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Das Tagebuch des Haytham E. Kenway - Die verlorenen Seiten Part 3

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24.11.20 09:50
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Disclaimer

Wie immer sei gesagt: Die Rechte am Assassins Creed Universum liegen bei Ubisoft, genauso wie auch die Charaktere und ich verdiene hiermit kein Geld! Nur die von mir hinzugefügten Protagonisten und NPCs gehören mir und sind auf meinem Mist gewachsen. Außerdem möchte ich noch sagen, dass diese Story weit vor der Bekanntgabe von AC Valhalla schon stand! Sollten Ähnlichkeiten auftreten, dann muss ich erwähnen, dass ich etwas früher damit um die Ecke kam, ich sie aber erst jetzt hochlade, weil es sonst einfach zu viel Content gewesen wäre von meiner Seite. Es hat Null mit dem Spiel zu tun!!!

Die Charaktere um Faith Cormac gehören einer Freundin von mir. Wer die Geschichte lesen möchte, schaut unter "Jeder will die Welt beherrschen" und "Bluterbe" nach! :-)

Klappentext – Tagebuch

Master Haytham Kenway ist wieder alleine und wird nun beginnen, den Grundstein für seine Beziehung zu seiner Verlobten, Mrs Frederickson, zu legen. Den Vorschlag, sich eine Plantage in Virginia zu kaufen, nimmt er dankend an. Doch es gibt darüber hinaus noch Verhandlungen, Ungehorsam, Veruntreuung von Eigentum und Bestrafungen.

Das Wiedersehen mit seiner Verlobten lässt ein wenig auf sich warten, wird aber um so inniger zelebriert und es dauert nicht lange, bis man einen Hochzeitstermin festgelegt hat. Ab diesem Zeitpunkt kommt Alex´ und Haythams Leben richtig in Fahrt und es birgt so einige große Überraschungen, Fehlschläge und harte Entscheidungen!

Ich wünsche nun allen viel Vergnügen beim Lesen dieses 3. Teils der verlorenen Seiten aus Haytham E. Kenways Tagebuch!

Liebe Grüße
Mrs Shaytham Corway

6 Charaktere

Haytham Edward Kenway

Haytham E. Kenway, Sohn von Edward J. Kenway, geboren 04. Dez. 1725, London, gestorben 16. Sep.1781, New York, durch die Hand seines eigenen Sohnes Connor Kenway. Haytham war ein sehr vornehmer Engländer, der jedoch immer bereit war, alles zu tun was nötig war um sein Ziel zu erreichen. Er verachtete den Assassinenorden, hielt die Ziele, die sie vor hunderten von Jahren hatten, aber für ehrenhaft.

Alexandra Frederickson

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter.

Edward J. Kenway

Pirat Edward James Kenway, geboren 10. März 1693 Swansea, Wales, gestorben 3. Dezember 1735 London. Vater von Haytham Edward Kenway und Großvater von Ratonhnhaké:ton (Connor Kenway), ein stoischer Mensch, der zu Beginn der Piraterie nur Ruhm und Reichtum im Sinn hatte. Bei den Assassinen lernt er, dass das alles keinen Sinn hat, wenn keine Familie und Freunde mehr da sind.

Charles Lee

Charles Lee (*6. Februar 1732 in Cheshire, England;† 2. Oktober 1782 in Pennsylvania) war ein Templer und ein General während der Amerikanischen Revolution. Er wurde kurz nach der Ankunft von Haytham Kenway in Boston von den Templern rekrutiert, obwohl er bereits mit ihnen sympathisierte. Er arbeitete sich sehr schnell in der Hierarchie nach oben und wurde bald die rechte Hand des Großmeisters.

Shay Patrick Cormac

Shay Patrick Cormac (12.09.1731-Unbekannt) war einst ein Assassine, der später ein Mitglied des Templerordens wurde, im Atlantik während des Siebenjährigen Krieges tätig war, und den Kolonialen Assassinenorden mit anderen Templern fast vollständig auslöschte.

Jennifer Scott

Edwards Tochter, geboren 1713, Halbschwester von Haytham E. Kenway, Jennifer wuchs bei ihrer Mutter Caroline Scott in Bristol auf. Da Jennifer nach der Abreise von Edward erst geboren wurde, blieb ihm seine Tochter lange Zeit unbekannt. Das änderte sich 1720, dem Jahr, in dem Caroline starb. Danach arrangierte sie eine Reise zu ihrem Vater in die Karibik, um ihn auf Great Inagua kennenzulernen.

Kapitel 1

 

*** Wieder alleine ***

 

Ich sah noch, wie meine Verlobte durch diesen Wasserspiegel verschwand... es war nicht das erste Mal, dass sie mich so verließ. Doch dieses Mal war es um einiges schwerer und schmerzhafter als das letzte Mal, ich hatte jetzt ihr Versprechen meine Frau zu werden, ich hatte in ihrem Geist gesehen, dass sie ebenso nicht ohne mich sein wollte.

Doch WANN würde sie wieder hier sein? Dieser Gedanke des Ungewissen erfüllte mich erneut mit Unruhe und Wut, ich konnte solche Zustände nicht dulden.

Doch es war meine kleine Schwester, welche mich für einen Moment unter ihre Fittiche nahm, auch sie würde Alexandra vermissen. Nicht nur ich sah und spürte es, auch Shay nahm diese Verbindung wahr und war wie ich selber, nicht ganz begeistert davon. Wir konnten sie aber nicht ändern, die beiden Frauen hatten sich und ihre Einigung gefunden und waren … ja, wie soll ich es sagen? Sie waren zusammengewachsen, wie Wurzeln, welche sich umschlossen und einfach untrennbar waren.

Dieser Gedanke machte mir ein wenig Angst, war diese Konstellation wirklich gut und richtig? Doch ich konnte das am allerwenigstens beurteilen und würde mich auf das Urteilsvermögen von Faith und Alex verlassen müssen.

 

Also verbrachte ich diesen Abend mit ihnen im Fort Arsenal, wenn ich ehrlich sein soll, alleine sein, war das Letzte was ich gerade wollte und auch ertragen konnte.

Diese Preußin hatte mein Leben verändert, sie hatte mir einen neuen Weg gezeigt, sie hatte mich wieder positiv in die Zukunft blicken lassen, was die Kolonien anging, was mein EIGENES Leben anging und vor allem hatte sie in mir diesen Gedanken weiter keimen lassen, den Orden und die Bruderschaft zusammen bringen zu können. Und ich war dieser Frau unendlich dankbar!

Ein fieser stichelnder Gedanke kam mir aber, auch Ziio war ebenso an meinem Umdenken beteiligt gewesen, auch SIE war mitverantwortlich für diese Gedanken hinsichtlich der Übereinkunft von Assassinen und Templern. Aber Alex war nie eifersüchtig oder hatte mir Vorhaltungen gemacht, im Gegenteil, sie betrauerte ihren Verlust...

Auch wenn wir es nie erwähnten, wir wussten beide, es gab einen Sohn, ein Kind ... Würde ich umgekehrt mit meiner Verlobten später dann Kinder haben können? Alex war bereits jetzt über 40, ganz genau wusste ich es nicht, ich kannte mich nicht hinreichend aus.

Ich muss das erst einmal nach hinten verdrängen. Es gibt Aufgaben, welche jetzt an erster Stelle stehen!

 

 

*** Die Plantage ***

 

16. Juni 1760

 

     

    So langsam fing ich wieder an, mein Leben in die geordneten Bahnen zu lenken. Selbst wenn es mir an manchen Tagen schwerfiel.

    Ich sah mir einige Grundstücke und ebenfalls bereits bestehende Plantagen in Virginia an. Diese Gegend gefiel mir einfach und sie ließ mir Raum, mich und mein Vorhaben zu entwickeln und zu verwirklichen.

    Es gab diverse Pflanzer, welche sich hier niederlassen wollten, das wusste ich, doch alle waren sie darauf aus, Sklaven in ihre Dienste zu nehmen. Und genau das war etwas, dass mir widerstrebte. Ich wollte solche Machenschaften nicht unterstützen, es war mir einfach zuwider. Niemand sollte so behandelt werden, niemand sollte in so einer diffamierenden Art verkauft und ja, versklavt werden. Wer für mich arbeitete, sollte frei sein und einfach nur seinen Lebensunterhalt verdienen. Natürlich auf meinem Land und einer gerechten Einigung folgend, für beide Seiten.

     

    Die Belange des Ordens musste ich gleichfalls im Auge behalten und das beinhaltete obendrein Charles wieder einzunorden.

    Derzeit war er jedoch auf Mission außer Landes in Europa mit Hickey, seine Rückkehr erwartete ich aber jeder Zeit!

    Lady Melanie hatte sich für ihn eingesetzt und Master Lee sollte als Verwalter ihres Anwesens eingesetzt werden. Wenn Alex hier wäre, dann hätte sie sicher nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt, wie man ihm so eine wichtige Aufgabe anvertrauen konnte. Es wäre aber eine Bewährung für ihn und eventuell konnte er so zeigen, was noch in ihm steckte.

    Darüber hinaus sollte er auch die Geschäfte mit übernehmen, sowie das Fort Arsenal verwalten, weil Faith und Shay bald nach London aufbrechen würden. Vermutlich werden sie vor Ende des nächsten Jahres auch nicht wieder hier sein.

     

    Somit hatte ich Zeit, mich hier niederzulassen und mich einzurichten.

    Ich hatte mich vor 14 Tagen auf den Weg gemacht und war froh, dass ich nun endlich angekommen war. Heute stand nämlich ein Termin mit einem Ehepaar an, Julien und Adrienne Dufresne, welches seine Plantage verkaufen wollte, um wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Sie stammten beide ursprünglich aus Belgien und hatten sich, laut ihrer Aussage, hier nie heimisch fühlen können, zumal auch die Enkelkinder und Kinder in Belgien geblieben waren.

    Ich war aber nicht der einzige Mitbewerber, welcher zu Verhandlungen eingeladen war. Es sollte noch ein reicher Franzose anwesend sein, welcher bereits ein höheres Angebot als meines abgegeben hatte. Meine finanziellen Mittel waren immer noch stabil, sodass ich mir nicht wirklich Sorgen machen musste, nicht mitbieten zu können. Doch ich hatte mir ein Limit gesetzt!

     

    Das Anwesen mit den ungefähr 350 Hektar Land lag am James River und hatte eine eigene Anlegestelle. Die Dufresnes hatten hier Weizen und Tabak angebaut und das auch sehr erfolgreich, weswegen ich mich in den letzten Wochen auch damit beschäftigt hatte. Ich würde es einfach fortsetzen!

    Von weitem sah ich bereits das große Herrenhaus und als ich die lange Auffahrt entlang ritt, sah ich rechts die Ställe mit dem Fuhrpark, dahinter stand ein großes Backsteingebäude. Links neben dem Herrenhaus war ebenfalls ein solches Gebäude und vor der Veranda mittig prangte ein Springbrunnen. Ein sehr imposanter Bau, welcher im Erdgeschoss und in der ersten Etage von Säulen umrahmt war. Das ganze war in Weiß getüncht, nur die Dielen der Veranda waren in dunklem Holz gehalten, genau wie die Fensterläden!

    Also vom Äußeren sagte mir das Ganze schon einmal zu, jetzt war ich auf das Innere gespannt.

