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Das Tagebuch des Haytham E. Kenway - Die verlorenen Seiten Part 3

1.191
24.02.21 12:08
16 Ab 16 Jahren
Bisexualität
In Arbeit

Autorennotiz

Disclaimer

Wie immer sei gesagt: Die Rechte am Assassins Creed Universum liegen bei Ubisoft, genauso wie auch die Charaktere und ich verdiene hiermit kein Geld! Nur die von mir hinzugefügten Protagonisten und NPCs gehören mir und sind auf meinem Mist gewachsen. Außerdem möchte ich noch sagen, dass diese Story weit vor der Bekanntgabe von AC Valhalla schon stand! Sollten Ähnlichkeiten auftreten, dann muss ich erwähnen, dass ich etwas früher damit um die Ecke kam, ich sie aber erst jetzt hochlade, weil es sonst einfach zu viel Content gewesen wäre von meiner Seite. Es hat Null mit dem Spiel zu tun!!!

Die Charaktere um Faith Cormac gehören einer Freundin von mir. Wer die Geschichte lesen möchte, schaut unter "Jeder will die Welt beherrschen" und "Bluterbe" nach! :-)

Klappentext – Tagebuch

Master Haytham Kenway ist wieder alleine und wird nun beginnen, den Grundstein für seine Beziehung zu seiner Verlobten, Mrs Frederickson, zu legen. Den Vorschlag, sich eine Plantage in Virginia zu kaufen, nimmt er dankend an. Doch es gibt darüber hinaus noch Verhandlungen, Ungehorsam, Veruntreuung von Eigentum und Bestrafungen.

Das Wiedersehen mit seiner Verlobten lässt ein wenig auf sich warten, wird aber um so inniger zelebriert und es dauert nicht lange, bis man einen Hochzeitstermin festgelegt hat. Ab diesem Zeitpunkt kommt Alex´ und Haythams Leben richtig in Fahrt und es birgt so einige große Überraschungen, Fehlschläge und harte Entscheidungen!

Ich wünsche nun allen viel Vergnügen beim Lesen dieses 3. Teils der verlorenen Seiten aus Haytham E. Kenways Tagebuch!

Liebe Grüße
Mrs Shaytham Corway

6 Charaktere

Haytham Edward Kenway

Haytham E. Kenway, Sohn von Edward J. Kenway, geboren 04. Dez. 1725, London, gestorben 16. Sep.1781, New York, durch die Hand seines eigenen Sohnes Connor Kenway. Haytham war ein sehr vornehmer Engländer, der jedoch immer bereit war, alles zu tun was nötig war um sein Ziel zu erreichen. Er verachtete den Assassinenorden, hielt die Ziele, die sie vor hunderten von Jahren hatten, aber für ehrenhaft.

Alexandra Frederickson

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter.

Edward J. Kenway

Pirat Edward James Kenway, geboren 10. März 1693 Swansea, Wales, gestorben 3. Dezember 1735 London. Vater von Haytham Edward Kenway und Großvater von Ratonhnhaké:ton (Connor Kenway), ein stoischer Mensch, der zu Beginn der Piraterie nur Ruhm und Reichtum im Sinn hatte. Bei den Assassinen lernt er, dass das alles keinen Sinn hat, wenn keine Familie und Freunde mehr da sind.

Charles Lee

Charles Lee (*6. Februar 1732 in Cheshire, England;† 2. Oktober 1782 in Pennsylvania) war ein Templer und ein General während der Amerikanischen Revolution. Er wurde kurz nach der Ankunft von Haytham Kenway in Boston von den Templern rekrutiert, obwohl er bereits mit ihnen sympathisierte. Er arbeitete sich sehr schnell in der Hierarchie nach oben und wurde bald die rechte Hand des Großmeisters.

Shay Patrick Cormac

Shay Patrick Cormac (12.09.1731-Unbekannt) war einst ein Assassine, der später ein Mitglied des Templerordens wurde, im Atlantik während des Siebenjährigen Krieges tätig war, und den Kolonialen Assassinenorden mit anderen Templern fast vollständig auslöschte.

Jennifer Scott

Edwards Tochter, geboren 1713, Halbschwester von Haytham E. Kenway, Jennifer wuchs bei ihrer Mutter Caroline Scott in Bristol auf. Da Jennifer nach der Abreise von Edward erst geboren wurde, blieb ihm seine Tochter lange Zeit unbekannt. Das änderte sich 1720, dem Jahr, in dem Caroline starb. Danach arrangierte sie eine Reise zu ihrem Vater in die Karibik, um ihn auf Great Inagua kennenzulernen.

Kapitel 1

 

*** Wieder alleine ***

 

Ich sah noch, wie meine Verlobte durch diesen Wasserspiegel verschwand... es war nicht das erste Mal, dass sie mich so verließ. Doch dieses Mal war es um einiges schwerer und schmerzhafter als das letzte Mal, ich hatte jetzt ihr Versprechen meine Frau zu werden, ich hatte in ihrem Geist gesehen, dass sie ebenso nicht ohne mich sein wollte.

Doch WANN würde sie wieder hier sein? Dieser Gedanke des Ungewissen erfüllte mich erneut mit Unruhe und Wut, ich konnte solche Zustände nicht dulden.

Doch es war meine kleine Schwester, welche mich für einen Moment unter ihre Fittiche nahm, auch sie würde Alexandra vermissen. Nicht nur ich sah und spürte es, auch Shay nahm diese Verbindung wahr und war wie ich selber, nicht ganz begeistert davon. Wir konnten sie aber nicht ändern, die beiden Frauen hatten sich und ihre Einigung gefunden und waren … ja, wie soll ich es sagen? Sie waren zusammengewachsen, wie Wurzeln, welche sich umschlossen und einfach untrennbar waren.

Dieser Gedanke machte mir ein wenig Angst, war diese Konstellation wirklich gut und richtig? Doch ich konnte das am allerwenigstens beurteilen und würde mich auf das Urteilsvermögen von Faith und Alex verlassen müssen.

 

Also verbrachte ich diesen Abend mit ihnen im Fort Arsenal, wenn ich ehrlich sein soll, alleine sein, war das Letzte was ich gerade wollte und auch ertragen konnte.

Diese Preußin hatte mein Leben verändert, sie hatte mir einen neuen Weg gezeigt, sie hatte mich wieder positiv in die Zukunft blicken lassen, was die Kolonien anging, was mein EIGENES Leben anging und vor allem hatte sie in mir diesen Gedanken weiter keimen lassen, den Orden und die Bruderschaft zusammen bringen zu können. Und ich war dieser Frau unendlich dankbar!

Ein fieser stichelnder Gedanke kam mir aber, auch Ziio war ebenso an meinem Umdenken beteiligt gewesen, auch SIE war mitverantwortlich für diese Gedanken hinsichtlich der Übereinkunft von Assassinen und Templern. Aber Alex war nie eifersüchtig oder hatte mir Vorhaltungen gemacht, im Gegenteil, sie betrauerte ihren Verlust...

Auch wenn wir es nie erwähnten, wir wussten beide, es gab einen Sohn, ein Kind ... Würde ich umgekehrt mit meiner Verlobten später dann Kinder haben können? Alex war bereits jetzt über 40, ganz genau wusste ich es nicht, ich kannte mich nicht hinreichend aus.

Ich muss das erst einmal nach hinten verdrängen. Es gibt Aufgaben, welche jetzt an erster Stelle stehen!

 

 

*** Die Plantage ***

 

16. Juni 1760

 

     

    So langsam fing ich wieder an, mein Leben in die geordneten Bahnen zu lenken. Selbst wenn es mir an manchen Tagen schwerfiel.

    Ich sah mir einige Grundstücke und ebenfalls bereits bestehende Plantagen in Virginia an. Diese Gegend gefiel mir einfach und sie ließ mir Raum, mich und mein Vorhaben zu entwickeln und zu verwirklichen.

    Es gab diverse Pflanzer, welche sich hier niederlassen wollten, das wusste ich, doch alle waren sie darauf aus, Sklaven in ihre Dienste zu nehmen. Und genau das war etwas, dass mir widerstrebte. Ich wollte solche Machenschaften nicht unterstützen, es war mir einfach zuwider. Niemand sollte so behandelt werden, niemand sollte in so einer diffamierenden Art verkauft und ja, versklavt werden. Wer für mich arbeitete, sollte frei sein und einfach nur seinen Lebensunterhalt verdienen. Natürlich auf meinem Land und einer gerechten Einigung folgend, für beide Seiten.

     

    Die Belange des Ordens musste ich gleichfalls im Auge behalten und das beinhaltete obendrein Charles wieder einzunorden.

    Derzeit war er jedoch auf Mission außer Landes in Europa mit Hickey, seine Rückkehr erwartete ich aber jeder Zeit!

    Lady Melanie hatte sich für ihn eingesetzt und Master Lee sollte als Verwalter ihres Anwesens eingesetzt werden. Wenn Alex hier wäre, dann hätte sie sicher nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt, wie man ihm so eine wichtige Aufgabe anvertrauen konnte. Es wäre aber eine Bewährung für ihn und eventuell konnte er so zeigen, was noch in ihm steckte.

    Darüber hinaus sollte er auch die Geschäfte mit übernehmen, sowie das Fort Arsenal verwalten, weil Faith und Shay bald nach London aufbrechen würden. Vermutlich werden sie vor Ende des nächsten Jahres auch nicht wieder hier sein.

     

    Somit hatte ich Zeit, mich hier niederzulassen und mich einzurichten.

    Ich hatte mich vor 14 Tagen auf den Weg gemacht und war froh, dass ich nun endlich angekommen war. Heute stand nämlich ein Termin mit einem Ehepaar an, Julien und Adrienne Dufresne, welches seine Plantage verkaufen wollte, um wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Sie stammten beide ursprünglich aus Belgien und hatten sich, laut ihrer Aussage, hier nie heimisch fühlen können, zumal auch die Enkelkinder und Kinder in Belgien geblieben waren.

    Ich war aber nicht der einzige Mitbewerber, welcher zu Verhandlungen eingeladen war. Es sollte noch ein reicher Franzose anwesend sein, welcher bereits ein höheres Angebot als meines abgegeben hatte. Meine finanziellen Mittel waren immer noch stabil, sodass ich mir nicht wirklich Sorgen machen musste, nicht mitbieten zu können. Doch ich hatte mir ein Limit gesetzt!

     

    Das Anwesen mit den ungefähr 350 Hektar Land lag am James River und hatte eine eigene Anlegestelle. Die Dufresnes hatten hier Weizen und Tabak angebaut und das auch sehr erfolgreich, weswegen ich mich in den letzten Wochen auch damit beschäftigt hatte. Ich würde es einfach fortsetzen!

    Von weitem sah ich bereits das große Herrenhaus und als ich die lange Auffahrt entlang ritt, sah ich rechts die Ställe mit dem Fuhrpark, dahinter stand ein großes Backsteingebäude. Links neben dem Herrenhaus war ebenfalls ein solches Gebäude und vor der Veranda mittig prangte ein Springbrunnen. Ein sehr imposanter Bau, welcher im Erdgeschoss und in der ersten Etage von Säulen umrahmt war. Das ganze war in Weiß getüncht, nur die Dielen der Veranda waren in dunklem Holz gehalten, genau wie die Fensterläden!

    Also vom Äußeren sagte mir das Ganze schon einmal zu, jetzt war ich auf das Innere gespannt.

     

    Mein Pferd wurde von einem jungen Mann in den Stall gebracht und ein Angestellter nahm mein Reisegepäck und ging damit Richtung des linken Gebäudes, welches demnach das Gästehaus sein musste.

    Ich wurde freundlich von Adrienne und Julien begrüßt und auf die hintere Terrasse gebracht. Dort saß bereits der besagte Franzose und hatte einen mürrischen Blick aufgesetzt, als er mich sah.

    Monsieur Sabourin war der typische, schnöselige Reiche, welcher sich seiner Sache sehr sicher war und keinen Gedanken an eine Niederlage verschwendete. Ich war gespannt, wie die Verhandlungen verlaufen würden.

    Doch zu erst wurden wir durch das Haus geführt und man erklärte, dass vieles noch recht neu war, das Ganze wurde erst letztes Jahr richtig fertiggestellt.

     

    Die Raumaufteilung gefiel mir, vor allem dieser wunderschöne riesige Wintergarten mit der Fensterfront.

    Hier im Erdgeschoss gab es ein Arbeitszimmer mit ausreichendem Platz für Regale, Sitzgelegenheiten und einen großen Schreibtisch. Daneben lag das großzügige Esszimmer mit angrenzender Küche und Anrichte. Auf der anderen Seite der Eingangshalle erstreckte sich der Salon an welchem ein kleines Lesezimmer anschloss. Wer sich hier wohl fühlen würde, konnte ich mir schon denken!

     

    In der oberen Etage erstreckten sich auf der rechten Seite der Galerie drei in etwa gleichgroße Kinderzimmer, ebenso gab es einen Raum welcher umringt von Regalen war und in der Mitte vor dem Fenster stand ein Schreibtisch. Im hinteren Bereich des Obergeschosses wurden mir die Kammern der engsten Bediensteten gezeigt.

    Auf der linken Seite gab es das geräumige Schlafzimmer mit angrenzendem Ankleidezimmer. Daneben gab es ein großes Gästezimmer, an welchem ein kleineres Zimmer anschloss für die Kinder des Besuches! Dazu lagen im vorderen Bereich, mit Blick auf die Auffahrt, zwei weitere Räume.

     

    Das Dachgeschoss wurde als Trockenkammer und Lager für Wäsche und ähnliches genutzt. Also nichts spektakuläres. Wo hingegen der Keller schon ein wenig interessanter war und mich besonders drei Räume im hinteren Bereich interessierten, welche ich als Waffen- oder auch Artefaktenkammer nutzen konnte. Und natürlich ein Versammlungsraum, welcher nicht sofort von nicht eingeweihten als solcher wahrgenommen wurde!

     

    Die Außenanlagen wurden nun besichtigt und ich muss sagen, es war sehr schön und geschmackvoll angelegt! Gerade jetzt im Sommer war es ein herrlicher Anblick, erzählte mir Madame Dufresne, welche auf die ganzen Obstbäume und blühenden Büsche deutete.

    Doch ich hörte aus ihrer Stimme heraus, dass sie sich damit schwer tat, alles hier hinter sich zu lassen und wieder zurück zugehen. Auch wenn die beiden sich hier nie richtig angekommen gefühlt haben.

    Ich stimmte ihr einfach zu und versuchte sie mit einem aufmunternden Lächeln auf andere Gedanken zu bringen! Adrienne drückte meinen Arm und nickte mir zu.

     

    Danach gingen wir hinein, um alles weitere zu besprechen und ich muss sagen, Monsieur Sabourin war ein zäher Verhandlungspartner!

    Mit einem leicht arroganten Blick maß er mich immer wieder, so als wäre ich unfähig, soviel Geld aufzubringen. Doch ich belehrte ihn eines Besseren, während er das Angebot versuchte in die Höhe zu treiben, unterbrach ich ihn einfach und gab einen finalen Preis an.

    Gerade als Sabourin wieder ansetzen wollte, wurde er von Monsieur Dufresne unterbrochen, welcher ihn maßregelte.

    „Monsieur Sabourin, versteht mich nicht falsch, es liegt natürlich in meinem Interesse, einen guten Preis zu erzielen, doch es ist nicht mein Wunsch, jemandem dieses Anwesen anzuvertrauen, welchem eigentlich nichts daran liegt!“ kam es plötzlich in einem kalten scharfen Ton vom Hausherren und mein Konkurrent starrte ihn mit offenem Mund an.

    „Ich muss doch sehr bitten! Natürlich liegt mir etwas an diesem... diesem Haus! Wie kommt ihr darauf, dass dem nicht so ist?“

     

    „Meine Frau besitzt einen guten Instinkt, was die Körpersprache angeht. Auch besitzt sie eine sehr gute Menschenkenntnis. Ihr, Monsieur Sabourin, habt den Eindruck vermittelt, als läge euch nichts an unserem Eigenheim. Es scheint nur ein weiteres Gebäude in eurer Sammlung für euch zu sein, welches ihr prahlerisch unter euren Geschäftsfreunden anpreisen könnt. Auch wie ihr meine Angestellten beäugt habt mit diesem abfälligen Blick, lässt tief blicken und ich möchte diese Plantage in guten Händen wissen!“ schloss Julien nun seine Erklärung und sah den Franzosen giftig an.

    „Dann werde ich mich wieder auf den Weg machen und sicherlich ein weitaus geschmackvolleres Anwesen finden als … dieses hier!“ sagte Sabourin mit Nachdruck und verabschiedete sich wütend, aber nicht ohne mir einen vernichtenden Blick zuzuwerfen, welcher mich aber völlig kalt ließ.

    Ich hatte gefunden was ich suchte und hatte somit meine Zukunft besiegelt! Da konnte mir dieser wichtigtuerische Gockel egal sein!

     

    Als dieser dann verabschiedet worden war, bat mich das Ehepaar ins Esszimmer zum Abendessen. Ich würde diese Nacht hier verbringen, vermutlich noch mehrere, die Verträge müssten aufgesetzt und geschrieben werden, ich müsste meinen Umzug planen und noch so einiges mehr.

    Während des Dinners bedankte ich mich immer wieder für das mir entgegengebrachte Vertrauen und erklärte, dass ich mich hier dann mit meiner Verlobten niederlassen werde, welche noch in Europa ist. Ich tischte die gleiche Geschichte wie allen Fremden auf und erntete einen traurigen Blick von Madame Dufresne.

    „Das heißt, ihr müsst noch auf eure zukünftige Frau warten, Master Kenway? Ich wünsche euch, dass ihr sie bald wieder bei euch haben werdet. Dann war unsere Entscheidung wirklich die Richtige!“ strahlte sie mich jetzt an und ich konnte nur lächelnd nicken.

     

    Am nächsten Tag setzten wir die Verträge auf und besprachen, wann ich hier einziehen konnte.

    Ebenso wurden mir ein paar der bereits hier ansässigen Pflanzer empfohlen, welche mir mit Ratschlägen sicherlich weiterhelfen würden. Monsieur Dufresne selber war es, welcher mich schon einmal vorab über den Anbau von Tabak und Weizen informierte.

    Und so vergingen die nächsten Tage und ich lernte, wie man eine Plantage führte und unterhielt. Gar nicht so einfach, doch ich hätte ja auch Angestellte. Das Ehepaar wollte mir einige ihrer Diener überlassen und ich willigte ein, es waren keine Sklaven, sondern Menschen, welche ausgewandert waren und hier ein neues Leben beginnen wollten. Auch waren sie allesamt gut untergebracht, in dem großen Backsteinhaus rechts lagen die Unterkünfte der Arbeiter und Angestellten, welche keine eigenen kleinen Hütten oder Häuser hier auf der Plantage hatten.

     

    Außerdem handelte ich noch den Preis für die bereits bepflanzten Felder aus, die Ernte würde mir zufallen und auch die entsprechenden Einnahmen. Doch ich wurde mir mit dem Hausherren auch darüber schnell einig und wenn alles so glatt weiterlief, würde ich bereits Ende August hier einziehen können. Zufrieden machte ich mich wieder auf den Weg zurück nach New York!

     

    Kapitel 2

    *** Ich gewöhne mich ein ***

    21. September 1760



    Der Umzug ist reibungslos von Statten gegangen und ich richte mich in meinem neuen eigenen Heim langsam ein.
    Die Ernten stehen an und ich versuche mein Bestmögliches um dem Ganzen gerecht zu werden! Eine ungewohnte Situation, doch ich habe von klein auf gelernt, auch mit solchen Momenten umzugehen.
    Durch meine Lektüre hatte ich die Arbeitsabläufe verinnerlicht, die Verarbeitung und den weiteren Prozess vor Augen und konnte so, den Verkauf einleiten. Dieses Jahr war noch nicht von großen Gewinnen geprägt, doch auch das hatte mir Julien prophezeit. Einarbeiten und lernen... das ging einfach nicht von jetzt auf gleich.
    Somit sah ich bei der Ernte zu, ritt die Felder ab und sprach mit den Pächtern. So lernte ich sie besser kennen und sie mich! Es war mir immer mehr möglich diese doch sehr schweißtreibende Arbeit zu analysieren und sie entsprechend zu verbessern.

    Als dann die ersten Käufer auf meine Waren aufmerksam wurden, konnte ich entsprechende Angebote abgeben... ich war in der Lage, den Handel anzutreiben! Es erfüllte mich mit Stolz und Frieden! Ich war fürs Erste angekommen und ich konnte den Grundstein für Alex und mich legen.

    An manchen Tagen fiel es mir wahnsinnig schwer überhaupt aufzustehen, ich musste mich immer wieder selber ermahnen und an meine eigene Disziplin appellieren! Ich vermisste meine Verlobte und meinen neuen Nachbarn erzählte ich, sie wäre noch in Europa, um ihrer Familie ihre Pläne mitzuteilen und sich zu verabschieden. Ich sehnte ihre Rückkehr immer mehr herbei, doch leider konnte ich sie nicht beschleunigen!

    Meine Nachbarn. Das war auch eher nett gesagt, sie wohnten mitunter einen ganzen Tagesritt von hier entfernt, bisher waren sie aber alle freundliche und höfliche Menschen. Da ich selber aber nicht der Typ für ständige Gesellschaften, Empfänge oder Dinner bin, war ich auch nicht so erpicht darauf, daraus sehr enge Freundschaften entstehen zu lassen.


     

    3. November 1760



    Die Ernte war fast beendet und es hatten sich noch zwei weitere Familien hier auf meinem Anwesen niedergelassen. Alles in Allem war ich zufrieden mit meinem bisherigen neuen Leben.

    Heute bekam ich dann Besuch von Charles, welcher, wie er es sagte, eine Auszeit brauchte, von seiner Aufgabe als Verwalter in New York. WAS bitte konnte so anstrengend daran sein? Er war ja noch nicht einmal alleine, er hatte einige Helfer zur Seite gestellt bekommen.
    Als ich aber in sein etwas eingefallenes Gesicht sah, konnte ich seinen Unmut regelrecht sehen. Charles schien seine Arbeit nicht gerne zu machen, doch da musste er jetzt durch und von mir konnte er derzeit keine Unterstützung erwarten. Ich war selber zu sehr beschäftigt, alles zum Laufen zu bringen und an eben diesem zu halten!

    „Master Kenway, versteht mich nicht falsch. Es ist mir eine Ehre, dass man mir diese wichtige vertrauensvolle Aufgabe übergeben hat, jedoch machen mich diese Nichtsnutze von Helfern wahnsinnig, Sir. Wenn es so weitergeht, werde ich mich nach anderen und fähigeren Männern umsehen müssen!“ meinte er übellaunig und sah mich hilfesuchend an.
    „Charles, ich werde euch dabei aber kaum zur Seite stehen können. Ich habe hier alle Hände voll zu tun und kann hier zur Zeit auch nicht einfach weg!“ erklärte ich ihm meine Situation, es war einfach so.
    Ich hatte hier noch keinen Stellvertreter, es gab den Aufseher, doch dieser fungierte nicht als Vertretung für mich. NOCH nicht, muss ich dazu sagen, das Vertrauen musste ich langsam aufbauen.

    „Dann hoffe ich, dass die kommenden Monate nicht zu schwer werden, was das geschäftliche in New York anbelangt, Sir. Auch sind mir Dinge zu Ohren gekommen, welche ich eigentlich nicht guten Gewissens unterstützen möchte!“ kam es jetzt in einem fast schon verschwörerischen Tonfall von ihm.
    „So? Was zum Beispiel, Charles?“ im Grunde wusste ich, was er meinte, aber ich wollte es von ihm hören!
    „Da werden illegal Waren geschmuggelt, Sir. Sollte das herauskommen, würde mein Ruf darunter leiden bei der Armee!“ innerlich musste ich grinsen, sein Ruf hatte schon gelitten und das nicht zu knapp.
    Nichts desto trotz brauchten wir ihn aber für den Orden, weswegen er noch meinen Schutz hatte und ich betone das NOCH! Ich hoffte für Lee, dass er sich keine weiteren Eskapaden und Fehltritte erlaubte, sonst könnte ich für nichts mehr garantieren!

    Zwei Tage verweilte dieser Hundefreund noch bei mir und wenn ich ehrlich sein darf, war ich froh, als er mit seinen Vierbeinern wieder abzog.
    Generell habe ich nichts gegen Hunde, Vater besaß auch immer Hunde, besonders dieser irische Bluthund namens Thatch ist mir in Erinnerung geblieben! Heute weiß ich auch, warum er ihn so nannte, er erinnerte ihn an Edward Thatch, Blackbeard! Alex hatte mir den Zusammenhang erklärt!
    Doch ich hatte ein Problem mit diesen verwöhnten Spitzen von Charles, sie waren für ihn wie Familie. Mir kam zum ersten Mal der Gedanke, warum Lee keine Frau an seiner Seite hatte, doch im Grunde konnte ich mir die Antwort auch selber geben. Er war ein schwieriger Mensch, seine Charakterzüge waren nicht immer mitfühlend, eher berechnend. Es war im Grunde so am besten, entschied ich für mich!


     

    25. März 1761



    Ich hatte die letzten Monate ruhig verbracht, hatte an einigen Gesellschaften teilgenommen und auch entsprechende Dinner selber gegeben. Gerade zu meinem Geburtstag und zu Silvester, was besonders die Bassiters erfreute, weil sie nur 5 Stunden von mir entfernt wohnten. Mrs. Bassiter ließ es sich nicht nehmen, mich unter ihre Fittiche zu nehmen „solange meine Zukünftige“ noch nicht hier sei!

    Die neue Pflanzzeit begann nun und zum ersten Mal, musste ich mich damit auch praktisch auseinander setzen.
    Doch ich bekam tatkräftige Unterstützung von Master Donovan, einer meiner Nachbarn, welcher ebenfalls mit Tabak und Weizen handelte. Es sei wichtig, die Felder nicht immer mit dem Gleichen zu bestücken, die Abwechslung sei das A und O. Auch sollte man ein paar Proben beiseite schaffen um die Qualität und die Veränderungen besser im Blick zu behalten.
    So verbrachte ich die nächste Zeit wie so oft mit Lernen und Studieren, es lenkte mich von meinen immer schwieriger zu verdrängenden Gedanken an meine Verlobte etwas ab.

    Bisweilen waren die Nächte unerträglich, ich bekam häufig nicht genügend Schlaf. Des öfteren hatte ich das Gefühl, als könne ich sie vor mir sehen, sie berühren, ja sogar ihren Duft wahrnehmen. Es war oft unheimlich, ich redete mir jedoch ein, dass das Ganze nicht so schlimm sei und … genoss diese Momente, wenn ich das so sagen darf.

    Heute bekam ich von Charles wieder einmal einen von seinen Bittbriefen, ihm schien die Arbeit über den Kopf zu wachsen.
    Doch ich konnte ihm nicht helfen, zumal ich strikte Anweisungen von Lady Melanie hatte, nicht einzugreifen, sondern ihn machen lassen sollte. Sie wüsste schon, warum sie ihn als Verwalter eingesetzt hätte.
    Ich hatte ihr zwei oder dreimal geschrieben, dass Master Lee wohl doch etwas überfordert sei, erhielt aber immer nur dieselbe Antwort. Ich solle mich nicht einmischen. NOCH nicht!

    In mir keimte aber die Angst, dass er doch etwas falsch machen könnte und was dann? Würde man MICH dafür mitverantwortlich machen, Charles war ja einer MEINER Schützlinge. Ich antwortete ihm mit den immer gleichen Worten, er müsse sich gedulden und weiter lernen, so schwer könne es ja nicht sein.

    Der morgendliche Ritt über die Felder gehörte für mich zum Tagesablauf einfach dazu und ich genoss den Frieden für diesen Moment. Die Arbeiter waren allesamt wirklich tüchtig und bekamen Unterstützung von ihren Familien und auch untereinander half man sich hier immer mal wieder aus. Alles in Allem war ich mit der Bewirtschaftung zufrieden und hoffte, es würde so bleiben!

    Mein Kammerdiener hatte mich vor einer Woche gebeten, ihn für einige Zeit freizustellen, da er dringende Familienangelegenheiten zu klären hätte. Vermutlich könnte es einige Monate in Anspruch nehmen, nach seiner Aussage. Also war er aufgebrochen, jedoch nicht ohne mir in seiner so eigenen schleimig-höflichen Art, alles Gute zu wünschen.
    Ich hatte immer öfter das Gefühl, dass dieser Mann etwas verheimlichte, doch WAS es war, da war ich noch nicht hinter gestiegen.
    Vermutlich bildete ich mir das auch nur ein, doch ich hatte eine gute und ausgeprägte Menschenkenntnis, möchte ich annehmen.
    Für diese Zeit würde einer der anderen Diener seine Arbeit übernehmen. Ich würde noch einige Gespräche diesbezüglich führen müssen.


     

    *** Das Drama in New York **

    3. Dezember 1761



    Wo soll ich anfangen? Als im Oktober meine kleine Schwester mit ihrer Familie wieder aus London zurück kam, wurde sie von... ich weiß gar nicht wie ich es sagen soll... von einem völlig leergeräumten Haus ohne Angestellten empfangen!
    Doch das war noch nicht alles, Lee hatte alles, was nicht nicht Niet- und Nagelfest war, zu Geld gemacht! Nicht nur im Fort Arsenal herrschte dieses Chaos, nein, auch das Anwesen von Lady Melanie hatte er bei einem Kartenspiel verloren!
    In mir kochte diese Wut hoch, dass er nicht ganz bei Sinnen sein kann, so etwas zu tun! Ich hätte eingreifen müssen, doch ich sollte es ja nicht tun, jetzt saß ich aber mit gewissen Schuldgefühlen hier und wäre diesem Verlierer gerne an die Kehle gegangen.

    Charles hatte sich aber abgesetzt und wir wussten nicht, wohin er war. Also brach ich auf und half ein wenig bei Shay und Faith mit aus und hoffte, man könne mir verzeihen.
    Mittlerweile gab es wenigstens schon einige Möbel wieder, welche man auslösen konnte gegen einen hohen Preis wohlgemerkt. Die Geschäfte jedoch waren nahezu zum Stillstand gekommen und die Vertragspartner, Dimitri, Long und Maria waren fast bankrott dank Charles´ Unfähigkeit!

    Ich machte mich heute auf den Weg, um wenigstens wieder Bedienstete zu finden, damit Faith nicht alles alleine machen musste. Mit mittlerweile zwei Kindern, war das mit der großen Villa kaum zu schaffen, auch wenn sie mir versicherte, dass sie es gerne machte.
    Das glaubte ich meiner kleinen Schwester aufs Wort, doch ihr gesellschaftlicher Stand ließ es nicht zu, dass sie in der Küche stand, dass sie putzte und den alltäglichen Haushalt verrichtete.
    Als ich ihr meine Meinung diesbezüglich mitteilte, erntete ich einen bösen Blick und ich wusste, es war ihr lieber in einfachen Verhältnissen zu leben, als dieses ganze, ich nenne es einfach mal, pompöse Getue!

    Nebenbei forschte ich nach Charles und eventuellen Hintermännern, welche mir Auskunft geben konnten über seinen Aufenthaltsort. Sollte ich ihn ausfindig machen, wusste ich noch nicht, welche Strafe genau er erhalten würde. Irgendetwas würde mir sicherlich einfallen!
    Alleine war ich bei dieser Suche aber nicht, anscheinend gab es noch eine Menge anderer geprellter Kunden, welche hinter ihm her waren. In seiner Haut wollte ich jetzt nicht stecken!, dachte ich des öfteren bei mir.
    Doch seine Spuren hatte er gut verwischt, er war halt Templer und ich hatte ihn diesbezüglich ja trainiert! Verdammt!

    Am Abend hatte ich drei Diener aufgetan, welche einen tüchtigen Eindruck machten und welche ich auch gleich im Voraus entlohnte, da das Einkommen für die Cormacs noch lange nicht wieder gesichert war!
    Master Cormac war es nicht recht, dass ich finanzielle Unterstützung gab und ich versicherte ihm, dass es so etwas wie ein Kredit sei. Welchen ich vermutlich nie zurückhaben wollte, aber dass mussten die beiden ja nicht wissen!

    Kapitel 3

    *** Ablenkung in der Taverne ***

    2. Januar 1762



    Wenn ich nun auf das alte Jahr zurückblicke, war es im Grunde wenig ereignisreich. Zumindest für mich persönlich war es ruhig verlaufen. Bis auf dieses Theater mit Charles und seinen Eskapaden. Wir hatten ihn immer noch nicht ausfindig machen können, was wirklich seltsam war, er wurde ja gebraucht, hatte vermutlich aber zu viel Angst! Zurecht möchte ich betonen!

    Mein Geburtstag war ruhig begangen worden, genau wie das Weihnachtsfest an sich. Immer mehr spürte ich jedoch, dass zwischen Faith und Shay eine gewisse Spannung lag, zu deuten vermochte ich es aber nicht wirklich.
    Mir waren natürlich die Gerüchte zu Ohren gekommen, welche besagten, meine kleine Schwester hätte eine Nacht mit dem König verbracht! Das konnte ich mir zwar vorstellen, aber sie würde ihrem Ehemann nie untreu werden. Ich hoffte, dass sich dieses Missverständnis bald klären würde!
    „Haytham, ich habe nicht das Bett ihm geteilt, dass müsst ihr mir alle glauben!“ kam es hin und wieder. In diesen Worten hörte ich auch immer leise Verzweiflung und etwas, was unausgesprochen blieb. Ein Geheimnis!
    Ich hakte nicht weiter nach, entweder erzählte meine kleine Schwester von alleine, oder sie ließ es. Sie wird ihre eigenen Gründe haben, so dachte ich jedenfalls.

    Der Silvester-Abend war mir nicht mehr ganz so in Erinnerung, weil ich dem Whiskey sehr zugesprochen hatte und bereute es auch gleich am Neujahrsmorgen. Ich konnte Alex´ tadelnde Stimme sprichwörtlich in meinem Kopf hören, welche sich über meinen Zustand auch noch lustig machte.
    Auch wenn ich hier nicht alleine war, fühlte ich mich einsam. Ich ertappte mich immer wieder dabei, dass ich völlig in Gedanken versunken aus dem Fenster starrte und noch nicht einmal meine Patentochter bemerkte, welche nach meiner Aufmerksamkeit verlangte.

    Heute erhielt ich einen Brief aus Virginia mit der dringenden Bitte, einen Händler hier in New York aufzusuchen, welcher neues Saatgut anpries und das auch noch zu einem günstigen Preis.
    Wir trafen uns in einer kleinen Taverne bei den Docks und als ich vor Mr. Walther Neillmore saß, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich wirklich von ihm kaufen sollte. Er machte einen schmierigen Eindruck, hatte für meinen Geschmack einen zu großen Durst auf Ale und überhaupt, er passte mir nicht wirklich.
    Gerade als ich mich verabschieden wollte, erhob auch er sich und blaffte mich lallend an „Mister, nur weil ich nicht so ein schnöseliger Brite bin wie ihr, heißt das nicht, dass ich schlechte Geschäfte mache!“
    Gut, so eine Ansprache ließ ich mir nicht bieten und musste es mir auch nicht gefallen lassen, dass er mich beleidigte.

    Ich war ein wenig in Kampflaune und ließ sie an ihm aus. Leider hatte Mr. Neillmore überhaupt kein Talent zum Kämpfen und das Ganze war schneller vorbei als mir lieb war!
    Ich hatte aber nicht mit den anderen Gästen hier gerechnet, welchen eine kleine Schlägerei gerade recht kam!
    Ich fand mich also kurz darauf zwischen ein Dutzend Kampferprobter Herren wieder und neben mir sprangen ebenso einige dazu und unterstützten mich tatkräftig.
    Wenn ich jetzt sage, es hat mir Spaß gemacht, klingt es vermutlich eher untypisch für mich, ich weiß. Doch was soll ich sagen? Es tat wirklich gut, sich mal wieder austoben zu können! Diesen Ausdruck hatte Alex auch gerne genutzt, wenn ihr langweilig wurde und mir wurde wieder bewusst, dass sie mir tatsächlich eine ganz neue Weise des Lebens gezeigt hatte!

    Etwas lädiert erschien ich wieder im Fort Arsenal und man warf mir einen bösen Blick und ein Kopfschüttelnd zu.
    „Haytham! Was hast du denn gemacht?“ kam es vorwurfsvoll von Faith und sie schleifte mich in ihr Arbeitszimmer, um mich zu versorgen.
    Es waren nur ein paar Kratzer, nichts ernstes und in Nullkommanichts war ich wieder der Alte, nun ja, nicht ganz, aber wenigstens etwas wieder hergestellt.
    „Ich mag es halt nicht, wenn man mich beleidigt, Faith! DU solltest das doch am besten verstehen, oder?“ gab ich Augenzwinkern als Erklärung und erntete eine hochgezogen Augenbraue.
    „Der Kampf mit Alex war was anderes, aber ich hoffe, die anderen Herren sind noch am Leben?“
    Was bitte dachte sie von mir? „Natürlich, wenn auch mit etwas ramponierten Knochen und einigen Veilchen!“ grinste ich jetzt, wenn ich ehrlich sein soll, dieser Schlagabtausch hatte mir gut getan, auch wenn es sich seltsam anhören mag.


     

    *** Master Lees Bestrafung ***

    26. April 1762



    Ich reiste Mitte Januar aus New York ab, weil ich mich wieder um die Angelegenheiten auf der Plantage kümmern musste und ich würde mindestens 14 Tage, wenn nicht sogar länger, unterwegs sein.
    Anfang Februar war ich wieder zuhause und konnte auch gleich mit den einzelnen Händlern in Kontakt treten, welche entsprechendes Saatgut hatten oder eben auch schon Anfragen für bestimmte Mengen an Weizen und Tabak, welche ich liefern sollte.

    Bis Anfang März verlief mein Leben mal wieder etwas ruhiger, doch das änderte sich schlagartig, als Charles plötzlich mitten in der Nacht bei mir auftauchte und um Schutz ersuchte! Wie immer, es war Jones, welcher sich um ihn kümmerte, die weiblichen Angestellten gingen nicht in seine Nähe. Er hatte einen Ruf weg, der ihm weit vorauseilte und welchen er nicht mehr loswurde. Meiner Meinung nach zu RECHT!

    So saß ich im Morgenrock in meinem Arbeitszimmer an meinem Schreibtisch. Mir gegenüber saß dieser eigentlich sehr stolze Mann, doch jetzt sah man seine Angst und auch seine Unsicherheit deutlich in seinem Gesicht.
    „Master Kenway, ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Ich weiß, ich habe einen großen Fehler begangen!“ heuchelte er mal wieder, genau wie damals, als er meine Verlobte vergewaltigen wollte. Anscheinend lernte er nicht und ich befand, dass ich das ab jetzt dringend ändern sollte.
    „Charles, ich habe gesehen, was ihr mit dem Vermögen, mit den beiden Anwesen, den Angestellten und allem gemacht habt. Ihr seid unfähig, inkompetent und einfach unbelehrbar. Und ihr erwartet, dass ich euch jetzt zur Seite stehe? Das werde ich nicht und ich kann es auch nicht. Ihr wisst das! In wenigen Tagen werden hier Masters Lion und Lucius Williams mitsamt Lady Melanie erscheinen und euch zur Rechenschaft ziehen. Genau wie ich, ihr habt meine kleine Schwester um einiges betrogen. WIE KONNTET IHR NUR?“ giftete ich ihn jetzt an, er war mir mittlerweile ebenfalls zuwider.

    „Sir, Master Kenway, das ist alles nur ein Missverständnis. Man hat mich einfach übers Ohr gehauen und mich betrogen! Woher sollte ich...“ ich ließ ihn nicht aussprechen, Ausreden hatte ich genug von ihm bekommen, seit er über die Schwelle meines Hauses kam!
    „Ihr werdet in den Arbeiterquartieren untergebracht und ich lasse euch bewachen. Bis Familie Wiliams eintrifft werdet ihr keinen Fuß unbewacht auf meinen Grund und Boden setzen! Ist das klar Charles?“ in seinem Blick sah ich, dass er gerne Widerworte geben wollte, doch wusste ebenso, dass er es damit nur schlimmer machen würde.
    Ich ließ ihn von meinem Aufseher in Gewahrsam nehmen und in die Unterkünfte bringen. Ich stellte jeweils zwei Wachen ab, welche ihn im Auge behalten sollten.
    An Schlaf war in dieser Nacht nicht mehr zu denken!

    Dann endlich Mitte März erschienen Master Lion und zu meinem Leidwesen auch Lady Melanie. Sie war immer noch übelgelaunt mir gegenüber und würde es vermutlich auch bis in alle Ewigkeiten bleiben.
    Wir hatten aber wichtigeres zu besprechen und so saßen wir in meinem Arbeitszimmer und berieten, WAS mit Charles passieren sollte.
    „Master Kenway, ihr solltet ihn des Ordens verweisen, er ist keine adäquate Persönlichkeit um unsere Belange zu demonstrieren.“ kam es berechtigter Weise von Master Lion.
    „Ich muss euch nicht daran erinnern, dass wir ihn für die Belange des kolonialen Ritus weiterhin brauchen? Es wird nicht ewig friedlich bleiben und die Armee wird für uns bald in den Vordergrund rücken! Ich brauche ihn dort und hoffe, er wird sich dann endlich...“ man ließ mich nicht ausreden und es war Lion, welcher mir ins Wort fiel.
    „Haytham, dass ist uns bewusst, auch im britischen Ritus haben wir natürlich den Wunsch, dass hier in den Kolonien alles entsprechend in geordneten Bahnen läuft. Doch seid ihr euch sicher, dass ER der Mann ist, welchen ihr an der Spitze sehen wollt?“

    Die Frage war berechtigt und beschäftigte mich ebenfalls schon eine Weile. Ich muss gestehen, JA, ich wollte ihn dort sehen. Er ist ein verbissener Mensch, jemand der seine Ziele umsetzen will und auch kann, mit unserer Hilfe.
    Und man muss auch anfügen, dass ich, als Großmeister immer noch ein Wort mitzureden hatte und Charles, wenn es hart auf hart kam auch suspendieren konnte. Es fiel mir jedoch gerade sehr schwer, nur ein einziges gutes Wort an ihm zu lassen. Er hatte alles falsch gemacht, was er machen konnte und war sich mal wieder überhaupt nicht seiner Taten bewusst. Manchmal fragte ich mich, ob er nicht doch geistig etwas minderbemittelt war.

    Mir kam aber jetzt ein anderer Gedanke! Wenn wir ihn bestrafen wollten, dann bitte mit eher demütigenden Aufgaben und mir kamen diverse in den Sinn!
    „Wir wollen ihn alle bestraft sehen, ist das richtig?“ fragte ich eher rhetorisch in die Runde und erntete ein einstimmiges Nicken! „Dann sollten wir ihm Demut und Gehorsam beibringen! Es stehen gerade die Saatpflanzungen an und damit hätten wir über Wochen zu tun. Diese Tätigkeit ist ein Knochenjob und sollte Master Lee schnell von seinem hohen Ross holen, findet ihr nicht auch?“ gab ich grinsend als Anmerkung.

    „Also wollt ihr ihn auf den Feldern sehen? Wie einen gewöhnlichen Sklaven, ja?“ meinte Lady Melanie kalt.
    „Wenn ihr aufmerksam gewesen wäret, dann hättet ihr bemerkt, dass ich keinerlei Sklaven beschäftige, Lady Melanie. Mein Gewissen und meine Erziehung lassen es nicht zu!“ erwiderte ich harsch und eine gewisse Wut in mir konnte ich nicht leugnen. Es war, als wolle sie mich provozieren mit diesen Worten!
    „DAS ist mir schon aufgefallen, löblich, wenn ich ehrlich sein soll. Ist es aber auch eine gerechte Strafe für das Vergehen von Charles?“ fragte sie nun wieder in ihrer ach so typischen gespielt neutralen Art nach.
    „Ja, das finde ich tatsächlich! Und glaubt mir, es wird Wochen dauern, bis alles angelegt ist! Ich gehe davon aus, dass auch euer Gatte diese Arbeiten überwachen wird!“
    Mit einem Mal schwenkte die Stimmung um und ich konnte spüren, dass alle Anwesenden in einer gewissen gehobenen Laune plötzlich waren.
    Sollte mir Charles leidtun? Eigentlich schon, doch etwas in mir sträubte sich noch dagegen, ich wollte ihn unter anderem immer noch für sein Vergehen an meiner Verlobten bestraft sehen. Eigentlich war ich kein nachtragender Mensch, nicht im herkömmlichen Sinne, doch dieser Fehler gehörte anders bestraft.

    Kapitel 4

     

    *** Master Cormacs Ungehorsam ***

     

    Damit war es abgemacht und man holte Charles dazu, um ihm seine neue Tätigkeit als Arbeiter vorzustellen.

    Mit großen Augen sah er sich hier um und man hatte das Gefühl, er würde immer kleiner werden und schrumpfen. Er sah sich einer Übermacht gegenüber, gegen welche er nie ankommen würde. Er hatte keine Verbündeten, die ihm helfen würden.

    Master Lee, ihr werdet in den nächsten Wochen die Saatpflanzungen mit übernehmen und wir alle werden euch dabei im Auge behalten. Solltet ihr nur den kleinsten Fehler begehen, oder euch den anderen Arbeitern gegenüber abfällig äußern, werdet ihr wie alle anderen auch bestraft!“ meinte Master Lion kalt und starrte ihn förmlich in Grund und Boden, gerade ER hatte allen Grund, seine Wut an ihm auszulassen.

    Lion war ein Mensch, welchem sein Vermögen über alles ging und wer ihm nur den kleinsten Schilling nahm, hatte schlechte Karten! Das bekam nun Master Lee in vollem Maße zu spüren. Eigentlich sah er sich einer Wut und Enttäuschung von ALLEN hier gegenüber und musste damit zurecht kommen.

     

    Die nächsten Wochen muss ich sagen, genoss ich einfach und konnte meine doch etwas, darf ich es so formulieren, perverse Freude daran, diesen Menschen leiden zu sehen, ausleben!

    Ich war nicht der einzige, der sich an seinem Leid labte, wie er auf den Knien über die Furchen rutschte und sich die Finger wund arbeitete. Es war eine Genugtuung und ich sah dabei gerne zu!

    Wenn diese Arbeit erledigt war, ging es an die Bewässerung, auch dafür hatte ich ihn schon vorgesehen und er würde meinen Arbeitern zur Hand gehen! Charles hatte in diesen Wochen keinerlei Selbstbestimmung mehr, auch Lady Melanie sorgte dafür, sie brachte ihn in einem kleinen Schuppen in der Nähe der Felder unter, welcher von ihren eigens dafür angeheuerten Leuten bewacht wurde.

     

    Charles war ein zäherer Bursche als ich gedacht hätte, er verzog keine Miene, er tat, was ihm gesagt wurde, er war... ja er war demütig geworden. Würde es ihm eine Lehre sein? Ich hoffte es für sein weiteres Leben.

    Heute sprach ich in meinem Arbeitszimmer mit den Eheleuten Williams über das weitere Vorgehen!

    Ich denke, Master Lee hat seine Lektion fürs erste gelernt, meint ihr nicht?“ fragte ich die beiden nun, doch ich sah, dass gerade Lion noch immer nicht gewillt war, ihm zu verzeihen.

    Verzeihen würde ich ihm ebenfalls NIE, doch man sollte ihm jetzt die Gelegenheit geben, sich zu bewähren. Das äußerte ich auch und Lady Melanie stimmte mir seltsamerweise zu, was mich dazu veranlasste, ihr einen anerkennenden Blick zuzuwerfen.

    Haytham, ich bin kein Unmensch, dass solltet ihr wissen, oder nicht?“ fragte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue.

     

    Somit war für Master Lee die verbüßte Strafe fürs erste erledigt, jedoch nur solange, bis er sich wieder entsprechend in Schwierigkeiten brachte. Wir alle hatten aber nicht mehr den Wunsch, ihn in die geschäftlichen Belange einzubeziehen, geschweige denn als Verwalter einzusetzen. Ich hatte kurz überlegt damals, ihn in meiner Abwesenheit HIER als Vertreter einzusetzen und ich muss sagen, ich bin froh es nicht getan zu haben!

    Wir teilten ihm nun unsere Entscheidung mit und in Charles´ Gesicht spiegelte sich Erleichterung, Unglaube und tatsächlich Abfälligkeit wieder. Innerlich seufzte ich nur, hatte er immer noch nicht seine Lektionen gelernt? WAS müsste man machen, damit er begriff?

    Doch mir kamen die Briten zuvor, kurz nach unserem Gespräch, eine Woche später ungefähr, erreichte uns ein verspäteter Brief seiner Majestät, welcher Charles umgehend nach England beorderte. Er hätte sich für einige Vergehen dort vor Gericht zu verantworten.

     

    WAS bitte hatte Charles noch alles gemacht? Doch ab jetzt würde es die Justiz übernehmen und wir könnten hier die Belange des Ordens weiter ausbauen! So hoffte ich jedenfalls. Lady Melanie war es überhaupt nicht recht, dass man ihr nun die Bestimmung über diesen Mann entzog, doch sie musste sich, wie ich auch, fügen!

     

    Und nun reiste diese Delegation auch wieder ab, aber nicht ohne mich an meine Pflichten zu erinnern und man ermahnte mich, doch an meine Zukunft zu denken. Ich dachte gar nicht daran, darauf einzugehen, sie alle würden früh genug erfahren, WANN ich heiraten würde! Ich würde den Teufel tun und den ganzen Vorschlägen und Einladungen nachzukommen. Auch wenn ich wusste, man meinte es nur gut mit mir.

    Es war anstrengend und ich war es einfach leid, in diesem Moment war ich dankbar für Master Cormac, welcher mich verstand und in unserer Korrespondenz mir zur Seite stand. Auch wenn es nur schriftlich war, es baute mich auf und ich sah der Ankunft meiner Verlobten zuversichtlicher entgegen.

     

    *****************

     

    17. Mai 1762

     

    Ich würde diesen Tag nicht wirklich hervorheben, wenn er nicht wichtig wäre. Heute erreichte mich ein Brief, welcher mich besorgt zurück ließ.

    Meine kleine Schwester hatte mir geschrieben, was wirklich sehr selten vorkam und meistens auch nur, wenn es um wichtige Entscheidungen ging.

     

    Dieser Brief traf mich wie ein Blitzschlag.

     

     

    Bruder,

     

    du weißt, ich würde dir nicht schreiben, wenn es nicht wichtig wäre. Doch ich bin wirklich verzweifelt!

     

    Zu aller erst, hast du meinem Mann einen Auftrag erteilt, welchem er nachgehen und Stillschweigen darüber bewahren soll? Weswegen er mit der Morrigan einfach auf und davon ist?

     

    Zum anderen, du hast es sicherlich bemerkt, dass zwischen uns gewisse Spannungen herrschen, mittlerweile nicht nur wegen der Sache mit der Nacht bei King George! Haytham, ich habe meine Freundin Caroline hier aufgenommen, weil sie nicht wusste wohin, seit Liam... du weißt ja! Ihr Sohn ist natürlich auch hier und seitdem ist Shay einfach... anders! Habe ich jetzt etwas falsch gemacht?

     

    Aber ich konnte die beiden doch nicht auf der Straße ihrem Schicksal überlassen! Ich weiß, er sieht immer wieder seinen besten Freund in dem kleinen Cillian, aber ich will nicht, dass dieser Junge nur deswegen bestraft wird.

     

    Bitte, sag mir wohin mein Mann unterwegs ist! July und Caden fragen jeden Tag nach ihrem Vater und ich weiß mir keine Antworten mehr!

     

    Ich erwarte jeden Tag deine Antwort!

     

    In Liebe deine Schwester!

     

     

    Ich las die Zeilen noch einmal, dann ein weiteres Mal. WAS hatte diesen Iren bitte jetzt geritten, dass er so etwas tat?

    Zumal er auch MIR nicht gesagt hat, was er vorhat oder wohin er unterwegs war! Dieser Ungehorsam war für mich schon wieder ein Grund, seine Position noch einmal zu überdenken!

    Ich atmete tief durch und überlegte, was nun zu tun war. Doch ich kam zu keiner Lösung, wie auch? Der einzige Grund für seinen überstürzten Aufbruch ohne Meldung war, dass er diesen Gedanken nicht ertragen konnte, das Kind seines ehemals besten Freundes bei sich zu haben!

    Wenn ich ehrlich bin, es wäre mir auch nicht recht und ich konnte den Iren auch verstehen. Doch musste er deswegen seine ganze Familie im Stich lassen?

     

    Also antwortete ich. Doch was sollte ich sagen? Ich teilte ihr mit, dass ich keinerlei Einfluss auf diese Abreise hatte und auch nicht wusste, wohin ihr Mann unterwegs war. Ich erklärte aber auch, dass es sicherlich für ihn nicht einfach sei, diesen Konflikt jeden Tag vor Augen geführt zu bekommen.

    Er hatte damals seinem besten Freund den Tod gebracht und ich wusste, es war nicht leichtfertig, oft hatte er darüber Schuldgefühle! Das ist völlig verständlich! Auch das versuchte ich in meinen Zeilen unterzubringen.

     

    Für einen kurzen Moment überlegte ich, nach New York zu reisen um ihr beizustehen, doch ich wusste, dass ihr Vater mit anwesend war. Das sollte genügen und ich hatte hier eine Menge Arbeit, welche ich nicht unbeaufsichtigt lassen konnte. Zumal ja auch Caroline, laut ihrer Zeilen, mit anwesend war.

    Ich konnte nur hoffen, dass Shay bald zur Besinnung kam und wieder die Rückreise antreten würde. Doch innerlich schwor ich mir, ihn mir noch einmal vorzunehmen. Wie konnte er es wagen, einfach so zu verschwinden? Er hatte Verpflichtungen in seiner Position im Orden! Darüber würde ich mir dann später Gedanken machen.

     

    Der Bote nahm meine Antwort entgegen und ich hoffte, sie würde nicht gefühlte 20 Wochen unterwegs sein!

    Leider teilte mir Faith schon kurz darauf mit, dass ihr Mann immer noch nicht wieder zuhause sei und das machte mich zum einen wütend und stimmte mich umgekehrt traurig, er liebte Faith und seine Kinder!

    WARUM in drei Teufels Namen startet er so eine Reise?

     

     

    Kapitel 5

     

    *** Schiff in Sicht ***

     

    30. November 1762

     

    Vor drei Wochen war Jones zurückgekehrt und hatte seine Nichte, Zoe, im Schlepptau.

    Master Kenway, unsere Familie hatte einige Schicksalsschläge zu verkraften und meine Nichte hat leider niemanden mehr, der ihr geblieben ist. Hättet ihr vielleicht noch eine Stelle als Zimmermädchen oder ähnlichem für sie, dann wäre Zoe auch nicht so alleine und ich könnte auf sie aufpassen!“ kam es tatsächlich leise und höflich, ohne schleimerisch zu wirken, von ihm.

    Also gab ich diesem Mädchen eine Chance und es wurde mir überschwänglich gedankt, ein kleiner Rest Skepsis blieb jedoch in mir.

    Ich wusste immer noch nicht so recht, ob mein Kammerdiener mir die Wahrheit sagte!

     

    Mittlerweile war auch Master Cormac von seiner doch sehr unüberlegten Reise zurück. Jedoch ohne ein Wort, WO er war und warum er ohne uns allen Bescheid zu geben aufgebrochen ist!

    Das würde noch disziplinarische Folgen für ihn haben, auch wenn er aus überlaufenden Emotionen heraus gehandelt hatte. Dennoch ist es kein Grund seine Pflichten so dermaßen zu vernachlässigen!

     

    Ich erwachte heute aus einem sehr wirren Traum, welcher mir wieder Alex gezeigt hatte. Diese Momente häuften sich in letzter Zeit und auch dieses Gefühl, sie tatsächlich spüren zu können nahm zu, ich konnte es mir nur nicht erklären!

    Mrs. Wallace hatte das Frühstück fertig, wie jeden Morgen, als ich unten erschien und, wie immer, lächelte sie mich an, aber mit diesem Ausdruck, dass sie, wie ich auch, Alexandra vermisste. Konnte sie es nicht einfach lassen? Ich hatte genug damit zu tun, diese Sehnsucht zu unterdrücken!

    Ich nahm meine Post entgegen und fing an zu lesen! Es waren nur Händleranfragen, welche ich eh gleich beantworten würden.

     

    So verging mal wieder ein Vormittag wie jeder andere und gerade als ich nach dem Mittagessen wieder in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch saß, kam ein aufgeregter Bote hinein... er stützte sich kurz auf seine Knie, um wieder zu Atem zu kommen.

    Master Kenway... ihr... also... wir sollten doch... ein Auge... auf den Fluss haben...“ das dauerte mir zu lange... er stotterte und diese Pausen machten mich wahnsinnig.

    SPRECHT!“ kam es etwas zu laut von mir! Erschrocken sah der junge Mann zu mir auf.

    Verzeiht... Die Jackdaw ist vor wenigen Stunden in den James River eingefahren!“ in diesem Moment nahm seine Miene einen völlig freudigen Ausdruck an und ich befürchte, auch meine Gesichtszüge sahen so aus!

     

    Die Jackdaw! Die Brig meines Vaters war wieder da? Hatte das Warten wirklich JETZT ein Ende?

