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Von schicksalhaften Zeitreisen und dem Ruf der Nornen - Part II

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21.01.23 13:38
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Wir starten im zweiten Part der schicksalhaften Zeitreisen mit einem Gott, welcher einfach nicht zu vernichten zu sein scheint und immer wieder auf den Plan tritt. Mithilfe von den anderen nordischen Göttern, welche sich weiter zu entwickeln scheinen, kommt man dem diesen Gegner immer Näher.

Die Familie Kenway muss sich in den nächsten Jahren immer mehr Herausforderungen stellen und sich auf den bevorstehenden Krieg vorbereiten. Alleine sind sie aber nicht.

Die Plantage wird immer wieder Ziel von Überfällen, die britische Armee rückt näher, die Patrioten mehren sich und endlich tritt Connor/ Ratonhnhaké:ton an die Seite seines Vaters. Die Konflikte sind jedoch vorprogrammiert. Gelingt es den Kenways alles zu meistern und sich mit Hilfe der Götter zu behaupten?

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Wie immer sei angemerkt, dass mir nur meine eigenen Charaktere gehören. Alle anderen sowie das eigentlich AC Universum unterliegen den Rechten von Ubisoft!

Diese Geschichte widmet sich im weiteren Verlauf der nordischen Mythologie und einigen Ritualen etc. Die Kapitel standen schon, bevor Assassins Creed Valhalla überhaupt angekündigt wurde. Sollten also in irgendeiner Form Parallelen oder Ähnlichkeiten auftauchen, kann ich es nicht ändern, weil die Götter sich nicht umschreiben lassen. ;)

10 Charaktere

Haytham Edward Kenway

Haytham E. Kenway, Sohn von Edward J. Kenway, geboren 04. Dez. 1725, London, gestorben 16. Sep.1781, New York, durch die Hand seines eigenen Sohnes Connor Kenway. Haytham war ein sehr vornehmer Engländer, der jedoch immer bereit war, alles zu tun was nötig war um sein Ziel zu erreichen. Er verachtete den Assassinenorden, hielt die Ziele, die sie vor hunderten von Jahren hatten, aber für ehrenhaft.

Edward J. Kenway

Pirat Edward James Kenway, geboren 10. März 1693 Swansea, Wales, gestorben 3. Dezember 1735 London. Vater von Haytham Edward Kenway und Großvater von Ratonhnhaké:ton (Connor Kenway), ein stoischer Mensch, der zu Beginn der Piraterie nur Ruhm und Reichtum im Sinn hatte. Bei den Assassinen lernt er, dass das alles keinen Sinn hat, wenn keine Familie und Freunde mehr da sind.

Charles Lee

Charles Lee (*6. Februar 1732 in Cheshire, England;† 2. Oktober 1782 in Pennsylvania) war ein Templer und ein General während der Amerikanischen Revolution. Er wurde kurz nach der Ankunft von Haytham Kenway in Boston von den Templern rekrutiert, obwohl er bereits mit ihnen sympathisierte. Er arbeitete sich sehr schnell in der Hierarchie nach oben und wurde bald die rechte Hand des Großmeisters.

Jennifer Scott

Edwards Tochter, geboren 1713, Halbschwester von Haytham E. Kenway, Jennifer wuchs bei ihrer Mutter Caroline Scott in Bristol auf. Da Jennifer nach der Abreise von Edward erst geboren wurde, blieb ihm seine Tochter lange Zeit unbekannt. Das änderte sich 1720, dem Jahr, in dem Caroline starb. Danach arrangierte sie eine Reise zu ihrem Vater in die Karibik, um ihn auf Great Inagua kennenzulernen.

William Miles

William "Bill" Miles, geb. 1948, war von 2000 bis 2013 der Anführer des Assassinen-Ordens und Vater des Assassinen Desmond Miles. Als in die Bruderschaft hineingeborene Person hat er sein ganzes Leben den Assassinen gewidmet.

Shay Patrick Cormac

Shay Patrick Cormac (12.09.1731-Unbekannt) war einst ein Assassine, der später ein Mitglied des Templerordens wurde, im Atlantik während des Siebenjährigen Krieges tätig war, und den Kolonialen Assassinenorden mit anderen Templern fast vollständig auslöschte.

Thomas Hickey

Thomas Hickey war ein Templer während der Amerikanischen Revolution. Auch er war daran beteiligt den verborgenen Tempel der Ersten Zivilisation zu finden. (geb. unbekannt + 1776) Hickey durchlief verschiedene Positionen im Revolutionskrieg. Zu Beginn noch an der Front stationiert, wurde er bald zur persönlichen Wache Washingtons. Zudem war er für die Finanzen der Kontinentalarmee zuständig.

Alexandra Kenway

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter. Geboren 26.5.1976 in Deutschland! Ihres Zeichens Zeitreisende und besessen von der kolonial Zeit in Amerika! Ehefrau von Haytham Kenway.

Edward Haytham Kenway Junior

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter. Sohn von Alex und Haytham, geboren 4.12.1763.

Florence Tessa Kenway

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter. Tochter von Alex und Haytham, geboren 4.7.1766.

 

~~~ Kapitel 1 ~~~

 

6. August 1768

 

Atlantischer Ozean

 

Wir hatten ein neues winziges Besatzungsmitglied, eine kleine schmusige Katze. Florence verbrachte jede Minute mit ihr, streichelte sie, kuschelte mit ihr, fütterte sie mit kleinen Fischstückchen, welche ihr die Matrosen hin und wieder reichten.
„Du musst ihr noch einen Namen geben, min lille engel.“
Meine Tochter sah auf ihr kleines Haustier, dann wieder zu mir. „Weiß nicht, Mama!“
„Ist das eine Mädchenkatze?“ fragte Edward grübelnd, während er unser neues Familienmitglied streichelte.
„Ja, hast du vielleicht einen Namen?“ ein heftiges Nicken meines Sohnes sagte mir, dass er einen Einfall hatte.
„Mina! Flo mag doch die Geschichten von Jasmin so gerne, die Tante Jenny ihr immer erzählt hat.“ Stolz sah er zu mir.
„Gefällt dir der Name auch?“ jetzt war es meine Tochter die glücklich nickte und ihren Bruder umarmte.
Somit hätten wir das geklärt. Was für mich aber noch entscheidend war, war dass Walka sich mit der kleinen Katze vertrug. Bis jetzt war alles friedlich verlaufen.
Zum ersten Mal schliefen die Kinder nicht in meiner Kajüte, sondern bei ihren Kindermädchen unter Deck in deren Kammern. Wir hatten sie dafür extra noch herrichten lassen, weil oben kaum Platz war. Wir konnten ja schlecht anbauen!

 

Der heutige Tag begann friedlich, ich hatte mich mit Mr. Hargreaves über die Möglichkeit unterhalten, im nächsten Jahr Great Inagua eventuell einmal anzusteuern.
„Ich würde mich sehr darüber freuen.“ in seinem Gesicht war ein Strahlen erschienen! Dieser Mann liebte die Seefahrt wirklich!
Am Nachmittag zogen ein paar Wolken auf, aber es sah nicht nach Unwetter aus.

 

Allerdings begann sich gegen Abend ein dichter Nebel über dem Wasser zu bilden.
„Das ist aber ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit!“ dachte mein erster Maat laut nach!
Auch die Temperaturen waren plötzlich eisig und alles fühlte sich irgendwie klamm an. Der Mann im Krähennest rief, dass dieser Dunst immer dichter wird.
Plötzlich eilte Haytham auf die Brücke.
„Alex! Setz deinen Sinn ein!“ dabei zog er mich zum Bug. „Siehst du es auch?“ in seiner Panik war er lauter geworden.
Ich konzentrierte mich, sah aber nur Nebel. Aber er sah anders aus, er … waberte nicht wie wir es kannten. Dann sah ich feine rote Linie in einiger Entfernung, welche sich zu einem Gebilde formten! Zuerst dachte ich, meine Sinne spielten mir einen Streich. Aber nein!
Ein Bild erschien! Ein Schiff! Ein sehr GROSSES Schiff mit einer jetzt deutlichen rot pulsierenden Aura!
Mein Herz schlug mir bis zum Hals! War das die Naglfar?

 

Mit einem Male tauchten etliche goldene Silhouetten um uns auf.
Mein Allvater sprach als erster.
„Da ist er ja, der Feigling. Traut sich doch tatsächlich endlich mal, sich zu zeigen!“ seine Stimme durchschnitt schon fast diesen Nebel! „Macht euch bereit für einen etwas unschönen Kampf!“ brüllte er alle Umstehenden an.
Meine Mannschaft sah ängstlich auf die helle Wand um uns, weil sie rein gar nichts sahen.
„Mistress Kenway! Da ist nichts…“ einer der jungen Männer traute sich dann doch etwas zu sagen!
„Ihr könnt es noch nicht wahrnehmen, aber ich versichere euch, dort vorne lauert ein mehr als gefährliches Schiff mit einem Gegner, der uns vernichtet sehen will!“ ich traute mich gar nicht mehr laut zu sprechen, aus Angst, dass mich Hrymr hören könnte.

 

Hach, wie schön! Ich höre dich, Schätzchen! Hier kannst du mir nicht so einfach entwischen! Du solltest dich schon einmal von deinem langweiligen Gatten und den nervigen Gören verabschieden! UNSERE Zeit beginnt bald!
Ich schaffte es gerade noch so, mich über die Reling zu lehnen, damit ich mich nicht aufs Deck übergebe!
Alle Männer begannen jetzt ihre Positionen für eine Schlacht einzunehmen, die Kanonen wurden bemannt und geladen, die Scharfschützen machten sich in den oberen Wanten ebenso bereit. Odin sei Dank, hatten wir noch einige von den neuen Gewehren bekommen, auch wenn sie bei diesem Nebel fürs erste unbrauchbar waren was das genaue Zielen anging.

 

Auch die Götter machten sich bereit und umgaben mein Schiff mit einer Art Schutzschild. Fasziniert sah ich auf dieses goldene Fließ um mich herum, bis mich Edward Junior aus meinen Gedanken holte.
„Mama! Mach dass der böse Kapitän wieder verschwindet!“ mit zitternden Lippen sah er zu mir auf.
„Ich verspreche dir und deiner Schwester, dass euch nichts passieren wird!“ ich sah zu Haytham, der sich ebenfalls gewappnet hatte. „Geht jetzt mit Sybill und Sophia hinunter, bitte! Hör auf mich, min lille skat!“ ich versuchte souverän zu klingen um ihm nicht noch mehr Angst zu machen.
„Aber geh nicht mit ihm mit, ich will auch brav sein. Ich bin auch keine nervige Göre!“ jetzt schniefte er an meiner Brust.
„Ich weiß, ich weiß, Edward. Bitte! Ich muss mich umziehen. Geh jetzt hinunter und pass auf deine Schwester auf, ja?“ flüsterte ich, strich ihm noch einmal über seine dunklen Haare, ehe ich mich umwandte um mich umzuziehen.

 

Ein seltsames Gefühl von Ruhe breitete sich plötzlich in mir aus, als ich nach und nach meine Montur anlegte.
Du siehst fantastisch darin aus! Ich freue mich schon, sie dir vom Leib zu reißen und dir zu zeigen, was dir noch alles gut stehen wird!
Dieses mal verursachten seine Worte keine unangenehmen Gefühle. Es stieg eine gewisse Wut in mir hoch. Diese nutzte ich jetzt um meine Mauer zu errichten. Oh nein, er wird mich nicht kriegen! Diese Genugtuung gebe ich ihm nicht!, schwor ich im Stillen.
Fertig angezogen ging ich wieder an Deck, wo ich vor einer Kampftruppe stand, die nur noch auf den Befehl zum losschlagen wartete.

 

Langsam löste sich diese helle Wand auf, hinter welcher die Naglfar sichtbar wurde. Mir sank nun doch mein Herz, sie war wirklich beeindruckend.
Du glaubst doch nicht, dass ich mit einer Nussschale meine Schlachten gewinne, oder?
Dieses Lachen war widerlich. Nicht nur ich hörte es, die Besatzung sah sich etwas verwirrt um, bekam aber von Thor eine entsprechende kurze Erklärung.
„Stellt euch vor, dort ist eine Man of War, die gleich angreift und ihr Kapitän ist ein großes Arschloch, welchem wir gehörig ans Bein pissen werden!“ grölte er Hammer schwingend. Ein lauter Kampfschrei war von den Männer zu hören, das hatten sie anscheinend noch gebraucht.

 

„Die Naglfar macht aber nicht den Eindruck, als wolle sie angreifen.“ das war mir auch schon aufgefallen. Ich sah keine Kanonenluken oder ähnliches. Ebenso wenig konnte ich jetzt, wo sich der Nebel verzogen hatte, eine Mannschaft an Deck ausmachen!
Haytham und ich ließen unsere Blicke noch einmal darüber gleiten, überall sahen wir aber diese feindlichen Auren, welche sich bewegten.
„Er hat sie getarnt, Alex!“ ich starrte fasziniert auf das andere Schiff, weil ich versuchte heraus zu finden, WIE das funktionierte.
Komm rüber, dann zeig ich dir meine Magie! Hörten wir ihn alle jetzt mit einem lauten Lachen.

 

Jetzt reichte es mir!
„Macht die Kanonen klar, eine Breitseite direkt auf das Mitteldeck!“ brüllte ich meinen ersten Befehl und es kam endlich Bewegung in die Mannschaft.
Auf der Naglfar konnte ich plötzlich ebenso Bewegungen ausmachen, wenn auch wie durch eine Wasserwand hindurch.
Die erste Salve donnerte los… aber nichts passierte! Wir sahen alle nur, wie die Kugeln an einer wabernden Wand abprallten und ins Wasser fielen!
„So, jetzt weißt du, dass du so nicht weiterkommst, mein Kind! Was schlägst du jetzt vor?“ mit einer hochgezogenen Augenbraue stand Odin vor mir.
„Ist das jetzt eine Fangfrage, ein Test, oder was? Woher soll ich…“ fauchte ich ihn an, weil ich mir einfach verarscht vorkam.
„Hier helfen im Moment noch keine weltlichen Waffen, dass solltest du wissen! Worauf glaubst du, haben wir euch vorbereitet? Auf einen Besuch im Streichelzoo?“ Der Göttervater hatte sich manifestiert. Er starrte mich wütend in Grund und Boden. „Nutze … deine … Fähigkeiten!“ jedes Wort betonte er einzeln!

 

Aber WAS sollte ich tun?
Haytham erschien neben mir mitsamt Tyr, auf der anderen Seite versuchte Thyra sich zu zeigen.
Immer noch schien Hrymr auf irgend etwas zu warten, es kam kein Gegenschlag von seiner Seite.
Mittlerweile hatten sich auch die anderen Götter in ihrer wahren Gestalt hier eingefunden! Eine recht beeindruckende Kampftruppe hatten wir beisammen.
Mit einem Male dämmerte mir, WAS Odin gemeint hatte. Ich musste meine Gedanken auf das mittlerweile neben uns liegende Schiff richten. Wenn ich das schaffte, dann konnte ich auch diesen Schild dort durchbrechen, ich wäre nicht alleine dabei.
„Ahhhh, du hast verstanden.“ freudig sah mich Sigyn an, die einen silbernen Brustpanzer trug. Auf ihrem Rücken sah ich einen Köcher mit Pfeilen und einen Bogen.

 

Ich schloss meine Augen, konzentrierte mich auf die Naglfar, versuchte sie in meinen Gedanken zu visualisieren! Nach und nach tauchte sie in meinem Kopf auf. Ich spürte, dass ich nicht mehr alleine war! Gemeinsam begannen wir diesen Schutz alleine durch den Willen zu durchbrechen. Wir rissen Hrymrs Mauer ein, wie er es schon so oft bei mir gemacht hatte!
NEIN! Ihr werdet mich nicht kleinkriegen! Fauchte er, als er begann doch zurück zuschlagen. Dieser Widerling versuchte jetzt mich mit Bildern zu manipulieren, zeigte mir wieder irgendwelche Trugbilder!
Das wird nicht funktionieren, du Idiot! Brüllte ich in meinen Gedanken.
Doch ehe ich mich versah, hörte ich schrille Schreie aus Richtung des feindlichen Schiffes! Was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren!
Dort hing meine Tochter wie an Seilen in der Luft, neben ihr versuchte Edward Junior sich zu befreien. Seine Wut war bis zu mir zu spüren!
Es hört sich gemein und herzlos an, aber ich durfte mich davon nicht ablenken lassen.
Mir liefen die Tränen über die Wangen, als ich hörte, wie Fulla leise zu mir sprach. „Ich werde sie befreien, gemeinsam mit Heimdall! Vertrau mir!“ mehr als Nicken konnte ich nicht, weil jetzt eine Salve auf uns abgeschossen wurde.
Aber auch hier prallten die Kugeln wie an einer eisernen Wand ab.

 

Ich gab nicht auf, ordnete immer wieder das Nachladen an um die Naglfar ein wenig mürbe zu machen, weil das Schutzschild dort bereits rissig war!
Wir hörten Schüsse, welche aber immer nur in der Luft hängen blieben.
Leider sah ich, wie auch unser Schutz langsam zu bröckeln begann.
Eine weitere Breitseite aus beiden Kanonendecks auf die Naglfar brachte endlich den gewünschten Effekt. Einige Kugeln durchbrachen das feste schwarze Holz!
Um mich hörte ich lauten Jubel, aber noch war es nicht vorbei.
Jetzt begannen auch die Männer an Deck mit den Puckelgewehren die jetzt sichtbare feindliche Mannschaft zu beschießen.

 

Als ich hinauf zu meinen Kindern sah, bemerkte ich zwei goldene Schleier um sie! Warum aber bemerkte Hrymr diese Aktion nicht? Wo war er überhaupt?
Suchend sah ich mich um, fand weder ihn noch konnte ich irgendwo seine Aura ausmachen.
Ich bin ganz in deiner Nähe, Schätzchen! Flüsterte seine Stimme, aber nicht in meinem Geist, sondern direkt neben mir!
Erschrocken drehte ich mich in diese Richtung. Mich sahen glühend rote Augen aus dem Gesicht meines Mannes an.
Um uns war mittlerweile der Kampf im vollen Gange, die Schreie meiner Kinder waren aber Odin sei Dank verstummt. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sie wieder auf die Jackdaw gebracht wurden, klammheimlich hinter Hrymrs Rücken. Wobei ich glaube, dass er es bemerkte, es auch so beabsichtigt hatte…
Es war eine hervorragende Ablenkung, findest du nicht? Dieses Arschloch hatte es geplant! Ich bin doch echt zu blöd!, schoss es mir in den Kopf.

 

„Diese Trugbilder haben immer kleine Unterschiede… Geruch… kleine Narben…“ Ging mir der Satz von einer meiner ersten Trainingsstunden bei Elias durch den Kopf.
Vor mir stand wirklich nicht Haytham! Dieser Geruch nach Holz und Rauch war nicht er! Bevor ich aber darüber nachdenken konnte, wo mein echter Mann ist, wurde ich von diesem falschen Gatten angegriffen. Immer noch verstand ich nicht, warum er mit mir kämpfte, wenn Hrymr doch eigentlich einen würdigen Nachfolger wünschte? Tot würde ich ihm DEN sicherlich nicht geben können!
Ich kriege immer was ich will!
Darauf kannst du lange warten!
Schrie ich, gleichzeitig ließ ich meine Klingen vorschnellen und zückte mein Schwert.

 

Holla, er war ein erprobter Kämpfer und hatte eine gewisse Stärke inne.
Immer wieder traf er meinen Schwertarm, durchtrennte immer wieder den Stoff meiner Jacke! Aber nie schnitt er in mein Fleisch!
Ich hingegen landete tatsächlich hin und wieder einen Treffer, leider musste ich nebenbei auch noch immer irgendwelchen Kugeln ausweichen, die um uns herumflogen! Weil es ja nicht nur Schwerter waren, die hier zum Einsatz kamen.
Mach es mir doch noch leichter! Das ist langweilig so! Hörte ich diesen Gott maulen, als er mal wieder lustlos auf mich einschlug!
Du willst es spannender? Mir war der Gedanke gekommen, IHN zu infiltrieren. SEINEN Geist zu manipulieren!
Ahhhhhh, willkommen in meinem Kopf! Jubelte Hrymr, während zeitgleich um mich Wände emporschossen! Dann ist es doch noch so einfach, dich für mich zu gewinnen! Mal sehen, wie lange es dieses Mal dauert, bis dich dein Mann oder dieses andere Pack befreit haben!
Ich war auf den ältesten Trick der Geschichte hereingefallen!

Kapitel 2

~~~ Kampf auf der Jackdaw ~~~

 

Ich war eingesperrt!
Dieser Gott hatte es mal wieder geschafft, mich zu verarschen! Innerlich kochte ich vor Wut über mich selber, über meine Unfähigkeit!
Ich begann mich auf mich zu konzentrieren, hier zählte sonst nichts anderes. Ich würde einen Teufel tun und weiter versuchen, in SEINEN Geist zu dringen. Vermutlich würde ich Dinge sehen, die mir die nächsten hundert Jahre Albträume bescheren würden! Das Risiko wollte und konnte ich nicht eingehen!

 

Langsam ruhte ich in mir, sah Yannick vor mir, wie er seine ersten Schritte tat, wie er strahlend seine Geschenke an Weihnachten auspackte. Meine Gedanken glitten zu Haytham, welcher stolz seinen Sohn im Arm hielt…
Diese ganzen Eindrückte stärkten mich und meinen Geist!
Als ich sicher war, dass mir dieser Gott nichts mehr anhaben konnte, stand ich auf! Immer wieder schlug ich auf die mich umgebenden Steine ein, sagte aber nichts, dachte nur an meine Familie!
Ich sah diese Blockade nach und nach verschwinden, sie rieselte in kleinen Kaskaden herunter!
NEIN! DU BLEIBST HIER! Seine Stimme überschlug sich bereits.
Ob du es nun glaubst oder nicht, aber ich werde nie bei dir bleiben! Niemals würde ich bei Hrymr bleiben.

 

Jetzt begann ein Kampf hier in seinem Kopf, wo er mir eindeutig überlegen war.
Leider spürte ich nämlich nicht mehr die Anwesenheit der anderen Götter!
Nein, fang nicht an an dir zu zweifeln! Du schaffst das! Redete ich mir immer wieder ein. Ein neues Mantra!
Ach Weib, es ist wirklich langweilig mit dir! Vielleicht sollte ich auf deine Tochter warten, bis sie reif genug ist… Bei diesen Worten sah ich ihn vor mir stehen. Bevor er noch weiter sprechen konnte, donnerte ich ihm meine Faust ins Gesicht!
Eugene war in Erscheinung getreten, welchen ich nun mit Faustschlägen, Tritten, Kinnhaken malträtierte! In mir war eine seltsame Kraft, welche ich so noch nicht gespürt hatte.

 

Plötzlich blendete mich ein gleißendes Licht, ließ mich zurückweichen.
Diesen unbedachten Moment nutzte er, um mich mit seinem Säbel zu durchbohren. Ja, genauso war es. Als ich zu meiner Körpermitte sah, steckte die Waffe bis zum Knauf in meinem Fleisch!
Erschrocken keuchte ich auf, mein Atem ging hektisch und langsam sank ich auf die Knie. Mir wurde schwindelig, meine Finger begannen zu kribbeln, mein Kopf wurde leicht…

 

Das war nicht die Realität!
Das war nicht die Realität!
Wieder und wieder sprach ich diese Worte, versuchte mich wieder an die Oberfläche dieses dunklen Sumpfes zu bringen! Vergebens!
Ich strampelte regelrecht, schien darin zu ersticken! Nein, ich wollte hier nicht so enden!
NEIN! Mein ganzer Körper schrie nach Leben, ich war noch nicht bereit zu sterben!
Meine Hand griff nach dem Säbel, zog ihn langsam heraus und mein Blick glitt zu Eugene. Er stand über mir mit einem breiten Grinsen im Gesicht!
Was hast du jetzt vor? Ein letztes Mal aufbäumen, bevor ich mir das nehmen kann, was mir zusteht?
Gar nichts wirst du von mir bekommen.
Flüsterte ich. Mit meiner letzten Kraft erhob ich mich und rammte meinerseits den Säbel in seinen Bauch!
Mit einem erstaunten Blick sah er auf seine eigene Waffe. Aber nichts geschah.
Ich hatte das Gefühl, als wäre die Szene eingefroren.