     

    Mein Pferd wurde von einem jungen Mann in den Stall gebracht und ein Angestellter nahm mein Reisegepäck und ging damit Richtung des linken Gebäudes, welches demnach das Gästehaus sein musste.

    Ich wurde freundlich von Adrienne und Julien begrüßt und auf die hintere Terrasse gebracht. Dort saß bereits der besagte Franzose und hatte einen mürrischen Blick aufgesetzt, als er mich sah.

    Monsieur Sabourin war der typische, schnöselige Reiche, welcher sich seiner Sache sehr sicher war und keinen Gedanken an eine Niederlage verschwendete. Ich war gespannt, wie die Verhandlungen verlaufen würden.

    Doch zu erst wurden wir durch das Haus geführt und man erklärte, dass vieles noch recht neu war, das Ganze wurde erst letztes Jahr richtig fertiggestellt.

     

    Die Raumaufteilung gefiel mir, vor allem dieser wunderschöne riesige Wintergarten mit der Fensterfront.

    Hier im Erdgeschoss gab es ein Arbeitszimmer mit ausreichendem Platz für Regale, Sitzgelegenheiten und einen großen Schreibtisch. Daneben lag das großzügige Esszimmer mit angrenzender Küche und Anrichte. Auf der anderen Seite der Eingangshalle erstreckte sich der Salon an welchem ein kleines Lesezimmer anschloss. Wer sich hier wohl fühlen würde, konnte ich mir schon denken!

     

    In der oberen Etage erstreckten sich auf der rechten Seite der Galerie drei in etwa gleichgroße Kinderzimmer, ebenso gab es einen Raum welcher umringt von Regalen war und in der Mitte vor dem Fenster stand ein Schreibtisch. Im hinteren Bereich des Obergeschosses wurden mir die Kammern der engsten Bediensteten gezeigt.

    Auf der linken Seite gab es das geräumige Schlafzimmer mit angrenzendem Ankleidezimmer. Daneben gab es ein großes Gästezimmer, an welchem ein kleineres Zimmer anschloss für die Kinder des Besuches! Dazu lagen im vorderen Bereich, mit Blick auf die Auffahrt, zwei weitere Räume.

     

    Das Dachgeschoss wurde als Trockenkammer und Lager für Wäsche und ähnliches genutzt. Also nichts spektakuläres. Wo hingegen der Keller schon ein wenig interessanter war und mich besonders drei Räume im hinteren Bereich interessierten, welche ich als Waffen- oder auch Artefaktenkammer nutzen konnte. Und natürlich ein Versammlungsraum, welcher nicht sofort von nicht eingeweihten als solcher wahrgenommen wurde!

     

    Die Außenanlagen wurden nun besichtigt und ich muss sagen, es war sehr schön und geschmackvoll angelegt! Gerade jetzt im Sommer war es ein herrlicher Anblick, erzählte mir Madame Dufresne, welche auf die ganzen Obstbäume und blühenden Büsche deutete.

    Doch ich hörte aus ihrer Stimme heraus, dass sie sich damit schwer tat, alles hier hinter sich zu lassen und wieder zurück zugehen. Auch wenn die beiden sich hier nie richtig angekommen gefühlt haben.

    Ich stimmte ihr einfach zu und versuchte sie mit einem aufmunternden Lächeln auf andere Gedanken zu bringen! Adrienne drückte meinen Arm und nickte mir zu.

     

    Danach gingen wir hinein, um alles weitere zu besprechen und ich muss sagen, Monsieur Sabourin war ein zäher Verhandlungspartner!

    Mit einem leicht arroganten Blick maß er mich immer wieder, so als wäre ich unfähig, soviel Geld aufzubringen. Doch ich belehrte ihn eines Besseren, während er das Angebot versuchte in die Höhe zu treiben, unterbrach ich ihn einfach und gab einen finalen Preis an.

    Gerade als Sabourin wieder ansetzen wollte, wurde er von Monsieur Dufresne unterbrochen, welcher ihn maßregelte.

    „Monsieur Sabourin, versteht mich nicht falsch, es liegt natürlich in meinem Interesse, einen guten Preis zu erzielen, doch es ist nicht mein Wunsch, jemandem dieses Anwesen anzuvertrauen, welchem eigentlich nichts daran liegt!“ kam es plötzlich in einem kalten scharfen Ton vom Hausherren und mein Konkurrent starrte ihn mit offenem Mund an.

    „Ich muss doch sehr bitten! Natürlich liegt mir etwas an diesem... diesem Haus! Wie kommt ihr darauf, dass dem nicht so ist?“

     

    „Meine Frau besitzt einen guten Instinkt, was die Körpersprache angeht. Auch besitzt sie eine sehr gute Menschenkenntnis. Ihr, Monsieur Sabourin, habt den Eindruck vermittelt, als läge euch nichts an unserem Eigenheim. Es scheint nur ein weiteres Gebäude in eurer Sammlung für euch zu sein, welches ihr prahlerisch unter euren Geschäftsfreunden anpreisen könnt. Auch wie ihr meine Angestellten beäugt habt mit diesem abfälligen Blick, lässt tief blicken und ich möchte diese Plantage in guten Händen wissen!“ schloss Julien nun seine Erklärung und sah den Franzosen giftig an.

    „Dann werde ich mich wieder auf den Weg machen und sicherlich ein weitaus geschmackvolleres Anwesen finden als … dieses hier!“ sagte Sabourin mit Nachdruck und verabschiedete sich wütend, aber nicht ohne mir einen vernichtenden Blick zuzuwerfen, welcher mich aber völlig kalt ließ.

    Ich hatte gefunden was ich suchte und hatte somit meine Zukunft besiegelt! Da konnte mir dieser wichtigtuerische Gockel egal sein!

     

    Als dieser dann verabschiedet worden war, bat mich das Ehepaar ins Esszimmer zum Abendessen. Ich würde diese Nacht hier verbringen, vermutlich noch mehrere, die Verträge müssten aufgesetzt und geschrieben werden, ich müsste meinen Umzug planen und noch so einiges mehr.

    Während des Dinners bedankte ich mich immer wieder für das mir entgegengebrachte Vertrauen und erklärte, dass ich mich hier dann mit meiner Verlobten niederlassen werde, welche noch in Europa ist. Ich tischte die gleiche Geschichte wie allen Fremden auf und erntete einen traurigen Blick von Madame Dufresne.

    „Das heißt, ihr müsst noch auf eure zukünftige Frau warten, Master Kenway? Ich wünsche euch, dass ihr sie bald wieder bei euch haben werdet. Dann war unsere Entscheidung wirklich die Richtige!“ strahlte sie mich jetzt an und ich konnte nur lächelnd nicken.

     

    Am nächsten Tag setzten wir die Verträge auf und besprachen, wann ich hier einziehen konnte.

    Ebenso wurden mir ein paar der bereits hier ansässigen Pflanzer empfohlen, welche mir mit Ratschlägen sicherlich weiterhelfen würden. Monsieur Dufresne selber war es, welcher mich schon einmal vorab über den Anbau von Tabak und Weizen informierte.

    Und so vergingen die nächsten Tage und ich lernte, wie man eine Plantage führte und unterhielt. Gar nicht so einfach, doch ich hätte ja auch Angestellte. Das Ehepaar wollte mir einige ihrer Diener überlassen und ich willigte ein, es waren keine Sklaven, sondern Menschen, welche ausgewandert waren und hier ein neues Leben beginnen wollten. Auch waren sie allesamt gut untergebracht, in dem großen Backsteinhaus rechts lagen die Unterkünfte der Arbeiter und Angestellten, welche keine eigenen kleinen Hütten oder Häuser hier auf der Plantage hatten.

     

    Außerdem handelte ich noch den Preis für die bereits bepflanzten Felder aus, die Ernte würde mir zufallen und auch die entsprechenden Einnahmen. Doch ich wurde mir mit dem Hausherren auch darüber schnell einig und wenn alles so glatt weiterlief, würde ich bereits Ende August hier einziehen können. Zufrieden machte ich mich wieder auf den Weg zurück nach New York!

     

    Kapitel 2

    *** Ich gewöhne mich ein ***

    21. September 1760



    Der Umzug ist reibungslos von Statten gegangen und ich richte mich in meinem neuen eigenen Heim langsam ein.
    Die Ernten stehen an und ich versuche mein Bestmögliches um dem Ganzen gerecht zu werden! Eine ungewohnte Situation, doch ich habe von klein auf gelernt, auch mit solchen Momenten umzugehen.
    Durch meine Lektüre hatte ich die Arbeitsabläufe verinnerlicht, die Verarbeitung und den weiteren Prozess vor Augen und konnte so, den Verkauf einleiten. Dieses Jahr war noch nicht von großen Gewinnen geprägt, doch auch das hatte mir Julien prophezeit. Einarbeiten und lernen... das ging einfach nicht von jetzt auf gleich.
    Somit sah ich bei der Ernte zu, ritt die Felder ab und sprach mit den Pächtern. So lernte ich sie besser kennen und sie mich! Es war mir immer mehr möglich diese doch sehr schweißtreibende Arbeit zu analysieren und sie entsprechend zu verbessern.

    Als dann die ersten Käufer auf meine Waren aufmerksam wurden, konnte ich entsprechende Angebote abgeben... ich war in der Lage, den Handel anzutreiben! Es erfüllte mich mit Stolz und Frieden! Ich war fürs Erste angekommen und ich konnte den Grundstein für Alex und mich legen.

    An manchen Tagen fiel es mir wahnsinnig schwer überhaupt aufzustehen, ich musste mich immer wieder selber ermahnen und an meine eigene Disziplin appellieren! Ich vermisste meine Verlobte und meinen neuen Nachbarn erzählte ich, sie wäre noch in Europa, um ihrer Familie ihre Pläne mitzuteilen und sich zu verabschieden. Ich sehnte ihre Rückkehr immer mehr herbei, doch leider konnte ich sie nicht beschleunigen!

    Meine Nachbarn. Das war auch eher nett gesagt, sie wohnten mitunter einen ganzen Tagesritt von hier entfernt, bisher waren sie aber alle freundliche und höfliche Menschen. Da ich selber aber nicht der Typ für ständige Gesellschaften, Empfänge oder Dinner bin, war ich auch nicht so erpicht darauf, daraus sehr enge Freundschaften entstehen zu lassen.


     

    3. November 1760



    Die Ernte war fast beendet und es hatten sich noch zwei weitere Familien hier auf meinem Anwesen niedergelassen. Alles in Allem war ich zufrieden mit meinem bisherigen neuen Leben.

    Heute bekam ich dann Besuch von Charles, welcher, wie er es sagte, eine Auszeit brauchte, von seiner Aufgabe als Verwalter in New York. WAS bitte konnte so anstrengend daran sein? Er war ja noch nicht einmal alleine, er hatte einige Helfer zur Seite gestellt bekommen.
    Als ich aber in sein etwas eingefallenes Gesicht sah, konnte ich seinen Unmut regelrecht sehen. Charles schien seine Arbeit nicht gerne zu machen, doch da musste er jetzt durch und von mir konnte er derzeit keine Unterstützung erwarten. Ich war selber zu sehr beschäftigt, alles zum Laufen zu bringen und an eben diesem zu halten!