    In mir tobten zig verschiedene Emotionen... Freude, Unglaube, Angst, Trauer... es war erschreckend ehrlich gesagt!

    Oder war es wieder nur dieser Traum, in welchem alles in diesem schwarzen Nebel verschwand?

    Ich atmete kurz tief durch. „Seid ihr euch sicher, dass es die Jackdaw ist?“ fragte ich jetzt scharf.

    Sir, Master Kenway, wir sind uns sicher!“ er verbeugte sich erneut vor mir... langsam erhob ich mich und gab ihm ein paar Münzen.

    Ihr könnt dann jetzt gehen!“ meinte ich gedankenverloren.

     

    Warum ich in die Küche ging um Mrs. Wallace Bescheid zu geben, kann ich nicht sagen. Doch ich tat es.

    Sie ist wieder da!“ meinte ich nur und ich sah ein Leuchten in den Augen meiner Haushälterin, welche sich sofort umwandte und im Begriff war, ihren Mantel zu holen und gleichzeitig alle in der Küche anwies entsprechend das Essen und die Getränke vorzubereiten.

     

    Ich selber war immer noch völlig taub... es war nicht wirklich.

    Es war ein Traum, oder?

    Master Kenway, soll ich euch begleiten?“ fragte mich Sybill leise und ich nickte nur ohne ein Wort.

    Ich ging zu den Stallungen ließ meine Stute satteln und Mrs. Wallace nahm auf einem Karren Platz, welcher dann, wenn wir richtig lagen, das Gepäck meiner Verlobten aufnehmen sollte.

     

    Meine Hände zitterten, als ich die Zügel entgegen nahm... mein ganzer Körper war nicht mehr unter Kontrolle! Mein Geist war wie mit Spinnweben verstopft! War es die Aufregung?

    So eine Reaktion kannte ich nicht von mir, das war etwas völlig neues!

    Ich spornte mein Pferd an, ich wollte keine Sekunde zu spät kommen und nichts verpassen.

    WAS wollte ich nicht verpassen, noch würde die Jackdaw nicht in Sicht sein!

    Ich näherte mich der Anlegestelle und sah, dass sich bereits einige neugierige Menschen dort eingefunden hatten. Genau wie damals, als die Jackdaw in den Hafen von New York einlief! Wenn ich jetzt darüber nachdenke, kommt es mir wie eine Ewigkeit entfernt und unwirklich vor!

     

    Ich schlang meinen Mantel enger um mich, es hatte sich deutlich abgekühlt in den letzten Tagen und der Winter hielt regen Einzug.

    Ich sah den Fluss hinunter, doch noch war nichts von einem Schiff zu erkennen.

    Warum brauchten die auf einmal so lange?, fragte ich mich etwas ungehalten.

    Plötzlich rannte ein kleiner Junge auf die Menschenmenge zu und brüllte „Das Schiff ist fast da, Ma! Darf ich auch mal damit segeln? Oh bitte, Ma! Ich will das auch!“ der Kleine war völlig aus dem Häuschen und trieb mir ein breites Grinsen mit dieser Euphorie und Freude ins Gesicht.

     

    Und dann sah ich sie, mit den fast schwarzen Segeln, welche jetzt langsam alle gerefft wurden, damit die Jackdaw ihre Fahrt verlangsamen konnte. Ich trat von einem Fuß auf den anderen und war vermutlich hibbeliger als dieser kleine Junge!

    Langsam konnte ich auch die Mannschaft und Alex erkennen, mein Herz setzte für einen Moment aus!

    Sie war es wirklich und ich hoffte, dass es nun auch tatsächlich für immer sein würde! Jetzt konnte ich sogar ihr Gesicht richtig erkennen und sah, dass ihre Wangen nass waren. Auch sie war am Zittern, ihre Hände hielten sich krampfhaft an der Reling fest und dann erschien ein breites Lächeln auf ihren Lippen!

     

    Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich an Bord konnte und damit kam ich meiner Verlobten zuvor!

    Ich rannte regelrecht über die Laufplanke hinauf, ergriff sie und schwang sie herum, nur um sicher zu gehen, dass diese Frau sich nicht wieder in dunklen Nebel auflöste.

    Als ich sie wieder auf ihre Füße stellte, konnte ich nur ein atemloses „Du bist wieder da, mi sol!“ raus bringen.

    Ihre nächsten Worte waren genau das, was ich hören wollte und versetzten mich in Hochstimmung! „Wenn ich darf, würde ich jetzt gerne für immer bleiben!“ kam es leise aus ihrem Mund und was soll ich sagen, natürlich würde ich genau darauf bestehen und besiegelte es mit einem langen Kuss.

    Was hatte ich diese Frau vermisst, sie jetzt hier wieder im Arm zu haben, war wie eine Erlösung!

     

    Mit einem Male hörten wir Jubel und Applaus um uns herum, wenn ich ehrlich bin, ich hatte die ganzen Leute hier völlig vergessen. Man begrüßte Alex und beglückwünschte mich überschwänglich.

    Dann wanderte der Blick meiner Verlobten zu Mrs. Wallace und ich sah, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Langsam schritt sie auf meine Haushälterin zu und dann lagen sie sich in den Armen und schluchzten.

    Beizeiten musste ich Alex dringend erklären, dass Sybill eine Angestellte war, auch wenn sie damals für sie wie eine Freundin war!

     

    Ich ordnete jetzt an, die Mannschaft zum Gästehaus und die Truhen zum Herrenhaus bringen zu lassen, die Männer sollten sich noch aufwärmen können und würden sich vermutlich heute Abend dann verabschieden.

    Alex wollte sich noch einmal vergewissern, dass sie auch nichts hier vergessen hatte und ging in die Kajüte, ich folgte ihr.

    Sie hatte Wort gehalten und die Jackdaw auf den alten Stand zurückbauen lassen. Ich bestaunte die gute Arbeit, man könnte meinen, diese Brig sei gerade erst vom Stapel gelaufen! Mich interessierte, ob diese Umbaumaßnahmen sehr teuer waren, auch wenn ich meine Verlobte nicht mehr unterstützen konnte.

    Billig war es nicht, das stimmt. Aber ich musste auch noch einiges an Geld locker machen, um die Behörde zu bestechen, dass sie mir mein Schiff nicht stilllegen. Ich hatte es damals, glaube ich, erklärt, oder?“

    In ihrer Zeit galten sehr eigenartige Gesetze und Vorschriften und wie es mir schien, auch sehr sehr viele!

     

    Ich glaube, ich habe hier nichts vergessen, wir können dann los, mi amor. Ich bin so gespannt, wie du jetzt wohnst.“ ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, sie konnte mir nicht erzählen, dass sie nicht wusste, welches Anwesen ich mir gekauft hatte. Oder sah es im 21. Jahrhundert womöglich ganz anders hier aus?

    Meine Aussage, ich wohne bescheiden, erntete eine hoch gezogenen Augenbraue. Und mir fiel ein, dass ich mich noch bei ihr für den Vorschlag, mich in Virginia niederzulassen, bedanken musste und gab ihr deshalb einen langen Kuss.

    Ein tiefes Seufzen ließ mich grinsen und ich musste meine Verlobte daran erinnern, dass ich ihr zu erst einmal ihr neues Zuhause zeigte und wir für alles andere sicherlich danach noch Zeit fanden! Doch meine Hand landete wie automatisch auf diesem wohlgeformten Hinterteil und ich hatte ebenfalls Schwierigkeiten, mich zu beruhigen.

     

    Wir verließen nun gemeinsam die Brig und zwei Männer der Crew blieben noch als Wache zurück, nur zur Sicherheit, meinte Alex.

    Ein Arbeiter brachte mir mein Pferd und ich half meiner Verlobten in den Sattel, als sie sicher saß, stieg ich hinter ihr auf, schlang meine Arme um sie und ergriff die Zügel.

    Sie lehnte an meiner Brust und ihr Geruch stieg mir in die Nase, in diesem Moment fühlte ich mich wieder wohler in meiner Haut und auch sie entspannte sich sichtlich. Vorsichtig gab ich ihr einen Kuss auf ihren Hals und ein Schauer lief über ihren Körper, was mich freute, dann hatte sich nichts geändert zwischen uns!

     

    Auf meine Frage, wie lange sie in ihrer Zeit geblieben war, meinte sie „Etwa zwei Jahre. Genauso viele sind hier ja auch vergangen. Ich wollte kein größeres Ungleichgewicht haben, was mein Alter oder deines angeht.“ da fiel mir ein, ich hatte mich nie mit ihrem Alter beschäftigt, warum auch, doch es war mir gerade etwas unangenehm, als ich sie danach fragte.

    Alex war tatsächlich schon 46 Jahre alt, das würde man ihr nicht glauben! Unser Altersunterschied betrug demnach fast 9 Jahre, was für mich aber kein Problem darstellt, wenn ich ehrlich bin, profitierte ich ja ein wenig von ihrer Erfahrung.

    Darauf kam ein „So so, Master Kenway.“ in einem so lasziven Tonfall, dass ich eine Hand von den Zügeln nahm und meine Verlobte enger an mich zog und meine Lippen auf ihrem Hals niederließ.

    Wenn du so weitermachst, zerre ich dich gleich von dem Gaul und garantiere für nichts mehr, mi amor!“ Das war dann wohl mein Stichwort, dass wir uns beeilten und ich trieb meine Stute etwas an, damit meine Verlobte möglichst nicht erfroren in ihrem neuen Zuhause ankam.

     

    Wir näherten uns dem eigentlichen Anwesen und ich konnte auf dem Gesicht von Alex sehen, dass sie sich irgend etwas fragte und gleichzeitig in sich hineingrinste. Ihre Antwort war typisch für sie, sie fragte sich allen ernstes, wer Lust hat, diese ganzen Fenster zu putzen. Wie ich vermutete, SIE nicht und auch nicht viele andere Menschen, dafür hatte ich aber die entsprechenden Angestellten.

    Wahrscheinlich würde ich Alex noch eine Weile bei dieser Eingewöhnung helfen müssen, dieses Thema hatten wir ja schon einmal!

    Staunend stand sie jetzt auf der Veranda, nachdem Mr. Mackenzie mir mein Pferd abnahm und meinte leise, dass es wunderschön hier sei. Im Sommer würde sie es vermutlich noch um einiges schöner hier finden und mit ihr zusammen wäre es das perfekte Zuhause jetzt!

     

    War es wirklich so? Blieb sie jetzt für den Rest unseres Lebens an meiner Seite? Herr Gott noch eins, Alex ist keine so sprunghafte Person. Sie gehörte zu den bodenständigen Menschen, die von ihren Entscheidungen nicht so leicht abzubringen waren, also was machte ich mir Sorgen?

     

    Beim Eintreten nahm man ihr den Umhang ab und ich begann die Besichtigung ihres zukünftigen Zuhauses.

    Wie sollte es anders sein, das Lesezimmer wurde mit den Worten „Ich glaube, ich bleibe gleich hier, mi amor.“ schon fast in Beschlag genommen. Dabei hatte sie doch noch gar nicht den Rest gesehen!

    Als ich sie jetzt in den Wintergarten führte, stand Alex für einen Moment völlig überwältigt mitten im Raum und sagte keinen Ton. Selten, dass diese Frau sprachlos war!, grinste ich in mich hinein!

    Dann war der Rest an der Reihe, die erste Etage und ich machte den Vorschlag, sie solle den ungenutzten Raum auf der rechten Seite als ihr eigenes Arbeitszimmer einrichten. Somit konnte sie mir aus dem Weg gehen, sollte ich ihr auf die Nerven gehen.

    Ich hoffe, dass das sehr sehr selten vorkommen wird, mi amor.“ und in ihren grünen Augen lag dieser hungrige Glanz, welchen ich ebenfalls so vermisst hatte.

     

    Als wir dann die anderen kleineren Zimmer in Augenschein genommen hatten, kam die berechtigte Frage, ob diese ebenfalls für Gäste gedacht seien.

    Für einen Moment wusste ich nicht so recht, ob ich meinen Wunsch ehrlich aussprechen sollte, oder lieber noch damit warten sollte. Ich entschied, mit der Tür ins Haus zu fallen, Alex war da ja ähnlich.

    Nicht ganz, ... ich hatte eher an Kinderzimmer gedacht!“ meine Stimme klang irgendwie schüchtern und leicht krächzend, aber in ihren Augen las ich denselben Wunsch! DAS war mir Antwort genug, der Rest würde sich dann in den nächsten Monaten und Jahren ergeben!

     

    Mein, nein UNSER Schlafzimmer bestaunte sie ebenfalls, besonders das große Ankleidezimmer, in welchem gerade eines der Mädchen mit dem Verräumen ihrer Kleider und Wäsche beschäftigt war.

    Wie ich sah, hatte Alex ihre Garderobe ebenfalls in ihrer Zeit noch aufgestockt, was mich ehrlich freute.

    Sie gab mir damit das Gefühl, wirklich für immer hier bleiben zu wollen.

    Die Waffen hatte ich bereits in den Keller bringen lassen, da waren sie in der Waffenkammer sicherer als hier oben.

    Kapitel 6

     

    *** Die Besichtigung und der endgültige Abschied ***

     

    Ich führte meine Verlobte wieder hinunter in den Salon, wo bereits der Kamin angefeuert worden war und sie sich nun etwas aufwärmen konnte.

    Als sie an den Regalen mit den Büchern vorbei ging, fuhr sie ehrfürchtig über die Buchrücken, so als könne sie sie sonst aus Versehen zerstören.

    Frag mich nicht, warum ich so bin. Ich liebe es einfach zu lesen. Das gibt mir die Möglichkeit in ganz andere Welten einzutauchen und oft hole ich mir Inspiration für meine Geschichten zum Beispiel.“

    DAS war mir neu und meine Neugierde war geweckt!

    Es sind immer nur irgendwelche Oneshots von den Protagonisten aus Büchern oder Filmen! Oh, ach so... ich meine es sind Kurzgeschichten und was ein Film ist, hatte ich, glaube ich, erklärt.“

    Dieses mit den komischen bewegten Bildern aus einer Laterna Magicka hatte sie uns versucht näher zu bringen, verstanden hatte ich es aber immer noch nicht, es war einfach unvorstellbar!

     

    Wie sie jetzt so vor mir stand und zu mir aufsah, konnte ich nicht an mich halten und hob ihr Kinn an.

    Ich habe dich so vermisst, mi sol! Und als ich vorhin erfuhr, dass man die Jackdaw gesehen hatte, dachte ich erst, es ist wieder dieser Albtraum. In diesem sehe ich dich an Deck stehen und bevor ich zu dir kann, verschwindet alles in einem schwarzen Nebel. Verlass mich nie wieder, Alex. Bitte, versprich es mir!“ gab ich leise von mir, weil ich wieder die Befürchtung hatte, es könne doch alles nur ein Traum sein!

    Auch ich habe dich wahnsinnig vermisst, mi amor. In meinen Albträumen hast du mich einfach fallengelassen und ich stürzte in die Hölle. Aber ich verspreche dir, ich werde nicht wieder gehen. Weil... ich jetzt weiß, wo ich hingehöre und zu wem ich gehöre! Daran wird sich nichts mehr ändern!“ in ihren Augen glänzten Tränen und ihre Stimme war brüchig bei diesen Worten.

    Für einen Moment lagen wir uns in den Armen, dieser Friede senkte sich wieder über uns und ich konnte mich entspannen.

     

    Mrs. Wallace klopfte zögerlich und brachte uns Tee und, wie sollte es anders sein, Alex´ geliebten Kaffee!

    Ein Seufzen von ihr und ich konnte diese Frage nicht unterdrücken, was es mit diesem Kaffee und ihrer Person auf sich hätte!

    Keine Ahnung, ich liebe dieses koffeinhaltige Heißgetränk einfach. Und dich natürlich auch.“ Ihr ironischer Unterton war nicht zu überhören.

    Ich hatte diese Art der Konversation vermisst und konterte gespielt maulig, dass ich also „nur“ damit gleichgesetzt werden würde.

    Das ist eine Ehre für dich, mi amor. Das heißt nämlich, du stehst sehr sehr weit oben in meiner Gunst!“ über diese Aussage konnte ich nur grinsend den Kopf schütteln.

     

    Plötzlich kam Alex auf die Größe der Plantage und des gesamten Grundstückes zu sprechen. Ich versuchte mein Bestes und erklärte ihr ein wenig den Aufbau, zumal ich auch nachmessen müsste. Ungefähr 350 Hektar umfasste mein Eigentum insgesamt.

    Sie kam darauf zu sprechen, da sie nicht vieles aus den Unterlagen herauslesen konnte und es überlief mich ein kalter Schauer. Es war einfach immer noch befremdlich, dass Menschen in meinem Leben stocherten und, wie Alex berechtigter Weise anführte, nun auch in IHREM!

    Gerade als ich den Einwand brachte, ich hoffe, dass keine pikanten Details von ihr auftauchten, erschien einer der Diener und fragte, wohin mit der gesicherten Stahltruhe.

    Bringt die Truhe hinauf in das Arbeitszimmer auf der rechten Galerie, welches noch ungenutzt ist.“ Das freute mich, also fing sie an, sich einzurichten und würde wirklich bleiben. Ich weiß, ich wiederhole mich andauernd, doch es fühlte sich noch nicht richtig real an.

    Auch wenn ich sie jetzt neben mir sitzen hatte, ihren Geruch wahrnahm, ihre Präsenz und vor allem endlich wieder diesen Akzent hören konnte, war es noch nicht ganz in meinem Kopf angekommen!

     

    Gerade als ich sie auf ihre Nachforschungen ansprach, welche sie noch vor sich hatte, seufzte Alex nur tief und meinte „Haytham, in den letzten Jahren ist so viel passiert. Ich werde dir in den nächsten Tagen, vermutlich eher Wochen, alles erzählen. Es ist … einfach wahnsinnig viel und stellenweise auch ziemlich kompliziert gewesen!“

    Das war mir durchaus recht, wir bräuchten beide noch ein wenig Zeit, um uns an diese neue Situation zu gewöhnen!

    Heute würden wir nur das Wiedersehen ein wenig zelebrieren und um das zu tun, küsste ich sie innig und wie selbstverständlich legten sich ihre Arme um meinen Nacken. Mit einer schnellen Bewegung zog ich sie auf meinen Schoß und meine Hände bahnten sich ihren Weg unter die Röcke und ihre Oberschenkel hinauf.

     

    Alex´ Augen hatten diesen glänzenden Grünton angenommen und ihr Atem wurde schwerer.

    Ich ging davon aus, dass wir jetzt im Schlafzimmer ungestört sein sollten und ließ sie von meinem Schoß gleiten, nahm ihre Hand und führte sie einfach die Treppe hinauf!

    Als ich die Tür schloss, atmete ich erleichtert aus, es war niemand mehr hier. In diesem Moment konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen, hob Alex hoch und schob sie an die Tür.

    Etwas hektisch hatte ich ihre Röcke beiseite geschoben und meine Hose geöffnet, als ich jetzt in sie eindrang, war es genau der Moment, den ich so lange herbeigesehnt hatte. Ich entschuldigte mich für mein doch eher ruppiges Verhalten, aber für die Kleidung hatte ich gerade keine Zeit!

     

    Alex wurde zusehends lauter, ihre Bewegungen fordernder und ihre Hände in meinem Nacken zogen mich immer wieder zu ihrem Mund.

    Doch bevor ich mich ganz verlor, brachte ich uns zum Bett, konnte mich aber kaum noch beherrschen und als ich ihr befahl mich anzusehen, überkam sie ein Höhepunkt, welchen ich selber fühlen konnte und dann war es auch mit mir vorbei.

    Sie rief schon fast meinen Namen dabei und ich nahm sie mit schnellen Bewegungen und kam laut stöhnend an ihrer Brust.

    Wie hatte ich diese Frau, diesen Körper vermisst, bei diesen Worten ließ ich meine Hände über ihre Oberschenkel gleiten.

    Ich dich auch, mi amor. Und ich will mehr haben von dir!“ hauchte sie mir leise an meinem Hals und ich versank in ihren Augen, verlor mich erneut in ihnen!

     

    Als ich neben ihr lag und sie in meinem Arm, musste ich meine Angst loswerden und erzählte, dass ich es noch gar nicht wirklich begreifen kann, dass sie wieder an meiner Seite ist und jetzt für immer bleiben wird. Ich hatte einfach Angst davor, morgen aufzuwachen und alles wäre wieder beim Alten, solche Gefühle waren völlig neu für mich!

    Mir geht es genauso, auch ich habe diese Angst, dass es nur ein Traum ist. Aber ich bin fest davon überzeugt, wenn es nicht echt wäre, dann... also... ich... ich hatte ja schon so den einen oder anderen Traum... in dem ich... in dem wir...!“

    War sie plötzlich so schüchtern geworden?

    Ich wusste aber, was sie meinte und ich gab meine Gedanken in den einsamen Nächten preis, dass mir diese Bilder der letzten gemeinsamen Nacht immer vor Augen waren.

    Was ich jedoch jetzt hier hatte, gefiel mir weitaus besser und es war wesentlich befriedigender!

     

    Ich freue mich auf sehr viele befriedigende Nächte mit dir, mi amor!“ wie gerne wäre ich jetzt mit meiner Verlobten einfach hier oben geblieben, doch ihre Crew würde gleich erscheinen und noch zum Abendessen bleiben. Danach wollten wir sie verabschieden!

    Haytham, können wir nicht einfach sagen, du bist plötzlich krank oder so...“ da war sie, ihre so typische Art.

    Wir hätten später sicher noch genügend Zeit und ich scheuchte sie aus dem Bett mit meiner flachen Hand auf ihrem Po. Auch müsste Alex mir dringend die Haare in Ordnung bringen, sie hatte ein Talent dafür, Chaos anzurichten und das nicht nur bei meinen Haaren!

    Siedendheiß fiel mir dann wieder ein, dass ich ihr noch gar nicht ihren Kleiderschrank gezeigt hatte, in welchem die Kleider hingen, die wir damals im Mai in New York erstanden hatten!

     

    Ich schleifte sie hinter mir her ins Ankleidezimmer, öffnete die großen Türen und präsentierte ihr unsere Ausbeute voller Stolz!

    Daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht.“ kam es leise von meiner Verlobten und ihr Mund stand einfach offen, langsam fuhren ihre filigranen Finger über die Stoffe.

    Ich schlug ihr kurzerhand vor, sich doch umzuziehen, meine Hilfe wäre ihr auf jeden Fall gewiss!

    Ein Lachen von ihr und dann plötzlich war sie verschlossen, ihr Gesicht war kein offenes Buch mehr und das erschreckte mich im ersten Augenblick. Wer weiß, was sie insgeheim in ihrem Geiste plante für heute Abend?

    Nein, keine Sorge, ich dachte nur darüber nach, wie groß du eigentlich im Gegensatz zu mir bist.“

    Da hatte sie Recht und auch mir kam schon einmal dieser Gedanke, doch für mich war es völlig in Ordnung und im Scherz meinte ich, dass ich sie so leichter einfach verschleppen konnte, wenn ich wollte.

     

    Du darfst mich gerne jetzt und hier verschleppen, Haytham Kenway, tu dir keinen Zwang an.“ und dann fand ich meine Verlobte auf meinen Armen wieder, mit den Händen in meinem Nacken und ihren Beinen um meine Hüfte.

    Ihre Küsse waren berauschend und ich ließ mich davon treiben, brachte uns hinüber ins Schlafzimmer.

    Auf dem Weg dorthin, befreiten wir uns noch von unseren Sachen, aber nicht ohne dieser Frau noch einmal zu sagen, sie sei unmöglich. Aber sie war MEINE Frau!

    Alex öffnete sich wie von alleine für mich und ihre Hingabe war so erregend wie wohltuend. Sie nahm mich auf, ihre Arme über ihrem Kopf hielt ich fest und mit der anderen Hand umklammerte ich ihren Oberschenkel.

    Ohne Widerworte, tat sie, was ich befahl, Alex ging in diesen Momenten völlig in sich und konnte sich fallen lassen. Es war faszinierend und als sie dieses Mal über die Schwelle ging, hörte ich nur ein leises „Haytham!“, welches mich selber hinüber begleitete und ich atemlos an ihrem Hals lag!

     

    Leider wurden wir durch Stimmengewirr von unten in die Realität, welche sich immer noch nicht so für mich anfühlte, gerissen.

    Ich liebe dich, Haytham!“ und ihre Hand lag warm auf meiner Wange, ihre Augen ließen mich wieder darin eintauchen!

    Ich liebte diese Preußin ebenfalls, dass es schon fast wehtat!

    Etwas widerwillig standen wir beide auf, wir konnten die Herren schlecht so lange unten warten lassen.

    Während sie sich überlegte, was sie tragen sollte, fing auch ich an mich einzukleiden. Nachdem ich Alex noch erklärt hatte, dass sie hier zuhause selber entscheiden konnte, was sie trug, nahm sie zu meiner Freude das schwarze Seidenkleid mit den silbernen Stickereien heraus.

     

    Für einen Moment sah ich ihr beim Anziehen zu und meinte dann, sie bräuchte dringend ein Zofe, für heute würde ich ihr aber noch helfen.

    Diese Arbeit des Korsettschnürens übernahm ich gerne, so konnte ich ihr sehr ansehnliches Dekolleté bewundern, welches sich bei jedem Millimeter weiter hob. Nein, ich würde keinen Platz lassen, das war damals nur eine Ausnahme!

    Na gut, aber... bitte... lass mir wenigstens... Luft zum... Atmen!“ Darauf konnten wir uns einigen, doch ich ließ meine Finger über diese weiche Haut im Ausschnitt gleiten, welche jedoch sofort weggeschlagen wurden mit den Worten „Nein, später, mi amor!“ ich würde sie beim Wort nehmen und nicht nur das!

     

    Alex war fertig angezogen und ich muss sagen, ihr Anblick in diesem Kleid war mal wieder atemberaubend! Ich ließ meinen Blick anerkennend über sie gleiten und meine Gedanken schweiften umgehend ab. Gerade als meine Verlobte hinter mir stand um meine Haare in das Band zu bekommen, musste ich wieder schmunzeln, dieser Ausdruck auf ihrem Gesicht dabei war einfach seltsam.

    Was denn, Haytham. Du weißt, ich liebe es, in deinen Haaren zu wuseln.“ grinste sie mich an und ergriff eine Strähne, sah etwas ungläubig darauf und hielt sie mir mit den Worten vor die Nase

    „Mi amor, du hast ja graue Strähnen plötzlich.“ Kein Wunder, wenn man eine solche Frau sein Eigen nennen darf, auch wenn ich sie vermisst habe, ihre doch recht anstrengende Art mitunter! Gerade als wir das Schlafzimmer verließen, kam uns Zoe entgegen um dort aufzuräumen. In ihrem Blick, welchen sie Alex zuwarf, konnte ich Wut sehen, doch sie knickste höflich und verschwand dann.

     

    Auch meiner Verlobten war dieser Blick nicht entgangen und sie fragte nach, WER das war, in ihrem Gesicht konnte ich sehen, dass Alex nicht wirklich einverstanden mit dieser Person war. Sie beließ es aber dabei!

     

    Unten angekommen, war die 15köpfige Crew im Salon bereits versammelt und sie unterhielten sich über, ja, ich verstand nicht WORÜBER genau! Rafael bemerkte uns als erster und dann sahen alle zu uns und ihre Blicke blieben auf Alex geheftet mit offenem Mund. Sie sah in diesem Licht tatsächlich ziemlich beeindruckend aus, was den Männern nicht entging und mir entgingen ihre Gedanken nicht. Nachdem man sich bekannt gemacht hatte, wurde noch Wein und Ale gereicht, bis das Essen fertig war. Das Küchenpersonal musste innerhalb kürzester Zeit improvisieren und für so viele zusätzliche Mäuler ein Essen auf den Tisch bringen. Ich war zuversichtlich, es war nicht das erste Mal, dass Mrs. Wallace so kurzfristig mehr als nur einen Gast bewirten musste.

     

    Während des Essens hatte ich eine interessante Diskussion mit dem „Navigator“, so hatte Alex ihn betitelt, bezüglich alter Seekarten und Gewässerbeschreibungen. Seine Neugierde kannte keine Grenzen, genauso wenig wie meine und ich fragte ihn nach allen möglichen Kleinigkeiten aus, was die Seefahrt im 21. Jahrhundert anbelangte. Auch wenn ich nicht alles verstand, war es sehr aufschlussreich. Mit halben Ohr bekam ich mit, wie meine Verlobte den Smutje zurechtstutzte, weil er zu viele Lebensmittel an Bord genommen hatte. Ihr Mentor sei nicht davon begeistert, hörte ich sie ziemlich aufgebracht noch sagen!

     

    Irgendwann war es dann aber soweit und wir begaben uns wieder hinüber in den Salon. Rafael stand völlig unschlüssig im Raum und sah Alex traurig an, dann auf diese Reiseartefakte. Mit einem Male zog er seine beste Freundin in eine Umarmung und ich hörte ihn murmeln „Alex, ich lasse dich nicht gerne hier alleine! Ich habe Angst, dass es dir vielleicht nicht gut gehen wird, oder das... verdammt, ich habe Angst um dich und ich vermisse dich doch jetzt schon!“ Alex lehnte weinend an seiner Brust „Rafael, bitte... mach es mir nicht noch schwerer. Yannick hat mich schon fast zum Zweifeln gebracht. Und vergiss nicht, ich werde euch auf dem Laufenden halten!“ in diesem Moment wurde mir bewusst, WAS meine Verlobte auf sich nahm, um hier zu sein. Für einen kurzen Augenblick fühlte ich mich wie ein egoistischer Bastard, welcher nur seine eigenen Ziele vor Augen hat und welchem alles andere völlig egal war.

     

    Es war der erste Maat, welcher mich aus diesen Gedanken holte. Master Kenway, passt bitte gut auf meine beste Freundin auf und sollten mir Klagen kommen...“ mit ruhigem Gewissen konnte ich ihm sagen, dass er nichts dergleichen hören würde von ihr, ich würde alles für meine zukünftige Frau tun, damit es ihr gut ginge. Noch einmal, dieses Mal etwas eindringlicher, wurde Alex gefragt, ob sie sich sicher mit den Artefakten sei! Ein vorsichtiges Nicken und man aktivierte diesen Spiegel, durch welchen nun die Mannschaft nach und nach schritt. Zum Schluss stand Rafael noch davor, ging auf meine Verlobte zu und gab ihr noch einen Kuss! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass die beiden vor langer Zeit einmal ein Paar gewesen sein müssen. Dann war auch er wieder im 21. Jahrhundert und der Spiegel schloss sich langsam.

     

     

    Kapitel 7

     

    *** Unser gemeinsames Leben beginnt ***

     

    In Alex´ Gesicht spielten sich wieder ganze Romane ab und mit einem lauten Aufkeuchen, sackte sie plötzlich auf die Knie und fing an, bitterlich zu weinen.

    Ohne etwas zu sagen, kniete ich mich zu ihr und hielt sie fest, mehr konnte ich nicht tun und hoffte, sie so ein wenig trösten zu können. Langsam wurde sie ruhiger und als ich meinte, dass sie wusste, dass Rafael gehen würde, unterbrach sie mich.

    Das ist es nicht alleine, Haytham. Es ist einfach diese Tatsache, dass ich wirklich hier bin und bleibe. Ich habe im Moment keine Möglichkeit mehr, selber zu reisen! Es macht mir Angst, zugleich bin ich aber froh hier zu sein. Das Ganze verwirrt mich gerade, halt mich einfach fest, ja?“

    Diese Frau hatte alles aufgegeben in ihrer Zeit, um hier ein neues Leben anzufangen und wieder keimte in mir ein schlechtes Gewissen auf, ich war unter anderem daran schuld!

     

    Eine gefühlte Ewigkeit verbrachte ich hier mit meiner Verlobten auf dem Boden, bis es mir zu kalt wurde und ich spürte, dass auch Alex fror.

    Langsam hob ich sie hoch und trug sie vor den Kamin auf das Sofa, ich hatte die Befürchtung, sie könnte sich noch erkälten!

    Mrs. Wallace erschien kurz darauf, nachdem ich nach ihr gerufen hatte, ihr Blick glitt von mir zu Alex und wurde mitfühlend.

    Mrs. Frederickson, ihr seid hier nicht alleine und verzeiht meine direkte Art, auch ich bin für euch da.“

    Ja, das würde sie sein, dachte ich nur. Alex hatte sich etwas gefangen und meinte, Sybill sei ein Schatz und bat sie um den guten Rum, aber nicht ein Glas, sondern die Flasche.

    Als meine Haushälterin lächelnd gegangen war, erinnerte ich sie noch einmal daran, dass Mrs. Wallace eine Angestellte war und sie auch so zu behandeln sei.

    Das weiß ich, Haytham, aber Sybill hat mir damals sehr geholfen und mir beigestanden. Sie ist wie eine gute Freundin. Das wird sie bleiben, ob es dir recht ist oder nicht.“

    Und genau das war es, was mir Sorge machte. Konnte Alex Freundschaft und Arbeit so trennen? Ich konnte es nur hoffen. Ich bat sie, es nur nicht zu übertreiben in Gegenwart der anderen Diener und Angestellten.

    Ich gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn und sie lehnte sich wieder an mich.

     

    Mit dem Glas in der Hand, starrte Alex für einen Moment in den Kamin und fragte mich dann plötzlich nach meinen Plänen für meinen Geburtstag.

    Wenn ich ehrlich sein darf, in diesem Moment hätte ich gerne alles abgesagt, jetzt wäre sie das allererste Mal bei mir an diesem Tag und ich würde ihn gerne mit ihr alleine verbringen.

    Doch ich hatte ein Essen mit ein paar Geschäftspartnern und Nachbarn geplant, nichts wirklich Großes versicherte ich ihr, weil ich schon wieder Panik in ihren Augen aufsteigen sah! Diese schlug im selben Moment in Enttäuschung um und ich ahnte, warum.

    Ich konnte sie aber aufheitern, wir würden Weihnachten zu Faith und Shay reisen und einige Wochen dort bleiben, die Familie hatte mich eingeladen und ich ging davon aus, sie freuen sich sicherlich auch über Alex! In ihrem Gesicht erschien ein wunderschönes Strahlen.

     

    Das hört sich großartig an. Ich freue mich so, sie alle wiederzusehen. Ich habe sogar etwas für die beiden, was ich ihnen schenken kann zu Weihnachten!“

    Meine Neugierde siegte und ich fragte nach, doch es muss etwas in meiner Stimme gewesen sein, was Alex antrieb, mir zu sagen, dass sie auch etwas für mich hätte, jedoch nicht wusste, ob ich es bereits zum Geburtstag oder erst zu Weihnachten bekommen sollte.

    Ich lächelte in ihr mittlerweile leicht vom Rum gerötetes Gesicht und meinte nur, ich könne auch bis dahin warten, mein Präsent zum Geburtstag säße neben mir mit ein wenig zu viel Rum im Magen!

    Er ist aber so lecker und er wärmt mich. Du hast gesagt, dass ich mich aufwärmen soll...“ hörte ich sie mit schwerer Zunge sprechen und in meinem Kopf hatte ich bereits eine Vorstellung davon, wie ich diese Frau auf einem gesünderen Weg wieder aufwärmen konnte.

    Als sie mir in die Augen sah, spürte ich diesen Schauer, welcher über ihren Körper ging und wie lautlos befohlen, stellte sie ihr Glas beiseite und umschlang mich mit ihren Armen. Ihr Kuss schmeckte nach dem Rum, aber dieses Verlangen brachte mich fast um den Verstand!

    Diese Art des Wärmens würde ich gerne einmal in Anspruch nehmen, Master Kenway!“ und da war auch wieder diese Betonung meines Namens, welche meine Gedanken in die Gosse zog.

     

    Mit den Worten, dass ich ihr dann jetzt diese Methode näher bringen werde, stand ich auf, zog sie auf ihre Beine und gemeinsam gingen wir hinauf.

    Ich schloss leise die Tür hinter uns und fing an, sie aus ihrem Kleid zu holen. Ich wollte ihren Körper ganz haben, ihn vollends spüren können und als ihre Strümpfe als letztes auf dem Boden landeten, trug ich sie ohne ein Wort vor den Kamin. Ich hatte bereits angeordnet, ihn ordentlich zu befeuern, ich wollte diese Frau nicht frierend sehen!

    Ich kniete auf dem Boden hinter ihr und sie lehnte an mir, langsam fuhren meine Hände über ihren Hals, ihre Brüste hinab zu ihrer empfindlichsten Stelle und damit entlockte ich ihr ein wohliges Stöhnen.

     

    Ich drückte sie vor mir nach unten und hielt meine Hand fest in ihrem Nacken, so einfach würde ich sie jetzt nicht davon kommen lassen.

    Die erste Lektion in ihrem neuen Leben war, wie man sich den Angestellten gegenüber verhielt. Meinen Worten folgten meine Bewegungen in ihr und ich fühlte meinen Höhepunkt immer näher kommen!

    Ich zog Alex wieder hoch und presste mich an ihren Rücken und versicherte ihr mit stockendem Atem, dass sie noch eine Menge zu lernen haben wird. Und ich kam! Es war hart aber eine Notwendigkeit und ich konnte ihren Schweißfilm auf dem Rücken an meiner Brust fühlen und versuchte mich an ihr festzuhalten, bis diese Muskelanspannungen langsam weniger wurden.

     

    Meine Finger fanden wieder ihren Weg zwischen ihre Schenkel und es dauerte nicht lange, da griff meine Verlobte Halt suchend meine Oberschenkel und kam ebenso heftig!

    Es dauerte eine Weile, bis wir uns wieder beruhigt hatten, doch ich hatte sie immer noch vor mir auf dem Schoß und meine Arme hielten sie umschlossen, ihr Kopf ruhte an meiner Schulter.

    Mir wurde es aber dann doch etwas zu unbequem und ich trug sie zum Bett und deckte uns zu.

    Bei Odin, Haytham... ich habe dich und deine Lektionen vermisst!“

    Ich versicherte ihr, dass ich noch so einige auf Lager hatte und sie einige Nächte noch vor sich haben würde. Sie warf mir einen mehr als lüsternen Blick zu und tief in mir freute ich mich auf die kommenden Tage und Nächte mit ihr!

     

    Gerade als Alex aufstehen wollte, weil sie sich etwas zu trinken holen wollte, erklärte ich ihr die neueste Errungenschaft in diesem Haus.

    Es gab einen Klingelzug, welcher in fast jedem Raum angebracht war und die Dienerschaft rief!

    Kurz darauf erschien Zoe und ihr Blick verdüsterte sich, als sie uns beide sah. Zähneknirschend brachte sie nur die Frage hervor, was wir wünschten und ich hatte dieses Déjà-vu im Kopf mit Alex im Fort George während meiner Gehirnerschütterung damals. Meine Verlobte bat in einem neutralen ruhigen Ton um einen Tee.

    Sehr wohl, Mrs. Frederickson!“ kam es dann doch etwas zu schnippisch für meinen Geschmack. Ehe ich etwas sagen konnte, war Zoe aber schon wieder aus dem Zimmer verschwunden!

     

    Haytham, sie ist mir nicht geheuer. Ehrlich gesagt, habe ich Angst, sie könnte mir etwas in den Tee kippen oder sonst etwas tun.“

    Ich nahm einen ängstlichen Unterton in ihrer Stimme wahr und sah sie nur fragend an.

    Erinnerst du dich noch an diese Justine? Die bei Shay für Ärger gesorgt hatte? Vorhin schon dachte ich mir, dass sie etwas seltsam ist. Faith hatte damals mal den Vorschlag gemacht, man solle die neuen Zimmermädchen einem … eher unkonventionellen Test unterziehen.“ Justine, ja an diese Schnepfe konnte ich mich noch sehr gut erinnern! Sie war diejenige, welche meine kleine Schwester vor einigen Monaten der Hexerei beschuldigt hatte. Doch ich behielt das vorerst noch für mich, ich wollte nicht gleich am ersten Tag mit solch schlechten Nachrichten beginnen.

     

    Ich konnte mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass Zoe irgendwelche Gefühle für mich hätte oder mir sogar nachstellen würde. Ich hatte ihr nicht einmal einen Anlass dafür gegeben, sicherlich ich wohnte hier alleine... Natürlich, Zoe ging vermutlich davon aus, dass ich auf der Suche nach einer Frau war, von meiner Verlobten hatte ich vor ihr noch nicht gesprochen!

    Also schien das Zimmermädchen eifersüchtig zu sein, interessant, doch ich kam jetzt auf diesen Test zu sprechen, das interessierte mich jetzt brennend und ich hoffte, dass ich nicht zum Äußersten gehen musste.

    Du glaubst doch nicht, dass ich zulasse, dass du... also, nein. Kommt gar nicht in Frage. Wir hatten überlegt, dass … also … wenn ein neues Mädchen eingestellt werden soll, dass... in diesem Falle DU, sie testest, in dem... nun ja... du dich etwas freizügig ihr zeigst?“ mir entglitten alle Gesichtszüge vermutlich und ich starrte sie ungläubig an.

     

    Wie kommt man bitte auf so eine Idee?

    Ihre Erklärung folgte prompt und ich wusste im ersten Moment nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll!

    Es war Shay damals, welcher sich ihr ohne Hemd gezeigt hatte, gerade als sie im Fort Arsenal angefangen hatte und dabei war, sein Bett zu machen. Ich konnte sehen, dass es Alex mehr als unangenehm damals gewesen ist, heute wäre die Sachlage vermutlich etwas anders, doch ich schweife schon wieder ab.

    Im Gespräch nach dem Kampf mit Faith im Appel Pie, kamen die beiden auf eben diesen Moment und beschlossen, so die neuen Zimmermädchen zu testen.

    Die beiden Frauen hatten dann aber noch ganz andere Gedanken hinsichtlich uns Männern gehabt und daraus war diese Nacht entstanden, welche ich sehr genossen habe!

    So ist das also, wenn die beiden alleine sind, aber im Grunde harmlos, darüber waren Shay und ich uns schon einig.

    Ich hätte es wissen müssen, dass auch ihr Männer kleine Klatschbasen sein könnt.“ kicherte sie jetzt.

     

    Es klopfte und Mrs. Wallace trat ein, reichte Alex den Tee und ich verabschiedete sie für die Nacht.

    Meine Verlobte nahm sichtlich erleichtert den Becher entgegen und wünschte ihr ebenfalls eine gute Nacht.

    Für einen Moment ließ ich sie trinken und sah, dass es ihrem Hals mehr als gut tat, was musste sie auch immer so laut sein, wenn wir miteinander schliefen.

    Auf meine Frage hin, WANN ich diesen Test machen sollte, erwiderte sie nur „Je früher desto besser, denke ich. Dein Geburtstag wäre ein idealer Zeitpunkt, an diesem wird sie sicher ihre Chance sehen, sich bei dir Lieb-Kind zu machen! Bitte sie, eines deiner Hemden zu flicken oder zu bügeln oder ähnliches und wenn sie im Ankleidezimmer erscheint, dann... du weißt ja, wie man Frauen um den Finger wickeln kann, mi amor. Mir hast du es ja auch gezeigt!“

    Moment, das war ja wohl etwas ganz anderes und mir kam der Gedanke, was passiert wenn Zoe auf meine Avancen ansprang? Ich hätte es mir denken können, Alex´ Eifersucht kannte dort keine Grenzen, sie würde in der Nähe bleiben und einschreiten wenn nötig!

     

    Ich kann es immer noch nicht glauben, dass du solche Vorschläge hast! Du würdest dich gut als Templerin machen, mi sol.“ diese Aussage bereute ich sofort! „Entschuldige, du weißt wie ich das meine, oder?“ ich zog ihr Gesicht zu mir und sah ihr in die Augen.

    Ja, ich weiß wie du es meinst... und ich weiß auch, dass ich gerade ziemlich in der Luft hänge. ... zu welcher Seite zähle ich hier?“

    Darauf hatte ich ebenso wenig eine Antwort, wie sie selber und ich seufzte völlig resigniert. Sie war weder das eine noch das andere gerade, doch ich beschloss, dass das ein Thema für die Zukunft sein würde und als der Tee alle war, löschte ich die Kerzen und zog Alex zu mir.

    Ein leichtes Zittern fuhr durch ihren Körper und ich fragte, ob sie immer noch frieren würde, in der Hoffnung sie noch einmal wärmen zu können. Ich schien diese Körpersprache aber falsch gedeutet zu haben zu meinem Leidwesen.

    Nein, ich dachte nur gerade, dass jetzt mein neues Leben beginnt und... irgendwie bin ich aufgeregt.“

    Ihre warmen Lippen küssten meine Brust und ich spürte ihren ruhiger werdenden gleichmäßigen Atem auf meiner Haut.

     

    Nicht nur ihr neues Leben begann! Auch meines und ich freute mich auf die Zukunft mit meiner Verlobten, meiner zukünftigen Frau!

     

    Kapitel 8

    *** Erstaunliche und zum Teil unfaire Fähigkeiten ***

    1. Dezember 1762



    Mein Traum hatte mich wieder meine Verlobte sehen und auch spüren lassen. Erschrocken fuhr ich hoch, weil ich neben mir eine Bewegung wahrnahm.
    Als meine Augen sich an dieses Zwielicht gewöhnt hatten, nahm ich die Umrisse von ihr wahr, sah ihren Körper unter der Decke sich gleichmäßig mit jedem Atemzug bewegen. Ich hatte es nicht geträumt, es war auch keiner dieser Albträume!
    Alexandra war wirklich wieder hier! Damit ich sie nicht aus ihren Träumen riss, sank ich langsam wieder zurück in die Kissen und sah ihr, wie damals schon so oft, beim Schlafen zu.

    Plötzlich begann sich meine Verlobte zu bewegen und schien sich aus einem Griff befreien zu wollen oder aus Bettdecken... auf jeden Fall trat sie mir mit aller Wucht gegen mein Schienbein und mir entwich ein lautes „Aua!“, es tat wirklich weh, wer konnte ahnen, dass diese kleine Person so fest treten konnte!
    Ich musste dennoch grinsen und wünschte auch ihr einen guten Morgen, mit der Bitte mich doch das nächste Mal anders zu wecken!
    Zuerst sah ich Verwirrung in ihrem Gesicht, dann Erstaunen und dann... bekam ich ihre volle Euphorie zu spüren. Sie sprang förmlich auf mich drauf und übersäte mich Küssen und den Worten
    „Du bist wirklich hier, ich bin wirklich hier! Es war kein Traum!“ Ich konnte nur erwidern, dass ich mich ebenso freute und drehte sie unter mich. „Haytham... ich... könnte gerade wieder einfach heulen! Ich dachte, ich hätte das alles nur geträumt!“
    Ihre Hände legten sich auf meine Wangen und diese grünen Augen füllten sich langsam mit Tränen.
    Also versicherte ich meiner zukünftigen Frau, dass es KEIN Traum war und ich dies bezeugen konnte aufgrund des doch sehr schmerzvollen Trittes. Da war doch tatsächlich ein schlechtes Gewissen in ihren Gesichtsausdruck getreten!

    In diesem Moment war plötzlich etwas anders, es war, als könne ich ihre Gedanken förmlich vor mir sehen und wir wurden beide still. Nur unser Atem war noch zu hören, langsam hob ich ihre Arme über den Kopf und sagte mit kratziger Stimme „Ich will dich lesen, Alex, öffne deinen Geist...“
    Woher ich wusste, WIE ich es tat, erschloss sich mir in diesem Moment noch nicht. Auch wusste ich nicht, warum wir mit einem Male so intensiv kommunizierten. Gesprochene Worte waren plötzlich nicht mehr von Nöten, ich wusste, dass mich Alex wollte, ebenso dass sie mich gewähren ließ ohne wenn und aber!
    Ich ließ diese Frau jetzt genauso in meinen Kopf eindringen, ließ sie mich erkunden, auch wenn sie bereits wusste, WAS ich wollte und wie meine Wünsche und Vorlieben aussahen!

    Wir waren mehr als Eins! Wir gingen tatsächlich noch einen Schritt weiter um den anderen besser zu verstehen und analysieren zu können. Was ich in ihrem Geist sah, war wirklich unanständig gerade, ich wusste aber, dass es in mir nicht anders aussah, ich ließ sie aber weiter in mir lesen und in diesen grünen lüsternen Augen sah ich, dass sie bereit war für diesen neuen Schritt!
    Es war eine Ebene, so nannte es Alex, welche wir für uns schufen. Dort konnten wir unter uns sein und es würde niemand jemals diesen Bereich ergründen können, er war wie ein gesicherter Raum.
    Jetzt verstand ich auch, wie meine Verlobte sich komplett abschotten konnte. Sie ging in einen gesicherten Bereich und schloss die Tür im Geiste! Diese Erkenntnis war so befreiend für mich, dass ich mich noch ein kleines Stück mehr fallen lassen konnte!

    Noch herrschte zwischen uns nicht völlige Harmonie, nicht diese oft zitierte perfekte Symbiose, doch wir hatten einen Grundstein gelegt und ich fühlte mich freier als je zuvor mit ihr in meinen Armen!
    Mit einem Male spürte ich nur noch diese Erlösung und sah Alex fragend an und sprach diese verwirrenden Gedanken aus.
    „Das ist diese neue Ebene, Haytham. Wir … brauchen eine andere Kommunikation... Wenn ich an deiner Seite sein soll, dann muss das oft ohne Worte passieren. Wir müssen uns blind aufeinander verlassen können.“ erst langsam kam sie wieder zu Atem, genau wie ich auch.

    Plötzlich hörte ich die Stimme meines Vaters...
    „Ignoriert mich einfach! Ich bin nicht wirklich hier, aber Alex... du weißt, diese Art des Redens ist essenziell! Gerade in heiklen Situationen.“
    Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, als würde er sich von ihr verabschieden!
    „Nein, das glaube ich nicht. ... er wird da sein. Er hat es dir ja auch versprochen. Er lässt mir nur ein wenig mehr Freiraum für meinen Geist... also... du weißt... er muss ja nicht alles sehen!“ grinsend musste ich mir eingestehen, dass mir das auch lieber war!

    Ich lag mit Alex einfach noch eine Weile so da und wir genossen diese Nähe, diese Zweisamkeit, auf welche wir in den letzten beiden Jahren verzichten mussten.
    „Ich platze mal wieder völlig unangemeldet in dein Leben, entschuldige! Was hast du heute noch zu erledigen?“ mit diesem Themenwechsel riss Alex mich aus meinen Gedanken und mir wurde wieder bewusst, dass sie wusste, dass es einen Alltag gab, in welchen sie, wie sie richtig bemerkte, platzte!
    In mir wuchs ein wenig Stolz auf diese Frau, sie wusste nämlich, dass es nicht einfach so ein Besuch war, sondern sie veränderte etwas.
    Dieser Gedanke war mir bei unserer ersten Begegnung nicht gleich gekommen, doch später wurde mir bewusst, dass sie nicht leichtfertig diese Reisen machte.
    Ich erklärte ihr ein wenig meinen Tagesablauf und auch, da jetzt Winter war, wir hier nicht wirklich Arbeit hatten. Bis auf die üblichen Korrespondenzen und Belange der Pächter und Arbeiter!
    Ich würde aber ihre Unterstützung begrüßen, Alex musste noch den Angestellten und … eigentlich musste ich meine Verlobte jetzt erst einmal vorstellen, ganz allgemein! Und ich würde es mit Stolz tun, auch wenn es sich überheblich anhören mag, doch es war so. Ich war stolz eine solche Frau an meiner Seite zu haben, welche sich durchzusetzen vermochte, welche mich unterstützte und... welcher ich blind vertrauen konnte. Ich würde für Alexandra durch die Hölle gehen!

    Als sie mich nun bat, ihr das ganze Anwesen zu zeigen, damit sie einen Überblick hatte, wusste ich im ersten Moment nicht, ob sie mich foppen wollte.
    Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass gerade ALEX sich nicht vorher ausgiebig schlau gemacht hatte. Nein, das würde ihre Neugierde nicht zulassen... doch sie versicherte mir, dass sie nicht immer so wissbegierig war und sich auch durchaus auf Überraschungen einlassen konnte. Wer es glaubt, wird selig, oder wie heißt es so schön?
    Sie wusste also, wie meine Plantage in ihrer Zeit hieß, sie wusste, wohin sie segeln musste... mehr wollte Alex vorher nicht in Erfahrung bringen.
    „Danke, Master Kenway, ich bin nicht immer so neugierig...“ provozierte sie mich mit diesen Worten und dieser Art, wie sie meinen Namen aussprach?
    Bei Gott, diese Frau würde mich noch einige Jahre um den Verstand bringen und mir noch mehr graue Haare bescheren!

    Das Frühstück war für mich das erste Mal seit Monaten entspannend und ich sah Alex dabei zu, wie sie völlig versonnen diesen Kaffee in sich aufnahm. Ich würde es vermutlich nie verstehen, sie versicherte mir aber, dass ich genügend Erklärungen bekommen könnte, wenn ich denn wollte. Ich lehnte dankend ab und aß mit Heißhunger mein Frühstück nach dieser Nacht!

    Es war an der Zeit Alexandra in die Arbeiten und Gepflogenheiten der Plantage einzuweisen.
    Auch würde ich ihr noch das Anwesen im Ganzen zeigen müssen. Doch fürs erste gingen wir in die Stallungen, ich hatte noch zwei Neuzugänge an Pferden zu vermelden. Mittlerweile besaß ich 6 dieser majestätischen Tiere und war stolz darauf, ich muss ehrlich sagen, ich liebte sie. Hier hatte ich die Möglichkeit, meine kleine Leidenschaft für diese Tiere auszuleben!
    Wir betraten den Stall und Mr. Mackenzie verwickelte mich sogleich in ein Gespräch, es ging um die Futterreserven, welche zur Neige gingen und ich bat ihn, später dann zu mir, damit wir die Bestellungen noch einmal durchgehen konnten.

    Aus den Augenwinkeln sah ich, wie meine Verlobte meinem neuesten Zugang über die Nüstern strich und einen völlig abwesenden Blick inne hatte dabei.
    Mit den Worten, dass sie aufpassen sollte, weil dieser Hengst nicht ganz einfach war und oft einfach schnappte, dachte ich, würde sie von ihm ablassen.
    Mit Erstaunen sah ich aber, dass er einfach völlig ruhig dastand, keine Bewegung, es schien, als konzentrierte dieser Hengst sich auf die Gedanken von Alexandra. Meine Verlobte fragte, was das für eine Rasse war, sie würde sich nicht auskennen und wir gaben ihr die entsprechende Einweisung.
    Es war ein Friese, welchen ich erst vor kurzem von einer anderen Plantage erworben hatte und welcher auch noch keinen Namen hatte. In diesen grünen Augen lag plötzlich ein völlig entzücktes Leuchten, welches ich noch nie bei Alex gesehen hatte. Ich entschied, dass sie diesem Hengst nun einen Namen geben sollte und dann sollte er ihr gehören!

    Meine Verlobte sah für einen Moment in die Augen des Tieres und ich hörte ein leises „Fenrir! Und ich weiß, es ist eigentlich Lokis Wolf... aber, er hat eine sehr ähnliche Ausstrahlung!“ Der Wolf meiner Frau
    Nun war es aber an mir und Mr. Mackenzie, meiner Verlobten zu erklären, warum er noch keinen Namen hatte. Es war eher unüblich, jeder gab den Pferden einen eigenen Namen und so wurden sie auch weiter gegeben und verkauft. Es gab nicht immer einen Stammbaum.

    Alex´ Erklärung war wieder einmal völlig unverständlich. In ihrer Zeit nutzte niemand mehr diese Tiere um von einem Ort zum anderen zu kommen. Sie wurden nicht mehr auf dem Feld gebraucht, geschweige denn für andere Tätigkeiten genutzt.
    In was für einer Welt ist Alex bitte aufgewachsen, es hörte sich ein wenig trostlos an, wenn ich es recht bedenke.
    Sie hatte ihm einen Namen gegeben, er gehörte ihr und ich sah plötzlich Tränen in ihren Augen!
    ... Vi kommer godt overens, Fenrir og jeg vil passe godt på dig... hörte ich sie plötzlich sprechen und verstand nicht, was sie meinte.
    Für einen Moment sahen Isaac und ich uns an. Als hätte ich sie aus einem Traum geholt, klärte sich ihr Blick bei meinen Worten, die ich an sich richtete!
    Dass sie eine andere Sprache genutzt hatte, war ihr nicht bewusst. Alex erklärte, dass sie in das Dänische ihrer Vorfahren verfallen wäre, man hatte sie die Sprache kurz gelehrt. Ab und an würden ihr aber immer mal wieder Sätze und Wörter einfallen. Das war alles mehr als seltsam und merkwürdig. Aber es zeigte mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, diese beiden würden einfach zueinander gehören!

    Etwas wiederwillig verließ Alex mit mir die Stallungen, sie würde noch reichlich Gelegenheiten haben, sich ihrem Hengst zu widmen. Wobei ich sagen muss, er war wirklich ein wunderbares Tier!
    Ich führte meine Verlobte nun ein wenig über unser Anwesen und zeigte ihr unter anderem die Unterkünfte der Angestellten. Jetzt kam ihr Wissen über die Geschichte extrem deutlich zum Vorschein, es war eindeutig, dass sie keine Sklaven dulden würde.
    Alex erläuterte die Geschichte in kurzen Worten, dass es wegen Sklavenhaltung und -arbeit, der Sklaverei allgemein, später zu Konflikten kommen würde. Nicht jetzt sofort versicherte sie mir, es würden noch ein paar Jahrzehnte ins Land ziehen.
    Mit Tränen in den Augen, dankte sie mir dann, dass ich ebenso auf diese Sklaverei verzichtete. Da waren wir uns einig und wieder einmal wurde mir deutlich vor Augen geführt, dass ich meine Entscheidungen richtig getroffen hatte. Egal in welcher Beziehung!

