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Leise rieselt der Schnee

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25.06.21 08:16
12 Ab 12 Jahren
Homosexualität
Fertiggestellt

Diese Kurzgeschichte war eigentlich für einen Award gedacht. Allerdings findet dieser nicht statt und ich wollte nur ungern diese Story verwerfen und lade sie nun als Oneshot hoch.

Ich hatte in meinem Tagebuch schon angemerkt, dass ich nächstes Jahr einige Kurzgeschichten schreiben werde und diese hier ist die erste von vielen, die ich geplant habe.

Das Motto des Awards war Winter und es gab einige Vorschläge und doch war ich der Meinung, dass ich ganz ohne Vorlage schreiben und arbeiten kann.

Ihr dürft die Geschichte demnach subjektiv betrachten, kommentieren und gerne Hilfestellung geben.

Kritik bin ich nicht abgeneigt, sofern sie sachlich ist und der Ton nicht querschießt.

 

********

 

 

Unnachgiebig leckte etwas über sein Gesicht und riss Benoit aus dem Schlaf. Müde öffnete er seine Lider und blickte in die treuen Augen eines kleinen Welpen, der freudig auf seinem Bett herumtollte.
"Mimi", stöhnte er leise und fuhr sich durch seine dunkelblonden Haare und doch hörte der kleine Schäferhund nicht auf, sondern stupste ihn so lange an, bis sich Benoit aus den Federn schwang.
"Was ist denn nur los mit dir?", murmelte er, streckte sich und roch den Duft von frischem Kaffee.
Justin musste also bereits wach sein, hatte sich frech aus dem gemeinsamen Bett geschlichen und war aufgestanden. Aber wo war er?

Benoit schritt langsam in Richtung Küche, doch außer Kaffee und frischen Brötchen fand er nichts. Komisch, dabei liebte Justin es doch gemeinsam zu frühstücken. "Du weißt nicht, wo er ist, oder?"
Mimi sah mit ihren braunen Augen zwar auf, doch sie machte nicht den Anschein, als würde sie irgendwas wissen.

Benoit seufzte, er fuhr sich durch sein kurzgeschnittenes Haar, was schon eine Macke von ihm war und überlegte, wohin sich sein frecher Freund hingeschlichen hatte. So ohne Kaffee dachte es sich schwer und daher goss er sich eine Tasse von dem Muntermacher ein, führte diese an seine Lippen und sah nachdenklich nach draußen in den Garten.

Mimi tat es ihm gleich, legte den Kopf schief und drückte ihre Nase neugierig an die kalte Fensterscheibe. Plötzlich bellte sie, wedelte mit dem Schwanz und wirkte ziemlich aufgeregt.

"Du willst raus", merkte Benoit überrascht an, stellte seine Tasse auf dem Fenstersims ab und nahm den Welpen auf den Arm. "Lass mich nur rasch etwas anziehen, dann gehen wir raus und du lernst deinen ersten Schnee kennen."
Nur leider ohne Justin, dachte er sich und sah bedrückt nochmals nach draußen, ehe er sich ganz abwandte und zurück ins Schlafzimmer ging, um sich anzuziehen.

Mimi wurde zuvor auf das Bett gesetzt, tobte freudig in den Laken und sah dennoch immer wieder zu Benoit, der sich endlich nach geraumer Zeit die Schuhe anzog und zusätzlich nach einem warmen Schal griff. "Na komm, gehen wir nach draußen", lächelte er schwach und konnte gar nicht so schnell gucken, wie der Welpe aus dem Bett sprang, an ihm vorbeirauschte und freudig bellend vor der Tür wartete.

"Ist gut, Mimi", lachte Benoit, folgte ihr, nahm seine Schüssel und seine Jacke und da fiel ihm auf, dass Justins Jacke fehlte und ebenso die Autoschüssel.

Er musste also unterwegs sein, aber wo war er hin? Benoit hatte keinen blassen Schimmer, dennoch freute er sich mit Mimi herauszugehen und im Schnee zu spielen.

Der erste Schnee war besonders, auch für einen Welpen.

Benoit erinnerte sich. Erinnerte sich daran, wie Justin und er gemeinsam ihren ersten Schnee erlebt hatten und es sich nicht nehmen ließen, Schneeengel zu machen.

Eine schöne Erinnerung, ebenso die Fahrt mit dem Schlitten und …
Benoit sah runter zu Mimi, die an der Tür kratzte, winselte und endlich nach draußen wollte.
"Ist ja gut", lachte er, steckte den Schlüssel in die Jackentasche und öffnete die Tür.

Freudig bellend sauste der kleine Welpe nach draußen, steckte die Nase in den Schnee und schnüffelte.
Benoit sah ihr dabei zu, lächelte und doch dachte er wieder an Justin und an ihre Schlittenfahrt.
Den Schlitten gab es nicht mehr und wie es schien, war Justin ebenso verschwunden und nichts erinnerte mehr an ihn, außer dem Schnee, der neugierig von Mimi unter die Lupe genommen wurde. So aber sollte er nicht denken, Justin war sicher nur einkaufen und  hatte ihn und Mimi nicht einfach verlassen.  Benoit verwarf die tristen Gedanken und sah zu seinem Hund.

Sie sprang immer wieder in den tiefen Schnee, sah heraus, bellte und hüpfte sofort wieder rein. Es war, als wollte sie ihn ablenken.
"Wenn …" Weiter kam Benoit nicht. Es hupte hinter ihm und sofort streckte Mimi den Kopf aus dem Schnee, bellte und sauste schwanzwedelnd an Benoit vorbei.

"Justin …", murmelte er kaum hörbar. "Beno hilf mir mal", rief er schon aus dem Auto heraus, stieg ganz aus und nahm Mimi auf den Arm, die ihn von oben bis unten ableckte und immer wieder freudig winselte."Ist gut, ich war doch nur ne Stunde weg", lachte er, setzte sie ab, schritt um das Auto herum und zum Kofferraum. "Beno?"

"Komme", rief er und eilte beinahe zu seinem Freund, den er vorerst an sich zog und ihre Lippen zu einem Kuss vereinte.
"Wow, ich war doch nicht so lange weg", murmelte Justin, nachdem sie sich gelöst hatten. "Für mich zu lange. Du warst ohne ein Wort weg", schmollte Benoit.

"Ich war nur kurz bei meinen Eltern und etwas holen", erklärte Justin, öffnete den Kofferraum und grinste, als er Benoits funkelnde Augen sah. "Ein Schlitten?"
"Ein Schlitten, ganz genau und keinen aus Plastik", wiederholte Justin, zog diesen raus und stellte ihn vorerst vor dem Auto ab.

Sofort schnupperte Mimi daran, lief einige Male um ihn herum, setzte sich schließlich vor dieses hölzerne Ding und legte den Kopf schief.
"Mimi ist wie du. Du warst damals nicht viel anders", schmunzelte Benoit und ignorierte das süße Schmollen seines Freundes, der die Wangen aufblies.
Er sah fast so aus, als wollte er etwas sagen, doch Justin schloss schweigend den Kofferraum, nahm Mimi hoch und setzte sie auf den Schlitten drauf.
Vorsichtig zog er sie ein wenig, dann aber wurde es dem Welpen zu bunt und sie sprang herunter und wühlte lieber wieder im Schnee.

Benoit sah ihr zu, dann aber grinste er fies, nahm sich eine Handvoll Schnee und warf sie nach Justin.

"Hey", murrte es kaum darauf, dann aber jagte er ihm hinterher, versuchte ihn zu fassen, bekam ihn und warf Benoit in den tiefen Schnee.
Triumphierend setzte sich Justin auf die Hüfte seines Freundes, griff sich dessen Hände und sah ihn herausfordernd an. "Eigentlich wollte ich ja Schneeengel machen, aber wie mir scheint, muss ich dir erst dein freches Mundwerk waschen."
Justins braune Augen strahlten, seine vollen Lippen kamen denen Benoits verdammt nahe und doch zogen sie sich wieder zurück.
"Lass uns Schlitten fahren, ja? "Justin rappelte sich auf, ebenso Benoit, der sich den Schnee von der Hose klopfte und nach oben sah.
"Schau mal, es schneit schon wieder", stellte er fest, zog seinen Freund zu sich und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. "Hoffen wir mal, dass er noch ein wenig liegenbleibt."

Justin nickte stumm, blinzelte und strich sich die Schneeflocken von der Nase.
Benoit beobachtete ihn und sah aus dem Augenwinkel, wie Mimi nach den Flocken schnappte. "Ich sag ja, Mimi ist genau wie du."
"Aja?" Justin sah zu ihr rüber und schmunzelte. "Sie ist vernarrt in Schnee und, sie ist vernarrt in dich."
"Hm ja und ihr habt beide diesen Blick", schwärmte Benoit und drückte Justin näher an sich, da er ein wenig zu zittern begann.

"Und b-braune Augen", erwiderte er stotternd vor Kälte und suchte noch mehr die Nähe seines Freundes.
Mimi schien den gleichen Gedanken zu haben und drückte sich an die beiden jungen Männer.
"Gehen wir rein ins Warme und später fahren wir Schlitten", schlug Benoit vor, was von Justin dankend angenommen wurde und er sogar vorauseilte, lachte und nach Mimi rief, die ihm freudig folgte.

Zurück blieb Benoit, sah den beiden einen Augenblick nach und seufzte. Erst dann stapfte er durch den Schnee zurück zum Haus, klopfte sich die Schuhe ab und betrat kaum später die Küche, wo es herrlich nach Kaffee roch.
Justin reichte ihm eine Tasse, wuschelte ihm durch die Haare und sang leise das Lied: Leise rieselt der Schnee, während Mimi sich vor den Ofen legte und einschlief.


 

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Autor

Pragomas Profilbild Pragoma

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Sätze:55
Wörter:1.421
Zeichen:8.095

Kurzbeschreibung

Weg war Justin. Er hatte Mimi und ihn alleine gelassen. Ausgerechnet an einem Tag, an dem der erste Schnee fiel und die Erinnerung zurückbrachten.