    „Master Kenway, versteht mich nicht falsch. Es ist mir eine Ehre, dass man mir diese wichtige vertrauensvolle Aufgabe übergeben hat, jedoch machen mich diese Nichtsnutze von Helfern wahnsinnig, Sir. Wenn es so weitergeht, werde ich mich nach anderen und fähigeren Männern umsehen müssen!“ meinte er übellaunig und sah mich hilfesuchend an.
    „Charles, ich werde euch dabei aber kaum zur Seite stehen können. Ich habe hier alle Hände voll zu tun und kann hier zur Zeit auch nicht einfach weg!“ erklärte ich ihm meine Situation, es war einfach so.
    Ich hatte hier noch keinen Stellvertreter, es gab den Aufseher, doch dieser fungierte nicht als Vertretung für mich. NOCH nicht, muss ich dazu sagen, das Vertrauen musste ich langsam aufbauen.

    „Dann hoffe ich, dass die kommenden Monate nicht zu schwer werden, was das geschäftliche in New York anbelangt, Sir. Auch sind mir Dinge zu Ohren gekommen, welche ich eigentlich nicht guten Gewissens unterstützen möchte!“ kam es jetzt in einem fast schon verschwörerischen Tonfall von ihm.
    „So? Was zum Beispiel, Charles?“ im Grunde wusste ich, was er meinte, aber ich wollte es von ihm hören!
    „Da werden illegal Waren geschmuggelt, Sir. Sollte das herauskommen, würde mein Ruf darunter leiden bei der Armee!“ innerlich musste ich grinsen, sein Ruf hatte schon gelitten und das nicht zu knapp.
    Nichts desto trotz brauchten wir ihn aber für den Orden, weswegen er noch meinen Schutz hatte und ich betone das NOCH! Ich hoffte für Lee, dass er sich keine weiteren Eskapaden und Fehltritte erlaubte, sonst könnte ich für nichts mehr garantieren!

    Zwei Tage verweilte dieser Hundefreund noch bei mir und wenn ich ehrlich sein darf, war ich froh, als er mit seinen Vierbeinern wieder abzog.
    Generell habe ich nichts gegen Hunde, Vater besaß auch immer Hunde, besonders dieser irische Bluthund namens Thatch ist mir in Erinnerung geblieben! Heute weiß ich auch, warum er ihn so nannte, er erinnerte ihn an Edward Thatch, Blackbeard! Alex hatte mir den Zusammenhang erklärt!
    Doch ich hatte ein Problem mit diesen verwöhnten Spitzen von Charles, sie waren für ihn wie Familie. Mir kam zum ersten Mal der Gedanke, warum Lee keine Frau an seiner Seite hatte, doch im Grunde konnte ich mir die Antwort auch selber geben. Er war ein schwieriger Mensch, seine Charakterzüge waren nicht immer mitfühlend, eher berechnend. Es war im Grunde so am besten, entschied ich für mich!


     

    25. März 1761



    Ich hatte die letzten Monate ruhig verbracht, hatte an einigen Gesellschaften teilgenommen und auch entsprechende Dinner selber gegeben. Gerade zu meinem Geburtstag und zu Silvester, was besonders die Bassiters erfreute, weil sie nur 5 Stunden von mir entfernt wohnten. Mrs. Bassiter ließ es sich nicht nehmen, mich unter ihre Fittiche zu nehmen „solange meine Zukünftige“ noch nicht hier sei!

    Die neue Pflanzzeit begann nun und zum ersten Mal, musste ich mich damit auch praktisch auseinander setzen.
    Doch ich bekam tatkräftige Unterstützung von Master Donovan, einer meiner Nachbarn, welcher ebenfalls mit Tabak und Weizen handelte. Es sei wichtig, die Felder nicht immer mit dem Gleichen zu bestücken, die Abwechslung sei das A und O. Auch sollte man ein paar Proben beiseite schaffen um die Qualität und die Veränderungen besser im Blick zu behalten.
    So verbrachte ich die nächste Zeit wie so oft mit Lernen und Studieren, es lenkte mich von meinen immer schwieriger zu verdrängenden Gedanken an meine Verlobte etwas ab.

    Bisweilen waren die Nächte unerträglich, ich bekam häufig nicht genügend Schlaf. Des öfteren hatte ich das Gefühl, als könne ich sie vor mir sehen, sie berühren, ja sogar ihren Duft wahrnehmen. Es war oft unheimlich, ich redete mir jedoch ein, dass das Ganze nicht so schlimm sei und … genoss diese Momente, wenn ich das so sagen darf.

    Heute bekam ich von Charles wieder einmal einen von seinen Bittbriefen, ihm schien die Arbeit über den Kopf zu wachsen.
    Doch ich konnte ihm nicht helfen, zumal ich strikte Anweisungen von Lady Melanie hatte, nicht einzugreifen, sondern ihn machen lassen sollte. Sie wüsste schon, warum sie ihn als Verwalter eingesetzt hätte.
    Ich hatte ihr zwei oder dreimal geschrieben, dass Master Lee wohl doch etwas überfordert sei, erhielt aber immer nur dieselbe Antwort. Ich solle mich nicht einmischen. NOCH nicht!

    In mir keimte aber die Angst, dass er doch etwas falsch machen könnte und was dann? Würde man MICH dafür mitverantwortlich machen, Charles war ja einer MEINER Schützlinge. Ich antwortete ihm mit den immer gleichen Worten, er müsse sich gedulden und weiter lernen, so schwer könne es ja nicht sein.

    Der morgendliche Ritt über die Felder gehörte für mich zum Tagesablauf einfach dazu und ich genoss den Frieden für diesen Moment. Die Arbeiter waren allesamt wirklich tüchtig und bekamen Unterstützung von ihren Familien und auch untereinander half man sich hier immer mal wieder aus. Alles in Allem war ich mit der Bewirtschaftung zufrieden und hoffte, es würde so bleiben!

    Mein Kammerdiener hatte mich vor einer Woche gebeten, ihn für einige Zeit freizustellen, da er dringende Familienangelegenheiten zu klären hätte. Vermutlich könnte es einige Monate in Anspruch nehmen, nach seiner Aussage. Also war er aufgebrochen, jedoch nicht ohne mir in seiner so eigenen schleimig-höflichen Art, alles Gute zu wünschen.
    Ich hatte immer öfter das Gefühl, dass dieser Mann etwas verheimlichte, doch WAS es war, da war ich noch nicht hinter gestiegen.
    Vermutlich bildete ich mir das auch nur ein, doch ich hatte eine gute und ausgeprägte Menschenkenntnis, möchte ich annehmen.
    Für diese Zeit würde einer der anderen Diener seine Arbeit übernehmen. Ich würde noch einige Gespräche diesbezüglich führen müssen.


     

    *** Das Drama in New York **

    3. Dezember 1761



    Wo soll ich anfangen? Als im Oktober meine kleine Schwester mit ihrer Familie wieder aus London zurück kam, wurde sie von... ich weiß gar nicht wie ich es sagen soll... von einem völlig leergeräumten Haus ohne Angestellten empfangen!
    Doch das war noch nicht alles, Lee hatte alles, was nicht nicht Niet- und Nagelfest war, zu Geld gemacht! Nicht nur im Fort Arsenal herrschte dieses Chaos, nein, auch das Anwesen von Lady Melanie hatte er bei einem Kartenspiel verloren!
    In mir kochte diese Wut hoch, dass er nicht ganz bei Sinnen sein kann, so etwas zu tun! Ich hätte eingreifen müssen, doch ich sollte es ja nicht tun, jetzt saß ich aber mit gewissen Schuldgefühlen hier und wäre diesem Verlierer gerne an die Kehle gegangen.

    Charles hatte sich aber abgesetzt und wir wussten nicht, wohin er war. Also brach ich auf und half ein wenig bei Shay und Faith mit aus und hoffte, man könne mir verzeihen.
    Mittlerweile gab es wenigstens schon einige Möbel wieder, welche man auslösen konnte gegen einen hohen Preis wohlgemerkt. Die Geschäfte jedoch waren nahezu zum Stillstand gekommen und die Vertragspartner, Dimitri, Long und Maria waren fast bankrott dank Charles´ Unfähigkeit!

    Ich machte mich heute auf den Weg, um wenigstens wieder Bedienstete zu finden, damit Faith nicht alles alleine machen musste. Mit mittlerweile zwei Kindern, war das mit der großen Villa kaum zu schaffen, auch wenn sie mir versicherte, dass sie es gerne machte.
    Das glaubte ich meiner kleinen Schwester aufs Wort, doch ihr gesellschaftlicher Stand ließ es nicht zu, dass sie in der Küche stand, dass sie putzte und den alltäglichen Haushalt verrichtete.
    Als ich ihr meine Meinung diesbezüglich mitteilte, erntete ich einen bösen Blick und ich wusste, es war ihr lieber in einfachen Verhältnissen zu leben, als dieses ganze, ich nenne es einfach mal, pompöse Getue!

    Nebenbei forschte ich nach Charles und eventuellen Hintermännern, welche mir Auskunft geben konnten über seinen Aufenthaltsort. Sollte ich ihn ausfindig machen, wusste ich noch nicht, welche Strafe genau er erhalten würde. Irgendetwas würde mir sicherlich einfallen!
    Alleine war ich bei dieser Suche aber nicht, anscheinend gab es noch eine Menge anderer geprellter Kunden, welche hinter ihm her waren. In seiner Haut wollte ich jetzt nicht stecken!, dachte ich des öfteren bei mir.
    Doch seine Spuren hatte er gut verwischt, er war halt Templer und ich hatte ihn diesbezüglich ja trainiert! Verdammt!

    Am Abend hatte ich drei Diener aufgetan, welche einen tüchtigen Eindruck machten und welche ich auch gleich im Voraus entlohnte, da das Einkommen für die Cormacs noch lange nicht wieder gesichert war!
    Master Cormac war es nicht recht, dass ich finanzielle Unterstützung gab und ich versicherte ihm, dass es so etwas wie ein Kredit sei. Welchen ich vermutlich nie zurückhaben wollte, aber dass mussten die beiden ja nicht wissen!

    Kapitel 3

    *** Ablenkung in der Taverne ***

    2. Januar 1762



    Wenn ich nun auf das alte Jahr zurückblicke, war es im Grunde wenig ereignisreich. Zumindest für mich persönlich war es ruhig verlaufen. Bis auf dieses Theater mit Charles und seinen Eskapaden. Wir hatten ihn immer noch nicht ausfindig machen können, was wirklich seltsam war, er wurde ja gebraucht, hatte vermutlich aber zu viel Angst! Zurecht möchte ich betonen!

    Mein Geburtstag war ruhig begangen worden, genau wie das Weihnachtsfest an sich. Immer mehr spürte ich jedoch, dass zwischen Faith und Shay eine gewisse Spannung lag, zu deuten vermochte ich es aber nicht wirklich.
    Mir waren natürlich die Gerüchte zu Ohren gekommen, welche besagten, meine kleine Schwester hätte eine Nacht mit dem König verbracht! Das konnte ich mir zwar vorstellen, aber sie würde ihrem Ehemann nie untreu werden. Ich hoffte, dass sich dieses Missverständnis bald klären würde!
    „Haytham, ich habe nicht das Bett ihm geteilt, dass müsst ihr mir alle glauben!“ kam es hin und wieder. In diesen Worten hörte ich auch immer leise Verzweiflung und etwas, was unausgesprochen blieb. Ein Geheimnis!
    Ich hakte nicht weiter nach, entweder erzählte meine kleine Schwester von alleine, oder sie ließ es. Sie wird ihre eigenen Gründe haben, so dachte ich jedenfalls.

    Der Silvester-Abend war mir nicht mehr ganz so in Erinnerung, weil ich dem Whiskey sehr zugesprochen hatte und bereute es auch gleich am Neujahrsmorgen. Ich konnte Alex´ tadelnde Stimme sprichwörtlich in meinem Kopf hören, welche sich über meinen Zustand auch noch lustig machte.
    Auch wenn ich hier nicht alleine war, fühlte ich mich einsam. Ich ertappte mich immer wieder dabei, dass ich völlig in Gedanken versunken aus dem Fenster starrte und noch nicht einmal meine Patentochter bemerkte, welche nach meiner Aufmerksamkeit verlangte.

    Heute erhielt ich einen Brief aus Virginia mit der dringenden Bitte, einen Händler hier in New York aufzusuchen, welcher neues Saatgut anpries und das auch noch zu einem günstigen Preis.
    Wir trafen uns in einer kleinen Taverne bei den Docks und als ich vor Mr. Walther Neillmore saß, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich wirklich von ihm kaufen sollte. Er machte einen schmierigen Eindruck, hatte für meinen Geschmack einen zu großen Durst auf Ale und überhaupt, er passte mir nicht wirklich.
    Gerade als ich mich verabschieden wollte, erhob auch er sich und blaffte mich lallend an „Mister, nur weil ich nicht so ein schnöseliger Brite bin wie ihr, heißt das nicht, dass ich schlechte Geschäfte mache!“
    Gut, so eine Ansprache ließ ich mir nicht bieten und musste es mir auch nicht gefallen lassen, dass er mich beleidigte.

    Ich war ein wenig in Kampflaune und ließ sie an ihm aus. Leider hatte Mr. Neillmore überhaupt kein Talent zum Kämpfen und das Ganze war schneller vorbei als mir lieb war!
    Ich hatte aber nicht mit den anderen Gästen hier gerechnet, welchen eine kleine Schlägerei gerade recht kam!
    Ich fand mich also kurz darauf zwischen ein Dutzend Kampferprobter Herren wieder und neben mir sprangen ebenso einige dazu und unterstützten mich tatkräftig.
    Wenn ich jetzt sage, es hat mir Spaß gemacht, klingt es vermutlich eher untypisch für mich, ich weiß. Doch was soll ich sagen? Es tat wirklich gut, sich mal wieder austoben zu können! Diesen Ausdruck hatte Alex auch gerne genutzt, wenn ihr langweilig wurde und mir wurde wieder bewusst, dass sie mir tatsächlich eine ganz neue Weise des Lebens gezeigt hatte!

    Etwas lädiert erschien ich wieder im Fort Arsenal und man warf mir einen bösen Blick und ein Kopfschüttelnd zu.
    „Haytham! Was hast du denn gemacht?“ kam es vorwurfsvoll von Faith und sie schleifte mich in ihr Arbeitszimmer, um mich zu versorgen.
    Es waren nur ein paar Kratzer, nichts ernstes und in Nullkommanichts war ich wieder der Alte, nun ja, nicht ganz, aber wenigstens etwas wieder hergestellt.
    „Ich mag es halt nicht, wenn man mich beleidigt, Faith! DU solltest das doch am besten verstehen, oder?“ gab ich Augenzwinkern als Erklärung und erntete eine hochgezogen Augenbraue.
    „Der Kampf mit Alex war was anderes, aber ich hoffe, die anderen Herren sind noch am Leben?“
    Was bitte dachte sie von mir? „Natürlich, wenn auch mit etwas ramponierten Knochen und einigen Veilchen!“ grinste ich jetzt, wenn ich ehrlich sein soll, dieser Schlagabtausch hatte mir gut getan, auch wenn es sich seltsam anhören mag.


     

    *** Master Lees Bestrafung ***

    26. April 1762



    Ich reiste Mitte Januar aus New York ab, weil ich mich wieder um die Angelegenheiten auf der Plantage kümmern musste und ich würde mindestens 14 Tage, wenn nicht sogar länger, unterwegs sein.
    Anfang Februar war ich wieder zuhause und konnte auch gleich mit den einzelnen Händlern in Kontakt treten, welche entsprechendes Saatgut hatten oder eben auch schon Anfragen für bestimmte Mengen an Weizen und Tabak, welche ich liefern sollte.

    Bis Anfang März verlief mein Leben mal wieder etwas ruhiger, doch das änderte sich schlagartig, als Charles plötzlich mitten in der Nacht bei mir auftauchte und um Schutz ersuchte! Wie immer, es war Jones, welcher sich um ihn kümmerte, die weiblichen Angestellten gingen nicht in seine Nähe. Er hatte einen Ruf weg, der ihm weit vorauseilte und welchen er nicht mehr loswurde. Meiner Meinung nach zu RECHT!

    So saß ich im Morgenrock in meinem Arbeitszimmer an meinem Schreibtisch. Mir gegenüber saß dieser eigentlich sehr stolze Mann, doch jetzt sah man seine Angst und auch seine Unsicherheit deutlich in seinem Gesicht.
    „Master Kenway, ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Ich weiß, ich habe einen großen Fehler begangen!“ heuchelte er mal wieder, genau wie damals, als er meine Verlobte vergewaltigen wollte. Anscheinend lernte er nicht und ich befand, dass ich das ab jetzt dringend ändern sollte.
    „Charles, ich habe gesehen, was ihr mit dem Vermögen, mit den beiden Anwesen, den Angestellten und allem gemacht habt. Ihr seid unfähig, inkompetent und einfach unbelehrbar. Und ihr erwartet, dass ich euch jetzt zur Seite stehe? Das werde ich nicht und ich kann es auch nicht. Ihr wisst das! In wenigen Tagen werden hier Masters Lion und Lucius Williams mitsamt Lady Melanie erscheinen und euch zur Rechenschaft ziehen. Genau wie ich, ihr habt meine kleine Schwester um einiges betrogen. WIE KONNTET IHR NUR?“ giftete ich ihn jetzt an, er war mir mittlerweile ebenfalls zuwider.

    „Sir, Master Kenway, das ist alles nur ein Missverständnis. Man hat mich einfach übers Ohr gehauen und mich betrogen! Woher sollte ich...“ ich ließ ihn nicht aussprechen, Ausreden hatte ich genug von ihm bekommen, seit er über die Schwelle meines Hauses kam!
    „Ihr werdet in den Arbeiterquartieren untergebracht und ich lasse euch bewachen. Bis Familie Wiliams eintrifft werdet ihr keinen Fuß unbewacht auf meinen Grund und Boden setzen! Ist das klar Charles?“ in seinem Blick sah ich, dass er gerne Widerworte geben wollte, doch wusste ebenso, dass er es damit nur schlimmer machen würde.
    Ich ließ ihn von meinem Aufseher in Gewahrsam nehmen und in die Unterkünfte bringen. Ich stellte jeweils zwei Wachen ab, welche ihn im Auge behalten sollten.
    An Schlaf war in dieser Nacht nicht mehr zu denken!

    Dann endlich Mitte März erschienen Master Lion und zu meinem Leidwesen auch Lady Melanie. Sie war immer noch übelgelaunt mir gegenüber und würde es vermutlich auch bis in alle Ewigkeiten bleiben.
    Wir hatten aber wichtigeres zu besprechen und so saßen wir in meinem Arbeitszimmer und berieten, WAS mit Charles passieren sollte.
    „Master Kenway, ihr solltet ihn des Ordens verweisen, er ist keine adäquate Persönlichkeit um unsere Belange zu demonstrieren.“ kam es berechtigter Weise von Master Lion.
    „Ich muss euch nicht daran erinnern, dass wir ihn für die Belange des kolonialen Ritus weiterhin brauchen? Es wird nicht ewig friedlich bleiben und die Armee wird für uns bald in den Vordergrund rücken! Ich brauche ihn dort und hoffe, er wird sich dann endlich...“ man ließ mich nicht ausreden und es war Lion, welcher mir ins Wort fiel.
    „Haytham, dass ist uns bewusst, auch im britischen Ritus haben wir natürlich den Wunsch, dass hier in den Kolonien alles entsprechend in geordneten Bahnen läuft. Doch seid ihr euch sicher, dass ER der Mann ist, welchen ihr an der Spitze sehen wollt?“

    Die Frage war berechtigt und beschäftigte mich ebenfalls schon eine Weile. Ich muss gestehen, JA, ich wollte ihn dort sehen. Er ist ein verbissener Mensch, jemand der seine Ziele umsetzen will und auch kann, mit unserer Hilfe.
    Und man muss auch anfügen, dass ich, als Großmeister immer noch ein Wort mitzureden hatte und Charles, wenn es hart auf hart kam auch suspendieren konnte. Es fiel mir jedoch gerade sehr schwer, nur ein einziges gutes Wort an ihm zu lassen. Er hatte alles falsch gemacht, was er machen konnte und war sich mal wieder überhaupt nicht seiner Taten bewusst. Manchmal fragte ich mich, ob er nicht doch geistig etwas minderbemittelt war.

    Mir kam aber jetzt ein anderer Gedanke! Wenn wir ihn bestrafen wollten, dann bitte mit eher demütigenden Aufgaben und mir kamen diverse in den Sinn!
    „Wir wollen ihn alle bestraft sehen, ist das richtig?“ fragte ich eher rhetorisch in die Runde und erntete ein einstimmiges Nicken! „Dann sollten wir ihm Demut und Gehorsam beibringen! Es stehen gerade die Saatpflanzungen an und damit hätten wir über Wochen zu tun. Diese Tätigkeit ist ein Knochenjob und sollte Master Lee schnell von seinem hohen Ross holen, findet ihr nicht auch?“ gab ich grinsend als Anmerkung.

    „Also wollt ihr ihn auf den Feldern sehen? Wie einen gewöhnlichen Sklaven, ja?“ meinte Lady Melanie kalt.
    „Wenn ihr aufmerksam gewesen wäret, dann hättet ihr bemerkt, dass ich keinerlei Sklaven beschäftige, Lady Melanie. Mein Gewissen und meine Erziehung lassen es nicht zu!“ erwiderte ich harsch und eine gewisse Wut in mir konnte ich nicht leugnen. Es war, als wolle sie mich provozieren mit diesen Worten!
    „DAS ist mir schon aufgefallen, löblich, wenn ich ehrlich sein soll. Ist es aber auch eine gerechte Strafe für das Vergehen von Charles?“ fragte sie nun wieder in ihrer ach so typischen gespielt neutralen Art nach.
    „Ja, das finde ich tatsächlich! Und glaubt mir, es wird Wochen dauern, bis alles angelegt ist! Ich gehe davon aus, dass auch euer Gatte diese Arbeiten überwachen wird!“
    Mit einem Mal schwenkte die Stimmung um und ich konnte spüren, dass alle Anwesenden in einer gewissen gehobenen Laune plötzlich waren.
    Sollte mir Charles leidtun? Eigentlich schon, doch etwas in mir sträubte sich noch dagegen, ich wollte ihn unter anderem immer noch für sein Vergehen an meiner Verlobten bestraft sehen. Eigentlich war ich kein nachtragender Mensch, nicht im herkömmlichen Sinne, doch dieser Fehler gehörte anders bestraft.