    Jetzt im Winter sah es etwas trostlos hier aus, doch ich versicherte ihr, dass spätestens im Frühling das Ganze etwas anders aussehen würde.
    Was das Gästehaus betraf, bekam ich ebenfalls einen anerkennenden Blick, es war nicht üblich in ihrer Zeit, solche Möglichkeiten für Gäste zu haben. Ich brannte innerlich darauf, zu wissen, wie es in ihrer Zeit war, doch ich würde es vermutlich nie erfahren, leider!

    Nachdem ich Alex nun auch den Garten und das dazugehörende private Grundstück gezeigt hatte, gingen wir wieder Richtung Herrenhaus.
    Kurz davor eilte uns Sybill entgegen und wirkte schon ein wenig verzweifelt, sie schien uns schon eine Weile gesucht zu haben. Doch sie sagte nur, dass das Mittagessen fertig sei, also folgten wir ihr und ich erzählte noch ein wenig über diese Bepflanzungen und das Grundstück an sich.

    Nach dem Essen saßen wir für einen Moment still beieinander, wir schienen beide diese Ruhe zugenießen, aber es war alles andere als unangenehm.
    Es gab aber einen Gedanken, welcher mir, seit ich von Alex´ Verlobten erfahren hatte, nicht mehr aus dem Kopf ging. Verlobung, sie wurde schwanger, das Kind war auf der Welt... warum hat man nicht geheiratet? Im Grunde war... und es tut mir leid das zu sagen... doch Yannick war in diesem Moment ein Bastard.
    Auf meine Frage, warum sie Marius nie geheiratet hat, bekam ich eine Antwort, welche für mich schwer zu verstehen war.
    „Keine Ahnung... ich wurde schwanger kurz nach unserem Kennenlernen und... danach... es klingt eigenartig, aber... wir hatten keine Zeit dafür. Und ich habe es auch nie forciert. Warum sollte ich auch. Entweder man will es, oder man lässt es.“
    Diese Worte waren wirklich etwas weit dahergeholt... mit einem Male sah ich aber diese Trauer und spürte, dass mehr hinter dem Ganzen steckte.
    „Haytham, er hat sich vor einigen Monaten das Leben genommen... und … ich habe immer noch damit zu kämpfen!“
    Jesus... das war nicht das, womit ich gerechnet hatte.

    Marius hatte eine Fähigkeit der Vorläufer und Götter erhalten. Eine, welcher er nicht gerecht werden konnte. Er konnte Gedanken hören, nicht bloss lesen! Das hieß, Marius hatte permanent Stimmen im Kopf, immerzu hörte er Gewisper!
    In diesem Moment wurde mir zum aller ersten male klar, dass die Vorläufer einem nicht immer wohlgesonnen sein können!
    „Das weiß ich doch... Aber diese... Vorläufer haben eine Macht, die man nicht immer sofort sieht und das macht mir Angst. Marius war mit seiner Gabe einfach völlig überfordert, das war nicht fair!“
    Alex und einige Kollegen sowie Therapeuten, wie sie sie nannte, hatten versucht, Marius vor dem Schlimmsten zu bewahren! Sie alle hatten ihr Bestes gegeben, doch es war vergebens!
    Er erschoss sich mit seiner eigenen Pistole in seiner Wohnung.

    Ich hatte meine Arme um Alex geschlungen und versuchte sie so zu trösten. Sie machte sich Vorwürfe, ihrem Ex-Verlobten nicht besser geholfen zu haben. Ich versicherte ihr aber noch einmal, dass sie ihr bestes getan hatte und nicht nur sie, auch alle anderen, die Marius zur Seite gestanden haben.
    Dennoch konnte ich sie verstehen, wenn man so hilflos dasteht und nichts unternehmen kann! Um sie aufzumuntern, erwähnte ich gespielt böse, dass sie hier ja auch auf IHRE Verbündeten zählen konnte.
    Mein Themenwechsel hatte funktioniert, als sie mich jetzt ansah, waren ihre Augen wieder klarer und ein Lächeln war auf ihrem Gesicht erschienen.
    „Ja, ich freue mich darauf, auch Faith wiederzusehen. Aber in erster Linie bin ich froh, hier zu sein und endlich dort weiterzumachen, wo ich einen Ankerpunkt habe.“
    Und jetzt war es Alex, die einen Sprung in ihren Gedanken machte, nämlich hin zu meinem Geburtstag. Ich konnte sie beruhigen, es würde kein Staatsempfang werden, Eheleute Pitcairn und Johnson wären anwesend, sowie ein paar meiner Nachbarn, welche ich meiner Verlobten dann auch noch vorstellen werde.

    Kapitel 9

    *** Ein sinnloser Tod ***



    Wir saßen noch eine Weile zusammen und ich berichtete, wie ich diese Plantage erworben habe und wie dieser reiche Schnösel einfach aus den Verhandlungen geworfen wurde.
    Bei meinen Worten, ich würde ihr am liebsten jetzt alles zeigen, doch es wäre zu kalt dafür, meinte Alex mal wieder völlig unbekümmert „Dann tu es doch einfach. Ich kann mich ja warm anziehen. Und ich habe jetzt sogar ein eigenes Pferd!“ diese Begeisterung von dieser Frau war wirklich immer wieder ansteckend.
    Meine Gedanken glitten zur letzten Nacht und ich musste an ihren etwas lädierten Hintern denken, doch wenn sie es unbedingt wollte, dann würde ich sicherlich nicht widersprechen.

    Und dann sah ich, wie ihre Gesichtszüge sich verdunkelten und ihre Gedanken lagen wieder offen vor mir.
    Du meine Güte, sie machte sich Vorwürfe, nichts beisteuern zu können und fühlte sich, als würde sie sich in das gemachte Nest setzen. Dem war aber ja nicht so, SIE war es, die mich dazu gebracht hatte, mich hier niederzulassen und ICH habe angefangen uns ein Zuhause zu schaffen.
    Den Rest würden wir jetzt gemeinsam machen, niemand hat verlangt, dass sie alles im Vorfeld schon plant und organisiert.
    Bei meinen Worten, dass wir UNSERE Zukunft jetzt gemeinsam ausbauen werden, liefen ihr wieder Tränen über die Wangen.
    „Aber ich kann nichts beisteuern, nicht finanziell!“
    Aber das verlangte ja auch niemand und für mich war es überhaupt kein Thema gewesen. Sie würde ab jetzt ihre Arbeitskraft mit beisteuern, das reichte völlig aus!

    Dann entzog sie sich meiner Umarmung, straffte die Schultern und meinte „Dann werde ich mich wohl mal umziehen, so kann ich schlecht reiten!“ ich ließ meinen Blick für einen Moment über sie gleiten und hätte ihr gerne beim Entkleiden geholfen und …
    „Master Kenway, dazu werden wir sicher später noch Zeit haben!“ dieser Tonfall veranlasste mich ihr mitzuteilen, dass ich sie beim Wort nehmen werde später! Mit hochrotem Kopf eilte sie nun die Treppe hoch in unser Schlafzimmer und ich ging in mein Arbeitszimmer.

    Ich hatte einen Brief von Master Johnson erhalten, indem er mir mitteilte, dass er nach meinem Geburtstag nach New York aufbrechen werde, weil er hinsichtlich einiger neuer Rekruten wichtige Termine dort hatte. Er lud mich ein, sie ein paar Tage zu besuchen, wenn es mir passen würde.
    Dieser Brief muss wieder Wochen unterwegs gewesen sein, datiert war er nämlich auf den 2. November! Diese Verzögerungen sind eine Plage, aber ich war froh, dass es keine schlechten Nachrichten waren, die nur langsam ihren Weg hierher gefunden hatten.
    Als ich die ersten Wochen hier lebte, bekam ich tagelang überhaupt keine Korrespondenz, weil nicht jeder wusste, wohin er schreiben sollte. Mein Umzug hatte sich noch nicht überall herum gesprochen, was ich bei einigen Personen durchaus begrüßte, wenn ich ehrlich sein soll.

    So versunken in meine Gedanken, erschrak ich fast, als meine Verlobte ins Zimmer gerannt kam und mich völlig außer Atem panisch anschrie, wo ihre Waffen geblieben wären.
    Das hatte ich völlig vergessen! Ich hatte sie ja bereits nach unten bringen lassen und es war mir nicht wichtig erschienen, dass zu erwähnen.
    Als ich sie jetzt aber ansah, fiel mir der Ornat von meiner kleinen Schwester auf und das passte mir nicht wirklich. Hatte sie nichts anderes...
    „Nunja, ich habe tatsächlich nichts anderes, was sich zum Reiten eignet. Also wird der Ornat fürs erste reichen müssen. Nun sieh mich nicht so an, ich bekomme ein schlechtes Gewissen!“ Da hatte sie ja nicht unrecht, doch ich fand ihre Aussage hinsichtlich des Gewissens wieder einmal hinreißend und sie ließ mich schmunzeln.

    Ich führte Alex jetzt hinunter in den Keller, damit sie ihre Waffentruhe in Augenschein nehmen konnte.
    Als wir durch den Vorratsraum gingen, sah ich nur große Augen und einen offenen Mund, welcher sich noch mehr weitete, als wir den Versammlungsraum und die dahinter befindliche Waffenkammer betraten.
    „Das ist ja Wahnsinn, was du alles hier hast.“ kam es immer noch staunend von meiner Verlobten.
    Sie musste wissen, dass ich gerne auf alles vorbereitet bin und aus diesem Grund ein solch beachtliches Arsenal an Waffen im Besitz hatte. Hier lagerte eben auch einiges an Munition für den Notfall, welcher hoffentlich nicht eintreten wird!
    Mir ging der Gedanke im Kopf herum, dass ich Alex noch ein wenig Training bei den Schusswaffen angedeihen lassen sollte, weil ich wusste, dass ihre Pistolen ganz anders funktionierten.

    „Das wäre wirklich eine gute Idee, ich kann zwar mit einer Pistole umgehen und bin auch ich eine recht gute Schützin, doch das ist mit unseren Waffen. Also bräuchte ich tatsächlich ein wenig Nachhilfe hierbei!“ bei diesen Worten stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste mich vorsichtig. „Und du weißt ja, ich mag es, wenn du mir etwas beibringst!“ ihr Tonfall war dermaßen lasziv, dass ich nur schwer an mich halten konnte, sie hier nicht einfach über den Tisch zu legen und einfach zu nehmen.
    Meine Worte kamen rau über meine Lippen, als ich ihr sagte, dass sie sich gar nicht vorstellen könnte, wie gerne ich ihr auf der Stelle eine Lektion erteilen würde!
    „Doch, das kann ich nämlich spüren!“ meinte sie leise und ihre Hand fuhr über meine Erregung, mir entwich ein lautes Stöhnen dabei!
    Langsam sank sie an mir herunter, ließ mich aber nicht aus den Augen und als ich spürte, wie ihre Lippen mich umschlossen, war es um mich geschehen. Meine Hand griff wie von selber in ihre Haare und gaben den Rhythmus vor, ich lenkte sie und zeigte ihr meine Lust!

    Ich genoss diese Hingabe und hätte es gerne noch länger so gehabt, doch ich verlor langsam die Beherrschung und kam einfach.
    Vorsichtig öffnete ich die Augen und sah auf sie herab, das Leuchten ihrer grünen Augen war so voller Begierde, dass ich beschloss, ihr ebenfalls Erlösung zu schenken. Langsam schloss sie meine Hose und richtete sich wieder auf.
    Ohne Umschweife hob ich sie hoch, trug sie zum Tisch im Versammlungsraum und setzte sie darauf mit den Worten, sie würde mich wahnsinnig machen und küsste sie einfach. Meine Hand wanderte zwischen ihre Schenkel und fanden ihren Weg zu ihrer empfindlichsten Stelle. Ein Aufstöhnen verriet mir, dass ich auf dem richtigen Weg war und ich ließ meine Finger in sie gleiten. Ihr Atem ging immer schwerer und es dauerte nicht lange, da hörte ich ein leises „Haytham“ an meiner Schulter und Alex klammerte sich an mich.
    Als sie sich wieder beruhigte, musste ich es einfach loswerden, ich fragte mich wirklich, warum ich die Finger nicht von ihr lassen konnte. Lag es einfach an dieser langen Trennung oder was war es?
    „Ich vermute es, aber du weißt ja, wie du mich um den Finger wickeln kannst, vielleicht liegt es auch einfach daran!“ lächelte sie mich an. Es muss einfach Nachholbedarf sein!, ging es mir durch den Kopf.

    Jetzt zeigte ich ihr die Truhe mit ihren Waffen und ihr Blick verriet mir, dass sie überlegte, ob es nötig sei, alle anzulegen.
    Ich meine, wir lebten hier noch recht friedlich, aber man ging nie unbewaffnet aus dem Haus, es könnte durchaus sein, dass man sich verteidigen musste. Und sei es nur gegen ein paar Tiere!
    Das Anlegen ging schnell und ich tat es ihr gleich. Plötzlich warf sie mir einen seltsamen Blick zu und ich wurde misstrauisch, weil ich nicht in ihr lesen konnte.
    „Es ist nichts Schlimmes, ich habe nur gerade festgestellt, dass ich ja jetzt mit dir einen gewissen Alltag erlebe. Das ist für mich noch etwas ungewohnt, ich war sonst immer alleine und habe für mich und meinen Sohn gesorgt!“

    Im Grunde wusste ich ja, wie Alex vorher gelebt hatte, jedoch konnte ich mir das nicht richtig vorstellen. Frauen hier in dieser Zeit hätten heiraten oder ihren Körper verkaufen müssen. Oder wenn sie Glück hatten kamen sie in einem Haushalt unter. Aber sie hatten es dennoch schwer, wie konnte sie so überleben?
    „Haytham, ich hatte eine Arbeit, ich hatte eine Wohnung und ich hatte Familie und Freunde, die mich unterstützten. Frauen in meiner Zeit haben auch wesentlich mehr Rechte und Möglichkeiten ihr Leben selbstbestimmt zu führen. Es werden aber diesbezüglich noch einige Jahrzehnte und Jahrhunderte vergehen, bis es soweit ist. Wir Frauen haben lange für unsere Rechte kämpfen müssen. Und trotzdem werden wir oft, nicht immer, noch schlechter als Männer bezahlt, obwohl wir den gleichen Beruf ausüben! Ich war in der glücklichen Position, dass wir nach Leistung und Aufträgen bezahlt wurden!“ erklärte sie mir nun ihre Situation damals.
    Im Grunde gab es also keinerlei Traditionen mehr und was ich mich dann mal wieder fragte, WER passte auf die Kinder auf, wenn sie arbeiten ging?

    Auch dafür bekam ich eine Erklärung. Es gab zum Beispiel den sogenannten Kindergarten, wo die Kinder betreut wurden und Alex ergänzte ihre Worte noch.
    „Haytham, ich respektiere deine Einstellung, aber ich lasse mich nicht auf EINE Rolle reduzieren. Ich werde dir zur Seite stehen, ich werde meine eigene Meinung behalten und ich werde, wenn Odin es wünscht, unser Kind großziehen. Aber ich will nicht genau DARAUF beschränkt werden. Vergiss nicht, meine Aufgabe ist klar definiert und ich werde sie erfüllen, koste es was wolle!“
    Damit konnte ich aber leben und eigentlich war ich, das erwähnte ich sicherlich auch schon einige Male, stolz sie an meiner Seite zu haben und sie auch bald heiraten zu können!
    Mir war es genauso wichtig, dass sie ihre eigene Meinung behielt, solange sie mir nicht permanent widersprach. Doch auch dafür gab es ja die Lektionen und ich musste schon wieder meine Gedanken aus der Gosse holen!

    Mit einem Male kippte ihre Stimmung, sie dachte wieder an ihren Sohn.
    Es tat mir für Alex unendlich leid, ihn alleine gelassen zu haben, was ja eigentlich nicht der Fall war. Doch sie war Mutter durch und durch und ihr schlechtes Gewissen tat ihr übriges dazu!
    Um sie aufzumuntern, lobte ich ihre Erziehung und sagte, dass Yannick ein guter Junge sei, dank ihr! Er würde seinen Weg gehen, Alex hatte ihm alles Nötige beigebracht, daran musste sie einfach fest glauben.
    Tief in mir keimte wieder dieser leise Wunsch nach einem Kind, welches ich aufwachsen sehen konnte. Sie sah meinen Gedanken anscheinend.
    „Haytham... ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch... Kinder bekommen kann!“ brachte sie unsicher hervor und ich musste mir auch eingestehen, dass es in ihrem Alter vielleicht wirklich nicht mehr ging.

    Als sie Faith erwähnte und sagte, sie würde sie wohl um Rat fragen oder eben nach irgendwelchen Kräutern, meinte ich nur zustimmend, dass sie genügend Zeit haben würde. Wir würden sicherlich bis Ende Januar dort sein und dann erschien ein breites Lächeln auf ihrem Gesicht und ein Kuss war als Dank von ihr genug.
    „Ich liebe dich, mi amor!“ bekam ich ebenfalls an meine Brust gehaucht!
    Für einen Moment standen wir so umschlungen im Versammlungsraum und ich fühlte, wie wir beide erneut ruhiger wurden.

    Langsam wurde es aber Zeit, dass ich ihr ihr neues Zuhause zeigte bevor es dunkel wurde und zog Alex hinter mir her und dann Richtung Stall.
    Kaum dass wir ihn betreten hatten, ging sie wie hypnotisiert auf Fenrir zu und strich vorsichtig über seine Flanke.
    Dann hörten Mr. Mackenzie und ich wieder, wie sie ins Dänische verfiel und leise mit ihrem Hengst sprach. WIE war das möglich? Als sie zu uns herüber sah, konnte ich in ihrem Gesicht Verlegenheit sehen.
    „Ich habe es schon wieder getan, oder?“ fragte sie leise und ich musste grinsend nicken. Sie habe ihm nur gesagt, dass Fenrir ein wunderschönes Tier sei und sie sich fragte, warum sie ihn nicht schon in ihrer Zeit gekannt hatte.
    Mir wurde wieder vor Augen geführt, dass Alex vieles aufgegeben hatte um hier sein zu können und diese Momente gerade einfach genoss. Ich wünschte mir für sie, dass es davon noch sehr viele geben würde, ich wollte sie glücklich sehen!

    Unsere Pferde waren gesattelt und wir stiegen auf.
    Ich führte uns die Auffahrt hinunter zu den ersten kleineren Feldern, ich würde Alex heute bei Weitem nicht alles zeigen können. Wenn ich es recht bedachte, würde es Monate dauern, bis sie alles zu Gesicht bekam und auch eine gewisse Orientierung inne hatte. Auch ich hatte einige Zeit dafür gebraucht.
    Ich erklärte Alex nun, wo was angebaut wurde und wonach ich bei der Saat ging. Die Beschaffenheit des Bodens war unter anderem auch wichtig und man sollte nicht immer das gleiche auf den Feldern anpflanzen, sondern den Boden sich auch einmal erholen lassen.

    Als nächstes kamen wir an einer der Pächterhütten vorbei und mich überkam sofort ein seltsames Gefühl, es brannte kein Licht, auch kam kein Rauch aus dem Schornstein.
    Alex bemerkte mein Zögern und fragte, was los sei.
    „Vielleicht sind sie gerade bei ihren Nachbarn, oder...“ aber ich ließ sie nicht ausreden, das wäre einfach unrealistisch. Diese Familie hatte 3 kleine Kinder, war erst vor einem halben Jahr hier angekommen und musste sich noch eingewöhnen.
    In mir keimte Sorge auf und ich ging auf die Behausung zu und trat kurzerhand die Tür ein, es war eine Eingebung und mein Blick sagte mir, dass wir leider zu spät kamen. Mir schlug ein widerlich süßlicher Geruch entgegen und ich konnte gerade noch meinen Mantel vors Gesicht drücken, bevor ich mich übergeben musste. (Anmerkung Autorin: Ich habe bei einem Bestatter gearbeitet, ich weiß, wie Verwesung riecht!)

    Ich aktivierte meinen Blick und sah Kampfspuren, die verblassenden Auren der Toten, aber auch Spuren, welche wieder hinausführten!
    In einer Ecke des großen Wohnraums sah ich sie zusammengekauert an der Wand lehnen. Sie waren alle tot, aber sie waren nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern sie wurden überfallen und niedergemetzelt.
    Erstaunt sah mich Alex nun an und fragte woher ich das wüsste, meine Erklärung, dass ich meine Fähigkeit nutzte reichte ihr.
    Mit gesenktem Blick ging ich hinaus und folgte diesem leichten Leuchten, welches uns nun zu einem Waldstück führte. Unterwegs fand ich noch einen Goldzahn, welcher vermutlich einem der Angreifer gehören musste, hob ihn auf und gab ihn meiner Verlobten, welche es etwas schwer hatte mir zu folgen.
    Doch darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen, ich wollte wissen, was hier los war! Langsam wuchsen in mir ein gewisser Zorn und Wut darüber, dass diese Menschen sich nicht einmal verteidigen konnten, sie hatten überhaupt keine Chance gegen diese Plünderer!

    Zwischen einigen Bäumen verlor sich dann langsam die Spur, das Lager auf der kleinen Lichtung vor uns war schon länger verlassen und ich konnte nichts mehr sehen! Verdammt!
    Als ich Alex das mitteilte, sah sie mich immer noch erstaunt an und erst jetzt bemerkte ich, dass ich wohl wirklich ganz anders meine Umwelt wahrnahm, als sie.
    „Bei Odin, das ist ja schrecklich... aber warum bringt man bitte diese armen Menschen um? Sie haben doch auch kein Vermögen unter der Matratze!“ kam es fragend von ihr und ich musste sie darüber aufklären, dass schon wegen viel weniger getötet wurde, einfach nur aus Gier oder auch der Not heraus.
    Gerade jetzt in den Wintermonaten zogen Plünderer umher, weil keine Arbeit zu finden war! In meiner Wut, schlug ich auf einen Baumstamm in meiner Nähe und fluchte etwas unflätig.

    Alex hatte anscheinend auch bemerkt, dass die irische Familie keinerlei Waffen zur Verfügung hatte. Sich also nicht adäquat verteidigen konnte und brachte mich so auf eine Idee. Warum war ich nicht schon früher darauf gekommen, die Leute mit Pistolen oder Schwertern auszustatten, damit sie sich im Notfall wehren konnten? Verdammt!
    „Weil du davon ausgegangen bist, dass sie sich selber schützen können! Daran ist nichts verwerfliches!“ meinte sie leise, aber in mir stieg langsam Panik auf, ich musste mich beeilen, damit die anderen Familien entsprechend unterrichtet wurden und so machten wir uns auf den Weg zu den unmittelbaren Nachbarn.

    Kapitel 10

     

    *** Sicherheit geht vor ***

     


    Bei dieser Familie war alles in Ordnung, doch sie hatten hier ein paar Strolche herumschleichen sehen, sich aber nichts weiter dabei gedacht. Also ordnete ich jetzt an, dass morgen früh alle Pächter, Arbeiter und ihre Familien beim Herrenhaus erscheinen sollten, dort würde ich alles weitere kundtun.
    Gerade als ich das Begräbnis ansprechen wollte, unterbrach mich Alex, doch diese Familie hier bot sich sofort an, zu helfen.
    Es dauerte nicht lange, da waren noch mehr von meinen Pächtern an der Behausung der kleinen irischen Familie und begannen ein Grab auszuheben. Trotz des gefrorenen Bodens ließen sich die Männer nicht davon abbringen und schafften es, eine tiefe Mulde auszuheben.


    Als die Erde auf den Verstorbenen ruhte, reihten sich alle um das Familiengrab auf und ich sprach eine kurze irische Grabrede, an welche ich mich aus einem alten Buch erinnerte!

     

    Steh nicht am Grab mit verweintem Gesicht

    ich bin nicht da ich schlafe nicht.
    Ich bin der Wind der weht über die See
    ich bin das Glitzern im weißen Schnee.
    Ich bin die Sonne auf reifender Saat
    ich bin im Herbst in der goldenen Mad.
    Wenn ihr erwacht im Morgenschein
    werd ich immer um euch sein.
    Bin im Kreisen der Vögel im Himmelszelt
    ich bin der Stern der die Nacht erhellt.
    Steh nicht am Grab in verzweifelter Not
    ich bin nicht da, ich bin nicht Tod.

     

    Mir tat dieser unsinnige Tod dieser Menschen leid, aber jetzt würde ich handeln. Meine in mir kochende Wut über mich selber konnte ich jedoch nicht unter Kontrolle halten, ich hätte viel früher für ihre Sicherheit sorgen müssen! Dieser Gedanke ließ mich nicht los!


    Ich stellte jetzt meine Verlobte vor und sagte, dass man sich bei Fragen oder Problemen auch an sie wenden könne. Ein paar skeptische Blicke erntete sie, doch ich vernahm unter den Worten der Anwesenden auch deutsche Akzente und in Alex´ Gesicht schlich sich ein glückliches Lächeln.
    Ich konnte mir schon denken, dass sie sich freute, wenn sie auch mal in ihrer Muttersprache reden konnte. Trotzdem war ich immer noch erstaunt, wie fließend sie englisch sprach und man muss bedenken, sie übersetzte alles simultan. Da war wieder dieser Stolz in mir und ließ meine Wut etwas abflauen, doch nicht ganz.


    Als wir wieder auf dem Rückweg waren, hing ich weiter meinem Plan nach, dass alle Pächter und Arbeiter mit Waffen versorgt werden und wir eine Art Wache aufstellen sollten.
    Ich würde ebenfalls mit dem Aufseher morgen darüber sprechen, damit wir wissen, wie viele Männer noch eingestellt werden müssen!
    Auf Alex´ Frage hin, was ich morgen angedacht hatte, erzählte ich ihr davon.
    Doch je länger ich darüber nachdachte, um so aufgebrachter wurde ich wieder.
    Bei den Ställen angekommen übergab ich Isaac einfach meine Stute und ging ins Haus, ich musste mich irgendwie abreagieren. Alle Lehrstunden bei Reginald waren auf einmal vergessen, meine Emotionen konnte ich plötzlich nicht mehr zügeln!


    Ich ging in mein Arbeitszimmer und warf die Tür mit einem lauten Knall hinter mir zu und streifte dann unruhig hin und her.
    Ich entzündete die Kerzen auf meinem Schreibtisch und nahm mir den Plan der Plantage zur Hand und überflog die Örtlichkeiten. Ich konnte nur hoffen, dass in dieser Nacht keine weiteren Morde passierten, dieser Gedanke machte mich gerade wahnsinnig!
    Im Geiste lief ich die Felder ab, damit ich mir ein Bild machen konnte, WIE man Wachen patrouillieren lassen sollte, am besten wäre es, man teilt das Gelände in Quadrate ein! Und langsam ebbte diese Wut ab und wich einem etwas anderen Gefühl, welches ich als Zufriedenheit bezeichnen würde.
    Dann stieg mir der Geruch von Essen in die Nase und mir fiel ein, dass wir noch gar nicht zu Abend gegessen hatten.


    Ich verstaute die Karte wieder, löschte die Kerzen und ging auf die Suche nach meiner Verlobten. Sybill meinte nur, dass Alex in ihrem Arbeitszimmer sei und versuche sich einzurichten.
    Auf mein Klopfen reagierte sie nicht, also trat ich ein, auch das bemerkte sie nicht. Sie lehnte über einem Buch und schrieb konzentriert, genauso wie damals im Fort George, als sie sich mit der Recherche nach den Göttern in mein Arbeitszimmer zurückgezogen hatte.
    Ich betrachtete sie eine Weile, doch sie schien mit ihren Gedanken zu weit weg zu sein. Als ich sie ansprach, schrak sie auf und sah mich etwas böse an.
    Ich ließ meinen Blick nun über die noch leeren Regale schweifen und meinte, diese würden vermutlich schneller voll sein, als man schauen kann!


    Dieser Versuch sich hier einzurichten war für mich beruhigend und das sagte ich auch.
    „Ich versuche es zumindest, Haytham. Ich hoffe, du hast dich wieder etwas beruhigen können. Ich... habe dich lieber alleine gelassen. Ich wusste nicht, ob du meine Gesellschaft wolltest.“
    Ich hoffe doch, dass ich ihr keine Angst gemacht hatte, ich weiß ich kann manchmal aus der Haut fahren, jedoch nicht vor anderen Menschen.
    „Nein, Angst vor dir nicht direkt. Aber ich weiß ja nicht, was du brauchst oder wie du dich verhältst, wenn du so in Rage bist. Haytham, ich werde nicht einfach bei so etwas das Weite suchen. Doch ich muss mich noch daran gewöhnen und du dich auch. Wenn du möchtest, dass ich dir dann beistehe, dann sag es mir, oder eben du willst es nicht. Das ist völlig in Ordnung.“ das beruhigte mich jetzt, wir waren uns einig, dass wir BEIDE noch eine gewisse Eingewöhnungsphase brauchten.


    Ich ging um den Schreibtisch herum, lehnte mich dann hinter ihr über ihre Schultern und schlang meine Arme um sie.
    Jetzt sah ich auch, WAS sie schrieb.
    Es war ihr Tagebuch und ich muss sagen, da ich selber ebenfalls meine Gedanken so niederschrieb, dass ich es durchaus begrüßte.
    „Ja, das tue ich. Schon seit Jahren. Ich habe Yannick fast 20 dieser Bücher überlassen. Vom Tag seiner Geburt angefangen bis zu meiner Abreise. Da hat er erst einmal genug zu lesen und vergisst mich nicht so schnell!“ als sie sich zurücklehnte, sah ich, wie ihr die Tränen über die Wangen liefen und reichte ihr mein Taschentuch.
    Ich zog Alex hoch und nahm sie in den Arm. Automatisch legte sie einfach nur ihren Kopf auf meine Brust und ihr Schluchzen wurde weniger.
    Meine Erklärung, dass Kinder nie ihre Eltern vergessen würden, sie aber vermissen, brachte mir eine Entschuldigung von ihr ein. Meine Trauer um meine eigene Familie konnte ich nicht aus meiner Stimme verbannen!


    Dann fiel mir das Essen wieder ein und ich sah, dass Alex dankbar für den Themenwechsel war.
    Wir gingen hinüber ins Schlafzimmer, sie wollte sich frisch machen und umziehen, damit sie für mich keinen gruseligen Anblick bot. Doch ich konnte ihr versichern, dass sie mir selbst mit ihrer gebrochenen Nase keinen schlimmen Anblick geboten hatte, eher im Gegenteil und ich besiegelte meine Worte mit einem langen Kuss, welcher meine Verlobte leicht erschauern ließ.
    Ich sah ihr dabei zu, wie sie sich Wasser ins Gesicht spritzte und stand angelehnt an einem Bettpfosten.
    Plötzlich sah sie hoch und in den Spiegel, prompt konnte ich ihre Unsicherheit spüren.
    „Habe ich etwas falsch gemacht oder vergessen?“
    Erwähnte ich schon mal, dass ich ab und zu diese Freude in mir spürte, sie zu ärgern und zu verunsichern? Auch jetzt tat ich es und meinte nur, dass sie tatsächlich etwas vergessen hat.


    Erschrocken sah sie mich an.
    „Was denn?“
    Ich schritt langsam auf sie zu und nahm ihr Kinn in meine Hände, sodass meine Verlobte mich ansehen musste, sagte aber nichts.
    Sie wurde immer unruhiger und ich genoss es für einen weiteren Moment, dann erlöste ich Alex mit den Worten, dass sie vergessen hätte, mir einen Kuss zu geben und konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.
    „Wenn es nur das ist, mi amor. Ich dachte schon an das Schlimmste. Doch... WAS genau, wollte mir nicht einfallen!“ lachte sie ihrerseits und dann bekam ich den vergessenen Kuss und als ich diesen Geschmack des Weines von ihren Lippen auf meinen hatte, wäre ich am liebsten mit ihr hier geblieben. Auch Alex fühlte sich mal wieder wie Wachs in meinen Händen an!


    Mit einem Mal löste sich Alex von mir und meinte nur, ich solle schon mal runter gehen, sie müsse ihre Truhe wieder verschließen. Doch ich folgte ihr einfach und sie fing an, einiges in dieses schwere Behältnis zu packen, unter anderem so ein kleines schwarzes Brett oder was es auch sein mochte.
    „DAS ist ein Gerät, mit dem ich in meiner Zeit über weite Strecken mit anderen kommunizieren kann. UND ich kann damit Fotos, Bilder machen. Ich glaube, ich werde es dir bald mal erklären.“
    Wieder einmal wurde mir klar, dass diese Frau einen ganz anderen Lebensstil vorher hatte, die Menschen dort hatten unglaubliche Errungenschaften und ich hatte ja auch diese Gebäude gesehen.
    Als dann alles verstaut war und die Kerzen gelöscht waren, gingen wir hinunter.


    Ich erzählte meiner Verlobten noch, dass ich eine Stellenausschreibung für eine Zofe verfasst hatte, jedoch bis wir aus New York zurück waren, würde sie sich anders behelfen müssen.
    „Das eilt ja jetzt auch nicht unbedingt, Haytham. Aber denke an den Test, dass ist mir wichtig, ich möchte dieses Thema möglichst schnell vom Tisch haben.“
    Daran hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht, doch als ich meinte, dass ich mir schon etwas an meinem Geburtstag einfallen lasse, sah ich eine hochgezogene Augenbraue und versicherte Alex sofort, dass ich nur über SIE herfallen würde.
    Meine Verlobte war tatsächlich eifersüchtig und das schmeichelte mir einfach.


    Wir saßen noch einen Moment im Lesezimmer beisammen und ich erzählte von einigen Büchern, wie ich sie erstanden hatte oder auch die Geschichte hinter dem eigentlichen Buch.
    Mit einem Male fühlte ich mich beobachtet und als ich zu Alex sah, konnte ich lesen, dass sie sich fragte, womit sie meine Liebe verdient hatte.
    Der große Auftritt damals hat es in die Wege geleitet, mutmaßte ich, damit hatte sie mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt.
    „Ja, mein Erscheinen hat Wirkung gezeigt, Master Kenway!“ das lässt sich nicht leugnen und ihre Gedanken schweiften zu diesem Moment, wo wir uns das erste mal in New York gesehen haben.


    Da beschloss ich, mich in ihren Geist einzuklinken, es war nicht abgesprochen, doch ich tat es einfach. Umgekehrt konnte ich sie in meinem Kopf spüren und wir beide waren immer noch nicht ganz vertraut mit dieser Art der Kommunikation.
    Es dauerte nicht lange, bis wir beide das gleiche Bild vor Augen hatten, das Schlafzimmer. Das war wie mein Stichwort und ich nahm ihr das Glas ab, ergriff ihre Hand ohne weitere Worte und führte sie die Treppe hinauf.
    Es stand ja auch noch meine Drohung im Raum für ein Nachspiel wegen des Ornats!
    Als Alex nun in meinem Kopf herumgeisterte und sah, was ich vorhatte, schoss ihr vor Verlegenheit diese zauberhafte Röte ins Gesicht!


    Wie Gott sie schuf stand sie vor mir und sah zu mir auf. Bei diesem Anblick konnte ich einfach nicht an mich halten und hob sie auf meine Hüften.
    So einfach ließ ich sie aber nicht davon kommen, erst die Lektion, dass ich es nicht gerne sah, dass sie immer noch diese Garderobe trug.
    Wir brauchten aber keine ausgesprochenen Worte, es war völlig still, nur ab und an hörte man ein wohliges Raunen von meiner Verlobten.
    Meine Hände hinterließen wieder einige Spuren auf ihrem Hintern, was mich aber immer weiter zu meinem Höhepunkt trieb und als ich mich nicht mehr beherrschen konnte und wollte, befahl ich ihr lauter als beabsichtigt, mich gefälligst anzusehen.
    Es war wieder dieser eine Satz, dieser Moment, der auch Alex hinübertrieb.


    Meine Hand ließ ihre Arme frei, welche sich sogleich um mich schlangen und mich festhielten.
    Langsam wurden ihre Augen wieder klarer und unser beider Atem ging gleichmäßiger. Als ich uns dann beide zudeckte, hörte ich sie leise sagen „Du bist ein guter Lehrmeister, Haytham!“ mit einem tiefen Seufzen.
    Dieser Satz entlockte mir ein breites zufriedenes Lächeln und wir konnten beide friedlich in den Schlaf finden.

    Kapitel 11

    *** So führt man eine Plantage ***

    2. Dezember 1762



    Wie schon so oft in der Vergangenheit, wurde ich vor Alex wach und in diesem dämmrigen unwirklichen Licht, konnte ich nur eine vage Kontur ihres Körpers wahrnehmen.
    Aber dieser gleichmäßige Atem und ihre warme Haut an meiner Seite, ließen meine Fantasie in die unendlichen Tiefen der Gosse abrutschen und wenn ich ehrlich bin, ich hatte Nachholbedarf. Auch wenn es sich noch schmutziger und lüsterner anhört, als es gemeint ist.
    Vorsichtig zog ich die Decke von ihr, ließ mich zwischen ihre Schenkel gleiten und meine Hände fuhren langsam über ihren Körper.
    Es dauerte nicht lange, da öffnete sie ihre Augen und lächelte mich verschlafen an, als ich grinsend meinte, endlich sei sie wach.
    „Wie ich sehe, du auch schon, mi amor, und es scheint, du hast auch schon konkrete Pläne.“ und sie wollte mich schon zu sich hinunter ziehen.

    Meine „konkreten Pläne“ sahen aber vor, dass ich mir einfach das nahm, was mir gehörte und meine Verlobte ergab sich laut stöhnend ihrem Schicksal. Wir hatten tatsächlich einiges nachzuholen, doch beide genossen wir den anderen und ließen uns in dieser Lust dahintreiben.
    Als ich ihren Höhepunkt spürte, war es auch um mich geschehen und ich konnte nur noch ihren Namen an ihrer Schulter flüstern.
    „So lasse ich mich übrigens gerne wecken, da kann sogar der Kaffee nicht mithalten, mi amor!“ vermutlich sollte ich diesen Satz als Kompliment einfach hinnehmen, aus ihrem Munde war es wohl auch eines.

    „Wie spät ist es eigentlich und... warum bist du schon wieder wach, Haytham?“ da konnte ich Alex aber beruhigen, verschlafen hatte sie nicht und ich war ja auch nicht länger wach als sie.
    Und leider hatte uns der Alltag jetzt wieder, doch es musste sein und ich scheuchte meine Verlobte aus dem Bett. Wir hatten den Termin mit den Pächtern und Arbeitern nach dem Frühstück und es war schon fast sieben Uhr, wenn ich mich nicht täuschte.
    Ohne weiter zu murren, schlängelte sie sich unter mir weg und als ihre Füße den Boden berührten, sah ich, wie sie erzitterte. Entschuldigt, aber ein leises Lachen konnte ich mir bei diesem Anblick einfach nicht verkneifen!
    „Was? Es ist halt kalt, ich bin so etwas einfach noch nicht gewöhnt, Haytham.“ vermutlich war es in ihrer Wohnung immer warm, doch hier? Es ist nun einmal Winter, daran musste sich Alex jetzt gewöhnen.

    Wir machten uns fertig, doch als ich sah, wie sie mit ihren Haaren kämpfte und fluchte wie ein betrunkener Pirat, verzeih mir Vater!, musste ich einschreiten.
    Ich rief kurzerhand nach Magda, sie war meine erste Wahl, ich wusste, dass sie das Haare schneiden zum Beispiel bei vielen der Angestellten hier übernahm.
    Es dauerte nicht lange, da erschien sie hier und ich wies sie an, solange als Kammerzofe für meine Verlobte zu arbeiten, bis wir die Stelle anderweitig besetzen würden. Mit einem Knicks und einem erfreuten Lächeln ging sie dazu über, Alex nun bei diesem Gewirr aus dunkelblonden Knoten zu helfen.

    Im Esszimmer erwartete uns das Frühstück, doch es war dieses mal kein wollüstiger Laut von Alex zu hören, als sie ihren Kaffee bekam.
    Unterdessen erhielt ich einiges an Post und machte mich daran, die einzelnen Briefe zu überfliegen und meine Verlobte schnappte sich die Zeitung.
    Ich ertappte mich wieder dabei, wie ich diese Frau für einen Moment einfach anstarrte. Es war immer noch nicht ganz real, dass sie wieder bei mir war... Vermutlich wird es wirklich noch ein wenig dauern, bis wir beide in der Realität angekommen sind.

    Dann war es Zeit für die versprochene Waffenübergabe und die dazugehörige Einweisung. Ich hatte Jones und zwei weitere Diener beauftragt, einige Pistolen, Musketen und Schwerter aus der Waffenkammer zu holen.
    Vor unserem Haus hatten sich alle Familien eingefunden und nach der Begrüßung fragte ich, wer schon Waffenerfahrung besaß und wer noch eine Einführung und Übung brauchte.
    Bis auf ein paar wenige hatten alle Männer Erfahrung im Umgang mit Waffen und das beruhigte mich. Wir verteilten nun alles aus der Waffenkammer und Mr. Robinson würde anschließend den wenigen Unerfahrenen noch zur Seite stehen.
    Nachschub für Munition würden die Männer bekommen oder sich eben selber in Eigenarbeit anfertigen.

    Nun ging es noch darum, dass wir eine Wache hatten, Leute die nicht nur Nachts, sondern auch Tagsüber Patrouille liefen!
    Meine Pächter waren sich aber schnell einig, dass man niemand fremdes dazu holen müsse. Es gäbe genügend Männer dafür, sogar während der Pflanz- oder Erntezeit konnte die Sicherheit garantiert werden.
    Für einen Moment war ich skeptisch, doch ich vertraute in diesem Moment auf die Erfahrung der Leute.
    Auch erklärte ich noch einmal ausdrücklich, dass man sich auch an Alex wenden könne, wenn es Fragen oder eben Probleme gab. Jetzt bekam sie einige wohlwollende Blicke und Zuspruch von den Frauen, welche zahlreich mit ihren Gatten und Kindern erschienen waren.

    Nach der Verteilung gingen wir mit Mr. Robinson hinein, um die einzelnen Wachabläufe zu besprechen. Für einen Moment sah er Alex skeptisch an, ich erklärte, dass sie Mitspracherecht hätte und in Notfällen ebenso zur Verfügung stand, wie ich auch.
    Wir nutzten die Karte des Anwesens und meinen Gedanken, alles in Quadrate zu unterteilen.
    „Master Kenway, das ist wirklich eine gute Einteilung des Gebietes. So können sich die Männer fast immer im Auge behalten und kaum jemand könnte durchbrechen. Doch was, wenn die Felder hochbewachsen sind? Das dürfte dann schwieriger werden?“ doch auch dafür gab es eine Lösung, die Wachen würden in kürzeren Abschnitten und Zeiten alles ablaufen!
    Es war viel Arbeit, ich weiß, doch wir mussten etwas unternehmen und sollte es an Personal entsprechend fehlen, würde ich dieses einstellen!

    Als Mr. Robinson nun von dannen zog, lehnte ich mich erleichtert und zufrieden zurück. Ich teilte meine Gedanken Alex mit, dass ich beruhigter bin was die Farmer und ihre Familien betraf.
    Zumal unter dieser neuen Bürgerwehr auch die eigentliche Arbeit auf den Feldern nicht zum Erliegen kommen würde.
    Das wichtigste jedoch war, dabei zog ich meine Verlobte auf meinen Schoß, dass ich ebenso beruhigt sein konnte, dass ihr nichts passieren konnte, wenn hier Wachen anwesend sein würden. Auch wenn SIE auf mich aufpassen sollte.
    „Naja, aber du darfst auch gerne ein Auge auf mich haben. Wer weiß, was ich hier sonst noch alles anstellen werde!“
    Warum wusste ich, dass diese Frau so etwas antworten würde? Sie war unglaublich und schlagfertig! Wenn sie sich nicht zusammenreißen würde und zügeln würde, könnte es passieren, dass sie durchaus noch mehr schlaflose Nächte und Tage erleben würde, an denen sie nicht sitzen könne, teilte ich Alex umgekehrt mit.
    Gerade, als sie mal wieder eine laszive Antwort geben wollte, erschien ein Bote in meinem Arbeitszimmer und teilte mit, dass sich auf die Ausschreibung für die Besatzung der Jackdaw schon ungefähr 30 Mann gemeldet hätten. Sie erwarteten uns an der Anlegestelle, sprach er weiter und ich schickte ihn zurück, um mitzuteilen, dass wir auf dem Weg seien.

    Als die Pferde gesattelt waren, machten wir uns auf den Weg zu der potentiellen Besatzung. Alex freute sich, dass es so schnell ging, damit gerechnet hatte sie nicht. Doch wir hatten hier durch die Flussanbindung den Vorteil, dass Nachrichten auch schneller von A nach B kamen. Vieles sprach sich entsprechend zügig herum, die Nachrichtenkette funktionierte einwandfrei, gerade wenn es um Arbeit ging!
    Am Fluss angekommen, sahen wir uns einer Horde von Kerlen gegenüber, welche im ersten Moment nicht unbedingt sehr vertrauenerweckend aussah. Auch meine Verlobte sah für einen kurzen Augenblick etwas sprachlos in die Runde, fing sich aber sofort wieder.
    Die Männer hatten einen Vorredner erkoren, welcher sich als Mr. Hargreaves vorstellte.

    Dieser war auch der Erste, welchen wir näher befragten und ich spürte, dass Alex ihn für gut befand.
    So ging es dann einer nach dem anderem, nur ein einziger der Bewerber wurde von ihr abgelehnt, dieser war voll wie eine Strandhaubitze und völlig ungeeignet in unser beider Augen!
    Alle anderen ließen wir anheuern und somit war die Reise nach New York auch gesichert!
    In Alex´ Gesicht konnte ich diese Freude sehen, dass sie bald Faith wiedersehen würde, was mir aber einen kleinen Stich versetzte. WAS war das zwischen ihnen, wo ich nicht gegen ankam? Beide Frauen konnten es nicht erklären, also musste ich es einfach hinnehmen?
    Doch ich schlug diesen Gedanken beiseite, wir mussten die Mannschaft entsprechend einteilen, sie unterbringen und versorgen. Da wir in wenigen Tagen aufbrechen würden, blieben sie einfach in den Arbeiterunterkünften, Platz war derzeit ja noch vorhanden.

    Wir begaben uns dann auf den Rückweg zum Herrenhaus, weil das Mittagessen an stand und ich sah immer wieder, wie Alex sich verstohlen die Hände rieb. Natürlich fror sie, nur mit Röcken und einem Umhang, aber ohne Handschuhe war es einfach zu kalt. Ich tadelte sie aber nicht, da ich davon ausging, dass Alex selber wusste, dass sie in Zukunft vorsorgen musste.
    Im Esszimmer stand meine Verlobte dann für einen Moment am Kamin und wärmte die steif gefrorenen Finger auf und wieder ertappte ich mich, wie ich sie versonnen ansah.
    Es war die Art, wie sie sich bewegte, wie sie sich gab. Das Ganze war anders als bei den Frauen hier in meiner Zeit, Alex bewegte sich offener und war auch von ihrem Mundwerk so.
    Mit warmen Tee versorgt zogen wir uns nach dem Essen in mein Arbeitszimmer zurück. Es war an der Zeit, dass ich sie mit den Gepflogenheiten auf einer Plantage vertraut machte.

    Alleine das Anwesen zu erklären, war schon schwierig, man konnte es sich erst richtig vorstellen, wenn man alles gesehen hatte.
    Unter anderem versuchte ich ihr einen Einblick in die Geschäfte zu geben und nahm dazu das Geschäftsbuch des letzten Jahres zur Hand.
    „Da sind riesige Unterschiede stellenweise zwischen den Preisen. Gestern noch so, heute schon wieder so. Das ist ja fast wie an der Börse. Woher bekommst du so schnell dann die Informationen? Du musst dich ja irgendwie darauf einstellen können!“ waren ihre staunenden Worte und ich fragte mich, woher sie wusste, wie es auf einer Börse oder Auktion aussah.
    Aber ich konnte es mir denken, ihre Zeit war eine andere, sie hatte andere Dinge gelernt als Frau. 

    Tabakanbau

    Für diese Einführung verging der gesamte Nachmittag, doch es war nicht etwa langweilig und zäh verlaufen, sondern es war sehr angenehm, Alex alles zu erklären. Sie nahm alles auf wie ein, ja es mag seltsam klingen, Schwamm.
    Ihr Interesse war nicht gespielt, wie bei so vielen anderen Damen, sondern es war echt. Doch ich musste sie nun auch aus ihrem Trieb herausholen, sich wieder alles durchzulesen, sie hing tief über das Geschäftsbuch gebeugt und bekam kaum mit, dass ich sagte, dass das Abendessen fertig sei.
    Mr. Robinson erschien noch einmal und teilte mit, dass alles geregelt sei und die Wachen heute Nacht schon mit der Patrouille anfangen würden. Ich ließ ihm da freie Hand und bedankte mich noch einmal, auch mit der Bitte, dass er mich entsprechend täglich auf dem Laufenden halten sollte.

    Außerdem musste ich noch mit ihm klären, wie die Wochen während meiner Abwesenheit abzulaufen hatten. Ich ließ ihm eine entsprechend gefüllte Börse für die Bezahlungen und für Notfälle hier, er hatte eine gewisse stellvertretende Position inne, welche es ihm ermöglichte, Entlassungen oder Neuzugänge vorzunehmen. Er war entsprechend geschult und ich wusste, ich konnte mich auf ihn verlassen.
    Bis Ende Januar würden wir in New York bleiben und dann Anfang oder Mitte Februar zurück kommen. In Notfällen standen uns entsprechende Boten zur Verfügung, der Orden hatte eigens dafür einen Stab zusammengestellt, welcher auch für alle anderen Mitglieder zählte!

    Während des Essens fragte mich Alex, wie lange wir mit der Jackdaw unterwegs sein würden.
    Das erstaunte mich, genau SIE sollte es doch eigentlich wissen, oder nicht? Doch ich antwortete und ihre Augen weiteten sich. Als ich ihr sagte, wir seien je nach Witterung 9 bis 11 Tage unterwegs schüttelte sie sich ein wenig, was mich wunderte. Wovor hatte sie Angst? Seekrankheit?
    „Weil ich das letzte Mal vor über 20 Jahren mit ihr so lange gesegelt bin und... ich jetzt doch ein wenig Angst bekomme!“
    Ihre Bedenken rührten daher, dass sie die Mannschaft nicht kannte und nicht wusste, ob alles glatt gehen würde. Verständlich, ich konnte sie aber beruhigen, indem ich erklärte, dass ich auch schon auf Schiffen unterwegs war, welche mir nicht vertrauenswürdig erschienen und alles glimpflich ablief.

    „Dein Wort in Odins Ohr, mi amor. Da fällt mir ein, wer wird eigentlich Weihnachten noch alles dort sein, Haytham? Ich hoffe doch nicht, dass auch Lady Melanie anreist oder schon angereist ist?“ kam es gequält von ihr und ich ahnte, dass sie diese Dame nicht unbedingt wiedersehen wollte, was verständlich war.
    Da sie aber eigentlich nicht viel mit ihr zu tun haben würde, verstand ich im ersten Moment nicht, was Alex eigentlich meinte. Dann dämmerte es mir, sie wusste mal wieder mehr, als ich. Darauf angesprochen druckste sie kurz herum.
    „Es hat mit meinen Nachforschungen in meiner Zeit zu tun, Haytham...“ natürlich!

    Und jetzt erhielt ich auch eine weitere Erzählung über ihre Arbeit in ihrer Zeit.
    Sie hatten herausgefunden, WO sich das letzte Reiseartefakt befand und zwar beim britischen Ritus. Man ließ sie aber nicht einmal in die Nähe, Alex kam nicht einmal zu Wort. Die Templer dort waren nicht gewillt, ihr zuzuhören geschweige denn, sich auf eine Einigung einzulassen.
    Doch was sie jetzt erzählte, war wieder ein seltsames Gefühl für mich. Für sie oder ihre Leute, lagen die Geschehnisse schon über 250 Jahre zurück, Aber sie forschten danach. Ein Spion oder Mittelsmann hatte ihr einige Unterlagen zugespielt, welche ihren Namen in ein schlechtes Licht rückten.
    Und niemand anderes als eben Lady Melanie war die Verfasserin dieser Schriften!

    Kapitel 12

     

    *** Eine unüberwindbare Hürde? ***



    Ich konnte es erst nicht glauben, doch sie zog mich hinter sich her in ihr Arbeitszimmer und fischte aus ihrer gesicherten Truhe eine Mappe heraus. Dann reichte sie mir ein Blatt und ich konnte es nicht fassen!
    Es sah aus, als wäre es aus einer der Chroniken gerissen, doch es war, wie Alex erklärte nur eine Kopie!
    Mrs. Frederickson sei aufgrund ihrer Taten und ihrer Erscheinung nicht vertrauenswürdig und nicht erwünscht. Man solle sich vor dieser Person in Acht nehmen, sie bringe Unheil und würde den Orden in Gefahr bringen. So ging die Predigt noch einige Zeilen weiter und ich starrte auf dieses Papier und wusste im ersten Moment überhaupt nicht wie ich reagieren sollte.

    Mein erster Gedanke war, wie sie bitte an solche Unterlagen kam, wenn sie doch nicht mit dem britischen Ritus konspirierte!
    „Wie bitte? DAS ist das einzige, was dir einfällt dazu?“ ungläubig schüttelte sie den Kopf und resigniert kam dann „Also schön, da ich, wie du weißt, eine Einigung mit einigen Ordensteilen in Frankreich, Spanien und Deutschland erreicht hatte, hatte ich auch entsprechende Unterstützung. Und diese Hilfe übergab mir dann diese Kopien. Aber es ist gut zu wissen, dass es dich nicht interessiert, wie es sich für mich anfühlt, so etwas über sich lesen zu müssen.“ ich kam mir völlig dumm und ignorant vor in diesem Moment. Doch das waren Ordensinterna! Verstand sie das nicht?
    Alex riss mir das Papier aus der Hand und verstaute es wieder in der Mappe, aber ich packte ihren Arm.

    Ich versuchte eine Erklärung, dass es eben diese Barriere gab und ich einfach nicht darüber hinwegsehen konnte. Sie hatte Einblick in Dinge, die nicht für sie bestimmt waren!
    „Ja, das weiß ich, aber wenn du mir gerade zugehört hättest, dann hättest du verstanden, warum ich eigentlich so weit gekommen bin, wie ich es jetzt bin. Und das obwohl ich noch der Bruderschaft angehöre!“
    Ich spürte, dass Alex ungehaltener wurde und sich schwer zusammenreißen musste, doch... es war mir egal. Es ging hier um mehr!

    Plötzlich kam mir aber der Gedanke, wenn sie doch diesen Anfang erreicht hatte, könnte man es nicht auch hier versuchen? Vermutlich war gerade jetzt ein extrem schlechter Zeitpunkt das Ganze anzuschneiden, doch es klang immer noch wie ein Märchen für mich, dass man einen Waffenstillstand erreichen konnte zwischen Bruderschaft und Orden.
    „Das sich das völlig fantastisch anhört und man es kaum glauben kann, ist verständlich. Doch ich wollte es und hatte ein Ziel vor Augen, welches mich angetrieben hat. Und ich war hartnäckig...“ und genau DAS wäre es, was wir auch hier bräuchten! Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen!
    Leider würden wir hier aber nie mit Faiths Großmutter im Einklang sein, das wäre unmöglich.
    „Ist mir bewusst und ehrlich gesagt, will ich das auch gar nicht mehr. Und ich brauche ihren Zuspruch auch nicht. Solange sie mir einfach nicht zu nahe kommt, ist alles in Ordnung!“
    Aber auch das ließe sich nicht auf Dauer vermeiden, das war Alex mehr als bewusst.

    „Weißt du, Haytham, was erschreckend ist? Das diese Frau bis in meine Zeit eine gewisse Macht auf den Orden hat, besser auf den britischen Ritus. Es klingt schon fast wie eine Legende!“
    In diesem Moment brachte ich nur ein „Damit liegst du nicht ganz falsch!“ hervor und bereute diese Worte, jetzt war Alex angestachelt und wusste, dass dort noch mehr war, als sie alle angenommen hatten.
    Sie bestätigte es mit den zynischen Worten, dass ich wohl mehr wüsste und es für mich behalten würde, ohne sie einzuweihen, obwohl sie mir gegenüber offener war, als jede andere Person.
    Es tat mir im Grunde auch leid, aber ich konnte nicht... es ging nicht!

    „Schon in Ordnung, uns war ja beiden klar, dass es diese Hindernisse geben wird!“ und prompt war ihre trotzige Art wieder da und sie verschloss sich mir!
    Umgekehrt tat ich nichts anderes, es war nur zum Schutz des Ordens.
    Sie hing in der Luft! Weder Assassinen noch Templer standen Alex hier bei und was jetzt? Herr Gott... es war zum verrückt werden. Diese Barriere war wirklich vorhanden, ich wollte sie nur nicht wahrhaben, musste mir aber diesen tiefen Graben zwischen uns dann doch eingestehen.
    Diesen versuchte ich bildlich ein wenig zu überbrücken, indem ich sie in den Arm nahm!
    „Wir müssen eine Lösung finden, dass geht so nicht.“ meinte ich völlig frustriert und hoffte, dass auch sie so dachte.
    „... und ich habe keine Verbündeten hier, ich bin eigentlich alleine!“ mir brach eigentlich in diesem Moment das Herz, weil sie recht hatte. Alex stand auf verlorenem Posten und wir mussten eine Lösung finden!

