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Jeder will die Welt beherrschen

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11.04.21 12:48
18 Ab 18 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

3 Charaktere

Faith Williams McGregor

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter.

Shay Patrick Cormac

Shay Patrick Cormac (12.09.1731-Unbekannt) war einst ein Assassine, der später ein Mitglied des Templerordens wurde, im Atlantik während des Siebenjährigen Krieges tätig war, und den Kolonialen Assassinenorden mit anderen Templern fast vollständig auslöschte.

Haytham Edward Kenway

Haytham E. Kenway, Sohn von Edward J. Kenway, geboren 04. Dez. 1725, London, gestorben 16. Sep.1781, New York, durch die Hand seines eigenen Sohnes Connor Kenway. Haytham war ein sehr vornehmer Engländer, der jedoch immer bereit war, alles zu tun was nötig war um sein Ziel zu erreichen. Er verachtete den Assassinenorden, hielt die Ziele, die sie vor hunderten von Jahren hatten, aber für ehrenhaft.

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

 

 

 

Prolog

 

Es war der 3. Oktober des Jahres 1746, als meine Geschichte begann. Wenn ich jetzt, Jahre später, so darüber nachdenke, merke ich, dass ich viele Fehler begannen habe. Aber wenn ich sie nicht gemacht hätte, dann wäre ich jetzt nicht hier und könnte euch meine Geschichte erzählen.

 

*****

 

 

Hey bleib stehen du kleines Miststück“ ,rief der Standbesitzer, aber ich war schon um die nächste Hausecke verschwunden. Ich lief immer schneller und umklammerte meine Beute. Nur ein kleines Laib Brot, aber für mich würde es bedeuten, dass ich die nächsten Tage keinen Hunger leiden würde. Ihr fragt Euch bestimmt warum ich Brot stehle. Dafür gibt es eine einfache Antwort, ich lebe auf der Straße und bin eine Waise. So geht es in diesen Tagen etlichen Kindern und das schlimme, es wird nicht besser. In dem Land wo ich lebe, geht es vielen Leuten schlecht, seit die Jakobiten den Aufstand verloren hatten. Davor war diese Welt noch in Ordnung.

 

Ich lebte mit meinen Vater in Edinburgh und uns ging es gut. Bis zu dem Tag an dem er sich den Aufständischen anschloss. Mein Vater opferte sein halbes Vermögen den Stuarts und ließ mich, mit 9 Jahren bei meiner Großtante. Das wäre ja nicht so schlimm gewesen, wenn die betagte Dame nicht schon ein Alter von über 70 gehabt hätte und vor fünf Monaten das zeitliche gesegnet hätte. Aber die Gute musste ja ins Gras beißen und mich als Vollwaise zurücklassen. Natürlich wollten mich die Behörden ins Waisenhaus stecken, aber vorher bin ich abgehauen. Ich hatte gehört, das die dort die kleinen Mädchen an Hurenhäuser verkaufen oder noch schlimmer man musste ins Kloster. Ne ohne mich.

 

Aber zurück zum Thema. So schnell ich konnte suchte ich das Weite, bevor der Standbesitzer die Wachen holen konnte. Auf die Rotröcke wollte ich gut und gerne verzichten. Nach ungefähr zwei Kilometern erreichte ich unser Versteck.

In dem Unterschlupf lebten neben mir, auch noch fünf andere Kinder. Ebenfalls alles Waisen, um die sich niemand kümmerte. Der Unterschlupf war ein verfallenes Haus am Rande der Stadt. Das Dach nur noch zur Hälfte drauf und ein Teil der nördlichen Mauer existierte seit kurzem nicht mehr. Also kurz gesagt eine Bruchbude. Aber dieses Skelett eines Hauses gibt uns sechs Kindern Schutz vor Wind und Wetter. Somit blieb wenigstens mein Nachtlager trocken.

 

Als ich durch die nördliche Mauer das „Mauseloch“ betrat, kamen sogleich Dougal und Rupert, um mein hart erkämpftes Brot zu nehmen. Aber das ließ ich mir nicht gefallen. Bevor beide es auch nur realisierten, kletterte ich an einer Säule in die erste Etage. Das konnten diese Beiden nicht gut, klettern. Somit war ich aus dem schneider und meine Beute in Sicherheit. Ich durchquerte den oberen Flur und erreichte das hintere Zimmer. Dies war mein, oder besser Anna und mein Zimmer.

 

Anna ist meine beste Freundin und wir teilten alles miteinander. Doch leider war sie zur Zeit krank und ich konnte nichts tun um Ihr zu helfen, außer was zu Essen zu besorgen. „Küken, du bist wieder da. Hast du was erwischt?“ fragte sie mich. „Aye, ein kleines Brot und tada, noch eine Überraschung!“ „Was ist es?“ „Rate doch mal“ spannte ich Anna auf die Folter. „Irgendwas flüssiges. Vielleicht eine Flasche Ale?“ fragte sie voll Hoffnung „Du hast es erraten. Neben dem Brot, war der Besitzer sehr großzügig und gab noch eine Flasche Ale dazu“, grinste ich sie an.

 

Ich setzte mich zu Ihr, auf die Decken und teilte das Brot. Sie bekam natürlich zwei drittel des Brotes, denn Anna sollte ja wieder gesund werden. Während ich das trockene Brot kaute, beobachtete ich meine Freundin. Anna hatte ein ähnliches Schicksal wie ich, nur das sie ursprünglich aus Inverness kam. Das war eine kleine Stadt im Norden von Schottland. Ihre Eltern waren den Clanführer gefolgt um für ein freies Land zu kämpfen und da sie niemanden hatten um auf Ihre Tochter acht zu geben, musste Anna mit ihren Eltern gehen. Doch wie mein unnützer Vater, kamen ihre Eltern auch nicht zurück. Dadurch war Anna, seit letzten Jahr, auf sich gestellt gewesen. Na gut Dougal und Rupert hatten Ihr geholfen, aber mit diesen Beiden hatte ich einige Probleme. Sie waren Brüder und Dougal war der ältere, ich glaube dreizehn oder so. Ein Mann wie er zu sagen pflegte. Rupert war ein Jahr älter als ich und lief seinen Bruder hinterher wie ein Hündchen.

 

Was ist los Küken?“ fragte mich Anna plötzlich. „Was? Hey hast du was gesagt“ starrte ich sie perplex an. „Realität an Küken. Wach auf ich rede mit dir“, ermahnte sie mich. „Ich träume nicht!“ gab ich zurück. „Und ob du träumst. Ich hab dich mehrmals gefragt, ob du den letzten Schluck Ale noch haben möchtest. Aber du starrst einfach an die Wand und zeigst keine Regung. Wenn jetzt in diesem Augenblick die Sassenachs kommen würden, das würdest du glatt verpennen“, zog sie mich auf. „Das würde ich gar nicht, Anna. Außerdem habe ich nachgedacht und nicht geträumt!“ zickte ich sie an. „Komm wieder runter, Küken. Ich meine ja nur, du willst mich doch beschützen und wenn du mal wieder woanders bist, kannst du das nicht“, versucht sie mich zu beruhigen. „Ich soll dich beschützen? Wer ist denn vier Jahre älter als ich? Ich glaube das warst du Anna!“ meinte ich mit leichtem Sarkasmus in der Stimme. „Du magst zwar Recht haben was das Alter angeht, aber du bist viel mutiger Küken.“ Die Worte von Anna beschwichtigten mich und ich gönnte mir den letzten Schluck Ale. „Morgen versuch ich noch eine zu bekommen“ sagte ich zu meiner Freundin.“ „Sei einfach vorsichtig Küken'' meinte sie zu mir. „Es werden jeden Tag mehr Soldaten“. „Ich passe auf mich auf, versprochen Anna.“ „Danke Faith.“

 

Ich schaute Anna an und stutze. Sonst benutzte sie nie meinen Vornamen. „Warum nennst du mich bei meinen Namen?“ fragte ich sie. „Ganz einfach Faith, wir sollten niemals den Glauben aufgeben und dein Name steht halt dafür“ erklärte sie mir lächelnd ins Gesicht. „Wenn du das so meinst Anna“ murrte ich zurück. „Ja das mein ich so“ vertrat sie Ihre Meinung und umarmte mich. Ich spürte wie warm sie war und wusste das sie Fieber hatte, wenn ich ihr doch bloß helfen könnte, dachte ich. Doch ich wusste nicht wie. Wir legten uns auf die Decken und kuschelten uns eng aneinander, damit wir nicht zu sehr froren. Mit Annas warmen Atem im Ohr, schlief ich langsam ein. In eine Welt der Träume, die nur mir gehörte und so konnte ich wenigstens für ein paar Stunden diese Welt vergessen, bevor die ersten Sonnenstrahlen mich am nächsten Morgen weckten.

 

Kapitel 1

 

Doch leider war es wie fast immer Regen, statt Sonne, die mich weckte. Heute regnete es wie Bindfäden vom Himmel herab und durch die ganze feuchte Luft, war unser Nachtlager klamm. Langsam befreite ich mich aus Annas Umklammerung und stellte dabei fest, das Ihr Fieber gesunken war. Das freute mich ungemein, sodass ich Anna gleich aufweckte. Ich fing an sie zu piesacken und die gute kam langsam zu sich. „Hey aufwachen Anna. Es ist ein wundervoller schottischer Tag heute“, sagte ich zu ihr. „Wenn du meinst „Wundervoller schottischer Tag“, dann regnet es in strömen, also kann ich diesen Tag ruhig verschlafen“, murrte sie leise und rollte sich wie eine Katze zusammen. Damit war für sie also das Gespräch beendet. Mir egal.