    Kapitel 4

     

    *** Master Cormacs Ungehorsam ***

     

    Damit war es abgemacht und man holte Charles dazu, um ihm seine neue Tätigkeit als Arbeiter vorzustellen.

    Mit großen Augen sah er sich hier um und man hatte das Gefühl, er würde immer kleiner werden und schrumpfen. Er sah sich einer Übermacht gegenüber, gegen welche er nie ankommen würde. Er hatte keine Verbündeten, die ihm helfen würden.

    Master Lee, ihr werdet in den nächsten Wochen die Saatpflanzungen mit übernehmen und wir alle werden euch dabei im Auge behalten. Solltet ihr nur den kleinsten Fehler begehen, oder euch den anderen Arbeitern gegenüber abfällig äußern, werdet ihr wie alle anderen auch bestraft!“ meinte Master Lion kalt und starrte ihn förmlich in Grund und Boden, gerade ER hatte allen Grund, seine Wut an ihm auszulassen.

    Lion war ein Mensch, welchem sein Vermögen über alles ging und wer ihm nur den kleinsten Schilling nahm, hatte schlechte Karten! Das bekam nun Master Lee in vollem Maße zu spüren. Eigentlich sah er sich einer Wut und Enttäuschung von ALLEN hier gegenüber und musste damit zurecht kommen.

     

    Die nächsten Wochen muss ich sagen, genoss ich einfach und konnte meine doch etwas, darf ich es so formulieren, perverse Freude daran, diesen Menschen leiden zu sehen, ausleben!

    Ich war nicht der einzige, der sich an seinem Leid labte, wie er auf den Knien über die Furchen rutschte und sich die Finger wund arbeitete. Es war eine Genugtuung und ich sah dabei gerne zu!

    Wenn diese Arbeit erledigt war, ging es an die Bewässerung, auch dafür hatte ich ihn schon vorgesehen und er würde meinen Arbeitern zur Hand gehen! Charles hatte in diesen Wochen keinerlei Selbstbestimmung mehr, auch Lady Melanie sorgte dafür, sie brachte ihn in einem kleinen Schuppen in der Nähe der Felder unter, welcher von ihren eigens dafür angeheuerten Leuten bewacht wurde.

     

    Charles war ein zäherer Bursche als ich gedacht hätte, er verzog keine Miene, er tat, was ihm gesagt wurde, er war... ja er war demütig geworden. Würde es ihm eine Lehre sein? Ich hoffte es für sein weiteres Leben.

    Heute sprach ich in meinem Arbeitszimmer mit den Eheleuten Williams über das weitere Vorgehen!

    Ich denke, Master Lee hat seine Lektion fürs erste gelernt, meint ihr nicht?“ fragte ich die beiden nun, doch ich sah, dass gerade Lion noch immer nicht gewillt war, ihm zu verzeihen.

    Verzeihen würde ich ihm ebenfalls NIE, doch man sollte ihm jetzt die Gelegenheit geben, sich zu bewähren. Das äußerte ich auch und Lady Melanie stimmte mir seltsamerweise zu, was mich dazu veranlasste, ihr einen anerkennenden Blick zuzuwerfen.

    Haytham, ich bin kein Unmensch, dass solltet ihr wissen, oder nicht?“ fragte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue.

     

    Somit war für Master Lee die verbüßte Strafe fürs erste erledigt, jedoch nur solange, bis er sich wieder entsprechend in Schwierigkeiten brachte. Wir alle hatten aber nicht mehr den Wunsch, ihn in die geschäftlichen Belange einzubeziehen, geschweige denn als Verwalter einzusetzen. Ich hatte kurz überlegt damals, ihn in meiner Abwesenheit HIER als Vertreter einzusetzen und ich muss sagen, ich bin froh es nicht getan zu haben!

    Wir teilten ihm nun unsere Entscheidung mit und in Charles´ Gesicht spiegelte sich Erleichterung, Unglaube und tatsächlich Abfälligkeit wieder. Innerlich seufzte ich nur, hatte er immer noch nicht seine Lektionen gelernt? WAS müsste man machen, damit er begriff?

    Doch mir kamen die Briten zuvor, kurz nach unserem Gespräch, eine Woche später ungefähr, erreichte uns ein verspäteter Brief seiner Majestät, welcher Charles umgehend nach England beorderte. Er hätte sich für einige Vergehen dort vor Gericht zu verantworten.

     

    WAS bitte hatte Charles noch alles gemacht? Doch ab jetzt würde es die Justiz übernehmen und wir könnten hier die Belange des Ordens weiter ausbauen! So hoffte ich jedenfalls. Lady Melanie war es überhaupt nicht recht, dass man ihr nun die Bestimmung über diesen Mann entzog, doch sie musste sich, wie ich auch, fügen!

     

    Und nun reiste diese Delegation auch wieder ab, aber nicht ohne mich an meine Pflichten zu erinnern und man ermahnte mich, doch an meine Zukunft zu denken. Ich dachte gar nicht daran, darauf einzugehen, sie alle würden früh genug erfahren, WANN ich heiraten würde! Ich würde den Teufel tun und den ganzen Vorschlägen und Einladungen nachzukommen. Auch wenn ich wusste, man meinte es nur gut mit mir.

    Es war anstrengend und ich war es einfach leid, in diesem Moment war ich dankbar für Master Cormac, welcher mich verstand und in unserer Korrespondenz mir zur Seite stand. Auch wenn es nur schriftlich war, es baute mich auf und ich sah der Ankunft meiner Verlobten zuversichtlicher entgegen.

     

    *****************

     

    17. Mai 1762

     

    Ich würde diesen Tag nicht wirklich hervorheben, wenn er nicht wichtig wäre. Heute erreichte mich ein Brief, welcher mich besorgt zurück ließ.

    Meine kleine Schwester hatte mir geschrieben, was wirklich sehr selten vorkam und meistens auch nur, wenn es um wichtige Entscheidungen ging.

     

    Dieser Brief traf mich wie ein Blitzschlag.

     

     

    Bruder,

     

    du weißt, ich würde dir nicht schreiben, wenn es nicht wichtig wäre. Doch ich bin wirklich verzweifelt!

     

    Zu aller erst, hast du meinem Mann einen Auftrag erteilt, welchem er nachgehen und Stillschweigen darüber bewahren soll? Weswegen er mit der Morrigan einfach auf und davon ist?

     

    Zum anderen, du hast es sicherlich bemerkt, dass zwischen uns gewisse Spannungen herrschen, mittlerweile nicht nur wegen der Sache mit der Nacht bei King George! Haytham, ich habe meine Freundin Caroline hier aufgenommen, weil sie nicht wusste wohin, seit Liam... du weißt ja! Ihr Sohn ist natürlich auch hier und seitdem ist Shay einfach... anders! Habe ich jetzt etwas falsch gemacht?

     

    Aber ich konnte die beiden doch nicht auf der Straße ihrem Schicksal überlassen! Ich weiß, er sieht immer wieder seinen besten Freund in dem kleinen Cillian, aber ich will nicht, dass dieser Junge nur deswegen bestraft wird.

     

    Bitte, sag mir wohin mein Mann unterwegs ist! July und Caden fragen jeden Tag nach ihrem Vater und ich weiß mir keine Antworten mehr!

     

    Ich erwarte jeden Tag deine Antwort!

     

    In Liebe deine Schwester!

     

     

    Ich las die Zeilen noch einmal, dann ein weiteres Mal. WAS hatte diesen Iren bitte jetzt geritten, dass er so etwas tat?

    Zumal er auch MIR nicht gesagt hat, was er vorhat oder wohin er unterwegs war! Dieser Ungehorsam war für mich schon wieder ein Grund, seine Position noch einmal zu überdenken!

    Ich atmete tief durch und überlegte, was nun zu tun war. Doch ich kam zu keiner Lösung, wie auch? Der einzige Grund für seinen überstürzten Aufbruch ohne Meldung war, dass er diesen Gedanken nicht ertragen konnte, das Kind seines ehemals besten Freundes bei sich zu haben!

    Wenn ich ehrlich bin, es wäre mir auch nicht recht und ich konnte den Iren auch verstehen. Doch musste er deswegen seine ganze Familie im Stich lassen?

     

    Also antwortete ich. Doch was sollte ich sagen? Ich teilte ihr mit, dass ich keinerlei Einfluss auf diese Abreise hatte und auch nicht wusste, wohin ihr Mann unterwegs war. Ich erklärte aber auch, dass es sicherlich für ihn nicht einfach sei, diesen Konflikt jeden Tag vor Augen geführt zu bekommen.

    Er hatte damals seinem besten Freund den Tod gebracht und ich wusste, es war nicht leichtfertig, oft hatte er darüber Schuldgefühle! Das ist völlig verständlich! Auch das versuchte ich in meinen Zeilen unterzubringen.

     

    Für einen kurzen Moment überlegte ich, nach New York zu reisen um ihr beizustehen, doch ich wusste, dass ihr Vater mit anwesend war. Das sollte genügen und ich hatte hier eine Menge Arbeit, welche ich nicht unbeaufsichtigt lassen konnte. Zumal ja auch Caroline, laut ihrer Zeilen, mit anwesend war.

    Ich konnte nur hoffen, dass Shay bald zur Besinnung kam und wieder die Rückreise antreten würde. Doch innerlich schwor ich mir, ihn mir noch einmal vorzunehmen. Wie konnte er es wagen, einfach so zu verschwinden? Er hatte Verpflichtungen in seiner Position im Orden! Darüber würde ich mir dann später Gedanken machen.

     

    Der Bote nahm meine Antwort entgegen und ich hoffte, sie würde nicht gefühlte 20 Wochen unterwegs sein!

    Leider teilte mir Faith schon kurz darauf mit, dass ihr Mann immer noch nicht wieder zuhause sei und das machte mich zum einen wütend und stimmte mich umgekehrt traurig, er liebte Faith und seine Kinder!

    WARUM in drei Teufels Namen startet er so eine Reise?

     

     

    Kapitel 5

     

    *** Schiff in Sicht ***

     

    30. November 1762

     

    Vor drei Wochen war Jones zurückgekehrt und hatte seine Nichte, Zoe, im Schlepptau.

    Master Kenway, unsere Familie hatte einige Schicksalsschläge zu verkraften und meine Nichte hat leider niemanden mehr, der ihr geblieben ist. Hättet ihr vielleicht noch eine Stelle als Zimmermädchen oder ähnlichem für sie, dann wäre Zoe auch nicht so alleine und ich könnte auf sie aufpassen!“ kam es tatsächlich leise und höflich, ohne schleimerisch zu wirken, von ihm.

    Also gab ich diesem Mädchen eine Chance und es wurde mir überschwänglich gedankt, ein kleiner Rest Skepsis blieb jedoch in mir.

    Ich wusste immer noch nicht so recht, ob mein Kammerdiener mir die Wahrheit sagte!

     

    Mittlerweile war auch Master Cormac von seiner doch sehr unüberlegten Reise zurück. Jedoch ohne ein Wort, WO er war und warum er ohne uns allen Bescheid zu geben aufgebrochen ist!

    Das würde noch disziplinarische Folgen für ihn haben, auch wenn er aus überlaufenden Emotionen heraus gehandelt hatte. Dennoch ist es kein Grund seine Pflichten so dermaßen zu vernachlässigen!

     

    Ich erwachte heute aus einem sehr wirren Traum, welcher mir wieder Alex gezeigt hatte. Diese Momente häuften sich in letzter Zeit und auch dieses Gefühl, sie tatsächlich spüren zu können nahm zu, ich konnte es mir nur nicht erklären!

    Mrs. Wallace hatte das Frühstück fertig, wie jeden Morgen, als ich unten erschien und, wie immer, lächelte sie mich an, aber mit diesem Ausdruck, dass sie, wie ich auch, Alexandra vermisste. Konnte sie es nicht einfach lassen? Ich hatte genug damit zu tun, diese Sehnsucht zu unterdrücken!

    Ich nahm meine Post entgegen und fing an zu lesen! Es waren nur Händleranfragen, welche ich eh gleich beantworten würden.

     

    So verging mal wieder ein Vormittag wie jeder andere und gerade als ich nach dem Mittagessen wieder in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch saß, kam ein aufgeregter Bote hinein... er stützte sich kurz auf seine Knie, um wieder zu Atem zu kommen.

    Master Kenway... ihr... also... wir sollten doch... ein Auge... auf den Fluss haben...“ das dauerte mir zu lange... er stotterte und diese Pausen machten mich wahnsinnig.

    SPRECHT!“ kam es etwas zu laut von mir! Erschrocken sah der junge Mann zu mir auf.

    Verzeiht... Die Jackdaw ist vor wenigen Stunden in den James River eingefahren!“ in diesem Moment nahm seine Miene einen völlig freudigen Ausdruck an und ich befürchte, auch meine Gesichtszüge sahen so aus!

     

    Die Jackdaw! Die Brig meines Vaters war wieder da? Hatte das Warten wirklich JETZT ein Ende?

    In mir tobten zig verschiedene Emotionen... Freude, Unglaube, Angst, Trauer... es war erschreckend ehrlich gesagt!

    Oder war es wieder nur dieser Traum, in welchem alles in diesem schwarzen Nebel verschwand?

    Ich atmete kurz tief durch. „Seid ihr euch sicher, dass es die Jackdaw ist?“ fragte ich jetzt scharf.

    Sir, Master Kenway, wir sind uns sicher!“ er verbeugte sich erneut vor mir... langsam erhob ich mich und gab ihm ein paar Münzen.

    Ihr könnt dann jetzt gehen!“ meinte ich gedankenverloren.

     

    Warum ich in die Küche ging um Mrs. Wallace Bescheid zu geben, kann ich nicht sagen. Doch ich tat es.

    Sie ist wieder da!“ meinte ich nur und ich sah ein Leuchten in den Augen meiner Haushälterin, welche sich sofort umwandte und im Begriff war, ihren Mantel zu holen und gleichzeitig alle in der Küche anwies entsprechend das Essen und die Getränke vorzubereiten.

     

    Ich selber war immer noch völlig taub... es war nicht wirklich.

    Es war ein Traum, oder?

    Master Kenway, soll ich euch begleiten?“ fragte mich Sybill leise und ich nickte nur ohne ein Wort.

    Ich ging zu den Stallungen ließ meine Stute satteln und Mrs. Wallace nahm auf einem Karren Platz, welcher dann, wenn wir richtig lagen, das Gepäck meiner Verlobten aufnehmen sollte.

     

    Meine Hände zitterten, als ich die Zügel entgegen nahm... mein ganzer Körper war nicht mehr unter Kontrolle! Mein Geist war wie mit Spinnweben verstopft! War es die Aufregung?

    So eine Reaktion kannte ich nicht von mir, das war etwas völlig neues!

    Ich spornte mein Pferd an, ich wollte keine Sekunde zu spät kommen und nichts verpassen.

    WAS wollte ich nicht verpassen, noch würde die Jackdaw nicht in Sicht sein!

    Ich näherte mich der Anlegestelle und sah, dass sich bereits einige neugierige Menschen dort eingefunden hatten. Genau wie damals, als die Jackdaw in den Hafen von New York einlief! Wenn ich jetzt darüber nachdenke, kommt es mir wie eine Ewigkeit entfernt und unwirklich vor!

     

    Ich schlang meinen Mantel enger um mich, es hatte sich deutlich abgekühlt in den letzten Tagen und der Winter hielt regen Einzug.

    Ich sah den Fluss hinunter, doch noch war nichts von einem Schiff zu erkennen.

    Warum brauchten die auf einmal so lange?, fragte ich mich etwas ungehalten.

    Plötzlich rannte ein kleiner Junge auf die Menschenmenge zu und brüllte „Das Schiff ist fast da, Ma! Darf ich auch mal damit segeln? Oh bitte, Ma! Ich will das auch!“ der Kleine war völlig aus dem Häuschen und trieb mir ein breites Grinsen mit dieser Euphorie und Freude ins Gesicht.

     

    Und dann sah ich sie, mit den fast schwarzen Segeln, welche jetzt langsam alle gerefft wurden, damit die Jackdaw ihre Fahrt verlangsamen konnte. Ich trat von einem Fuß auf den anderen und war vermutlich hibbeliger als dieser kleine Junge!

    Langsam konnte ich auch die Mannschaft und Alex erkennen, mein Herz setzte für einen Moment aus!

    Sie war es wirklich und ich hoffte, dass es nun auch tatsächlich für immer sein würde! Jetzt konnte ich sogar ihr Gesicht richtig erkennen und sah, dass ihre Wangen nass waren. Auch sie war am Zittern, ihre Hände hielten sich krampfhaft an der Reling fest und dann erschien ein breites Lächeln auf ihren Lippen!

     

    Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich an Bord konnte und damit kam ich meiner Verlobten zuvor!

    Ich rannte regelrecht über die Laufplanke hinauf, ergriff sie und schwang sie herum, nur um sicher zu gehen, dass diese Frau sich nicht wieder in dunklen Nebel auflöste.

    Als ich sie wieder auf ihre Füße stellte, konnte ich nur ein atemloses „Du bist wieder da, mi sol!“ raus bringen.

    Ihre nächsten Worte waren genau das, was ich hören wollte und versetzten mich in Hochstimmung! „Wenn ich darf, würde ich jetzt gerne für immer bleiben!“ kam es leise aus ihrem Mund und was soll ich sagen, natürlich würde ich genau darauf bestehen und besiegelte es mit einem langen Kuss.

    Was hatte ich diese Frau vermisst, sie jetzt hier wieder im Arm zu haben, war wie eine Erlösung!

     

    Mit einem Male hörten wir Jubel und Applaus um uns herum, wenn ich ehrlich bin, ich hatte die ganzen Leute hier völlig vergessen. Man begrüßte Alex und beglückwünschte mich überschwänglich.

    Dann wanderte der Blick meiner Verlobten zu Mrs. Wallace und ich sah, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Langsam schritt sie auf meine Haushälterin zu und dann lagen sie sich in den Armen und schluchzten.

    Beizeiten musste ich Alex dringend erklären, dass Sybill eine Angestellte war, auch wenn sie damals für sie wie eine Freundin war!

     

    Ich ordnete jetzt an, die Mannschaft zum Gästehaus und die Truhen zum Herrenhaus bringen zu lassen, die Männer sollten sich noch aufwärmen können und würden sich vermutlich heute Abend dann verabschieden.

    Alex wollte sich noch einmal vergewissern, dass sie auch nichts hier vergessen hatte und ging in die Kajüte, ich folgte ihr.

    Sie hatte Wort gehalten und die Jackdaw auf den alten Stand zurückbauen lassen. Ich bestaunte die gute Arbeit, man könnte meinen, diese Brig sei gerade erst vom Stapel gelaufen! Mich interessierte, ob diese Umbaumaßnahmen sehr teuer waren, auch wenn ich meine Verlobte nicht mehr unterstützen konnte.

    Billig war es nicht, das stimmt. Aber ich musste auch noch einiges an Geld locker machen, um die Behörde zu bestechen, dass sie mir mein Schiff nicht stilllegen. Ich hatte es damals, glaube ich, erklärt, oder?“

    In ihrer Zeit galten sehr eigenartige Gesetze und Vorschriften und wie es mir schien, auch sehr sehr viele!

     

    Ich glaube, ich habe hier nichts vergessen, wir können dann los, mi amor. Ich bin so gespannt, wie du jetzt wohnst.“ ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, sie konnte mir nicht erzählen, dass sie nicht wusste, welches Anwesen ich mir gekauft hatte. Oder sah es im 21. Jahrhundert womöglich ganz anders hier aus?

    Meine Aussage, ich wohne bescheiden, erntete eine hoch gezogenen Augenbraue. Und mir fiel ein, dass ich mich noch bei ihr für den Vorschlag, mich in Virginia niederzulassen, bedanken musste und gab ihr deshalb einen langen Kuss.

    Ein tiefes Seufzen ließ mich grinsen und ich musste meine Verlobte daran erinnern, dass ich ihr zu erst einmal ihr neues Zuhause zeigte und wir für alles andere sicherlich danach noch Zeit fanden! Doch meine Hand landete wie automatisch auf diesem wohlgeformten Hinterteil und ich hatte ebenfalls Schwierigkeiten, mich zu beruhigen.

     

    Wir verließen nun gemeinsam die Brig und zwei Männer der Crew blieben noch als Wache zurück, nur zur Sicherheit, meinte Alex.

    Ein Arbeiter brachte mir mein Pferd und ich half meiner Verlobten in den Sattel, als sie sicher saß, stieg ich hinter ihr auf, schlang meine Arme um sie und ergriff die Zügel.

    Sie lehnte an meiner Brust und ihr Geruch stieg mir in die Nase, in diesem Moment fühlte ich mich wieder wohler in meiner Haut und auch sie entspannte sich sichtlich. Vorsichtig gab ich ihr einen Kuss auf ihren Hals und ein Schauer lief über ihren Körper, was mich freute, dann hatte sich nichts geändert zwischen uns!

     

    Auf meine Frage, wie lange sie in ihrer Zeit geblieben war, meinte sie „Etwa zwei Jahre. Genauso viele sind hier ja auch vergangen. Ich wollte kein größeres Ungleichgewicht haben, was mein Alter oder deines angeht.“ da fiel mir ein, ich hatte mich nie mit ihrem Alter beschäftigt, warum auch, doch es war mir gerade etwas unangenehm, als ich sie danach fragte.

    Alex war tatsächlich schon 46 Jahre alt, das würde man ihr nicht glauben! Unser Altersunterschied betrug demnach fast 9 Jahre, was für mich aber kein Problem darstellt, wenn ich ehrlich bin, profitierte ich ja ein wenig von ihrer Erfahrung.

    Darauf kam ein „So so, Master Kenway.“ in einem so lasziven Tonfall, dass ich eine Hand von den Zügeln nahm und meine Verlobte enger an mich zog und meine Lippen auf ihrem Hals niederließ.