    Meine Verlobte begann mir zögerlich zu erzählen, dass sie eigentlich schon mit der Bruderschaft abgeschlossen hatte, jedoch einfach keinen Weg gefunden hatte, sich zu lösen.
    Darum ging es aber nicht wirklich, es war dieser Gedanke und das tief verwurzelte Misstrauen gegenüber den Assassinen, welches mich und meine Brüder und Schwestern immer noch daran hinderte, über den Tellerrand zu schauen.
    Wenn es nur um mich ginge, wäre das vermutlich kein Thema mehr, doch ich hatte eine Bürde als Großmeister, eine Verpflichtung und musste als Vorbild fungieren!
    Ich löste mich von Alex und stand dann am Fenster und starrte hinaus, ich musste zu einer Lösung für uns beide kommen!
    „Selbst wenn ihr mir irgendwelche Dinge anvertrauen würdet, WEM sollte ich davon erzählen? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, Haytham.“
    Was sollte ich bitte darauf sagen? Sie würde es niemandem erzählen können, doch das war es nicht, was ich meinte... sie war Assassine! Punkt! Und ich schwieg!

    Ehe ich mich versah, verschwand Alex und ich sah nur, wie sie in Richtung Stall über den Vorplatz lief. Ich stand einfach da und konnte mich nicht rühren.
    Sollte ich ihr hinterher gehen, oder brauchten wir beide ein bisschen Zeit um die Gedanken zu ordnen?
    In den letzten Tagen hatte ich gespürt, dass meine Verlobte, genau wie ich auch, ab und an die Zeit brauchten, alleine alles zu verpacken wie Einsiedler!
    Also ging ich hinunter in mein Arbeitszimmer und eigentlich wollte ich mich den Angelegenheiten des Ordens und dem kolonialen Ritus weiter widmen, doch meine Konzentration ließ es nicht zu.

    Dann hörte ich die Eingangstür ins Schloss fallen und wartete mit angehaltenem Atem, ob Alex mich aufsuchen würde. Dem war nicht so, ich hörte nur noch ihre leisen Schritte, welche sich nach oben aufmachten. Verdammt!
    Haytham, verstehst du nicht, dass du deiner zukünftigen Frau wesentlich mehr vertrauen solltest? Sie ist keine daher gelaufene unwichtige Persönlichkeit, sondern der Mensch, der dir zur Seite steht. Diese Frau liebt dich, mehr als alles andere! Sie würde für dich, genau wie du für sie, durch die Hölle gehen. Und wenn du ehrlich zu dir selber bist, ist sie bereits durch ihre eigene Hölle gegangen. Sie hat für DICH alles zurückgelassen! Ich weiß, ich habe es so gewünscht, dennoch hat Alexandra einen großen Bonus an Vertrauen verdient., hörte ich plötzlich die Stimme meines Vaters in meinem Kopf.
    In diesem Moment wurde mir klar, dass ich sie voll und ganz an meiner Seite haben will!

    Es war an der Zeit, dass wir offiziell zusammengehörten, wir mussten es öffentlich machen!
    Ich setzte einen Brief auf, welcher an William gerichtet war, er wäre in der Lage uns zu trauen, wenn auch nicht ganz offiziell, das würden wir dann nachholen. Ich machte jetzt Pläne... wir würden Silvester diesen Jahres heiraten, Alex würde in den Orden aufgenommen werden und unsere angestrebte Vereinigung wäre somit ein ganzes Stück weiter fortgeschritten. Der Rest würde sich dann ergeben.
    Als ich den Brief an Master Johnson versiegelte, hatte ich für einen Moment ein schlechtes Gewissen, ich entschied über Alex´ Kopf hinweg, doch ich musste sie vor vollendete Tatsachen stellen. Anders war es mir nicht mehr möglich und ich vertraute auf meinen Instinkt, dass es das Richtige war.
    Das ist es, Haytham. Sie wird dir nicht grollen, im Gegenteil. Auch ich werde Alexandra die Absichten dann darlegen, mach dir keine Sorgen! Ihr gehört zusammen, daran halte immer fest, mein Sohn! Für einen Moment musste ich tief durchatmen, mein Vater hatte recht, aber gleichzeitig spürte ich diese Trauer um seinen Verlust wieder in mir.
    Haytham, ich habe einiges versäumt, ich war nicht immer da! Doch ich will es jetzt für dich sein!
    Dann herrschte absolute Stille in meinem Kopf.

    Ich ging langsam hinauf, Richtung Alex´ Arbeitszimmer, dort sah ich noch Kerzenschein aus der offenen Tür.
    Für einen Moment lehnte ich am Türrahmen und sah sie auf dieses … wie hieß es noch gleich? … ach ja, Handy starren, doch sie hatte Tränen in den Augen und ich konnte ihr Heimweh spüren und auch in ihren Augen sehen!
    Mein Klopfen registrierte sie und wischte sich erschrocken die Tränen aus dem Gesicht. Ich ging um den Schreibtisch herum und lehnte mich neben ihr mit dem Rücken daran.
    „Was jetzt, Haytham?“ Zu meinem Entsetzen klangen diese Worte wie ein Abschied und völlig desillusioniert und in mir keimte die Angst, Alex würde auf der Stelle wieder gehen!

    Ich atmete tief durch und fragte, auch wenn es sich plump anhört, ob sie dem Orden beitreten wolle.
    Natürlich wolle sie es, doch sie könne nicht und deutete auf ihren linken Ringfinger. Ich wusste, dort war das Assassinen-Symbol tätowiert und eben dieser moralische Aspekt, welchen sie ignorieren lernen musste.
    Diese Bruderschaft gehörte zu ihrem Leben, genauso wie der Orden zu meinem gehörte. Und da wären wir an einem Meilenstein angelangt, einer Einigung im kleinen Rahmen. Moralisch ist nichts verwerflich an ihrer Entscheidung, sondern es ist eine reine Kopfsache. Auch Shay hatte diesen Konflikt erlebt, ebenso meine kleine Schwester. War es aber etwas anderes gewesen als bei Alex?

    Kurzerhand teilte ich ihr meinen Entschluss mit, dass ich, wenn wir in New York sind, mich mit Shay beraten würde, ebenso mit Master Williams, damit wir eine Lösung fänden. Ich wollte Alex im Orden haben und ich würde es auch durchsetzen. Lucius müsste nicht zwingend einbezogen werden, weil ich nicht mehr offiziell dem britischen Ritus angehörte, doch auch er sollte Kenntnis von meinem Vorhaben bekommen.
    Alex Reaktion war pragmatisch und es kam nur ein „Was soll das bringen? Gerade Lucius wird sicherlich nicht glücklich sein, mich zu sehen. Und was Shay angeht, nun, das ist noch etwas anderes. Haytham, ich bin völlig durcheinander! Das ist einfach gerade zu viel für meine Nerven und ich kann keinen klaren Gedanken fassen!“

    Ich entschied, dass wir eine Nacht darüber schlafen sollten, der Tag war ereignisreich genug und nachdem wir hier alle Kerzen gelöscht hatten gingen wir hinüber. Alex saß, besser sie lag schon halb schlafend auf dem Bett, als ich sie daran erinnerte, sich noch auszuziehen. Langsam half ich ihr dabei, doch ich hatte keine lüsternen Gedanken dabei, sondern ich wollte, dass sie sich wohlfühlte und wir beide zur Ruhe kamen. Als sie mit dem Rücken mir zugewandt lag, strich ich vorsichtig mit meinen Fingern über die weiche warme Haut und hörte ein wohliges Seufzen, bis sie in den Schlaf glitt.

     


    *********************

    3. Dezember 1762



    Natürlich wurde ich wach durch die Bewegungen neben mir, welche immer noch ein wenig ungewohnt waren.
    Langsam formte mein Verstand wieder die Welt um mich und ich sah meine schlafende Verlobte an. Entweder spürte sie wirklich, dass man sie beobachtete oder sie hatte einen ebenso leichten Schlaf wie ich, das konnte ich nicht beurteilen.
    „Du bist schon wieder so früh wach, mi amor!“ und damit schlang sie ihr Bein um mich, was ich durchaus begrüßte.

    Ich hielt mich nicht lange mit meinen Gedanken, welche in der Nacht noch weiter gereift waren, zurück, sondern sprach sie aus! Ich wollte Alex GANZ in meinem Leben haben, keine faulen Kompromisse!
    Also fragte ich sie, ob sie mich heiraten wolle, im März, das war mein Gedanke für eine offizielle Hochzeit, dass wir vorher schon in New York eine Trauung haben würde, behielt ich erst einmal für mich. Ich wollte ihre Reaktion sehen.
    Und die bekam ich und sie machte mir Angst, es schien, als hätte sie plötzlich vor diesem Schritt Panik! Ihre Erklärung war aber wieder beruhigend und auch verständlich, daran hatte ich nämlich nicht wirklich gedacht.

    So aus dem Schlaf gerissen, gefragt zu werden WANN man heiraten will, ist durchaus etwas vorschnell und überrumpelt einen mitunter!
    „Entschuldige, ich hatte es nicht so gemeint, aber... ich bin doch noch gar nicht richtig wach und... Bei Odin... natürlich will ich dich heiraten. Das WANN wäre mir sogar egal, von mir aus könnten wir gleich heute...“
    DAS war es, was ich hören wollte und ich warf mich über Alex und bedeckte sie mit Küssen, in mir tobte eine Flut aus Erleichterung und auch, für mich eher untypisch, Vorfreude!

    Als ich dann noch ankündigte, dass wir theoretisch am 31. Dezember heiraten könnten, verfiel Alex in ihre praktische Art und überlegte, wie man einen Friedensrichter zu so einer Zeit bekommen sollte.
    Also erklärte ich ihr, dass ich schon wüsste wer uns trauen könnte und dass alles andere auch geregelt werden würde. Master Johnson würde uns an diesem Tag trauen, da er und seine Gattin gerade in New York zu der Zeit sein werden.
    „Haytham, so hätte ich dich gar nicht eingeschätzt. Aber... ich weiß nicht, was ich sagen soll!“
    Ihre Hände legten sich auf meine Wangen und dieser Kuss war das, was ich brauchte! Zumal sie nicht viel sagen müsste, Hauptsache sie sagte einfach JA!

    Bei diesen Worten verdunkelten sich ihre grünen Augen und ich spürte, wie Alex sich mir öffnete. In ihrem Geist konnte ich sehen, dass sie mehr als bereit war, mir das Ja-Wort zu geben, sie wollte mehr und ich gab ihr mehr. Ihre Hände legten sich wie befohlen über ihren Kopf und wir hatten uns im Stillen wieder!
    Eine Lektion musste ich dieser Frau aber noch geben, sie legte mitunter ein ziemlich ungehöriges Verhalten an den Tag. Ich sah, wie sie wie ausgehungert danach bettelte und ich genoss diese Momente wieder in vollen Zügen. Als wir beide langsam wieder ins Hier und Jetzt drifteten, hörte ich eine atemlose Liebesbekundung und erntete einen vorsichtigen Kuss.

    Plötzlich fuhr Alex hoch und sah mich erschrocken an.
    „Aber... ich... das geht... so schnell... und ich hab doch gar kein Kleid und... du auch nicht!“
    Nunja, ich bräuchte wohl auch keines, ein Anzug würde bei mir reichen, lachte ich nur.
    „Du... man, du weißt was ich meine.“ dabei stupste sie mir in die Seite und ich erinnerte sie mit meiner flachen Hand auf ihrem Hintern daran, sich zu zügeln.
    „Verzeiht, Master Kenway, aber... ich glaube, ihr solltet euren Unterricht dahingehend noch ein wenig verbessern und ausbauen!“ in diesen Worten lag schon wieder so ein Verlangen, welchem ich gerne nachgegeben hätte, doch wir hatten noch einiges zu erledigen.
    Aber ich ließ es mir nicht nehmen, Alex daran zu erinnern, dass ich sie beim Wort nehmen werde und dann Gnade ihr Gott! Meine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, wie ich mit einem zufriedenen Grinsen feststellen durfte, in ihr Gesicht stieg eine dezente Röte!

     

    Kapitel 13

    *** Zweisamkeit und Kennenlernen ***



    Nach dem Frühstück erschien auch schon Mr. Robinson um Bericht zu erstatten und wir gingen in mein Arbeitszimmer.
    Meine Verlobte ging hinauf in ihr eigenes Reich um sich weiter einzurichten.
    Heute sollten dann die ersten Ungeübten mit ihren Waffen vertraut gemacht werden und ich war doch erleichtert, dass es so gut klappte.
    Später ging ich noch zum Stall hinüber, da ich noch mit Mr. Mackenzie und seinem Stallburschen die Abläufe besprechen musste, wenn wir nicht zugegen waren. Die Futtervorräte mussten noch einmal aufgestockt werden, wobei ich Isaac freie Hand ließ, er konnte gut einschätzen, wie viel wir bräuchten.
    Für einen Moment stand ich vor Fenrir, welcher mich ein wenig, es mag sich eigenartig anhören, skeptisch ansah.

    „Dass dieses Tier doch friedlich sein kann, hätte ich nicht gedacht. Eure Verlobte scheint ein Gespür für Pferde zu haben!“ meinte der Stallmeister anerkennend.
    „Ja, das hat sie. Und wenn ich mir überlege, dass sie nie eines besessen hat, ist ihre Liebe zu ihm vermutlich um so stärker! Passt gut auf ihn auf solange wir in New York sind. Meine Verlobte kann mitunter sicherlich sehr ungehalten werden, wenn Fenrir etwas zustößt.“ lachte ich nur und ging zurück zum Haus.
    Für einen kurzen Moment blieb ich auf der Veranda stehen und besah unser Anwesen, erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich hier nicht mehr alleine bin! Dieser Gedanke ließ mich mit einem Lächeln ins Haus gehen.

    Auf mich warteten noch ein paar Verträge, welche ich ausarbeiten musste, worauf ich eigentlich nicht wirklich Lust hatte, doch die Arbeit musste erledigt werden, bevor wir aufbrachen.
    Von der oberen Etage hörte ich plötzlich eine Tür, welche gegen eine Wand donnerte. Was war da los? Sollte es etwas ernstes sein, dann würde Alex mir sicherlich Bescheid geben und das tat sie auch.
    Kurz darauf erschien sie mit Zoe, welche sie am Arm gepackt hatte und Mrs. Wallace im Schlepptau in meinem Arbeitszimmer. Ich sah von einer Dame zur nächsten und fragte, was passiert sei!

    Zoe hatte sich eines meiner getragenen Hemden angeeignet und meine Verlobte hatte sie gerade in unserem Bett erwischt, wie sie sich darin mit unserer Decke geräkelt hatte.
    Für einen kurzen Moment fühlte ich mich geschmeichelt, doch dann wurde mir klar, dass Alex mit ihrer Beobachtung von Anfang an Recht hatte.
    Dieses Mädchen wollte sich mir tatsächlich an den Hals werfen und ich hatte es nicht bemerkt!
    Als ich Zoe nun darauf ansprach, stotterte sie nur und ich sah, dass sie Angst bekam.
    „Aber... Master Kenway... es... ich habe es nur gut gemeint!“ aus dem Augenwinkel sah ich Alex´ entrüstetes Gesicht, keine andere Frau würde in unser Bett kommen und wenn dann nur Faith.

    Ich bat Mrs. Wallace darum, Jones hinzu zu holen, da er ja ihr Onkel sei und wissen sollte, was seine Nichte so anstellte.
    Es dauerte nicht lange, da erschienen die beiden wieder vor meinem Schreibstich und wie es die Art meines Kammerdieners war, tat er auf unwissend.
    Also klärte ich ihn in kurzen Sätzen darüber auf, was seine Nichte gerade so alles veranstaltet hatte. Auch meinte ich, dass ich ihm wohl nichts weiter erklären musste, es war eindeutig, dass Zoe mir mehr zugetan war, als es sich für ein Zimmermädchen gehörte. Das konnte ich weder dulden noch tolerieren!
    „Master Kenway, das ist sicher nur ein Missverständnis und wird nicht wieder vorkommen. Sie ist noch sehr jung und unerfahren und... es tut mir leid, ich werde natürlich dafür sorgen, dass Zoe in Zukunft ihre Arbeiten ordentlich und zu euren Wünschen erfüllen wird!“ diese kriecherische Art war mir zunehmend unangenehm geworden und ich sah, dass auch Alex ihre Probleme damit hatte.

    Es würde nicht noch einmal passieren, sollte noch ein einziges Vergehen von Zoe kommen, werden BEIDE entlassen, ohne Wenn und Aber!
    Ich entschied, dass ihr Lohn für zwei Wochen einbehalten wird und sie bekam ein Zimmermädchen an ihre Seite, welche sie im Auge behalten sollte. Alex´ Schadenfreude konnte man förmlich im Raum spüren, sie war wirklich wütend über dieses Verhalten von Zoe und ich wusste, dass sie selber immer mal wieder nach ihr sehen würde. In diesem Moment kannte sie keine Gnade und an Mitgefühl dachte Alex schon mal gar nicht!
    Mit einer Entschuldigung und einem Schniefen gingen die beiden hinaus, zurück blieb noch Mrs. Wallace und wollte schon ansetzen, Alex von dem Vorfall mit Justine im Fort Arsenal zu berichten. Ich unterbrach sie mit den Worten, dass ich das selber erzählen werde und Sybill verließ mein Arbeitszimmer.

    „Haytham, was war da mit dieser Justine? Faith erzählte mir von den Eskapaden mit ihr. Aber ich dachte, es sei mit der Kündigung dann erledigt gewesen?“
    Da musste ich sie enttäuschen, diese Frau hatte meine kleine Schwester dann kurzerhand als Hexe beschuldigt und somit wurde Faith angeklagt. Es war ein Desaster ohne Gleichen und Lucius hatte einige Bestechungsgelder fließen lassen müssen um schlimmeres abzuwenden. Er hatte zudem alles was Faith an Forschungsarbeiten angefangen hatte verbrannt, ehe die Soldaten es in die Finger bekommen konnten.

    „Du meinst, sie hat wirklich... meine Bücher genutzt, oder dass was sie daraus geschrieben hatte? Oh bei Odin... ich hatte sie gewarnt, dass sie das lassen sollte!“ sie ließ sich fassungslos auf einen Stuhl sinken. „Was war hier alles los, seit ich weg bin? Aber Faith ist nichts passiert, oder? Ich weiß, dass sie noch ein zweites Kind haben, mit diesem ist aber alles in Ordnung, oder muss ich mir Sorgen machen?“
    Jetzt schwang ernsthafte Besorgnis in ihrer Stimme mit und ich ahnte, dass sie nun noch schneller nach New York wollte.
    Auch mich überkam immer mehr ein seltsames Gefühl, so als wäre dort etwas nicht in Ordnung, doch ich konnte es nicht zuordnen.

    Also schlug ich vor, übermorgen, am 5. Dezember, aufzubrechen und meinte nur, sie solle bis dahin gepackt haben.
    Meine Vorfreude auf die Zeit alleine mit ihr auf engstem Raum konnte ich aber nicht aus meiner Stimme verbannen, auch wenn es gerade etwas unpassend war.
    „Warum bist du so euphorisch, mi amor?“ ich erklärte mich und spürte, dass meine Gedanken in die Gossen rutschten. Ich war aber nicht die einzige Person hier im Raum, der es so ging.
    „Master Kenway, wir haben so gut wie keine Privatsphäre dort an Bord. Das sollte euch klar sein, meine Kajüte ist ja nicht sehr abgelegen und... es ist sehr kalt und frostig!“
    Um sie zu wärmen würde mir sicherlich etwas einfallen, gab ich leise von mir und sah in ihre dunkler werdenden Augen.
    Bevor wir jedoch wieder über einander herfallen konnten, klopfte es und eines der Mädchen kündigte das fertige Mittagessen an.

    Ich stand auf und ging auf meine Verlobte zu. Ich nahm ihr Hand und zog sie zu mir hoch, in ihrem Gesicht konnte ich wieder alles lesen und das veranlasste mich ihr einen sehr leidenschaftlichen Kuss zu geben.
    Dann sah ich in ihrem Geist, was sie mit mir in unserem Bett gerade gerne tun würde. So einen Nachtisch ließ ich mir gerne gefallen und ich ließ meine Hand über ihren Hals zu ihrem ansehnlichen Dekolletee wandern, doch sie schlug sie spielerisch weg.
    „Master Kenway, das geht nun wirklich zu weit.“

    Wir beendeten das Essen schneller als sonst, ich wollte meine Verlobte einfach haben und ihr Gedanke an das Dessert war sehr verlockend.
    Sie demonstrierte mir ihre ganze Hingabe und ließ sich nicht beirren, auch nicht, als meine Finger sich in ihren Haaren vergruben und zudrückten! Jesus, diese Frau wusste, wie sie einen Mann zu nehmen hatte.
    Ich ließ sie umgekehrt in den Genuss meines Könnens kommen und erntete ein lautes und sehr befriedigtes „Haytham!“.
    Als ich dann etwas außer Atem an ihrer Brust lag, fragte ich einfach, ob es zu vermessen wäre, wenn ich mehr davon haben möchte.
    „Nein, es zeigt mir, dass ich nicht alles falsch gemacht habe, mi amor!“ mit einem Kuss auf meine Stirn fragte sie nach, was sie morgen an meinem Geburtstag tragen sollte.
    Etwas abgelenkt von ihrem Körper, meinte ich nur „Nichts!“
    Lachend kam „Das könnte dir so passen!“

    Dann hatte ich also einen Wunsch frei und ich wusste auch schon, WELCHES Kleid ich an ihr sehen wollte. Wir hatten ein leuchtend rotes Kleid für Alex erstanden, welches ihr sicherlich hervorragend stehen würde. Geburtstagskleid Dazu sollte sie ihre Haare offen lassen und bei dieser Vorstellung musste ich schon wieder tief seufzen.
    Meine Hände ließ ich jetzt langsam über ihren Rücken gleiten und spürte ihre Gänsehaut unter meinen Fingern. An ihrem Gesichtsausdruck sah ich plötzlich, dass sie mal wieder weiter weg war, doch sie teilte mir ihre Gedanken postwendend mit, ohne das ich nachfragen musste.
    „Weiß du, dass es sich seltsam anfühlt, dass ich bald mit dir vereint sein werde. Deinen Namen tragen werde?“

    Wenn ich daran dachte, wie sie noch vor ein paar Jahren über mich oder auch den Orden dachte, dann konnte ich es in gewisser Weise nachvollziehen!
    In diesem Moment schoss mir ein Gedanken durch den Kopf. Sie schrieb Tagebuch, wäre es da nicht vielleicht eine Idee, sie würde unsere inoffizielle Hochzeit erwähnen?
    Soweit ich das verstanden hatte, sollten diese Dinge später ja an ihren Sohn ausgehändigt werden und vielleicht wäre es ihm ja möglich, eine kurze Reise anzutreten um seiner Mutter beizustehen!
    Meine Worte klangen schon fast wie ein Befehl, doch ich wollte, dass sie es richtig verstand. Dass diese Reisen riskant sind, wussten wir beide, doch es ist schon so einiges in Gang gesetzt worden, was nicht unbedingt hätte sein sollen.

    Zum ersten Male dachte ich darüber nach, was wäre gewesen, wenn Alex nie diese Artefakte gefunden hätte? Wie wäre mein Leben dann verlaufen? Der Anfang hätte sich vermutlich nicht geändert, doch wie sähe es jetzt aus zum Beispiel? Sie wusste ja, ich würde mich in Virginia niederlassen, also täte ich es auch, wenn Alex nicht an meiner Seite wäre? Hatte ich dann jemand anderes in meinem Leben? Diese Vorstellung war völlig absurd in diesem Moment für mich und ich schüttelte mich bei diesem Gedanken.

    Meine Verlobte äußerte ihre Bedenken, hinsichtlich des Überfallkommandos auf die Cormacs, wenn dann auch noch Gäste hinzukamen.
    Ihre anerzogene Bescheidenheit und Höflichkeit in solchen Dingen ließ mich schmunzeln, sie konnte mit der Tür ins Haus fallen, ohne mit der Wimper zu zucken. Bekam aber bei solchen Anlässen ein schlechtes Gewissen!
    Plötzlich schlug ihre Stimmung um und sie sah mich bittend an.
    „Haytham, ich würde deine kleine Schwester gerne als meine Trauzeugin haben wollen an meiner Seite.“
    Dafür brauchte sie nicht meine Erlaubnis, ich hatte es mir schon fast gedacht, Shay wäre umgekehrt mein Zeuge!
    „Das weiß ich, mi amor, aber ich wollte deine Meinung trotzdem hören, sie ist mir wichtig!“ Bei diesen Worten überkam mich eine Woge aus Stolz, das war eines der größten Komplimente welches sie mir machen konnte und ich übersäte sie mit Küssen, welche mit einem etwas ungehaltenen Gekicher angenommen wurden.

    Dieser Nachmittag war für mich wie eine Lehrstunde in Sachen, das Leben meiner Verlobten kennenzulernen. Nicht nur ihr Leben, auch lernte ich über sie mehr, was natürlich noch lange nicht abgeschlossen wäre.
    Alex fragte unter anderem völlig unerwartet, wie ich diese Emotionen so verbergen kann, dass niemand an mich herankommen kann. Ich versuchte eine Erklärung, doch sie war sehr dürftig, ich beschloss daher, ihr diese Technik ebenfalls angedeihen zu lassen, sie würde sie oft nutzen können und müssen!
    Nun kamen wir auch auf meine damalige Gehirnerschütterung zu sprechen und sie fragte sich, wie ich bei diesen Schmerzen diese Art aufrechterhalten konnte. Leicht war es nicht, gab ich zu, dieser Krieg in mir, dass der Orden an erster Stelle stehen musste und nicht sie und ich meine Gefühle auch noch unterdrücken musste...

    Diese Frau hatte es mir nicht leichter gemacht, gab ich zu und zog sie auf mich, sie würde meine Gefühle jetzt ebenfalls zu spüren bekommen!
    „Jetzt bin ich auch noch an deinem Gefühlschaos schuld? Und was ist mit meinem? Du hast mich … auch … ziemlich … durcheinander gebracht.“ hörte ich sie keuchen, als ich mich in sie gleiten ließ. „Master Kenway... ihr solltet mich vorwarnen...“ oh nein, das würde ich nicht tun.
    „Deine Art mir gegenüber war einfach... unkonventionell und völlig natürlich. Das kannte ich nicht und es irritierte mich am Anfang... doch... als ich dich das erste Mal nahm, konnte ich spüren, dass du anders als die Frauen hier bist....“ Ihre Bewegungen wurden schneller und mir entwich ein lautes Stöhnen „und... ich will mehr davon, mi sol!“

    Ich hob sie von mir herunter und kniete mich hinter sie, ließ meine Hand fest in ihrem Nacken und sagte nur noch, dass ich sie haben will und mit meinem Höhepunkt spürte ich, wie Alex ebenfalls kam.
    Langsam zog ich mich zurück und schloss sie wieder in meine Arme.
    „Dieses Dessert war mal so richtig nach meinem Geschmack, mi amor.“ grinste sie mich an und ich versprach ihr, dass sie davon sicherlich noch so einige bekommen würde.
    „Das will ich hoffen, Master Kenway.“ hörte ich ihre leise Stimme an meiner Schulter.

    Nun war ich derjenige der eine Lektion erhielt und zwar was das Trinkverhalten anging. Ich hatte bei Alex schon bemerkt, dass sie überall im Haus Karaffen mit Wasser stehen hatte, welches immer abgekocht wurde! Schon damals sprach sie davon, dass man möglichst viel davon trinken sollte, doch mir erschloss sich der Sinn dahinter nicht. Es gab nun wirklich wesentlich leckerere Getränke, doch sie erklärte mir, dass es mit dem Wasserhaushalt im Körper zu tun hätte und überaus gesund sei. Ich solle es einmal ausprobieren, davon könne man süchtig werden. In ihrem Geist sah ich, dass sie mich als ihre persönliche Sucht bezeichnete.

    Sie probierte nun einmal das Kleid an und ich hatte Recht, es stand ihr, auch wenn ihre Haare gerade in alle Himmelsrichtungen abstanden.
    Bei dieser Bemerkung kündigte sie an, heute noch ein Bad zu nehmen und ich freute mich schon darauf, dann konnte ich ihr bei der Reinigung zur Hand gehen und nicht nur bei dieser. So hoffte ich doch.
    „Du musst unbedingt mitkommen... wen sollte ich sonst nur in ein Handtuch gehüllt bewundern?“ Das Handtuch und der Großmeister!
    Diese Frau war einfach unmöglich und ich ließ meine Hand auf ihren Hintern klatschen.
    „Ich kann doch nichts dafür, dass dir nur ein Handtuch um die Hüfte wirklich steht und... wenn es nach mir ginge...“ das konnte sie ganz schnell aus ihrem Gedächtnis streichen, so würde ich sie nicht ehelichen! Und mit diesen Worten scheuchte ich sie jetzt wieder aus dem Bett.

    Für einen Moment dachte sie darüber nach, sich eine Beschäftigung zu suchen, sie fühle sich nicht richtig ausgelastet. Alex würde aber bald genug zu tun bekommen, die Angestellten unterstanden in diesem Falle jetzt ihr und damit hätte sie schon einmal genug zu tun fürs erste.
    „Was machen wir eigentlich mit Zoe und Jones? Hast du eine gewisse Zeitspanne ins Auge gefasst?“
    Das Ganze müsste warten, bis wir wieder zurück aus New York sind.
    Ein letzter Kuss und wir verließen das Schlafzimmer und gingen hinunter. Alex holte sich ihren Kaffee in der Küche ab, orderte für heute Abend ein Bad und verabschiedete sich mit den Worten, dass sie jetzt wohl besser meinem Befehl nachgehen sollte, ihr Tagebuch weiter zuführen! Erwähnte ich, dass diese Frau immer das letzte und vor allem freche Wort haben muss?

     

    Kapitel 14

    *** Tod eines Plünderers ***



    Ich hingegen musste mich um die Korrespondenz von heute kümmern. Diese Ablenkung hatte mir aber gut getan und ich war entspannter beim Beantworten der ganzen Anfragen und Bitten. Es klopfte und Mr. Robinson trat ein.
    „Master Kenway, es freut mich, dass ich euch noch erwische, es geht um einen Neuling in Bezug auf das Pistolentraining. Der Junge traut sich nicht, eine Waffe in die Hand zu nehmen, meint, er wolle das nicht. Sollen wir ihn gewähren lassen? Ich meine, wir hätten genügend andere Männer die als Wache fungieren, es wäre nicht allzu tragisch um ihn. Doch sein Vater drohte ihm mit Prügel, wenn er sich nicht wie ein Mann benehmen würde und vernünftig mit anpackt.“
    Ich konnte mir nicht helfen, ich empfand Mitleid mit dem jungen Mann. Nicht jeder war für den Dienst an der Waffe geeignet, doch in diesen Zeiten brauchten wir jeden den wir kriegen konnten.
    Und wenn ich nicht ganz falsch lag, würden bald noch mehr Männer zur Waffe greifen müssen, es braute sich etwas zusammen.

    „Lasst ihn vorerst außen vor und dann sehen wir später weiter. Sein Vater soll aber, wenn wir aus New York wieder zurück sind, bei mir erscheinen, dann werde ich mit ihm über ein persönliches Training sprechen!“ ein etwas ungewöhnlicher Gedanke, ich weiß, doch vielleicht konnte ich den Bengel ja so überzeugen, für seine Familie einzustehen!
    Mein Aufseher fand den Einfall zwar auch nicht erstklassig, doch er wollte es so weitergeben. Nachdem er gegangen war, kündigte sich Mr. Mackenzie an, obwohl ich doch eigentlich schon alles mit ihm besprochen hatte.

    „Master Kenway, verzeiht die erneute Störung. Aber es geht um Fenrir, wir brauchen für ihn noch einen passenden Sattel. Derzeit wird ein alter genutzt, welcher nicht richtig passt und auch eure Verlobte braucht einen sicheren Halt, denkt ihr nicht?“ und als wenn man vom Weibe spricht, stand sie in der Tür. Wir erhoben uns und Isaac begrüßte Alex freudig. Nun fragte er Alex nach ihren Wünschen, was den Sattel anging, aber ich sah, dass sie überhaupt keine Ahnung von solchen Dingen hatte.
    Also übernahm ich den Auftrag und meine Verlobte verschwand entschuldigend lächelnd. Ein Sattel aus dunklem Leder, welches die Präsenz des Hengstes noch unterstrich sollte es schon sein. Dann gab ich noch ein Budget vor, welches der Sattler nicht überschreiten sollte, beim letzten Mal hatte er nämlich versucht mich über den Tisch zu ziehen! Das ist ihm nicht gut bekommen und ich hoffte, er hatte gelernt!

    Anschließend machte ich mich auf die Suche nach meiner Verlobten, in ihrem Studierzimmer war sie nicht, auch nicht im Lesezimmer. Auch Mrs. Wallace wusste nicht, wohin sie sein könnte, da fing ich an mir Sorgen zu machen, so ohne ein Wort würde Alex nicht einfach aufbrechen.
    Mein nächstes Ziel war daher der Stall und ich sollte Recht behalten, dort stand sie bei ihrem Pferd und sprach leise mit ihm.
    Isaac war mittlerweile auch wieder hier und sah ebenfalls kopfschüttelnd auf diese seltsame Frau. Ich tat meine Sorge um sie kund und bekam ein Grinsen zurück.
    „Ich denke, wenn du mich in Zukunft suchst, musst du hier anfangen oder der Spur dieses Friesen folgen!“
    Das war eine gute Idee und gar nicht so abwegig, so würde ich meinen Sinn ein wenig trainieren und ausbauen können.
    Gespielt schmollend meinte sie dann „Damals warst du von meinen Vorschlägen, wenn es um das Lernen ging, nie so angetan.“
    Das war eine andere Zeit und ich hatte von Frauen überhaupt keine Ahnung, zur Wiedergutmachung wollte ich sie gerade in die Arme nehmen, als wir merkten, dass der Friese unruhig wurde.

    Zuerst dachten wir, er wäre „eifersüchtig“ doch er tappte immer schneller hin und her und auch meine Stute begann sich in ihrer Box zu regen.
    Hvad sker der med Fenrir? Hvorfor er du så rastløs? (Dänisch... was ist los, Fenrir? Warum bist du so unruhig?) Wieder sprach Alex in dieser Sprache.
    Fenrir stupste sie immer wieder an und mit einem Male so heftig, dass er sie aus seiner Box schob. Da wurde uns beiden klar, dass etwas nicht stimmte, also ließen wir unsere Tiere satteln und kaum dass wir aufgesessen waren, machte sich Alex´ Hengst wie von selbst auf den Weg und ich folgte mit meiner Stute.

    Plötzlich blieb Fenrir wie angewurzelt auf einem der brach liegenden Felder stehen und hatte die Nüstern am Boden. Man konnte die Angst und das Zittern der beiden Tiere spüren und wir saßen ab, um die Gegend zu inspizieren.
    Als ich meinen Blick aktivierte sprang es mich förmlich an, dicht unter der Erde konnte ich einen Leichnam sehen. Die Aura war leicht rot und dabei abzuklingen, er war also noch nicht lange tot.
    Ich sah mich weiter hier um, entdeckte aber keine weiteren Spuren. Als ich den Vorschlag machte, den Aufseher hinzuzuziehen und die Leiche woanders zu beerdigen, sah ich, dass meine Verlobte nicht ganz so glücklich damit war.
    Sie stimmte dennoch zu und meinte aufmunternd, sie würde hier warten und aufpassen. Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie sie sich enger an den Friesen schmiegte, welcher jetzt ruhiger geworden war.

    Mr. Robinson hatte mit seiner Frau und den beiden Kindern ein kleines Haus hier in der Nähe, also dauerte es auch nicht lange ihn aufzusuchen.
    Ich entschuldigte mich für mein so spätes Erscheinen und erklärte mich kurz.
    „Master Kenway, habt ihr eine Ahnung, WER es sein könnte? Ich vermisse niemanden von den Arbeitern oder Pächtern. Ich hoffe doch, sie alle sind wohlauf.“ meinte Mrs. Robinson nun ängstlich und sie zog die beiden kleinen Jungs enger an sich heran.
    „Macht euch keine Sorgen, Mrs. Robinson, euer Mann und ich werden nachsehen gehen und glaubt mir, von unseren Leuten wird es sicherlich keiner sein.“ meinte ich zuversichtlicher als ich eigentlich war.
    Ich trieb den Aufseher nun zur Eile an und verabschiedete mich schon mal und ritt voraus. Er würde die Stelle schon finden, ich hatte nun eine Laterne bei mir!

    Als ich mich dem verlassenen Feld näherte, sah ich neblige Gestalten vor Alex stehen, welche Tränen überströmt da stand und schluchzte.
    Ich stellte mich neben meine Verlobte und nahm ihre Hand, gerade als meine Mutter vortrat. Ihre nächsten Worte waren wie Balsam für meine Seele, ich hatte sie eine Ewigkeit nicht mehr gehört und sie waren mehr als eine Entschuldigung.
    „Haytham, mein Liebling! Ich liebe dich! Vergiss das nicht!“ Ich spürte ihre Hände auf meinen Wangen und auch den Kuss, welchen sie mir auf die Stirn gab.

    Neben mir fiel Alex auf die Knie und weinte bitterlich!
    „Es tut mir so leid... ich hätte es verhindern sollen, ich hätte es verhindern können... es tut mir leid...“
    Mein Vater sprach in seiner ruhigen, aber doch bestimmten Stimme mit ihr und versuchte sie zu beruhigen!
    „Nein, du hättest es hinausgezögert... doch JETZT kannst du etwas entscheidendes verändern... du hast noch genug Zeit, Alex!“
    Und damit hatte er Recht, wir hatten jetzt die Gelegenheit bekommen, ein paar Dinge zu ändern, wir mussten nur die richtigen Momente nutzen.

    Plötzlich waren wir wieder alleine und ich sah, wie Mr. Robinson mit großen Augen auf uns zutrat. Ich schüttelte nur den Kopf und hieß ihn, keine Fragen zu stellen.
    Er hatte einen Karren und zwei Schaufeln mitgebracht, also begannen wir schweigend, den Toten auszugraben, was nicht so schwer war, es war nicht viel Erde auf ihm. Es schien, als hätte man es eilig gehabt ihn loszuwerden.
    Dann konnten wir einen Blick auf den Verstorbenen werfen und es war Mr. Robinson der ihn erkannte.
    „Den kenne ich, dass ist Phil, ein Saufkopf wie er im Buche steht. Dann kann ich mir schon denken, mit wem er umhergezogen ist.“ ich sah ihn auffordernd an, das war noch keine Erklärung!
    „Das ist eine Gruppe von 4, naja, jetzt nur noch 3 Mann. Sie sind stets auf Krawall und Ärger aus und sind bekannt für ihre Skrupellosigkeit. Einige Vergewaltigungen, Morde und sonstige Überfälle gehen auf ihr Konto.“

    Alex starrte ihn völlig fassungslos an, wie er so nüchtern das Ganze erzählte.
    „Mrs. Frederickson, das ist hier nichts ungewöhnliches. Diese Kerle haben nie eine Arbeit länger als eine Woche behalten und jetzt im Winter stellt man auch niemanden ein. Im Grunde sind es arme Schlucker, die überleben wollten.“ und mit einem Male schlug Alex´ Stimmung in Wut um und ließ sie an meinem Aufseher aus.
    „Ich hoffe jetzt für euch, dass ihr wisst, dass diese ach so armen Männer eine ganze Familie auf dem Gewissen haben, nur um an die Lebensmittel zu kommen!“
    Ihr Tonfall war scharf und aggressiv. Bevor aber noch die Situation eskalierte, hoben wir den Toten auf den Karren, damit wir eine abgelegenere Stelle suchen konnten.

    Auf dem Weg in den nahe gelegenen Wald kamen Alex die tollsten Verschwörungstheorien und ich staunte, auf was für Ideen ihr Gehirn manchmal kam!
    „Und wenn einer der Arbeiter ihn auf dem Gewissen hat und diesen Phil nur schnell beiseite schaffen wollte...“ ich erklärte noch einmal, dass er wohl einfach für die anderen lästig war und einfach ein Klotz am Bein darstellte. Er war nicht gerade ein Leichtgewicht und seiner Kleidung nach zu urteilen, nicht einer der reinlichsten Menschen. Es konnte viele Gründe für diesen Mord geben.

    Dann endlich konnten wir diesen Dieb beerdigen, auch wenn es zunehmend schwerer wurde, da der Boden anfing zu gefrieren.
    Es vergingen 2 Stunden bis er tief genug unter der Erde lag, damit die Tiere ihn nicht wieder ausgraben konnten. Ich schickte Mr. Robinson mit einem Danke zurück zu seiner Familie, ich würde mich die Tage noch erkenntlich zeigen für diese Hilfe.
    Danach ritten auch Alex und ich zurück nach Hause. Immer wieder sah ich, wie sie ihre Hände verstohlen aneinander rieb und abwechselnd unter ihren Umhang schob.

    Als wir im Salon ankamen, warf sich meine Verlobte auf das Sofa vor dem Kamin und hielt begierig ihre Finger ans Feuer. Auf meine Frage, warum sie keine Handschuhe trug bekam ich die übliche pragmatische Antwort.
    „Ganz ehrlich? Ich hatte sie vorhin einfach vergessen. Aber wäre es jetzt schon zu spät um das Bad zu bitten?“
    Ach ja, ihr anerzogenes schlechtes Gewissen, welches ihr verbat, um so etwas zu bitten. Doch selbst wenn sie morgens um zwei ein Bad wünschte, würde man ihrer Bitte nachkommen. Dafür waren die Diener und Angestellten ja da!
    Ich rief nach Magda und bat sie, alles Notwendige in die Wege zu leiten. Als die provisorische Zofe wieder gegangen war, meinte ich nur, so einfach wäre es und sie müsse sich keine weiteren Gedanken machen.

    Oben im Ankleidezimmer stand Alex etwas unschlüssig vor einem ihrer Schränke und ich fragte, ob sie etwas bestimmtes suchte oder vermisste.
    „Du wirst es nicht glauben, aber ich habe drei Kleidungsstücke aus meiner Zeit dabei. Teile die ich immer gerne zuhause getragen habe, wenn ich Feierabend hatte.“ sagte sie grinsend und meine Neugierde siegte mal wieder, ich wollte sie sehen.
    Kurz darauf lagen auf unserem Bett sehr seltsame Sachen. Sie verströmten einen sehr angenehmen Duft, so ähnlich wie der in Alex´ Haaren! Ich konnte mir aber Alex nicht darin vorstellen! Sie sahen irgendwie völlig unförmig aus, aber der Stoff fühlte sich weich an.
    „Das ist Sinn der Sache, sie sollen einfach nur bequem und funktionell sein. Diese Sachen hat man ja nicht in der Öffentlichkeit an, sondern nur zuhause auf dem Sofa beim Netflix gucken!“ ich hatte kaum ein Wort verstanden, aber ich vermutete, sie hatte Recht.
    Also befreite ich sie aus ihren Sachen und warf ihr einen Morgenmantel über, dann tat ich es ihr gleich und ich sah in ihrem Blick, dass sie mein Vorhaben durchaus begrüßte.

    Wir gingen hinunter und kaum dass sie im warmen Wasser lag, kam ein lautes Stöhnen, welches mich grinsen ließ. Ich war ja noch nicht einmal in ihrer Nähe.
    Ihre Antwort war mal wieder klar, ich solle mich lieber beeilen und das mit einem so lüsternen Tonfall, dass wohl kaum jemand gezögert hätte!
    Für einen Moment genossen wir diese Wärme und die Nähe des anderen, doch ich merkte schnell, dass Alex müde wurde und erinnerte sie an die Haarwäsche.
    Mürrisch löste sie das Haarband und wieder fiel mir ein Schwall dunkelblonder Haare auf die Brust, doch es sah einfach wunderschön aus und ich begann sie einzuschäumen. Mir fielen erst jetzt diese grauen Strähnen auf, welche ich aber sehr anziehend fand, auch wenn meine Verlobte der Ansicht war, sie würde sie lieber einfärben wollen.

    Dann war sie fertig mit der Wäsche und drehte sich zu mir um, um mir ebenfalls zu helfen, doch ich hatte mittlerweile andere Pläne und ließ Alex diese spüren.
    Ich zeigte ihr in meinen Gedanken, was ich wollte, WIE ich sie wollte und ich zog ihre Handgelenke auf den Rücken und schob sie mit der freien Hand weiter auf meinen Schoß! Ohne Probleme nahm ich sie und konnte ein lautes Aufstöhnen nicht verhindern, wir beide sagten keinen Ton, sondern ich las in ihr und ließ sie mich erkunden.
    Du musst noch viel lernen, aber ich werde es mir nicht nehmen lassen, dich persönlich einzuweisen. Und jetzt beweg dich endlich, ich will dich spüren, will sehen, wie du kommst!, befahl ich ihr im Geiste! Du gehörst mir, Alex. NUR mir! Bei diesen Worten konnte ich mich nicht mehr zügeln und kam kurz nach ihr.
    Ich hatte das Gefühl, dass jedes mal wenn wir miteinander schliefen, es intensiver wurde. Ich mag mich täuschen, doch es war so innig, so vertraut mit dieser Frau, dass ich das Gefühl hatte, wir würden uns schon immer kennen. Eigentlich war es ja auch so, wenn man es genau betrachtete.

    Als ich kurz darauf ihrer Meinung nach, ebenfalls sauber genug war und wir beide merkten, dass das Wasser merklich abgekühlt war, hob ich sie aus der Wanne.
    Schnell trockneten wir uns ab und prompt sah ich wieder ihren Gedanken mit dem Handtuch. Ich sollte ihr dringend noch einige Flausen aus dem Kopf jagen!
    Kurz darauf waren wir dann auch angezogen und für einen Moment stand ich hinter Alex in unserem Schlafzimmer, schlang meine Arme um sie und meinte, wir sollten jetzt hinunter gehen. Mein Atem verfehlte seine Wirkung nicht und sie erschauerte leicht, nahm meine Hand in ihre und küsste die Innenseite.

    Nach dem Essen gingen wir beide müde hinauf, es war mittlerweile nach 23 Uhr und wir würden morgen Gäste bekommen.
    Doch es sollte noch anders kommen, plötzlich hielt Alex inne und starrte nach rechts auf die offene Tür zu ihrem Arbeitszimmer. Wir beide nutzten unsere Sinne und tatsächlich sahen wir eine leichte rote Aura, welche sich an ihrem Schreibtisch zu schaffen machte!
    Leise schob sie die Tür auf und wir trauten unseren Augen nicht.

     

    Kapitel 15

    *** Mein 37. Geburtstag ***



    Es war Zoe, welche die Papiere in den Schubladen durchwühlte!
    „Mrs. Frederickson, Master Kenway... es... ist nicht so wie... ich habe nur... ich wollte...“ Das Zimmermädchen zitterte vor Schreck.
    „WAS habt ihr hier zu suchen, Zoe? Ich denke nicht, dass es hier etwas zu tun für euch gibt!“ Alex wurde gleich laut und sehr ungehalten, daran musste sie noch dringend arbeiten, aber dazu später mehr.

    „Sir, ihr müsst mir glauben, ich … habe nur...“ ich sprach jetzt nur eine Warnung aus, dass sie besser den Mund halten sollte, ehe sie sich um Kopf und Kragen redete. „Aber... eure Verlobte... sie...“ stotterte sie weiter und wieder fiel Alex ihr ins Wort!
    „Was ist mit mir?“ kam es genervt!
    „Ihr hintergeht euren Verlobten und seid ihm untreu. Ihr seid schon verheiratet!“
    Jetzt war ich es, der erstaunt von einer zur anderen Dame sah, ich wusste mit Sicherheit, dass das nicht der Fall ist. Einfach unmöglich! Auf die Frage meiner Verlobten, wie sie auf so eine Schnapsidee käme, kam auch eine patzige Antwort! Sie hätte es gelesen!
    „Und WO habt ihr das gelesen? Und überlegt euch jetzt gut, WAS ihr antwortet, solltet ihr an meine verschlossenen Unterlagen gegangen sein, dann Gnade euch Odin, Zoe!“

    Triumphierend hielt das Zimmermädchen Alex´ Tagebuch in die Höhe.
    Ich wusste, dass es in deutsch verfasst war, dann konnte Zoe also auch das lesen, sie beherrschte mehrere Sprachen? Aber das wäre unwahrscheinlich und als meine Verlobte sie jetzt auf deutsch ansprach, sahen wir beide, dass sie nicht ein einziges Wort verstanden hatte.
    Ich forderte sie auf zu antworten, sie hätte es ja schließlich auch gelesen, dann konnte sie die Frage sicherlich ebenfalls beantworten.
    „Ich... Sir, aber... hier steht doch... eine Hochzeit, irgendwas... ich lüge nicht, Master Kenway!“
    Nichts hatte sie gelesen, nur Wörter zusammengereimt. Alex´ nächste Worte waren sogar mir unheimlich, wie sie sie aussprach.
    „Ihr legt jetzt sofort dieses Tagebuch dahin zurück, wo ihr es herhabt, auch die anderen Sachen, welche noch in eurem Ausschnitt stecken und dann werden wir über eure Kündigung sprechen, Zoe!“

    Nachdem das Zimmermädchen alles wieder auf den Schreibtisch gelegt hatte, bat mich Alex Jones dazu zu holen, damit wir alles weitere klären konnten.
    Etwas widerwillig ließ ich die beiden alleine und suchte meinen Kammerdiener auf, welchen ich aber nicht lange suchen musste, er war gerade dabei, meine Garderobe für morgen zurechtzulegen. Als er mich im Ankleidezimmer bemerkte, sah er mich erstaunt an und ich bat ihn einfach kalt und in meiner Templerart, mir zu folgen, wir hätten etwas zu besprechen.
    Sofort änderte sich seine Haltung und ich hätte schwören können, dass er einen Plan hatte, welcher jetzt nicht mehr aufgehen würde. Irgendetwas an ihm störte mich, nur was?

    Alex saß jetzt an ihrem Schreibtisch und Jones´ Nichte saß zitternd davor. Ich kam gleich auf den Punkt!
    „Ich denke, wir werden nicht mehr viele Worte über diese Sache verlieren. Aber Jones, eure Nichte hat sich an den persönlichen Dingen meiner Verlobten vergriffen und ich hatte euch gewarnt, kommt noch irgend etwas dergleichen vor, bedeutet das die Kündigung.“
    In diesem Moment entglitten meinem Kammerdiener alle Gesichtszüge und ich hörte nur ein „Du bist doch wirklich zu nichts zu gebrauchen, du dumme Kuh!“ von ihm, eine interessante Wortwahl!

    „Master Kenway, ich versichere euch, dass so etwas nie wieder vorkommt. Aber... Mrs. Frederickson ist... sie hat mich, als ich damals den Vorschlag gemacht habe, euch angemessen zu behandeln, einfach aus dem Zimmer geworfen. Sie hat nicht das Recht dazu und ihr musstet nur wegen IHR weiter leiden. Sie wird es wieder tun, sie ist der Teufel in Person. Das habe ich damals schon gespürt!“ versuchte er jetzt alles zu rechtfertigen!
    So langsam kochte es in mir ebenfalls, man beleidigte Alex´ bis aufs Blut und das konnte ich nicht zulassen. Ich erinnerte ihn daran, dass es meine Verlobte war, welche mir mit Hilfe von Faith und Shay geholfen hatte.
    Seine nächsten Worten wurden immer abstruser, doch sie waren vermutlich die Wahrheit, wenn auch verzerrt!
    „Ich habe gesehen, wie ein Leuchten sie umgab, als sie euren Anhänger berührte und ihre Augen waren ganz rot dabei. Und dann kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, als eure Verlobte bewusstlos war und so eine komische Sprache führte! So etwas wollt ihr einfach in euer Haus lassen?“
    Und dann bekreuzigte er sich auch noch, das fehlte mir noch, dass wir noch jemanden hier hatten, der jetzt Alex der Hexerei bezichtigte!

    „Das ist doch nicht euer Ernst, oder? Ich hatte euch damals schon gesagt, dass es nichts mit dem Teufel zu tun hatte. Master Kenway hatte man nur etwas unter sein Essen gemischt, genau wie mir. Da könnte ich EUCH jetzt auch einfach so für beschuldigen. Doch ich tue es nicht, es geht hier um Fakten.“ fauchte Alex meinen Kammerdiener jetzt an.
    „Ich habe es doch mit eigenen Augen gesehen!“ er hatte gar nichts gesehen!
    „WAS habt ihr gesehen? Das Leuchten? Denkt einmal darüber nach, es war die Sonneneinstrahlung und Abends waren einige Kerzen angezündet worden. Es hat sich etwas in meinen Ketten und meinen Augen gespiegelt!“
    Wieder einmal staunte ich über Alex´ Geschick, wenn es um Kontern ging bei Diskussionen, sie hatte fast immer irgendein Gegenargument!

    Nach einigem Hin und Her und der wiederholten Meinung, dass Alex mit dem Teufel im Bunde sei, dass ich nicht wüsste, woher sie stamme und sie mich angeblich auch jetzt verhext haben sollte, wollte ich diese Farce beenden.
    Doch es war meine Verlobte, welche in einem so kalten Ton einen Schlussstrich zog, dass selbst ich Angst bekam.
    „Ihr solltet jetzt besser gehen und mir nie wieder unter die Augen treten. Und ich warne euch nur ein einziges Mal, erfahre ich, dass ihr mich noch einmal beschuldigt und verunglimpft, dann Gnade euch Odin!“ ich sprang ihr zur Seite und meinte, dass damit alles geklärt sei, die beiden umgehend ihre Sachen packen und sofort unseren Grund und Boden verlassen sollten.
    Magda und ein Diener wurden gerufen, um die beiden zu überwachen bis sie von hier verschwunden waren!

    Alex ließ sich erschöpft auf den Stuhl sinken und legte den Kopf in ihre Hände.
    „Du meine Güte, was ist das nur für ein Einstieg hier.“ kam es müde von ihr und ich musste mich bei ihr entschuldigen, auch ich hatte mir das Ganze etwas anders vorgestellt!
    Ich ließ meine Hand über ihre Haare streichen, zog sie dann langsam hoch und in meine Arme.
    „Haytham, du musst aufhören, eine solche Wirkung auf Frauen zu haben!“ meinte sie nuschelnd an meiner Brust und ich musste lachen. Wenn ich wüsste wie das ginge, würde ich es tun.
    Ich versicherte ihr aber, dass sie die einzige Frau für mich bliebe, sie würde mir voll und ganz reichen!
    „Das könnte ich durchaus auch anders interpretieren, mi amor!“
    Man könnte meinen, sie wollte mich mit diesen Worten provozieren!

    „Ich? Nein, das würde ich nicht wagen, Master Kenway!“ kicherte sie und meine flache Hand landete auf ihrem wohlgeformten Po.
    „In ein paar Wochen sind wir verheiratet, dann hast du eh keine Chance mehr, vor mir wegzulaufen, mi sol! Dann gehörst du voll und ganz mir!“ und das war noch nicht einmal gelogen!
    Alex stellte sich auf die Zehenspitzen und zog sich mit ihren Armen in meinem Nacken etwas hoch.
    „Darauf freue ich mich schon, mi amor!“ hauchte sie an meinen Lippen und der nächste Kuss war genug Bestätigung für mich.
    Langsam spürte ich aber, dass sie sich kaum noch wach halten konnte, also trug ich meine Verlobte hinüber ins Schlafzimmer.

    Man teilte uns noch mit, dass Zoe und Jones das Anwesen verlassen hatten. Danach entließen wir Magda und den Diener für die Nacht und machten uns alleine fürs Bett fertig.
    Plötzlich fragte Alex ängstlich, ob die beiden ihren Hengst mitgenommen haben könnten. Aber ich konnte sie beruhigen, sie hätten eine alte Märe bekommen, sonst wäre es ja noch zusätzlich Diebstahl gewesen.
    Als wir dann endlich unter der Decke im Bett lagen, schlug die Standuhr zwei Mal und ich hörte ein leises „Herzlichen Glückwunsch, mi amor.“ und spürte ihre Arme auf mir.
    Sie war das erste Mal an meinem Geburtstag bei mir, dieses Gefühl war gerade unbeschreiblich für mich!


    ******************

    4. Dezember 1762



    Irgendwie war ich sehr früh wach, innerlich war ich aufgedreht, ja regelrecht aufgeregt. Solche Gefühle sind für mich völlig neu und ich tat mich noch schwer, sie auch zuzulassen. Alex lag neben mir, wie immer hatte sich an mich gekuschelt, ihr Atem war beruhigend und ich schlang meine Arme wieder um sie. Doch ich entschied, dass Mrs. Wallace ausnahmsweise den Kaffee für meine Verlobte hinauf bringen sollte. Auch wenn ICH Geburtstag hatte, ich weiß, aber ich war so euphorisiert, dass ich ihr einfach eine Freude machen wollte.