 

ALEX! Hilf mir!“ Hörte ich die vertraute dunkle Stimme meines Templers in meiner Nähe. Als mein Blick wieder klarer wurde, wurde mir bewusst, dass ich bereits wieder auf der Jackdaw war! Vor mir sah ich einen Mann der Naglfar, welcher mich mit weit aufgerissenen Augen ansah, dann wieder auf den Dolch in seinem Bauch.
Ich hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken. Es waren wieder nur Bilder in meinem Kopf gewesen und ich hatte gerade jemanden umgebracht!
Ich sah mich um und entdeckte Haytham inmitten einer Gruppe von seltsam aussehenden Wesen. Sie hätten auch aus einem Marvel-Film stammen können. Die Haut glich der von Echsen, aber sie gingen auf zwei Beinen… Ach was solls…

 

Außerdem sah ich, wie Thor und Heimdall Seite an Seite eine andere Gattung von seltsamen Lebewesen dem Garaus machten!
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, ich war in die Aufnahmen für einen Fantasyfilm geraten!
Ich rannte in Richtung meines Mannes um ihm beizustehen. Gemeinsam schafften wir es, wenn auch nicht ganz unbeschadet, diese Viecher ihrem Schöpfer zu übergeben!
Aber damit war noch nicht Schluss, denn ich sah, wie auf der Naglfar plötzlich weitere Gestalten auftauchten.
Die Naglfar regeneriert ihn und seine Kraft! War es wirklich so?

 

Ich eilte jetzt hinunter zum ersten Kanonendeck, ließ alles laden und gab dann den Befehl zu feuern. Die darunter liegende Sektion wurde ebenso angewiesen und feuerte nur Sekunden später!
Wieder an Deck sah ich einige unschöne Löcher und Risse in dem schwarzen Holz des Schiffes!
Du wirst mich nicht mit meinem Schiff versenken, Hure! Nicht bevor ich bekommen habe, was mir zusteht!
Die noch intakten Luken der Naglfar öffneten sich, die Kanonen wurden in Position gebracht. Der Befehl aber ließ auf sich warten, was mir natürlich reichte um mein Schiff einigermaßen in Sicherheit zu bringen!

 

Ich ließ unerwartet die Segel setzen! Vorerst nur die nötigsten! Hauptsache wir kamen hier etwas weg, weil ich bemerkte, wie sich der Wind erhob!
„Soll ich dir vielleicht dabei etwas helfen?“ grinste Thor, als er auch schon einen Sturm lostrat! Erst jetzt sah ich, dass plötzlich Edward Junior auf seinem Arm war und ihn anfeuerte! Mein Sohn! Er sollte doch…
„Jetzt hab dich nicht so, ihm passiert schon nichts!“ Augenrollend machte der Donnergott in seinem Tun weiter.

 

Dann hörte ich die ersten Einschläge von Kugeln, ängstlich stürmte ich an die Reling und besah mir die Schäden. Es waren keine großen Geschosse, aber sie waren spitz zulaufend.
Plötzlich stürmten einige Männer hustend und spuckend an Deck!
„Mistress Kenway! Diese Dinger explodieren… da kommt blauer Rauch aus den Viechern…“ keuchte mir ein Kanonier entgegen.
Also hieß es, dass wir schnellstens diese Naglfar unschädlich machen mussten! Meine Taktik von damals mit der HMS Iron Duke kam mir in den Sinn.
„Ja, ich bin immer noch wütend deswegen! Aber… es hat funktioniert. Dann mal los!“ hörte ich den Allvater in dem ganzen Tumult rufen.
Haytham sah mich entgeistert an, dann zu Thor. Als er aber über meine Schulter blickte, weiteten sich seine Augen noch mehr.
Vorsichtig drehte ich mich um, weil ich Angst vor dem hatte, was ich zu sehen bekam!
Brünhild schwebte mit Florence ein wenig über das Deck, aus ihrem Speer zuckten unaufhörlich Blitze, welche die Segel der Naglfar immer wieder trafen und so nach und nach zerstörten!
Jetzt auch noch meine Tochter? Ihr kleines Gesicht strahlte, während sie gemeinsam mit ihrer Patin den Speer hielt.

 

Ich war so perplex, dass ich unter Deck ging, weil wir hier Durchzug brauchten und ich Ablenkung!
Diese Geschosse waren also Bomben, die irgendwas Gasartiges losließen!
Auf der Treppe schoss mir schon ein widerlicher Geruch entgegen! Es mussten sich wohl einige Männer übergeben haben hier, kein Wunder…
Hektisch öffnete ich mit ein paar anderen Besatzungsmitgliedern die Lüftungsluken!
Für den Bruchteil einer Sekunde ging mir die Frage durch den Kopf, wo eigentlich die Kindermädchen waren, oder Michael und Magda.
Darum musste ich mich später kümmern, denn ich hörte schon das nächste Donnern von abgefeuerten Kugeln!
Erfreut stellte ich aber fest, dass wir schon recht gut voran gekommen waren, so dass nur ungefähr sechs dieser Teile meine Brig trafen und sie nur ein wenig ankratzten.

 

Wieder oben an Deck, sah ich, wie sich Hrymr jetzt ebenso auf seinem Schiff blicken ließ. Zum ersten Mal sah ich ihn in seiner Gestalt als Gott. Auch er hatte sich entsprechend manifestiert.
Neben ihm bauten sich vier weitere Gestalten auf.
„Er hat sie wieder zu sich geholt!“ Odin sah hinüber zu seinem Widersacher, als würde er ihn zum ersten Mal bemerken!
„WEN hat er geholt?“ meine Frage wurde vom Kapitän der Naglfar nur dürftig beantwortet.
„Meine treuesten Gefährten!“ sein Lachen war wieder mehr als unangenehm. Aber es erstarb abrupt! „Wie…“ sein Blick glitt an mir vorbei und blieb an Walka hängen!
Die Hündin erhob sich, oder besser sie wuchs! In ihrem Maul erschienen spitze Fangzähne, ihr Fell war lang und zottelig…
Wir alle hörten ihr Ohrenbetäubendes Geheul, welches mich erzittern ließ!
Dann sprang dieses… ich muss es so nennen, Monster mit einem schnellen Satz hinüber zum Totenschiff.

 

Für Walka - Bitte im Hintergrund ab jetzt laufen lassen

 

Mein Sohn schrie ihr noch hinterher, aber es war schon zu spät. Hrymrs Gefährten hatten keine Chance ihren Krallen und den Nadelspitzen Zähnen zu entkommen. Nur den Gott selber ließ sie in Ruhe. Dieser aber wich immer weiter zurück!
„Das ist unmöglich! Er kann nicht…“
Um uns herum schien sich die Welt plötzlich zu schütteln. Diese Erschütterung war so stark, dass ich befürchtete, meine Brig würde in ihre Einzelteile zerlegt werden. Gleichzeitig aber sah ich die Naglfar im Meer verschwinden und mit ihr… Walka!
„NEIN!“ die schrillen Schreie meines Sohnes übertönten sogar den lauten Wind um uns herum! Er versuchte sich von Thors Armen zu befreien, dieser hielt ihn aber eisern fest. „Du kannst nichts mehr für sie tun.“ diese Trauer in der Stimme des Gottes war herzzerreißend!

 

Wie versteinert stand ich da und sah auf diese Szenerie. Es war ein Albtraum, oder? Ich würde gleich aufwachen! Bitte, lass mich aufwachen!, flehte ich!
Langsam legte sich der Sturm, die Mannschaft reffte die Segel und ließ den Anker fallen. Es brauchte noch nicht einmal Befehle von mir!
Meine Kinder!, war der nächste Gedanke. Brünhild und Thor ließen sie jetzt runter. Die beiden rannten auf mich und Haytham zu, welchen ich bis jetzt gar nicht weiter mehr beachtet hatte. Es war einfach keine Zeit gewesen!
„Mama, hol Walka wieder!“ Edwards Weinen trieb mir ebenfalls die Tränen in die Augen, aber es lag nicht in meiner Macht. Auch wenn ich diese eigentlich „aufgedrückt“ bekommen habe damals, zu entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Hier war es aber noch nicht an der Zeit. Mein Blick zum Allvater sagte mir genau das!
„Es tut mir so leid, min lille skat.“ vorsichtig strich ich über seinen Kopf, während ich auf der anderen Seite Florence versuchte zu beruhigen.

 

Erst jetzt schienen alle wieder in die Realität zu kommen. Mr. Hargreaves war als erster wieder in seinem Element und delegierte die Mannschaft entsprechend für Ordnung zu sorgen, die Schäden zu inspizieren und so weiter.
Haytham kniete nun auch neben uns. In seinen Augen sah ich ebenfalls diese Trauer.
„Edward, sie hat uns alle gerettet. Denk immer daran.“ flüsterte er, als er ihn auf den Schoß nahm.
„Aber… wer beschützt MICH jetzt?“ Unser Sohn klammerte sich an seinen Vater in der Hoffnung, dass ER etwas unternehmen würde.
„WIR werden das tun.“ wie aus einem Mund hatten alle Götter gleichzeitig gesprochen. Das reichte aber Edward nicht. Er würde noch lange seiner treuen Gefährtin hinterher trauern, befürchtete ich.
Auch Florence kullerten die Tränen über die Wange, während sie ihre kleine Hand auf Edwards Wange legte.
Ich werde sie mit Brünhild sicher nach Asgard bringen diese leise Stimme konnten vermutlich nur wir hören. Doch auch das war für ihn kein Trost.

 

„Edward mein Schatz! Komm!“ diese Stimme kannte ich. Ich sah in die Richtung. Dort stand sie, Idun! In ihrer leuchtenden Gestalt und reichte meinem Sohn ihre Hand. Beide gingen zur Reling, wo sie Edward darauf hob.
„Und jetzt, nimm diesen Apfel… siehst du sie?“ flüsterte die Göttin. „Konzentriere dich..“ Von dieser goldenen Kugel ging ein immer stärker werdendes Leuchten aus, ebenso strahlte die Haut meines Sohnes. Deshalb sollte ich nach dem richtigen Artefakt damals suchen!
Die Lichtstrahlen trafen auf die Wasseroberfläche. Es sah aus, als würde sie dadurch geteilt. Ein Trichter entstand…
„Das machst du hervorragend… weiter… du kannst das!“ Iduns Stimme war immer noch sanft und leitete ihn an, sich auf seine Gefährtin zu konzentrieren.
Vermutlich sah es bei Moses auch so aus, als er das rote Meer geteilt hat, hier sah man allerdings in einen Strudel.

 

Immer wieder drohte er sich zu schließen, jedes mal sagte Idun, Edward solle seine Gedanken bündeln.
Mit einem lauten Platsch schloss sich dieser Trichter auf dem Meer.
Wir alle eilten an die Reling, um zu sehen, was genau passiert war!
Ich traute meinen Augen nicht! Vor uns paddelte Walka auf die Jackdaw zu und ehe ich etwas unternehmen konnte, sprang klein Kenway ihr entgegen! Odin sei Dank, konnte er schon schwimmen und die See war Dank Thor auch ruhig!
Haytham zog sich hastig seine Stiefel und den Mantel aus, damit er ihm helfen konnte. Die Männer ließen die Jakobsleiter herunter um ihnen wieder hinauf zu helfen!
Ich konnte nicht anders, ich heulte! Dieser Anblick war einfach… ich kann es nicht in Worte fassen!

 

„Ich habe mein Kind schon einmal verloren, das sollte nicht noch einmal geschehen. Ich danke dir, Idun.“ neben mir sah ich wie Loki dankbar Mutter Idun umarmte.
„Walka… sie ist wirklich Fenrir? Aber…“ mir fehlten die Worte!
„Du hast deinen Hengst nach ihm benannt, also warum sollten wir dann nicht einfach auch einen Gefährten an die Seite dieser Hündin stellen. So ist dein Kind zusätzlich immer beschützt.“ Wer würde diesem trickreichen Gott so eine warmherzige Seite schon zutrauen? „Na na na… du weißt doch…“ Ja, Loki war im tiefsten Inneren kein wirklich schlechter Mensch… nein Gott…

Kapitel 3

 

~~~ 10. September 1768 ~~~

 

Edward war überglücklich, als er mit Walka wieder an Deck war. Die Hündin schlabberte aufgeregt über sein Gesicht. Sie genoss diese große Aufmerksamkeit, weil auch die Mannschaft sie tätschelte und knuddeln wollte.
„Ich hab dich doch lieb!“ mein Sohn klebte an diesem Tier, wir konnten ihn kaum dazu bewegen, sich trockene Sachen anzuziehen.
Erst jetzt hatte ich die Zeit mir meinen Mann genauer anzusehen, auch er stand wie ein begossener Pudel daneben.
„Mi amor, auch du musst dir was trockenes anziehen, ich will nicht, dass du noch krank wirst.“ flüsterte ich leise, während ich ihn hinter mir herzog.

 

In meiner Kajüte ließ er sich seufzend auf einen Stuhl sinken, zog mich aber zu sich und schlang seine Arme um mich. Sein Kopf ruhte auf meinem Bauch, sodass ich ihm vorsichtig durch die Haare streichen konnte.
„Das war grausam, mi sol. Edward tat mir so leid.“ seine Stimme versagte dabei, was ich ihm nicht verübeln konnte.
„Mir tat er auch leid. Ich danke dir, dass du hinterher gesprungen bist, mi amor! Ich bin aber immer noch völlig durcheinander, weil… meine Wunde am Bauch nicht existiert, die Götter aber noch alle da sind. Die Mannschaft scheint auch kein Problem damit zu haben. Haytham, was ist hier los auf einmal?“ die Worte sprudelten plötzlich aus mir heraus, weil mein Verstand erst jetzt wieder richtig begann zu arbeiten.
„Im Grunde hast du alles selber miterlebt, aber es gab wieder diesen einen Moment, in welchem du auf einen der Männer von Hrymr losgegangen bist. Du hast mit ihm gestritten, verstehen konnten wir es aber nicht genau. Du hast eine andere Sprache benutzt. Odin hat für mich immer mal übersetzt. Aber deine Wunde, von der du sprichst, war nie wirklich da. Dieser Mann vor dir hatte lediglich versucht mit einem kleinen Messer auf dich loszugehen! Die winzige Fleischwunde die er damit verursacht hat, ließ Edward mit Idun im Nu verheilen… Den Rest weißt du ja selber. Aber es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass wir jetzt wirklich diese Trugbilder auseinander halten können. Hrymr war außer sich, als er sah, dass er dich in seinem Geist nicht aufhalten konnte.“ plötzlich kicherte mein Mann. „Du hättest sein wütendes Gesicht sehen sollen, mi sol.“

 

Also war der Kampf zwar real gewesen, aber immer noch unterlegt von einzelnen imaginären Bildern.
„Er hatte mal wieder versucht, dich für seine Zwecke zu nutzen. Aber ich würde dich unter tausenden an deinem Lavendel-Geruch erkennen.“ hauchte ich, weil ich Haytham das schon einmal so gesagt hatte. Mir huschte dabei ein Grinsen über das Gesicht.
„Da bin ich ja froh, wenn du nicht noch tiefergehende Forschungen anstellen musst, um sicher zu gehen, dass ich es wirklich bin…“ mir kam ein tiefes Seufzen über die Lippen.
„Ich würde gerne diese Forschungen vorantreiben, aber lass uns das auf später verschieben.“ Wir mussten uns um unsere Kinder, die Mannschaft, die Götter und um die Schäden an meinem Schiff kümmern.
An diesem Abend feierten wir gemeinsam mit gutem Ale, Wein und Gesang diesen kleinen ersten Erfolg im Bezug auf die Jagd nach Hrymr.

 

In den nächsten Wochen verbrachte ich viel Zeit mit Florence und Edward. Mir war klar geworden, dass ich immer wieder unterschätzte, wer ihnen zur Seite stand.
Eines Abends, als ich meinen Sohn zu Bett brachte, fragte er, ob er wenn er groß ist, auch so stark wie Thor sein wird. Ob er auch nach Asgard kommt und so weiter.
„Das weiß ich nicht. Aber ich glaube, du wirst so kämpfen können. Außerdem hast du ja gesehen was du mithilfe von Mutter Idun und einem Artefakt erreichen kannst.“
Ich hatte ihn nach dem Ereignis gefragt, was er für Bilder gesehen hatte. In seiner noch recht kindlichen Art, schilderte er mir, dass er sich Walka im James River vorgestellt hatte, wie sie mit ihm im Wasser gespielt hatte.
Diese Erklärung fand ich sehr schön und vor allem beruhigend.

 

Florence hingegen hatte noch eine Weile mit dem Ganzen zu kämpfen, weswegen sie einige Nächte auch bei Haytham und mir schlief.
Hrymr hatte sich tatsächlich in ihren Geist eingeklinkt. Er hatte sie wissen lassen, dass er mich beiseite schafft, damit ich keinen Einfluss mehr nehmen könnte. Das alles konnte ich in ihrem Kopf sehen. Wie grausam kann man sein, einem kleinen Kind so etwas zu zeigen? Tief in mir wünschte ich mir den Tag herbei, diesen Widerling endlich zur Strecke bringen zu können!
Ab diesem Zeitpunkt seltsamerweise begann unsere Tochter noch eifriger zu sprechen, sie schien zu wissen, dass sie sich artikulieren können muss. Das klingt vermutlich völlig absurd, aber genau diesen Eindruck erweckte sie!

 

Ich bekam die Gelegenheit mit Brünhild zu sprechen, welche mir noch einmal versicherte, sie hätte Walka gebührend begleitet. Als sie jedoch sah, dass Edward diese Trauer plagte, hatte sie mit Mutter Idun diesen Plan geschmiedet. Für uns waren Minuten verstrichen, in ihrer Welt waren Tage vergangen, erklärte sie mir noch einmal.
Meine Dankbarkeit für diese Rückführung konnte ich kaum in Worte fassen, vor allem wenn ich Edward mit seiner Gefährtin spielend über das Deck rennen sah.

 

Ab jetzt würde es nur noch ungefähr zwei Wochen dauern, erklärte Mr. Hargreaves und hatte mir und Haytham auf der Karte gezeigt, wo wir gerade sind.
Mein Finger glitt den Weg darüber nach Hause… Ich mag es woanders zu sein, keine Frage. Aber ich liebte es auch, wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen. Das war schon immer so.
Mom, ach komm. Lass uns doch dieses Jahr endlich mal nach Italien fahren! Da gibt es auch Betten und das Essen magst du auch!“ Yannick hatte mich immer wieder versucht in einen Urlaub zu drücken. Weiter als in meine alte Heimat hatte ich es nie geschafft! Zumindest im Privaten, die Reisen nach Korsika und Russland waren etwas anderes. Das reichte mir und meinem Wohlbefinden.

 

Was vor allem nach dem Kampf mit der Naglfar noch wichtig war, war die Mannschaft einzunorden. In Zukunft könnte uns das bestimmt noch einmal passieren. Also erteilte mir der Göttervater die Erlaubnis, die Männer einzuweisen. Es brauchte sage und schreibe eine Woche um sie alle aufzuklären, ihnen die Mythologie, meinen Glauben und so weiter, näher zu bringen.
„Mistress Kenway, aber dann brauchen wir uns ja nie wieder Sorgen machen. Die Götter beschützen euch und uns immer.“ eine logische Schlussfolgerung, welche aber in normalen Kriegssituationen so nicht stimmte.
Nach und nach begriffen die Männer aber, worauf es ankam, dass sie aber nicht damit hausieren gehen durften!
„Dabei wären das wunderbare Geschichten für Rupert! Mein Sohn liebt Abenteuererzählungen über alles.“ Welcher Junge tat das nicht?

 

In den ganzen Monaten hatte ich Magdas und Michaels Sohn bewundert, er war seefest, außerdem begann er zu sprechen. Er war ein kleiner Sonnenschein, man bemerkte ihn kaum. Leider ging das alles in dem ganzen Tumult unter und auch dort plagte mich hin und wieder mein schlechtes Gewissen.

 

Seit dem Vorfall mit Hrymr hatte sich Walka verändert, sie war zwar immer noch dicht an Edwards Seite, aber etwas in ihren Augen war anders.
„Mama, ich glaube sie hat auch ganz viel gelernt, als ich sie aus dem Wasser geholt habe.“ flüsterte mein Sohn mir eines Abends ans Ohr, so als dürfte seine Gefährtin es nicht hören.
„Siehst du! Dann lernt ihr gemeinsam, min lille skat!“ ich sprach ebenfalls ganz leise.

 

Dann endlich am 20. September sah ich unsere Anlegestelle, welche in der untergehenden Sonne lag.
„ENDLICH!“ rief ich über die Schulter meinem Mann zu, welcher mit den Kindern auf einer der Truhen saß und ihnen vorlas.
Kurz nach unserem Anlegen, rannte Edward von Bord, weil er Gilbert und Jessy schon gesehen hatte. Die Jungen begrüßten sich stürmisch und schon wurden unserem Sohn die tollsten Neuigkeiten erzählt.
Auch ich war dankbar, wieder an Land zu können, auch wenn wir dieses mal von bösen Unwettern verschont geblieben waren.
Die Wiedersehensfreude war wieder einmal Herz zerreißend. Jeder lag gefühlt jedem im Arm, begrüßte seine Freunde, Familie und so weiter.

 

Ich hingegen überwachte noch kurz das Entladen, dann setzte ich mich ebenfalls in die Kutsche, welche uns in unser Heim bringen sollte.
Wie immer, als ich die Eingangshalle betrat, schnippte ich die Schuhe von den Füßen und genoss diesen harten Dielenboden unter mir.
Florence stand neben mir, wankte aber immer noch gefährlich hin und her.
„Mama…“ jammerte sie plötzlich und erbrach sich auf dem Teppich. Da war die Seekrankheit mal umgekehrt. Tabea hatte aber schon eines der Mädchen angewiesen, die Sauerei wegzumachen.
Für später hatte ich ein Bad in Auftrag gegeben, welches wir ALLE dringend brauchten. Edwards Haare standen in alle Himmelsrichtungen, da half auch keine Bürste mehr. Bei Florence sah es nicht viel anders aus.

 

Aber fürs erste, weil es erst später Nachmittag war, machten wir uns alle auf zu den Pferden. Besonders unser Sohn wollte Darius sehen! Da fiel mir auch wieder ein, dass ich in den nächsten Tagen ein Schreiben an Master Gillehand verfassen sollte. Florence sollte ja auch ein eigenes Pferd bekommen.
Zur großen Erleichterung aller, waren alle Pferde gesund und wohlauf!
Mr. Mackenzie besprach sich kurz mit Haytham, wegen der bevorstehenden Wintervorräte und einer eventuellen Erweiterung des Stalls, da im Zuge der Vergrößerung der Felder auch einige Arbeitstiere dazukämen im kommenden Jahr.
Ich hingegen hatte Florence auf dem Arm, damit sie Brida und Fenrir ausreichend streicheln konnte.
„Mama, ich auch … ich auch…“ hibbelte sie herum.
„Min lille engel, wir werden Master Gillehand einen Besuch in den nächsten Wochen abstatten und mal schauen, vielleicht bekommst du dann auch ein eigenes Pferd.“ lächelte ich sie an.

 

Ihre kleine Katze hatten wir in einem vergitterten Körbchen im Haus gelassen, damit sich das Tier langsam an die neue Umgebung gewöhnen konnte. Auch dort würde Florence jetzt lernen, Verantwortung zu übernehmen. Im Grunde ging ich davon aus, dass Mina aber keine reine Hauskatze werden wird, weil wir gar nicht die Möglichkeit hatten, immer darauf zu achten, dass sie wieder zurück kam. Ich malte mir schon aus, dass meine Tochter des öfteren in Zukunft mit dicken Tränen da sitzen würde.

 

Nachdem die Tiere ausgiebig inspiziert worden waren, mein Mann alles besprochen hatte, war auch schon das Abendessen fertig. Ich freute mich riesig auf ein gutes Essen, ohne aufpassen zu müssen, dass der Teller nicht vom Tisch rutscht.
Jetzt saß auch unsere Tochter in ihrem eigenen Hochstuhl, wohingegen Edward eine kleine Erhöhung für seinen normalen Stuhl bekommen hatte. Sybill und Sophia hatten bereits für die beiden alles ausgepackt, so konnten sie sich nun um ihre Schützlinge kümmern.
Ich freute mich schon auf das Bad im Anschluss.

 

Leider kam es anders, weil der Alltag uns sofort wieder eingeholt hatte.
Mr. Robinson und zwei Vorarbeiter waren erschienen und baten um ein Gespräch, es sei dringend.
Wir gingen in Haythams Arbeitszimmer, wo noch nicht einmal alles wieder verstaut war. Die Kinder wurden unterdessen ohne uns gebadet.
„Es ist mir etwas unangenehm, euch gleich bei eurer Ankunft so zu überrennen. Aber die Neuigkeiten dulden keinen Aufschub.“ Der Aufseher begann von einigen Banditen, Dieben und anderem Gesindel zu berichten, welches sich mal wieder hier herumtrieb. Dieses mal jedoch waren sie hartnäckiger und nicht so leicht zu vertreiben gewesen! Immer wieder fand man die Überreste von kleinen Camps oder Lagern in unmittelbarer Nähe der Plantage.
Nicht nur wir waren betroffen, auch die anderen Nachbarn.
Besonders schlimm hatte es die Donovan-Plantage erwischt, wo sich im Mai ein Großbrand ereignet hatte. Dabei waren 5 Männer beim Versuch zu Löschen ums Leben gekommen. Das Herrenhaus war Odin sei Dank nicht betroffen, aber der Nutzvieh-Stall und 6 große Felder, wo Mais und Baumwolle angepflanzt wurde. Leider war nichts für die Ernte zu retten gewesen, weswegen wir dort einige Einbußen haben würden.
Verantwortlich für diesen Brand waren, laut des einen Vorarbeiters, diese Vandalen!

 

„Sie kommen aus dem Hinterland! Sind alle dumm wie ein Weizenkorn! Nicht einmal deutlich sprechen können sie!“ fluchte er lautstark, als er von einer Begegnung mit ihnen sprach. „Es wäre gut, wenn wir sie endlich vertreiben könnten. Aber das wird immer schwieriger!“ Diese Meute schien nicht kleiner zu werden, im Gegenteil! „Einer verschwindet, dafür tauchen gefühlt 2 neue auf!“
Wir würden uns also damit in den nächsten Wochen beschäftigen müssen. Auch die Nachbarn wussten schon Bescheid und hatten sich entsprechend vorbereitet!
Morgen werde ich dann auch eine Nachricht an die Williams-Plantage schicken. Wir sollten mitteilen, dass wir wieder im Lande waren. Insgeheim hoffte ich, dass auch Faith wieder daheim sei.

 

Nachdem Haytham mit den Herren das weitere Vorgehen besprochen hatte, entließen wir sie für den Abend. So langsam wurde ich nämlich müde. Außerdem wollte ich auch noch baden. Wenn möglich nicht alleine!
Auf dem Weg in den Keller hörte ich bereits freudiges Lachen von Edward und Florence. Beide waren noch am Planschen, die Haare sahen aber schon mal wieder ordentlich aus.
Als sie mich sahen, kam gleich ein „Kommst du auch mit rein, Mama!“ vom kleinen Kenway.
„Nein, ihr müsst jetzt aus dem Wasser raus. Ihr seid schon ganz schrumpelig.“ kicherte ich, nachdem mir Florence ihre Hände entgegen gestreckt hatte.
„Na guuuuut…“ da war jemand nicht so ganz mit meinem Vorschlag einverstanden.
Gemeinsam mit Sybill und Sophia machte ich meine Kinder bettfertig.
Gerade als ich auf der Treppe mit ihnen war, kam Haytham aus dem Schlafzimmer im Morgenrock.
„Ahhh, wie ich sehe, kann man euch wiedererkennen!“ Florence und Edward bekamen beide noch einen Kuss, ehe mein Mann nach unten verschwand.
„Willst du mit Papa baden?“ fragte unsere Tochter mit zitternden Lippen, weil sie nicht mehr ins Wasser durfte.
„Ja, auch ich muss doch sauber sein, min lille engel.“

 

Das erste Mal ins Bett bringen daheim ist immer etwas schwierig.
Aber ich wäre ja nicht weit weg, versicherte ich ihnen noch eindringlich. Dann endlich konnte auch ich mich im warmen Wasser entspannen. Es war eine echte Wohltat, wie mir Haytham ebenfalls bestätigte.
„Bei Gott, ich habe diese Annehmlichkeit vermisst.“ stöhnte er, als er sich langsam ins Wasser gleiten ließ, mich aber dabei mit sich zog.
„Hmmmmmmmmm…“ mehr kam nicht über meine Lippen. Mit dem Rücken lehnte ich mich an seine Brust. Wir genossen diese Wärme, die Nähe des anderen. Kurzum, diese Ruhe breitete sich aus.
Schnell bemerkte ich aber, dass meinem Mann nicht unbedingt der Sinn NUR nach Ruhe stand. Ich hatte seine Hände, seinen Körper ebenso vermisst und so holten wir einige Wochen Abstinenz innerhalb von wenigen Minuten nach!

 

Außer Atem und leicht verschwitzt trotz des Wasser, saß ich wenig später auf seinem Schoß. In seinen Augen lag diese wundervolle Befriedigung, die sich auch auf seinem Gesicht widerspiegelte.
„Ich habe dich vermisst.“ flüsterte er leise in meine wirren Haare. „Hoffentlich muss ich in absehbarer Zeit nicht schon wieder so lange warten…“ dabei glitten seine Hände über meinen Rücken hinunter zu meinem Po und blieben dort massierend liegen.
„Ich hege dieselbe Hoffnung, mi amor. Aber wir haben ja jetzt noch ein wenig Zeit und Gelegenheit…“ mit seinen Lippen versiegelte er meinen Mund, während er mich langsam von sich herunterhob.
„Die haben wir, mi sol…“ vorsichtig drehte er mich mit dem Rücken zu sich, gleichzeitig schob er mich an den Rand, so dass ich mich darauf abstützen konnte. „Gib mir deine Hände…“ mit einem festen Griff hielt er sie auf meinem Rücken.
In meinem Kopf bekam ich wieder meinen geliebten Templer, seine Befehle und Wünsche…

Kapitel 4

~~~ Darf ich endlich lernen? ~~~

 

Im Anschluss saßen wir einen Moment hinten auf der Terrasse, weil die Temperaturen noch recht angenehm waren.
Wirklich zur Ruhe kam ich aber nicht, weil mir diese Banditen einfach nicht aus dem Kopf wollten. Immer wieder lauschte ich auf verdächtige Geräusche im Garten.
„Alex, bitte! Unsere Wachen würden sofort Alarm schlagen, wenn sich hier Gesindel rumtreiben würde!“ versuchte Haytham mich zu beruhigen.
„Trotzdem! Ich kann nicht anders…“ nuschelte ich nörgelig, weil es mir ja selber auf die Nerven ging im Grunde.

 

In der Nacht hörte ich dann leises Tapsen auf der Galerie vor unserer Tür, welche vorsichtig geöffnet wurde.
„Mama…“ flüsterte Edward. „Bist du wach? Ich kann nicht schlafen.“
„Dann komm her, min lille skat.“ sprach ich ebenso leise, Haytham hatte es aber bereits mitbekommen.
„Junger Mann, du hast ein eigenes…“ unser Sohn unterbrach ihn entschuldigend.
„Vater, es ist aber so still. Da höre ich immer was ich denke. Das ist unheimlich…“ damit kuschelte er sich direkt an die Seite von Haytham.
„Aber nur heute Nacht.“ mein Mann versuchte etwas streng zu klingen, was ihm gründlich misslang, weil er herzhaft dabei gähnen musste.
Walka blieb vor unserem Bett auf dem Boden zusammen gerollt liegen.
Kurz darauf waren wir alle wieder eingeschlafen.

 

Der Morgen begann mit einer, mal wieder, sehr aufgeregten Mrs. Wallace, welche erneut dachte, dass ihr Schützling verschwunden war.
„Edward! Geh schnell und sag Sybill, dass du bei uns geschlafen hast.“ grinste ich, neben mir musste sich mein Templer auch ein leises Lachen verkneifen.
„Vielleicht sollte er immer eine Botschaft für sie hinterlassen…“ das ist ein hervorragender Vorschlag, leider konnte unser Sohn aber vorerst nur seinen Namen, Mama und Papa schreiben.
Die Schule! Ich musste mit den Eheleuten Hathaway darüber sprechen, ob es wirklich schon sinnvoll war, Edward bereits jetzt zu unterrichten.

 

Florence erzählte während des gesamten Frühstücks munter vor sich hin. In einem Kauderwelsch, welches wir alle nicht so ganz verstanden! Ab und an konnte ich ein Wort verstehen, oder mir etwas zusammenreimen.
„Flo, red ordentlich! So versteh ich dich nicht!“ ihr Bruder klang ziemlich genervt, vermutlich weil auch er sich versuchte darauf zu konzentrieren.
Ein tiefes Seufzen meiner Tochter zeugte von ihrem eigenen Frust, dass man sie nicht verstand. Prompt begann sie zu weinen.
„Papa! ARM!“ jammerte sie mit einem Mal. Natürlich tat Haytham ihr den Gefallen.
„Was gibt es denn so wichtiges, was du uns schon beim Frühstück erzählen willst?“ fragend sah er sie an.
Es kam aber wieder nur ein Durcheinander an Sprachen und Wörtern aus ihr heraus.

 

Meine Liste für heute sah vor, dass ich ein Schreiben an Mr. Gillehand verfasste, wo ich mich und die Kinder für einen Besuch anmeldete. Haytham hatte mir schon mitgeteilt, dass er leider nicht mitkommen würde. Er müsse sich hier mit den widrigen Umständen der Überfälle und einiger Ernteproblematiken befassen. Wie schon erwähnt, von der anderen Plantage fehlten einige Einnahmen leider.
Anfang Oktober würde sich anbieten für den kleinen Ausflug. Wir würden auch nur wenige Tage dort bleiben vermutete ich.
Eine weitere Nachricht ging an die Williams-Plantage, immer noch hatte ich die Hoffnung, dass Faith bereits wieder oder besser NOCH hier war. Da war man sich ja nie ganz sicher.

 

Damit kam ich dann zu meinem wichtigsten Punkt auf der gesamten Liste, den ich im Grunde immer nur wieder aufgeschoben hatte. Entweder weil es die Zeit nicht zuließ oder andere Dinge, wie Schwangerschaften mich daran hinderten!
Das Zusammentreffen mit Achilles Davenport!
Wenn ich mich nicht beeilte, dann würde Connor vermutlich schon bei ihm sein. Das wollte ich unter allen Umständen vermeiden! Es musste erst einiges im Vorfeld geklärt sein.
„Alex, ich weiß nicht, ob du dort alleine hinreisen solltest. Vielleicht besprichst du dich noch einmal mit Shay. Er kennt diesen Mann besser!“ Haytham war es immer noch nicht wirklich recht, dass ich den alten Mentor seines besten Freundes traf.
„Ich weiß aber nicht, was das bringen sollte. Ich habe genug über ihn erfahren, dass ich sagen kann, er wird mich nicht gleich erschießen, wenn ich deinen Namen erwähne.“ in diesem Moment dachte ich wirklich darüber nach, wie dieser Herr reagieren könnte, wenn er erfuhr, dass ich mit dem Mann verheiratet war, der für seine Verwundung verantwortlich war.
„Seien wir ehrlich, er wird nicht gut zu sprechen sein auf mich.“ Nein, mein Mann hatte sich mit seiner Aktion keinen Gefallen getan. Im Grunde können wir von Glück reden, dass Shay ihn in seinem Vorhaben, Achilles zu töten, unterbrochen hatte. Dennoch! Achilles wird sicherlich immer noch humpeln und Schmerzen haben.
„Die habe ich auch immer noch von Lucios Schwertattacke.“ fauchte er mich an. Daran hatte ich gerade gar nicht mehr gedacht.
„Das glaube ich dir…“ flüsterte ich etwas verlegen.

 

Da ich aber einige Wochen unterwegs sein würde, plante ich für die Reise zu Master Davenport erst den kommenden Februar ein. Ich würde mich mit Fenrir alleine und einer Wache auf den Weg machen.
So verging der Vormittag mit Schreibarbeit und ohne größere Vorkommnisse.
Mr. Hargreaves war noch erschienen um die Gelder für die Mannschaft in Empfang zu nehmen. Außerdem berichtete er mir von den Reparaturen an meiner Brig, die jetzt anfingen.
Mindestens 4 Wochen müsste ich auf die Jackdaw verzichten. Ein wenig besorgt war ich schon, was ist, wenn wir dringend irgendwohin mussten? Aber ändern konnte ich es leider nicht.

 

Außerdem bat ich die Eheleute Hathaway um ein Gespräch am Nachmittag. Gerade wären sie vermutlich noch beschäftigt in der Schule. Ich nahm mir vor, dass auch Edward dabei sein sollte, damit sich die Lehrer ein Bild von ihm machen konnten.
Trotzdem wäre es noch recht früh, er wurde in zwei Monaten erst 5. Ich selber wurde mit 6 Jahren eingeschult, machte das aber einen so großen Unterschied, wenn die Lernbereitschaft doch da ist? Bis Januar wollte ich mir selber noch Bedenkzeit einräumen.
Mit diesem Gedanken ging ich hinunter zu Haytham.
„Bist du damit einverstanden, wenn wir Edward im Januar in die Schule schicken?“ ich lehnte hinter ihm mit den Armen um ihn geschlungen. Ich sah, er überarbeitete gerade das Geschäftsbuch für die ehemalige Donovan-Plantage.
„Hm, ehrlich gesagt, habe ich noch gar nicht über einen Zeitpunkt nachgedacht.“ grübelte mein Templer leise vor sich hin. „Aber er würde gerne mit den anderen Kindern zusammen sein. Wann werden die Hathaways hier erscheinen?“
Ich hatte 16 Uhr vorgeschlagen, eine gute Zeit wie ich fand.

 

Das Mittagessen war recht anstrengend, weil, wie ich schon befürchtet hatte, Mina einfach auf und davon war, kaum dass Florence sie aus ihrem Körbchen gelassen hatte.
Meine Tochter weinte ununterbrochen, wollte nicht essen, geschweige denn trinken. Immer wieder machte sie Anstalten aufzustehen, aber Sophia hielt sie mit mir zusammen auf.
„Min lille engel, deine Katze kommt sicher wieder. Sie will ihr neues Zuhause auch einmal erkunden.“ erklärte ich auch für mich als Beruhigung. Vermutlich würden Tage vergehen, bis wir das kleine Knäuel wiedersehen würden.
„Chat … wieder ... hier … haben …“ zwischen den Worten schluchzte sie unentwegt. Dazu kam auch der französische Ausdruck für Katze, was ich interessant fand, dass Florence das behalten hatte.
„Mein Engel, sie kommt sicher wieder. Was meinst du? Wollen wir nachher einmal nach ihr suchen?“ fragte Haytham, was ihr ein breites Lächeln entlockte.
„Ja …“ jubelte unsere Tochter und klatschte dabei in die Hände.
„Ich kann auch mitkommen. Ich finde Mina ganz bestimmt. Vater hat gesagt, dass ich meinen Adlersinn noch üben muss.“
Leider musste ich allen dreien jetzt den Wind aus den Segeln nehmen, weil wir noch den Termin mit den Lehrern hatten.
„Mi sol, ich glaube, das bekommst du mit Edward auch ganz alleine geregelt.“ mein Gatte sah mich auffordernd an, dem zuzustimmen. Er konnte seiner Tochter kaum einen Wunsch abschlagen, dafür verzichtete er sogar auf das Recht des Familienoberhauptes, wie es schien.
„Na gut. Edward, du kannst ja dann später deiner Schwester beim Suchen helfen. Aber erst werden wir mit Mr. und Mrs. Hathaway über einen Schulbesuch für dich sprechen!“ ich brauchte nichts weiter sagen, er war sofort Feuer und Flamme!
„Ich darf endlich mit Gilbert und Jessy lernen?“ nun war auch er glücklich, Odin sei Dank.

 

Die nächsten Stunden machte mich Edward wahnsinnig! Alle Nase lang fragte er, wann die beiden endlich erscheinen, ob es noch lange dauert und so weiter! Er saß keine Sekunde wirklich still, was auch Walka nervös werden ließ. Sie tigerte genauso unruhig herum. Kurzerhand scheuchte ich die beiden nach draußen. Die Sonne schien, da sollten sie sich ruhig austoben.
Ich hingegen setzte mich auf die Terrasse mit einem Buch und einer Tasse Kaffee.
„Mi sol, Edward ist ja nicht aufzuhalten!“ kicherte Haytham hinter mir, als er im Garten seinen herum rennenden Sohn beobachtete.
„Ich hätte erst etwas sagen sollen, wenn die Hathaways hier angekommen wären.“ aber ich musste auch grinsen.

 

Dann endlich wurden uns die beiden angekündigt, während Florence sich mit ihrem Vater auf machte, Mina zu suchen.
„Mistress Kenway, es ist schön euch wiederzusehen. Wie ist es euch in Europa ergangen?“ bewusst ließ Mr. Hathaway das Thema Schulbesuch noch ruhen, weil er gesehen hatte, dass Edward aufgeregt neben mir saß.
Ich spielte mit und berichtete ein wenig von den Vorkommnissen in London oder auch in Frankreich.
„Mama, nun sag schon, dass ich zur Schule soll.“ flüsterte klein Kenway in mein Ohr.
„Master Edward! Aber seid ihr nicht zu jung dafür?“ lächelte die Lehrerin ihn an.
„Nein, ganz bestimmt nicht…“ mit einem Satz war mein Sohn aufgesprungen und im Haus verschwunden! Ich wollte ihn gerade entschuldigen, weil ich dachte er sei wütend wegen dieser Frage. Aber weit gefehlt!
Mit einem Zettel und einem Kohlestift in der Hand erschien er wieder auf der Terrasse. Beides legte er vorsichtig auf den Tisch, setzte sich und begann seinen Namen zu schreiben, ebenso Mama, Papa mit der englischen Bezeichnung zusätzlich. Stolz reichte er nun den Eheleuten sein Werk.
„Ich kann schon ganz toll schreiben!“ mit stolzgeschwellter Brust stand er da.
„Das sehe ich, Master Edward! Ihr habt fleißig geübt wie ich sehe. Könnt ihr denn auch schon rechnen?“ fragte Mr. Hathaway jetzt leise.
„Ähm…“ mein Sohn sah mich verzweifelt an, weil er zwar ein bisschen addieren konnte, traute sich aber anscheinend nicht, es zu sagen. Aufmunternd nickte ich ihm zu, er solle es ruhig zeigen. „Ich… ich weiß was 1 plus 1 ist und auch 5 plus 6.“
„Hervorragend! Wirklich! Wie sieht es mit dem Lesen aus? Euer Vater berichtete, dass ihr auch das fleißig geübt habt.“ Wann bitte hatte Haytham mit ihnen darüber gesprochen? Wir waren doch gerade erst wieder hier.

 

Er reichte meinem Sohn ein kleines Büchlein, schlug es auf und deutete auf eine Zeile. Ich sah, dass es eine Lesefibel war.
Angestrengt stand Edward davor, fuhr mit seinen kleinen Fingern die Buchstaben entlang, öffnete immer wieder den Mund. Aber es hatte den Anschein, als traute er sich nicht, weil er Angst hatte Fehler zu machen.
„Nur zu, Master Edward. Wörter beißen nicht.“ lächelte Mrs. Hathaway ihn aufmunternd an.
Stotternd begann er „Ddder … Hhhhund … be… bbbbe… bellt!“ mit hochroten Wangen sah er zu uns auf.
„Hervorragend, Master Edward!“ der Lehrer wuschelte ihm durch die Haare. Stolz sah mich mein Sohn an.
„Kann ich jetzt wieder spielen gehen?“ mehr Konzentration konnte er also noch nicht aufbringen, was mir zeigte, wir sollten wirklich noch bis mindestens Januar mit dem Schulbesuch warten. Außerdem gefiel mir das Stottern nicht. Entweder lag es an der Aufregung oder er hatte wirklich ein Sprachproblem.
Wir entließen ihn alle. Fröhlich vor sich hin jubelnd rannte Edward jetzt nach vorne um seinem Vater und seiner Schwester beim Suchen der kleinen Mina zu helfen!

 

„Euer Sohn ist wirklich schon sehr weit für sein Alter. Wann ist sein Vater in die Schule gekommen?“ fragte mich unser Prediger.
„Mein Mann wurde daheim unterrichtet, er hatte Hauslehrer. Schon recht früh, weil sein Vater darauf drängte, ihm die bestmögliche Ausbildung angedeihen zu lassen.“ ob das so wirklich richtig war, entzieht sich ein wenig meiner Kenntnis, aber ich schätzte meinen Piraten genauso ein.
„Man merkt, das Master Edward wissbegierig ist. Jedoch sollte er noch ein wenig warten. Aber ich sehe es euch an, dass auch ihr noch eine gewisse Bedenkzeit braucht.“
Wir kamen also überein, dass wir im Januar noch einmal ein eingehenderes Gespräch führen werden.
Damit verabschiedeten sich die beiden Eheleute mit den Worten, sie würden sich freuen, uns morgen wieder bei der Andacht begrüßen zu dürfen. Es war schon wieder Sonntag morgen? Natürlich würden wir erscheinen, versicherte ich ihnen.
Für einen Moment saß ich anschließend alleine auf der Terrasse, sah auf den Zettel von Edward und dachte über seine ersten Leseversuche gerade nach. Vielleicht machte ich mir auch zu viele Gedanken und es war lediglich die Aufregung gewesen.