    Wenn du so weitermachst, zerre ich dich gleich von dem Gaul und garantiere für nichts mehr, mi amor!“ Das war dann wohl mein Stichwort, dass wir uns beeilten und ich trieb meine Stute etwas an, damit meine Verlobte möglichst nicht erfroren in ihrem neuen Zuhause ankam.

     

    Wir näherten uns dem eigentlichen Anwesen und ich konnte auf dem Gesicht von Alex sehen, dass sie sich irgend etwas fragte und gleichzeitig in sich hineingrinste. Ihre Antwort war typisch für sie, sie fragte sich allen ernstes, wer Lust hat, diese ganzen Fenster zu putzen. Wie ich vermutete, SIE nicht und auch nicht viele andere Menschen, dafür hatte ich aber die entsprechenden Angestellten.

    Wahrscheinlich würde ich Alex noch eine Weile bei dieser Eingewöhnung helfen müssen, dieses Thema hatten wir ja schon einmal!

    Staunend stand sie jetzt auf der Veranda, nachdem Mr. Mackenzie mir mein Pferd abnahm und meinte leise, dass es wunderschön hier sei. Im Sommer würde sie es vermutlich noch um einiges schöner hier finden und mit ihr zusammen wäre es das perfekte Zuhause jetzt!

     

    War es wirklich so? Blieb sie jetzt für den Rest unseres Lebens an meiner Seite? Herr Gott noch eins, Alex ist keine so sprunghafte Person. Sie gehörte zu den bodenständigen Menschen, die von ihren Entscheidungen nicht so leicht abzubringen waren, also was machte ich mir Sorgen?

     

    Beim Eintreten nahm man ihr den Umhang ab und ich begann die Besichtigung ihres zukünftigen Zuhauses.

    Wie sollte es anders sein, das Lesezimmer wurde mit den Worten „Ich glaube, ich bleibe gleich hier, mi amor.“ schon fast in Beschlag genommen. Dabei hatte sie doch noch gar nicht den Rest gesehen!

    Als ich sie jetzt in den Wintergarten führte, stand Alex für einen Moment völlig überwältigt mitten im Raum und sagte keinen Ton. Selten, dass diese Frau sprachlos war!, grinste ich in mich hinein!

    Dann war der Rest an der Reihe, die erste Etage und ich machte den Vorschlag, sie solle den ungenutzten Raum auf der rechten Seite als ihr eigenes Arbeitszimmer einrichten. Somit konnte sie mir aus dem Weg gehen, sollte ich ihr auf die Nerven gehen.

    Ich hoffe, dass das sehr sehr selten vorkommen wird, mi amor.“ und in ihren grünen Augen lag dieser hungrige Glanz, welchen ich ebenfalls so vermisst hatte.

     

    Als wir dann die anderen kleineren Zimmer in Augenschein genommen hatten, kam die berechtigte Frage, ob diese ebenfalls für Gäste gedacht seien.

    Für einen Moment wusste ich nicht so recht, ob ich meinen Wunsch ehrlich aussprechen sollte, oder lieber noch damit warten sollte. Ich entschied, mit der Tür ins Haus zu fallen, Alex war da ja ähnlich.

    Nicht ganz, ... ich hatte eher an Kinderzimmer gedacht!“ meine Stimme klang irgendwie schüchtern und leicht krächzend, aber in ihren Augen las ich denselben Wunsch! DAS war mir Antwort genug, der Rest würde sich dann in den nächsten Monaten und Jahren ergeben!

     

    Mein, nein UNSER Schlafzimmer bestaunte sie ebenfalls, besonders das große Ankleidezimmer, in welchem gerade eines der Mädchen mit dem Verräumen ihrer Kleider und Wäsche beschäftigt war.

    Wie ich sah, hatte Alex ihre Garderobe ebenfalls in ihrer Zeit noch aufgestockt, was mich ehrlich freute.

    Sie gab mir damit das Gefühl, wirklich für immer hier bleiben zu wollen.

    Die Waffen hatte ich bereits in den Keller bringen lassen, da waren sie in der Waffenkammer sicherer als hier oben.

    Kapitel 6

     

    *** Die Besichtigung und der endgültige Abschied ***

     

    Ich führte meine Verlobte wieder hinunter in den Salon, wo bereits der Kamin angefeuert worden war und sie sich nun etwas aufwärmen konnte.

    Als sie an den Regalen mit den Büchern vorbei ging, fuhr sie ehrfürchtig über die Buchrücken, so als könne sie sie sonst aus Versehen zerstören.

    Frag mich nicht, warum ich so bin. Ich liebe es einfach zu lesen. Das gibt mir die Möglichkeit in ganz andere Welten einzutauchen und oft hole ich mir Inspiration für meine Geschichten zum Beispiel.“

    DAS war mir neu und meine Neugierde war geweckt!

    Es sind immer nur irgendwelche Oneshots von den Protagonisten aus Büchern oder Filmen! Oh, ach so... ich meine es sind Kurzgeschichten und was ein Film ist, hatte ich, glaube ich, erklärt.“

    Dieses mit den komischen bewegten Bildern aus einer Laterna Magicka hatte sie uns versucht näher zu bringen, verstanden hatte ich es aber immer noch nicht, es war einfach unvorstellbar!

     

    Wie sie jetzt so vor mir stand und zu mir aufsah, konnte ich nicht an mich halten und hob ihr Kinn an.

    Ich habe dich so vermisst, mi sol! Und als ich vorhin erfuhr, dass man die Jackdaw gesehen hatte, dachte ich erst, es ist wieder dieser Albtraum. In diesem sehe ich dich an Deck stehen und bevor ich zu dir kann, verschwindet alles in einem schwarzen Nebel. Verlass mich nie wieder, Alex. Bitte, versprich es mir!“ gab ich leise von mir, weil ich wieder die Befürchtung hatte, es könne doch alles nur ein Traum sein!

    Auch ich habe dich wahnsinnig vermisst, mi amor. In meinen Albträumen hast du mich einfach fallengelassen und ich stürzte in die Hölle. Aber ich verspreche dir, ich werde nicht wieder gehen. Weil... ich jetzt weiß, wo ich hingehöre und zu wem ich gehöre! Daran wird sich nichts mehr ändern!“ in ihren Augen glänzten Tränen und ihre Stimme war brüchig bei diesen Worten.

    Für einen Moment lagen wir uns in den Armen, dieser Friede senkte sich wieder über uns und ich konnte mich entspannen.

     

    Mrs. Wallace klopfte zögerlich und brachte uns Tee und, wie sollte es anders sein, Alex´ geliebten Kaffee!

    Ein Seufzen von ihr und ich konnte diese Frage nicht unterdrücken, was es mit diesem Kaffee und ihrer Person auf sich hätte!

    Keine Ahnung, ich liebe dieses koffeinhaltige Heißgetränk einfach. Und dich natürlich auch.“ Ihr ironischer Unterton war nicht zu überhören.

    Ich hatte diese Art der Konversation vermisst und konterte gespielt maulig, dass ich also „nur“ damit gleichgesetzt werden würde.

    Das ist eine Ehre für dich, mi amor. Das heißt nämlich, du stehst sehr sehr weit oben in meiner Gunst!“ über diese Aussage konnte ich nur grinsend den Kopf schütteln.

     

    Plötzlich kam Alex auf die Größe der Plantage und des gesamten Grundstückes zu sprechen. Ich versuchte mein Bestes und erklärte ihr ein wenig den Aufbau, zumal ich auch nachmessen müsste. Ungefähr 350 Hektar umfasste mein Eigentum insgesamt.

    Sie kam darauf zu sprechen, da sie nicht vieles aus den Unterlagen herauslesen konnte und es überlief mich ein kalter Schauer. Es war einfach immer noch befremdlich, dass Menschen in meinem Leben stocherten und, wie Alex berechtigter Weise anführte, nun auch in IHREM!

    Gerade als ich den Einwand brachte, ich hoffe, dass keine pikanten Details von ihr auftauchten, erschien einer der Diener und fragte, wohin mit der gesicherten Stahltruhe.

    Bringt die Truhe hinauf in das Arbeitszimmer auf der rechten Galerie, welches noch ungenutzt ist.“ Das freute mich, also fing sie an, sich einzurichten und würde wirklich bleiben. Ich weiß, ich wiederhole mich andauernd, doch es fühlte sich noch nicht richtig real an.

    Auch wenn ich sie jetzt neben mir sitzen hatte, ihren Geruch wahrnahm, ihre Präsenz und vor allem endlich wieder diesen Akzent hören konnte, war es noch nicht ganz in meinem Kopf angekommen!

     

    Gerade als ich sie auf ihre Nachforschungen ansprach, welche sie noch vor sich hatte, seufzte Alex nur tief und meinte „Haytham, in den letzten Jahren ist so viel passiert. Ich werde dir in den nächsten Tagen, vermutlich eher Wochen, alles erzählen. Es ist … einfach wahnsinnig viel und stellenweise auch ziemlich kompliziert gewesen!“

    Das war mir durchaus recht, wir bräuchten beide noch ein wenig Zeit, um uns an diese neue Situation zu gewöhnen!

    Heute würden wir nur das Wiedersehen ein wenig zelebrieren und um das zu tun, küsste ich sie innig und wie selbstverständlich legten sich ihre Arme um meinen Nacken. Mit einer schnellen Bewegung zog ich sie auf meinen Schoß und meine Hände bahnten sich ihren Weg unter die Röcke und ihre Oberschenkel hinauf.

     

    Alex´ Augen hatten diesen glänzenden Grünton angenommen und ihr Atem wurde schwerer.

    Ich ging davon aus, dass wir jetzt im Schlafzimmer ungestört sein sollten und ließ sie von meinem Schoß gleiten, nahm ihre Hand und führte sie einfach die Treppe hinauf!

    Als ich die Tür schloss, atmete ich erleichtert aus, es war niemand mehr hier. In diesem Moment konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen, hob Alex hoch und schob sie an die Tür.

    Etwas hektisch hatte ich ihre Röcke beiseite geschoben und meine Hose geöffnet, als ich jetzt in sie eindrang, war es genau der Moment, den ich so lange herbeigesehnt hatte. Ich entschuldigte mich für mein doch eher ruppiges Verhalten, aber für die Kleidung hatte ich gerade keine Zeit!

     

    Alex wurde zusehends lauter, ihre Bewegungen fordernder und ihre Hände in meinem Nacken zogen mich immer wieder zu ihrem Mund.

    Doch bevor ich mich ganz verlor, brachte ich uns zum Bett, konnte mich aber kaum noch beherrschen und als ich ihr befahl mich anzusehen, überkam sie ein Höhepunkt, welchen ich selber fühlen konnte und dann war es auch mit mir vorbei.

    Sie rief schon fast meinen Namen dabei und ich nahm sie mit schnellen Bewegungen und kam laut stöhnend an ihrer Brust.

    Wie hatte ich diese Frau, diesen Körper vermisst, bei diesen Worten ließ ich meine Hände über ihre Oberschenkel gleiten.

    Ich dich auch, mi amor. Und ich will mehr haben von dir!“ hauchte sie mir leise an meinem Hals und ich versank in ihren Augen, verlor mich erneut in ihnen!

     

    Als ich neben ihr lag und sie in meinem Arm, musste ich meine Angst loswerden und erzählte, dass ich es noch gar nicht wirklich begreifen kann, dass sie wieder an meiner Seite ist und jetzt für immer bleiben wird. Ich hatte einfach Angst davor, morgen aufzuwachen und alles wäre wieder beim Alten, solche Gefühle waren völlig neu für mich!

    Mir geht es genauso, auch ich habe diese Angst, dass es nur ein Traum ist. Aber ich bin fest davon überzeugt, wenn es nicht echt wäre, dann... also... ich... ich hatte ja schon so den einen oder anderen Traum... in dem ich... in dem wir...!“

    War sie plötzlich so schüchtern geworden?

    Ich wusste aber, was sie meinte und ich gab meine Gedanken in den einsamen Nächten preis, dass mir diese Bilder der letzten gemeinsamen Nacht immer vor Augen waren.

    Was ich jedoch jetzt hier hatte, gefiel mir weitaus besser und es war wesentlich befriedigender!

     

    Ich freue mich auf sehr viele befriedigende Nächte mit dir, mi amor!“ wie gerne wäre ich jetzt mit meiner Verlobten einfach hier oben geblieben, doch ihre Crew würde gleich erscheinen und noch zum Abendessen bleiben. Danach wollten wir sie verabschieden!

    Haytham, können wir nicht einfach sagen, du bist plötzlich krank oder so...“ da war sie, ihre so typische Art.

    Wir hätten später sicher noch genügend Zeit und ich scheuchte sie aus dem Bett mit meiner flachen Hand auf ihrem Po. Auch müsste Alex mir dringend die Haare in Ordnung bringen, sie hatte ein Talent dafür, Chaos anzurichten und das nicht nur bei meinen Haaren!

    Siedendheiß fiel mir dann wieder ein, dass ich ihr noch gar nicht ihren Kleiderschrank gezeigt hatte, in welchem die Kleider hingen, die wir damals im Mai in New York erstanden hatten!

     

    Ich schleifte sie hinter mir her ins Ankleidezimmer, öffnete die großen Türen und präsentierte ihr unsere Ausbeute voller Stolz!

    Daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht.“ kam es leise von meiner Verlobten und ihr Mund stand einfach offen, langsam fuhren ihre filigranen Finger über die Stoffe.

    Ich schlug ihr kurzerhand vor, sich doch umzuziehen, meine Hilfe wäre ihr auf jeden Fall gewiss!

    Ein Lachen von ihr und dann plötzlich war sie verschlossen, ihr Gesicht war kein offenes Buch mehr und das erschreckte mich im ersten Augenblick. Wer weiß, was sie insgeheim in ihrem Geiste plante für heute Abend?

    Nein, keine Sorge, ich dachte nur darüber nach, wie groß du eigentlich im Gegensatz zu mir bist.“

    Da hatte sie Recht und auch mir kam schon einmal dieser Gedanke, doch für mich war es völlig in Ordnung und im Scherz meinte ich, dass ich sie so leichter einfach verschleppen konnte, wenn ich wollte.

     

    Du darfst mich gerne jetzt und hier verschleppen, Haytham Kenway, tu dir keinen Zwang an.“ und dann fand ich meine Verlobte auf meinen Armen wieder, mit den Händen in meinem Nacken und ihren Beinen um meine Hüfte.

    Ihre Küsse waren berauschend und ich ließ mich davon treiben, brachte uns hinüber ins Schlafzimmer.

    Auf dem Weg dorthin, befreiten wir uns noch von unseren Sachen, aber nicht ohne dieser Frau noch einmal zu sagen, sie sei unmöglich. Aber sie war MEINE Frau!

    Alex öffnete sich wie von alleine für mich und ihre Hingabe war so erregend wie wohltuend. Sie nahm mich auf, ihre Arme über ihrem Kopf hielt ich fest und mit der anderen Hand umklammerte ich ihren Oberschenkel.

    Ohne Widerworte, tat sie, was ich befahl, Alex ging in diesen Momenten völlig in sich und konnte sich fallen lassen. Es war faszinierend und als sie dieses Mal über die Schwelle ging, hörte ich nur ein leises „Haytham!“, welches mich selber hinüber begleitete und ich atemlos an ihrem Hals lag!

     

    Leider wurden wir durch Stimmengewirr von unten in die Realität, welche sich immer noch nicht so für mich anfühlte, gerissen.

    Ich liebe dich, Haytham!“ und ihre Hand lag warm auf meiner Wange, ihre Augen ließen mich wieder darin eintauchen!

    Ich liebte diese Preußin ebenfalls, dass es schon fast wehtat!

    Etwas widerwillig standen wir beide auf, wir konnten die Herren schlecht so lange unten warten lassen.

    Während sie sich überlegte, was sie tragen sollte, fing auch ich an mich einzukleiden. Nachdem ich Alex noch erklärt hatte, dass sie hier zuhause selber entscheiden konnte, was sie trug, nahm sie zu meiner Freude das schwarze Seidenkleid mit den silbernen Stickereien heraus.

     

    Für einen Moment sah ich ihr beim Anziehen zu und meinte dann, sie bräuchte dringend ein Zofe, für heute würde ich ihr aber noch helfen.

    Diese Arbeit des Korsettschnürens übernahm ich gerne, so konnte ich ihr sehr ansehnliches Dekolleté bewundern, welches sich bei jedem Millimeter weiter hob. Nein, ich würde keinen Platz lassen, das war damals nur eine Ausnahme!

    Na gut, aber... bitte... lass mir wenigstens... Luft zum... Atmen!“ Darauf konnten wir uns einigen, doch ich ließ meine Finger über diese weiche Haut im Ausschnitt gleiten, welche jedoch sofort weggeschlagen wurden mit den Worten „Nein, später, mi amor!“ ich würde sie beim Wort nehmen und nicht nur das!

     

    Alex war fertig angezogen und ich muss sagen, ihr Anblick in diesem Kleid war mal wieder atemberaubend! Ich ließ meinen Blick anerkennend über sie gleiten und meine Gedanken schweiften umgehend ab. Gerade als meine Verlobte hinter mir stand um meine Haare in das Band zu bekommen, musste ich wieder schmunzeln, dieser Ausdruck auf ihrem Gesicht dabei war einfach seltsam.

    Was denn, Haytham. Du weißt, ich liebe es, in deinen Haaren zu wuseln.“ grinste sie mich an und ergriff eine Strähne, sah etwas ungläubig darauf und hielt sie mir mit den Worten vor die Nase

    „Mi amor, du hast ja graue Strähnen plötzlich.“ Kein Wunder, wenn man eine solche Frau sein Eigen nennen darf, auch wenn ich sie vermisst habe, ihre doch recht anstrengende Art mitunter! Gerade als wir das Schlafzimmer verließen, kam uns Zoe entgegen um dort aufzuräumen. In ihrem Blick, welchen sie Alex zuwarf, konnte ich Wut sehen, doch sie knickste höflich und verschwand dann.

     

    Auch meiner Verlobten war dieser Blick nicht entgangen und sie fragte nach, WER das war, in ihrem Gesicht konnte ich sehen, dass Alex nicht wirklich einverstanden mit dieser Person war. Sie beließ es aber dabei!

     

    Unten angekommen, war die 15köpfige Crew im Salon bereits versammelt und sie unterhielten sich über, ja, ich verstand nicht WORÜBER genau! Rafael bemerkte uns als erster und dann sahen alle zu uns und ihre Blicke blieben auf Alex geheftet mit offenem Mund. Sie sah in diesem Licht tatsächlich ziemlich beeindruckend aus, was den Männern nicht entging und mir entgingen ihre Gedanken nicht. Nachdem man sich bekannt gemacht hatte, wurde noch Wein und Ale gereicht, bis das Essen fertig war. Das Küchenpersonal musste innerhalb kürzester Zeit improvisieren und für so viele zusätzliche Mäuler ein Essen auf den Tisch bringen. Ich war zuversichtlich, es war nicht das erste Mal, dass Mrs. Wallace so kurzfristig mehr als nur einen Gast bewirten musste.

     

    Während des Essens hatte ich eine interessante Diskussion mit dem „Navigator“, so hatte Alex ihn betitelt, bezüglich alter Seekarten und Gewässerbeschreibungen. Seine Neugierde kannte keine Grenzen, genauso wenig wie meine und ich fragte ihn nach allen möglichen Kleinigkeiten aus, was die Seefahrt im 21. Jahrhundert anbelangte. Auch wenn ich nicht alles verstand, war es sehr aufschlussreich. Mit halben Ohr bekam ich mit, wie meine Verlobte den Smutje zurechtstutzte, weil er zu viele Lebensmittel an Bord genommen hatte. Ihr Mentor sei nicht davon begeistert, hörte ich sie ziemlich aufgebracht noch sagen!

     

    Irgendwann war es dann aber soweit und wir begaben uns wieder hinüber in den Salon. Rafael stand völlig unschlüssig im Raum und sah Alex traurig an, dann auf diese Reiseartefakte. Mit einem Male zog er seine beste Freundin in eine Umarmung und ich hörte ihn murmeln „Alex, ich lasse dich nicht gerne hier alleine! Ich habe Angst, dass es dir vielleicht nicht gut gehen wird, oder das... verdammt, ich habe Angst um dich und ich vermisse dich doch jetzt schon!“ Alex lehnte weinend an seiner Brust „Rafael, bitte... mach es mir nicht noch schwerer. Yannick hat mich schon fast zum Zweifeln gebracht. Und vergiss nicht, ich werde euch auf dem Laufenden halten!“ in diesem Moment wurde mir bewusst, WAS meine Verlobte auf sich nahm, um hier zu sein. Für einen kurzen Augenblick fühlte ich mich wie ein egoistischer Bastard, welcher nur seine eigenen Ziele vor Augen hat und welchem alles andere völlig egal war.

     

    Es war der erste Maat, welcher mich aus diesen Gedanken holte. Master Kenway, passt bitte gut auf meine beste Freundin auf und sollten mir Klagen kommen...“ mit ruhigem Gewissen konnte ich ihm sagen, dass er nichts dergleichen hören würde von ihr, ich würde alles für meine zukünftige Frau tun, damit es ihr gut ginge. Noch einmal, dieses Mal etwas eindringlicher, wurde Alex gefragt, ob sie sich sicher mit den Artefakten sei! Ein vorsichtiges Nicken und man aktivierte diesen Spiegel, durch welchen nun die Mannschaft nach und nach schritt. Zum Schluss stand Rafael noch davor, ging auf meine Verlobte zu und gab ihr noch einen Kuss! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass die beiden vor langer Zeit einmal ein Paar gewesen sein müssen. Dann war auch er wieder im 21. Jahrhundert und der Spiegel schloss sich langsam.

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    MrsHEKenways Profilbild MrsHEKenway

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    Kapitel:6
    Sätze:756
    Wörter:12.357
    Zeichen:71.965

    Kurzbeschreibung

    *** Der Großmeister wird sich nun in Virginia niederlassen, damit er den Grundstein für sich und seine Verlobte, Mrs Frederickson, legen kann. Die Zukunft der beiden Verlobten liegt noch in einem dichten Nebel, welcher sich nur langsam lichtet und mit vielen Gefahren, Ernüchterungen und Überraschungen gespickt ist! (OC / Haytham , Nordische Mythologie!) ***

    Kategorisierung

    Diese Fanfiction wurde mit Zeitreise, Familie, Mythologie und Liebe getaggt.