    Kurz darauf erschien meine Haushälterin und ich klärte sie leise darüber auf, dass es meiner Verlobten wohl nicht so gut ginge und sie ihn nach oben bringen sollte.
    Im Grunde beabsichtigte ich, meine zukünftige Frau heute morgen etwas länger für mich zu beanspruchen, hier in unserem Bett! Diese Aktion war also nicht ganz uneigennützig, schmunzelte in mich hinein.
    Als Sybill mit dem Tablett wieder erschien, nahm ich den Becher mit dem Kaffee in die Hand und meine Haushälterin verließ das Zimmer mit einem breiten Grinsen und einem Herzlichen Glückwunsch!

    Es dauerte keine fünf Minuten, da schlug Alex die Augen auf und lächelte selig. Ich wünschte ihr leise einen guten Morgen.
    „Guten morgen, mi amor. Du bist schon wieder früher wach!“ war sie etwa beleidigt, dass sie nicht MICH wecken konnte? Das könnte sie ja anders wieder gut machen, ging es mir durch den Kopf.
    Dann setzte sich Alex auf „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Haytham.“ und dieser Kuss war einfach liebevoll und sprach aus, was sie dachte.
    Langsam zog sie mich unter sich und begann mit ihren Fingern über meinen Körper zu wandern. Ihr Mund folgte diesem Weg und in mir breitete sich ein Gefühl von vollkommener Gelöstheit aus. Als ihre Lippen mich umschlossen, konnte ich nicht anders, als in ihre Haare zu greifen. Es war eine Wohltat und ich ließ mich völlig darauf ein.

    In Zukunft solltest du mich öfter so überraschen! Und jetzt mach weiter, ich will deine Zunge spüren!, ließ ich sie im Geiste wissen und merkte, dass sie mich ihren Mund mit noch mehr Inbrunst spüren ließ. Das könnte dir so passen, Alex. Ich zeige dir schon, wer dich führt und dir sagt, was du tun sollst!
    Ich zog sie einfach auf meinen Schoss und ließ mich in sie gleiten. Meine Hände hinterließen ihre Spuren auf ihrem Hintern und ich genoss ihre Bewegungen, ihren immer schwerer werdenden Atem und in ihren Augen sah ich, dass sie sich bald nicht mehr beherrschen konnte.

    Haytham, lass mich kommen, bitte! Hörte ich sie betteln, doch ich dachte nicht daran, ihr nachzugeben.
    Dann sollte ich dir wohl noch eine Lektion bezüglich deines Verhaltens neulich im Keller erteilen!
    Und schneller als Alex schauen konnte lag sie unter mir und ich hatte ihre Arme über ihren Kopf gegriffen! Es war dieser Moment, in welchem ich mich in ihrer Hilflosigkeit aalte! Sie hatte keine Chance sich gegen mich zu wehren und ich nahm, was mir gehörte.
    Wiedereinmal war mein Höhepunkt intensiver als die vorangegangenen und für einen Moment nahm ich noch nicht einmal mehr Alex wahr.
    Doch als sie kam und meinen Namen an meiner Schulter hauchte, war ich wieder geistig anwesend und sah, wie ihre Augen langsam klarer wurden.

    Dann entließ ich ihre Arme aus meinem Griff und sofort spürte ich ihre Finger über mich gleiten, was mir eine Gänsehaut bereitete. Diese Frau machte mich einfach verrückt und umgekehrt konnte auch sie die Finger schlecht bei sich behalten.
    Zu meiner Freude muss ich gestehen, nicht nur die Finger, ich liebte es, in diese Mähne zu greifen und eine gewisse Macht über sie zu haben. Darüber waren wir uns ja bereits einig, dass es völlig in Ordnung ist und ich liebte sie auch für diese Aufgeschlossenheit!
    Leider wurden wir durch das Klopfen und die Worte, dass das Frühstück fertig sei, unterbrochen.
    Ich hätte hier noch länger mit ihr bleiben können, doch die Zeit ließ es nicht zu. Als Alex jetzt ihren Becher ansetzte und beim ersten Schluck sofort in Ekstase geriet, musste ich meinen gespielten Unmut kundtun, dass ich solche Geräusche unter mir, nie von ihr hörte.
    „Master Kenway, ihr seid schon fast besser als dieses Getränk, ihr müsst mir nur besser zuhören, wenn ich eure Lektionen erteilt bekomme!“ Aber ich würde sie schon noch daran erinnern, spätestens bei einer nächsten Lektion!

    Unten im Esszimmer stand fast die gesamte Dienerschaft versammelt und beglückwünschte mich zu meinem Geburtstag!
    Zu diesem Anlass fiel das Frühstück etwas großzügiger aus und meine Verlobte besah sich das Ganze mit großen Augen. Aber sie aß mit großem Appetit wie ich bemerkte und wir kamen auf das Thema, wie so ein Frühstück in ihrer Zeit war.
    „Eigentlich frühstücke ich so gar nicht. Nur am Sonntag, dann habe ich Zeit für so etwas. Unter der Woche muss ich halt früh los, da schaffe ich das nicht.“
    Sie erklärte mir auch gleich, warum. „Weil ich mir das alles selber fertig machen müsste und kein Personal habe. Sprich ich müsste noch eine Stunde eher aufstehen, um so ein Frühstück zu bekommen. Und... nein, dazu bin ich zu faul. Kaffee und eine Banane reichen dann morgens oder eben mein Müsli.“
    Also meinte ich, dass sie sich hier voll und ganz auf andere Dinge konzentrieren konnte, weil sie das Frühstück oder Essen nicht selber zubereiten musste.

    Als ich meine Hand auf ihre legte, besah sie sie genauer und fragte mich, warum ich eigentlich meinen Templerring nicht immer trug. Manchmal waren es seltsame Themenwechsel, muss ich gestehen!
    Ich trug ihn nur selten, weil er mich im Großen und Ganzen im Alltag nur störte. Zu Anlässen wie heute Abend zum Beispiel würde ich ihn aber anlegen.
    Wo wir aber schon dabei waren, interessierte mich, was das für ein Ring auf dem linken Ringfinger war.
    „Yannick hat ihn mir vor 2 Jahren zu Weihnachten geschenkt.“ und dann liefen ihr die Tränen über die Wangen, als sie die Gravur noch einmal las und reichte mir dann wortlos den Ring.
    Es stand „Mom i love you 24.12.2019“ darin und wieder fühlte ich mich mitschuldig an ihrer Reise und was sie alles aufgegeben hatte.

    Wenn man diese Jahreszahl sah, konnte man es einfach nicht glauben, es war noch in weiter Ferne, doch Alex kannte sie bereits!
    Ich ertappte mich wieder bei dem Gedanken, dass ich zu gerne einmal dorthin reisen wollte!
    Als ich ihr den Ring wieder anstecken wollte, sah ich das tätowierte Assassinen-Symbol und strich mit meinem Finger darüber. Sie trug ihre Zugehörigkeit offen auf ihrer Haut und jetzt auch auf dem Rücken, wenn auch nur wenige Menschen davon wussten.
    Alex hatte eine gewisse moralische Verbindung und Verpflichtung, welche sie nicht einfach über Bord werfen konnte, das hatte ich bereits verstanden.
    „Ich wusste, dass ich eines Tages eine Entscheidung treffen muss!“ und bald würde ich ihr diese Entscheidung abnehmen, kurz vor unserer Hochzeit!

    Leider wartete noch einige Korrespondenz auf mich, welcher ich mich noch widmen musste und Alex ging mit Magda hinauf um das Packen in Angriff zu nehmen.
    Ich verbrachte fast den ganzen Vormittag damit, mich über einige dreiste Händler aufzuregen, welche mir Preise für Saatgut anboten, wo man sich allen Ernstes fragte, ob sie noch bei Verstand seien.
    Unter anderem fiel mir ein Brief in die Finger, von diesem schmierigen Händler, welchen ich letztes Jahr in einer Taverne verprügelt hatte. Er erdreistete sich, mir wieder ein Angebot zu machen, kurzerhand wanderte der Brief in den Kamin!
    Auch hatte ich Post von meiner großen Schwester erhalten, sie beglückwünschte mich ebenfalls zu meinem Geburtstag. In diesem Moment fiel mir ein, dass ich ihr vielleicht mitteilen sollte, dass ich beabsichtigte zu heiraten! Bisher waren unsere Briefe immer belanglos bis nichtssagend gewesen, uns verband wirklich nichts!

     

     

    Kapitel 16

    *** Klatsch- und Tratschgeschichten ***



    Irgendwann gegen Mittag erhob ich mich, nahm noch einen Schluck Tee, welcher mittlerweile kalt war und ging auf die Suche, mal wieder, nach meiner Verlobten.
    Ihre Worte hatte ich nicht vergessen und machte mich in einen Umhang gehüllt auf den Weg zum Stall. Alex war in ein Gespräch mit Mr. Mackenzie vertieft, welcher aber, als er mich sah, dieses unterbrach und mir zu meinem Ehrentage gratulierte.
    Ich erinnerte meine Verlobte daran, dass das Essen gleich fertig sei und sie verabschiedete sich noch von Isaac und ihrem Hengst und zusammen gingen wir langsam zurück.

    Auf der Veranda stand sie für einen Moment versonnen da und sah auf die Auffahrt und umliegenden kleinen Waldstücke. Sie würde sich umgucken, wenn erst Frühling sei, wie es dann hier aussehen würde. „Das offene Buch schon wieder, oder?“

    Als wir bei Tisch saßen, sah ich immer wieder Alex´ Blick Richtung Küche wandern. Sie nahm den regen Betrieb dort wahr und ich spürte, dass sie gerne einen Blick darauf geworfen hätte und nicht nur das, sondern auch noch am liebsten selber Hand mit angelegt hätte!
    Aber das wäre etwas, was ich unter keinen Umständen dulden würde! Es gehörte sich für meine Frau nicht, solche Tätigkeiten zu verrichten!
    Frustriert seufzte sie nur und ich versuchte sie mit der abendlichen Sitzordnung vertraut zu machen. Auch wenn sie sich selber nicht darum kümmern musste, ihr Platz war wie immer links neben mir.

    Man konnte spüren, dass Alex froh war, dass Eheleute Pitcairn und Johnson anwesend sein würden. Wenn auch nur flüchtig, kannte sie diese bereits und bei allen anderen würde ich ihr dann helfen und sie entsprechend vorstellen.
    Auf meine Bemerkung, sie solle einfach ruhig bleiben, da es kein Staatsakt wird und nicht zappeln, fiel sie mir mit leichter Angst in der Stimme ins Wort.
    „Das sagst du so leicht, dass ist erst das zweite Mal, wo ich mit dir einen offiziellen Anlass erlebe. Was soll ich überhaupt sagen und...“ meine Verlobte hatte Recht, wir waren erst einmal zu einem größeren Anlass zusammen aufgetreten, bei der Hochzeit der Cormacs.
    Um ihr diese Panik zu nehmen, lobte ich sie noch einmal, wie damals, für ihre Souveränität und dass ich zuversichtlich bin, dass sie auch diesen Abend meistern wird. Ich erntete mal wieder einen Kuss, bei welchem ich mich fragte, wofür. Ich sprach ja nur die Wahrheit aus.

    Wir hatten also alles besprochen, meine Verlobte war ruhiger und mir fiel noch ein, dass ich die Jackdaw bereits habe beladen lassen, damit wir morgen dann zeitig aufbrechen konnten.
    Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht und in ihren Gedanken sah ich, sie freute sich auf Faith, was mir wieder diese leichte Eifersucht brachte. Doch ich überging diesen Gedanken, ich vertraute BEIDEN Frauen!
    Es wurde jetzt Zeit fürs Umziehen und ich rief nach Magda. Für einen Moment sah ich Alex noch hinterher, wie sie mit ihrer provisorischen Kammerzofe nach oben ging um sich einkleiden zu lassen. Ich war gespannt darauf, wie sie in diesem doch recht freizügigen Kleid aussah, der Ausschnitt ließ im wahrsten Sinne des Wortes tief blicken. Doch im Grunde wusste ich, meine Verlobte würde es zu verdecken wissen, nur SIE musste ja nicht wissen, dass ich genau darauf spekulierte. Ich würde ihr schon ein schlechtes Gewissen einreden.
    Ich erwähnte vermutlich einige Male meine sehr böse Freude daran, sie zu necken und zu ärgern? Meine Gedanken wandern aber wieder in Bereiche, die jetzt nicht hierher gehören...

    Kurz nach den Damen ging ich ebenfalls nach oben und fing an mich umzuziehen, auch ich hatte vorübergehend einen Diener als Ersatz für Jones, welcher mir nun half in den Anzug zu kommen.
    Diese Westen waren nicht unbedingt nach meinem Geschmack, sie waren seit neuestem auch im Rücken zu schnüren, was den Tragekomfort sichtlich einschränkte. Aber warum beklage ich mich eigentlich? Schlimmer als ein Korsett konnte es nicht sein, oder?
    Als der Diener dann mit seiner Arbeit zufrieden war und meine Haare in einem glatten Zopf in meinem Nacken lagen, konnte ich hinunter gehen. Am Fuße der Treppe wartete ich auf meine Verlobte, doch ich musste nicht lange dort stehen.

    Auf dem Absatz sah ich Alex für einen Moment still stehen und zu mir hinunter sehen. Über ihr Gesicht lief die Frage, ob sie mir so gefällt und ob es so ist, wie ich es gewünscht habe. Ich sah sie meinerseits einfach nur an und betrachtete sie, wie sie langsam die Stufen herunterkam. In meinem Kopf spielten sich einige Szenarien ab, welche in die Gosse gehörten, doch ihr Anblick brachte meine Phantasie auf Hochtouren und meine Handflächen wurden nass.

    Ich konnte nur ein „Du siehst hinreißend aus“ über die Lippen bringen und ließ dann meinen Blick langsam über diesen wunderschönen Körper gleiten. Ich bemerkte das Spitzentuch, welches sie gesittet über ihrem Ausschnitt trug und meinte nur, dass das nicht die Absprache war und wir uns später noch darüber unterhalten würden.
    Natürlich versuchte sie sich zu verteidigen, dass sie sich sonst so nackt gefühlt hätte diesen fremden Menschen gegenüber. DAS war mir bewusst, ich beließ es aber dabei, mein Plan war aufgegangen und ich würde ihr weitere Lektionen angedeihen lassen können. An ihrer Reaktion sah ich, dass sie sich dafür wappnete und auch darauf freute!
    Bei allen Göttern, mussten wir heute Besuch bekommen?, ging es mir durch den Kopf, in meinen Gedanken war ich mit ihr im Schlafzimmer!

    Ich nahm ihre Hand und wir blieben einfach hier stehen und begrüßten nach und nach die eintreffenden Gäste.
    Wie erwartet, übernahm Alex wie selbstverständlich die Rolle der Hausherrin, was ich sehr begrüßte. Man sah ihr an, dass sie wusste, was man von ihr erwartete und an manchen Stellen hatte man den Eindruck, sie hätte ihr Leben lang nichts anderes gekannt.
    Meine Verlobte wurde misstrauisch, fragend, lächelnd oder auch säuerlich beäugt.
    Mrs. Donovan zum Beispiel warf ihr einen doch sehr bösen Blick zu, ihr eigener Mann war um einiges älter und ich wusste, sie hatte sich Hoffnung auf mich gemacht. Mr. Donovan sah kränklich aus und man könnte meinen, er würde den nächsten Frühling nicht mehr überleben. Die Dame musste nun aber mit ihrem Gatten weiter leben, sie war, wenn ich ehrlich sein darf, auch einfach nicht mein Typ.

    Als dann die Eheleute Doyle vorstellig wurden, konnte ich für einen winzigen Augenblick in Alex Augen einen belustigten Ausdruck sehen. Mr. Doyle reichte sogar IHR nur bis zum Ausschnitt, welcher Gott sei Dank nun mit diesem Tuch bedeckt war und Mrs. Doyle war um einiges Größer als Alex selber. Sie waren einfach ein unglaublich ungleiches Paar, aber ich wusste, sie liebten sich und man spürte es, sobald man nur in ihrer Nähe war. Auch meine Verlobte hatte diese innige Liebe bemerkt und strahlte dann die Eheleute einfach an.
    Und endlich erschienen dann auch William und Jonathan mit ihren Ehefrauen! Mit einem Male konnte man einen Wandel bei Alex verspüren, es war Erleichterung, Freude und einfach so etwas wie Zufriedenheit!

    Der Aperitif wurde gereicht und natürlich kam ein Wasserfall an Fragen auf uns zu, womit wir beide ja gerechnet hatten.
    Plötzlich spürte ich, wie meine Verlobte sich an mich krallte und etwas nervös schien. Wir hatten aber eine wunderbare Geschichte zu erzählen, woher Alex kam, was sie hier tat und so weiter. Weil, ohne uns wirklich abgesprochen zu haben, uns die Fragerunde bei Lady Melanie damals wieder einfiel. DARAUF bauten wir und erzählten sie im Endeffekt nur weiter.
    Und natürlich kam die heißersehnte Frage, wann wir nun endlich heiraten würden! Ich sah zu Alexandra und nahm ihre Hand.
    „Wir haben uns für März entschieden. Mrs. Frederickson sollte sich erst einmal hier richtig eingewöhnen, wir waren sehr lange getrennt.“ DAS war hoffentlich Erklärung genug und jeder würde dafür Verständnis haben.

    Als wir dann bei Tisch saßen, ließen wir Herren die Politik und die Geschäfte außen vor, doch der eine oder andere anzüglich Witz durfte nicht fehlen. In Alex Augen sah ich, dass sie so etwas kannte und sich nicht, wie so viele Frauen, pikiert zurückzog. Ihre Aufgeschlossenheit war stellenweise einfach Goldwert!
    Sie unterhielt sich angeregt mit William, was mich nicht wunderte, ihre Ansichten glichen sich. Natürlich bemerkte ich, dass sie mal wieder nur sehr wenig aß und zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass Frauen sich wahrlich zurücknahmen und beherrschten. Oder besser beherrschen mussten, diese Disziplin musste ich meiner Verlobten zu Gute halten!
    Sie hatte ihr Leben, wie sie es kannte aufgegeben, sie hatte sich auf einen Lebensstil eingelassen, welcher nicht ihrem angeglichen war, bei weitem nicht! Alex durchlief im Grunde gerade einen Trainingsparcours, den sie zu bewältigen hatte und sie ließ sich nichts anmerken!
    Auch wenn es sich schleimerisch anhören mag, doch ich war sehr, sehr stolz auf sie. Sie wusste sich zu artikulieren, sie konnte sich benehmen und hatte immer ein Thema auf den Lippen. Es wurde nicht langweilig mit ihr und das sah ich auch in den Gesichtern unserer Gäste. Sie alle waren ihr zugetan, nur Mrs. Donovan würde ihre Probleme haben, aber das war weder mein noch Alex´ Problem.

    Nach dem Essen zogen sich die Damen dann zurück, auch das hatte ich ihr erklärt. Doch das war etwas, was sie aus geschichtlichen Aufzeichnungen wusste, auch wenn es ihr nicht gefiel, jetzt mit diesen Frauen alleine sein zu müssen. Im Stillen baute ich auf Mrs. Johnson, sie war sehr fürsorglich und die beiden mochten sich.
    Trotzdem ließ ich sie nur ungern alleine, aber nun war der nächste Schritt für sie angedacht in ihr neues Leben mit mir! Alex Blick war etwas ängstlich, doch ich lächelte ihr nur zuversichtlich zu und dann gingen die Damen hinüber in den Salon.

    Wenn ich ehrlich sein darf, dieser Moment des „wieder alleine“ seins, auch wenn er nur temporär ist, war etwas seltsam. Ich genoss dieses Gefühl dennoch und konnte frei mit den Herren über die Geschäfte und … die Frauen reden. Man mag es nicht glauben, doch auch wir Männer können tratschen und Geschichten und Gerüchte verbreiten!
    Vor allem ließ Mr. Donovan tief blicken, seine Frau weigerte sich seit Monaten mit ihm das Bett zu teilen und er hatte seine Mätresse zum Ausgleich. Ihm selber war es noch nicht einmal unangenehm, es war für ihn selbstverständlich!
    „Master Kenway, dieses junge Ding gibt mir einfach wieder diese Lebenslust zurück, welche mir immer mit meiner Frau fehlt! Glaubt mir, ihr solltet euch beizeiten nach etwas jüngerem umsehen, sie bleiben nicht alle so jung und willig!“ hörte ich ihn sagen und musste arg an mich halten um ihm nicht noch mitzuteilen, dass er sich gefälligst zur Ruhe setzen sollte und den Frauen abschwören sollte in seinem Alter.

    Das Gespräch mit Mr. Donovan erinnerte mich an eines, welches ich mit Benjamin Franklin damals in Boston hatte. Dieser hatte mir ausdrücklich geraten, eine ältere Frau als Geliebte zu nehmen und eine Jüngere zu ehelichen, welche mir Kinder schenken könne.
    So unterschiedlich sind die Geschmäcker, ging es mir mal wieder durch den Kopf!
    Es war William, welcher plötzlich auf die Tür deutete und als ich meinen Kopf wandte, sah ich, wie seine Frau mit Alex am Arm nach draußen eilte! Für einen Moment war ich in Versuchung, hinterher zu gehen, ging aber davon aus, wenn es etwas gravierendes war, würde man mich unterrichten.

    Also unterhielten wir uns noch über die nächste Tabak- und Weizensaison, auch über die armen Kolonisten, zu welchen wir ja auch gehörten und darüber kamen wir auf die üblichen Themen zu sprechen. Wir alle fragten uns, WER hier bald das Sagen haben würde, würde es überhaupt soweit kommen. Und wenn ja, wen würde man an der Spitze sehen wollen?
    Mir fiel niemand ein, Jonathan hatte zwar erwähnt, dass Charles theoretisch ein mehr als geeigneter Kandidat wäre, doch dieser war gerade in England und nicht verfügbar. Wer weiß, was die Zeit noch bringen würde und in diesem Moment keimte wieder dieser Wunsch auf, dass ich wissen wollte, was meine Verlobte bereits über diese Kolonien erfahren hatte. An ihrem Gesicht sah ich oft, dass es nicht immer nur positiv war und sie hatte ja auch angedeutet, dass es Krieg geben wird, dennoch war sie wieder hier! Sie ließ ihre friedliche Zeit hinter sich, um an meiner Seite sein zu können, in einer Zeit, welche völlig ungewiss sein wird.

    Gegen Mitternacht konnte man die ersten Ermüdungserscheinungen aufgrund des großzügigen Alkoholkonsums erkennen und wir beschlossen, unseren Frauen zu folgen und sie auf die späte Uhrzeit hinzuweisen.
    Durch die Bank weg, ernteten alle Herren einen müden und dankbaren Blick. Dieser war nicht unserer Gastfreundschaft geschuldet, sondern einfach nur der Uhrzeit. Wir waren alle seit etlichen Stunden auf den Beinen!
    Als dann Jonathan und William als letzte mit ihren Frauen in die Nacht verabschiedet worden waren, sie übernachteten übrigens im Gästehaus, ging ich kurz hinaus zum Abort. Es war sternenklar, es war kalt, aber diese klare Luft ließ mich durchatmen und wieder klarer sehen.

    Als ich dann in den Salon trat, sah ich nur, wie Alex völlig gedankenverloren in ihr Glas Portwein sah.
    Dieser Anblick war einfach unbeschreiblich, ich sog ihn in meinen Geist auf und wollte ihn für mich behalten. Der Widerschein des Feuers auf ihrem Gesicht konnte auch genauso gut ein Spiegelbild ihrer Emotionen sein. Dieses Flackern...
    Langsam ging ich hinüber und setzte mich neben sie, doch erst, als meine Hand auf ihrem Oberschenkel lag, bemerkte sie mich und erschrak.
    „Haytham, musst du dich immer so anschleichen!“
    Als ich Alex aber erklärte, dass ich nur fasziniert von ihrer Silhouette mit dem Feuerschein war und ich nicht die Absicht hatte, sie zu erschrecken, kam ein leises
    „Danke, mi amor!“ sie stellte ihr Glas auf dem Tisch ab und …

    … wir fanden uns vor dem Kamin wieder. Ich kann es nicht beschreiben und es hat auch nichts mit einem Alkoholrausch zu tun, es war der Rausch, welcher in mir entstand, wenn diese Frau in meiner Nähe war! Wir liebten uns einfach, es war unglaublich befreiend wieder! Alex unter mir ließ mir freie Hand, sie ließ sich fallen und ihre Gedanken galten mir und meinen Wünschen.
    Als ich dann langsam wieder zu mir kam, grinste Alex mich nur an.
    „Dieses Feuer lässt deine Haare lebendig aussehen, Haytham!“ Ihre Hände umfingen mein Gesicht und zogen es runter und ihre Lippen liebkosten mich wieder.

    Dann stand Alex plötzlich auf und zog mich hinter sich her nach oben, wir befreiten uns von den Kleidungsstücken und als sie an meiner Seite lag, überkam uns diese Ruhe.
    „Das war ein wirklich anstrengender Abend, mi amor.“
    Das glaubte ich ihr, die Frauen waren neugierig, etwas neues erzählen zu können, Tratsch weitergeben zu können... genau wie wir Männer eigentlich, musste ich mir schmunzelnd eingestehen.
    Als ich Alex nun auf den Moment mit Mrs. Johnson hinwies, sah sie mich grinsend an.
    „Ich selber hatte gar nicht gemerkt, dass mir schwindelig wurde, sie hat mich dann einfach, naja, gerettet. Ich mag Mrs. Johnson, sie ist unglaublich nett. Wir sollten die beiden einmal besuchen gehen.“
    Da hatte sie Recht, aber für einen Bruchteil einer Sekunde hatte ich wie die anderen Frauen gedacht, sie wäre schwanger... ich... würde mich freuen. Aber ich hielt meine Gedanken vorerst noch zurück, ich hoffte, dass meine kleine Schwester ein paar Kräuter oder ähnliches hätte, welche uns... zum Elternglück verhelfen könnten.
    Das alles sagte ich nicht, stattdessen tat ich kund, dass wir morgen zeitig aufbrechen würden und sie nun schlafen sollte. Meine Arme umschlangen sie dennoch und ein Kuss durfte nicht fehlen, welcher sofort eine Gänsehaut bei ihr hervor rief. Und das nicht nur bei ihr!

     

    Kapitel 17

    *** Aufbruch nach New York ***

    5. Dezember 1762



    Warum auch immer, doch ihre Bewegungen neben mir machten mich wahnsinnig, im positiven Sinne.
    Alex schlief ruhig, doch immer wieder drängte sie sich an mich mit ihrem Po, sie schmiegte sich an meinen Körper. Es war vermutlich nicht einmal ein Hintergedanke von ihr, dass sie mich wollte, aber es war auch kein Hinderungsgrund für mich.
    Also ließ ich mal wieder meine Finger über ihren Rücken gleiten, mein Mund erforschte derweil ihren Hals und als ich zwischen ihre Schenkel mit meinen Fingern glitt, fühlte ich, dass Alex bereit war!
    Ihr etwas verschlafener Ausdruck machte sie noch ein bisschen attraktiver für mich und in diesem Moment ließ ich sie gewähren. Ihr ganzer Körper war für mich bereit, sie nahm mich in sich auf ohne zu hinterfragen. Wir beide wollten es einfach genießen, diese ganzen Monaten alleine musste auch ich irgendwie kompensieren. Ich genoss jeden Moment, jede Berührung von Alex, umgekehrt ging es ihr nicht anders.

    Als wir wieder im Hier und Jetzt waren, zog ich meine Verlobte an mich und meinte, dass mir gestern etwas klar geworden sei, während des Dinners.
    „So, was denn? Ich hoffe, ich darf immer noch bleiben?“ ich konnte ihre plötzliche Unsicherheit spüren, beruhigte sie aber sofort wieder. Ich bestand selbstverständlich immer noch darauf, dass sie blieb!
    Nein, mir ging es darum, dass wir uns bisher noch gar nicht über die vergangenen Jahre, in denen wir beide unsere eigenen Leben hatten, unterhalten haben. Ich wusste zwar ein paar Kleinigkeiten von ihr, umgekehrt wusste Alex auch einiges über mich, doch ich wollte die ganze Geschichte hören.
    „Genau das gleiche dachte ich gestern auch schon, als mich Mrs. Johnson nach draußen begleitete. Wir werden die nächsten Tage sicherlich genügend Zeit haben, mi amor.“
    Gut, da hatte sie auch wieder Recht und ich grinste bei dem Gedanken, ihre Erzählungen hören zu können!
    Plötzlich seufzte meine Verlobte tief und fragte, ob wir wirklich schon aufstehen müssen und rückte ein wenig näher an mich heran. Schweren Herzens musste ich aber mitteilen, dass wir Gäste zum Frühstück hatten und wir zeitig bei der Jackdaw sein sollten.

    Während wir uns ankleideten, hoffte ich, dass wir nichts vergessen hatten einzupacken. Ich baute da aber ganz auf Alex, welche anscheinend ein gewisses Organisationstalent besaß, was mich freute!
    Dann gingen wir hinunter, die Truhen würden gleich während des Frühstücks abgeholt und zum Schiff gebracht werden. Unten im Esszimmer begrüßte uns ein sehr blasser William, welcher wohl gestern doch tiefer ins Whiskyglas geschaut hatte, als ihm gut tut.
    Die Pitcairns waren wie immer fröhlich am Reden und begrüßten uns entsprechend. Jonathan meinte dann, er freue sich auf unsere Hochzeit im März und nähme die Einladung dankend entgegen.
    Alex wusste noch nicht, dass ich mit William bereits gesprochen hatte, also erklärte ich es ihr in kurzen Worten, aber lautlos.

    Als wir später mit der Kutsche an der Brig ankamen, war sie bereits fertig zum Ablegen. Mr. Hargreaves stand an der Anlegestelle und erwartete uns schon.
    Für einen Augenblick stand Alex völlig abwesend vor ihrem Schiff und im ersten Moment dachte ich, dass sie doch Angst bekäme. Ich fragte einfach nach, ob alles in Ordnung sei, aber auf die Antwort hätte ich auch selber kommen können.
    „Ja, natürlich, mi amor. Aber... dieser Anblick, wenn sie voll getakelt ist, auch wenn sie noch nicht unter vollen Segeln steht, ist sie … großartig. Verzeih mir, ich bin manchmal sehr merkwürdig!“ und ein breites Grinsen trat auf ihr Gesicht, ja, diese Gedanken kannte ich von Shay ebenfalls. Er lobte den Anblick seiner Morrigan ebenfalls gerne und ließ oft leicht verliebt seinen Blick über sie gleiten!

    An Bord wurden die letzten Sachen verstaut und vertäut, dann gab meine Verlobte den Befehl zum Ablegen! Kurz hatte ich Bedenken, ob die Mannschaft nicht doch den Gehorsam verweigert, weil eine Frau die Befehle gab. Doch sie taten, wie ihnen gesagt wurde und ich konnte etwas erleichtert ausatmen.
    Plötzlich konnte ich wieder in Alex lesen und sah, wie sie an Faith dachte, wie sie sie in den Arm nahm... Ich ermahnte sie schlichtweg, sich zusammenzureißen! Mit einem tiefen Augenaufschlag kam ein „Entschuldigung...“ leise aus ihrem Mund.
    Sie ließ es sich aber jetzt nicht nehmen, mir die Jackdaw genauer zu zeigen, ich hatte das letzte Mal eher wenig Zeit, sie zu besichtigen.
    Ich muss sagen, es war immer noch ein sehr eigenartiges Gefühl, hier zu sein, mit dem Wissen, dass mein Vater mit diesem Schiff so einige Abenteuer und Schlachten erlebt hatte. Vor allem musste ich daran denken, dass Alex bei einem kleinen Teil auch mit von der Partie war und das versetzte mir wieder einen kleinen Stich der Eifersucht.

    Für einen Moment wünschte ich mir, Vater wäre hier und ich könnte mit ihm über diese Gedanken sprechen, doch er erschien nicht.
    Auch das war etwas eigenartig wie ich fand, anscheinend sprach er nur, wenn Alex ebenfalls in der Nähe war. Doch ich schweife schon wieder zu sehr ab und ich nahm mir vor, meine Verlobte einfach nachher darauf anzusprechen. Vielleicht hatte sie ja eine Erklärung, eine, mit der ich leben konnte und nicht immer diese leichten Zweifel und diese Eifersucht in mir tragen musste.
    Das Schiff war schon sehr geräumig, dass muss man sagen und ich sah jetzt, dass wirklich jedes kleinste Detail zurückgebaut worden war. Und wieder fragte ich mich, warum die Behörden im 21. Jahrhundert sich bei so einem soliden Segelschiff querstellen konnten. Es gab doch nichts an der Hochseetauglichkeit zu beklagen, aber Alex hatte es mir und auch Shay versucht zu erklären. Dennoch war es unverständlich in meinen Augen.

    In den späten Nachmittagsstunden dann, sahen wir bereits die Cheasapeak-Bay und mir fiel auf, dass wir wirklich zügig voran kamen. Im Gegensatz zu meiner Verlobten, welche sich schon beim ersten Maat erkundigt hatte, warum wir so lange brauchten.
    Er erklärte, dass sie nun auf der flacheren Seite des James Rivers agieren mussten und entsprechend langsamer vorankamen. Das war auch mir noch neu, ich hatte mich nie wirklich weiter mit dem Thema Segeln auseinander gesetzt. Auch wenn ich mich noch an die Versuche von Master Cormac erinnerte, mich in diese Kunst einzuweisen.

    Für einen Moment schritt meine Verlobte über das Deck und unterhielt sich hier und da mit einem Crewmitglied und stand dann am Bug und sah in Richtung Bay.
    Ich schritt langsam auf sie zu und legte einfach meine Arme samt meines dicken Umhanges um sie. Wie abgesprochen lehnte Alex sich zurück und genoss diese Wärme von mir, auch ich genoss gerade ihre Nähe.
    Jetzt oder nie, dachte ich einfach und fragte, ob sie meinen Vater vermissen würde! Es schien, als müsse sie überlegen, weil es ein wenig dauerte, bis ich eine Antwort erhielt.
    „Ja, ich vermisse ihn. Edward war wie ein... guter Freund für mich und es war einfach eine Verbindung zwischen uns, welche ich nicht erklären kann.“ ihr fragender Blick war berechtigt, doch ich wiegelte mit den Worten ab, ich sei nicht eifersüchtig, sondern nur neugierig!
    „DU wirst ihn anders vermissen, als ich, Haytham. Er ist dein Vater und für mich ist er ein Vertrauter geworden in den Jahren!“
    Das stimmte, ich würde ihn als meinen Vater vermissen, was ein anderes Gefühl war als einen guten Freund zu vermissen.
    Wir sahen der untergehenden Sonne noch eine Weile schweigend zu, ehe wir uns dann in die Messe begaben und zu Abend aßen. Der Smutje war wirklich gut und auch Alex befand, dass er ein guter Koch sei und Mr. Hargreaves Empfehlung die Richtige war.

    Wir zogen uns jetzt für die Nachtruhe schon einmal zurück und da wir jetzt den sicheren seichten Fluss verlassen hatten, begann die Brig sich dem Wellengang anzupassen.
    In Alex Gesicht sah ich, dass ihr leicht übel wurde und die grüne Farbe auf den Wangen machte meinen Eindruck nicht besser. Aber ich sagte nichts, noch nicht, ich wollte erst einmal abwarten und wenn es sein muss, ihr beistehen.
    „Ich werde mich einfach hinlegen, Haytham.“ kam es knapp von ihr und schon war sie in unserem Bett verschwunden.
    Ich hingegen blieb noch eine Weile auf, weil ich meine Einträge vervollständigen wollte und meine Arbeit hatte ich größtenteils ja auch dabei. Es hielt mich dann aber nicht lange am Schreibtisch, es war ziemlich kalt geworden und ich wollte mich an meiner Verlobten wärmen.

    Umhang, Stiefel und Gehrock waren schnell ausgezogen und ich kletterte hinter Alex auf das Bett und umschlang sie mit meinem Körper.
    Ein fröstelndes Zittern und sie versuchte sofort mich von sich zu schieben. So schlimm konnte ich gar nicht sein, meinte ich nur.
    „Doch, das seid ihr, Master Kenway! Ihr fühlt euch wie ein Eisblock an!“ maulte sie mich jetzt lautstark an und versuchte sich immer noch gegen mich zur Wehr zu setzen.
    Doch diesem Versuch bot ich Paroli und schon bald hatte ich sie bewegungsunfähig unter mir, es gab kein Entkommen mehr! Die einzige Erlösung, welche ich zuließ, war ihr Höhepunkt und meiner, auch wärmte ich mit meinen Händen ihren Hintern, was sie durchaus begrüßte!
    Ihre grünen Augen wurden wieder klarer und sahen zu mir auf.
    „Danke, mi amor, für die Wärme!“ damit legten sich ihre Arme um mich und ich versicherte ihr, dass sie in meiner Gegenwart nie frieren soll!

     

    Kapitel 18

    *** Eine unheimliche Begegnung im Nebel ***

    6. Dezember 1762



    Vorsichtig stieg ich aus dem Bett und erstaunlicherweise regte sich Alex keinen Millimeter, sondern schlief weiter. Im fahlen Morgenlicht konnte ich aber ihre blasse Gesichtsfarbe mit dem Grünschimmer wahrnehmen. Sie war nicht ernsthaft seekrank, oder? Ich vermutete dahinter aber, dass es schon sehr lange her war, dass sie länger als ein paar Stunden mit der Brig unterwegs war.

    Ich ließ meine Verlobte weiterschlafen, zog mich an und begab mich in die Messe.
    Nach einem kurzen Frühstück gesellte ich mich auf die Brücke zu Mr. Hargreaves und wir unterhielten uns über diesen unglaublich dichten Nebel, welcher über dem Meer lag. Dadurch hatte man noch mehr das Gefühl, dass es nicht hell werden wollte, dieser Dunst schien auch alles zu schlucken, ob es Geräusche oder die Sicht war.
    „Master Kenway, wir werden hier sicher hindurch kommen, ich habe mir die Karte sehr genau angesehen und es gibt keine schwierigen Passage von hier bis zum Hafen von New York. Die Mannschaft ist auch gut geschult, in den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, ihnen ein wenig auf den Zahn zu fühlen.“ meinte er in einem wahrlichen Plauderton und er erinnerte mich an Christopher für einen Moment! Es fehlten nur noch die obligatorischen Geschichten aus der Taverne und seiner Lieblings-Bardame!

    Mit einem Male hörten wir ein entferntes Knartschen, welches nicht von der Jackdaw kam und ich aktivierte meinen Blick, um einen Überblick zu bekommen.
    Ich nahm die Präsenz eines großen Schiffes in unserer Nähe wahr, ebenso näherte sich ein kleineres Boot. Es war eine merkwürdige Eingebung, ich SAH sie nicht direkt, ich SPÜRTE sie und dennoch war es, als wäre dort hinter uns eine riesige rote Aura. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich wusste, es näherte sich Unheil, von welcher Seite und WARUM vermochte ich noch nicht zu sagen.
    In diesem Moment erschien Alex neben mir, leichenblass und aufgeregt! Hatte sie ebenfalls diese Schemen bemerkt? Ihre lautlose Frage, ob ich unsere Verfolgerschiffe ebenso bemerkt hätte, konnte ich bejahen und ich wusste auf einmal, dass mein Vater bereits mit ihr darüber gesprochen hatte.
    Sprach er wirklich nur mit IHR, oder war es immer reiner Zufall. Ich schüttelte diese Gedanken ab, wir mussten uns auf die Angreifer konzentrieren.

    Ich erzählte jetzt zum ersten Mal von meiner Verschwörungstheorie bezüglich Jones und Zoe. Es ließ mir keine Ruhe und Alex´ Bemerkung, dass man uns vermutlich kurzfristig aufgelauert haben muss bei dieser Witterung, war selbsterklärend.
    Wie sollte ich meine Vermutungen also ihr plausibel beibringen?
    Ich fing mit dem Ersuch von Jones an, ein paar Wochen Urlaub zu bekommen, wegen dringlicher Familienangelegenheiten. Sein Erscheinen später mit Zoe im Schlepptau erläuterte ich auch in kurzen Worten und auch mein Misstrauen, beide umgab so etwas wie eine böse Aura, auch wenn ich sie nicht sah. Wirklich beschreiben, geschweige denn erklären konnte ich es nicht. Beide Angestellte sah ich immer in diesem neutralen blau schimmern, also nicht potentiell gefährlich.
    Doch dann fiel mir noch dieser kleine goldene, ich nenne es einfach mal Punkt, bei Zoe auf. Sofort war Alex in Alarmbereitschaft, es könne sich um ein ähnliches Amulett wie meines handeln, durch welches eine Person besessen sein könnte!

    Und jetzt kamen wir auch auf die Armreife zu sprechen, Alex hatte in IHRER Zeit das Wesen gebannt, doch ob es hier auch so war? Gab es doch noch ein vielfaches an diesen Zeitreiseartefakten, oder wäre dieser Gedanke eher müßig? Zoe besessen? Das konnte ich mir nicht vorstellen, wir hätten es sicherlich BEIDE gespürt!
    Dann sah ich aber Angst in ihren Augen, dass es noch lange nicht vorbei sei und sie fing wieder an, Pläne in ihrem Kopf zusammenzustellen!
    Mir fielen aber auch diese Götter ein, die nordischen um genau zu sein. Diese hatten Faith und Alex erwähnt und BEIDE hatten entsprechend nachgelesen!

    Was aber jetzt kam, verschlug mir für einen Moment die Sprache, sie war in diese Parallel-Welt gereist um den Armreif zu bekommen, weil sie Marius von diesem Wesen befreien wollte. Im Umkehrschluss hat Alex dann Marie de Scudéry mit in ihre Zeit genommen, als eine Art Ausgleich!
    Mir schwirrte allmählich der Kopf, diese ganzen Theorien zogen weitere nach sich und endeten in der Unendlichkeit.
    „Ich habe sie dann einfach mitgenommen, ich konnte Marie nicht dort lassen, du hättest sie sehen sollen. Es war grausam. Der Shay dort hatte ein riesiges Blutbad angerichtet und hatte ihr alles genommen. JEDEN Verbündeten und dann brach er einfach nach Europa auf ohne weitere Erklärung!“
    Es war eine Erklärung, aber mir fiel es nun auch schwer, Shay in diesem Licht zu sehen. Er war nicht so, doch auch in diesem Punkt hatte meine Verlobte eine durchdachte Erklärung.
    „ER ist nicht so, diese Assoziation muss man ausblenden! Es fällt schwer... das ist es, glaub mir. Auch ich hatte... so meine Probleme... ... Haytham... ich... es war grausam!“

    Doch bevor wir noch weiter darüber philosophieren konnten, verkündete der Ausguck lautstark das besagte Schiff, welches sich jetzt schussbereit machte.
    NOCH waren wir weit genug entfernt, es würden nur Warnschüsse sein, so dachte ich für einen Moment.
    Als man den Namen verlauten ließ, wollte ich meinen Ohren nicht trauen. Diese Fregatte sollte schon längst am Boden des Atlantik liegen, seit über einem Jahr! Diese Wut in mir brodelte hoch, welche mich an meinen Verbündeten zweifeln ließ. Sie hatten mir doch versichert, dass die HMS Iron Duke versenkt wurde!
    Alex verstand gerade überhaupt nichts mehr, doch für Erklärungen war gerade nicht die Zeit. Wir mussten handeln und das möglichst schnell! In kurzen Worten versuchte ich den Namensgeber, den Duke of Ironside einzubinden, ebenso meine etwas holprige Überfahrt von Frankreich damals zurück in die Kolonien und den Überfall zu schildern.
    Doch es war nicht genug, ich sah es in ihren Augen, die Informationen waren zu dürftig. Aber für mehr war keine Zeit. Alex´ Aussage, dass sie diesen Duke nicht kannte, war mir völlig gleich. Als ich dann auch sagte, dass sie nicht allwissend war, brachte mir das einen bösen und vor allem vernichtenden Blick ihrerseits ein.

    Aber auch das war mir egal! Für stundenlange Diskussionen war nun keine Zeit.
    Ich ging hinunter zum ersten Kanonen-Deck und gab Anweisung, die Kanonen auf gleicher Höhe fürs erste auszurichten. Ebenso orderte ich an, dass die Brig entsprechend wenden sollte, damit sie HINTER diese Fregatte kam und sie so nach und nach mürbe machen konnte.
    Wie aus heiterem Himmel tauchte Alex auf und sie umgab ein feiner durchschimmernder Nebel!
    „Haytham, stopp. Warte mal. Ich hätte da eine schnellere Lösung, wie wir sie nachhaltiger schwächen können...“
    Das war ein schlechter Scherz von ihr, oder? Musste Alex gerade in diesem Moment meine Erfahrung in Frage stellen?
    „Jetzt hör mir mal zu, Junge! Ich weiß sehr wohl, dass du einige Schlachten bereits hinter dir hast. Aber du wirst dich auf deine Verlobte jetzt verlassen, ihr werdet die Brig sonst in ein frühes Grab bringen!“ vernahm ich nun die wütende Stimme meines Vaters!

    Einen kurzen Augenblick wollte ich widersprechen, doch ich besann mich eines besseren und fragte etwas zu launisch, was ihr vorschwebte! Ich ließ nicht gerne meine Autorität untergraben und das ließ ich sie jetzt spüren.
    Sie befahl der Mannschaft und den Kanonieren an Deck zu kommen, dort angekommen, eröffnete sie ihren Plan! Ohne Umschweife fing sie an, ihre Worte an die Männer zu richten.
    „Wir müssen die Brig wenden und mit einer Breitseite schon einmal auf die Iron Duke schießen. Anschließend längsseits gehen und wieder mit einer vollen Ladung schießen. Wenn wir dann hinter sie kommen, können wir wieder wenden und sie von der anderen Seite in die Mangel nehmen. So schnell wird sie nicht nachladen können, geschweige denn, so schnell manövrieren. Die Jackdaw ist einfach leichter und kleiner und daher auch wendiger. Und das Ganze wiederholen wir, bis sie geschwächt sind!“ sprach Alex in einem lauten und sogar mir mehr als unheimlichen Tonfall, für einen Moment regte sich nichts.
    Doch die Crew befolgte die Befehle, zwar etwas zögernd, aber sie machten sich an die Arbeit. Sie mussten sich wohl auch noch an ihre Kapitänin gewöhnen.

    Die Jackdaw drehte jetzt und als sie quer zum Assassinen-Schiff stand, gab sie den Befehl für die erste Salve und sie saß perfekt. Die Kanonen waren gut ausgerichtet worden und sie war regelrecht in einem Rausch.
    Die Brig drehte nun weiter und ging längsseits, so wie besprochen. Ich betete, dass Alex Recht behielt und wir nicht von der Übermacht der Kanonen postwendend versenkt wurden!
    Es war wirklich seltsam und erschreckend, sie so zu sehen. Sie agierte mit einem solchen Eifer und einer Selbstsicherheit, welche ich ihr noch nicht zugetraut hätte. Aber war es wirklich meine Verlobte, die dort stand und die Mannschaft anwies, zu feuern? Oder sprach aus ihr mein Vater, welcher wirklich wesentlich mehr Erfahrungen auf See gemacht hatte als ich, musste ich mir eingestehen.
    Für einen Moment betrachtete ich diese Frau, wie sie auf der Brücke stand und völlig euphorisch den nächsten Befehl brüllte. Natürlich war ich stolz auf sie, doch wie ich bereits schrieb, mich vor der Mannschaft abzukanzeln ist etwas, was ich nicht dulden kann. Verlobte oder nicht, das ging meines Erachtens zu weit. Doch jetzt war es eh zu spät und ich würde nachher mit ihr darüber reden.

    Nun orderte sie die Schützen für die Puckle-Gewehre und auch diese trafen ziemlich gut und dezimierten die Besatzung an Deck.
    Mit vollen Segeln ließ Alex die Jackdaw sich hinter die Fregatte setzen und die Salve der Bugkanonaden donnerte auf das Heck der Iron Duke und riss einige unschöne Löcher hinein. Die Brig ging jetzt mit der Steuerbordseite langsam längs der Fregatte und erneut donnerten die Kanonen sehr gezielt auf das andere Schiff.
    Wir waren immer noch schneller, also konnten wir uns wieder davor setzen und die nächste Salve wurde auf die Assassinen los gelassen.

    Die Jackdaw war jetzt wieder direkt neben der Fregatte und wir vernahmen das befriedigende Donnern der Kanonen und die Einschläge waren deutlich zu hören! Ich sah, dass meine Verlobte in ihrem Element war und es genoss, sich austoben zu können. Immer wieder wurde auch das Deck der Fregatte beschossen, dort musste die Mannschaft noch halbwegs außer Gefecht gesetzt werden.

    Plötzlich huschte ein ängstlicher Ausdruck über ihr Gesicht und ich wusste, dass sie für einen Moment das Gefühl hatte, der Fregatte unterlegen zu sein. Auf dieser Seite des feindlichen Schiffes waren mindestens 20 Kanonen, welche jetzt auf uns gerichtet und schussbereit waren. Und wir wurden getroffen, nicht nur einmal, sondern oft und mit ziemlichem Schaden! Herr Gott, sie würde uns untergehen lassen, doch ich konnte nicht einschreiten. „GETROFFEN! WIR HABEN EINE SEKTION DER KANONEN VERLOREN!“ hörte ich es von einem Mann der Besatzung! Dann vernahmen wir noch den Schrei „FEUER!“ und einige Männer eilte zu Hilfe.

    Um Zeit zu gewinnen, vermutete ich mal, ließ Alex die Jackdaw wieder hinter die Iron Duke gleiten.
    Mir fiel es immer schwerer mich zusammenzureißen und ich ging auf sie zu und schrie sie an, sie würde uns mit dieser Taktik versenken!
    „Nein, werde ich nicht, du wirst sehen. Es klappt!“ diese Worte spie sie mir eiskalt und mit einer Überheblichkeit entgegen, dass mir selber nichts mehr einfiel! WAS war in sie gefahren, bitte schön? Ja, es war mein Vater, welcher ihr beistand, dessen war ich mir bewusst. Alex ließ sich aber nicht mehr beirren und ihre Befehle donnerten auf die Mannschaft nieder, welche mittlerweile alle Mühe hatte, sie auch zu befolgen.

    Dann rannte sie an mir vorbei und hinunter zum ersten Kanonendeck, dort sollten die Kanonen neu ausgerichtet werden und zwar weiter nach unten geneigt! Das wurde ja immer besser! Was bezweckte sie damit? Die Kugeln würden lediglich im Wasser landen... doch es dämmerte mir, sie wollte unter dem Wasserspiegel bei der Fregatte Schaden anrichten! Ich konnte nur hoffen, dass diese Taktik jetzt aufging und folgte ihr wieder nach oben.
    Für einen kurzen Moment versuchte ich in ihren Geist einzudringen, doch es war, als hätte sie eine riesige Barriere um sich aufgebaut! Dieses Verhalten irritierte mich zusätzlich und hob meine Laune nicht gerade an!

    Und wieder wurden wir getroffen und das Schiff erzitterte heftig bei den Einschlägen! Dann wurde der Befehl zum Feuern der neu ausgerichteten Kanonen gegeben und ich sah und hörte erleichtert, dass sie ihr Ziel voll trafen. So würde das Schiff der Assassinen schneller leck gehen und darauf baute Alex!
    Wieder längs der Fregatte wurde noch einmal mit allen zur Verfügung stehenden Waffen und Kanonen geschossen! Und jetzt vernahm man die ersten Rufe „WASSEREINBRUCH“ von der Iron Duke. Wie viel und wie schnell nun das Wasser steigen würde, konnten wir nicht wissen, hofften aber auf sehr, sehr viel!
    Und schon nach kurzer Zeit, neigte sich das feindliche Schiff ein wenig, was meine Verlobte anscheinend als Einladung betrachtete fürs Entern! In meiner Angst um sie, brüllte ich sie nur an, ob sie wahnsinnig geworden sei!
    „Nein, bin ich nicht, aber ich lasse mein Schiff nicht von solchen Idioten platt machen!“

    Ohne noch weiter auf mich zu hören, der ich sie davon abhalten wollte, schnappte sie sich ein Seil und schwang sich hinüber. Ihr folgten die Männer und für einen Moment stand ich mit offenem Mund da, unfähig zu denken oder zu handeln. In mir kochte diese Wut auf diese Frau, sie musste mich doch wenigstens darüber informieren, WAS genau sie plante. Doch statt dessen zog sie ihr Ding durch, ohne das ich wusste, wie es ihr ging oder ähnliches. Sie ließ mich nicht in ihren Geist, doch gerade JETZT wäre diese Kommunikation von großer Wichtigkeit für uns! Also folgte auch ich ihr und schwang mich meinerseits an Deck der Iron Duke.

    Ich traute meinen Augen nicht, meine Verlobte hatte sich, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Schneise frei gemetzelt. Sie hatte den Überraschungsmoment auf ihrer Seite durch den Meisterassassinen-Ornat! Lange konnte ich aber nicht darüber nachdenken, weil mich nun die Assassinen angriffen und ich muss sagen, sie konnten kämpfen.
    Schon damals bei Miko hatte ich gesehen, wie geschmeidig er sich bewegen konnte, das gleiche Bild bot sich mir hier auch. Nicht ALLE waren so geübt, doch das brachte Abwechslung, wenn ich das so sagen darf.

    Als nur noch ungefähr 25 Mann der Besatzung übrig waren, ergaben sie sich und ließen uns gewähren.
    Aus dem Augenwinkel sah ich, wie meine Verlobte einem Toten eine Kette abnahm und für einen Moment leuchtete sie leicht golden. Hatten wir es schon wieder mit Vorläufer-Artefakten zu tun? So langsam hatte ich eigentlich die Nase voll von diesen Dingen!
    Alex kam auf uns zu, beachtete mich aber überhaupt nicht, sprach nicht mit mir, sondern ging auf die vor uns knienden Männer zu und fragte, wer der Kapitän wäre. Alle Köpfe zeigten in Richtung des Toten, bei welchem Alex gerade noch gestanden hatte.
    Das hatte sie ja gut hinbekommen, aber wir erfuhren wenigstens noch seinen Namen. Geralt Montegue! Einer der engen Vertrauten des Dukes of Ironside! Das würde noch ein Nachspiel haben, der Duke war ziemlich nachtragend, wie ich ja jetzt zu spüren bekam.

    Mit einem Male drehte sich Alex um und verschwand schnellen Schrittes Richtung Kapitäns-Kajüte.
    Jetzt reichte es mir und ich eilte ihr hinterher, gerade rechtzeitig bevor sie wieder verschwinden konnte, knallte ich die Tür lautstark hinter mir zu.
    Sie hatte bereits einige Schriftstücke, Bücher und das Logbuch in eine Tasche gepackt! Ich packte sie bei den Schultern und schüttelte sie.
    „Sag mal... was in drei Teufels Namen... Alex... WAS IST IN DICH GEFAHREN!“
    Ihr nächster Satz brachte mich in Versuchung ihr eine Ohrfeige zu verpassen!
    „Kannst du dir das nicht denken?“ dieser schnippische Ton mit diesem Grinsen war... ich atmete tief durch und versuchte mich zu beruhigen.
    Ich fragte also nach, was sie gedachte mit der gegnerischen Mannschaft zu machen.
    „Die werden in die Beiboote gesetzt und können zurückrudern. Was dachtest du? Wir geben ihnen etwas Proviant mit, der Rest davon geht auf die Jackdaw und wir sollten die Ladung noch kurz inspizieren!“
    Für den Bruchteil einer Sekunde huschte so etwas wie Erkenntnis über ihr Gesicht, doch dann war es verschwunden und sie drängte sich an mir vorbei, hinaus aufs Deck.

    Kapitel 19

    *** Das wird noch ein Nachspiel haben! ***



    Schwer atmend stand ich immer noch hier und versuchte diese Frau nicht zu verfluchen, doch es fiel mir schwer, sehr schwer!
    Als ich sicher sein konnte, dass ich Alex nicht mehr wehtun wollte, ging ich ebenfalls aus der Kajüte.
    Man hatte mittlerweile die Beiboote klar gemacht und den Proviant verteilt. Der restliche Teil ging wie sie sagte auf die Jackdaw und damit begab sich meine Verlobte wieder auf ihr Schiff.
    Es war seltsam sie so zu sehen, es war wirklich nicht sie alleine die handelte. In diesem Moment stieg eine gewisse Trauer und auch wieder Eifersucht in mir hoch, Alex und mein Vater verband mehr, als sie sich eingestehen wollten oder konnten.

    Als ich dann ebenfalls wieder auf der Jackdaw war, ließ Alex die Iron Duke versenken! DAS war etwas, was ich durchaus begrüßte, dann konnte ich sicher sein, dass mir dieses Schiff nicht noch einmal über den Weg segeln würde!
    Wir sahen in aller Seelenruhe zu, wie die Fregatte langsam sank und als sie vollends verschwunden war, schnappte ich mir meine Verlobte und zog sie hinter mir her in ihre Kajüte! Ich wollte jetzt wissen, warum sie mich nicht in ihre Pläne eingeweiht hatte und warum ich nicht in ihren Geist dringen konnte!
    „Nein, du hörst MIR zu! Ich wusste, was ich da tat, ich war nicht alleine. Vergiss das nicht! Ich konnte es regelrecht fühlen, dass es klappt! Und dieser Geralt Montegue war nun wirklich kein Gegner...“ unglaublich, sie verstand nicht, worum es mir ging und wieder musste ich an mich halten und tief durchatmen.

    „Verstehst du nicht, was ich meine? Ich hatte Angst um dich! Es hätte sonst was passieren können und du bist einfach ohne Warnung drauf losgestürmt!“ meinte ich jetzt frei raus, aber immer noch wütend!
    „Doch, das verstehe ich. Aber ich WUSSTE dass mir nichts passieren wird, Edward war die ganze Zeit dabei! Haytham, ich … kann es dir vermutlich nicht begreiflich machen, doch wenn ich so wie gerade agiere, dann bin ich nie alleine! Vertrau mir bitte!“ kam es jetzt leiser von ihr, ich sah, dass ihr Körper nun zur Ruhe kam und dieser Kampfrausch abebbte, das Ganze ließ einen Menschen erschöpft zurück.

    Wie aufgrund einer Eingebung, drehte ich Alex hin und her, um sicherzugehen, dass sie keine Verletzungen davon getragen hatte.
    „Ähm... ich bin noch ganz, Haytham. Mir fehlt wirklich nichts. Ich werde nur ein paar heftige blaue Flecken morgen haben...“ kam es jetzt lächelnd von ihr und langsam verging meine Wut auf sie, auch ich beruhigte mich nach und nach! Diese Angst um sie war aber einfach unerträglich und ich sähe es gerne, wenn so etwas nicht noch einmal passieren würde.
    Mit diesen Worten zog ich sie zu mir und küsste sie stürmisch, mir war einfach danach! Für einen kurzen Moment hatte ich den Eindruck, wir wären nicht alleine, doch dann war dieses Gefühl wieder verschwunden!

    „Und das wird nicht das letzte Mal gewesen sein, mi amor. Wenn ich an deiner Seite kämpfen soll, dann... wirst du oder besser werden wir uns auf einander verlassen müssen. Deswegen ist unsere Art der Kommunikation so wichtig!“ bei diesen Worten sah ich ihr schlechtes Gewissen förmlich auf mich zuschießen! „Verzeih mir, dass ich dich aber überhaupt nicht beachtet habe. Bei Odin, ich war in einem Rausch und es war mir nicht möglich, auch noch daran zu denken!“
    Also hatte sie es jetzt verstanden und das beruhigte mich, dass sie „fast“ von alleine darauf kam. Das wir daran noch dringend arbeiten mussten, sagte ich, als sie in meinen Armen lag und wir uns wieder beruhigten.

    „Ich sollte jetzt mal nach den Schäden schauen und überlegen, wie weit man sie hier auf offener See beheben kann.“
    Achja, daran hatte ich für einen Moment nicht mehr gedacht, ich ging aber davon aus, dass man die Jackdaw sicherlich erst einmal notdürftig flicken konnte mit dem Holz welches für solche Fälle mit an Bord war.
    Einen Seitenhieb bekam sie aber doch noch von mir, ich fragte nach, ob sie nicht vielleicht noch Lust hätte ein Kriegsschiff anzugreifen! Dafür erntete ich ihren spitzen Ellbogen in meiner Seit und musste lachen, es war eine Geste, welche sie des öfteren machte um mich zu maßregeln.
    „Nein, keine Sorge. Mein Bedarf an Kämpfen ist fürs erste gedeckt, ich hätte jetzt lieber ein warmes Bad und … dich“ kam es dann plötzlich hochrot von Alex. Bis auf das Bad konnte ich ihr sicherlich behilflich sein und wir spürten diese Lust in uns aufkeimen. Zu mehr kam es aber nicht, wie sollte es anders sein.

    Es war Mr. Hargreaves, welcher Bericht erstattete.
    „Mrs. Frederickson, wir konnten jetzt die beschädigte Sektion abschotten und notdürftig flicken. Die restlichen Schäden werden gerade provisorisch behoben. Ihr braucht euch also keine Gedanken machen, wir werden den Rest der Überfahrt sicher überstehen!“
    Das hörte sich gut an und wir konnten uns auf seine Meinung verlassen, während des ganzes Kampfgeschehens, hat er mehr als sein Bestes gegeben und geholfen, wo es nur ging! Wir hatten mit ihm als ersten Maat und Rudergänger die richtige Wahl getroffen! „Danke Mr. Hargreaves für die Information, ich hätte mich sonst auch selber davon überzeugt! Wie geht es der restlichen Mannschaft und euch? Ich hoffe, es gibt keine schwereren Verletzungen?“ erkundete sich Alex jetzt nach ihrer Mannschaft.
    Leider hatten wir 4 Tote zu verzeichnen, welche nun heute Abend der See übergeben werden sollten.

    Als es bereits dunkel geworden war, standen wir alle an Deck und gedachten der Toten. Alex neben mir liefen die Tränen die Wangen hinunter, ich legte einen Arm um ihre Schulter und zog sie näher zu mir!
    In ihrem Geiste hörte ich die Worte, welche sie gerade als Gebet für die Verstorbenen sprach und ich würde sie hier gerne weitergeben, weil ich sie sehr schön getroffen fand.


     

    Ich trinke auf euch, all ihr Hohen,
    in Asgard, in Wanenheim, in den heiligen Bergen
    und in den Grabhügeln!
    Möge euer Segen Midgard erfüllen, und mögen eure Namen
    ]auf immer erinnert sein:
    Odin und Frigg, Thor und Sif,
    Freyr und Freya, Tyr und Eir,
    Njörd und Nerthus, Balder und Nanna,
    Ull und Skadi, Heimdall,
    Forseti, Fulla - und auch Loki, der für sein
    Lachen gepriesen sein soll,
    solange seine Lippen der Lüge verschlossen bleiben.
    All ihr Alben, Idisen und Landgeister,
    gebt Heil und Hilfe, ihr Segensreichen!
    Schaut wohlwollend auf diese Männer und
    erleuchtet Ihnen den Weg,
    auf dem sie wandern,
    es ist der Weg ihrer Ahnen.




    Mir wurde plötzlich ihre tiefe Verbundenheit mit den nordischen Göttern und ihre skandinavische Herkunft bewusst. Ich will nicht sagen, dass dies übermächtig war, doch es war tief in ihrem Glauben und Leben verwurzelt. Beizeiten würde ich gerne mehr von ihr darüber hören, auch jetzt wurde mir klar, dass ich ihr gerne zuhörte, wenn sie sprach und Geschichten erzählte!
    Es war dann unser erster Maat, welcher ein paar Worte für die toten Männer sprach, er kannte sie besser als wir. Danach gab Alex die Rumvorräte frei für die Nacht, aber mit dem drohenden Unterton es nicht zu übertreiben! Und schon eilten die ersten Herren mit vollen Krügen umher und ich musste leicht lachen, es war klar gewesen, dass sie nicht unbedingt auf diesen Befehl hören würden.

    Wir gingen hinunter in die Messe um noch etwas zu Abend zu essen und wir konnten noch ein paar ruhige Worte mit den hier sitzenden Männern wechseln. Durch die Bank weg waren sie alle froh, dass dieser Kampf so glimpflich ausging und nicht noch mehr passiert war.
    Mit einem Male sah Alex mich an und fing an ohne Pause zu reden.
    „Und wer ist dieser Montegue? Wie hängt der mit dem Duke of Ironside zusammen? Was passiert jetzt eigentlich, wo die HMS Iron Duke versenkt ist?...“
    Also erinnerte ich sie daran doch eine Frage nach der andern zu stellen und doch bitte auch zwischendurch Luft zu holen.
    „Könnte ich, wenn ich nicht so neugierig wäre!“
    DAS war so klar! Ein Crewmitglied meinte kumpelhaft in meine Richtung, ich solle mich daran gewöhnen, es seien halt Frauen! Ich war versucht ihn zu rügen, ob dieser doch sehr anzüglichen Art, doch ich beließ es einfach dabei.
    Der Tag war anstrengend genug, also gingen Alex und ich in ihre Kajüte, nachdem sie noch Wein aus ihren persönlichen Vorräten geholt hatte.

    Für einen Augenblick stand ich am Kartentisch und starrte auf die Unterlagen, welche wir von der HMS Iron Duke retten konnten. Doch meine Gedanken kreisten plötzlich um ihren neuen Kampfgeist, dass Alex die Assassinen ohne zu fragen angegriffen hatte. Es waren ja schließlich ihre Brüder und Schwestern, sie gehörte im Grunde ja noch der Bruderschaft an, wenn man es genau nahm. Darauf angesprochen sah sie mich ertappt für einen kurzen Moment an.
    „Ich... habe nicht darüber nachgedacht... es ging um unsere Sicherheit und um mein Schiff! Was hätte ich tun sollen? Diese Meute hat ja auch ohne zu fragen angegriffen!“ aber sie war noch Assassine, daran sollte sie denken! „Das mag sein, aber... nicht wirklich MEINE, ich habe mit diesen Bruderschaften nichts am Hut. Sie sind mir völlig fremd!“

    Dann brach Chaos in ihrem Gesicht aus!
    „Bei Odin, ich habe ohne zu denken gehandelt!“
    Darauf wollte ich unter anderem auch hinaus und ich fand es befreiend, dass sie selber darauf kam.
    „Ja, das hast du und das ist heute noch einmal gut ausgegangen, doch in Zukunft darfst du nicht so unbedacht Entscheidungen treffen. AUCH wenn sie von meinem Vater kommen! Was mich aber erstaunt hat und da bin ich doch sehr stolz auf dich, du hast dich gegen eine Männerfront durchgesetzt mit einer Art, die dir wirklich steht. Sogar ich war kurz drauf und dran zu salutieren!“ ich musste es einfach loswerden und bekam ein Lachen zurück, Alex hatte sich selber über sich erschreckt. Man hätte auch meinen können, sie sei in ihre Templerart gefallen! Ich fragte nach, wie sie sich dabei gefühlt hat, es interessierte mich wirklich!
    „Gut, es war... befreiend und es fühlte sich völlig natürlich an. Haytham... habe ich heute den Grundstein für meine Entscheidung dem Orden beizutreten, gelegt?“
    Das hatte sie definitiv, doch ich sah ihre Gewissensbisse. Ich würde in jedem Falle hinter ihrer Entscheidung stehen und mit diesen Worten nahm ich sie erneut in den Arm!

    Jetzt war es aber an der Zeit, ihre Fragen von vorhin zu beantworten.
    Kapitän Montegue war dem Duke of Ironside treu ergeben, da gab es nichts dran zu rütteln, doch auch Alex hatte es schon bemerkt.
    In den Kolonien wollte er diesen Zweig der britischen Bruderschaft etablieren, was jedoch immer wieder daran scheiterte, dass man sich mit den Indianern anlegte. Die Assassinen gingen nicht behutsam, sachlich und ruhig vor, sondern mit strenger Hand, Morden und Foltern wenn nötig!
    Der Duke of Ironside selber hatte sich damals in Philadelphia niedergelassen und überwachte von dort alles. Bisher war es uns nicht gelungen, näher an ihn heran zukommen. Er ließ sich bewachen und zeigte sich nur selten in der Öffentlichkeit, eine seltsame Angewohnheit, welche man nur von jemanden kannte, der um sein Leben bangte.

    Auf meiner Fahrt von Frankreich wieder in die Kolonien vorletztes Jahr, wurden wir von eben dieser Fregatte verfolgt und man versuchte uns zu versenken. Doch der Kapitän und die Mannschaft schafften es, sich zu wehren und die Iron Duke musste sich geschlagen geben! Dieses Handelsschiff auf welchem ich eine Passage gebucht hatte, führte teure Waren mit sich, das wusste ich. Der Kapitän plapperte unaufhörlich davon, wie wichtig doch diese Truhen seien und das er stolz war, so etwas überhaupt transportieren zu dürfen. Ein sehr unangenehmer Mensch, wenn ich das so sagen darf, doch ich musste nicht viel Zeit mit ihm verbringen und darüber war ich mehr als dankbar.

    „Da sie aber jetzt gesunken ist, gehe ich davon aus, dass der Duke nicht Ruhe geben wird, bis er Rache üben konnte, weil er dadurch hohe Verluste erlitten hat, was die geschmuggelten Waren angeht. Ich vermute einfach mal, dass noch mehr Sachen an Bord waren, welche aber nicht schriftlich benannt wurden.“ mit diesen Worten beendete ich meine Erklärung.
    „Und er hat ein Schiff verloren. Aber ich gehe davon aus, dass er durchaus noch mehrere sein Eigen nennt. Wer schmuggelt, braucht mehrere Transportmöglichkeiten.“ warf Alex jetzt ein und davon mussten wir einfach ausgehen. Ich hoffte, wir würden nicht allzu früh diese Rache zu spüren bekommen.

    „Man kennt mich anscheinend schon, laut des Kapitäns bin ich die freche Templerhure an deiner Seite!“ bei diesen Worten stieg wieder eine Wut in mir hoch, welche schwer war zu kontrollieren, niemand würde meine Verlobte so beleidigen!
    Ich versuchte es ein wenig herunter zuspielen mit den Worten, dass ihr ihr Ruf vorauseilte und das ja auch etwas Gutes hatte. Wäre ich jedoch dabei gewesen, wäre Master Montegue noch schneller bei Davy Jones gewesen!

    „Haytham, ich will dem Orden beitreten!“ diese Worte vernahm ich, konnte sie aber nicht aufnehmen, wie kam sie plötzlich auf diesen Gedanken? Sie wollte JETZT beitreten? Für einen Moment starrte ich Alex vermutlich ziemlich dümmlich an, weil ich nicht wusste, ob sie es wirklich ernst meinte.
    „Es ist mein Wunsch, ja. Nicht jetzt und hier, ich weiß, dass das nicht so ohne Weiteres geht. Aber in baldiger Zukunft will ich es! Mir wird gerade klar, dass ich mit den hiesigen Assassinen anscheinend nichts gemein habe. Sie verfolgen eine andere Art Lehre oder Credo, die ich nicht so verinnerlicht habe. Ich kann mich viel besser mit den Ordenslehren anfreunden.“ mir fehlten gerade die Worte und das sagte ich auch.
    „Haytham, du brauchst nichts sagen. Nur so kann ich mit dir zusammenleben, nur so kann ich meine Ziele und Arbeit fortsetzen. Und... es ist nicht nur wegen dir, es ist auch wegen Faith. Sie hat mir damals einmal gesagt, es ist eine Entscheidung des Herzens und keine der Epoche, weil ich vor Jahren noch hin- und hergerissen war zwischen diesen Jahrhunderten. Jetzt bin ich aber hier und merke, dass ich mit diesen Bruderschaften wenig gemeinsam habe. Meine Ansichten ähneln denen des Ordens in dieser Zeit HIER!“

    Es hörte sich so an, als würden sich die Ansichten, die Grundzüge, ja sogar die Strukturen im Laufe der Jahrhunderte ändern und immer wieder angleichen an gewisse Situationen. Das gab mir die Hoffnung wieder, dass eine Einigung und ein Waffenstillstand durchaus möglich wäre, wenn man es gezielt und auch plausibel darlegte!
    In mir breitete sich ein wohliges Gefühl aus, etwas euphorisches würde ich sagen. Wir könnten es schaffen, gemeinsam und Alex könnte ihre Arbeit in diesem Bezug weiterführen!
    Enthusiastisch hob ich sie hoch und setzte sie vor mir auf den Kartentisch! Ich ließ meinen Gefühlen einfach freien Lauf und fing an sie voller Verlangen zu küssen und... es klopfte an der Tür!

    Mr. Hargreaves bat um Einlass und berichtete, dass wir schon jetzt weitersegeln sollten. eine Schlechtwetterfront zöge im Osten auf und es wäre besser, wenn wir bevor sie auf uns traf, in der Nähe der Küsten wären.
    Alex gab ihm freie Hand, aber ich wusste, die Mannschaft wäre nicht begeistert von dieser Unterbrechung, sie waren immer noch dabei, die Toten zu betrauern und entsprechend dem Rum zu frönen!
    Der erste Maat ging mit einer tiefen Verbeugung hinaus und meine Verlobte ging hinüber zum Bett und ließ darauf fallen mit einem herzhaften Gähnen.

    Du meine Güte, ich musste wohl sehr einschläfernd auf sie wirken, gab ich gespielt maulig von mir und grinste auf sie herab.
    „Nein, eigentlich nicht, aber... es war ein langer ereignisreicher Tag und auch die letzten waren nervenaufreibend. Verzeih mir, mi amor. Ich bin nur wahnsinnig müde auf einmal.“ kam es immer noch gähnend von Alex.
    „Dann sollten wir für ausreichend Schlaf sorgen, damit du noch die ein oder andere Lehrstunde bekommst und auch verinnerlichst. Ich will dich wach haben, damit du es behältst, Mrs. Frederickson!“ Und das meinte ich durchaus ernst und als wir das nötigste an Kleidung und Waffen abgelegt hatten, legte ich mich hinter meine Verlobte und schlang meine Arme um sie.
    „Ich liebe dich, Haytham!“ hörte ich ihre leise schläfrige Stimme und sagte, dass ich sie auch liebe!

     

    Kapitel 20

    *** Schlechte Nachrichten und eine Aussprache ***

    15. Dezember 1762



    Am Morgen nach der Schlacht mit der Fregatte, konnte Alex sich kaum bewegen und ich sah, dass sie wirklich überall blaue Flecken hatte. Sie ließ sich aber nichts anmerken und biss die Zähne zusammen.

    Diese Tage an Bord der Jackdaw waren ein wenig wie eine Lehrstunde im Kennenlernen. Wir mussten uns noch annähern, wir kannten uns noch nicht wirklich. Ich muss gestehen, ich kannte Alex vermutlich besser als so manch anderer Herr, doch das betraf die Dinge, welche wir im Bett taten. Ihre Persönlichkeit, ihre Art im Alltag oder auch einfach ihre eigenen Gepflogenheiten kannte ich nicht wirklich. Umgekehrt ging es ihr nicht anders, aber ich ertappte mich immer wieder dabei, dass ich es Alex leichter machen wollte. Auf der anderen Seite hatten wir ab jetzt genügend Zeit für dieses tiefe Kennenlernen und ich freute mich immer noch wie ein kleiner Junge!

    Alex begann nun auch, mir von ihrer Zeit zu berichten, als sie wieder daheim war. Sie beschrieb wie sie mal eben nach Russland „geflogen“ sei, mit so einem Metallvogel wie aus meiner Vision damals, oder dass sie in Finnland war für ein paar Tage.
    Und wieder wünschte ich mir, ich könnte das alles mit eigenen Augen sehen und wäre dabei gewesen! Heute sah sie mich plötzlich fragend an und stand dann auf.
    „Du wirst jetzt einen kleinen Einblick in mein Leben bekommen.“ war das einzige was sie sagte, ging zu ihrer gesicherten Truhe und holte diesen kleinen schwarzen Kasten heraus. Damit setzte sie sich zu mir wieder aufs Bett.
    Alex drückte auf einen Knopf und dieses Ding leuchtete plötzlich und machte komische Geräusche, sie selber kicherte, als sie meinen erstaunten Gesichtsausdruck sah.

    Dann zeigte sie mir Bilder von ihrer Wohnung, oder auch von ihrem Sohn und dessen Freundin. Oder auch von einer Feier, Halloween nannte sie es, bei Rafael! Als ich sie darauf ansprach, dass sie sehr beengt gewohnt habe und ja kaum Platz da war, sah sie mich ihrerseits überrascht an.
    „Also mir hat es gereicht, ich musste es ja auch alleine sauber halten, Haytham. Vergiss das nicht.“
    In meinen Augen immer noch unverständlich, wie soll man das völlig alleine alles schaffen? Alex erwähnte Geräte, welche ihr einige Arbeiten abnahmen, wie das Geschirr spülen zum Beispiel oder die Wäsche waschen.
    „Damit ist es dann schon zu schaffen, aber man braucht trotzdem eine gewisse Disziplin und Struktur, sonst klappt es nicht.“ Worte einer wahren Templerin und das sagte ich auch so.

    An manchen Tagen konnte ich ihre Launen dann erleben, umgekehrt war es nicht anders. Es war halt etwas beengt hier und es war kalt, bitterkalt muss ich mir selber eingestehen und ich freute mich auf die Wärme im Fort Arsenal!
    Doch Nachts genoss ich ihre Nähe, ihren Körper und die Wärme, auch wenn wir nicht immer über einander herfielen. Ich erwähnte es ja schon, der Winter war unerbittlich!

     



    *********************

    16. Dezember 1762



    Heute endlich legten wir beim Fort Arsenal an und ich war mehr als dankbar dafür, wieder festen Boden unter meinen Füßen spüren zu können.
    Gerade als wir von Bord gingen, eilte uns schon Christopher entgegen und begrüßte uns hektisch mit den Worten, wir seien wie gerufen gekommen. July sei schwer krank, es ginge ihr immer schlechter und Faith hätte sie nicht eine Minute seitdem mehr aus den Augen gelassen.
    „Master Gist, ganz langsam... WAS ist hier los...?“ fragte Alex völlig irritiert, doch antworten konnte Master Gist nicht mehr, Shay war ebenfalls schon hierher geeilt!
    „Alex, ich bin so froh, dass ihr wieder hier seid. July ist erkrankt und Faith hat die Medizin an dieses Blag gegeben... jetzt liegt meine Tochter im Sterben...“ meinte der Ire außer Atem und ich konnte Alex gerade noch halten bevor ihre Beine unter ihr nachgaben. Das waren Neuigkeiten, welche man nicht gleich bei der Ankunft erfahren möchte!

    „Shay... was hat Faith getan? Ihr hattet doch eine ausreichende Dosis... warum?“ anstatt einer Antwort, zog Shay sie einfach hinter sich her mit den Worten
    „Ihr werdet es sehen und ich hoffe, ihr könnt noch etwas tun. Faith weicht July seit Tagen nicht von der Seite und ist völlig geschwächt und ebenfalls kaum ansprechbar... ich weiß nicht mehr weiter!“ und ich folgte den beiden, nachdem ich Anweisungen für die Mannschaft gab, sich Unterkünfte bis auf weiteres zu suchen!

    In der Eingangshalle wurden wir kalt von Master Williams begrüßt, was ich aber überging und einfach Shay nach oben folgte.
    Dann standen wir im Kinderzimmer und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Meine kleine Schwester saß auf dem Fußboden, blass mit tiefen Augenrändern und ihr Mann kniete neben ihr. Maggie hatte July auf dem Arm, welcher es besser zu gehen schien... ich verstand gerade gar nichts, ich nahm lediglich eine leises „Danke Freya!“ von Shay wahr.
    Bei Gott, was war hier bitte alles geschehen? Doch eine Erklärung erhielten wir nicht, stattdessen verließen wir alle das Zimmer, nachdem meine kleine Schwester den Kindern noch eine gute Nacht gewünscht hatte.
    Master Williams, Shay und ich gingen schon einmal hinunter, Alex wollte noch auf Faith warten. Einer Eingebung folgend blieben wir aber am Fuße der Treppe stehen und gerade als ich fragte, was passiert war, erschienen Alex und Faith auf dem Absatz und kamen hinunter.

    Es war nur ein Bruchteil einer Sekunde, doch wir sahen alle, wie Faith die Augen plötzlich verdrehte, Alex ihr noch zurief, sie solle aufpassen und Shay und Lucius konnten sie gerade noch auffangen.
    Man trug sie wieder hinauf ins Schlafzimmer und brachte sie ins Bett, wo sie jetzt schweißnass und schwer atmend lag.
    In einem Ton, welcher keine Widerworte duldete, fragte Alex, was hier passiert sei. Doch auch der Ire druckste nur herum. Dann schrie sie ihn schon fast an mit den Worten „Shay... SPRECHT!“
    Und er antwortete, aber sehr leise.
    „Anscheinend hat Freya ihr die Krankheit von unserer Tochter gegeben!“ … Freya? Was hatte diese Göttin nun damit zu tun?
    „Wo sind die Medikamente die ich euch gab?“ kam es mit einem bösen Tonfall von Alex. Als Shay nun erzählte, dass nur noch diese Schmerzmittel vorhanden seien, trat in die Augen meiner Verlobten ein alarmierter Ausdruck.
    Faith hatte Cillian das Medikament für July gegeben, somit war kein Vorrat mehr vorhanden und jetzt verstand ich auch, warum Master Cormac so zornig war.

    Meine Verlobte bat dann auf einmal einen der Diener, eine Tasche von Bord der Jackdaw zu holen, auf welcher ein rotes Kreuz war. Ich würde sie später darauf ansprechen, was es damit auf sich hatte.
    Sie saß weinend auf der Bettkante und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Wir konnten eigentlich nur beten und hoffen, dass es nicht schlimmer wurde. Meine Hand lag nach wie vor auf ihrer Schulter und ich versuchte sie so ein wenig zu beruhigen.
    Alex setzte sich jetzt ganz auf das Bett und wechselte in einem fort die kalten Tücher, damit das Fieber nicht noch mehr stieg.
    Dann endlich erschien der Diener mit der besagten Tasche und sie wühlte nervös darin herum. Ein erfreuter Aufschrei und sie hielt triumphierend ein kleines Glasfläschchen in die Höhe.

    Dann nahm sie so eine Spritze, wie sie mir erklärte, und zog das Mittel auf. Bevor sie uns aber bitten konnte, wir mögen uns umdrehen, taten wir es schon, dieses Medikament wurde in den Allerwertesten verabreicht. Wie es DA wirken sollte entzog sich mal wieder meiner Kenntnis, doch ich war ja auch kein Arzt!
    Kurz erklärte sie nun, dass noch 6 weitere Dosen verabreicht werden müssen, alle 6 Stunden ungefähr, dann sollte es überstanden sein. Das beruhigte uns alle ein wenig, auch wenn man immer noch diese tiefsitzende Angst verspürte.
    „Shay, was war bitte hier los in den letzten Tagen. Ich meine, ich kann es mir jetzt so langsam denken, aber ich will es genauer wissen!“ fragte Alex mit Tränen in den Augen und strich Faith eine Strähne aus dem schweißnassen Gesicht.

    Gerade als der Ire antworten wollte, fing Faith an zu reden und Alex´ Blick deutete uns, wir mögen bitte hinausgehen. So gingen wir drei nun hinunter in den Salon und die ganze Situation war mehr als angespannt.
    Lucius war mir immer noch nicht wohlgesonnen und Shay, ja mit ihm hatte ich noch ein Hühnchen zu rupfen, wegen seines unerlaubten Verschwindens! Er ließ aber nur den Kopf in seine Hände gleiten und atmete schwer, als er wieder hoch sah, merkte ich, dass er eigentlich etwas sagen wollte.
    „Master Cormac, was war hier los? Man kann die Anspannung förmlich spüren hier!“ meinte ich jetzt fordernd.
    „So wie es aussieht, hat sich meine Tochter bei dem Blag von Caroline angesteckt!“ kam es in einem so schnippischen Ton von ihm, welchen ich mir eigentlich verbiete.
    „DAS haben wir schon verstanden und weiter? Das wird ja nicht alles gewesen sein.“

    Er erzählte, dass alles ein wenig ruhiger wurde, als er wieder hier war. Nur kam er nicht wirklich mit Cillian zurecht, man setzte ihm Liam in klein vor die Nase, was ihn immer wieder an seine Tat erinnerte. Diese Wut konnte ich nachvollziehen, auch mir würde so etwas schwer fallen zu akzeptieren!
    Als der Junge dann aber krank wurde, hatte er Faith immer wieder verboten das Medikament, welches für July angedacht war zu nutzen. Doch irgendwann sah seine Frau keinen anderen Ausweg mehr und verabreichte ihm doch die Spritzen. Er erholte sich schnell, doch kurz darauf wurde seine Tochter krank, obwohl sie eigentlich nicht in die Nähe des Kranken gekommen war! DAS war tatsächlich etwas seltsam, aber ich hoffte, würden wir dafür bald eine Erklärung bekommen.

    Ab diesem Zeitpunkt wich Faith keinen Millimeter von der Seite ihrer Tochter, was zum einen löblich war, doch auch ihre Gesundheit litt darunter.
    Kurz bevor wir dann alle hier im Kinderzimmer standen, schien mal wieder einer der Vorläufer oder in diesem Falle die Göttin Freya eingegriffen zu haben und hatte meiner kleinen Schwester dieses Scharlach übertragen, damit July überlebte. Deswegen lag sie jetzt krank im Bett!

    Wir zogen uns dann aber alle drei für eine kurze Zeit zurück, ein wenig Schlaf sollten wir alle bekommen. Mrs. Marge teilte mir dann noch mit, dass meine Verlobte bei Faith blieb und sie sie in zwei Stunden wieder wecken sollte.
    Etwas zerknirscht ging ich in unser Gästezimmer und versuchte in den Schlaf zu finden, doch es wollte nicht so recht gelingen. Immer wieder geisterten mir Bilder von einer immer kränker werdenden Faith im Kopf herum und diese ließen mich nicht zur Ruhe kommen. Es muss gegen drei gewesen sein, oder auch etwas später, als ich dann aufstand und ich mich wieder anzog. Auf der Galerie traf ich auf die anderen beiden Herren und wir beschlossen, einen Blick auf die Patientin zu werfen. Gerade als wir eintraten, hörte ich noch
    „... was du nicht brauchst und schon gar nicht darfst, Faith Cormac!“ in einem harschen Befehlston von meiner Verlobten. Da schien es Faith wohl doch schon besser zu gehen.

    Shay und Lucius standen nun an ihrem Bett und begutachteten sie eingehend. Für meine Begriffe sah sie tatsächlich etwas besser aus. Natürlich noch blass, aber nicht mehr in Schweiß gebadet.
    Neben mir stand Alex und hielt meine Hand, als ich fragte, was als nächste passierte, erklärte sie mir, dass noch 5 weitere Spritzen anstehen würden. Wir mussten abwarten, was dann geschah, doch man sah, dass dieses Medikament gut anschlug und ich muss gestehen, dass ich darüber doch mehr als froh war.

    Dann stand Master Williams vor uns und bat uns, ihm zu folgen. Über Alex Gesicht huschte ein ängstlicher Blick gefolgt von einem „Muss das jetzt sein“ Ausdruck.
    Wir gingen gemeinsam hinunter in Shays Arbeitszimmer, Lucius schloss hinter uns die Tür und bat uns Platz zu nehmen. Und er kam auch gleich auf den Punkt!
    „Master Kenway! Ihr wisst, ich bin nicht glücklich mit dieser neuen Konstellation, die ihr und meine Tochter getroffen habt. Und ich weiß, ich hatte die Verlobung lösen lassen, doch... es widerstrebt mir immer noch, dass ihr und auch Faith so einfach VOR meiner offensichtlichen Entscheidung über meinen Kopf hinweg bestimmt habt.“
    Mir lag auf der Zunge, dass er ja nicht anwesend war und wir alle davon ausgehen mussten, dass er verstorben sei, weswegen wir ihn auch schlecht hätten fragen können! Doch bevor ich etwas sagen konnte, funkelte er Alex giftig an, welche nun wirklich am wenigsten dafür konnte. Nunja, ein wenig war es schon ihre Schuld, aber das brauche ich sicherlich nicht auch noch ausführen.
    „Mrs. Frederickson, ihr wollt also Master Kenway ehelichen? Warum, wenn ich fragen darf?“ in diesem Moment spürte ich, wie Alex sich verschloss und sich im Geiste zurückzog, ihre Ruhe strahlte plötzlich auch auf mich ab.
    „Weil ich ihn liebe und gelernt habe, was es heißt, Kompromisse einzugehen!“ knappe Worte und ich wusste, mehr würde sie ihm nicht erlauben zu erfahren, vorerst nicht!

    „Ihr seid Assassine, wie soll das gut gehen? Für ein paar Monate wird es sicherlich funktionieren und dann? Es wird immer eine Barriere, ja gar eine Mauer geben, welche ihr nicht überwinden werdet.“ das fragte ausgerechnet ER?
    Wie hatte sich Lucius bitte seine Ehe damals vorgestellt? Ich tat meinen Gedanken kund und erntete einen bösen Blick, welcher mich aber nicht mehr in Angst und Schrecken versetzte.
    „DAS waren andere Zeiten, Master Haytham, denkt ihr nicht?“
    Natürlich dachte ich nicht so, die Zeiten ändern sich, das ist richtig, doch die Liebe zu einem Menschen bleibt bestehen. Neben mir merkte ich, wie Alex eine Augenbraue anerkennend hochzog. Ich stand für sie und mich ein, machte klar, dass wir zusammengehörten. Egal ob es den Leuten nun passte oder nicht!

     

    Kapitel 21

    *** Streitschlichterin ***



    Plötzlich erschien, im wahrsten Sinne des Wortes, mein Vater wie aus dem Nichts und Master Williams sah ihn ungläubig an. Diese Reaktion hatte Vater ebenfalls bei mir hervorgerufen und ich vermutete auch bei Alex damals.
    Ohne Umschweife, wie es immer seine Art war, stellte er Lucius jetzt zur Rede und ich sah mich als 9 jährigen Jungen wieder vor ihm. Diese Art schlug er immer an, wenn wir etwas „zu bereden“ hatten!
    „Master Williams! Wovon reden wir hier gerade? Ihr urteilt über meinen Sohn und seine Entscheidungen! Wer bitte gibt euch das Recht dazu?“ der angesprochene Herr stammelte nur vor sich hin, bekam aber auf seine Frage, wie das möglich sei, keine Antwort. Im Gegenteil!
    „Ich warte auf eine Antwort! Und glaubt mir, ich weiß, dass Haytham wie ein Sohn für euch ist und auf eine gewisse Weise freue ich mich für ihn. Doch es gibt euch nicht das Recht, über seinen Kopf hinweg zu entscheiden. Nicht EUCH und auch nicht Lady Melanie.“ Vaters Tonfall nahm bedrohliche Züge an und ich duckte mich leicht aus Gewohnheit.

    „Bei allem Respekt, aber es geht hier um weit mehr als nur zwei Menschen, die sich lieben. Hier geht es um...“ wieder konnte er nicht aussprechen!
    „Genau darum geht es in diesem Moment, Lucius. Und die beiden wissen darum! Mrs. Frederickson und Haytham sind darauf vorbereitet! Und denkt für einen Moment daran, wie eure Mutter auf Liz reagiert hat damals! Sie war alles andere als begeistert, möchte ich meinen! Und mein Sohn wird diese Frau hier heiraten, ob es euch nun passt oder nicht! Meinen Segen habe ich den beiden bereits vor langer Zeit gegeben. Ich habe Mrs. Frederickson nicht ohne Grund meinen Sohn anvertraut. Sie wird an seiner Seite stehen, egal was es kostet!“ Vaters Atem ging schwer und ich wusste, er riss sich zusammen um nicht lauter zu werden und aus der Haut zu fahren!

    „Das verstehe ich nicht, wie könnt ihr euch so sicher sein, dass sie die Richtige für euren Sohn ist?“
    Master Williams wusste von Faith, dass Alex aus einer anderen Zeit stammte, doch wie viel sie ihm im Detail berichtet hat, entzog sich meiner Kenntnis. Wir mussten aber auch nichts weiter sagen!
    „Sie ist mir im wahrsten Sinne des Wortes in Nassau damals vor die Füße gefallen und von da an hatten wir eine gewisse Verbundenheit, die bis heute anhält. Dank dieser Götterähnlichen Wesen ist es mir deshalb auch möglich, sie zu leiten und ihr in Kämpfen beizustehen. Ja, sie hat noch zu lernen, dieses Jahrhundert ist nicht einfach zu meistern. Doch sie ist willensstark und weiß, was sie tut. Und bedenkt, Master Williams, Alex ist diejenige die für eure Tochter alles tun würde und gerade jetzt auch wieder alles tut!“
    Wieder wurde mir bewusst, dass die Verbindung zwischen den beiden etwas ganz eigenes unerklärliches war, doch es war wieder diese Eifersucht, die sich einen Weg bahnte in mir!

    „Dann werde ich wohl mit dieser Entscheidung leben müssen. Genauso, wie ich einfach Master Cormac als Schwiegersohn vorgesetzt bekommen habe. Verzeiht mir, wenn ich damit noch so meine Probleme habe. Haytham, ihr wisst, dass wir euch nichts Böses wollen. Im Gegenteil, gerade mir lag am Herzen, dass ihr, ebenso wie ich, eine Frau an eurer Seite haben solltet, welche euch gerecht wird und die euch liebt. Und wie ich sehe und mir jetzt eingestehen muss, habt ihr sie bereits gefunden.“
    In Lucius Gesicht lag plötzlich so etwas wie Ruhe, ob es nun an Vater lag oder er sich einfach selber im Klaren über seine eigene Ehe wurde, konnte ich nicht sagen.
    Er erhob sich langsam und kam um den Schreibtisch herum.
    „Mrs. Frederickson, es … tut mir leid, wenn ich die ganze Zeit so schlecht von euch gedacht habe. Ihr müsst umgekehrt aber auch unsere Beweggründe verstehen...“ bei diesen Worten, reichte er Alex die Hand, welche sie etwas irritiert entgegennahm.

    „Lucius, sie weiß, warum ihr so reagiert. Und auch ich kann es verstehen, wir sind nicht dumm. Doch es geht hier auch um Vertrauen und... wenn ich das sagen darf, Mrs. Frederickson hat in ihrer Zeit tatsächlich ein Gleichgewicht, einen Waffenstillstand, zwischen Bruderschaft und Orden erreicht. Dass können nicht viele von sich behaupten und ich bin der Meinung, dass sollte man honorieren. Findet ihr nicht?“ sprach Vater mit Stolz in der Stimme und sah zu Master Williams.
    Dieser wandte seinen Blick an Alex und fragte stotternd, wie das möglich sei und wie sie das geschafft hätte.
    „Master Williams, es war einzig und alleine meiner Hartnäckigkeit und meinem Durchhaltevermögen geschuldet. Und ich habe keine der beiden Seiten verraten, belogen oder betrogen. Mein schlechtes Gewissen verbietet es mir schon. Ich werde das gleiche hier nicht erreichen, dessen bin ich mir bewusst. Aber ebenfalls einen Waffenstillstand oder in einigen Bereichen eine gewisse Zusammenarbeit wäre für beide Seiten von Vorteil. Ohne die wäre ich jetzt zum Beispiel auch nicht HIER! Auch bin ich mir bewusst, dass ich bald eine Entscheidung treffen werden muss.“
    In dieser Erklärung erwähnte sie diese Gründe, welche sie auch mir schon dargelegt hatte. Eine Zusammenarbeit war unerlässlich gewesen, nur so war es ihr möglich wieder hierher zukommen.

    „Dann lasst mich einen kleinen Anfang machen und euch meinen Segen ebenfalls aussprechen.“ er nahm meine und Alex Hand und legte sie zusammen!
    „Ich wünsche euch für die Zukunft nur das Beste und möge sie so verlaufen, wie ihr es geplant habt.“ mit diesen Worten ließ er uns los und reichte Vater die Hand.
    „Master Kenway, es ist mir immer noch unheimlich, euch hier wieder zusehen. Doch ich entschuldige mich für mein Verhalten.“ Master Williams hatte einen freundschaftlichen Ton angeschlagen, was mich nicht wunderte, ich ging davon aus, dass auch er zu einer Erkenntnis gekommen ist.

    „Ich denke, dass lässt sich einrichten, Master Williams. Aber... höre ich irgendwelche Klagen bezüglich eures Verhaltens oder dem Verhalten eurer Mutter gegenüber meinem Sohn und meiner Schwiegertochter, seid gewarnt, ich kann auch ganz anders...“ sprach Vater jetzt eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung aus, jedoch sollte Lucius klar sein, dass ihm Unheil drohte, sollte negatives zu ihm durchdringen!
    Ich hörte wie Alex neben mir plötzlich erleichtert seufzte und musste grinsen dabei, mir ging es nicht anders.
    Vater schloss uns beide noch in seine Arme und wünschte uns nur das Beste. Auch sollten wir nicht vergessen, dass er immer an unserer Seite blieb. Dann verschwand er wieder in diesem Nebel und Master Williams sah für einen Moment staunend hinterher.

    Wir konnten es alle nicht verstehen und gerade als Lucius diesen Gedanken aussprach, flog die Tür zum Studierzimmer auf und eine weinende July rannte auf ihren Großvater zu.
    „Opa, Mama und Papa streiten sich schon wieder. Ich habe Angst!“
    Er nahm die Kleine auf den Arm und ich sah, wie Alex uns beide anblickte. Wir nickten stumm, sie solle sich darum kümmern, Faith war wie ihre Schwester.
    Sie verschwand schnell und ging die Treppe hinauf.
    Wir gingen unterdessen mit meiner Patentochter in den Salon und verabreichten ihr Plätzchen, damit sie sich etwas beruhigte. Ich fand es erstaunlich, wie schnell sie sich erholt hatte, doch ich vermutete diese Freya hinter diesem schnellen Genesungsprozess.

    Es dauerte nicht lange, da hörten wir irische und schottisch-gälische Flüche und wie eine Tür laut zugeworfen wurde! July erschrak wieder, genau wie ihr Bruder!
    Die beiden Streithähne nahmen keinerlei Rücksicht und ich hoffte, dass meine Verlobte eine gute Streitschlichterin abgab.
    Vor Wut schnaubend erschien Shay bei uns, nahm sich ein großes Glas Whiskey und ließ sich auf eines der Sofas fallen. Die Kinder trauten sich nicht in seine Nähe, was auch definitiv besser war.
    Aber ich ließ es mir nicht nehmen, ihn auf den Streit anzusprechen. Und wieder pöbelte er mich in einer Art und Weise an, die mich wütend machte, auch ging mir wieder die Rüge durch den Kopf, welche er noch zu bekommen hatte!
    Dazu war aber sicherlich später noch Zeit.

    Also ließen wir den Iren sich einfach beruhigen und widmeten uns den Kindern.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit erschien meine Verlobte wieder hier bei uns und ich sah, dass ihr Kleid an der Schulter völlig nass war.
    Mit einem bösen Blick auf Shay bat sie ihn unter vier Augen zu sprechen, was er ohne Widerworte akzeptierte und sie mit sich zog. DAS schmeckte mir so gar nicht, niemand behandelt meine Verlobte so grob, auch das kam mit auf die Liste für Shays Rüge!
    Jetzt saßen Lucius und ich hier wieder alleine und es breitete sich eine etwas unangenehme Stille aus, welche Master Williams aber durchbrach.
    „Haytham, versteht mich bitte. Auch ihr hattet am Anfang dieses Misstrauen und hegtet Zweifel an der Loyalität von Mrs. Frederickson. Ihr kennt sie jetzt besser als ich und ich hoffe wirklich, dass sie den Orden nicht verraten wird.“
    In diesem Moment beschloss ich ihn in unsere Pläne, zumindest was den Beitritt in den Orden anging, einzubeziehen.

    „Ihr meint, Mrs. Frederickson ist soweit die Bruderschaft hinter sich zu lassen?“ auch ihm erklärte ich nun diese moralischen Zweifel, welche wir Alex noch nehmen mussten und das wäre nur möglich, wenn wir ihr entsprechend entgegen kämen.
    „Habt ihr ebenfalls schon Pläne für die anstehende Hochzeit, Haytham?“ natürlich fragte er das und ich gab den März an. Das wir das ganze vorziehen wollten, würden wir in den nächsten Tagen hoffentlich kundtun können.

    Zu mehr kamen wir aber nicht, weil Alex wieder im Salon erschien, während Shay die Treppe hinauf ging.
    „Fragt mich jetzt nicht, ich kann nur hoffen, dass Shay und Faith eine Aussprache hinbekommen. Und mal ganz im Ernst... WAS bitte war hier in den letzten Monaten los?“ kam es schwer seufzend von ihr und sie ließ sich auf dem Sofa nieder.
    Es war an Lucius sie aufzuklären, über alles war auch ich nicht im Bilde.
    „Nun, wo soll ich anfangen, Mrs. Frederickson. Ich kam Anfang diesen Jahres hierher zurück, weil es Probleme gab, die Master Lee verursacht hatte. Er war der Verwalter von unserem Anwesen und vom Fort Arsenal, sowie den laufenden Geschäften hier, doch wir wurden beide von ihm enttäuscht, oder Junge?“
    Ja, das hatte ich Alex grob erklärt und auch da hatte ich noch etwas zu erledigen mit Charles. Doch jetzt war er erst einmal in England und musste seine Strafe verbüßen!

    „Er hat bei einem Spiel in einer Taverne das Haus verspielt und die Geschäfte von Shay und Faith fast in den Ruin getrieben. Wir hatten Glück, dass eine befreundete Familie das Haus von Lady Melanie erworben hat und uns dies mitteilte. Nun, um es kurz zu fassen, ich reiste mit Lady Melanie und meinem Vater hierher und brachte mit den beiden alles wieder in Ordnung. In dieser Zeit hatte Faith ihre Freundin als Zimmermädchen angestellt und Shay bekam den Sohn seines ehemaligen Freundes vorgesetzt. Was habe ich auf Faith eingeredet, die beiden weg zuschicken, aber sie ist genauso stur wie ihre Mutter. Da kann man gleich mit einer Wand reden, die hört wenigstens zu und haut nicht ab, wenn es ihr nicht passt, was jemand zu ihr sagt. Leider ist das eine scheußliche Angewohnheit meiner Tochter, aber das werde ich jetzt nicht noch näher erläutern.“
    Diese Bezeichnung mit der Wand traf durchaus auch auf Alex zu und ich sah, wie ihr derselbe Gedanke durch den Kopf ging!

    „Auf jeden Fall war mein Schwiegersohn eines Tages mitten in der Nacht verschwunden und eigentlich wollte ich ebenfalls wieder nach London, aber ich blieb auf Bitten meiner Tochter, auch weil sich jemand um die Geschäfte kümmern musste, Faith hat dafür einfach kein Händchen. So vergingen die Monate und ich versuchte für Faith da zu sein, aber außer ihrer Freundin ließ sie keinen wirklich an sich ran. Im September tauchte zu unserem Übel das alte Dienstmädchen wieder auf, warf Faith öffentlich vor, eine Hexe zu sein. Ihr könnt euch denken, wie Faith das Ganze mitnahm und ich musste ihre Aufzeichnungen verbrennen, sonst wäre sie auf dem Scheiterhaufen gelandet. Es war sehr knapp, nur ein paar Minuten später und die Soldaten hätten diese gefunden.“ Diese Zeit muss schlimm gewesen sein, ich kannte sie nur aus den Briefen von Lucius und das las sich schon wie ein Albtraum!

    „Danach kam ich an sie gar nicht mehr ran und zum Glück tauchte dann endlich Shay wieder auf. Die erste Woche war noch in Ordnung, doch dann wurde der Junge krank. Faith verbot ihren beiden Kindern mit Cillian zu spielen und keiner außer den beiden Frauen durften zu ihm. Sie nutzte das Mittel, welches für July gedacht war und eigentlich dachten wir alle, dass July die Krankheit nicht bekommen würde, doch drei Wochen später hatte sie es. Faith, sie heulte stundenlang, machte sich Vorwürfe und versuchte alles, um ihre Tochter zu retten. Nun ich kann Shay voll und ganz verstehen, aber ich verstehe auch meine Tochter, warum sie so gehandelt hat. Nun wisst ihr was vorgefallen ist, Mrs. Frederickson!“
    Das Ganze jetzt erzählt zu bekommen, hörte sich noch schlimmer an und ich hoffte, dass hier bald wieder Ruhe einkehrte und dass Alex´ Versuch, die beiden wieder zu versöhnen gelungen war.
    Ich sah, wie ihr die Tränen über die Wangen liefen, sie machte sich Vorwürfe nicht hier gewesen zu sein und ich nahm sie kurzerhand einfach in die Arme!
    Doch auch Lucius versicherte ihr noch einmal, dass sie keine Schuld träfe, er wisse über ihre Zeitreisen Bescheid!

    „Master Williams, dass ihr um meine Herkunft Bescheid wisst, war mir bewusst. Dennoch ist es gerade für mich sehr schwer zu ertragen. Die letzten 3 Wochen seit meiner Ankunft hier sind einfach zu turbulent gewesen und... ich befürchte, es ist noch nicht zu Ende damit!“ damit hatte sie nicht unrecht, ich ahnte auch, dass wir noch lange keine Ruhe haben werden. Jedoch auf anderer Ebene, wie zum Beispiel die Geschichte mit der versenkten Fregatte des Dukes.
    Mit der Begründung, dass sie mal nach Faith und Shay sehen wolle, weil der Ire noch nicht wieder hier unten sei, ging sie hinaus. Es dauerte nicht lange, da erschien sie aber mit einem sehr breiten Grinsen wieder im Salon. Auf meine Frage, was los sei antwortete Alex nur.
    „Nunja, sagen wir so. Die beiden Streithähne haben sich fürs erste... versöhnt und ihre Differenzen beigelegt. Wir sollten sie jetzt ein wenig... alleine lassen!“ Darauf hätte ich auch selber kommen können und Master Williams musste ebenfalls grinsen und meinte nur „Aha!“

    ~~
    Ich spreche selten Warnungen aus, aber in diesem Falle sollte ich es tun.

    Es geht definitiv härter zwischen Alex und Haytham zu im Schlafzimmer!
    Wer mit dieser Form der "Aggressionsbewältigung" (in diesem Falle ist es
    nichts anderes!) Probleme hat, sollte bitte dieses Kapitel überspringen.
    Es hat nichts mit häuslicher Gewalt oder sexualisierter Gewalt im
    herkömmlichen Sinne zu tun. Ist auch nur eine "einmalige" Sache!
    ~~



    Die "Haytham Puppe" auf dem Bild ist ein Weihnachtsgeschenk meines lieben Todesengel <3

     


    Kapitel 22

    *** Wunderheilung und alte Erinnerungen ***



    So verbrachten wir eine Weile hier zusammen, während Alex sich mit Maggie um die Kinder kümmerte und ich noch ein paar Worte mit Lucius wechseln konnte.
    Plötzlich tauchte Shay in der Tür auf, mit der Bemerkung, er hole nur etwas zu Essen für seine Frau und verschwand Richtung Küche.
    Meine Verlobte wartete nicht lange und ging dann einfach hinauf, Frauen und ihre Neugierde!
    Doch es dauerte nicht lange, da erschien sie hier unten wieder und lehnte sich völlig erschöpft an mich und konnte kaum das Gähnen unterdrücken. Als ich ihr sagte, dass sie doch jetzt einfach etwas Schlaf finden sollte, kam ihre Fürsorge für mich wieder durch.
    „Ich weiß, aber... ich kann dich doch hier nicht alleine einfach sitzen lassen, mi amor.“
    Für eine Weile herrschte ein wenig Ruhe und Master Williams kümmerte sich neben Maggie um July und Cadan.

    Mit einem Male sprang meine Patentochter auf und rief laut „Mama, du bist wieder gesund!“ und auch Cadan eilte ihr hinterher.
    Doch nicht nur die beiden eilten auf meine kleine Schwester zu sondern auch eine ziemlich wütende Preußin!
    Wir sahen alle, dass Faith sich kaum auf den Beinen halten konnte und Maggie und Alex ihr gerade noch so die Kinder abnehmen konnten.
    „Was machst du störrisches Weib hier unten, du gehörst ins Bett, verdammt nochmal!“ kam es in einem so kalten Befehlston, dass selbst ich zurückzuckte!
    Sie wolle Torte backen... diese Frau war ja noch sturer als meine Verlobte, was vermutlich an dem schottischen Blut lag!
    Und wieder kam es eiskalt von Alex! „Du legst dich ins Bett, jetzt sofort!“

    Doch es war Lucius der einsprang und die Frauen maßregelte.
    Meine kleine Schwester gab klein bei und ging dann mit ihrem Sohn und Alex wieder hinauf, während wir mit July und Shay wieder hier im Salon warteten.
    Was für ein hin und her hier herrschte, war dafür, dass wir gerade ein paar Stunden anwesend waren, schon anstrengend.
    Ich genoss aber gerade ein wenig die Stille, July saß bei Lucius auf dem Schoß und ließ sich vorlesen. Shay hingegen saß völlig übermüdet am Kamin und ich beschloss, ihn später zurecht zuweisen. Wir sind ja noch länger hier.
    Als Wilma ankündigte, dass das Abendessen fertig sei, gingen wir hinüber und mussten nicht lange warten, da erschienen auch Alex und Faith. Sie sah jetzt wieder etwas rosiger aus und nahm neben ihrem Mann Platz.

    Auf Alex Gesicht schlich sich während des Essens ein Schleier aus Trauer und ich konnte plötzlich diesen Gedanken von ihr hören. Sie wünschte sich, dass ihre Mutter an der Tafel ihrer Vorfahren saß und auf sie anstieß!
    Aber sie wäre nicht meine Verlobte, wenn sie diese trüben Wolken nicht augenblicklich verscheuchen würde. Meine Hand schloss sich leicht um ihre und ich erntete ein warmes Lächeln, sie verstand warum ich das tat.

    Das Zubettbringen der Kinder war etwas schwieriger und wir hörten hier unten fröhliches Gekicher und Getrappel! July konnte einfach nicht stillhalten, was nur gerade jetzt etwas schlecht war, da Faith noch nicht wieder ganz auf den Beinen war. Maggie war aber mit hinauf gegangen, da konnten wir sicher sein, sie half tatkräftig mit.
    Es dauerte nicht lange, als Faith auch wieder hier unten war, dass meine Verlobte fast im Stehen einschlief. Der Schlafmangel machte sich jetzt, wo sie zur Ruhe kam, bemerkbar. So verabschiedeten wir uns beide für die Nacht und gingen hinauf.

    Für einen Moment beobachtete ich Alex, wie sie völlig erschöpft und achtlos ihre Kleidung auszog und einfach auf den Boden warf. Danach ließ sie sich aufs Bett fallen und deckte sich halbwegs zu.
    Bevor sie jedoch ganz einschlafen konnte, leistete ich ihr Gesellschaft und fing an meine Finger auf Wanderschaft zu schicken.
    Das wurde mit einem knurrenden „Das ist nicht fair, Haytham... ich bin völlig erschlagen.“ quittiert, doch es war mir egal, sie wusste, dass ich in unserem Bett nicht immer fair spielte.
    „Und jetzt gib mir einen Kuss!“ meinte ich dann noch und meine Hand wanderte weiter über ihren Bauch zwischen ihre Schenkel und siehe da, so müde schien meine Verlobte doch nicht zu sein. Es war ein behutsames lieben, nach der Kälte auf der Jackdaw und den Tagen ohne ihre Nähe wollte ich Alex genießen. Mit einer geflüsterten Lobpreisung ihrer Götter und meinem Namen auf den Lippen schloss sie mich in ihre Arme und auch ich ließ los.

    Langsam zog ich mich zurück und sie an mich heran.
    „Haytham, hier hat alles vor ein paar Jahren angefangen!“ meinte Alex plötzlich und ja, das stimmte.
    Sie hatte mich gequält und angeschrien, als ich diese Gehirnerschütterung mit den heftigen Kopfschmerzen hatte. Ich ließ es mir nicht nehmen, meine flache Hand auf ihrem Po landen zu lassen.
    „Das habe ich gar nicht, ich... aber du...“ Ich musste leise lachen, ihr fehlten tatsächlich die richtigen Argumente und sie war endlich mal nicht so schlagfertig wie sonst.
    Doch meine Worte wurden Lügen gestraft! „Männer sind schrecklich, wenn sie krank sind!“ meinte sie gespielt maulig und streckte mir die Zunge raus. „Und du kannst von Glück reden, dass ich die Kissen nicht doch noch zweckentfremdet habe, Haytham.“ kam es leise, ehe sie einschlief.

    Ich gab ihr einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn und dankte ihr im Stillen für die Fürsorge damals, ich hatte sie nämlich nicht vergessen!


    18. Dezember 1762

    *** Shays und Julys Geburtstag ***

    (das Datum stimmt eigentlich nicht für Shay

    (12.09.1731, New York), aber ich habe

    mich durch das Einbauen der Charaktere

    vom Todesengel ein bisschen ihrer Geschichte

    angepasst!)



    Als ich meine Augen aufschlug, war es noch nicht ganz hell, aber ich spürte, dass ich etwas erholsamer als die letzten Wochen geschlafen hatte. Was nicht zuletzt an meiner Bettnachbarin lag, welche auch plötzlich anfing sich zu bewegen, so als spüre sie, dass ich sie ansah.
    Mein Körper griff meinen Gedanken vor und zeigte ihr, dass der Morgen mit einigen netten Aktivitäten beginne würde. Auch meine Stimme war entsprechend rau, als ich Alex auf ihr nachgeholtes Schlafpensum ansprach.
    „Ich weiß es noch nicht, aber ich denke, es könnte ruhig noch ein wenig mehr sein, mi amor!“ bevor sie sich jedoch zu mir drehen konnte, fing ich an sie mit Küssen zu bedecken, als dann ohne Ankündigung die Tür zu unserem Zimmer aufgerissen wurde...

    Ich seufzte resigniert und leicht wütend! Es waren meine Patentochter und Cadan, beide belagerten jetzt unser Bett und ich wurde von July in Beschlag genommen. Alex half dem Jungen hoch und auch er fing an, uns zu ärgern.
    Ich drohte Master Cormac noch eine Predigt an die sich gewaschen hatte, auch meine Verlobte würde Faith sicher noch ein paar Takte dazu sagen!
    Doch bevor das Ganze ausarten konnte, schien Alex eine Idee zu haben, stand auf, zog ihr Hemd über und öffnete ihre Truhe. Da meine Patentochter neugierig war, eilte sie hinterher.
    „Tante Alex, willst du schon wieder verreisen?“ fragte sie traurig.
    „Nein, ich wollte nur etwas hier herausholen, kleine Maus.“ Nun stand July voller Erwartung neben ihr und wartete, was nun passiert. „July, das ist eine Überraschung für dich. Setz dich bitte kurz zu deinem Onkel aufs Bett und mach die Augen zu, ja?“
    Und dieses Kind tat was ihm gesagt wurde und saß nun mit geschlossenen Augen und Händen davor auf unserem Bett.
    Alex fand wonach sie suchte und es war wohl das Geburtstagsgeschenk für meine Patentochter.

    Sie setzte sich mit zu uns aufs Bett und reichte das kleine, in Packpapier gewickelte, Geschenk an das Mädchen weiter.
    „Du darfst deine Augen wieder aufmachen! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ meinte meine Verlobte lächelnd und July sah für einen Moment unschlüssig auf das Päckchen. Dann riss sie es auf und zum Vorschein kam eine Puppe! Aber nicht irgendeine, sondern... sie stellte mich dar! Haytham Puppe
    „Das ist ja Onkel Haytham!“ sagte sie mit großen Augen! „Schau mal, das bist du!“
    Mir fehlten einfach die Worte, wie kam man auf so eine Idee? Und vor allem, Alex hatte sie so anfertigen lassen, dass mein Ebenbild in der Meistertemplermontur daherkam, mitsamt meines Dreispitzes und das Ganze war gehäkelt. Die Details konnte man dennoch ausmachen und wer mich kannte, so wie July, wusste sofort, dass sie mich darstellte.

    Cadan wurde aber langsam quengelig und meine Verlobte erklärte ihm jetzt in kurzen Worten, dass er ja nicht Geburtstag hätte. Aber es sei bald Weihnachten und dann würde er auch Geschenke bekommen. Das Versprechen auf ein extra Stück Torte heute Nachmittag versöhnte ihn dann ein bisschen.
    Ich wollte jetzt aber wissen, WARUM sie so eine Puppe hat anfertigen lassen.
    „Weil ihr July immer die Altair-Puppe abspenstig machen wolltet, da dachte ich, sie bekommt ihren Patenonkel dazu. Dann kann nichts mehr schiefgehen und es herrscht ein Gleichgewicht!“ meinte Alex jetzt breit grinsend. „July, du musst unbedingt Mama dein Geschenk zeigen, sie ist bestimmt schon ganz neugierig!“ Freudig sprang die Kleine vom Bett und rannte hinüber, zurück blieb ihr kleiner Bruder, welcher jetzt wieder traurig dreinblickte.

    In diesem Moment fiel mir ein, dass ich ein paar meiner alten Zinnsoldaten immer in meiner Reisetruhe mitführte. Einfach aus Gewohnheit und aus sentimentalen Gründen, doch ich beschloss, dass sie bei Cadan gut aufgehoben sein werden!
    Alex warf mir einen erstaunten Blick zu, als ich aus dem Bett stieg und an meine Truhe ging. Mit der kleinen Kiste in der Hand, stieg ich wieder zu den beiden auf die Decke und reichte dem Junge mein altes Spielzeug.
    Meine Verlobte half Cadan nun, den Deckel zu öffnen und als sie sah, was sich darin befand, warf sie mir einen erschrockenen aber auch gleichzeitig traurigen Blick zu.
    „Sie gehören jetzt dir und denke immer daran, es ist wichtig, dass es einen Befehlshaber und einen Stellvertreter gibt. So ist deine Truppe immer gut aufgestellt!“ erklärte ich ihm und bemerkte, wie Alex die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

    Dein Gespräch damals mit Birch, in dem kleinen Flur! Haytham... ich... hörte ich sie in meinem Kopf, ich unterbrach sie jedoch. Ja, aber ich denke, sie sind bei Cadan doch erst einmal gut aufgehoben. Und es sind nicht alle. Ein anderer Teil ist immer noch in London! Langsam konnte ich meine eigenen Gefühle wieder verbergen und drückte Alex zur Beruhigung, dass sie sich um mich nicht sorgen müsse, die Hand.
    Dies war wieder einer der Punkte, der mich in meinem Wunsch, sie zu heiraten, bestätigte! Alex verstand mich, wie kaum jemand anderes und stand mir bei. Nun war es aber an mir, den jungen Mann zu seinem Vater zu schicken, damit auch er sein neues Spielzeug zeigen sollte! „Papa helfen!“ hörte ich ihn freudig rufen und mit einem Satz war er aus dem Bett und aus der Tür.

    Für einen Moment herrschte Stille zwischen uns, ich kämpfte mit meinen Erinnerungen und wusste nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte.
    Dann hörte ich mit einem Male die Stimme meines Vaters, welcher Alex maßregelte. Zum tausendsten Mal, Alex. Nein, du hättest nichts ändern können. Wir wussten noch nicht genug, aber jetzt sind wir weiter und JETZT musst du einen entscheidenden Punkt ändern!
    Anscheinend kämpfte auch sie mit diesen Gedanken der Trauer und ihren eigenen Erinnerungen.
    „Mein Vater hat recht, aber ich kann nichts gegen meine Trauer tun, die mich immer wieder heimsucht.“ musste ich mir meine eigene Schwäche eingestehen und das machte mich verdammt wütend!
    „Nein, dagegen kann man nie etwas tun. Man kann nur weitermachen und die Erinnerungen in Ehren halten, mi amor.“ meinte sie leise und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

    Plötzlich brach diese Wut aus mir heraus und ich erwiderte ihren Kuss, aber ich konnte mich kaum beherrschen und spürte, dass darin pure Aggression lag. So etwas hatte ich noch nicht erlebt, wollte ich das überhaupt?
    Ich entschuldigte mich sofort bei Alex, ich wollte ihr keine Angst machen mit meinem unkontrollierten Verhalten. Ihre Worte gaben mir aber wieder die Bestätigung, dass wir zusammen gehörten!
    Ihre Hände legten sich auf meine Wangen. „Unterdrücke diese Gefühle nicht... wir sind uns einig, schon vergessen, mi amor?“ sie sprach leicht stockend und ich sah in ihren Augen, dass sie wusste, was sie erwarten würde. Und ich wollte sie, jetzt!
    Ich ließ meiner Wut und Aggression jetzt freien Lauf und in meinen Bewegungen nahm ich dieses unkontrollierte wieder wahr, doch ich machte weiter. Für Widerworte seitens meiner Verlobten war keine Zeit und auch kein Raum, ich nahm mir diese Frau einfach!
    Im Gegenzug konnte ich in ihren Augen die Lust sehen, welche sie bei meinem Verhalten spürte. Sie wollte es und ließ es zu, dass ich keine Rücksicht mehr nahm!

    Ich kam hart und diese Erlösung war unglaublich befreiend. Schwer atmend sackte ich auf ihrer Brust zusammen und stammelte nur, dass ich sie nicht verlieren will und bei ihr sein will.
    Leise hörte ich „Ich werde bei dir bleiben!“
    Als ich sicher sein konnte, dass meine Stimme wieder mir gehörte, entschuldigte ich mich noch einmal, aber Alex ließ mich nicht ausreden.
    „Haytham, hast du es schon vergessen. Wir waren uns einig und wenn ich etwas nicht will, dann werde ich dir das auch sagen!“ sie drängte sich wieder an mich und ich wusste, wir waren wieder einen Schritt weiter.
    Dann klopfte es und im ersten Moment war ich versucht zu sagen, dass wir nicht mehr gestört werden wollen, doch es war nur Magda, welche das Frühstück ankündigte.

    Mir war danach, mich bei Alex zu bedanken und erntete einen fragenden Blick. Es war einfach dafür, weil sie mich schon so lange erträgt und ich musste einfach grinsen.
    „Ja, es war nicht immer leicht. Gerade mit der Gehirnerschütterung...“ seufzte sie theatralisch, aber ich unterbrach sie einfach.
    Sie hatte mich einfach damals aus dem Bett gezerrt, obwohl ich krank war. Diese Bilder brachten mich aber dann doch zum Lachen.
    „Das hab ich nicht, du hast... ja, du hast recht. Aber auch nur, weil du mich mal wieder geärgert hast! Haytham... die ganze Geschichte ist einfach... so absurd. Was erzählen wir nur irgendwann unseren Enkelkindern?“ jetzt war es Alex, welche etwas ungehalten kicherte.
    Wir würden die Wahrheit sagen, im Grunde war es eine wunderbare Geschichte für lange Winterabende am Kamin. Bei diesem Gedanken beruhigten sich meine Nerven wieder, was ich durchaus begrüßte. Meine Verlobte bekam noch einen langen Kuss und dann bestand ich darauf, dass wir aufstanden. Länger wollte ich sie ohne ihre Kaffeedosis nicht ertragen, meinte ich mit hochgezogener Augenbraue.

    „Hey... ich bin sehr gnädig heute morgen, mi amor!“ wieder diese lockere Zunge und meine Hand landete auf ihrem etwas malträtierten Hintern, mit den Worten, dass aber auch nur sie das dachte!

     

    Kapitel 23

    *** Der Spur folgen ***



    Im Esszimmer waren bereits alle versammelt und ich warf gleich einen mahnenden Blick Richtung Master Cormac, welchen ich mir heute noch zur Brust nehmen sollte. Nicht nur wegen dieses Weckkommandos, sondern immer noch wegen seiner monatelangen unentschuldigten Abwesenheit vom Orden!
    Faith und Alex warfen sich ähnliche Blicke zu und es kam nur ein Danke fürs Zurückschicken der Kinder und meine Verlobte meinte, dass hätte sie doch gerne gemacht! Ja, dieses extrem zynische Verhalten war durchaus reizvoll, musste ich mir eingestehen.

    Alex kam auf die Puppe zu sprechen, doch Faith war nur erstaunt, dass sie überhaupt an diesen Geburtstag gedacht hatte und siedend heiß fiel mir nun auch ein, dass ich dem Hausherrn noch gar nicht gratuliert hatte. Auch meine Verlobte gratulierte nun etwas verlegen, weil sie nicht gleich daran gedacht hatte.
    Für eine Weile widmeten wir uns einfach dem Frühstück, bis Alex plötzlich einfach los preschte.
    „Shay, habt ihr zufällig Zimmermänner und Handwerker an der Hand, welche die Schäden an meiner Brig zu einem guten Preis beseitigen könnten?“
    Shay fragte lachend, ob wir uns mit einem Eisberg angelegt hätten und ich bemerkte, dass meine Verlobte etwas sagen wollte, sich aber dagegen entschied.

    Also erzählte ich, was vorgefallen war und alle Anwesenden am Tisch bekamen große Augen. Als ich dann auch noch sagte, dass wir das erstaunlicherweise heile überstanden hatten, fuhr mich Alex wütend an.
    „Erstaunlicherweise? Ich wusste was ich da tue, Haytham!“
    Sie zu ärgern machte mir Spaß, eindeutig!
    Außerdem sprachen wir noch Zoe und Jones an und den Eigentümer der versenkten Fregatte, mit den Worten, dass wir nun abwarten mussten.
    Nach dem Frühstück ging ich mit Alex zur Anlegestelle, Shay hatte Gist beauftragt, nach Handwerkern zu schicken!

    Als wir nun bei Tageslicht vor der Jackdaw standen, wurde mir ganz anders. Sie hatte ziemlich gelitten und sah wirklich sehr mitgenommen aus. Ich hoffte, dass die Reparaturen schnell erledigt werden konnten.
    Dann erschien auch Christopher und bestaunte die Brig seinerseits.
    „Sie ist eine Schönheit, Mrs. Frederickson. Ich habe gerade nach dem Zimmermann und einigen Handwerkern geschickt. Ich vermute aber mal, die Jackdaw wird an Land leichter zu reparieren sein. Dort drüben ist der Trockendock-Bereich, sie wird mit Sicherheit dorthin geschleppt.“
    Und nun kam wieder das schlechte Gewissen bei meiner Verlobten durch! Sie konnte es nicht ertragen, dass sie nicht selber für den Schaden aufkommen und dass sie keinerlei finanzielle Hilfe leisten konnte. Auch als ich ihr wiederholt versicherte, dass sie sich keine Gedanken zu machen brauchte, war Alex bockig wie ein kleines Mädchen!

    Sie drehte sich jetzt zur Morrigan um und stand für einen Augenblick mit einem völlig versonnen Blick da. Master Cormac sah auch oft so aus, wenn er sein Schiff betrachtete und ich musste schmunzeln, eine solche Liebe für ein Segelschiff zu empfinden ist schon seltsam.
    Wir wurden aus den Gedanken gerissen, der Zimmermann war eingetroffen und sprach mich auch gleich an.
    „Du meine Güte, Mister! Gegen was wolltet ihr antreten, gegen drei Men of War?“ es war Alex, welche antwortete und erntete für einen Bruchteil einer Sekunde einen erstaunten Ausdruck im Gesicht des Mannes. Er riss sich aber sofort zusammen und überging seinen Fehler gekonnt.
    „Verzeiht, Ma´am, ich … das kriegen wir aber schon wieder hin, wir werden sie rüber zu den anderen bringen und auf Land hieven. Ist einfacher dann!“ seine Manieren hatte er anscheinend vergessen und stellte sich nun vor als Julian Tobbsen!

    Nach einem ausführlichen Gespräch und der Begehung des Schiffes, klärte man die Einzelheiten mit der Instandsetzung. Mr. Tobbsen sollte regelmäßig Bericht erstatten und er ging von ungefähr 14 Tagen aus, doch es könnte auch etwas länger dauern. Neben mir sah ich, wie Alex schweren Herzens ihre Brig diesen Herren überließ, doch sie konnte ja schlecht den ganzen Tag die Arbeiten überwachen!

    So langsam wurde es Zeit fürs Mittagessen, doch wir trafen nur Lucius im Esszimmer an, welcher alle Hände voll zu tun hatte mit den beiden Kindern. Wo waren Faith und Shay schon wieder abgeblieben?
    Als die Kinder nun ihren Mittagsschlaf antraten, saßen wir im Salon und meine Verlobte meinte etwas gedankenverloren, dass sie sich eine Beschäftigung suchen musste, damit sie Geld verdiente. Gerade als ich sie wieder darauf hinweisen wollte, dass das nicht nötig sei, sprang Lucius dazwischen.
    „Könnt ihr mit Zahlen umgehen, Mrs. Frederickson?“ in ihren Augen konnte ich plötzliche Begeisterung sehen!
    „Ja, kann ich. Wir sprechen hier von Buchführung, Haushalts- und Geschäftsführung nehme ich an?“ fragte sie aufgeregt nach.
    „Ganz genau so ist es, stimmt es nicht, Haytham? Das Geschäft von Faith wäre ja fast vor die Hunde gegangen, dank dieses... unfähigen Tölpels Lee!“ Also suchte er eine Art Stellvertreter für diese Angelegenheit und ich muss gestehen, dass er nun meine Verlobte einbinden wollte, erfüllte mich mit einem gewissen Stolz.

    Master Williams erzählte noch, dass Charles einfach alles aufs Spiel gesetzt hatte, ohne einen Gedanken an den Verlust zu verschwenden! Lee hatte es nur Lady Melanie zu verdanken, dass er noch lebte, weil sie große Stücke auf ihn hielt.
    Bei mir flaute diese Euphorie immer weiter ab. Dachte ich bei meiner Ankunft damals ´54 in Boston noch, dass dieser junge Mann es weit bringen würde, war es jetzt nur noch der Gedanke „Hoffentlich überlebt er“.

    Lucius bat uns nun, ihm in Master Cormacs Arbeitszimmer zu folgen. Dort fing er an, Alex alles zu erklären, wie die Waren von A nach B kommen, wer zuständig ist, wo man Hilfe bekommt.
    Die Schiffe und entsprechende Waren wurden erläutert, er listete sie alle auf. Es war ein mittlerweile doch sehr umfangreiches Unternehmen geworden, allmählich konnte ich verstehen, warum Faith so ihre Probleme bekam. Es fehlte die Übersicht und da meine kleine Schwester es nicht so mit Zahlen hatte, fiel es ihr natürlich immer schwerer. Was mir leid tat, im Grunde liefen diese Verkäufe und Einkäufe fast wie von alleine.
    Charles hatte nur einfach nicht dieses diplomatische Wesen, um sich mit den Geschäftspartner auch zu einigen. Sondern er hat einfach abgerechnet, im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte keinerlei Gespür für Gewinn oder Verlust!

    Plötzlich meinte Master Williams, dass ich mir doch bitte die Füße vertreten sollte und es war ein eindeutiger Hinweis, dass ich ab jetzt nicht mehr zuhören sollte. Also gab es tatsächlich einige Geschäfte welche unter ferner Liefen gehandelt wurden, geahnt hatte ich es schon, doch jetzt wurde es zur Realität. Ich hoffte, dass Alex alles unter einen Hut bringen konnte!

    Da es für mich nicht viel zu erledigen gab, machte ich mich auf den Weg zum Trockendock um die Reparatur der Jackdaw zu inspizieren.
    Die Handwerker hatten gerade begonnen, das Schiff lag erst zwei Stunden hier, doch alle waren begierig darauf zu erfahren, wie die Beschädigungen zu Stande gekommen sind.
    Also fing ich an, ihnen von einer Fregatte zu erzählen... ich spann Seemannsgarn würde man sagen. Doch es dauerte nicht lange und die anwesenden Herren lauschten der Geschichte. Man wollte die Schätze der Jackdaw rauben, welche noch vom alten Besitzer in Verstecken verblieben waren... Irgendwie machte es mir Freude, solche Hirngespinste zu verbreiten und ich sah, dass man mir gebannt zuhörte.

    Endlich erschienen am späten Nachmittag dann auch Faith und Shay wieder im Fort, aber eine Erklärung erhielten wir nicht.
    Als meine kleine Schwester jedoch mit einem Glas Portwein aus der Küche kam, nahm Alex es ihr mit den wütenden Worten ab, sie sei noch krank!
    Wir versammelten uns alle im Salon und feierten die Ehrentage meiner Patentochter und ihres Vaters.
    Während des Abendessens sah ich, wie Alex mal wieder nur einige Bissen zu sich nahm, mit der Begründung das Korsett sei schuld. Ich sah aber, dass es einen anderen Grund hatte. Hase! Sie konnte es nicht essen, ihre Erklärung damals war erschreckend. Sie hätte zugesehen, wie ihr eigener Hase geschlachtet wurde als sie noch klein war und dann auf dem Tisch zum Mittag landete. Danach habe sie nie wieder diese Tiere angerührt.
    Gegen Abend bekamen Cadan und July ihr versprochenes Bad, sie hatte nämlich eine Miniatur der Morrigan bekommen und wollte sie auch gleich einweihen.

    Lucius, Alex und ich warteten derweil im Salon und unterhielten uns über die Geschäfte. Master Williams erklärte unter anderem noch, dass meine Verlobte in den nächsten Tagen die anderen Geschäftspartner kennenlernen sollte. Von Alex ging eine gewisse Aufregung im positiven Sinne aus, sie schien sich auf diese Aufgaben zu freuen.

    Etwas später erschienen Eheleute Cormac auch wieder und man berichtete uns, was heute Nachmittag alles vorgefallen war.
    Shay hatte Caroline fortgeschickt, mit der Bitte sich bei den Grants im Appel Pie einzufinden. In seinem Hause wollte er sie nicht mehr untergebracht wissen, wie ich schon schrieb, verständlich in meinen Augen!
    Jedoch war Faiths Freundin nicht dort angekommen! Sie fanden den kleinen Cillian fast erfroren bei einer toten Bettlerin und einen Abschiedsbrief seiner Mutter! Diesen reichte mir meine kleine Schwester nun mit den Worten, ich solle ihn bitte in Augenschein nehmen. Das tat ich und nahm eine eigenartige Aura und leichte Spuren wahr, welche aber nicht von Caroline stammen konnten.
    Mich beschlich ein ungutes Gefühl und ich bat alle, mir zu folgen. Ich hatte eine Vorahnung, man mag es auch Eingebung nennen, wo wir suchen mussten.

    Ich war schon fast draußen mit den anderen, als Alex meinte, sie müsse sich wohl erst umziehen. Sie verschwand in Windeseile mit Magda nach oben und erschien kurz darauf im Ornat wieder in der Eingangshalle!
    Lucius blieb im Fort um auf die Kinder aufzupassen, während wir unterwegs seien.

    Ich nahm kurzerhand den Weg über die Dächer, so hätten wir einen besseren Überblick und ich konnte die Spur weiter ausmachen.
    Wir blieben aber nicht lange alleine, um uns herum schlichen rote Auren vorbei und verteilten sich. Also bildeten wir für einen Teil dieses Trupps einfach einen kleinen Hinterhalt auf einem der Flachdächer.
    Ich nahm vier Männer war, welche sich gezielt auf uns zubewegten. Faith und Alex hatten sich hinter zwei Vorsprüngen versteckt, während Shay und ich bei zwei kleinen Schuppen ein Versteck fanden.

    Die ersten beiden Assassinen wurden von den Frauen niedergestreckt, während Shay leise den Dritten ausschaltete.
    Der Vierte im Bunde kniete nun vor mir und ehe ich ihm den Tod bringen konnte, sprach er „Schöne Grüße vom Duke, er weiß wo ihr und eure Hure sich verstecken!“ ohne ein weiteres Wort stieß ich ihm meine Klinge ins Herz.
    Diese Meuchelmörder waren also von Ironside geschickt worden, das ging zu schnell für meinen Geschmack. Wie konnte er in so kurzer Zeit benachrichtigt werden? Shay bot noch seine Hilfe bei diesem Problem an, in meiner Wut jedoch, meinte ich nur, er hätte ja wohl selber genug eigene Aufgaben zu erledigen!
    Für weitere Überlegungen hatten wir keine Zeit, unten in einem der Hinterhöfe machte ich eine Leiche aus. Ich ließ mich ohne ein weiteres Wort vom Dach hinunter gleiten und trat neben die Tote.

    Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Faith sie erkannte und es musste Caroline sein.
    Ich aktivierte meinen Blick erneut, nahm aber überhaupt keine Spuren, keine verblassenden Auren wahr! Nichts! Es war wie verhext, wie konnte es angehen, dass ich nichts sah? Es war, als hätte man sie hier nur abgelegt und anschließend alles gesäubert!
    Ich gab Alex den Befehl, dass sie meine kleine Schwester umgehend zurück zum Fort bringen soll, wir würden uns hier um die Tote kümmern. Sie tat wie ich befahl und die beiden zogen sich zurück.

    „Master Cormac, wir müssen Caroline jetzt erst einmal an einen sicheren Ort bringen.“ und er hatte auch schon eine brillante Idee, er griff seinen Vorschlag wieder auf und meinte, das Appel Pie sei die perfekte Lösung und die Grants seien vertrauensvolle Personen.
    Gesagt getan und kurz darauf hatten wir die Tote in ein altes Laken gewickelt und sie auf einen Karren gelegt.
    In der Taverne angekommen, wurden wir etwas verwirrt angesehen, als wir unser Anliegen unterbreiteten. Doch Alexander nickte nur und wir brachten Caroline in ein Hinterzimmer, wo sie bis zur Beisetzung bleiben würde. Shay und Faith würden sich dann um alles weitere kümmern.

    Auf dem Rückweg zum Fort Arsenal fragte mich Master Cormac, ob ich bei der Verstorbenen irgend etwas ausmachen konnte. Leider musste ich das Verneinen und es war seltsamerweise unangenehm, es fühlte sich wie ein Versagen an!
    Wieder kochte leichte Wut in mir hoch, welche noch von dem Hohn des getöteten Assassinen zu meinen Füßen angestachelt wurde.
    Alex und ich würden die kommenden Tage mit der Suche nach dem Duke verbringen müssen, er musste in der Nähe sein. So schnell konnte kein Bote sein, wenn Ironside eigentlich noch in Philadelphia sein sollte!

    Beim Fort angekommen sahen wir von weitem schon, dass hier ein Kampf stattgefunden hatte.
    Es lagen einige Leichen auf dem Vorplatz, welche von den hier stationierten Soldaten und der Morrigan Besatzung beiseite geschafft wurden. In mir stieg die Angst hoch, dass meiner Verlobten etwas zugestoßen ist und auch Shay eilte nun Richtung Eingang.
    Im Salon wurden wir fündig und erleichtert stellte ich fest, dass es allen gut ging. Nur Master Williams hatte eine tiefe Schnittwunde an der Schulter, welche Faith behandeln wollte.

    Sie erschien einen Augenblick später mit dem Verbandsmaterial und machte sich an die Arbeit. Alex hatte sie kurzerhand zur Assistentin ernannt, welche ihr nun half. Während dieser Arbeit sah ich, wie meine kleine Schwester aufblühte und es genoss, endlich wieder jemandem helfen zu können. Leider würde sie diese Tätigkeit hier nicht mehr ausüben dürfen, es sei denn, sie wollte wirklich noch auf dem Scheiterhaufen landen!
    Als Master Williams versorgt war, setzten wir uns im Salon noch zusammen und ich erklärte Lucius, was alles vorgefallen war. Ich konnte Faith ansehen, dass sie diesen Verlust nicht so einfach wegstecken würde und sie tat mir unendlich leid.

    ... ein Verhör ist kein Kaffeekränzchen ...

    Kapitel 24

    *** Eine neue Berufung für Alex? ***



    Plötzlich meldete sich Alex zu Wort. „Könnte es sein, dass der Duke wusste, dass Caroline zu euch gehört und sie deshalb getötet hat, um uns nach draußen zu locken, damit er das Fort angreifen kann?“
    Eine berechtigte Frage, auch wenn ich mir ernsthaft Sorgen um den Geisteszustand Ironsides machen würde, wenn er so unbedacht handeln würde. Aber meine Verlobte führte ihre Gedanken weiter!
    „Und ich muss dringend zu meinem Schiff. Haytham, wenn die Wind davon bekommen haben, wo wir sind, dann wissen die auch, wo die Jackdaw ist. Das Ganze geht mir eigentlich viel zu schnell, der Duke selber dürfte doch gar nicht hier sein, oder?“
    Da war sie wieder, ihre Angst, die Jackdaw ganz zu verlieren. Gerade im Moment lag sie wie auf dem Präsentierteller im Trockendock.

    Meine Worte beruhigten sie aber keines Falls, das wusste ich. Ich tat aber kund, dass ich auch davon ausgehe, dass der Herr sich hier ganz in der Nähe aufhalten muss, vermutlich wegen einiger Schmuggelaufträge die er wieder einmal an Land gezogen hatte!
    „Ich muss los, es tut mir leid, aber ich kann die Brig nicht unbewacht lassen!“ damit war Alex aufgesprungen und eilte aus der Tür.
    Ich konnte ihr nur noch einen Fluch hinterherschicken, sie handelte mal wieder etwas kopflos und übereilt meiner Meinung nach! Aber ich folgte ihr trotzdem, alleine konnte ich sie schlecht dorthin lassen, wer weiß, was oder wer dort auf sie lauert!

    Kaum waren wir im Hafenbereich des Trockendocks angekommen, sah ich schon diverse rote Auren umherschleichen.
    Alex kletterte auf ein zu reparierendes Schiff und verschaffte sich so einen eigenen Überblick. 5 Assassinen machte ich bereits auf der Jackdaw aus und auf der Straße hier unten waren zwei weitere, ebenso waren zwei Personen auf einem der Lagerhausdächer. Ich übernehme die beiden dort auf dem Dach und du bitte die dort drüben, an der Hauswand. Hörte ich meine Verlobte in meinem Kopf und bat sie noch, vorsichtig zu sein.

    Ich hielt mich im Schatten der Wände der umstehenden Gebäude und schlich mich so lautlos auf die beiden Gestalten zu. Sie bemerkten mich nicht und so hatte ich das Überraschungsmoment auf meiner Seite.
    Ehe sich der andere Herr versah, war auch dieser bereits tot noch bevor er den Boden berührte.
    Ich warf nun einen Blick nach oben und sah, dass auch Alex die beiden Beobachter dort ausgeschaltet hatte. Sie kletterte wieder hinunter und kam auf mich zu. Auf dem Weg zur Brig fragte ich nach, ob es schwierig war.
    Nein, die hiesigen Assassinen müssen schwerhörig sein, oder blind oder beides. Ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht! Sieh an, sie sind schon hinein geklettert. Haytham, übernimm die beiden hier unten noch und ich versuche über eine der Kanonenluken hinein zu gelangen. Ich bat sie wieder um Vorsicht, ich wollte meine Verlobte unverletzt wiedersehen.

    Sie verschmolz mit der Dunkelheit ebenso wie ich und ich machte mich lautlos auf den Weg, die Wachen vor der Brig zu eliminieren!
    Die beiden liefen eine Art Patrouille und so hatte ich leichtes Spiel. Der erste Herr lief mir quasi in die Arme und segnete schnell das Zeitliche. Sein Kumpan wurde jedoch misstrauisch, als er ihn nicht mehr sah und kam jetzt ebenfalls auf die Seilrolle zu, hinter welcher ich hockte.
    Gerade als der Assassine an mir vorbeikam, brachte ich ihn mit meinen Klingen zu Fall, indem ich ihm in die Kniekehlen schnitt. Danach brauchte ich meine Schneide nur noch über seine Kehle ziehen und auch er war Geschichte.

    Jetzt vernahm ich aus dem Schiff ein Poltern, aber es kam kein Kampfeslärm. Das war hoffentlich ein gutes Zeichen und mit meinem Blick sah ich eine rote Aura oben an Deck, welche sich auf die Kapitänskajüte zubewegte.
    Leise kletterte ich an der Seite empor und zog mich mit Schwung das letzte Stückchen hoch, landete aber lautlos auf den Holzbohlen. Noch hatte mich dieser Meuchelmörder nicht bemerkt, somit konnte ich auch ihn überwältigen, ließ ihn aber am Leben. Er bekam lediglich einen rechten Haken von mir verpasst, als er auf mich losgehen wollte.
    Dann hörte ich Schritte auf der Treppe zum Zwischendeck und meine Verlobte erschien mit einigen unschönen Blutflecken auf der Kleidung. Also war sie erfolgreich gewesen.

    Ich hingegen befahl diesem knienden Individuum vor mir, jetzt besser den Mund aufzumachen und drehte sein Gesicht in Richtung von Alex. Seine Augen wurden groß und er atmete etwas hektisch.
    „Ich hasse es, wenn man mir meine Sachen klauen oder wegnehmen will. Also, wo ist euer verehrter Duke, hmmmm? Sprecht schon, oder soll ich euch noch ein paar nette Narben schenken?“ kam es in diesem kalten Ton von ihr.
    „Euch werde ich überhaupt nichts sagen, Templerschlampe! Ihr seid nicht besser als dieser Cormac! Alles Verräter!“ er spukte ihr die Worte förmlich vor die Füße!

    Im Stillen waren wir uns einig geworden, dass wir Antworten wollten. Also zog ich ihn auf seine Beine, für einen Moment war er verwundert und fragte, ob er einfach gehen könne. Weit gefehlt, dachte ich noch so bei mir, schubste ihn in die Kajüte und fesselte ihn an einen Stuhl. Alex baute sich jetzt vor ihm auf.
    „So, dann wollen wir mal anfangen.“ und hatte ihr Stiefelmesser gezückt und hielt es an seine Wange. Ich ermahnte sie lautlos, es langsam angehen zu lassen und erinnerte sie daran, tief durchzuatmen.

    „Wo ist der Duke of Ironside gerade? Wie es scheint, nicht in Philadelphia, sonst hättet ihr hier alle nicht so schnell wissen können, wo wir sind! Also... WO IST ER?“ kam es eiskalt von meiner Verlobten.
    „Ich... woher soll ich das wissen...“ Der Gefangene zitterte nun leicht, ihre Worte schienen Wirkung zu zeigen.
    „Weil du ihn kennst und du zu seinen Stiefelleckern gehörst, du Idiot! Also... nochmal! WO IST ER?“ Die Klinge des Messer drückte sie nun dicht unter dem Auge des Mannes ins Fleisch.
    „Ihr werdet mich doch sowieso umbringen, also brauche ich auch gar nichts sagen. Na los, macht schon, dann hab ichs hinter mir.“ Alex´ Art änderte sich in diesem Moment, sie schien eine Entscheidung getroffen zu haben, eine grausame, wie ich feststellen musste. In ihren Augen loderte eine Entschlossenheit auf, welche ich so noch nicht gesehen hatte.

    Langsam schritt sie um den Stuhl hinter den Assassinen und kniete sich dann hin. Ich fragte mich, was sie vorhatte, doch als ich den ersten Knochen brechen hörte, war mir klar, dass sie anfing ihn zu quälen.
    Die Finger, Alex wollte sie ihm einzeln brechen!
    Er heulte auf, sagte aber immer noch keinen Ton!
    „Ihr habt noch viel mehr Finger und ich habe viel Zeit. Also, erzählt mir, was ich hören will!“ hörte ich die harten und kalten Worte von meiner Verlobten.
    „Ich... bin nur ein Laufbursche... mir ...“ Der nächste Finger musste dran glauben und der Assassine keuchte auf und wurde immer blasser im Gesicht, soweit ich das in diesem Dämmerlicht hier ausmachen konnte. „Er sagt nie....“ und der dritte Fingerknochen brach, ich hätte so eine skrupellose Art von Alex nie erwartet! „Ahhhh, verdammt... du dämliche Templerhure! Was soll das?“ Niemand nennt meine Verlobte eine Hure und damit hatte er meine Faust in seinem Gesicht!

    „Wofür war das , du scheiß ...“ schrie er jetzt mich an.
    „Dafür, dass du meine Verlobte schon wieder beleidigst und das auch noch in meiner Gegenwart!“ Ich hatte mich zu ihm hinuntergebeugt und ihm diese Worte leise und kalt entgegen gebracht.
    Ich hörte ein weiteres Mal die Knochen brechen und ich konnte gerade noch zurückweichen, als der Assassine sich vor Schmerzen übergab. Ich drehte mich etwas zur Seite, der Geruch war wirklich widerlich!
    „Bei Odin, was seid ihr für ein Weichei. Es gibt noch ein paar Knochen und ich habe immer noch Zeit!“ Dieser Tonfall war schon erschreckend, er war abgeklärt und man hatte den Eindruck, es würde ihr Spaß machen!

    „Er ist... in dem großen Anwesen... im East Village... gehörte mal einer Jensen! Und jetzt lasst mich gehen!“ brachte er schwer atmend raus, doch gehen würde er sicherlich nicht mehr.
    Alex zog wieder ihr Messer, sah mich kurz fragend an und als ich leicht nickte, zog sie es über seine Kehle. Völlig abgeklärt, wie es schien. Aber ich sah, wie sie aus der Tür eilte und folgte ihr.

    Draußen nahm ich sie in den Arm und spürte ihr Zittern. Mehr als, dass es erledigt ist und vorbei ist, konnte ich gerade nicht sagen.
    „Bei Odin, warum finde ich das gerade so befreiend? Ich habe es... sogar ein bisschen genossen, es war wie eine Genugtuung...“
    Alex würde sich noch daran gewöhnen müssen, dass man eben nicht jeden Menschen retten kann.
    „Aber auf der anderen Seite, tun mir diese Männer leid. Es ist gerade ein wenig verwirrend!“ ich versuchte eine Erklärung zu finden und meinte leise „Das wird es hoffentlich auch immer bleiben, wenn man erst aus Gewohnheit tötet ohne jegliches Gefühl, wäre es noch viel schlimmer.“
    Dies schien sie zu beruhigen und nun kam eine berechtigte Frage von ihr.
    „Was machen wir jetzt mit den Leichen? Wir können sie schlecht hier lassen.“
    Für diese Art Aufräumarbeiten hatten wir unsere Leute und nun würde Alex sie kennenlernen, damit sie in Zukunft weiß, auf wen sie zurückgreifen muss.

    Ich zog sie hinter mir her, noch hätten wir ein wenig Zeit, die Leichen waren etwas versteckt und nicht gleich zu sehen.
    Wir kamen in die ärmeren Viertel der Stadt, wo die Gassen voller Unrat und Matsch und allem Möglichen waren.
    Es dauerte nicht lange, da standen wir vor dem Haus von Mr. Thomas Edgyu, einem 49jährigen Waliser, welcher bereits seit einigen Jahren für uns arbeitete. Auf mein Klopfen reagierte niemand, also tat ich es jetzt kräftiger und oben öffnete sich ein Fenster, aus welchem mich Thomas wütend anbrüllte.
    „Wer stört um diese Uhrzeit?“ Als er dann meinen Namen vernahm, entschuldigte er sich umgehend, er habe mich im Halbdunkel nicht sofort erkannt.

    Kurz darauf saßen wir in einem schummrigen Wohn- und Esszimmer. Ich erklärte ihm, was vorgefallen war und was nun zu tun sei, auch entlohnte ich ihn schon einmal.
    Dieses Gespräch dauerte nicht lange und war nicht sonderlich ausführlich, aber Alex wusste nun, wer ihr bei der Beseitigung von Leichen helfen würde. Es muss schon fast 2 Uhr gewesen sein, als wir endlich Richtung Fort Arsenal unterwegs waren.
    „Ich bin so wahnsinnig erschlagen jetzt, ich will nur noch ins Bett, mi amor!“
    Ich konnte nur zustimmen, nahm ihre Hand und zog sie hinter mir her mit schnellem Schritt. Ich bemerkte aber, dass sie leichte Probleme hatte, Schritt zu halten und grinste ein wenig. Ich unterschätzte ihre Größe von Zeit zu Zeit.

    Beim Fort angekommen kam uns Mrs. Marge aus Richtung Küche entgegen und beäugte uns skeptisch. Wir müssen ziemlich schäbig ausgesehen haben und Alex erklärte es mit einer anstrengenden Nacht in der Taverne und berief sich auf „Männer“ und Marge wüsste ja Bescheid. Frauensolidarität war mitunter anstrengend, musste ich mir eingestehen.

    Oben im Gästezimmer entledigten wir uns nur schnell der Kleidung und fielen beide fast zeitgleich ins Bett.
    Alex lag mit Arm und Bein wie immer um mich und ich musste ihr einfach noch einmal sagen, dass ich heute wieder Stolz auf sie war. Sie hatte sich als wahre Templerin erwiesen und ich ließ sie wissen, dass ich sie über alles liebte.
    Mein Kuss in ihre Halsbeuge rief eine Gänsehaut bei ihr hervor und ich lächelte zufrieden in mich hinein.
    „Danke!“ kam es leise von ihr und sie schmiegte sich noch enger an mich. „Ich liebe dich auch, Haytham!“ hörte ich sie schläfrig sagen und genoss diese Worte mal wieder, ich konnte sie nicht oft genug hören!

     

    Kapitel 25

    *** Einen Überblick verschaffen ***

    20. Dezember 1762



    Was mich geweckt hat, kann ich nicht sagen, nur soviel, dass ich ein eigenartiges Gefühl plötzlich hatte.
    Es fühlte sich an, als wäre jemand hier gewesen in unserem Zimmer, nicht als wir schliefen, sondern vorher bereits. Leise stand ich auf, Alex schlief noch. Es war noch nicht richtig hell und ich ging hinüber zu meiner Truhe.
    Als ich sie geöffnet hatte, traute ich meinen Augen nicht! Alles war durchwühlt und meine eigene Ordnung war dahin! Ich fluchte laut und schlug den Deckel wieder zu.

    Plötzlich hörte ich ein erschrockenes „Was ist los?“ von meiner Verlobten, natürlich habe ich sie mit diesem Poltern geweckt!
    Sie wartete aber auf keine Antwort, sondern sprang aus dem Bett, als sie realisierte, dass etwas mit unseren Truhen nicht stimmt! Auch ihre war völlig durcheinander, wir konnten aber von Glück sagen, dass alle wichtigen Unterlagen und Gegenstände in der gesicherten Stahltruhe im Templerzimmer unten versteckt waren.
    „Haytham, fehlt etwas? Wer ist hier eingebrochen? Und... warum?“ kam es jetzt besorgt von Alex.

    Was darüber hinaus noch eigenartig ist, dass ich nicht die geringsten Spuren ausmachen konnte. Wie gestern schon mit Caroline, war nichts auszumachen!
    Ich teilte ihr nun meine Vermutung mit, dass es sich um einen der Lakaien vom Duke handeln muss, der es wohl doch unbemerkt hier herein geschafft haben muss. Auch das Fehlen der Spuren erzählte ich ihr.
    „Haytham, ich könnte mir denken, warum hier jemand die Sachen durchwühlt hat und warum man auf der Jackdaw ebenfalls gesucht hat.“
    Dann wäre es von Vorteil, wenn sie mich aufklärt, ich hatte nämlich nicht den blassesten Schimmer!
    In mir tobte immer noch die Wut über diesen Einbruch und das hörte man auch in meinen Worten, sie kamen harscher als ich wollte!
    „Ich habe Seekarten, persönliche Notizen und das Logbuch der HMS Iron Duke an mich genommen. Ich gehe davon aus, die Damen und Herren hätten sie gerne wieder in ihrem Besitz.“ erläuterte sie mir ihre Gedanken und Alex hatte Recht, danach musste der Einbrecher Ausschau gehalten haben und vermutlich nach den persönlichen Schriften von Master Montegue!

    Etwas beruhigter schloss ich meine Verlobte nun in meine Arme und dankte ihr, dass sie so umsichtig war, ihre Stahltruhe zu verstecken.
    Lange hielt sie es aber nicht aus und meinte nur, ihre Füße würden gleich erfrieren und sie wolle sich Hausschuhe zulegen! Eine gute Idee und dann klopfte auch schon Magda und kündigte das Frühstück an.
    Lieber würde ich noch ein paar Minuten mit meiner zukünftigen Frau im Bett verbringen, doch ich bekam das Versprechen, dass wir später sicherlich noch Zeit dazu haben werden. Besitzergreifend legte ich meine Hände auf ihren Po und meinte nur, dass ich sie beim Wort nehmen werde! Meine Worte erzielten genau die Wirkung, wie ich sie haben wollte, ihr Gesicht lief feuerrot an und ich grinste breit.

    Beim Frühstück verlor meine kleine Schwester keine Zeit und fragte, ob wir die Brig beschützen konnten!
    „Ja, es waren jetzt auch nicht so wahnsinnig viele von ihnen. Neun insgesamt und mit einem hatten wir noch einen netten Plausch!“
    Alex´ Art eine solche Quälerei so positiv zu umschreiben war faszinierend und ich erklärte, WIE wir den Herren dann zum Sprechen gebracht hatten. Sie erntete von allen Anwesenden erstaunte Blicke!
    „Was denn? Sollte ich ihn lieb fragen und auf einen Tee einladen, damit wir das ausdiskutieren können? Aus dem Alter bin ich nun wirklich raus und... wenn ich ehrlich bin, hier kann ich meine erlernten und trainierten Fähigkeiten endlich vernünftig einsetzen.“
    Ja, ihre eigenwillige Ausdrucksweise war Teilweise für uns hier schwer zu verstehen, sie klang etwas unbekümmert würde ich sagen. Aber sie hatte Recht, Alex konnte nun so kämpfen, wie es mein Vater vorgesehen hatte.

    Auf Faiths Frage, ob er auch geredet hätte, erklärte ich in Richtung von Shay, dass der Duke in eben diesem riesigen Anwesen Hof hält. Mit einem Mal sah ich, wie das schlechte Gewissen in ihm hochkam.
    „Hopes Anwesen, schätze ich mal. Dort wurde vor ein oder zwei Wochen tatsächlich von einem möglichen Einzug eines neuen Besitzers gesprochen. Verdammt, ich hätte dem mehr nachgehen sollen. Es tut mir leid, Master Kenway!“ kam es nun leise entschuldigend von ihm. Doch ich winkte ab, er konnte es ja nicht wissen.
    Zumal er auch noch nicht so lange wieder hier ist, dazu noch das ganze Drama hier mit der Familie.

    Ich würde mich mit Alex dort erst einmal umsehen, am besten gleich heute morgen. So wären wir etwas geschützter durch die ganzen Anwohner dort, die ihren täglichen Arbeiten und Erledigungen nachgingen.
    Meine Verlobte meinte dann freudig, dass ihr das wunderbar passt. Sie müsse sowieso noch Besorgungen machen! Meine Neugierde siegte und ihre Antwort hätte ich mir schon fast denken können.
    „Ich brauche noch Geschenke für die Kinder, Haytham. Ich hatte eigentlich vorgehabt, July die Puppe zu Weihnachten zu schenken. Aber ich muss gestehen, in dem ganzen Vorbereitungstrubel bei mir, sind alle andere Feierlichkeiten vergessen gewesen!“

    Also machten wir uns in warme Umhänge gehüllt auf den Weg Richtung East Village. In einigen Geschäften machten wir Halt und sie erledigte ihre Einkäufe. Alex hatte sich genau überlegt, wer was mag und ich sah, dass sie hoffte, das July und Cadan sich über die Geschenke freuen würden.

    Als wir in der Nähe des Anwesens waren, spürte ich diese Veränderung. Sie zeigte sich in Form von einer anderen Bevölkerungsschicht, hier wohnten die besser betuchten Bürger! Wie damals schon, fand ich die große Villa mit dem riesigen Grundstück sehr beeindruckend und wir schlenderten die Straße davor entlang. Es war schnell klar, dass hier jemand Angst vor Übergriffen hatte, die Wachen waren allgegenwärtig und in großer Zahl um das Grundstück verteilt.

    Wir lauschten den vorüber gehenden Passanten und erfuhren, dass dieser Neuzuzug sehr imposant erschien, genau wie das Anwesen, man aber den Eigentümer nicht selber gesehen habe. Man freue sich aber auf die ersten Gesellschaften und auch seine Tochter musste ja in die Reihen mit aufgenommen werden. Alex und ich sahen uns beide nur fragend an. Der Duke war verheiratet, aber hatte keine Kinder! Also wer ist dann mit ihm zusammen hier eingezogen? Ich hoffte, dass sich das auch noch aufklären würde.

    Ich versuchte meiner Verlobten nun in groben Zügen das Grundstück mit dem Gebäude zu beschreiben. Ich hatte noch eine dunkle Vorstellung davon, als ich damals mit Shay und Lucius wegen July hier war.
    Es würde sich aber wahrlich schwer hier eindringen lassen, bei den ganzen Wächtern, geschweige denn, man könne über die hohen Mauern ungesehen gelangen. Frustriert atmete ich jetzt aus und auch Alex war nicht begeistert, doch noch konnten wir hier nichts ausrichten.

    Da es schon fast Mittag war, machten wir uns auf den Rückweg. Aber nach ein paar Schritten fiel mir ein, dass ich über ein Hochzeitskleid für Alex nachgedacht hatte. Sie hatte einige Kleider dabei, das wusste ich. Doch keines wäre angemessen.
    Also schleifte ich sie in Richtung eines Geschäftes, bei welchem ich wusste, dass der Schneider nur hochwertige Stoffe nutzte und sauber arbeitete. Dort angekommen, war auch ihre erste Frage, warum ein neues Kleid anschaffen, sie hätte ja welche! Ich führte sie ins Innere und überlegte mir, dass sie sich einfach selbst ein Bild von der Qualität der Arbeit machen sollte.

    Mr. Gready begrüßte uns freudig und hieß uns in seinem bescheidenen Geschäft willkommen. Ich erläuterte, weswegen wir hier waren und seine Augen leuchteten, als er uns einige Modelle zeigte.
    Es dauerte nicht lange, da hatte der Herr ein wirklich schönes Exemplar gefunden und zeigte es meiner Verlobten. Ein schwarzer weit ausgestellter Überrock, über diesem lag ein Oberteil aus beigefarbener Seide, welches ähnlich eines Gehrocks gearbeitet war.
    Alex´ Hochzeitskleid Ich hieß sie, es auch gleich anzuprobieren, damit eventuelle Änderungen vorgenommen werden konnten. Anschließend besprach ich noch den Preis mit Mr. Gready und dass das Kleid dann in den nächsten Tagen geliefert werden solle!
    Als wir wieder draußen standen, schlang Alex ihre Arme um mich und hauchte mir ein leises „Danke!“ auf die Lippen! Mehr brauchte es nicht und ich war zufrieden!

    Wir gingen nun aber wirklich zurück, es war bereits weit nach dem Mittagessen. Doch Alex schien es mit einem Male nicht mehr so eilig zu haben und ich konnte fühlen, dass sie es gerade genoss, mit mir alleine sein zu können.
    „Wir müssen so langsam mitteilen, dass wir planen Silvester zu heiraten, mi amor. Ich möchte nicht noch länger damit warten. Sonst fühlt sich deine kleine Schwester überrannt und sie ist ja auch noch nicht wieder ganz gesund. Auch wenn ich im Moment noch Bedenken habe, wegen Caroline. Ihr Tod nimmt Faith ganz schön mit, sie tut mir so leid!“ hörte ich sie plötzlich leise sagen.
    Darüber hatte ich mir auch schon Gedanken gemacht und machte den Vorschlag, dass wir es heute Abend, wenn die Kinder im Bett sind, kundtun werden!

    Als wir in die Eingangshalle traten, kam ein breit grinsender Ire die Treppe hinunter. Auf meine Bemerkung, er sähe aus, als hätte er gute Nachrichten bekommen, meinte er trocken „Nicht unbedingt, aber... interessante Nachrichten.“ und ging in sein Arbeitszimmer.
    Meine Verlobte meinte dann, sie würde uns noch etwas vom Mittagessen besorgen und schob mich ins Esszimmer. Während des Essens kamen wir auf die Unterlagen des Kapitäns der versenkten Fregatte zu sprechen und waren uns einig, dass wir nachher einen Blick darauf werfen sollten.

    Gestärkt gingen wir nun an die Arbeit und je mehr ich las, desto mehr stieg auch die Wut auf den Duke und diesen Montegue.
    Sie schmuggelten nicht nur, sie handelten auch offiziell mit Pelzen, Tabak, Rum, feinen Stoffen und Tee zum Beispiel. In den persönlichen Aufzeichnungen las ich, dass man stolz sei, bereits so viele Schiffe der Templer auf den Grund des Meeres geschickt zu haben und es die lukrativen Geschäfte noch weiter festigte.
    An Alex gewandt meinte ich in Gedanken dann, wir sollten kein Schiff mehr ohne Begleitschutz segeln lassen. Dann warf sie ein, sie könne ja ihre Jackdaw zur Verfügung stellen, doch das ginge zu weit.

    Als hätte er neben uns gestanden, hörte ich die Worte meines Vaters, die Alex darüber belehrten, dass das nicht zur Debatte stand. Die Brig gehörte hierher und sollte bei uns in der Nähe bleiben, wir würden sie immer wieder selber benötigen. Auch ich äußerte diesen Gedanken! Somit war für mich klar, dass ich nach potentiellen Begleitschiffen Ausschau halten würde und bat auch meine Verlobte um das gleiche. Durch die Geschäfte hätte sie Kontakt zu verschiedenen Kapitänen und verfügte über entsprechende Verbindungen!
    Ich hegte die Hoffnung, dass das eine ausreichende Maßnahme sei. Zusätzlich setzte ich jetzt ein Schreiben auf, welches alle derzeit beschäftigten Schiffe warnen sollte, auf der Hut zu sein!

    Die gesicherte Truhe verstauten wir wieder im Geheimversteck und gerade als wir aus dem Zimmer kamen, wurden wir von großem Trubel in der Eingangshalle empfangen! Plötzlich geisterte ein drittes Kind hier herum und ich erkannte tatsächlich diese Ähnlichkeit zu Liam O´Brian und auch Alex bemerkte es.
    Hatte meine kleine Schwester Shay nun doch überzeugt, dass er hier bleiben kann, jetzt wo seine Mutter auch nicht mehr lebte? Der Junge konnte ja nun wirklich nichts dafür!

    Alex´ nächste Worte verstand ich nicht und wunderte mich nur, wie sie auf so eine Idee kommen konnte.
    „Ich glaube, so langsam herrscht Platzmangel und wir sind euch lange genug auf die Nerven gegangen. Haytham, wir sollten schauen, dass wir eine andere Bleibe finden...“ Sie vergaß, dass es genügend Angestellte gab, die Faith halfen und Platz wäre ja nun wirklich genug hier. Auch meine kleine Schwester meinte, wir sollten selbstverständlich bleiben, sie hätten mich ja schließlich eingeladen, Alex wäre eben der schöne Bonus dazu gewesen!
    Damit war meine Verlobte überstimmt und wir würden hierbleiben!

     

    Kapitel 26

    *** Interessante Neuigkeiten



    Nachdem ein wenig Ruhe eingekehrt war, ging sie nun in Faiths Arbeitszimmer mit den Geschäftsbüchern, damit sie sich einen Überblick verschaffen konnte, weil sie in den kommenden Tagen die Geschäftspartner treffen würde.
    Ich hingegen verbrachte den restlichen Nachmittag mit Lucius und Shay in dessen Arbeitszimmer, weil es um die Belange von Charles ging.
    Dieser Mann hatte ernsthaft um eine bessere Unterbringung ersucht, seine derzeitige behage ihm nicht. Was hatte er gedacht, wo er seine Strafe verbüßen würde, sicherlich nicht in einer komfortablen Herberge!
    „Haytham, wie lange wird Master Lee eigentlich fort sein, bis seine Zeit abgesessen ist?“ fragte mich Faiths Vater nun.
    „Master Williams, das weiß ich selber nicht genau, ich habe noch kein Urteil erhalten, in welchem sein Strafmaß festgelegt wurde. Entweder ist es auf dem Seeweg verschollen oder man hat es überhaupt noch nicht beschlossen!“
    Bisher hatten auch meine Informanten nichts weiter verlauten lassen! Also hieß es Geduld haben. Noch würden wir nicht nach England aufbrechen, ich würde die offizielle Hochzeit auch erst einmal abwarten wollen!

    Auch sprach ich meinen Gedanken hinsichtlich einer Aufnahme in den Orden für Alexandra an. Shay willigte ohne groß etwas zu erwidern ein. Lucius warf jedoch Bedenken in den Raum.
    „Meint ihr wirklich, sie wird eine würdige Templerin abgeben, Haytham? Versteht mich nicht falsch, sie ist tüchtig was das Geschäftliche angeht und weiß sich zu artikulieren und zu benehmen. Doch sie stammt aus einer völlig anderen Zeit.“
    Was hatte das bitte mit dem Beitritt in den Orden zu tun, fragte ich mich und sprach es auch laut aus.
    „Ihr Verhalten und ihre Ansichten sind vielleicht nicht immer konform mit unseren Lehren.“ erklärte mir Lucius seine Bedenken.
    Also erklärte ich ihm, genauso wie Alex es mir erklärt hatte, dass die Ansichten der Assassinen in ihrer Zeit eher den Lehren der Templer in unserer Zeit ähnlich waren und eben umgekehrt der Orden in ihrer Zeit eher den Ansichten der Bruderschaft hier glich.
    „Eine interessante Aussage! So scheinen sich die Grenzen immer wieder zu verschieben und neue Ebenen zu eröffnen. Beizeiten sollte ich mich einmal mit Mrs. Frederickson zusammensetzen. Wenn ihr es erlaubt, Haytham. Und vertraut mir, ich will eurer Verlobten nichts böses!“ in seinen Augen konnte ich sehen, dass er ihr gegenüber mittlerweile ein gewisses Wohlwollen hegte und ich beruhigte mich innerlich.

    Als es Zeit fürs Abendessen war, war Alex immer noch nicht wieder aus dem Zimmer gekommen.
    Leise klopfte ich und fragte, ob alles in Ordnung sei, bekam jedoch für einen Moment keine Antwort. Vermutlich war sie wieder zu vertieft und bekam nichts um sich herum mit. Also klopfte ich etwas lauter und hörte ein leicht erschrecktes „Ja, alles in Ordnung. Ich … bin nur irgendwie hier abgetaucht.“ und damit öffnete sie die Tür und ihr Kopf schien förmlich zu rauchen. Ein sehr interessanter Anblick, wie ich fand und lächelte sie an. Ihre Liebe zu Büchern, egal WELCHEN anscheinend, war faszinierend. Ich meinte aber nun, dass sie eine Pause machen solle, da das Abendessen bereits fertig sei.

    Meine Hände lagen um ihre Taille und ich konnte nicht anders, ich gab ihr einen vorsichtigen Kuss. Wie gerne hätte ich sie jetzt einfach unter mir!, ging es mir durch den Kopf und zu spät merkte ich, dass man mir diesen Gedanken vermutlich ansah.
    „Mi amor, später... ich muss noch die Bücher wieder verstauen und dann sollten wir die anderen nicht warten lassen.“
    Leider hatte sie Recht, aber ich ließ es mir nicht nehmen ihr mitzuteilen, dass ich mich sehr auf später freuen würde, ob nun im Bett oder egal wo. Auch Alex´ grüne Augen verdunkelten sich weiter und mit den Worten „Später, Master Kenway! Ich werde auf jeden Fall dort sein, wo ihr mich haben wollt!“ löste sie sich von mir und verstaute die Unterlagen in einer Truhe hier.

    Während des gesamten Essens glitten meine Gedanken immer wieder in die Gosse! Was war es, was Alex hatte, dass mich so wahnsinnig machte? Ich drängte diese doch sehr anzüglichen Bilder in den Hintergrund und versuchte mich auf das eigentliche Geschehen zu konzentrieren.
    Als wir später dann im Salon saßen, lehnte meine Verlobte sich plötzlich an mich und meinte, der Wein würde sie in Kuschellaune versetzen. Das war mir tatsächlich schon aufgefallen in den letzten Tagen und zog sie ein Stück dichter an mich.

    Faith gesellte sich dann zu uns, nachdem die Kinder im Bett waren und erst jetzt fiel mir auf, dass Maggie auch hier war und neben Lucius saß. Ich sah sie skeptisch an und wollte schon zu einer Frage ansetzen, als meine Verlobte mich lautlos ermahnte.
    Lass das, Haytham. Du machst sie sonst noch nervös. Ich weiß, wovon ich rede, genauso hast du mich damals auch gemustert!
    Als ich erwähnte, dass das etwas ganz anderes gewesen sei und Maggie ja das Kindermädchen hier sei, fiel sie mir ins Wort.
    Na und? Ich war Zimmermädchen, wo ist da der Unterschied? Lass es bitte einfach. Wir bekommen sicherlich eine Erklärung, mi amor! Das wollte ich auch hoffen!

    Jetzt war es an mir, das Wort an die Anwesenden zu richten, da wir ja unsere Hochzeitspläne heute verkünden wollten.
    Im ersten Moment wusste ich nicht so recht, wie ich anfangen sollte, doch ich besann mich auf meine Erziehung und sah auf Alex hinunter, als ich zu reden begann.
    „Alexandra und ich haben euch etwas mitzuteilen. Wir haben beschlossen, unsere Hochzeit vorzuziehen! Und zwar auf den 31. Dezember diesen Jahres bereits und die offizielle Feier findet wie geplant im März statt. Es wäre auch nur die eigentliche Trauung, nichts weiter und nur Master Williams, ihr Shay und du Faith wäret anwesend. Master Johnson übernimmt die Zeremonie und seine Frau wird noch dabei sein. Also bitte, macht euch keine Gedanken um irgendwelche großen Essen oder ähnliches. Es ist im kleinen Rahmen, mehr nicht.“

    Wir ernteten erstaunte Blicke und Alex fügte noch an, dass sie dem ganzen zustimmt und auch dem Orden beitreten will. Mit Shay und Lucius hatte ich das heute ja besprochen, also war es keine Neuigkeit hier.
    „Es ist auch mein Wunsch, ... wenn wir ehrlich sind, können wir keine gemeinsame Zukunft planen. Ich möchte die Heirat und ich... möchte dem Orden beitreten, mit allen Konsequenzen...“ ihre Stimme zitterte und ich sah, dass sie mit den Tränen zu kämpfen hatte.
    Ich schloss sie in meine Arme und sprach lautlos auf sie ein. Shhhhhh, ich weiß, es hört sich plötzlich etwas seltsam an, wenn man es so ausgesprochen hört. Doch ich stehe an deiner Seite. Das werde ich immer, mi sol! Ich hoffte, es würde reichen und gab ihr noch einen Kuss.

    Meine kleine Schwester war die erste, die auf den Beinen war und uns zu unserem Entschluss gratulierte. Völlig aufgeregt umschlang sie Alex und küsste sie lange. Es war mir immer noch etwas unangenehm, gerade auch, weil Lucius mit anwesend war.
    Alex teilte Faith nun noch mit, dass sie es gerne hätte, sie als Trauzeugin zu haben. Freudig willigte sie ein und dann beglückwünschte uns auch Shay.
    „Alex, es freut mich, dass du diesen Schritt wirklich gehen wirst. Und ich weiß, er ist nicht leicht, doch ich weiß auch, du wirst für Haytham da sein.“
    Diese Worte fand ich sehr passend und sie sollten meine Verlobte beruhigen, weil er wusste wovon er sprach!

    Als nun Master Williams auf uns zukam, hatte sich ein nicht zu deutendes Lächeln auf sein Gesicht gelegt.
    „Mrs. Frederickson, in den letzten Tagen überschlugen sich mal wieder die Ereignisse, ihr scheint ein Händchen für so etwas zu haben. Doch auch ich freue mich, dass ihr Master Kenway nun wirklich heiraten werdet. Meinen Segen habe ich euch gegeben und ich hoffe, ihr enttäuscht mein Vertrauen in euch nicht!“ meinte er nur und sah Alex dabei prüfend an.
    „Master Williams, das habe ich nicht vor und ich werde meine Versprechen halten.“ war alles, was sie erwiderte und es schien als Antwort zu genügen.
    Plötzlich hörte ich ein lautes erleichtertes Seufzen von Alex und ich sah noch, wie sie ihr Glas in einem Zug leerte und selig lächelte. Ihre Erklärung, dass sie sich unendlich erleichtert fühlen würde, war verständlich, auch ich war es!

    Wir nahmen wieder Platz und nun war es an Master Williams, uns eine Erklärung zu geben, weswegen das Kindermädchen hier zugegen war. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit.
    Die beiden waren schon einige Jahre ein Paar, hatten es aber immer geheim gehalten. Wir alle wussten, vor WEM sie sich verstecken mussten! Lady Melanie würde es nicht dulden, dazu lag ihr zu viel an ihrer Familie und deren Ansehen in der Gesellschaft.
    Als ich jetzt diesen verliebten Ausdruck in Maggies Gesicht sah, war ich versucht, sie zurecht zuweisen. Es war eine Angestellte... Alex unterbrach meine Gedanken aber im Stillen.
    Haytham, nein. Nicht jetzt. Gib ihm meinetwegen wenn ihr alleine seit einen Seitenhieb, aber nicht vor allen hier. Für Maggie wäre es sicher nicht schön, oder?
    Damit hatte sie ja Recht, ich wäre auch nicht begeistert gewesen, wenn mich damals jemand gemaßregelt hätte, bezüglich unserer Beziehung.

    Die Themen drifteten nun ab in die Richtung, welches Essen man an unserer Hochzeit servieren würde, wie viele Gäste anwesend sein würden und wie der Ablauf wäre! Wir werden gegen Mittag getraut, dann gibt es das Essen und am frühen Abend werden die Kinder eine kleine Feier bekommen. Wenn diese dann im Bett sind, werden wir Erwachsenen entsprechend den Abend ausklingen lassen und ebenfalls um Mitternacht ein kleines Feuerwerk bestaunen können. Gegen 22 Uhr erklärte Alex, sie würde sich jetzt zurück ziehen wollen und zog mich mit hoch.

    Im Gästezimmer angekommen schlang sie ihre Arme um meinen Nacken und küsste mich voller Verlangen und ich erwiderte es und drückte mich an sie.
    Wir brauchten nicht lange um uns von den Kleidungsstücken zu befreien und als ich Alex jetzt auf meine Hüften hob, sah ich in ihren Augen diese Lust. Ein weiteres Mal, sagte ich ihr, dass ich sie liebte und küsste sie, bevor sie antworten konnte. Ihre Worte kamen lautlos in meinem Kopf an.
    Das weiß ich, Master Kenway. Aber ich kann es gar nicht oft genug von euch hören. Ich liebe euch auch! Das war wie ein Stichwort und langsam drang ich in sie, ein leises Stöhnen auf ihren Lippen!

    Langsam wanderten ihre Finger über meinen Rücken und mich überkam eine Gänsehaut dabei. Ich ließ sie für einen Moment gewähren, doch Alex´ Verlangen steigerte sich immer mehr und plötzlich lagen ihre Hände mit festem Griff auf meinem Po.
    Kurzerhand umschloss ich ihre Hände wieder und hielt sie fest, mit den Worten, dass ich sie führen würde und sie dass auch wüsste.
    Ich wollte dich doch nur noch mehr spüren! Ich sah dieses Betteln in ihren Augen und ich hatte Mühe, mich zu zügeln.

    Mit einer Drehung lag ich unter ihr und sie saß auf meinem Schoss. Auch wenn ihre Hände nun wieder frei waren, ließ ich sie nicht machen, was sie will. Ich hatte meine Hände auf ihrer Hüfte und dirigierte sie in ihren Bewegungen. Sie stützte sich auf meiner Brust ab und folgte meinen Anweisungen, bis ich mit einem lauten Aufstöhnen kam und sie mit hinüber nahm.
    Für einen Moment lag sie einfach an meiner Schulter und versuchte zu Atem zu kommen, so dachte ich. Doch dann nahm ich ein Schluchzen wahr. Hatte ich etwas falsch gemacht?, war der erste Gedanke der mir durch den Kopf ging. Auf meine Frage, ob alles in Ordnung sei, bekam ich eine sehr liebevolle Erklärung.
    „Ja, es ist nur... ich weiß auch nicht. Ich habe nur gerade diese Erkenntnis gehabt, dass ich mich dir noch näher fühle, seit wir völlig lautlos mit einander reden. Es... ist einfach so viel mehr!“

    „Genauso geht es mir auch und ich genieße es jedes Mal, Alex. Ich kann vermutlich nie genug von dir bekommen und wenn wir alt und grau sind, dann wird es hoffentlich auch nicht enden!“
    Alex lag wieder unter mir und ich hielt ihr Gesicht in meinen Händen. Ich wollte meinen Worten Nachdruck verleihen und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann legte ich mich neben sie, deckte uns zu und schloss sie in meine Arme.
    „Weißt du eigentlich, dass sich dein Geruch nicht verändert hat in den letzten zwei Jahren, mi amor? Ich würde dich vermutlich unter tausenden blind wieder finden!“ hörte ich sie reden mit einem leisen Kichern dabei.
    Ich hoffte, sie würde nie in diese Lage kommen, teilen käme für mich definitiv nicht in Frage und ich ließ meine Hand auf ihren Po klatschen.

    Ich vernahm ein mauliges „Aua“ von ihr und befand, dass es an der Zeit war, ihr einige angestaute Lektionen angedeihen zu lassen. Unter anderem sollte sie wissen, dass sie mich nicht zu maßregeln hatte, wie vorhin im Salon als es um Maggie ging.
    Vor allem machte ich ihr klar, dass sie mir alleine gehörte, ohne wenn und aber. Ich genoss diese kleine Lehrstunde in vollen Zügen und bekam ihrerseits die Anerkennung zu spüren!

    Später lag sie an mich geschmiegt und fuhr mit ihren schlanken Fingern über meine Brust. Ich brachte nur noch ein leises „Mach weiter, dass beruhigt mich, mi sol.“ zustande und war kurz darauf eingeschlafen!

     

     

    Kapitel 27

     

    *** Eine neue Zofe und die Strafe ***

     

    21. Dezember 1762

     

     

    Das Wecken übernahm ein Weckkommando von drei kleinen Kindern, welche sich gleich auf unser Bett warfen.

    Meine Patentochter hatte ich aber schnell unter Kontrolle, ich schnappte sie mir, ehe sie auf mich drauf springen konnte und fing an sie durch zu kitzeln. Cadan und Cillian wurden Opfer einer ähnlichen Attacke meiner Verlobten, welche sichtlich Mühe hatte, sich gegen zwei Angreifer zu verteidigen.

    Irgendwann sprang July aber aus dem Bett, völlig außer Atem und rief nur, ich solle aufhören.

    Wisst ihr, Opa Lucius ist sicher schon ganz traurig, dass ihr ihn nicht auch geweckt habt. Er wartet bestimmt schon auf euch!“ kam es mit einem breiten Grinsen von Alex und Cadan war der erste dem der Vorschlag gefiel.

     

    Als die Tür wieder ins Schloss fiel, drehte ich meine Verlobte zu mir herum und erklärte ihr, dass ich dafür bestimmt noch eine Strafpredigt von Master Williams bekommen würde. Ich würde diese aber einfach an Alex weitergeben, damit sie auch etwas davon hätte.

    Master Kenway, ich werde mir eure Predigt sicher gerne anhören!

    Gerade als sie mich mit diesen leicht atemlosen Wörtern zu sich herunterziehen wollte, dröhnte ein lautes „MRS. FREDERICKSON!“ über die Galerie und Alex war im Nu auf den Beinen. Vorsichtig sah sie auf den Korridor, an dessen Ende ein etwas wütender Lucius stand.

    Das wird ein Nachspiel haben! Ihr solltet eure zukünftige Frau besser im Zaum halten, Master Kenway!“

    Wir konnten aber ein Grinsen in seinem Gesicht wahrnehmen, als er sich umdrehte und wieder in sein Zimmer betrat.

     

    Ich ging wieder ins Bett, im Grunde war es immer noch nicht Zeit zum Aufstehen, wenn wir ehrlich sind. „Wir sollten einfach aufstehen, was meinst du?“

    Seit wann wollte Alex bitte freiwillig aus dem Bett? Ich winkte sie zu mir, ich hätte eine wesentlich bessere Idee, meinte ich nur und zog sie zu mir.

    Als sie dann auf meinem Schoß saß, kam ein leises „Das … ist eine wirklich gute Idee...“ zu mehr Worten war Alex dann nicht mehr fähig, ich legte einen Finger auf ihre Lippen und nahm mir, was mir gehörte! Dieser Moment war wieder wie eine Notwendigkeit und meine Bewegungen zeigten ihr schon, was ich erwartete!

     

    Gerade als Alex an mich geschmiegt lag und wir wieder ruhiger wurden, klopfte es und Magda kündigte das Frühstück an.

    Haytham, kann ich Magda nicht einfach als Zofe behalten? Sie macht eine großartige Arbeit und ich mag sie. Wir können ja sonst ein anderes Zimmermädchen für sie als Ersatz einstellen!“ meinte sie plötzlich und warf mir einen so tiefen bittenden Augenaufschlag zu, der mich dazu veranlasste, definitiv NICHT nein sagen zu können!

    Nach dem Frühstück würden wir dann den Vertrag aufsetzen!

    Ihre Freude war nicht zu übersehen und ich bekam ein „Danke, Haytham!“.

     

    Als wir Magda später in das Arbeitszimmer von Shay baten, sah sie ziemlich ängstlich aus. Verstehe einer die Frauen, warum sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn doch gar nichts passiert ist.

    Ich hieß sie sich zu setzen und sie fragte stotternd, ob sie etwas falsch gemacht hätte. Ihre Hände arbeiteten in ihrem Schoß und ich sah plötzlich meine Verlobte wieder vor mir, wie sie genauso auch schon vor mir gestanden hatte. Innerlich musste ich darüber schmunzeln, auch wenn es sich jetzt etwas unfair anhören mag.

    Wir haben beschlossen, dass wir euch eine andere Position in unserem Haushalt geben wollen. Und zwar die als Kammerzofe für meine Verlobte!“ sprach ich dann, um das Ganze abzukürzen und man sah förmlich, dass ihr ein Stein vom Herzen fiel!

     

    Master Kenway, Mistr.... Mrs. Frederickson! Ich kann gar nicht sagen, wie ich mich freue. Das ist... Danke!“ hörte ich sie erleichtert sagen.

    Ihr habt mir in der kurzen Zeit bereits so gute Dienste geleistet, dass ich niemand anderen haben möchte, Magda.“ meinte Alex dann noch erklärend.

    Nun war es an der Zeit für den Vertrag und die Verhandlungen über Bezahlung, freie Tage und ähnliches. Sie würde eine Kammer in der ersten Etage in Virginia beziehen, neben Mrs. Wallace.

    Als alles besprochen war, ging sie dankend und freudestrahlend hinaus.

     

    Es fühlt sich gerade wieder so seltsam an, Haytham.“

    Meine Verlobte stand am Fenster und sah auf ihren Verlobungsring. Ich legte meine Arme um sie und versuchte ihre Gedanken ein wenig zu erhellen.

    Alex, du wirst sicher noch einige Momente haben, in denen du vieles noch an dich heranlassen musst und ich werde dir dabei helfen!“ ich nahm ihre Hand in meine und betrachtete ihn ebenfalls! „Ich fand diesen Ring immer sehr faszinierend, gerade im Sonnenlicht wirft er ganze Regenbögen!“ meinte ich dann ebenso gedankenverloren, ich sah ihn vor mir, als meine Mutter ihn trug!

    Als hätte Alex es gespürt, drückte sie nur meine Hand und in ihren Augen las ich, dass sie mich gerade verstand!

     

    Faith nahm meine Verlobte nun wieder in Beschlag, da sie das Essen ausführlich planen wollte und das drumherum. Wobei ich nicht so ganz verstand, was an meinen Worten, dass es ein kleiner Rahmen war, nicht zu verstehen gab? Resigniert gab ich es auf Gegenargumente zu bringen und machte mich noch einmal auf den Weg zum Trockendock. Der Zimmermann hatte Bericht erstattet, doch ich wollte mich selber noch von der Arbeit überzeugen. Auch konnte ich so für einen Moment meine eigenen wirren Gedanken auf dem Weg dorthin sortieren.

     

    Die Handwerker hatten bisher gute Arbeit geleistet und die Kosten hielten sich auch in Grenzen. Neue Kanonen waren schon geordert und die beschädigte Sektion war wieder voll Instand gesetzt worden.

    Für einen Moment stand ich einfach an Deck und besah mir die Jackdaw, als ich eine Stimme in meinem Kopf vernahm.

    Junge, es ist eine gefühlte Ewigkeit her, als du mit deiner Mutter, Jenny und mir hier standest. Warum du dich daran nicht erinnern kannst, weiß ich nicht. Vielleicht soll es so sein! Vielleicht ist es auch besser so! Du wirst nun neue und vor allem eigene Erinnerungen an die Brig bekommen und das ist unser Neuanfang, Haytham!

    Er hatte Recht! Wir setzten sein Werk fort! Es fühlte sich immer noch unwirklich an, wenn Vater mit mir sprach. Aber es tat meiner Seele gut!

     

    Langsam machte ich mich auf den Weg zurück zum Fort und fand Shay in seinem Arbeitszimmer vor.

    Kurzerhand beschloss ich nun, dass es an der Zeit sei, ihn auf sein Fehlverhalten hinzuweisen. Als er mich sah, bat er mich hinein und ich schloss die Tür.

    Master Kenway, was kann ich für euch tun?“ und ich wusste, er ahnte, dass es keine freundschaftliche Unterhaltung werden würde.

    Ohne Umschweife kam ich direkt auf den Punkt und fragte nach dem Grund seines so überstürzten Verschwindens und auch, WOHIN er unterwegs gewesen ist. Mein Ton ließ ihn wissen, dass ich keine Ausreden hören wollte.

     

    Sir, es war unbedacht von mir und im Nachhinein bereue ich es auch! Um auf eure Frage zu kommen, ich brach auf, weil ich das Gefühl hatte, hier nicht mehr gebraucht zu werden. Meine Frau kam anscheinend wunderbar alleine zurecht und hatte sich noch ein weiteres Kind dazu geholt, ohne meine Zustimmung! Ich fühlte mich übergangen!“

    In seinem Blick lag echtes Bedauern und ein ziemlich schlechtes Gewissen.

    Und... Master Kenway, es tut mir leid. Ich hätte mich abmelden müssen und euch Bescheid geben müssen. Aber dafür war in diesem Moment keine Zeit!“

    Ich wies ihn darauf hin, dass er sehr wohl Zeit gehabt hätte, spätestens als er dabei war, die Morrigan zu beladen!

    Da habt ihr wohl Recht, Sir!“ kam es jetzt leise von ihm.

     

    Shays Argument, dass er auf See am besten nachdenken konnte, war durchaus plausibel. Wobei ich mich fragte, ob Gist da eine Hilfe gewesen sein kann, er plapperte teilweise ohne Unterlass!

    Im Grunde war es nach drei Monaten dann soweit, dass er sich entschied, wieder zurück zukehren, zu seiner Familie. Er hatte gespürt, dass sie ihm alle fehlten und er seine Frau wieder haben wollte. Ich sah ihm aber an, dass er ihr wegen der Nacht mit King George noch immer nicht ganz verziehen hatte!

    Master Kenway, es war aber eure Verlobte, die mich auf den Boden der Tatsachen geholt hat. Als sie meinte, dass Cillian nichts für seinen Vater kann und ich Faith als Heilerin sehen solle, die sich verpflichtet hat, anderen zu helfen, wurde mir klar, dass ich ihr Unrecht getan hatte. Und wie ihr sehen könnt, lebt der Kleine nun hier und ich hoffe, er kann mir irgendwann auch verzeihen!“

     

    Die Frage die sich mir nun stellte war etwas pragmatisch, hatte man Cillian wirklich erzählt, WER seinen Vater ermordet hat? Das konnte ich mir eigentlich beim besten Willen nicht vorstellen! Jetzt kamen in mir aber auch die Gedanken an den Mord an meinem Vater hoch. Mir hatte man auch nichts erzählt, mich im Unklaren gelassen, bis ich alles selber herausfand. War das der bessere Weg oder wäre es zum Wohle des Kindes, wenn man ihn einweihen würde? Nicht jetzt sofort, dafür war Cillian noch zu jung, aber eventuell sollte man es in späteren Jahren in Angriff nehmen. Doch ich behielt meine Gedanken für mich, dafür war gerade nicht die Zeit!

     

    Es war soweit, dass ich sein Strafmaß festsetzen musste, doch noch war ich mir nicht ganz im Klaren, WIE ich ihn bestrafen sollte.

    Master Cormac, seid euch sicher, dass ich euch beizeiten eine entsprechende Strafe verbüßen lassen werde, doch noch ist es nicht an der Zeit! Aber behaltet es im Auge!“ meinte ich in meiner Rolle als sein Großmeister und er nickte nur mit einem „Ja, Sir!“

    Wieder in der Eingangshalle staunte ich nicht schlecht, als eine riesige Tanne hineingebracht wurde. Ich erinnerte mich an ein Weihnachten bei Lady Melanie als ich jünger war und sie hatte ebenfalls einen geschmückten Baum im Familiensalon!

     

    Ich setzte mich mit Lucius dazu und wir beobachteten das Schmücken und wie die Kinder mit großen Augen davor standen.

    In diesem Moment erschienen meine Verlobte und Faith und ich sah, wie Alex ebenfalls große Augen bekam. Als sie kundtat, dass es doch eigentlich hier noch keine Tradition sei, erklärte Faith ihr, dass es dann jetzt wohl eine werden würde. Meine Verlobte sprach von einem Adventskranz, auf welchem vier Kerzen standen und die vier Wochen vor Weihnachten jeden Sonntag eine angezündet würde.

    Als sie aber auf das Weihnachtsessen zu sprechen kam, dachte ich, ich hätte mich verhört. Kartoffelsalat und eine Art Wurst, ein einfaches Essen, damit die Dame des Hauses nicht so lange in der Küche stehen musste. Hier müsste sie es ja sowieso nicht, dachte ich noch, aber ich sah, wie meine kleine Schwester irgendetwas in dieser Richtung begann zu planen.

     

    Alex verschwand dann wieder mit den Geschäftsbüchern im Arbeitszimmer und als ich Faith nun auf ihre Planung ansprach, meinte sie, es wäre doch für Alex schön, etwas Heimat hierher zu holen. Sie hätte vorhin den Eindruck gemacht, als würde sie ihr Zuhause schmerzlich vermissen und mir wurde wieder bewusst, dass es wirklich ein Weihnachten ohne ihren Sohn wäre!

    So sollte es eben das Weihnachtsessen von Alex an Heilig Abend geben! Wenn ich ehrlich sein darf, gespannt war ich schon und freute mich insgeheim auch ein wenig darauf. Auch wenn ich nicht der Mensch bin, der gerne immer wieder Neues ausprobiert!

     

    Während des Abendessens erhielten Alex und ich eine Nachricht, die uns ein Bote überreichte. Sie war vom Duke of Ironside und als ich sie gelesen hatte, stand ich ohne weitere Worte auf und zog meine Verlobte hinter mir her.

    In der Eingangshalle fragte sie mich unsicher, was passiert sei. Auf meine Erklärung, dass er uns sehen wolle, kam nur ein „Wann?“ und da muss ich sagen, war ich etwas erleichtert. Er wollte uns am 27.12. sehen, also nach den Feiertagen, was mir gelegen kam. So hätten wir noch einen Moment um uns vorzubereiten.

    Auch hatte ich jetzt eine Möglichkeit für Shay ihn zu bestrafen, er würde für unsere Sicherheit sorgen müssen, als Scharfschütze!

     

    Alex´ konnte sich denken, weswegen er uns sprechen wollte und wie immer zählte sie eins und eins zusammen!

    Nein, nicht schon wieder so eine besch... blöde Duell-Geschichte!“

    Sie hatte eines seiner Schiffe versenkt, mit einem Duell wäre das Ganze nicht abgetan. Mir kam ein anderer Gedanke, nämlich der, dass er wissen wollte, wer plötzlich an meiner Seite stand!

    Und auch wenn es mir schwerfiel, ich musste meine Verlobte darum bitten, ihren Assassinen-Ornat zu tragen, vielleicht würde man den Duke so etwas milde stimmen können!

    Das glaube ich kaum, DU bist im Raum, also wird er... Moment, ich könnte versuchen ihn anhand unseres Beispieles davon zu überzeugen, dass man auch zusammenarbeiten kann!“

    Das war eigentlich nicht das, was ich meinte, aber unrecht hatte sie nicht. Ich erklärte, was ich mit Shay dann vorhatte und sah, dass Alex das schlechte Gewissen plagte, weil es eisige Temperaturen waren und jemand stundenlang auf einem Dach ausharren musste, nur um uns zu schützen! Strafe muss halt sein!

     

    Wie viele Männer hast du eigentlich unter dir, ich glaube, ich habe das noch nie gefragt. Aber... wenn du es mir nicht sagen möchtest... dann...“

    Richtig, ich hatte ihr nie von der Größe unseres neugegründeten Ordenszweig berichtet. Wann auch? Aber ich würde ihr in den nächsten Wochen alles weitere erklären und sie in die Reihen einweisen. In wenigen Tagen würde sie uns beitreten und dann müsste sie schon über die Rangfolgen und ähnlichem im Bilde sein!

     

    Nach dem Essen verschwanden Faith und Alex plötzlich mit verschwörerischen Mienen und in mir wuchs wieder die Eifersucht.

    Doch die beiden waren schnell wieder im Haus und meine Verlobte berichtete mir, dass Banfhlath, Faiths Stute, zwei Fohlen letzte Nacht bekommen hatte. Diese sollten ein Geschenk für die Kinder werden und bei dieser Erzählung hatte sie ein Leuchten in den Augen, wie immer wenn sie von Pferden sprach! Sie war aber entsetzt, dass Lee alle anderen Tiere verkauft hatte und ich spürte, dass ihr Hass gegen ihn wieder aufflammte! Noch war es aber nicht soweit für eine Rache, vielleicht würde sie auch nie die Gelegenheit dazu bekommen!

     

    Nachdem July, Cadan und Cillian im Bett waren, ging ich mit Shay und Alex in das Arbeitszimmer von Master Cormac, um schon einmal grob einen Plan aufzustellen für das Treffen.

    Ich werde mit den anderen Männern gegenüber auf den Dächern Stellung beziehen und wir werden einige auf der Straße haben, ebenso sollten wir um das Grundstück noch ein oder zwei Patrouillen haben.“

    Shay wusste, genau wo sie sich platzieren mussten, auch ein Grund, warum ich ihn im Orden haben wollte! Ich erinnerte ihn aber noch einmal daran, wenn wir bis spätestens Mitternacht nicht wieder vor den Toren erscheinen, dass dann der Zugriff stattzufinden hat! Er war derjenige, der das Anwesen auch im Innenbereich gesehen hatte.

    Neben mir spürte ich, wie Alex sich schüttelte, anscheinend hatte sie mit meiner Templerrolle immer noch ihre Probleme.

     

    Gegen 21 Uhr waren wir wieder im Salon und ließen den Tag ausklingen, auch wenn er nicht sehr ereignisreich gewesen war. Solche Zeiten sollte man auf jeden Fall genießen und ich tat es, mit Alex an meiner Seite um so mehr... doch ich schweife schon wieder ab.

    Sie begann von ihrer Zeit zu berichten, nachdem sie wieder zuhause angekommen war in ihrem Jahrhundert. Als sie jedoch darauf zu sprechen kam, dass sie Marie de Scudéry in ihre Zeit geholt hatte, als eine Art Ausgleich, blieben allen die Münder offen stehen. Aber sie hatte eine einleuchtende, wenn auch haarsträubende Erklärung und ich sah wieder Master Cormac mit anderen Augen, auch wenn ich es nicht sollte!

    Der andere Shay hatte einfach ein so großes Desaster angerichtet, dass sie schon an Selbstmord dachte. Doch so kam ich an diverse wichtige Dinge, welche mir geholfen haben, meine Aufgabe und Suche fast abzuschließen.“ es klang unglaublich und nicht nur ich sah etwas verstohlen zu dem Iren hinüber.

    Ich weiß, es war ein anderer, genau wie Alex einen anderen Haytham dort vor sich hatte. Es hört und fühlt sich einfach eigenartig an.

     

    Marie hatte dann, kurz vor Alex´ Abreise, diesen Tobias Schäfer, Großmeister des dortigen Templerordens geheiratet. Shay formulierte es sehr gut, sie hätte da ja ganze Arbeit geleistet.

    Ich habe die beiden nur vorgestellt, aber danke!“ lachte sie leise und man konnte ihre Erleichterung sehen, dass sie nicht mehr hinter dem Berg mit ihrem alten Leben halten musste.

    Es dauerte aber nicht lange, da nickte meine Verlobte immer wieder an meiner Schulter ein und verabschiedete sich dann verständlicherweise für die Nacht. Natürlich folgte ich ihr, nicht ganz ohne Hintergedanken.

     

    Magda half ihr noch beim Entkleiden und als sie dann in die Decke gedreht auf dem Bett lag, konnte ich nicht anders. Ich kroch mit darunter und begann mit meinen Fingern ihren Körper zu erkunden.

    Das brachte mir ein gähnendes „Mi amor, ich bin wirklich müde. Ich bin zu nichts mehr fähig...“ ein.

    Ich ließ mich nicht beirren und setzte mein Tun fort mit den Worten, dass sie mich nicht so schnell loswerden würde. Bei diesen Worten war es, als öffnete sich Alex wie von alleine und ich raunte nur ein „Na also, warum nicht gleich so?“ und ließ sie meine Finger weiter in sich spüren.

     

    Als wir dann später aneinander geschmiegt lagen, entschuldigte ich mich noch dafür, dass ich sie von ihrem wohlverdienten Schlaf abgehalten hatte und hoffte, sie wäre mir nicht allzu böse.

    Hmmmm... ich könnte dir böse sein, Haytham. Aber ich will es nicht, ... es war einfach zu schön und jetzt halt mich einfach fest.“ Diese Worte mit dem schläfrigen Unterton und ihrem eigentümlichen Akzent waren es, welche mich weiter bestärkten, sie ist die Richtige für mich! Langsam schlief auch ich ein...

     

    Kapitel 28

    *** Küchendienst und Heimlichkeiten ***

    24. Dezember 1762



    Es war Heiligabend! Ein Tag wie jeder andere, so war es bisher immer gewesen. Dieses Jahr jedoch war ich vereint mit meiner zukünftigen Frau und wie sollte es anders sein, war ich vor ihr wach. Das war aber ihrem sehr unruhigen Schlaf von letzter Nacht geschuldet. Sie hatte sich immer wieder hin- und hergedreht, hatte viel gesprochen, doch verstanden hatte ich leider kein Wort.
    Als sie nun ihre Augen aufschlug und mich ansah, erschien dieses warme Lächeln auf ihrem Gesicht und ein leises „Guten morgen, mi amor!“
    Was sie geträumt hatte, konnte mir Alex nicht sagen.
    „Ich kann mich nicht wirklich erinnern, Haytham. Eigentlich habe ich gar nichts geträumt und wenn... dann vermutlich von der Bescherung!“ diese wäre aber erst morgen früh! Dennoch konnte ich die Freude auf Geschenke verstehen, auch wenn wir uns als Erwachsene nichts schenken würden. Zumal die Zeit für ein adäquates Geschenk auch gefehlt hatte.

    Während des Frühstücks sah ich meine Verlobte förmlich aufblühen, als sie den Kaffee trank. Immer noch sehr faszinierend, ihre Hingabe für dieses Getränk!
    Die Kinder benahmen sich ausgesprochen gut heute, was Master Williams zu verdanken war, welcher ihnen gesagt hatte, dass sie bei schlechtem Benehmen morgen keine Geschenke bekommen würden.
    Ich konnte mich ebenso an diese oder ähnliche Worte meiner Eltern erinnern vor Weihnachten! Für einen Moment wünschte ich mir wieder eigene Kinder... ich verwarf diesen Wunsch jedoch schnell wieder. Im Grunde wusste ich, dass ich bereits Vater war, doch es nagte dieser leise Wunsch an mir, mit Alex ein gemeinsames Kind zu haben.
    Abgelenkt von meinen Gedanken, bekam ich nur am Rande mit, wie meine kleine Schwester meine Verlobte bat, ihr bei den Vorbereitungen für das heutige Essen zur Hand zu gehen.
    Das passte mir nicht und beide Frauen wussten das auch, doch es schien ihnen egal zu sein, Alex ging freudig mit in die Küche. Dafür würde ich ihr noch eine Lektion erteilen! Es gehörte sich für sie nicht, in der Küche zu stehen!

    Tief durchatmend trat ich nun in die Eingangshalle und Shay bat mich mit in den Salon. Heute standen keine Termine oder Gespräche an und somit hatten wir etwas Freizeit. Als ich dann meine Patentochter mit ihren Puppen spielen sah, während Cadan und Cillian einer Geschichte von Lucius lauschten, setzte ich mich mit zu ihr auf den Boden. Master Cormac tat es mir gleich und wir waren uns einig, da sie nun ein Ebenbild von mir hatte, dass sie Altair ja nicht mehr benötigen würde. Sie war eine hartnäckige Persönlichkeit, July ließ sich nicht beirren, hatte sogar immer wieder eigene handfeste Argumente und oft sah ich Faith in ihr. Oder sollten wir stattdessen lieber versuchen, ihr eine Einigung zu erklären?

    Dieser Gedanke war gar nicht so abwegig, sie ist die Zukunft und soll ja unsere Ideale weitertragen. Wäre es da nicht von Vorteil, diesem Mädchen die Vorteile einer Übereinkunft zu erklären?
    Bevor wir jedoch dort ansetzen konnte, erschienen Faith und Alex und kündigten das fertige Essen an. July klammerte sich plötzlich an mein Bein und wollte unbedingt getragen werden, aber in einem Ton, welcher doch sehr ungehörig war. Als ich sie fragte, ob sich das für eine junge Dame gehörte, rannte sie davon mit den Worten, sie sei sowieso schneller als ich. Ein breites Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen und sah ihr hinterher.
    Jedoch nicht, ohne meiner kleinen Schwester einen tadelnden Blick zuzuwerfen, der ihr sagte, dass ich meine zukünftige Frau nie wieder in einer Küche sehen wollte!

    Als meine Verlobte nach dem Essen mit den Geschäftsbüchern wieder im Arbeitszimmer verschwinden wollte, hielt ich sie auf.
    „Mi sol, ich würde es begrüßen, wenn ich dich nicht noch einmal in der Küche antreffe! Du weißt, dass ich das nicht mag, es gehört sich für dich nicht. Und ja, ich weiß, dass du sonst auch alles alleine gemacht hast, doch hier brauchst du es nicht!“
    Eigentlich ein Argument, welches Hieb- und Stichfest war!
    „Ich weiß, Haytham. Aber so habe ich einen besseren Überblick über dieses Jahrhundert, verstehe es als eine Art Lehrstunde!“ und natürlich kam ein Gegenargument. Doch bei dem Gedanken, ihr noch mehr Lehrstunden, sogar hier und jetzt, angedeihen zu lassen, wanderten meine Bilder im Kopf in die Gosse!
    „Dann solltet ihr heute Nacht euren Lehrplan im Kopf haben, Master Kenway! Ich glaube nämlich, ich habe so einiges wieder vergessen!“
    Dieses Weib verstand es, mich um den Finger zu wickeln und wieder einmal lief mir bei diesen Worten eine Gänsehaut über den Körper. Ihre Wirkung verfehlte ihr Ziel nicht, doch sie ging einfach weiter an mir vorbei ins Arbeitszimmer und schloss demonstrativ die Tür!

    Am Nachmittag wurden die Kinder nach draußen gescheucht und die Damen folgten. Mir war es aber lieber im Warmen zu bleiben, ich hatte mal wieder ein Buch entdeckt, welches ich noch nicht kannte und wir drei Herren genossen diese Stille für einen Moment!
    Irgendwann hörte man ein Getrappel von Kinderfüßen und sie alle waren wieder im Haus. Durchnässt und mit roten Wangen, aber glücklich. Die drei wurden kurzerhand wieder in trockene Kleidung gepackt und kamen wieder in den Salon, wo sie sich aufwärmen konnten.
    Von Faith und Alex fehlte jedoch jede Spur und als mein Blick zu Shay ging, sah ich, dass er den gleichen Gedanken hatte. Die beiden hatten sich zurückgezogen, doch wohin, entzog sich unserer Kenntnis und ich wollte auch nicht sofort nach ihnen suchen. Auch wenn es mir unter den Nägeln brannte, stattdessen versuchte ich mich abzulenken.

    Ungefähr eine Stunde später waren July und die Jungs nicht mehr zu halten, sogar Maggie hatte ihre Probleme sie alle unter Kontrolle zu halten. Im Eingangsbereich erwischten wir sie wieder, wie sie sich von draußen Schnee geholt hatten und hier drinnen damit umherwarfen.
    Mit einem Male öffnete sich die Tür im hinteren Bereich und heraus traten meine Verlobte und meine kleine Schwester. Wütend schritt ich auf sie zu und funkelte Alex nur an, meine Frage, wo sie gewesen wären erübrigte sich, als ich ihre Haare sah. Sie waren nass, ebenso wie die von Faith! Und ich wusste in diesem Moment, WAS die beiden Frauen dort gemacht hatten!

    Hatte ich Alex nicht schon darüber belehrt, dass ich diese Alleingänge nicht haben wollte?
    „Ich habe sie einfach vermisst, mi amor. Es war eine kleine Auszeit und wir konnten unser Wiedersehen ein wenig... genießen. Sei mir nicht böse, ab jetzt bin ich wieder ganz für dich und dein Wohl da!“
    Grollte ich ihr wirklich, oder war es einfach nur dieser Gedanke, nicht eingeweiht zu sein, nicht genau zu wissen, was die beiden Frauen für einander fühlten? Es war mir gerade einerlei und ich drohte ihr an, dass wir uns darüber noch später ausgiebig unterhalten würden.
    Mit ihrer süffisanten Antwort hätte ich rechnen müssen. „Ich freue mich schon darauf, Master Kenway!“ kam es nur lüstern von ihr und sie ging mit schwingenden wunderschönen Hüften an mir vorbei die Treppe hinauf! Verdammt, diese Frau war... hinreißend!

    Als Alex wieder unten erschien, hatte sie ihre Haare geflochten und in einem ordentlichen Zopf lagen sie nun in ihrem Rücken. Während des Essens blieb es ruhig, die Kinder taten ihr Bestes und aßen ordentlich.
    Doch ich nahm diesen leeren Blick von Alex wahr und wusste, sie dachte an Yannick. Es war das Essen wie sie es von zuhause kannte, doch ER war nicht anwesend. Wieder einmal versetzte es mir einen Stich, weil sie alles aufgegeben hatte für eine Zukunft mit mir, hier in diesem Jahrhundert.
    Sie sah zu meiner kleinen Schwester, welche sie nur liebevoll anlächelte und ich konnte nicht anders, ich drückte Alex´ Oberschenkel als Zeichen, dass ich zu ihr gehörte.
    Du bist und bleibst meine Nummer eins, mi amor! Aber lass mir diese Momente mit deiner kleinen Schwester! hörte ich sie lautlos in meinem Kopf! Umgekehrt bat ich sie, mir dafür Zeit zugeben, damit ich mich daran gewöhnen konnte! Ich teilte halt nicht gerne und Alex gehörte MIR! Ein „Ich liebe dich, Haytham“ war alles was sie sagte und ich umgekehrt hören wollte!

    Wir saßen danach noch im Salon und ließen den Abend ausklingen. Die Kinder durften noch aufbleiben, da sie eh viel zu aufgeregt wegen der morgigen Bescherung waren!
    Alex versank plötzlich in sehr dunklen und trüben Gedanken, doch ehe ich etwas sagen konnte, sprang mir Faith zur Seite.
    „Alex, er wird das nie vergessen! Diese Erinnerungen hat er für sein ganzes Leben!“ ihre Gedanken schweiften gerade an diesen Feiertagen zu ihrem Kind.
    Ich hoffte, dass Yannick die Nachricht erhalten würde für unsere Hochzeit und betete, dass er erscheinen möge!
    „Das weiß ich, mo rionnag!“ kam es wie selbstverständlich von meiner Verlobten auf einmal und ich sah sie nur erstaunt an. Als ich sie darauf ansprach, dass sie plötzlich sogar schottisches Gälisch sprach und meinte, die lange Zeit im Bad hätten den beiden nicht gut getan, grinste sie mich nur an. Diese Frau war einfach... erstaunlich, in vielerlei Hinsicht!

    An diesem Abend muss ich gestehen, war Master Williams entspannter und ruhiger gewesen. Vermutlich, weil er seine Beziehung nicht mehr verheimlichen musste, zumindest vor uns nicht mehr. Eine Veränderung, welche ich durchaus begrüßte!
    Es dauerte aber nicht lange, bis ich spürte, dass Alex völlig erschöpft an mir lehnte und ein ständiges Gähnen versuchte zu unterdrücken. Also verabschiedeten wir uns für die Nacht und gingen hinauf.

    Alex schmiss sich einfach auf das Bett und starrte zu dem roten Baldachin hinauf.
    „Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass es die Geschenke nicht an Heilig Abend gibt.“
    Ich stand vor dem Spiegel und versuchte diese vermaledeite Halsbinde zu lösen und erwiderte nur, dass wir ihr dann wohl endlich unsere Traditionen zeigen sollten!
    Mir entwich lautstark ein „Verdammt!“ weil sich die Tücher verknotet hatten.
    „Mi amor, lass mich das machen, du reißt es sonst entzwei!“ meinte Alex, als sie auf mich zukam. Es war diese selbstverständliche Art mir zu helfen, welche ich noch nicht verinnerlicht hatte. Ich war eigentlich ein Einzelgänger.

    Als sie nun so vor mir stand und mich von dem Dilemma befreien wollte, fragte ich einfach, warum es gerade eine Frau war, warum gerade Faith!
    Ein fremder Mann wäre natürlich unverzeihlich, da mache ich auch kein Hehl draus, das würde die Trennung bedeuten. Doch in diesem Falle wusste ich nicht so recht, wie ich agieren sollte.
    Alex mied wissentlich den Augenkontakt und versuchte sich zu erklären.
    „Ich kann es dir nicht sagen, es ist eine Verbundenheit, welche ihr Männer vermutlich so nicht nachvollziehen könnt. Es ist nicht so, dass wir euch verlassen würden oder euch nicht lieben! Im Gegenteil! IHR gebt uns eine gewisse Sicherheit, in welcher wir uns so … entspannt bewegen können. Ich liebe sie, Haytham. Sie ist … wie meine Schwester... ich kann es nicht wirklich erklären!“
    Ich nahm ihre etwas zittrigen Hände in meine und erklärte mich.

    Sie beide sind sich einfach mehr als ähnlich, dass hatte ich damals schon gesehen. Faith war eine Frau, die einzige zu dem damaligen Zeitpunkt, welche mich zurechtweisen konnte. Dann hatte ich einen anderen Gedanken in meinem Kopf.
    War es doch wirklich dieses Schicksal, welches mich mit ihr vereinen wollte?
    „Ja, das ist es und wenn ich ehrlich sein darf, man muss dir ab und zu auch einfach mal sagen, was Sache ist. Männer sind mitunter sehr schwer von Begriff!“ Bei diesen Worten fiel es mir schwer mich zu beherrschen und meinte nur, sie solle mir dann ebenso ein paar Lektionen beibringen! Ich zog sie an mich und konnte nicht leugnen, dass Alex genau spürte, was gerade in mir vorging.
    „Master Kenway, dann solltet ihr mich jetzt aber meine Arbeit machen lassen, sonst...“ zu mehr ließ ich sie nicht kommen, das war alles, was ich brauchte.

    Ich hob sie einfach nur noch mit hochgeschobenen Röcken auf meine Hüfte und brachte uns zum Bett, wo ich sie unter mir hatte und sie nahm. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, auch Alex war mehr als bereit.
    Lautlos wies ich sie noch darauf hin, leise zu sein, die Aufmerksamkeit sollte nicht uns gelten. In ihren Augen glühte förmlich diese Lust und diese Hingabe, welche mich antrieb und sie zu ihrem Höhepunkt bringen ließ.

    Irgendwann lagen wir uns in den Armen und sie strich mir gedankenverloren durch die Haare.
    „Ich liebe dich, Haytham!“ hörte ich sie murmelnd an meiner Brust und konnte nur sagen, dass ich sie ebenso lieben würde. Es war Bestimmung, oder? Wir gehörten zusammen... Gedanken, mit denen ich in den Schlaf glitt!

     

     

    Kapitel 29

     

    *** Die Bescherung ***

     

    25. Dezember 1762

     

     

    Ein leises „Guten morgen, mi amor.“ mit einem vorsichtigen Kuss weckte mich plötzlich. Doch mehr als ein „Hmmmmmmm...“ brachte ich nicht zustande. Hatte ich wirklich so tief geschlafen, war Alex tatsächlich VOR mir wach?

    Im Grunde war es gerade egal, wir hatten keine Termine oder ähnliches und ich schlang meine Arme um meine Verlobte und zog sie zu mir, mit den Worten „So früh schon wach, mi sol?“ doch Alex wäre nicht sie selbst, wenn nicht eine passende Gegenfrage kommen würde.

    So früh noch NICHT wach, mi amor?“ kicherte sie an meiner Brust und meine Finger glitten über ihren Rücken und hinterließen eine Gänsehaut. Ich hatte tatsächlich völlig tief geschlafen, was wirklich selten ist und mich erstaunte.

     

    Es freut mich, dass du auch mal richtig schläfst und nicht immer in dieser Halb-Wach-Und-Schlaf-Phase verweilst.“

    Mitunter war das sicherlich der Gesundheit nicht zuträglich, leider ließ es sich in einigen Situationen nicht vermeiden!

    Als Alex begann, ihre langen Finger über meine Brust hinunter zu meinem Bauch gleiten zu lassen, kam mir in den Sinn, dass ich keine Hände wollte, ich wollte SIE! Kurzerhand hob ich Alex auf meinen Schoß und genoss diesen Körper und diese Frau einfach.

     

    Als wir das Esszimmer später betraten, fanden wir nur Lucius und Maggie vor. Von den Kindern keine Spur, kurz nach uns erschienen auch Shay und Faith.

    Also konnten wir noch einen Moment diese Stille genießen, welche nicht lange währte, schon flog die Tür auf und herein stürmte Cadan! Faith bedachte ihn mit einem zornigen Blick und den Worten, er könne die Tür auch leise öffnen.

    Der Junge begann zu weinen und seine Geschwister stimmten mit ein. Faith versuchte alle drei zu trösten und als sich alle beruhigt hatten, nahmen sie ihre Plätze ein. Damit war es fürs erste vorbei mit der Ruhe.

     

    Im Salon zitierte meine kleine Schwester nun die Kinder auf ein Sofa und deutete ihnen still zu sein.

    Es war erstaunlich, aber sie saßen brav da und warteten, was nun passieren würde.

    Jeder erhielt die gleiche Anzahl an Geschenken, was ich sehr befürwortete, weil klein Cillian sich nicht außen vor fühlen sollte. Weswegen Alex und ich auch noch nach einem passenden Geschenk für ihn gesucht hatten!

     

    Nun war es meine Verlobte, welche ihre Präsente an July, Cadan und Cillian gab und erntete freudige Gesichter. Ich konnte sehen, wie sie sich entspannte und sie nahm die anderen Geschenke.

    Sie überreichte sie an Faith und Shay. Er bekam einen glänzenden neuen Sextanten, ich wusste, der alte war leider zu Bruch gegangen!

    Meine kleine Schwester erhielt ein Mikroskop, welches etwas anders aussah, als die, die ich bisher zu Gesicht bekommen hatte. Sie hatte diese Geschenke bei einer Art Auktion ersteigert, wie sie mir erklärt hatte. Die Cormacs bedankten sich und ich sah, wie Alex die Erleichterung ins Gesicht stand.

    Doch plötzlich änderte sich Alex´ Gesichtsausdruck und ich konnte ihn nicht mehr deuten. Sie hielt ein weiteres Geschenk in der Hand, es war länglich und sie starrte darauf. Unschlüssig stand sie nun vor mir, nicht wissend, ob sie es mir geben sollte oder nicht.

    Mi amor, ich hatte dir versprochen, dass ich auch noch etwas für dich habe!“ hörte ich sie leise sprechen und ein „Pack es einfach aus.“ kam noch hinterher.

    Für einen Moment war ich versucht es nicht zu tun, es war ein eigenartiges Gefühl gerade und ich sah zu ihr auf.

    Vorsichtig schlug ich das Papier zur Seite und sah auf dem Holz ein Symbol mit einem Amboss und einem Schmiedehammer! Es prangte dort noch ein Name „Grondau, Suhl“! Das sagte mir nichts und ich ließ die Verschlüsse langsam aufschnappen. Als ich den Deckel anhob traute ich meinen Augen nicht...

     

    Vor mir lag das Kurzschwert, welches ich zu meinem 8. Geburtstag von Vater geschenkt bekommen hatte!

    Ungläubig sah ich zu meiner Verlobten und ich war einfach sprachlos... ich konnte nur ein paar Worte stammeln! Es sah aus wie neu! Das war aber unmöglich, ich hatte es auf Korsika verloren! Ich stellte den Kasten beiseite und nahm meine Verlobte in die Arme, mir fehlten die Worte und ich befürchtete, wenn ich den Mund aufmachte, würde ich in Tränen ausbrechen.

    Verzeiht, aber ich dachte, dieses Schwert sei verloren, jetzt lag es wie neu vor mir!

     

    Haythams Kurzschwert

     

    Und dann nahm ich plötzlich die Präsenz meiner Eltern wahr.

    Ja, es ist das Kurzschwert, welches ich Haytham zu seinem 8. Geburtstag geschenkt habe! Und jetzt wisst ihr auch, warum ich der Meinung bin, dass diese Frau an die Seite unseres Sohnes gehört!“

    Vater sprach diese Worte mit einer gewissen Macht aus, die keine Widerworte duldete! Mutter trat zu Alex und sah ihr lange in die Augen.

    Dass du es gefunden hast und hast wieder herrichten lassen ist einfach ein wunderbares Geschenk.“

    Wir sahen alle, dass sie beide den Tränen nahe waren. Alex hatte gezeigt, dass sie mehr als Willens war, mir zur Seite zu stehen! Sie hatte mir und uns gezeigt, dass sie fähig war und mich glücklich sehen wollte.

     

    Meine Mutter trat auf mich zu und sah auch mir lange in die Augen. Aber es war nicht die Mutter, die ich zuletzt sah, sondern die Frau, welche mich liebevoll behütete. Es fühlte sich an, als würden wir gerade die Zeit zurückdrehen!

    Und dieses Mal passt du gefälligst besser darauf auf, mein Liebling!“ Dieser Nachdruck in ihrer Stimme mit diesem verschmitzten Lächeln war Zeichen genug, dass sie mir nicht grollte.

    Mutter stand mir und meiner zukünftigen Frau gleichermaßen zur Seite! Als ich ihre Lippen auf meiner Stirn fühlte mit diesen warmen Worten befürchtete ich, mein Verstand würde gleich aussetzen. Ich vermisste sie unendlich! Leider verschwanden Mutter und Vater wieder in diesem Nebel mit den Worten, sie wünschen uns noch ein frohes Weihnachtsfest.

     

    An meine Verlobte gerichtet meinte ich mit stockenden Worten, dass ich es nie wieder gut machen könne! In ihren Augen lag eine Zuversicht und zugleich Trauer um den Verlust meines Vaters, welche mich für einen Moment zurück schrecken ließ.

    Das brauchst du auch nicht. Es reicht mir, dass du dich darüber freust und ich hoffe, dass du es auch benutzen wirst!“

    Alex hielt mich fest oder ich sie, in diesem Moment war es einerlei.

    Es ist wunderschön, ich hatte ja keine Ahnung. Wo hast du es gefunden, Alex?“ riss uns meine kleine Schwester aus den Gedanken.

    Es sei schnell erzählt, doch sie würde es uns später noch berichten. Mit einem Augenzwinkern verschwand Faith dann mit den Kindern nach draußen und ich wusste, dass nun noch die Fohlen als Geschenk kamen.

     

    Wir blieben hier und ich genoss für einen kurzen Moment diese Stille, meine Nerven dankten es mir. Alex lehnte an mir und schien diese Ruhe ebenfalls zu genießen.

    Master Williams unterbrach diese Ruhe jedoch mit den Worten „Ich hatte euch völlig falsch eingeschätzt, Mrs. Frederickson und ich sehe jetzt, dass ihr für Haytham ebenfalls nur das Beste wünscht. Dieses Geschenk ist wirklich einzigartig und eure Entschlossenheit bei der Suche muss ich einfach honorieren.“

    Er nahm ihre Hand und gab ihr mit einer leichten Verbeugung einen Handkuss. Damit war das Misstrauen um ein weiteres Maß gesunken, wie ich zufrieden bemerkte.

     

    Ich hingegen hatte nun das Schwert an mich genommen und wog es in der Hand. Es war wunderbar ausbalanciert und fühlte sich wie damals an.

    Dieser Schmied verstand anscheinend sein Handwerk und Alex bemerkte, dass man sowas nur schwer finden würde in ihrer Zeit, sie hätte ganz Deutschland, ich nahm an sie meinte Preußen, absuchen müssen, um diesen Herren zu finden. Das Schmiedehandwerk war im 21. Jahrhundert dabei auszusterben und wieder einmal fragte nicht nur ich mich, sondern Lucius ebenso, warum solch wichtige Berufe ausstarben?

    Eine Erklärung würde Alex uns bei Zeiten noch geben und ich war gespannt darauf, wenn ich ehrlich bin! Ich las das Zertifikat welches dabei lag und ich muss sagen, Herr Grondau war ein gründlicher Mensch. Alles hatte er haarklein analysiert und aufgeschrieben. Material, Beschaffenheit... sogar das ALTER konnte er datieren und das war natürlich für mich erstaunlich, wie man das herausfinden sollte nach all den Jahrhunderten!

     

    Ich erzählte Alex von meinem 8. Geburtstag, als ich dieses Schwert bekam und auch von der Androhung von Prügel, wenn ich es ohne Erlaubnis von Vater an mich nahm. In ihren Augen sah ich Unglaube, Angst und auch Skepsis.

    Das hört sich wirklich brutal an mit der Prügel. Ich weiß ja, dass Edward streng war, aber... ich würde und ich habe meinen Sohn nie geschlagen. Für meine Zeit ist das einfach völlig undenkbar!“ Meine Verlobte war wirklich in einer anderen Epoche aufgewachsen und das merkte ich nun.

    Ich versuchte eine verständliche Erklärung, nicht nur Vater, sondern auch meine Lehrer nahmen hin und wieder Rohrstock oder Lineal zur Hilfe, um mich zurechtzuweisen. Wie bitte sollte man auch anders die Kinder erziehen? Blankes Entsetzen trat in ihre Augen und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass wir in Erziehungsfragen vermutlich noch des öfteren aneinander geraten würden.

     

    Nein, ich hätte nie Hand an dich gelegt, Haytham. Und nein... sieh mich nicht so an, nicht nur wegen deines Vaters, sondern auch... weil ich es nicht konnte. Auch wenn ich manchmal etwas sauer war.“

    Herr Gott, war ich damals wirklich so unerträglich? Und jetzt? Was war ich nun in ihren Augen? Wieder einmal keimte diese Ungewissheit in mir auf, warum Alex jetzt doch an meiner Seite war, obwohl sie eine gewisse, ich möchte es nicht aussprechen aber ich muss, Abneigung gegen mich hatte?

    Auch war dieser Gedanke, dass sie mich so lange kannte immer noch verwirrend. Mit einem Male schoss es aus Alex heraus.

    Du warst eigentlich echt süß, Haytham!“

    Für den Bruchteil einer Sekunde wusste ich nicht, was ich sagen sollte und auch Alex saß etwas verschüchtert plötzlich da.

    Gerade als ich breit grinsend mich für das Kompliment bedankte, erschien Faith und wollte wissen, was so amüsant sei.

     

    Im Stillen versicherte ich Alex, dass ich ihr noch zeigen würden, WAS ich wirklich bin! Diese Worte riefen mal wieder genau den Effekt hervor, den ich erwartet hatte und in ihren grünen Augen lag wieder diese dunkle Lust, welche mich auf mehr hoffen ließ!

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    Kapitel:29
    Überschriften:1
    Sätze:2.682
    Wörter:49.945
    Zeichen:285.734

    Kurzbeschreibung

    *** Der Großmeister wird sich nun in Virginia niederlassen, damit er den Grundstein für sich und seine Verlobte, Mrs Frederickson, legen kann. Die Zukunft der beiden Verlobten liegt noch in einem dichten Nebel, welcher sich nur langsam lichtet und mit vielen Gefahren, Ernüchterungen und Überraschungen gespickt ist! (OC / Haytham , Nordische Mythologie!) ***

    Kategorisierung

    Diese Fanfiction wurde mit Zeitreise, Familie, Mythologie, Liebe, Nordische Mythologie und Übernatürliches getaggt.