 

Ich stand auf und deckte Anna noch mit meiner Decke zu, so konnte sie wenigstens nicht frieren. Ich verließ unser Zimmer und durchquerte schnell den Flur, als ich auch schon die Stimmen von Dougal und Rupert hörte. Sie gaben mal wieder den Ton an, bei den beiden neuen. Mir war es nur Recht, dann ließen Sie mich wenigstens in Ruhe. Flink kletterte ich die Säule runter, um mich dann zu den Jungs zu begeben. „Madain mhath! Ihr weckt noch Anna, wenn ihr weiter so herumschreit“, meckerte ich die beiden an. „Oh ob du was zu sagen hättest!“ wollte mir Rupert über den Mund fahren. „Wenn dir was nicht passt, kannst du ja gerne meine Arbeit erledigen!“ motzte ich zurück. „War ja nicht so gemeint. Hab nen mordsmäßigen Hunger und halt schlecht Laune“, sagt er schon etwas ruhiger. Ich griff in meine Tasche und holte den letzten Kanten des Brotes raus und gab es ihm. „Hier für dich“, meinte ich. „Danke Küken“, sagte er strahlend und drückte mich fest in seine Arme.

Schon gut, ich muss jetzt los sonst gibt es heute nichts mehr“, meinte ich zu ihm. Rupert ließ mich los und ich nickte Dougal zu, als Zeichen das wir los konnten. Normalerweise war ich mit Anna für die Beschaffung des Essens zuständig, aber da sie krank war, kam Dougal mit. Rupert passte unterdessen auf alles auf.

 

Als wir Richtung Royal Mile liefen, kamen uns etliche Rotröcke entgegen. Schnell versteckten wir uns in einem Türeingang, denn mit denen war nicht zu spaßen. Wenn die Soldaten uns erwischen würden, hätten wir glatt eine Hand weniger, weil wir halt Diebe waren. Gott sei Dank marschierten sie an uns vorbei, in Richtung Holyrood Palace. In meinen Gehirn, speicherte ich mir heute, diese Gegend zu meiden. Auf der Hälfte der Strecke trennten sich die Wege von Dougal und mir. Er würde sein Glück am Hafen versuchen, während ich den Markt in Angriff nahm. Dort würde es in ein zwei Stunden vor Menschen nur so wimmeln, vor allem da der Regen endlich aufhörte.

 

So lief ich gemütlich durch kleine Gassen, um etwaigen bestohlen Zeugen aus den Weg zu gehen. Nach 20 Minuten erreichte ich den Markt. Ich liebte Markttage, denn dann waren nicht nur Händler aus Edinburgh, sondern auch Bauern aus dem Umland da. Das hieß es gab frisches Gemüse und vielleicht konnte ich auch etwas Wurst stibitzen. Oder ich machte die altbewährte Bettel- Methode, dann könnte ich mir ein Brot beim Bäcker kaufen. Doch als ich sah das heute sogar einige Adlige mit ihrer Dienerschaft anwesend waren, hatte ich einen Plan gefasst. Langsam schlenderte ich auf eine Seitengasse zu und rempelte dabei ganz aus versehen einige Leute an. Diese fluchten nur und schubsten mich weg. Das ich dabei zufälligerweise ihre Geldbeutel erleichterte, bekamen sie erst viel zu spät mit. Denn dann war ich schon über alle Berge.

 

Nach einer weiteren ertragreichen Stunde, kaufte ich bei einem Bauern ein paar Zwiebeln, Steckrüben und etwas Kohl. Die nette Bäuerin schenkte mir dann sogar noch einen Apfel. Ich liebe Äpfel, diese waren so schön süß und saftig. Bei so was war ich dann aber auch egoistisch, denn Obst teilte ich nur ganz selten, obwohl ich sonst alles mit den anderen teilte. Sie waren jetzt meine Familie und diese musste ich mit aller Kraft beschützen. So lief ich mit meinen Einkauf über die Royal Mile zurück, denn es war bereits später Nachmittag und die anderen hatten bestimmt Hunger.

 

Am Ende der Straße traf ich auf Dougal, „Hast ja ne fette Beute gemacht Küken“, sagte er mit stolzen Ton in der Stimme. „Tja gewusst wie Dougal und bei dir?“ fragte ich ihn direkt. Dougal hob seine Hand und hielt drei fette Fische hoch. „Sieht nach einem Festmahl heute aus, Küken“, meinte er grinsend. „Da hast du recht. Los sonst bekommen wir noch ne Husche ab!“ griente ich zurück. Zusammen liefen wir eilig zum Versteck zurück, doch die ersten Tropfen kamen bereits vom Himmel. Also hieß es rennen was das Zeug hält.

 

Beim Versteck angekommen waren wir dann leider doch bis auf die Knochen durchgeweicht. Immerhin mussten wir heute nicht mehr los. Als wir dann zum hinteren Zimmer kamen, hatten die anderen bereits ein Feuer entfacht und einen Kessel Wasser aufgesetzt. „Leute“, meinte Dougal „Heute gibt es ein Festmahl“. „Das ist ja super!“, kreischten die Neuen und Rupert nahm uns die Sachen ab, damit wir uns erst mal am Feuer trocken konnten. „Oh ihr seid wieder zurück“, hörte ich Anna´s Stimme. „Anna dir scheint es wieder besser zu gehen“, strahlte ich sie an. „Aye, der Schlaf hat mir gut getan. In zwei Tagen sollte ich wieder fit sein und dann müssen wir unbedingt Wintervorräte sammeln und wenigstens einen Raum dicht kriegen“, meinte sie sogleich. „Da hast du Recht Anna, denn die nette alte Dame vom letzten Jahr lebt ja nicht mehr“, meinte Dougal und zwinkerte mir zu. Ja die nette, alte Dame war meine Großtante. Dougal, Anna und Rupert hatten letztes Jahr inoffiziell im Haus mit gewohnt. Ich glaubte aber das es meine Tante gewusst hatte, wie sonst hätte ich den Haushalt in einer Stunde erledigen können und futterte aber dabei wie eine siebenköpfige Raupe. Nein Anna hatte Recht, wir mussten für den Winter planen, sonst würden wir sterben. „Ja das sind gute Vorschläge Anna“, meinte ich. „Aber können wir das nach der Raubtierfütterung klären“? Als Bestätigung für meine Worte fing mein Magen an laut zu knurren. „Du hast Recht Küken, auf geht’s. Einer nimmt die Fische aus, zwei putzen das Gemüse. Aber der Kohl und die Wurst sind für Morgen, wehe ihr rührt sie an“. verteilte Anna ihre Befehle. Diese wurden zugleich ausgeführt, wobei Dougal und ich ausruhen konnten.

 

Ja erst mal am Feuer trocknen und die Füße wärmen. Nichts ist schlimmer als kalte Füße. Während die anderen also das Essen zubereiteten, hing ich mal wieder meinen Gedanken nach. Heute waren in der Stadt ganz schön viele Soldaten unterwegs, da war doch bestimmt was vorgefallen. Nur was? Ich sollte mich in den nächsten Tagen unbedingt umhören. Das konnte ich wirklich gut, wie eine kleine graue Maus sammelte ich Informationen, um uns zu schützten. „Hey Küken komm zu dir!“ maulte Anna mich voll. „Das Essen wird kalt.“ „Oh ja doch, kann ich nicht mal fünf Minuten nachdenken“, motzte ich zurück. „Du warst jetzt seit einer geschlagenen Stunde eine Salzsäule, Küken. Von wegen fünf Minuten“, kam Anna´s Antwort prompt. „Ist ja schon gut. Gib mir einfach meine Schale. Ich habe keine Lust auf Streit“. beruhigte ich mich langsam wieder „Hier und lass es dir schmecken“, grinste sie mich an.

 

Der Eintopf war echt lecker, auch wenn es etwas an Gewürzen mangelte. Aber wie sagt man so schön, einen geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Als wir dann fertig gefuttert hatten, setzten wir uns um das Feuer. „ Also wir sollten jetzt besprechen was wir noch alles vor dem Winter erledigen müssen“, begann Dougal das Thema erneut. „ Als erstes wäre ein Zugfreier Raum nicht schlecht“, meinte sein kleiner Bruder. „Da hast du Recht. Wie wäre es wenn wir uns die Steine der nördlichen Mauer dafür nehmen“, schlug ich vor. „Guter Einfall, Küken“, bestätigte Anna meine Idee. „Und wir brauchen noch Holz und Torf für das Feuer. Folglich müssen wir einen Vorrat anlegen und zwar dort wo es trocken ist“. „Ins nasse legen wir das doch nicht, hältst du uns für doof, Anna? Ich schlage vor das sich Rupert und die neuen darum kümmern. Du liebe Anna und Ich versuchen diesen Raum abzudichten und unser kleines Küken macht Ihre übliche Aufgabe. Nur Faith, denk dran wir brauchen haltbares Essen und Geld, falls es knapp wird“, erteilte Dougal die Befehle. Damit hatte ich die wichtigste Aufgabe, denn wenn ich versagen würde, wäre der Rest geliefert. Eine Große Verantwortung aber ich wusste das ich es schaffen konnte, nein musste.

 

Wir unterhielten uns noch eine Weile und als die beiden kleinen schon im sitzen einschliefen, deckten wir das Feuer ab und begaben uns zu den Nachtlagern. Die kleinen schliefen mit Dougal und Rupert im Raum, wo wir eh schon waren, sie hatten es somit nicht weit zu ihren Betten. Anna und ich sagten allen noch eine gute Nacht und gingen auf den Flur. Von der fehlenden Wand zog ein eisiger Wind ins Gebäude. Ja wir mussten schnell alles abdichten, denn der Winter kam bestimmt früh dieses Jahr. Anna kletterte die Säule hinauf und ich hinterher. Es gab zwar eine Treppe, aber um diese zu benutzen, hätten wir über einige Trümmer laufen müssen und das war viel zu umständlich. In unseren Raum angekommen, legten wir uns auch gleich in die Decken und kuschelten uns eng aneinander. „Schlaf gut mein kleines Küken“, murmelte Anna noch leise, dann war sie auch schon eingeschlafen.

 

Während ich noch wach lag, sah ich zu Anna und beobachtete sie beim schlafen. Sie war wirklich hübsch. Anna hatten lange rote Haare und schöne lange Wimpern. Ihre Haut war blass, wie es in dieser Gegend üblich war aber es passte zu ihr. Vor allem weil dadurch ihre dunklen Augen richtig auffielen. Anna´s Nase war zwar etwas schmal, aber es passte zu ihren blass-rosa Lippen. Alles in allem war Anna wirklich schön, nicht so wie ich. Ich hatte auch lange Harre aber die Farbe war ein dunkelblond bis hellbraun, also nicht besonderes. Dazu kam eine Stupsnase, leicht geschwungene Lippen und blaue Augen. Meine Augen, fand ich waren das einzige schöne an mir. Wenn das Licht richtig stand oder aber ich verdammt glücklich war, leuchteten sie strahlend blau. Der Rest war halt so lala. Zu dünn und dadurch sah mein Kopf viel zu groß aus, aber war ja auch kein Wunder, denn wir hatten nicht genügend zu essen. Sonst wäre es bestimmt anders.

 

Mit solchen Gedanken und noch anderen fiel ich ins Reich der Träume und malte mir dort ein besseres Leben aus. Ich hatte bestimmt gerade mal eine Stunde geschlafen, als mich ein lautes rumpeln weckte. Schnell schlug ich die Augen auf und sah in den Lauf einer Muskete, welche auf mich gerichtet war, Scheiße Soldaten!

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Kapitel 2

 

 

Wen haben wir denn da“, grinste einer der Soldaten uns dreckig an. Er drückte mir die Muskete auf die Brust, ich hatte Glück das kein Bajonett angebracht war. „Aufstehen du kleines dreckiges Gör!“ blaffte ein anderer mich jetzt auch noch an. Langsam erhob ich mich von meinem Deckenhaufen und versuchte Anna zu erblicken. Da! Die Soldaten hatten sie schon in eine Ecke geschleift und hielten sie an den Haaren fest. „Küken“ wimmerte sie mich an. „Mach was immer sie wollen“, gab sie mir einen Rat. Ich nicke kurz, um ihr zu zeigen das ich es verstanden hatte. Die Sassenach schubsten mich in die andere Ecke des Raumes. „Was sollen wir jetzt mit ihnen machen?“ fragte ein junger Soldat seinen Vorgesetzten. „Schau zu und lerne, du Vollidiot. Jetzt zeig ich dir, was wir mit kleinen Huren machen“, grinste er dreckig und blickt dabei zu Anna. „Nein lasst sie in Ruhe, ihr dreckigen Sassenach!“ schrie ich die Männer an. Doch die Rotröcke hielten mich mit festem Griff in der Ecke.

 

Zwei weitere packten Anna und zerrten sie zu unseren Schlafplatz. Während die zwei sie festhielten, wollte der Anführer über sie herfallen. In meiner Ecke schrie und tobte ich, doch gegen zwei ausgewachsene Männer war ich Machtlos. Einem der beiden reichte es und hielt einfach meinen Kopf fest, damit ich das Geschehen vor mir mit anschauen musste. Anna wehrte sich nach Kräften, aber gegen drei Soldaten hatten sie nicht die geringste Chance. Nach einigen Minuten hörte sie auf zu schreien und lies es über sich ergehen. Aus Scham schloss ich wenigstens meine Augen, aber meine beiden Bewacher sorgten dafür das ich hinsah. So versuchte ich wenigsten alles auszublenden, doch dies gelang mir leider nicht. Die Schreie meiner Freundin und die Geräusche des Soldaten brannten sich in meinen Kopf ein. Als nach schier endlosen Minuten der Rotrock mit Anna fertig war, dachte ich schon, dass ich die nächste werden würde. Doch dieses Schwein interessierte sich nicht für mich. „Und nun da du jetzt offiziell eine Hure bist Mädchen, komme ich öfters bei dir vorbei, aber das nächste mal mehr Einsatz von dir Schätzchen“, grinste der Soldat Anna schmierig an.

 

Als ob diese Worte die Lebensgeister von Anna erweckt hätten, sprang sie vom Lager auf und rammte ihr Signah duh ins Bein des Rotrocks. Dieser schrie vor schmerzen auf und zog seine Pistole. „Du undankbare kleine dreckige Hure, das wirst du mir büßen“, sprach er wütend. Dann drückte er einfach ab. Der Schuss klang noch eine ganze Weile in meinen Ohren. Ich blickte in Annas Richtung, doch sie lag regungslos am Boden und starrte mit leeren Blick an die Decke. Dieser Drecksack hatte sie ohne zu zögern erschossen. „Endlich Ruhe“, sagt er in die Runde seiner Kameraden, als würden sie bei einem Krug Ale sitzen.

 

Dann wandte er sich an mich. „Nun zu dir, kleines Gör. Leider bist du Zeuge unserer Spielchen und deshalb musst du das gleiche Schicksal wie deine Hurenfreundin teilen. Du verstehst das doch sicher“, sagt er eiskalt zu mir. „Aber da ich heute bester Laune bin, darfst du dir deine Todesart aussuchen, Balg“, machte er mir als Vorschlag. Da musste ich nicht lange überlegen, denn mit der Pistole wäre ich sofort tot. „Wenn das so ist, würde ich gern durch einen Dolch sterben“, antworte ich ihm mit erhobenen Haupt. „Oh erstechen, da hast du ne gute aber schmerzvolle Todesart gewählt. Bedenke jedoch, ich werde dich nicht gleich töten, sondern noch etwas Spaß mit dir haben“, sagte er trocken zu mir und fing dann an mich mit seinem Dolch langsam zu quälen. Erst schnitt er mich an der Schulter, dann am Bein, Rücken, Arme und Bauch. Ich spürte nur noch schmerzen im ganzen Körper und meine Sinne begannen langsam zu schwinden, als ich endlich in die Dunkelheit abdriftete. Diese Dunkelheit rettete mich vor den Schmerzen und Qualen und so konnte ich von der Welt gehen.

 

Hitze erweckte mich wieder zum Leben, besser gesagt sehr viel Hitze. Ich war also noch am Leben. Langsam versuchte ich mich aufzurichten, aber mein Körper wollte mir partu nicht gehorchen. Doch ich musste mich bewegen. Die Hitze wurde immer schlimmer, denn diese Bastarde hatten unser Versteck angezündet, um sämtliche Beweise zu vernichten. Mit aller Kraft, die noch in mir war, kam ich auf meine Knie und fing an um mein Leben zu krabbeln. Stück für Stück erreichte ich das Fenster, wo ich mich am Fensterbrett hochzog. Als ich halbwegs stand, öffnete ich das Fenster mit zittrigen Händen und setzte mich auf die Fensterbank. Es wäre so einfach diesen Schmerz loszuwerden, einfach springen. Doch mit einen letzten Blick in den Raum, sah ich Anna liegen und mir war klar das sie gewollt hätte das ich lebe. Ja ich musste überleben, um diese Ungerechtigkeit zu rächen. Ich würde diese Schweinehunde finden und sie ihrer gerechten Strafe zuführen, aber zuerst musste ich hier raus.

 

Durch die Wut beflügelt mobilisierte ich meine letzten Kräfte und kletterte hinaus. Schritt für Schritt, immer die Wand hinunter, schön an den ausgebrochen Fugen festhalten. Das ging ganz gut, als plötzlich der Putz abbröckelte und ich die letzten Meter runter stürzte. Da lag ich nun und versuchte mich krampfhaft aufzurichten, aber mein Körper wollte nicht mehr. Ich hatte meine ganze Kraft verbraucht und die Schmerzen vernebelten mir immer mehr die Sinne. Mit einem mal hatte ich das Gefühl zu schweben, so weit war es also schon gekommen. Jetzt fing ich an zu halluzinieren und dachte ich schwebte. Ein Glück kam wieder diese wundervolle Dunkelheit, in der es kein Leid und keine Schmerzen gab.

 

Ich lief durch Edinburgh und an meiner Seite war meine Mutter. Sie hielt mich an der Hand und wir blieben vor einem Geschäft stehen. Im Schaufenster lagen lauter bunte Süßigkeiten. „Na los mein kleiner Spatz, such dir aus was du willst“, sagt meine Mutter lächelnd zu mir. „Wirklich?“ fragte ich sie ungläubig. „ Aber natürlich, komm wir gehen rein“,sagte sie weiter. „Dann will ich die Karamellbonbons“, sprach ich meinen Wunsch aus. „Na los geh rein, ich bin gleich hinter dir mein kleiner Spatz“, sagt sie noch während sie mich durch die Ladentür schob. Doch als ich durch die Tür ging, verschwand der Laden und ich stand im Salon meines Elternhauses. Ich blickte hoch und sah meinen Vater. Er lächelte mich an „Komm zu mir kleiner Spatz“, sagte er und breitete seine Arme aus. „Nein du hast mich im Stich gelassen und mich einfach abgeschoben seit Mama tot ist“, schrie ich ihn an. Er blickte traurig „Ich hatte keine andere Wahl, ich musste dein Leben beschützen, kleiner Spatz“, versuchte er mir zu erklären. Doch ich drehte mich um und rannte weg.

 

Als ich stehen blieb, war ich in der Küche meiner Tante. Ich drehte mich einmal um mich selbst aber mein Vater war verschwunden. Doch auf der anderen Seite des Küchentisches stand Anna. Sie grinste mich breit an „ Wo warst du Küken? Dougal, Rupert und ich haben dich schon überall gesucht.“ Wie konnte das sein, ich hatte doch Anna sterben sehen, genauso wie meine Mutter. „Anna was machst du hier, du bist doch tot“, fragte ich sie geschockt. „Tot, du spinnst doch. So schnell sterbe ich nicht, hast wohl schlecht geträumt, Küken“, sagte sie leicht eingeschnappt. „Aber du warst tot, die Sassenach haben dich ermordet“, versuchte ich es ihr verständlich zu machen. „Küken!“ sagt Anna jetzt allmählich genervt. „Wenn du nicht sofort mit diesem blöden Gelabere von Tod aufhörst, muss ich dir was gegen den Kopf werfen, damit du wieder richtig denken kannst. Und jetzt bewege deinen Arsch zu mir, Dougal wartet schon. Er wollte uns was tolles zeigen!“ „Ja du hast Recht, habe bestimmt nur geträumt“, gab ich zu. Als ich den ersten Schritt in ihre Richtung gehen wollte, fing es in meinen Bauch an wie verrückt zu brennen. Aber nicht nur der Bauch, sondern auch auf meiner Schulter und am Rücken. Das Brennen breitete sich über meinen ganzen Körper aus und ich dachte ich würde in Flammen stehen. Ich blickte zu meiner Freundin, doch sie lag jetzt vor mir, mit starren Blick zur Decke.

 

Auf einmal spürte ich einen Druck auf meinen Brustkorb und in der Umgebung hörte ich undeutliche Stimmen. „Es steht schlecht um die Kleine, John. Sie wird die Nacht wahrscheinlich nicht überleben“. „Doch das Kind ist eine Kämpfernatur, wie ihre Eltern, sie wird es schaffen, Geillis“, antwortete die Tiefe Stimme eines Mannes. „Dein Wort in Gottes Ohr, John.“ Mehr bekam ich nicht mit, denn ich fiel wieder in die Dunkelheit. Aber es war gut so und so merkte ich das noch Leben in mir steckte.

 

Wie lange ich in dieser Dunkelheit wanderte, wusste ich nicht, doch mein Körper schien wieder Kraft zu tanken, welche ich so dringend benötigte. Mit Hilfe dieser Kraft schaffte ich es schließlich meine Augen aufzuschlagen. Doch dies war ein gewaltiger Fehler, denn gleißendes Licht blendete mich und schnell kniff ich die Augen wieder zusammen. So für ein paar Sekunden, dann versuchte ich es nochmals. Diese Aktion tat ich solange, bis ich mich an das Licht wieder gewöhnt hatte. „Oh welch ein Wunder, du bist aufgewacht meine Kleine“, sagte eine mir fremde Stimme. Vor meinem Blickfeld zeigte sich eine Frau in mittleren Alter. „Wir dachten schon das du für immer schlafen wolltest. Das muss ich gleich John erzählen. John!“ rief die Frau aufgebracht und rannte aus dem Raum. Ich hörte ihr rufen durchs ganze Haus schallen. Sie rief immer wieder das ich aufgewacht sei. Genervt schloss ich die Augen und versuchte diese sehr penetrante Stimme auszublenden. Dann waren die Sassenach anscheinend kein Traum gewesen, dachte ich und fing an leise zu weinen. Dougal, Rupert, die beiden Kleinen und Anna, alle waren sie von mir gegangen. Nur ich war noch in dieser grausamen Welt gefangen. Ich hätte mit ihnen gehen sollen, doch das Schicksal hatte wohl andere Pläne mit mir.

 

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Ein neuer Anfang

 

 

Nun war ich schon seit gut drei Monaten bei meinen Rettern. Das waren zum einem Geillis Roberts und ihre Magd Caitriona, welche mich wieder zusammengeflickt hatten und dann war da noch John Williams. Dieser Herr hatte mich gerettet. Er brachte mich auch zu Geillis. Ich kannte Geillis sogar vom sehen her, denn für uns Kinder war sie immer die böse Hexe gewesen. Doch heute wusste ich es besser. Sie war eine ban-lighiche, eine weise Frau und Heilerin. Geillis flickte mich also mit Hilfe ihrer Magd zusammen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt nach diesen drei Monaten, konnte ich endlich wieder etwas laufen und als Dank half ich den beiden bei ihrer Arbeit. Geillis war wirklich froh über meine Hilfe und so fing sie an mich in ihre Kunst einzuweihen.

 

Als zweite Person in Geillis Haushalt war noch Caitriona, welche sich um die Hausarbeit kümmerte. Bis auf ihre nervige Stimme war sie ganz nett. Ich mochte es mit ihr in der Küche zu stehen und zusammen das essen zu kochen, denn so lernte ich das auch gleich mit. Und das beste, es macht mir wirklich Spaß, auch wenn ich nicht wusste für was es später gut war.

 

Der dritte im Bunde, war mein mysteriöser Retter, John Williams. Das erste was an ihm auffiel, war seine wirklich ungewöhnliche Kleidung. Die Farben waren weiß-grau und es sah aus wie eine Art Robe. Er selbst nannte es einen Ornat. Doch neben der Kleidung, war sein Verhalten merkwürdig. Meist in der Nacht verschwand er um dann am nächsten Morgen mit Blut auf der Kleidung aufzutauchen. Ich gebe zu am Anfang hatte ich große Angst vor dem Mann mit den vielen Waffen. Neben einem Schwert an der einen Seite, trug er auf der anderen zwei Pistolen. Doch die außergewöhnlichsten Waffen hatte er in seinen Armschienen versteckt, denn dort waren Klingen eingebaut die man nicht sah. Deshalb nannte John diese Waffe auch versteckte Klinge.

 

Vom aussehen her war John ein wirklich hübscher Mann, wenn ich das so sagen durfte. Er hatte schulterlange schwarze Haare, die mit einem Band zu einem Zopf gebunden waren. Seine grünen Augen strahlten eine Ruhe aus, was sehr angenehm war. Die Nase war gerade, aber an der Nasenwurzel leicht verknöchert. So etwas hatte ich schon oft bei den Menschen gesehen. Da war die Nase bestimmt irgendwann einmal gebrochen gewesen, denn mein Vater hatte das auch. Der Mund von John war schmal, aber es störte seine Ausstrahlung nicht im geringsten. Woran ich das erkannte? Ganz einfach, so wie Caitriona John anhimmelte, konnte er nur ein Frauenschwarm sein.

 

Bei der guten Geillis stieß er aber auf Granit. Sie war bestimmt selbst ein Traum für die Männerwelt. Ihre Haare waren von einem schönen rot- blond und reichten bis zu ihren Gesäß. Geillis war zierlich gebaut aber trotz allem kräftig, man sah es ihr überhaupt nicht an. Ihre Augen hatten die gleiche Farbe wie John`s, nur das sie mit ihrem Blick eine wohlige Wärme ausstrahlte, so dass ich mich geliebt fühlte. Sie hatte einen fraulichen Mund und eine schmale Nase, aber für sie passte es einfach.

 

Und so wurde es immer kälter und winterlicher und ich lernte von meinen Rettern die verschiedensten Dinge. Aber das beste waren immer noch die Unterrichtsstunden bei John, denn er hatte sich vorgenommen mir das lesen, schreiben und rechnen beizubringen. So saßen wir fast jeden Nachmittag in Geillis´s Salon und ich übte fleißig, denn John war wirklich ein sehr geduldiger Lehrer, welcher meine Fragen auch dreimal beantwortete. Das Lesen lag mir wirklich gut und beim schreiben hatte ich eigentlich nur mit dieser blöden Feder zu kämpfen, denn die tropfte immer alles voll. Beim rechnen klappte das eins plus eins schon ganz gut, nur bei multiplizieren hakte es noch ein bisschen. Aber John sagte zu mir das alles eine Frage der Übung war und so legte sich auch langsam die Angst vor ihm.

 

John erzählte mir auch aus früheren Zeiten, von jemanden mit dem Namen Altaïr Ibn-La'Ahad und das dieser die Bruderschaft der Assassinen revolutionierte. Ich lernte auch etwas über das Credo der Bruderschaft, so sollte man seine Klinge von Fleisch der Unschuldigen fern halten, sich in der Masse verbergen und niemals die Bruderschaft verraten. Aber das wichtigste war der Leitfaden der Assassinen, denn nichts ist wahr, alles ist erlaubt. Das bedeutete das niemand sagen kann was richtig oder falsch ist, weil niemand die Wahrheit kennt. Davon erzählte John oft und ob ich es wollte oder nicht, ich merkte es mir.

 

Es war ein verschneiter Dienstag Nachmittag, als John mich plötzlich fragte, ob ich nicht seine Schülerin werden wollte. „Ich weiß nicht“, sagte ich ehrlich zu ihm. „Ich meine du bist wirklich ein super Lehrer und so, aber ich habe Angst vor diesen ganzen Waffen. Das müsste ich dann doch bestimmt lernen?“ „Das müsstest du allerdings, aber mit der Zeit ist das nicht mehr so schlimm, Faith,“ antwortete er mir ruhig. „Dann John, glaube ich nicht das ich das kann. Ich muss leider ablehnen“. sagte ich zu ihm. „Wenn das deine Meinung ist, werde ich es akzeptieren, Faith. Aber wenn du deine Meinung doch noch änderst, dann steht mein Angebot noch“, gab er mir die Möglichkeit mich später noch zu entscheiden. „Und nun ist es glaube ich Zeit für das Abendessen, kleine Lady. Geh und hilf Caitriona. Wir machen morgen mit dem Unterricht weiter“, beendete er die Lektionen und entließ mich.

 

Damit war der Unterricht beendet und ich ging durch den Flur, vorbei an Geillis Arbeitsraum, in die Küche. Dort sagte ich Caitriona, dass ich gerne helfen wollte das Abendessen aufzutischen. So stand ich vor der Kochstelle und fügte der Soße noch ein paar getrocknete Küchenkräuter hinzu. Die Soße musste nur noch etwas köcheln, dann war sie fertig. In der Zeit hatte unsere liebe Caitriona den Hasen auf einer Platte zerlegt und machte sich an das Gemüse. Ich nahm vier Teller aus einen kleinen Schrank und brachte diese ins Speisezimmer, um alles auf dem Esstisch zu verteilen. Als nächstes holte ich die Fleischplatte, das Gemüse und zum Schluss die Soße. „Sagst du bitte den beiden Bescheid, das wir essen können“, gab mir Caitriona als Auftrag. „Bin schon Unterwegs“, sagte ich und rannte in Richtung Dachboden, denn dort hatte Geillis ihre Vorratskammer. „Geillis das Essen ist fertig“, rief ich und platzte in den Raum. „Du hast ja heute eine Energie, a leannan. Hilf mir schnell diese Schafgarbe abzunehmen, dann können wir essen“, lächelte sie mich an. Ich nahm ein Behältnis aus einem Schrank und begann das Kraut hinein zu tun. Nach fünf Minuten waren wir damit fertig, als mir einfiel das ich noch John zum essen holen musste. Schnell rannte ich in den Salon, aber er war nicht mehr da. Ich ging zum Fenster und schaute nach draußen.

 

Im Stall brannte Licht und so ging ich aus der Haustür, über den Hof zum Stall. „John?“, trat ich fragend ein. Doch leider bekam ich keine Antwort. Ich ging nun vollends in den Stall und sah das sein Pferd fehlte. Geknickt lief ich zum Haus zurück, um den beiden Damen zu sagen, dass wir nur zu dritt essen würden.

 

Faith mein kleines Mäuschen, wo ist denn unser guter Mr. Williams bei diesem Wetter hin?“, fragte mich Caitriona. Gerade in dem Moment als ich ihr antworten wollte stand Geillis hinter mir. „Caitriona das geht dich nichts an. Jetzt ab mit dir in die Küche und hebe John was vom Braten auf. Faith ich will mit dir nach dem Essen noch etwas wichtiges besprechen.“, sagte sie in einem etwas scharfen Ton. So hatte ich Geillis noch nie erlebt, denn sie war sonst eine herzensgute Frau. Caitriona kannte so ein Verhalten von ihrer Herrin schon und verschwand mit einem Knicks in der Küche. „A leannan, komm setz dich und iss, bevor das Fleisch noch ganz kalt ist.“, sagte sie wieder mit einem lächeln zu mir. Das lies ich mir nicht zweimal sagen und so stürzte ich mich auf das Essen. „Faith Sitz gerade am Tisch, du bist eine Dame und kein Mehlsack.“, nörgelte sie mich voll. Also setzte ich mich mit geraden Rücken hin nahm das Besteck ordentlich in die Hände. „Siehst du, geht doch und denke daran das Besteck geht zum Mund und nicht der Mund zum Besteck.“, sagte sie schon etwas ruhiger. Dadurch das Geillis immer was an mir zu meckern hatte, dauerte das Essen um so länger. Wer wollte den schon eine Dame werden, ich nicht, dachte ich und lies es einfach über mich ergehen.

 

Nach gut einer halben Stunde Qual, entließ mich Geillis. „Faith,“ rief sie mich nochmal zurück. Ich blieb stehen und wandte mich zu ihr. „Was gibt es?“, fragte ich sie „Geh bitte gleich in deine Kammer, wir müssen noch die Salbe auftragen und dann reden wir.“, bat sie mich. „Okay, ich hole nur noch mein Buch aus dem Salon, du weist schon das über die Heilkräuter.“, meinte ich zu ihr. „Ist gut, a leannan.“ Damit war ich endgültig entlassen und so ging ich in das gegenüberliegende Zimmer, schnappte mir das Buch vom Tisch und lief die Treppe hinauf, in den ersten Stock. Die Tür am Ende des Flurs gehörte zu meinen Zimmer. Nachdem ich die Tür geöffnet hatte, schlug mir die Wärme des Feuers entgegen. Mein Buch legte ich auf den Tisch ab und setzte mich aufs Bett, um auf Geillis zu warten.

 

Keine paar Minuten später klopfte es und sie betrat den Raum. „Zieh dein Kleid aus, a leannan.“ sagte sie zu mir und holte einen Tiegel mit der Salbe aus der Tasche. „Weißt du aus was diese Salbe besteht, Faith?“ fragte sie mich. „Aus Schmalz, Schafgarbe, Myrre und etwas Knoblauch alles um die Wundheilung zu beschleunigen. Außerdem hilft es gegen die Entzündungen und die Substanzen schützen noch vor weiteren Infektionen.“, erklärte ich Geillis. „Gut ich sehe du lernst schnell. Deine Verletzungen sind bis auf eine auch alle gut geheilt.“, lobte sie mich und fing an die Salbe auf meinen Bauch aufzutragen. „Geillis darf ich dich was fragen?“ „Um was geht es denn, a leannan?“, wollte sie meine Frage wissen. Ich atmete ein paar mal tief durch bevor ich es mich traute diese Frage zu stellen „Kann ich denn irgendwann mal Kinder kriegen?“, nun war es raus. Geillis schaute mich traurig an. „Nun das kann ich dir nicht genau sagen, wir wissen es erst in ein paar Jahren, wenn deine Blutungen einsetzen. Vorher kann ich dir dazu nichts sagen.“, antwortete sie mir ehrlich. „Und der Rest wird auch immer zu sehen sein, oder?“ wollte ich weiter von ihr wissen. „Leider ja, aber diese Narben werden verblassen, auch die in deiner Seele. Am besten ist es wenn du dich jemanden anvertraust, aber das kannst du für dich selbst entscheiden.“, redete sie weiter. Ich nickte nur und war auf einmal müde. Das sagte ich Geillis auch und sie deckte mich zu und gab mir noch einen gute Nacht Kuss. Als sie das Zimmer verließ löschte sie die Kerze und deckte das Feuer ab. Doch da war ich schon in meinem Traumreich.

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

 

Soll ich wirklich?

 

 

Es war mitten in der Nacht, als ich aus dem Schlaf schreckte. Schon wieder! Diese scheußlichen Alpträume. Immer und immer wieder sah ich Anna vor mir und kaum das ich es schaffte sie zu erreichen, erwachte ich. Nach diesen Träumen war leider an erholsamen Schlaf nicht mehr zu denken. So stand ich auf und zündete die Kerze mit einem kleinen Span an, welchen ich im Kamin entzündet hatte. Jemand sollte mal was erfinden, damit so was viel schneller geht. Ein Stückchen Holz das sich selbst entzündet, oder so was in der Art. Ich glaube diesen Einfall sollte ich mir merken. Als die Kerze nun endlich nach einer gefühlten Ewigkeit an war, schnappte ich das Buch vom Tisch und fing an darin zu lesen. Alles war besser als diese Alpträume.

 

Eine Stunde später hörte ich von unten Stimmen. John war heute aber früh wieder da. Sonst erschien er immer erst im Morgengrauen, doch bis dahin waren es bestimmt noch gut und gerne zwei Stunden. Eigentlich wollte ich das laute Gespräch zwischen ihm und Geillis nicht belauschen, aber als mein Name viel, wurde ich hellhörig. Leise, wie ein kleines Mäuschen, stieg ich aus dem Bett und öffnete vorsichtig meine Kammertür. Lautlos schlich ich durch den Flur und blieb auf der Empore des Flures sitzen, um nach unten zu spähen, denn dort standen John und Geillis.

 

Du hast also einen von diesen Bastarden aufgespürt, die das Faith angetan haben, John.“, fragte sie hoffnungsvoll. „Ja, aber das Problem ist, es waren mehr als nur der eine. Diese Bande bestand aus Deserteuren. Laut meinen Informationen hat die Armee zwei von ihnen schon gehängt. Der Rest ist wie vom Erdboden verschwunden.“, teilte er seine Neuigkeiten mit ihr. „Aber du hast einen ausfindig gemacht?“, wollte sie jetzt endlich wissen. „Ja ein junger Bursche, höchstens siebzehn Jahre alt. Hatte sich in der Armee wohl großen Ruhm erhofft und war dort an die falschen Kameraden geraten. Jetzt versteckt er sich bei seinem Clan, den Grahams.

 

Nun das ist ja immerhin ein kleiner Lichtblick. Was willst du unternehmen John?“, fragte sie ihn weiter. „Ich werde nichts machen Geillis. Die Bruderschaft hat mir eine Nachricht zukommen lassen, sie wollen mich in London sehen.“, sprach er weiter. „Nimmst du Faith mit?“ „Sie will nicht in die Bruderschaft, kümmerst du dich bitte um sie, solange ich weg bin?“, fragte John jetzt Geillis „Du kennst doch die Antwort, mein Lieber. Ich passe auf Elisabeths Tochter auf, auch wenn ich ihren Vater gehasst habe. Wie konnte meine beste Freundin nur so jemanden heiraten, aber sie wollte nicht auf mich hören, dieser Sturkopf. Da kommt Faith hoffentlich nach ihren Erzeuger.“, erzählte sie John. „Bleib ruhig meine Liebe, das wichtigste ist es die kleine Lady vor dem Orden zu beschützen.“, erklärte er Ihr. „Ja da hast du Recht. Es ist gut das sie denken, sie wäre in dem Feuer umgekommen. Kannst du trotz allem weiter deine Augen und Ohren offenhalten?“, fragt Geillis den Assassinen. „Natürlich mein Liebe“, antwortete er ihr. „Nun John, für einen Sassenach bist du richtig höflich mein Lieber.“, erwiderte sie John. „Oh ein Lob aus deinem Munde, ich glaube wenn du weiter so machst verliebe ich mich noch in dich, Geillis“. Bei diesen Worten schaute John, Geillis in die Augen und sie versanken in einen leidenschaftlichen Kuss.

So leise wie ich konnte, schlich ich wieder in mein Zimmer und löschte die Kerze. Auf lesen war mir die Lust vergangen. Nun lag ich wieder mal wach, nur diesmal nicht wegen den Träumen, sondern wegen den neuen Erkenntnissen, welche ich gerade erfahren hatte. Als erstes, Geillis kannte meine Eltern, besonders meine Mutter, gut. Der zweite Punkt auf meiner Liste war, das dieser Angriff auf irgendeinen Orden ging. Nur was bedeutet das genau. So grübelte ich eine ganze Weile, bis es langsam anfing zu dämmern.

 

Da ich eh schon mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen. Ich zog mir mein Kleid an, obwohl ich die Dinger etwas unpraktisch fand, mochte ich sie doch eigentlich ganz gerne. Am schönsten fand ich die Kleider der oberen Gesellschaft, aber so etwas würde ich bestimmt niemals besitzen. Gut so ein teures Kleid war nicht für den Alltag bestimmt, da reichte mir mein jetziges, um die Tiere im Stall zu füttern. Leise huschte ich die Treppe herunter und öffnete die Haustür. Sogleich fegte ein eisiger Wind um meine Beine und ich verschloss schnell die Tür des Hauses. Dann machte ich mich über den Hof in Richtung Stall.

 

Die Tiere schauten mich noch verschlafen an, als ich durch die Stalltür trat, hatten aber nichts gegen die frühe Fütterung. Das einzige Tier welches fehlte, war der braune Hengst von John, also war er schon nach London aufgebrochen. Obwohl er es in der Nacht erwähnt hatte, so hatte ich gehofft, dass er sich noch verabschieden würde. So ging ich in die leere Box, um sie für die eventuelle Rückkehr von Ihm vorzubereiten. Es gab ja sonst nichts weiteres zu tun, denn meine beiden Mitbewohner schliefen eh noch. Als ich in der Box war, entdeckte ich auf einem kleinen Haufen Decken einen Brief, welcher an mich gerichtet war. Ich öffnete den Brief sogleich und begann ihn zu lesen.

 

Liebe kleine Lady,

 

es tut mir Leid, das ich mich nicht von dir persönlich Verabschieden konnte, aber den Befehl der Bruderschaft musste ich sofort folge leisten, denn der Befehl duldete keinen Aufschub. Aber das hast du ja letzte Nacht selbst gehört. Wenn du jetzt denkst, du bekommst Ärger dann liegst du falsch, denn als Junge war ich genauso neugierig wie du. Zu einem anderen Thema kleine Lady, denn ich weiß das du jede Nacht schreckliche Alpträume hast und deswegen wollte ich dir eine Möglichkeit geben, es besser zu verarbeiten. Mein Vorschlag steht übrigens noch und ich glaube du wirst ihn doch in Erwägung ziehen und sei es nur um Rache zu nehmen, was ich allerdings nicht hoffe. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen meine kleine Lady und Pass, bitte auf dich auf.

 

Bis bald. John

Postskriptum: Sag Geillis alles Liebe von mir.


 

Als ich den Brief zu Ende gelesen hatte, war mein Herz irgendwie schwer und ich vermisste den Assassinen jetzt schon. Aber ich hoffte das er bald wieder bei uns war und dann würde ich Ihm zeigen was ich von Geillis gelernt hatte.

 

Nachdem ich nun alle Tiere versorgt hatte, lief ich zurück zum Haus und freute mich auf mein Frühstück, denn beim öffnen der Haustür kam mir schon der Geruch von frischem Porridge entgegen. Sofort fing mein Magen an laut zu knurren und ich beeilte mich, dass ich in die Küche kam. „Madain math, Caitriona. Was riecht hier denn so lecker?“, wollte ich von unserer guten Seele des Hauses wissen „Nach Porridge, eingelegten Heringen und frischen Honigkuchen. Aber hast du dir das auch verdient, kleine Lady?“, fragte sie nach. „Caitriona, Faith war schon vor dir auf den Beinen und hat die Tiere draußen im Stall versorgt.“, schnitt mir Geillis das Wort ab und setzte sich an den Tisch. „Komm a leannan, setz dich hin und iss etwas, damit du genug Energie für deine Lektionen hast“ sagte sie zu mir in einem Ton, der keine Wiederworte zuließ.

Somit setzte ich mich an den Frühstückstisch und begann zu essen, danach ging ich mit Geillis in den Salon und die Lektionen begannen. John vermisste ich jetzt schon, er war bei weitem nicht so streng wie Geillis, aber als Belohnung für meine Leistungen durfte ich dann mit zu Ihren Patienten, um die Praxis zu erlernen. So ging ein Tag in den nächsten und kaum das ich mich versah, hatte der Frühling begonnen. Das schöne war aber, das mit dem Frühling John Williams zu uns zurück kehrte und ich musste nun endlich eine Entscheidung treffen.

 

*****
 

Nachdem er schon eine knappe Woche wieder bei uns war, besuchte er mich am Morgen im Stall, als ich gerade die Tiere fütterte. Diese Aufgabe hatte ich einfach übernommen und sie machte mir auch großen Spaß. „Morgen Faith, wie hast du letzte Nacht geschlafen“, fragte er mich im Plauderton. „Wie immer, John. Erst Alpträume, dann wach gelegen und zum Schluss ein wenig gedöst.“, antwortete ich Ihm grimmig. „Na na, wer wird denn hier auf einmal so böse. Die Frage war ehrlich gemeint, kleine Lady. Ich hatte nichts böses im Sinn“, versuchte er die Wogen zu glätten. Ich drehte mich um und ging weiter meiner Arbeit nach. Er sah mir einfach schweigend dabei zu, so als wartete er auf den ersten Schritt von mir. „John“, fing ich das Gespräch nach fünf Minuten erneut an „Was hast du auf deinem Herzen, Faith“ „Du hattest damals in deinem Brief geschrieben, dass ich dein Angebot jeder Zeit annehmen könnte, mich stört nur daran dieser Umgang mit Waffen. Aber ich will halt das diese Träume aufhören und du kannst mir dabei helfen, oder?“ „Das kann ich aber nur indirekt, denn die Ereignisse welche du erlebt hast, das kann nur die Zeit heilen und ein Schwert.“ „Wie soll mir ein Schwert dabei helfen?“ „Ganz einfach kleine Lady, denn wenn ich dich im Kampf unterrichte, wirst du Abends am Tisch einschlafen, vor Erschöpfung.“, sagt er grinsend.


 

Das wird niemals geschehen, denn ich habe verdammt viel Energie“, gab ich als trotzige Antwort. „Um was wollen wir wetten, kleine Lady?“ „Okay, Mister Williams, wenn ich gewinne und nicht am Tisch einschlafe, dann gibst du mir in der Stadt eine Tasse Kakao aus, den habe ich nämlich schon eine Weile nicht mehr getrunken.“ „Kakao? Gut das geht in Ordnung und was bekomme ich wenn du verlierst?“ „Dann trete ich in die Bruderschaft ein.“, sagte ich frei heraus. „Nein, Faith das wirst du nicht. Man sollte in die Bruderschaft freiwillig und nicht weil man gezwungen wurde, wie zum Beispiel durch eine Wette. Oder willst du nun doch eintreten?“ „Na ja, ich habe lange und viel drüber nachgedacht, was du mir alles darüber erzählt hast und wenn ich das könnte, was du kannst, dann könnte ich die Menschen beschützen die ich liebe. So etwas wie letztes Jahr, werde ich nie wieder zu lassen und diese bösen Menschen bekommen auch noch Ihre gerechte Strafe.“ „Du müsstest auch irgendwann Menschen umbringen und wolltest du nicht lieber eine Heilerin sein?“ „Das kann ich lernen und wenn wir noch etwas bei Geillis bleiben, lerne ich beides. Bitte lass mich deine Schülerin werden, auch wenn ich die Wette gewinne.“


 

John schloss die Augen und schien einen Augenblick zu überlegen. „Nun gut die Wette gilt, du willst ja doch freiwillig eintreten.“, stimmte er mir zu und ich beendete meine Arbeit. „Wollen wir dann gleich loslegen, kleine Lady?“ „Das wird in so einem Kleid aber schlecht gehen und was anderes habe ich nicht und warum sagst du immer kleine Lady zu mir? Das haben immer meine Eltern zu mir gesagt.“ „Weil du eine kleine Lady bist und ich glaube Geillis hat ein paar passende Sachen für dich. Wir fangen in einer halben Stunde an“ sagte er und ich beeilte mich, um zu Geillis zu kommen.

 

Im Haus stürmte ich wie ein kleiner Wirbelwind die Treppe zum Dachboden hinauf, denn Geillis war vermutlich dort. Ich öffnete die Tür mit etwas viel Schwung und sie krachte laut gegen die Wand. Das brachte mir einen zornigen Blick von Geillis ein „Gabh mo leisgeul, Geillis. Hast du vielleicht was anderes zum anziehen für mich?“ Sie blickte mich weiter an „Liegt in deinem Zimmer auf dem Bett, kleine Katastrophe, aber wehe du vernachlässigst dein Studium bei mir.“ Ich nickte ihr zu und schloss ganz leise die Tür und rannte dann schnell in mein Zimmer. Dort auf meinem Bett lag die neue Kleidung, es sah fast so aus wie die von John, nur ein paar nummern kleiner und weiß statt grau. Ich zog meinen neuen Ornat an und betrachtete mich im Spiegel. Ja ab jetzt würde ich mir mein Glück selber machen.


 

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Auftrag in London

 

London, Oktober 1755


 

Ich stand auf einem der Dächer Londons und schaute mir in aller Ruhe das Treiben auf der Straße unter mir an. Seit der Wette mit John, waren ein paar Jahre ins Land gegangen, fast neun, aber meinen Kakao hatte ich damals trotzdem bekommen. Wenn ich jetzt so zurück denke, hatte mein Mentor recht, was meine Träume anging, sie lösten sich nach und nach auf. Das lag bestimmt mit an seinem Training, ich war in der ersten Woche gleich mehrmals am Tisch eingeschlafen. Aber die völlige Erschöpfung hatte mir geholfen und so machte ich es mir zur Gewohnheit abends noch eine kleine Strecke zu laufen, quer Feld ein und über jedes Hindernis. Obwohl, in der Stadt hieß es bestimmt „quer Stadt ein“.


 

So stand ich hier und dachte ein wenig über die letzten Jahre nach, doch ich musste heute noch einen Auftrag erledigen, also schüttelte ich meinen Kopf, um diese wirren Gedanken loszuwerden. Ich kletterte am nächsten Haus hinunter, um auf die Straße zu gelangen. Mein Ziel hatte ich schon vor Stunden aufgespürt und jetzt würde ich zur Tat schreiten. Mein Opfer hatte sich nicht vom Fleck bewegt, er saß seit geschlagenen drei Stunden im „Golden Fox“ und lies sich schön voll laufen. Desto leichter für mich, mein Opfer war immerhin ein Templer und die durfte man nie unterschätzen.


 

Ich betrat die Taverne und ein wirklich blumiges Aroma kroch mir in die Nase. Mhm lecker! Bier, Schweiß, ungewaschene Menschen und zur Krönung ein Hauch von Erbrochenem, was für ein Bouquet. Toll, dachte ich und schob mich an den gaffenden Idioten vorbei, schnappte mir den nächsten Stuhl und platzierte mich direkt am Tisch meines Opfers. „Und wie geht es Ihnen heute, Master Smith“ fragte ich Ihn direkt. „Oh wen haben wir denn da, du bist ja eine ganz schnuckelige. Wie wäre es mit einer kleinen schnellen Nummer hinter der Ecke?“ grinste er mich lüstern an. Ich zog meine rechte Augenbraue hoch und wollte ihm am liebsten gleich an die Gurgel. Ja solche Kerle waren der Grund warum ich das andere Geschlecht nicht wirklich mochte, einfach kein Respekt vor Frauen. Diese Kerle dachten, das eine Dame nur zum wärmen des Bettes gut war und um einen wegzustecken.


 

Ruhig bleiben Faith, dachte ich mir und lächelte mein Gegenüber schüchtern an. „Aber Master Smith, ich hörte sie sind verheiratet?“ „Ist doch egal, Schätzchen. Komm ich hab oben ein Zimmer reserviert, für solche schöne Gelegenheiten“ lallte er mir zu. „Wie Sie es möchten, aber wären Sie so freundlich mir den Weg zu zeigen?“ spielte ich das junge unwissende Mädchen. Er stand auf und torkelte vorne weg. Das war viel zu einfach, stellte ich in Gedanken fest und folgte dem Templer in das obere Stockwerk. „Na dann mal rein mit dir, du geiles Geschöpf“ lächelte er dreckig und hielt mir die Tür auf. Hatte ja doch ein kleinen Funken Anstand der Kerl. Ich ging in das Zimmer und mein netter Begleiter stolperte ganz zufällig über die Türschwelle, um mich dann an meinen Hintern zu tatschen. Ruhig Blut, tief durchatmen und diesen Auftrag nicht vermasseln, sagte ich in meinen Gedanken.


 

Mein neuestes Anhängsel hatte es echt geschafft die Tür zu schließen und fummelte schon wie ein alter geiler Sack an seiner Hose rum. Jetzt war bei mir das Maß voll und ich wollte mir dieses Schauspiel nicht länger antun. Ich trat an ihn heran und ließ meine versteckte Klinge hervor schnellen, dann packte ich mein überraschtes Opfer und drückte die Klinge an seinen Hals „Was habt Ihr über den Schlüssel raus gefunden, welchen Ihr letztes Jahr einem der unseren abgenommen habt und wer von euch ist jetzt in den Kolonien?“, wand ich meine Fragen an Ihn „Du dreckige Schlampe wie kannst du es wagen mir zu drohen! Ich bin einer der obersten im Orden. Das wirst du bereuen.“ „Sag mir einfach was ich wissen will, Smith“ „Von mir wirst du nichts erfahren, Hure!“ „Wenn das so ist, dann werde ich mich jetzt mal ein wenig mit dir vergnügen und du kannst sicher sein, es wird wehtun.“, sagte ich in einem kalten Ton zu Ihm. Um meine Drohung zu unterstreichen, ließ ich die zweite versteckte Klinge aufblitzen und hielt diese an sein bestes Stück. „Wer hat den Schlüssel?“ fragte ich drohend. „Denkst du, du elendes Miststück kannst mir mit so was drohen? Das machst du eh nicht, geh heim und stell dich hinter einen Herd, da gehörst du Weibsbild nämlich hin!“ blaffte er mich voll. Na gut, ich hatte Ihn gewarnt, nun wenn er es unbedingt wollte.


 

Meine Klinge fand spielend den Weg zu seinen Kronjuwelen und der gute Master Smith heulte vor schmerzen auf. Was hatte er denn, ich hatte doch nur kurz zugestochen, also ehrlich so eine Heulsuse. „Du dreckige Hure“ schimpfte er weiter und so stach ich noch in Sein zweites Ei. „Und nun beantworte meine Frage oder als nächstes ist dein Schwanz ab.“ Diese Drohung schien endlich seine Zunge zu lockern. „Das Artefakt ist in den Händen von Haytham Kenway, welcher der neue Großmeister des kolonialen Ritus ist. Doch soweit ich weiß haben sie noch nichts über das Ding herausgefunden. Die Vorläuferstätte erwies sich in dieser Sache auch als ein Reinfall. Bitte lasst mich gehen, ich habe eine Frau und fünf Kinder“ „Das träumst du wohl, deine Frau hat einen anderen und die Kinder sind höchstens ein Wunschdenken von dir“ und ich stach Ihm direkt in die Halsschlagader. Smiths Augen weiteten sich und er brach zusammen. Mit seiner Hand versuchte er die Blutung zu stoppen, aber es war sinnlos. Er würde in ein paar Augenblicken das zeitliche Segnen. „Ihr habt keine Chance. Dieses Artefakt ist unser und wir werden am Ende die Welt regieren und euer Traum von Freiheit wird platzen wie eine Seifenblase.“ „Nur das ich nicht von Freiheit träume, Templer“. Dann röchelte er ein letztes Mal und es war vorbei. Ich kniete mich neben Ihn und schloss seine Augen „Requiem aeternam dona ei, et lux perpetua luceat ei“ sprach ich einige letzte Worte für Ihn und verschwand durch das Fenster.


 

Schnell wollte ich in unser Hauptquartier, um unseren Großmeister alles zu berichten, denn eigentlich waren es ja gute Neuigkeiten. Der Name des Templers sagte mir auch irgendwas, nur ich konnte mich partu nicht daran erinnern. Ich schüttelte meinen Kopf, um so die Gedanken zu vertreiben und nutzte meinen Seilwerfer, welcher in der rechten versteckten Klinge war, um so schneller über die Dächer Londons zu kommen. Diese nette Konstruktion verdankte unsere Bruderschaft einigen Gelehrten der Royal Society, welche Stammkunden in unserem Versteck waren. Ich blieb auf einem der Dächer stehen und spähte nach unten, es wurde langsam dunkel und die Menschen beeilten sich, dass sie nach Hause kamen, so wie ich auch und zum Glück waren es nur noch drei Straßen bis zu meinem Ziel.


 

Ich nutzte einige Vorsprünge, um schneller auf die Erde zu gelangen und landete genau neben Jack. Er dreht sich zu mir um und grinste mich an „Hast aber lange gebraucht, kleine Lady“ „Du sollst mich nicht kleine Lady nennen“ sagte ich zerknirscht zu Ihm. Jack war nur drei Jahre älter als ich und so etwas wie ein älterer Bruder, welcher einen gerne ärgerte. Der gute war um die 1,75 Meter groß und hatte lange blonde Haare, die immer geflochten waren. Seine Augen waren Mandelförmig und grün, die Nase etwas zu lang und der Mund schmal. Zuletzt zierte noch ein kleiner Bart sein Gesicht, der aber nicht richtig wachsen wollte. „Schon gut Faith, mir ist halt langweilig, Wache stehen in einem Hinterhof, wo ein großer Zaun drum ist, finde ich nutzlos.“ maulte Jack noch weiter, aber ich ignorierte Ihn und verschwand durch den Eingang. Drinnen wurde ich sogleich von unserem Rekruten Adam begrüßt. „Sollst gleich in sein Büro, kleine Lady“ Ich nickte Ihm nur zu und lief an der Küche vorbei, in das Arbeitszimmer unseres Meisters.


 

Ohne anzuklopfen öffnete ich die Tür und dort am Schreibtisch saß er, wie immer in seine Papiere vertieft. „Schreibst du wieder Briefe in die ganze Welt, Mentor?“ Er hob den Kopf und lächelte mich an „Hätte ich gewusst das dieser Job nur aus Papierkram besteht, hätte ich abgelehnt.“ „Du hattest doch eh kein Mitspracherecht, bei deiner Wahl“ entgegnete ich unseren Großmeister. Er schaute mich an und sein lächeln wurde breiter. „Wie ich sehe lebst du noch, also hast du es geschafft und was wissen die Templer über unser Artefakt?“ „Das gute Stück ist in den Kolonien, aber soweit wussten wir es ja. Der dortige Großmeister hat das Ding.“, fing ich an „Und weiter kleine Lady?“, drängte mein Großmeister ungeduldig. „Der Großmeister dort ist Haytham Kenway, aber sie haben noch nichts über den Schlüssel herausgefunden, Ihre Vorläuferstätte hat sich als Sackgasse herausgestellt.“ beendete ich meinen Bericht. „Nun dies muss ich Achilles mitteilen, denn Kenway ist ein harter Brocken und listig wie eine Schlange.“, murmelte er in seinen nichtvorhanden Bart.


 

Was ist mit Kenway?“, fragte eine weibliche Stimme von der Tür her. „Ist ein Glück in den Kolonien, Jenny“ antwortete mein Meister beiläufig auf Jennys Frage. „Schade, denn er ist einer der wenigen Templer die gut aussehen und der dazu noch ein Gentleman ist. Nicht wie die anderen.“ „Jenny!“ ermahnte der Meister sie. „Ja, was ist denn so schlimm daran oder bist du etwa eifersüchtig, mein Lieber?“ „Ihr könnt euch gerne streiten, aber ich geh schon mal was essen“, sagte ich einfach und wollte schnell aus dem Zimmer fliehen. „Kleine Lady, komm nach dem Essen nochmal her, ich habe dann einen neuen Auftrag für dich.“ Ich hob kurz meine Hand, als Zeichen das ich Ihn gehört hatte und verschwand in Richtung Badezimmer, denn ich wollte unbedingt den Geruch von dieser Taverne loswerden.


 

Bevor ich in das Bad ging, holte ich mir frische Kleidung aus meinen Zimmer. Im Bad angekommen zog ich meinen Ornat aus und packte ihn in den Korb mit der dreckigen Wäsche. Nicht nur ich hatte mich in diesen neun Jahren verändert, sondern auch meine Kleidung. Der Ornat war nicht mehr weiß, sondern grau, aber an den Rändern noch weiß und um die Hüfte trug ich eine rote Schärpe mit dem Assassinen -symbol. Natürlich waren die Stiefel, passend zu dem Rest, in schwarz-grau gehalten mit einer Schnalle, welche wieder das Zeichen unserer Bruderschaft trug. Meine Waffen waren fein säuberlich auf einem Hocker platziert. Neben meinen zwei versteckten Klingen, trug ich noch einen Säbel, einen Dolch, Wurfmesser und zwei Pistolen. Stopp ich hatte mein sgian dhu vergessen. Das war ganz nach Brauch in meinem Stiefel versteckt, man konnte ja nie wissen wann so etwas gebraucht würde.


 

Endlich hatte ich alle Sachen von mir abgelegt, um in die Wanne rutschen zu können und dort blieb ich bis das Wasser zu kalt wurde, dann erst kletterte ich aus der Wanne um mich abzutrocknen. In den Jahren war ich natürlich gewachsen, vor allem meine Oberweite regte mich schon ein bisschen auf, denn die Kerle mussten dort immer als erstes hinschauen. Jenny meinte sie wären perfekt, etwas mehr als eine Hand voll. Obwohl es kam dabei bestimmt auf die Größe der Hand an. Der Rest meines Körpers war gut trainiert, nur am Bauch gab es ein kleines Polster, was aber nicht wirklich auffiel. Jenny sagte immer, das meine Figur weiblich war und ich sollte mich nicht darüber beschweren. Danach besah ich mich im Spiegel, nur um festzustellen das noch alles beim alten war und diese Narben immer noch leicht zu sehen waren. Ich drehte dem Spiegel meinen Rücken zu und schlüpfte in ein ziemlich bequemes Kleid, ein ganz einfaches ohne irgendwelchen Zierrat.


 

Als ich dann nach einer kleinen Ewigkeit in die Küche ging, war der Rest unserer kleinen Familie schon fast fertig mit dem Essen. „Du kommst zu spät, Prinzessin. Sei froh das ich immer genug koche, denn hier isst ja jeder wie eine Siebenköpfige Raupe.“, wurde mein kommen von unsere guten Fee Wilma begrüßt, welche mir dazu einen kühlen Blick schenkte. Wilma konnte mich seit dem ersten Tag nicht leiden, sie fühlte sich unserem König Georg treu ergeben und ich als Schottin passte da nicht zu ihrem perfekten Bild, denn sie dachte ich wäre ein Spion der Jakobiten. Anfangs störte mich das, aber mittlerweile stand ich über solchen Sachen und wenn es drauf ankam konnte ich sogar eine englische Lady sein, wenn ich es denn wollte.


 

Ich grinste sie nur an und setzte mich neben Jack. Neben mir gab es noch zwei andere vollwertige Assassinen, einer davon war Jack und Charles der andere, doch er hatte eine Mission im Norden des Königreiches. Zu uns drei Assassinen kamen noch unsere zwei Rekruten hinzu, wovon Adam einer und Jenny die andere war. Jenny hatte einen Sonderstatus, Ihr gehörte unser Hauptquartier. Zum Schluss gab es dann noch John, welcher unser jetziger Großmeister und Oberhaupt der englischen Assassinen war. Unsere Familie war zwar klein aber wir konnten uns trotz allem gegen die Templer behaupten. In letzten halben Jahr hatten wir drei von Ihnen erledigt, also sah es für uns gar nicht mal so schlecht aus.


 

Während ich noch so überlegte, wollte mich Wilma schon vom Tisch weg scheuchen, die anderen hatten schon lange Ihr Mahl beendet. So stand ich einfach auf und verließ die Küche, mit Wilmas Gemecker im Ohr. Aber es war mir egal. Als ich heute zum dritten Mal vor der Bürotür des Meisters stand, zweifelte ich langsam an mir, gab es denn niemand anderen der so was machen konnte, Jack zum Beispiel. Ich atmete noch einmal tief durch und öffnete die Tür.


 

Da bist du ja endlich kleine Lady.“, wurde ich von John begrüßt. „Was gibt es denn so wichtiges Großmeister?“ „Ich habe einen Brief aus den Kolonien erhalten, indem Achilles schreibt, das er wahrscheinlich einen Edenapfel gefunden hat. Er möchte das ich eine Assassine zu diesem Ort schicke und diese besagte Assassine trifft sich dann Vorort mit seinem Zögling und gemeinsam führt ihr diesen heiklen Auftrag aus. Also kleine Lady, wen soll ich deiner Meinung nach schicken?“ „John, als erstes hast du vorhin gesagt das du einen Auftrag für mich hast und gerade eben erwähntest du ein Frau in deiner Beschreibung und da du nur eine weibliche voll ausgebildete Assassine hast, kann das nur ich es sein. Oder liege ich falsch?“ „Wie immer hast du eine gute Auffassungsgabe, deshalb wirst du in zwei Tagen nach Lissabon aufbrechen und dich dann mit deinem Partner treffen. Er kennt übrigens ein bisschen die Stadt und weiß wo Ihr ungefähr suchen müsst.“ „Dann fang ich mal an zu packen“ und so ging ich aus dem Büro und steuerte mein Zimmer an. Na dann auf nach Lissabon und ich betete das alles gut geht.

Du bist also mein Partner auf dieser Mission


 

Es waren, seit ich den Auftrag angenommen hatte, drei Wochen vergangen und vor vier Tagen erreichte in endlich Lissabon. Was für eine schreckliche Reise, das nächste mal würde ich über Land reisen. Zuerst hätte ich in London beinahe das Schiff verpasst, dann war der Wellengang alles andere als ruhig, so dass ich mehr über der Reling hing, als gut für mich war. Nein auf ein Schiff würde ich nicht so schnell wieder gehen. Wenn ich nur an ein Schiff dachte, wurde mir schon übel und so hoffte ich das mein Partner nicht so früh in der Stadt ankam, damit ich noch ein bisschen das Land genießen konnte. Ich erkundete also die Stadt, um mir einen Überblick zu verschaffen und dabei fand ich einige wirklich schöne Orte. Das waren zum Beispiel das Schloss „die Castelo de São Jorge“ und noch weitere, aber ich war leider nicht zu meinem Vergnügen hier.


 

Es war der 31. Oktober 1755, als ich erfuhr das ein Schiff aus New York am Hafen angelegt hatte. Ich hörte mich etwas am Hafen um und fand schnell heraus, wo die Mannschaft ihren Abend verbringen würde. Es war eine kleine Schenke, deren Namen ich noch nicht mal aussprechen konnte. Als ich die Tür öffnete, drang mir der Geruch von ungewaschen Menschen in die Nase. Augen zu und durch, dachte ich, während meine Füße schon das Lokal betraten. Die Männer schauten mich nur kurz an und fielen dann wieder in ihre Gespräche. Auf den ersten Blick erkannte ich keinen Ornat in der Menge und so setzte ich mich an den Tresen. Dort bestellte ich mir gleich eine Flasche Wein, der schmeckte hier wenigstens gut. Was aber auch kein Wunder war, in diesem Land bauten sie ja Wein an.


 

Der Wirt stellte mir mein Getränk hin und ich legte ein paar Real auf den Tresen. Mein Gegenüber nickte mir zu und nahm das Geld, um dann den nächsten Gast zu bedienen, somit hatte ich immerhin meine Ruhe bis.. „Wie kommt es das eine junge, hübsche Dame wie Ihr, sich in so einer Spelunke verirrt?“ Mein erster Gedanke war, was für eine wunderschöne Stimme, mein zweiter, dass ich ja nicht rot werden durfte und nachdem ich kurz durchatmete antwortete ich ihm. „Ich warte auf jemanden“. Das der Mann neben mir englisch gesprochen hatte, registrierte mein Verstand gar nicht so schnell. Ich drehte mich zu meinen Nebenmann um und sah in wunderschöne dunkelbraune Augen. „Wie bekommt man solche schöne Augen“ wollte ich eigentlich denken, aber ich sprach es laut aus. „Das werte Lady kann ich leider nicht sagen, aber Ihr seid die erste Frau die mir über meine Augen Komplimente macht“, sagte er grinsend, „Ich vermute Ihr seid die Assassine aus London“ „ Aye“ „Dann darf ich mich vorstellen, Shay Patrick Cormac und Ihr seid?“

Mein Verstand war bestimmt immer noch ganz wo anders, denn sonst hätte ich nie zugelassen, das er mir einen Handkuss gab. Ich schüttelte kurz meinen Kopf um meine Gedanken zu ordnen. „Ich bin Faith McGregor. