassen, dass das Ganze nur Geldmacherei gewesen war, um an den Hype vor einigen Jahren anzuknüpfen sowie ihn wieder aufleben zu lassen. Nichtsdestotrotz hat Licia Troisi „Die Drachenkämpferin: Nihals Vermächtnis“ geschrieben, auch auf den deutschen Markt gebracht und damit noch immer etliche Fans erreicht. 

Nachdem der Tyrann Aster besiegt worden ist, gehen Nihal und Sennar zusammen mit Oarf dem Drachen in die Unerforschten Lande, um dort ein neues, bescheidenes Leben abseits des ganzen Trubels um ihre Personen zu führen und auch eine Familie zu gründen. Eine Weile geht alles mehr oder weniger gut, auch wenn sie bei den Elfen auf wenig Gegenliebe stoßen. Als Sennar jedoch Opfer eines missglückten Zaubers wird, sieht Nihal sich gezwungen, Hilfe bei den verhassten Elfen zu suchen. Der Preis dafür ist ihr Leben, und sie ist gewillt, ihn auch zu zahlen. Doch mit ihrem Ableben endet ihre Geschichte noch nicht.

Natürlich freute sich das Fanherz, als es einen erneuten Band mit dem Titel „Die Drachenkämpferin“ und Nihal in heroischer Pose darauf erblicken durfte. Mit dem Abstand er Jahre zur eigenen Jugend bleibt dennoch ein kleiner Wehmutstropfen, denn Troisi ist alles andere als eine talentierte Autorin.

Sie hält sich nicht lange mit Beschreibungen auf. Wozu auch beschreiben, wenn das halbe Buch ohnehin nur aus Dingen besteht, die man bereits aus den anderen beiden Trilogien der Aufgetauchten Welt kennt? Natürlich fühlt der Leser sich hier ein wenig an der Nase herumgeführt. Da freut man sich auf neue Abenteuer Nihals, aber nichts da!

Die Nacherzählung dessen, was bereits bekannt ist, wirkt ein wenig gehetzt und gedrängt, als wäre der Autorin bewusst gewesen, dass ihre Fans das eigentlich nicht lesen wollten, sondern lieber neuen Stoff bekommen hätten. Also hält sie sich gar nicht erst mit ausschweifenden Sätzen oder allzu detaillierten Beschreibungen von Umgebung und Handlung auf und schreitet mit großen Schritten zur zweiten Hälfte des Buches.

Über einhundert Jahre sind vergangen seit Nihals Tod. Die Elfen wurden aus der Aufgetauchten Welt zurückgedrängt und lecken nun ihre Wunden. Einige wenige jedoch haben noch immer Kampfeswillen und sind eine Bedrohung für ihre Nachbarn. Diese sehen ihre einzige Rettung in Nihal, die jedoch muss erst einmal von den Toten wiedererweckt werden.

Da man als Leser natürlich von Beginn an wusste, dass jedes „neue“ Abenteuer Nihals mit ihrem Tod enden würde, war das in der Tat eine überraschende Lösung des Ganzen, die mitunter nicht jeder hat kommen sehen. Das Ende jedoch schon, was das Leseerlebnis erneut trübt.

Tatsächlich aber durchaus gelungen ist der Aufbau des Buches. Die Rahmenhandlung stellt ein geheimnisvoller Barde dar, der eigentlich gar nicht so geheimnisvoll ist, wenn man nur etwas darüber nachdenkt, woher er so viel über Nihal weiß, das eigentlich keiner wissen kann. Er singt Lieder über Nihals früheste Kindheitstage, ihre Zeit in den Unerforschten Landen sowie über die Ereignisse nach ihrer Wiederbelebung. Das gibt dem ganzen Buch den Anstrich einer Ballade.

Am Ende kann man sagen, dass Fans der Aufgetauchten Welt durchaus mit einigen kleineren Abstrichen wieder auf den Geschmack kommen. Der Rest hat nichts verpasst.



Daten
Die Drachenkämpferin 4: Nihals Vermächtnis, Orig. Cronach del Mondo Emerso . Le Storie Perdute: ISBN 978-3-453-27037-4 , Heyne, 2015, 16,99€
 


Fantasy? Science-Fiction? Warum nicht beides zugleich? Mit „Grauwacht“ ist Robert Corvus die Fusion beider Subgenres der Phantastischen Literatur mit Bravour gelungen. Er erzählt darin die Geschichte eines Planeten, der kurz vor dem Abgrund steht – und niemand will die Augen für die Gefahr öffnen, bis es beinahe zu spät ist. 

Bisola ist eine zweigeteilte Welt. Die Rotation des Planeten verläuft in Relation zu seiner Umlaufbahn um seine Sonne so langsam, dass eine Umdrehung ein Menschenleben dauert. So liegt eine Seite von ihm über Jahre hinweg im Licht der Sonne, die andere im Schatten. Die echsenhaften Sasseks brauchen die Wärme, um überleben zu können, und schlossen daher einen Pakt mit den Menschen, der diese verpflichtet, auf der eisigen Schattenseite des Planeten zu leben. Die Grauwacht beaufsichtigt den Abzug der Menschheit, sobald die Dämmerung heraufzieht, sodass die Sasseks das bald sonnige Land in Anspruch nehmen können. Als jedoch eine zweite, blaue Sonne am Himmel auftaucht und die Dämmerung kein Ende nimmt, zieht eine neue, bisher unbekannte Gefahr auf, die nur von wenigen als solche erkannt wird.

Der Roman beleuchtet die Einzelschicksale einiger Menschen und Sasseks exemplarisch für das Schicksal der gesamten Population. Der Guardista Remon, der die Grauwacht entgegen ihrer Gesetze für seine Frau Nata und ihre gemeinsame Tochter Enna verlassen hat, wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Vorena, ebenfalls eine Guardista, holt ihn in die Reihen der Grauwacht zurück, um ihn wieder für den Dienst zu verpflichten. Nata, die glaubt, ihren Mann nie wieder zu sehen, zieht mit ihrer Tochter aus der Wildnis in eine der von Menschen gehaltenen Metropolen, wo sie mit dem Sassek Ssarronn Nachforschungen zu dem blauen Licht anstellt, das zunächst nur die beiden Monde bedeckt und bald auch zusammen mit einer zweiten Sonne auftritt.

Man braucht ein wenig, um sich in die Handlung und die Welt einzufinden, das Glossar am Ende des Buches hilft jedoch dabei. Der Autor gibt nicht immer für alles eine Erklärung, besonders dann, wenn die handelnden Personen etwas für ganz selbstverständlich und alltäglich halten. Er geht jedoch geschickt genug vor, sodass vieles aus dem Kontext heraus ersichtlich wird und seine Leser nicht völlig ahnungslos belassen werden.

„Grauwacht“ besticht durch sein ausgefallenes Worldbuildung, das zudem auch noch sehr gut durchdacht ist. Ein lang andauernder Wechsel von Tag und Nacht und die damit einhergehenden klimatischen Bedingungen auf den jeweiligen Seiten des Planeten leuchten immerhin wesentlich mehr ein als die ungleichmäßigen Jahreszyklen auf Planetos. (Es sei denn, Martin gibt doch noch irgendwann Hinweise darauf.)

Es kommt selten in einem Fantasyroman vor, dass der Autor zur Erklärung besonderer Phänomene nicht Magie, sondern Wissenschaft heranzieht, in diesem Fall Astronomie und, ja, auch hoch entwickelte Technologie. „Grauwacht“ ist mehr als „nur“ Fantasy, sondern vereint in sich sowohl Elemente dieses Genres als auch der Science-Fiction. Mehr sei an dieser Stelle nicht gesagt, denn das würde die mehr als gelungene Auflösung vorausnehmen.

Auch der Schreibstil des Autors besticht mit seiner Variantenvielfallt. Corvus gelingt es, durch Erzähltempo und Diversität zusätzliche Atmosphäre aufzubauen. Nur selten stechen zu verschachtelte Sätze oder die eine oder andere Wortwiederholung heraus, fallen aber nicht weiter negativ auf.

„Grauwacht“ ist ein Roman, bei dem man sich wünscht, dass er nie endet. Leider hat er nur 415 Seiten, die viel zu schnell vorbei sind, aber zum Glück lässt der Autor seinen Lesern viel Spielraum für ihre eigenen Gedankenspielchen. Die Lektüre ist also auch nach 415 Seiten noch nicht wirklich vorbei, der Roman lässt einen nicht ohne weiteres los. Ist man einmal auf Bisola festgefroren, will man auch nicht einfach so gehen. Und wer mag, kann auch einen kleinen Mahnfinger in Richtung der Übertechnisierung und ihrer womöglichen Folgen sehen.

Alles in allem ist dieser Roman eine unbedingte Leseempfehlung!



Daten
Grauwacht: ISBN 978-3-492-26994-0 , Piper, 2015, 12,99€


Farina de Waard wird als eine Entdeckung der Selfpublisher-Fantasy gefeiert. Mit dem „Vermächtnis der Wölfe“ wurde sie bekannt und gewann 2015 den Indiebuchpreis der Leipziger Buchmesse, bei welchem sie im Folgejahr selbst Juror gewesen war. „Jamil: Zerrissene Seele“ ist nun der Auftakt einer neuen Reihe der jungen, aufstrebenden Autorin. 

„Niemals hatte Jamil damit gerechnet, dass seine Verlobung mit Lezana ein Inferno solchen Ausmaßes auslösen würde.“ So beginnt das Abenteuer Jamils, ältester Sohn des Rätors der Handelsstadt Kas’Tiel. Denn die Stadt wird angegriffen und nur wenige können auf einem Schiff entkommen. Darunter sind auch Jamils Eltern und sein Bruder Balor. Sie stranden an einer fremden Küste, sind aber selbst dort nur Eindringlinge, die das Land der Ureinwohner an sich reißen. Jamil glaubt, dass sie einen friedlichen Neubeginn erleben dürfen, stattdessen wird er von Unbekannten erschossen. Doch statt tot zu bleiben, nisten sich ein heilender Geist und ein Dämon in seinem Körper ein, und retten ihm das Leben – nur, um zu bewirken, dass Jamil sowohl von seinen eigenen Leuten als auch den Ureinwohnern als Dämon verdammt wird.

Im Grunde klingt das nach einer vielversprechenden Handlung, leider wird nicht viel daraus gemacht. Einen Großteil der Handlung über liegt Jamil schwer verwundet da, während er von dem Mädchen Ashanee, eine der Ureinwohner, beobachtet und umsorgt wird. Und natürlich, wie soll es anders sein, verlieben die beiden sich ineinander. Wir haben auch seit Romeo und Julia keine vergleichbare Liebesbeziehung erlebt.

Die unglaublich vorhersehbare Liebesbeziehung ist nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, dass die Handlung wesentlich flacher ist, als sie klingt. Wer Jamil erschossen hat, war sehr schnell ersichtlich, nachdem betont wurde, dass die Pfeile nicht von Ashanees Volk stammen und Balor nicht gerade Freund mit seinem Bruder, ja, regelrecht neidisch auf ihn war. Das ist wirklich schade, denn Potenzial lässt die Autorin eigentlich erkennen!

Balor selbst ist wie viele andere Charaktere sehr einseitig und schablonenhaft gestaltet. Er ist förmlich besessen von seinem Hass auf seinen Bruder, was übrigens, weil hier das Worldbulding fehlt, nie wirklich glaubhaft dargestellt wird. Jamil hingegen nimmt es sehr bald heroisch hin, dass sowohl die Ureinwohner als auch seine eigenen Leute ihn als Dämon sehen. Die einzige „Rache“, die er an ihnen übt, ist, einmal des Nachts ein paar blutige Handabdrücke an den Türen zu hinterlassen. Am Schluss rettet er sogar beide Parteien voreinander, obwohl das einzige, was ihn an sie bindet, Ashanee ist, und er ihnen ansonsten nichts schuldet, jenen Leuten, die ihn mit Vorurteilen behafteten, ihn verstießen und misshandelten und sich nicht die Mühe machten zu überprüfen, ob er wirklich ein Dämon ist.
Sowohl Handlung als auch Charaktere sind so schablonenhaft, dass im Prinzip kein Überraschungseffekt aufkommt. Die  Neuankömmlinge nehmen Land in Besitz, das nicht ihres ist, und geraten damit mit den Ureinwohnern in Konflikt. Gleichzeitig haben sie ein gemeinsames Feindbild: den Dämon Jamil, der nur von Ashanee verstanden wird, die ihn eigentlich hätte ausspionieren sollen. Immerhin geht das Buch in seiner Symbolik auf die gegenwärtige Flüchtlingssituation soweit und sagt nicht, dass sich beide Partien gegen den gemeinsamen Feind verbünden, was sehr idealistisch gewesen wäre.
Im Grunde hat das Buch eine sehr aktuelle Thematik und vertritt ein paar gute Ansichten, was immer lobenswert ist; es ist wichtig, dass ein Werk auch eine Aussage hat, um nicht völlig in die Belanglosigkeit abzudriften. Ebenso wird es sicher Leser geben, die eine Handlung wie diese mögen. Für mich war es jedoch eindeutig zu flach und die Charaktere zu einseitig. Es wäre zum Beispiel wesentlich interessanter geworden, hätte Jamil sich aggressiver und ablehnender gegenüber den Ureinwohnern als auch seinen eigenen Leuten gezeigt. Gerade gegen letztere, welche ihn ohne Wenn und Aber verstoßen haben, als ihre Seherin verkündete, dass er ein Dämon geworden sei.

Die Flachheit drückt sich auch im Stil aus. Er ist annehmbar, nichts, das sich unangenehm lesen lässt. Er ist aber auch sehr gewöhnlich, manchmal mit Tendenzen zur Umgangssprache und ohnehin überwiegend eher einfach.

Was tatsächlich sehr lobenswert ist, ist der oben zitierte erste Satz des Buches. Üblicherweise geht man bei solch einer Formulierung von einer gewissen Metaphorik aus und nicht davon, dass das Inferno wörtlich gemeint ist. Das war in der Tat sehr überraschend und kreativ.

Leider muss auch das mit einem großen Aber versehen werden, denn es hätte dem Buch sehr gut getan, die Genesung Jamils einzukürzen und dafür zu einem früheren Zeitpunkt als dem Angriff auf Kas‘Tiel in die Handlung einzusteigen. Die Stadt brennt, wenige können fliehen, sie finden ein neues Heim, beginnen gerade, die ersten einfachen Hütten zu bauen und schon wird Jamil erschossen, um dann für wohl die Hälfte des Buches dahinzusiechen. Bevor er erschossen wird, ist einfach keine Luft für den Leser, die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander kennenzulernen oder eine Beziehung zu ihrer zerstörten Heimat aufzubauen. So nimmt es den Leser kaum mit, dass sie alles verloren haben. Und gerade in Bezug auf Balors Motive wäre es enorm wichtig gewesen, ihn näher kennen zu lernen, ehe Jamil erschossen wird. Stattdessen wird all das erst im Nachhinein gegeben, das Schreibprinzip „Show don’t tell“ also ungeschickterweise ins Gegenteil verkehrt.

Das Buch ist kein völliger Reinfall. Gerade die Ansprüche an die Handlung und Charaktere sind ein sehr subjektiver Aspekt. Wie bereits betont wurde, gibt es bestimmt Leser, die so etwas gern lesen. Anspruchsvollere Leser werden allerdings wohl eher nicht in Lobeshymnen aufgehen. Suchen sie seichte Literatur für zwischendurch, könnten auch sie darüber nachdenken, zu „Jamil“ zu greifen. Das Buch ist annehmbar geschrieben und die Handlung, wenn auch nicht sonderlich originell, nicht die langweiligste.

An dieser Stelle noch mal Danke an die Autorin für die Widmung im Buch und das nette Gespräch auf der Messe!



Daten
Jamil: Zerrissene Seele: ISBN 978-3-945073-66-7 , Fanowa Verlag, 2016, 12,90€
 


Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Das weiß auch Sascha Zurawczak und lässt seine Leser dementsprechend lange hoffen, auf dass sie bis zum Schluss seines Romans „Die Wächter der Auserwählten“ lesen mögen. 

Seit Anbeginn der Zeit kämpfen der Gott des Guten und der Gott des Bösen um die Vorherrschaft über die Menschheit. Um dem jeweils bevorzugten Gott mehr Macht zu verleihen, opfern die Menschen alle tausend Jahre einem der Götter einen Auserwählten. Klago, ein mächtiger Zauberer, ist einer der Wächter der Auserwählten des Guten. Doch dummerweise verliebt er sich in die Auserwählte.

Klingt nach einer stereotypen Geschichte Gut gegen Böse? Nun … stimmt. Gerade, wenn etwas so stereotyp klingt, hoffe zumindest ich, dass der Autor irgendetwas Raffiniertes im Petto hat, das dem Ganzen eine verblüffende Wendung gibt. Und ich habe buchstäblich bis zur letzten Seite gehofft.

Wir haben hier eine Romanze, die tatsächlich einmal ihre Daseinsberechtigung hätte, wäre mehr daraus gemacht worden. Klago lebt in dem Bewusstsein, dass seine Geliebte Sarieja dem Gott des Guten geopfert wird. Das hätte zum Anlass genommen werden können, dass er die Jahrtausende alten Bräuche ernstlich zu hinterfragen beginnt, ob Menschenopfer wirklich nötig sind, um den Göttern Dienst zu tun. Ebenso hätte er beginnen können, sich dagegen aufzulehnen, was ein unheimlich spannendes Konfliktpotenzial geboten hätte.
Stattdessen fügt er sich fatalistisch in sein Schicksal und nimmt hin, dass die Auserwählte geopfert wird. Ja, er hilft sogar stets aktiv dabei, dass sie ihr Ziel erreicht.

Wo es eine Auserwählte des Guten gibt, gibt es aber auch einen Auserwählten des Bösen, und das ist niemand anderes als Klagos totgeglaubter Freund und Rivale Bahgun. Ein bisschen mehr hätte man sicherlich auch hier herausholen können, doch im Großen und Ganzen ist dieser Konfliktherd jedoch gelungen.

Bahgun als Bösewicht überzeugt leider nicht wirklich, was teils auch im Stil des Autors begründet ist. Die Figuren reden sehr gern und sehr ausführlich, was zu gelegentlich etwas sonderbaren Situationen führt. So erläutert Bahgun seinen Gegnern mitunter recht detailliert, was er mit ihnen vorhat, was ihnen theoretisch Zeit gäbe, einen Gegenangriff zu starten. Nur macht das niemand, weil darum. Die Dialoge selbst sind wie auch die narrativen Teile mitunter recht holprig und ungeschickt formuliert. Da heißt es zum Beispiel, dass eine junge Frau als Opfer „verheizt“ oder der aufmerksame Leser sich an dieses oder jenes erinnern wird. Ich persönlich jedenfalls möchte nur in Kinderbüchern wie dem Hobbit als Leser direkt angesprochen werden. Die direkte Ansprache des Lesers war hier zumindest nur ein Einzelfall.

Der Aufbau der Handlung, der klassische Kampf von Gut und Böse, ist mit Sicherheit überwiegend Geschmackssache. Es gibt auf der anderen Seite aber definitiv auch einige gute Aspekte. Denn abgesehen von Bahgun ist so manch ein Protagonist ein ausgesprochener Charakterkopf mit mitunter sehr amüsant zu lesenden Macken. Immer wieder zaubern sie ein Lächeln auf die Lippen und lockern die eigentlich doch recht ernste Stimmung des Textes auf.

Das Buch selbst hat ein sehr straffes Tempo, aber auch seine ruhigen Momente, in denen sich die Charaktere entfalten und die Leser verweilen können. Definitiv ungewöhnlich sind die Steampunk-Elemente, die man so nicht in einem Fantasy-Buch erwartet hätte. Es wird mit Gewehren geschossen und mit einer Eisenbahn gefahren. Das gibt den ganzen ein wenig den Flair des Wilden Westen, mit Sicherheit aber auch einen ganz eigenen Touch, was natürlich immer gut ist.

Alles in allem ist das Lesegefühl etwas durchmischt. Mir persönlich war die Handlung in einigen Aspekten zu linear und flach, auch wenn die letzten Seiten noch einmal mit einem durchaus spannenden Plottwist daherkommen. Dafür punktet der Roman an anderer Stelle.


Mein Dank geht an den Lente Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!



Daten
Die Wächter der Auserwählten: ASIN B01EHT0MZW, Lente Verlag, 2016, 2,99€

Ihr könnt das Buch hier beim Verlag kaufen oder auch via Amazon.

An dieser Stelle noch ein kleines Nachwort. Ich bin über Twitter auf den Lente-Verlag aufmerksam geworden. Er ist noch sehr jung und sucht daher Blogger, die die Bücher aus dem variantenreichen Verlagsprogramm besprechen. Solltet ihr Interesse daran haben, könnt ihr der Verlegerin Anette Meißner eine Mail schreiben, sie wird sich sicher darüber freuen: [email protected]
Bildquelle: http://www.lente-verlag.com/
© Michael Meißner

Marlen Haushofers Robinson Crusoe ist weiblich. In „Die Wand“ beschreibt sie die beeindruckende Geschichte einer namenlosen Frau, die auf einem Jagdausflug plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten wird. Über Nacht taucht eine unsichtbare Wand auf, die ihr Tal von der Außenwelt trennt. Alles Leben jenseits der Wand ist tot. Nur ihr Hund Luchs, eine Katze und eine Kuh überdauern mit ihr die unfreiwillige Isolation. Der Wille, für ihre Tiere da zu sein, hält die Frau am Leben und lässt sie in der Einsamkeit große Mühen auf sich nehmen. 

„Die Wand“ ist ein Roman von bedrückender Schlichtheit, Stille und Schönheit. Um nicht völlig zu verrohen, beginnt die Frau, ihren Bericht zu schreiben und erzählt darin von ihrem Leben in der Isolation sowie von ihren tiefsten Ängsten und Sorgen. Sie schreibt um des Schreibens willen und um sich das Menschsein noch ein wenig länger zu bewahren.

Die Wand ist dabei ein unauffälliger aber steter und auch ein wenig furchteinflößender Begleiter. Sie taucht eines Nachts auf und ist fortan der Status quo. Es wird keine Erklärung geliefert, was die Wand eigentlich ist, woher sie kommt oder ob sie eines Tages wieder verschwinden wird und ob das Leben auf der anderen Seite wirklich restlos tot ist. Es ist aber auch gut, dass diese Fragen offen bleiben, denn für das Überleben der Frau spielen sie, solange sie ihre Tiere hat, keine Rolle und sie als Gefangene der Wand ist auch gar nicht in der Lage, eine Antwort zu finden.

Der Stil ist hin und wieder durchsetzt von etwas aus der Mode gekommenen Wörtern, was aber ganz gut passt. Gleichzeitig berichtet die Frau sehr nüchtern von ihren Erlebnissen und Gedanken, was neben der reinen Vorstellung ihrer ungeheuerlichen Situation zusätzlich dafür sorgt, dass die Erzählung den Leser aufwühlt und in seinem Inneresten berührt. Immer wieder ist ihre Geschichte vom Tod ihrer geliebten Tiere begleitet. Nach und nach sterben die Jungen ihrer Katze, auch Luchs, ihr treuester Begleiter in der Einsamkeit, wird eines Tages nicht mehr sein, und wenn Bella, die Kuh, keine Milch mehr geben kann, wird es auch mit der Frau aus sein.

Auf der anderen Seite zeigt sich die Frau stark. In der Sorge um ihre Tiere lässt sie sich nicht von ihrer Verzweiflung übermannen, auch wenn sie schreibt, dass der Drang zum Nachgeben immer wieder stark ist. Man hofft für sie, dass es ein gutes Ende nehmen wird, und weiß doch, dass dem nicht sein kann.

Das Szenario wirkt auf einen von der Zivilisation verwöhnten Menschen mitunter befremdlich und angsteinflößend. Die namenlose Frau sagt selbst, wenn sie auf ihr altes Leben zurückblickt, dass sie sich nicht mehr mit jener Frau identifizieren kann, die sie einst gewesen war. Sie ist jetzt frei von jeglichen gesellschaftlichen Zwängen und ganz für sich selbst verantwortlich. In gewisser Weise macht sie das freier, als es jeder von uns jemals sein kann.

Man mag dies durchaus als harsche Gesellschaftskritik der Autorin lesen. Auf alle Fälle aber lässt der Roman einen innehalten und über das nachdenken, was man hat. Sind die Vorzüge der Zivilisation wirklich Vorzüge oder entfremden sie uns zu sehr von unseren Wurzeln in der Natur? „Die Wand“ ist keine leichte Kost, sondern arbeitet im Leser. Und das ist gut so.


Daten
Die Wand: ISBN 978-3-548-60571-5 , List Taschenbuch, 2007, 8,95€
 


Das mit den Tolkien-Anspielungen bei Alexander Lohmann ist vielleicht zu einer Art kleiner Tradition geworden wie die Schwerter auf Hennens Elfen-Romanen. Ein feuerspeiender Vulkan und ein goldener Ring auf dem Cover des Romans „Ring der Elemente“ wecken durchaus gewisse Assoziationen mit Mordor. Tatsächlich hat das Buch aber herzlich wenig mit Tolkien gemeinsam.

Cidos, ein junger und vielversprechender Magier, muss den Untergang seiner Heimat durch einen Vulkan und den dadurch ausgelösten Tsunami miterleben. Mehr durch Glück entkommt er und gerät dabei an seinen alten Freund und Schmuggler Helger. Dieser arbeitet mit dem alten Erzmagier Theimenes zusammen. Gemeinsam fliehen sie aus ihrer zerstörten Heimat, Theimenes hat aber bereits einen Plan, wie sie wieder dorthin gelangen können. So scheint es, denn in Wahrheit verfolgt der alte Magier ganz eigene Pläne. Und dafür ist er bereit, auch seine engsten Vertrauten zu opfern.

Es ist etwas schwierig, in die Handlung und die Welt des Romans einzusteigen, weil sowohl die Charaktere als auch das Setting nur ungenügend eingeführt werden. Zwar ist es durchaus gut, dass dem Leser nicht alles minutiös vorgekaut wird, was den Charakteren eigentlich als selbstverständlich erscheint. Dennoch sollte der Zugang geschaffen werden, dass man sich nicht allzu lang fremd fühlt. Das ist hier leider nur bedingt gelungen.

Hat man erst einmal den Zugang gefunden, ist der Roman durchaus nette Unterhaltung. Wohlgemerkt nett, nichts besonders Gutes oder Herausragendes und mitunter manchmal etwas langweilig.

Insbesondere Theimenes ist ein anstrengender Charakter. Er hat zwar seinen Masterplan, der auch am Ende enthüllt wird. Aber während die Handlung voranschreitet, passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge, von denen er stets hinterher behauptet, dass er alles im Griff hatte und die „kleinen Abweichungen“ von seinem Plan durchaus einkalkuliert waren. Tatsächlich wirken sie eher wie Zufälligkeiten und er wie ein skrupelloser alter Magier, der sich durch die Opfer seiner Begleiter aus gefährlichen Situationen herauswindet. Das macht ihn weder zu einem interessanten Antagonisten noch überhaupt zu einem Charakter, den man gern durch den Roman hindurch begleitet.

Man kann gut Cidos und Helger verstehen, die sehr bald die Nase gestrichen voll haben und am liebsten auf Theimenes verzichten wollen, es aber nicht können, weil er ihnen vermitteln konnte, dass sie ohne ihn in der Fremde aufgeschmissen sind und er der Einzige ist, der sie wieder zu ihren Freunden bringen kann.

Alles in allem hatte ich mir, nachdem ich „Gefährten des Zwielichts“ und „Tag der Messer“ in besserer Erinnerung hatte, mehr von dem Buch versprochen. Eine wirkliche Empfehlung ist es nicht, es hatte mich kaum angesprochen.


Daten
Ring der Elemente: ISBN 978-3-404-20563-9 , Bastei Lübbe, 2012, 14,00€
 


Jede Geschichte hat einen Ursprung, auch die des Dämon Bartimäus. In „Der Ring des Salomo“ präsentiert uns Jonathan Stroud eines der frühesten Abenteuer des Dschinn, als dieser noch das alte Jerusalem unter der Regentschaft des Salomo unsicher machte. 

Als Dämon ist Bartimäus dazu verpflichtet, dem Zauberer jeden Wunsch zu erfüllen, welcher ihn beschworen hat. Jedenfalls dann, wenn das Beschwörungsritual ohne auch nur den kleinsten Fehler ausgeführt wird, ansonsten hält ihn nichts mehr. Doof nur, wenn er von einem der Zauberer König Salomos beschworen wurde, denn die dulden kein Aufbegehren unter ihren Sklaven. Als Strafe für den Mord an einem dieser Zauberer wird Bartimäus prompt in die Knechtschaft eines anderen Zauberers gezwungen und gerät damit unfreiwillig in die Machtspielchen von Salomos Feinden, die dessen magischen Ring stehlen wollen. Denn darin haust ein Wesen von unbeschreiblicher und verlockender Macht.

Die herausragende Stärke des Buches liegt definitiv bei Bartimäus selbst. Sind wir ehrlich: Er ist eigentlich ein narzisstischer, egoistischer Fiesling, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Eigentlich ist das kein Charakter, den man sonderlich mögen sollte, aber Stroud schafft es dennoch, Bartimäus zu einem einmaligen Charakter zu formen, der das Buch trägt und eine Menge herausreißt. Sein Humor ist wunderbar und treibt mitunter Tränen in die Augen. Dabei sorgt auch Bartimäus gnadenlose Selbstüberschätzung für den einen oder anderen Lacher. Da lamentiert er, wie er grausam Jahrhunderte, ja, gar Jahrtausende in einer Lampe eingesperrt war, wie er stoisch und edel diese Gefangenschaft überdauerte und sich mannhaft seinem Schicksal stellte … und am Ende waren es nur ein paar Stunden.

Es mag zwar beachtlich sein, wie sehr Bartimäus das Buch trägt, der ganze Rest fällt aber neben ihm ein wenig ab. Vieles, was nicht unmittelbar mit Bartimäus zusammenhing, hatte mich nicht wirklich angesprochen. Es war nicht schlecht, aber „so lala“ trifft es doch ganz gut. Der Funke sprang nicht über, ich fieberte nicht wirklich mit und empfand es auch nicht allzu spannend, wie Asmira für ihre Königin kämpft oder Salomo scheinbar tyrannisch über sein Reich herrscht.

Das Setting aber, Jerusalem um 950 v.Chr., ist durchaus sehr ansprechend. Stroud hat es sehr gut in seinem Werk bildhaft auferstehen lassen, sodass der Leser sich wunderbar in das alte Jerusalem hineinversetzen kann. Er verzichtet dabei auf zu viele geschichtliche Daten, die vielleicht auch gar nicht nötig gewesen wären, ohne (soweit ich das beurteilen kann) dabei allzu ungenau zu werden.

Alles in allem kann man sagen, dass das Buch aufgrund von Bartimäus sehr gute Unterhaltung ist. Abseits von ihm jedoch hat das Buch keine besonderen Stärken oder Schwächen.



Daten
Der Ring des Salomo, Orig. The Ring of Solomo, Bartimäus 0.5:  ISBN 978-3-570-13967-7 , cbj, 2010, 8,99€ (Taschenbuch)


Ein Volk, das nur aus Kindern besteht? Ihre Eltern geraubt von geheimnisvollen Geistern? „Klingt spannend!“, dachte ich mir, als mir „Der verletzte Himmel“ von Isa Day in die Hände geriet. 

Und fürwahr, es ist auch spannend. Das Volk der Arrya wurde aus seiner alten Heimat vertrieben. In ihrem neuen Heim in Erriadan haben sie jedoch längst nicht alle Gefahren hinter sich gelassen, ganz im Gegenteil! Die Bewohner fürchten die Fremden und entführen alle Erwachsenen. Nur die Kinder bleiben zurück. Es gelingt ihnen zu überleben, doch knapp zehn Jahre später sind die alten Streitigkeiten immer noch nicht vergessen. Zu allem Überfluss reißt Sinjhar die Herrschaft über die Kinder an sich und bringt Zwist in ihre eigenen Reihen, als er zum Krieg gegen die Geister aufruft.

Auf wunderbare Weise entführt die Autorin Isa Day ihre Leser in die wilden Wälder von Erriadan. Der erste Teil der Reihe bietet mit seinen etwas über 200 Seiten spannende und kurzweilige Unterhaltung. Die Kürze dieses Buches ist gerade deswegen so angenehm zu lesen, weil die Autorin es schafft, aus weniger mehr zu machen. Die Charaktere entwickeln sich und auch die Welt entfaltet sich nach und nach vor den Augen des Lesers. Insbesondere durch die Chronik von Joshis und Marcins Großmutter erfahren wir viel über die spannende Vergangenheit der Arrya, wie sie durch verschiedene Welten vor der Gefahr in ihrer alten Heimat flohen.

Das einzige Punkt, wo mehr doch besser gewesen wäre, ist Sinjhars Entwicklung. Zunächst ist Marcin der Anführer der Kinder. Leider wird weder gezeigt, wie Sinjhar ihm die Führerschaft streitig macht, noch wie Sinjhar eine immer grausamere Natur entwickelt und anders als früher mehr und mehr auf Gewalt sinnt. So hat man zu diesen Aspekten der Handlung, die ja doch keine geringe Rolle einnehmen, keinen wirklichen Bezug.

Darüber hinaus fiebert man mit den Kindern mit, insbesondere mit Joshi und Jenna, seiner Geliebten, denn Joshi ist sterbenskrank. Nichtsdestotrotz kämpft er für sein Volk und versucht, die Gefahr von ihm abzuwenden.

Er zieht dabei die Chronik seiner ihm verhassten Großmutter zu Rate, durch die er und damit auch der Leser viel über die Arrya lernen. So erfährt man zum Beispiel, dass die Arrya Sonnenlicht gegenüber sehr empfindlich sind und direkte Sonneneinstrahlung für sie tödlich ist. Auch deutet die Großmutter an, dass sie womöglich die Gefahr aus ihrer alten Heimat in die neue mitgebracht haben. Ein wenig scheint es auch, als ob die Arrya eine einst viel höhere Kultur besaßen, die sie aber schon lange vor dem Niedergang ihrer alten Heimat verloren haben. Man erfährt also eine Menge, doch dafür bleiben noch viele Fragen offen, die hoffentlich im Folgeband geklärt werden.

Die Kinder überzeugen. Man merkt ihnen an, dass die ältesten von ihnen gerade einmal elf gewesen waren, als ihnen ihre Eltern geraubt worden waren. Ihnen fehlt also die Erfahrung ihrer Eltern, die ihnen hatten beibringen können, wie sie in der Welt überleben. Sie sind auf sich allein gestellt und haben es doch irgendwie geschafft zu überleben. Das prägt sie natürlich, sodass sie sogleich kindlich unerfahren als auch für ihr Alter ausgesprochen reif wirken. Es ist genau diese Kombination, die man auch erwartet hätte.

Alles in allem ist dies ein gelungener Roman, zum dem ein Griff auf jeden Fall lohnt. Die Thematik, Fremdenfeindlichkeit sowie Zerstrittenheit untereinander, wo Einigkeit von Nöten wäre, ist nichts Neues, wurde aber in ein spannendes Gewand gehüllt.


Ich danke der Autorin für das Rezensionsexemplar!



Daten
Der verletzte Himmel (Heiler-Roman #1): ISBN 978-3-9524326-6-2 , Pongü, 2016, 14,96€
 


„Aus Feind macht Freund“, heißt es im zweiten Heiler-Roman von Isa Day „In den Tiefen der Ewigkeit“. Die Menschenkinder erkannten ihren Irrtum und müssen nun lernen, alte Feindschaften zu überwinden und mit den vermeidlichen Mördern ihrer Eltern zu kooperieren. 
Der Krieg gegen die Geister ist vorüber, doch die Gefahr eines aufreißenden Himmels noch nicht gebannt. Nur der Drache Asjadura, welcher die Heimat der Menschen und Geister erschaffen hatte, kann ihnen jetzt noch helfen. Doch dafür müssen Joshi und seine Gefährten tief hinab in die Erde steigen und sich bisher ungeahnten Gefahren stellen.

Auch in diesem Band baut die Autorin ihre phantastische Welt weiter aus, verwebt es dieses Mal aber mit mehr Handlung. Wenn der erste Teil für manche vielleicht zu wenig handlungslastig war, sollte sich das hier geben, denn hier haben wir eine ausgewogene Mischung aus beiden. Joshi und Marcin erkunden ihre Welt weiterhin und erfahren viel über ihre Geschichte, welche sie hautnah miterleben dürfen.

Die Handlung knüpft nahtlos an die des ersten Teiles an. Dabei werden etliche Fäden zu Ende geknüpft und viele offene Fragen geklärt. Was ist mit den Eltern der Arrya geschehen und wer steht hinter dem aufreißenden Himmel und der Gefahr, dass das ganze Land in der Hitze des Sonnenscheins in Flammen aufgeht?

Es hatte während des Lesens lange Zeit den Eindruck gehabt, dass mit dem zweiten Teil die Reihe auch zu einem guten Ende finden würde, weil so viele offene Dinge geklärt wurden und Joshi und seine Freunde sich dem eigentlichen Feind stellten. Joshis Geschichte selbst hat jedoch noch einige offene Enden, um die es sich dann hoffentlich im dritten Teil drehen wird.

Die Botschaft, die in diesem Text mitschwingt, ist ebenso deutlich wie stark: Jeder macht Fehler, und auch wenn es schwer ist, sie sich einzugestehen, muss man es doch können, ebenso wie man anderen vergeben können muss. Dann ist auch Kooperation möglich, die uns zusammen stärker macht.

Einziger Wehmutstropfen ist dieses Mal Joshi. Er handelt selbst in der größten Not noch ausgesprochen rational, was ihn teils sehr kühl und distanziert wirken lässt. Marcin gefiel mir da mitunter besser, als er unter Druck auch einmal zornige und unbedachte Worte sprach. Das lässt ihn viel menschlicher wirken als seinen kleinen Bruder.

Zum Schluss kann man sagen, dass dieser Band den Ton fortsetzt, den sein Vorgänger begonnen hatte, dabei aber leicht andere Akzente setzt. Dabei wird er der Linie der Reihe jedoch nicht untreu. Ein paar kleine Stolpersteine im Tempo bleiben jedoch und Joshi wirkt mitunter zu kühl, was für einen Hauptcharakter nicht wirklich von Vorteil ist. Trotzdem: Auch der Griff zum zweiten Teil hat sich in jedem Fall gelohnt!


Ich danke der Autorin herzlich für das Rezensionsexemplar!



Daten
In den Tiefen der Ewigkeit (Heiler-Roman #2): ISBN 978-3-9524326-7-9 , Pongü, 2016, 14,96€
 


Gerade unter Lesern der Fantasy ist es weit verbreitet, auch einmal selbst die Feder statt dem Schwert zu schwingen – wahlweise auch die Tastatur des Rechners zu malträtieren. Schreibratgeber gibt es wie Sand am Meer, einer davon mit Fokus auf Fantasy stammt von Sylvia Englert und lauscht auf den etwas sperrigen Namen „Fantasy schreiben & veröffentlichen: Phantastische Welten und Figuren erschaffen“. 

Ich muss ganz ehrlich sagen: Es war mein erster Schreibratgeber, den ich jemals in meinem Leben zu Rate zog, obwohl ich selbst seit Jahren meine Textlein tipsel, weil ich bisher nicht wirklich viel von diesen Ratgebern hielt. Sie waren mir zu starr, zu eingleisig. Ich war im Nachhinein ganz froh, dass ich dennoch aus Neugierde mal zu diesem griff und einen Blick hinein warf. Nicht selten nickte ich wissend oder zustimmen oder machte ein erstauntes Gesicht, als ein Aha-Effekt einsetzte.

Englert geht systematisch vor und fängt beim Genre an, geht über die ersten Anfänge und das eigentliche Schreiben hin zum Veröffentlichen, was mit Sicherheit der logischste Aufbau ist. Mir fiel dabei der umfangreiche Teil zu den Subgenres der Fantasy positiv auf, da es mitunter gerade für den Laien schwer sein kann, das alles klar voneinander zu trennen – und mitunter ist es selbst für den Fachmann gar nicht so einfach, ein Buch eindeutig einem Subgenre zuzuordnen.

Sie thematisiert dabei nicht nur Bücher für Erwachsene, sondern auch All Age und Kinderbücher und gibt für alles ein paar gute Faustregeln, welcher Inhalt zu welcher Altersgruppe passt. Mir persönlich hat bei den Kinderbüchern jedoch gefehlt, dass ein gutes Kinderbuch immer auch ethnische und moralische Werte transportiert und das altersgerecht verpackt. Es gibt meiner Meinung nach nichts schlimmeres, als irgendwelche „Abenteuerromane“, die Kinder vielleicht total cool finden mögen, in denen die Protagonisten aber ständig irgendwelche Streiche spielen und anderen Unfug anstellen. Kann man machen, keine Frage, hat aber keinen nennenswerten Mehrwert und sorgt im schlimmsten Falle noch dazu, dass die jungen Leser selbst dazu angestiftet werden.

Dennoch: Da ich selbst bereits zumindest ein bisschen Schreiberfahrung besitze, hatte ich zumindest eine gewisse Ahnung, was hinter all den Tipps und Anregungen steht. Sehr befürworten konnte ich nur, als die Autorin ansprach, wie wichtig es ist, selbst viel und aufmerksam zu lesen. Auch schlechte Literatur, um sie zu analysieren, was man hätte besser machen können, um es selbst besser zu machen – und um ein wenig das Ego zu pushen. Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Tipp, den man beim Schreiben geben kann. Ich bin selbst Autodidakt und habe mir das Schreiben quasi ausschließlich über diesen Weg beigebracht.

Aber man lernt schließlich nie aus und selbst für erfahrenere Schreiberlinge hat Englert noch einige Kniffe im Ärmel. Mir gefiel die Schreibübung sehr, bei der man sich Karteikärtchen mit verschiedenen Farben zulegt. Auf jede schreibt man einen Begriff, zieht anschließend von jeder Farbe eine Karte und versucht dann, aus den Begriffen eine sinnvolle Geschichte zu basteln.

Englert hat in ihrem Buch zahlreiche Zitate aus Interviews mit Autoren und Mitarbeitern der Verlagsbranche eingebaut, die ihre Aussagen sowohl untermauern als auch weiter illustrieren und ausbauen. Zudem führt sie verschiedenste Fallbeispiele aus aktueller Literatur an. Ich persönlich mochte die drei Beispielexposés besonders, und da ich zumindest „Grauwacht“ auch bereits kannte, hatte mir dieses Wissen sehr geholfen, endlich mal ein gutes Bild zu bekommen, wie so ein Exposé aussehen kann. (Zugegeben: Ich hatte mich bisher nie weiter damit befasst.)

Der letzte Teil des Buches, in dem es um die Veröffentlichung geht, hat mich ehrlich gesagt etwas eingeschüchtert. Klar, von nichts kommt nichts, aber irgendwie hoffe ich als sehr menschenscheue Person dennoch, dass ich nicht von mir aus auf die Leute zugehen muss. Englert hebt nämlich hervor, wie wichtig es als Newcomer ist, Networking zu betreiben, und damit hat sie ganz sicher Recht. Nur wäre an dieser Stelle vielleicht etwas mehr Ermunterung für introvertierte Personen ganz angebracht.

In ihrem Buch finden sich immer wieder schöne Checklisten und Tabellen sowie Zusammenstellungen von verschiedenen Internetadressen verschiedenster Foren und Communitys und Andressen von Verlagen und Agenturen. Das erspart einem zwar nicht die eigene Recherche, ist aber ein praktikabler erster Schritt. Die Tabellen und Checklisten sind eine schöne Anregung, die eigene Geschichte zu planen und zu organisieren, zumal Englert auch hier verschiedene Methoden präsentiert und dazu ermutigt, sich selbst auszuprobieren.

Sie geht oft sehr divers vor und beleuchtet ein und dieselbe Sache aus verschiedenen Standpunkten, statt zu sagen, dass etwas genau so und so gemacht werden muss. Mitunter betont sie auch, dass einige Dinge zwar gewagt, aber möglich sind und ermutigt dazu, manches einfach auszuprobieren; es ist immerhin der eigene Roman und am Ende bestimmt immer der Autor darüber, was damit passiert.  Das halte ich für eine sehr wertvolle Herangehensweise, denn ob etwas funktioniert oder nicht, wird man mit genügend Selbstreflektion schon selbst merken. Hoffentlich …

Ein kleiner Punkt, der mir persönlich aber sehr positiv auffiel. Fanfictions haben einen sehr ambivalenten Ruf. Einige lieben sie, andere hassen sie. Einige Autoren (wie George Martin) raten angehenden Autoren ab, selbst welche zu schreiben, andere ermutigen durchaus dazu und manche Bestseller waren ursprünglich selbst Fanfictions. Ich selbst liebe Fanfictions und bin der Ansicht, dass sie, wenn man sich im Lernprozess von ihnen lösen kann, einen wunderbaren Anfang bieten. Von daher fiel es mir sehr positiv auf, dass Englert Fanfictions ebenfalls positiv hervorhebt und ihnen einige Seiten widmete.

Uneingeschränkt stimme ich ihr allerdings nicht zu. Sie erwähnt Spiegelszenen als beliebtes Mittel, um das Erscheinen von Protagonisten, die von sich in der ich-Form erzählen. Dabei erwähnt sie leider nicht kritisch, dass Spiegelszenen mittlerweile einen sehr schlechten Ruf haben, da sie ein billiges Mittel sind und zudem über alle Maßen ausgelutscht.
Und Herrgott, nein! Wolf Schneider ist keine Empfehlung!

So ganz aktuell ist Englert leider auch nicht. Ihre Bücher und die Daten der Websides, die sie in ihrem Buch erwähnt, sind zwar, soweit ich das überblicken kann, vom Stand 2015, die Erzähltheorien, auf die sie sich stützt, um einige grundlegende Fakten zu vermitteln, sind veraltet. Stanzel wird zwar leider nach wie vor in der Schule gelehrt, seine Theorie gilt aber schon längst als überholt und wurde von Genette abgelöst. Genette ist nicht nur meiner Meinung nach eingängiger und praktikabler und auch an Universitäten mittlerweile bevorzugt.

Alles in allem ist das Buch aber dennoch eine Empfehlung für alle, die sich mit dem Schreiben befassen. Selbst wenn man nicht selbst schreibt, bietet das Buch einen guten Blick hinter die Kulissen der geliebten Fantasy-Autorenschmieden. Mit als Rezensent hatte es ebenfalls einige neue Denkanstöße gegeben.


Daten
Fantasy schreiben & veröffentlichen: Phantastische Welten und Figuren erschaffen: ISBN 978-3-86671-127-3 , Autorenhaus Verlag, 2015, 19,99€


Die Vorstellung ist entsetzlich: jahrelang in einem Verlies gefangen gehalten zu werden, ohne Kontakt zur Außenwelt und mit mehrfachem Missbrauch durch den Entführer und Peiniger. In „Raum“ erzählt Emma Donoghue die Geschichte des fünfjährigen Jack, dessen gesamte Welt aus Raum, seiner Mutter und seinen Freunden im Fernseher besteht. 

Jack kennt nichts anderes als Raum. Raum besteht aus Tisch, Kommode, Zudeck, Fernseher und wenigen anderen lebendnotwendigen Einrichtungen. Durch Oberlicht kommt Licht aus dem Weltall in Raum, aber Jack weiß: Es gibt nur Raum und Weltall jenseits davon, und alles was er im Fernseher sieht, ist „nur Fernseher“, das heißt nicht echt. Gelegentlich kommt Old Nick, dann muss er sich in Kommode verstecken. Old Nick bringt Essen und Kleidung und gelegentlich ein Sonntagsgutti, doch ob Old Nick in echt oder nur Fernseher ist, weiß Jack nicht so genau. Als seine Ma zu seinem fünften Geburtstag Jack zu erklären versucht, dass es mehr gibt als nur Raum, beginnt für Jack sein vielleicht größtes Abenteuer: die Welt.

Der vielleicht genialste Kniff dieses Romans ist seine Erzählperspektive: Der Leser erlebt die Geschichte aus den Augen eines Fünfjährigen, der in seinem ganzen Leben noch nie Kontakt zur Außenwelt hatte, ja, für den das Konzept einer Außenwelt so ungeheuerlich ist, dass er es zunächst gar nicht begreifen kann und als dumme, langweilige Geschichte seiner Ma abtut. Hinzu kommt das Tempus: Der Roman ist auf höchst subtile Art und Weise im Präsens erzählt; Kinder leben nun einmal im Hier und Jetzt.

Noch einmal die Welt durch die Augen eines Kindes zu erleben, wünscht sich wahrscheinlich so manch ein Erwachsener. Die absolut überzeugende Sicht dieses Kindes jedoch ist etwas, das mit Sicherheit niemand so schnell vergisst. Sie geht unter die Haut und berührt den Leser im Innersten, verängstigt und verstört vielleicht auch ein bisschen. In jedem Fall jedoch arbeitet sie noch lange nach Beenden des Buches in einem.

Es gibt Bücher, bei denen man mal hier ein paar Kapitel liest, mal da ein paar. „Raum“ hingegen kann man nicht mehr aus der Hand legen, hat man einmal angefangen. Es saugt einen förmlich in die Geschichte, ist vielleicht auch ein wenig voyeuristisch veranlagt.
Ein bemerkenswertes Detail der Geschichte ist auch, dass Jack viele Dinge, die er nur ein einziges Mal in seinem Leben kennt, ohne Artikel benennt. Er sagt nicht „der Raum“, sondern einfach nur „Raum“, als sei dies ein Eigenname für ein absolut einmaliges Ding, wie es auch jeden Menschen nur ein einziges Mal auf der Welt gibt. Es sind diese Details, die die Erzählung so unheimlich faszinierend machen.

Jack versteht vieles nicht. Zum Beispiel auch nicht, dass seine Mutter unglaublich verzweifelt ist und unbedingt fliehen will. Dazu ist sie sogar bereit ihr eigenes Kind in Gefahr zu bringen, obgleich sie es gleichzeitig um jeden Preis vor Old Nick beschützen will. Jack versteht auch nicht beziehungsweise es kommt ihm gar nicht in den Sinn, dass seine Mutter eine wesentlich negativere Beziehung zu Raum hat als er selbst. Das leuchtet natürlich ein, er kannte immerhin sein Leben lang nichts anderes und weiß nicht, was er alles verpasst hat.

Der Roman ist weniger eine Geschichte über die Gefangenschaft, als vielmehr die Beziehung von Mutter und Kind, deren ganze Welt sich umeinander dreht, als auch die Eingliederung eines Jungen in die Gesellschaft, der keinen anderen Menschen kennt als sich, seine Mutter und den Entführer, bei dem er sich nicht einmal sicher ist, ob er echt sei. Jack schnappt nur nebenher einige Brocken der Ärzte auf, die für ihn keine Bedeutung haben, durch die der Leser aber einen Blick auch von außen auf die Situation erhaschen kann.

„Raum“ ist ein Roman, der einen auch nach dem Zuklappen der Buchdeckel so schnell nicht wieder loslässt. Seine Erzählperspektive macht ihn zu einem ungewöhnlichen und faszinierenden Roman, der in jedem Fall eine Empfehlung ist.



Daten
Raum, Orig. Room: ISBN 978-3-492-05466-9 , Piper, 2011, 19,99€


Brandon Sanderson hatte bereits einige Romane geschrieben, bevor er den sechsen davon, Elantris, als sein Erstlingswerk veröffentlichte. Dynamic Forces bot die Möglichkeit, auch einen der bisher unveröffentlichten Romane zu verlegen: als Comic. Die Wahl fiel auf »White Sand«, den ersten Roman Sandersons und ebenso den ersten Cosmere-Band. 

Kendal lebt auf der Seite des Planeten, auf dem stets die Sonne scheint. Sein Leben ist geprägt von weißem Sand, der schier überall ist – und der denjenigen, die wissen, wie, magische Fähigkeiten bietet. Auch Kendal ist ein Sand Mage, jedoch ein ausgesprochen schwacher. Um seinem Vater zu beweisen, dass auch er zu allem in der Lage ist wie die anderen Sand Mages, unterzieht er sich einem Test. Es gelingt ihm, und sein Vater muss ihm den Titel eines Meisters verleihen. Bei der Zeremonie werden sie plötzlich von einem verfeindeten Clan angegriffen, obwohl sie seit Jahrzehnten einen Waffenstillstand haben. Kendal als einziger Überlebender will herausfinden, warum sie angegriffen wurden – und warum ihre Sandmagie im entscheidenden Moment versagte.

Die Cosmere-Geschichten waren bisher immer die spannendsten aus der Feder Sandersons, und das bewies sich auch hier wieder. Das Magiesystem ist gewohnt kreativ und faszinierend. Die Story hingegen ist nicht unbedingt die Kreativste, kann aber dennoch fesseln. Das hier war erst der erste Band von drei, von daher kann noch viel passieren und ein genialer Plottwist ist nicht auszuschließen. Sanderson hatte darin bisher noch nie enttäuscht.

Ich persönlich hatte mitunter einige Verständnisschwierigkeiten. Es fanden sich immer wieder Wörter, die ich nicht kannte und die ich daher nachschlagen musste, da der einzige Kontext oft »nur« die Bilder waren und kein weiterer Text, wie es bei einem Roman der Fall war. Insgesamt war es aber dennoch gut verständlich.

Der Zeichenstil ist geprägt von vielen kleinen unterbrochenen Linien, die die Zeichnungen sehr unordentlich erscheinen lassen. Mit persönlich hat das nicht sonderlich zugesagt. Hinzukommt, dass die Sand Mages alle dieselbe Kleidung tragen und auch sonst einen sehr ähnlichen Phänotyp aufweisen. Da Kendals Mutter eine Darksider war, also von der schattigen Seite des Planeten kommt, hat er etwas dunklere Haut als der Rest, wodurch er leicht zu erkennen ist. Die anderen Charaktere sind aber teils sehr schwer voneinander zu unterscheiden, wenn sie nicht direkt angesprochen werden, was leicht für Verwirrung sorgt.

Die Welt wird durch den im Vergleich zu einem Roman sehr spärlichen Text jedoch gut illustriert und auch die Bilder tragen ihr Übriges dazu bei. Auch wenn der Stil selbst nicht mein Ding ist, war es doch fast wie ein Film, diesen Comic zu lesen. Die Geschichte fesselt den Leser, und auch wenn vielleicht ein paar Verständnisprobleme auftauchen, die das Lesen zu einiger Konzentrationsarbeit machen, will man das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legen.

Der Comic ist sein Geld definitiv wert, auch wenn eine leise Stimme sich fragt, ob vielleicht noch mehr aus der Geschichte geworden wäre, wäre sie als Roman veröffentlicht worden. Trotzdem: Auch so gibt sie einiges her und sorgt für vergnügliche Lesestunden.



Daten
White Sand, White Sand 1: ISBN 978-1-60690-885-3 , Dynamic Forces, 2016, 24,99$
 


Brandon Sanderson ist vor allem für seine epischen Werke wie The Last Empire oder Stormlight bekannt – episch nicht nur im Inhalt sondern auch im Umfang. Da man sich als Autor zwischenzeitlich auch einmal etwas seichteren Projekten widmen will, veröffentlichte der Autor bereits einige Jugendreihen, am bekanntesten davon vielleicht die Reckoners. Auch für die jüngeren Leser der unteren Klassenstufen hat er ein paar Bücher in seinem Sortiment, und so kam Alcatraz ins Leben, ein Held der etwas anderen Sorte. 

Alcatraz Smedry hat ein recht unpraktisches Talent, wie es scheint: Ständig gehen Dinge in seinem Umfeld kaputt. Sicher ist das der Grund, warum ihn seine Eltern weggaben und auch keine Ziehfamilie ihn lange bei sich behalten will. An seinem dreizehnten Geburtstag geschehen plötzlich einige seltsame Dinge. Er bekommt einen Beutel voller Sand geschenkt, der angeblich von seinen Eltern stammt, und ein exzentrischer alter Herr platzt plötzlich bei ihm zu Hause hinein und verkündet, er sei Alcatraz‘ Großvater. Und so geht es mitten hinein in den Kampf gegen die Evil Librarians, welche die Weltherrschaft anstreben wollen, und in den Kampf um die Freiheit der Free Kingdoms.

Jedes der fünf Bücher ist mehr oder weniger in sich abgeschlossen, durch alle zieht sich aber der Leitfaden des Kampfes des Smedry-Clans gegen die Evil Librarians. Außerdem sind die Bücher so aufgebaut, als seien sie eine Autobiographie Alcatraz‘ und Brandon Sanderson nur der Deckname, um die Bücher auch in den von den Librarians dominierten Hushlands, also den uns bekannten Kontinenten, zu verkaufen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass »Brandon Sanderson« in Wahrheit eine Topfpflanze ist? Nein, ehrlich, das habe ich hier gelernt!

Alle Bücher sind von Hayley Lazo reich illustriert, von ihrem Stil kann man sich einen schönen Eindruck auf ihrer deviantArt-Seite art-zealot.deviantart.com machen. Für mich persönlich haben ihre Zeichnungen mein Leseerlebnis sehr geprägt. Sie sind sehr comichaft, passen aber auch zu dem mitunter etwas überzeichneten und extrovertierten Schreibstil, der einen nicht unerheblichen Witz der Reihe ausmacht.

Sehr schön fiel mir auch auf, dass Sanderson, pardon, Alcatraz in jedem Buch einen »funny little Greek« erwähnt, wie er Platon, Aesop und dergleichen mehr bezeichnet und einige ihrer Werke in Verbindung mit der Handlung bringt. So referiert Alcatraz zum Beispiel auf Platons Höhlengleichnis, als es darum geht, dass er so langsam begreift, dass das, was er in der Schule gelernt hat, alles Lügen der Librarians waren. Ähnlich der Personen in Platons Höhle will er zunächst nicht wahrhaben, dass sein Leben auf einer einzigen großen Lüge fußt und die Welt einige Kontinente mehr hat. In Hinblick auf die Altersgruppe (8-12 Jahre) ist das durchaus pädagogisch wertvoll und auch ältere Semester können das eine oder andere dadurch lernen.

Alcatraz unterbricht die Narration immer wieder, um vor allem in den ersten Bänden sein schreiberisches Vorgehen zu erläutern. Er leitet den ersten Band beispielsweise mit einer Szene ein, wo er auf einem Opferaltar liegt, kommt dann aber zum eigentlichen Anfang der Handlung und illustriert seinen Alltag bei seiner letzten Ziehfamilie, bevor Grandpa Smedry in sein Leben platzt. Danach kommt die Erklärung, warum Sanderson dies so schrieb. Auch das ist durchaus unterhaltsam und lehrreich und überhaupt recht ungewöhnlich in einem fiktionalen Werk.

Sanderson spielt damit regelrecht mit den Erwartungen des Lesers. Alcatraz beispielsweise sagt immer, er sei ein Lügner und Feigling, seine Taten wirken aber gleichzeitig, als wolle er gelegentlich doch das Gegenteil beweisen. Er ist ebenso ein so offensichtlicher unzuverlässiger Erzähler, wie ich ihn selten gesehen habe, denn Alcatraz lügt dem Leser teils offen ins Gesicht – und manchmal eben nicht, weshalb man sich nie ganz sicher sein kann, was nun Lüge ist und was nicht.

Nach jedem Buch gibt es am Ende ein after-book special, wie es genannt wird, die immer unterschiedlich ausfallen. Es soll ja diesen Volksschlag von Lesern geben, die immer zur letzten Seite vorblättern. Die werden damit regelrecht getrollt, aber auf eine humoristische Weise, dass alle etwas davon haben. Ich persönlich empfand diese specials immer als einen der lustigsten Teile der Bücher. Beim ersten Band sieht das beispielsweise so aus:

»And so, untold million screamed out in pain, and then were suddenly silenced. I hope you’re happy.








(This was included for anyone who skipped forward to read the last page of the book. For the rest of you – the ones who reached the last page in the proper, honorable, and Smedry-approved manner – those untold millions are cheering in praise of your honesty.
  They’ll probaply throw you a party.)«

Mir wurde gesagt, dass das eine Anspielung auf Star Wars war, was dem ganzen noch einen zusätzlichen Aspekt verleiht. Auch in den anderen after-books specials sowie in den Büchern selbst gibt es immer wieder Anspielungen auf andere literarische Werke, sodass auch ältere Leser sich immer wieder freuen dürfen – ich bezweifle, dass Kinder von 8 bis 12 Jahren schon viel mit Valinor anfangen können.

Besonders schön fand ich dieses Detail im 5. Band. Dort gibt es eine Szene, in der die Librarian Shasta achtlos ein Buch wegwirft, was für eine Librarian eine verblüffend verächtliche Geste gegenüber Büchern ist. Dann wird revidiert, dass es sich dabei nur um einen langweiligen und wertlosen Fantasywälzer handelt. Die Szene wurde mit einem seitenfüllenden Bild illustriert, und wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass auf ihrem Buch »Mistborn« steht. Sich selbst etwas auf’s Korn zu nehmen, hat noch nie jemandem geschadet.

Während Band 1 bis 4 zwar durchaus Gewalt thematisierten, aber nie allzu brutal werden, ist das Ende von Band 5, ohne es zu spoilern, überraschend blutig, auch wenn auch hier Gewalt nicht grafisch dargestellt wird. Dennoch: Bei einem Kinderbuch hätte ich das nicht erwartet. Das Ende ist überhaupt in einigen Aspekten bemerkenswert. Theoretisch hat Alcatraz den Leser durch alle Bücher hinweg darauf vorbereitet, aber da man weiß, dass er ein Lügner ist, lässt man sich von seinen fortwährenden Beteuerungen, kein Held zu sein, sehr leicht in die Irre führen. Ich wage zu behaupten, dass das ein Ende ist, dass man nicht alle Tage liest. Es war gewagt von Sanderson, sich so zu entscheiden, weil es vielleicht nicht das befriedigendste Ende einer Reihe ist, aber es funktioniert auf jeden Fall hervorragend.

Ich glaube, dass in den Büchern ein paar Verknüpfungen zu anderen Werken Sandersons versteckt sind, nicht nur solch offensichtliche wie Shastas Lektüre. Alcatraz bringt gelegentlich ausgesprochen schlechte Metaphern, was sehr an David Charleston aus der Reckoners-Reihe erinnert. Die Knights of Crystalia tragen Rüstungen und Waffen aus Crystin, einem Kristall, was Ähnlichkeiten zu den Shardblades des Stormligh Archive aufweist. Das können natürlich auch Zufälle sein, aber mir gefällt der Gedanke.

So schön das alles auch ist, es gibt auch einige Dinge, die nicht ganz überzeugen konnten. Jedes der Bücher kommt mit einem vergleichsweise kleinen Figurenensemble aus, was sich für junge Leser besonders eignet, aber auch für ältere hin und wieder ganz angenehm ist, wenn man sich nicht so viele Namen merken muss. Da einige der Charaktere aber nur auf bestimmte Bände beschränkt sind, bleiben sie mitunter zu blass. Quentin Smedry beispielsweise. Ich weiß über ihn nach fünf Büchern nicht mehr, als dass er wie alle Smedrys ein besonderes Talent hat und er Alcatraz‘ Cousin ist. Er taucht auch hauptsächlich nur im ersten Band als unwichtige Nebenfigur auf, danach wird er, wenn überhaupt, nur noch namentlich genannt.

So interessant Alcatraz‘ Unterbrechungen der Narration am Anfang auch waren, mit der Zeit wurde es doch eher lästig, zu jedem Kapitelbeginn wieder erst einmal für eine Handvoll Absätze aus der laufenden Handlung gerissen zu werden, um irgendwelche sonderbaren Gedankengänge des Erzählers zu lesen. Manchmal sind sie so abgedreht, dass ich mich frage, ob Kinder da noch mehr Sinn erkennen können als ich. Ich konnte es nicht. Das waren auch stets die Momente, in denen ich mich fragte: »Ist die Reihe nun genial oder einfach bekloppt?«

Ein wenig habe ich auch über die Bücher hinweg vermisst, dass Alcatraz in Frage stellt, ob er überhaupt für die »richtige« Seite kämpft. Er nimmt vorbehaltlos hin, dass er zusammen mit den anderen Smedrys gegen die Librarians vorgeht. Immerhin sind aber einige wichtige Nebencharaktere beider Seiten, Smedrys als auch Librarians, ambivalent und werden nicht durchgängig schwarz-weiß gezeichnet, was das wieder etwas relativierte.

Generell hatte ich während des gesamten ersten Bandes Probleme, mich in die Welt einzufühlen. Der Leser wird genau wie Alcatraz von Grandpa Smedry ohne Vorwarnung ins kalte Wasser geworfen und muss sich nun darin zu Recht finden. Grandpa Smedry spricht in einem der späteren Bände selbst an, dass er Alcatraz zu wenig auf das vorbereitet hat, was da auf ihn zukam, trotzdem macht es das für den Leser zu Anfang nicht einfacher. Kurioser Weise gab sich das ab dem zweiten Band schlagartig, im Laufe dessen wird jedoch auch mehr über die Welt erzählt.

Die Reihe hat einige kleine Mängel, die nicht mehr nur Schönheitsfehler sind. Trotzdem ist sie ausgesprochen unterhaltsam, wenn man sich auf den Humor einlässt. Da die Zielgruppe eine recht junge ist, sind die Bücher leicht und eingängig geschrieben, sodass man auch als Nicht-Muttersprachler keine Probleme mit den Büchern haben dürften.



Daten
Alcatraz vs. the Evil Librarians, Alcatraz 1: ISBN 978-0-7653-7894-1 , Starscape, 2016, 16,99$
The Scrivener‘s Bones, Alcatraz 2: ISBN 978-0-7653-7896-5 , Starscape, 2016, 16,99$
The Knights of Crystalia, Alcatraz 3: ISBN 978-0-7653-7898-9 , Starscape, 2016, 16,99$
The Shattered Lens, Alcatraz 4: ISBN 978-0-7653-7900-9 , Starscape, 2016, 16,99$
The Dark Talent, Alcatraz 5: ISBN 978-0-7653-8140-8 , Starscape, 2016, 16,99$


Gelegentlich gibt es sie doch, die Internetberühmtheiten, die den Sprung ins »richtige« Geschäft schaffen. Die Autorin Nina MacKay gehört dazu. Sie gewann den #erzaehlesuns-Award von Piper auf dem Geschichtenarchiv Wattpad.com. Als Belohnung winkte die Veröffentlichung ihres Romans »Plötzlich Banshee«, in welchem der Leser die tollpatschige Privatdetektivin – und Banshee – Alana auf ihrem Versuch begleitet, mal eben die Welt zu retten. 

Alana kann sehen, wie lange ein Mensch noch zu leben hat, doch so wirklich will sie ihrem Freund Clay nicht glauben, dass sie eine Banshee ist, eine irische Todesfee. Außerdem hätte sie wohl nie damit gerechnet, dass sie deswegen in eine Mordserie verwickelt wird. In Santa Fe werden Menschen entführt und wenige Tage später tot aufgefunden. Alana kann sich nicht nehmen lassen, sich in die Ermittlungen einzumischen, als auch ihre Freunde in das Visier der Sekte »Petrus' Army« gerät. Doch die Dinge entwickeln sich rasch dramatischer als gedacht.

Mit Humor ist das so eine Sache. Entweder er zieht oder er zieht nicht. Bei mir hat er nicht gezogen. Die Witze in diesem Buch sind flacher als ein Blatt Papier und beruhen oftmals auf einfach dämlichen und teils unlogischen Situationen. Unsere Prota-chan Alana trampelt beispielsweise relativ zu Beginn in ein auf der Straße stehendes Goldfischglas, weshalb sie ausgesprochen erbost ist und alles und jeden anpampt, der sie anspricht. Das soll lustig sein. Stattdessen stellt sich die Frage: Was zum Henker macht das Goldfischglas da?! Wo ist das bitte lustig? Das ist einfach nur unlogisch und dämlich!

Überhaupt ist das mit der Logik in diesem Buch so eine Sache. Während der Goldfischglas-Situation trifft Alana das erste Mal auf Detective Dylan Shane. Er bekommt in vollkommen überzogener Weise noch wesentlich mehr Fett weg als der Junge, dem das Fischglas gehört, wodurch bei mir sofort die Alarmglocken schrillen, dass die beiden spätestens am Ende des Buches in der Kiste landen. (Spoiler: Ich behielt Recht.) Shane ermittelt in den Entführungen und will Alana als eine der Hauptzeugen befragen. Sie, gestreßt von ihren durchweichten Schuhen, giftet ihn an. Er lässt sie daraufhin in Ruhe und verschiebt das Ganze. Das war einer der Momente, in denen man das Buch einfach nur anbrüllen will: WARUM? Warum in drei Teufels Namen macht Dylan das, ist er ein so miserabler Ermittler? Sie ist eine der Hauptzeugen und man weiß, dass hier Menschen entführt und kurz darauf ermordet werden. Da zählt jede Sekunde. Es geht um Menschenleben, eine nasse Hose hat da niemanden zu interessieren!

Ich deutete es bereits an: Das Buch ist streckenweise unglaublich vorausschaubar. Es ist schon etwas peinlich, dass man, sobald zwei Charaktere das allererste Mal in ihrem Leben aufeinander treffen, sofort sagen kann, dass die beiden am Ende des Buches ein Paar sein werden. Auch die Antagonisten haben astreine Täterprofile, dass es für den Leser nicht schwer ist eins und eins zusammenzuzählen. Nur Prota-chan steht auf der langen Leitung und rafft ewig absolut gar nichts.

Überhaupt ist unser Prota-chan eines der Hauptprobleme dieses Buches. Sie hat deutliche Tendenzen einer Mary Sue. Ihre Tollpatschigkeit soll süß wirken, aber nein, das ist ganz und gar nicht süß. Es ist einfach peinlich und nervig. Zudem drängt sie sich immer in den Vordergrund und hat vor allem Dylan gegenüber, verzeiht mir den Ausdruck, die große Fresse. Sie macht ihn ständig nieder und schubst ihn herum, teils spielt sie sogar mit ihm und seinen Gefühlen für sie. Er lässt sich das gefallen, er findet das sogar anziehend an ihr. Ich frage mich: Was hat der Mann für niedrige Ansprüche, dass er sich mit so einer Person zufrieden gibt? Sie hat ihn schlicht und ergreifend nicht verdient, so eine ekelhafte Person, wie sie ist. Oh, wartet. Sie ist ja eine Mary Sue. Natürlich greift sie den smexy Traumtypen ab. Ich vergaß …  Sex sells, Leute. Das zieht auch in diesem Buch.

Und da Sex sich nun mal hervorragend verkauft, scheinen erstaunlich viele Lese darüber hinwegblicken können, dass das Buch genau wie sein Humor unglaublich flach und oberflächlich ist. Klar, das Buch zielt hauptsächlich auf Unterhaltung ab, aber ich habe mich aus ausgesprochen gut von der Alcatraz-Reihe unterhalten gefühlt, welche deutlich mehr Substanz hat als »Plötzlich Banshee«.

In diesem Buch gibt es unangenehm häufig das, was ich einen Fantasy-Catwalk nenne. Es wird immer wieder der Fokus auf Alanas Äußeres gelegt und das, was sie bei dieser und jener Gelegenheit trägt. Da stöcket sie stolz, wie sie ist, in das Polizeipräsidium und bleibt dann mit dem Absatz im Fußabtreter hängen, und das ist ja fohl cuuuute!!!!einsdrölf!!!

Nein, ist es nicht! Es ist schlicht und ergreifend überflüssig, dass ich ihre Schuhgröße kenne. Die lautet übrigens 38. Ich habe spaßeshalber ihre Schuhgröße in einen Rechner eingegeben, um ihre deutsche Schuhgröße zu erhalten. Sie beträgt 78,5.

Es gibt viele solcher Logikfehler in diesem Buch, die sich sehr leicht enttarnen lassen. Dass Alana eine deutsche Schuhgröße und keine amerikanische angibt, ist leider kein Einzelfall. Sie sieht  Digitaluhren über den Köpfen der Leute, die ihr anzeigen, wie lange diese Menschen noch zu leben haben. Das führt zu der Frage: Haben Banshees schon immer Digitaluhren gesehen? Auch beispielsweise im Mittelalter oder gar der Antike? Oder wie ist das zu verstehen? Außerdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass man mit 20 bereits Privatdetektiv ist und die Polizei einen einfach so an einer brisanten Mordserie mitarbeiten lässt, weil Prota-chan Dylan damit drohte, ihn wegen »sexueller Belästigung« bei seinem Chef zu verpfeifen, wenn er sie nicht mitmachen lässt.

Ich persönlich störte mich auch sehr an der Unsterblichkeit. Ja, ich habe kein Problem damit, dass es in diesem Buch einfach so Magie gibt, aber damit schon. Tatsächliche Unsterblichkeit ist schlicht unmöglich, da unser Universum oder zumindest Leben in ihm, wie wir es kennen, mit Gewissheit ein Ende haben wird. Es ist das Ziel der Antagonisten, den Magischen den Weg in den Himmel zu öffnen, wodurch sie Unsterblichkeit erlangen. Man könnte es damit erklären, indem man den Himmel als jenes Abstraktum annimmt, wie es die Bibel vermittelt, oder indem man sagt, das Gott als allmächtiges Wesen beispielsweise den Himmel als autarken, vom Rest des Universums losgelösten Ort erschuf oder schlicht Universen-Hopping betreibt, sollte ein Universum sein Ende finden. Das Problem, das daran geknüpft ist, ist schlicht, dass der Text selbst keinerlei Anlass gibt, solche Dinge anzunehmen, und dass diese Theorien zu hypothetisch sind. Im Buch sind die Magischen dann einfach unsterblich und Alana sieht statt Digitaluhren nur noch das Unendlichkeitszeichen.

Sie nennt es übrigens Infinity-Zeichen. Warum sie es willkürlich Englisch bezeichnet, ist auch nicht klar.

Was ebenso nicht klar ist, sind die willkürlichen Wechsel der Diegese. Die meiste Zeit wird aus Alanas Sicht erzählt. Dann plötzlich wird die Narration durch einen fett gedruckten und zentrierten Namen unterbrochen und meist folgen daraufhin maximal eine Handvoll Absätze aus der Sicht eines anderen POV. Das ist eine literarische Todsünde, bei der der Leser für vollkommen verblödet verkauft wird! Und ich war kurz davor, das in Capslock zu schreiben, weil mich das so massiv aufregt. Schlimm genug, dass ich damit ständig in Badfics konfrontiert werde. Aber von verlegten Büchern erwarte ich etwas mehr Niveau, egal, ob sie von einer Seite stammen, die ein Pfuhl grässlicher Literatur ist, oder nicht.

Wie bereits erwähnt, können auch Bücher mit deutlich mehr Tiefgang wunderbare Unterhaltung bieten, ohne dass einem gleich vor lauter Intellektualität die Synapsen rauchen und die Sicherung rausfliegt. Aber ich kann leider nicht erwarten, dass jedes Buch so viel Qualität bietet und auf Platons Höhlengleichnis zu sprechen kommt, wenn es darum geht, normale Leute mit der magischen Realität zu konfrontieren.

Ich kann leider auch nicht erwarten, dass jedes Buch genug Qualität aufweist, um über platte und ausgelutschte Plots hinweg zu kommen. Die magische Welt teilt sich in Gut und Böse, dazwischen gibt es nichts. Eine ProphezeiungTM gibt es auch noch, wodurch quasi jede Geschichte sofort einiges an Qualität einbüßt. Außerdem wollen die Bösen natürlich die Weltherrschaft und natürlich muss dafür ganz im Stile von Dan Brown erst einmal ganz Rom niederbrennen.

Es wäre ja interessant gewesen, wenn jeder Alana meidet. Sie ist eine Banshee, was heißt, dass sie sieht, wann jemand stirbt. Außerdem zieht sie Unglück förmlich an. Genug Gründe, um ein wenig Rassismus und Mobbing zu thematisieren. Oh, Moment … Das hieße ja, dem Buch Tiefe zu verleihen, und dann wäre es nicht mehr platte Unterhaltung.

Stattdessen bandelt sie lieber mit dem sexy Typen an, während ihr bester Freund Clay eifersüchtig auf Dylan ist und nicht will, dass die beiden zusammen kommen. Dylan sei ja so ein Aufreißertyp und überhaupt sei sie mit Clay ja viel besser dran, der auch etwas für sie empfindet, Dreiecksbeziehung hallo. Wie praktisch, dass Clay am Ende des Buches tot ist und Prota-chan und Düläään (ja, ich las seinen Namen ständig genau so) ein glückliches Paar sind. Sex sells …

Das tatsächlich einzig Positive an diesem Buch ist neben dem wirklich hübschen Cover, dass ich schon deutlich scheußlichere Bücher gelesen habe. Der Stil ist angenehm und flüssig zu lesen. In Anbetracht des ganzen Restes ist das nur ein kleiner Trost. Unverdienter Hype und definitiv keine Empfehlung.


Nichstdestotrotz danke ich dem Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar, auch wenn ich mir deutlich mehr von der Lektüre versprochen habe.



Daten
Plötzlich Banshee: ASIN B01FDNJN2, ivi/Piper, 2016, 12,99€
Bildquelle: Verlag
 


Sen und Erriel, Brüder im Geiste, sind durch ihre Geburtsumstände etwas ganz Besonderes. Während Erriels Kräfte noch verborgen sind, kann jeder in ihrem Heimatdorf erkennen, dass Sen anders ist, auch wenn noch niemand genau in Worte fassen kann, was genau an ihm anders ist. Da Menschen von Natur aus besonders in ländlichen, abgeschiedenen Gegenden abergläubisch sind, macht das Sen zu einem Ausgestoßenen. Niemand hätte jedoch gerechnet, dass die Andersartigkeit der beiden jungen Männer sie zu einem Teil von etwas weitaus Größeren werden lässt, etwas, das weit über ihrem Horizont als Bauern hinausreicht. Jennifer Jager erzählt in »Die flammenden Schwingen Ethernas« ihre Geschichte.

Das Buch hat definitiv einen schrägen und bemerkenswerten Einstieg. »Kopfsalat«, lautet der erste Satz der Etherna-Saga. Dieser wird zum Aufhänger, um das bäuerliche Leben Errins und seiner Familie zu beleuchten, die ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Kopfsalat verdient. In meinem Kopf formte sich regelrecht eine Kamerafahrt, die langsam aus einem Salatfeld herauszoom und dann auf die Protagonisten umschwenkt, die daraufhin mit ihrer täglichen Arbeit beginnen. Mir gefiel sehr, dass die Geschichte stellenweise so ein lebendiges Kopfkino bei mir hervorrufen konnte.

Besonders ab der zweiten Hälfte des Buches begannen sich einige interessante Figurenkonstellationen heraus zu kristallisieren. Plötzlich merkt man als Leser, dass an auf Glatteis geführt wurde und bei dem einen oder anderen Charakter doch nicht alles so ganz koscher ist. Einziger Wehrmutstropfen: Da hätte mehr daraus gemacht werden können. Die Konflikt versprechenden Konstellationen wurden zu schnell aufgelöst, Errin zu schnell quasi aus den Fängen des »Bösen« befreit, ohne dass er dadurch viel Einfluss genommen hätte. Ich denke, dass es reizvoller gewesen wäre, stünden er und San auf verschiedenen Seiten, statt durch ein ominöses Band der brüderlichen Liebe verbunden zu sein.

Das Buch ist vor allem zu Beginn fast schon archeytpische High Fantasy. Wir haben arme Bauernjungen, denen das Schicksal schwer mitspielte, die aber zufälligerweise besondere Kräfte haben, die eine große Rolle im Weltgefüge spielen. Das muss man wirklich mögen, besonders, da ich denke, dass diese Art von Fantasy ihre Bestzeiten fast schon hinter sich hat. Ich persönlich mag es, auch wenn es für meinen Geschmack schon etwas zu archetypisch war und mich wahrscheinlich deswegen besonders am Anfang an Eragon erinnerte. Nachdem sich aber einige überraschende Wendungen ergaben, gewannen die Handlung und die Welt mehr an Farbe und Individualität.

Leider muss man sagen, dass dem Lektorat einige Schnitzer durch die Lappen gegangen sind. Nicht immer stimmt die Interpunktion bei wörtlicher Rede, auch ein paar stilistische Schnitzer sind noch immer auszumachen. Capslock, um Geschrei zu illustrieren, hätte außerdem nun wirklich nicht sein müssen.

Ebenso fiel teils gewöhnungsbedürftige Syntax auf. Es wirkte streckenweise, als versuche die Autorin sich zu sehr an mittelalterlich anmutender Sprache, was dazu führt, dass zwei Bauernjungen, die wahrscheinlich nie in ihrem Leben eine Bildungseinrichtung von innen sahen, in ihrer Sprache kaum noch vom Adel des Landes zu unterscheiden waren. Auch einige ungewohnte Satzkonstrukte kamen so zusammen, die zwar grammatikalisch richtig waren, über die man als Leser aber dennoch stolpert. Weniger ist manchmal mehr.

Alles in allem ist das Buch nichts in irgendeiner Weise Herausragendes, aber doch kurzweilige und angenehme Unterhaltung. Wer High Fantasy mag, kann über dieses Buch durchaus einmal nachdenken.

Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!



Daten
Die flammenden Schwingen Ethernas, Etherna-Saga 1: ASIN B019ZWLRZ0, AAVAA Verlag, 2014, 274 Seiten, 6,99€
Bildquele: Verlag


Die Welt ist gierig und manchmal verschlingt sie ganze acht Jahre, ehe die Lieblingsbuchreihe aus Jugendtagen eine Fortsetzung erhält. Denn so lange dauerte es, bis Christoph Marzi sich erneut in die uralten Metropolen wagte und »London« schrieb, ein neues Abenteuer mit Emily Laing. 

Sonderbare Dinge geschehen. Plötzlich scheint jeder außer Emily und ihre Freunde vergessen zu haben, dass die Millionenmetropole London jemals existiert hat. Dann wird sie auch noch von zwei sonderbaren alten Damen verschleppt und ein Mädchen kreuzt ihren Weg, das ein Geheimnis zu bergen scheint. Und plötzlich wird Emily erneut von Wölfen gejagt und muss herausfinden, was für sonderbare Dinge hier vor sich gehen. Denn sonst könnte es sein, dass London tatsächlich dem Vergessen anheimfällt, und mit der Stadt auch Emily selbst.

Dieses Buch ist pure Liebe. Schon allein, dass es mit den seit damals geliebten Worten anfängt, war Nostalgie ohne Ende. Ich hatte ein klein wenig Angst, »London« zu lesen, weil ich befürchtet hatte, dass sich zeigen wird, dass die Reihe nach all der Zeit doch nicht so gut ist, wie ich sie in Erinnerung hatte. Zum Glück verflüchtigten sich all meine Bedenken sehr schnell. Christoph Marzi ist definitiv ein fantastischer Autor moderner Märchen!

Das Buch ist ein Revival der Anfänge der Reihe, was dem Ganzen ein Gefühl der Heimkehr in die geliebten uralten Metropolen verleiht. Wir treffen alte Bekannte wieder und die Handlung hat gewisse Parallelen zum ersten Teil »Lycidas«. Da schlägt natürlich das Fanherz höher (auch wenn meine Reise durch die Uralten Metropolen mit »Somnia«, den vierten Teil, begonnen hatte, der etwas losgelöst von den ersten drei steht). Gleichzeitig begegnen wir auch hier wieder so vielem, was die Reihe ausgemacht hat. Vor allem Wittgensteins grummelige Art und seine altbekannten Sprüche (»Fragen Sie nicht!«) auch aus Emilys Mund begeisterten mich besonders.

Man kann dem Buch sehr gut folgen, wenn man, wie ich, die anderen Bände das letzte Mal vor Jahren gelesen hat oder diese sogar noch nie in Händen hielt. Marzi gibt viele Erklärungen, die auch Neulingen seine Welt nahe bringen und ihnen keine Schwierigkeiten bereiten sollten, sich in seinem Roman zu Recht zu finden. Für die, die bereits die anderen Bücher kennen, hat er zahlreiche Anspielungen auf diese. Neulinge werden lediglich in Bezug auf Maurice Micklewhite wohl böse gespoilert, was sich aber nicht vermeiden lies, hätte Marzi nicht ganz auf ihn verzichtet. Mich persönlich freut es jedenfalls, dass Maurice wieder mit dabei ist.

Es vergingen nicht nur für den Leser geschlagene acht Jahre, bis wir endlich wieder in die uralten Metropolen abtauchen durften. Auch Emily wurde in dieser Zeit älter. Sie steht nun auf eigenen Beinen, hat ein Leben und ist erwachsen geworden. Da ich die Bücher das erste Mal im Teenager-Alter gelesen habe, freute mich dieser Umstand besonders, da ich quasi mit Emily älter geworden bin, was ein schöner Gedanke ist.

Stilistisch ist natürlich wieder einmal nichts zu meckern. Marzi schafft es auf seine ganz eigene Art und Weise, selbst parataktische Textabschnitte wunderbar auszuformulieren und eigentlich erst dadurch seinem Text die typische Note zu geben. Darüber hinaus schreibt er trotz der beachtlichen Länge des Romans von 700 Seiten eine sehr kurzweilige und spannend erzählte Geschichte ohne Längen. Es fällt schwer, sich von den Seiten zu lösen, da man unbedingt wissen will, wie es ausgeht. Denn wirklich vorausahnen kann man nichts davon.

Einziger Wermutstropfen: Das Cover passt nicht zu den Vorgängerteilen.

Alles in allem: Unbedingte Kaufempfehlung sowohl für Fans der uralten Metropolen als auch solche, die noch nie etwas aus der Reihe gelesen haben.



Daten
London, Die uralten Metropolen 5: ISBN 978-3-453-31665-2 , Heyne, 2016, 14,99€


Das Leben eines Söldners ist einfach, mag man meinen. Er dient dem Höchstbietenden und verkauft ihm sein Schwert. Einstmalige Feinde können morgen schon der neue Auftraggeber sein. In »Rotes Gold«, dem Auftakt seiner Schwertfeuer-Saga, zeigt uns Autor Robert Corvus, dass die Dinge nicht immer so leicht sind. 

Kester führt den Klingenrausch, eine der schlagkräftigsten Söldnerlegionen, seit Jahren von einer ruhmreichen Schlacht in die nächste. Doch seine Stunde hat geschlagen, er wird ermordet. Der Klingenrausch droht zu zerbrechen, und seine Tochter Eivora hat alle Hände voll zu tun, dies zu verhindern. Durch einen findigen Trick bewegt sie die Führer der Einheiten zur Zusammenarbeit, damit ihnen ein ausgesprochen lukrativer Auftrag nicht durch die Finger geht. Es gilt Ygôda zu erobern, eine Stadt, die als uneinnehmbar gilt. Für Eivora gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein ruhmreicher Sieg oder sie folgt ihrem Vater in die Hölle der Dämonen.

Was man Corvus auf jeden Fall zugutehalten muss, ist die mutige Sichtweise. Seine Identifikationsfiguren sind Söldner, und das heißt, dass der Leser hautnah miterlebt, wie Tempel geplündert und seine Priesterinnen geschändet werden. Nicht wirklich etwas, mit dem man sich üblicherweise identifizieren kann. Das klappt jedoch insofern dennoch, als dass Eivora, eine der Hauptpersonen, als Gegenpol zu dem ausgesprochen grausamen Chastro-Ignuto steht. Sie, zwar noch immer eine Söldnerin, hat aber Beweggründe, die den meisten Lesern einleuchten und nachvollziehbar sind.

Chastro-Ignuto selbst ist ein spannender Charakter. Man erfährt gleich zu Anfang, dass er ein sogenannter Avatar ist, das heißt, ein Medium für einen Homunkulus genannten Dämon, der als Parasit aus seiner Schulter wächst. Zunächst erscheint er nur als sinnlos grausamer Mistkerl, doch im Laufe der Geschichte erfährt man mehr darüber, was es mit Ignuto, dem Homunkulus, auf sich hat. Er lebt nicht nur von Chastros Körper, sondern kann sogar aktiv Einfluss auf ihn nehmen, das sogar so weit geht, dass er nahezu völlige Kontrolle über Chastros Geist hat. Chastro selbst hatte, als er den Homunkulus annahm, gedacht, dass es etwas Großartiges sei, lernte jedoch mittlerweile, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er empfindet Abscheu vor sich und den Taten, zu denen er von Ignuto gezwungen worden war. Das ist sehr gelungen, weil das auch aus Chastro-Ignuto einen lesenswerten und vielschichtigeren Charakter macht.

Corvus hat viele schöne Ansätze für sein Worldbuildung eingeflochten. Der Homunkulus ist einer davon. Auch über den Dämonenkult zu lesen, dem die Söldner anhängen, war sehr interessant, weil das ebenfalls nicht unbedingt das ist, was man sonst in einer mehr oder weniger quietschbunten klassischen Fantasywelt geboten bekommt. Und quietschbunt ist hier herzlich wenig.

Der Blick, den der Leser auf die Welt des Klingenrauschs bekommt, ist sehr kanalisiert. Das geht damit einher, dass man nicht unbedingt so viel über die überregionalen politischen Verhältnisse, Ländergrenzen und dergleichen mehr erfährt, das passt jedoch sehr gut. Für Söldner spielen diese Dinge schließlich keine große Rolle. Wer gestern noch bekämpft wurde, kann morgen schon der neue Vertragspartner sein, um nun die Waffen gegen seinen Vorgänger zu erheben.

Das Buch bietet exakt das, was man bei seinem Klappentext erwartet. Das heißt, dass es eine gute und solide, wenn auch nicht umwerfende Handlung hat, die jedoch sehr arm an überraschenden Wendungen ist. Lediglich wortwörtlich die allerletzten Zeilen halten eine wahre Bombe bereit, die unheimlich viel Lust auf den nächsten Band macht!

»Rotes Gold« ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, das einiges zu bieten hat. Vor allem die Charaktere abseits der üblichen Fantasy-Tropes stechen dabei heraus.



Daten
Rotes Gold (Schwertfeuer-Saga #1): ISBN 978-3-492-28063-1 , Piper, 2016, 12,99€


Die Autorin Gesa Schwartz ist bisher für ihre Chroniken der Schattenwelt und die Grim-Reihe bekannt. Nun begibt sie sich mit »Schattenreiter«, dem ersten Band der Ära der Drachen, in eine postapokalyptische Zukunft, in der die Menschheit nur noch wie Ratten in den Untergrundsystemen der großen Städte von einst leben kann. Denn die Oberfläche wird nun von Drachen regiert.

Sira ist eine Diebin aus den U-Bahn-Tunneln des einstigen New York. Von dort aus unternimmt sie immer wieder Streifzüge an die Oberfläche, um aus den Ruinen alles von Wert zu stehlen, dessen sie habhaft werden kann. Dabei muss sie immer wieder den Drachen des Königs trotzen, die sich über jeden Menschen her machen, den sie finden. Eines Tages wird ihre U-Bahn-Station von den Drachen angegriffen und ihr Bruder getötet. Beinahe wäre es auch um sie geschehen, als plötzlich die Reiter des Schattens, Drachenreiter mit magischen Fähigkeiten und Rebellen gegen den König, kommen und sie retten. Denn auch sie ist ein Drachenblut und hat damit die magischen Fähigkeiten, die sie zur Drachenreiterin prädestinieren. Trotz ihres Hasses auf Drachen schließt sie sich den Reitern des Schattens an, um Rache zu nehmen für den Tod ihres Bruders.

Das Buch hat auf jeden Fall seine Schwächen, es hat aber auch absolut tolle Drachen, die vieles wieder rausreißen. Zudem ist das Buch optisch eine Augenweide. Das Cover ziert ein wunderschönes Bild von Sira und einem Drachen vor der Kulisse des zerstörten New York. Auch auf der Innenseite des Covers findet sich ein tolles Bild eines Drachenreiters und seines Drachens. Im Buch selbst findet man immer wieder klasse anzusehende Portraitzeichnungen von verschiedenen Drachen. Also Drachen, Drachen und noch mal Drachen! Ist das nicht toll?!

Der Klappentext verspricht eine Mischung aus Dystopie und Fantasy, was an und für sich eine sehr bemerkenswerte Kombination ist, die auf jeden Fall neugierig macht. Es erinnert zunächst ein wenig an den Film »Reign of Fire«. Liest man dann, stellt man jedoch sehr schnell fest, dass mit Dystopie hier eher wenig ist. Wir haben zwar zerstörte Großstädte, die uns sehr vertraut vorkommen, dann hört es jedoch auf. Schwartz sagt nichts dazu und macht nur Andeutungen, wie es dazu kam, dass die Welt zerstört wurde und für Menschen ohne magische Fähigkeiten die Oberfläche unbewohnbar wurde. Das ist sehr schade, denn das »Wie kam es dazu?« ist bei Dystopien meist ein sehr spannender Aspekt. Liest man das Buch also als ganz normale High Fantasy, hat man allerdings ein gutes Buch, das einiges Lesevergnügen bereitet.

Kurz: Das Setting passt nicht zur Handlung. Bleibt man in der Analogie des Buches, müsste die Handlung irgendwann sehr weit in unserer Zukunft spielen. Betrachtet man Namen wie Nhor’garoth in Hinblick auf unsere Sprachen der Welt, fragt man sich: Wie in drei Teufels Namen soll dieser Name sprachgeschichtlich realistisch erklärbar und in einem nicht völlig übertriebenen Zeitrahmen entstanden sein?! Auch das ist ein Indiz dafür, dass das Buch vor allem als nette High Fantasy zu behandeln ist und weniger als Mischung aus Fantasy und Dystopie.

Auch der Stil spricht dafür. Er erinnert sehr an den getragenen Stil der üblichen Fantasy. Man hat zwar verschiedene Sprachebenen, die vor allem die Drachenreiter (das Fantasy-Element mit ihrer gehobenen Sprache) von den einfachen Menschen (der Dystopie-Teil mit der uns vertrauteren Sprache) abgrenzen, letztere kommen aber vor allem am Anfang des Buches zu Wort. Gerade da fällt der Kontrast auch besonders auf: Der gehobene Stil wirkt eher wie gewollt als gekonnt und zu erzwungen. Vor allem die furchtbar lästige Genitiv-Attribuierung fällt da ins Auge: Reiter der Schatten, Diebin der Schatten, Reiter des Sturms und so weiter. Irgendwann gewöhnt man sich zwar ein wenig daran, aber gerade zu Beginn ist das sehr störend.

Das Buch charakterisiert sich jedoch vor allem durch ein Merkmal: Es ist Eragon 2.0. Nun war Eragon nicht die schlechteste Reihe, was auch dieses Buch nicht unbedingt schlechter macht. Gelegentlich wäre ein wenig mehr eigene Kreativität jedoch wünschenswert. Gerade in Bezug auf die Beziehung von Reiter und Drache haben wir hier inhaltlich nahezu eins zu eins Eragon. Die Magie des Reiters wird durch seinen Drachen verstärkt, und stirbt der eine, geht auch der andere zugrunde. Kommt sehr bekannt vor, oder? Wie gesagt: Das macht das Buch nicht zwingend schlechter, weil Paolini einige wirklich tolle Ideen hatte. Wer jedoch auf mehr Eigenleistung plädiert, wird daran nicht unbedingt seine Freude finden.

Nebst dem Stil ist das größte störende Element die fehlende Erklärung einiger Dinge. Es ist immer wieder von »Schatten« die Rede, nach denen sich die Drachenreiter sogar benennen. Aber es wird nie so wirklich klar, was diese Schatten nun sind. Auch ist immer wieder die Rede von einem bösen König, den es zu bekämpfen gilt. Erst am Ende wird er in einem Nebensatz als »König der Welt« bezeichnet, wobei selbst hier fraglich ist, ob das nur wieder eine weitere stilistische Floskel ist oder ob es wörtlich zu nehmen ist. Also: Wer ist dieser König und welche Rolle spielt er in der Geschichte der Welt, dass sie so wurde, wie sie ist? Gerade das spielt doch auch eine große Rolle, weil die Motive der Charaktere aus ihrer Vergangenheit resultieren. Und gerade die wird mitunter sträflich vernachlässigt, besonders wenn es um die globale Historie statt um die Einzelschicksale geht.

Als kleines Bonbon nebst den schönen Zeichnungen gibt es allerdings immer mal wieder Zitate von Goethe, Shakespeare und Rousseau.

»Schattenreiter« ist ein ambivalenter Auftakt der Reihe. Optisch eine Augenweide, keine Frage, und wer Drachen mag, wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Jedoch wird die Freude von so manch einem Mängel gemindert. Die versprochene Dystopie gibt es nicht, dafür aber umso mehr solide Fantasy. Einiges jedoch bleibt wortwörtlich im Schatten und entlässt den Leser mit etlichen Fragezeichen nach über 700 Seiten feuriger Drachenaction.



Autor: Gesa Schwartz
Titel: Ära der Drachen: Schattenreiter
Original: Ära der Drachen: Schattenreiter
Sprache: Deutsch
Reihe: Band 1
Seiten: 734
Originalpreis: 19,99€
Verlag: Egmont Lyx
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-7363-0186-3
Erscheinungsjahr: 2016


Christine Nöstlingers »Bonsai« erzählt die Geschichte des Jungen Sebastian. Er ist Fünfzehn, aber dennoch kleiner als das kleinste Mädchen der Klasse. Außerdem weiß er zwar eine ganze Menge, nur eines noch nicht: Wie es um ihn und seine Sexualität bestellt ist. Er beschließt sich zu verlieben, und seine Kusine Eva-Maria soll ihm dabei behilflich sein. 

Der Roman ist mit einem frischen Witz erzählt, der dadurch gleichzeitig das Wiener Großbürgertum ein wenig auf’s Korn nimmt. Sebastian ist ein altkluger Junge, der oft gewichtig daherredet, aber nicht immer so ganz versteht, was er da eigentlich erzählt. Das führt mitunter zu recht komischen Situationen, in denen er beispielsweise die Philosophie mit der Gärtnerei verwechselt und beides für ein und dasselbe hält. Auch lebt der Humor des Buches von Situationskomik, beispielsweise als Sebastian den Männerstrich auf einem Straßenklo sucht und Eva-Maria ihm hinterher ganz trocken erzählt, was sie in einiger Entfernung unter den Bäumen beobachtet hat. Das zeugt von seiner Naivität, die er jedoch durch seine Großmäuligkeit zu überspielen versucht. Mitunter reichen Humor und Komik bis hin zur Drastik.

Sebastian ist in seinem Alltag fast nur von Frauen umgeben: seine Mutter, die Tante und deren Tochter Eva-Maria. Dadurch fehlt ihm eine männliche Identifikationsfigur, auch wenn er sagt, dass er seinen Vater nicht vermisst und »die Alleinerzieherin«, wie er seine Mutter immer nennt, dessen Rolle gut erfüllt. Sie selbst nimmt ihn jedoch mehr oder weniger als Partnerersatz und erzählt ihm vieles aus ihrem Leben, dass eine Mutter klassischerweise nicht erzählen würde. Damit werden die klassischen Rollenbilder einer Familie aufgebrochen und durch plurale Familienverhältnisse ersetzt; die Patchworkfamilie wird salonfähig.

Das Verhältnis von Mutter und Sohn ist durch tägliche Streits geprägt, Sebastian scheint das sogar zu brauchen, da es für ihn eine Art Wettbewerb ist. Trotzdem herrscht eine gesunde Kommunikation zwischen beiden, die Mutter setzt sich für ihn ein und verteidigt ihn. Sie ist sich gegenüber sehr kritisch und streng und befürchtet, eine schlechte Mutter zu sein. Durchaus als fortschrittlich ist zu bezeichnen, dass sie sogar den Rat eines befreundeten Psychologen sucht.

Sebastian reagiert vor allem auf Dinge und ist nicht unbedingt der kluge Kopf, für den er sich selbst hält. Selbst die Suche nach seiner Sexualität wird überhaupt erst angestoßen, als seine Mutter sich Sorgen macht, er könne schwul sein, weil er spaßeshalber ein Kleid seiner Kusine angezogen hatte. In der Suche selbst agiert er jedoch ausnahmsweise selbst.

Dadurch, dass Sebastian sich so klug gibt und in gehobenerer Sprache spricht, ist er von den anderen aus dem Klassenverband mehr oder weniger ausgeschlossen. Seine sozialen Kontakte sind daher stark beschränkt, vor allem auf Eva-Maria und die Pribils.

Am Ende des Buches, sprichwörtlich in den letzten Wörtern, wird deutlich, dass Sebastian eventuell über seine Geschichte geflunkert haben könnte, es wird jedoch nicht klar, inwiefern. Er nimmt Bezug auf die verschiedenfarbigen Tagebücher seiner Kusine, in denen sie unterschiedliche Versionen der von Sebastian wiedergegebenen Ereignisse niedergeschrieben hat. Er gibt an, dass er noch weitere verschiedenfarbige Bücher hätte schreiben können mit zahlreichen anderslautenden Wahrheiten über ihn.

Der Schluss des Romans ist in jedem Fall sehr gelungen und lässt den Leser auch nach Beenden der Lektüre darüber nachsinnen, was Sebastian nun erfunden, etwas großzügig ausgelegt oder seiner Wahrnehmung entsprechend wiedergegeben haben könnte. Auch die Komik der Erzählung hat einen gewissen Reiz. Insgesamt gelingt es der Autorin gut, sich in die Gefühlswelt eines Heranwachsenden hineinzuversetzen und seine Probleme und Sorgen dem Leser nahe zu bringen.

  

Autor: Christine Nöstlinger
Titel: Bonsai
Original: Bonsai
Sprache: Deutsch
Reihe: Nein
Seiten: 248
Originalpreis: 14.90 DM
Verlag: Beltz & Gelbert
Genre: Jugendroman
ISBN: 3-407-78821-5
Erscheinungsjahr: 2000


»Elantris« mag vielleicht nicht Brandon Sandersons erster geschriebener Roman sein, aber der erste, der es 2005 in die Buchhandlungen schaffte. Auch nach über zehn Jahren verzaubert Elantris noch immer tausende Leser Sandersons und ist für viele einer seiner besten Romane. Mit der 10th Anniversary wird der stete Erfolg des Buches gewürdigt und wartet zur Feier mit einigen Neuheiten rund um Elantris auf.

Elantris war einst die Stadt der Götter. Nun ist sie ein verfallenes Asylum für all die armen Seelen, die von der Shaod getroffen und zu Elantriern wurden. Es kann jeden treffen, egal ob armer Bauer oder wohlhabender Adeliger. Wo sie einst dank der Shaod zu Göttern wurden, sind sie seit dem Fall von Elantris nur mehr wandelnde Leichen, zu einem lebenden Tod verdammt. Für Prinz Raoden war die Shaod immer ein Ereignis, das immer nur »die anderen« betrifft – bis er eines Morgens ahnungslos aufwacht und selbst ein Elantrier ist. Sarene, die Prinzessin des verbündeten Reiches Teod hätte ihn heiraten sollen, steht aber nun ob seines formalen »Todes« und durch den Verlobungsvertrag gebunden als Witwe da. Dennoch ist sie gewillt, weiter für das Fortbestehen des Landes zu kämpfen. Denn König Iadon, ein einstiger Händler, der dank seines Reichtums nach dem Fall von Elantris an die Macht kam, ist ein miserabler Herrscher und das mächtige Kaiserreich Fjorden schickt seinen Abgesandten Hrathen, um die Bürger Arelons zu konvertieren und das Land zu erobern. 

Der Roman ist einfach großartig, mehr muss man im Prinzip nicht dazu sagen. Auch für alte Hasen, die den Roman bereits kennen, bietet die 10th Anniversary Edition noch einmal einige schöne Extras. Besonders hervorzuheben sind die Karten von Elantris und Umland sowie Opelon, die zur ursprünglichen Karte von Arelon hinzukamen. Der Text selbst ist der Alte geblieben, es gibt jedoch ein schönes neues Vorwort von Dan Wells sowie ein überarbeitetes Ars Acanum, das die Informationen zu den Aons zusammenfasst und ergänzt sowie die Aons selbst noch einmal abbildet. Außerdem schrieb Sanderson noch ein neues Nachwort mit einigen interessanten Details zur Verkaufsgeschichte des Romans. Außerdem gab er die Mad Prince Szenen im Anhang hinzu; Raoden hatte in einer der früheren Romanfassungen einen Bruder, welcher recht weit am Ende des Romans auftaucht und den Thron Arelons an sich reißen will. Sanderson hat schon Recht, wenn er sagt, dass der Roman ohne diese Szenen besser funktioniert. Dennoch war es spannend, auch einmal eine andere Version zu lesen, da Raodens Bruder nicht ganz so uninteressant wirkt. Vielleicht recycelt Sanderson diesen Charakter ja tatsächlich für einen anderen Roman? Das würde sicher nicht schaden. Ganz zum Schluss des Buches gibt es eine kleine Extraszene, die besonders für diejenigen Leser interessant ist, die sich bereits etwas tiefer mit dem Cosmere vertraut gemacht haben. An dieser Stelle sei nicht mehr dazu gesagt, da es sonst die schöne Überraschung vermiesen würde.

Das Gesamtpacket, das die 10th Anniversary Edition liefert, ist klein aber fein. Nicht ganz so klein, aber ebenso fein ist auf jeden Fall der Inhalt des Romans selbst. Sanderson hat ein gutes Gespür für Dramatik und gewichtige Worte. Besonders das Ende des Romans und sein Anfang stechen da aus vielen tollen Szenen besonders hervor. Im Prolog, wenn man so will, wird beispielsweise über die Glorie der Elantrier gesprochen, wie sie als gnädige Götter über ganz Arelon herrschten und dem Land dank ihrer Magie Frieden und Wohlstand brachten. Das Kapitel endet mit den Worten: »Eternity ended ten years ago.«

Auch der erste Satz des ersten Kapitels ist nicht weniger eine wahre Bombe: »Prince Raoden of Arelon awoke early that morning, completely unaware thad he had been damned for all eternity.« Und wenige Absätze später, als er nach Elantris geschickt wird: »The Elantris city gates boomed shut behind him with a shocking sound of finality.« Sätze, die einem die Gänsehaut den Rücken hinab jagt!
Ganz, wie man es von Brandon Sanderson und besonders einem Cosmere-Roman aus seiner Feder erwartet, bietet er hier erneut ein kreatives und absolut faszinierendes Magiesystem, das der Leser gemeinsam mit Raoden entdeckt, denn dieser brennt darauf zu erfahren, warum die Shaod, die Verwandlung normaler Menschen zu Elantriern, nicht mehr richtig funktioniert. Er arbeitet sich dabei Stück für Stück durch die Mysterien der Dor, wie die Magie genannt wird, und der Aon, der Zeichen, durch die Dor wirken kann. Ganz wie der Leser wundert er sich, stellt Fragen und geht dem Mysterium auf die Spur, bis er schließlich das Geheimnis von Elantris entdeckt hat – auch wenn es da vielleicht schon zu spät ist.

Man kann getrost von mustergültigen Charakteren sprechen. Ihre Ausarbeitung ist wunderbar gelungen, alle drei Hauptcharaktere, welche sich in steter Reihenfolge abwechseln, sprechen den Leser an. Besonders Hrathen, der bis kurz vor Schluss als Antagonist wirkt, wird spätestens da zu einem Sympathieträger, da es zu einem Wendepunkt in seiner Persönlichkeit kommt und er erkennt, wer vielleicht der wahre Feind ist. Dabei spielt sein, wenn man so will, Adjutant Dilaf eine wichtige Rolle, welcher bis dahin eher im Hintergrund blieb und für den Hrathen wenig Beachtung übrig hatte. Dass Dilaf gegen Ende eine so große Enthüllung bereithält, ist einfach großartig und liest sich unglaublich gut.

Sanderson schafft es durch die Darstellung seiner Charaktere und die Art und Weise, wie sie die Welt sehen, selbst für sie überraschende Wendungen in ihrer Persönlichkeit herbeizuzaubern. Besonders Hrathen kann dabei begeistern, aber auch Raoden und Sarene sind dank der Art und Weise, wie sie denken und ihren Intellekt benutzen, Charaktere, denen man gern durch die Geschichte folgt. Es ist geradezu ein Hochgenuss, diese brillanten Geister arbeiten zu sehen.

Ganz passend dazu bedeutet Raodens Name übrigens Geist beziehungsweise Essenz, und der ursprüngliche Titel des Romans, welcher sich noch im dritten Teil des Bandes erhielt, lautete »The Spirit of Elantris«. Das manifestiert sich in mehrfacher Hinsicht: Zum einen ist Raoden tatsächlich eine Art Geist, eine für die Außenwelt lange nicht genauer greifbare Instanz, da die Bevölkerung Elantris zu einem Tabuthema machte und Raoden vor Sarene verbirgt, wer er eigentlich ist. Er ist auch insofern der Geist von Elantris, als dass er den Elantriern wieder Hoffnung gibt und es ihnen ermöglicht, im Dreck der gefallenen Stadt eine wieder menschenwürdige Gesellschaft aufzubauen. Schlussendlich ist auch er es, der Elantris seine Seele wiedergibt.

Liebhaber des Cosmere werden sich natürlich auch über Hoids klitzekleinen Gastauftritt freuen. (An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob diese Rolle in irgendwann kommenden Fortsetzungen des Romans ausgebaut wird. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert.)

Der Roman funktioniert wunderbar als Einzelband, es ist jedoch bekannt, dass für die graue Zukunft Fortsetzungen geplant sind. Sanderson räumte am Ende der Handlung genug Platz dafür ein, indem er andeutete, dass es viele Wege zu geben scheint, Dor zu nutzen, nicht nur durch Aons. Das gilt es natürlich zu erkunden. Außerdem scheint Wyrn, der Herrscher Fjordens, noch nicht final besiegt, nur geschwächt. Auch hier kann noch viel erzählt werden. Es bleibt also spannend. Sicher ist auf jeden Fall: Ein Griff zu den Fortsetzungen ist ebenfalls ein Muss, da Sanderson einfach ein großartiger Autor ist.



Autor: Brandon Sanderson
Titel: Elantris
Original: Elantris
Sprache: Englisch
Reihe: Band 1
Seiten: 590
Originalpreis: 17.99$
Verlag: Tor Books
Genre: Fantasy
ISBN: 978-0-7653-8102-6
Erscheinungsjahr: 2015


Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Eines darf im Advent aber auch nicht fehlen: der Kalender. Üblicherweise ist der mit Schokolade gefüllt, gegen die die alten Kalender mit den Bildchen scheinbar nicht ankommen können. Wirklich? Cornelia Funke erzählt in »Hinter verzauberten Fenstern« eine ebenso verzauberte Adventsgeschichte.

Julia ist neidisch, dass ihr kleiner Bruder Olli einen mit Schokolade gefüllten Adventskalender bekommen hat und sie nur einen aus Papier. Aber das auf ihrem abgebildete Haus glitzert so silbrig und geheimnisvoll, dass Julia der Versuchung nicht widerstehen kann und das erste Fenster des Kalenderhauses öffnet. Da bemerkt Julia, dass das Haus bewohnt ist und sie die Menschen, die darin leben, besuchen kann. Ein ungewöhnliches Abenteuer beginnt … (Quelle: Klappentext)

Was wahrscheinlich sofort ins Auge fällt, sind die wunderschönen Illustrationen der Autorin, koloriert von Yvonne Ziegenhals-Mohr. Wie man es von Funke gewohnt ist, liegt diesen Bildern ein ganz besonderer Zauber inne, sodass man sie einfach gern anschauen muss.

Die Geschichte selbst ist … nett. Nicht die umwerfendste Adventsgeschichte, eher traditionell, ohne groß etwas Neues zu machen. Auf jeden Fall aber ist sie ein schöner Happen für einen Adventssonntag unter der warmen Kuscheldecke bei Weihnachtsmusik und mit Tee, sodass man sich den draußen eh nicht vorhandenen Schnee zumindest gut vorstellen kann.

Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass für mich ein Gutteil des Zaubers der Geschichte verloren ging, weil mir Julia streckenweise sehr unsympathisch gewesen war. Sie und ihr kleiner Bruder zicken sich ständig wegen des Kalenders an. Ja, kleine Kinder tun so etwas nun mal, und ja, eine geschönte Version der nervigen Seiten von kleinen Kindern wäre mir grundsätzlich lieber.

Ansonsten geht Funkte mit ihrer kleinen Geschichte klassische Wege, auf denen Werte wie Zusammenhalt und Harmonie proklamiert werden. Natürlich ganz passend zur Adventszeit!

Insgesamt ist »Hinter verzauberten Fenstern« also nicht unbedingt die neueste oder innovativste Geschichte. Da sich hier aber auch auf »klassische Werte« wie die alten Papieradventskalender, die mittlerweile aus der Mode gekommen sind, rückbesinnt wird, passt es eigentlich ganz gut. Für einen schönen Adventsabend mit Tee, Kuscheldecke und Weihnachtsmusik ist mit diesem Buch dennoch gesorgt. 



Autor: Cornelia Funke
Titel: Hinter verzauberten Fenstern – Eine geheimnisvolle Adventsgeschichte
Original: Hinter verzauberten Fenstern – Eine geheimnisvolle Adventsgeschichte
Sprache: Deutsch
Reihe: Nein
Seiten: 181
Originalpreis: 8,95€
Verlag: Fischer
Genre: Kinderbuch
ISBN: 978-3-596-80927-1
Erscheinungsjahr: 2009
 


Was einst als kleine Idee an einem Lagerfeuer in einem Wald nahe einer finnischen Kleinstadt begann, tourt jetzt als Band von Weltrang durch die großen Bühnen der Welt und ist selbst in Wembley bereits aufgetreten. Nightwish sind in Finnland Kult, Fans aller Gesellschaftsklassen finden sich dort. Auch außerhalb Finnlands hören längst nicht mehr nur die eingefleischten Metalheads die Jungs und Damen rund um Songwriter Tuomas Holopainen. Ihre Bandgeschichte ist bewegt, 2005 trennten sie sich von ihrer ersten Frontsängerin Tarja Turunen, auch ihre Nachfolgerin Anette Olzon war nicht so der Renner. Nun tritt Nightwish seit 2012 mit Floor Jansen; und der Wechsel der Sängerin inmitten der Imaginaerum-Tour hat sich bewährt. Nightwish steht auf dem Gipfel ihres Erfolges und nichts deutet darauf hin, dass sich so schnell etwas daran ändert. Doch werfen wir mit Mape Ollila einen Blick zurück auf die Anfänge. 

Once Upon A Nightwish ist die offizielle Bandbiographie von 1996 bis 2006. Zudem finden sich etliche Farbfotos von Shows und hinter den Kulissen.

Ollila eröffnet die Biographie mit einer atmosphärischen Beschreibung des End of an Era Konzerts in der Hartwall-Arena, Helsinki, im Oktober 2005. That fells! Er hat einen Sinn für’s Dramatische, denn am Tag nach dem Konzert endete in der Tat eine Ära, als Nightwish sich von ihrer Frontsängerin Tarja trennte, deren dramatische und charakteristische Stimme einen großen Teil zum Erfolg der Band beigetragen hatte. Ollila gibt den Brief in voller Länge wieder so, wie er damals als öffentlicher Brief auf der Webside der Band erschienen war.

Man mag übrigens von der Trennung halten, was man will. Ich kam übrigens als Fan erst 2008 mit Dark Passion Play hinzu, das war also noch vor meiner Zeit als Nightwishfan (und Metalhead, das begann damit nämlich auch). Aber trotzdem: Egal, was zwischen ihnen gestanden hatte, und das war eine Menge, wie Ollila im weiteren Verlauf darlegt, so waren sie doch bis dahin eine Band, was schlicht verbindet. Das macht man einfach nicht auf diese Art und Weise … Meine Meinung.

Die Biographie gibt einen wunderbaren Überblick über die Bandgeschichte sowie einen Blick hinter die Kulissen. Ollila hat viele Interviews geführt oder für die Biographie verwendet, sodass man viel O-Ton bekommt, was der Biographie eine ganz eigene Charakteristik gibt. Außerdem beleuchtet er viele Ereignisse aus verschiedenen Aspekten.

So eine Trennung von einem Bandmitglied hat immerhin immer mehrere Seiten. So hat er auch die Trennung von Sami Vänskä im Jahre 2001 genauer unter die Lupe genommen. Hier hätte man sich allerdings gewünscht, dass er noch etwas ausführlicher geworden wäre, vor allem, wenn man dagegen stellt, wie ausführlich der Autor schildert, wie es zur Trennung von Tarja kam.

Wie es dann schließlich zum ersten großen Umbruch in der Bandgeschichte kam, hat er hingegen wirklich sehr ausführlich beschrieben. Manch einer versteht dadurch einige Dinge vielleicht besser. Auch hier hat Ollila wieder beide Seiten beleuchtet: die von Tarja und die von Tuomas und dem Rest der Band, und ging zudem auch auf einzelnen Positionen der Jungs ein.

Ollila erzählt viel aus dem Alltag einer Band, zwischen und während der Touren und lässt da so manch ein peinliches Detail nicht aus. Während so einer Tour wird viel gesoffen und gefeiert und manche Leute werden dann … wunderlich. Es gibt Dinge, die will man einfach nicht wissen. Ich wäre an dieser Stelle Ollila dankbarer gewesen, wenn er ein paar der ekligeren Details ausgespart hätte. Auf der anderen Seite hat er auch einige wirklich schräge Geschichte mit drin.

Zum Beispiel, wie Marco zu seinem coolen Bart kam: Er war nämlich schon in recht jungen Jahren langsam grau geworden. Da er die Hänseleien seiner Freunde satt hatte, hatte er kurzerhand alle grauen Stellen abrasiert. Und das ist halt, was übrig blieb. Hat halt so einen coolen Wikingerstil, wie ich finde.

Schlussendlich ist dieses Buch eine Biographie, also eher informativ denn unterhaltsam. Dennoch ist es auf jeden Fall eine Empfehlung für Fans und Musikinteressierte. Außerdem empfiehlt es sich, die Alben nebenher zu hören, da Ollila auch viele Hintergrundinformationen zu den Entstehungsgeschichten gibt, wie Tarja beispielsweise gerade am Anfang bei Oceanborn oft an ihre Grenzen kam und wie alle Bandmitglieder an ihrer eigenen Musik gewachsen waren. Mit dem Ende einer Ära endet Mape Ollila seine Biographie, doch die Reise geht noch immer weiter.
 


Autor: Mape Ollila
Titel: Once Upon A Nightwish : The Official Biography 1996-2006
Original: Once Upon A Nightwish
Sprache: Englisch
Reihe: Nein
Seiten: 293
Originalpreis: ?
Verlag: Bazillion Points
Genre: Biographie
ISBN: 978-0979613-2-7
Erscheinungsjahr: 2008
 


Mit seinen eigenen Worten eröffnet Christopher Tolkien das epische Werk seines Vaters: die Narn i Chîn Húrin, die Geschichte der Kinder Húrins, nebst dem Fall von Gondolin und der Geschichte Berens und Lúthiens eine der drei zentralen Geschichten des Legendariums aus den Älteren Tagen, als Sauron selbst nur ein Diener Morgoths gewesen war und die Noldor ihren hoffnungslosen Krieg gegen den Schwarzen Feind führten, um die silmarilli zurückzuerobern.

Húrin aus dem Hause Hadors ist einer der großen unter den Edain. Nicht zuletzt durch seinen Kampf in der Nirnaeth Arnoediad, der Schlacht der Ungezählten Tränen, erlangte er unsterblichen Ruhm. Doch auch der größte Krieger kann übermannt werden, und so geriet Húrin in Gefangenschaft. Doch statt ihn hinzurichten, legte Morgoth einen Fluch auf ihn, den Untergang seines Hauses aus der Ferne an die Gipfel des Thangorodrims gekettet miterleben zu müssen. Túrin, sein Sohn, wächst in Dor-lómin nun ohne Vater auf. Wie es in jenen Tagen Brauch war, schickt Morwen, seine Mutter, ihn nach Doriath zu König Thingol, wo er unter Elben aufgezogen wird. Als er ein junger Mann ist, tötet er im Zorn und doch im Versehen einen von Thingols Beratern und flieht aus Doriath, womit sein Schicksal seinen Lauf nimmt. Wo Túrin Turambar auch erscheint, verfolgt ihn sein Schicksal, der Fluch Morgoths, der den Ruin über Húrins Kinder brachte.

Ich rezensiere Tolkien ja grundsätzlich nicht, das weiß man vielleicht. Das liegt vor allem daran: Er ist genial, da muss man nichts diskutieren. Punkt, aus. Zum anderen liegt es daran, dass das bei mir immer in Fangirling ausartet, bei dem nur Leute folgen können, die selbst mehr oder weniger tief in der Materie stecken. Daher an dieser Stelle vorab die Empfehlung: Tolkien gateway. Das ist eine sehr gute Internetquelle, die vor allem deswegen so gut ist, weil sie sehr viele Quellbelege angibt, mittels denen die Wikiseiten sehr gut nachprüfbar sind. Tolkien gateway ist natürlich auch nicht perfekt, das kompensiert sich aber ein Stück weit durch die Quellenangaben.

Aber eines kann und möchte ich machen: eine Vorstellung des Hörbuchs, das vor knapp einem Monat spontan bei mir eingezogen ist. Also legen wir los.

Ich wollte eigentlich in der Bibliothek etwas anderes suchen. Dafür musste ich durch die Hörbuchabteilung. Ich hab mit Hörbüchern nun nicht sooo viel am Hut, guckte aber dennoch ein bisschen herum. Mein Blick blieb am der Hörbuchfassung der Children of Húrin hängen, und ich wäre bei weitem nicht so ausgeflippt, wenn da nicht drauf stünde: »Read by CHRISTOPHER LEE, Preface and Introduction read by CHRISTOPHER TOLKIEN«. Christopher Lee ist nun mein Lieblingsschauspieler, nicht zuletzt auch wegen Saruman, den er so unglaublich genial verkörperte. Und Christopher Tolkien, dessen Arbeit ich ohnehin unheimlich schätze, selbst sprechen zu hören, ist natürlich auch ein dickes Ding! Was mich schlussendlich aber bewog, mir das Hörbuch nicht nur auszuleihen, sondern auch selbst zu kaufen, war diese Szene:



Hier kämpft Húrin in der Nirnaeth Arnoediad seinen berühmten Kampf, ehe er übermannt und gefangen genommen wird. Kaum jemand hätte die Kraft gehabt, dem Feind so lange standzuhalten wie Húrin, ehe er niedergerungen wurde. Wie Christopher Lee das hier liest, geht einfach unter die Haut. Lee hat ohnehin diese unglaublich ausdrucksstarke und beeindruckende Stimme, der ich so gern lausche.

Ganz untypisch für mich saß ich stundenlang mit geschlossenen Augen da und habe absolut fasziniert der Geschichte gelauscht. Sie ist bei weitem nicht neu für mich, ich habe bereits mehrfach die deutsche Übersetzung gelesen und werde sie mir auch noch wie alles von Tolkien noch einmal auf Englisch kaufen. Es hat diese gewisse Sogwirkung, wie Lee die Narn vorträgt, und ich wollte und wollte einfach nicht mehr daraus auftauchen, weil seine Stimme zusammen mit Tolkiens Worten mich so sehr in ihren Bann geschlagen hatten.

Lee spricht die ganze Zeit in diesem, sagen wir, epischen Modus, der die Geschichte trägt. Das wird nur dann ein klein wenig putzig, wenn er auch Túrin als Kind so spricht, aber das ist fast schon wieder eine liebenswürdige Marotte. Ein klein wenig krude klingt es lediglich, wenn er die weiblichen Rollen spricht. Altmänner-Fistelstimme klang aber schon damals bei Tolkien etwas seltsam, als er Galadriels Lied von Eldamar interpretierte, ist also wohl eher natürlich als alles andere. Generell finde ich es aber wirklich cool, wie Lee seine Stimme verstellt und insbesondere den wichtigsten Personen Charakter gibt. Glaurung hat mir da auch sehr gut gefallen.

Die Narn ist Tolkiens Interpretation des Beowulf-Stoffes, insbesondere Túrins Kampf gegen Glaurung und der unwissentliche Inzest von Túrin und seiner Schwester Niënor Níniel  spiegeln das wieder. Tolkien war ein angesehener Beowulf-Forscher, der dieses Forschungsgebiet durchaus ein nennenswertes Stück vorangebracht hatte. Mir gefällt die Idee, dass er ein so großes Werk auch in seinem Legendarium verarbeitete. Immerhin meinte er selbst einmal, dass er es bedauere, dass England kein »eigenes« Epos habe wie beispielsweise wir Deutschen mit dem Nibelungenlied, und dass er daher sein eigenes Epos schreiben wolle. Warum sich also nicht aus Stoffen bedienen, die einem selbst sehr gefallen?

Túrins Geschichte bewegt. Er ist vom Schicksal getrieben, auch wenn er sich selbst als Turambar bezeichnet, Meister des Schicksals. Doch am Ende heißt es dennoch: a Túrin Turambar turún ambartanen. Túrin, Meister des Schicksals, vom Schicksal gemeistert. Sein Weg ist begleitet von großen Taten, Hochmut, Stolz, Güte, Liebe und Freundschaft. Er bewegt die Herzen derer, die ihm folgen, und gleichzeitig hat er viele Gegner, die sich gegen seine Art der Führerschaft und der Kriegstreiberei aussprechen. Er ist ein hochtrabender Mann, jemand, der nach den Sternen greift – und sich schlussendlich mit einer Macht zu messen versucht, die weit über seinen Kräften liegen. Nach Tolkien ist es ihm erst in vielen Zeitaltern in der Dagor Dagorath beschieden, seinen Erzfeind Morgoth niederzuwerfen.

Ich mache an dieser Stelle wohl besser einen Punkt, ehe das in noch mehr Fangirling ausartet. Auch Húrins Kampfschrei, als Turgon die Tore Gondolins öffnet und die beiden sich in der Hitze der Schlacht wieder treffen, war ein Moment, der unter die Haut ging, während Christopher Lee es vortrug. »Utulië’n aurë! Aiya Eldalië ar Atanatári, utulië’n aurë!« Kauft es, hört es, lest es und liebt es.



Autor: J.R.R. Tolkien
Sprecher: Christopher Tolkien und Christopher Lee
Titel: The Children of Húrin
Original: The Children of Húrin
Sprache: Englisch
Reihe: Nein
CDs: 8 CDs, ungekürzt
Originalpreis: 49,95$
Verlag: HarperCollinsAudioBooks
Genre: Fantasy
ISBN: 978-0007263455
Erscheinungsjahr: 2007
 


Spoilerwarnung! Bedingt dadurch, dass einige der Geschichten die in ihrem System spielenden Romane spoilern, lassen sich Spoiler nicht vermeiden. Die Besprechungen der einzelnen Geschichten hielt ich jedoch möglichst spoilerfrei.

Nur wenige Autoren machen sich wie beispielsweise Tolkien die Mühe, ihre Werke zu einem einzigen Kosmos zu kreieren und diesen Werk für Werk weiter auszubauen. Brandon Sanderson gehört definitiv dazu. Er hat viele Reihen, die sich alle intensiv ihrer eigenen Welt widmen, allen voran die Mistborn- und Stormlight-Bücher. Um das jedoch noch einmal zu krönen, sind auch diese Welten untereinander und miteinander verbunden. Brandon Sanderson schafft nicht nur Welten, er erschafft ganze Universen mit seinen Worten, seinen ganz eigenen Cosmere. Nebst den Romanen und Romanreihen, die im Cosmere spielen gibt es jedoch auch zahlreiche Kurzgeschichten (wobei »kurz« bei Sanderson relativ ist), einige davon bereits in anderen Anthologien erschienen und andere wiederum einzeln als eBook erhältlich.

»Mensch, so eine Sammlung von Cosmere-Novellen wäre schon was.« Das dachten sich mit Sicherheit bereits viele Leser von Brandon Sanderson – und er offensichtlich auch. Nun gibt es endlich, endlich das geballte Cosmere in einem Buch zusammengefasst, darunter namhafte Kurzgeschichten wie »The Emperor’s Soul«, »The Eleventh Metal« oder »Shadows for Silence in the Forests of Hell« sowie eine nur für diese Sammlung geschriebene Stormlight-Novella mit dem Titel »Edgedancer«.



Arcanum Unbounded ist ein Fest, sowohl in literarischer als auch künstlerischer Hinsicht. Das Cover ziert Khriss, eine Angehörige jener noch namenlosen Rasse, zu der (vermutlich) auch Hoid gehört und die zwischen den Welten reisen kann; das Coppermind Wiki nennt sie Worldhopper nach ihrer Fähigkeit, zwischen den Welten zu reisen. Ganz passend zu ihrer noch immer mysteriösen Identität ist ihre Gestalt verhüllt, das Gesicht unter der Kapuze in Schatten gehüllt. Man weiß von ihr kaum mehr als dass sie eine Gelehrte ist, die anscheinend den Cosmere oder Teile davon studiert, passend dazu hält sie ein Buch in Händen. Zudem ist sie diejenige, welche die Ars Acrana am Ende eines jeden Cosmere-Romans geschrieben hat. Laut der Coppermind Wiki ist sie eine der Gelehrten aus »White Sand«, die Kenton für eine kleine Weile begleiten. Sie bestätigt das auch noch einmal indirekt in der Vorstellung des Selish System.

Schlägt man das Buch auf, findet man auf der Innenseite des Covers eine astrologische Karte des Cosmere. In dieser sind die einzelnen Planeten beziehungsweise ihre Sonnensysteme verzeichnet. Optisch sehr schön gestaltet sind die Sternenbilder, in denen sich die einzelnen Systeme befinden.

Das Buch ist in sich nach den verschiedenen Systemen gegliedert. Zu jedem System gibt es eine Zeichnung der Planeten, wie sie sich um ihre Sonne gruppieren, und ihrer eventuellen Trabanten. Zudem hat Khriss jedem System ein kleines Vorwort beigegeben, in dem sie einige Worte zum System und seinen Besonderheiten verliert. Nach diesem Vorwort folgen die Kurzgeschichten, die sich dem System zuordnen. Vor jeder Kurzgeschichte ist eine seitenfüllende Zeichnung beigegeben, die eine Szene aus der Geschichte illustriert, ohne dabei zu viel zu spoilern. Zudem hat Sanderson zu jeder Geschichte ein Postscript verfasst, das interessante Details zur Entstehungsgeschichte verrät sowie, was man vielleicht noch in Zukunft erwarten kann.

Die Zeichnungen und Illustrationen stammen von Ben McSweeney und Isaac Stewart. Insbesondere letzterer arbeitet seit Jahren mit Sanderson zusammen, von ihm stammen die vielen kleinen Icons vor den Kapitelanfängen und die Illustrationen beispielsweise der allomantischen Zeichen und der Aons in den Ars Arcana. Ben McSweeney trug mit seinen Illustrationen maßgeblich zum Lesegefühl des Arcanum Unbounded bei. In einem Interview mit Tor erzählte er einiges zu den Zeichnungen, die er für das Buch anfertigte, unter anderem auch, dass er sich für einen holzschnittähnlichen Stil entschied. Wobei der manchmal doch eher in Richtung einer Fineliner-Zeichnung rutschte.



Das erste System ist Selish mit dem Planeten Sel, der Welt von Elantris und The Emperor’s Soul. Khriss beschreibt Sel als sehr lebensfreundlich mit einer abwechslungsreichen Oberfläche. Bemerkenswert ist, dass es auf dem Planeten zwei Adonalsium-Splitter, Dominion und Devotion, gibt, ein Zustand, den sie »dishardic« nennt. Die Kultur und Magie der Völker Sels sind stark von den Splittern beeinflusst. Eine sehr eindrucksvolle Ausprägung dessen sind sowohl die Aons aus »Elantris« und das Stempeln aus »The Emperor’s Soul«. Die Splitter wurden bereits in prähistorischer Zeit zerstört, ihr Einfluss lebt jedoch fort.

THE EMPEROR’S SOUL

»The Emperor’s Soul« ist die erste Kurzgeschichte, die dem Selish System angehört, und macht gleichzeitig den Auftakt zu »Arcanum Unbounded«. Und was für ein Auftakt das ist! Erzählt wird die Geschichte Shais, einer Diebin der besonderen Art. Sie ist ein sogenannter Forger, das heißt, sie kann mithilfe von Stempeln Dinge nach ihrem Willen verändern, indem sie ihre Seele, wie sie es nennt, stempelt. Ihre Kunst ist im Rose Empire gehasst, und hinzukommt, dass sie sowohl ein wertvolles Gemälde aus dem kaiserlichen Palast als auch das Zepter stahl. Das zusammen mit ihrer Kunst sind Verbrechen, die ihr den Tod bringen sollen. Doch zu ihrem Glück wird während ihrer Gefangenschaft ein Attentat auf den Kaiser verübt, das er zwar überlebt, bei dem sein Gehirn jedoch einen irreparablen Schaden erleidet. Sie ist die einzige, die die Fähigkeiten hat, seine Seele neu zu stempeln und seiner leeren Körperhülle eine neue Seele zu geben. Diese soll eine exakte Replik der alten sein – und sie hat nur hundert Tage für etwas Zeit, das, wenn es überhaupt möglich ist, Jahre braucht.

Das Faszinierendste an dieser Geschichte ist, dass sich alles um den Charakter einer Person, dem Kaiser, dreht, die erst ganz am Ende der Geschichte für einen kurzen Moment auftritt. Darum herum gruppiert sich alles andere. Auch Shai wird sehr lebhaft illustriert, wie sie sowohl ihre Mitmenschen als auch den Leser immer wieder mit ihrer Bobachtungsgabe und ihren Menschenkenntnissen beeindruckt. Sie kennt viele der auftretenden Charaktere schon nach kürzester Zeit genauso gut und vielleicht sogar besser als sie selbst.

»The Emperor’s Soul« ist vor dem Hintergrund der Magie der Stempel also mehr ein Spiel mit den Charakteren als alles andere. Ebenjene Magie, die ebenso wie die Seele des Kaisers das zentrale Element ist, kommt natürlich nicht zu kurz. Brandon Sanderson ist für seine unglaubliche Kreativität bekannt, die er hier wie so oft unter Beweis stellt. Detailliert wird Shais Kunst mit den Stempeln beschrieben, sodass immer deutlicher wird, dass ihr Vorhaben eigentlich unmöglich ist. Insgesamt ist die Kurzgeschichte einfach ein Fest und ein wunderbarer Auftakt in die Anthologie.

THE HOPE OF ELANTRIS

»The Hope of Eantris« ist tatsächlich einmal eine Kurzgeschichte im Wortsinn. Die Rahmenhandlung der Geschichte spielt nach den Ereignissen in »Elantris«, ihre Binnenhandlung während der Ereignisse am Ende, es besteht also Spoilergefahr.

Die Geschichte ist vor allem eine Reminiszenz an eine Schülerin seiner Frau, die ihn mit ihrer Schulaufgabe beeindruckte, welche sie zu Sandersons damals erst erschienen Erstlingswerk erstellte ohne zu wissen, dass ihr Lieblingsautor zu der Zeit gerade ihre Lehrerin datete. Matisse, die nach der Schülerin benannte Protagonistin, ist eine Bewohnerin von Neu Elantris. Im Auftrag von Lord Spirit passt sie auf die Kinder der Stadt auf, als plötzlich Elantris angegriffen wird.

Der Name passt nicht in das phonetische System der Aons, obwohl sie aus Arelon stammt, aber vor diesem niedlichen Hintergrund der Geschichte sei das verziehen. Auf dem Titelblatt der Geschichte wird davor gewarnt, dass die Geschichte Spoiler enthält, da man aber nicht weiß, zu welchem genauen Zeitpunkt der letzten Seiten von »Elantris« sie spielt, bleibt es spannend, ob sie und Dashe den Angreifern entkommen. Währen »Elantris« strickt aus der Sicht der drei Hauptprotagonisten erzählt wird, ist es sehr erfrischend, einen Teil der Handlung auch einmal aus einer anderen Perspektive und an einem anderen Ort zu erleben. Es ist eher wie ein kleiner Einblick und eine Momentaufnahme. Damit steht »The Hope of Elantris« im Gegensatz zu »The Emperor’s Soul«, welches mit einem vollen Spannungsbogen und einer durchaus längeren Geschichte aufwartet.



Scadrian ist das System der Nebelgeborenen (im Original Mistborn) und gleichzeitig der Name ihres Heimatplaneten. Er ist insofern bemerkenswert, als dass er während der Handlungen der ersten Mistborn-Trilogie seine Umlaufbahn um seine Sonne veränderte. Bedingt wurde dies durch den ausgesprochen starken Einfluss der beiden Splitter Ruin und Preservation (Ruin und Bewahr in der deutschen Übersetzung der Mistborn-Bücher), welche auch bisher recht ungewöhnlich für die bereits veröffentlichten Cosmere-Bände eine große Rolle in den Büchern spielen. Es wird die Vermutung gestellt, dass Scadrian sogar nicht einmal existierte, bevor seine Splitter in das System kamen und den Planeten schufen. Khriss bezeichnet das Scadrian System als bemerkenswert, da es, wäre Scadrian nicht so enorm von Naturkatastrophen geplagt, wohl eines der Fortschrittlichsten im gesamten Cosmere hätte sein könne ohne dabei auch nur nennenswert mit Silverlight in Kontakt getreten zu sein. Scadrian ist Yolen, dem Ursprungsplaneten der Menschheit im Cosmere, sehr ähnlich.

THE ELEVENTH METAL

Kelsier entkam den Gruben von Hathsin. Dort prägten sich auch zum ersten Mal seine Fähigkeiten als Nebelgeborener aus. Nun befindet er sich bei Gemmel in der Ausbildung, welcher selbst ein alter Nebelgeborener ist. Kelsier hat eine Vision: den Obersten Herrscher zu stürzen und die Skaa zu befreien. Doch zunächst muss er lernen. Er hätte jedoch nie gedacht, dass der Schlüssel zum Erfolg seiner Pläne in der Festung eines Adeligen zu finden sein können: Das Elfte Metall.

Die Geschichte eignet sich gut, um in die Mistborn-Bücher einzusteigen. Sanderson schrieb sie als Vorwort für ein Pen and Paper RPG, um die Spieler in die Welt einzuführen und ihnen schnell das Magiesystem zu erklären sowie, um dem Spielemeister etwas zu geben, an das er anknüpften kann. Das merkt man der Geschichte auch an, denn aus dem Kontext gerissen hätte man sich als Leser am Ende noch etwas mehr gewünscht. Als Einstieg in ein P&P RPG sollte der Text jedoch wunderbar funktionieren.

Während Kelsier in der Buchreihe immer als der etwas wahninnige, aber unerschütterliche Visionär auftritt, ist er hier selbst der Lehrling. Man merkt schon sehr stark, wohin die Reise geht, doch es ist ein sehr schöner Kontrast zu den Büchern, dass er selbst noch lernen muss und daher hin und wieder von seinem Lehrer eins auf den Deckel bekommt.

ALLOMANCER JAK AND THE PITS OF ELTANIA

Jak ist ein Abenteurer – und ein hoffnungsloser Aufschneider. Seine Abenteuer werden episodenhaft in der Boulevardzeitung gedruckt, doch nun gibt es für seine Fans eine besondere gebundene Ausgabe der Episoden 28 bis 30, sorgfältig kommentiert und editiert von Handerwym, seinem treuen Terris Diener. Für so eine Ausgabe darf es nicht irgendein Abenteuer sein, nein! Hier stellt ich Jak todesmutig den Kolossen, um einen von ihnen bewachten Schatz zu bergen. Und ebenso entdeckt er nichts geringeres als das Geheimnis der Herkunft der Kolosse!

Die Geschichte enthält leichte Spoiler zu »The Alloy of Law«, dem Übergang von den Mistborn-Büchern zur Wax and Wayne Reihe. Sanderson schrieb diese Geschichte im Stile der Pulpfictins und er hatte offensichtlich unheimlich viel Spaß vor allem mit Handerwyms Fußnoten. Grundgütiger, kann man dabei lachen! Nachdem alle anderen Geschichten in der Anthologie einen eher ernsten Grundton haben, ist das eine wunderbare Abwechslung.

„Well damn, Jak,“ she wispered back. „You’re finally gone and said something smart, for once.“*

*I believe, that this ist he only accurate quote from Elizandra in the entire story. She confided in me she threatened to shoot him in the … ahem … masculine identity if he didn’t include it in the official narrative.
S. 190


An diesem Zitat kann man ganz gut den Grundton der Geschichte erkennen. Man hat hier alles, was zu einer klassischen Wild West Pulpfiction gehört: einen Schatz, die Schönheit und zumindest eine Art Saloonschlägerei mit den Kolossen. Dabei kommt zudem Sandersons typischer Cosmere-Stil dennoch durch und nicht zu kurz. Was will man mehr?!

MISTBORN: SECRET HISTORY

Kelsier ist tot, doch so wirklich viel vom Totsein hält er nicht. Da er ein Allomant ist, braucht er etwas länger, um in das Beyond, das Dasein nach dem Tod, hinüberzugleiten. In dieser Zeitspanne trifft er auf Preservation, einen der beiden Götter von Scadrian, welcher es sich zur Aufgabe machte, den sterbenden Seelen den Übergang zu erleichtern. Kelsier versucht ihn zu überlisten, wird aber in der Kammer der Quelle der Erhebung (Original Well of Ascension) eingesperrt. Dort beginnt er mehr über das Kognitive Reich zu lernen, in welchem er sich befindet, und damit auch über den Cosmere. Nach der Befreiung der Macht der Quelle ist auch Kelsier wieder frei und somit beginnt seine Reise und Mission, um Ruin aufzuhalten.

Diese Geschichte, die längste der Sammlung, ist vielleicht ihr Kernstück, auch wenn sie die originale Mistborn-Trilogie massiv spoilert. Man lernt so unglaublich viel über den Cosmere, es ist Wahnsinn! Sowohl Hoid als auch Khriss und Nazh und einige Worldhopper aus Elantris treten hier auf und geben Kelsier immer mehr Hinweise auf das große Ganze. Vieles bleibt immer noch im Schatten verborgen und eher wage, doch im Vergleich zu den Informationsbrocken, die man sonst immer bekommt, ist das hier ein Festschmaus. Eine gute Wikiseite wie beispielsweise das Coppermind Wiki daneben zu legen hilft bei einige Verständnisfragen, man kann sich aber genauso gut auch selbst auf Forschungsreise mit Kelsier begeben und seine eigenen Schlüsse ziehen.

Secret History ist wortwörtlich eine geheime Geschichte, da sie sich komplett im Hintergrund der Romantrilogie abspielt. Sanderson hatte schon damals in den Büchern teils deutliche Hinweise versteckt, ehe er auch nur mit dieser Geschichte begonnen hatte. Nun klärt sie viele offene Fragen, und obwohl wir das Ende bereits kennen, entdeckt Kelsier so viel Spannendes und Faszinierendes, dass es nie langweilig wird. Ein wenig jubiliert das Fanherz, dass es mit Kelsier doch noch nicht so ganz zu Ende ist. Und wer weiß, was da noch so kommt? Eine Fortsetzung wurde von Sanderson nicht kategorisch ausgeschlossen.



Taldain und das gleichnamige System sind die Heimat von Khriss und gleichzeitig eines der bizarrsten Systeme im Cosmere. Taldain ist der einzige Planet des Systems und wird von gleich zwei Sonnen beeinflusst: einmal ein weißer Zwerg, dessen Licht von einem Partikelring gemildert wird, sodass eine Seite Taldains immer im Schatten liegt, und zum anderen eine zweite riesige Sonne, ein blau-weißer Superriese, die die Tagseite Taldains in eine Sandwüste verwandelt hat. Trotz der scheinbar widrigen Bedingungen kann Leben auf Taldain existieren. Der Splitter Taldains, Autonomy, ermöglicht die Magie der Sand Masters und ist besonders einflussreich auf der Tagseite.

WHITE SAND

Taldain ist der Schauplatz von »White Sand«, Sandersonst ernsten je geschriebenen Romans, der es in seiner ursprünglichen Form nie zur Veröffentlichung gebracht hat – was erstaunlich ist, da er ihn als ein Kernstück des Cosmere bezeichnet. 2015 gab es jedoch eine Adaption der Geschichte in Form eines Graphic Novel, zu welchem ich bereits eine volle Rezension schrieb.

In der Anthologie ist der Beginn der Geschichte wiedergegeben, in dem der Held, Kenton, vorgestellt wird. Zunächst sind die ersten Seiten des Graphic Novel abgedruckt, gefolgt werden sie von den ersten Seiten des Manuskripts von 1999. Diese Gegenüberstellung von Adaption und Original ist sehr aufschlussreich, da sie dieselbe Handlung wiedergeben und man beide so gut vergleichen kann. Man merkt dem Manuskript bereits sein Potenzial als sehr spannende und kreative Geschichte an, ebenso aber auch, dass, wenn es als Buch veröffentlicht worden wäre, es noch einiger Arbeit bedurft hätte. Für Fans ist es natürlich dennoch toll, einen Auszug aus dem Original zu lesen, da man so sieht, wie exakt der Graphic Novel Sandersons Geschichte adaptierte. Das tat er übrigens sehr gut, das Skript ist jedoch, ganz der Natur der Sache geschuldet, etwas detaillierter.



Das Threnodite System, Heimat von Nazh, ist stark vom Konflikt zweier Splitter Adonalsiums geprägt. Besonders Threnody, der belebte Planet des Systems, ist davon betroffen, sowohl Investiture, die Energie, die aller Magie im Cosmere zugrunde liegt, als auch die Bewohner Threnodys wurden dadurch »verdreht«, wie Khriss es ausdrückt. Das Ergebnis ist ein namenloses Böses, das den größeren Teil des Planeten einnimmt und von dem selbst die Bewohner des Planeten kaum etwas erzählen können. Auch die Schatten, Instanziierungen von selbstbewusst gewordenem Investiture, sind ein Ergebnis des Konflikts der Splitter. Der zweite und kleinere Kontinent des Planeten ist mehr ein Flüchtlingslager als alles andere. Die Bewohner flohen vor dem Bösen über den Ozean und ließen dabei viele notwendige Dinge zurück. Viel ist noch nicht über das System bekannt, da es selbst einige Gefahren bietet und in einem gefährlichen Bereich des Cosmere liegt.

SHADOWS FOR SILENCE IN THE FORESTS OF HELL

Silence lebt in einer gefährlichen, kaum kolonialisierten Welt, doch sie weiß sich zu behaupten. An der Grenze zur Wildnis unterhält sie ein Gasthaus, das für seinen guten Schutz vor den Geistern bekannt ist, den Schatten der Toten, die den Wald heimsuchen. Als gesuchte Verbrecher inkognito in ihr Gasthaus kommen und sie nicht merken, dass Silence sie erkannt hat, ergreift sie ihr Chance auf das hohe Kopfgeld, um ihr Schutzgeld zu zahlen. Selbst wenn das bedeutet, die Aufmerksamkeit der Schatten auf sich zu ziehen und selbst zu einem von ihnen zu werden.

Der Text erschien zuerst in der Anthologie Königin im Exil (Original Dangerous Women) von George Martin und Gardner Dozois. Wie alles von Sanderson ist auch dieser Text unglaublich packend geschrieben und kann auch nach mehrmaligem Lesen noch immer begeistern. Man ist förmlich gezwungen weiterzulesen, ist man erst einmal im Sog der Erzählung gefangen; und dem Sog auszuweichen, ist absolut unmöglich!

Auch der Titel ist wunderbar gewählt. Eine ungewöhnliche Formulierung, die am Ende doch so treffend auf den Text passt und deren eigentliche Bedeutung sich erst mit dem Lesen erschließt. Dennoch fixt sie den Leser. Genauso sollte es sein!

Auch die Charaktere sind einfach ein Traum. Sie sind fundiert und vielschichtig und sind in der Lage, die Story zu tragen. Ebenjene überzeugt ebenso mit packender Handlung und überraschenden Plottwists. Man weiß nie, was einen auf der nächsten Seite erwartet. Ist es die Rettung oder ist es nur ein weiterer Schatten? Brandon Sanderson, zurecht ein Meister seines Fachs, zeigte hier wieder einmal, was er kann. Hoffen wir, dass wir irgendwann mehr über Nazhs Heimat erfahren!



Das Bemerkenswerteste am diesem System: Es besitzt mehrere von Menschen bewohnte Planeten, eine Seltenheit im Cosmere – und das alles ohne dass dieses System einen Splitter besitzt, obwohl Investiture messbar im System ist. Normalerweise ist die Reise zwischen den Welten nur mit der Anwesenheit eines Splitters möglich. Es wurde noch nicht geklärt, warum das auch First of the Sun, den Planeten von »Sixth of the Dusk«, mit einschließt. Khriss‘ Erläuterungen zu diesem System wurden von Tor.com vorab veröffentlicht.

SIXTH OF THE DUSK

Dusk ist ein einfacher Trapper, der wie alle seine Leute einsam auf seiner Insel lebt und sich um ihre Natur kümmert und sie beschützt. Seine treuen Gefährten sind zwei besondere Vögel, einer von ihnen kann ihm die Gabe spenden, seine eigene Leiche in seinem Umfeld zu sehen und so frühzeitig Gefahr zu erkennen. Als er eines Tages eine Überlebende einer missglückten Mission findet, beginnt er plötzlich überall seine Leiche zu sehen. Und er versteht: Großes Unglück wird über seine Insel kommen, Unglück, das mit der Fremden in Verbindung steht.

Auch dieses Werk ist ganz typisch für Sanderson – und bedingt durch die eigenwillige Natur des Drominad Systems auch wieder nicht. Sanderson präsentiert wie immer packende und kreative Fantasy, dieses Mal auch gemischt mit Elementen der Science Fiction.

In Sixth of the Dusk scheinen Welten aufeinander zu prallen und doch wieder zusammengenommen nur ein kleiner Teil eines größeren Ganzen zu sein. Mit der wunderbaren Erzählweise entfaltet sich die Story nach und nach, Stück für Stück wird zusammengesammelt, bis sich am Ende das Gesamtbild ergibt und damit die (vorläufige) Lösung des sich anbahnenden Konflikts. Man wünscht sich, dass die Handlung noch weiter geht, denn Potenzial ist auf jeden Fall da. Eine Fortsetzung, in welcher Form sie auch immer erfolgen wird, ist jedenfalls nicht ausgeschlossen.



Rosharan ist ein recht volles System, dessen äußerer Bereich von einer Reihe von Gasriesen gefüllt wird, der innere Teil aber von allesamt bewohnten Gesteinsplaneten bestimmt ist. Roshar, der bestimmende Planet des Systems ist in Hinblick auf seine Flora und Fauna sehr ungewöhnlich. Der ganze Planet und sein größter Kontinent, ebenfalls Roshar genannt, werden von den Großstürmen geprägt, die regelmäßig über ihn hinweg ziehen. Alles in Roshar ist daran angepasst, Pflanzen, Tiere und Menschen, und erscheint unsereins daher mitunter bizarr und fremdartig. Daraus entwickelte sich eine bemerkenswerte Symbiose zwischen Lebensformen und Investiture, die bemerkenswerteste davon zwischen Menschen und Sprengseln und gleichzeitig die Grundlage für die Wogenbinden genannte Magie Roshars. Die Stürme datieren die Ankunft der Splitter Honour und Cultivation zurück. Ebenjene formten den Planeten sehr stark. Derzeit befindet sich jedoch der Splitter Odium im System, welcher einst mit dem ursprünglichen Splittern im Konflikt lag, was vermutlich der Ursprung der Sprengsel ist.

EDGEDANCER

Lang, lang erwartet, nun ist sie endlich da: die Stormlight Novelle. Der krönende Abschluss dieser phantastischen Anthologie bildet das Mädchen Lift. Sie ist eigenwillig wie kaum ein anderer Mensch, was auch der Grund war, warum sie scheinbar willkürlich von ihrer Heimat an einem der Königshöfe Roshars abhaute, um ihr Glück (und Pancackes) in einer fremden Stadt zu suchen. Sie befindet sich dabei in Begleitung eines »Bringers der Leere«, wie sie ihren Freund Wyndle in Ermangelung einer passenden Bezeichnung für ihn nennt. In der Stadt angekommen, erfährt sie von einem gefährlichen Mann namens Darkness, welcher sie bereits früher aufgrund ihrer Fähigkeit des Wogenbindens verfolgte. Nun will sie den Spieß umdrehen und ihn stellen, sei es, um mehr über das Wogenbinden zu erfahren, oder auch nur, um ihn endlich los zu werden. Und dann gibt es ja noch dieses Gerücht über den Großsturm, der in der falschen Richtung über das Land zieht …

Die Erwartungen waren hoch und die Erwartungen wurden erfüllt. »Edgedancer« beginnt langsam und braucht seine Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Doch dann wird die Geschichte immer schneller immer rasanter, dass die Seiten ebenso wie der Ewigsturm dahinfliegen. Lift wird in den weiteren Stormlight Romanen eine wichtige Rolle spielen. Da die Geschichte am Ende des zweiten (englischen) Bandes »Words of Radiance« spielt, und somit massive Spoiler für diese enthält, war es Sanderson nach seinen eigenen Aussagen nicht möglich, die Ereignisse irgendwie sinnvoll in Band drei unterzubringen. Die Novelle war ein wunderbares Mittel, um zentrale Wendepunkte in Lifts und Darkness’s Leben zu erzählen.

Wer »Words of Radiance« gelesen hat und weiß, dass der Menschheit am Ende scheinbar Tod und Verderben durch den Ewigsturm und die Parshendi drohen, erwartet bei »Edgedancer« freilich Chaos und Zerstörung in Hülle und Fülle. Sanderson wollte jedoch anscheinend den dritten Stormlight in dieser Hinsicht noch nicht allzu sehr spoilern und wählte eine Stadt, die durch ihre Lage in massivem Fels relativ gut vor Stürmen jeglicher Art und egal aus welcher Himmelsrichtung geschützt ist. Zumindest macht er jedoch Andeutungen über den Zustand der anderen Reiche Roshars. Er lässt es also weiter spannend bleiben.

Genial. Grandios. Absolute Perfektion. Mehr muss man zusammenfassend zu »Arcanum Unbounded« nicht sagen. Die Anthologie funktioniert auch wunderbar als einführende Lektüre in den Cosmere.
  

Autor: Brandon Sanderson
Titel: Arcanum Unbounded: The Cosmere Collection
Original: Arcanum Unbounded: The Cosmere Collection
Sprache: Englisch
Reihe: Nein
Seiten: 672
Originalpreis: 27.99$
Verlag: Tor Books
Genre: Fantasy
ISBN: 978-0-7653-9116-2
Erscheinungsjahr: 2016


Weitere Links
Weitere Rezensionen erschienen bei:

Kapitel 1-3 von Edgedancer kann man hier lesen.

Und wie es zur Benennung Yolens kam, erfährt man hier.



©Bildrechte der Banner liegen beim Verlag.
 


„Mensch, irgendwie hast du ein paar Röllchen zu viel auf den Rippen.“ Diese Erkenntnis haben so oder so ähnlich mit Sicherheit bereits viele gemacht, und das schließt mich nicht aus. Also fängt man an zu recherchieren, wird quasi sofort vom gigantischen Diät-Angebot erschlagen und wühlt sich vielleicht früher oder später zu „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann vor. 

Mich selbst hatte das Thema Abnehmen bisher nur marginal betroffen. Ich hatte gegessen, was ich wollte und so viel ich wollte und fuhr bisher ganz gut damit. Das tue ich auch jetzt noch mehr oder weniger, es sammelte sich mit den Jahren jedoch das eine oder andere Gramm zu viel an. Abgeschreckt von dem schier unendlichen Diät-Angebot hatte ich jedoch lange nicht mit dem Gedanken gespielt, etwas gegen die knapp 10kg zu viel zu unternehmen. Ich wusste einfach nicht, wo ich anfangen sollte und ob nicht doch nur irgendeine dubiose Masche der Diätindustrie dahinter stecke; die Vorurteile gegen die ganzen Diät-Programme saßen recht fest. Da wurde mir dieses Buch von Frau Hermann empfohlen, und da ich ihre Comics ohnehin gern las und bereits das eine oder andere Gute darüber hörte, legte ich es mir endlich zu. Mittlerweile habe ich es bereits zweimal gelesen, um den Inhalt zu verinnerlichen.

Hermann räumt mit ihrem Buch mit all den Fettlogiken auf, wie sie die ganzen Gerüchte nennt, die über das Abnehmen kursieren. Man solle abends auf Kohlenhydrate verzichten, man hätte eine erbliche Veranlagung zum Dicksein und durch die Gene könne man ja gar nichts dagegen machen und vieles mehr. Sie sagt dabei nicht, man solle genau dieses und jenes machen und das sein dann DAS Wunderheilmittel schlechthin, sondern klärt in erfrischender und mitunter sehr direkter Art und Weise auf und gibt Anregungen, was man machen könne. Sie ermuntert dabei, verschiedenes auszuprobieren, um zu schauen, womit man sich am wohlsten fühlt und zugleich den gewünschten Effekt erzielt.

Persönlich ging mein erster Blick bei diesem Buch in das Quellenverzeichnis. Immerhin handelt es sich pro forma hierbei um ein Sachbuch. Allein der Umfang, dreißig Seiten reine Quellen, macht einen guten Eindruck. Vor allem handelt es sich um Studien, aber auch Onlineberichte verschiedenster Art sind hier anzutreffen. Das i-Tüpfelchen ist allerdings Hermanns kritischer Umgang mit den Quellen. Sie stellt sie nicht einfach ungefragt hin, sondern setzt sie in den Kontext und sagt mitunter, warum diese oder jene Aussage in ihren Quellen Nonsens ist.

Insgesamt ist das Buch sehr gut verständlich geschrieben und auch für den Laien und nicht nur ein akademisch gebildetes Publikum leicht zu lesen. Die Autorin gibt zwar selbst an, dass manche Leser wohl meinten, einige Abschnitte seien etwas komplizierter, aber das fand ich persönlich nicht. Sie setzt nicht zu viel Vorwissen voraus, aber auch nicht zu wenig, und wenn sie doch einmal auf Dinge Bezug nimmt, die einem nicht bewusst waren, kann man immer noch selbst mal eben das Internet bemühen und hat über den Horizont des Buches hinaus etwas gelernt.

Frau Hermann ist mitunter sehr direkt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das vielleicht dem einen oder anderen Leser guttut, damit er wachgerüttelt wird und wahrnimmt, welches Gesundheitsrisiko sein Gewicht eigentlich darstellt – und bei denen, wo das nicht wirkt, ist wohl ohnehin Hopfen und Malz verloren. Gleichzeitig kann sie sich sehr schön über manch eine Fettlogik aufregen. Die Aussage „den Stoffwechsel ankurbeln“ scheint eine Art rotes Tuch für sie zu sein. Mitunter zeigt sie auch eine sarkastische Ader, mit der sie aber wunderbar die Absurdität einiger Fettlogiken aufdeckt.

Das ganze Buch wird aufgelockert und aufgeheitert durch Comics, die einige Fettlogiken auch in Bildern und Alltagsgesprächen stets zwischen zwei Paint-Strichmännchen illustrieren. Die Comics sind einfach gestaltet, bringen es aber immer auf den Punkt.

Vielen sind so manch eine Fettlogik gar nicht bewusst. Ich hörte zum Beispiel schon vor Jahren von den „fettmachenden Genen“, dachte diesen Gedanken aber nie zu Ende. Natürlich leuchtet es ein, dass die Gene von selbst nicht dick machen, sondern lediglich die Bedingungen schaffen, dass es einem leichter fällt Fett anzusetzen. Es war für mich durchaus einer von vielen Aha-Momenten, als ich durch das Buch mit der Nase darauf gestoßen wurde.

Dieses Buch ist alles in allem durchaus eine sehr gute Empfehlung, wenn man sich in die Thematik einarbeiten will, und bietet einen sehr hilfreichen Start. Zudem ist es nicht staubtrocken geschrieben, sondern bietet einige Unterhaltung. Ich persönlich hatte mich nach der Lektüre um einiges schlauer gefühlt und war sehr motiviert, mich darüber hinaus mit dem Thema theoretisch und praktisch auseinanderzusetzen.


Daten
Fettlogik überwinden: ISBN 978-3548376516 , Ullstein, 2016, 9,99€
​fettlogik.de


Die Geschichte Nils Holgerssons ist weltberühmt. Nicht zuletzt gewann die schwedische Autorin Selma Lagerlöf dafür sogar einen Literaturnobelpreis. Die Geschichte erhielt zahlreiche Adaptionen, viele erinnern sich vielleicht noch an den Anime des japanischen Studios Gibli. Zahlreiche Generationen von Jung und Alt konnten sich bereits für die Reise des Jungen mit den Wildgänsen begeistern.

Nils Holgersson, der Gänsejunge, ist ein ganz und gar ungezogenes Kind. Er zieht der Katze an den Schwanz, zupft den Gänsen an den Federn und kümmert sich nicht um seine Schulaufgaben. Damit bereitet er seinen Eltern eine ganze Menge Kummer. Zur Strafe verwandelt ein Kobold den Jungen in einen Däumling. Das ermöglicht es ihm zwar, mit der Gans Martin und den Wildgänsen Akkas zu reisen, doch sein Leben als Mensch möchte er dennoch wiedererlangen.

Die weltberühmte Geschichte beginnt mau und bleibt mau. Ich wollte sie wirklich mögen, immerhin erhielt sie einen Literaturnobelpreis. Schlussendlich habe ich jedoch nur 276 Seiten geschafft und danach das erste Mal seit Jahren vor einem Buch kapituliert. Nein, es hatte mir einfach keinen Spaß gemacht. Die Rezension bezieht sich auf den Inhalt der angegeben Seiten.

Es fängt bereits damit an, dass uns lediglich gesagt wird, was für ein ungezogener Junge Nils doch sei. In Rückblenden erfahren wir zwar weitere Details, aber dennoch bekommt der Leser nicht wirklich etwas davon zu sehen. Gerade um seine Sinneswandlung hin zum Guten noch eindrucksvoller zu gestalten, hätte es dem Werk ausgesprochen gut getan, wenn Lagerlöf nicht mit der Verwandlung anfinge, die quasi der Gipfel der Unartigkeit und der Wendepunkt in Nils Geschichte war. Damit steht seine Wandlung hin zu einem artigen Kind in keinerlei Gegenzug zu seinem vorherigen Wesen, womit enorm viel Spannung verloren geht.

Auch der Stil ist eher als mau zu bezeichnen. Der Höhepunkt war eine Stelle, in der auf nicht einmal zwei Seiten mindestens zehnmal und mehr von einer Botanisiertrommel gesprochen wird mit einzigem Synonym Botanisierkapsel. Am prägendsten für den Stil sind jedoch die zahlreichen Abschweifungen von der Haupthandlung, bei denen man sich oft lange fragt, was die da nun zu suchen haben, oder ob es nur seitenlanges Schwadronieren über die Landschaft und Sagenwelt der skandinavischen Länder ist. Wer sich darauf einlassen kann, wird sicher seine Freude daran haben, ich fand es einfach nur ermüdend, dem literarischen Geographieunterricht Lagerlöfs zu folgen.

Der Roman ist vor allem davon geprägt, dass Dinge passieren. Dann passieren noch mehr Dinge, und dann passieren andere Dinge. Sie reihen sich wie Perlen an der roten Schnur des Leitfadens »Reise nach Lappland«, sind aber selten direkt miteinander verbunden. Nur Reineke Fuchs tritt immer wieder als Gegenspieler zu Akkas Gänsen auf. Episodenhaftes Erzählen ist nicht jedermanns Geschmack, bedingt dadurch, dass ich einfach keinen Zugang zu der Geschichte gefunden habe, konnte ich mich dieses Mal auch damit nicht anfreunden.

Die Ausgabe, die ich gelesen habe, war zudem reich bestückt mit Zeichenfehlern. Da fehlten gern einmal die Anführungszeichen und Kommas wurden hin und wieder auch unter den Tisch gekehrt. Für eine bibliophile Ausgabe war das eindeutig zu viel. Das darf einfach nicht passieren!

Ehrlich gesagt habe ich von einem Literaturnobelpreisträger eine literarische Offenbarung erwartet. Das Urteil kann nicht gegenteiliger ausfallen. Nils Holgersson ist definitiv nichts für mich. Vielleicht können andere der Geschichte mehr abgewinnen. Vielleicht sollte ich nach dieser Erfahrung auch einfach generell nicht mehr so viel von solchen Preisträgern erwarten … Da waren doch ein paar grobe Schnitzer dabei.

 

 

Autor: Selma Lagerlöf
Titel: Die wundersame Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen
Original: Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige
Sprache: Deutsch
Reihe: Nein
Seiten: 684
Originalpreis: ?
Verlag: Anaconda / Bild
Genre: Kinderbuch
ISBN: 978-3-942656-21-4
Erscheinungsjahr: 2011

Rezension: Söldnergold (Schwertfeuer-Saga #1.5) & Weißes Gold (Schwertfeuer-Saga #2) von Robert Corvus & Papego getestet

 

»Hammerschlag!«, ertönt erneut der Schlachtruf der Legion des Schwertfeuers. Dieses Mal sogar im Doppelpack, denn zusammen mit dem zweiten Teil der Schwertfeuer-Saga »Weißes Gold« von Robert Corvus erschien auch die Novelle »Söldnergold«, welche zeitlich zwischen Band 1 und 2 spielt. Außerdem wird »Weißes Gold« von Papego unterstützt, welches ich ebenfalls getestet habe.

Söldnergold

Noch ist Gonter kein offizieller Teil der Legion, fühlt sich aber dennoch kameradschaftlich mit Eivoras Soldaten verbunden. Da ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, einer Kameradin zu helfen, wenn diese eine alte Schuld begleichen muss. Auch wenn das heißt, sich mit der üblen Sorte Dämonenanbeter in Rorgator anzulegen.

»Söldnergold« macht genau da weiter, wo »Rotes Gold« aufhörte. Das heißt, dass die Handlung auf den ca. 44 Seiten sehr linear ist. Große überraschende Wendungen sind nicht zu erwarten, dafür aber geballte Action und jede Menge finstere Dämonen und okkulte Kultisten, denen nichts mehr Freude bereitet, als anderen Wesen Schmerz zuzufügen, um ihre Dämonenherren zufrieden zu stellen. Man könnte fast sagen, dass die Novelle auf die Kernessenz der Schwertfeuer-Saga heruntergebrochen ist und all das bietet, was man von Romanen dieser Reihe erwartet.

Ein schönes Detail der Novelle ist das Cover. Sie zeigt das Motiv des ersten Bandes in der Farbgebung des zweiten, womit auch noch einmal grafisch die Zwischenstellung von »Söldnergold« dargestellt wird. Eine gelungene Idee! Zumal die Cover dieser Reihe wirklich schön sind. (Wie so viele Cover von Piper momentan.)

Ein bisschen fehlte also doch das wirklich Besondere an der Novelle, der Moment der überraschenden Wendung und des Unerwarteten. Außerdem war die Attribuierung an ein, zwei Stellen ein klein wenig eigenwillig. Dennoch ist es aber ein lohnend investierter Euro gewesen und die Novelle war eine schöne Einstimmung auf den zweiten Teil der Reihe.

 

Autor: Robert Corvus

Titel: Schwertfeuer-Saga #1.5: Söldnergold

Original: Schwertfeuer-Saga #1.5: Söldnergold

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1.5

Seiten: 44

Originalpreis: 0,99€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-97712-8

Erscheinungsjahr: 2017

 

© Bildrechte liegen beim Verlag

 

Weißes Gold

Ygôda wurde eingenommen, das vermeidlich Unmögliche vollbracht. Doch den erhofften Aufschwung der Schwertfeuer-Legion hat dieser Sieg nicht erbracht. Noch immer hat Eivora darum zu kämpfen, die Legion ihres Vaters zusammen zu halten und ihren Status als Elitelegion zu erhalten. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als stets nach vorn zu blicken und die Legion weiter anzutreiben, auch wenn das heißt, einen Pakt mit einem ihrer Feinde zu schließen. Insgeheim arbeiten jedoch weitere unbekannte Mächte am Zerfall der Legion.

Nachdem Band 1 zu solch einem Kracherende gekommen war, geht es in Band 2 wenn auch zunächst nicht ganz so rasant, so doch kaum minder spannend los. Man kommt gut wieder in die Handlung und die Welt hinein, auch wenn eine kleine Pause zwischen den beiden Romanen liegt.

Im Gegenzug zu Band 1 steht hier zwar noch immer der Kontrakt im Vordergrund, dieses Mal wird es jedoch auch deutlicher, dass irgendwer im Hintergrund am Zerfall der Legion arbeitet. Die Handlung wird damit nicht mehr ganz so geradlinig, wie noch im ersten Band. Dennoch hätte es sicher nicht geschadet, den Hauptfokus nicht so sehr auf den Kontrakt zu richten, welcher immer noch deutlich im Vordergrund der Handlung steht.

Gonter, der entflohene Königssohn, sucht immer noch Anschluss an die Legion und muss sich unter den Söldnern behaupten. Das hat auch Einwirkungen auf seine Beziehung zu Eivora, was bedeutet: »Gott sei Dank artet das nicht in ekligen Kitsch aus!« Tatsächlich schaffen es nämlich beide, ihre Gefühle hinten an zu stellen und sich mehr oder weniger wie Anführer und Untergebener zu geben. Für die Romantiker sei gesagt: Das tötet nicht sämtliche zarten Gefühle in diesem Buch ab. Aber sind wir ehrlich, das hat in so einer Reihe ohnehin nicht viel zu suchen. Von daher ist das ein sehr positiver Aspekt des Romans.

Denn noch immer geht es hart auf hart zu, Zartbesaitete werden wohl eher nicht glücklich. Gewaltphantasien bleiben hier nicht immer nur Phantasien, und selbst die einst sanftmütige Priesterin Fiafila ist nun Fiafila-Ignuto und hat einen Pakt mit einem dämonischen Homunkulus geschlossen. Sie macht die vielleicht interessanteste Charakterentwicklung in der Reihe durch, da sie eine 180° Kehrtwende weg von der gottesfürchtigen Priesterin hin zur Dämonenanbeterin macht, die anderen Dämonenpriestern in Sachen Verschlagenheit kaum nachsteht. Man merkt ihr an, dass ihr Wesen sich durch den Homunkulus sehr stark verändert hat und sie nun eher zu Gewalt bereit ist, aber dennoch noch etwas von der Priesterin in ihr ist. Dieser krasse Gegenzug und das Ringen beider Pole in ihr macht sie zu einem sehr lesenswerten Charakter.

Im Gegenzug zum ersten Band schwächelt das Ende des zweiten jedoch. Es kommt recht plötzlich und ist im Vergleich zum ersten eher mau. Außerdem wäre es schöner gewesen, wenn die Intrigen gegen die Schwertfeuer-Legion etwas deutlicher und intensiver vorangetrieben worden wären.

Nichtsdestotrotz ist »Weißes Gold« ein solider Roman, der sich schnell und angenehm liest. (Auch wenn der Bezug des Titels auf den Inhalt des Buches kaum bis gar nicht vorhanden ist, da die Salzwüste nur eine kleine Rolle spielt.) Wieder gibt es knallharte Action, bei der kein Blatt vor den Mund genommen wird, ebenso wie weitere Einblicke in die raue Welt der Söldner von Rorgator. Wer schon den ersten Band mochte, kann ruhigen Gewissens auch zum Nachfolger greifen.

 

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

 

Autor: Robert Corvus

Titel: Schwertfeuer-Saga #2: Weißes Gold

Original: Schwertfeuer-Saga #2: Weißes Gold

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 2

Seiten: 377

Originalpreis: 12,99€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-28076-1 ​​​​

Erscheinungsjahr: 2017

 

Papego

Papego ist ein Angebot der Briens GmbH, das es ermöglicht, schnell und einfach unterwegs das angefangene Buch weiterzulesen. Dazu benötigt man nichts weiter als ein bei Papego eingetragenes Buch, ein appfähiges Gerät, zum Beispiel ein Smartphone oder ein Tablet, und die Papego App, die man sich kostenlos im Playstore oder bei Apple herunterladen kann. »Weißes Gold« war mein erstes Buch, bei dem Papego funktioniert, und auch wenn ich prinzipiell kein großer Fan von eBooks bin, habe ich dieses Angebot einmal ausprobiert.

Papego funktioniert nur bei gedruckten Büchern (bei solchen, die man als eBook besitzt, wäre es auch reichlich witzlos). Dazu scannt man den oberen Teil der aktuellen Seite, dann läd die App den Leseabschnitt ab der gescannten Seite herunter.

»Cool, eine Menge eBooks!«, wird sich der eine oder andere Pfiffige vielleicht denken und begeistert in den Buchladen stürmen, um gleich mal alle Bücher mit dem gelben Papego-Sticker zu scannen. Aber ganz so einfach ist das natürlich nicht. Um Diebstahl zu verhindern, läd Papego immer nur etwa 100 Seiten ab der gescannten Seite.

Das ist auch völlig ausreichend, denn Papego will und soll kein vollwertiger Ersatz für einen E-Reader sein. Eher soll Papego für die kleinen Lesefreuden beispielsweise auf dem Weg zum Einkauf sein, wenn man unbedingt weiterlesen will, aber nebst den Einkaufstaschen nicht auch noch das Buch in Bus und Bahn mitschleppen will. (Oder um sich die Zeit in einer langweiligen Vorlesung zu versüßen, ich gestehe.)

Hat man in der Zwischenzeit im physischen Buch weitergelesen und will dann wieder auf Papego umsteigen, scannt man erneut den aktuellen Seitenabschnitt. Papego springt dann automatisch an die entsprechende Stelle und läd einen neuen Leseabschnitt, der wieder ca. 100 Seiten beträgt.

Ich finde Papego eigentlich durchaus sehr praktisch. Mehr Bücher damit bitte! Auf der anderen Seiten haben sie beim Nicht-Ersatz für E-Reader allerdings wirklich etwas stark gespart. Die einzigen Einstellungen, die man vornehmen kann, betreffen die Schriftgröße. Ich hätte mir zumindest variable Hintergründe zum Lesen im Dunkeln gewünscht. Außerdem ist das Umblättern durch Wischen nicht so elegant gelöscht, wie es hätte sein können, da ich manchmal entweder gar nicht, zu viel oder in die falsche Richtung geblättert hatte.

Trotzdem: Ich halte Papego für ein durchaus nützliches und nettes Tool.

Alles beginnt mit der gigantischen Schildkröte Groß A‘Tuin, welche einsam durch das Multiversum schwebt. Auf ihrem Panzer stehen vier Elefanten, die auf ihrem Rücken ein höchst sonderbares Gebilde tragen: die Scheibenwelt, die wohl meist gefeierte und bekannteste Ausgeburt von Terry Pratchetts unbestreitbar genialen Geist.

Die Scheibenwelt wirkt irgendwie vertraut – und auch wieder nicht. So wird zum Beispiel auch hier eine Sonnwendfeier begangen, auch wenn sie ein klein wenig anders wirkt. Jedes Jahr zu Silvester in der kürzesten Nacht des Jahres beschert der Schneevater die braven Kinder der Scheibenwelt mit Geschenken. Doch dieses Jahr ist irgendetwas nicht so, wie es sein sollte. Der Schneevater taucht nicht auf und plötzlich ist das ganze Schicksal der Scheibenwelt in Gefahr. Ausgerechnet Tod beschließt, den Schneevater zu ersetzen und die Dinge wieder geradezurücken.

Sobald Tod ins Spiel kommt, kann es ja nur gut werden. Es entbehrt nicht unbedingt einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der Sensenmann die Geschenke bringen soll. Seine etwas eigenwillige Obsession mit den Menschen, die er verstehen will und doch aufgrund seiner Natur nicht kann, führ zu spannenden Gedankengängen seinerseits. Mit einer unbestechlichen Logik und doch ohne das gewisse Etwas, das die Menschen ausmacht, hinterfragt er die Gebräuche und Gepflogenheiten der Menschen. Mitunter führt das zu sehr bizarren aber unbestreitbar urkomischen Situationen, wenn er beispielsweise mit seinem Schweineschlitten in ein Kaufhaus wortwörtlich einbricht und als Schneevater den Kindern (sowie Nobby Nobbs) Geschenke bringt.

Während des ganzen Romans steht immer wieder die Frage nach dem Glauben im Mittelpunkt, was er für die Menschen bedeutet und warum es fatal sein könnte, wenn er verloren geht. Im Roman ist der Glauben an den Schneevater essenziell, da sonst seine Existenz ausgelöscht würde, an welche der Aufgang der Sonne gebunden ist. Losgelöst vom Roman ist es nicht schwer, den Schluss daraus zu ziehen, dass Glauben in religiöser und nicht-religiöser Weise das Leben mitunter lebenswerter machen kann, selbst der Glauben an »Märchengestalten« der Kindheit.

Pratchetts Humor ist wie gewohnt großartig. Man lacht wirklich selten so herzhaft und aus vollem Halse, während man liest. Meist verzieht es einem ja doch eher nur leicht die Mundwinkel oder man atmet etwas heftiger durch die Nase aus. Hier kann es durchaus passieren, dass diverse Wutrenter einem böse Blicke in der Bahn zuwerfen, weil man sich einfach nicht mehr einbekommt vor Lachen.

Das vielleicht Beste an Pratchetts Humor ist, dass er häufig staubtrocken und selten zu überzogen ist. Die Scheibenwelt ist eher ein Spiegel unserer Welt, in der die Absurditäten des Alltags hervorgehoben werden.

Die Handlung in »Schweinsgalopp« ist sehr subtil. Nach einigen Seiten wechselt immer wieder die Erzählperspektive; ein wenig gewöhnungsbedürftig ist dabei, dass es keine Kapitel gibt. Jeder Erzählabschnitt ist dabei eine Art Puzzleteil, die erst nach und nach ein großes Ganzes ergeben. Bis dahin wirkt es mitunter etwas, nun, random. Gelegentlich ist diese Erzählweise jedoch etwas zu subtil, da es dadurch auf kurz oder lang schwer fällt, den Faden zu behalten. Ich kannte den Film bereits im Vorfeld (in Bezug auf Buchnähe eine sehr gelungene Umsetzung!), daher fiel mir das nicht ganz so schwer. Wer die Geschichte jedoch das erste Mal verfolgt, hat unter Umständen Probleme, alle Details im Kopf zu behalten, wenn sie zunächst unbedeutend erscheinen, am Ende jedoch plötzlich eine entscheidende Rolle spielen.

Leider muss man sagen, dass das Lektorat an einigen Stellen doch sehr geschlammt hat. Da werden Satzzeichen unterschlagen und hin und wieder schleichen sich auch Tippfehler ein. Das sollte so definitiv nicht sein.

Um einen Scheibenweltroman am Stück zu lesen, ist die Welt vielleicht doch etwas zu abgedreht. Aber allein schon für Tods eigenwillige aber unbestechliche Logik und die großartig skurrilen Szenen, die es mit ihm gibt, lohnt sich dieser Roman auf jeden Fall! Und wer nicht lesen mag, kann sich auch den Film ansehen – mit Sir Christopher Lee als der Stimme von Tod übrigens, was natürlich einfach großartig ist!

 

Autor: Terry Pratchett

Titel: Schweinsgalopp

Original: Hogfather

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 20 (jeder steht für sich allein)

Seiten: 414

Originalpreis: 10,00€

Verlag: Goldmann

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-44213468-7

Erscheinungsjahr: 2010

»Krieg. Krieg bleibt immer gleich.« Egal, ob man nun von Fallout 3 spricht, von realen Kriegen wie dem Vietnamkrieg oder von Zukunftsvisionen in Science-Fiction-Romanen: Irgendwie ist dieser Spruch doch stets zutreffend. So oft und gern die USA und andere Nationen Krieg auch verherrlichen, so bleibt seine Realität doch stets grausam und unbarmherzig. In »Der ewige Krieg« verarbeitet Joe Haldeman seine Erlebnisse im Vietnamkrieg und setzt, obwohl sein Protagonist viele Hundert Jahre in der Zukunft lebt, doch ein zeitloses Denkmal gegen den Krieg.

William Mandella lebt in einer Welt, in der die geistige Elite in einem kosmischen Krieg verpulvert wird. Jeder mit einem hohen IQ wird in die Armee eingezogen und muss gegen die Alienrasse der Taurier kämpfen, welche die Pionierzüge der Menschheit in neue Sternensysteme bedrohen. Dabei sind nicht nur die Taurier eine tödliche Bedrohung, sondern auch die feindliche Umgebung der extraterrestrischen Planeten. Und immer, wenn die Soldaten mit Lichtgeschwindigkeit von Einsatzort zu Einsatzort reisen, vergehen auf der Erde Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte. Wenn sie eines Tages wieder die Heimat sehen dürfen, hat sich das Gesicht der Erde teils bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Ganz so sicher, wie ich Teile des Romans einordnen soll, weiß ich ehrlich gesagt auch mit einigen Tagen Abstand nicht. Eines steht jedoch fest: Er hat mich unheimlich fasziniert. Der Roman wurde in den Siebzigern geschrieben, was man an einigen Stellen auch merkt. Beispielsweise geht Haldeman von einer maximalen Population von neun Milliarden Menschen aus, was heute als sehr optimistisch bis gar nicht erfüllbar gilt; Schätzungen gehen eher von elf Milliarden aus. Gleichzeitig sind Aussagen zu Homo- und Heterosexualität sowie Gruppensex, die immer wieder Thema sind, für die Zeit der Entstehung sehr brisant, kann ich mir vorstellen.

Ganz so einig, wie ich dazu stehen soll, bin ich mir allerdings nicht. Dass die Soldaten so locker mit Sex und Partnerschaft umgehen, finde ich sehr passend. Sie sind tagtäglich mit dem Tod konfrontiert; durchschnittlich erlebt ein Soldat in diesem Krieg einen halben Einsatz, ehe er auf mannigfaltige Art und Weise den Tod findet, nicht selten sogar noch in der Ausbildung. Da erscheint es eigentlich sehr sinnvoll, keine festen Beziehungen einzugehen, aber dennoch nicht auf Sex für Entspannung und Ablenkung zu verzichten.

Dann aber heißt es, dass die Regierungen der Zukunft Homosexualität stark fördern, um der Überbevölkerung Herr zu werden. Es gäbe natürlich einfachere Methoden wie Sterilisation oder Medikamente, aber nach genauerem Nachdenken denke ich, dass das Szenario vielleicht doch passen könnte, das Haldeman hier aufbaut. Solche Eingriffe in den Körper könnten viele als zu großen Eingriff in ihre Privatsphäre ansehen.

Außerdem wird immer wieder Konditionierung angesprochen. Die Soldaten sind auf bestimmte Reize konditioniert, die ihnen das Töten im Kampfeinsatz erleichtern sollen. Gleichzeitig heißt es auch, dass die Erdbevölkerung durch Propaganda darauf regelrecht konditioniert wird, Homosexualität besser zu finden. Es wird sogar davon gesprochen, dass es bei der Erdbevölkerung allgemein als guter Ton angesehen wird, seine Heterosexualität heilen zu lassen, auch wenn diese nicht direkt verpönt ist und so etwas wie Heterophobie nicht erwähnt wird. Das ist dennoch der Punkt, wo ich dann doch etwas stutzig werde. Haldeman lässt es nicht unreflektiert stehen, sein Protagonist wird mit dieser Entwicklung nämlich auch nicht warm und findet das nicht unbedingt toll. Aber dennoch: Ist das nicht eigentlich fast dasselbe wie heutige Homophobie nur in Grün?

Der Roman regt wirklich in vielen Punkten zum Nachdenken und Reflektieren an, was wirklich klasse ist. Mandella kommt immer mal wieder auf die Erde zurück. Dadurch erfährt der Leser, wie sich die Welt in der Zwischenzeit entwickelt hat. Es ist total spannend, diese Entwicklung somit ebenfalls zu verfolgen. Die Ereignisse spielen viele der Szenarien durch, von denen man tatsächlich ausgeht, zum Beispiel globale Kriege um Nahrungsknappheit. Daraus resultieren verschiedene Ereignisse, zum Beispiel die Einführung einer neuen globalen Währung, die im Energiegehalt des Essens gemessen wird, sowie einer neuen Mentalität und Gesellschaftsstruktur. Und so weiter und so fort. Die Entwicklung der Erde baut logisch aufeinander auf, immer, wenn Mandella wieder auf der Erde ist, hat sie sich entsprechend ihren vorherigen Ausgangsbedingungen entwickelt.

Irgendwie total krass ist auch, dass quasi die gesamte Wirtschaft der Erde nach und nach auf diesen aufgrund der Zeitdilatation über 1100 Jahre andauernden Krieg ausgerichtet ist. Dementsprechend lange plant auch die Militärführung, nämlich in schlappen Jahrhunderten. Das ist für uns heute irgendwie völlig unvorstellbar und dennoch schafft es Haldeman, das alles plausibel wirken zu lassen. Man stellt sich beim Lesen immer wieder vor, wie es wäre, auf der Erde in dieser oder jener Entwicklungsstufe zu leben. Ist man hochbegabt, wird man in die Armee eingezogen, was quasi mit dem Tod gleichzusetzen ist. Ist man das nicht, hat man dennoch keine guten Aussichten, lange zu leben, da die Ressourcen knapp sind und jeder zwar das nötigste, aber kaum jemand mehr als das hat. Morbid faszinierend, darüber nachzudenken.

Die ganze Zeit über bleibt natürlich die Frage nach dem Kriegsanlas im Raum hängen. Alles begann damit, dass ein Raumkreuzer der Menschen mit Pionieren an Bord verschwand. Wenig später kehrte eine beschädigte Drohne heim, deren Daten zeigte, dass das Schiff von einer fremden Rasse angegriffen wurde. Warum taten sie das? Wer sind sie? Und woher kommen sie?

Für Mandella selbst spielen diese Fragen keine Rolle. Er ist ein pazifistisch veranlagter Soldat, der eigentlich nur überleben will, um endlich die Armee verlassen zu können. Er ist insbesondere am Anfang in seiner Ausbildung eher ein Teil eines Kollektivs, was sich auch in der Erzählweise wiederspiegelt. Wir haben zwar einen personellen Ich-Erzähler, der aber dennoch eher im Hintergrund bleibt und vordergründig berichtend wiedergibt. Eine ungewöhnliche Erzählweise für diese Perspektive, aber es passt eigentlich sehr gut dazu, vor allem, da es der Autor dennoch schafft, Mandella nicht blass wirken zu lassen.

Ich wollte mehr Science-Fiction lesen. Das war eine meiner ersten Empfehlungen, die ich erhalten habe, und ich kann diese Empfehlung nur wärmstens weitergeben. Der Roman wird nicht zu Unrecht seit vielen Jahren so gelobt und gilt als Meisterwerk.

 

Autor: Joe Haldeman

Titel: Der ewige Krieg

Original: The Eternal War

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 394

Originalpreis: 8,99€

Verlag: Heyne

Genre: Science-Fiction

ISBN: 978-3-453-31597-6

Erscheinungsjahr: 2010

© Awen Eibner, aweneibner.at

Awen Eibner entführt im ersten Band der Wellenflügel-Reihe, »Die Tiefen des Sees«, die Leser in ihre magische Welt. Hier dreht sich alles um Magie, die jedoch verpönt ist und Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

Wasser ist nichts Besonderes. Steine sind es ebenso wenig. Umso interessanter, dass beide unverhofft in einem blauen Licht erstrahlen und ein junges Mädchen auf die Suche nach einer Antwort schicken, deren Frage es nicht kennt.

Magie ist tief in der Familie verwurzelt, doch klein ist die Anzahl derer, die der lebendige Beweis dafür sind. Gwyneira, die seit frühen Kindestagen eine enge Verbundenheit mit dem Wasser verspürt, aktiviert durch Zufall einen Zauber, der ihr Geheimnisse zu enthüllen verspricht, deren Ausmaße ihr Vorstellungsvermögen übersteigen. Während sie den Antworten nachjagt und längst vergessene Familiengeheimnisse aufdeckt, kämpft ihr ebenfalls magisch begabter Bruder Keanu mit vollkommen anderen Problemen. Nur wenige Monate nach seiner Volljährigkeit übernimmt er die Familienführung – ohne dabei zu bemerken, dass seine größte Sorge abseits der plötzlich auftauchenden Zauber liegt …

[Quelle: Klappentext]

Die Autorin wendet ausgesprochen viel Zeit auf die Ausarbeitung ihres Magiesystems. Da gerade High-Fantasy-Romane davon leben, ist das per se nichts Schlechtes. Tatsächlich ist es ihr auch gelungen, sich damit aus der Masse der Fantasy ein wenig abzuheben und etwas mehr oder weniger Eigenes zu schaffen.

Weniger wäre in diesem und in einigen anderen Fällen jedoch durchaus mehr gewesen. Es wirkt nicht selten so, als wolle die Autorin regelrecht dozieren, während sie über mehrere Seiten hinweg die verschiedensten Aspekte der Magie erläutert und wie sie mit Gwyneiras Familie verbunden sind. Das hat zumindest bei mir den eher negativen Aspekt, dass ich ziemlich schnell abschalte und dem Text nicht einmal mehr ansatzweise so aufmerksam folge, wie er es eigentlich verdient hätte.

Selbiges gilt übrigens auch für Naturbeschreibungen wie Landschaft und insbesondere Wetter. Der Einstieg stellt eine Beschreibung eines Unwetters, die durchaus sehr bildhaft gelungen ist, aber teils doch etwas sehr, nun, gewichtig, vielleicht sogar mit Hang zum Schwulst. Einen Ticken weniger davon hätte dem sicher gut getan und es hätte nicht so mächtig gewirkt. Abgesehen davon halte ich Einstiege mit Wetterbeschreibungen oder Uhrzeiten (»Es war Nacht«, eine Schreibsünde, der ich mich früher auch schuldig machte) generell nicht für die Originellsten, aber das mag Geschmackssache sein.

Die Charaktere, teils auch die Nebencharaktere, sind alle sehr differenziert charakterisiert, teils sogar sehr deutlich nach Lehrplan. Das ist per se ebenfalls nichts Schlechtes; Brandon Sandersons Hauptcharaktere funktionieren meist ebenfalls nach Schema A. Es wird nur dann problematisch, wenn man vom Steckbrief abweicht. Das war hier in einer Szene der Fall. Zuerst schmiedet Keanu einen spannenden und riskanten Plan, um seinem Onkel ganz subtil die Leitung der Familie aus den Händen zu nehmen … und dann geht er einfach zu ihm hin und verkündet, dass er nun das Familienoberhaupt ist. Der Onkel nimmt das einfach so hin und muckt nicht auf. Abgesehen davon ließen sich keine weiteren Logiklücken ausmachen.

Mir persönlich kam das Ende viel zu plötzlich. Ich hatte sogar einige Male irritiert vor- und zurückgeblättert, um mich zu versichern, dass das wirklich das Ende war. Die Ursache dafür liegt im vielleicht größten Problem des Romans nebst seiner ausführlichen Beschreibung der Magie: Es fehlt jeglicher Spannungsbogen. Wir haben keinen wirklichen Antagonisten, es ist nicht einmal klar, ob irgendwer das Potenzial dazu hat. Es schwingt zwar stets untergründig mit, dass die Magiebegabung der Protagonisten ihnen zum Problem werden kann, das ist jedoch einfach nicht genug, um die Spannung über den gesamten Roman hin aufrecht zu erhalten. Um genau zu sein gab es einfach keine Spannung.

Interessant wurde es erst gegen Ende, als Gwyneira Nachforschungen über den Tod ihres Vaters anstellt und dabei einige Dinge ausgräbt, die in den Folgebänden recht brisant werden könnten. Der erste Teil jedoch glänzt vor allem durch sein Dahintümpeln.

Zumindest ein, zwei Szenen hatten die dröge Handlung dann doch aufgelockert. Schmunzeln musste ich, als Gwyneira das erste Mal ihre Wassermagie erprobt.  „Formus Tropfus!“, ruft sie da aus, was schon recht niedlich wirkt. Außerdem reflektiert sie dabei über diverse Sprachen der Magier und deren Angewohnheiten, Phoneme zu Lexemen ohne semantischen Inhalt zu formen – zu Deutsch: Buchstabensalate in den Fantasysprachen. Ein wenig musste ich da schon schmunzeln, weil hier ein leises Echo der Autorin und ihrer Meinung zu Sprachen in der Fantasy wiederklingt – die ich übrigens teile, da ich ohnehin für mehr Linguistik in der Fantasy bin und mich diese sinnlosen Buchstabensalate auch stören.

Es gibt da einen Charakter, der sehr speziell ist: Siraes. Seine Denkweise ist ausgesprochen speziell, fast schon bizarr. Es mag daran liegen, dass ich zurzeit ebenfalls Terry Pratchett lese, aber irgendwie hätte Siraes auch gut in die Scheibenwelt gepasst. Es ist zweifelsohne ein wenig anstrengend, ihm beim Lesen zu folgen, aber die Autorin hat ihn einfach wunderbar dargestellt und die andersartige Funktionsweise seines Geistes wirklich toll illustriert.

»Die Tiefen des Sees« hat auf jeden Fall Potenzial. Besonders schwächelt es jedoch noch am Spannungsaufbau und am zu ausführlichen Dozieren über das Magiesystem. Letzteres hätte man mit Sicherheit eleganter in den Text und in die Handlung einbauen können. Bleibt zu hoffen, dass diese Schwächen in den kommenden beiden Teilen insbesondere durch einen klaren Konflikt ausgemerzt werden.

 

 

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

 

Wer neugierig ist, kann hier ein wenig in den Text hineinschnuppern:

 

 

Autor: Awen Eibner

Titel: Wellenflügel: Die Tiefen des Sees

Original: Wellenflügel: Die Tiefen des Sees

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 344

Originalpreis: 3,99€

Verlag: BookRix

Genre: Fantasy

ASIN: B01LZ79KYN

Erscheinungsjahr: 2016

 

Weitere Rezensionen

- Julia’s Wunderland

- Lele

 

Die Autorin auf StoryHub: Awen Eibner

Terry Pratchett ist auch außerhalb der Fantasy ein sehr bekannter Autor, wenn nicht gar einer der bekanntesten, den das Genre zu bieten hat. Gerade seine Scheibenwelt-Romane haben Millionen von Lesern weltweit begeistern können. Mit »Fliegende Fetzen« läd er ein einundzwanzigstes Mal in die verrückte Scheibenwelt ein.

Ganz plötzlich taucht im Meer eine neue Insel auf. Keiner weiß, wo sie herkommt oder was sie darstellen soll. Sie ist einfach da. Dummerweise liegt sie in einem Streitgebiet der Hoheitsgewässer von Ankh-Morpork und Klatsch. Natürlich wollen beide Parteien die Insel zu ihrem Staatsgebiet erklären. Schon fliegen die Fetzen und ein Krieg droht auszubrechen. Und mittendrin die Stadtwache von Ankh-Morpork, die eigentlich in ihrer Stadt alles so belassen will, wie es seit jeher war.

Nachdem der erste Roman des Doppelbandes so glorreiche Unterhaltung bot, fällt der Gegensatz diesem Roman nur umso deutlicher auf. »Fliegende Fetzen« konnte allenthalben für ein leichtes Zucken der Mundwinkel sorgen, lediglich manchmal von einem leisen Lacher garniert.

Der Roman zieht sich gefühlt endlos und verwirrend ist er auch noch. Irgendwie kam es dazu, dass der Kriegszustand ausgerufen wurde, dann rückt aus irgendwelchen Gründen die Flotte aus und am Ende … spielen sie alle Fußball. Was zum Henker?! Der Handlung lässt sich nur sehr schwer folgen, auch wenn das große Ganze, der Konflikt zwischen Ankh-Morpork und Klatsch um die Insel, durchaus klar bleibt. Wie es im Einzelnen zu den Ereignissen kam, lässt sich manchmal nur sehr schwer mitverfolgen. Hinzukommt, dass die Insel sehr bald keine Rolle mehr spielt und erst wieder am Ende zu Wort kommt. Währenddessen geht es vor allem um den Konflikt zwischen den beiden Parteien, die den Streitpunkt der Insel anscheinend sehr schnell aus den Augen verlieren.

Außerdem wieder einmal eine Kritik an das Lektorat. Seltsamerweise blieb die zweite Hälfte des Doppelbandes zwar nahezu fehlerfrei, dafür haben sie einen sehr ungünstigen Font für das Klatschianische gewählt. Die verschnörkelt, kleine Schrift lässt sich sehr schwer lesen, umso schwerer, da ich eigentlich meist beim Lesen meine Brille absetze.

Ein Pluspunkt gibt es aber auf jeden Fall für die Wache. Auch wenn ich im Laufe dieser Lektüre gemerkt habe, dass ich eher Tod als der Wache etwas abgewinnen kann, so konnte Pratchett doch sehr gut Empathie für die Wachmannschaft rund um Hauptmann Mumm erzeugen. Man hatte Mitleid mit dem armen, zumindest oberflächlich betrachtet chaotischen Haufen, der da zwischen den Fronten steht und eigentlich nur die alte Ordnung wiederherstellen will. Wie es die Polizei nun mal tut. Dabei drohen nicht nur Mumm Dienstsuspensionen und anderen Unannehmlichkeiten vonseiten des Staates.

»Fliegende Fetzen« war nicht unbedingt der beste Scheibenweltroman, man kann es leider nicht schönreden. Besonders seine Langatmigkeit brechen ihm das Genick, ebenso der Umstand, dass man der Handlung im Detail nur schwer folgen kann.

 

 

Autor: Terry Pratchett

Titel: Schweinsgalopp

Original: Jingo

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 21 (jeder steht für sich allein)

Seiten: 444

Originalpreis: 10,00€

Verlag: Goldmann

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-44213468-7

Erscheinungsjahr: 2010

Quelle und ©: Verlag

Es war mehr oder weniger eine spontane Idee: endlich mal eine wirklich regelmäßige Rezensionsreihe. Eigentlich hätte mein GoT Rewatch auch so etwas werden sollen, aber das erwies sich leider als zu zeitintensiv, um es wirklich (fast) täglich zu schreiben. Leseproben hingegen sind klein, bieten einen möglichst optimalen Einblick in das Werk und ich kann sie meist bequem auf mein Handy laden und auch unterwegs lesen. Ergo eigentlich gute Bedingungen. Also will ich es nun damit probieren.

Jeden Freitag wird es eine »Freitagsprobe« geben, also eine kleine Rezension einer Leseprobe, die ich irgendwo ausgebuddelt habe. Genremäßig will ich mich da zunächst nicht festlegen und einfach querbeet lesen, was mir so vor die Flinte kommt. Ich habe sogar ein wenig vorgearbeitet und bereits eine recht beachtliche Liste erstellt. Dennoch bin ich natürlich gern für Vorschläge offen!

Den Anfang soll »Tigermädchen – Die Nacht ist ihr Element« machen, ein Urban Fantasy Roman von Delia Muñoz, der Dezember 2016 beim Eisermann Verlag erschienen ist.

Sie kontrolliert die Schatten.

Sie sieht im Dunkeln.

Dass Melanie ein Tigermädchen ist, weiß sie noch nicht, als sie ins Camp Cataara eintritt. Zeit, sich einzuleben, wird ihr verweigert. Denn obwohl sie selbst ihre Gaben noch nicht vollständig beherrscht, trachten gegnerische Gruppierungen bereits nach ihr und ihrer Macht. Schon bald wird ihre Freundin Laura entführt und die Gegner fordern einen Tauschhandel – Laura gegen das Tigermädchen. Melanie und ihre Freunde wollen den Handel der Entführer jedoch nicht eingehen und suchen eine andere Möglichkeit, Laura zu retten. Nur auf einen vagen Verdacht hin verfolgen sie die Spur der Gegner, obwohl diese sich immer wieder zu verlieren scheint. Doch nicht nur ihre Informationsquellen wirken wenig vertrauensvoll, auch die neun Jugendlichen selbst haben Geheimnisse voreinander ...

Wird Melanie es schaffen, Laura zu finden, ohne sich selbst auszuliefern?

[Quelle: Klappentext, Verlag]

Wirklich positiv überrascht war ich nicht. Ehrlich gesagt habe ich zunächst für die Freitagsproben wahllos eine Auswahl getroffen und ebenso wahllos mit diesem Text hier begonnen. Den Klappentext habe ich sogar erst gelesen, als ich mit der Leseprobe durch war. Und um ehrlich zu sein, überraschte er mich nicht. Hätte ich ihn zuerst gelesen, ich hätte mich wohl kaum mehr über den Inhalt gewundert.

Denn: Wann in drei Teufels Namen wurden rhetorische, sich selbst beantwortende Fragen in Klappentexten hipp und modern? Üblicherweise können sie mit Ja beantwortet werden, womit sich die Lektüre des gesamten Buches erübrigt, denn ebenso üblicherweise gehen sie mit ein und demselben Typus Geschichte einher: eine üble Mary Sue und platte Teenagerstories.

Mildernde Umstände können beim Buchtrailer angebracht werden, dass das anscheinend noch vor der Zeit beim Verlag entstanden war. Es ist dennoch gruselig. Aus dem Internet stibitze Bilder (die zumindest laut Videobeschreibung cc license haben), wahrscheinlich nicht lizensfreie Musik, weiße Schrift auf hellem Hintergrund und die Story in wenigen uninteressanten Schlagworten zusammengefasst. Ja, ich habe gewisse Vorbehalte gegen Buchtrailer. Hier werde ich nur wieder darin bekräftigt.

Stilistisch kann die Leseprobe nicht bestehen. Gleich im Prolog wird der Leser mit Wortwiederholungen zugeschmissen. In quasi jedem Satz wird betont, dass das Mädchen schwarze oder dunkle Kleidung trägt. In nahezu jedem Satz, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Gruftiger sind selbst Gothics nicht, und ich spreche da aus Erfahrung. Als Einstieg in das erste Kapitel »Es war Nacht« zu lesen, macht die Sache leider nicht besser. Außerdem wurden Kardinalzahlen unter dreizehn nicht ausgeschrieben. Die Syntax selbst ist ausgesprochen schlicht, die Wortwahl ebenso. Und wenn das nicht der Fall ist, dann finden sich unnötig komplizierte Formulierungen. So zum Beispiel diese hier:

»Melanie machte sich so klein wie möglich. In ihrer Schule wurden alle, die pinke Augen hatten, heruntergemacht. Und da das genau genommen nur Melanie betraf, war sie das Opfer.«

Sie als das Mobbingopfer zu bezeichnen, ginge auch wesentlich eleganter. Gleichzeitig nagelt dieser Absatz ein weiteres Problem der Leseprobe fest: Melanie ist eine Mary Sue. 1.) Sie hat besondere Kräfte; noch in der Leseprobe wird etabliert, dass Tigermädchen wie sie selbst unter den Cataara etwas Besonderes sind. 2.) Sie hat ein ach so besonderes Aussehen mit ihren pinken Augen, der pinken Strähne, die sich nicht färben lässt, und dem Grufti-Außenseiter-Look. 3.) Sie ist das Mobbingopfer und hat zudem Eltern, die kaum da sind. Ich kann das ganze nur noch mit einem genervten Seufzen kommentieren und mich fragen, wie so etwas noch immer seinen Weg in die Verlage findet. Wurde es nicht bereits im Internet breit genug getrampelt, dass Mary Sues Ausgeburten der Literatenhölle sind?

Hinzu kommt die breite Klischeekeule, die dem Leser mit Anlauf und möglichst schmerzhaft ins Gesicht geschmettert wird. Wer sie sei, wird sie gefragt. Daraufhin antwortet sie mit möglichst viel Pathos und unangebrachter Coolness, dass sie die sein Untergang sei, oder er sie auch wie in den Zeitungen nennen könne: dunkle Retterin. Hahah, wie absolut unlustig! Das einzige, das ich da noch denke, ist das: »Nanananana, BATMAN!« So wirklich klar, wo das spielt, wird es in der Leseprobe nicht, aber irgendwie drängt sich mir Gotham City auf ...

Des Weiteren lassen sich schon in der Leseprobe schwere Logiklücken ausmachen. Unter anderem ist Melanie bemüht, sich unauffällig zu verhalten. Gleichzeitig unternimmt sie aber nichts gegen ihr sonderbares Aussehen. Kontaktlinsen, Kopfbedeckung oder sonstiges wird nicht in Betracht gezogen. Wäre wenigstens etabliert worden, dass sie sich nicht verstecken und verstellen will und dafür das Mobbing in Kauf nimmt: ok. Aber das ist nicht der Fall. Sie jammert ... und das war's.

Ebenso wird sie von einem Jungen bedroht und zu einer Prügelei herausgefordert. Sie schlägt ihn mühelos zusammen. Zu diesem Zeitpunkt kann der Leser nichts anderes denken, als dass ihre Kampffähigkeiten von ihrer Natur als Tigermädchen herrühren. Das steht im Widerspruch zu ihrem Bestreben, unauffällig und normal zu sein. Zu spät und deus ex machina gleich wird zwar etabliert, dass sie Kampfsporttraining nimmt, aber zu diesem Zeitpunkt kann das nur den Schluss zulassen, dass das hier alles Hohlbirnen sind, Prota-chan ebenso wie alle anderen Charaktere, die eins und eins nicht zusammenzählen können und nicht auf den Trichter kommen, dass Melanie die geheimnisvolle Retterin ist, die regelmäßig in den Schlagzeilen der Stadt ist.

Wenig später kommt es zu einer weiteren Schlägerei mit einer ganzen Gruppe von Schlägern, die Melanie mühelos niederwalzt. Wenn ich eines aus über 600 Spielstunden Skyrim gelernt habe, dann, dass das Spiel ab Level 80 irgendwie langweilig wird, wenn Dovahkiin selbst Drachenpriester mit einem einzigen Pfeilschuss plättet, da er so mächtig ist. Das gleiche gilt für Romancharaktere. Und da kann man noch nicht mal selbst die Gegner verprügeln.

Eine Leseprobe soll einen möglichst positiven Eindruck vom zu erwartenden Roman vermitteln, und neugierig machen. Wenn das das Beste ist, das dieser Roman liefern kann, spare ich mir ehrlich gesagt lieber das Geld und den Platz in meinen Regalen. Und neugierig bin ich erst recht nicht, weil alles daran nach generischer Jugendfantasy schreit, wie es sie viel zu oft gibt.

 

Die von mir gelesene Leseprobe kann man auf Wattpad finden.

 

Autor: Delia Muñoz

Titel: Tigermädchen – Die Nacht ist ihr Element

Original: Tigermädchen – Die Nacht ist ihr Element

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 528

Originalpreis: 14,90€

Verlag: Eisermann Verlag

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-946342-87-8

Erscheinungsjahr: 2016

Ausflüge in ein anderes Genre sind für mich eher unüblich, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen. Meinen jüngsten Besuch ins Genre der Jugendliteratur bar jeglicher phantastischer Elemente habe ich zugegebener Maßen auch nicht ganz freiwillig unternommen, da ich dieses Buch für meine Hausarbeit wählte. Ich schließe nicht aus, dass sich das in meinem Urteil niederschlägt. Widmen wir uns nun also »Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm«, dem Debütroman von Jessie Ann Foley aus dem Bastei Lübbe Imprint One.

Ein Buch wie ein Grunge-Hit: wild, laut und gefühlvoll.

1993. Das ist das Jahr, in dem Nirvana ihr letztes Album ihr letztes Album [sic] veröffentlichen. Und das Jahr, in dem Maggie von Chicago nach Irland zieht. Maggie vermisst ihr Zuhause ebenso wie ihren chaotischen und musikbegeisterten Onkel Kevin, Einzig seine Musiktipps sind Lichtblicke im regenverhangenen Irland. Mit der Musik von Pearl Jam, den Smashing Pumpkins und Nirvana ist alles Neue erträglich. Als Eoin auftaucht, der Junge mit dem unergründlichen Lächeln, lässt ihr Heimweh langsam nach. Doch gerade, als die beiden sich näherkommen, erreicht Maggie eine schreckliche Nachricht. Und auf einmal steht sie vor der Frage, was wirklich wichtig ist im Leben ...

[Quelle: Klappentext, Verlag]

Die erste und zentrale Frage, die sich bei diesem Roman stellt, ist die nach der Zielgruppe. Für wen ist dieses Buch denn nun geschrieben? Stilistisch und thematisch richtet es sich ganz klar an junge Leser, die etwa in Meggies Altersgruppe sind. Das Thema richtet sich jedoch an Leute, die etwa Meggies Jahrgang sind, also um 1977 herum geboren. Der Roman spielt kurz vor meiner Geburt, ich habe also absolut keinen Bezugspunkt zur Popkultur Mitte der 90er. Habe ich nun entweder das Pech, genau zwischen den beiden potenziellen Zielgruppen zu stehen, oder kann sich das Buch wirklich nicht einig werden, wen es ansprechen will? Außerdem ist fraglich, ob heutige Teenager überhaupt noch Zugang zur Musik der 90er haben, insbesondere zu Nirvana. Sind die noch hipp und werden von Teenagern und jungen Erwachsenen unschwärmt?

Der Roman liest sich entsprechend seiner Genremerkmale leicht und flott von der Hand. Allerdings wirkt er häufig sehr unterkühlt. Meggies Emotionen kommen kaum beim Leser an, so wirklich in Fahrt kommt das ganze erst mit ihrer Wallfahrt zum Nirvana-Konzert in Rom. Ganz klar ist das Zunehmen an Tempo und Emotionen ab diesem Punkt intendiert und kommt auch so heraus. Jedoch war Meggie davor ganz sicher kein emotionsloser Zombie, ganz im Gegenteil! Sie macht sogar ein ziemliches Auf und Ab der Emotionen durch. Lediglich am Transport zum Leser scheitert es teils.

Negativ fallen die Markennamen auf, die immer wieder genannt werden. Allgemeine Bezeichnungen hätten es auch getan. Auch der Klappentext ist nicht unbedingt gelungen, da er eigentlich mehr oder weniger eine Zusammenfassung des Romans ist, bei der ein, zwei Schlüsselbegriffe ausgelassen wurden, um nicht alles zu verraten. Wirklich: Mehr passiert in diesem Buch nicht, als im Klappentext steht. Der auf dem Buch hat zwar die Wiederholung ausgelassen, fügt aber noch den Satz mit dem Konzert an, womit der Roman vollends zusammengefasst wurde.

Wirklich emotional wird es erst am Ende des Romans, jedoch im ausgesprochen negativen Sinne. Die letzten Kapitel machen wütend, wirklich sehr wütend. Meggies Familie ist katholisch, außerdem geht sie auf eine katholische Privatschule. Um auf dieser bleiben zu dürfen, muss sie versprechen, sich nicht mehr mit Eoin zu treffen. Meggie überlegt kurz und sägt ihre nach ihrer eigenen Aussage Liebe für’s Leben einfach so ab. Es ist einfach so ekelhaft von ihr.

Natürlich muss das Ganze aber ein ekelhaft kitschiges Ende haben. Meggies Mutter will wieder zurück in die USA ziehen. Meggie passt das ganz und gar nicht und protestiert, dass sie in Irland bleiben will, weil sie sich in Eoin verliebt hat und ihre Mutter ihr das nicht nehmen darf. Im Epilog erfahren wir dann, dass genau das passiert. Mutter zieht mit dem Rest der Familie in die USA und Meggie bleibt mit Eoin in Irland, um mit ihm glücklich bis an ihr Lebensende zusammen zu sein.

Normalerweise rede ich ungern so deutlich über Enden in Rezensionen, um sie nicht zu spoilern. In diesem Fall macht mich diese bodenlose Unlogik aber einfach so unglaublich wütend. Ich plane momentan selbst einen Umzug, bin Student und suche Arbeit, um mir die Wohnung auch leisten zu können. Es ist unglaublich stressig und mit zahllosen Hürden verbunden; immerhin ist es die erste eigene Wohnung, der Schritt in die Selbstständigkeit. Und dann lese ich hier, wie diese nervige sechzehnjährige (!) Göre, die noch zur Schule geht (!), einmal kurz rumheult, und schon bekommt sie alles, was sie will, ungeachtet der Tatsache, dass das hier noch einmal eine Größenortung mehr ist als mein aktuelles Unterfangen. Es fühlt sich wie ein Hohnschlag ins Gesicht an.

Nein, dieses Buch ist nicht gelungen. Die meiste Zeit tröpfelt es so vor sich hin, ohne dem Leser die Möglichkeit zu geben, für die Protagonistin irgendeine Form von Empathie zu empfinden. Der angenehme Schreibstil ist eigentlich der einzige Pluspunkt an diesem Roman. Ansonsten kann ich ihm herzlich wenig abgewinnen. Insbesondere der Schluss bleibt negativ in Erinnerung.

 

 

Autor: Jessie Ann Foley

Titel: Das Jahr, in dem sich Kurt Cobain das Leben nahm

Original: Carnival at Bray

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 295

Originalpreis: 16,00€

Verlag: One

Genre: Jugendbuch

ISBN: 978-3-8466-0037-5

Erscheinungsjahr: 2016

©Verlag

Von Marie Grasshoff habe ich bereits einiges gehört. Auf »Über den Staub an Schmetterlingsflügeln«, den ersten Teil der Kernstaub-Trilogie, hatte ich sogar selbst schon latent ein Auge geworfen. Es klingt nach einem sehr komplexen Worldbuilding, wenn auch eher nach Science-Fantasy als direkt Science-Fiction. Zumindest Amazon sortiert den Roman auch bei Fantasy ein. Perfekte Gelegenheit jedenfalls, mal in die Leseprobe zu schnuppern.

»Wir haben nach neuen Welten gesucht, aber keine gefunden. Also nahmen wir die unsere und versuchten, sie schöner und leuchtender zu machen. Doch je mehr Licht wir ihr gaben, umso tiefer wurden ihre Schatten.«

Mara hat vergessen, dass sie bereits seit Hunderten von Leben vor den Wächtern des ewigen Systems flieht. Durch den Mord an ihr wollen sie den Weg aller Seelen zur Perfektion ebnen.

Ihr Dasein wird in diesem Leben lediglich von ihrer immensen Angst vor Uhren bestimmt. Doch als die Wächter sie erneut aufspüren, um sie aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu tilgen, verschiebt sich das Gleichgewicht der Dimensionen: Uralte Erinnerungen kehren zurück, eine längst vergessene Liebe erwacht von Neuem und Kriege spalten den Planeten.

Und über allem schwebt die Frage: Wenn die ganze Welt dich hasst, würdest du dich trotzdem für sie opfern?

[Quelle: Klappentext, Verlag]

Wieder entfleucht sich mir ein resigniertes Seufzen ob der Frage am Ende des Klappentextes. Zumindest klingt dieser Klappentext nicht so katastrophal kitschig wie der der letzten Freitagsprobe. Tatsächlich war ich während des Lesens sogar sehr wohl ein wenig angefixt davon, was Mara denn nur mit diesen Uhren hat. Die Frage wird in der Leseprobe freilich nicht beantwortet und lässt also Neugierde auf den ganzen Roman zurück.

Eher negativ fiel mir allerdings der Prolog auf. Er weist im Gegenzug zum Rest der Leseprobe einen sehr attributlastigen Stil auf. Die Sprache ist ausgesprochen bildhaft und kurioserweise genau dadurch absolut nichtssagend. Wir finden hier große Phrasen und gewichtige Worte. Aber so wirklich klar wird nichts.

Da ist das erste Kapitel der Leseprobe weitaus interessanter und hätte als Prolog besser funktioniert. Hier gehen Dinge vor sich, denen man besser folgen kann, die aber noch seltsam genug sind, sodass man neugierig ist, was da nun genau passiert und was es damit auf sich hat. Der Klappentext verrät es zwar, aber ohne seine Kenntnis kann das erste Kapitel durchaus Neugierde wecken.

Im zweiten Kapitel wird Mara vorgestellt. Gleichzeitig wechselt der Erzähler vom Erzähler der dritten Person zu einem der ersten. Kann man machen, wie das aber im Roman wirklich funktioniert, verrät die Leseprobe nicht. Die dominierende Frage hier ist: Was hat die bloß mit den Uhren? Es wird immer wieder betont, dass sie sich in Gegenwart von Uhren unwohl fühlt, sie gar Angst vor ihnen hat, was schon sehr kurios ist. Warum sollte man vor Uhren Angst haben? Die tun doch keinem was. Also muss da irgendwas im Busch sein.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich unschlüssig bin, ob die Leseprobe mich zum Kauf angeregt hat. Aktuell tendiere ich eher zu nein, obwohl ich schon so viel Gutes in Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe. Allerdings stehe ich überwältigend positiven Rezensionen meist eher misstrauisch gegenüber. Der Roman kann so gut sein, wie die Rezensionen versprechen. Er kann aber genauso kitschig und klischeebehaftet sein wie so vieles momentan auf dem Markt. Ich habe ohnehin seit einer Weile ein Auge auf das Verlagsprogramm des Drachenmond Verlages. Von dem, was ich da bisher gesehen habe, ist das hier allerdings durchaus das Vielversprechendste.

 

Die von mir gelesene Leseprobe der ersten beiden Kapitel und des Prologs findet man auf Wattpad

 

 

Autor: Marie Grasshoff

Titel: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln

Original: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 980

Originalpreis: 19,90€

Verlag: Drachenmond Verlag

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-95991-701-8

Erscheinungsjahr: 2016

Frank Herberts Wüstenplanet ist vielleicht eine der bekanntesten Science-Fiction-Reihen. Nach dem Tod des Autors setzt nun sein Sohn Brian Herbert zusammen mit Kevin J. Anderson die Geschichte fort. In »Butlers Djihad« erzählen sie den Beginn der Legenden des Wüstenplaneten.

Seit Tausend Jahren haben die Denkmaschinen die Menschen versklavt. Einige jedoch entkamen ihnen und leben als freie Menschen in den Liga-Welten. Sie sind bestrebt, die synchronisierten Welten unter der Herrschaft des Allcomputers Omnius zu befreien. Aber erst, als eine der ihren von den Maschinen gefangen wird und unverhofft eine Rebellion unter den Sklaven auslöst, wagen sie es, den Krieg mit allen Mitteln zu den Maschinen zu tragen.

Nachdem der »Wüstenplanet« in der Bibliothek vergriffen war, den ich eigentlich lesen wollte, habe ich mit dem chronologisch ersten Teil der Reihe begonnen. Ich hatte hier allerdings das Gefühl, dass das Buch eher für Fans der Reihe geschrieben wurde, statt für Neueinsteiger wie mich. Man muss insbesondere am Anfang sehr am Ball bleiben, um nichts zu verpassen. Hier hilft allerdings auch das Glossar am Ende des Buches. Dennoch habe ich das Gefühl, ein, zwei Sachen noch nicht ganz verstanden zu haben. Ich hoffe, das gibt sich mit der weiteren Lektüre der Bücher, spätestens der ursprünglichen.

Gerade ab dem Punkt, wo Serena Butler zur Sklavin des Roboters Erasmus wird, nimmt das Buch einiges an Spannung auf, da sie schwanger von ihrem frisch vermählten Ehemann ist. Selbiger glaubt sie aber tot und ehelicht ihre Schwester. Das ist natürlich ein perfektes hausgemachtes Drama, das man sehr gern beim Lesen verfolgt.

Das Problem, das ich mit dem Buch habe, liegt allerdings darin, dass die Emotionen der beteiligten Charaktere, insbesondere Serenas und Xaviers, ihre Ehemannes, zwar schon irgendwie da sind und man mit ihnen teils mitfühlt, diese Gefühle aber nicht unbedingt zu 100% beim Leser ankommen. Das Buch ist oft ein zusammenfassender Bericht bestimmter Ereignisse des Krieges und liest sich auch an anderen Stellen eher wie ein Bericht, wo mehr Gefühl angebracht wäre. Das ist ziemlich schade, da man allein durch einen emotionaleren Stil viel mehr hätte rausholen können.

Die Cymex, eine Art Cyborgs, die ihre menschlichen Gehirne in Roboterkörper einbauen, sind natürlich ziemlich cool. Bei denen weiß man nicht so genau, woran man ist. Auch sie wollen wieder Macht erlangen, die ihnen ironischerweise von ihrer Schöpfung Omnius genommen wurde, gleichzeitig wollen aber auch sie die Sklavenherren der Menschen sein. Noch arbeiten sie mit Omnius zusammen, aber im Hintergrund planen auch sie einen Putsch. Noch passiert im ersten Band nicht viel in diese Richtung, aber mal sehen, wohin das in den anderen Bänden führt!

Die Denkmaschinen wirken leider nicht völlig durchdacht. Sie wirken häufig eher, als hätte man es mit einem Menschen statt einem Computer zu tun. Ich hatte dabei häufig den Film »Her« im Kopf (sehr zu empfehlen übrigens), wo Samantha, das intelligente Betriebssystem, mit dem der Protagonist eine Beziehung führt, am einem gewissen Punkt sich so weit entwickelt hatte, dass sie mit tausenden anderen Betriebssystemen gleichzeitig kommunizieren konnte. Das erscheint mir für eine Kommunikation unter intelligenten Computern auch wesentlich sinnvoller, immerhin funktionieren sie jetzt schon schon. Warum also sollten sie auf verbale Kommunikation zurückgreifen, wie sie es hier tun? Reiner Datenaustausch wäre weitaus effizienter, und immerhin wird immer wieder betont, dass Omnius und seine Denkmaschinen auf genau diese Effizienz aus sind.

Ironischerweise ist allein Erasmus eine Ausnahme davon. Er hat von allen näher beleuchteten Denkmaschinen das größte Interesse an Menschen und will sie und ihre Verhaltensmuster verstehen. In gewisser Weise ist er ihnen von allen Denkmaschinen am ähnlichsten – und der einzige, bei dem man merkt, es nicht mit einem Menschen zu tun zu haben. Er hat absolut keine Moral, ein Sinn für die Kunst geht ihm ebenfalls ab und Empathie besitzt er ebenso wenig. Dass das einem Roboter am ehesten abgeht, leuchtet vollkommen ein. Es wäre schön gewesen, wenn das auch bei den anderen Denkmaschinen so gewesen wäre.

Dennoch, auch wenn das Buch einige Logiklücken hat und doch eher ein Weltraummärchen ist als wissenschaftlich fundierte Science Fiction (man kann nicht mal eben zwischen den Sternen reisen, ohne mit der Beschleunigung und der Zeitdilatation zu kämpfen), so waren es doch angenehme Lesestunden, die vor allem gegen Ende des Buches Lust auf mehr machten. Zum Glück gibt’s ja noch zwölf weitere Bände.

 

Autor: Brian Herbert, Kevin J. Anderson

Titel: Der Wüstenplanet – Die Legende: Butlers Djihad

Original: Dune: The Butlerian Jihad

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 787

Originalpreis: 9,95€

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ISBN: 978-3-453-52358-8

Erscheinungsjahr: 2007

​​​​​​

Quelle: Amazon, ©Verlag

Es wurden sich mehr Verrisse gewünscht, es soll mehr Verrisse geben. Noch von der letzten LBM hatte ich diesen Flyer mit einer Leseprobe aus dem dritten Ardeen-Band »Nimdrod« von Sigrid Kraft, erschienen im Fahnauer Verlag. Gelegentlich lese ich sehr gern Trash, der so schlecht ist, dass es schon wieder lustig ist, und das gehört, so kann ich sicher nach der Lektüre von Band 1, 2 und 3 sagen, zu 100% in diese Kategorie. (Band 4 fehlt mir immer noch, weil ich den Sale verpasst hatte. Ärgerlich.) Damit soll dieser Flyer nun also einem Sinn zugeführt werden. Fangen wir wie immer mit der Inhaltsangabe an:

Endlich findet Raiden mit Eryns Hilfe den Weg ins Nimrod. Und anstatt Antworten auf ihre vielen Fragen zu erhalten, verkompliziert sich alles nur noch mehr.

Das Nimrod stellt sich als großes Refugium für magische Wesen aller Art heraus. Vom blutdurstigen Monster bis hin zur ersten Spezies der Schöpfung findet man dort alles … nur keine wirklichen Verbündeten. Und doch wird Hilfe in Aussicht gestellt, als Austausch für den Schlüssel.

Dazu meldet sich eine geheimnisvolle Stimme in Eryns Kopf zu Wort, die die Suchenden zu den sechs Orten der Macht schickt … damit sich Eryns Schicksal endlich erfüllen kann.

Meinung des Forscherdrachen: Na wenn das mal keine Falle ist … llen kann. [sic]

Meinung des Forscherdrachen: Na wenn das mal keine Falle ist [sic]

[Quelle: Klappentext, Verlag]

Der Klappentext klingt nach einer 08/15-Geschichte (Spoiler: es ist eine 08/15-Geschichte) und diese »Meinung des Forscherdrachen« ist auch fehl am Platze. Ich habe diese Beschreibung wie alle anderen auch von der Verlagsseite, gerade dort erwartet man doch eigentlich wesentlich mehr Seriosität, statt einem albernen Alter Ego und Selbstbeweihräucherung.

Die Leseprobe beginnt mit einer kurzen Einführung in die Welt. »In der Buchreihe wird nicht die Geschichte eines einzelnen Helden erzählt, sondern vielmehr eine ganze Fantasywelt beschrieben«, heißt es da gleich im ersten Satz. Diese ausgesprochen exponierte Stellung der Aussage liegt nahe, dass sie etwas Besonderes darstellen soll. Mir stellt sich stattdessen die Frage: Ist das nicht irgendwie Sinn und Zweck jeder Fantasy-Geschichte? Erweitern wir es: Ist es nicht irgendwie Sinn und Zweck jeder Geschichte, dem Leser die Welt der Protagonisten darzulegen, egal ob Fantasy oder ein anderes Genre? Ja, ist es. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Welt nun frei ausgedacht ist oder eine alternative Version der unseren oder schlicht unsere ist. Jede Geschichte illustriert einen unterschiedlich weit ausgedehnten Mikrokosmos.

Blättern wir weiter zur eigentlichen Leseprobe. Hier fällt sofort eines ins Auge: bunte Schrift. Ich kann es auch aus den eBooks bestätigen, und es ist einfach eine Pest: Die inneren Monologe der Protagonisten werden durch verschiedenfarbige Schrift repräsentiert, für jeden Protagonisten eine Farbe. Da die Fokalisierung innerhalb weniger Absätze wechseln kann, ergibt das ein kunterbuntes Farbgemisch, zumal sich da selbst auf einer einzigen Seite nicht »nur« auf ein oder zwei Personen beschränkt wird, sondern es gern einmal mehr werden können.

Bitte schüttet keine Farbeimer über eure Romane aus. Das sieht einfach scheiße aus und führt zu mehr Verwirrung, als es nützt. Wirklich, es ist wesentlich sinnvoller, einfach den Namen dessen zu nennen, der gerade etwas gedacht hat, statt den Leser zu zwingen, sich drölfzig Farben zu merken. Es ist nämlich nicht immer aus dem Kontext ersichtlich, wer gerade gedacht hat, und dann muss man die Farbe wissen. Innovation ist nicht immer eine gute Idee.

Wir fangen in der Leseprobe mit einer hellblauen Gedankenrede an, die wohl den angepriesenen Humor beinhalten soll, da sich jemand beschwert, jetzt allein mit diesem »Bimbo« zu sein. Ich ahne, dass hier ein der Szenen in diesem Roman ausgewählt wurde, die ich damals mit am albernsten fand. Die Protagonisten haben die Hexe Essyia gefangen genommen, welche sich mit ihrem Sexappeal an Ravenor heranmacht, um sich zu befreien.

Die beiden provozieren sich mit billigen Sprüchen: »Du kannst jetzt wieder herauskommen, denn ich lege mich sicherlich nicht zu dir. Obwohl, dein Bett aus Dornen sieht eigentlich ganz gemütlich aus.« Von angepriesenem Humor sieht man nichts. Dafür die Macke, tunlichst zu vermeiden, deutlich zu machen, wer gerade spricht. Fehlende Absätze an den entsprechenden Stellen erschweren das Erkennen des Sprechers zusätzlich.

Die Szene ist nichts weiter als eine billige, kindische Streiterei der Kindsköpfe von Protagonisten. Beide wollen sich ach so erwachsen geben, lassen sich aber auf billigste Weise vom anderen provozieren. Plot device! Hauptsache, sie landen am Ende in der Kiste, wie man erfährt, wenn man das ganze Buch kennt. Die gesamte Szene der Leseprobe ist so offensichtlich nach dem Motto aufgezogen: »Was sich neckt, das liebt sich.« Nicht gerade die eleganteste Methode, eine Romanze zu beginnen. Ehrlich gesagt sogar die billigste und unkreativste.

Leider findet man auch GESCHREI, statt einer kursiven Schrift, um Betonungen grafisch darzulegen. Der Stil selbst ist sehr verknappend und beschränkt sich nur auf das Nötigste, sodass in der Leseprobe kein wirkliches Bild von irgendwas vermittelt wird. Dafür sind die Zeichnungen der Autorin ganz nett. Nur: Zeichnungen sind in einem literarischen Werk kein adäquater Ersatz zu Beschreibungen! Ich will lesen, keine Bildergalerie ansehen! Literatur ist dezidiert bildliche Sprache, nur durch sie erhalten wir einen Zugang zum Text.

Zugegebener Maßen habe ich diese Leseprobe mit der Kenntnis der ersten drei Bücher gelesen. Dennoch: Die Szene ist insofern als Leseprobe repräsentativ, als dass sie recht gut einige der Schwächen der von mir gelesenen Bücher aufzeigt. Vom immer wieder angepriesenen Humor keine Spur, dafür aber alberne Charaktere, billige Sprüche und eine gruselige Formatierung. Bitte so nicht machen!

 

Einen Link zur Quelle meiner gelesenen Leseprobe kann ich dieses Mal nicht präsentieren. Wie eingangs erwähnt, beziehe ich mich auf einen Flyer, der 2016 auf der LBM auslag und einen ca. 10 Seiten langen Auszug aus einem Kapitel des dritten Bandes beinhaltet.

 

 

Autor: Sigrid Kraft

Titel: Ardeen – Nimrod

Original: Ardeen – Nimrod

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 3

Seiten: 569

Originalpreis: 7,99€

Verlag: Fahnauer Verlag

Genre: Fantasy

ASIN: B00ITF9T7S

Erscheinungsjahr: 2014

»Blade Runner« von Philip K. Dick oder eigentlich »Träumen Androiden von elektrischen Schafen?« gehört zu den Klassikern der Science Fiction. Dick befasst sich hier mit einer der essenziellsten Fragen der Menschheit: Was macht uns zu Menschen?

Rick Deckard gehört einer Sondereinheit der Polizei an, die entflohene Androiden jagt und ausschaltet. Sie sind eine Gefahr für die Menschen und drohen sie zu unterwandern, weshalb sie ausgeschaltet werden müssen, wenn sie ihrem Herrn entkommen und sich unter die Menschen mischen. Doch sind sie wirklich eine Bedrohung oder werden sie nur zu einer gemacht? Im Laufe seiner Jagd beginnt Rick sein Weltbild in Frage zu stellen.

Wow. Das beschreibt meine Reaktion auf dieses Buch wohl am besten. Nachdem ich es ausgelesen hatte, musste ich es erst einmal setzen lassen, und auch jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, glaube ich nicht, dass ich es voll durchdrungen habe. Die Kernfrage des Romans ist klar: Was macht uns zu Menschen und unterscheidet uns von KIs, die mitunter sogar intelligenter sind als wir? Dick beantwortet die Frage mit Empathie: Es ist die Empathie, die uns zu Menschen macht. Wer aber zum Beispiel Mercer ist, glaube ich noch nicht ganz verstanden zu haben. Vielleicht haben meine Leser eine Antwort?

Der Stil des Romans ist etwas eigenwillig, außerdem, wenn man genau nimmt, ist der Roman aus unserer Sicht fast schon Steampunk. Immerhin spielt er in den Neunzigern. In den Sechzigern, in denen der Roman entstanden war, waren das sicher aufregende Zukunfsszenarien. Die Aussicht auf einen atomaren Krieg waren in der Zeit allerdings wirklich nicht allzu unrealistisch.

Ich habe mich ehrlich gesagt lange gewundert, warum alle in dem Buch so versessen darauf sind, ein echtes, lebendes Tier halten zu können und warum das anscheinend Zeichen von Prestige ist. Ich denke, das liegt in dem atomaren Krieg begründet, der im Roman bereits Vergangenheit ist. Die Natur ist weitestgehend zerstört, zahlreiche Tierarten sind ausgestorben. Echtes Leben hat hier einen ungemein höheren Stellenwert, sodass Leute selbst von einer kleinen Spinne absolut fasziniert sind.

Nicht jeder aber kann sich ein Tier leisten, weshalb es Firmen gibt, die täuschend echte Robotertiere bauen. Das ist auch der Punkt, an dem ich es etwas schade finde, dass der Verlag sich dazu entschieden hatte, das Buch nach dem Film zu benennen, statt es beim ursprünglichen Titel zu belassen. Er passt wesentlich besser zum Inhalt, da »Blade Runner« hier keine Rolle spielen beziehungsweise diese Bezeichnung für Ricks Berufsgruppe hier einfach nicht existiert. Die Frage, ob auch Roboter träumen können, passt einfach besser zur Grundfrage.

Selbige finde ich übrigens sehr faszinierend. Schon jetzt ist die Frage, wie man mit menschengleicher KI umgeht, für unsere Gesellschaft nicht uninteressant. In »Balde Runner« sind die Androiden organische, wenn auch künstlich erzeugte Wesen. Das, was sie hauptsächlich vom Menschen unterscheidet, ist ihre fehlende Empathie. Aber trotzdem: Sind sie dann nicht auch Menschen? Sie können denken, fühlen, empfinden wie wir und sind selbst von einem Experten mitunter nur schwer von einem Menschen zu unterscheiden.

Ich hatte das Thema schon in meiner letzten Science-Fiction-Rezension zu »Butlers Djihad« erwähnt, wo es ebenfalls eine Rolle spielte, aber leider nicht vertieft wurde. Außerdem erwähnte ich dort auch den Film »Her«, wo der Protagonist sogar eine romantische Beziehung mit seinem Betriebssystem führt. Es wirkt auf mich noch befremdlich, aber ehrlich gesagt tendiere ich schon seit längerem sehr wohl dazu, eine solch intelligente KI als ethisch und moralisch gleichwertig zu betrachten. Die Grenzen zwischen Androide und Mensch verschwimmen in »Blade Runner« zunehmend, sodass sich selbst Rick nicht mehr sicher sein kann, ob er nun Mensch oder Androide ist. Es gibt sogar Androiden, die sich für Menschen halten und nicht wissen, dass sie nicht menschlich sind. Sind sie das wirklich nicht?

»Blade Runner« ist eine nicht unbedingt leichte Kost, aber auf jeden Fall ein Roman, der einen nicht mehr loslässt. Auch lange nach der Lektüre arbeitet das Gelesene noch in einem, während man darüber nachdenkt und vielleicht wie Rick sein Weltbild umkrempelt.

 

 

Autor: Philip K. Dick

Titel: Blade Runner

Original: Do Aondroids dream of electric sheep?

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 260

Originalpreis: 14,00€

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ISBN: 978-3-453-52583-2

Erscheinungsjahr: 2013

Manche Romane mögen brillant sein. Manche mögen inhaltlich brillieren, stilistisch aber da nicht mithalten können. Was »Ubik« von Philip K. Dick ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es mich mehr verwirrt hat, als ich daraus mitnehmen konnte.

Glen Runciter ist tot – nur warum finden sich dann Botschaften von ihm auf Zigarettenpackungen und Dosenetiketten? Es ist das Jahr 1992 – doch wieso ist die Stadt voller Autos aus den Dreißigern? Und was zur Hölle ist UBIK – ein ungewöhnliches Raumspray oder womöglich das einzige Mittel gegen den drohenden Zerfall der Realität?

[Quelle: Klappentext]

Tja, was ist »Ubik« nun? Eigentlich wird der Roman als Science Fiction eingestuft, aber so wirklich passt das nicht. Eher Wirtschaftssthriller, wie sich am Ende herausstellt. Normalerweise sind Fragen in Klappentexten ziemlich ausgelutscht und flach, in diesem Fall geben sie aber sehr gut die Grundstimmung des Buches wieder. Dinge passieren – und so wirklich weiß man lange nicht, warum sie passieren.

Irgendwie hatte es Dick doch geschafft, dass ich dabei bleibe und die Auflösung wissen wollte. Selbige war eher enttäuschend. Kein riesen Kracher, sondern sehr profan. Und was Ubik ist, die Leitfrage, die sich durch den ganzen Roman zieht, wird am Ende zwar erklärt, aber doch sehr nebensächlich und knapp.

Auch mit den Charakteren wurde ich nicht warm. Sie wirkten austauschbar, beliebig, obwohl sie mit Sicherheit kein Typus hätten sein sollen und auch nicht waren. Sie blieben für mich einfach flach und eindimensional.

Die Auflösung wirkt unfertig und unsauber. Als fehle da noch etwas. So ganz koscher wirkt Runciter nämlich nicht beziehungsweise das, was seine Firma macht. Am Ende ist er aber doch der Gute und Ubik kein Teufelswerk. Vielleicht bin ich einfach zu misstrauisch, aber es wirkt doch, als wäre das nicht so einfach, wie Dick es wohl gern hätte.

Nachdem ich den ersten Roman des Sammelbandes so sehr mochte, ist das eine regelrechte Enttäuschung. Vielleicht habe ich die Aussage schlicht nicht verstanden, vielleicht hat der Roman auch einfach keine nennenswerte Aussage oder sie wurde schlecht verpackt. So oder so. Das ist mit Sicherheit nicht das beste Werk des Autors.

 

 

Autor: Philip K. Dick

Titel: Ubik

Original: Ubik

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 250 von 847

Originalpreis: 14,00€

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ISBN: 978-3-453-52583-2

Erscheinungsjahr: 2013

©Laura A. Stern

Als ich mit den Freitagsproben begann, fragte ich nach Vorschlägen. Meine Liste ist zwar mittlerweile recht lang, aber mehr kann auch jetzt noch nie schaden. Einer der Vorschläge kam von Rebecca Buque für ihre auf Amazon selfpublished Rotkehlchen-Trilogie. Historische Romane, insbesondere Western, fallen nun wirklich nicht in mein Beutespektrum (es sei denn, es spielt in Rom oder Japan), aber irgendwie war es unter anderem auch Sinn und Zweck der Freitagsproben, ein wenig abseits meiner gewohnten Bahnen zu schauen. Gleich vornweg: Ich wurde hier nicht enttäuscht.

New Mexico um das Jahr 1868: Ein Fremder kommt in die kleine, verschlafene Stadt San José und sucht Zuflucht in der baufälligen Pension der jungen Robin. Als diese erfährt, wem der zynische Kopfgeldjäger auf der Spur ist, heftet sie sich an seine Fersen, denn auch sie hat noch die ein oder andere Rechnung offen.

[Quelle: Klappentext, Amazon]

Der Prolog hatte mich von Anfang an. Kurz und knapp schildert die Autorin hier den Aufhänger der Handlung: der Überfall einer Gruppe von Indianern auf einen Siedlerzug, bei dem viele der Siedler ums Leben kamen, deren Kinder aber spurlos verschwanden. Ungewöhnlich, aber doch sehr passend fand ich die Aufzählung gleich zu Beginn des Prologs, die die Angehörigen des Zuges listet. Irgendwie schafft es die Autorin, das nicht losgelöst darzustellen, sondern in den Text einfließen zu lassen.

Generell mag ich ihren Schreibstil. Sie bringt sehr schön dem Leser die Szenerien nahe, sodass man mitten im Geschehen ist. Das macht mir auch irgendwie die Charaktere sympathisch.

Die Leseprobe wirkt gut recherchiert. Auch kann ich mir die typische Westernszenerie wunderbar vorstellen. Hier wirkt nichts fehlt am Platze, gleichzeitig aber auch nichts überladen mit Informationen. Die Infos, die man bekommt, tragen wunderschön zur Atmosphäre bei und bauen sie aus. Und außerdem gibt es ein klein bisschen aus den indianischen Dialekten, was mich persönlich natürlich auch freut.

Der einzige Grund, warum ich mir den Roman (noch) nicht gekauft habe, ist schlicht, dass ich bisher mit Western nicht viel anfangen konnte. Aber vielleicht ändert sich das ja vielleicht eines Tages hiermit? Die Leseprobe wirkt auf jeden Fall sehr vielversprechend!

 

Die von mir gelesene Leseprobe umfasst Prolog und die ersten drei Kapitel. Man kann sie auf Wattpad finden.

 

Autor: Rebecca Buque

Titel: Rotkehlchen-Trilogie: Die Rache des Rotkehlchens

Original: Rotkehlchen-Trilogie: Die Rache des Rotkehlchens

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 262

Originalpreis: 3,99€

Verlag: Selfpublishing

Genre: Western

ASIN: B0124KUQ3Y

Erscheinungsjahr: 2015

Der letzte Roman der Romansammlung von Philip K. Dick ist »Marsianischer Zeitsturz«. Seine zentrale Frage ist, wann wir unseren Sinnen noch trauen können und wann der Übergang zur Geisteskrankheit erfolgt. Er wird als der verrückteste der Sammlung angesehen, und auch wenn es lange nicht so scheint: Das ist mehr als zutreffend.

Eine Gruppe von Mars-Kolonisten, die sich in psychiatrische Behandlung begibt. Ein kleiner Junge, der vor und zurück durch die Zeit stürzt. Ein Universum, das zunehmend aus den Fugen gerät.

[Quelle: Klappentext]

Der »Marsianische Zeitsturz« beginnt harmlos, indem er das Leben einer Gruppe von Marskolonisten schildert. Exemplarisch wird die Handlung aus der Sicht mehrerer Personen erzählt, die alle ihre Rolle in der Kolonie zu spielen haben. Sehr schön wechselt gerade am Anfang der POV; die Charaktere geben sich sozusagen gegenseitig den Staffelstab in die Hand und es sind fließende Übergänge. Mir gefällt, dass sich die Handlung zunächst auf die Alltagsprobleme einer Kolonie auf dem Mars konzentriert, die Sorgen und Nöte der Kolonisten und ihre Bestrebungen, autark zu leben, aber doch nicht auf alle Annehmlichkeiten von Mutter Erde zu verzichten.

Ganz klammheimlich beginnt das Buch, so richtig verrückt zu werden, als es mehr und mehr um den schizophrenen Jungen Manfred Steiner zu gehen beginnt. Um wirklich zu begreifen, was da besonders am Ende von statten ging, muss man das Buch wahrscheinlich mehrmals lesen. Es war völlig abgedreht! Irgendwie passte das aber auch sehr gut dazu, immerhin ging es sehr stark um Schizophrenie.

Man muss aber auch sagen, dass sich das Buch für seine 360 Seiten doch sehr zieht. Irgendwo am Ende habe ich auch den Faden verloren, als es so richtig abgedreht wurde. Gegen Ende hin hat auch das Lektorat ein wenig geschwächelt.

Ein ziemlich tolles Detail ist, dass die Bücher, obwohl sie keine Reihe bilden, doch zusammenhängen. Die jeweilige Handlung der Romane ist völlig unabhängig voneinander, ein paar Details geben aber den Hinweis. In allen Romanen ist von Marskolonien die Rede, der dritte spielt ja sogar in einer. Im dritten Roman werden in einem Nebensatz die besonderen Fähigkeiten einiger Menschen angesprochen, die im zweiten Roman die zentrale Rolle spielen, und so weiter.

Auch »Marsianischer Zeitsturz« ist ein sehr anspruchsvoller Roman, und auch hier kann es sehr schnell passieren, dass man den Faden verliert, weil es zu abgedreht ist, was Herr Dick hier präsentiert. Ein bisschen bleibt auch die Frage: Was ist hier Fiction und was entspricht den Tatsachen?

 

 

Autor: Philip K. Dick

Titel: Marsianischer Zeitsturz

Original: Marsian Time-Slip

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 368 von 847

Originalpreis: 14,00€

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ISBN: 978-3-453-52583-2

Erscheinungsjahr: 2013

Quelle und ©: Verlag

Bücher, die irgendwas mit meinem Studium zu tun haben, interessieren mich immer. Auf »Die Magie der Namen« von Nicole Gozdek hatte ich allerdings schon ein Auge geworfen, bevor ich mein Wahlfach Onomastik (Namenkunde) belegt hatte. Danach war es allerdings noch einmal um ein vielfaches interessanter. Hier wird den Menschen mit der Verleihung ihrer Namen nicht nur ihre Seele gegeben, wie es in germanischer Zeit Brauch war, sondern gleich ihre ganze Identität, ihr komplettes Leben.

Der 16-jährige Nummer 19 träumt insgeheim davon, als Erwachsener ein Held und bedeutender Name zu werden. Die 19 hat ihm in seinem Leben bisher kein Glück gebracht. Doch als der Tag der Namensgebung endlich gekommen ist, lösen sich seine Hoffnungen in Unglauben auf. Er erhält einen Namen, den keiner zu kennen scheint. Wer ist dieser Tirasan Passario, dessen Namen er für den Rest seines Lebens tragen wird? Nur das große Namensarchiv in der Hauptstadt Himmelstor kann ihm Auskunft geben. Gemeinsam mit dem Krieger Rustan Polliander und dessen Freunden macht er sich auf in die weit entfernte Stadt. Doch die Reise entpuppt sich als gefährlicher als erwartet. Namenlose und dunkle Verfolger trachten der Gruppe nach dem Leben. Und auch sein eigener Name hält noch einige Überraschungen für Tirasan bereit ...

[Quelle: Klappentext, Verlag]

Ich finde das Konzept, das diesem Buch zugrunde liegt, sehr spannend und ansprechend! Wie bereits eingangs erwähnt, wurde einem Menschen in germanischer Zeit mit seinem Namen auch seine Seele verliehen. Das Grundkonzept der Magie, die in Namen liegt, ist in diesem Buch ganz ähnlich, geht aber sogar einen Schritt weiter. Die Leseprobe umfasst die Zeremonie der Namensgebung. Dabei wird beschrieben, wie jede Nummer, wie die Kinder vor ihrer Namensgebung genannt werden, ihren Personennamen und den Namen einer Dynastie bekommen. Der Dynastienamen bestimmt, welchen Beruf man später ausüben wird. Gleichzeitig verändert das sogar den Körper. Wird man beispielsweise ein Elitekrieger, Polliander genannt, verändert sich die Statur, die Person wird durch die Magie des Namens kräftiger und muskulöser.

Während der Leseprobe fragte ich mich: Sind Nummern nicht auch so etwas wie Namen? Nummer 19 sagt selbst, dass es große Nummern gibt, kleine Nummern, Mitläufernummern und so weiter. Einem Menschen eine Nummer statt einem Namen zuzuordnen, nimmt ihm eigentlich die Identität, aber dennoch sind die Nummern, die in der Leseprobe vorgestellt werden, sehr individuell. Und so anonym sind Nummern als  Namen eigentlich auch nicht. Bei den Römern war es sehr beliebt, die Kinder einfach durchzunummerieren. Primus, Tertius und so weiter. Genau so ist das hier. Dass hier zu Beginn nur Nummern statt Namen stehen, wirkt auf den ersten Blick vollkommen anonym, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man doch die Individualität der Nummern.

Ich frage mich auch, was die Namensgebung mit den Kindern macht. Damit wird immerhin quasi ihr ganzes Leben bestimmt. Die meisten Nummern wirken recht zufrieden mit ihrem Namen, nur Nummer 19 hat wenig Glück damit, wie der Klappentext verrät. Er wünscht sich sehr, ein Polliander zu sein, stattdessen weiß er immer noch nicht, was er mit seinem Namen und damit seiner Persönlichkeit anfangen soll. Ich hoffe sehr, dass das Buch sich mit der Frage beschäftigt, wie sehr sich ein Mensch von äußeren Einflüssen (die Namensgebung durch einen Zeremonienmeister ist ja ein solcher) bestimmen lässt und wie viel von ihm selbst kommt.

Einziges Manko, das ich in der Leseprobe ausmachen konnte, ist die Erzählperspektive der ersten Person. Ich mag Ich-Erzähler schlicht nicht. Gelegentlich scheint auch eine sehr moderne Sprache durch: »Ein Polliander zu sein, war so was von grandios!« Passt irgendwie nicht in eine Welt, die sich nicht unbedingt als äquivalent zu unserer Moderne sieht. Jedenfalls erschien es mir in der Leseprobe so; es gibt Krieger, von Land zu Land ziehende Händler und so weiter. Das wirkt eher wie eine klassische, pseudo-mittelalterliche Fantasywelt, statt etwas, wo ein Spruch, der sehr nah an »So cool!« vorbei schrammt, hinpassen würde.

Trotzdem, das Buch reizt mich sehr, und die Leseprobe bestätigt mir, auf jeden Fall einmal einen Blick hinein zu werfen. Nicht gleich heute oder morgen, aber bald.

 

Die diesem Text zugrunde liegende Leseprobe findet sich auf der Verlagsseite des Buches.

 

 

 

Autor: Nicole Gozdek

Titel: Die Magie der Namen

Original: Die Magie der Namen

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 368

Originalpreis: 16,99€

Verlag: ivi bei Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-70387-1

Erscheinungsjahr: 2016

Dan Brown ist immer wieder für einen Bestseller gut. Mit »Inferno« legt er seinen vierten Robert Langdon Roman vor. Erneut verschlägt es den Harvard Professor für Symbolismus in die weite Welt, um Rätsel zu entschlüsseln und die Menschheit zu retten.

Langdon erwacht ohne Erinnerung an die letzten sechsunddreißig Stunden in einem italienischen Krankenhaus. Das einzige, das er weiß, ist, dass jemand einen Assassinen auf ihn angesetzt hat und nur die junge Doktorin Sienna Brooks an seiner Seite steht. Zusammen folgen sie einer Spurt aus Symbolen durch Venedig und Florenz, die sich stets mit Dantes Göttlicher Komödie befassen. Schon bald wird ihnen klar: Jemand hat hier eine Spur aus Brotkrumen ausgelegt, die sie zu ihrem tödlichen Ziel führen: eine Seuche, entwickelt von einem wahnsinnigen Genie, um die Menschheit zu dezimieren und das Problem der Überbevölkerung abzuwenden. Nun liegt es an Robert, dieses grausame Schicksal von der Menschheit abzuwenden.

Brown ist nicht immer nur für einen Beststeller gut, sondern auch stets für Spannung pur. Wobei »Inferno« nicht unbedingt der Pageturner war, wie ich zum Beispiel »Illuminati« in Erinnerung habe. »Inferno« konnte mich dafür auf Dauer nicht genug fesseln. Dennoch: Langdons Abenteuer war wieder einmal spannend. Sicher, irgendwie ist es doch immer dasselbe: Langdon stolpert als Professor eines Orchideenfachs in irgendeine große Sache, muss irgendwelche Zeichen entschlüsseln und damit die Menschheit retten. Dass die Langdon-Romane immer nach demselben Grundschema ablaufen, muss allerdings nicht unbedingt schlecht sein.

Der Einstieg in diesen Roman ist wirklich genial. Langdon wacht ohne Erinnerung an die letzten Stunden auf, hat keine Idee, wie er in ein italienisches Krankenhaus kam und sieht quasi sofort in den Lauf einer Pistole. Von Anfang an geht es also rasant zur Sache! Je weiter man den Roman liest, desto mehr wird klar, dass Brown nicht am Beginn der Handlung einsteigt, sondern mittendrin. Langdon war innerhalb der letzten sechsunddreißig Stunden an diesen Fall gerufen worden, was er durch seine Kopfverletzung jedoch vergessen hat, sodass er mit dem obligatorischen Entschlüsseln der Symbole quasi wieder bei Null anfängt und zudem auch noch herausfinden muss, was hier eigentlich vor sich geht und wer Freund und wer Feind ist.

So ein Buch braucht in der Regel, so lange der Autor nicht ein absolut genialer Schreiber ist, einen Antagonisten. Den hat »Inferno« rein theoretisch. Der Kniff ist: Selbiger ist noch vor Beginn der Handlung gestorben. Ich finde das sehr gewagt und doch geschickt umgesetzt von Dan Brown, da Langdon nicht gegen den Antagonisten sondern gegen die Auswirkungen von dessen Handeln antritt. Und ganz so einfach ist das mit dem Antagonisten zudem auch nicht. Eher ist es eine moralische Frage, ob Zobrist, der Schöpfer der Seuche, wirklich der Böse ist oder ob er nicht doch Recht haben könnte.

Das Thema des Buches ist die Überbevölkerung und die Probleme, die das für uns in naher Zukunft mit sich bringen wird. Die Statistiken, die Brown anführt, sind real, die Mathematik sagt uns mögliche Szenarien sehr eindeutig voraus. Überbevölkerung ist nicht von der Hand zu weisen, ebenso nicht, dass eine Lösung dafür gefunden werden muss.

Im Buch wird in diesem Zusammenhang eine sehr interessante Frage gestellt, die ich an meine Leser weiterreichen möchte: Man stelle sich vor, man müsste nur einen Knopf drücken, und die Hälfte der Menschheit wird ausgelöscht. Wen es trifft, ist wahllos, es können sogar Freunde und Verwandte dabei sein, sogar man selbst. Drückt man diesen Knopf jedoch nicht, wird die Menschheit in hundert Jahren aussterben. Würdest du den Knopf drücken?

»Inferno« ist sehr catchy geschrieben und man kann sich die Geschichte wirklich hervorragend auf Leinwand vorstellen; ich werde mir tatsächlich die Tage auch den Film noch ansehen. Dadurch liest sich das Buch allerdings auch sehr eingängig. Brown macht das durchaus clever. Seine Sprache ist nicht die Anspruchsvolle, das Thema jedoch schon. Gleichzeitig hat er aber ein Thema gewählt, von dem wir alle betroffen sein werden und das schon heute immer wieder medial durchgekaut wird. Er macht ein brisantes Thema damit einem breiten Publikum schmackhaft: jene, die platte Action haben wollen, und jene, die einen tiefsinnieren Roman erwarten, werden gleichsam etwas hieran finden können.

Dass die Langdon-Roman doch immer irgendwie gleich aufgebaut sind, und Browns catchy Schreibweise haben mich teils doch ein wenig gestört. Auf der anderen Seite hat das Thema beim Lesen in meinem Umfeld doch immer wieder einige sehr spannende Diskussionen ausgelöst, was ich dem Buch sehr hoch anrechne; es ist immer wieder schön, wenn ein Roman zu interessanten Diskussionen anregt.

 

Das Nachfolgende enthält Spoiler des Endes!

Losgelöst von der Rezension möchte ich noch einmal auf die Auflösung des Romans eingehen und meine eigenen Gedanken dazu besteuern. Brown hat es während des Romans so geschickt gesteuert, dass man als Leser davon ausging, dass die Seuche wirklich in 50% der Fälle tödlich ist, also etwas ist, das aufgehalten werden muss. Ich hätte daher den Knopf zum Beispiel nicht gedrückt. Am Ende kam jedoch heraus, dass Zobrist eine geschickt designte Seuche entwickelte, die mittels beliebiger Auswahl die Hälfte der Menschheit sterilisiert, indem sie den genetischen Code umschreibt. Zudem vererbt sich die Unfruchtbarkeit zu einem bestimmten Prozentsatz. Im Vergleich zur Alternative durch eine Seuche ähnlich der Pest, Ebola oder HIV ist das wirklich eine humanere Lösung.

Zobrist nimmt damit den Menschen den freien Willen, selbst über ihren Nachwuchs zu bestimmen. Er hatte es im Geheimen tun müssen, da die WHO und Regierungen ihm nie ein offenes Ohr geschenkt hatten, sondern ihn als Bioterroristen abtaten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sein Handeln, sobald es öffentlich wird, einen gigantischen Aufschrei der Empörung rund um die Erde hervorrufen wird.

Ehrlich gesagt war ich im ersten Moment auch empört, als ich mir vorstellte, was ich wohl machen würde, wäre dieses Szenario real und würde vielleicht sogar mich betreffen. Bei genauerem Nachdenken ist es jedoch vielleicht nicht die abwegigste Lösung des Problems. Schlauere Leute als ich haben vielleicht andere und bessere Lösungen, aber vergleichen wir es zum Beispiel mal mit dem Einkaufen.

Ich kann nicht einfach so in einen Laden gehen und mir eine Mango nehmen (ich liebe Mangos!), ohne dafür zu bezahlen, weil ich gerade kein Geld habe. Ich muss die Mittel, Geld, besitzen, um das Recht auf den Besitz dieser Mango zu erwerben. Klar. So ähnlich, kann man sagen, verhält es sich auch mit dem Nachwuchs zeugen. Kann ich wirklich so viele Kinder in die Welt setzen, wie ich will, ohne die Mittel dafür zur Verfügung stellen zu können? Mittel heißt in diesem Fall nicht Geld, sondern die Fähigkeit der Erde, dieses Kind auch ernähren zu können, ihm ein Heim und eine Arbeit bereitstellen zu können.

Da ich absolut keinen Kinderwunsch verspüre, würde Zobrists Seuche für mich keine Veränderung bedeuten. Für Leute, die durchaus Kinder haben wollen, wäre das ein mitunter nicht geringer Einschnitt in ihr Leben, und ich könnte deren Empörung hervorragend nachvollziehen. Aber was ist denn, wenn einfach nicht die Mittel zur Verfügung stehen, um dieses Kind auch erhalten zu können? Es kann nicht jeder alles haben, was er will, und Menschen, die nie geboren waren, werden sich über diesen Umstand auch nicht beschweren können …

Welche Position man auch bezieht, das Buch regt auf jedenfalls zum Nachdenken an, und, wie bereits erwähnt, auch zu spannenden Diskussionen über das Thema! Ich bin gespannt, was die Zukunft diesbezüglich für uns bereit hält; und irgendwie hofft man ja doch auf eine bequemere Lösung als diese hier, die keine großen Veränderungen bedeutet (welch illusorische Wünsche …)

 

 

Autor: Dan Brown

Titel: Inferno

Original: Inferno

Sprache: Englisch

Reihe: Band 4

Seiten: 611

Originalpreis: 8,99$

Verlag: Anchor Books

Genre: Thriller

ISBN: 978-1-101-97379-0

Erscheinungsjahr: 2013

Quelle und ©: Verlag

Ich habe eine weitre Leseprobe aus dem Drachenmond-Verlag gefunden. Da ich immer noch neugierig auf diesen Verlag bin, lasse ich mir »Mondprinzessin« von Ava Reed nicht entgehen.

Lynn bemerkt an ihrem Geburtstag, wie sich auf der Haut ihres Unterarms ein Sternenbild abzeichnet. Die einzelnen Punkte leuchten und Lynn versucht verzweifelt, sie zu verstecken. Als nicht nur die Sterne auf ihrem Arm, sondern auch sie selbst zu leuchten beginnt, ist nichts mehr, wie es war. Dunkle Schatten jagen sie – die Wächter des Mondes. Und sie begegnet Juri, der ihr erzählt, sie sei eine Prinzessin – kein Waisenkind. Trotz Lynns Unglauben folgt sie dem Mondkrieger und stellt sich ihren Verfolgern. Juri verliebt sich in Lynn, doch sie ist einem Prinzen bestimmt und nicht ihm…

[Quelle: Klappentext, Verlag]

Ehrlich gesagt sprechen mich weder Klappentext noch Leseprobe sonderlich an. Der Klappentext verspricht furchtbares Liebesdramalama, und die Leseprobe ist absolut nichtsaussagend.

Der Prolog besteht aus sechs Sätzen, die zusammen vielleicht einhundert Worte ergeben und irgendwas von Kindern von Erde und Monds faseln, die nichts voneinander wissen. Im ersten Kapitel tritt ein gewisser Juri auf, dessen Rolle mir nicht wirklich klar wird, und im zweiten Kapitel Lynn, die irgendwas mit Kampfsport am Hut hat und ihren Geburtstag aus irgendwelchen ominösen Gründen nicht mag.

Toll … Jetzt weiß ich Bescheid …

Nein, im Ernst: Ich erwarte nicht, dass eine Leseprobe mir gleich all meine Fragen beantwortet. Aber ein paar grundlegende Sachen sollte sie schon klären; meine letzte Freitagsprobe zu »Magie der Namen« hat das sehr schön gemacht. Eine Leseprobe muss ja nicht zwingend auf die ersten zwei, drei Kapitel beschränkt sein, sondern kann theoretisch einen beliebigen Teil der Geschichte aufgreifen. Ich glaube nicht, dass der Anfang der Geschichte hier der geeignetste Teil gewesen war.

Überhaupt ist er aufgrund der fehlenden Aussage generell ungeeignet als Einstieg in die Geschichte. Der Prolog ist ein Witz, den hätte man sich auch schenken können. Diese Informationen stimmen absolut nicht auf den Roman ein, sie hätten auch irgendwann anders kommen können. Beispielsweise dann, wenn Lynn erfährt, wer sie wirklich ist, wie ich dem Klappentext entnehme. Das erste Kapitel redet von einer verschwundenen Prinzessin, die anscheinend schon ihr ganzes Leben lang verschwunden ist, und wo ich mich frage, warum sie zum einen noch nicht gefunden wurde und warum ihr Vater da immer noch so einen riesen Terz darum macht. Anscheinend hat er sie ja nie sonderlich kennen gelernt. Kann er sie da wirklich ach so sehr lieben? Irgendwie erscheint mir das alles sehr an den Haaren herbei gezogen.

Auch das zweite Kapitel hat eigentlich keine Aussage. Es wird eigentlich nur geschwafelt, dass Lynn irgendwelche Probleme mit ihrem Geburtstag hat, und sie davon auf gar keinen Fall jemandem etwas erzählen darf. Sonst Weltuntergang oder so. Sie hat Probleme. Weder werden diese konkretisiert, noch wird erläutert, warum das Probleme sind. Mit anderen Worten: Es kann mir auch am Allerwertesten vorbei gehen, dass sie Probleme hat. Warum sollte mich das also dazu animieren, dieses Buch lesen zu wollen? Mir wird immerhin nichts gegeben, das mich dazu verleiten würde, irgendein Interesse für ihr Schicksal zu haben oder gar mit ihr mitzufühlen.

Des Weiteren stört mich die Erzählperspektive. Die Geschichte wird aus der ersten Person und im Präsens erzählt. Und zwar beide POVs. Christoph Marzi macht das mit dem Wechsel des Erzählers ganz geschickt: Die meisten POVs stehen in der dritten Person, nur die von Mortimer Wittgenstein in der ersten, die Übergänge sind elegant und fließend. Hier empfinde ich sowohl den Tempus als etwas steif, als auch die Überschriften mit dem Namen des jeweiligen Protagonisten als sehr störend. Es ist nie schön, wenn der Name des aktuellen POV-Charakters über dem Kapitel steht, das ist auch bei Martin nicht schön. Hier ist es ein notwendiges Übel, weil irgendeine Plage der Literatur sagte: »Du musst grundsätzlich in der ersten Person schreiben! Du hast die Wahl zwischen Verwirrung der Leser oder störende Namen über dem Kapitel!«

Es mag daran liegen, dass ich zu viele schlechte Texte gelesen habe, die in der ersten Person geschrieben sind, aber ich mag diese Erzählperspektive einfach nicht. Hier hätte sich so viel vermeiden und verbessern lassen, indem man einfach eine andere Perspektive wählt.

Auch das Tempus sagt mir nicht zu. Man kann im Präsens schreiben, dann muss man jedoch ein geübter Schreiber sein, der das so geschickt und elegant schreibt, dass das ungewohnte Tempus nicht auffällt und sich ganz natürlich anfühlt. Ich bin hier ehrlich gesagt einige Male darüber gestolpert.

So langsam frage ich mich, ob sich hier nicht gewisse Parallelen zu Suzanne Collins‘ »Hunger Games« ausmachen lassen, eine Reihe, bei der ich wirklich sage, dass die Übersetzung eine Verbesserung des Originals ist. Collins kann einfach nicht schreiben, aber auch sie schreibt in der ersten Person und im Präsens.

Vielleicht hat das restliche Buch mehr und sinnvollere Aussagen. An dieser Stelle kann ich nur über die Leseprobe urteilen, und diese gibt mir absolut nichts, von dem ich sagen würde: Gut, da kann man vielleicht irgendwann mal mehr darüber nachdenken.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet man auf Wattpad.

 

 

Autor: Ava Reed

Titel: Mondprinzessin

Original: Mondprinzessin

Sprache: Deutsch

Reihe: ?

Seiten: 256

Originalpreis: 12,00€

Verlag: Drachenmond Verlag

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-95991-316-4

Erscheinungsjahr: 2016

Die nächste Freitagsprobe wird voraussichtlich nicht pünktlich oder erst im Laufe des Wochenendes kommen, da ich nächsten Freitag verhindert bin.

Robert Corvus mausert sich allmählich zu einem von mir sehr gern gelesenen Autoren. Mit der Schwertfeuer-Saga bin ich bereits in eine seiner Fantasy-Welten abgetaucht, mit »Grauwacht« ging es in die Science-Fantasy und nun verschlugen mit die Zeilen in seinen Science-Fiction-Roman »Feuer der Leere«.

Der Weltraum der Zukunft ist hart und unerbittlich. Die Erde wurde vor Jahrtausenden zerstört, die letzten Menschen ziehen als Nomaden in einem Raumschiffschwarm durch das All und ernten Planeten zur Nahrungsgewinnung ab, während sie von feindlichen Lebensformen verfolgt werden. Im Schwarm weilt auch die SQUID, ein Raumschiff, das eigentlich eine fremdartige Lebensform ist. Die Menschen an Bord der SQUID, die sie Mutter nennen, verändern sich auf seltsame Weise. Ugrôn, einer der Bewohner der SQUID, scheint auf eine ganz einmalige Weise verändert zu sein, da er eine besondere Verbindung zu Mutter hat – eine Verbindung, die ihn Wege eingehen lässt, die kein Mensch zuvor gegangen ist.

Da ich momentan ohnehin ein offenes Herz für Science-Fiction hatte, wollte ich mir dieses Buch nicht entgehen lassen. Das erste, das mir ins Auge fiel, ist ein Detail des Covers, das offensichtlich die SQUID abbildet, ein octopusähnliches Raumschiff, das sehr an die Reaper aus der Spielreihe Mass Effect erinnert. Es passt auch, da die Menschen sich ähnlich verhalten, auch wenn sie nicht vorsätzlich so extrem destruktiv dabei vorgehen. Sie sind jedoch durchaus dazu bereit, auch größere Schäden bis hin zur Vernichtung ganzer Planeten vorzunehmen, um das eigene Überleben zu sichern.

Überhaupt ist das ganze Konzept der gegenwärtigen Lebensweise der Menschen sehr spannend. Dutzende von Generationen sind auf den Schiffen geboren, lebten dort und starben schließlich auf ihnen, ohne jemals einen Fuß auf einen Planeten gesetzt zu haben. Jedes Schiff hat seine eigene Lebensform und Kultur entwickelt, aber die grundsätzliche Mentalität der Menschen insgesamt ist so anders. So etwas wie Schwerkraft, die ein planetengeborener Mensch bewusst gar nicht wahrnimmt, ist für sie ein außergewöhnliches Erlebnis und so einfache Dinge wie Wind für sie absolut fremdartig.

Dem Autoren ist es hervorragend gelungen, das zu vermitteln. Ich meine, es ist ja schon eine bemerkenswerte Leistung, während des Schreibens an solche Dinge zu denken, die wir bewusst eigentlich gar nicht mehr wahrnehmen, und dann auch immer mal wieder an den geeigneten Stellen darauf hinzuweisen, wie neuartig für die Menschen Erlebnisse wie fallendes Wasser, Wind in den Haaren oder schlicht die Gravitation am eigenen Leib zu spüren sind. Natürlich macht es Sinn, dass die Menschen des Schwarms so denken, aber ich halte es für sehr lobenswert, dass der Autor sich so gut in diese Denkweise einfühlen und sie auch dementsprechend transportieren konnte.

Natürlich gab es auch einen Erstkontakt mit einer neuen intelligenten Spezies, und Linguisten würden mit Neid auf die Technologie der Menschen blicken, die es ihnen ermöglichte, innerhalb kürzester Zeit die Sprache der neuen Lebensform zu dekodieren und eine Kommunikation zwischen beiden Seiten zu ermöglichen; wobei zugegeben das Szenario des Erstkontakts aus dem Film »Arrival« zum einen eindrucksvoller und zum anderen doch näher an einer möglichen Realität war.

Dennoch, alles weitere war doch sehr interessant dargestellt. Die Botschafterin der Menschen vermeidet beispielsweise bestimmte Mimiken, da diese als Bedrohung angesehen werden könnten. Auch werden im weiteren Verlauf verschiedene Auswirkungen dieses Erstkontaks erläutert, da die Menschheit beschließt, für eine Weile in der Nähe des bewohnten Planeten zu verweilen, um ihre Vorräte aufzufüllen und Handel zu treiben.

Leider liegen genau da ein paar der Schwächen des Buches. Der Erstkontakt verläuft erwartungsgemäß nicht ganz reibungslos. Davon sieht man aber lange nichts. Es werden zwar immer wieder Unruhen auf dem Planeten erwähnt, die von der Ankunft der Menschen ausgelöst wurden, aber viel sieht man davon nicht, bis die ganze Situation zu kippen droht und menschliche Geiseln genommen werden. Das ist ein wenig schade, weil das das ganze Szenario des Erstkontakts, und immerhin sind hier einmal die Menschen die Aliens, doch wesentlich lebhafter ausgestaltet hätte.

Dasselbe gilt auch für den Feind. Es gibt zwar am Anfang und am Ende des Buches jeweils einen Feindkontakt, aber so wirklich schlau wird man aus der Situation doch nicht. Warum genau werden die Menschen von den Giats verfolgt? Ist es wirklich wegen des Kampfes um Ressourcen? Ist der Weltraum nicht eigentlich weiß Gott nun wirklich groß genug dafür, um sich aus dem Weg zu gehen, oder läuft es auf ein ähnliches Kriegsszenario wie im »Ewigen Krieg« von Joe Haldman hinaus: Krieg, einfach weil Krieg? Leider finde ich in diesem Buch keine wirkliche Antwort darauf, aber da am Ende des Buches ein paar Dinge offen bleiben, hoffe ich auf eine Fortsetzung, auch wenn, wie ich das momentan überblicken kann, keine in Aussicht ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mitunter sehr mit den Charakteren durcheinander gekommen bin und einige für mich sogar sehr gesichtslos blieben; zwischenzeitlich dachte ich sogar, Koichy (ein Mann) sei die Mutter der Hauptprotagonisten Starn und Rila, auch wenn ich da wohl einfach unaufmerksam gelesen habe. Ein Glossar, wie ich es aus Corvus‘ anderen Büchern gewohnt bin, wäre hier sehr hilfreich gewesen.

Am meisten fasziniert mich an der Science Fiction jedoch die technische Seite, weshalb ich wahrscheinlich auch mit Filmen wie »Arrival« und »Interstellar« (erstgenannter ist ein hervorragender Film, der zweite sogar mein absoluter Lieblingsfilm) bedeutend mehr anfangen kann als mit »Star Wars«, »Star Trek« und Konsorten. Das schlägt sich auch in meinem Literaturgeschmack wieder. »Feuer der Leere« wird zwar durchaus treffenderweise mit dem »Wüstenplaneten« verglichen, hat aber auch viele technische und wissenschaftliche Aspekte, die der Autor sehr passend einbindet und die den Hauptteil meines Interesses auf sich zogen. Darüber zu lesen, hat mir sehr große Freude bereitet.

Auch wenn der Roman ein paar kleine Schwächen hat, hat es doch insgesamt sehr viel Spaß gemacht, ihn zu lesen. Gern sehr viel mehr davon!

 

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar und freue mich sehr auf die Lesung am Freitag! Robert Corvus wird seinen Roman am 24.3.17 auf der Leipziger Buchmesse um 11:30 in Halle 2 auf der Leseinsel Fantasy, Stand H410, vorstellen und ich werde für Leipzig lauscht dabei sein.

 

 

Autor: Robert Corvus

Titel: Feuer der Leere

Original: Feuer der Leere

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 495

Originalpreis: 16,99€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-70439-7

Erscheinungsjahr: 2017

Die Tram lauert überall

Eine Eventlesung mit und von Markus Heitz zu seinem Buch »Des Teufels Gebetbuch« in der Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG.

 

Wer denkt, er sei eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn überpünktlich da, hat sich geschnitten. Bereits jetzt ist der Nebenraum der Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG sehr gut gefüllt und der Strom der Interessenten reißt nicht ab. Doch jahrelanges Tetris spielen trägt dazu bei, dass am Ende alle einen Platz finden. Der Hauptakteur des Abends, Herr Heitz, ist eine viertel Stunde vor Beginn da, lässt es jedoch ruhig angehen mit dem Beginn. Es soll schließlich ein gemütlicher Abend in geselliger Runde werden. Sehr gesellig, wie ein Blick in die Runde verrät.

Das Publikum besteht überwiegend aus dunkel gekleideten Gestalten und hat sich damit ganz intuitiv dem Kleidungsstil des Autoren angepasst. Umso mehr fallen einige etwas reifere, aber noch rüstige Damen auf. Nicht unbedingt das Klientel, das man hier erwartet aber nun gut. Augenscheinlich haben sie tatsächlich Interesse, was durchaus verwundert; Heitz' Fanclub ist anscheinend sehr breit aufgestellt.

Das Wasserglas droht eine der berüchtigten Wasserglaslesungen an. Doch Heitz ist ein alter Hase und weiß so etwas durch seine geübte Rhetorik und den einen oder anderen guten Witz aufzulockern. Zudem hat er wortwörtlich ein Ass im Ärmel. An diesem Abend soll es nicht nur in seinem neuesten Roman um Kartenspiele gehen, es wird tatsächlich gezockt. Eine kreative Abwechslung zum trögen Trott einer Autorenlesung.

»Des Teufels Gebetbuch«, der Titel des Romans klingt schon sehr … verheißungsvoll. Als dem Publikum dann auch noch angedroht wird, dass hier tatsächlich an diesem Abend gezockt wird, sehen sich wahrscheinlich schon einige mit der Pistole an die Wand gestellt, darauf hoffend, dass das Magazin leer ist. Doch Heitz gibt Entwarnung: Wir spielen harmlos. Die Reihen der Leser auszudünnen, findet auch er nicht so prickelnd.

Eben weil Heitz zusammen mit seinem Verlag sich eine kreative Lösung für das immer gleiche Schema A einer Lesung ausdachten, beginnt der Abend mit dem Organisatorischen. Charmant, wie nur Heitz es verpacken kann, fällt auch spontan die Lesung selbst darunter.

Vielleicht ein Spontanidee, vielleicht schon länger vorhanden, kündigt Herr Heitz außerdem an, dass an dieser Stelle wohl in Zukunft, wenn nicht gerade Karten gespielt werden, ein Heitz-Bingo stehen soll. Denn auch die alten Hasen im Publikum wissen: Herr Heitz bringt gerne einmal einige Witze auf jeder seiner Lesungen. So hatte er beispielsweise in jungen Jahren überlegt, ob er denn nicht einen soliden Beruf ergreifen solle. Und »Bestatter haben ja auch nachwachsend Rohstoffe«. Makaberer Humor passt in eine Runde wie diese immer sehr gut. So erfahren wir außerdem: »Die Tram lauert überall.« Und sorgt wahrscheinlich somit auch für die konstante Sicherung des Bestatterberufs, welcher, so suggerieren es uns die Worte Herrn Heitz', in Leipzig besonders lukrativ sein muss. Der Tram sei's gedankt.

Der Autor bietet seinen Zuhörern ein unterhaltsames Abendprogramm, das immer wieder aufgelockert wird von insgesamt drei vorgetragenen Szenen aus seinem neuen Buch. Dabei witzelt er nicht nur, sondern erzählt auch einiges über den Entstehungsprozess des Romans und zur Geschichte des Kartenspiels.

»Ach komm, machste mal was ohne Leipzig«, sinniert er dabei, nachdem er ansprach, dass er seine Romane gern einmal in der Bachstadt spielen lässt. Ein empörtes »Ohhhhh!« erhebt sich aus den Reihen des Publikums. Um den Lokalstolz der Leipziger zu bedienen, revidiert Heitz sogleich: »Aber es stellte sich heraus: Kannste vergessen.« Denn wie wir an diesem Abend lernten, war Leipzig zu Goethes Zeiten eines der Zentren der Kartenmacher. Markus Heitz kommt von Leipzig einfach nicht los.

Insgesamt bot der Abend sehr angenehme Abwechslung. Nach der Lesung gab es eine kleine Fragerunde, danach stand die Signierstunde an, und während ich diese Zeilen tippe, sind die zehn Gewinner (ob sie so glücklich sind oder nicht, bleibt offen) der Losrunde gerade am Zocken. Für einen von ihnen wird es am 1. April nach Baden Baden gehen, wo er gegen die Gewinner der Zockrunden anderer Lesungen antreten wird. Doch wie das ausgehen wird, und dieses Heitz-Bingo hätten sicher alle alte Hasen gewusst, »kann ich aus dramaturgischen Gründen hier nicht verraten, aber dazu gibt es Hinweise im Buch.«

 

Die Veranstaltung: Markus Heitz liest aus Des Teufels Gebetbuch, Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG, 22.3.2017, 19.00 Uhr

Das Buch: Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch. Knaur HC, München 2017, 672 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 14,99 Euro

Kringel für die Welt!

Christoph Hardebusch liest auf der Leipziger Buchmesse aus »Schattenkaiser«.

 

Zugegeben, auf der Messe eine entspannte Lesung zu veranstalten, ist eine Kunst. Ständig ziehen Menschen an einem vorbei, es ist laut, die benachbarten Veranstaltungen machen nicht weniger Lärm als die sich unterhaltenden Messegäste und überhaupt ist immer etwas los. Und wenn es Robert Corvus ist, der sich im Hintergrund entlang schlängelt.

Irgendwie schafft es die Leseinsel Fantasy dennoch, tatsächlich eine Insel im hektischen Strom der Messe zu sein. Schon am Donnerstag, dem eigentlich ruhigsten Tag der Messe, ist allerhand los. Leute kommen und gehen, schauen, lauschen, oder nutzen die Gelegenheit einfach, um zu essen und dabei was zum Gucken zu haben. Alles ist wie immer. Nur die charmante Moderation von Richard Haxel fehlt irgendwie; der Streit der Buchmesse mit WerkZeugs hinterlässt seine Spuren. Dieses Jahr heißt es also: Selbst ist der Autor! Oder die Autorin.

Auch Christoph Hardebusch kündigt sich selbst an. Nach einigen Worten zu sich und seinem neuesten Roman »Schattenkaiser« beginnt er zu lesen. Die Wahl fiel auf Prolog und das erste Kapitel, in dem einer der Hauptprotagonisten, Dariush, vorgestellt wird. Sie ist gut getroffen worden, denn diese Kapitel enthalten einige der Schlüsselszenen des Romans und sicher auch die ansprechendsten Stellen.

Die Technik ist gut eingestellt, für den aktuellen Betrieb fast sogar schon ein bisschen zu laut. Aber so ist garantiert, dass wirklich jeder den Worten des Autoren lauschen kann.

Man kann ihm gut folgen, auch wenn er manchmal, besonders gegen Ende, über seine eigene Zunge stolpert, wenn die Worte ungeduldig werden und alle auf einmal raus wollen.

Die Lesung ist eine Lesung in Reinform. Informativ, man bekommt einen guten Einblick in das Buch und ein paar Zusatzinformationen obendrauf, aber nichts, was auf Dauer im Gedächtnis bleibt. Spannend ist mitunter, was am Rand passiert.

Eine Mutter lauscht gespannt mit ihrem Kleinkind. Das Kind scheint jedoch nicht viel von Dariush zu halten und quängelt. Ehe es in einem Trotzanfall endet, beschießt die Mutter, ihre Sachen zu packen. Das Kind entdeckt jedoch die Technik, die am Rande der Bühne steht, und findet, dass das ein viel spannenderer Spielplatz ist als diese olle Lesung. Ein Autor ist an diesem Kind wohl nicht verloren gegangen, dafür aber vielleicht ein Techniker …

Im Anschluss gab es für eine Handvoll Fans Kringel in ihre Bücher. Eigentlich war das mit dem Kringel nur ein Scherz, aber zumindest ich habe jetzt neben der Signatur noch einen formschönen Kringel im Buch. Und wenn ich mir so ansehe, was er mir noch dazu schrieb, und bedenke, dass der dreiköpfige rote Drache der Targaryens unter seinem Hemd hervorluge, frage ich mich, ob der Autor mich dazu anstiften will, den Eisernen Thron für mich zu erobern … Fire and Blood!

 

Die Veranstaltung: Christoph Hardebusch liest aus Schattenkaiser, Moderation: Christoph Hardebusch, Leseinsel Fantasy, 23.3.2017, 15.00 Uhr

Das Buch: Christoph Hardebusch: Schattenkaiser. Piper, München 2017, 416 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 12,99 Euro

Die Leere ist nicht leer

Robert Corvus liest auf der Leipziger Buchmesse aus seinem Science Fiction Roman »Feuer der Leere«.

 

Deutsche Pünktlichkeit wird heute anscheinend groß geschrieben. Bereits einige Minuten vor Beginn der Lesung findet sich der Autor Robert Corvus auf der Leseinsel Fantasy ein, um seinen neuesten Roman »Feuer der Leere« zu präsentieren. Da sich die Reihen nach und nach füllen, nutzt er die Zeit, um noch ein paar potenzielle Zuhörer mehr abzugreifen, die gespannt die Leseinsel bevölkern, um sich von ihm in die Leere des Weltalls entführen zu lassen. Nur die Moderation wird schmerzlich vermisst; dieses Jahr sind ein paar Dinge anders auf der Leseinsel Fantasy. Aber: Selbst ist der Autor, also kündigt man sich selbst an.

In Corvus' Roman reisen die Reste der Menschheit der Erde beraubt mit Raumschiffen durch das All. Die ehrfurchtgebietende Leere, die dort herrscht, hat eine eigene Religion hervorgebracht, deren Anhänger sich in Demut vor der Gewaltigkeit des Nichts im Weltall üben. Auch wenn die Atome unseres Körpers zu großen Teilen aus Nichts bestehen, kann man von Leere auf der Leseinsel schon am Messefreitag nicht reden. Sicher sind viele dabei, die vor allem wegen der anschließenden Lesung Kai Meyers anwesend sind, aber wenn sie die Ohren aufsperren, werden sie einiges darüber lernen, wie es ist, im Weltall zu sterben.

Denn genau so eine Szene hat uns Robert Corvus mitgebracht. Mit ruhiger, fast schon etwas zu ruhiger Stimme trägt er das Erlebnis einer seiner Protagonisten vor, wie dieser sich in einer Luftschleuse des Raumschiffs der Leere des Weltalls stellt. Ohne Raumanzug versteht sich. Es ist eine der faszinierendsten Stellen im Buch, die umso spannender wird, da Corvus im Vorfeld gut recherchiert hatte und dem Leser dieses faszinierende Ereignis sehr detailliert präsentieren kann. Trotz der Hektik und des Kommens und Gehens am Rande der Leseinsel verweilen immer mehr Menschen, sichtlich gebannt von den Worten des Autoren.

Im Anschluss an die Lesung folgt die Signierstunde, bei der sich einige der Fans einfanden und man mit dem Autor ins Gespräch kam. Es bleibt die Erkenntnis, der Lesung eines empfehlenswerten Buches beigewohnt zu haben sowie, dass die Leere eben doch nicht gänzlich leer ist.

 

Die Veranstaltung: Robert Corvus liest aus Feuer der Leere, Moderation: Robert Corvus, Messegelände, 24.3.2017, 11.30 Uhr

Das Buch: Robert Corvus: Feuer der Leere. Piper, München 2017, 495 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 12,99 Euro

Darauf erst mal 'ne Fettbemme!

Sigrid Kraft lässt ihren neuen Roman »In einem fernen Land« von ihrem Verleger Tobias Fahnauer verlesen.

Es gibt da diesen Effekt bei Unfällen, wo alle anfangen zu glotzen, und dann schlimmstenfalls noch mehr Unfälle gebaut werden. Inwiefern hier Folgeunfälle gebaut wurden und wenn ja, wie diese aussehen, bleibt offen, aber ein Unfall war es. Die Autorin Sigrid Kraft hatte es sich doch sehr leicht gemacht, als sie wieder einmal den Fauxpas vom vergangenen Jahr wiederholte und sich wieder auf die faule Haut legte, statt selbst ihren Roman zu verlesen. Stattdessen musste ihr Verleger Tobias Fahnauer in die Bresche springen und ihre Arbeit tun. Warum? Das weiß keiner. Ich erinnere mich aber an einen Facebook-Post der Autorin von vor über einem Jahr, in dem sie meinte, dass eine männliche Stimme besser zu ihren Figuren passen würde. Wie schon vor einem Jahr frage ich mich auch dieses Mal: Und was machen denn Hörbuchsprecherinnen, wenn sie männliche Rollen sprechen? Oder umgekehrt? Aber Frau Kraft weiß da natürlich voll Bescheid! Wehe, jemand sagt etwas anderes!

Die Besucher der Lesung werden jedenfalls an dieser Stelle über diese Kuriosität im Unklaren gelassen. Überhaupt werden sie über vieles im Unklaren gelassen. Wer die Autorin ist, was sie macht, was sie schreibt, worum es in ihren Büchern geht, wer ihre Charaktere sind, warum ich mir das antue, wieso sich sowas verkauft, warum dieselben Fehler des Vorjahres wieder haargenau wiederholt werden, warum kein Lerneffekt eintritt. »Friss oder stirb!«, lautet die Devise. Ardeen ist natürlich so toll, dass die Leute allein durch ihre Anwesenheit dazu motiviert werden, das Buch sofort zu kaufen! Nee, irgendwie nicht. Irgendwie riecht die Bemme in meiner Tasche da wesentlich ansprechender. Essen wäre jetzt nicht schlecht …

Der Trailer soll schon alles richten, scheint es. Nach drei lieblosen Einleitungsworten wird der Beamer angeschmissen und der Trailer flimmert über die Leinwand. Praktischerweise ist selbiger auch online einsehbar, sodass ich ihn hier präsentieren kann:

Während des Trailers bleiben tatsächlich einige Leute stehen und sehen zu. Die meisten davon verschwinden jedoch alsbald wieder, nachdem das Spektakel vorbei ist. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Ich meine: Klappentexte kann ich auch animieren, wenn ich mich in die Technik des Animierens ein bisschen eingearbeitet habe. Das ist jetzt nicht wirklich beeindruckend und sagt mir immer noch nichts über das Buch. Und das hier war sogar noch weniger als ein Klappentext. Aussage: Nicht vorhanden. Dafür ein wunderschöner Schönheitsfehler. Ja, da steht wirklich: »… was davor geschah … und … was davor geschah«. Zusammen mit diesem nervigen Gejaule sagt mir der Trailer genau eines: Ich will dieses Buch ganz bestimmt nicht kaufen. Und eine Aussage darüber hinaus existiert schlicht nicht.

Das mit den Wiederholungen scheint aber wohl wirklich ein typisches Mittel des Buches zu sein, so gesehen vermittelt der Trailer also doch eine Aussage, die diese Bezeichnung verdient. Ich habe es leider nicht mit aufgenommen (s.u.), aber es folgt in der Lesung tatsächlich eine Textpassage, die besagt »Was wenige Minuten zuvor geschah« und dann exakt dieselben Sätze noch einmal wiederholt, die vor dieser Passage gelesen wurden. Da Herr Fahnauer sich da ausnahmsweise einmal nicht verhaspelte, scheint es tatsächlich so im Buch zu stehen.

Zum einen ist dieses »Was zuvor geschah« genauso abscheulich wie »Rückblende Anfang« und »Rückblende Ende« und zum anderen: Merkt man es nicht, wenn man ganze Sätze einfach mal direkt hintereinander copypastet? Herrgott! Dieses Lektorat gehört gefeuert! Zwischenüberschriften wirken immer so, als sei der Autor nicht in der Lage, oder zu faul, oder beides, sich einen Satz mehr aus den Fingern zu saugen und elegant dazu überzuleiten, was in der ferneren Vergangenheit oder drei Minuten zuvor passiert ist.

Die Bemme in meiner Tasche duftet immer verführerischer, die Leere in meinem Magen nach einem langen Messetag meldet sich. Mate wäre jetzt auch nicht schlecht, denke ich mir. Intravenös am besten. Dann bleibe ich vielleicht auch während der Lesung wach. Denn es ist wirklich eine Zumutung, Herrn Fahnauer zuzuhören. Er liest unmotiviert, mit einem starken Dialekt und verliest sich andauernd. Es ist einfach nicht mehr feierlich. Bevor ich hier noch verhungere oder entschlafe, zücke ich jedoch mein Handy und mache ein kleines Video, um das Ganze in Bild und Ton festzuhalten.

Oh, schau! Ein Ciri-Cosplay da hinten beim Pommesstand! Es gibt eindeutig zu wenige Witcher-Cosplays auf dieser Messe. Was? Prinz Raiden macht irgendwelche tollen Sachen? Hätte ich zuhören sollen? Tut mir leid. Wobei, eigentlich nicht. Vielleicht sollte ich eine Wette beginnen, ob das nächstes Jahr, wenn Frau Kraft wieder dabei ist, erneut so mies wird. Zücken da wirklich Leute ihre Geldbörsen, um sich das Buch zu kaufen? Nein, macht das nicht!

Jetzt hat sich Ciri ‘ne große Portion Pommes gekauft. Mein Magen knurrt. Ach, was soll’s. Darauf erst mal ‘ne Fettbemme! Sonst werd‘ ich noch unleidlicher. Demonstrativ packe ich also mein Essen aus und fange an zu essen. Wahrscheinlich wird die Wette langweilig, weil alle dasselbe tippen. Bis zum nächsten Jahr …

 

Die Veranstaltung: Tobias Fahnauer liest aus In einem fernen Land, Moderation: Sigrid Kraft, Messegelände, 26.3.2017, 14.30 Uhr

Das Buch: Sigrid Kraft: In einem fernen Land. Fahnauer Verlag, Dresden 2017, 362 Seiten, 15,00 Euro, E-Book 7,99 Euro

Senpai noticed me!

Brandon Sanderson besucht die Buchmesse, und ich bin ein sehr glücklicher Mensch.

Habt ihr die Explosion einer Supernova über Leipzig gesehen? Keine Sorge, das war nur ich, die am Freitag und Samstag Brandon Sandersons Schatten war und seine vier Veranstaltungen besuchte, die er auf der Buchmesse hatte. Ich war glücklich, einfach nur glücklich, menschgewordenes Glück.

Am Freitag gab es eine Signierstunde, danach am Abend in der Schille den Piper Fantasy Abend, und am Samstag hatte Brandon zwei Interviews auf der Messe, jeweils noch einmal mit anschließenden Signierstunden und Möglichkeiten, Fragen zu stellen.

Ehrlich gesagt habe ich ja nie damit gerechnet, ihn einmal in persona treffen zu können. Der eine oder andere weiß es vielleicht: Brandon ist von allen noch lebenden Autoren mein absoluter Lieblingsautor und rangiert auf einer Ebene mit Tolkien. Das war für mich in etwa so, als wäre ich in die Vergangenheit gereist und hätte Tolkien die Hand geschüttelt.

Ich war am Freitag schon sehr früh in der LUDWIG Buchhandlung, wo die Signierstunde stattfand. Dementsprechend war ich auch die Zweite in der Schlange, die sich ein Autogramm abholen konnte. Ok »eines«. Während bereits eine beträchtliche Schlange quer durch die Buchhandlung führte, tauchte Brandon irgendwann auf, quatsche gemütlich mit einer Dame, von der ich vermute, dass sie vom Verlag war, und begab sich in aller Seelenruhe nach vorne zum Signiertisch. Mir sprang fast das Herz aus der Brust vor Aufregung und sehr wahrscheinlich habe ich ihn sehr dümmlich angegrinst, als er dann vor uns stand und uns den Ablauf erklärte.

»And I will sign all your books«, versprach er, warf einen Blick in meine Richtung, und ich dachte mir nur noch: »Oh, ups.« Ich hatte Armmuskeltraining gemacht, als ich da stoisch meine acht Bücher stemmte, um sie ihm auf den Tisch zu wuchten.

Eine kleine Auflistung meiner Ausbeute.

  • Im Vorfeld hatte ich mir bereits signiert einfliegen lassen:
    • Words of Radiance
    • Arcanum Unboundend
  • Nach diesem Freitag hatte ich signiert:
    • Die Reckoners-Reihe (4 Bücher, da ich auch Mitosis dabei hatte)
    • Die Mistborn-Reihe
    • Way of Kings
    • White Sand
    • Elantris
  • Nach Samstag hatte ich signiert:
    • Die Alcatraz-Reihe (5 Bücher)
    • Sturmklänge
    • Rithmatist ​​​​​

Das macht allein zur Messe  15 Bücher, insgesamt jetzt 17, und ich bin glücklich. Und es sind immer noch nicht alle meine Bücher von ihm signiert. In einige der Bücher schrieb er mir noch lustige Sprüche, außerdem malte er mir in Elantris ein Aon, was ich auch ziemlich cool finde.

Oh, hätte ich am Anfang vorwarnen sollen, dass das hier hartes Fangirlen wird? Das wird hartes Fangirlen.

Nun ja, jedenfalls wuchtete ich ihm also am Freitag den ersten von zwei riesigen Stapeln auf den Tisch und war totaly stunned. Da war auf einmal kein Bildschirm zwischen mir und ihm! Da saß er! Live! In natura! Zum Anfassen! Na gut, so peinlich war ich dann doch nicht, ihm um den Hals zu fallen oder so … Ich beließ es bei dümmlichem Strahlen über das ganze Gesicht. Was war ich froh, dass Brandon, was Signierstunden angeht, unheimlich routiniert war! Er war ausgesprochen flott beim Signieren, konnte dabei fröhlich vor sich hin quasseln und man konnte sogar Fotos mit ihm machen. Ratet mal, was bald gerahmt auf meinem Schreibtisch stehen wird. Richtig! Außerdem hatte er für jeden einige nette Worte übrig und brach so spielend das Eis. Wirklich, ich war von mir selbst erstaunt, dass er mein auch ohne Nervosität schlechtes Englisch verstehen konnte und wusste, was ich von ihm wollte. Und er mag meine Mütze. Ich werde sie nie wieder absetzen! Außerdem hat er sich bedankt, weil es wirklich nicht zu übersehen war, was für ein riesiger Fan ich von seinen Werken bin, und er meinte, dass es Leute wie ich seien, deretwegen er so gern macht, was er macht, und die es ihm überhaupt ermöglichen, das zu machen. Man kann sich natürlich streiten, ob das nur so daher gesagt war, aber es streichelt unbestreitbar das eigene Ego, wenn Senpai das zu einem sagt. Senpai noticed me!

Sorry not sorry an alle, die ich an diesen beiden Tagen getroffen habe und mein Fangirling ertragen mussten. Ich meine, hey! Ich hatte kein Metalkonzert, bei dem ich die ganze Energie rauslassen konnte! Nightwish waren nicht da, bei denen ich nicht minder aufgeregt gewesen war, als ich sie das erste Mal hatte live sehen können. Ich glaube, es kommt doch etwas sehr seltsam, wenn man auf einer Signierstunde anfängt zu headbangen …

Wirklich: Ich habe geweint vor Freude, als ich meine heiß geliebten Bücher an mich drücken konnte und alle durch seine Hände gegangen waren. Das war das zweite Mal in meinem Leben, dass ich vor Freude geweint habe. Das erste Mal war Weihnachten 2015, als ich ganz unverhofft Words of Radiance signiert geschenkt bekommen hatte und da mein Name und ein cooler Spruch drin standen. Ich erkenne ein Muster …

Nachdem sich mein Aufregungslevel wieder nennenswert Richtung normal bewegt hatte, stürmte ich gleich zum Schrille Theaterhaus, wo in drei Stunden der Piper Fantasy Abend losging, zu dem Brandon zusammen mit Michael Peinkofer und Robert Corvus eingeladen war. Ich wäre auch wegen Corvus dahin gegangen, aber Brandon war unzweifelhaft das Highlight. (Sorry an Peinkofer …) Zumindest war ich mit Abstand die erste bei der Schille. Der Hausmeister guckte mich groß an, als ich vor der Tür auf der Bank saß und wartete; ich wüsste zu gern, was er gedacht hat.

Ich musste jedoch nicht allzu lange allein warten, denn irgendwann kamen noch andere Gäste. Und wer so früh da ist, kann nur ein hardcore Fan sein. So war es dann auch und wir gründeten spontan einen Sanderson-Fanclub. Ich hab zwar keine Ahnung, wie die vier anderen hießen, aber wir hatten sehr viel Spaß zusammen.

Der Abend war großartig! Leider störten mich die Übersetzungsversuche des Moderators. Zugegeben: Für Leute, die nicht so gut in Englisch sind, waren die sicher Gold wert, aber in dem Saal saßen sicherlich überwiegend Fans von Brandon, die wahrscheinlich auch noch gut Englisch können. Nun ja, erträgt man es halt und grinst weiterhin blöd vor sich hin, dass da vorn Brandon sitzt. Und Robert Corvus nicht zu vergessen, der hatte auch ein paar spannende Dinge zu erzählen. Wie man im Weltall stirbt zum Beispiel.

Brandon hatte so viele tolle Dinge zu erzählen. Dass hauptsächlich eine Schauspielerin aus seinem im Deutschen erschienen Buch »Schatten über Elantel« (Shadows of Self) vorlas, war irgendwie nicht so cool und bei weitem nicht so cool, als hätte er selbst eine Passage aus Shadows of Self mitgebracht. Was er aber mitbrachte, war ein Auszug aus Oathbringer, und das hat mich noch einmal so extrem geflasht. Auf das Buch freue ich mich so unglaublich! Ein neues Buch von Brandon ist immer klasse, aber ein Stormlight-Buch die Kirsche auf der Kirsche auf der Sahne. Und da ich natürlich die ganze Zeit mit meiner Handykamera draufgehalten habe, ist das alles für die Ewigkeit festgehalten.

Samstag ging der Ozean voller Glückshormone weiter. Ich schleppte einen weiteren Stapel Bücher zu Messe und präsentierte ihn Brandon zum Signieren. Wieder einmal gab es Interviews, bei denen ich ihn fragen konnte, wie er Szeth ausspricht (eine Frage, die mich seit Jahren beschäftigt) und warum ausgerechnet die Librarians in Alcatraz böse sind (weil es, yolo, das lustigste war, und es passt einfach soooo gut zu den Büchern!). Außerdem fragte ich ihn, ob er wahlweise trotz seiner Religion (er ist Mormone) einen Pakt mit dem Teufel, trainierte Affen oder einen Zeitumkehrer hat, dass er so unfassbar viele unfassbar gute Bücher in unfassbar kurzer Zeit schreiben kann. Nein, er habe nichts davon (ich glaub dir nicht!), und er sei nur ein mittelmäßig schneller Schreiber (und wie sieht schnell aus? Doppelte Heitz-Geschwindigkeit?), aber er habe einfach lange Jahre des Übens hinter sich.

Ich glaube, die Hälfte aller Bilder, die ich auf dieser Messe gemacht habe, gingen an ihn und fast alle Videos sowieso; ich sollte öfters Lesungen filmen, warum kam ich die Jahre zuvor nicht auf diese Idee? Ich bin jetzt einfach nur noch glücklich, dass mir einer meiner Lebensträume erfüllt wurde ohne dass ich davor übertrieben viel Geld für einen Flug in die USA ausgeben musste.

v.l.n.r.: Kaladin (mit Sylph auf der linken Schulter), Shallan (mit Muster), Adolin, Renarin

 

Shallan

Nur ein toter Loveinterest ist ein guter Loveinterest

Fantasy Leseabend im Theaterhaus Schille mit Alana Falk, Markus Heitz, Kai Meyer und den Seraph Preisträgern Julia Lange und Katharina Seck.

 

Wer gut im Tetris spielen ist, kommt an diesem Abend weiter. Gewohnheitsgemäß ist der Andrang vor der Schille schon früh sehr groß, und wenn beliebte Autoren wie Markus Heitz und Kai Meyer kommen, dann ohnehin noch mehr. Wie üblich bedeutet das, dass die Schille übervoll ist und nicht alle Besucher aufnehmen kann. Nicht einmal dann, als die Leute an den unmöglichsten Plätzen platziert wurden: auf der Treppe der Bühne, neben der Bühne, gar hinter der Bühne (eine sehr unangenehme Erfahrung, wie ich von letztem Jahr noch weiß) und sogar im Nebenraum. Dort ist die Akustik miserabel (auch da spreche ich aus Erfahrung), doch irgendwie geht alles. Der Ärger bleibt dennoch: Es ist jedes Jahr dasselbe Theater, warum zum Henker verkauft man nicht limitierte Karten oder sucht sich schlicht eine größere Location?!

Nun ja, irgendwie arrangiert man sich doch damit und hat zumindest einen Vorsatz: Morgen zum Piper Fantasyabend mit Brandon Sanderson wesentlich früher da sein.

Der erste Programmpunkt ist Alana Falk, eine enigmatische junge Autorin, welche ihren neuen Roman »Sternensturm – Das Herz der Quelle« vorstellt und daraus liest. Das Cover sieht gruselig aus und schreit nach generischer YA Fantasy Romanze, aber man will dem ganzen dann doch eine Chance geben und die Autorin wirkt zudem routiniert und geübt bei Lesungen. Außerdem hat sie ein paar nette Sprüche auf Lager. Sie spricht an, dass viele gern wissen würden, wie es im Kopf eines Autors aussieht. »Wenn die Leute wüssten, wie es da aussieht, würden sie das nicht mehr fragen.« Sie verrät uns sogleich auch, warum sie das denkt. »Nur ein toter Loveinterest ist ein guter Loveinterest«, lautet ihr Motto. Grundsätzlich gehe ich damit konform, leider konnte mich das vorgestellte Buch dann doch nicht davon überzeugen, dass es gänzlich ohne Romanze auskommt. Eher im Gegenteil … Schade. Nun ja, immerhin hat die Magie eine erotische Komponente, verrät sie uns. Klingt prinzipiell interessant, würde der ganze Rest nicht immer noch »Generisch!« brüllen.

Die nächste Person wusste am Morgen noch nicht, dass sie an diesem Abend lesen wird: Julia Lange ist eine der Seraph-Preisträgerinnen 2017, ihr Roman »Irrlichtfeuer« gewann in der Kategorie Bestes Debüt. Julia Lange ist eine bildhübsche Frau, aber lesen kann sie ums Verrecken nicht. Ohne Mate in der Tasche wäre ich wohl entschlummert. Sie liest monoton, einschläfernd und man hat Mühe zu folgen. Worum es im angepriesenen Debüt ging, blieb leider nicht hängen. Der Roman mag gut oder schlecht sein, aber eine etwas enthusiastischere Vorstellung desselben hätte ihn sicher bedeutend schmackhafter gemacht. Zugegeben: Selbst alte Hasen sind mitunter nicht so hervorragende Autoren-Alleinunterhalter wie Markus Heitz, und Übung macht den Meister. Verbuchen wir es also unter »Erfahrung« für die nächsten Male.

Danach steht eine kurze Pause an, die dazu genutzt wird, YouTube anzuschmeißen. Denn die Nummer 3 des Abends ist Markus Heitz, der uns einen ganz besonderen Leckerbissen mitbringt: den Buchtrailer zu seinem neuesten Roman »Des Teufels Gebetbuch«.

Buchtrailer sind so eine Sache. Meist sind sie überflüssig, da sie ohnehin nichts Wissenswertes über das Buch aussagen. Der hier hingegen tut das sehr wohl, da er in seiner Natur als Musikvideo hervorragend die Stimmung des Buches einfängt und die Grundthematik des gefährlichen Kartenspiels darlegt. Können wir uns bitte darauf einigen, Buchtrailer in Zukunft nur noch so zu gestalten?

Die Vermutung liegt wohl nahe, dass Heitz der Höhepunkt des abendlichen Programms ist. Seine Lesung gestaltet sich als kleine Schwester des Vorabends in der LUDWIG Buchhandlung. Dieses Mal lauert die Tram zwar nicht überall, aber aus dramaturgischen Gründen muss Heitz dennoch an den spannendsten Stellen den vorgelesenen Abschnitt beenden.

Wer nach dieser Vorstellung an der Reihe ist, ist sich wahrscheinlich bewusst, dass er da nur sehr schwer wird mithalten können. Katharina Seck zog dieses schwere Los, ist sich dessen auch bewusst und lispelt dennoch aus ihrem Roman »Die silberne Königin« mutig drauf los. Ja, lispeln. Ich weiß nicht, ob die Seraph-Preisträgerin der Kategorie Bester Roman einen angeborenen Sprachfehler hat oder das Lispeln einen anderen Grund kennt. Aber vielleicht wäre das hier einer der Momente gewesen, in denen die Autorin sich besser nur auf eine Vorstellung des Romans beschränkt und das Lesen jemand anderen überlassen hätte. Es gibt manchmal Fälle, wo das wirklich angebracht ist. Da das Zuhören auf diese Weise massiv erschwert wird, wäre das eigentlich einer gewesen. Es wäre auch dem Buch wesentlich zuträglicher gewesen, da so sehr viel von dem Eindruck verloren geht. Wahrscheinlich hätte das Buch einen wesentlich positiveren Eindruck hinterlassen, am Ende bleibt jedoch vor allem das Lispeln.

Den wortwörtlich krönenden Abschluss bildet jedoch Kai Meyer mit seinem Space-Fantasy-Roman »Die Krone der Sterne«, womit der Abend dann doch mit einem positiven Erlebnis abschließen kann. Meyers Art ist ruhig und entspannt, was sich auch auf das Publikum überträgt. Die Stunde ist immerhin mittlerweile fortgeschritten, und so wird man von Meyer zunächst in die Weiten des Universums entführt und dann gelassen in die leipziger Nacht entlassen.

Der Autor erzählt neben den obligatorischen Dingen zu seinem Buch (es wird eine Trilogie) auch einige spannende Dinge zur Geschichte der Space Fantasy, womit er auch gleich herausstellt, wie sein Buch zu lesen ist: als Fantasy und nicht als Science Fiction; und ich bin ganz froh, dass er das gemacht hat, da ich so weiß, woran ich bei diesem Buch bin. Der eigentliche Kaufgrund für mich ist aber folgendes (und es war schon fast ein Zwang für mich): Meyer erzählt außerdem, dass es in den 70ern und 80ern bei Klett-Cotta üblich war, vor jedes Buch eine Art Vorspann mit Zeichnungen zu setzen, die auf das Buch einstimmen sollten. Meyer fand das (wie ich) ziemlich cool und wollte das auch für seine Bücher. In »Die Krone der Sterne« wurde es nun Realität. Als er so davon erzählt, muss ich an meine Tolkien-Sammlung denken, die mittlerweile zwei Erstausgaben umfasst: die deutsche und die amerikanische Ausgabe des Silmarillion. Die Deutsche erschien Ende der 70er bei Klett-Cotta und enthält genauso einen Vorspann. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass Meyers Buch hervorragend dazu passen würde …

Der Abend war insgesamt ein Auf und Ab. Falk hört man sehr gern zu, ihr Buch spricht mich jedoch vorn und hinten nicht an. Seck und Lange hinterlassen nicht die positivsten Eindrücke. Heitz ist wunderbare Unterhaltung, auch wenn ich von seinen Büchern immer noch Abstand nehme. Meyer ist der Einzige, der mich auch zum Kauf bewegte (was zugegeben vor allen an den wunderschönen Illustrationen lag).

So langsam löst sich das Tetris auf und die Leute strömen in die Nacht hinaus. Die Messe ist noch lang, es werden noch viele Lesungen folgen.

 

Die Veranstaltung: Fantasy Leseabend im Theaterhaus Schille, Moderation: Oliver Graute & Natalja Schmidt, Theaterhaus Schille, 23.3.2017, 19.30 Uhr

Die Bücher: Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle. Arena, Würzburg 2017, 386 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 13,99 Euro

Julia Lange: Irrlichtfeuer. Droemer-Knaur, München 2016, 528 Seiten, 9,99 Euro, E-Book 9,99 Euro

Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch. Knaur HC, München 2017, 672 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 14,99 Euro

Katharina Seck: Die silberne Königin. Bastei Lübbe, Köln 2016, 366 Seiten, 12,00 Euro, E-Book 9,49 Euro

Kai Meyer: Die Krone der Sterne. Fischer Tor, Frankfurt a.M. 2017, 464 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 12,99 Euro

Es gibt für alles ein erstes Mal. Zählt man die Kurzgeschichte nicht dazu, die ich vor Jahren mal in einer Anthologie gelesen habe, war »Schattenkaiser« von Christoph Hardebusch für mich ein erstes Mal. Im Nachhinein betrachtet wäre es vielleicht doch besser gewesen, als erste Lektüre des Autoren zu den »Sturmwelten« zu greifen.

Das Imperium der Menschen, das sich um die Metropole Anthanopolis gebildet hat, bildet seit vielen Jahren eine unbezwingbare Macht. Doch lange Jahre des Erfolgs und der Übermacht haben das Reich schwach werden lassen. Der Kaiser ist paranoid und die Feinde regen sich. Als der Kaiser einen Fehler nach dem anderen begeht, wittern sie ihre Stunde. Sie regen sich in den Schatten und rütteln an den Grundfesten des Imperiums. Doch in den Schatten lauern weitaus größere Gefahren, die nun ebenfalls ihre Stunde gekommen sehen.

Am Ende blieb schlicht kein Eindruck. Das Buch hinterließ nichts, wo man noch Tage später sagen würde: »Das war es! Das fand ich besonders toll!« Es hinterließ nicht einmal etwas, von dem man später noch sagen würde, dass das ein Griff ins Klo war. Es … existiert schlicht vor sich hin.

Was man aber auf jeden Fall festhalten kann, dass sich das Buch sehr gut von der Hand liest. Fast schon zu gut. Die Seiten fliegen nur so davon, und das alles dümpelt an einem vorbei. Das Buch ist der Auftakt einer Dilogie, und ganz ehrlich: Ein Band hätte es auch getan. Es passiert hier schlicht nichts, und wenn doch, dann fließt es am Leser vorbei, ohne bei ihm zu verweilen.

Man kann ebenso festhalten, dass Hardebusch sich einen spannenden Hintergrund für seinen Roman aussuchte: Auch wenn er Fantasy schrieb, bilden die Grundlage der hier beschriebenen Kultur die römischen und griechischen Reiche. Auf jeden Fall sehr passend, das steht fest. Das gibt Hardebuschs Imperium das gewisse Etwas einer tatsächlich mächtigen, aber jetzt bröckelnden Militärmacht, besonders wenn man nebenher Filme wie »Gladiator« oder »Der Adler der Neunten Legion« im Kopf hat und sich die römische Kriegsmaschinerie vor Augen führt, die mich schon immer sehr beeindruckt hat. Als ich stellenweise den Hadrianswall vor Augen hatte, brachte das tatsächlich eine Menge Stimmung in den Roman hinein.

Dennoch: Einen nennenswert bleibenden Eindruck hinterlässt das Buch nicht beim Leser. Die Handlung fließt an einem vorbei, aber es bleibt kaum etwas davon hängen. Hinzu kommen besonders am Anfang die vielen POVs, die teils etwas verwirren und deren Differenzierungen mitunter im allgemeinen Dümpeln des Romans verloren gehen.

 

Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

 

Autor: Christoph Hardebusch

Titel: Schattenkaiser

Original: Schattenkaiser

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 416

Originalpreis: 14,95€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-70371-0

Erscheinungsjahr: 2016

Vor Jahren klang die »Kingmaker, Kingbreaker«-Reihe von Karen Miller verlockend. Da war es in aller Munde. Als es in einem Antiquariat stand, wanderten gleich Band 1 und 2 in meine Tasche. Trotz exzessiven Popcornkonsums während des Lesens kam ich jedoch nicht über die ersten 350 Seiten des ersten Bandes hinaus, ehe ich die Lektüre abbrach. Ursache: Gähnende Langeweile.

Asher ist ein ach so gewöhnlicher Junge vom Land, der, darauf kam ja auch noch niemand, sein Glück in der großen Stadt versuchen will. Dort rennt er dem Prinzen über den Weg, wird sofort dicke mit ihm und steigt in rasender Geschwindigkeit vom stinkenden Kerl vom Land zum Berater des Prinzen auf. Aber das kommt ja alles nicht von ungefähr, denn es war eine Prophezeiung oder besser Prophezeiung™, die Asher in die Stadt geführt hat. Denn er ist der Innocent Mage – was auch immer das heißen mag.

In der Schule lernt man noch, dass man immer mit dem Positiven anfangen soll. Das ist hier leider nicht viel. Das Buch hat wirklich einige spannende Ansätze, leider wird daraus selten etwas gemacht. Die meiste Zeit gibt es großes Gewese und der Leser wird im Unklaren gelassen. Aber halt, ich wollte mit dem Positiven anfangen. Also: Die Szene, in der Asher das erste Mal einer Hinrichtung beiwohnt, hat sehr imponiert. Die Reaktion eines Menschen auf den gewaltsamen und recht sinnlosen Tod eines jungen Menschen (ein Junge von 16 Jahren wurde wegen illegaler Nachahmung von Magie, obwohl er selbst unmagisch ist, hingerichtet, weil es das Gesetz des Gottes (?) so verlangt) wird sehr ausführlich, bildhaft und nachvollziehbar beschrieben. Ich wage zu behaupten, dass die wenigsten bereits in einer ähnlichen Situation mit ähnlichen Emotionen waren, aber so, wie es Miller beschreibt, wirkt es sehr glaubhaft.

Aber zurück zum großen Gewese. Wie bereits erwähnt, werden viele Andeutungen gemacht. Da ist eine Prophezeiung™, die Asher betrifft, der sie alle retten soll, weil unser Protagonist sonst keine anderen Motive als die Erfüllung der Prophezeiung™ kennt, um sie alle zu retten. Jenseits der magischen Barriere sollen große Gefahren lauern. Der König macht irgendwas mit dem Wetter, ohne das sie alle krepieren würden. Überhaupt würden sie alle krepieren, wenn dies und jenes nicht wäre, aber das könnte alles viel cooler sein, wenn der Leser nicht eiskalt außen vor gelassen wird. Ich weiß nichts! Nach 350 Seiten! Ein bisschen mehr als »nichts« wäre da schon wünschenswert. Zumal das einige anscheinend grundlegende Dinge betrifft, Dinge, die der allgemein bekannte status quo in dieser Welt sind. Es reizt ja schon, mehr darüber zu erfahren, aber nicht, wenn ich die Aussicht habe, erst nach 700 Seiten Palaver endlich mal etwas mehr über die Welt zu lernen, das als »spannend« und »cool« deklariert werden kann.

Das betrifft übrigens nicht nur das Worldbuilding, sondern auch die Charaktere. Viele der Charaktere werden nur ungenügend oder gar nicht eingeführt. Nicht wenige sind auch nach 350 Seiten nur Namen ohne Gesicht. Pappaufsteller also, scheinbar überflüssige Deko. Und ausgerechnet Asher, der über den Status der Pappe hinweg ausgearbeitet wurde, hat einige Fehlerchen. Er wird von Anfang an als bauernschlau dargestellt. Er denkt nach, hinterfragt die Dinge und ist nicht doof. Aber dennoch nimmt er es sehr leicht hin, dass Prinz Gar von Anfang an so angetan ist. Kommt ihm das wirklich nur ein ganz klein bisschen spanisch vor? Ich meine, ein Prinz befreundet sich mit einem Fischerjungen vom Land und befördert ihn nur wenige Wochen nach Kennlernen in den Rang seines Beraters. Gut, kann man machen. Mit den entsprechenden Rahmenbedingungen und der entsprechenden Reaktion Ashers darauf. Letzteres ist nicht wirklich gegeben, und die Rahmenbedingungen sind auch so eine Sache.

Es wirkt zunächst, als sei Prinz Gar mit in die Sache mit Prophezeiung™ verwickelt. Im Hintergrund gibt es eine Gruppierung, die an der Verwirklichung von Prophezeiung™ arbeitet und Asher Gar in die Hände spielt oder zu spielen scheint. Das wäre eine passende Rahmenbedingung, allerdings wirkt es absolut nicht glaubhaft, dass Asher seine plötzliche Beförderung nur sehr oberflächlich hinterfragt und es dann recht schnell hinnimmt. »Ja, er ist halt mein Freund, weil Prinzen das so machen.« Oder so … Nach dem 350 Seiten bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher, ob Prinz Gar von Prophezeiung™ weiß; wo er da nun steht, wurde mir leider nicht klar. Wenn er also nicht davon weiß und Asher aus reinster Nächstenliebe zu sich rief, macht das eigentlich noch weniger Sinn als der out of Character handelnde Asher.

Hinzu kommt zu dem ganzen, dass die Autorin anscheinend sehr gerne Dinge nachträgt. »Ach ja, in dem einen Jahr, das wir mehr oder weniger grob zusammengefasst haben, war ja noch was. Asher hat sich da spontan in das eine Mädchen verliebt.« Das ist jetzt nicht so, wie so etwas normalerweise funktionieren sollte. Normalerweise wäre es schön, wenn der Leser Anteil daran nehmen darf, wie Asher jetzt nach und nach seine erste Liebe entwickelt. Das hinterher serviert zu bekommen, ist, als würde man die ganzen leckeren Gewürze beim Essen weglassen, weil die Grundzutaten auch reichen. Nun ja, nein. Das schmeckt dann mitunter sehr fad …

Und zum Schluss kommen noch flache Dialoge oben drauf. Person A denkt über Person B, dass Person B einige Dinge erfahren sollte, die Person B noch nicht weiß. Person B kommt hinzu und fragt Person A, ob sie ihm etwas sagen will. Person B tut ganz unschuldig und beteuert, dass da nichts sei. Solche Dialoge lassen einen nur genervt aufseufzen, da sie extrem hölzern, gestellt und erzwungen wirken. Dass Person B mit sich ringt, etwas vor Person A verheimlichen zu müssen, kann man wesentlich eleganter ausdrücken. Das grenzt schon fast an die Spiegelszenen (mit denen wir hier verschont wurden, so schlecht ist das Buch dann doch nicht).

Es bleibt am Ende der Eindruck, dass das Buch viel besser hätte sein können, würde sich die Autorin sich nicht ewig in Andeutungen und Geschwurbel verlieren und den Leser wieder und wieder hinhalten. Das war fast, als würde man einem Hund das Leckerli unter die Nase halten und es dann wegziehen, als er danach schnappen will. Das ist nicht schön und macht keinen Spaß. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass im späteren Verlauf der Duologie noch wirklich tolle Sachen raus kommen, aber das rechtfertigt nicht den gähnend langweiligen Beginn der Reihe.

 

Autor: Karen Miller

Titel: Kingmaker, Kingbreaker: The Innocent Mage

Original: Kingmaker, Kingbreaker: The Innocent Mage

Sprache: Englisch

Reihe: Band 1

Seiten: 642

Originalpreis: 7,99$

Verlag: Orbit

Genre: Fantasy

ISBN: 978-0-316-06780-5

Erscheinungsjahr: 2007

Quelle: Amazon

Auch unter den Selfpublishern gibt es freilich viele Leseproben. Eine davon stammt aus Stefan Fischers Roman »Tarabas, der Zauberschüler«.

Veganer-Zombies, tollwütige Elfen, Drachen, die Wasser speien, - 'Andersartige' werden nach Abandonien verbannt.

Als die Siamesische Zwillingswespe das Gerücht verbreitet, dass sich die Abandonier gekreuzt und rachsüchtige Bestien hervorgebracht haben, rufen die Oberen zu einem Feldzug auf.

Tarabas sieht seine Chance gekommen, als größter Zauberkrieger in die Geschichte einzugehen und schließt sich dem Heer an, das die Abandonier vernichten soll. Doch durch einen unverzeihlichen Fehler muss er fliehen.

Sein Weg führt ihn ausgerechnet nach Abandonien ...

[Quelle: Klappentext, Amazon]

Meine Reaktion auf diese Leseprobe lässt sich recht akkurat beschreiben: Hä? Was zum Henker habe ich hier gerade gelesen? Ich scheine ohnehin meine Probleme mit abgedrehtem Humor in Büchern zu haben, wie ich in den letzten Wochen feststellte, aber dennoch will man ja offen für Neues sein.

Das erste, was an dieser Leseprobe auffällt, ist der Schreibstil: Parataxe, wohin man schaut. Die Sätze sind größtenteils gleich und zudem auch sehr einfach aufgebaut. Auf Dauer ist das sehr ermüdend. Unter anderem dadurch fiel es mir auch schwer, der Handlung zu folgen.

Selbige ist bestenfalls als wirr zu beschreiben. Wirklich viel ist davon schon Minuten nach Beenden der Leseprobe nicht hängen geblieben. Was da eigentlich vor sich geht, lässt sich mitunter nur erahnen, zumal der Autor auch sehr plötzliche Sprünge zu machen scheint, die für zusätzliche Verwirrung sorgen.

Gelegentlich schleichen sich auch recht eigenwillige Formulierungen ein. Da dreht man sich zum Beispiel ab statt um und Drachen schmelzen ins Dunkel, statt darin zu verschmelzen.

Inhaltlich fehlen mitunter Erklärungen für einige der neuen Begriffe, die der Autor einführt. Anscheinend führt er verschiedene neue Rassen ein, aber über ihre Namen hinaus erhalten sie kaum Attribute. Außerdem ist mir immer noch nicht klar, was die im Klappentext erwähnten Abandonier sein sollen.

Ich denke, ich kann getrost sagen, dass ich dieses Buch nicht lesen möchte. Es ist mir zu wirr in einfach allen Aspekten. Handlung sowie Stil bilden eher eine Aneinanderreihung von Dingen, die nur schwer irgendeinen Sinn erahnen lassen.

 

Die von mir gelesene Leseprobe umfasst die ersten drei Kapitel und lässt sich auf Wattpad einsehen.

 

Autor: Stefan Fischer

Titel: Tarabas, der Zauberschüler

Original: Tarabas, der Zauberschüler

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 254

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Selfpublishing

Genre: Fantasy

ASIN: B017E3ZRQ2

Erscheinungsjahr: 2015

Beim Schmökern stieß ich neulich auf »Mytheria – Magische Welten« von Lena Weinert. Das Buch erscheint im April bim AAVAA-Verlag. Erzählt wird die Geschichte eines ach so normalen Mädchens, das ganz plötzlich magische Kräfte entwickelt. Nun ja, man kann ja dennoch einmal einen Blick hinein werfen.

Ruby war schon immer anders und doch merkt sie nichts von dem alltäglichen Krieg der Mächte um sie herum. Zwei Männer kämpfen um ihre Liebe. Gut und Böse sind auf der Suche nach ihr um alles ein für alle Mal zu beenden. Sie verbirgt die Lösung für den Sieg oder den Untergang. Nichts ist so wie es scheint, denn die Bösen sind nicht alle schlecht. Alles hängt von einer Person ab, die nicht weiß: Was ist richtig und was falsch? Wird sie sich mit Hilfe ihrer besten Freundinnen Josie und Saphira für die richtige Seite entscheiden und das Leben ihrer über allem geliebten Menschen retten?

[Quelle: Klappentext]

Rhetorische Fragen! Irgendwie scheinen die bei den meisten Leseproben, die ich bisher ausgebuddelt habe, sehr im Trend zu sein. Finde ich irgendwie nicht so cool. Rhetorische Fragen sind meist doch eh nur Platzhalter, die fancy wirken sollen, aber am Ende nur leere, nichtsnutzige Worthülsen sind, die entweder keinen Gehalt haben oder sich selbst beantworten. Ich meine, natürlich wird sich unsere supertolle Ruby für die gute Seite entscheiden und allen den Allerwertesten retten! Irgendwie erübrigt sich damit die Lektüre des ganzen restlichen Textes.

»Aber davon solltet ihr euch wohl selbst überzeugen«, sagt mir die Protagonistin, während ich mit denke: »Nein, soll ich nicht. Du sollst es mir präsentieren. Das ist dein Job als Erzähler, und ganz ehrlich: Du machst keinen guten Job.«

Die Leseprobe umfasst etwa fünfunddreißig Seiten, das heißt Prolog und Teile des ersten Kapitels. Erzählt wird der Text aus der Sicht zweier Ich-Erzähler, Ruby und Adrian. Damit der Leser für vollkommen verblödet erklärt wird, wird der POV freilich darüber geschrieben.  Mich Ich-Erzählern stehe ich allgemein auf dem Kriegsfuß, was daran liegen mag, dass ich schon zu viele schlecht gemachte gelesen habe. Diese Perspektive kann gut sein, keine Frage, aber irgendwie scheint es mir, dass sie dafür prädestiniert ist, nach hinten los zu gehen. Das ist leider auch hier der Fall.

Zu Beginn des ersten Kapitels stellt sich Ruby lang und breit vor. Sie ist ein ach so »normales«™  Mädchen, das in eine ach so »normale«™ Schule geht und dann ganz durch Zufall magische Kräfte entwickelt. Dieser Plot ist so ausgelutscht, dass ich hier wirklich bezweifle, wie man das überhaupt noch gut umsetzen kann.

Das schlimmste daran ist jedoch, dass dieses Buch sich ernst nimmt und sich nicht als Kinderbuch versteht, wo man gewisse Übertreibungen vielleicht noch verzeihen könnte. Denn trotz dieses Umstandes finden sich im ersten Kapitel direkte Anreden des Lesers. Das ist maximal in Kinderbüchern zulässig. In jedem anderen Buch haben solche Sätze meiner Meinung nach nichts zu suchen: »Ihr denkt euch wohl: Paläste? Im 21. Jahrhundert?

Dazu kann ich euch nur sagen, dass es schon immer Dinge gab, die eigenartig für die Welt der normalen Menschen waren. Ja sogar erschreckend!«

Es wirkt kindisch und unprofessionell. Nein, einfach nein. Die Stilblüten hören damit allerdings auch nicht auf. Im letzten Teil der Leseprobe nehmen sie zusammen mit den Rechtschreibfehlern noch einmal zu. Da finden wir einen gesunkenen Kopf statt eines gesenkten sowie jedes Widerwort statt jeder Widerrede, die nicht geduldet wird. Man sollte vielleicht nicht unbedingt am Lektorat und Korrektorat sparen …

Stilistisch kann der Text nicht glänzen. Die Erzählung wird nüchtern und völlig emotionslos und unästhetisch heruntergerattert. Es passiert A, dann passiert B und dann C. Dialoge finden sich kaum, alles wird im Zeitraffer abgefrühstückt. Hinzu kommt, dass umgangssprachliche Ausdrücke in der Erzählung vorkommen, die da nicht hingehören (bei »pummelig« schwindet das Schwa nur in der mündlichen Sprache, nicht in der schriftlichen). Das erste Kapitel beginnt mit einer Aufzählung™ der Dinge, die Rubys Leben ausmachen, dazu gehört der Umstand, dass sie die Namen ihrer Geschwister, Veronica und Andrew, seltsamer findet als ihren eigenen und den ihrer besten Freundin Saphira. Herrgott, wer benennt sein Kind nach Eragons Drachen?! Solche ach so tollen fancy Namen lassen bei mir ja immer die Alarmglocken läuten, dass hier eine Sue hereingepoltert kommt.

Dass auch noch die Zahlen nicht ausgeschrieben werden und Binde- statt Gedankenstriche gesetzt werden, erscheint hier irgendwie noch das geringste Problem. Der Leser hat absolut keine Bindung zu den Personen, ihr Schicksal ist mir völlig gleichgültig. Der Prolog zielt auf das genaue Gegenteil ab, scheitert aber auf ganzer Linie. Es passieren irgendwelche Dinge, der Leser wird mit leeren Worthülsen bombardiert und hat keine Ahnung von nichts. Ich kann nicht mit den Protagonisten mitfühlen, wenn ich nicht weiß, was hier vor sich geht. Ein Prolog soll neugierig machen, er soll in die Handlung einstimmen und einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was kommt. Da hier absolut nichts klar wird und der Prolog eigentlich nur aus einer Aneinanderreihung leerer Worte besteht, kann er genauso gut weg. Ein Prolog um des Prologs Willen, weil das gerade ach so trendy in der Fantasy ist (ein scheußlicher Trend), ist nutzlos und ebenso sinnlos.

Wobei man eines dann doch zumindest über Adrian sagen kann: Er ist ein ekelhafter, arroganter Fatzke, dessen Lebenssinn darin zu bestehen scheint, sämtliche Frauen in seinem Umfeld in Paarungsbereitschaft zu versetzen, damit er sich geil fühlen kann. Und dann behauptet er noch, er sei ja auch so bescheiden, während mir die Galle hochkommt, weil das ein absolut ekliger Typ ist. Wir erinnern uns: Die Leseprobe beinhaltet das erste Kapitel. Selbiges soll die Charaktere vorstellen. Während Ruby sich als nervige Teenagergöre präsentiert, ist er ein notgeiles Arschloch. Nein, danke.

Eine Leseprobe soll mir die Frage beantworten: Warum soll ich dieses Buch nun unbedingt lesen? Nun, warum sollte ich dieses Buch hier lesen? Schon allein die Leseprobe wirkt absolut generisch und ist schlecht geschrieben. Die Charaktere sind nichtssagend und austauschbar und schlussendlich gibt es hier nichts, das mich reizen würde, daran auch nur noch einen zweiten Gedanken zu verschwenden.

 

Die von mir gelesene Leseprobe kann man auf der Verlagsseite einsehen.

 

Autor: Lena Weinert

Titel: Mytheria – Magische Welten

Original: Mytheria – Magische Welten

Sprache: Deutsch

Reihe: ?

Seiten: 252

Originalpreis: 6,99€

Verlag: AAVAA Verlag

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-8459-2150-1

Erscheinungsjahr: 2017

Hack and Slash oder auch Sword and Sorcery (so ganz sicher bin ich mir bei der Genreeinteilung in diesem Fall ehrlich gesagt nicht) ist in Reinform in der Literatur nicht so mein Fall, jedenfalls dann nicht, wenn es allein und ohne andere Elemente auftritt. Dennoch war ich gewillt, mich auf »Der Monsterjäger und die Prinzessin der Dämmerung« von Michael Karner einzulassen. Der Klappentext klang ganz interessant, und irgendwie war ich dann doch in der Stimmung dafür.

Praya ist die Prinzessin des Juwels der Wüste, doch etwas ist besonders an ihr. Um ihre ewige Jugend zu bewahren, wurde sie in einen Tiefschlaf versetzt.

Als der junge, ehrgeizige Monsterjäger Ducarte und ein friedfertiger Kung-Fu-Mönch mit dubioser Vergangenheit zu ihrer Rettung auftauchen, verfolgt jeder seine eigenen geheimen Pläne. Doch jemand will der Prinzessin das Leben rauben.

Das ungleiche Trio muss sich zusammenschließen, um eine Flucht über drei Kontinente anzutreten. Von der sengenden Wüste, zu frostbefallenen Wäldern, gelangen sie auf die Spur ihrer Verfolger. Doch je mehr sie die Verschwörung aufdecken, desto eher gerät ihre Heimat in Gefahr.

Als ein vermeintlicher Verbündeter die Helden unerwartet in die Arme des übermächtigen Feindes treibt, ist der einzige Ausweg, sich ihm zu stellen. Denn Praya erinnert sich langsam an ihre magischen Kräfte.

Ihre Familie hielt sie noch aus einem anderen Grund gefangen…

Epic-Fantasy-Abenteuer - Eine geballte Ladung aus Schwert & Magie, Schießpulver & Kung-Fu.

[Quelle: Klappentext]

Die Erwartungen waren ehrlich gesagt nicht hoch und beliefen sich tatsächlich schon eher in Richtung unterhaltsamen Trashs. So wirklich unterhalten fühlt man sich nach der Lektüre jedoch nicht. Die Rezension entsteht in einigen Tagen Abstand, und ohne meine Notizen wäre von der Lektüre kaum etwas hängen geblieben.

Als Leser hat man die ganze Zeit das Gefühl, etwas abseits zu stehen; die Erzählung nimmt einen wortwörtlich nicht mit. Die Handlung schreitet voran, der Leser hetzt hinterher und hat das Gefühl die Hälfte zu verpassen, und von der anderen Hälfte wird ihn scheinbar auch nicht alles erzählt, um auch als Außenstehender ein gutes Bild der Welt zu bekommen.

Dieses Bild beschreibt das Lesegefühl des Romans mit dem furchtbar sperrigen Titel recht gut. Man hat tatsächlich immer wieder das Gefühl, dass Dinge übersprungen werden, denn plötzlich befindet man sich an einem völlig anderen Ort und hat irgendwie nicht mitbekommen, warum die Handlung jetzt plötzlich dahin springt.

Auch die Gefahr, die vom Gegenspieler ausgeht, wird dem Leser nicht wirklich greifbar gemacht. Jetzt den Herrn der Ringe als Gegenbeispiel anzuführen, ist zugegebenermaßen ein Luxusvergleich, macht es aber recht deutlich. Wer Tolkien kennt und an Sauron und Mordor denkt, hat ein regelrecht greifbares Gefühl von Angst und Bedrohung. Da weiß man, warum Frodo und Sam das machen, und begreift auch die unglaubliche Gefahr, durch die sie gehen, und die ebenso unglaubliche Leistung, die sie erbringen. In »Der Monsterjäger und die Prinzessin der Dämmerung« ist nichts davon spürbar. Es wird zwar gesagt, dass der Antagonist ganz böse und gefährlich ist, das Gefühl dessen wird dem Leser aber in keiner Weise vermittelt.

Für mein Studium musste ich neulich einen Text von Jost Schneider lesen, in welchem er ein schönes Model entwickelte zur Bestimmung der Literarizität eines Textes, in welchem er aber auch behauptete, Trivialliteratur besäße keine Poetizität und sei damit nicht der Kern der Litertur, nicht die Crème de la Crème. Diese Aussage kann zu Recht angefochten werden, mit Blick auf diesen Roman hier glaube ich das Herrn Schneider jedoch sogar ausnahmsweise. Dieser Text hat keinen Stil. Hier einmal ein Auszug aus Seite 19:

»[…] Die Tempel und Oasen, die es im weiten Meer aus Sand zu finden galt, bargen noch immer alte Schätze, Gold, Waffen und Rüstungen. Wer nicht am Handel des Öls aus der Erde Teil hatte, musste dieses weitaus gefährlichere Laster auf sich nehmen. Sein Anzug war eng an seine bis auf einen runden Bauch dürre Gestalt geschmiegt und umschloss ihn wie eine zweite Haut von Kopf bis Fuß. Wie eine Schlangenhaut glänzte das Leder im Sonnenlicht. Ich betrachtete Schläuche aus Tiermägen, die an verschiedenen Stellen aus dem Anzug traten und an anderen Stellen, (sic) wieder hinein verliefen. Manche schienen für das Trinken von Wasser vorgesehen zu sein. Er reichte uns die Hand und lächelte, meine Neugierde ertappend. Sein Name war Halek.«

Dieser Auszug macht noch etwas anderes deutlich: Fehler. Es sind nie gravierende Fehler in Rechtschreibung und Grammatik, treten jedoch immer wieder auf. Kommas, wo keine hingehören, fehlende e’s und dergleichen mehr. Außerdem ist das Buch streckenweise wirklich nicht schön formatiert, und ich denke nicht, dass es in jedem Fall an meiner Readerapp liegt (ich besitze keinen Reader, sondern lese EBooks in Apps auf meinem Handy), denn die kann andere Texte sehr wohl sehr schön formatiert wiedergeben. Die Fehler waren bis auf die teils unschöne Formatierung nie allzu störend, die ins Auge fallende Menge macht das jedoch wieder wett.

Schließlich und schlussendlich die Charaktere. Bisher konnte ich weder in die Welt hinein finden und mich an ihr erfreuen noch etwas dem Schreibstil abgewinnen. Mit den Charakteren sieht das leider genauso aus. Ducarte hieß für mich die meiste Zeit des Buches »ich«, da sein Name auffallend selten genannt wird und er sich so schlicht nicht einprägt. Hinzu kam, dass die Charaktere vor allem eines nicht hatten: Charakter. Sie erscheinen mehr als handelnde Dinge, statt als eigenständige Individuen, Dinge, die halt da sind, damit die Handlung irgendwie vorangehen kann. Sie waren für mich schlicht keine Personen.

Alles in allem waren es keine erfreulichen oder unterhaltsamen Lesestunden. Irgendwann fängt man an, einfach nur noch zu überblättern und die Seiten bis zum Ende zu zählen, weil die Langeweile überhand zu nehmen droht. Meine Güte, war ich froh, als ich die letzte Seite erreichte …

 

Nichtsdestotrotz danke ich dem Autor für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

Autor: Michael Karner

Titel: Der Monsterjäger und die Prinzessin der Dämmerung

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Nein

Reihe: Nein

Seiten: 207

Originalpreis: ? (folgt)

Verlag: Selfpublishung

Genre: Fantasy

ISBN: ? (folgt)

Erscheinungsjahr: 2017

 

 

Weitere Rezensionen

- Lizoyfanes

- Tanja’s Bücherpalast

Quelle und ©: Verlag

Erneut in das Programm des Drachenmond Verlages hineingeschnuppert. Die heutige Freitagsprobe beschäftigt sich mit »Ein Käfig aus Rache und Blut« von Laura Labas, dem ersten Teil der Reihe. Erzählt wird die Geschichte Alisons, deren Familie von Dämonen brutal ermordet wird und die daraufhin Rache an den Dämonen nehmen will.

»Mein Körper sehnte sich nach Tod und Verwüstung. Ich ließ ihn gewähren.«

Nach dem grausamen Mord an ihrer Familie wird Alison Talbot von ihrer Tante zur Jägerin ausgebildet. Von nun an streift sie durch die Rayons und tötet Dämonen, die die Erde erobert und zerstört haben. Allein der Wunsch nach Vergeltung treibt sie an.

Eines nachts wird sie von Dämonen entführt und zu Dorian Ascia gebracht, König einer der 21 Dämonenstädte, der ihr ein einzigartiges Training anbietet. Obwohl Alison ihm misstraut, nimmt sie das Angebot an. Fortan wird sie von dem Dämon Gareth trainiert, der sie nicht nur in den Wahnsinn treibt, sondern sie auch an ihrem Weltbild zweifeln lässt. Je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto schwerer fällt es ihr, sich zwischen Rache und längst verloren geglaubten Gefühlen zu entscheiden.

[Quelle: Klappentext]

Nachdem ich den Text las, fragte ich mich, wo die rhetorischen Fragen und das obligatorische »Aber lest selbst!« blieben, denn genau so liest sich der Text: wie eine schlechte Fanfiction. Da bemängelte ich in so vielen Leseproben, dass die Klappentexte voller scheußlicher rhetorischer Fragen waren, und dann fehlen sie einmal und es macht das ganze trotzdem nicht besser …

Der Hauptgrund, warum mir die Geschichte schon nach der Leseprobe gründlich verleidet worden ist, ist die Hauptprotagonistin. Das erste Kapitel fängt mit einem generischen Buchjunkie, unserer Protagonistin, an, der ziemlich aufgesetzt wirkt. Es drängt sich mir ehrlich gesagt dabei das Gefühl auf, als wolle die Autorin damit auf Biegen und Brechen ebenjene Lesergruppe besonders ansprechen, die von sich behauptet, genauso zu sein, womit das ganze einen sehr künstlichen, chemischen und nicht natürlichen Eindruck erweckt. Es bewirkt also genau das Gegenteil von dem, was es bewirken soll.

Das ist jedoch nicht einmal der Hauptgrund. Alison wirkt im ersten von zwei in der Leseprobe enthaltenen Kapiteln wie eine kindische, nervige Göre. Soweit ich weiß, ist sie zu dem Zeitpunkt zwar erst zwölf, das macht die Sache jedoch nicht angenehmer zu lesen. So heißt es da zum Beispiel:

»Mit Mom kam ich eigentlich gut zurecht, aber meine große Schwester Sarah war eine komplette Nervensäge. Nur weil sie jetzt achtzehn Jahre alt war, dachte sie, sie wäre total erwachsen und mir überlegen. Jedes Mal, wenn ich bei einem Gespräch mitreden wollte, schaute sie mich nur mit diesem mitleidigen Blick von oben herab an und sagte: »Aly, warum gehst du nicht mit deinen Puppen spielen.«

Ich hatte schon seit einem halben Jahr nicht mehr mit ihnen gespielt!«

Nun mag das zwar mitunter diese pupertäre Phase sehr gut treffen, nur sind Kinder in diesem Alter nun einmal fürchterlich anstrengend, und für Leute wie mich, die Kindern ohnehin nichts abgewinnen können, liest sich so etwas schlicht und ergreifend ausgesprochen ätzend. Dieses Gör nervt mich, sagen wir es klipp und klar, und das sind keine guten Voraussetzungen für den Hauptprotagonisten.

Das Dramalama kommt mit großen Sprüngen ankaloppiert, meuchelt Alisons Eltern aus fragwürdigen Gründen (wobei die Hoffnung besteht, dass die Motive der dämonischen Mörder im Buch noch geklärt werden) und das zweite Kapitel beginnt mit einem großen Zeitsprung. Alison ist jetzt eine junge Erwachsene und gefühlt ein völlig anderer Mensch. Sie hat sich unter der Anleitung ihrer Tante vom pummeligen Buchjunkie zum badass Kampfgirl (auch Gööörl genannt) gewandelt und führt nun für die Jagd auf Dämonen ein ganzes Waffenarsenal mit sich. Fehlt nur noch der obligatorische Panzer-BH. Ich zähle einmal ihre Ausrüstung auf, die sie hier mit sich führt:

  • mehrere Dolche
  • zwei Federmesser (eines aus Gold, eines aus Silber)
  • eine halbautomatische Schusswaffe ominöser Machart (das ist, als würde sie sagen, sie führe eine Klinge bei sich, ohne auf deren genaue Länge und Fabrikat einzugehen, denn ein Schwert ist schließlich dasselbe wie ein Küchenmesser)
  • diverse andere Wurfmesser
  • ein Waidblatt
  • eine Armbrust (die übrigens bei der ursprünglichen Listung nicht mit aufgeführt wird, dann aber plötzlich aus dem Nichts aufploppt; wahrscheinlich irgendwo am Wegesrand gelootet, da stand halt ne Truhe oder so …)

Es ist übertrieben. Ich korrigiere: ÜERTRIEBEN!!!

Wir haben also eine Protagonistin, die mir zu Anfang sehr unsympathisch ist und danach einen ausgesprochen krassen Wandel durchmacht, der mir zumindest in der Leseprobe nicht wirklich glaubhaft gemacht wurde. Des Weiteren haben wie Dramalama und ein völlig übertriebenes Inventar. Ich will von nichts anderem als Inventar reden, weil mich diese Liste an Waffen, die sie bei sich führt, wirklich an Computerspiele erinnert. Es macht, wenn man mal genauer darüber nachdenkt, auch im Witcher keinen Sinn, wenn sich Geralt dreißig Schwerter und zwanzig Rüstungssets in die Hosentasche steckt, dient da aber wenigstens der Spieldynamik, damit die Spieler halbwegs sinnvoll looten können. In einem Buch hat so etwas allerdings herzlich wenig zu suchen.

Ich lese diese Leseproben wirklich immer in der Intension, mich überraschen zu lassen und vielleicht wirklich etwas Gutes zu finden. Aber wenn ich so etwas lese, möchte ich den Rest vom Buch erst recht nicht mehr lesen, egal wie spannend der Klappentext klingt.

 

Die von mir gelesene Leseprobe bezog ich von Amazon.

 

Autor: Laura Labas

Titel: Ein Käfig aus Rache und Blut

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Nein

Reihe: Teil 1

Seiten: 320

Originalpreis: 12,90

Verlag: Drachenmond Verlag

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-95991-292-4

Erscheinungsjahr: 2016

 

Weitere Rezensionen

- Anna von Ink of Books (zum ganzen Buch)

Es müssen nicht immer riesige Epen und fulminante Reihen sein. Manchmal genügt auch bedeutend weniger. Mit »Vakuumsprung« legt J.H. Artschwager eine bezaubernde kleine Geschichte um einen Jungen vor, der seinen Vater in den Weiten des Weltalls sucht und in etwas weitaus Größeres stolpert.

Ered wird in dem Glauben gelassen, dass sein Vater gestorben sei. Doch plötzlich erreicht ihn und seine Mutter eine sonderbare Botschaft von seinem Vater Lave, der Ered zu entnehmen glaubt, dass es Lave gut geht und er auf seinen Sohn wartet. Gegen den Willen seiner Mutter begibt der Junge sich auf die Suche nach seinem Vater, nichts ahnend, dass das weitaus größere Dinge in Bewegung setzen wird.

Wirklich: Es bedarf nicht immer eines Monstrums von 800 und mehr Seiten. Es bedarf auch nicht immer mehrteiliger Reihen, um spannende Abenteuer zu erzählen, oder gar innovativer neuer Ideen. Manchmal genügen auch gute dreihundert Seiten und alt hergebrachtes. Ereds Abenteuer liest sich gut weg, mitunter auch einmal an einem Nachmittag. Hinzu kommt, dass auf den 300 Seiten, die der Roman umfasst, die Spannung nicht zu kurz kommt. Es gibt durchaus Stellen, an denen man das Buch nur ungern aus der Hand gibt, da man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.

Die Charaktere überzeugen weitestgehend, auch durch ihre Sprache, die dem etwas niederen Milieu angepasst ist, aus dem die meisten stammen. Der Autor schafft es, eine Brücke zwischen ihnen und dem Leser zu bauen, sodass man mit ihnen mitfühlt und mitunter auch mitleidet. Wobei gerade dieser Punkt mit einem Aber versehen werden muss. Denn zu wirklich 100% überzeugend erschien dann doch nicht alles.

An einigen wenigen Stellen fehlten ein wenig die Emotionen, sodass, soviel kann man vorausnehmen, zum Beispiel das Wiedersehen zwischen Ered und Lave irritierend unterkühlt wirkt. So authentisch auch die Sprache der Charaktere wirkt, an einigen Stellen wirkten ein paar Abkürzungen irritierend, auch wenn sie, wie ich vermute, gängige Abkürzungen in der Technik sind. Es wird wahrscheinlich nicht jeder Leser immer etwas damit anzufangen wissen.

Und schlussendlich die Liebesgeschichte. Solche stören mich persönlich eigentlich immer, wirkte in diesem Falle aber doch sehr gekünstelt und aufgesetzt. Ered ist kaum in der Pubertät und denkt bereits ernsthaft über das andere Geschlecht nach? Das wirkte wenig überzeugend. Hinzu kam, dass die ganze Beziehung von Vanja und Ered sehr konstruiert. Klar, jeder Roman ist ein Konstrukt, liest sich aber im besten Falle sehr natürlich. Das war in diesem Fall leider nicht so.

Trotzdem: Sieht man über die Liebesgeschichte, das größte Manko des Romans, und ein zwei andere Schönheitsfehler hinweg, ist »Vakuumsprung« durchaus ein Roman, der einen Blick wert ist.

 

Ich danke dem Autor für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

 

Autor: Jens-Hendrik Artschwager

Titel: Vakuumsprung

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Nein

Reihe: Nein

Seiten: 292

Originalpreis: 9,99€

Verlag: Selfpublishing (BoD)

Genre: Science-Fiction

ISBN: 978-37431-2704-3

Erscheinungsjahr: 2017

Was wäre, wenn die christlichen Werte auch im Weltall bei uns fremden Zivilisationen gelten würden? Und was würde passieren, wenn sie plötzlich nicht mehr gelten würden? Wären dann alle Zivilisationen bedroht? Diesen und vielen anderen Fragen stellt sich C.S. Lewis, der Schöpfer Narnias und einer der einflussreichsten christlichen Autoren der Phantastik, in seiner Perelandra-Trilogie.

Ganz plötzlich wird der Philologe und Professor Ransom entführt. Zunächst weiß er gar nicht, wie ihm geschieht, doch dann versteht er, dass er sich auf einem Raumschiff befindet und zu einem fremden Planeten verschleppt wird. Nachdem er seinen Entführern entkommen konnte, schließt er Bekanntschaft mit den Ureinwohnern des Mars. Schnell muss er aber erkennen, dass er zum Mittelpunkt eines kosmischen Konflikts zwischen Gut und Böse wird, der über das Schicksal vieler Welten entscheiden wird.

Mir fällt es sehr schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich habe es nach 547 Seiten abgebrochen, und viele der Gründe, warum ich das tat, haben nicht einmal etwas mit dem Buch an sich zu tun. Das Buch ist gut, daran besteht kein Zweifel, in vielerlei Hinsicht auch wegweisend und bedeutend. Aber es gab einfach ein paar außerliterarische Entwicklungen in meinem Umfeld in der Zeit, in der ich das Buch las und auf die ich nicht näher eingehen möchte, die mich dazu veranlassten, das Buch beiseite zu legen und vorerst doch bei Lewis‘ Kinderbibel zu bleiben.

Wer dieses Buch lesen möchte, sollte sich bewusst sein, dass es sehr bald sehr stark theologische Züge annehmen wird. Das ist keine Wertung, es ist einfach so. Da sowohl Lewis als auch sein Protagonist Philologen waren, spielt auch das vor allem zu Beginn eine große Rolle. Das hat mir persönlich sehr zugesagt und mir viel Freude beim Lesen bereitet, kann aber andere, weniger linguistisch interessierte Leser vielleicht ermüden, so wie mich die Theologie ermüdete.

Ja, mitunter fand ich es ziemlich anstrengend, seitenweise Diskurse über den biblischen Sündenfall der Menschheit zu lesen und warum es eben doch nicht gut war, dass Eva vom Apfel nahm. Ehrlich gesagt habe ich vieles davon auch überblättert.

Ziemlich spannend war jedoch der Twist am Ende des ersten Bandes. Auf Twitter wurde die Vermutung geäußert, dass es sich bei Ransom um eine Hommage an Tolkien handelt, was durchaus möglich wäre, da der Erzähler des Romans Lewis heißt. Außerdem deutet der Autor Lewis im Vorwort zum Dritten an, dass er darin einige Anlehnungen an die damals noch unveröffentlichten Schriften Tolkiens gemacht hatte, die sie sich bei den Inklings gegenseitig vortrugen.

Ehrlich gesagt bedauerte ich es sehr, dass vieles so kam, wie es kam, und ich vorläufig nicht erfahre, was es mit Numinor in der Perelandra-Trilogie auf sich hat, aber dieses Buch ist ohnehin eher aufgeschoben als final abgebrochen. Vielleicht, wenn einiges wieder besser läuft …

Fast schon niedlich zu lesen ist, wie sich Lewis den Weltraum und Reisen darin vorstellte. Natürlich aus seiner damaligen Sicht absolut nachzuvollziehen, vielleicht sogar sehr futuristisch. Für uns heutzutage wirkt das eher unbedarft, aber, wie ich finde, auch irgendwie niedlich und herzallerliebst.

Das Buch ist fast schon eher als theologischer Diskurs im Mantel der Phantastik anzusehen, denn insbesondere die ersten beiden Bände haben vergleichsweise wenig Handlung und dafür umso mehr Dialog. Darauf muss man sich einlassen. Tut man das aber (und hat mehr Glück als ich mit dem Umfeld, in dem man das Buch liest), wird man sicher eine Menge daraus mitnehmen können. Auch wenn ich es nicht beendet habe, empfehle ich das Buch weiter.

 

 

Autor: C.S. Lewis

Titel: Die Perelandra-Trilogie

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Hans Steinacker

Reihe: 1-3

Seiten: 992

Originalpreis: 16,95€

Verlag: Brendow

Genre: Science-Fiction

ISBN: 978-3-86506-346-5

Erscheinungsjahr: 2011

©Autorin, Quelle: Amazon

Die heutige Freitagsprobe widmet sich dem ersten Band der Rosenchroniken »Erwachen« von J.J. Blackwood. Sie entsteht auf Wunsch von Nenatie, deren Rezension zum ganzen Buch man hier lesen kann. Wünsche und Vorschläge für die Freitagsprobe sind immer gern gesehen.

»Hannah und ihr Freund Erik verbringen einen entspannten Urlaub im sagenumwobenen Schottland. Doch plötzlich scheinen Märchen und Sagen zur grausamen Realität zu werden und die frisch verlobte Hannah durchlebt ihre düstersten Alpträume. Nicht nur, dass ausgerechnet ihr Erik als heldenhafter Retter der mysteriösen Prinzessin von der Rosenklippe gefeiert wird, vor Hannah tun sich Abgründe auf, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Uralte Legenden scheinen wieder aufzuerstehen und das Böse ist näher, als die Menschen zu glauben scheinen. Wird es Hannah gelingen, gegen die dunklen Mächte der Jahrtausende anzukämpfen?

Der Auftakt der Rosenchroniken entführt den Leser in eine märchenhafte Vergangenheit- doch auf ein Happy End kann man lange warten. Düster und mitreißend erzählt Autorin J.J. Blackwood von Vampiren, wie wir sie noch nie erlebt haben, von einem rachsüchtigen Dornröschen und den tödlichen Nebelschwaden der Vergangenheit, von tollkühnen Königen und listigen Hexen.

Ein actiongeladenes Spektakel für jeden Fantasyleser!«

Das erste, was auffällt, sind Zeichenfehler insbesondere bei wörtlicher Rede. Da wird mal ein Punkt gesetzt, wo keiner hingehört, und beim nächsten Satz wird es plötzlich richtig gemacht. Und dergleichen mehr. Allein in der Leseprobe fallen mindestens eine Handvoll Fehler auf, was sich auf das ganze Buch gerechnet schmerzhaft summieren dürfte.

Das zweite, was auffällt, ist der lieblose Schreibstil. Es wird sich keinerlei Mühe gegeben, Atmosphäre aufzubauen, die Charaktere vorzustellen oder, Gott bewahre, sie dem Leser nahe zu bringen. In einer Leseprobe, die den Anfang des Textes umfasst, kann man schon erwarten, dass man einen ersten Eindruck von den Charakteren bekommt. Das war hier nicht der Fall. Die Ich-Erzählerin blieb »ich« (oder Panikweib, dazu komme ich gleich) und der Rest der auftretenden Personen hat ebenfalls kein Gesicht. In Anbetracht dessen, dass nicht einmal das Setting wirklich ordentlich beschrieben wird, um Atmosphäre aufzubauen, wage ich zu behaupten, dass sich das auch im restlichen Buch nicht bessern wird.

Die beiden Turteltauben, unsere wahrscheinliche Hauptprotagonistin und ihr Verlobter, haben ein Techtelmechtel am Strand, das, welch Jammer, kurz vorm Höhepunkt der Lust von einem zornigen Schrei unterbrochen wird. »Ich« und ihr Verlobter Erik (der immerhin im Gegensatz zu ihr einen Namen hat) gruseln sich aus dem Leser nicht ersichtlichen Gründen, denn der Situation gemäß läge es viel näher, dass da jemand die beiden erwischt hat und jetzt was von öffentlichen Ärgernisses plärrt. Das soll wohl nicht so sein, denn angeblich gruseln sie sich, kommt aber beim Leser absolut nicht an. Es wird ja keine Atmosphäre aufgebaut. Da ist das öffentliche Ärgernis, wenn man nur die reine, nackte Situation ohne jegliches Ambiente hat, doch wesentlich naheliegender.

Und wo wir schon von Lust sprachen: Es gibt nichts Schlimmeres als schlechte Sexmetaphern. Zugegeben ist »Zentrum meiner Lust« ein Exemplar der etwas harmloseren Gattung, aber Grundgütiger, nennt das Kind beim Namen, statt pubertär zu kichern und es albern zu umschreiben!

Und warum »ich« gedanklich von mir Panikweib getauft wurde? Erstens wegen der bereits beschriebenen Szene am Strand, bei der es keinen für den Leser ersichtlichen Grund gibt, sich zu gruseln. Zweitens schiebt die Protagonistin am nächsten Morgen Panik, weil Erik nicht aufzufinden ist. Dass er sie beim Frühstück vielleicht nur mit etwas aus dem (von mir gerade hinzugedachten) Nibbesladen nebenan überraschen will, daran denkt sie nicht im Traum. Stattdessen scheucht sie alle im Haus auf und macht Panik. Es gibt schlicht keinen Grund dafür, gleich aus allen Wolken zu fallen, nur weil der Partner gerade mal nicht da ist! Ist diese Frau so unselbstständig, dass sie ohne ihn nicht existieren kann?!

Spätestens ab diesem Punkt war mir die Protagonistin auch ausgesprochen unsympathisch, da nervig und anstrengend. Glücklicherweise endete die Leseprobe an dieser Stelle auch. Ob er wirklich nur Nibbes gekauft hat oder von irgendeinem Monster zerfleischt wurde, wird vielleicht im ganzen Buch geklärt, das ich allerdings nicht lesen werde.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

Autor: J.J. Blackwood

Titel: Die Rosenchroniken: Erwachen

Sprache: Deutsch

Reihe: 1

Seiten: 156

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Selbstverlag

Genre: Fantasy

ASIN: B00NICN540

Erscheinungsjahr: 2014

Jonathan Stroud kennen viele wahrscheinlich hauptsächlich von seiner Bartimäus-Reihe. Der britische Autor hat jedoch auch einiges mehr auf Lager, mitunter auch mit ernsterem Ton. Sein Roman »Drachenglut« ist so ein Fall.

Während auf dem Kirchhof eines verschlafenen Nests ein sonderbares Steinkreuz gefunden wird, schläft der Junge Michael irgendwo in den umliegenden Hügeln ein. In seinem Schlaf wird er von einer boshaften Macht heimgesucht, die von ihm Besitz ergreift. Er ahnt zunächst nichts von den teuflischen Absichten des tief unter den Hügeln begrabenen Drachen, der ihm etwas von seiner Macht lieh, und will auch seinen Bruder ins Vertrauen ziehen. Seine Schwester und der Pfarrer ahnen jedoch, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, und wollen ihn retten. Doch Michael wehrt sich mit allen ihm nun zur Verfügung stehenden Mitteln.

Nun, wenn man gerade nichts Besseres zur Hand hat, kann man durchaus zu diesem Roman greifen. Es als verschwendete Lebenszeit zu bezeichnen, würde dem wirklich nicht gerecht werden. Der allertollste Roman ist es dennoch nicht.

Es sollte natürlich klar sein, dass man hier keinen zweiten Bartimäus erwarten kann; »Drachenglut« schlägt eine völlig andere Richtung ein. Der Grundton ist bedeutend ernster, mitunter auch unheimlicher. Sollte es jedenfalls. Wirklich viel von der düsteren Spannung kommt beim Leser nicht an.

Das liegt vor allem an den Charakteren. Michael ist eher nervig, seine Schwester eigentlich nur am Weinen, und auch sein Bruder ist sehr schnell mit den Fäusten bei der Hand, sodass auch dieser eher unsympathisch erscheint. Auch der Rest der Charaktere bleibt eher blass oder direkt unzugänglich für den Leser.

Auch die Dialoge schwächeln. Mitunter wirken sie sehr steif und wenig dynamisch oder natürlich, was natürlich auch etwas von der Lesefreude nimmt. Was auch etwas davon nimmt, ist das offensichtlich schlampige Lektorat. Man findet im Buch immer wieder Rechtschreibfehler, manchmal fehlen sogar ganze Worte im Satz. Das darf nicht vorkommen!

Viel passiert im Roman nicht. Es ist zwar durchaus spannend, Pfarrer Tom dabei zu folgen, wie er die alten örtlichen Legenden erforscht und dabei der Bedeutung des Kreuzes auf die Schliche kommt. Aber im Großen und Ganzen sind es viele Worte und wenig Handlung, die irgendwie wirklich von Interesse gewesen wäre.

Alles in allem: Der Roman ist nicht direkt schlecht, seine Umsetzung ist lediglich nicht die Herausragendste. Sagen wir mal das Weiße vom Ei statt das Gelbe. Kann man machen, aber etwas fad und hätte intensiver im Geschmack sein können. Das Salz fehlt eben.

 

 

Autor: Jonathan Stroud

Titel: Drachenglut

Sprache: Deutsch

Original: Buried Fire

Übersetzung: Nina Schindler

Umschlagillustration: Inge Miehr

Reihe: Nein

Seiten: 316

Originalpreis: 15,90€

Verlag: Boje

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-414-82027-3

Erscheinungsjahr: 2007

»2001: Odyssee im Weltraum« von Arthur C. Clarke kann wohl als Klassiker der Science Fiction gelten, sowohl in der Literatur als auch unter den Filmen, denn auch der gleichnamige Film brachte es zu einigem Ruhm. Behandelt wird eine klassische First Contact Geschichte – jedoch mit nicht ganz alltäglichen Elementen.

Niemand weiß, dass vor drei Millionen Jahren, als unsere Vorfahren gerade erst von den Bäumen herabgestiegen waren, die Erde schon einmal Besuch von außerirdischem Leben erhalten hatte. Sie haben etwas ganz Entscheidendes hinterlassen: das Wissen, Werkzeug zu benutzen. Dann verschwanden sie wieder. Millionen Jahre später finden Forscher ein fremdartiges Konstrukt auf dem Mond und starten eine Raumexpedition zum Funkziel des Signals, das das Objekt aussendet. Eine Reise ins Ungewisse beginnt, bei der Gefahren von ganz unerwarteter Seite drohen.

Was man auf jeden Fall festhalten kann: Dieses Buch hat keine Charaktere. Die auftretenden Personen dienen nur als Handlungsträger und wirken fast schon wie ein notwendiges Übel, das halt da sein muss, damit die Handlung irgendwie vorankommt. Überzeugen können sie jedoch nicht.

Die Handlung selbst springt mitunter auch. So ist in einem Teil gerade noch vom Fund des seltsamen Objektes die Rede und im nächsten Teil des Romans fliegen sie plötzlich bereits durch die Sterne. Der Leser weiß im ersten Moment gar nicht, warum sie da lang fliegen und ist fast noch ahnungsloser als die beiden Besatzungsmitglieder, die das Schiff steuern – und selbst im Unklaren über das Ziel der Mission gelassen wurden. Das klärt sich zwar auf, ist zunächst aber verwirrend.

Abseits von diesen erzählerischen Schwächen ist der Roman aber sehr realistisch gehalten – insofern das bei Science Fiction eben geht. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass man viel von der Reise durch den leeren Raum mitbekommt – leider nicht so eindrucksvoll in Szene gesetzt wie beispielsweise im Film Interstellar, sodass sich das mitunter etwas zieht. Trotzdem: Es wird nicht jedem Leser gefallen, dass es auch einige technische Details gibt, gerade das mag ich jedoch an Science Fiction.

Nun passt aber leider das Ende so gar nicht zum vergleichsweise realitätsnahen Rest des Buches. Gerade auf den letzten Seiten wird es sehr abgedreht und ausgesprochen fiktiv. Das steht im krassen Gegensatz zum Rest und will einfach nicht so wirklich damit harmonieren.

Womit der Roman auf jeden Fall punkten kann, ist der grandiose erste Teil, in welchem den Menschenaffen das Werkzeug gebracht wird. Das ist ausgesprochen eindrucksvoll in Szene gesetzt, sodass man das Gefühl hat, unmittelbar dabei zu sein und selbst das erste Mal den revolutionären Gedanken zu haben, mit einer Knochenkeule auf Jagd zu gehen.

Das Buch hat seine Schwächen, bietet aber dennoch kurzweilige Unterhaltung. Gerade der Anfang ist großartig in Szene gesetzt, der Rest hängt stark von individuellen Geschmack hab. Wer Hard Science Fiction mag, wird am Hauptteil des Romans sicher die eine oder andere Freude finden.

 

Autor: Arthur C. Clarke

Titel: 2001: Odyssee im Weltraum

Sprache: Deutsch

Original: 2001: A Space Odyssey

Übersetzung: Egon Eis

Reihe: 1

Seiten: 204

Originalpreis: 9,90DM

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ISBN: 3-453-30137-4

Erscheinungsjahr: 1999

Quelle: Amazon

Ich bin auf »A Fairy Tale: Die Suche nach dem blauen Herz« von Anja Stephan aufmerksam geworden, da die Autorin es mir als Rezensionsexemplar anbot. Leider musste ich ablehnen, obwohl es mir als ähnlich zu Christoph Marzis Uralten Metropolen empfohlen wurde, da ich in der Zeit schlicht keine Kapazitäten für Rezensionsexemplare hatte. Zumindest in die Freitagsproben kann ich es aber aufnehmen. Here we go.

Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Als Scott McKenzie seiner Erzfeindin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Dabei hat sich der Halbelf aus einst hohem Hause in den letzten hundert Jahren mit einem gut gehenden Antiquariat eine ausgezeichnete Reputation aufgebaut. Aber nun zieht ihn die eigenwillige Gwendolyn von Cleve in ein Abenteuer in die Pariser Unterwelt hinein, das ihn völlig überfordert. Auf der Suche nach dem blauen Herzen muss er sich mit der Vergangenheit der beiden verfeindeten Familien auseinandersetzen und sich gegen einen unbekannten Feind behaupten. Dabei wird ihm bewusst, dass sich sein Leben für immer verändern wird - und das Fräulein von Cleve ist schuld daran.

[Quelle: Klappentext]

Die Ähnlichkeiten zu Marzis Uralten Metropolen sind schon in der Leseprobe wirklich nicht zu übersehen. Wir haben eine Großstadt als Setting und alte elfische Häuser, die verborgen vor den Menschen ihre Machtspielchen treiben. Auch Halbelfen spielen bei Marzi eine große Rolle, die entscheidende, um genau zu sein, und stehen wie bei »A Fairy Tale« im Zentrum der Erzählung.

Urban Fantasy ist definitiv nicht mein Lieblingsgenre. Dass ausgerechnet einer meiner Lieblingsautoren das schreibt, ist eine große, große Ausnahme. Dann noch augenscheinliche Ähnlichkeiten … Ein wenig machen sich Bauschmerzen breit, die sich aber nur bestätigen lassen würden, würde man das ganze Buch lesen, denke ich. Es kommt eben darauf an, wie das alles im gesamten Werk nun genau umgesetzt wird, sodass an dieser Stelle kein wirklich aussagekräftiges Urteil möglich ist.

Was man aber auf jeden Fall festhalten kann, dass sich schon die Leseproben eher huschhusch liest. Will heißen, dass schon das erste Kapitel enorm viel Handlung und Informationen bereithält, was meiner Meinung nach für ein einführendes erstes Kapitel viel zu viel auf zu engem Raum war. Ich hatte mich nicht wirklich in die Welt einfühlen können und einen Draht zu den Protagonisten bekam ich schon gar nicht. Gleich von Anfang an wachsen sich die Konflikte zwischen Scott und Gwendolyn aus, ohne dass ich als Leser irgendwie einen Zugang dazu erhielt. Damit hatte ich auch keine Chance, mich irgendwie für die Probleme der Charaktere zu interessieren.

So werden zum Beispiel die wie zufällig wirkenden Begegnungen zwischen Scott und Gwendolyn, insgesamt vier an der Zahl, über nur wenige Seiten hinweg ausgebreitet. Sie wirken damit eher wie Aufzählungen als wie eine wirkliche Erzählung der Ereignisse.

Die Leseprobe bricht etwas unschön kurz nach Beginn des zweiten Kapitels ab. Vielleicht technisch bedingt, wer weiß. Im ersten Kapitel lassen sich jedoch auch drei Zitate finden, die mit Fußnoten vermerkt sind. Das lässt sich vielleicht in der Kindle App nicht anders lösen, aber ich fand die Fußnoten mit nicht hochgestellten Zahlen im Fließtext und den dazu gehörigen Anmerkungen am Ende des Kapitels nicht schön.

Die Leseprobe wirkt, als könne das ganze Buch durchaus etwas sein. Oder auch nicht, es ist fast wie eine Wundertüte. So wirklich sicher, was man nun tatsächlich bekommen wird, ist man auch nach der Leseprobe nicht. Könnte sich noch wirklich zu einem spannenden Buch entwickeln, könnte aber auch bei einem schwachen Echo der Uralten Metropolen bleiben.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet man auf Amazon.

 

 

Autor: Anja Stephan

Titel: A Fairy Tale – Die Suche nach dem Blauen Herz

Sprache: Deutsch

Reihe: ?

Seiten: 698

Originalpreis: 0,99€

Verlag: BookRix

Genre: Fantasy

ASIN: B06Y1WCNY5

Erscheinungsjahr: 2017

Bei manchen Büchern denkt man sich: »Hm, klingt eigentlich interessant.« Und dann verliert man sie, Schande über Schande, aus den Augen. Eines kann man vornweg nehmen: Das sollte beim Steamfantasy-Roman »Drúdir« von Swantje Niemann nicht geschehen, da einem damit ein wirklicher Leckerbissen entgeht.

Der Zwerg Drúdir ist ein Uhrenmacher. Doch dahinter verbirgt er seine Identität als Magier. Magie ist dieser Tage nicht mehr gern gesehen und wird ebenso wie jene, die sie ausüben, geächtet. Kommt heraus, dass Drúdir Magie besitzt, wäre das das Ende seiner Kariere. Als er hört, dass sein Uhrmachermeister ermordet aufgefunden wurde, beschließt er, dem auf eigene Faust auf die Spur zu kommen. Dabei stolpert er jedoch in etwas, das bedeutend größer ist, vielleicht sogar zu groß für einen einfachen Zwerg wie ihn.

Sagte ich neulich noch, dass »Vakuumsprung« von J.H. Artschwager der beste bisher von mir selbstverlegte Roman war, so wurde er schon kurz darauf von »Drúdir« übertroffen (der Fairness halber: nicht um viele Punkte). Der bisher selbstverlegte Roman, der im Oktober in der Edition Roter Drache erscheinen wird, kann mit vielen Stärken und nur wenigen Schwächen aufweisen.

Um genau zu sein ist die einzige Schwäche etwas, was wohl nur linguistisch interessierte Leser stören wird: krude Fantasy-Sprachen, die mich an so gut wie jedem Roman stören, der meint, so etwas einbauen zu müssen. Nehmen wir dieses Wort, ein Begriff der Romanwelt, und machen ein Ratespiel, was es wohl heißen mag:  Sprakar-Godwis-Historig-Rúnhalar. Man wird wohl mit nur wenig Denkaufwand erahnen können, was sich dahinter verbirgt, was zum Kernproblem führt. Eine unserer Welt völlig fremde Welt kann nie und nimmer Sprachkontakt zu unseren Sprachen erhalten haben. Damit sind so große Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen der Romanwelt und unserer eigentlich unmöglich.

Abgesehen davon kann man wirklich nicht viel meckern! Die Geschichte entwickelt sich langsam, ist aber stets spannend und man legt das Buch nur ungern zur Seite, selbst wenn der Dozent eigentlich das Seminar beginnen will …

Die Welt, die hier aufgebaut ist, ist spannend und abwechslungsreich. Steamfantasy scheint ohnehin nicht das allzu häufigste Genre zu sein, und Zwerge kann es ruhig öfters als Hauptprotagonisten geben. Auch das ganze Drumherum von Drúdirs Heimat ist schön ausgestaltet. Schon fast schade, als es vorbei war, und man nicht weiter darin abtauchen konnte.

Die Dialoge konnten ebenfalls überzeugen. Sie wirkten natürlich und locker und hin und wieder fehlte auch nicht ein gewisser Witz. Auch die Charaktere waren wirklich toll und können mit einigen wirklichen Charakterköpfen aufwarten. Besonders die elfischen Agenten, Drasirai genannt, waren wirklich faszinierende Protagonisten, von denen man unbedingt mehr haben wollte, obwohl sie einem einen kalten Schader bescheren!

Die Dynamik der Charaktere sorgte für einige Spannung, da sich zwei Parteien gezwungen sehen, plötzlich miteinander zu arbeiten, da sie mehr oder weniger dasselbe Ziel haben, obwohl sie so wirklich Freund eigentlich nicht sind. Da knistert es förmlich zwischen ihnen, was wirklich klasse ist.

Wo es auch knistert, ist zwischen der Automata, eine Maschine, der Leben eingehaucht wurde, und einem der Protagonisten. Das war ein besonders spannender Aspekt des Romans. Die Automata, die von allen am Anfang noch nur als intelligente KI und Maschine betrachtet wurde, entwickelt auf einmal Emotionen, die wir eigentlich als humanoid einstufen würden. Was ist sie also? Maschine oder Zwerg? Das ist eigentlich eine sehr aktuelle Frage, wie ich finde; etwas Ähnliches wurde auch einmal und wesentlich zentraler im sehr empfehlenswerten Film »Her« mit Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson bearbeitet, einer Liebesgeschichte zwischen einem Menschen und seinem hochintelligenten Operation System.

Die selbstverlegte Ausgabe, die ich noch gelesen habe, wartet noch mit ein paar kleinen Rechtschreibfehlern auf, die der Verlag dann hoffentlich im Oktober ausgebessert haben wird.

Alles in allem ein wirklich sehr empfehlenswerter Roman! Wer nicht immer nur die gängigen Klischees von Elfen und Zwergen und Magiern lesen will, findet hier eine erfrischend andere Bearbeitung der üblichen Tropes. Es gibt nur wenig zu meckern. Zwar reißt es mich nicht so sehr vom Hocker, wie es Tolkien und Sanderson vermögen, aber »Drúdir« ist und bleibt ein sehr guter Roman und eine klare Empfehlung.

 

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

 

Autor: Swantje Niemann

Titel: Drúdir: Dampf & Magie

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 392

Originalpreis: 16,95€

Verlag: Edition Roter Drache

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3946425366

Erscheinungsjahr: 2017 (erscheint im Oktober 2017)

»Manche Geschichten sind wie Melodien.« (S. 29)

Auf die Romane Christoph Marzis trifft das auf jeden Fall zu. Egal, was er schreibt, die Zeilen singen. In »Die wundersame Geschichte der Faye Archer« ist es ein lockerflockiges Spätsommerlied, dem man am liebsten in der Sonne im Park oder am Strand liegend lauscht.

Faye Archers Leben ist bunt und geprägt von Musik und Kunst. Sie arbeitet in einem kleinen Buchladen, und alles scheint gut zu sein. Bis eines schönen Septembertages ein Kunde in den Laden kommt und ihr Leben gehörig durcheinander wirbelt. Faye sieht ihn nicht, hört nur seine Stimme, doch sie ist sofort von ihm in den Bann gezogen. Sie macht ihn auf Facebook aus und beginnt mit ihn einen Mailwechsel, in dessen Folge sie sich immer mehr zu Alex hingezogen fühlt. Doch kurz bevor sie sich das erste Mal treffen können, passieren Dinge, die Faye an Alex und seiner Ehrlichkeit zweifeln lassen.

Fayes Geschichte ist ein Liebesroman, der nicht ganz auf den magical realismn, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, verzichtet. Dessen Rolle scheint jedoch verschwindend gering, doch selbst ohne ihn ist die Erzählung einfach bezaubernd. Marzis Schreibstil ist voller Poesie, locker und definitiv sehr charakteristisch und vor allem auch zum bunten, tanzenden Lebensstil Faye Archers passend. Durch seinen Wortwahl und Syntax (wie unpoetisch das klingt) schafft es Marzi in jedem Fall, Faye, die zentrale Figur des Romans, wunderbar zum Leser zu transportieren.

Der Roman kommt mit wenigen wichtigen Figuren aus, die allesamt gut ausgezeichnet sind und ihre individuellen Merkmale haben. Mica, der Shaolin-Buchhändler, Dana, die Businessfrau und beste Freundin, der Künstler Alex …

Und doch! Und doch fehlt irgendwie etwas … Der Stil ist wunderschön, ganz, wie man es von Marzi gewohnt ist, die Charaktere sind gut ausgeformt und eigentlich ist auch die Geschichte gut erzählt, entwickelt sich angemessen und alles baut aufeinander auf und steigert sich zum Höhepunkt hin. Aber trotzdem schafft es der Roman einfach nicht über eine nette Sommerlektüre hinaus. Ich weiß nicht einmal, woran das liegt. (Vielleicht daran, dass Liebesromane einfach nicht mein Ding sind und ich dieses Buch nur gelesen habe, weil der Name einer meiner Lieblingsautoren drauf stand.)

Die Sommerlektüre macht der Roman allerdings gut. Die Handlung spielt zwar im September in Brooklyn, aber sie hat etwas ganz Lockeres und Sommerliches an sich, sodass man den Roman wirklich am liebsten in der Sonne sitzend lesen möchte. Das habe ich getan, und es war durchaus angenehm.

Zusammenfassend kann man sagen: Stilistisch ist der Roman wie alles von Marzi einfach ein Traum. Darüber hinaus ist »Die wundersame Geschichte der Faye Archer« eine nette kleine Geschichte, sozusagen ein Eis in der Sommersonne, das schnell aufgeleckt ist und nur kurze Freuden bereithält. Dauerhaft fesseln konnte es nicht, hatte aber seine guten Momente.

 

 

Autor: Christoph Marzi

Titel: Die wundersame Geschichte der Faye Archer

Sprache: Deutsch

Umschlagillustration: Unter Verwendung einer Illustration von Mascha Greune

Reihe: Nein

Seiten: 383

Originalpreis: 14,99€

Verlag: Heyne

Genre: Liebesroman

ISBN: 978-3-453-52992-2

Erscheinungsjahr: 2013

Es gibt Kombinationen, die einfach geil aussehen. Von Tad Williams hört man ja ohnehin manch Gutes, und Kerem Beyit auf einem Cover zu sehen, ist so oder so einfach klasse. Leider  stellten sich »Die Drachen der Tinkerfarm«, der erste Teil der Tinkerfarm, von Tad Williams und Deborah Beale als nicht ansatzweise so deliziös heraus, wie sie sich präsentierten.

Die Geschwister Lucinda und Tyler werden von ihrer Mutter in den Sommerferien auf die Farm des verschrobenen Großonkels Gideon auf dem Land abgeschoben. Die beiden Kinder sind nicht sonderlich begeistert, erst recht nicht, als Gideon ihnen ein Buch über feuerspeiende Kühe schickt. Das kann ja nur schrecklich werden, denken sie. Was sie dann jedoch auf der Tinkerfarm antreffen, übertrifft ihre kühnsten Erwartungen. Die feuerspeienden Kühe waren wohl doch keine Kühe …

Vielleicht nicht unbedingt das beste Buch, um Tad Williams kennenzulernen. Vieles im Roman wirkt überzeichnet und karikierend, und das in einer Art, dass es eigentlich gewollt parodiert aussieht. Leider karikiert es nicht wirklich und ruiniert damit das ganze Buch. Denn gewollt ist dann doch nicht gleich gekonnt.

Das einzig wirklich Positive sind die schönen Innenillustrationen von Jan Reiser und das umwerfende Cover von Kerem Beyit (alles von Kerem Beyit ist der Hammer!). Dann hört es eigentlich schon auf.

Die beiden Protagonisten nerven einfach nur. Sie sind verzogene Stadtgören, die allen auf der Farm auf der Nase herumtanzen und nie das machen, was sie machen sollen. Sie wittern sehr schnell, dass auf der Farm nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Hinzu kommt, dass ihnen ständig gesagt wird, dass sie dies und das nicht machen sollen. Das soll sie davor schützen, zu schnell die Geheimnisse der Farm zu entdecken. Das ist ein vergeblicher und ziemlich lahmer Versuch, Spannung aufzubauen, da der Leser dank der Paratexte ohnehin schon alles Notwendige weiß und sich den Rest zusammenreimen kann. Hinzu kommt, dass die Kinder damit erst recht versuchen, dem selbst auf die Schliche zu kommen, und sich dabei, salopp gesagt, ständig ordentlich in die Scheiße reiten. Kurz: Es war doch einfach so klar, dass sie ständig Probleme bekommen und ihre Nasen in Zeug stecken, das sie nichts angeht! Kann man »Spannung« noch billiger aufbauen? Auch ein Kinderbuch sollte so etwas besser können.

Apropos nicht vorhandene Spannung: Oh! Wie unerwartet! Da will ein böser Geschäftsmann an die Geheimnisse der Farm! Hätte ich ja nie gedacht! Ach herrjemine! Auf der Farm gibt es nicht nur Fabeltiere! Die Farmmitarbeiter sind ja auch ach so besonders! Der hinkt, um zu verbergen, dass er ein Satyr ist? Wär‘ ich nie drauf gekommen!

Jetzt mal ehrlich …

Gut, immerhin war das mit den feuerspeienden Kühen eine wirklich witzige Idee. Man schreibe ein Fachbuch über die Haltung und Zucht von Drachen und ersetzte jedes »Drache« durch »Kuh«. Fällt auch gar nicht auf! Was zu wirklich skurrilen und lustigen Sätzen führt. Die Idee mochte ich wirklich.

Am Ende des Romans bleiben etliche Fragen offen, die zu beantworten nicht Aufgabe des zweiten Bandes sein sollten. Wie ist zum Beispiel der Weg des gestohlenen Dracheneis zu verstehen? Und warum läd Onkel Gideon sie überhaupt ein, wenn er erstens eigentlich nur eine blasse Figur im Hintergrund ist und zweitens eigentlich eher genervt von den Kindern wirkt? Weil sie zur Familie gehören? Weil Keks? Fragen über Fragen und keine Antworten …

Eigentlich ist man für Kinderbücher ja nie zu alt. Eigentlich … Ich bleib dann wohl doch lieber bei Narnia und Puh der Bär. Denn das hier war trotz der von der Grundidee her coolen Farm ein eher lahmer Roman voller Humor, der auch mit Drachen einfach nicht zündet und dessen Plot absolut vorhersehbar ist. Wenigstens am tollen Cover kann man sich erfreuen.

 

 

Autor: Tad Williams & Deborah Beale

Titel: Die Drachen der Tinkerfarm

Sprache: Deutsch

Original: The Dragons of the Ordinary Farm

Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring

Umschlagillustration: Kerem Beyit

Innenillustrationen: Jan Reiser

Reihe: Band 1

Seiten: 380

Originalpreis: 20,00€

Verlag: Klett Cotta Hobbit-Presse

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-608-93821-0

Erscheinungsjahr: 2009

»Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.« (S. 10)

Ein nicht gerade unbekannter erster Satz eines ebenfalls sehr bekannten Autors und der Auftakt seiner nach der Aussage des Autors wichtigsten Serie. Die Rede ist freilich von »Schwarz«, dem ersten Band des Dunklen Turms von Stephen King, welcher auch demnächst in die Kinos kommt.

Der Revolvermann Roland verfolgt unermüdlich den Mann in Schwarz durch eine postapokalyptische Welt, die unserer nicht unähnlich ist. Dieser scheint der Schlüssel zu den Geheimnissen des Dunklen Turms zu sein, und der Junge Jake, der anscheinend aus einer fremden Welt stammt, scheint wiederum der Schlüssel zum Mann in Schwarz zu sein. Der Revolvermann ist ein einfacher Mann. Er braucht keine genauen Gründe, um seinen Gegenspieler zu verfolgen. Er weiß, dass es notwendig ist, also tut er es. Selbst durch eine tödliche Wüste hindurch, die noch nie jemand lebend durchquert hat.

Nun sitze ich zu später Stunde hier, schaue das alte, ramponierte Buch in meinen Händen an und frage mich, was ich dazu schreiben soll. Der Einstiegssatz des Romans, welcher oben zitiert ist, ist zweifelsohne genial. Der Rest … Ich weiß nicht. Angeblich sind die nächsten Bände besser, wir werden sehen.

Dieser hier hatte eigentlich so gut wie keine Handlung. Der Revolvermann verfolgt den Mann in Schwarz, ab und zu gibt es Rückblicke auf seinen Werdegang als Revolvermann, irgendwann auf seinem Weg trifft er auf Jake. Das war es auch schon. Erstaunlich wenig Handlung, und eigentlich zu viele Worte dafür. Zu viel, zumal auch noch die Hintergrundinformationen extrem rar gesät sind.

Die Informationen sind auch so eine Sache. King lässt den Leser bewusst am Hungertuch nagen, und das macht einen nicht selten verdammt fuchsig. Gleichzeitig ist es aber auch das, was einen mehr oder weniger bei der Stange hält, da man nach jedem Brocken lechzt, den King einem hinwirft. Denn so viel passiert ja nicht, was Spannung aufbauen könnte.

Die ausgesprochen wenigen Informationen, die man bekommt, sind das eine, das sich etwas seltsam liest (nicht einmal der Revolvermann scheint wirklich zu wissen, warum er tut, was er tut!). Das andere ist Kings gewöhnungsbedürftiger Stil, der mitunter etwas Denkarbeit beim Lesen abverlangt. Es dauert etwas, bis man da drin ist, dann geht es aber.

Die Figuren bleiben weitestgehend blass; bei King bin ich ja fast versucht zu sagen, dass das gewollt war. Ehrlich gesagt macht es das aber nicht besser. Besonders Jake ist kaum mehr als ein Name mit einer rudimentären Hintergrundgeschichte. Einzig der Revolvermann bekommt ein Gesicht, das durch sein schlichtes, einfaches Gemüt ein klein wenig an Geralt von Riva erinnert (oder wahrscheinlicher umgekehrt).

Zum Schluss muss festgehalten werden, dass das Lektorat in meiner Ausgabe ziemlich schlampig gearbeitet hat. Da finden sich Rechtschreibfehler, doppelte Wörter, fehlende Wörter, Leerzeichen mitten im Wort. Leute, das ist peinlich!

Alles in allem keine Offenbarung und eher gewöhnungsbedürftig. Dennoch genug triggernd, um auch zu den nächsten Teilen greifen zu wollen. Immerhin darin ist Kings Sparkurs bei den Informationen aufgegangen: Man will irgendwie wissen (und nicht dafür bei Wikipedia nachschauen), was da vor sich geht und was dieser Welt bevorsteht!

 

 

Autor: Stephen King

Titel: Der Dunkle Turm: Schwarz

Sprache: Deutsch

Original: The Gunslinger

Übersetzung: Joachim Körber

Umschlagillustration: Ferenc Regös

Reihe: Band 1

Seiten: 285

Originalpreis: 7,95€

Verlag: Heyne

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-453-12384-0

Erscheinungsjahr: 2002

Der erste Teil der Tinkerfarm von Tad Williams und Deborah Beale war weiß Gott kein Renner. Irgendetwas daran bewegt aber doch, auch den zweiten Teil »Die Geheimnisse der Tinkerfarm« in Betracht zu ziehen. Die Drachen … Es muss an den Drachen liegen. Die triggern einfach. Und Kerem Beyit auf dem Cover!

Erneut sind Sommerferien, und erneut geht es für Tyler und Lucinda zu ihren Freunden auf der Tinkerfarm. Sie wissen bereits, dass das keine Kuschelferien werden, sondern sie hart mit anpacken müssen auf der Farm. Denn hier werden keine Kühe auf die Weide getrieben, sondern Einhörner. Und im Stall warten keine Schweine und Ziegen, sondern waschechte Drachen und Mantikore. Sie stellen jedoch schnell fest: Was letztes Jahr so scheinbar glimpflich gelöst ist, ist noch lange nicht vom Tisch. Denn die Geheimnisse der Tinkerfarm locken Feinde von außen und innen ab. Viele wollen die Farm und ihre Reichtümer erben, die eigentlich den Kindern bestimmt ist.

Das Buch hat zu seinem Vorgänger definitiv ein Steigerung der Qualität zu verzeichnen. Nicht viel, aber immerhin. Denn jetzt kann man tatsächlich einmal von Spannung reden. Während der erste Teil auf ziemlich billige und wenig erfolgreiche Art und Weise Spannung aufzubauen versucht und dabei scheitert, gelingt das dem zweiten Band besser. Die Handlung ist nicht mehr so linear und vorhersehbar und wartet mit ein paar kreativeren Wendungen auf, als es noch im ersten Band der Fall war.

Auch wenn sich der zweite Band in gewisser Weise verbessert hat, klemmt es doch noch immer an zu vielen Ecken und Enden. Im ersten Band waren die beiden Protagonisten nur nervig und nicht gerade die sympathischsten Charaktere. Jetzt sind sie das immer noch und zudem auch noch inkonsequent. Plötzlich haben sie die Erkenntnis, dass sie nur Kinder sind und gar keine Chance gegen die Intrigen der Erwachsenen haben (stimmt!), weshalb sie gar nicht erst versuchen brauchen, irgendetwas auf der Farm zu retten, es ist ja ach so gefährlich (stimmt auch!). Diese Erkenntnis danach sofort ignorierend machen sie es dennoch. Im ersten Teil hat die harte Realität sie doch auch von nichts abgehalten?! Warum wurde das überhaupt hier angesprochen? Das ist ein kompletter Bruch in der inneren Logik des Romans, der noch nicht einmal konsequent durchgezogen wird. Ich als Leser kann super damit leben, wenn beispielsweise in Narnia die Kinder dort Schlachten gegen Jadis führen, weil die innere Logik der Geschichte es erlaubt und zudem die Illusion der Möglichkeit aufgebaut wird. Damit wird hier komplett gebrochen.

Auf der anderen Seiten nämlich findet Tyler nichts allzu Gefährliches daran, einen Drachenhort auszuräubern. Er ist vielleicht dreizehn Jahre alt und zieht ungerüstet los, um einem wilden Drachen seine Schätze zu klauen. Aber eine Farm vor korrupten Wirtschaftsleuten zu retten ist zu gefährlich! Ich kann gar nicht in Worte fassen, was alles daran falsch ist.

Was auch noch in Auge fällt, ist, dass hier jeder jeden anlügt und jeder damit zu lange durchkommt. Lügen haben kurze Beine, heißt es. Die Lügen, die hier alle erzählen und besonders den Farbesitzer Onkel Gideon etwas vorflunkern (trotz Ragnars Beteuerungen, Gideon sei der Thane und damit in Ehren zu halten, lügt auch er wie gedruckt), kommen einfach nicht raus und die meisten kommen ungeschoren davon. Unbefriedigend und irgendwie fragt man sich auch, was damit für in Botschaft transportiert wird. Immerhin richtet sich das Buch auch an jüngere Leser.

Auch der zweite Teil hat wieder seine großen Schwächen. Was er aber besser als der erste macht, ist das Storytelling, sodass man durchaus so etwas wie Motivation zum Weiterlesen finden kann. Trotz allem bleibt es dabei, dass man wohl nichts verpasst hat, wenn man »Die Geheimnisse der Tinkerfarm« links liegen lässt.

 

 

Autor: Tad Williams & Deborah Beale

Titel: Tinkerfarm: Die Geheimnisse der Tinkerfarm

Sprache: Deutsch

Original: The Secrets of the Ordinary Farm

Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring

Umschlagillustration: Kerem Beyit

Innenillustrationen: Jan Reiser u.a.

Reihe: Band 2

Seiten: 430

Originalpreis: 20,00€

Verlag: Klett Cotta Hobbit-Presse

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-608-93822-7

Erscheinungsjahr: 2011

Die Abenteuer von Roland, dem letzten Revolvermann, haben gerade erst begonnen. Mit »Drei« legt Stephen King den zweiten Teil seines Dunklen Turms vor, dessen Geheimnissen Roland auf die Schliche kommen will.

Gerade ist er dem Mann in Schwarz und dessen geheimnissen auf die Spur gekommen, schon muss der Revolvermann Roland erkennen, dass das erst der Anfang war. Das Orakel hat es prophezeit: Er muss die Drei finden, jene drei Personen, die ihm bei seiner Suche nach dem Dunklen Turm zur Seite stehen werden. Er wird sie allesamt auswählen, indem er drei Türen zu unserer Welt öffnet und diese Personen nach und nach zu sich holt.

»Drei« schließt unmittelbar da an, wo sein Vorgänger »Schwarz« aufhörte. Roland hat zwar den Mann in Schwarz gefunden, befindet sich aber irgendwo in einer von Gott verlassenen Einöde und sieht sich sogleich in Bedrängnis, als er von riesigen hummerartigen Wesen angegriffen wird, die ihm einen Zeh und zwei Finger nehmen. Die schwere Verwundung macht ihm in der von allen Seelen verlassenen Gegend arg zu schaffen, und er sucht Rettung in unserer Welt.

Der zweite Band macht damit genau da weiter, wo sein Vorgänger aufhörte – in allen Aspekten, nicht nur handlungstechnisch. Stilistisch beginnt er wie sein Vorgänger: viele Worte und doch irgendwie erstaunlich wenig Inhalt, eigentlich fast schon minimalistisch. Roland hat zu Beginn ebenso kaum ein Gesicht für den Leser, wie er es während des gesamten ersten Teils hatte.

Doch dann entwickelt sich der Roman bedeutend weiter. Hier beginnt King wirklich zu zeigen, was er kann. Sämtliche auftretenden Charaktere bekommen mehr Farbe und Kontur, als es im ersten Band der Fall war. Zwar sind es noch immer eigentlich zu viele Worte, doch nun kann der Leser eine wesentlich bessere Bindung zu den Charakteren aufbauen, da ihm ein wesentlich deutlicheres Bild geboten wird. Das trifft auch auf Roland zu, was sich unter anderem darin zeigt, dass er nun viel häufiger bei seinem Namen anstelle von »Revolvermann« genannt wird.

Dieser Roman lebt von den Charakteren, denn außer, dass Roland sie nach und nach in seine Welt holt, passiert im Grunde nicht viel. Wie er sie aber zu sich holt, ist stets mit erheblichen Hürden verbunden. Jeder der Drei ist ein ausgesprochen individueller Charakter, der von Stephen King ebenso individuell gezeichnet wurde. Der Stil des Buches ist damit im Vergleich zum ersten Band zum einen leichter lesbar und variiert zum Anderen auch deutlich von Charakter zu Charakter, was ihnen auch so noch einmal Leben einhaucht. So etwas kann weiß Gott nicht jeder Autor – leider.

Noch immer ist »Der Dunkle Turm« auch mit seinem zweiten Band nicht der Olymp der Literatur, er entwickelt sich hier aber während der Lektüre deutlich zum Besseren hin. Das gibt definitiv Hoffnungen für die Folgebände, dass auch diese sich weiterentwickeln. King scheint mit seinen Wortwasserfällen einfach seine Zeit zu brauchen.

 

 

Autor: Stephen King

Titel: Der Dunkle Turm: Drei

Sprache: Deutsch

Original: The Drawing of the Three

Übersetzung: Joachim Körber

Reihe: Band 2

Seiten: 576

Originalpreis: 8,95€

Verlag: Heyne

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-453-87557-9

Erscheinungsjahr: 2003

 

Weitere Rezensionen

- Nenatie

Eigentlich ist es mir ja peinlich, das hier zu posten. Aber nicht peinlich genug, um die ganze Aktion heimlich unter den Teppich zu kehren, nachdem ich einmal in die Leseprobe von »My Pet Has Tentacles (Horny Mage Academy)« von Thorn and Nin (ganz offensichtlich ein Pseudonym) hineingelesen hatte. Der Inhalt der Leseprobe ist nicht ganz jugendfrei, das gleich mal vornweg. Aber ich habe ein kleines Laster, und das nennt sich Trashliteratur. Und das hier ist sowas von Trash! Wie konnte ich nicht die Finger davon lassen, als ich zufällig darüber stolperte?! Für eine Freitagsprobe soll es genügen.

Die ausgesprochen kurze Leseprobe umfasst recht wenig Inhalt. Unsere Protagonistin ist dem Titel des Textes nach eine Zauberschülerin und befindet sich in einem Shop, der magische Wesen verkauft. Sie kauft sich eine Kröte, stolpert aber über einen Greif, der sie ganz offensichtlich schmuck findet – und sie ihn. In der Akademie angekommen, denkt sie an den Greif zurück und … na ja, der Rest verrät schon fast der Titel des Textes.

So weit so gut. Das ganze sind nur wenige Seiten mit Storytext, um genau zu sein fünf und ein paar zerquetschte in meiner App auf meinem 5,5“ Handybildschirm, die sich doch arg auf das, sagen wir mal, Wesentliche fokussieren. Da wird halt nicht lang gefackelt, da werden gleich die nackten Tatsachen aufgetischt!

Ganz ehrlich: Ich war ein wenig irritiert, dass mir der Einstieg in den Text ganz sachlich-nüchtern betrachtet von der Machart her durchaus gefallen hat. Ich hatte scheußlichen Trash erwartet, aber nicht, dass ich doch etwas daran finde, das nicht absoluter Mist ist, und wenn es nur der Einstieg ist. Der ist klar und konkret. Man ist sofort in der Erzählung drin und weiß sogleich, woran man ist: Bei einer jungen Dame, die Zauberutensilien kauft, womit gleich einige wesentliche Dinge des Settings genannt werden.

Aus Ermangelung von Text kann ich in dieser Freitagsprobe nicht viel sagen, und da ich es toll fände, wenn dieser Post hier noch irgendeine Art von Jugendfreigabe hat, will ich auf den Inhalt auch gar nicht so genau eingehen. Was man aber festhalten muss: Das mit den nackten Tatsachen ist in mehrerlei Hinsicht leider tatsächlich so. Es wird sich wirklich nur auf das allernötigste konzentriert, Atmosphäre kommt null auf. Sogar so wenig, dass ich eigentlich behaupten würde, dass es sich hier um plumpen Porn statt um Erotik handelt. Die Handlung ist hier wie in jedem billigen Porno nur Maske, um irgendeine Schein-Legitimation erzeugen zu wollen. Die Grenze zu Erotik ist schmal, aber Erotik hat dann doch einen nennenswert höheren Ästhetikwert als das.

Was mich zu der Frage führt: Darf man so etwas überhaupt auf Amazon vertreiben? Aber es handelt sich bei dem Text anscheinend um eine Kurzgeschichtensammlung, vielleicht trügt ja der Eindruck der Leseprobe und der Rest reißt es dann doch heraus. (Verdammt, ich kann hier keinen Satz schreiben, der nicht doppeldeutig klickt, gewollt und ungewollt!)

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

 

Autor: Thorn and Nin

Titel: My Pet Has Tentacles (Horny Mage Academy)

Sprache: Englisch

Reihe: ?

Seiten: 26

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Selbstverlag

Genre: Erotik

ASIN: B01ADL8LR4

Erscheinungsjahr: 2016

Pünktlich zur deutschen Veröffentlichung von »Beren and Lúthien« von J.R.R. und Christopher Tolkien bei Klett-Cotta am 10.6.17 möchte ich euch das Buch etwas näher vorstellen. Was wird euch erwarten und taugt es überhaupt etwas? Ich habe das Buch bereits zum internationalen Erscheinen bei HarperCollins am 1.6.17 gelesen.

Die Geschichte von Beren, einem Sterblichen, und der Elbenprinzessin Lúthien ist eine der bewegendsten im gesamten Legendarium. Gejagt von Morgoths Schergen flieht Beren nach Doriath und findet dort Lúthien auf einer Lichtung tanzend. Er verliebt sich in sie und kann auch ihr Herz gewinnen, doch Lúthiens Vater, der Elbenkönig Thingol, ist gegen die Verbindung und verlangt einen hohen Brautpreis für seine kostbare Tochter: Beren soll ihm einen der drei Silmaril in Morgoths Eisenkrone bringen. Jeder weiß, dass Thingol Beren damit eigentlich zum Tode verurteilt hat, dennoch zieht er aus, um zu vollbringen, was von ihm verlangt wird. Mithilfe von Lúthien und ihrer Magie gelangt er bis vor Morgoths Thron, wo Lúthien den Dunklen Herrscher in den Schlaf singt. Beren bricht einen der Silmaril aus der Krone, dann fliehen sie, verfolgt vom Höllenhund Carcharoth, der Beren die Hand mit dem Silmaril abbeißt. In Doriath angekommen hält Thingol sein Versprechen und vermählt seine Tochter mit Beren, ehe sie zur Jagd auf Carcharoth ausziehen. In dieser Jagd wird Beren von Carcharoth tödlich verwundet und der Höllenhund selbst von Huan, dem Jagdhund der Valar, getötet. Beren stirbt an seinen Verletzungen, und Lúthiens Leid ist so groß, dass sie ihm in die Hallen der Erwartungen nachfolgt. Dort kann sie Mandos‘ Herz so sehr bewegen, dass er ihnen erlaubt, wieder nach Mittelerde zurückzukehren, wo sie fortan ein Leben als Sterbliche führen.

So lautet die Geschichte in Kürze, wie sie im Silmarillion erzählt wird. Ihre Wurzeln reichen jedoch bis 1917 zurück, als Tolkien gerade erst anfing, sein Legendarium auszuarbeiten. Die Geschichte hat für Tolkien einen enorm hohen Stellenwert, was nicht zuletzt daran ersichtlich wird, dass er nach dem Tod seiner Frau Edith wünschte, dass unter ihrem Namen »Lúthien« stünde; unter seinen wurde »Beren« eingraviert. Eine seiner schönsten Momente seiner Zeit mit Edith war, wie sie im Wald für ihn tanze und sang – ebenso wie Lúthien im Wald von Doriath.

Damit hat die Geschichte einen ganz besonderen Stellenwert im Legendarium. Selbst wer nur den Herrn der Ringe gelesen hat, wird auch darin Beren und Lúthien begegnen – nicht zuletzt wiederholt sich ihre Geschichte in Aragorn und Arwen (auch wenn Elrond einen etwas faireren Brautpreis verlangt: Nur der König Gondors soll seine Tochter, eine direkte Nachfahrin Lúthiens, ehelichen). Die Liebesgeschichte hat über die Zeit viele Veränderungen erfahren, ihr blieb aber stets zu eigen, dass sie fast ebenso strahlt wie einer von Feanors Silmaril, für die etliche Kriege geführt wurden. Gemeinsam schaffen Beren, ein Sterblicher, und Lúthien, eine schlichte Elbenmaid, mehr als die Heere der sieben Feanorer und vollbringen eine undenkbare Tat: den Dunklen Herrscher höchstselbst einen seiner kostbarsten Schätze zu stehlen.

Die Texte dieses Buches sind nicht neu. In verschiedenen anderen Veröffentlichungen der History of Middle-Earth und an anderen Stellen konnte man bereits davon lesen. Christopher Tolkien stellte sie aber das erste Mal in dieser Form direkt gegenüber und zeigt die Entstehungsgeschichte auf. Gleichzeitig verzichtet er auf allzu viele philologische Details und verweist für die Einzelheiten auf die HoME, was »Beren and Lúthien« zu einem durchaus leserfreundlichen Buch auch für jene macht, die nicht an jedem noch so kleinen Detail interessiert sind und eher das Endwerk bestaunen wollen.

Das Buch lohnt sich dennoch, auch wenn die Texte an sich nicht neu in ihrer Veröffentlichung sind, da ihre direkte Gegenüberstellung noch einmal den Entstehungsprozess sehr gut veranschaulichen und einen direkten Vergleich leicht ermöglichen. Nicht zuletzt liegt der Wert dieses Buches in seinem Inhalt selbst: Wie bereits herausgestellt, besitzt die Geschichte von Beren und Lúthien einen zentralen Stellenwert in Tolkiens Schaffen.

Christopher Tolkien stellt verschiedene Abschnitte der Geschichte direkt gegenüber. Er beginnt mit der kompletten Erzählung des ersten Entwurfs, in welchem Beren vom Katzenherrscher Tevildo gefangen wurde. Tevildo verschwand alsbald und Thû kam hinzu, welcher in späteren Fassungen zu Sauron wurde. Auch zitiert Christopher das »Lay of Leithian«, was mit »Release From Bondage« übersetzt wird, einer von Tolkiens Versuchen epischer Dichtung. Des Weiteren führt Christopher Fassungen der Geschichte aus der Quenta Noldorinwa und andere Versionen an, die immer wieder neue Aspekte der Erzählung einbringen, während andere wieder verschwinden.

Abgerundet wird das Buch durch etliche Zeichnungen von Alan Lee, einem der bedeutendsten Tolkien-Illustratoren, einige davon auch in Farbe. Durch das zarte, bezaubernde Spiel mit dem Licht schafft es Lee wie kein anderer, Lúthien überirdische Schönheit und ihre Magie im Bild einzufangen und die Geschichte zum Leben zu erwecken. Die Bilder sind detailreich und laden zum Verweilen und Entdecken ein.

Also: Worauf noch warten? Das Buch ist ein Muss für jeden Tolkien-Fan! Es präsentiert eine der schillerndsten und ausdrucksstärksten Geschichten Tolkiens in neuer und ausgesprochen ansprechender Form.

 

Autor: J.R.R. Tolkien

Edition: Christopher Tolkien

Titel: Beren and Lúthien

Sprache: Englisch

Umschlag- und Innenillustration: Alan Lee

Reihe: Nein

Seiten: 288

Originalpreis: £20.00

Verlag: HarperCollins

Genre: Fantasy

ISBN: 978-0-00-821419-7

Erscheinungsjahr: 2017

Brian Herbert und Kevin J. Anderson setzen in »Der Kreuzzug« die frühen Legenden des Wüstenplaneten fort. Dies ist der zweite Teil von drei aus den Wüstenplanet-Legenden.

Serenas Djihad hat gerade erst begonnen. Die Ermordung ihres Kindes durch den Roboter Erasmus war nur das Zünglein an der Wage, das den Flächenbrand des Djihad entfachte. Nun ist es ihr erbittertstes Ziel, die Denkmaschinen auszurotten - um jeden Preis. Serena wird zur Priesterin des Djihad, zur strahlenden Galeonsfigur ihres Welten umfassenden Kreuzzuges gegen die Maschinen. Und sie schreckt vor nichts zurück, denn sie ist fest entschlossen, die Denkmaschinen bis auf den letzten Gelschaltkreis zu vernichten. Selbst wenn sie dafür über die Leichenberge ihres eigenen Volkes gehen muss.

Im Prinzip erfüllt dieser Band genau die Erwartungen, die sein Vorgänger schürte: Er war weder besser noch schlechter als dieser. Leider heißt das auch, dass mir als Neuling des Wüstenplaneten immer noch ein paar Details fremd bleiben. Jetzt bleibt es also auf die Originalreihe zu hoffen, dass diese Dinge da geklärt werden. Das finde ich ein wenig schade. Aber zum Glück sind das nur Details, insgesammt bleibt der Roman verständlich.

Das liegt mitunter auch daran, dass einige grundlegende Fakten immer und immer wieder wiederholt werden, teils, als seien sie Ereignisse, die in anderen Büchern stattfanden und nicht gerade einmal 200 Seiten vorher. Das war ein wenig befremdlich. Zumindest hilft es beim Memorieren.

Was auch diesem Roman fehlen, sind echte Emotionen. Recht weit am Anfang gibt es eine Szene, in der ein Mensch von Kampfrobotern zu Tode gefoltert wird, die jedoch im Leser nicht mehr auslöst als ein »Gut, okay. Der ist jetzt hin.« Die Szene ist exemplarisch für viele eigentlich emotionale Szenen im Buch, die sehr steril und gefühlskalt dargestellt werden. Gibt es Emotionen, wirken sie mitunter sehr aufgesetzt und steif und haben damit ebenfalls eine eher geringe Wirkung auf den Leser.

Kurioserweise ist es die Denkmaschine Erasmus, die durchaus Emotionen auslösen kann. Durch seine perversen und grausamen Experimente an menschlichen Sklaven gelingt es ihm wie keiner anderen Denkmaschine, Abscheu im Leser auszulösen - genau das, was damit auch erreicht werden wollte. Hier ist es tatsächlich gelungen. Ein wenig kurios, denn Erasmus ist immer noch ein Computer, jedoch einer auf dem besten Weg zum Mensch, was noch durchaus interessante Entwicklungen bereithalten könnte.

Gerade Erasmus' Menschlichkeit bereitet jedoch ein wenig Bauchschmerzen. Genauer: Die Darstellung aller Denkmaschinen. Wie schon im ersten Teil wirken sie auch hier zu menschlich, eher wie Menschen, denen etliche Sozilalkompetemzen abhanden kamen. Aber immer noch Menschen. Erasmus' Entwicklung ist gewollt und passend, der Rest wirkt wenig überzeugend.

Der Roman geht mittlerweile differenzierter mit Serenas Djihad um, vor allem gegen Ende des Romans. Im Laufe der Handlung wird immer wieder angesprochen, dass mit fortschreitender Dauer des Krieges die Proteste gegen den Djihad immer heftiger werden und die Menschen ein Ende des Krieges herbeisehen. Es gibt jedoch eine Reihe von Protagonisten, die stark vom Krieg profitieren und nicht wollen, dass er aufhört, da sie sonst ihre Daseinsberechtigung verlieren. Serena selbst ist mittlerweile so fanatisch von der Idee besessen, die Denkmaschinen auszurotten, dass ihre gesamte Existenz darauf ausgerichtet ist. Auch sie kann daher nicht zulassen, dass der Krieg aufhört und ein Frieden mit den Denkmaschinen ausgehandelt wird. Sie und einige andere unternehmen daher aktive Bestrebungen, den Krieg weiterhin fortzuführen - auf Kosten vieler Milliarden Menschenleben. Während im ersten Band noch relativ klar in Gut und Böse unterteilt wird, bekommen einige Seiten hier doch deutlichere Grauschattierungen.

Und dann gibt es da noch die Cymex, die ebenfalls gegen Omnius aufgebehren wollen, gleichzeitig aber auch keine Verbündeten der Liga der Edlen, also der freien Menschen, sind. Damit ist plötzlich jeder gegen jeden, und auch innerhalb der Fraktionen gibt es Spannungen, die zum Vorteil für die anderen beiden Parteien gereicht sein könnten. Damit stellt der Roman eine ziemlich explosive Mischung her.

Leider kommt davon durch die rar gesähten Emotionen der Protagonisten nicht alles beim Leser an und der Roman bleibt schlussendlich doch hinter seinem Potenzial zurück. Er hätte sich damit seinem Vorgänger gegenüber steigern können. Dennoch bleibt die Lust und Neugierde auf die folgenden Bände, auch wenn es nicht die aufregendste Lektüre war.

 

 

Autor: Brian Herbert, Kevin J. Anderson

Titel: Der Wüstenplanet – Die Legende: Der Kreuzzug

Original: Dune: The Machine Crusade

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Bernhard Kempen

Umschlagsillustration: Frank M. Lewecke

Reihe: Band 2

Seiten: 787

Originalpreis: 9,95€

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ISBN: 978-3-453-52434-7

Erscheinungsjahr: 2008

Quelle: Amazon, © Verlag

Manchmal bin ich von einfachen Dingen zu ködern. Das Cover sah nett aus. So bin ich auf »Magica - Quelle der Macht« von Saskia Stanner aufmerksam geworden. Außerdem bin ich eh neugierig auf das Programm des Eisermann Verlages und hoffe, dort vielleicht etwas zu finden, das mir zusagt. Also diesen Roman für die Freitagsprobe auserkoren.

März 1645: Den neuen Lord in einer Vision zu sehen, wäre für eine Hexe wie Kristy ganz normal. Wenn diese ihn jedoch vierhundert Jahre in der Zukunft zeigt, stellt sich die Frage nach ihrem Sinn.

Auf der Suche nach Antworten kommt Kristy dem Lord Jonathan of Devon immer näher. Schnell wird ihr bewusst, dass sie sich eigentlich von ihm fernhalten sollte, statt Gefühle für ihn zu entwickeln.

Dann aber wird ein Hexenjäger auf sie aufmerksam und Kristy muss sich entscheiden: Wird sie dem Jäger selbst gegenübertreten oder sich von Jonathan schützen lassen – denn schließlich ist er das gefährlichste Wesen ihrer Zeit?

(Quelle: Amazon)

Der Text hat einen Prolog, von dem mir nach der Leseprobe nicht ganz klar ist, welche Funktion er haben soll. Dann gibt es einen Zeitsprung hin zu unseren Protagonistin Kristy. Das ganze spielt vor dem Hintergrund der Hexenverfolgung, und welch Zufall, unsere Protagonistin ist ja eine Hexe. Dann kommt sie noch einen vermeindlichen Vampir auf die Schliche und will aus irgendwelchen Gründen wissen, ob er wirklich ein Vampir ist, obwohl die ja ach so gefährlich sind. Und sie kommt besagtem Vampir »immer näher«, verrät uns die Kurzbeschreibung. Lasst mich raten: Liebesgeschichte! Nein! Doch! Och!

Mit Verlaub, aber das wirkt alles ziemlich platt und ausgelutscht. Auch die Leseprobe kann mich nicht davon überzeugen, dass dieser Roman das Potenzial für mehr als 08/15 hat. In der Leseprobe passiert herzlich wenig, das mich sonderlich neugierig gemacht hat. Ein wenig Gejammer über die Pest im Prolog, eine Hexenhochzeit, wenig spannende investigative Nachforschungen über Lord Vampir, das war es. Kristy beobachtet, wie er Blut trinkt, er aber gleichzeitig auch nicht in der Sonne zum Brathähnchen wird. Ja seltsam, riecht nach Übervampir, das muss natürlich gleich ausgecheckt werden, auch wenn Vampire auch so schon übermächtige Feinde sind! Oder so.

Aber sie kann lautlos flüstern. Das ist eine Fähigkeit, die defintiv nicht jeder hat. Respekt!

Schlussendlich wirkt das alles vielleicht ganz nett, aber nichts, wofür ich 4€ ausgeben würde. Der Schreibstil ist annehmbar, auch wenn es sich für mich nicht anfühlte, als würde ich mich im 17. Jahrhundert befinden. Eher im 21. ...

Das Buch kann nette, wenig anspruchsvolle Unterhaltung für zwischendurch sein, mich konnte die Leseprobe jedoch nicht überzeugen.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

 

Autor: Saskia Stanner

Titel: Magica - Quelle der Macht

Sprache: Deutsch

Reihe: ?

Seiten: 209

Originalpreis: 3,99€

Verlag: Eisermann Verlag

Genre: Fantasy

ASIN: B01NBF232N

Erscheinungsjahr: 2016

Märchen sind etwas für Jung und Alt. Tatsächlich bekamen Märchen erst relativ spät den Stempel der Gute-Nacht-Geschichten für Kinder aufgedrückt. Und Kunstmärchen sind ohnehin noch einmal eine völlig andere Seite. In diese Tradition möchte sich auch »Magenta Zwiebelberg: ein Märchen« stellen, ein Roman von Betty Berger.

Magenta will eigentlich nichts weiter als normal sein. Das ist sie jedoch zu ihrem Leidwesen nicht. Denn egal, was sie tut, das Wasser will einfach keine Wellen schlagen. Springt sie in Pfützen, passiert nichts, kein Kräuseln, kein Platschen. Dasselbe, wenn sie Steine ins Wasser wirft oder gar selbst hinterher springt. Als der Sommer den See austrocknet und eine Höhle freilegt, wird ein altes Monster wach. Und plötzlich erweist sich Magentas Nichtfähigkeit als Vorteil, als das Monster Sharfeyn anfängt, Kinder zu rauben, und Magenta sie retten will.

Ehe ich zum Inhalt komme, möchte ich ein paar Worte zum Layout verlieren. Das mache ich sonst nie, weil es für mich eigentlich keine Rolle spielt. In diesem Fall komme ich aber nicht umhin. Das Cover selbst hat eine gute Grundidee, die den Inhalt des Buches aufgreift, hapert jedoch an der Umsetzung. Der Titel ist auf dem Hintergrund erschwert zu lesen, stärker tritt dies noch bei dem Klappentext auf der Rückseite hervor, der wirklich kaum zu lesen ist. Weiß auf aufspritzendem Wasser ist keine gute Idee. Der Satz selbst wartet mit einem mir nicht ganz ersichtlichen Gebrauch von Leerzeilen auf, der für mich nicht nachvollziehbar mit normalen Absätzen wechselt. Hinzu kommen CAPSLOCK, ein verschnörkelter, mitunter schwer zu lesender Font für die alte Sprache des Monsters sowie ein fast schon beliebig wirkender Gebrauch (oder Nichtgebrauch) von Kommata. Abgesehen davon finden sich jedoch keine Rechtschreibfehler im Text, was immerhin etwas ist.

Formatierung ist halt doch etwas, das in einigen Fällen (wie diesem) nicht immer den besten Eindruck hinterlässt.

Nun aber zum Inhalt. Am meisten konnten die Zwerge begeistern, die Sharfeyn bewachen sollten, der ihnen aber ausbüxte, weil der Mechanismus, dessen Teil die Zwerge sind, kaputt ist. Sie haben definitiv Charakter und sind individuell. Immer, wenn sie auftraten, hatte das Lesen besonders viel Spaß gemacht.

Die andere Seite ist Ralph, ein weiterer Wegbegleiter Magentas. Er blieb anders als die Zwerge die ganze Zeit über blass und wollte als Charakter einfach nicht so wirklich aus den Seiten hervortreten.

Auch Magenta, die von den Dorfbewohnern zur Antagonistin gemacht wurde, konnte in dieser Rolle nicht ganz überzeugen. Genauer: Es überzeugt nicht, wie sie überhaupt dazu gemacht wurde. Ganz zu Anfang wird die Dorfhexe Frau Drollich vorgestellt, die definitiv nicht den Eindruck macht, von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen zu sein, indem sie beispielsweise stigmatisiert wird. Viel mehr wirkt sie wie ein harmonischer Teil dessen und wird von den anderen Bewohnern durchaus akzeptiert. Wie es dazu kommt, dass Magenta als »Hexe« mit eindeutig negativer Konnotation stigmatisiert wird, leuchtet vor diesem Hintergrund wirklich nicht ein.

Die Hexen des Romans sind übrigens der vielleicht deutlichste Punkt, weshalb man hier nicht unbedingt von einem Märchen reden kann – zumindest keinem, das der Tradition der Volksmärchen folgt. Ebenjene haben für bestimmte Personen, wie zum Beispiel die Hexen, sehr genaue Vorstellungen. So heißt es in Hänsel und Gretel beispielsweise: »Die Alte hatte sich nur so freundlich angestellt, sie war aber eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Brothäuslein bloß gebaut, um sie hereinzulocken. Wenn eins in ihre Gegenwart kam, so machte sie es tot, kochte es und aß es, und das war ihr ein Festtag. Die Hexen haben rote Augen und können nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung, wie die Tiere, und merken’s, wenn Menschen heran kommen.« (KHM 15) Offensichtlich trifft nichts davon auf Magenta oder Fräulein Drollich zu.

Insgesamt liest sich das Buch aber durchaus ganz nett, wenn auch mit ein paar Abstrichen. Die Geschichte selbst unterhält recht gut und ist nicht auf die langweiligste oder unkreativste Art aufgezogen. Damit kann das Buch also durchaus ganz nette Unterhaltung bieten, wenn man das eine oder andere Mal ein Auge zudrückt.

Kann man also über Dinge wie das Cover und die Formatierung hinweg sehen, findet man sogar noch ein paar Abstriche weniger. Das Buch kann durchaus eine gewisse Unterhaltung bieten und hat dabei seine Stärken und Schwächen.

 

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

 

Autor: Betty Berger

Titel: Magenta Zwiebelberg: ein Märchen

Sprache: Deutsch

Umschlagsillustration: B. Berger

Reihe: Nein

Seiten: 268

Originalpreis: 8.45€

Verlag: Selbstverlag

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3740728168

Erscheinungsjahr: 2017

Man mag ein wenig Respekt vor der Reihe haben: Weit über 10 Bände, allesamt jeder für sich ein Todschläger. Terry Goodkind ist definitiv kein Mann der wenigen Worte. Er hat Richard und Kahlan, den Protagonisten seiner berühmtem Reihe »Das Schwert der Wahrheit« eine Menge Raum gegeben. Der Auftakt ihrer Geschichte ist »Das erste Gesetz der Magie«, ein Roman, der auf den ersten Seiten wie ein klassischer Fantasyroman wirkt, aber am Ende doch so viel mehr wird.

Richard ist ein Waldführer, mehr nicht. Während sein Bruder zum Obersten Rat der friedlichen Westlands ernannt wird, ist Richard allein in den Wäldern unterwegs, um den Mord an seinem Vater aufzuklären. Dabei begegnet er Kahlan, einer geheimnisvollen Frau, die aus den Midlands kommt und der es irgendwie gelungen ist, die magische Barriere zwischen den Ländern zu überqueren. Kahlan wird verfolgt, wie sich herausstellt von den Handlangern des Tyrannen Darken Rahl. Sie sucht jemanden, der ihr in ihrem Kampf gegen Rahl zur Seite steht. Wie es sich herausstellt, ist es der alte Zedd, Richards Freund. Und er ist mehr, als er zu sein vorgab: Zauberer der Ersten Ordnung, in dessen alleiniger Macht es steht, den wahren Sucher zu ernennen, dessen Aufgabe es sein wird, Darken Rahl aufzuhalten. Und er ernennt Richard.

Die Reihe ist ganz klassische High Fantasy: ein Auserwählter, seine epische Queste, Freunde, die ihm zur Seite stehen, magische Gegenstände. Das ganze Programm. Doch Terry Goodkind ist es gelungen, daraus etwas ganz Besonderes zu machen, das einen von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Suchtpotenzial garantiert!

Das fängt schon bei so ganz profanen Dingen wie den Charakteren an. Sie können in ihrer Gesamtheit absolut überzeugen, jeder hat seine individuellen Züge und Macken. Sie bringen den Leser zum Lachen, aber auch zum Hassen - und dazu, Mitgefühl zu zeigen. Richards Umgang mit Danna war phänomenal! So ein Ausgang hätte vielleicht nicht jeder erwartet. Und ja, einige Charaktere sind regelrecht hassenswürdig, besonders Darken Rahl selbst und sein Handlanger Demmin Nass, die wirklich abscheuliche Dinge tun - und der Autor ist gnadenlos und lässt den Leser all das hautnah miterleben. Für zarte Gemüter ist das Buch vielleicht nicht immer etwas, denn das Buch kann defintiv eines: schocken.

Was man auch festhalten muss, ist, dass das Buch ein slowburner ist. Das heißt, es braucht seine Zeit, ehe es in Fahrt kommt. Dabei gibt es aber von Anfang an keinen einzigen Moment, der irgendwie langweilig wäre. Obwohl das Buch so ein dicker Wälzer ist, hat man nicht das Gefühl, ewig und drei Tage daran knabbern zu müssen. Vielmehr ist es durchweg kurzweilig, unterhaltsam und vor allem eines: spannend! Die Geschichte fesselt und man kann gar nicht mehr davon lassen, da man unbedingt wissen muss, wie es nun weiter geht! Irgendwie passiert immer etwas Lesenswertes oder man erfährt spannende Dinge über die Welt von Richard und Kahlan.

Es ist definitiv kein Fehler, sich an die Reihe zu wagen. Hier ist einer der seltenen Fälle, wo man froh sein kann, dass es so viel davon gibt: Das heißt immerhin, dass es nach der letzten Seite noch eine ganze Weile weitergehen kann!

 

 

Autor: Terry Goodkind

Titel: Das Schwert der Wahrheit: Das erste Gesetz der Magie

Original: Wizard's First Rule

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Caspar Holz

Reihe: Band 1

Seiten: 1009

Originalpreis: 10,00€

Verlag: blanvalet

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-442-36967-6

Erscheinungsjahr: 2008

© und Quelle: Verlag

Drachen üben eine magische Anziehungskraft auf mich aus, und außerdem sieht das Cover von »Drachen der Wildnis«, Teil Eins der Drachenatem-Trilogie, von Ava Richardson ohnehin klasse aus. Ich konnte einfach nicht umhin, hier einmal für die Freitagsprobe (die heute an einem Samstag ist) hineinzusehen.

Aus Zeiten der Dunkelheit kommen unerwartete Helden hervor.

Das einst friedliche Königreich Torvald wurde von böser Magie zerrüttet, die Reiter mussten ihre Drachen vergessen und ebenso wie sie in die Wildnis fliehen. Jetzt wird jeder, der es wagt über Drachen zu sprechen, als wahnsinnig betrachtet und hingerichtet.

Vor sechzehn Jahren wurde Saffron in diesem dunklen, verwirrten Land geboren. Da sie unter dem Fluch steht, Drachenfreundin zu sein und magische Kräfte zu haben, war sie zu einem Leben im Exil gezwungen und wurde von Drachen großgezogen – aber heimlich träumt sie von einem normalen Leben und der Familie, die sie verloren hat.

Aber da ihre Magie für sie unkontrollierbar ist, weiß Saffron, dass sie ihre Familie finden muss, bevor sie sich selbst verletzt - oder schlimmer, ihre Drachenfamilie.

Bower, gelehrt und zurückgezogen lebend, zieht es vor, seine Tage damit zu verbringen, über die Legenden der Drachenreiter zu lesen - selbst wenn es für ihn den Tod bedeutet, sollte man ihn dabei ertappen. Aber als Sohn eines adligen Hauses, das am Rande der Zerstörung steht, ist es an ihm, eine mysteriöse Prophezeiung zu erfüllen und das Königreich vor der Herrschaft des bösen Königs Enric zu retten - doch alles, was er möchte, ist in Ruhe lesen zu dürfen. Als das Schicksal ihn mit Saffron zusammenführt, gewinnt er eine mächtige Verbündete - aber eine, deren wilde, unberechenbare Magie ihrer beider Leben bedroht.

Ihre Freundschaft könnte vielleicht die Kraft haben, den Lauf der Geschichte zu ändern, aber als König Enric, der schwarze Magier, Saffron ein verlockendes Angebot

(Quelle: Amazon)

Der Klappentext ist ziemlich lang, darüber hinaus lernen wir in der Leseprobe den angesprochenen Bower nicht kennen. Dafür umfasst selbige aber den Prolog, in welchem erklärt wird, wie es zu dem Fluch des Vergessens kam, und wir erhalten einen Einblick in Saffrons Leben bei den Drachen. Prolog und erstes Kapitel sind in zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben, jedes Mal aber in der ich-Form. Das mag ich persönlich nicht so, kann aber damit leben, wenn zumindest der Rest passt.

Und hier passt alles weitestgehend. Es ist im Prolog etwas schwierig, bei den Namen mitzukommen, wer hier wer ist und wie zu allem steht, was passiert, aber mit etwas mehr Aufmerksamkeit als sonst geht das.

Im Prolog geht alles Schlag auf Schlag. Sofort ist der Leser mitten im Geschehen und wird förmlich mitgerissen. Das erste Kapitel lässt es etwas ruhiger angehen und stellt uns Saffron und ihre Drachenschwester Jaydra vor, mit der sie zusammen aufgewachsen ist. Uns wird gesagt, dass etwas an Saffron anders ist (und nach dem Prolog ahne ich, was das ist). Saffrons Aufgabe besteht nun darin, herauszufinden, wer sie ist.

Der Stil ist okay. Nichts Besonderes, aber auch nicht schlecht. Inhaltlich reizt mich das Buch allerdings durchaus. Nicht nur das Cover kann mich hier neugierig machen. Ich glaube nicht, dass das Buch das Potenzial hat, der Hit des Jahres zu werden, aber zumindest die Leseprobe verspricht ein paar angenehme Lesestunden.

»Drachen der Wildnis« verspricht in der Leseprobe also durchaus ein gutes Buch, das auf jeden Fall eine Überlegung wert zu sein scheint. Auf meine Wunschliste ist es jedenfalls bereits gewandert.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

 

Autor: Ava Richardson

Titel: Drachenatem-Trilogie: Drachen der Wildnis

Sprache: Deutsch

Original: Upon Dragon‘s Breath: Dragons of Wild

Übersetzung: ?

Umschlagillustration: Joemel Reueza

Reihe: Band 1

Seiten: 303

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Relay Publishing

Genre: Fantasy

ASIN: B01N0Q5B95

Erscheinungsjahr: 2017

Ich kam schon in recht jungen Jahren zu Tolkien, und zwar durch meine Eltern und durch die Filme. Als die Filme 2001 ins Kino kamen, war ich noch in der Grundschule. Ich weiß noch bis heute, wie ich damals abends immer mega Schiss hatte, wenn Mama und Papa die Filme geguckt hatten. Mein erster Kontakt verlief also eher unrühmlich. Ein paar Jahre später, vielleicht war ich da 12, wollte ich aber doch wissen, was meine Eltern da so toll fanden. Papa, total begeistert, dass seine Erziehung wirkte, setzte mich vor den Fernseher und schaltete den ersten Teil an. Wirklich, ungelogen, ich saß mit offenem Mund da. Und es war um mich geschehen.

Meine ersten Tolkien-Bücher wanderten ganz klammheimlich aus der elterlichen Sammlung in meine Regale und sind bis heute, obwohl es an und für sich keine besonderen Bücher sind, mit meine größten Schätze.

Folgt übrigens in den Social Medias #Tolkiencollection und #Tolkiencollector, da findet ihr wirklich tolle Bücher. Meine Hauptquelle für Neuentdeckungen. »Ohhho!! <3 Die Ausgabe brauche ich UNBEDINGT!« »Aber du hast doch schon drölfzig Herr der Ringe Ausgaben.« »NIEMALS! Mein Schatzzzzzz!«

Papa empfahl mir damals, mit dem Hobbit zu beginnen, dann zum Herrn der Ringe überzugehen und zum Schluss das Silmarillion zu lesen. So empfehle ich es auch heute noch jedem und so werde ich auch in diesem Post vorgehen.

Der Hobbit oder Hin und zurück

Lange, bevor die scheußliche Verfilmung rauskam und jetzt gefühlt das einzige sind, das die Cover der neuen Hobbitauflagen ziert, gab es diese Ausgabe, in der auch, soweit ich weiß, Der Herr der Ringe und Das Silmarillion erschienen. Wieso meine Eltern ausgerechnet diese Ausgabe angeschafft hatten, weiß ich allerdings nicht, denn die schönste ist sie weiß Gott nicht. Aber stabil. Machte fast genauso viel mit wie mein Herr der Ringe, und da sind keine Seiten lose.

Der Einband ist schlicht, ohne Schnörkel oder schick eingeschlagen. Dafür gibt es allerdings beide Karten, die von Wilderland und Thorins Karte, auf den Einbandseiten. Außerdem ist auch Tolkiens Vorwort zu den Runen enthalten, mit dem man sich, wenn man Lust hat und nicht den einfachen Weg über die Anhänge vom Herrn der Ringe gehen will, die Runen selbst beibringen kann, wenn man weiß, dass auch in der deutschen Ausgabe die Runen auf Thorins Karte den englischen Text darstellen. Was ich gemacht hatte, weil ich gerade nur den Hobbit zur Hand hatte und Langeweile in einer Chemie Freistunde hatte. Wer macht schon die Aufgaben, wenn man Tolkien zur Hand hat? Lieber Runen lernen!

Das Buch selbst kommt mit keinerlei Illustrationen einher, weder von Alan Lee, noch von Tolkien oder sonst irgendwem. Damals war es halt mein allererster Hobbit, da hatte mich das nicht gestört, mittlerweile sind mir illustrierte Ausgaben lieber.

Die Bindung ist okay, die Seiten haben eine gute Dicke, sodass sie nicht nur vom Anschauen zerreißen. Allerdings hat die Ausgabe kein Lesebändchen. Nicht die qualitativste Ausgabe, noch die schönste, aber sie erfüllt die Grundanforderungen. Und ist und bleibt mein erster Hobbit.

Bibliographische Daten

320 Seiten, übersetzt durch Wolfgang Krege, Bertelsmann Ausgabe mit der Buch-Nr. 000010-9, 2001, Originalpreis ?

 

Der Herr der Ringe

Das Buch ist eine inzwischen sehr zerlesene Standardausgabe der Hobbit Presse, die früher in jeden Urlaub mitgeschleppt wurde. Die Seitenränder sind rot eingefärbt, was ich sehr schön finde. Zwar habe ich mittlerweile verschiedenste Ausgaben des Buches in unterschiedlichsten Farben, aber für mich bleibt es einfach standardmäßig rot wie das Rote Buch der Westmark.

Das Buch ist in roten Stoff eingeschlagen, auch wenn ich es mittlerweile mit einer Buchhülle versehen habe, weil die goldene Schrift auf dem Buchrücken kaum noch zu lesen ist – und das ist nur meine geringste Sorge bei dem Buch. Das Buch hat mittlerweile einiges mitgemacht: Mein Onkel hat es gewässert (was ich ihm bis heute übel nehme, obwohl er es sicher längst vergessen hat), Maya, der Hund von Bekannten, hatte es bereits als Kissen missbraucht und unter meinem Kopfkissen lag das Buch früher auch. Das war allerdings das letzte Mal, dass ich ein Buch unter dem Kopfkissen hatte, am nächsten Tag hatte ich nämlich einen steifen Hals und Sportunterricht.

Die Seiten selbst sind ziemlich dünn, weshalb man da etwas aufpassen muss. Außerdem gibt es aller paar Seiten Illustrationen, sowie auf jeder Doppelseite eines neuen Teiles und Buches ebenfalls eine große Illustration. Das Buch hat die Karte des Auenlandes, leider jedoch nicht von Mittelerde und Gondor. Außerdem gibt es zwei Lesebändchen, ein rotes und ein goldenes, und die Anhänge samt Register sind enthalten. In Anbetracht dessen, was das Buch bei mir alles mittlerweile mitgemacht hat, eine sehr stabile Ausgabe, die sehr gut zum Viellesen ist.

Bibliographische Daten

1238 Seiten, übersetzt durch Wolfgang Krege (Gedichte durch E.-M. von Freymann), Klett-Cotta Hobbit Presse, ISBN 3-608-93222-4 , 7. Auflage 2001, Originalpreis ?

 

Das Silmarillion

Das ist übrigens genau die Ausgabe, von der ich immer sage, dass ich sie erst beim vierten Anlauf einmal durchgelesen habe. Ein Taschenbuch, das durch meine Obsession mit diesem Werk stark gelitten hat, da die Ecken mittlerweile stark angestoßen sind und die Seiten fleckig und einige sogar lose. Was das Cover darstellen soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber es hat etwas, finde ich. Wie ein Magieschleier, der sich durch die Nebel der Altvorderenzeit windet, was ja doch sehr gut zum Silmarillion passt.

Auch dieses Buch ist eine Standardausgabe. Die Bindung ist nicht unbedingt die Aufwendigste und hatte schließlich auch durch meine Dauerbenutzung den Geist aufgegeben. Wie auch mein erster Herr der Ringe ging dieses Buch mittlerweile in Rente und wurde durch neuere, stabilere ersetzt, wird aber immer noch hoch in Ehren gehalten. War immerhin mein erstes, das bedeutet was! Zumindest die Seiten sind nicht hauchzart und sind auch unter Dauerbenutzung nie gerissen.

Illustrationen gibt es hier keine. Dafür gibt es die Karte von Beleriand, den Anhang mit Glossar sowie verschiedenste Stammbäume der großen Fürsten von Elben und Menschen und der Abstammungen der verschiedenen Elbenvölker. Damit fällt es auch Erstlesern leichter, einen Überblick zu behalten. (Wirklich, es ist möglich, das alles im Kopf zu haben, das ist bei mir nur die Spitze des Eisberges.)

Bibliographische Daten

493 Seiten, übersetzt durch Wolfgang Krege, Klett-Cotta Hobbit Presse, ISBN 3-608-93245-3 , 13. Auflage 2003, Originalpreis ?

 

Zeigt her eure Tolkien-Ausgaben! Habt ihr überhaupt Tolkien gelesen? Habt ihr vielleicht auch meine Ausgaben? Und welche Geschichten könnt ihr zu euren Ausgaben erzählen?

Robert Corvus ist für düstere Fantasy immer zu haben – sowie für angenehme Standalones im Meer der überproportionierten, regalfüllenden Epen. Mit »Drachenmahr« tischt er einen weiteren solchen Roman auf, Magie und Action kommen hier nicht zu kurz. Und das alles vor der Kulisse eines furchterregenden Drachens!

Seit vielen Jahren lebt die Stadt Koda im Schatten der Kathedrale. Ebenjene beherbergt einen schrecklichen Drachen, zugleich Tyrann und Gefangener der Stadt. Er wird gefürchtet, doch gleichzeitig auch verehrt, denn ohne seine Magie könnte die von einem undurchdringlichen Moor umgebene und von rachsüchtigen Geistern bedrohte Stadt nicht überleben. Zarria, Gardistin der Wache, will einen Mord aufklären, wird dabei jedoch immer tiefer in den Sumpf der Intrigen der Herrschenden gezogen. Bald schon erkennt sie, dass im Zentrum des Intrigennetzes der Drache steht. Mit ihm steht und fällt alles.

Es steht Robert Corvus drauf und es ist auch Robert Corvus drin. Sein Name steht für düstere Fantasy, Action (häufig nicht gerade zimperlich) und starke Frauenfiguren – und vor allem sehr cooles Worldbuilding. Das alles wird dem Leser auch in »Drachenmahr« präsentiert.

Zarria ist eine Frau, die sich durchzusetzen weiß. Das hat sie mit vielen von Robert Corvus‘ weiblichen Hauptfiguren gemeinsam, und es ist immer wieder sehr schön zu lesen. Das weinerliche Mauerblümchen, das auf seinen Prinzen wartet, sucht man hier vergebens. Viel eher ist es hier die Dame selbst, die sich vor dem bösen Ungeheuer errettet. Frauenpower ist angesagt! Zarria weiß sich in ihrer Welt zu behaupten und stellt sich mutig allen Herausforderungen. Selbst wenn sie dafür dem Drachen direkt vor sein Maul tritt.

Das Worldbuilding war ebenso wieder einmal großartig. Die Handlung spielt die ganze Zeit in der Stadt, was gleichzeitig auch ein wenig deren Isoliertheit durch das umgebende Moor und die darin hausenden Geister wiederspiegelt. Die Besonderheit der Lage speigelt sich auch in der Wirtschaft der Stadt wieder, da sie vollkommen von der Magie des Drachen abhängig ist, der Nahrung und Rohstoffe herbeizaubern kann.

Corvus gelingt es wunderbar, eine düstere, unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Die Draken, die Jungen des Drachen, sind eine allgegenwärtige Bedrohung, ebenso die Geister, die einem schon einmal den einen oder anderen Schauer bescheren können. Auch führt Zarrias Weg sie häufig in die Kanalisation der Stadt sowie in deren verfallenere Gegenden, was noch einmal die düstere Atmosphäre der Handlung unterstreicht. Wobei die Geister und das Umland der Stadt nicht selten gewisse Erinnerungen an die erste Mistborn-Trilogie von Brandon Sanderson weckten …

Tja, und dann natürlich der Drache selbst! Cool! Er ist groß, er ist toll, er ist mächtig und gefährlich, selbst in Gefangenschaft. Natürlich ist das ein riesiger Pluspunkt des Romans!

Ein paar kleine Schönheitsflecken hat das Buch allerdings. Am Ende habe ich etwas den Faden verloren, und während des Lesens kam ich auch nicht immer mit allen Charakteren mit, wer jetzt nun wer ist. Bei letzterem hilft allerdings das Glossar am Ende. Ein wenig Bauchschmerzen hatte ich auch mit dem Kult der Mönche, welcher ganz offensichtlich das Christentum ist. Am Ende des Romans werden ein paar Städte erwähnt, die ich ergoogelte: Für Ustarbad werden mir nur Ergebnisse in Verbindung mit dem Roman angezeigt und Kalai ist laut Wikipedia ein Personenname sowie eine Kommune in Angola. Aber ob das reicht, um sagen zu können, dass Koda in unserer Welt liegt? Das scheint mir zu wenig, von daher werde ich nicht ganz warm damit, dass der Roman an einem augenscheinlich fiktiven Ort spielt (wobei es laut Wikipedia in Georgien und Russland zwei Orte mit Namen Koda geben soll) und es dann nicht nur Anleihen an das Christentum gibt, sondern selbiges tatsächlich auch namentlich erwähnt wird. Das passt einfach nicht.

Trotzdem, der Roman bleibt auf jeden Fall eine Empfehlung für Fans düsterer Fantasy und Drachenliebhaber. Von beidem gibt es hier mehr als reichlich.

 

 

Autor: Robert Corvus

Titel: Drachenmahr

Sprache: Deutsch

Umschlagillustration: Melanie Miklitza

Reihe: Nein

Seiten: 391

Originalpreis: 12,99€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-28015-0

Erscheinungsjahr: 2015

 

Weitere Rezensionen

- Nenatie

© Verlag, Quelle: Goodreads

Nachdem mich die Autorin der letzten Freitagsprobe so neugierig machte, schnupperte ich ein wenig weiter herum und stieß dabei auf eine weitere Drachen-Reihe von Ava Richardson: »Die Akademie der Drachenreiter« ist der Auftakt der Rückkehr der Finsternis Trilogie.

Agathea, aus dem adligen Haus der Flamma, möchte ihrer Familie Ehre machen, indem sie in die Fußstapfen ihrer Brüder tritt und den ihr zustehenden Platz als Drachenreiterin einnimmt. Heirat wäre die einzige Alternative, daher kann Thea einen Misserfolg nicht akzeptieren. Sie ist nicht über ihren unbeholfenen, ungepflegten Partner Seb erfreut, aber ihr Drachen hat sie beide gewählt und nun muss das ungleiche Paar lernen, als Team zu arbeiten.

Der siebzehnjährige Sebastian schämte sich seit langem wegen seines betrunkenen Vaters und seiner mangelhaften Erziehung, aber dann wurde er auserwählt, an der renommierten Akademie als Drachenreiter ausgebildet zu werden. In eine Welt gestoßen, in die er nicht passt, findet Seb eine Verbindung mit seinem Drachen, die noch stärker ist, als er sie sich vorgestellt hatte. Bald tut er alles, was er kann, um erfolgreich zu sein und seine neue Partnerin, Thea, nicht in Verlegenheit zu bringen.

Als Seb Gerüchte hört, dass eine alte Gefahr wieder aufersteht, beginnen er und Thea nachzuforschen. Allein mit ihrer Entschlossenheit und dem Drachen, den sie beide reiten, bewaffnet, könnten Thea und Seb vielleicht die einzige Verteidigung gegen die Finsternis sein, die das Land zu überfluten droht. Gemeinsam werden sie lernen müssen, zusammenzuarbeiten, um ihr Königreich zu retten ... oder bei dem Versuch zu sterben.

(Quelle: Amazon)

Diese Reihe spielt in derselben Welt wie die Drachenatem-Trilogie, der Gegenstand der letzten Freitagsprobe, scheint jedoch zeitlich davor angesiedelt zu sein. Diese Leseprobe präsentiert zwei Erzählperspektiven: die von Agathea und die von Sebastian, beide jeweils in der ich-Form. Das macht es schon in der Leseprobe manchmal etwas knifflig, sogleich zu erkennen, wer hier nun gerade spricht. Die Erzählperspektive wechselt nach jedem Kapitel und es braucht immer etwas, um zu erkennen, wer das nun gerade ist.

Die Leseprobe umfasst die ersten vier Kapitel, die die Auswahl der beiden Protagonisten durch ihren Drachen zum Reiter umfasst. Ein allzu großer Konflikt wird hier noch nicht deutlich, nur, dass Sebastian ein armer Schlucker ist und daher von den anderen Reiterrekruten misstrauisch beäugt wird, da diese vorwiegend aus reichen Familien kommen. Agathea ist selbst nicht glücklich darüber.

In der Leseprobe wird aber die Rückkehr der Finsternis angesprochen, was andeutet, dass das Buch sich nicht nur um den womöglich ausbrechenden Zickenkrieg zwischen Sebastian und dem Rest der Rekruten drehen wird, was mir persönlich nicht sonderlich zugesagt hätte. So jedoch kann das durchaus mehr bieten als nur persönliche Zwiste vor einer seit Eragon doch sehr ausgekauten Kulisse von Drachenreitern.

Auch diese Leseprobe verspricht nicht die Entdeckung des Jahrhunderts, aber ein durchaus lesbares Buch. Und außerdem gibt es Drachen, was immer ein Pluspunkt ist. Ich erhoffe mir eine interessante Kombination von Spannung zwischen Sebastian und Agathea und daraus resultierenden Schwierigkeiten mit der titelgebenden Rückkehr der Finsternis.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

 

 

Autor: Ava Richardson

Titel: Die Rückkehr der Finsternis: Die Akademie der Drachenreiter

Sprache: Deutsch

Original: Return of the Darkening: Dragon Trials

Übersetzung: ?

Umschlagillustration: Joemel Reueza

Reihe: Band 1

Seiten: 233

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Relay Publishing

Genre: Fantasy

ASIN: B01DU59GME

Erscheinungsjahr: 2016

Manchmal geht es in der Fantasy blutig und vulgär zu. Wer Dark Fantasy mag, ist bei »Schwarzer Horizont« von Ivo Pala vielleicht genau richtig, denn dort gibt es reichlich Action. Der Roman ist der Auftakt der Dark World Saga, erschienen bei Droemer Knaur.

Es ist nun schon einige Jahre her, seit der Weltendonner  die Welt erschütterte und sie für immer veränderte. So nennt sich das Naturereignis, hinter welchem sich wahrscheinlich ein Meteoriteneinschlag oder Vulkanausbruch verbirgt, der so viel Asche und Staub in die Atmosphäre wirbelte, dass die Sonne verdunkelt wurde. Nun hält eine Eiszeit die in Schatten gehüllte Welt in ihrem eisigen Griff. Jeder ist sich selbst der nächste, denn es geht um’s nackte Überleben. In dieser lebensfeindlichen Welt versuchen auch der Krieger Raymo, die Sklavin Lizia und der Mönch Ash irgendwie zu überleben und sind mitunter bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen. Vielleicht zu hoch.

Mir fällt es schwer, zu diesem Buch etwas zu sagen. Das liegt vor allem an einem Umstand: Das Buch ist mir zu blutig und vulgär, und das sage ich nicht leichtfertig. Ich meine, bei Game of Thrones störe ich mich auch nicht dran und die Serie ist da noch weit extremer als die Buchreihe. Hier jedoch wirkt es oft einfach nur aufgesetzt und übertrieben.

Die Welt ist unerbittlich, ja, aber der Grad der Gewalt wirkt trotz der Umstände unpassend, zumal Pala an einigen Stellen sonderbarerweise die Grausamkeit dennoch unscharf zeichnet, und es keinen ersichtlichen Grund dafür gibt. Diesen schmalen Grad können andere Autoren wesentlich besser gehen.

Auch kam ich nicht wirklich an die Charaktere heran. Üblicherweise mache ich mir eigentlich nicht das allermeiste aus den Charakteren und achte lieber auf die Welt. Hier wirkten einige Dinge aber zu unglaubwürdig, als dass ich darüber hinwegsehen könnte. Erst ist sie de facto eine Sklavin und landet in irgendeiner schmuddeliggen Gasse und plötzlich kommt eine wildfremde Person daher und behauptet, sie sei die verlorene rechtmäßige Erbin des Thrones und auf einmal meint jeder die Ähnlichkeit zu ihren (angeblichen) Verwandten zu sehen. Deus ex Machina! Dieser Umstand wurde einfach nicht glaubwürdig verkauft. Und das war kein Einzelfall.

Stilistisch hat sich der Autor ebenfalls ein paar Schnitzer geleistet. Der Gebrauch von Ausrufezeichen ist nicht immer passend, hinzu kommt umgangssprachliche Syntax. »Weil« ist eine Subjunktion und leitet eingebettete Sätze (Nebensätze) ein, keine Matrixsätze (Hauptsätze). Das geht nur in der Umgangssprache, wirkt aber in einem Roman, der eben keine Umgangssprache präsentieren möchte, einfach unpassend.

Die Welt hingegen macht schon neugierig. Einige Dinge war zwar sehr vorhersehbar (»Ich fresse einen Besen, wenn das wirklich sein Gott ist! Das ist er nie und nimmer!«), im Großen und Ganzen war es aber durchaus spannend zu lesen, wie sich die Menschen durch ihren Alltag kämpfen, wenn es kein Sonnenlicht mehr gibt und damit auch die Pflanzen nach und nach absterben und die Lebensgrundlage wegfällt.

Mir fällt es außerdem schwer, hier ein Fazit zu ziehen, da ich nicht einmal weiß, ob ich überhaupt weiterlesen will. Das Buch war nicht absolut scheußlich, hatte jedoch einige Allüren, die mir definitiv nicht zugesagt haben. Auf der anderen Seite bin ich aber doch neugierig, wie es mit der Welt weitergeht.

 

 

Autor: Ivo Pala

Titel: Dark World Saga: Schwarzer Horizont

Sprache: Deutsch

Umschlagillustration: Mark William Penny

Reihe: Band 1

Seiten: 392

Originalpreis: 14,99€

Verlag: Droemer Kanur

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-426-51914-8

Erscheinungsjahr: 2016

Mit seinem Namen wurde einem Menschen auch seine Seele gegeben, sagten sich bereits die alten Germanen. Und den Spruch »Nomen est omen« kennt sicher jeder. Namen haben eine Bedeutung, vielleicht auch eine gewisse Macht. Nicole Gozdek hat das in ihrem Jugendfantasy-Roman »Die Magie der Namen« auf die Spitze getrieben und Namen mächtige Magie zugeschrieben.

Zu Beginn ihres Lebens sind alle Menschen bloße Nummern. Wenn sie sechzehn Jahre alt werden, wird ihnen ihr Name verliehen, der ihr ganzes weiteres Leben bestimmt. Denn wer einen Namen bekommt, wird durch die Namenmagie erst wirklich zu einer Persönlichkeit. Nummer 19 träumt davon, ein großer Name zu werden. Als seine Namenzeremonie kommt und er den Namen Tirasan Passario bekommt, ist er jedoch enttäuscht. Niemand scheint den Namen zu kennen und wirklich etwas hat sich durch die Namenmagie auch nicht verändert. Wer also ist Tirasan Passario? Tir und seine Freunde brechen also zum großen Namensarchiv auf, um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen.

Der Roman schreit förmlich danach, unter onomastischen, das heißt namenkundlichen Aspekten gelesen zu werden. Und ja, Namenkunde und nicht NamenSkunde, da fängt es ja schon an mit den Dingen, die mich fuchsig gemacht haben …

Die Leseprobe hatte sehr vielversprechend geklungen, und die Grundidee des Romans ist noch immer sehr cool. Die Umsetzung ist dagegen eher semispektakulär, fast schon ordinär und langweilig im Vergleich zu dem, was versprochen wurde.

Das Hauptproblem, das ich sehe, ist, dass der Roman nur an der Oberfläche der Namenthematik kratzt. Wir finden hier nichts Namenkundliches, das über das hinaus geht, das jeder Laie sich auch so, ohne sich jemals mit Onomastik beschäftigt zu haben, zusammenreimen kann, was ausgesprochen schade ist. Man hätte so viel mehr da raus holen können!

Das Namensystem ist schlicht, fast schon arm, da die Namengebungsmotivik ausschließlich aus Berufsnamen besteht. Die Vornamen sind nicht gegliedert, eine Bedeutung ist nicht gegeben. Man erfährt nur, dass Vornamen mit weniger Gliedern bedeutsamer sind – was auch immer das heißen mag. Zumal das anscheinend nicht konsequent durchgezogen ist. Tirasan ist angeblich ein zweigliedriger Name, wenn sich die Glieder aber nicht nach dem Augenscheinlichen, den Silben, richtet, so wurde das nie angesprochen und Tirasan ist demnach eigentlich doch ein dreigliedriger Name. Wie die Vornamengebung motiviert ist, wird also schon einmal absolut nicht ersichtlich, was im Angesicht der Thematik schwach ist.

Und dann liest man noch Aussagen wie diese: »Spitznamen, die keine Namen sind«. Ja, was denn sonst? Käsekuchen? Natürlich sind Spitznamen Namen, selbst wenn man jemanden »Hinkebein« oder dergleichen nennt! Sie sind sogar so sehr Namen, das das eine der Quellen für unsere heutige Familiennamenmotivik ist.

Die Charaktere bleiben eher flach. Nachdem sie ihren Namen bekommen haben, werden sie ausschließlich von der Namenmagie bestimmt, ihre vorigen Charakterzüge scheinen nicht mehr die allergrößte Rolle zu spielen. Auch das hätte man vertiefen können, ebenso den Umstand, dass Kinder spätestens ein Jahr nach ihrer Geburt in Schulen gegeben werden. Das wird gemacht, damit ihre Eltern nicht in Versuchung geraten, ihnen einen Namen zu geben und vorzeitig die Namenmagie zu erwecken, was tödliche Folgen haben kann und daher verboten ist. Aber was macht es mit einem Kind, wenn es in einer fast schon sterilen Umgebung eines Internats aufwächst, ohne elterliche oder andere Fürsorge (denn es wirkte nicht so, als würden die Pfleger groß eine Bindung zu den Kindern aufbauen wollen) und nur mit einer Nummer, mit der ihnen jegliche Individualität abgesprochen wird. Ganz ehrlich: Warum zeigt niemand Spuren dieser Behandlung? Das prägt einen doch, selbst wenn man es nicht anders kennt!

Nebst den Charakteren können auch die Dialoge nicht immer überzeugen. Im Rahmen eines Jugendbuches finden sich hier keine völlig hochgestochenen Formulierungen, was also durchaus angemessen ist. Allerdings wirken die Dialoge streckenweise sehr aufgesetzt und gekünstelt und lesen sich nicht immer wie ein tatsächliches Gespräch.

Abgesehen von der Grundidee, die trotz der gescheiterten Umsetzung schon sehr cool bleibt, kann man dem Roman zumindest zugutehalten, dass er sich sehr schnell liest. Man ist durchaus an einem Nachmittag damit durch.

Der Roman verspricht viel und hält wenig davon. Sehr schade, denn die Grundidee hat auf jeden Fall etwas. Der Gewinner des #erzaehlesuns Awards 2016 von Piper auf Wattpad hat auf jeden Fall extrem viel Luft nach oben und nur wenig nach unten. Man sollte den Roman also auf keinen Fall unter onomastischen Gesichtspunkten lesen, denn dem kann er nicht standhalten.

 

 

Autor: Nicole Gozdek

Titel: Die Magie der Namen

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 368

Originalpreis: 16,99€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-70387-1

Erscheinungsjahr: 2016

Quelle und ©: Verlag

In einer kurzen Pause meiner Rettung Nibels in Ori and the Blind Forest widme ich mit »Rotkäppchen und der Hipster-Wolf«, einem Werk von Nina MacKay. Ich habe zwar »Plötzlich Banshee« bei weitem nicht in guter Erinnerung, aber Märchen sind ja doch mein Fall … Und wir erinnern uns: Trash …

Im Märchenwald ist die Hölle los. Alle Happy Ends wurden gestohlen! Cinderella, Schneewittchen und Co. beschließen, ihre verschwundenen Prinzen zu retten, wozu sogleich eine “Verhöre-und-Töte”-Liste der Verdächtigen erstellt wird:

1. Wölfe töten

2. Hexen töten

3. böse Stiefmütter töten (wobei das oft mit Punkt 2 einhergeht)

4. böse Feen töten

Nur Red findet die Idee äußerst schwachsinnig. Doch dann taucht ein gutaussehender Hipster auf, der mehr über die verschwundenen Prinzen zu wissen scheint. Schnell stellt sich heraus, dass Everton eigentlich ein Werwolf ist und auf der Liste der durch die Prinzessinnen bedrohten Arten steht. Red bleiben plötzlich nur sieben Tage, um die Prinzen zu finden, bevor sie Ever ausliefern muss. Doch warum will gerade er eigentlich die Happy Ends zurückbringen? Benutzt er Red nur für seine eigenen Zwecke? Sicher ist jedoch: In Reds Leben nimmt ab sofort die Zahl der Hipsterwitze wahnwitzige Ausmaße an, sehr zum Leidwesen von Ever …

(Quelle: Amazon)

Schon im Klappentext frage ich mich, warum wahllos zwischen deutschsprachigem und angelsächsischen Raum gewechselt wird. Im Deutschen heißt das Mädchen Aschenputtel und nicht Cinderella. Der Wechsel verschiedenster Märchenkulturen setzt sich durch die Leseprobe fort, obwohl der Text den Eindruck erwecken will, auf Grimmmächen zu beruhen. Das tut er jedoch nicht! Aber Rotkäppchen ist ja fesh und hat schon auf dem Cover einen dieser komischen Selfiesticks, weshalb sie sich zumindest ganz cool im Weiteren Red und nicht mal Red Riding Hood nennt.

Dem Text geht eine »Warnung« voraus, die in mir böse Erinnerungen an Wattpad weckt, was ehrlich gesagt nicht unbedingt den seriösesten Eindruck macht. Diese »Warnung« hat den Anstrich von: »Legt Taschentücher bereit! Legolas wird euch in dieser weiteren unter Milliarden von 10th Walker Sues Fanfictions sooooo sehr zum Heulen bringen!« Ich denke, Leser sind selbständig (und erwachsen) genug, um so etwas selbst zu bestimmen, was solche Anmerkungen überflüssig macht.

Was mir aber positiv ins Auge fällt, sind die kleinen süßen Bildchen vor jedem Kapitel, die Märchenfiguren zeigen. Dann hört es auch schon auf.

Red, unsere Protagonistin präsentiert sich sogleich als, verzeiht den Ausdruck, Arschloch. Ihr ist wortwörtlich ein Hipster ins Netz gegangen, und sie beömmelt sich köstlich über seinen Anblick und will das auch noch auf YouTube einstellen, um ihn noch mehr herabzuwürdigen. Sorry, Leute, das ist Arschlochverhalten und macht mir einen Buchcharakter sowas von unsympathisch.

Die Warnung warnt mich übrigens davor, dass peinliche Situationen entstehen können, liest man das Buch in der Öffentlichkeit, weil es zu unkontrollierten Lachflashs kommen kann. Das bezweifle ich jedoch, denn der Humor kommt ausgesprochen flach, rollt fast schon förmlich über den Boden. Ein Hipster wiegt ein Instagram, hahahaha, wie unlustig …

Neben Red erscheinen mir auch die anderen Protagonistinnen, Schneewittchen, Dornröschen und Aschenputtel (oder ganz fesh Snow, Rose und Cinder) wenig sympathisch. Sie benehmen sich wie aufgescheuchte Hühner, die anscheinend nur die nächste Beautysession im Kopf haben und möglichst toll auf ihren Instagram Accounts aussehen wollen. Leute, bitte …

Der Roman konzentriert sich zumindest im Prolog ausschließlich auf die bekanntesten Märchen, was sehr schade ist. Immerhin umfasst allein die Sammlung der Gebrüder Grimm insgesamt zweihundert Kinder- und Hausmärchen und zehn Kinderlegenden. Man könnte fast den Eindruck gewissen, die bestünden samt und sonders aus Rotkäppchen, Schneewittchen und Konsorten. Wer hat schon einmal von Fitchers Vogel oder von Knoist un sine drie Sühne gehört? Letztere wäre auch noch ein wunderbares Beispiel dafür, dass Märchen nicht immer nur nach dem Schema Verlorene Prinzessin + Prinz = Happy End verlaufen, denn es ist ein Lügenmärchen. Oder vom Hühnchen und Hähnchen, das in der absoluten Katastrophe, dem Tod aller Tiere, endet …

Wären das nicht mal Märchen, mit denen man sich in einer Parodie auseinander setzen kann? Immer und immer wieder dieselben Märchen mit denselben billigen Sprüchen aufs Korn zu nehmen, ist alles andere als originell.

In diesem Fall kann ich nicht einmal das Potenzial entdecken, dass daraus etwas Gutes hätte werden können, denn schon die Leseprobe lässt nichts davon entdecken. Das Material ist oft genug ausgewalzt worden, die Grundidee reichlich durchgekaut und auch die Charaktere lassen keine Eigenschaft erkennen, die sie für mich nach der Leseprobe lesenswert machen würden. Nein, einfach nein. Da rette ich doch bedeutend lieber Nibel.

 

Die vom mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

 

Autor: Nina MacKay

Titel: Rotkäppchen und der Hipster-Wolf

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 380

Originalpreis: 4,99€

Verlag: Drachenmond Verlag

Genre: Fantasy

ASIN: B01LYFJJ4K

Erscheinungsjahr: 2016

Wieder geht es nach Westland, Rolands Heimat. »tot.« ist der dritte Teil der Reihe um den Dunklen Turm von Stephen King, seiner Dark Fantasy Romane.

Die Drei wurden gezogen, doch der letzte der Drei erwies sich nicht als der Wahre. Noch immer ist Rolands Ka-Tet unvollständig und braucht sein letztes Glied. Währenddessen sucht Roland nach dem Schlüssen zum Dunklen Turm. Seine Suche führt ihn auf alte, längst vergessene Pfade, auf denen ihm ebenso alte und vergessene Wächter begegnen, die es zu überwinden gilt.

Dieser Band ist ein wahres Fest an Hintergrundinformationen. Gleich von Beginn an erfährt man viel Neues über Rolands Welt, verbunden mit einigen spannenden Actionszenen, als es gegen einen der Wächter geht. Damit kann das Buch den Leser sogleich packen, und obwohl auch dieser Band nicht gerade schnell vorangeht, bleibt es doch lesenswert, da man immer wieder Neues erfährt.

Insbesondere im ersten Teil muss man jedoch am Ball bleiben und aufmerksam lesen. Roland hat im letzten Band ein Zeitparadoxon erschaffen, das nun einige seltsame Dinge formt. Es dauert eine Weile, bis Roland versteht, was vor sich geht, und auch, als er es versteht, ist die Erklärung etwas verwirrend, wenn auch bei genauerem Nachdenken nachvollziehbar.

Der Schluss des Buches ist etwas unbefriedigend. Die fehlende Anzahl an Seiten, die auf die letzten Seiten folgte, deutete an, dass der Schluss nun erfolgen würde, inhaltlich fühlt es sich jedoch nicht wie ein Schluss an. Das Buch endet einfach, was sich unrund anfühlt.

Die Reihe bleibt dennoch lesenswert und auf einem guten Niveau. Das Lesen macht Spaß und man hat selten das Gefühl, dass es sich wirklich zieht.

 

 

Autor: Stephen King

Titel: Der Dunkle Turm: tot.

Sprache: Deutsch

Original: The Waste Lands

Übersetzung: Joachim Körber

Reihe: Band 3

Seiten: 750

Originalpreis: 8,95€

Verlag: Heyne

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-453-87558-3

Erscheinungsjahr: 2003

 

Weitere Rezensionen:

- Nenatie

4.bp.blogspot.com="" -fyimesiba3c="" wwkzlfrjwri="" aaaaaaaace4="" ucf2pwmry0u4nshekenjznhszmudng7baclcbgas="" s1600="" 441_30898_147989_xxl.jpg"="">

Quelle und ©: Verlag

Man stolpert eben so über Dinge. Thinking out of the box und so … So war es auch der Fall bei »Poison Princess« von Kresley Cole. Die Leseprobe hat mich sehr verwirrt und irritiert zurückgelassen, und wenn ich eines schon jetzt weiß, dann, dass ich dieses Buch bitte nicht lesen möchte. Danke.

Die rote Hexe, der Tod, ein Heer aus Blüten und Dornen … düstere Bilder und Stimmen suchen Evie vor ihrem sechzehnten Geburtstag heim – und nach einer Katastrophe werden diese Visionen wahr. Als eine der wenigen Überlebenden bleibt sie zurück in einer öden Welt aus Asche und Verderben, an ihrer Seite der undurchsichtige Bad Boy Jack. Als klar wird, dass in Evie der Schlüssel zu neuem Leben verborgen liegt, müssen sie fliehen. Doch Evie ahnt, es ist nicht nur ihre Bestimmung, Leben zu geben, sondern auch den Tod zu säen. Nie darf Jack davon erfahren, denn längst hat sich Evie unsterblich in ihn verliebt …

(Quelle: Leseprobe)

Bad Boy hätte mich schon vorwarnen sollen. Nach der Lektüre der die ersten beiden Kapitel und den Prolog umfassenden Leseprobe habe ich absolut keinen blassen Schimmer, was ich hier eigentlich gerade gelesen habe. Der Prolog schwafelt etwas von einem Psychopathen, der Prota-chan Evangeline aka Evie in eine Falle folgt, die anderen beiden Kapitel switchen zu einer Zeit vor dieser Katastrophe und zeigen mir eigentlich nur aufgetakelte Görlz, die nichts weiter als heiße Boiz und fette Markenklunker im Kopf haben. Wo soll mich das animieren, das Buch zu lesen?

Aber der Reihe nach. Zunächst einmal ist es ausgesprochen verwirrend, dass wir im Prolog einen ich-Erzähler haben und in den darauf folgenden Kapitel einen anderen ich-Erzähler. Ohne dass das irgendwie ersichtlich wird. Man möchte eine nicht unbedeutende Zeit lang denken, dass der Psychopath aus dem Prolog plötzlich High Heels und Lippenstift trägt, während man sich wundert, warum er das nicht schon im Prolog getan hat. Und wieso er überhaupt wie ein völlig anderer Mensch wirkt. Warum dann überhaupt diese Sicht wählen, wenn man damit eh mehr Unheil anrichtet, als man Gutes erreicht? Lasst es einfach und wählt die dritte Person. Das ist in solch einem Fall definitiv klarer und einfacher und erfüllt seinen Zweck genauso – hier sogar besser.

Der Inhalt macht das nicht besser und verstärkt die Verwirrung nur. Es gab irgendeine Naturkastastrophe und Evie ist eine Göre, so viel habe ich mitbekommen, aber dann hört es eigentlich schon auf. Was hat der Prolog mit dem Rest zu schaffen? Und was will mir der Rest überhaupt sagen? Und warum sollte ich das lesen? Letzteres ist immer noch die Hauptprämisse einer Leseprobe. Hier absolut nicht erfüllt.

Über Evie erfahre ich hauptsächlich, dass sie ganz bescheiden ein paar Diamantohrringe und Markenklamotten trägt. Die beim Namen genannt werden. Weil wir das unbedingt wissen müssen, wie bescheiden sie ist. Indem Marken genannt werden. Dass der Teufel Prada trägt, interessiert mich jedoch in den wenigsten Fällen, weil es nur in den allerwenigstes Fällen Relevanz hat und sonst einfach nur unnütze Informationen sind, die Protagonisten wie reiche, verzogene Gören dastehen lassen, weil sie so viel Wert auf Marken legen, dass sie es dem Leser »ganz bescheiden« unter die Nase reiben müssen.

Kurz und knapp: Die Leseprobe lässt nicht einmal vermuten, dass das restliche Buch vielleicht doch etwas werden könnte. Alles in mir schreit: »NEIN! Lies es nicht!« Ehrlich gesagt hätte ich beinahe nicht einmal die Leseprobe zu Ende gelesen …

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf der Verlagsseite.

 

Autor: Kresley Cole

Titel: Poison Princess

Sprache: Deutsch

Original: Poison Princess. The Arcana Chronicles

Übersetzung: Kathrin Wolf

Reihe: Band 1

Seiten: 608

Originalpreis: 9,99€

Verlag: cbt

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-570-30898-1

Erscheinungsjahr: 2014

Quelle: Goodreads, ©Joemel, Requeza, Victorine Lieske

Drachen sind meine Nemesis. Ein Drache auf dem Cover und schon hat das Buch mein Interesse geweckt. Das war auch der Grund, wie ich auf »Dragonfriend«, den ersten Teil der Dragonfriend-Reihe von Marc Secchia, gekommen bin.

Stabbed. Burned by a dragon. Abandoned for the windrocs to pick over. The traitor Ra’aba tried to silence Hualiama forever. But he reckoned without the strength of a dragonet’s paw, and the courage of a girl who refused to die.

Only an extraordinary friendship will save Hualiama’s beloved kingdom of Fra’anior and restore the King to the Onyx Throne. Flicker, the valiant dragonet. Hualiama, a foundling, adopted into the royal family. The power of a friendship which paid the ultimate price.

This is the tale of Hualiama Dragonfriend, and a love which became legend.

(Quelle: Amazon)

Ich hatte einige Schwierigkeiten, mich in die Leseprobe einzufinden. Der Leser wird mitten hinein geschmissen und hat sich nun gefälligst zu Recht zu finden. Ein paar Sachen werden im Laufe der Leseprobe etwas klarer, aber ohne Kenntnis des Klappentextes bleibt dennoch vieles im Dunklen. Ich war eher verwirrt als neugierig.

Der Einstieg in das Buch wirkt damit eher knall auf fall und die Leseprobe vermittelt zumindest mir damit nicht unbedingt ein klares Bild von dem, was mich erwarten könnte. Ich konnte nicht immer ganz folgen, was hier gerade passiert, und oft hatte ich auch das Gefühl, dass es große Sprünge gab, die Teile der Handlung stark zusammenkürzten oder gleich nur ankratzten und dann übergingen. Erst ist Lia in arger Bedrängnis, dann wird sie von einem Drachen (?) gerettet, dann verbringt sie irgendwie Zeit mit ihm und beide halten den anderen irgendwie für dumm und wollen ihn wie ein kleines Kind ihre eigene Sprache lehren? Das wirkte alles sehr wirr.

Das Buch ist dennoch auf meine Wunschliste gewandert, einfach wegen der Drachen. Allerdings steht es sehr weit unten, denn die Leseprobe vermittelte mir jetzt nicht den besten Eindruck.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon und umfasst die ersten vier Kapitel.

 

Autor: Marc Secchia

Titel: Dragonfriend

Sprache: Englisch

Coverillustration: Joemel Requeza

Reihe: Band 1

Seiten: 433

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Selfpublishing

Genre: YA Fantasy

ASIN: B00TS3J5GU

Erscheinungsjahr: 2015

Freundschaft und Familie muss nicht immer an Blutsbande gebunden sein. Das zeigt Tony DiTerlizzi in »Die Suche nach WondLa«, dem Auftakt seiner Science-Fiction-Reihe »The Search for WondLa«.

Eva Neun lebt als letzter Mensch in einem unterirdischen Refugium. Ihre einzige Gesellschaft sind ihre Kuscheltiere und der Roboter Mudrr, welcher sie wie eine Mutter aufzog und nun ihr Überlebenstraining überwacht. Als das Refugium plötzlich von einer fremden Kreatur überfallen wird, muss Eva an die Oberfläche fliehen. Sie findet sich in einer Welt wieder, die ihr völlig fremd erscheint und auf die ihr Überlebenstraining sie nicht vorbereitet hat. Ganz unerwartet findet sie jedoch in der lebensfeindlichen Umgebung einen Freund in Wanderlin, der ihr hilft, Spuren anderer Menschen zu finden.

Das Buch ist ein Kinderbuch. Dementsprechend angemessen ist die Sprache und es liest sich sehr schnell weg. Trotz der fünfhundert Seiten kann man sich damit durchaus auch einmal einen Nachmittag in die Hängematte lesen und das Buch am Stück verschlingen. Es lohnt sich auch, denn die Geschichte ist liebreizend und lesenswert.

Eva sucht andere Menschen auf dem ihr vermeintlich fremden Planeten. Dabei lernt sie, dass man Familie und Freunde nicht anhand des Blutes oder der eigenen Artzugehörigkeit festmachen muss, sondern sich auch seine eigene Familie wählen kann und das eigen WondLa, das eigene Wunderland, überall verborgen sein kann, wenn man nur will.

Das Buch kommt mit wunderschönen Illustrationen des Autors einher, welcher bereits die Spiderwick-Serie illustriert hatte. In der Erzählung stützt er sich jedoch etwas zu sehr auf seine Illustrationen, sodass Beschreibungen im Text manchmal etwas zu knapp geraten. Hinzu kommt, dass in der deutschen Fassung, die mir vorlag, ein paar Zeichen verloren gingen.

Der Roman ist dennoch ein malerisches Märchen mit einer starken Aussage. Trotz der manchmal etwas knappen Beschreibungen schafft es der Autor, seine Leser in den Roman zu ziehen, sodass sie zusammen mit Eva und Wanderlin eine schillernde Märchenwelt erkunden können. Er schafft dabei eine kreative und ausgefallene Umgebung für seine Charaktere, die auch für den Leser zahlreiche Wunder bereithält, ohne völlig fremd und abstrakt zu wirken.

»Die Suche nach WondLa« besticht durch eine kreative Welt und einen gefühlvollen Umgang der Charaktere miteinander. Ein wenig schwächelt der Roman allerdings bei seiner Sprache und insbesondere bei den Beschreibungen. Er bietet dennoch einige vergnügliche Lesestunden.

 

 

Autor: Tony DiTerlizzi

Titel: The Search for WondLa: Die Suche nach WondLa

Sprache: Deutsch

Original: The Search for WondLa

Übersetzung: Bettina Bach, Andrea O‘Brien

Reihe: Band 1

Seiten: 504

Originalpreis: 16,99

Verlag: cbj

Genre: Science-Fiction

ISBN: 978-3-570-15386-4

Erscheinungsjahr: 2011

Allmählich wird es Zeit für einen weiteren Teil meiner Tolkien-Sammlung, dieses Mal wieder Erstlingswerke, wenn man so will: meine ersten englischen Bücher, zumindest von Tolkien. Im Falle des Hobbits war es auch tatsächlich mein erstes englisches Buch, das ich freiwillig gelesen hatte und nicht für die Schule lesen musste.

The Hobbit or there and Back Again

Ich besitze eine Taschenbuchausgabe, die in ihrem Design der Erstausgabe nachempfunden ist mitsamt all den Bildern und Karten. Wie auch in der deutschen Ausgabe gibt es hier das kleine Vorwort, in dem Tolkien die Runen auf der Zwergenkarte erklärt. Selbige ist ebenso vorhanden, genau wie die Karte von Wilderland.

Ich mag an dieser Ausgabe besonders, dass alle Illustrationen von Tolkien selbst stammen. Das Cover ist jenes, welches er damals für die Erstausgabe zeichnete. Auf der Innenseite findet sich ein farbiges Bild, welches einen Blick auf Hobbingen zeigt. Im Buch selbst finden sich weitere Federzeichnungen Tolkiens, die verschiedene Stationen Bilbos zeigen. Tolkiens Zeichenstil ist etwas eigenwillig, aber ich mag ihn.

Dem Buch selbst sieht man mittlerweile an, wie ich es abgeliebt habe, da ich es schon so oft las. Für das Viellesen eignet sich diese Ausgabe also nicht, da es eine einfache Taschenbuchbindung ist und das Buch allmählich den Geist aufgibt.

Bibliographische Daten

351 Seiten, Harper Collins, ISBN 978-0-261-10221-7 , 2006, Originalpreis 6.99 £

 

The Lord of the Rings 3 Book Box Set

Das ist die Ausgabe, die wahrscheinlich jeder hat, wenn er sich ein wenig mehr über die deutsche Übersetzung dafür interessiert, aber nicht genug, um nicht ein heiden Geld für tolle Schmuckausgaben auszugeben. Die Ausgabe ist ganz gewöhnlich. Sie enthält alle drei Teile und die Anhänge, aufgeteilt auf drei Bücher, ebenso das Vorwort, und ein paar Worte zur Ausgabe, die vorliegt. Keine Illustrationen, dafür eine Karte von Mittelerde, vom Auenland und im dritten Buch auch eine Karte von Gondor und Mordor. Allerdings sind auch hier die Cover von Tolkien entworfen. Nach den Anhängen folgt ein Index, der nach allen möglichen Kriterien sortiert, darunter auch Liedtitel und Liedbeginne.

Auch diese Ausgabe ist ein ganz gewöhnliches Taschenbuch. Ich würde sie allerdings nicht mehr empfehlen, da auch diese Bücher mir mittlerweile auseinander fallen und sie nicht einmal mehr in den Schuber bekomme. Es gibt stabilere und relativ preisgünstige Schmuckausgaben, die ich ein andermal vorstellen werde und die sich eher lohnen als diese Ausgabe.

Bibliographische Daten

1496 Seiten, Harper Collins, ISBN 978-0-261-10238-5 , 2007, Originalpreis ? (einzeln kosten die Bücher 7.99£)

 

The Silmarillion

Tatsächlich noch nicht so abgeliebt wie die anderen Editionen, aber auf dem besten Weg dorthin, und damit auch Gefahr laufend, auseinander zu fallen. Auch das ist eine Taschenbuchausgabe von Harper Collins, diese hier kommt allerdings mit Illustrationen von Tad Nasmith einher, welcher auch das Coverbild gemalt hat. Das Buch enthält wie jede ordentliche Ausgabe des Silmarillion die Ainulindale, die Valaquenta, die Quenta Silmarillion, die Akallabêth und Of the Rings of Power and the Third Age. Danach folgen verschiedene Stammbäume der Menschen und Eldar sowie ein Index. Das Buch hat insgesamt 16 farbige Illustrationen auf Glanzpapier, welche allesamt wunderbar die Stimmung des Silmarillion einfangen. Ted Nasmith ist nicht mein liebster Tolkien Illustrator aber durchaus zu Recht einer der bekannteren. Am Ende des Buches finden sich die Karten von Beleriand.

Bibliographische Daten

366 Seiten, Harper Collins, ISBN 978-0-00-728424-5 , 2008, Originalpreis 10.99 £

© und Quelle: Verlag

Panem hatte in den letzten Jahren einen ziemlichen Hype ausgelöst, plötzlich tauchten überall Kopien in Form von Jugenddystopien davon auf. Keine davon ging jedoch so weit, die Hunger Games einfach völlig offensichtlich zu kopieren. Na ja, Ausnahmen muss es ja geben, oder? »Gefährliche Jagd«, ein Jugendroman von Maria Tomoons, scheint so eine zu sein.

Die lebensfrohe Maria bekommt die Chance ihres Lebens: Sie darf an einem Spiel teilnehmen, dessen Preis nicht nur viel Geld, sondern auch die Hauptrolle in einem großen Film ist. Über hundert Jugendliche treffen dabei in Gruppen aus Jägern und Gejagten in einem großen Waldgebiet aufeinander. Zwei Wochen lang werden Maria und ihr Team auf der Flucht vor ihren Gegnern rund um die Uhr gefilmt. Ein ehrgeiziger Regisseur will aus ihrer Geschichte den erfolgreichsten Film des kommenden Jahres machen. Doch was, wenn das Spiel langsam außer Kontrolle gerät? Wenn die Regeln gebogen und gebrochen werden? ...

(Quelle: Amazon)

Fangen wir beim alleroffensichtlichsten an: dem Cover. Halten wir einmal das deutsche Cover von »Die Tribute von Panem: gefährliche Spiele«, dagegen, dann sehen wir, dass hier wirklich eins zu eins kopiert wurde. Gut, Madam hat hier blaue Augen und keine grünen, aber wirklich, das spielt hier auch keine Rolle mehr. Ein hübsches Damengesicht (mal wieder) lugt ganz verwegen hinter einigen Blättern hervor. Man kann auch weniger offensichtlich klauen.

© und Quelle: Verlag

Das zweite ist die Handlung. Auch die ist eins zu eins Hunger Games. Mehrere Kleingrüppchen von Jugendlichen werden in einen mitteleuropäisch wirkenden Wald gelassen, in dem sie sich gegenseitig jagen müssen. Unsere Protagonistin vergleicht das sogar mit Hunger Games, entgegen ihrer Aussage ähnelt das Collins‘ Geschichte jedoch nicht nur »etwas«, sondern haargenau. Mit dem einzigen Unterschied, dass man sich hier nicht tötet, allerdings vermute ich, dass sich das im Laufe der weiteren Handlung noch ändern wird. Also erneut: Wo ist das nicht kopiert?

Oh, ich weiß wo: Bei den Charakteren. Collins ließ sich wenigstens noch Zeit, vor den eigentlichen Spielen (die bei ihr wenigstens einen vollen Namen, nämlich Hungerspiele, hatten und nicht einfach nur »die Spiele« hießen) die Charaktere einzuführen und dem Leser vorzustellen. Dieser ganze unnötige Quatsch wird hier eiskalt übersprungen. Schließlich ist Collins nahe an Stephen King, was ihre Langatmigkeit angeht, und das will der Leser ja nicht …

Ich hatte also in der gesamten Leseprobe kein Bild der Protagonisten bekommen, nicht einmal ansatzweise. Ich habe sie nicht kennenlernen können, ebenso wenig das Setting. Gut, Wald. Aber wo? Bei Panem wissen wir immerhin, dass das mal Nordamerika gewesen war, aber nicht einmal das ist hier bekannt. Außerdem: Was sind das für Spiele? Haben die einen Sinn? Warum werden die veranstaltet? Warum machen die Jugendlichen da mit? Wozu dienen die Kameras? Und stehen dahinter Kameramänner oder sind das statische Kameras, die in irgendeiner Astgabel angebracht wurden?

Das einzige, das sich über die Protagonisten sagen lässt, ist, dass sie sehr dumm handeln. Laut Klappentext soll aus dem Filmmaterial ein spannender Film gedreht werden, aber das lässt sich schlecht machen, wenn keiner der Gejagten auch nur ansatzweise Ahnung vom Überleben in der Wildnis und vom Verstecken vor Jägern hat. Die Jugendlichen werden dennoch alle zum Wald gekarrt, der der Schauplatz des Ganzen ist, werden dort ausgekippt, und schon geht es los. Da hatte Präsident Snow ein besseres Konzept, indem er die Tribute wenigstens vorher grundausbilden ließ.

Der Schreibstil ist mehr als dürftig, noch etwas, das, leider, von Collins übernommen wurde, hier allerdings zur Spitze getrieben wurde. Er ist platt, langweilig und unausgefeilt. Fehlende Kommas und Formatierungsfehler machen das Ganze nicht besser und machen einen sehr amateurhaften Eindruck. Insgesamt kommt keinerlei Spannung auf, von Atmosphäre gar nicht zu reden. Oder überhaupt einem klaren Bild des Settings.

Ich habe bei der Leseprobe das Gefühl, nichts weiter als eine schlechte Hunger Games Fanfiction zu lesen, die den altbekannten Plot einfach nur aufgreift und schlecht wiederkäut. Das muss man echt nicht weiterlesen, als bis zum Ende der Leseprobe.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon und umfasst die ersten acht Kapitel.

 

Autor: Maria Tomoons

Titel: Gefährliche Jagd

Sprache: Deutsch

Reihe: ?

Seiten: 523

Originalpreis: 4,99€

Verlag: Midnight bei Ullstein

Genre: YA

ASIN: B01EJD8R6W

Erscheinungsjahr: 2016

Rezensionen zu fortgeschrittenen Teilen einer Reihe fallen mir immer etwas schwer, da ich mich ungern wiederhole. Einige Dinge bleiben über die Reihe hinweg eben meist doch recht konstant. Daher beschloss ich, die weiteren Teile des Dunklen Turms von Stephen King, die ich noch nicht rezensiert habe, nun in einem Post zusammenzufassen.

Glas (Der Dunkle Turm #4)

Dieser Band befasst sich, nachdem Blaine überwunden wurde, hauptsächlich mit Rolands Vorgeschichte und seiner ersten und bisher einzigen großen Liebe, ehe er und sein Ka-Tet wieder dem Pfad des Dunklen Turms folgen. Das Buch hat mir nach seiner Lektüre durchaus etwas die Lust an der Reihe verdorben, weil es so unglaublich zäh war. Fast neunhundert Seiten, und die meisten davon wenig inhaltsvoll. Auch in den Vorgängerbänden kristallisierte es sich bereits heraus, dass King mit dem Dunklen Turm anscheinend nur ungern auf den Punkt kommt, aber dieser Band trieb es unangenehm auf die Spitze. Hinzu kommt, dass Rolands tragische Liebe zu Susan einfach nichts ist, das mich sonderlich reizt. Es gab also nichts, das mich über den Wortschwall hinweg trösten konnte und mich bei Laune hielt. Das ging schließlich so weit, dass ich über 200 Seiten überblättert hatte, weil ich einfach so dermaßen gelangweilt davon war. Sich hier bedeutend kürzer zu fassen, hätte dem Buch wesentlich besser getan. Was jedoch positiv auffällt, ist, dass Rolands Welt auch sprachlich nach Regionen untergliedert wird. In verschiedenen Teilen des Landes wird verschieden gesprochen, und das ist auch durchaus essenziell für die Handlung, was mir gut gefiel.

Sprache: Deutsch, Original: The Drawing of the Three, Übersetzung: Joachim Körber, Reihe: Band 4, Seiten: 893, Originalpreis: ?, Verlag: Heyne, Genre: Fantasy, ISBN: 978-3-453-14759-1 , Erscheinungsjahr: 1999

 

Wolfsmond (Der Dunkle Turm #5)

Dieser Band hätte wieder spannender werden können als vor allem sein Vorgänger, war es aber nicht, weil er viel zu langezogen war und damit zu aufgebläht, ein Problem, an dem die gesamte Reihe krankt, das King aber, soviel nehme ich vornweg, im letzten Band dann doch besser löst. Hier jedenfalls gelingt es ihm einfach nicht, die Spannung über so viele Seiten hinweg aufrecht zu erhalten. Die namengebenden Wölfe drohen einfach zu lange, als dass sich die ganze Zeit das drohende Gefühl aufrecht erhalten kann. Zumal ist das Ende recht unbefriedigend, wie ich fand. Eine Schießerei und dann war’s eh für die Katz‘.

Sprache: Deutsch, Original: Wolves of the Cala, Übersetzung: Wulf Bergner, Reihe: Band 5, Seiten: 939, Originalpreis: 11,99€, Verlag: Heyne, Genre: Fantasy, ISBN: 978-3-453-53023-2 , Erscheinungsjahr: 2003

 

Susannah (Der Dunkle Turm #6)

Nun berappelt sich die Reihe langsam wieder, wie ich finde, denn dieses Buch konnte mich wieder packen. Vielleicht, weil es sich nun wieder mehr auf die Haupthandlung konzentriert. Die war zwar in den anderen Bänden, die für mich so absackten, zwar auch da, ging aber etwas unter neben Rolands erster großer Liebe und den Wölfen der Cala, was mir, wie man sicher mitbekommen hat, nicht so zusagte. Hier gefiel mir besonders, dass Stephen King sich selbst in die Welt des Dunklen Turms schrieb, eine Rolle, die hier noch eher wie ein lustiges Easter Egg wirkt, im kommenden Band aber eine große und interessante Rolle spielen wird.

Sprache: Deutsch, Original: Song of Susannah, Übersetzung: Wulf Bergner, Reihe: Band 6, Seiten: 494, Originalpreis: 9,95€, Verlag: Heyne, Genre: Fantasy, ISBN: 978-3-453-43103-4 , Erscheinungsjahr: 2003

 

Der Turm (Der Dunkle Turm #7)

Der abschließende Band der Reihe war für mich der beste der Reihe. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass dieser Teil, der er der mächtigste ist, sich wieder so furchtbar ziehen wird wie Teil 4 und 5, aber meine Befürchtungen bestätigten sich zum Glück nicht. Tatsächlich empfand ich ihn als sehr kurzweilig. Besonders hat mir hier Kings Rolle in seinem eigenen Roman gefallen. Es war ein Selfinsert und dank unzähliger schlechter Fanfictions habe ich diese eigentlich in sehr schlechter Erinnerung, aber King war ein wunderbares Beispiel dafür, wie man das ordentlich anstellt. Dem Hinweis im Nachwort des Vorgängerbandes folgend, hatte ich die Figur Stephen King hier ohnehin fiktional gelesen mit »zufällig« großen Ähnlichkeiten zur realen Person, aber das hatte schon eine sehr gute Würzung, wie ich fand.  Außerdem gab es einige zwar abzusehende, da deutlich angekündigte Tode, die aber dennoch sehr emotional waren, was ich immer als gutes Zeichen deute, da es Bücher selten schaffen, mich wirklich emotional zu bewegen in dem Sinne, dass ich mich mit den Protagonisten wirklich freue oder mit ihnen trauere. Das schaffte King hier. Das allerbeste war allerdings der Schluss, oder genauer: seine Machart. Man erwartet Trompeten und Paukenschlag nach dieser wuchtigen Reihe, müsste aber eigentlich wissen, dass es so nicht kommen kann. Das war mir klar, dennoch blätterte ich empört nach dem vermeidlichen Ende mehrere Male die Seite vor und zurück. »Wie? Das meint er nicht ernst! Ausgerechnet an der Schwelle zum Turm! Das kann er nicht machen!« King hatte mich da wirklich voll in der Hand, sodass mich weniger der Inhalt des Endes so begeisterte, sondern eher seine Machart.

Insgesamt war es eine gute Reihe. Nicht das beste, das ich jemals gelesen habe, und mit deutlichen Aufs und Abs, aber doch nicht bereuenswert. Allerding hatte ich die Reihe über oft das Gefühl, dass King nicht immer einen wirklichen Plan hatte und eher vor sich hin mäanderte. Das deuten auch seine Nachworte an, dass er teils deutliche Durststrecken durchlitt, und ich denke, darin liegt auch begründet, dass ich zwischenzeitlich recht unzufrieden mit den Romanen war, weil ich das merkte. Außerdem kam ich nicht immer mit den ganzen Begriffen mit. King warf sie mitunter einfach so in den Raum, fügte beiläufig eine kurze Erklärung bei und das war’s dann. 3000 Seiten später hat man das mitunter schon längst vergessen.

Sprache: Deutsch, Original: The Dark Tower, Übersetzung: Wulf Bergner, Reihe: Band 7, Seiten: 1009, Originalpreis: ?, Verlag: Heyne, Genre: Fantasy, ISBN: 978-3-453-00096-4 , Erscheinungsjahr: 2004

 

Wind (Der Dunkle Turm #4.5)

Nachdem die Reihe ja eigentlich schon abgeschlossen war, hatte King doch noch etwas zu sagen. Dieser Roman bringt die Haupthandlung nicht nennenswert voran oder erweitert sie großartig um Details, widmet sich aber erneut einer Geschichte aus Rolands Vergangenheit, die er seinen Gefährten erzählt. In diese Geschichte ist eine weitere Geschichte eingebettet, eine Binnengeschichte in der Binnengeschichte sozusagen. Viel habe ich zu den beiden Geschichten nicht zu erzählen, jedoch gefiel mir diese Struktur des Buches. Die beiden Erzählungen, die Roland zum Besten gibt, waren in Ordnung, haben mich jetzt allerdings nicht sonderlich gepackt.

Sprache: Deutsch, Original: The Wind through the Keyhole, Übersetzung: Wulf Bergner, Reihe: Band 4.5, Seiten: 415, Originalpreis: 19,99, Verlag: Heyne, Genre: Fantasy, ISBN: 978-3-453-26794-7 , Erscheinungsjahr: 2012

Quelle: Amazon, ©: Verlag

Über »Feuer und Eis (Elesztrah  #1)« von Fanny Bechert stolperte ich das erste Mal auf der LBM 17. Das Buch hatte durchaus ein gewisses Interesse geweckt, aber ich blieb skeptisch, da es ein wenig danach aussah, in die momentan total in Mode gekommene Art von Fantasy mit tollen weiblichen Heldinnen und viel Geschmachte zu rutschen. Die Leseprobe scheint das zu bestätigen.

»Eine verbannte Jägerin auf der Suche nach ihrem Gefährten …

Ein Krieger aus den Reihen der königlichen Garde …

Eine Macht, die beide untrennbar miteinander verbindet …

 

Als die Elfe Lysanna herausfindet, dass ihr Gefährte von dem gefürchteten Flammenden Lord gefangen gehalten wird, verspürt sie nur einen Wunsch: ihn zu befreien. Dabei zählt sie auf die Hilfe ihres Clans ›Angelus Mortis‹.

Mitten in den Vorbereitungen auf den bevorstehenden Kampf taucht jedoch der Elfenkrieger Aerthas in ihrem Dorf auf, mit dem sich Lysanna auf unerklärliche Weise verbunden fühlt. Liegt es daran, dass sie beide geheimnisvolle Kräfte in sich tragen, die sie gemeinsam lernen müssen, zu beherrschen? Denn ihre vereinte Macht könnte die einzige Möglichkeit sein, den Flammenden Lord endgültig zu vernichten.

Doch selbst wenn ihnen das gelingen sollte, steht die wachsende Zuneigung, die zwischen Aerthas und Lysanna entsteht, unter einem ungünstigen Stern.«

(Quelle: Amazon)

Normalerweise erwarte ich vom Anfang eines Buches, um den es sich hier wie so oft bei den Leseproben handelt, dass mir Charaktere und Welt vorgestellt werden. Nicht vorgesetzt, sondern vorgestellt. Ich will nicht etwas vorgesetzt bekommen, um dann gefälligst irgendwie damit klarzukommen. Ich will es selbst kennenlernen. Leider werden mir die Figuren hier einfach vorgesetzt und basta. Wenn überhaupt, wird nur gesagt, wie etwas ist, statt es mir auch zu zeigen, sodass ich selbst keinen Eindruck davon bekommen kann. So erscheint zum Beispiel der Flammende Lord mir nicht als Bedrohung.

Nehmen wir einmal Sauron als Beispiel. Da hatte Tolkien es geschafft, ihn von Anfang an als Bedrohung erscheinen zu lassen, die man auch wirklich als bedrohlich empfindet. Denke ich auch nur an Sauron, läuf’s mir kalt den Rücken hinunter. Der Flammende Lord hingegen ist nur ein Name ohne jegliche Assoziation in diese Richtung.

Auch das Leben der Angelus Mortis wird nicht vorgestellt. Dabei scheinen die eine wichtige Rolle zu spielen, vor allem auch für die Hauptprotagonistin, die ihnen angehört. Wie leben diese Leute? Wie prägt dieses Leben sie? Und welche Auswirkungen hat das? Das bekommen wir alles nicht zu sehen.

Abgesehen davon, dass ich Angelus Mortis für einen bescheuerten Namen halte …

Und doch hat der Text irgendetwas an sich, das ein gewisses Grundinteresse bei mir weckt. Wahrscheinlich liegt das hauptsächlich im Genre begründet, für das ich ohnehin die größte Affinität hege.

Wahrscheinlich würde das jedoch nicht reichen, als dass ich dieses Buch sonderlich mögen könnte. Es sieht eher seicht aus und fokussiert sich wahrscheinlich eher auf den romantischen Teil, wie es momentan (leider) Mode ist.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon und umfasst den Prolog und die ersten 4 Kapitel.

 

Autor: Fanny Bechert

Titel: Elesztrah: Feuer und Eis

Sprache: Deutsch

Reihe: 1

Seiten: 390

Originalpreis: 6,99€

Verlag: Sternensand Verlag

Genre: Fantasy

ASIN: B01LXQIHYM

Erscheinungsjahr: 2016

© und Quelle: Verlag

Mittlerweile weiß ich bei einigen Leseproben auf meiner Liste gar nicht mehr, wie ich auf sie gekommen bin. Man findet eben so Dinge. Darunter war auch »Demonhearts & Angelwings« von Jana Goldbach, erschienen bei Impress.

**Wenn die Gejagte sich in den Jäger verliebt…**

Als Amber auf den ebenso arroganten wie gutaussehenden Gwin trifft und ihm nach seiner plumpen Anmache eine Ohrfeige verpasst, ahnt sie noch nicht, mit wem sie es zu tun hat. Gwin ist nämlich ein Dämon und zudem der Sohn des obersten Clananführers. Um dessen Amt weiterführen zu können, muss Gwin seinem Clan eine Opfergabe in Form eines Menschenmädchens darbringen. Nur leider hat er die Rechnung ohne die aufmüpfige Amber gemacht. Die ist nämlich gar nicht so naiv wie gedacht und bindet den stolzen Dämon prompt mit einem Zauber an sich. Als die beiden sich langsam näherkommen, muss Gwin schließlich feststellen, dass die Liebe nicht immer Flügel verleiht…

(Quelle: Amazon)

Plump ist das Stichwort in dieser Kurzbeschreibung, das auch wunderbar auf die Leseprobe zutrifft. Wir haben absolut klischeebehaftete Charaktere, die die viel zu oft durchgekaute Arschloch-Karte ziehen und Badboy und »hau drauf Mädel« Attitüden auffahren, die so oft durchgeleiert wurden, dass sie schon fadenscheinig werden. Er gibt das Badboy-Arschloch, sie die »starke« Frau, die sich mit verteilten Schellen durchsetzt. Man kann auch ohne Gewalt zeigen, dass man kein zartes, nicht durchsetzungsfähiges Mauerblümchen ist, das bei jedem noch so sanften Hauch einknickt. Er der sassy Badboy, der seine Club Mate aka Ritualopfer erbeuten will, sie ne blasierte Tussi im Kreis ihrer gackernden Hühner. Dazu kommt, dass sie sich hassen, aber er ist ja SO! SCHÖN! Und dann müssen sie sich ja in einander verlieben.

Argh! Warum verkauft sich so etwas? Das ist nicht besser als ein 08/15 Text auf Wattpad, und die sind alle unterste Schublade! Na gut, fast unterste Schublade, da tun sich noch ganz andere Abgründe auf. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was alles in den Absatz über diesem falsch ist. Einfach alles!

Ganz abgesehen von den augenscheinlichen Zeichenfehlern werden allein in dieser Leseprobe so viele Klischees aufgefahren, dass es fast unmöglich erscheint. Erst hassen sie sich, dann lieben sie sich. Das wird so oft durchgekaut, dass es mittlerweile nicht sonderlich kreativ wirkt, wenn das noch mal aufgegriffen wird. Und dann noch die Badboy-Schiene. Wenn er sich wie ein Arschloch verhält, dann ist er einer, egal wie sexy er aussieht. Daran gibt es nichts zu rütteln und das ist dann auch absolut nicht romantisch.

Nun mein Punkt sollte klar sein. Ich höre an dieser Stelle auf, ehe ich mich noch mehr in Rage rede. Dieser Text ist absolut nichts für mich. Nein, danke.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon und umfasst drei Kapitel und einen kläglichen Rest vom vierten.

 

Autor: Jana Goldbach

Titel: Demonhearts & Angelwings

Sprache: Deutsch

Reihe: ?

Seiten: 225

Originalpreis: 3,99€

Verlag: Impress

Genre: Fantasy

ASIN: B01M0PZBHD

Erscheinungsjahr: 2017

Zur Leipziger Buchmesse 2017 hatte die Deutsche Tolkien Gesellschaft ein Gewinnspiel veranstaltet, wo sie unter anderem Das große Hobbit Buch, erschienen bei der Hobbit Presse, verlost hatte. Ich hatte das große Glück, dieses Buch zu gewinnen, was mich besonders gefreut hatte, denn ich hatte schon lange ein Auge auf dieses Buch geworfen. Zu Recht, denn es ist ein wahrer Schatz!

Im Englischen heißt das Buch The Annotated Hobbit und wurde von Douglas A. Anderson bearbeitet. Es beinhaltet im Deutschen die Übersetzung des Hobbits von Wolfgang Krege. Der Tolkienforscher Anderson hat den Text mit zahlreichen Anmerkungen versehen, die Einblicke in die Entstehungsgeschichte und Hintergründe des Hobbits geben. Die Anmerkungen wurden von Lisa Kuppler übersetzt und editiert, sodass sie auch etwas zur deutschen Geschichte des Hobbits sagen.

Schon rein optisch ist das Buch freilich eine Augenweide. Ich finde es immer schön, wenn Illustrationen von Tolkien selbst verwendet werden. Außerdem gefallen mir sehr die Goldintarsien auf dem Cover. Worauf es aber noch viel mehr ankommt, ist der Inhalt. Der kommt neben dem eigentlichen Text mit einem Vorwort und einer Einführung in Tolkiens Leben und die Thematik des Hobbits einher. Außerdem gibt es einen Anhang, der viele Sachen wie zum Beispiel die Editionsgeschichte noch einmal übersichtlich zusammenfasst, sowie die Erzählung »Die Fahrt zum Erebor« als auch einen weiteren Anhang zur deutschen Editionsgeschichte.

Jede Seite des Buches ist in zwei Spalten geteilt. In der Inneren steht der Text, in der Äußeren sind die Anmerkungen platziert. Dort finden sich auch duzende Illustrationen verschiedener Hobbit-Ausgaben aus verschiedensten Ländern sowie kurze Informationen zu den jeweiligen Künstlern. Im Mittelteil gibt es auch eine Reihe von Farbillustrationen hauptsächlich von Alan Lee, Tolkien und den deutschen Coverausgaben und Illustratoren.

Besonders die Anmerkungen Andersons samt der Edition durch Kuppler haben es in sich. Auch Kenner können dadurch noch viel Neues lernen. Einige Aspekte wurden mir deutlich vor Augen geführt, die mir so gar nicht bewusst waren. Für mich war es die spannendste Erkenntnis, dass in der ersten Ausgabe des Hobbits Gollum den Ring als Geschenk für das verlorene Rätselspiel hergeben wollte. Das wurde später überarbeitet, damit es mit dem Herrn der Ringe zusammenpasst. Bilbo sagt jedoch beim Rat, dass er ursprünglich den Zwergen die unwahre Geschichte erzählt habe, er habe den Ring als Geschenk erhalten. Im Herrn der Ringe erhält sich so also die ursprüngliche Geschichte des Hobbits.

Die zahlreichen Illustrationen sind natürlich auch ein Hingucker und zeigen sehr schön, auf wie viele verschiedene Weisen der Hobbit in den ganzen Ländern dargestellt wird – und was Tolkien von den ganzen Illustrationen hielt. Auch zu den ganzen Illustrationen gibt es viele Hintergrundgeschichten, wie mit den Bildern in den Verlagen verfahren wurde, wie sie überhaupt entstanden und so weiter.

Des Weiteren sind die ganzen Anmerkungen zu verschiedenen Editionen natürlich eine Goldgrube für Tolkiensammler. Meine Liste an Büchern von und über Tolkien, die ich noch haben will, wuchs durch dieses Buch schlagartig an.

Noch einmal danke an die Deutsche Tolkien Gesellschaft für diesen tollen Gewinn! Ich hatte sehr große Freude daran.

Bibliographische Daten

419 Seiten, übersetzt durch Wolfgang Krege und Lisa Kuppler, Klett-Cotta Hobbit Presse, ISBN 3-608-93714-5 , 2. Auflage 2012, Originalpreis 30€

Ein letztes Mal ertönt »Hammerschlag!«, der Schlachtruf der Söldnerlegion des Schwertfeuers. Mit »Grünes Gold« schließt Autor Robert Corvus seine Dark Fantasy Reihe der Schwertfeuer-Saga ab.

Dieses Mal geht es für die Legion in den wilden Dschungel. Dort sollen sie für eine aufstrebende Baronie die Eingeborenen vertreiben. Sie stoßen jedoch auch von Seiten der Siedler der Baronie auf Ablehnung und schnell wird ihnen klar: Hier geht es um mehr als nur Landeroberung. Der Dschungel hat mehr Schätze als nur grüne Jade zu bieten. Besonders Eivora entwickelt ein Interesse, diese Schätze zu bergen. Auch wenn sie dabei nicht nur sich, sondern auch ihre Legion in Gefahr bringt.

Man ist sofort wieder drin im Geschehen, und das ist genau so zu verstehen. Noch nicht einmal eine Seite verging, und schon rasselten die Schwerter. Hier geht es von Anfang an gleich heiß her, der Leser ist davon genauso überrumpelt wie die Söldner, die nicht damit gerechnet haben, sofort nach Ankunft angegriffen zu werden. Das ist ein sehr gut gelungener Effekt, denn so weiß der Leser genauso wenig wie die Söldner, was hier gerade vor sich geht. Da niemand zunächst so wirklich weiß, wer der Feind ist und mit was zu rechnen ist, löst das eine gewisse Verwirrung aus. Die ist allerdings positiv zu werten, denn so ist der Leser genau wie die Söldner bestrebt, mehr über die mysteriösen Angreifer herauszufinden, was gleichzeitig das Gefühl der Gefahr des Unbekannten verstärkt. Auf jeden Fall ein super gelungenes erzählerisches Mittel, das viel zur Atmosphäre beiträgt!

Die Welt der Söldner von Rorgator ist sehr lebendig gestaltet. Nun kennt man die Protagonisten aus zwei vorherigen Romanen und einer Kurzgeschichte, doch noch immer gibt es neue Details zu entdecken. Gonters Inspektion seiner Einheit und viele andere kleine Dinge lassen die Welt sehr detailgetreu und zum Greifen nahe erscheinen.

Insbesondere Eivora hat sich in meinen Augen unter den Charakteren hervor getan. Sie macht eine besonders starke Entwicklung durch, die von einigen Fehlern geprägt ist, die sie begeht. Das bringt sowohl sie als auch andere in Gefahr, und sie muss die Konsequenzen dafür tragen. Es ist schön zu sehen, dass auch Hauptprotagonisten nicht immer die strahlenden Helden sind, die aus jeder Misere, in die sie mitunter auch selbst verschuldet geraten, ungeschoren davon kommen.

Auch miteinander entwickeln sich die Charaktere. Neue Bündnisse und Vertrauens- und Misstrauensverhältnisse entstehen, sowie auch neue Liaisons. Es ist Bewegung in den zwischencharakterlichen Beziehungen, die den Roman nicht langweilig erscheinen lassen.

Ganz besonders hat mir übrigens Bratz, der sprechende Beo, gefallen. Er war mit seiner frechen Art immer für einen Lacher gut. Bratz und Midalin, seine Besitzerin, entstammen übrigens der Kurzgeschichte »Söldnergold«, was ich schön fand, da diese so auch in den Hauptzyklus Einfluss fand. Man muss sie allerdings nicht kennen, die für die Hauptreihe neuen Charaktere werden auch hier noch einmal eingeführt.

Alles in allem doch ein schöner Abschlussband, der mit einem runden Ende einher kommt. Am Ende bleibt die Wehmut, dass es jetzt vorbei ist. Allerdings lohnt sich bei dieser Reihe ein Reread, da sie auch dann noch mit spannenden neuen Details aufwarten kann, die man beim ersten Lesen vielleicht gar nicht so wahrgenommen hat. Also auf ein weiteres Mal: »Hammerschlag!«

 

Autor: Robert Corvus

Titel: Die Schwertfeuer-Saga: Grünes Gold

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 3

Seiten: 432

Originalpreis: 12,99€

Verlag: Piper

Genre: Fantasy

ISBN: 978-3-492-28128-7

Erscheinungsjahr: 2017

© und Quelle: Verlag

Es war ein Wunsch, dass ich mir »Das dunkle Herz des Waldes« von Naomi Novik in der Leseprobe ansehe. Das sei hiermit erfüllt und mit dem Hinweis versehen, dass ich gern Wünsche für die Freitagsprobe entgegen nehme.

Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka.

(Quelle: Amazon)

Die Leseprobe enthüllt nicht mehr als der Klappentext, was mich ein wenig irritiert, weil die Leseprobe selbst mir keinerlei Anreiz gegeben hat, das Buch auch darüber hinaus zu lesen. Da hatte ich eigentlich erwartet, dass zumindest der Klappentext mir einen Konflikt andeutet. Aber nein. Es geht nur darum, dass statt Kasia Agnieszka ausgewählt wird, was, sind wir mal ehrlich, ein wenig klischeehaft war. In der Leseprobe wurde so oft betont, dass Kasia mit Sicherheit ausgewählt würde, dass es auch ohne Kenntnis des Klappentexts klar war, dass es stattdessen die Erzählerin Agnieszka erwischt.

Aber der Reihe nach. Der Anfang der Leseprobe befasst sich mit einem nahezu reinen Bericht, der uns die Welt vorstellt. Normalerweise bin ich kein vehementer Verfechter des »Show, don’t tell!«-Bläkens, hier hätte es der Erzählung jedoch gut getan, wenn die Autorin uns mehr von ihrer Welt gezeigt hätte, statt darüber zu berichten. So fehlt mir die Bindung dazu, ich kann nicht mit der Protagonistin (mit dem unaussprechlichen Namen) gemeinsam ihren Alltag im Schatten des Drachen miterleben.

Des Weiteren: Agnieszka ist ja ach so tollpatschig. Es dauert keinen Tag, bis sie sich ihr Kleid völlig ruiniert hat, was bei ihr Gang und Gäbe ist und jeden Tag passiert. Zum einen muss das in einem unermesslichen Kleiderverbrauch der Familie münden, den sich Bauern wie sie eigentlich nicht leisten können. Zum anderen wird einem das so penetrant ins Gesicht geklatscht, dass es nach einem der gängigen Mary Sue Klischees schreit, was wiederum in mir abgrundtiefe Ablehnung hervorruft. Nein. Bitte nein.

Außerdem, wie schon angesprochen, fehlt mir hier der Konflikt. Gut, dann wurde eben Agnieszka statt Kasia ausgewählt und muss jetzt dem Drachen dienen, obwohl sie augenscheinlich als Dienerin gänzlich ungeeignet ist. Und weiter? Dient sie halt dem Drachen. Das reizt mich so komplett gar nicht, weil ich da keinen Konflikt sehe, der sich lohnen würde, mehr darüber zu erfahren.

Immerhin ist der Stil nicht der allerschlechteste. Aber ob das reicht? Für mich nicht.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon und umfasst Teile des ersten Kapitels.

 

Autor: Naomi Novik

Titel: Das dunkle Herz des Waldes

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 577

Originalpreis: 13,99€

Verlag: cbj

Genre: Fantasy

ASIN: B01M032U2M

Erscheinungsjahr: 2016

 

Weitere Rezensionen:

Ink of Books

Weltenwanderer

Wortmagie

Ich schien heute meinen »Ich lese Scheiße«-Tag gehabt zu haben. Vor kurzem hatte ich mal bei Amazon gesucht und bei ein paar Titeln zugeschlagen, die gerade kostenlos im Angebot waren. Das ist das Ergebnis.

Walden, Josh: Herbst Klang: Eine Fantasy-Novelle (Lieder-Reihe #1)

Ja, das ist das Cover ...

Was zum Henker habe ich da gelesen? Das war ausgemachter Blödsinn. Ich wollte eigentlich nur mal in die Teilnehmer des diesjährigen Storyteller Awards reingucken, und dann finde ich so etwas. Der Stil ist ... hier von Stil zu reden, ist eigentlich eine Beleidigung. Hauptsatz, Hauptsatz, Hauptsatz. Oh, noch ein Hauptsatz. Welch Überraschung. Dazu sind die Figuren nicht besser als Pappaufsteller ohne Farbe und es werden auch noch sämtlich Gothic-Klischees aufgefahren. Ein Grufti-Punk, der nur Death Metal hört. Na, was denn nun? Grufti oder Punk? Und wenn der wirklich nur Death Metal hört, dann hat er keinen Musikgeschmack und keine Ahnung von Metal, wenn er von einem so variantenreichen Genre, nur eine einzige Stilrichtung bevorzugt. Die Charaktere sind strunzdoof und tappen in jedes Klischee, das man sich nur denken kann. Wir sind in Not? Oh, wie doof, wir sind zu Hause, aber unser Telefon hat keinen Empfang. Ach, wie ärgerlich, wie kann das denn passieren? Hinzu kommt die absolut grundlose und übertriebene Aggression des Schul-Bullys. Welcher Schulhofassi geht mal eben ohne mit der Wimper zucken über Schubsen und die eine oder andere Prügelei hinaus und will seinem Opfer die Ohren abschneiden? Der Junge hat Aggressionsprobleme und es scheint niemanden zu jucken! Oh, sicher, der Protagonist bekommt das zu spüren und findet's nicht so toll. Aber was ist mit den Lehrern? Der Polizei? Den Eltern? Irgendwer muss doch mitbekommen haben, dass der Bully gewaltbereit ist! Nein, das hier ist definitiv kein literarisches Meisterwerk und noch sehr weit von diesem Status entfernt.

 

Zeißler, Elvira: Der Schwur des Drachen (Die Saga der Drachenrüstung #0.1)

Die Kurzgeschichte war ok. Weder in Stil noch Inhalt etwas Besonderes, aber man kann sie lesen. Was kleines für zwischendurch. Sie kaute lediglich auf den üblichen Klischees herum von bösen Drachen, die die bösen menschen, die sie jagen, auch bloß nicht leiden können, bis dann einer kommt und sich über die gängigen Meinungen hinweg setzt.

 

Williams: Cecilia: Drachenreise

Lassen wir besser den Mantel des Schweigens über diesen ausgemachten Schwachsinn fallen. Gay ja, aber Romance? Fehlanzeige. Wäre da nicht diese Pseudoplott, das wäre doch eh nur Porn. Alle sind SO! SCHÖN! und SO! PERFEKT! und müssen daher gevögelt werden. Dass sie eigentlich nicht mal Pappe wert sind, weil sie keine eigenständig und selbstständig handelnden Personen sind, spielt dabei keine Rolle. Mit anderen Worten: Man kann hier nicht mal von Charakteren reden, und ich hab definitiv schon Pappaufsteller mit mehr Pappqualität gesehen. Aber Hauptsache vögeln. (Und dann gab es noch nicht einmal eine ansprechende Sexszene, noch mehr Enttäuschungen.) Dazu kommt, dass Absätze anscheinend als überflüssig erachtet wurden. Und Rechtschreibung und Zeichensetzung? Billiges Drachenfutter anscheinend. Wobei der Kommandant der Drachenarme dann doch eine erheiternde Blüte war. Ja, Arme, nicht Armee. Und das I-Tüpfelchen waren die exorbitant ausschweifenden und in nahezu jedem Fall missglückten Synonyme. Feuerlöscher, Feuermelder, Feuerspucker und so weiter und so fort. Immerhin diese Kreativität muss man diesem Stück Text zusprechen, auch wenn es eine Art Kreativität ist, die mich eher, nun, abstößt.

 

Grayson, Carol: Im Bann der Lilie (Im Bann der Lilie #1)

Er ist ja SO! SCHÖN! und SO! VERFÜHRERISCH! Im Prinzip geht es in diesem Buch darum, wie sich ein reicher Schnösel einen naiven Jüngling zum Vögeln krallt, weil der ja so hübsch ist und doof obendrein und damit ein leichtes Opfer ergibt. Nun, Sex gab es in dem Bann nicht, aber abgesehen davon ist die Prämisse einfach zu oft durchgekaut worden, um noch spannend zu sein. Das ganze wird zudem auch noch mit smexy Vampiren garniert, was dem Ganzen allerdings nicht mehr Pepp gibt. On top gibt es gratis Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung obendrauf. Inklusive fehlender Worte. Korrektorat? Fehlanzeige. Es geht freilich noch schlechter, aber eine Glanzleistung war das hier auch nicht. Kann man sich also durchaus schenken.

 

Gunsenheimer, Johannes: Liliths Schergen erzählen: Kleine Schauergeschichten aus der Anderswelt

Nun, tatsächlich hat diese Sammlung keinen schlechten Ansatz. Mir gefällt es, dass der Autor verschiedene Stoffe aus verschiedenen Mythologien rund um die Welt eingeflochten hat und das ganze in eine Rahmengeschichte bettete. Selbige hat jedoch etliche Schwächen, darunter vor allem die, dass Lilith ihren Gefangenen Horst (HORST!) foltert, indem sie ihm beispielsweise die Füße mit Salz bestreicht und diese dann von Ziegen ablecken lässt. Nur wenige Sätze später sitzt Horst wieder gemütlich am Feuer und lässt sich von ebenjener Lilith und ihren Schergen munter Geschichten erzählen. Eigentlich sollte hier eine Stimmung der Bedrohung aufkommen, der Horst nur durch das Geschichtenerzählen entkommen kann. Stattdessen ist es nicht mehr als das: eine gemütliche Lagerfeuerrunde mit skurril wirkenden Folterrunden. Auch die Qualität der Geschichten schwankt und hat mitunter ähnliche Kapriolen wie diese. Da der Autor viel Mythologie mit einfließen ließ, fällt es dann umso mehr auf, wenn er von Hochdeutsch statt Standard spricht. Das ist ein ziemlich peinlicher Fauxpas. Genauso wie ein Dialekt, der irgendwo zwischen Fränkisch und Schwedisch liegen soll. Kleine Info: Dazwischen liegen für den Dialektologen halbe Welten. Am Ende wurden hier gute Ansätze ziemlich derb gegen die Wand gefahren.

Quelle: Amazon, ©Marc

Hin und wieder findet man zufällig ein Schnäppchen. »The Path of Man«, Teil eins der Soul Stone Trilogie von Matt Moss, war solch ein Fall. Der Roman ist der Auftakt seiner selbstverlegten Fantasy-Reihe.

Als eines Tages ein Fremder vor Arkins Tür auftaucht, wird sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Arkins Vater gibt ihm ein seltsames Buch in die Hand und heißt ihn zu fliehen, ehe er sich selbst dem Fremden stellt. Arkin befindet sich damit auf einmal mitten zwischen den Fronten eines alten Konflikts zwischen dem heiligen Orden der Kirche und seinen Widersachern, die den Niedergang des Ordens und damit des Königreichs herbeiführen wollen. Auf seinem Weg findet er unerwartet neue Freunde und auch verborgen in sich selbst große Kräfte, die ihm helfen können, seine Heimat vor der Dark Society zu schützen.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Vor einiger Zeit gab es das Buch kostenlos auf Amazon, und ich dachte mir, dass es ja nicht schaden kann. Tat es auch nicht, aber es war dennoch keine literarische Offenbarung.

Die Sprache ist einfach, die Dialoge manchmal etwas hölzern und steif und hätten definitiv mehr Dynamik vertragen können. Selbiges gilt für den Plot, obgleich dieser eine gewisse Spannung aufbauen kann. Zumindest genug, um nicht völlig gelangweilt das Buch zur Seite zu legen.

Wir verfolgen hier die Geschichte eines jungen Helden, der davon ausging, nichts besondere zu sein, aber dann mitten in ein Abenteuer geworfen wird, bei dem sich herausstellt, dass er doch etwas Besonderes ist. Gewürzt wird das Ganze mit tragischer Familiengeschichte: Mutter tot und dem Vater droht auch Lebensgefahr. Das sind die Zutaten eines sehr klassischen Fantasyromans. Man möchte sagen: Es fehlt an Salz. Etwas ist da, aber trotzdem fehlt es der Suppe etwas an Geschmack.

Die Handlung an sich ist nicht die allerschlechteste, auch wenn sie, wie gesagt, sehr klassisch verläuft und wie das nächste rip off von Eragon wirkt – nur ohne Drachen. Ein bisschen fehlte auch der Plottwist. So hatte ich zum Beispiel bis zum Schluss darauf gehofft, dass sich der Orden als insgeheim böse herausstellen würde, was er leider dann doch nicht tat. Das hätte der Suppe doch etwas mehr Würze verliehen.

Dafür, dass die Zutaten eigentlich alle bekannt sind, war es mit den Charakteren zwischenzeitlich jedoch recht verwirrend, wer jetzt nun wer ist und warum er etwas macht. Lucians Beweggründe waren mir zum Beispiel bis zum Schluss recht schleierhaft und nicht immer ganz nachvollziehbar. Die Charaktere hätten wesentlich mehr Farbe verdient, damit auch mehr Tiefe und vor allem eine Hilfe, manche von ihnen besser auseinander zu halten.

Um beim Essensvergleich zu bleiben: Die Suppe hat etwas Geschmack, aber um wirklich lecker zu sein, fehlt es definitiv an der Würze. Die Zutaten selbst sind nicht innovativ und  kommen in der gängigen Zusammenstellung vor. Am Ende kann man die Suppe zwar essen, aber man kann sich auf jeden Fall einen leckereren Hauptgang vorstellen.

 

Autor: Matt Moss

Titel: Soul Stone Trilogy: The Path of Man

Sprache: Englisch

Cover- und Innenillustration: Marc (Nachname nicht herausfindbar)

Reihe: Band 1

Seiten: 276

Originalpreis: 4,42€

Verlag: Amazon Selfpublishing

Genre: Fantasy

ASIN: B01M2AEPIC

Erscheinungsjahr: 2016

© Verlag, Quelle: Vorablesen.de

Es wurde mal wieder Zeit, meinen Vorablesen Account zu reaktivieren, und nun ja, irgendwie wollten auf einmal einige Leute aus gewissen Gründen, dass ich mir genau diese Leseprobe zur Brust nehme. Aus weiteren Gründen beschloss ich, sie dann auch für die Freitagsprobe auszuerwählen. Viel Spaß mit »Irish Players – Keine Zeit für Spielchen« von L. H. Cosway und Penny Reid. Oder so.

Rugby-Superstar Bryan Leech hat genug von seinem Playboy-Dasein und vor allem seinen wöchentlichen Auftritten in Irlands Klatschpresse. Von einem Tag auf den anderen beschließt

er sein Leben zu ändern. Keine Partys und keine Orgien mehr. Kein Alkohol, keine One-Night-Stands, keine Filmrisse, keine Groupies mehr. Das einzige Problem: Niemand glaubt ihm! Doch als er Eilish Cassidy begegnet, der neuen Physiotherapeutin des Rugby-Teams, kommt ihm der perfekte Plan, wie er der Welt beweisen kann, dass er sein Leben endlich im Griff hat. Wenn er sich nur erinnern könnte, warum ihm die hübsche Eilish so bekannt vorkommt …

(Quelle: Vorablesen Leseprobe)

Die Leseprobe und damit auch das Buch fangen mit der Selbstaussage der Protagonistin an, dass sie ein kluges Mädchen sei, und ganz ehrlich: Das macht mir diese Person von Anfang an unsympathisch. Mag sein, dass sie das ist, aber ich möchte doch bitte einen wesentlich interessanteren ersten Satz haben als eine Aussage, die ich im Kontext einer Bad… Verzeihung Playboy-Geschichte doch stark anzweifle.

Danach wird dann erst mal breit über das Liebesleben der noch immer namenlosen Protagonistin schwadroniert und ich drohe vor der PDF einzuschlafen. Wen interessiert das gleich zu Beginn eines Romans? Und ich meine wirklich unmittelbar am Anfang. Mal ganz davon abgesehen, dass sie erst lamentiert, noch nie einen Mann gefunden zu haben, der ihr Interesse geweckt hätte, und dann im selben Atemzug einräumt, dass sie schon seit vielen Jahren für Bryan Leech schwärmt. Entscheide dich, Mädchen!

Er macht sie natürlich zu einem zahmen Liebchen. Im Niebelungenlied mag ich darüber schmunzeln, wenn Brünhilds Frauenpower wortwörtlich gebrochen wird, aber hier wirkt das einfach nur albern und klischeebehaftet. Ich möchte brechen über diesem affektierten Gelaber von »Er ist so toll!« und »Er ist der perfekte Mann! Ich möchte 50 Kinder von ihm!« Nun, die Kinder wurden nicht erwähnt, aber es liest sich, als würde dazu nicht mehr viel fehlen. Ein Satz aus der Leseprobe selbst fasst das ironischerweise sehr gut zusammen: »Sehr kitschig und sehr abgedroschen.«

Im Übrigen wird sie schwanger. In Capslock. Just sayin‘ in Erinnerung an den ersten Satz.

Ich möchte der Protagonistin dafür einfach eine scheuern, dass sie ein wandelnder Widerspruch ist. So klug, lässt sich von einem fremden Typen schwängern, schwärmte noch nie für einen Kerl und schwärmt gleichzeitig für diesen einen Kerl, von dem sie sich schwängern lässt. Bei dem sie angeblich absolut nichts bemerkt haben will, dass er an jenem einen Abend besoffen war. Man merkt doch, wenn Leute besoffen sind, irgendwas jedenfalls! Wie derb ist die Protagonistin bitte auf den Kopf gefallen?

Die Leseprobe geht noch weiter, aber ich kapituliere nach dem ersten Kapitel. Das ist ausgemachter Bullshit. Please don’t. Oder in der Manier des Textes zu schreiben: PLEASE DON’T!!! Dummes Gör, das sich für ach so toll hält, lässt sich von irgendeinem tollen, berühmten Typen schwängern, und das Ganze auch noch in absolut nervig und anstrengend geschrieben. Das Mädel wirkt so dermaßen unreif und zum Brechen naiv, dass man ihr am liebsten rechts und links eine verpassen würde, damit sie wieder zur Vernunft kommt. Allein schon diese Leseprobe ist ausgemachter Mist, von dem ich absolut nichts mehr lesen will.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Vorablesen.de und umfasst die ersten beiden Kapitel.

 

Autor: L. H. Cosway und Penny Reid

Titel: Irish Players – Keine Zeit für Spielchen

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 3

Seiten: 350

Originalpreis: 4,99€

Verlag: Lyx digital

Genre: Liebesroman

ASIN: B0751CWBWL

Erscheinungsjahr: 2017

© und Quelle: Verlag

Feurig geht es einher in Anthony Ryans »Das Erwachen des Feuers«, der Auftaktband seiner »Draconis Memoria«-Reihe. Hier trifft High Fantasy auf das viktorianische Zeitalter und Drachen treten gegen Kanonen an.

Im Blut der Drachen liegt Macht, die sich jedoch nur wenige Blutgesegnete nutzbar machen können. Vier Drachenarten sind bekannt, doch als Gerüchte über einen fünften Drachen aufkommen, ist die Aufregung groß. Welche Macht liegt im Blut dieses fünften Drachen? Jeder will sich den Drachen als erstes aneignen, doch dabei entdecken die Agentin Lizanne, der unregistrierte Blutgesegnete Clay und der Offizier Hilemore, dass dieser fünfte Drache eine ungeahnte Gefahr für die gesamte Menschheit darstellen könnte.

Natürlich muss man positiv anmerken, dass es eine willkommene Abwechslung zum üblichen pseudo-mittelalterlichen Fantasysetting ist, dass hier die Kanonen donnern. Die Welt, in der dieser Roman spielt, erinnert mit seinen großen Industriefirmen, den Gewehren und Kanonen und dem Pioniergeist der Unternehmer an das viktorianische Zeitalter und bringt damit ein schönes Flair in die Lektüre.

Das Magiesystem in diesem Buch liegt im Blut der Drachen. Jede Drachenart hat eine eigene Kraft im Blut. So kann ein Blutgesegneter beispielsweise mittels Blut von blauen Drachen über große Distanzen mit anderen Blutgesegneten Kontakt aufnehmen und mit Rot eine große Hitze erzeugen. Das System erinnert damit sehr stark an das aus Mistborn von Brandon Sanderson, nur dass es hier Blut ist und keine Metalle, in denen die besondere Magie liegt.

Ryan gelingt es besonders gut, die Kampfszenen zu Leben zu erwecken. Gerade sie stehen einem besonders lebhaft vor Augen, und der Autor schreckt auch nicht zurück, die zerstörerische Gewalt der Waffen zu illustrieren.

Das Buch fordert einige Aufmerksamkeit vom Leser bei der Lektüre. Ryan kaut dem Leser nicht jedes Detail seiner Geschichte vor, sondern lässt ihn selbst die Welt erleben und erkunden. Das ist prinzipiell eigentlich sehr löblich, hier führt es jedoch dazu, dass man schnell einmal den Faden verliert und dann nicht mehr so wirklich weiß, wer nun wer ist. Die drei Hauptprotagonisten merkt man sich durchaus, aber bei ihren Begleitern wird es schon einmal kritisch.

Trotzdem: Das Buch bietet kurzweilige Unterhaltung und liest sich trotz der Länge erstaunlich schnell weg. Das Setting macht Spaß zu erkunden, und wer Sandersons Mistborn-Magiesystem mochte, wird auch hieran seine Freude finden.

 

Ich danke dem Verlag und NetGalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

 

Autor: Anthony Ryan

Titel: Draconis Memoria: Das Erwachen des Feuers

Original: Draconis Memoria: The Waking Fire

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 832

Originalpreis: 19,91€

Verlag: Klett-Cotta Hobbit-Presse

Genre: Fantasy

ASIN: B07116S13M

Erscheinungsjahr: 2017

© und Quelle: Verlag

Über die heutige Freitagsprobe bin ich eher durch Zufall gestoßen, quasi völlig unerwartet. Andy Weirs »Mars Survival Guide« kommt nämlich mit einer Leseprobe des Marsianers einher, was wunderbar in meine Postingreihe passt.

So, Sie wollen also auf dem Mars leben? Vielleicht weil Sie von der zerklüfteten Oberfläche, dem atemberaubenden Panorama oder der endlosen, unberührten Natur angetan sind? Vielleicht sind Sie aber auch nur ein total Bekloppter, der auf Survivaltrips in leblosen, öden Wüsten steht? Was auch immer Ihre Gründe dafür sind – es gibt da ein paar Dinge, die Sie wissen sollten … Mit trockenem Humor und wissenschaftlicher Genauigkeit liefert Andy Weir, Autor des Weltbestsellers „Der Marsianer“, die acht wichtigsten Überlebenstipps für den roten Planeten.

(Quelle: Amazon)

Die Survivaltipps sind sehr basic. Dinge wie Wasseraufbereitung und eine Schutzatmosphäre sowie Nahrungsversorgung finden sich dort, was ohnehin auf der Hand lag. Allerdings sind schon diese einfachen Tipps durchaus humorvoll geschrieben und können zum Schmunzeln bringen.

Die Leseprobe umfasst die ersten Wochen Mark Watneys auf dem Mars, nachdem er feststellen musste, dass seine Crew ohne ihn abreiste und ihn wahrscheinlich für tot hält. Ich kenne den Marsianer bisher nur als Film, stellte aber mit großer Freude fest, dass Watneys Humor aus dem Film keine Erfindung des Films war, sondern original aus dem Buch stammt. Außerdem schlägt der Autor hier denselben Ton an wie in seinen Überlebenstipps, sodass diese gut das Buch wiederspiegeln. Schon allein in der Leseprobe erfährt man einige interessante Details über das Leben auf dem Mars (wobei ich mich bei einzigen Zahlen gefragt habe, wie der Autor auf sie kommt).

Im Anschluss findet sich noch ein kleines Interview mit dem Autor, das noch einmal weitere spannende Einblicke in Watneys Abenteuer und den Schaffensprozess Weirs geben. Für Leute, die das Buch kennen, bietet der Survival Guide kaum etwas neues, für alle anderen ist er jedoch eine kreativ umgesetzte Leseprobe, die aus mehr als nur einem Ausschnitt aus dem Buch besteht. Ich mag die Idee, wie der Guide aufgebaut ist und freue mich jetzt umso mehr auf das Buch, das ohnehin auf meiner Leseliste stand. Allerdings muss man dazu sagen: Eigentlich hatte ihr mehr Survival Tipps erwartet und war dann durchaus etwas erstaunt, dass diese eigentlich nur die Einleitung des kleinen Textleins bilden.

 

 

Autor: L. H. Cosway und Penny Reid

Titel: Irish Players – Keine Zeit für Spielchen

Sprache: Deutsch

Reihe: Nein

Seiten: 350

Originalpreis: 0€

Verlag: Heyne

Genre: Science Fiction

ASIN: B0759RS89L

Erscheinungsjahr: 2017

Quelle: Amazon

Auf folgendes Buch bin ich durch Kaitlins SPFBO Wrap-Up gestoßen. Eigentlich geht es in dem Projekt, in dessen Rahmen sie »Danny« von Steven Harper gelesen hat, um selbstverlegte Fantasy und Science Fiction Romane, weshalb es mich nach Lesen der Leseprobe wundert, dieses Buch hier gefunden zu haben.

Danny Marina's new step-father takes him to the laser tag stadium, the movies, the go-kart track. He and his mother now have a new house and more money. Then Danny finds the cameras--in the living room, his bedroom, the shower. Which leads him to uncover the secret web site, the one devoted to him and his step-brother Eric.

Danny's Mom doesn't believe him--doesn't want to believe him. Faced with the unthinkable as his stepdad brings home strangers, Danny and Eric hop a bus for Florida. Frightened, and only with each other for support, they flee to Aquapura, a crappy, decrepit resort town. But the streets of Aquapura have dangers of their own. A grinning hotel owner named Lucian ropes the boys into a prostitution ring, pimping them out to traveling businessmen who flash enough cash. The work crushes Danny's body and threatens to steal his soul.

As an escape, Danny fills his notebook with a strange and secret story. He spins the tale of Ganymede, a teenaged boy from ancient Greece. Zeus, the king of gods himself, snatches Ganymede up to Mount Olympus, where he is pulled into a web of intrigue and adventure that threatens the very gods.

As his life under Lucian's thumb worsens, Danny escapes deeper into Ganymede's fictional life. Except the more Danny writes about Ganymede, the more it becomes clear he's writing about himself. And over time, Ganymede's life crosses Danny's in strange and impossible ways. Danny needs to use Ganymede's strength to fight back and create a better life for himself and for Eric. But can a teenager use the power of a god?

(Quelle: Amazon)

Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben, wobei Danny sich dabei auch abwechselt. Es erscheinen immer wieder kleine Gedichte oder Erzählungen über Ganymed, gefolgt von den normalen Einträgen in Dannys Tagebuch. Hauptsächlich scheint es um die überwiegend üblichen Probleme eines Teenagers zu gehen. Seine Mutter schläft mit vielen Männern und weiß nicht mal, welcher davon Dannys Vater ist. Dann hat sie einen Neuen, zieht mit ihm zusammen, und Danny findet den Neuen, dessen Sohn und den Umzug im Allgemeinen nicht toll. Gut, dann gibt es wohl noch diese Geschichte mit Ganymed, die aber in der Leseprobe noch keine besondere Rolle spielt. Die Leseprobe umfasst genau die ersten beiden Sätze der Kurzbeschreibung.

Von daher: Die Leseprobe vermittelt mir nichts wirklich Außergewöhnliches. Die Variation des Stils soll einen gewissen künstlerischen Anspruch vermitteln, aber ganz ehrlich: Ich fand es eher anstrengend, denn wirklich künstlerisch ansprechend. Wir steigen in den Text ein mit einer Aufzählung aller Bezüge Dannys zur Zahl 8. Dann redet er weiter vornehmlich über Geschlechtsteile und wirkt im Allgemeinen eher wirr in seinen Erzählungen. Nun, es ist ein Tagebuch, da mag man auch mal in seinen Gedanken springen, ich als Leser finde das aber eher anstrengend zu lesen. Da ich nun mal vornehmlich zum Vergnügen lese, ist das nichts, was wirklich meinen Geschmack trifft.

Der Teil mit Ganymed, der in der Kurbeschreibung erwähnt wird, klingt eigentlich interessant. Daher finde ich es etwas schade, dass das in der Leseprobe nicht wirklich auftaucht bzw. man noch nicht sieht, welche Rolle das spielen soll. Das wäre vielleicht etwas gewesen, das meinen Eindruck positiver gestaltet hätte.

Insgesamt also wirkt die Leseprobe wirr und wenig ansprechend. Vielleicht ändert sich das im Laufe des Romans, aber eben nur vielleicht. Für mich jedenfalls wäre dieser Text nichts.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon.

 

Autor: Steven Harper

Titel: Danny

Sprache: Englisch

Reihe: ?

Seiten: 283

Originalpreis: 2,99€

Verlag: Amazon Selfpublishing

Genre: Jungendroman

ASIN: B00ZYTNYUK

Erscheinungsjahr: 2015

Das Buch, das ich heute vorstellen möchte, ist den meisten zumindest dem Titel nach wohl ein Begriff, denn bei »The Wind in the Willows« von Kenneth Grahame handelt es sich um einen Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1908. Der Brite Grahame erzählt die bezaubernde Geschichte der vier Freude Toad, Mole, Rat und Badger (Kröte, Maulwurf, Ratte und Dachs) und berichtet von ihren vielen Abenteuern. Ich besitze das Buch in einer Ausgabe der Everyman’s Libary Children’s Classics, welche ich hier vorstellen möchte.

Die Geschichte selbst ist absolut bezaubernd. Die vier Freunde erleben viele Abenteuer entlang des Flusses und im Wilden Wald, die episodenartig zusammenhängen. Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt werden dabei ganz groß geschrieben und sind den Vier bei ihren Abenteuern immer wieder von Nutzen. Besonders gefallen haben mir die ausgesprochen lebendig wirkenden Dialoge, die mir sehr lebhaft vor Augen standen und die Gespräche sehr dynamisch machten.

Meine Ausgabe ist stoffgebunden und mit goldenen Intarsien versehen, was das Buch natürlich sehr hochwertig erscheinen lässt und zudem auch noch erstaunlich widerstandsfähig macht. Ich habe aus Versehen eine Ecke mit etwas Tee gewässert und man sieht keine Spuren davon.

Eine sehr schöne Idee sind die Vorsatzblätter, die mit tollen Schattenrissen verziert sind. Auf einem der Vorsatzblätter kann man auch seinen Namen vermerken, worin wieder der Kinderbuchcharakter der Edition durchkommt, was ich für eine niedliche Idee halte.

Das Buch ist nach Wunsch des Autors mit Illustrationen von Arthur Rackham versehen. Vor jedem Kapitel findet sich eine kleine Tintenzeichnung und insgesamt sind 12 Farbbilder auf Hochglanzpapier im Buch abgedruckt. Die Bilder sind zeitgenössisch und fangen wunderbar die bezaubernde und liebliche Stimmung der Geschichten ein, die erzählt werden.

Auch sehr zu loben ist die Gestaltung des Buchrückens. Insbesondere, wenn man bereits mehrere Bücher dieser Editionsreihe besitzt, sehen diese zusammen im Regal nämlich sehr schön aus. Das Design hat gewisse Retrovibes, was dem Buch noch einmal etwas Edles gibt. Für ein Kinderbuch, das man eigentlich abends am Bett vorliest (und dafür eignet sich dieser Roman sehr gut) und das damit auch eigentlich recht schnell lädiert wird, ist das sehr hochwertig gemacht.

Ein wenig wird der Eindruck aber dadurch geschmälert, dass sich insbesondere die Rückengestaltung sehr schnell abnutzt. Ein wenig sieht man es auf dem Foto: Sie wirkt schon nach wenigem Benutzen abgegriffen und die Farbe löst sich. Ärgerlich. Auch das Frontmotiv ist eine an und für sich süße Idee, allerdings wirkt es wie ein schlecht ausgedrucktes und aufgeklebtes Foto. Entweder hätte man, wenn man schon ein optisch ansprechendes Buch mit Sammelwert gestalten will, das ganze qualitativ besser lösen können oder gleich weggelassen und auf ein bildliches Motiv verzichtet.

Insgesamt aber dennoch eine sehr schöne Edition für ein sehr schönes Buch, das auch inhaltlich etwas her macht. Und preislich stimmt auch alles.

 

Autor: Kenneth Grahame

Titel: The Wind in the Willows

Sprache: Englisch

Umschlag- und Innenillustration: Arthur Rackham

Coverdesign: Barbara de Wilde, Carol Devine Carson, Peter B. Willberg

Reihe: Nein

Seiten: 249

Originalpreis: £10.99

Verlag: Everyman’s Libary Children’s Classics

Genre: Kinderbuch

ISBN: 978-0-679-41802-3

Erscheinungsjahr: 1993

© Verlag, Quelle: Thalia.de

Momentan reden so viele über »Verbotene Gefühle«, Teil 1 der Beautiful Liars von Katharine McGee, und stets wird dabei betont, wie gut das Buch doch sei, obwohl die Paratexte den scheußlichen Eindruck einer weiteren unkreativen, langweiligen und ausgelutschten Jugend-Romanze vermitteln. Es wurde genug darüber geredet, dass ich neugierig genug war, um über die wirklich scheußlichen Paratexte hinwegzusehen und zu schauen, was man der Leseprobe entnehmen kann.

JE HÖHER DU STEIGST, DESTO TIEFER WIRST DU FALLEN!

 

Manhattan, 2118: Im Penthouse des höchsten Wolkenkratzers der Welt feiern die Reichen und Schönen eine rauschende Party. Für fünf von ihnen wird nach dieser Nacht nichts mehr so sein wie zuvor. Die wunderschöne Avery, die intrigante Leda, die verführerische Eris, die verzweifelte Rylin, der ehrgeizige Watt - einer von ihnen wird den Abend nicht überleben.

 

Der süchtig machende Trilogie-Auftakt zu Katharine McGees "Beautiful Liars" entführt in ein gefährliches Netz aus Liebe und Lügen. Glamouröser als "Gossip Girl", herzzerreißender als "Pretty Little Liars"! Tauche ein in die luxuriöse Welt der New Yorker Elite der Zukunft!

(Quelle: Amazon)

SCHREI MICH NICHT AN!

Nachdem ich die Leseprobe las, muss ich sagen: Oh ja, das schaut sehr danach aus, dass der deutsche Verlag mit den Paratexten da ein nicht wirklich passendes Bild vermittelt, was mir sehr leidtut, denn die Leseprobe hat mich durchaus ein wenig angesprochen.

Das erste, das mir positiv ins Auge stach, ist, dass wir hier keine Erzählung aus multipler erster Sicht haben, was mir in der Vergangenheit durchaus einige Male nicht so gut gefallen hatte, wie sich vielleicht der eine oder andere erinnert, der diese Postreihe seit geraumer Zeit verfolgt. Ich hatte schon fast die Befürchtung, dass Jugendromane nur noch aus verschiedenen Personen in der ersten Person erzählt werden, was, wie ich finde, so gut wie nie gut umgesetzt wird. Danke, dass dieses Buch das nicht tut.

Das zweite ist, dass ich die Grundidee ansprechend finde. Das ist, offen gesagt, nicht die neueste oder innovativste Idee und wurde hier gewiss nicht das erste Mal umgesetzt, aber mir gefällt sie dennoch.

Ignorieren wir bitte einmal die Leseprobe, die mir bei Thalia in Form eines kleinen Heftchens in die Hand gedrückt wurde und würdigen, dass die Protagonisten zumindest in der Leseprobe zwar durchaus wie Teenager agieren, dabei aber nicht wie aufgetakelte unreife und überzogene Kackbratzen wirken, wie es mir in der Vergangenheit ebenfalls des Öfteren untergekommen ist. Das heißt, dass sie zwar durchaus die Probleme und Gedankengänge von Teenagern besitzen, sich dabei aber auch angenehm lesen lassen und man sie nicht nehmen und schütteln will, weil sie so große Nervensägen und Idiotenkinder sind.

Die Leseprobe besitzt einige Anachronien (Rückblenden ect.) und das ist mein größer Kritikpunkt an der Leseprobe: Es ist nicht immer wirklich klar ersichtlich, dass es sich hier um eine Rückblende handelt, sodass ich mitunter verwirrt war, wohin die Handlung denn jetzt schon wieder gesprungen war.

Als Fazit aus der Leseprobe ziehe ich, dass es sich hier tatsächlich einmal um einen lesbaren Jugendroman handelt, der sich nicht sofort auf jedes Klischee stürzt, das er um die Ecke lugen sieht. Die Grundidee ist, auch wenn sie das Rad nicht neu erfindet, durchaus ansprechend. Das ist ein Buch, das ich mir zumindest auf Englisch vielleicht eines Tages durchaus zulegen werde.

 

Die von mir gelesene Leseprobe findet sich auf Amazon

 

Autor: Katharine McGee

Titel: Beautiful Liars – Verbotene Gefühle

Original: The Thousandth Floor

Sprache: Deutsch

Reihe: Band 1

Seiten: 512

Originalpreis: 14,99€

Verlag: Ravensburger Buchverlag

Genre: Science Fiction

ASIN: B06XXFMPRY

Erscheinungsjahr: 2017

In der so facettenreichen Fantasy tun sich hin und wieder einzelne Autoren und Reihen besonders hervor. So auch die Welt der Shannaras von Terry Brooks, welche einst als Schatten Mittelerdes begann, doch längst daraus hervorgetreten ist. The Voyage of the Jerle Shannara ist eine Trilogie, die die gefährliche Expedition des Druiden Walkers in unbekannte Länder begleitet.

Als ein halb toter Elf an der Küste angespült wird, beginnt eine Zeit des Umbruchs. Denn dieser Elf ist der verschollene und totgeglaubte Bruder des Elfenkönigs Ahren Elessedil, der bei sich die Karte zu einem wertvollen Schatz trägt: die ebenso verloren geglaubten Elfensteine, die zu suchen er vor dreißig Jahren aufgebrochen war. Der Druide Walker Boh ersucht Ahren, um eine Expedition zu finanzieren, die die Elfensteine in einem fernen und fremden Land zu suchen. Doch schon kurz darauf treten ihre Feinde in Aktion und ermorden Ahren, um diese Expedition gar nicht erst zustande kommen zu lassen. Mit seinem letzten Atemzug leitet Ahren jedoch alles in die Wege, damit Walker dennoch aufbrechen kann. Er und seine Mannschaft werden dabei von tödlichen Gegenspielern verfolgt: Der Ilse Witch und ihrem Meister, dem Morgawr.

Das war mein erster Ausflug in die Welt von Shannara, im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass diese Reihe innerhalb des Zyklus zwar unabhängig von den anderen Reihen gelesen werden kann, sie jedoch einige frühere Ereignisse spoilert (so unter anderem die Serie), was ein wenig ärgerlich war.

Das Worldbuilding sticht hier definitiv sehr heraus. Wir befinden uns in einer postapokalyptischen Welt, genauer gesagt: unserer Welt. Verheerende Kriege haben alle Länder gravierend verändert und die Menschheit nahezu ausgelöscht. Aus den Resten der Menschen sind Gnome, Zwerge und Trolle hervorgegangen, doch auch Wege zwischen den Dimensionen haben sich aufgetan, durch die Magie sowie Elfen und Dämonen in die Welt gelangen konnten. Noch immer finden sich Reste der alten Zivilisation der Menschen und letzte technische Relikte. Darunter ist zum Beispiel auch der Supercomputer Antrax, der die Ruinen von Casteldown bewacht, wohin Walkers Expedition ihn und seine Begleiter führt, um die Elfensteine und magische Bücher mit Wissen aus der alten Welt zu suchen. Dazu gibt es dann auch noch Steampunkelemente wie zum Beispiel Luftschiffe.

Brooks vermischt damit klassische High Fantasy, die diese Bücher immer noch vornehmlich sind, mit Elementen der Science Fiction, was wirklich sehr, sehr cool ist und auch ebenso gut umgesetzt wurde. Da gilt es dann zum Beispiel auf einmal, mit Magie und Schwertern gegen Cyborgs und durchdrehende Computer zu kämpfen. So ein Kontrast kommt einem definitiv selten unter die Finger, was eine sehr angenehme Abwechslung zum Einheitsbrei ist.

Ein wenig schmunzeln wird vielleicht der eine oder andere, wenn er gewisse Eigennamen wiedererkennt: Elessedil (was an Elessar erinnert), Faerie (aus Tolkiens Essay On Fairy-stories), Morrowindl (das Spiel The Elder Scrolls III: Morrowind), Alt Mer (Altmer, die Hochelfen aus den Elder Scrolls Spielen) und noch einige mehr. Mag natürlich Zufall sein, vielleicht aber auch nicht.

Das Buch nimmt sich Zeit und stellt die wichtigsten Charaktere neben Walker ausführlich vor. Auf der anderen Seite werden einige andere Expeditionsteilnehmer nur kurz angerissen oder gar nicht groß vorgestellt, was den Eindruck vermittelt, dass sie eher Kanonenfutter sind, die im Laufe der Expedition hops gehen, damit es die Hauptprotagonisten mit Plot armor nicht treffen muss. Das hat einen schalen Beigeschmack.

Eben weil manche Charaktere bei der Vorstellung gegenüber anderen etwas hinten über fallen gelassen wurden, kommt man manchmal etwas durcheinander, wer denn nun bei der Fülle an Charakteren wer war. Dadurch stolpert man auch manchmal über die Handlung und läuft Gefahr, etwas zu überblättern und nicht mehr ganz mitzukommen. Der rote Faden bleibt jedoch klar, außerdem gibt es immer wieder Stellen, bei denen man plötzlich wieder völlig am Ball bleibt und gar nicht mehr aufhören kann zu lesen, sodass ein paar Durststrecken dann doch in Vergessenheit geraten.

Und es gibt einige Plottwists, die einen teils ziemlich vom Hocker reißen. Wer ist denn nun der Junge Bek und wer ist eigentlich die Ilse Witch? Das waren Dinge, die durchaus einen »Woah, wie cool!«-Ausruf auslösen können.

The Voyage of the Jerle Shannara besticht in erster Linie durch ihr phantastisches Worlbuilding. Bei den Charakteren stolpert sie manchmal, sodass man nicht immer ganz folgen kann, hat aber auch wieder Momente, wo sie einen völlig in der Hand hat. Insgesamt also auf jeden Fall eine Empfehlung, die sich aus dem Einheitsbrei der High Fantasy löst und gleichzeitig doch zu den Klassikern des Genres gehört.

 

 

Autor: Terry Brooks

Titel: The Voyage of the Jerle Shannara (Ilse Witch, Antrax, Morgawr)

Sprache: Englisch

Umschlag- und Innenillustration: Russ Charpentier, Steve Stone

Reihe: Band 1-3

Seiten: 1260

Originalpreis: £13.99

Verlag: Pocket Books

Genre: Fantasy

ISBN: 978-1-41650-204-3

Erscheinungsjahr: 2004

© und Quelle: Verlag

Ein Traumparadies klingt verlockend, doch in den falschen Händen kann diese Technologie schreckliche Konsequenzen haben. Nikolas Stoltz erschafft in seinem spannenden Wirtschaftsthriller »Dream On - Tödliche Träume« ein Szenario der nahen Zukunft, das zeigt, wie beeinflussbar uns Technik machen kann.

Dream On ist ein aufstrebender Konzern, dessen revolutionäres Produkt kurz vor der Markteinführung steht. Doch das ruft auch die Feinde des Konzerns auf den Plan, die die zerstörerische Kraft der Software entdeckt haben, die der Konzern entwickelt. Denn Dream On will Träume zu einem Marktprodukt machen. Mit der Technologie lässt sich eine virtuelle Traumlandschaft generieren, die es ermöglicht, einen bewusst gesteuerten Traum fast noch realer als die Wirklichkeit erlebbar zu machen. Eigentlich sollen nur positive Dinge aus dem Unterbewusstsein in die Traumwelt projiziert werden, doch jemandem ist es gelungen, ein Virus einzuschleusen, das nicht nur das Unterbewusstsein zur Spionage manipulieren kann, sondern auch tödliche Alpträume hervorruft. Mittendrin ist Nick Quentin, der gerade neu eingestellt wurde und nicht ahnt, in welch gefährliches Kreuzfeuer er hier zwischen korrupten FBI-Agenten und Wirtschaftsspionen geraten wird.

Man muss leider festhalten, dass die Gefühle der Protagonisten zu kurz kommen, besonders dann, wenn es in ihren Alpträumen darum geht, dass sie mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontiert werden. So wirklich konnte man die Angst nie mitfühlen und fühlte sich teilweise wie ein unbeteiligter Beobachter. Die Großschreibung der ganzen Fachausdrücke wie zum Beispiel DREAM ON oder DREAMSPHERE hatte auch ein wenig gestört, besonders, da sie nicht in allen Fällen eingehalten wurde: Comunicator wurde nie groß geschrieben. Auch liest es sich hin und wieder, als würden in der ganzen Firma nur die Protagonisten arbeiten; Das Setting ist nicht mit weiteren Mitarbeitern belebt.

Trotz der verknappten Emotionen der Protagonisten schafft es der Roman aber, sehr viel Spannung aufzubauen. Er liest sich schnell und gut weg, sodass man förmlich an den Seiten klebt, um mitzuraten, wer denn nun der Saboteur und Mörder ist, der das Virus in das System eingeschleust hat. Zumindest ich bin bis zum Schluss im Dunkeln getappt.

Die ganze Szenerie mit der Dreamsphere und der Technologie dahinter ist äußerst spannend dargestellt und im Gegenzug zu den Gefühlen der Protagonisten auch zum Miterleben gestaltet. Befindet sich Nick in der Dreamsphere, hat man das Gefühl, mit ihm dort zu sein, was ein wenig den Wunsch erweckt, dass diese scheinbar tolle Technologie real wäre.

Dann beginnen jedoch die Dinge aus dem Ruder zu laufen, jemand wird ermordet und das FBI nimmt anhand fadenscheiniger Indizien Nick ins Kreuzfeuer. Es wird gezeigt, wie manipulativ Technik uns macht, besonders dann, wenn sie auf so intime Daten wie unser Unterbewusstsein zurückgreift. Das offizielle Statement der Firma lautet, dass diese Daten top gesichert sind, aber im Laufe des Romans sieht man ja, wie einfach das Sicherheitssystem unterwandert werden kann. Für Regierungsorganisationen wie der CIA ist das natürlich hochinteressant, um auf diese Weise die Bürger auszupionieren (und an dieser Stelle bekam der Roman gewisse Fringe Vibes, als die CIA zu den Bösen wurden und es scheinbar paranormale Erscheinungen durch die Technologie gab).

Man beginnt anhand dessen selbst, ein wenig über das Thema Technik zu reflektieren. Inwiefern lassen wir zu, dass private Daten über uns gesammelt werden, nur um neuen Schnickschnack aus der Unterhaltungsindustrie genießen zu können? Verkaufen wir vielleicht gar unsere Seele an Google und Co.? Und welche Folgen kann das haben?

Dream On ist in jedem Fall mit ein paar Abstrichen ein spannender Wirtschaftsthriller, der packt und mitreißt. Darüber hinaus wirft er einige aktuelle Fragen auf und ist in jedem Fall eine Empfehlung.

 

Ich danke dem Verlag und vorablesen.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

 

Autor: Nikolas Stoltz

Titel: Dream On - Tödliche Träume

Sprache: Deutsch

Umschlaggestaltung: Judith Jünemann

Reihe: Band 1

Seiten: 419

Originalpreis: 2,99€

Verlag: FeuerWerke Verlag

Genre: Thriller

ASIN: B076B38HGL

Erscheinungsjahr: 2017 (31.Oktober)

Nun trägt der nachfolgende Text das Label einer Rezension, aber so wirklich eine Rezension ist es nicht. Eher eine Eskalation von purem Nerdgasm. Denn anders kann ich weder The Way of Kings noch irgendeinen anderen der Nachfolgebänder des Stormlight Archive von Brandon Sanderson besprechen. Das führt für mich eigentlich zu genau demselben Grund, warum ich Tolkien nicht rezensiere: Es ist genial, Punkt, aus. Daran gibt es nichts zu diskutieren. Daher müsste die Frage für dieses Buch heißen: »Was ist hieran eigentlich nicht geil?«, statt »Wie gefiel es mir persönlich?« Da diese Frage aber sehr schnell mit »Nichts« zu beantworten ist, stellen wir lieber die Frage: »Was genau ist hieran geil?«

The Way of Kings ist der Auftaktband des Stormlight Archives, der Reihe, die wohl als der Kern des Cosmere bezeichnet werden kann – für Brandon selbst ist das die Geschichte, die er schon immer erzählen wollte, bisher aber nicht konnte, weil sie so enorm ist. Und The Way of Kings ist erst der Anfang, der im Vergleich zu Words of Radiance oder gar Oathbringer noch ganz zart aussieht.

Kaladin war nicht immer ein Sklave in den Brückenmanschaften des Großprinzen Sadeas. Einst war ihm der Weg eines Chirurgen in Kharbranth beschieden. Irgendwie landete er dann aber als Speermann in der Armee Prinz Amarams und wurde von dort aus in die Sklaverei verkauft. Nun ist er am Boden der Gesellschaft angekommen, mitten unter den Ärmsten der Armen. Denn die Brückenmänner sind zum Sterben verurteilt. Kaladin hätte beinahe den Freitod gewählt, wäre da nicht das seltsame Sprengsel Syl, das sich an ihn gebunden hat und ihn zum Kämpfen ermuntert. Sie beide ahnen nicht, dass sie damit den ersten Schritt auf dem Pfad der Strahlenden Ritter getan haben. Im fernen Kharbranth derweil sucht Shallan Davar die Lehre der Häretikerin Jasnah, um von ihr die nur denkbar beste Ausbildung zu erhalten – und um ihren Seelengießer zu stehlen. Doch sie muss entdecken, dass Jasnah an etwas viel größerem forscht, das weit über den Untergang des kleinen Hauses Davar hinausgeht.

Life before death.

Strength before weakness.

Journey before destination.

Das erste Ideal der Strahlenden Ritter, The Way of Kings, S. 1036.

 

Ich bin jemand, der saugeiles Worldbuilding über alles schätzt. Und besser als das hier geht einfach nicht. Nur genauso gut, und das findet sich bei Tolkien. Roshar ist eine sturmumtoste Welt. Großstürme von enorm zerstörerischer Wucht ziehen in regelmäßigen Abständen von Westen her kommend über den gesamten Kontinent und prägen Leben auf ihn in allen Aspekten. Alles auf Roshar ist auf die Großstürme ausgerichtet, Tier, Pflanze und Mensch. Auf uns mag Roshar fremd erscheinen, doch gerade das macht den Reiz dieser Welt aus. Brandon schafft es exzellent, eine so fremde Welt so greifbar zu machen, als wäre man selbst ein Alethi und mit deren Kultur aufgewachsen.

In Roshar gibt es zahlreiche Kulturen, und jede von ihnen ist einzigartig, viele gar fremdartig. Dass Alethi Damen ihre linke Hand, die Schutzhand, verbergen, da eine entblößte Schutzhand als anstößig gilt, ist dabei nur das geringste. Leute, so gestaltet man eine fremde Welt: in vielen kleinen Details von unserer abweichend, aber nicht zu fremd und alienhaft, und gleichzeitig so, als fühlte sie sich an, als sei das alles die natürliche Ordnung der Dinge.

Roshar ist einfach episch und gewaltig. Alles hieran ist eine Nummer größer. Khriss, die Verfasserin der Ars Acana am Ende eines jeden Cosmere-Bandes, schreibt passenderweise in Arcanum Unbounded zum Rosharan-System und besonders zum Planeten und Kontinent Roshar, dass man sich hier regelrecht zwergenhaft vorkommt. Es gibt zahlreiche riesige Krustenkreaturen wie die friedlichen Chulle, die als eine Art Lasttiere eingesetzt werden, oder gar die gigantischen Kluftteufel, die in den riesigen Kluften der Zerbrochenen Ebene hausen und regelmäßig ganze Bataillone verschlingen.

Und dann gibt es da natürlich noch die Splitterklingen und –rüstungen (Shardblades und Shardplates im Original, was einfach viel besser klingt, wie ich finde). Die Rüstungen geben ihrem Träger übermenschliche Kräfte und auch die Klingen scheinen nicht von dieser Welt. Sie schneiden lebendes Gewebe nicht, sondern brennen direkt die Seele aus ihm. Wird man von einer Splitterklinge getroffen, stirbt man mit brennenden Augen. Ritter in solch einer Rüstung sind eine imposante Erscheinung, die wunderbar in das Erscheinungsbild Roshars passen, wo alles größer wirkt. Außerdem, ganz nebenbei, ist der Kontext der Rüstungen endlich einmal eine wunderbare Erklärung für die völlig übertriebenen Rüstungssets, die ein Trope der Fantasy geworden sind. Hier macht das wenigstens Sinn!

Die Großstürme, die regelmäßig über Roshar herziehen, tragen in sich Sturmlicht, die essenzielle Kraft des Systems. Sturmlicht wird nicht nur als Lichtquelle in Glaskugeln verwendet, die gleichzeitig auch das Währungssystem sind, sondern auch beispielsweise, um die überirdischen Kräfte der Splitter zu betreiben.

Der Assassine in Weiß, welcher König Gavilar und Alethkar tötete und damit den Krieg der Alethi gegen die Parshendi auf der Zersplitterten Ebene auslöste, konnte mit Sturmlicht jedoch noch viel mehr. Es scheint, dass er die Kräfte der verschollenen Strahlenden Ritter besitzt.

Man merkt Roshar an, dass es eine alte und turbulente Geschichte besitzt, auch wenn vieles davon in den Wogen der Zeit verschollen ging. Nur wenige Menschen wie Jasnah sind in der Lage, aus den Fragmenten, die aus den mythischen Zeiten erhalten blieben, die Wahrheit herauszufinden. Das Gefühl, dass in der Ferne eine Ruine auftaucht, die eine alte, längst vergessene Geschichte in sich trägt, kann Brandon in Roshar ebenso gut vermitteln wie Tolkien in Mittelerde, vielleicht sogar besser, weil es (noch?) nicht viel zur Vergangenheit Roshars gibt.

Eines weiß man jedoch: Die Strahlenden Ritter, welche unglaubliche Fähigkeiten besaßen, sind verschwunden. Niemand weiß, wieso, aber allgemein wird von Verrat an der Menschheit gesprochen. Etwas Schreckliches passierte damals, als die Bringer der Leere die Welt beinahe zerstörten. Niemand weiß so recht, wer die Bringer der Leere sind, doch nun scheint es, als würden sie zurückkehren, um in der letzten, der Wahren Wüstwerdung Roshar zu vernichten.

Und dann sind da noch die unglaublich inspirierenden Charaktere. Wer schon einiges von Brandon gelesen hat, weiß, dass seine Charaktere häufig auf eine ganz bestimmte Art und Weise denken. So auch hier.

Es ist ermutigend zu sehen, wie sich Shallan, Kaladin und Dalinar Kholin durch alle Widrigkeiten boxen. Shallan will um jeden Preis als Mündel Jasnahs aufgenommen werden, obwohl Jasnah alles daran setzt, sie abzuschütteln. Kaladin gar wird in die Sklaverei verkauft und muss dort erdulden, dass er als lebendes Schild für die Soldaten Sadeas‘ missbraucht wird. Großprinz Dalinar erlebt Visionen, von denen er glaubt, dass sie vom Allmächtigen kommen, und die ihm sagen, dass er »sie« vereinigen soll. Kaum jemand glaubt ihm, seine Autorität als Kriegsherr und legendärer Schwarzdorn wird untergraben. Mit Cleverness und Verbissenheit boxen sie sich durch alle Hindernisse und das wirkt einfach ermutigend, besonders, wenn man selbst in einer schwierigen Zeit steckt.

Jeder Stormlight-Band ist ein wahres Monster (was sich von Band zu Band sogar noch zu steigern scheint). Und trotzdem sind sie alle extrem kurzweilig. Es passiert immer etwas, bei dem man am Ball bleiben muss, um zu wissen, wie es weitergeht. Mal sind es packende Ereignisse, mal die Charaktere, die zu verfolgen ein wahrer Genuss ist, mal einfach nur das Gefühl, in diese wunderbare Welt abtauchen zu können und wirklich da zu sein.

The Way of Kings wirkt besonders beim ersten Lesen sehr verwirrend. Es gibt viele kleine Details, die scheinbar nicht erklärt werden, deren Erklärung aber ebenfalls im Detail, den Folgebänden und manchmal auch in anderen Cosmere-Bänden steckt. Auch wenn man vielleicht nicht unbedingt weiß, was gerade vor sich geht (womit es einem wie den Protagonisten geht), hat man das stete Gefühl, dass etwas vor sich geht, etwas sehr, sehr Gefährliches.

Nun, die Stormlight Bände sind, wie jeder Cosmere-Band, eine unbedingte Empfehlung. Aber das  dürfte an dieser Stelle wohl ohnehin klar sein. Ich empfehle übrigens, das Album Epica von Audiomachine beim Lesen zu hören. Es erwies sich für mich als der beste Soundtrack zum Buch.

I will protect those who cannot protect themselves.

Das zweite Ideal der Strahlenden Ritter, The Way of Kings, S.1156

 

They named it the Final Desolation, but they lied. Our gods lied. Oh, how they lied. The Everstorm comes. I hear its whispers, see ist stormwall, know its heart.

The Way of Kings, S. 1158

 

Autor: Brandon Sanderson

Titel: The Stormlight Archive: The Way of Kings

Sprache: Englisch

Umschlag- und Innenillustration: Michael Whelan, Isaac Steward, Ben McSweeney, Greg Call

Reihe: Band 1

Seiten: 1258

Originalpreis: $8.99

Verlag: Tor Books

Genre: Fantasy

ISBN: 978-0-7653-6527-9

Erscheinungsjahr: 2011

Nun endlich ist es soweit! Oathbringer, Band drei des Stormlight Archive von Brandon Sanderson, ist erschienen, der Everstorm fegt über Roshar und die Voidbringer sind erwacht. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob der Roman auch die Erwartungen erfüllen kann.

Die Antwort darauf lautet in Kürze: Ja, das kann er. Zugegeben habe ich auch vor allem erwartet, dass ich wieder einen unglaublich packenden Roman bekomme, der vollgepackt ist mit wunderbaren Charakteren, die mich nun bereits durch drei dicke Wälzer begleitet haben, dass sie wie alte Freunde wirken. Und das wurde mir wieder gegeben.

In den ersten beiden Romanen ist man gewöhnt, dass die Informationen nur bruchstückhaft kommen und die Charaktere erst allmählich begreifen, was hier passiert. In Oathbringer ist das nun ein wenig anders. Wir lernen hier so viel über die Knights Radiant, Urithiru, die Parshendi, die Voidbringer, aber auch Shadesmar, die spren und ihre Kultur sowie über Odium, Honor und Cultivation, dass es fast schon wie purer Luxus wirkt. Natürlich ist das etwas ganz Wunderbares! Hier gehen Dinge vor sich, von denen ich sicher bin, dass sie noch für den gesamten Cosmere von Bedeutung sein werden (ohne zu spoilern nicht zuletzt in Hinblick auf das, was wir über die Herkunft der Voidbringer erfahren).

Viele der Charaktere machen tolle Entwicklungen durch. Sie kennen ihre Fehler und versuchen, jeder für sich und auf seine eigene Weise ein besserer Mensch zu werden. Shallan lernt, dass es ok ist, sie selbst zu sein. Dalinar lernt, dass es ok ist, Fehler zu haben, so lange man stets versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und Kaladin lernt, dass es ok ist, dass auch er manchmal Hilfe bekommt und nicht immer für andere da sein muss.

Auch dieses Mal gibt es ein episches Showdown, das einen förmlich an den Seiten kleben lässt. Die restlichen 1200 Seiten dieses in jeglicher Sicht monumentalen Buches sind ebenfalls mit packenden Handlungen angefüllt, aber auch mit zahlreichen sehr unterhaltsamen Momenten, bei denen man nicht umhin kommt, auch einmal laut aufzulachen. Das Verhältnis von spren zu menschlicher Fortpflanzung zum Beispiel ist ein Quell unendlicher Erheiterung; sowohl Syl als auch Pattern scheiterten daran es zu verstehen, was zu schrägen Fehltritten ihrerseits führte.

Der Fokus liegt dieses Mal auf Dalinar. Wir erfahren, wie er war, als er noch als der Blackthorn gefürchtet war, aber auch, was dazu führte, warum er die Erinnerung an seine Frau verlor und wie er zu dem Mann wurde, den wir nun aus den Büchern kennen.

Auch rein optisch macht das Buch eine Menge her. Wie auch seine Vorgänger ist es reich bebildert (die Bilder sind auf einem Lesegerät, welches Farbe darstellen kann, sogar farbig und sehen noch toller aus als im Buch) mit Biöldern aus Shallans Skizzenbuch, Navanis Entwürfen und vielem mehr. Die Endpapers zieren dieses Mal vier der Heralds.

Der Roman setzt also fort, was seine Vorgänger begonnen haben, geht dieses Mal aber auch detaillierter auf diese Dinge ein und baut sie kräftig aus. Shallans Persönlichkeitsstörung ist dieses Mal eines der zentralen Dinge, und dass psychische Krankheiten gerade in einem Roman von Weltrang thematisiert werden, muss Oathbringer auf jeden Fall gewaltig angerechnet werden, denn leider sind solche Themen immer noch marginalisiert in der Fantasy und in anderen Genres.

 

Oathbringer, My Glory and My Shame.

Written by the hand of Dalinar Kholin

Oathbringer, S. 1128

 

 

Autor: Brandon Sanderson

Titel: The Stormlight Archive: Oathbringer

Sprache: Englisch

Umschlag- und Innenillustration: Michael Whelan, Isaac Steward, Ben McSweeney, Greg Call, Dan dos Santos, Miranda Meeks, Kelley Harris, Howard Lyon

Reihe: Band 3

Seiten: 1248

Originalpreis: $34.99

Verlag: Tor Books

Genre: Fantasy

ISBN: 978-0-7653-6527-9

Erscheinungsjahr: 2017

© Autorin, Qiulle: Amazon

Es war ein Wechselbad der Gefühle. Der Jugend Fantasy Roman »Krähenglut«, Teil 1 der Goulard-Saga von Anna Neunsiegel, hat seine guten Momente – aber auch so einige Stilblüten.

Das Mädchen Eonie ahnt nicht, dass sie bald in einen Strudel sonderbarer Ereignisse hineingezogen werden soll, als jenseits des Kanals noch unbeachtet von der Weltgemeinschaft ein Junge als Mutprobe ein Amulett stiehlt und damit bösen Kräften Tür und Tor öffnet. Nur kurz darauf ist die Rede von einem Krankheitssyndrom, das viele Menschen mit Erstickungserscheinungen niederringt. Aber Eonie weiß es besser, denn sie sieht, dass geisterhafte Erscheinungen den Menschen ihre Lebensenergie rauben. Und das lässt sie ins Visier verschiedener verborgener Organisationen geraten, die gegen das Übernatürliche ankämpfen.

Wer Geschichten über Dämonen und Geister mag, wird hieran sicher seine Freude finden. Denn das ist auch die große Stärke des Romans. Auf schöne Weise bindet die Autorin verschiedene Sagen und Mythen über Kreaturen der Anderswelt in ihre Geschichte ein und baut eine durchaus unheimliche Geschichte auf, die sich gut in das neblige, herbstliche Setting einfügt.

Auch schön gelungen ist die Gestaltung des Buches. Das Cover ist wirklich schön gelungen und auch die kleinen Bildchen vor jedem Kapitel haben ihren Reiz.

Dann aber schlägt leider doch die Jugendbuch-Keule mit so einigen Klischees zu. Da haben wir zum Beispiel den Loveinterest frei nach dem Motto »Was sich neckt, das liebt sich«. Sie können sich beide von Anfang an nicht ausstehen, aber er ist ja SO!SCHÖN und geheimnisvoll und wundersamer Weise verfällt Eonie ihm dann doch. Wortwörtlich, denn sie sinkt theatralisch in seine Arme, als ihr Kreislauf schlapp macht.

Auch der Stil nimmt manchmal doch schon recht schmerzhafte Blüten an. Die Sprache ist ausgesprochen überladen, viele Formulierungen hätte man vereinfachen und damit lesbarer gestalten können. So zum Beispiel diese hier auf Seite 72: »Eonies kurze Fingernägel krallten sich hilflos in ihr Schlüsselbein und tasteten sich sanft umschlingend zu ihrer Kehle hin, als hätte man ihr soeben die Luft geraubt.« Dass sie sich einfach an den Hals fasst, hätte auch gereicht. Oder auf Seite 364: »Sie standen so dicht beieinander, dass sie die Tiefe seiner Augen buchstäblich ergründen konnte.« Oder eine Seite später: »Er versenkte seine Zähne leicht im Fleisch seiner Unterlippe, die Lider demütig gesenkt.« Was spräche hier zum Beispiel gegen »Er biss sich auf die Unterlippe«? Und warum etwas als »sachte wie der Flügelschlag eines Vogels« (S. 319) beschrieben wird, weiß ich mit Blick auf meine beiden Wellensittiche auch nicht. Wenn die fliegen, hat das nichts Sachtes an sich …

Ein inhaltlicher Fehler, der mir hin und wieder unterkommt, so auch hier: »altdeutsche Schrift« gibt es nicht. Entweder sprechen wir von einer Schrift im Sinne eines Textes in althochdeutscher respektive altniederdeutscher Sprache oder von Sütterlin oder der karolingischen Minuskel. Vermutlich ist hier wohl Sütterlin gemeint.

Die auch durch ihre Anzahl stark ins Auge fallenden Stilblüten haben mir in Verbindung mit etwas eigenwilliger da für mein Empfinden zu häufig eingesetzter Emphatisierung doch einiges von der Lesefreude genommen. Inhaltlich hat das Buch jedoch seine Stärken und dürfte besonders Fans von Geister- und Dämonengeschichten zusagen, insofern sie über die Stilblüten hinwegsehen können.

 

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

Autor: Anna Neunsiegel

Titel: Die Goulard-Saga: Krähenglut

Sprache: Englisch

Umschlag- und Innenillustration: Anna Neunsiegel/Midgard Fairy Art unter Verwendung von Motiven von Shutterstock und deviantart

Reihe: Band 1

Seiten: 342

Originalpreis: 0.99€

Verlag: epubli

Genre: Fantasy

ASIN: B01M9HXW1I

Erscheinungsjahr: 2016

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

0
Sephigruens Profilbild
Sephigruen Am 14.6.2017 um 11:31 Uhr
Irgendwie sieht das Präsentationsfoto ja selbst wie ein Cover für eine Gothic-Romanze aus. Die würde ich sogar lesen :D
Das thematisierte Buch … gar nicht meins.
0
magicblues Profilbild
magicblue Am 9.6.2017 um 19:00 Uhr
Das klingt bei dir als wäre der Text eine nüchterne Vorgangsbeschreibung unter einem Flutlicht... ich hab ja nichts gegen gute Erotik, ich lese sie sogar durchaus gerne, aber bei sowas... naja, da mache ich dann wohl einen Bogen drum :D
So zweideutig fand ich deinen Text gar nicht und dabei bin ich ein Profi in Zweideutigkeiten;)

Autor

AuctrixMundis Profilbild AuctrixMundi
M

Bewertung

3 Bewertungen

Statistik

Kapitel:135
Sätze:3.873
Wörter:77.778
Zeichen:482.255

Kurzbeschreibung

"OAAARGFLFUUU! WAS MACHT DER AUTOR DA?!" So oder so ähnlich lauten meine Ausbrüche, wenn mir mal wieder Schundliteratur in die Finger geriet. Gelegentlich breche ich jedoch auch in Freudentränen aus, wenn ich etwas absolut Göttliches lesen durfte. Auf der Suche nach unterhaltsamen Verrissen oder dem einen oder anderen Literaturtipp? Dann sind meine Rezensionen vielleicht die richtige Anlaufstelle. Überwiegend Fantasy, aber gelegentlich schnuppere ich auch in andere Genre hinein. Gelegentlich durchsetzt mit Buchvorstellungen, zumeist zu Tolkiens Werken.