Kapitel 5

~~~ Brynjolf hält Einzug ~~~

 

Es dauerte nicht lange und ich hörte lautes Weinen aus dem Wintergarten, welches in meine Richtung kam.
Florence hing an Haythams Schulter, welcher ihr beruhigend zusprach. An mich gewandt schüttelte er nur den Kopf.
Wir haben sie noch nicht gefunden. Sprach er im Geiste, weil er sah, dass ich befürchtete, Mina sei tot.
„Wir können ja Tante Faith nach ihren Mäusen fragen, die können wir dann hier für die Katze verteilen…“ natürlich dachte Edward praktisch, weil er vermutlich auch nicht gerne sah, wenn seine kleine Schwester weinte.
„Glaub mir, min lille skat. Mäuse gibt es hier genug. Vergiss auch nicht, dass Athene immer mal ein Häppchen braucht.“ ich gab ihm einen Kuss auf den Kopf, als ich mich erhob um Florence auf den Arm zu nehmen. „Und du, min lille engel? Sei nicht traurig, deine Mina kommt bestimmt wieder. Aber Katzen gehören nach draußen, sie mögen es nicht, in einem Haus eingesperrt zu sein.“ im Hinterkopf gingen mir aber unsere Wohnungskatzen im 21. Jahrhundert durch den Kopf, welche das Jagen völlig verlernt hatten.
„Ja, Mina … kommt… zu… mir?“ die kleine Maus konnte sich kaum beruhigen. Eine Garantie konnte ich ihr zwar nicht geben, aber ich versicherte noch einmal, dass die kleine Mina sie ja auch ganz doll vermissen wird.

 

Unsere Nacht war entsprechend unruhig, weil Florence der Meinung war, sie müsse vor der Haustür ihr Nachtlager aufschlagen um ihre Katze gleich hineinzulassen, sollte sie in der Nacht wieder kommen.
Edward erklärte sich kurzerhand bereit, mit ihr dort zu bleiben. „Einer muss ja Acht geben, dass du nicht frierst.“ Er schlang ihre Bettdecken um sich und seine Schwester, während sie auf dem kleinen Sofa neben der Tür zusammen kuschelten. Ein wirklich wunderschöner Anblick.
Sybill und Sophia nächtigten in ihrer Nähe im Salon, während sich eine Wache auf einen Stuhl neben die beiden setzte. Damit war ich beruhigter, gab meinen Kindern noch ihre Gute-Nacht-Küsse und sie bekamen ein gemeinsames Lied.

 

Im Schlafzimmer erwartete mich ein grinsender Ehemann. „Mi sol, Edward entwickelt sich zu einem Gentleman.“
„Du hast ihm ja auch bereits einige Lektionen diesbezüglich erteilt in Frankreich! Also sei stolz, dass deine Erziehung anscheinend auf fruchtbaren Boden stößt.“ Dieser kleine Kenway lernte wirklich wie man sich benehmen musste. Vermutlich hatte er auch Angst, dass Walka wieder weggesperrt wurde, wenn er etwas falsch machte.
„Da fällt mir ein, auch DIR könnten einige Lektionen nicht schaden, mi sol. Komm her.“ raunte er leise in meine Richtung, während sich seine Augen wieder verdunkelten.
„Dabei habe ich mich so arg zusammen gerissen, mi amor.“ flüsterte ich an seinen Lippen, als ich auf seinen Schoß geklettert war.
„Das reicht bei weitem nicht…“ wir verloren uns in diesem Rausch wieder, welcher sich in meinen ganzen Zellen auszubreiten schien.

 

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf zum Versammlungshaus zur Andacht.
Wir begrüßten nun die Bauern und Pächter, welche erleichtert waren, dass wir wieder heile hier angekommen waren. Vor allem Mildred war sichtlich froh, weil ihr Kleinster Edward schon vermisst hatte. Bartholomeus war etwas jünger als unser Sohn, aber sie verstanden sich recht gut.
Florence hingegen beäugte jeden kritisch und schüchtern, während sie sich auf Haythams Arm an seine Schulter schmiegte.
„Mistress Kenway, die beiden sind ja unglaublich gewachsen in dem Jahr! Miss Florence kommt ganz nach euch, diese Augen.“ ihr entwich ein Seufzen was von dem Wunsch zeugte, auch ein Mädchen zu bekommen.
„Von euren Jungs kann ich dasselbe sagen, Mildred. Sie helfen sicher tüchtig mit, so kräftig wie sie aussehen.“ dabei sah ich den beiden größeren Jungs hinterher, wie sie mit ein paar anderen Burschen dicht beieinander gedrängt standen. Ihren Blicken folgend, sah ich, dass sie sich eine kleine Mädchengruppe auserkoren hatten. Ich vergaß immer, dass hier andere Maßstäbe galten, weswegen die jungen Herren durchaus schon mal ein Auge auf eine junge Magd oder ähnliches warfen.
Bevor wir aber noch weiter ins Tratschen kommen konnten, wurde eine kleine Glocke geläutet. Sieh an, unser Schmied hatte sie im Juni fertiggestellt. Das freute mich, weil es jetzt wirklich mehr den Eindruck einer kleinen Kirche erweckte.

 

Nach der Andacht, während der sich mal wieder der gesamte Nachwuchs am Riemen riss, konnten wir wieder zurück. Aber erst nachdem Edward sich mit allen zum Spielen verabredet hatte. Leider hatten aber viele der Kinder erst am Nachmittag Zeit, wegen der Schule.
„Das ist unfair!“ mit verschränkten Armen vor der Brust, saß Edward in der Kutsche. „Und was soll ich die ganze Zeit machen?“
„Ich glaube, ich werde mir ab jetzt wohl ab und an die Zeit nehmen, dir ein wenig den Schwertkampf näher zu bringen, Edward.“ dieses Lächeln von Haytham war so voller Stolz und Liebe zu seinem Sohn, dass dieser über beide Ohren strahlte.
„Au ja, Vater! Ich verspreche auch, ganz doll aufzupassen.“ Vermutlich würde er heute Nacht deswegen vor Aufregung nicht schlafen können, grinste ich jetzt meinerseits in mich hinein.

 

Am Nachmittag erhielt ich von meiner Schwester die ersehnte Nachricht, dass sie sich freuen würde, wenn ich sie besuchen komme. Ihr fiele die Decke auf den Kopf, weil sie nicht 5 Minuten allein gelassen wurde. Seit ihrer Schwangerschaft und weil sie „den Erben“ in sich trug, ließ man sie nicht aus den Augen. Oh wie gut ich sie da verstand. Da fühlte man sich regelrecht wie eingesperrt.
Ich versprach, dass ich sobald wie möglich vorbei kommen werde, um sie auf andere Gedanken zu bringen und vielleicht mal die Meute ein wenig auf Abstand zu halten. Beim Schreiben musste ich mir die ganze Zeit ein Kichern verkneifen, weil ich Shay schon vor mir sah, der darüber sicher nicht erfreut sein würde.
Mit ihm müsste ich aber auch während meines Besuches dann einmal über Achilles sprechen. Ich hatte mir nochmal Gedanken gemacht, vielleicht war es wirklich von Vorteil, wenn er mir noch ein wenig über diesen Mann erzählte.
Mit dem Boten schickte ich meinen Brief los.
„Du siehst aus, als würdest du am liebsten das Schriftstück selber vorbei bringen wollen, mi sol.“ lachte Haytham neben mir, als er sah, wie ich dem Reiter gedankenverloren nachsah.
„Ja, aber… ich muss zuerst mein Versprechen für Florence einlösen. Sie freut sich doch auf ein eigenes Pferd. Außerdem muss ich auch erst einmal hier wieder ankommen und alles auf Vordermann bringen.“ seufzte ich an seine Brust gelehnt.
„Wenn du Hilfe brauchst, dann sag Bescheid.“ flüsterte mein Templer in meine Haare, während er über meinen Rücken strich.

 

3. Oktober 1768

~~~ Gillehand-Plantage ~~~

 

Rory hatte mir freudig mitgeteilt, dass er sich über den Besuch freuen würde. Mittlerweile wäre seine Zucht schon in aller Munde und sein bester Hengst war oft das Hauptgesprächsthema bei einigen Empfängen und Bällen.

 

Edward war ebenso aufgeregt, als ich ihm erzählte, dass wir uns die Tiere bei dem Advokaten anschauen würden.
„Darf ich Florence dann das Reiten beibringen, Mama? Ich kann das schon…“ dabei sah er zu seiner Schwester, welche gerade eingeschlafen war, es war eigentlich Mittagsschlafzeit.
„Ja, aber Mr. Mackenzie wird ihr trotzdem auch dabei helfen. Außerdem muss er ja das Pferd an die neue Umgebung gewöhnen…“ bevor ich weiter sprechen konnte, fiel mir mein Sohn ins Wort.
„Aber ich kann doch einfach schon mal damit zurückreiten, dann ist mehr Platz hier…“ er deutete auf den beengten Raum der Kutsche.
„Nein, Edward! Zumal ich doch auch noch gar nicht weiß, wie alt denn das Pferd sein wird, welches deine Schwester bekommt.“ Manchmal war es nervend, wenn er so vorpreschte, auch wenn Edward es nur gut meinte.
„Ja, Mama!“ kam es zickig von ihm, während er sich wegdrehte und aus dem Fenster sah. Mehr als seufzen konnte ich nicht, ich wollte keinen Streit vom Zaun brechen.

 

Mr. Gillehand erwartete uns schon auf der Veranda, die malerisch in der Sonne lag. Heute war es für den Oktober noch sehr warm, was die Fahrt natürlich sehr angenehm gemacht hatte.
„Mistress Kenway, Master Edward, Miss Florence! Ich freue mich, euch hier begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, die Fahrt war angenehm?“ ich begrüßte den Herren, so auch meine Kinder, welche dann mit den Kindermädchen im Haus verschwanden.
Wir folgten ihnen, während mir Rory in kurzen Sätzen den neuesten Tratsch erzählte. Es war nichts Spektakuläres darunter, die üblichen Bettgeschichten, oder Neureiche, die sich übernommen hatten. Vor Gericht war er aufgestiegen und würde in Kürze tatsächlich in einen Richterposten erhoben werden.
„Das sind gute Neuigkeiten, Mr. Gillehand. Ich freue mich für euch!“ das tat ich wirklich.

 

Nach einer kleinen Stärkung gingen wir zu den Ställen, welche eine beachtliche Größe hatten. Man beherbergte mittlerweile 21 wunderschöne Pferde auf dieser Plantage. Der Advokat führte uns schnurstracks zu den ganz jungen Tieren, welche für den Verkauf vorgesehen waren.
Voller Stolz präsentierte er sie. 5 waren es an der Zahl, eines schöner als das andere. Florence war auf Rorys Arm und streichelte sich durch die Reihe.
„Ei...lieb…“ kam es jedes Mal leise kichernd von ihr.
„Miss Florence, welches mögt ihr am liebsten, oder habt ihr euch noch nicht entschieden?“ fragte er leise. Meine Tochter sah zu den Pferden, dann zu ihm. Kurzerhand zeigte sie auf ein niedliches braunes Tier, welches mir persönlich erst einmal gar nicht aufgefallen wäre. Es war völlig unscheinbar.
„Da habt ihr aber ein gute Wahl getroffen.“ hörte ich Rory leise sagen, als er mit ihr hinüber ging.

 

Also verbrachten wir hier eine ganze Weile, damit sich Florence näher mit ihrem Reittier beschäftigen konnte, während Edward ein Fachgespräch mit dem hiesigen Stallmeister führte.
Der war aber nicht gut zu sprechen auf Kinder, wie es schien und war sichtlich mürrisch.
„Das werdet ihr alles noch lernen, Master Edward. Das könnt ihr noch gar nicht wissen.“ so oder so ähnlich antwortete dieser Mann immer wieder, was aber meinen Sohn nicht davon abhielt, weiter zureden.

 

Nach einer unruhigen Nacht in einer ungewohnten Umgebung, verbrachten wir den Tag wieder mit den Pferden.
Edward und Walka tollten auf der Koppel herum, ab und an durfte er auch einmal „Probereiten“, was aber dem Stallmeister nicht gefiel, nur Rory hatte keine Probleme damit.
„Ich denke, der kleine Hengst wird bei euch in guten Händen sein, Miss Florence! Ich beglückwünsche euch zu diesem Kauf.“ er verneigte sich vor meiner Tochter.
Mit großen Augen sah sie ihn an, dann zu ihrem Tier. „Meins!“ hörte ich sie stolz sagen. Ihre kleine Hand fuhr langsam über das weiche Fell. „Mama, will hoch!“ dabei hampelte sie auf meinem Arm herum, also ließ ich sie auf dem Rücken kurz nieder. Noch war das Tier nicht alt genug zum Einreiten, ich hatte die Worte von Mackenzie nicht vergessen!

 

Wir beschlossen den Tag mit der Unterschrift des Kaufvertrages, gepaart mit einem Glas Champagner. Die Kinder bekamen selbst gepressten Apfelsaft mit ein paar Keksen dazu.
Dieser Abend war ausgesprochen entspannt und ich beriet mich mit Mr. Gillehand noch über die Banditen, die auch ihn nicht verschont hatten.
„Man hat eines Nachts eine meiner Vorratsscheunen in Brand gesteckt und einige Hühner geklaut. Bisher bin ich noch glimpflich dabei weggekommen wie es scheint, wenn ich so höre, was hier drumherum alles so passiert ist.“ ich sah ihm diese Erleichterung förmlich an.
„Ja, ich hoffe, dass es auch so bleibt, Mr. Gillehand.“ sprach ich über den Rand meines Glases, während ich in das Feuer des Kamins sah.
Am nächsten Morgen machte ich mich mit Florence und Edward wieder auf nach Hause. Wir würden erst am späten Nachmittag zurück sein.
Wiederholt versicherte mir Rory aber, dass er entsprechende Wachleute hätte und auch seine Arbeiter seien gut mit Waffen geschult worden.
Unseren Neuerwerb führte die Wache neben uns an einem Seil. Zuhause sollten wir uns Gedanken über einen Namen machen, fiel es mir ein. Darüber hatte ich nämlich nicht weiter nachgedacht.

 

Um die Zeit bis nach Hause zu verkürzen, erzählte ich Geschichten oder sang mit den Kindern.
„Klingt schön, Mama. Noch mal.“ flüsterte meine Tochter, als ich ein Lied über die Sternzeichen gesungen hatte. Damit hatte sie ein neues Lieblingslied, wie es schien.
„Flo, wie soll dein Pferd eigentlich heißen?“ kam es plötzlich von Edward, der bisher recht ruhig gewesen war.
Sie zuckte mit den Schultern, sah dann hilfesuchend zu ihrem Kindermädchen, dann zu mir.
In diesem Moment kam mir ein Name in den Sinn, welchen ich aus einem Videospiel noch gut in Erinnerung hatte. „Brynjolf!“ rief ich freudig und erntete einen mehr als erstaunten Ausdruck auf dem Gesicht meines Sohnes.
„Wer ist das denn, Mama?“ ich atmete tief ein und tief aus. Dann begann ich meinen Kinder von der wunderbaren Welt von „Elder Scrolls V – Skyrim“ zu berichten!

*** Kapitel 6 ***

 

5. Oktober 1768

 

(Ich greife in einer noch nicht veröffentlichten Geschichte vom Todesengel222 vor. Entsprechender Link kommt dann zu gegebener Zeit!)

 

Und so vergingen die nächsten Stunden recht zügig. Meine Kinder hatten mal wieder ein „Märchen“ gehört, was so fantastisch war, dass man es kaum glauben konnte. Vor allem fand Edward den Teil mit den Drachen besonders spannend!
„Die musste man auch mit einem Zauberspruch aufwecken? Wie groß waren die? Hatten die spitze Zähne?“ in einer Tour kamen solche Fragen, wohingegen Florence am liebsten die Geschichten um die Jarls hören wollte.

 

Daheim wurden wir von Haytham in Empfang genommen.
„Da seid ihr ja wieder. Wie ich sehe, hast du jetzt ein eigenes Pferd, mein Engel.“ mit Schwung hob er sie hoch, damit sie ihm ihr Tier zeigen konnte. Mr. Mackenzie war schon zur Stelle mit dem Stallburschen und den Helfern, um die Pferde abzuspannen und den Neuzugang zu begutachten.
„Ein stattlicher Hengst. 2 Jahre vermute ich?“ der Stallmeister rieb sich nachdenklich das Kinn, während er um ihn herum ging.
„Ja, vor einem Monat ist er 2 geworden.“ erklärte ich. Bevor ich aber den Namen kundgeben konnte, fragte mein Mann seine Tochter, ob sie sich schon entschieden hatte.
„Bimwolf!“ rief sie. Mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf sah mich Haytham an, ebenso stand der Stallmeister ratlos vor uns.
„Brynjolf, so heißt er.“ lachte ich, weil Bimwolf auch eine interessante Variante war.
„Ein seltsamer Name…“ beide Herren sahen sich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

 

Da ich aber jetzt schon eher wieder zurück war, konnte ich eigentlich auch in ein paar Tagen zu Faith aufbrechen, ging es mir durch den Kopf. Am nächsten Tag besprach ich das Ganze dann noch mit Haytham, welcher nicht ganz so damit einverstanden war, weil er nicht mitkommen könnte.
„Dann komm einfach für einen Tag mal dorthin. Die beiden freuen sich sicher, auch dich mal wieder zusehen, mi amor.“ flüsterte ich an ihn geschmiegt, nachdem ich meinem Mann intensiv davon überzeugt hatte, dorthin fahren zu müssen.
„Das ließe sich ja einrichten.“ nuschelte er leise an meiner Seite. „Aber vergiss mich nicht, mi sol.“ hauchte er an mein Ohr, während sich seine Finger auf Wanderschaft begaben.
„Wie könnte ich das, mi sol.“ stöhnte ich, als er mein Piercing leicht berührte.

 

Am 10. Oktober brach ich mit den Kindern, den Kindermädchen und 4 Wachen auf. Es klingt kindisch, aber ich freute mich wahnsinnig Faith wieder in die Arme nehmen zu können.
Nach knapp 6 Stunden Fahrt kamen wir auf der Plantage an, wo uns Shay in Empfang nahm.
„Alex, schön dich gesund und munter wieder hier zu haben. Du meine Güte, Edward! Wo willst du noch hin wachsen, du bist ja groß geworden!“ stolz stand mein Sohn vor dem Iren.
„Ich will mal so groß wie mein Vater werden, Onkel Shay! Dann kann ich auch auf Mama und Florence aufpassen.“ zu mehr kam er aber nicht, weil Cadan, Cillian und July um die Ecke rannten.
„Eddy!“ sie begrüßten sich alle stürmisch und schwups, war mein Sohn mitsamt seiner Schwester im Garten verschwunden. Sybill und Sophia knicksten Shay zu, eilten aber dann schnell hinterher.

 

„Im Grunde freue ich mich wirklich, dass du hier bist. Vielleicht kannst du meine Frau ja ein wenig in bessere Laune versetzen. Sie mault uns ständig an. Dabei meinen wir es doch nur gut…“ wenn ich jetzt sage, dass er jammerte, kommt es dem Ganzen sehr nahe. Natürlich tat er mir leid, aber ich konnte Faiths Laune nur zu gut verstehen.
„Vielleicht könntet ihr Faith auch einfach mal eine kleine Pause von eurer Anwesenheit gönnen? Sie beginnt bestimmt keinen Marathon oder zettelt einen Krieg an!“ ich klopfte Shay dabei aufmunternd auf die Schulter.
Im Salon saß eine Faith, die sich lautstark mit Imhotep über die Ruhe in der Schwangerschaft stritt!

 

„Mo rionnag! Ich glaube, ich hätte auch zuhause bleiben können. Dich hört man ja bis dorthin!“ lachend nahm ich sie in den Arm.
„Endlich jemand, der mich vielleicht auch mal versteht!“ fauchte sie beide Herren um uns an.
„Ich glaube schon.“ flüsterte ich. Dann besah ich sie mir erst einmal genauer. Sie war etwas blasser als sonst, aber sie hatte schon geschrieben, dass ihr oft übel sei. Dieses Kind verlangte ihr alles ab, wie es schien.
Irgendwann verließen Imhotep und Shay uns, sodass wir ein wenig alleine reden konnten. Kaum waren die beiden verschwunden, platzte es aus ihr heraus!
Sie ließ sich über alles und jeden aus, ließ im Grunde kein gutes Haar an irgendjemanden! Ihre Wut auf dieses Eingesperrtsein, dieser Frust nicht einmal alleine zum Abort gehen zu dürfen und so weiter, machten sie mürbe.
„Du meine Güte, haben sie schon eine Sänfte für dich gebaut, damit du nicht laufen musst, um zum Frühstück zu kommen?“ kicherte ich kopfschüttelnd.
„Das ist nicht witzig, Alex!“ jetzt war ich also ihr auserkorenes Ziel. Nun gut! Sollte sie sich weiter auskotzen!
Nach gefühlten Stunden ebbte ein wenig der Redefluss, die Wut und alles ab.

 

Beim Abendessen herrschte ein für mich wunderbar normales Chaos. Ich hatte die vielen Menschen am Tisch vermisst.
„Shay, wenn du vielleicht morgen ein wenig Zeit für mich hättest, würde ich dich gerne in Beschlag nehmen.“ fragte ich mit leider vollem Mund, aber das Essen war so köstlich!
Mit großen Augen sah er mich an. „Das klingt ernst. Ist etwas mit Haytham?“ Wie kam er denn darauf, DAS hätte ich wohl gleich erzählt, oder besser geschrieben!
„Nein, es geht um meine Reise zu Master Davenport!“ plapperte ich weiter.
„Aha, warum willst du zu ihm?“ immer noch sah er mich seltsam an.
„Weil… könnten wir das bitte unter vier Augen besprechen?“ ich sah die vielen neugierigen Kinderaugen, die vorerst davon noch keinen Wind bekommen sollten.
„Gut, ich habe morgen noch keine Termine.“ Dabei sah er mahnend zu seiner Frau. Bei Odin! Sie konnte auch mal fünf Minuten ohne seine wachsamen Augen zubringen!

 

Als dann etwas Ruhe eingekehrt war, nachdem alle Kinder im Bett waren, saßen wir im Salon und genossen für einen Moment diese Stille.
Leider fielen mir recht schnell die Augen zu, sogar bei meinen Erzählungen über die Reise in Deutschland, konnte ich ein Gähnen nicht mehr unterdrücken. Also verabschiedete ich mich.
„Gute Nacht, mo rionnag.“ als ich ihre warmen Lippen auf meinen spürte, hätte ich sie am liebsten ins nächstbeste Bett gezerrt, aber… das würden wir auf die Zeit NACH der Schwangerschaft verschieben. Auch ich wollte kein Risiko eingehen, außerdem war mir nicht nach dem Unmut von allen „Aufpassern“ hier ringsum, die sich schon warnend aufgerichtet hatten, als ich meiner Schwester etwas näher gekommen war.
„Keine Sorge, Gentleman. Meine Finger bleiben bei mir.“ kicherte ich und machte mich auf in mein Zimmer.
Dort sah ich noch nach Edward und Florence, welche beide friedlich in ihren Betten schliefen.

 

Als ich eintrat, richtete sich Walka auf. Sie sah mich, erkannte mich sofort und ich mag mich täuschen, aber sie machte einen erleichterten Eindruck. Dann legte sie sich wieder zusammengerollt ans Fußende von Edward.
„Gute Nacht ihr drei.“ flüsterte ich bevor ich mich fürs Bett fertig machte.
Dort lag ich dann… starrte auf den Betthimmel… und konnte nicht einschlafen. Verflixt nochmal! Ich dachte an die weiche Haut von Faith, ihre warmen Lippen, ihre filigranen Finger…
Mi sol!“ hörte ich eine warnende dunkle Stimme in meinem Kopf.
Entschuldige… ich… kann nichts dafür…“ gab ich verlegen zurück.
Lass dich fallen…“ dieser Ton in Haythams Stimme brachte meinen Unterleib zum Zittern.
Wir genossen diese Bilder des jeweils anderen in unseren Gedanken, wir ließen uns unendlich Zeit um im Einklang zu sein.
Ein erleichtertes „Jesus…“ von Haytham brachte auch mir die Erlösung, welche mir ein wohlig gestöhntes „Bei Odin…“ entlockte.
Ich liebe dich…“ das kam wie aus einem Mund.

 

Nach dem Frühstück wurde der gesamte Nachwuchs nach draußen gescheucht, um sich auszutoben. Edward hatte sein Übungsschwert dabei und einiges an Spielzeug. Florence hatte mit Sophia ebenso einiges eingepackt. Langeweile würde also hoffentlich nicht so schnell aufkommen.
Shay bat mich ins Arbeitszimmer, wo wir ungestört waren. Im Grunde wusste ich gar nicht, was genau ich mit ihm besprechen sollte. Also beschloss ich, mit der Tür ins Haus zu fallen!
„Ich sagte ja schon, dass ich zu Achilles reisen möchte. Möglichst noch bevor… Haythams Sohn dort ankommt…“ in diesem Moment war mir gar nicht klar, ob ich davon schon erzählt hatte. Ich fuhr einfach fort, weil der Mann vor mir auch nichts weiter dazu äußerte. Ich erklärte jetzt meine Beweggründe, dass ich Master Davenport ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen müsse, damit er Connor nicht in ein Meer aus Lügen und Zorn wirft.

 

„Er hat also wirklich bereits einen Sohn? Und dieser wird von Achilles ausgebildet? Zum Assassinen?“ ungläubig sah er mich an. „Bist du dir wirklich sicher? Der alte Mann ist kaum in der Lage gerade zu laufen, glaube mir! Wie soll er …“ er unterbrach sich selber. „Oh, es geht hier nicht nur ums Kämpfen, richtig? Aber das gehört ja auch dazu…“ es trat eine unangenehme Pause ein.
„Achilles wird einen unglaublichen Groll auf Haytham haben, welchen er auf diesen Jungen überträgt. Vielleicht kann ich ihn auch ein wenig besänftigen, wenn ich noch einmal darauf hinweise, dass DU das schlimmste verhindert hast…“ jetzt wo ich es ausgesprochen hörte, klang es wirklich völlig absurd. Das würde diesen Herren sicherlich nicht von seiner Meinung abbringen. Im Gegenteil! Verdammte Axt!

 

Shay erzählte mir über seine Ausbildung, das Training und so weiter bei Achilles. Leichte Zeiten waren es nicht und oft hatte er das Gefühl, nicht gut genug zu sein. An einigen Stellen tat er mir wirklich leid, weil Davenport immer ein leichtes Misstrauen ihm gegenüber hatte. Nur Liam stand eigentlich IMMER auf seiner Seite. Bei dem Namen sah ich diese Trauer in Shays Augen!
„Er hat mich nie im Stich gelassen. Wir haben einige Schlägereien gemeinsam erlebt…“ bei diesen Worten wanderte sein Blick in die Vergangenheit. Ich unterdrückte diesen Impuls ihm dorthin in Gedanken zu folgen, auch wenn ich immer noch nicht alles aus seinem Leben wusste! Nein! Die Zeit für Forschungen war vorbei!
Wir verblieben so, wenn ich noch Fragen haben, sollte ich einfach auf ihn zukommen.

 

Im Grunde war es wie ein kleiner Urlaub, den ich hier noch verbrachte.
Am nächsten Nachmittag erschien mein Mann plötzlich. Für einen Moment setzte mein Herz aus, weil ich schlechte Nachrichten befürchtete.
„Mi sol, ich hatte Sehnsucht nach meiner Familie…“ sein Kuss zusammen mit diesen Worten beruhigte mich postwendend.
Auch er wurde nun noch herzlich begrüßt.
Als ich Shay und Haytham neben Imhotep sah, begann ich erneut darüber zu grübeln, wo ich diesen Mann schon einmal gesehen hatte, wenn auch nicht in dieser stattlichen Größe. Aber… dieses Gesicht, diese dunkle Haut und vor allem die Augen! Es war doch zum Verrückt werden! Ich kam einfach nicht drauf!

 

Wir saßen noch nicht ganz auf der hinteren Terrasse in der noch warmen Nachmittagssonne, als plötzlich Florence aufsprang und hinter irgend etwas im Garten her rannte.
In meiner Panik, weil ich wieder ein Stinktier befürchtete, hechtete ich ihr förmlich nach.
„Florence! Bleib stehen! Was ist…“ zu mehr kam ich aber nicht, da lag sie schon im Dreck mit einem schmutzigen Fellknäuel im Arm.
„Mama… Mina ist daaaaaaaa…“ rief sie mit Tränen in den Augen.
Wir wuschelten ein wenig den Sand aus dem Fell und siehe da! Es war tatsächlich die eindeutige Zeichnung des Fells ihrer Katze.
Überglücklich knuddelte sie den kleinen Ausreißer, während July und die Jungs mit großen Augen dabei standen.
„Das ist deine Katze? Aber warum ist sie hier?“ fragte July neugierig.
„Die Kleine muss erst noch ihr neues Zuhause und die Gegend erkunden. Aber es ist doch schön, dass sie hierher gekommen ist.“ im Grunde war ich einfach nur erleichtert. Eine echte Erklärung hatte ich nicht auf Lager und ehrlich gesagt hatte ich darauf auch gerade keine Lust.

 

Der Abend hätte ja auch einfach entspannt ablaufen können, doch blöderweise fiel das Thema noch einmal auf meine Reise zu Achilles.
„Haytham, ihr wisst, wie ich zu diesem Herren stehe. Er ist nicht unbedingt mein bester Freund.“ grummelte Shay vor sich hin, als ich meinem Mann erzählte, dass ich mit dem Iren bereits gesprochen hatte.
„Das ist mir bewusst. Alex hat aber Recht, wir müssen diesen Versuch starten, ihn …“ mein Mann wollte es nicht aussprechen, wer konnte es ihm verübeln.
„Vielleicht sollte ich es auch einfach auf mich zukommen lassen. Ich bin ja nicht auf den Mund gefallen.“ lächelte ich zuversichtlicher als ich eigentlich war.
Plötzlich nahm ich im Augenwinkel wahr, wie Faith unruhig in die Runde sah.
„Mo rionnag, geht es dir nicht gut?“ besorgt ging ich zu ihr hinüber, weil ich mich an meine eigene Unruhe bei Edwards Geburt erinnerte.
„Es… mir geht es gut… aber… ich glaube ich sollte etwas erklären.“ flüsterte Faith leise. Sie starrte auf ihre im Schoß gefalteten Hände.
Bevor ich noch einmal den Mund aufmachen konnte, begann sie zu erzählen!

Kapitel 7

 

~~~ Vorsicht, Ninjas! ~~~

 

Das angesprochene Kapitel über Faith und die Verarztung von Achilles findet ihr HIER "Jeder will die Welt beherrschen" - Todesengel222 - Kapitel 131

 

„Bevor ich wieder zur Morrigan ging… also…“ sie schilderte wie sie mit Adam, ihrem Cousin, auf Master Davenport traf. Faith berichtete von der mauligen Art Achilles´, weil er puren Egoismus in ihrer Hilfe vermutete. Im Grunde war es das auch, wenn wir ehrlich sind. Dennoch hat sie die Kugel aus seinem Knie entfernt, damit er schnellstmöglich zu seinem Schiff mithilfe von ihrem Cousin eilen konnte. Ohne ihre Hilfe hätte er es vielleicht auch gar nicht überlebt, wäre nicht rechtzeitig an Bord gelangt. Diverse Szenarien spielten sich in meinem Kopf ab.

 

Mit einem Satz sprang Haytham auf, funkelte Faith wütend an und dann brach es aus ihm heraus.
„Du hast bitte was getan? Du hast diesem Assassinen, welcher tausende unschuldiger Leben auf dem Gewissen hat, geholfen zu Überleben? Bist du noch bei Trost?“ seine Stimme zitterte vor Wut, aber er riss sich noch zusammen.
„Ich bin Heilerin, Haytham, schon vergessen? Und eigentlich war es eine Mischung aus allem, der Gesamtsituation wenn man es so nennen möchte.“ dabei sah sie mich an, wartete auf Zustimmung. Ja, damit hatte sie Recht, aber auch ich war sprachlos! DAS wusste sogar ich nicht, woher auch?
„Ich kann es nicht glauben, er hätte es auch ohne deine Hilfe geschafft. Achilles ist ein zäher Bursche!“ fauchte Shay, aber nicht ganz so aufgebracht wie Haytham.
„Und jetzt? Ich habe die Kugel entfernt, er lebt und… vielleicht habe ich den Weg für… DEINEN Sohn damit geebnet? Schon mal darüber nachgedacht?“ Faith wurde wieder ungehalten, dieses mal jedoch brachen auch die Isugene durch. Ihre Haut begann zu leuchten!
„Reiß dich zusammen, Faith. Ich lasse nicht in so einem Ton mit mir reden!“ jetzt standen sich die beiden wie wütende Wölfe gegenüber. So etwas hatte ich noch nie zwischen ihnen erlebt. Ich sah, wie bei meinem Mann Tyr begann sich erheben! Bevor es aber noch eskaliert, warf ich einen Gedanken in den Raum!

 

„Vielleicht betrachtet ihr es aus beiden Blickwinkeln einmal. Haytham, du hast ihm deinen Standpunkt, deine Sicht auf die Dinge klarmachen wollen, wenn auch etwas zu brutal. Das musst du selber zugeben, oder? Faith hat im Grunde nur auf Grund ihres moralischen Eides gehandelt mit einer sehr großen Prise Egoismus!“ ich versuchte eine logische Brücke für beide zu bauen, scheiterte aber an zwei Dickköpfen, welche sehr selten zum Vorschein kamen. Und wenn, dann in den unpassendsten Momenten, wie jetzt zum Beispiel! Bei Odin!

 

Plötzlich hatte ich das Gefühl, als wären wir vier völlig alleine. Es gab keine Götter, keine Isu, nichts mehr um uns… die Gemüter beruhigten sich langsam. Aber dann war da etwas… wir fühlten es alle! Die Vorsehung oder man möge es auch wieder einmal das Schicksal nennen. Auch damals schon war es ein Eingriff, welcher nicht nur meinen Weg ebnen sollte, sondern auch den von Connor und allen anderen.
„Achilles hat es verstanden…“ flüsterte Faith, als ihr Blick auf Shay fiel, welcher ebenso diesen Gedankenblitz des Schicksals hatte.

 

Ich weiß, dass es völlig unpassend in dem Moment war, aber mir schoss ein Gedanke in den Kopf.

„Aber genau damit kann ich Master Davenport von seinem Hass ein wenig abbringen. Wenn ich ihm erkläre, dass auch er nicht frei von Schuld ist, Haytham ebenso wenig, dann kann ich diesen Moment noch mit anbringen!“ in meinem Kopf spielte ich das Gespräch bereits durch, wie ich es schon oft in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen gemacht hatte, wenn etwas zu klären war.
„Du lässt dich eh nicht von deinem Vorhaben abbringen, oder Alex?“ immer noch klang mein Mann sauer.
„Nein, aber das weißt du ja! Wenn ich dich und deinen Sohn friedlich an einen Tisch bringen will, muss Achilles im Vorfeld ruhiger werden. Versteh doch, so kann ich es vielleicht schaffen.“ Der Rest würde von mir improvisiert werden müssen, weil ich noch kein Wort mit diesem Herren gewechselt hatte. Shays Beschreibung war auch eher neutral gehalten.
„Aber noch einmal lasse ich mich nicht so vorführen, Faith. Ist das klar?“ fauchte Haytham meine Schwester an, während er sich vor ihr aufbaute.
„Natürlich, BRUDER! Ich tue immer das, was man mir sagt.“ oh bei Odin, dieser Satz kam so zynisch aus ihrem Mund, dass man sehen konnte sie sprach auch Shay an, Imhotep und alle, die sie seit Monaten in Watte packten! Die bösen Hormone machen eben, was sie wollen!

 

Wir alle genehmigten uns noch etwas Hochprozentiges um die Gemüter zu kühlen. Jetzt kam es nur noch darauf an, dass ich rechtzeitig bei Master Davenport ankam und dass ich ihm wirklich etwas von diesem Hass nehmen konnte.

 

Zwei Tage später machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause.
Florence hatte ihre Katze kaum aus den Augen gelassen und in der Nacht hatte sie im Bett meiner Tochter geschlafen. Ich hoffte, dass es auch daheim so sein würde.
Walka hatte sich leider gestern noch mit einem der Wachhunde hier angelegt. Ihr Angreifer hatte eine Schramme an der linken Flanke und sie hatte ein kleines Loch im Ohr. Es war uns leider nicht möglich, dazwischen zu gehen, ohne selber zu Schaden zu kommen. Es war halt nicht das Revier von Edwards Hündin, aber die hiesigen tierischen Wachen wussten sie schon in ihre Schranken zu weisen.
Edward verarztete seine Hündin, so gut er konnte. Aber Sybill mahnte ihn, bei ihr keine Heilungskräfte einzusetzen.
Darauf angesprochen bekam ich nur „Sie ist gesegnet.“ von Snotra. Fragend sah ich sie an, bekam aber keine weitere Erklärung. Es war also wirklich so, dass diese Hündin von jetzt an ebenfalls beschützt wurde.

 

Auf der Fahrt zurück saß Edward bei Haytham mit auf dessen Stute, was natürlich Florence sichtlich missfiel. Also bat ich darum, dass sich die beiden Geschwister bitte abwechseln sollten. Auch meine Nerven waren irgendwann nicht mehr so vorhanden, wie sie sollten! Besonders nach derlei Gesprächen in den letzten Tagen!
Leider war ich recht unaufmerksam und zu spät bekam ich mit, dass man uns bereits seit einer Ewigkeit verfolgte!
Haytham war alleine zur Williams-Plantage geritten, sprich wir hatten die vier Wachen und uns selber.
Es mag Eingebung gewesen sein, aber ich hatte mein Stiefelmesser in meinem Strumpfband und die schmalen versteckten Klingen in meinen Ärmeln!
Florence wurde mir gereicht, während Haytham langsam von seinem Pferd stieg. Man stellte sich um die Kutsche und beobachtete die Umgebung.

 

Auch ich war ausgestiegen, nachdem die Kindermädchen noch strikte Anweisungen bekommen hatten. Ich sah einen leichten goldenen Schimmer um die Personen im Inneren, welcher mich beruhigte.
„Alex, siehst du sie auch?“ was bitte war das für eine dämliche Frage, ich war ja nicht blind. Bevor ich aber genau DAS sagen konnte, atmete ich noch einmal tief durch.
Vier in den Büschen auf der linken Seite, drei vor uns im Unterholz, weitere vier auf der anderen Seite und ÜBER uns sind 2 in den Ästen!“ unsere stille Kommunikation zahlte sich jetzt aus. Ebenso waren unsere Wachen zeitgleich informiert.

 

In diesem Moment dankte ich meiner Schwester für diese Wurfhaken und konnte so den ersten Angreifer mit Überraschungsmoment aus seinem Versteck im Baum ziehen. Der Mechanismus hatte eine enorme Rückholkraft fiel mir auf, naja, musste er ja auch haben, wenn er mein Gewicht nach oben hieven sollte beim Gebäude erklimmen!
Im Nu waren die ersten beiden Herren Geschichte.
Aber die anderen Angreifer versuchten ebenso ihr Glück, landeten aber in ihrem eigenen Unglück!
Der nächste Bandit hatte es in sich, wie ich genervt feststellte. Er sprang hin und her, wirbelte mit seinem kleinen Schwert herum, deutete hier einen Streich an, schlug aber auf der anderen Seite zu. Dann tänzelte er leichtfüßig um mich herum, verschwand plötzlich völlig aus meinem Blickwinkel, nur um dann wieder aus dem Hinterhalt auf mich einzustechen!
Ninja! Dieser erste Gedanke ging mir durch den Kopf!
Fast alle waren so flink in ihren Bewegungen, dass selbst meine antrainierten Assassinen-Fähigkeiten wie eine Farce wirkten!
Und sie waren leise, fast lautlos! Ich spürte dieses Kribbeln wieder im Nacken. Widerlich!

 

Haytham hatte, im Gegensatz zu mir, seine Montur an und auch entsprechende Rauchbomben am Manne.
Damit hatten die Kämpfer die uns direkt angriffen nicht gerechnet und wurden Opfer unserer Klingen und dem Schwert einer unserer Wachen. Die anderen Wachleute beschützten die Kutsche!
Mama! Hinter DIR!“ brüllte es in meinem Kopf und ich wirbelte herum, gerade rechtzeitig um einem Schlag mit einer Kugelkeule ausweichen zu können. Aber das reichte nicht, weil ich das Messer in der anderen Hand übersehen hatte.
Dieser Schnitt in meiner linken Seite brannte wie die Hölle und ließ mich kurz straucheln. Nein, ich musste mich konzentrieren.
Weiter!
Ich drosch jetzt mit meinen Klingen auf den Mann vor mir ein, welcher ein wenig überrascht zu sein schien, dass ich im Kampf blieb. Das gereichte mir für einen Hieb in seine… Kronjuwelen! Es war ein widerliches matschiges Gefühl und ließ nicht nur ihn würgen!
Ich hatte erst ein einziges Mal einem Mann sowas angetan, als Thyra mich damals in New York übernommen hatte!
Mir spritzte schubweise sein Blut entgegen, ehe er zu Boden sank. Leichenblass!

 

Der nächste im Bunde ließ nicht lange auf sich warten und rannte mit einem Kampfschrei auf mich zu!
In den Schuhen sind Messer!“ brüllte wieder Edwards Stimme in meinem Kopf.
Dann sah ich dieses Aufblitzen von Metall in der Sonne. Die Klinge kam mir gefährlich nahe. Ich konnte ihr nicht mehr vollends ausweichen. Dieser Einstich war ebenso schmerzhaft wie der vorherige, dieses mal am rechten Oberarm, wo er eine tiefe Fleischwunde hinterließ.
Meine Sinne konzentrierten sich auf den Kampf, ich durfte nicht aufgeben!
„Wer bitte hat euch ausgebildet. Sonst hatten wir doch auch leichtes Spiel mit euch britischen Ausbeutern!“ brüllte mir ein weiterer Angreifer entgegen. „Jungs… Rückzug! Wir brauchen…“ bevor dieser Herr aber noch etwas sagen konnte, ragte eine Schwertspitze aus seinem Oberbauch! Entsetzt sah er auf diese Wunde, brachte aber kein weiteres Wort mehr über die Lippen!

 

„Das war dann wohl der Letzte im Bunde.“ frohlockte eine der Wachen, welche ihr Schwert schon an der Jacke des Banditen säuberte.
„Hoffen wir es…“ meine Stimme war kaum zu hören. „Edward! Florence!“ brüllte ich, als ich auch schon auf die Kutsche zu rannte.
„Mama, uns geht es gut…“ vorsichtig lugte mein Sohn hinaus. „Sind sie jetzt wirklich weg?“ flüsterte er plötzlich.
„Ja, mein Sohn! Danke für deine Hilfe!“ Haytham drückte ihn an sich.
Unsere Wachen atmeten tief durch, ehe sie begannen die Toten in die nahegelegenen Büsche zu ziehen. Ein Begräbnis wäre vermutlich besser, oder?
„Nein, diese Männer haben keine solche Behandlung verdient, Mistress Kenway.“ das kam wie aus einem Mund der vier Männer! Trotzdem begannen sie auf meinen Wunsch hin eine Grube auszuheben, damit die Leichen keine wilden Tiere anlocken konnten.
Währenddessen setzte mein Verstand langsam auch wieder ein.
„Wir müssen dringend diese Wege bewachen lassen! Sie sind ja überall, Haytham.“ gab ich grübelnd von mir.
„Sie waren aber… es waren keine gewöhnlichen Diebe. Sie waren flink, schnell…“ Ninjas! Ja, sie waren anders trainiert wie es schien. „Wer ist ihr Mentor hier in den Kolonien?“ jetzt war es mein Mann welcher darüber nachdachte, wer sich hinter diesen ganzen Anschlägen verbergen könnte.
„Da bin ich überfragt…“ mir fiel auch gerade nichts besseres ein. Ich wischte meine Klingen am Gras ab. Magda reichte mir einen nassen Lappen, damit ich meine Hände und mein Gesicht waschen konnte. Vermutlich gab ich ein gruseliges Bild ab. Die Wunden! Hastig sah ich danach… aber sie waren nicht mehr vorhanden. Nur der Stoff meines Kleides war noch kaputt und blutverschmiert. Aber keine Verletzungen waren auszumachen.
„Danke min lille skat!“ ich knuddelte meinen Schatz dafür.

 

Florence schien das ganze nicht im geringsten beeindruckt zu haben, sie saß auf Sophias Schoß und sah sich mit ihr ein Bilderbuch über Pflanzen an.
Erleichtert, dass es ihr und auch Edward gut ging, ließ ich mich auf den Sitz plumpsen.
„Mama, das waren aber schnelle Menschen. Das will ich auch können.“ ehrfürchtig sah er mich an.
„Das waren Ninjas, wenn ich richtig liege. Die Meister kommen von ganz weit her…“ aber ich konnte nicht ausreden.
„Jahaaaaaa…. Das weiß ich doch! Aber ich will das auch können!“ maulte mein Sohn mit einem Male.
„Ich werde mich einmal nach so einem Meister umhören, min lille skat.“ ich sprach mehr zu mir selber, weil auch ich noch nicht ganz den Kampf verarbeitet hatte.
„Aber nicht vergessen, Mama! Versprochen?“ Kinder können anstrengend sein, oder?
„Ja, ich verspreche es… Schusterehrenwort!“ bei diesem Ausdruck musste ich selber lachen.
Der restliche Weg nach Hause verlief friedlich, naja, bis auf den Wasserfall von Edward, welcher mir nun berichtete, dass er diesen oder jenen Konter-Move toll fand und ich ihm unbedingt zeigen sollte, wie das geht…
Als wir Abends an unserem Haus ankamen, war ich dankbar fürs Essen und für die Kindermädchen! Ich weiß, aber ich war einfach müde. Mein Sohn hatte nicht EINE Sekunde geschwiegen, er malte sich die dollsten Geschichten aus, stellte sich die einzelnen Szenen vor und so weiter!
Als er im Bett lag, die Augen und den Mund schloss, machte ich drei Kreuze!

 

Ja, in diesem Bezug bin ich ab und an eine gaaaanz böse Mutter. Seid ehrlich, jeder hat so einen Moment im Leben mit Kindern schon erlebt, oder?
Trotz dieser Vorkommnisse hatten wir eine ruhige Nacht, nachdem ich noch mit meinem Mann ein Bad genommen hatte. Auch er hatte es nötig gehabt und ich spreche hier nicht nur von der Haarwäsche.
Erschöpft ließ ich mich anschließend ins Bett fallen und schlief alsbald auch ein.

 

Kapitel 8

 

~~~ Von Streichen und Aufklärung ~~~

 

 

Die nächsten Wochen verbrachte ich mit der Überarbeitung der ganzen Geschäftsangelegenheiten! Mit Faith würde ich in Ruhe darüber sprechen, wenn ihr Kind auf der Welt war.
Vor einiger Zeit hatte ich ja schon die Konten entsprechend angeglichen oder auch ändern lassen.
Heute saß ich also mit Mr. Gillehand beisammen, damit wir das auch entsprechend besiegeln konnten.
„Mistress Kenway, ihr habt einen wirklich guten Sinn für Geschäfte. So etwas sieht man sehr selten.“ der Advokat hatte anerkennend über meine Geschäftsbücher geschaut, welche ich alle selber führte! Da war ich etwas pingelig, sie waren halt sehr übersichtlich, weil ich mir entsprechende Zeitpläne und Kalender gefertigt hatte. Ordnung, Struktur und Disziplin …
Am Abend stießen wir auf den Abschluss dieser Arbeiten an.
„Darf ich offen sprechen?“ so schüchtern hatte ich Rory noch nicht erlebt. Er schaute nervös auf seine gefalteten Hände.
„Immer raus damit.“ Haytham sah ihn fragend an.
„Ich… lebe nicht mehr alleine.“ mit einem erleichterten Seufzer ließ er sich in seinen Sessel sinken.
„Das freut mich für euch! Wer ist die Glückliche?“ erwartungsvoll saß ich nun auch etwas zappelig neben meinem Mann.
SEIN Name ist Thomas Withelston, er kommt aus Baltimore…“ flüsterte er jetzt beinahe schon, bevor er uns wieder ansah.

 

Für einen Moment war ich dann tatsächlich sprachlos! Ich meine, ich bin keineswegs intolerant und richte über andere Menschen. Aber in diesem Jahrhundert stand die Todesstrafe auf Homosexualität! Dass unser Advokat diesen Mut besaß, uns seine Liaison so offen mitzuteilen, schmeichelte mir alleine schon wegen seines Vertrauens uns gegenüber. Im Grunde konnten wir ihm nur alles Gute für seine Beziehung wünschen, dass sie lange hält und vor allem, dass niemand sie verurteilen oder stören wird.
„Ihr seid sehr verständnisvoll, Mistress Kenway. Ich wusste, ihr werdet mich nicht gleich für einen kranken Menschen halten!“ jetzt strahlte er uns an.
„Es wird nicht leicht werden für euch und euren Lebensgefährten, Mr. Gillehand. Das wird euch selber vermutlich auch klar sein, nehme ich an. Ihr könnt aber jederzeit mit unserem Zuspruch rechnen.“ sagte mein Mann, erhob sich um unserem Besucher die Hand zu reichen.
„Ich danke euch, Master Kenway!“ diese Erleichterung in seinem Gesicht war herzzerreißend. Ich hoffte wirklich für die beiden Herren, dass sie lange friedlich zusammen leben können.

 

Mr. Withelston war als Verwalter für die Plantage eingesetzt worden, als der Vorgänger leider zu alt geworden war. So lernte man sich in den nächsten Monaten näher kennen und eines gab das andere.
Erst jetzt fiel mir ein, dass man mir bei unserem Besuch gar nichts dergleichen berichtet hatte. Ebenso war mir dieser andere Mann nicht aufgefallen.
Als ich Rory darauf ansprach, erklärte er sich. „Ich wusste nicht genau, ob es gerade sinnvoll war. Ihr ward gerade erst wieder zurück und die Kinder waren mit anwesend…“ Im Grunde tat es jetzt nichts weiter zur Sachen, wir wussten jetzt Bescheid. Dass reichte mir.
Auch Haytham sah ich an, dass er mit diesem Arrangement konform ging, wenn auch etwas skeptisch. Seine moralischen Ansprüche waren eben seiner Erziehung und der Zeit hier angepasst.
Leider musste Mr. Gillehand am nächsten Tag schon wieder aufbrechen, weil er in ein paar Tagen einen größeren Prozess vor Gericht hatte, auf den er sich noch weiter vorbereiten wollte.
Es ging um Veruntreuung von Steuergeldern ihrer Majestät, welche einem hochrangigen Mitglied des Stadtrates vorgeworfen wurden. Auch der Gouverneur in Richmond würde als Zeuge fungieren.
„Es ist, verzeiht wenn ich das so sage, aber es ist lächerlich, was wir hier an Steuern auferlegt bekommen, damit King George fröhlich gegen irgendwelche anderen Staaten in den Krieg ziehen kann.“ fauchte Rory, als er von seiner Recherche und ähnlichem berichtete.
„Leider wird es auch nicht in absehbarer Zeit besser, befürchte ich.“ sprach ich leise.
„Ihr habt es schon gesehen und ich muss gestehen, ich fürchte mich vor den kommenden Jahren ein wenig.“ wer konnte ihm das verübeln, beizeiten würde er sich für eine Seite entscheiden müssen. Neutral konnte er als Richter, der er jetzt war, nicht ewig bleiben. „Glaubt mir, ich weiß welcher Seite ich im richtigen Moment den Rücken kehren werde!“

 

Anfang Dezember trafen die Eheleute Lestrange ein, um mit uns die Geburtstage von Haytham und Edward zu begehen. Außerdem waren einige Nachbarn und Geschäftspartner eingeladen. Natürlich ließ es sich Madame de L´Isle nicht nehmen, ebenfalls zu erscheinen.
Sie hatte im vergangenen Jahr gute Profite eingefahren, was nicht zuletzt daran lag, dass die Routen auf See oder auch über Land nahezu Narrensicher waren!

Unser Sohn hatte sich zu einem kleinen Streichespieler entwickelt!
So hatte er die Zuckerdosen alle mit Salz befüllt, was natürlich für großen Unmut bei unseren Besuchern, besonders aber bei Haytham sorgte!
„Du wirst jetzt alle Dosen hierher holen und du kannst erst wieder gehen, wenn alle wieder mit Zucker befüllt sind, Edward!“ Mein Mann war zurecht wütend!
Maulend tat der kleine Kenway was ihm aufgetragen worden war. Kaum hatte er das erledigt, folgte bereits am nächsten Tag der nächste „Anschlag“.
Dieses Mal traf es Madame de L´Isle persönlich! Edward hatte eine der Mäuse, welche Mina ab und an ins Hause brachte, tot Odin sei Dank!, in das Bett der Dame gelegt!
Die Strafe kam prompt! Haytham hatte Walka am Halsband und brachte sie nach draußen zu ihren Brüdern und Schwestern!
„Das ist gemein!“ schrie Edward hinterher. Hilfesuchend sah er zu mir auf.
„Du bist zu weit gegangen, min lille skat. So etwas macht man nicht. Geh jetzt und entschuldige dich sofort bei Madeleine!“ mein Blick ließ keine Widerworte zu. Wütend stampfte mein Sohn von dannen, nuschelnd, dass wir alle böse sind und er niemanden mehr lieb hat.

 

„Alex, was ist nur in ihn gefahren?“ fragte mich mein Templer am Abend, als wir im Bett lagen.
„Das weiß ich nicht, ehrlich nicht. Ich weiß aber von Mildred, dass ihre Jungs auch gerne mal solche Streiche spielen. Sie verstecken die guten Schuhe oder neulich haben sie eine ganze Flasche Rum ausgekippt und Essig hinein gefüllt. Ihr Vater war nicht glücklich darüber, wie du dir sicherlich denken kannst.“ ich seufzte an seiner Seite, weil ich mir vorstellte, wie alle Jungs hier auf der Plantage zusammen hockten und sich irgendwelchen Blödsinn ausdachten!
„Vielleicht sollte man Edward für einige Zeit einfach verbieten mit ihnen zu spielen!“ kam es resolut von Haytham.
„Dann kannst du ihm auch gleich Hausarrest geben! Aber du müsstest ihn anketten, weil Edward sicherlich flinker ist und schneller abhaut, als wir schauen können.“ warum ich kichern musste bei diesem Gedanken, kann ich gar nicht sagen, aber ich erntete einen bösen Blick meines Gatten.
„Nun gut, wir sehen morgen weiter. Hoffentlich hat er nicht noch mehr ausgeheckt.“ gähnte er jetzt, zog mich in eine feste Umarmung. „Wir sind dieses Jahr übrigens 6 Jahre verheiratet, mi sol.“ flüsterte er leise in meine Haare.
„Die Zeit ist so schnell vergangen. Ich bin aber immer noch froh, dass ich hierher gekommen bin.“ nuschelte ich gähnend.

 

~~~ 4. Dezember 1768 ~~~

 

„Guten morgen, mi amor!“ flüsterte ich leise. Dabei ließ ich meine Lippen über Haythams Hals wandern, während meine Hände weiter über seine Brust und den Bauch strichen, bis sie ihr auserkorenes Ziel erreicht hatten. „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Ehrentag.“ hauchte ich weiterhin leise an seine Haut.
„Mi sol… mach weiter…“ stöhnte mein Mann mit einem Mal, während er meine Hand ergriff um sie zu führen.
Doch nicht für lange! Mit Schwung zog er mich über sich, seine Finger lagen auf meinem Hintern und begannen mich zu dirigieren.
Ich lehnte mich etwas zurück, weil auch ich diesen Moment genoss. Es war immer noch ein fantastisches Gefühl, wenn ich Haytham so spürte.
Wir halfen uns gegenseitig über die Schwelle, was mir mein Mann mit einem gehauchten „Ich liebe dich!“ dankte.
Ich lag noch nicht ganz neben ihm, als es auch schon laut klopfte!
„Mama! Papa! Seid ihr wach? Was macht ihr gerade? Darf ich reinkommen?“ du meine Güte, hatte Edward schon Sabbelwasser getrunken?
„Ja, du darfst hereinkommen, wir sind schon wach! Und ich habe deinem Vater gerade … zu seinem Geburtstag gratuliert.“ grinste ich.
„Ich hab auch…“ traurig sah er mich an.
„Min lille skat! Wie könnte ich das vergessen, komm her und lass dich drücken!“ vermutlich erdrückte ich diesen Knirps gerade, aber das war mir egal. Diese Geburtstage waren immer sehr emotional für mich, ich sagte es ja schon einmal. Der Fluch der Mütter!

 

„Hast du gerade mit Papa hier aufgeräumt?“ fragend sah sich jetzt unser Sohn hier um. Für einen Moment starrte ich ihn sprachlos an… dann fiel mir wieder ein, dass wir ihm ja das laute Stöhnen von Jennifer damals so erklärt hatten! „Hier ist es aber gar nicht ordentlich!“ verwundert blieb sein Blick auf unserer Nachtwäsche, welche auf dem Boden lag, hängen.
„Nein, wir haben … einfach gekuschelt und uns … geküsst … und …“ ich war mir nicht sicher, ob es wirklich schon an der Zeit war aufzuklären.
„Ihr habt euch lieb gehabt, oder? Nathaniels Eltern machen das auch immer, sagt er.“ ich starrte diesen jungen Herren auf meinem Bett an! DAS würde ihm schon reichen, das ging ja schnell… Erleichtert atmete ich aus, erklärte ebenso, dass wir genau DAS gerade gemacht hatten.
„Bekomm ich dann auch bald noch einen Bruder? Oh bitte… ich will einen Bruder haben!“ Edward sah von einem zum anderen.
„Irgendwann vielleicht, mein Sohn. Wir müssen uns da überraschen lassen!“ lächelte ihn Haytham jetzt an.
„Aber ihr dürft nicht vergessen, mir das dann auch zu sagen!“ jetzt musste ich aber wirklich Prusten, weil er sicherlich eines der ersten Familienmitglieder sein würde, welches davon erfährt.
Damit war für meinen kleinen Schatz das Thema fürs erste vom Tisch. Wer weiß, wann er mehr wissen wollte, dachte ich mir.
Edward verschwand wieder in sein Zimmer, weil Sybill ihn schon gesucht hatte.

 

„Ich würde es gerne steuern können, dass wir noch ein Kind bekommen…“ dachte Haytham laut nach, während er bereits ein Hemd überzog.
„Hmmmm, wir können es ein wenig steuern, mi amor.“ schmunzelte ich, weil ich an meinen Zyklus und die fruchtbaren Tage dachte. Aber wie sollte ich IHM das mit den Spermien erklären? Faiths Mikroskop!
„Was? Wie soll das gehen, mi sol? Nur weil wir miteinander schlafen, wirst du ja nicht gleich schwanger…“ er hielt mit gerunzelter Stirn inne, weil ihm klar wurde, dass ich mehr als er wusste. „Ich glaube, auch ich muss aufgeklärt werden?“ fragte er mit einem breiten Grinsen und hochgezogener Augenbraue!
„Auf jeden Fall, mi amor. Und es wird mir ein Vergnügen sein, dir jedes Detail zu erklären.“ hauchte ich in seine Halsbeuge, nachdem auch ich mich aus dem Bett gepellt hatte. Seine flache Hand landete auf meinem nackten Po.
„Warum glaube ich dir das aufs Wort?“ seine Augen hatten sich schon wieder verdunkelt.
„Ich muss nur noch ein paar Vorbereitungen treffen. Lass dich überraschen, Haytham.“ hauchte ich und verschwand im Ankleidezimmer.

 

Unten im Esszimmer wurden wir von den Gästen erwartet, welche sich schon angeregt über die anstehende Feier unterhielten. Dieses Jahr würde es ein großes Barbecue auf dem „Dorfplatz“ geben, zu dem auch die Pächter mit eingeladen waren. Zu diesem Anlass war Haytham mit ein paar Männern vor drei Wochen auf der Jagd gewesen.
Bei dieser Gelegenheit konnten sie auch noch ein paar Landstreicher verscheuchen, welche sich mal wieder als Deserteure entpuppten.
Es gab insgesamt 4 große Spanferkel, diverses Kleinwild und natürlich die Beilagen. Die entsprechenden Gruben waren schon vor drei Tagen ausgehoben worden. Zu unserem Glück hatte es bis jetzt noch nicht wirklich viel geschneit, aber der Boden war schon ordentlich durchgefroren!

 

Im Laufe des Vormittags verfasste ich eine Nachricht an Faith, in der ich sie bat, mir ihr Mikroskop für ein paar Tage zu „Versuchszwecken“ zur Verfügung zu stellen.

 

… „Mo rionnag, ich glaube es ist an der Zeit meinen Mann über die Gene, die DNA und die Spermien aufzuklären. Auch Edward wird neugieriger. Ich verspreche dir, ich mache auch alles wieder sauber. Warum klingt das eigentlich so falsch, es ist ja nichts schlimmes, oder? Ich bin schon gespannt, wie Haytham auf diese Neuigkeiten reagiert.“ …

 

„Mi sol, schon wieder ein Brief an sie?“ genervt sah mich Haytham an.
„Du hast recht! Ich kann ja auch ganz anders mit ihr kommunizieren, wenn dir das lieber ist…“ grinste ich breit.
„Nein, lass das! Muss ich etwas vorher wissen, oder… tauscht ihr euch mal wieder über… Kochrezepte aus!“ perplex folgte ich dem Blick meines Mannes, welcher sich auf Edward gerichtet hatte. Ihn hatte ich gar nicht hereinkommen hören.
„Ja, genau so ist es. Für Silvester wollte ich doch etwas besonderes für dich machen.“ Bei Odin, ich war in solchen Dingen einfach wahnsinnig schlecht.
„Du kochst für uns? Was gibt es denn dann? Darf ich dir auch helfen? Flo will bestimmt auch…“ jetzt kannte unser Sohn kein Halten mehr und das Thema war vom Tisch!

Kapitel 9

~~~ Barbecue und Asgard ~~~

 

Ich war gespannt, wie lange Edward heute wach bleiben würde. Das Barbecue würde erst am späten Nachmittag beginnen, auch wenn hier schon hin und wieder der Geruch von brennendem Holz hinüber wehte. Es war recht windig, stellte ich frustriert fest und begann mit Sybill und Sophia die Kleidung für die Kinder zurecht zulegen.
Wir hatten bereits vor einiger Zeit alle Wintersachen in den Schränken verstaut. Beim Einräumen war mir dann aufgefallen, dass Florence UND Edward ein paar neue warme Sachen brauchten. Wir hatten wunderbar weiche Handschuhe oder auch Strümpfe aus der Wolle von unseren Schafen dieses Jahr. Auch ich hatte mir ein neues Paar zugelegt, weil ich immer recht schnell kalte Finger bekam.
Nach dem Mittagsschlaf meiner Tochter wollten wir uns langsam auf den Weg machen. Aber Florence sah irgendwie blass aus, Fieber hatte sie keines, Bauchweh schien sie auch nicht zu haben.
„Min lille engel, ist dir schlecht? Musst du spucken?“ fragte ich leise, während ich ihr durch die Haare strich.
„Bin müde, Mama!“ gähnte sie herzhaft.
„Miss Florence hat die letzten Nächte wohl nicht gut geschlafen, Mistress Kenway. Ich hatte es auf den Vollmond geschoben. Aber jetzt bei Tage…“ Sophia sah mich entschuldigend an.
„Wenn es nicht mehr geht, dann fahre ich mit ihr wieder zurück. Vielleicht ist auch einfach eine Erkältung im Anmarsch.“ im Grunde versuchte ich mich selber mit diesen Worten zu beruhigen.

 

Heute durfte dann auch Walka wieder mit dabei sein, was natürlich ihr Herrchen am meisten freute. Er ließ sie nicht aus den Augen!
Wir wurden herzlichst begrüßt, meinem Mann und Edward wurde ausgiebig zum Wiegenfeste gratuliert und bevor ich noch etwas sagen konnte, war unser Sohn mit ein paar anderen Kindern verschwunden.
Florence hingegen klammerte sich an mich und wollte nicht von meinem Arm.
„Ich friere…“ flüsterte sie, obwohl sie doch ganz dick eingepackt war! Seltsam. Also setzte ich mich mit ihr in die Nähe eines der großen Feuer für die Spanferkel. Dort sollte es ihr wärmer werden, hoffte ich.
Haytham ging mit einigen Herren herum, begutachtete das Wild und die Schweine. Auch stieß er hier und da mit ihnen auf die gelungene Jagd an.
„Mama… kalt…“ bibberte Florence auf meinem Schoß, welche ich schon zusätzlich in eine dicke Decke gehüllt hatte. Immer noch fühlte ich kein Fieber.
„Min lille engel. Tut dir denn etwas weh?“ flüsterte ich leise, während ich sie hin und her wiegte.
„Nein…“ das kam so leise aus ihrem Mund, dass ich erschrocken auf sie hinunter sah. Ihre Augen waren glasig, sahen wie durch mich hindurch.

 

„Mein Kind! Komm her!“ hörte ich Elias in meinem Kopf und folgte seiner Stimme.
„Deine Tochter steckt ihre letzte Lektion von Brünhild nicht einfach so weg.“ flüsterte er mir zu, als wir etwas abseits beim Versammlungshaus standen.
„Wie… Welche Lektion? Was habt ihr mit meiner Tochter gemacht?“ ich wurde panisch, was sich in meiner lauten Stimme auch prompt wieder spiegelte.
Neben mir erschien die Walküre zusammen mit Idun.
„Wir haben ihr versucht beizubringen, wie sie ihre Sprache weiter fördern kann. Wie sie über weite Strecken mit… wie sie mit ihrem Geist nach Asgard gelangen kann.“ ich hörte diese Worte, ich sah, wie Brünhild unsicher zu Odin blickte, ich spürte meine Wut…
„Ihr seid doch alle nicht mehr ganz dicht, oder? Weder ich beherrsche es, noch Haytham. Edward hat ebenfalls noch keine Einweisung bekommen! Aber meine Tochter mit 2 Jahren soll sich so verausgaben?“ ich zitterte vor Wut, in mir kochte es.
„Es war ein Versuch, aber es hat nicht funktioniert. Florence war aber in ihren Träumen so oft bei uns, dass wir… wir dachten, es wäre an der Zeit für sie!“ Mutter Idun stand etwas beschämt zwischen den beiden.
„Toll… und jetzt? Mein kleiner Engel ist krank und keiner kann ihr helfen?“ mit einem Schwung drehte ich mich um und verschwand Richtung der Lagerfeuer. Dort suchte ich nach meinem Mann, ich musste mir Luft machen.

Aber er kam mir schon entgegen, weil er meinen inneren Zorn gespürt hatte.
„Mi sol, ich habe es mitbekommen.“ vorsichtig nahm er seine mittlerweile schlafende Tochter auf den Arm. „Bleib du hier, ich werde …“ So weit kommt es noch, es ist SEIN Geburtstag.
„Nein, DU bleibst mit Edward hier! Ich nehme Sophia zur Vorsicht noch mit und fahre zurück, mi amor. Es ist EUER Geburtstag!“ Ich strich ihm über die Wange und gab meinem Mann einen liebevollen Kuss.
Gerade als ich mich in die Kutsche setzen wollte, erwachte Florence! Und das im wahrsten Sinne des Wortes!
„Mama, ich habe alles gesehen!“ ich starrte meine kleine Maus in meinen Armen an.
„Du hast… was hast du gesehen?“ Vor allem, sie sprach plötzlich ganz deutlich!
„Die Welt!“ bei diesen Worten versank ich in ihren grünen Augen… sah, was sie alles gesehen hatte… Es war fantastisch! Florence hatte wirklich alles, naja fast alles, gesehen. Odins Thron, auf welchem sie mit ihm sitzen durfte, die Halle der Krieger, wo man gerade einige Dinge beratschlagte.
Sie war am Brunnen der Nornen gewesen, welche ihr etwas von ihrem Wissen weitergegeben haben. Meine Tochter war hoch oben im Baum des Lebens gewesen und hatte alles überblicken können. Immer an ihrer Seite war Brünhild, welche auch jetzt plötzlich neben mir auftauchte. Mit Tränen in den Augen!

 

„Es hat doch funktioniert.“ flüsterte die Walküre leise, während ihre zartgliedrige Hand über den Kopf meiner Tochter strich. „Du würdest es einen „lag“ nennen, eine Verzögerung! Deine Tochter ist ein wunderbarer Mensch und wird wirklich mit euch gemeinsam das Gleichgewicht stützen.“
„Sie spricht plötzlich anders…“ warum gerade DAS in meinen Gedanken aufkam, wusste ich nicht.
„Florence wird sich noch nicht wie eine Erwachsene artikulieren können, aber ihr Wortschatz ist wesentlich größer geworden. Bedenke auch, dass die Sprachen noch einen großen Einfluss auf sie haben. Euer Sohn hatte auch immer wieder so seine Probleme, oder?“ immer noch streichelte Brünhild meine Tochter beruhigend, die mittlerweile wieder eingenickt war.
„Dann geht es ihr aber gut, ja?“ ich spürte die Tränen über meine Wange laufen.
„Ja, sie ist nicht krank und sie hat auch keine Schäden davongetragen. Im Gegenteil!“ lautlos verschwand die Walküre in einem Nebel.
„Min lille engel, ich hab dich so lieb. Odin sei Dank… nein, nicht ganz! Aber ich bin froh, dass es dir besser geht.“ weinte ich vor mich hin, während ich meine Tochter an mich drückte.

 

„Mi sol, ich … weiß gar nicht was ich sagen soll…“ Haytham war neben uns getreten, genauso wie Edward.
„Meine Schwester ist toll!“ kam es ehrfürchtig und voller Stolz aus dem Mund unseres Sohnes.
„Ihr ZWEI seid einfach großartig!“ ich kniete mich zu Edward hinunter und knuddelte auch ihn an mich.
„Ich habe Hunger!“ hörte ich plötzlich Florence an meinem Ohr sprechen.
„Magst du auch etwas von dem Spanferkel, was dein Vater erlegt hat?“ als hätte man das Licht angeknipst waren beide Kinder plötzlich Feuer und Flamme und vor allem … hellwach!

 

Florence war wie ausgewechselt, marschierte von einem zum anderen, plapperte was das Zeug hielt, so als wäre nichts passiert vorher.
Außerdem hatten sie und Edward einen gesegneten Appetit, was mich natürlich freute, so konnte ich mit Sicherheit sagen, dass niemand krank war.
Irgendwann stand aber Stephen, Mildreds Gatte, vor mir und bot mir von dem Hasen, welchen ER erlegt hatte an. Etwas verstohlen sah ich zu meinem Mann, welcher mit hochgezogener Augenbraue nickte. Es wäre unhöflich, abzulehnen. Also kostete ich ein kleines Stück.
„Das schmeckt hervorragend, aber ich glaube, ich bin mittlerweile einfach zu satt.“ ich hoffte, dass würde als Erklärung und Entschuldigung reichen.
„Wenn ich sehe, dass nur noch etwas von diesem Hasen und etwas von den Hühnchen übrig ist, kann ich mir das vorstellen…“ lachte Stephen, während er sich um die anstehenden Aufräumarbeiten kümmerte.
Es war mittlerweile schon nach 10 Uhr, wie ich erschrocken feststellte, als ich mir Haythams Taschenuhr geschnappt hatte. Ein Blick auf die Kinder zeigte mir aber, für sie war… die Nacht zum Tage geworden! Na großartig!

 

Wir machten uns jetzt alle nach und nach auf den Heimweg, einige der Nachbarn fuhren direkt nach Hause, ein paar blieben noch über Nacht.
Beim Herrenhaus angekommen, brachte ich Edward und Florence hinauf, während Haytham die anderen Gäste noch bewirtete.
„Mama, das war ein schöner Geburtstag!“ gähnte mir mein Sohn im Bett entgegen. „Wie bin ich eigentlich in deinen Bauch gekommen?“ bei diesen Worten lag er schon mit geschlossenen Augen da.
„Das erkläre ich dir die nächsten Tage, min lille skat. Heute ist es dafür zu spät.“ ich selber war zu müde.

 

Florence lag ebenfalls bereits gähnend in ihrem Bett, aber sie verlangte mal nicht nach ihrem Vater.
„Kommst du mit zu Brünhild…“ nuschelte sie, als ich sie zudeckte.
„Wenn du es möchtest, dann mache ich das bald einmal, versprochen, min lille engel.“ sprach ich leise und gab ihr einen Kuss auf die Wange, welche wieder rosig war.
„Sophia…“ mehr brauchte ich nicht sagen.
„Ich gebe euch sofort Bescheid, sollte etwas sein.“ das Kindermädchen lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und begann in einem Buch zu lesen.
Für einen Moment stand ich einfach auf der Schwelle, weil ich das alles noch nicht ganz verpackt hatte.
Florence wird anders unterrichtet, mein Kind. Mach dir heute keine Gedanken mehr darüber. Komm herunter und feier den Ehrentag deines Mannes noch ein wenig mit uns!
Es hatten sich aber jetzt bis auf Rory, Thomas, Elias und seine Frau alle anderen zur Nacht verabschiedet.

 

Da ich jetzt beruhigter war, konnte ich mir auch etwas alkoholisches gönnen und das tat ich. In nicht besonders kleinen Mengen, weil… es waren plötzlich Thor, Idun, Tyr (wie immer eigentlich), Heimdall und so weiter hier erschienen und waren der Meinung, dass der hiesige Met auch gefeiert werden sollte!
Ich hielt mich an meinem Champagner fest, was mir immer wieder ein Kopfschütteln einbrachte.
„Man könnte glauben, du leidest an Geschmacksverirrung. Aber wenn ich mir deinen Mann ansehe… nein, du hast einen sehr guten Geschmack.“ grinste Sigyn über ihr Glas hinweg in meine Richtung!

 

In dieser illustren Runde wurde heute auch der Lebensgefährte von Rory vorgestellt. Jetzt wo wir „unter uns“ waren, konnten die beiden sich ganz natürlich geben, ohne auf jedes Wort oder jede Geste achten zu müssen. Thomas war ein fröhlicher Mensch, unterhaltsam und seine Zuneigung zu unserem Advokaten sah man ihm einfach an.
„Ich wusste gar nicht, wie ich diesem Mann meine Liebe überhaupt gestehen sollte. Da sitzt man sich gegenüber und schweigt sich an. Dabei bin ich nicht gerade auf den Mund gefallen.“ lachend schilderten uns die beiden nun, wie sie sich näher gekommen waren.
„Du hattest aber immer so eine Zurückhaltung an dir, Rory. Wirklich getraut habe ich mich halt auch nicht.“ Thomas lächelte ihn liebevoll an.
Die beiden hatten dann den ersten klassischen Klischeekuss. Einer stolpert, der andere „fängt“ ihn auf und dann gibt eines das andere.
„Es war wie eine Offenbarung!“ in Rorys Stimme klang diese Erleichterung mit, welche er damals empfunden haben muss.

 

Gegen 4 Uhr verabschiedeten wir uns aber, die Kinder würden sicherlich wieder zeitig nach Aufmerksamkeit verlangen.
Als ich im Nachthemd noch einen Moment auf der Bettkante saß, fragte mich Haytham, ob alles in Ordnung wäre.
„Ja, es war halt sehr ereignisreich heute. Vor allem mit Florence und Brünhild. Ich bin gespannt, was sie mir zeigen möchte.“ ich erklärte meinem Mann, dass unsere Tochter mich danach gefragt hatte.
„Ich würde es wirklich gerne sehen, wie es dort ist.“ flüsterte er hinter mir, während er seine Arme um mich schlang. „Aber wie wäre es, wenn du mich heute noch ein wenig aufklären würdest?“ seine Stimme war so rau und lüstern, dass ich ihm diesen Wunsch natürlich erfüllte, auch wenn es schon so spät war.

 

„Solche Lektionen lasse ich mir doch gefallen, mi sol.“ hauchte er in meinen Nacken, als wir später aneinander geschmiegt im Bett lagen.
„Ich gebe mein bestes.“ kicherte ich leise und zog seine Arme um mich. „Jetzt schlaf aber, ein intensiverer Unterricht steht dir sicherlich bald ins Haus.“ bei diesen Worten gähnte ich so herzhaft, dass ich befürchtete, er hätte sie nicht verstanden.
„Ich werde da sein, versprochen!“
Langsam glitten wir in unsere wohlverdiente Nachtruhe!

Kapitel 10

 

~~~ Lehrstunde für Haytham ~~~

 

Ich wurde von einem lauten „Mama! Guten Morgen!“ geweckt!
„Edward, lass deine Mutter noch ein wenig schlafen. Es war gestern spät.“ gähnte Haytham.
„Dann gehe ich mit Walka schon mal runter.“ seufzte Edward theatralisch.
„Mach das…“ nuschelte ich leise, weil mein Mund sich wie mit Kleister bestrichen anfühlte.
„Mi sol, hast du etwa zu viel von dem guten Champagner gehabt?“ kicherte mein Templer neben mir.
„Kann sein, lass mich jetzt schlafen…“ leider konnte ich nicht weitersprechen.
„Mama… kuscheln!“ hörte ich die freudige Stimme von Florence, welche dabei war, auf unser Bett zu klettern.
„Verzeiht, Mistress Kenway. Miss Florence war einfach nicht aufzuhalten.“ gerade wollte Sophia ihren Schützling auf den Arm nehmen, als diese anfing zu zetern.
„Nein, will Mama und Papa Bünhit zeigen!“ dieser kleine Wirbelwind war richtig wütend, was in dem Fauchen in ihrer Stimme ganz eindeutig zu hören war.
„Aber…“ ich winkte ab und nahm sie an meine Seite, auch wenn mir mein Kopf drohte zu zerplatzen.
Das Kindermädchen knickste und ging dann.

 

„Min lille engel, kannst du damit bitte noch warten, bis ich angezogen und wach bin? Mir tut mein Kopf weh…“ flüsterte ich leise.
„Pusten?“ schon hauchte mir meine Tochter über die Stirn. Erwartungsvoll sah sie mich jetzt an. „Ist dein Kopf besser?“
Es klingt völlig absurd, aber tatsächlich waren die Kopfschmerzen weg.
„Ja, das hast du gut gemacht! Jetzt lass mich aber noch etwas trinken.“ dabei drückte ich sie doll an mich und gab ihr einen dicken Kuss.
„Florence, wie hast du das gemacht?“ wollte Haytham jetzt wissen, weil eigentlich Edward derjenige mit den Heilungskräften war…
„Eddy hilft…“ grinste sie, sah sich aber jetzt suchend nach ihrem großen Bruder um.“EDDY!“ brüllte sie plötzlich.
Kurz darauf flog erneut unsere Tür auf.
„WAS denn?“ rief er ebenso laut, aber als er mich sah, entschuldigte er sich gleich für seinen Ton. „Aber dir tut nichts mehr weh, hab ich recht?“ grinste mein Sohn breit.
„Nein, danke min lille skat!“ nuschelte ich über den Rand meines Glases mit Wasser hinweg.

 

Die Reise zu Brünhild verschoben wir auf nach dem Frühstück. Wir alle hatten Hunger und brauchten erst einmal eine kleine Stärkung.
Unten erschienen hintereinander weg alle Gäste, welche hier genächtigt hatten.
Als letztes erschien Elias, welcher leicht grün im Gesicht war, was mir ein Schmunzeln über die Lippen brachte.
„Kein Wort, Kind. Oder ich vergesse mich.“ ok ok … ich würde nichts sagen, nicht laut zumindest.
Rory und Thomas verabschiedeten sich direkt im Anschluss, wohingegen die Bassiters noch einen Moment blieben um sich mit Haytham über einen Auftrag nach Italien zu beraten. Der Tabak lag nicht in meinen Händen, also kümmerte ich mich mit Sigyn um einen verkaterten Allvater.
„Ihr tut gerade so, als wäre ich gerade erst von der Ragnarök auferstanden. Ich brauche nur etwas Ruhe. Ich bin alt!“ leider konnte ich mein Lachen nicht mehr bremsen, weil es so wehleidig und maulig klang, eben genau wie jeder normale Mann der krank ist auch. „Hatte ich dich nicht gewarnt…“ aber es passierte nichts, als er seine Hand hob.
Sigyn hielt ihn alleine mit ihrem Blick auf. „Und jetzt, sei still.“ gebot sie ihm.

 

Unser Advokat hatte gestern noch berichtet, dass eine Gruppe der „Söhne der Freiheit“ sich in Boston niederließen. Sie sammelten sich dort um Pläne zu schmieden diese Steuern und Unterdrückung endlich beenden zu können.
Haytham hatte die Bassiters verabschiedet mit der Bitte sich umgehend zu melden, wenn das Schiff für die Lieferung auslaufen sollte.
Anschließend kam er in den Salon um uns Gesellschaft zu leisten.
Wir beratschlagten nun ebenfalls, wie wir mit diesem Thema umgehen sollten. Da ich wusste, wo wir am besten mitmachten und wo wir lieber die Finger von lassen sollten, war ich ein gefragter Ansprechpartner an diesem Tag.
Vor allem musste ich den ersten Moment, wo auch Connor in Erscheinung treten würde, verhindern. Das „Boston-Massaker“ durfte nicht auf die Templer und die Bruderschaften zurück zuführen sein.
„Dann sollten wir dort alle bereits ansässigen Brüder und Schwestern entsprechend unterrichten, sich an entsprechenden Tagen möglichst nicht blicken zu lassen. Vor allem nicht an irgendwelchen Versammlungen teilzunehmen.“ grübelte mein Mann vor sich hin.

„Das ist eine Sache, dazu kommt, dass ich auch das schon mit Achilles im Vorfeld besprechen müsste…“ Haytham ließ mich nicht ausreden.
„Sag mir jetzt nicht, dass mein Sohn dort eigentlich die Verantwortung trägt.“ jetzt war ich es, die ihn mit großen Augen entgeistert ansah.
„Was? Nein… aber laut Aufzeichnung von Master Davenport und … deinem Sohn sind beide an dem Tag in Boston. Eigentlich müsstest auch du… dort sein…“ nuschelte ich leise.
„Wann wäre das, Alex?“ fragte mein Mann leise, aber er war nicht wütend, sondern einfach nur neugierig.
„Im März übernächsten Jahres glaube ich. Anfang März, wenn ich richtig liege.“
Alle waren sich einig, dass wir noch etwas Zeit hätten, entsprechend zu planen. Außerdem musste ich noch dieses Gespräch mit Shays altem Mentor abwarten!

 

Am Nachmittag verabschiedete man sich.
Als ich für einen Moment meine Ruhe hatte, saß ich auf der Bank hinten bei der Weideneiche und genoss die Wintersonne auf meinem Gesicht.
„Mama, hast du wieder Aua?“ flüsterte Florence neben.
„Nein, min lille engel. Es ist nur gerade so schön ruhig und warm hier draußen. Komm, setz dich zu mir.“ ich hob meine Tochter auf die Bank neben mich. Gemeinsam sahen wir auf den Fluss. „Wie geht es dir denn? Bist du immer noch müde, so wie gestern?“ fragte ich leise.
„Bin nicht müde. Hab Eddy gekuschelt.“ in ihrer Stimme klang eine niedlich Freude mit, wie immer wenn sie über ihren Bruder sprach. Er hatte sich wirklich zu einem GROSSEN Bruder entwickelt. Edward hatte, fast, immer ein Auge auf sie.
Als die Sonne dann langsam verschwand gingen wir beide hinein. Florence hatte noch einige Sachen erzählt, leider hatte ich nur die Hälfte verstanden, weil zu meinem großen Erstaunen plötzlich auch die alte nordische Sprache durchbrach. Faszinierend!

 

Ein Bote erschien und brachte mir von Faith die Nachricht, dass sie auch gespannt sei, wie mein Gatte mit diesem Thema dann umgehen würde. Zusammen mit dem Brief hatte sie das Mikroskop auch gleich mitgeschickt. Langsam wuchs eine gewisse Nervosität in mir, weil ich ehrlich gesagt noch nicht konkret darüber nachgedacht hatte, WIE ich die Spermien unter das Mikroskop bekomme.
„Du siehst aus, als würdest du eine wissenschaftliche Abhandlung in deinem Kopf ausarbeiten, mi sol.“ lachte Haytham, als er sah, wie ich dieses Instrument musterte. „Ich hoffe aber, du weißt, wie man das benutzt?“
„Ja, das schon aber… ich glaube, ich sollte vielleicht noch eine Nacht drüber schlafen. Dann sehe ich morgen weiter.“ hüllte ich mich in ein kryptisches Schweigen.
„Irgendwie macht mir das Angst.“ hörte ich meinen Templer neben mir.
„Gut so.“ grinste ich und drehte mich um, um das Mikroskop in unser Schlafzimmer zu bringen.

 

„Wozu ist das? Was macht man damit? Kann ich auch mal damit spielen?“ Edward hatte mich beobachtet, als ich hinauf ging.
„Das ist kein Spielzeug, min lille skat. Damit kann man Dinge erkennen, die man so nicht sehen kann, weil sie viel zu klein sind.“ versuchte ich eine Erklärung.
„Aber was willst du denn sehen?“ ich seufzte tief, weil ich mit diesen Fragen hätte rechnen müssen.
„Das ist ja das spannende, ich weiß es noch nicht.“ einem 5-jährigen würde ich sicherlich nicht die Gene, Spermien oder ähnliches erklären.
„Das ist ja langweilig.“ damit drehte er sich um und ging wieder hinunter.
Ich atmete tief durch, stellte den Kasten auf die kleine Kommode vor dem Fenster und sah mich nach einem kleinen Behälter um. Hier würde ich nicht fündig werden, also beschloss ich, in der Küche nach zu fragen.

 

Mich blickten erschrockene Gesichter der Belegschaft an.
„Keine Angst, es ist nichts passiert und ich habe auch keinen Anschlag auf euch vor. Ich bräuchte nur ein kleines Glas.“ ich deutete mit den Fingern, wie groß. Ein kleines Wasserglas sollte genügen.
Auf dem Weg nach oben kam Haytham gerade aus seinem Arbeitszimmer.
„Warum bringst du noch mehr Trinkgläser nach oben? Für dein Wasser haben wir schon genügend dort verteilt.“ lachte er, aber verstummte, als er meine hochgezogene Augenbraue sah. „Ah, ich verstehe. Das Experiment?“ ich nickte stumm. „Sag mir Bescheid, wenn du soweit bist, ich bin neugierig.“
Heute Nacht würde ich ihm, hoffentlich, alles erklären können. Ich hoffte vor allem, dass die Petroleumlampe genügend Helligkeit spenden würde, ansonsten müssten wir bei Tageslicht noch einmal… bei diesem Gedanken lief ich dunkelrot an und mein Unterleib begann zu kribbeln.
Ein Räuspern riss mich aus meinen schmutzigen Gedanken.
„Wie es scheint, ist es ein sehr tiefgehendes Experiment.“ Haythams flache Hand landete auf meinem Po, als ich mich umwandte um nach oben zu gehen.
„Auf jeden Fall, mi amor.“ hauchte ich leise.

 

Eheleute de L´Isle und de Granpré waren noch geblieben, weil sie sich bei Mr. Gillehand nach ein paar Pferden umsehen wollten. Vor morgen würden sie sicherlich nicht wieder hier sein.
Ich hatte mit meiner Geschäftspartnerin noch ein paar nette Unterredungen bezüglich Aveline gehabt. Das Mädchen war mittlerweile gut ausgebildet und machte sich einen Namen in der Bruderschaft im Süden.
„Sie hat schon einige Widersacher in die Flucht schlagen können, Mistress Kenway. Aveline ist eine Meisterin was Giftpfeile und Schleichen angeht.“ flüsterte sie verschwörerisch an meiner Seite.
„DAS ist immer sehr hilfreich, da stimme ich euch zu. Wie sieht der bisherige Zusammenschluss im Moment aus. Können wir von einem kleinen Erfolg bereits sprechen?“ meine Worte kamen etwas zögerlich, weil ich immer befürchtete, dass wir Null Fortschritt dort gemacht hätten.
„Ja, es sind immer nur kleine Gruppen von Assassinen oder auch abtrünnigen Templern, welche sich querstellen. Einigen kann man mit Argumenten und guten Worten beikommen, anderen wieder rum muss man das Schwert an den Hals legen.“ ihre resolute Art war manchmal unheimlich und ich stellte mir vor, wie sie dabei war, einen ihrer Feinde gerade zu töten.

 

Ich wurde im Laufe des Abends immer nervöser, was natürlich Haytham auffiel.
„Alex, du ziehst doch nicht in die Schlacht, es ist doch nur…“ er hielt inne, weil auch die Kinder noch anwesend waren.
„Was macht ihr heute noch? Willst du Vater das Mikroskop zeigen? Darf ich auch dabei sein? Bitte, Mama!“ bettelte Edward, während er mal wieder heimlich Fleisch von seinem Teller seiner Hündin gab.
„Nichts, min lille skat. Ich habe nur Angst, dass ich … es vielleicht kaputt machen könnte. Dann wäre Tante Faith sicherlich ziemlich böse mit mir.“ diese Worte sollten hoffentlich reichen, dass unser Sohn nicht heimlich an dieses Gerät ging!
„Oh, Tante Faith kann wirklich böse werden…“ dabei duckte sich Edward etwas. Mir entwich ein leises Prusten, weil sie anscheinend beim letzten Besuch Eindruck gemacht hat, durch ihre Übellaunigkeit.
„Genau deswegen!“

 

Florence und Edward waren im Bett, ich hatte alles was ich brauchte bereits zurecht gelegt. Von dem kleinen Glas, zur Pipette bis hin zum Objektträger und der Petroleumlampe war alles am Start. Fehlte nur noch mein Mann!
Dieser saß in seinem Arbeitszimmer über einigen Schriftstücken als ich eintrat.
Ich stellte mich hinter ihn und begann seinen Nacken zu massieren.
„Hmmmm, das tut gut, mi sol.“ flüsterte er an mich gelehnt. Seine Augen ruhten auf mir.
„So soll es sein, mi amor. Brauchst du noch lange oder…“ bevor ich noch etwas sagen konnte, donnerte er das Buch neben sich zu, verschloss das Tintenfass und löschte die Kerzen!
„Nein, ich bin fertig!“ in seinem Gesicht lag eine kindliche Vorfreude, die ich schon lange nicht mehr an ihm gesehen hatte.
„Dann komm mit.“ flüsterte ich lüstern.
Oben schloss ich leise die Tür hinter uns. Dieses Mal aber schloss ich ab, weil ich sicher gehen wollte, dass uns niemand stört. Denn das wäre nur sehr sehr schwer zu erklären für Edward oder auch Florence.

 

Ich schob meinen Mann Richtung des Sessels vor der Kommode. Sein Blick glitt über die Utensilien dort.
„Wenn ich es recht bedenke…“ kam es etwas zögerlich von ihm.
„Setz dich, mi amor und lass mich machen.“ küssend drückte ich ihn nach unten. Dann ließ ich mich vor ihm auf die Knie nieder.
Als meine Hände an den Knöpfen seiner Hose hantierten, sah er mich fragend an, ich aber schüttelte nur lächelnd den Kopf.
Vorsichtig begann ich ihn mit dem Mund zu verwöhnen, was mir ein großes Lob seitens meines Mannes einbrachte.
„Jesus, Alex!“ seine Hand vergrub sich in meinen Haaren, während die andere die Lehne umklammerte.

 

Jetzt musste ich den richtigen Zeitpunkt abpassen… aber da ich meinen Mann bereits in- und auswendig kannte, klappte alles wie geplant.
Langsam ließ ich dann von ihm ab und erhob mich vorsichtig.
Sein Blick lag skeptisch aber befriedigt auf mir.

 

Mit der Pipette beförderte ich einige Tropfen auf den Objektträger, legte diesen unter das Mikroskop und unweigerlich hielt ich die Luft an, als ich hindurch sah!
Ein wenig musste ich noch die Lampe näher heranbringen, aber dann… DA! Ich sah diese kleinen Schwimmer, die wie Kaulquappen aussahen und… Holla! Es waren einige und darunter auch recht flinke Spermien!
Ich konnte mir jetzt ein breites Grinsen einfach nicht mehr verkneifen!
„Schau hindurch und sag mir, was du siehst.“
Vorsichtig, als hätte ich ihn gebeten eine Bombe zu entschärfen, trat er an das Mikroskop. Eine Weile kam gar keine Reaktion, nicht einmal eine gerunzelte Stirn.
„Was… was in drei Teufels Namen sehe ich da? Und das…“
„Das, Haytham, sind Spermien. Sie sind dafür verantwortlich, dass ich schwanger werden kann. In diesen kleinen Schwimmern sind deine Gene, deine DNA vorhanden. Deswegen haben unsere Kinder viele Ähnlichkeiten mit mir und dir, weil wir das alles dadurch weitergeben.“ aber ich sah, das reichte ihm noch nicht.

 

Ich nahm mir das Blatt und den Kohlestift, was ebenso schon parat lag. Also malte ich, so gut es ging meine Gebärmutter auf. Anhand davon erklärte ich meinen Zyklus, wie die Eizellen auf diese Spermien warteten, wie die Zellteilung dann beginnen würde und so weiter.
„Und das alles weißt du woher? Das können doch noch nicht einmal die Ärzte wissen. Das ist… fantastisch, aber auch unheimlich.“ seine Stimme hatte einen leichten Unglauben angenommen, verständlich.
Als ich ihm berichtete, dass wir in der Schule Sexualkundeunterricht gehabt hätten und auch entsprechend aufgeklärt wurden, wuchs sein Erstaunen weiter.
„In der Schule, vor allen wird euch sowas gezeigt?“ natürlich nicht live und in Farbe, als ich das erwähnte atmete er etwas erleichtert aus.
Gene und DNA versuchte ich auch möglichst genau zu beschreiben. Ich hoffte, das würde fürs erste reichen.
„Ich bin ehrlich etwas sprachlos. Das heißt, jedes mal wenn wir miteinander schlafen könntest du schwanger werden. Aber das klappt nur an diesen, wie nanntest du sie, fruchtbaren Tagen. Warum aber nicht zwischendurch?“ also beschrieb ich, dass auch die äußerlichen Umstände oft dazu beitrugen, dass man nicht schwanger wurde. Oder auch dass man vielleicht schwanger war, bekommt aber doch seine Blutung.

 

„Überwältigend, Alex. Wirklich!“ kam es etwas später, als er bereits im Bett lag und ich alles wieder gereinigt hatte.
Ich wollte mir gerade mein Nachthemd anziehen, da sah ich aus dem Augenwinkel, wie Haytham mit dem Kopf schüttelte und mit einem Fingerzeig mich ins Bett orderte.
„Für diesen ausgiebigen und lehrreichen Unterricht hast du dir eine Belohnung verdient!“ raunte er an meinem Hals und ließ sich langsam an meinem Körper nach unten gleiten!

 

Und ich kann euch sagen, ich würde ihm jeden Tag so etwas beibringen, wenn DAS dabei herausspringt für mich!

 

Kapitel 11

 

~~~ Blutiges Silvester ~~~

 

„Guten morgen, mi sol.“ hörte ich die tiefe Stimme meines Mannes an meiner Seite. Ohne ein Wort kuschelte ich mich an ihn, weil ich noch an die letzte Nacht denken musste. Meine Hand strich vorsichtig über seine Brust gefolgt von meinen Lippen. „Du bist also schon mehr als wach, wie ich sehe.“ flüsterte er, während er mich langsam unter sich drehte.
„Ich glaube schon, aber vielleicht solltest du noch einmal auf Nummer sicher gehen.“ meine Stimme versagte mir, als ich ihn in mir spürte.
„Wacher geht es nicht…“ dabei wurden seine Bewegungen schneller, genau wie unsere Atmung, aber es war einer dieser stillen Momente zwischen uns. Nur unsere Körper zählten.
Als er meine Hände wieder frei gab, strich ich vorsichtig über seinen Rücken.
„Das war wundervoll.“ flüsterte ich leise.
Sein liebevoller Blick reichte völlig aus.

 

Lautes Klopfen war plötzlich zu hören!
„Warum habt ihr abgeschlossen!“ jammerte Edward vor der Tür und Walka stimmte jaulend mit ein.
„Weil es gerade die Zeit für deine Mutter und mich ist, mein Sohn.“ rief Haytham grinsend.
„Ich geh ja schon wieder.“ dieses Stampfen ließ mich wütend werden und ich war drauf und dran unseren Sohn zurecht zuweisen!
„Beruhige dich. Auch er darf mal wütend sein, oder?“ perplex sah ich meinen Templer an.
„Und das aus deinem Munde? Was hast du mit meinem Ehemann gemacht, wo ist er hin?“ grinste ich jetzt.
„Ich… weiß nicht. Aber ich bin überaus entspannt und ausgeglichen gerade. Ich kann auch gerne wieder…“ bevor er weitersprechen konnte, bedeckte ich seinen Mund mit Küssen!
Trotzdem mussten wir aufstehen, es war schon hell und ich hörte Florence bereits.

 

Mit einem bösen Blick von Edward wurden wir unten im Esszimmer begrüßt.
„Min lille skat, du weißt doch, dass es diese Zeiten nur für uns Eltern gibt. Das haben wir dir erklärt.“ versuchte ich noch einmal eine Erklärung.
„Schon verstanden!“ fauchte er mich an.
Florence hingegen war guter Dinge und ließ sich ihr Frühstück schmecken. Erfreut stellte ich fest, dass sie seit neuestem auch gerne Äpfel aß. Sonst spuckte sie die immer wieder aus, weil sie zu sauer oder zu hart waren.

 

Die nächsten Wochen verbrachte ich intensiver mit Edward, weil wir im Januar ein erneutes Gespräch mit Mr. Hathaway vereinbart hatten bezüglich des Unterrichts für ihn.
Ich muss sagen, unser Sohn machte sich wirklich gut. Er war konzentrierter als ich dachte.
Sogar beim Vorlesen war er ruhig, stotterte nicht mehr.
Nur mit dem Rechnen, da haperte es immer wieder. Wenn ich aber als Beispiel für die Zahlen Äpfel aufmalte, verstand er es schneller. Schnell hatte Edward auch raus mit den Fingern nach zuzählen, oder er rechnete anhand der Blumen auf der Tischdecke im Wintergarten. Sobald aber die nackten Zahlen zu sehen waren, sah ich regelrecht das Wirrwarr in seinem Kopf.
Ich ließ deshalb einen Abakus für Edward anfertigen, damit er üben konnte.
Derweil würden seine Zinnsoldaten oder die Holztiere herhalten müssen.


Auch Florence machte sich im Laufe dieser Dezemberwochen. Wir merkten aber, wie bei Edward am Anfang auch, dass sie oft die Sprachen nicht auseinander halten konnte, oder sie verstand mich zum Beispiel nicht, wenn ich deutsch mit ihr sprach.
Das würde sich noch legen, dass wusste ich ja bereits.
Außerdem hatte sie einen niedlichen Sprachfehler, sie konnte beispielsweise nicht Schmetterling sagen, sondern sagte Metterbim. Es klang halt einfach süß, das finden aber vermutlich auch nur die Eltern niedlich. Also weiter im Text!

 

Am Silvestermorgen rannte mir unser Sohn entgegen und brüllte „Und Mama? Was kochst du heute? Du hast doch mit Tante Faith darüber gesprochen!“
Ich sah ihn verwirrt an, bis mir einfiel, dass das ja nur als Notlüge gedacht war und ich jetzt in der Bredouille saß. In die Küche durfte ich laut Haytham nicht und ich hatte ja gar nichts geplant.
„Wir… ich…“ Der Boston-Apple-Pie! „ Wir machen diesen Apfelkuchen mal wieder, ja? Hilfst du mir?“ oh das würde jetzt lustig werden, weil ich gar nicht wusste, ob auch alles noch genügend vorrätig war.
Auf dem Weg zur Küche fing mich mein Templer ab.
„Wohin des Weges?“ diese zynische Frage überging ich, indem ich ihm mitteilte, dass ich ja das Versprechen an unseren Sohn einhalten musste. „Ohh, ja… natürlich… Versprechen muss man halten.“ grinste er mich an als er verstand, dann sah er zu Edward. „Hilf deiner Mutter und hol auch deine Schwester dazu.“ damit drehte er sich um und verschwand Richtung Arbeitszimmer.

 

Mit vereinten Kräften improvisierten wir mit dem Küchenpersonal diesen Kuchen. Die Kinder waren begeistert bei der Sache, vor allem als es um den Mürbeteig ging. Davon landete mehr in den Bäuchen von Edward und Florence, als in der Backform.
„Miss Florence, so haltet ihr den Kochlöffel besser zum Rühren.“ hörte ich eine der Mägde, welche meine Tochter unter ihren Fittichen hatte, während Edward der Köchin half, die Marinade zu machen.
„Die schmeckt so lecker…“ mit einem kleinen Löffel davon lief er zu seiner Schwester, damit sie kosten konnte.
„Njjjjjjjammmmm!“ quietschte sie.
Im Anschluss mussten wir nur noch auf das Endergebnis warten. Bis dahin wusch ich die beiden und zog sie um.
Beim Mittagessen erzählte man nun Haytham von der erfolgreichen Herstellung des Boston-Apple-Pies.
„Ich hoffe er schmeckt so gut, wie ihr es beschreibt.“ lächelte mein Templer seine Kinder an.
„Natürlich Vater! Ich hab ja mitgeholfen….und Flo auch!“ kam es nach kurzer Pause.

 

Dieses Jahr verbrachten wir Silvester bei den Bassiters. Das hieß keinen Mittagsschlaf für Florence, weil wir direkt nach dem Mittagessen aufbrechen wollten, damit wir am Abend zeitig dort erscheinen konnten. Der Kuchen wurde als Gastgeschenk mitgenommen. Ich hatte den Kindern versprochen, dass sie ihn übergeben dürften, weil sie ihn ja auch gebacken hatten.
Dort angekommen herrschte schon rege Betriebsamkeit.
Wir waren einige der letzten Gäste die eintrafen. Wir würden über Nacht bleiben, alleine schon wegen der Kinder!
Es gab ein erlesenes Abendessen, welches meine Tochter fast verschlief, weil sie immer wieder einnickte. Sophia brachte sie kurzerhand ins Bett.
Edward durfte noch aufbleiben, so lange er denn konnte. Gegen 9 Uhr war aber auch er eingeschlafen!

 

Wir saßen gerade alle im Salon, als wir lautes Klirren aus der oberen Etage hörten, dann war lautes Geschrei zu vernehmen.
In meiner Panik wollte ich schon meine Klingen vorschnellen lassen, als mir einfiel, dass ich mal wieder völlig unbewaffnet erschienen war! Scheiße!
Haytham hingegen hatte sein Schwert auf einem Tisch bei der Eingangstür abgelegt, wie alle Herren!
„Warte hier, wir sehen nach, mi sol.“ mahnte mich mein Mann, weil er sah, dass alle Frauen in einer Schockstarre beisammen standen. Musste ich jetzt hier Wache halten? Aber… er drückte mir seinen Dolch in die Hand!
Nicht viel, aber wenigstens etwas. Wenn alle Stricke reißen, dann wissen wir ja, worauf wir uns berufen können! Hörte ich ihn in meinem Kopf, was mich postwendend beruhigte, da ich diese Möglichkeit immer noch nicht so ganz verinnerlicht hatte.

 

„Setzt euch bitte dort an die Wand und rührt euch nicht. Keiner geht ans Fenster oder die Tür!“ instruierte ich die Damen, welche alle durch die Bank weg blass geworden waren.
„Aber meine Kinder…“ jammerte eine junge Frau.
„Ihnen passiert nichts! Unsere Männer sind ja da.“ Bei Odin, ich hasste es, wenn ich nicht selber für diese Sicherheit sorgen konnte, sondern sie den Herren der Schöpfung überlassen musste.
Ich ließ meinen Blick nach oben wandern und sah einige rote Auren, welche sich aber ausschließlich, bis jetzt noch, auf der linken Seite befanden. Dort waren nur Angestellten-Zimmer. Die Gäste- und Kinderzimmer waren auf der anderen Seite, einige davon auch eine Etage höher! Etwas erleichterter atmete ich aus und gab Entwarnung!
„Woher wisst ihr das, Mistress Kenway?“ hörte ich die zweifelnde Stimme einer Mutter. Verdammt!
„Weil ich die Geräusche direkt über uns höre, also sind sie augenscheinlich nicht dort drüben eingestiegen!“ hoffentlich reichte das fürs erste.
„Aha… Euer Wort in Gottes Ohr!“ Nein, Odins Ohr bitte!

 

Plötzlich hörten wir Getrampel und erneutes Glas springen aus dem Eingangsbereich, was mich sofort in Hab-Acht-Stellung versetzte. Vorsichtig schlich ich mich zur Tür, öffnete sie einen Spalt, damit ich hinaus lugen konnte.
Alle Herren waren hinauf gestiefelt, sodass hier unten keiner mehr war! Ich alleine konnte gegen diese Angreifer aber nicht viel ausrichten! Oder sollte ich es einfach versuchen?
„Ich werde jetzt da raus gehen, verschließt hinter mir die Tür und schiebt etwas schweres davor. Die Kommode dort drüben wäre ideal. Tut einfach, was ich sage!“ befahl ich, während ich schon fast draußen war.
„Ihr könnt uns doch nicht auch noch alleine lassen!“ flehte eine der Frauen!
„Doch, weil diese Meute sonst hier hereinplatzt! Wenn ihr gerne Opfer einer Vergewaltigung oder Schlimmeres werden wollt, dann bitte…“ ich wurde ungehalten, Thyra brach langsam durch, ich musste JETZT dort hinaus!
„Versprecht uns, dass den Kindern nichts passiert!“ heulte eine andere Dame!
„Ich verspreche es!“ sagte ich knapp, wappnete mich und war im Eingangsbereich!

 

Für einen Moment konzentrierte ich mich, sah meine Vorfahrin vor mir, ihre Montur, ihre Waffen… dann fühlte ich sie!
„Dann wollen wir diesen Arslingen (ein veralteter nordischer Ausdrück für A... ihr wisst schon) mal zeigen, wer hier das Sagen hat!“ brüllte sie, oder ich, als sie schon vorstürmte.
Wie immer lagen diese Äxte wie ein Wohlfühlgewicht in meinen Händen, dieses weiche Leder der Hose und des Harnischs… ich war angekommen!
„Jungs, da will sich so ein komisches Weib in unsere Angelegenheiten mischen!“ rief einer der Einbrecher belustigt zu seinen Kumpanen!
„Das komische Weib zeigt euch schon, wohin ihr gehört! Ihr werdet gleich nur noch ein kleiner jammernden Haufen Elend sein!“ brüllte sie mit einem Kampfschrei und stürmte auf die Männer zu!

 

Diese Äxte schnetzelten sich durch Arme, Oberschenkel und -körper! Ha, sie alle hatten keinen echten Kampfgeist, geschweige denn konnten sie sich gegen zwei Waffen gleichzeitig verteidigen.
Aber auch ich hatte es nicht leicht!
Sie versuchten es von allen Seiten, wollten links antäuschen und rechts ausführen! Nicht mit mir.
Dann erwischte mich doch tatsächlich eines dieser Schwerter auf der rechten Seite meines Bauches! Verdutzt schaute ich auf die Klinge, welche in meinem Fleisch steckte!
Erschrocken wich ich zurück, fühlte den Schmerz und das Blut, welches sich seinen Weg nach draußen bahnte! Aber es beflügelte mich auf eine eigenartige Weise!
Der nächste in der Reihe, war der Ansicht er könne mit seiner Faust mein Gesicht neu modellieren! Nein, ich verschönerte seinen Hals mit einem breiten Schnitt meiner Axt!

„Hier stimmt was nicht, Männer! Dieses Weib … sie ist … da stimmt was nicht…“ brüllte einer dieser Banditen mit aufgerissenen Augen, während er bereits röchelnd zu Boden ging.
Mittlerweile lagen 5 seiner Leute ebenfalls auf dem guten Parkett! Was für eine Sauerei!
„Oh mein Gott! Sie ist es wirklich! Leute! Diese… es gibt diese leuchtende Frau wirklich!“ Schwert schwingend rannte er dennoch auf mich zu, schlug zu, unachtsam und in Panik.
Auch er fand einen Weg mich zu verletzen, dieses mal drang die Schwertspitze direkt in meinen Oberschenkel. Dort blieb sie stecken! Vor Schreck weil er seine Waffe nicht mehr herausbekam zerrte er an mir, aber das machte mich nur wütender.
„Bei Odin! Mach schon, du Schlappschwanz. Oder soll ich ihn dir auch noch beim Pissen halten!“ brüllte ich diesen Idioten vor mir an und zog das Schwert mit meiner bloßen Hand heraus.

 

Ich hörte um mich herum ein lautes „ES REICHT!“ was alle verstummen ließ!
Wie angewurzelt stand ich da, schaute mich um! WER hatte mir hier zu sagen, wann Schluss ist? Noch kann ich das alleine entscheiden.
Vor mir tauchte Hemsleth auf, welcher mich mahnend ansah! „Sie haben genug, es gibt keine Sieger!“ ich sah das Schlachtfeld vor mir, die vielen Toten Sachsen und Clan-Mitglieder um mich herum.
Langsam ließ ich meine Äxte sinken und lehnte meine Stirn an die Brust meines Geliebten.
„Es ist vorbei!“ diese Stimme…
Langsam kehrte ICH wieder zurück, aber nicht ohne einen bissigen Kommentar von Thyra.
„Bei Odin! Tyr, such dir ein besseres Timing!“ grinsend verzog sich meine Vorfahrin in meinem Geist.

 

Jetzt realisierte ich, was passiert war.
Fast alle von dieser Meute waren tot oder schwer verletzt. Nicht nur hier unten, auch auf der ersten Etage gab es Verluste. Leider auch von zwei Ehemännern der anwesenden Damen!
Vorsichtig warf ich einen Blick auf meinen Körper, ich trug mein Kleid! Aber die Wunden! Sie waren da und taten höllisch weh. In dem Moment wo ich das realisierte sackte ich zusammen und ab da… hörte ich dumpfes Stimmengewirr um mich herum.
Als ich wieder zu mir kam, war es bereits hell. Ich lag in einem Bett, an meiner Seite saß mein Sohn.
„Mama, du bist wieder wach!“ flüsterte er, während er mir einen kalten Lappen auf die Stirn legte!
„Danke, min lille skat! Aber was machst du hier, wo sind dein Vater und deine Schwester? Geht es euch gut…“ mehr konnte ich gerade nicht zustande bringen, weil mich ein brennender Schmerz im Oberschenkel vom Sprechen abhielt.
„Dein Knochen ist kaputt, Mama! Nicht bewegen. Das dauert noch ein paar Tage, aber ich verspreche dir…“ mein Sohn warf sich auf meine Brust und weinte bitterlich!
„Es ist in Ordnung, min lille skat!“ flüsterte ich, bevor ich wieder in diesen dunklen Sumpf versank…

 

Kapitel 12

~~~ Odins Halle wartet auf mich ~~~

 

„Edward… du machst das gut… aber ruh dich jetzt aus…“

„Sie hat zu viel Blut verloren…“

„Dieses Fieber macht mir Sorgen…“

~~~

Das und noch mehr vernahm ich in einigen kurzen lichten Momenten! Sie blitzten immer für den Bruchteil einer Sekunde auf, blieben aber nicht lange!
Im Grunde fühlte ich mich gut. Ich war in einer weichen kuscheligen Welt aus Nichts! Meine Gedanken kreisten um… nichts.
Ab und an hatte ich Bilder vor Augen von spielenden Kindern, von einem Mann, der mich liebevoll ansah… Aber nie für lange!

~~~
 

Irgendwann lief ich durch einen Wald, welcher gerade erblühte, es musste wohl gerade Mai sein! Dieses Grün der Bäume ist einfach unverkennbar.
Auf einer Lichtung blendete mich die Sonne so stark, dass ich ins Straucheln geriet… Aber es war etwas anderes, das so hell erstrahlte.
Ich sah dieses riesige Tor vor mir und wusste, dass ich dahinter endlich meinen Frieden finden würde. Meine Beine trugen mich wie von alleine dorthin.
Ich hörte nichts in diesem Moment, selbst meine Schritte waren nicht zu vernehmen. Plötzlich realisierte ich das und sah an mir herunter.
Ich trug ein blutdurchtränktes Nachthemd, welches in Fetzen an mir herunterhing. Meine Haut hatte einen blassen gräulichen Schimmer! Meine Atmung ging hektisch, hyperventilierend. Mein Herz schien mir aus der Brust springen zu wollen.
Aber ich ging weiter, ich musste dort durch!

 

Kurz bevor ich das Tor erreichte zerrte etwas an mir und drehte mich zu sich herum. Ich blickte in das faltige Gesicht des Wanderers, welcher mich kopfschüttelnd und zugleich traurig ansah!
„Das ist noch nicht deine Zeit, Kind!“ seine Stimme klang seltsamerweise beruhigend.
Mein Blick glitt an ihm vorbei, wo ich drei Menschen sah. Alle schimmerten in einem hellen gelbgold und zogen mich damit magisch an.
„DORTHIN gehörst du, mein Kind!“ wieder fühlte ich diese Stimme richtig. Sie führte mich in die Richtung dieser Personen.
Als ich näher kam, kristallisierten sich die Umrisse, ich nahm die Konturen wahr und erkannte meine kleine Familie wieder. Haytham, Edward und Florence! Sie warteten auf mich!
Das letzte Stück sprintete ich regelrecht, weil ich es nicht abwarten konnte, sie alle wieder in meinen Armen zu haben!

~~~

„Alex! Du bist wieder wach!“

„Mama…“

„Du musst bei uns bleiben…“

„Es dauert jetzt noch ein wenig. Aber seid unbesorgt, es wird eurer Gattin bald wieder gut gehen!“ diese Stimme kannte ich doch?

 

Vorsichtig öffnete ich die Augen! Verschwommen nahm ich ein paar Umrisse wahr, welche langsam klarer wurden!
An meinem Bett standen mein Mann und meine Kinder!

 

„Mom! Ich bin so froh, dass du wieder wach bist!“ das war doch…
„Yannick?… Aber…“ meine Kehle fühlte sich an, als hätte ich Stacheldraht geschluckt!
„Ich bin hier…“ diese Umarmung tat mir gut. Sein Zittern durch seinen Gefühlsausbruch konnte ich nur erwidern. Es tat unendlich gut meinen großen Sohn in meiner Nähe zu haben! Leider verabschiedete er sich kurz danach mit den Worten, wir würden uns wiedersehen. Traurig lehnte ich in den Kissen, weil ich ihn wirklich vermisste!

 

Langsam kam ich wieder an, man reichte mir einen Becher mit Wasser. Außerdem kühlte man immer noch meine Stirn.
Als ich jedoch mein linkes Bein bewegen wollte, dachte ich, es würde abfallen!
„Noch nicht so viel bewegen, wir werden in den nächsten Tagen versuchen dich wieder mobil zu kriegen. Aber du hast eine heftige Blutvergiftung gehabt, welche zuerst behandelt werden musste!“ Haytham setzte sich neben mich und hielt meine Hand.
„Was ist denn passiert?“ flüsterte ich, weil ich nicht mehr alles zusammen bekam.

 

Nachdem ich wieder ICH war, sackte ich zusammen, weil ich wirklich sehr viel Blut verloren hatte.
Man hatte mich danach in unser Zimmer gebracht und nach dem hiesigen Arzt geschickt. Während man auf diesen wartete, hat Edward Junior bereits angefangen mich zu heilen. Er hat es versucht. Aber das Schwert hatte meinen Knochen durchstoßen, weswegen einige Splitter in meinen Blutkreislauf gerieten. Dadurch hatte ich auch noch innere Blutungen und eine Blutvergiftung kam ebenso hinzu, weil die Waffen der Banditen natürlich nicht steril waren!
Das ganze dauerte nun schon 5 Tage, aber dank Edward und Alex konnte das schlimmste verhindert werden.

 

Du warst auf dem Weg in die große Halle, mein Kind. Aber ich hätte es nicht verhindern können. Dein Sohn und dein Enkel haben Hand in Hand gearbeitet um dich wieder nach Hause zu bringen. Brünhild stand schon bereit, aber deine Tochter wachte ebenso an deiner Seite und hat dir die nötige Kraft gegeben dem Drang zu widerstehen, durch diese Tore zu gehen! Es ist noch nicht deine Zeit, mein Kind. Mein Allvater flüsterte diese Worte, ich spürte, dass er erleichtert war. Auf der anderen Seite würde er auch mich gerne dort sehen!
Aber wann weiß ich, dass ich wirklich dorthin gehen kann? Fragte ich leise, erhielt aber keine Antwort. Frustriert ließ ich mich in die Kissen sinken.
„Mi sol, hier. Trink etwas.“ wieder hielt mir mein Mann den Becher hin.
Sein Ernst? „Ich brauch das nicht…“ bevor ich aber noch ausholen konnte, setzte er das Gefäß an meine Lippen und kippte. „TRINK!“ was soll ich sagen, es war eine Wohltat, als ich dieses kühle Wasser in meinem Hals fühlte.
„Danke…“ nuschelte ich verlegen.

 

„Mama, ich hab dich lieb!“ hörte ich Edward und Florence wie aus einem Mund sprechen. Beide saßen neben mir und sahen mich traurig an.
„Ich habe euch auch ganz doll lieb und danke, dass ihr mir so geholfen habt. Das habt ihr fantastisch gemacht!“ flüsterte ich, weil mir meine Stimme versagte.
„Miss Florence, Master Edward, jetzt lasst eure Mutter noch ein wenig ausruhen. Kommt, wir wollen nach dem kleinen Fohlen schauen.“ das war Sybills Stimme wenn ich mich nicht täuschte. Nein, mein Blick in die Richtung bestätigte es.

 

So waren es jetzt nur noch Haytham und ich in diesem Zimmer. Es war aber nicht unser Schlafzimmer, sondern unser Gästezimmer bei den Bassiters.
„Mi sol, ich bin so froh, dass es dir besser geht.“ plötzlich lag er auf meinen Oberschenkeln und… seine Schultern bebten!
„Mi amor! Was… ich… war es wirklich so weit …“ ich mochte es nicht aussprechen.
„Dein Leben hing an einem seidenen Faden. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, Sigyn hat für dich einen neuen gesponnen!“ ich hatte Haytham wirklich noch nie so erlebt! Diese Erleichterung, gepaart mit der Angst, dass ich im Sterben liege, war herzzerreißend. Es tat weh!
Ich wäre dort in Odins Halle nicht alleine, meine Familie wäre schon dort. Ich würde von dort alle weiter beschützen, oder nicht? Aber plötzlich war dieser Gedanke doch nicht mehr so tröstend!
Mein Mann, meine Kinder… sie wären nicht mit mir dort!
War es das, was man Lebenswille nannte? Man wollte NOCH nicht dort sein?
„Vermutlich, mi sol. Aber du bist wieder hier und die Knochen… wenn du dich ein wenig weiter erholt hast, dann wird Edward mit Idun… sie werden es wieder richten.“ dabei druckste Haytham ein wenig herum.

 

„WAS genau werden sie machen? Es wird wehtun, oder?“ fragte ich pragmatisch nach.
„Ja, SEHR schmerzhaft und es wäre von Vorteil, wenn du nicht bei Bewusstsein bist.“ Chloroform! Aber… das war mir zu riskant, weil noch niemand wirklich wusste, wie man es richtig dosierte!
„Wir müssen es… ausprobieren!“ ich sah in seinen Augen den Widerwillen, genau das tun zu müssen. Es widerstrebte meinem Mann, nicht zu wissen, was genau passierte. Er brauchte diese Liste, diese Ordnung, diese Struktur… Ja, auch ich war Templer, mittlerweile wurde es mir immer bewusster. Ich war es im Herzen schon viel länger!
Man hatte bereits Dr. Ambrosch informiert, welcher nun die entsprechende Ration besorgte. In den nächsten Tagen würde er hier damit erscheinen.
„Versprich mir nur eins, Haytham! Bleib bei mir! Lass mich nicht alleine!“ ich brach plötzlich in Tränen aus, weil ich Angst bekam. Was wenn ich danach nicht mehr aufwachte?
„DAS werde ich nicht zulassen!“ mit einem Male leuchtete sein gesamter Körper und diese Kraft übertrug sich auf mich… Sie brachte mir den Mut, mich auf dieses Abenteuer einzulassen!

~~~

Die nächsten Tage, es müssen drei gewesen sein, vermute ich, habe ich mich langsam weiter erholt und fühlte mich immer besser. Die Vergiftung schien wirklich nicht mehr vorhanden zu sein.
Aber diese Schmerzen in meinem Bein waren, besonders nachts wenn man zur Ruhe kam, kaum auszuhalten.
„Ich kann dir noch etwas Laudanum geben…“ danke nein! Immer wenn ich es vehement ablehnte erntete ich fragende Gesichter. Ich wollte mich doch nicht abhängig machen, bin ich denn verrückt?

 

Dann endlich erschien der kleine Arzt, welcher mich mitleidig ansah.
„Ach, Mistress Kenway. Es wird schon wieder. Wir bekommen das hin, nicht wahr.“ dabei tätschelte er mir die Wange. Er war wie der gute Opa mit großer Zuversicht, der einem jede Angst nehmen konnte. Wehmütig dachte ich plötzlich an meinen Großvater, auch er war so…

 

Es wurde ernst.
Im Raum blieb nur Haytham, Dr. Ambrosch und Edward. Man hatte den Arzt bereits entsprechend eingewiesen.
Das Leinentuch wurde vor meinem Gesicht auf ein kleines Gestell gespannt.
„Mistress Kenway, habt keine Angst. Ihr werdet das Gefühl haben, dass ihr ohnmächtig werdet. Aber das geht schnell vorbei. Wenn ihr wieder aufwacht, dann ist alles vorbei!“ Bitte, lasst einen Anästhesisten hier erscheinen mit den Narkosemitteln, ging es mir durch den Kopf, ehe ich wirklich weg war…
Hach das ging ja schnell…

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„Die Splitter sind zu tief… nein… hier ist der größte… wir müssen weiter schneiden… ah verdammt! HIER! Jetzt zieht fester zu… genauso! Gott sei es gedankt, dass nicht der gesamte Knochen geborsten ist… Die Arterie… ABKLEMMEN! … Verdammt…“

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Blöderweise hatte ich Bilder vor mir von den Geschehnissen und mir wurde schlecht…
„Laß alles raus, mi sol.“ ich fühlte eine kühle Hand auf meiner Stirn, welche mich über ein Gefäß hielt.

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Ich erwachte in einem dunklen Raum, erleuchtet von ein paar Kerzen.
Neben mir hörte ich gleichmäßiges Atmen.
Wo war ich?
Es war nicht mein Bett! Nicht in Virginia… nicht in Pyrmont…
WO WAR ICH!
Leider muss ich das geschrien haben, weil mich plötzlich jemand umarmte und festhielt.
„Alex, du bist bei mir! Sieh mich an…“ hektisches erschrockenes Atmen…
„Wer…“ es dauerte einen Moment bis ich wirklich spürte, das mich Haytham im Arm hielt. „Oh Odin sei Dank!“ flüsterte ich mit krächzender Stimme.
„Mi sol, ich bin so froh…“ seine Lippen bedeckten mich mit tausenden erleichterten Küssen. „Sag was… du bist wieder wach…“
„Ich liebe dich!“ genau das kam mir in den Sinn, nichts anderes seltsamerweise.

~~~

Zwei Tage später, spekulierte ich einfach mal, saß ich in diesem Bett am Kopfende angelehnt und sah auf diesen dicken Verband an meinem Bein.
„Ich werde nie wieder normal laufen können, oder reiten können… ich werde nie mehr meinen Kinder hinterher rennen können…“ ich brach in Tränen aus!
Plötzlich ging die Tür auf und Edward mit seiner Schwester an der Hand erschienen. Sofort eilten beiden auf mich zu!
„Mama… nicht weinen…“ wie aus einem Mund kam das.

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Autor

MrsHEKenways Profilbild MrsHEKenway

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Kapitel:12
Sätze:2.054
Wörter:27.371
Zeichen:159.131

Kurzbeschreibung

Atlantik, 6. August 1768. Die Jackdaw ist auf dem Heimweg nach Virginia. Die Familie Kenway wähnt sich in Sicherheit, bis die Naglfar mit ihrem Kapitän Hrymr auftaucht. Damit starten wir in den zweiten Part und von jetzt an rückt der Revolutionskrieg mit seinen Schattenseiten immer näher. Ratonhnhaké:ton tritt auf den Plan und wird bald zu einer wichtigen Unterstützung, nicht nur für seinen Vater!

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Übernatürliches, Mythologie, Nordische Mythologie, Abenteuer, Familie und Liebe getaggt.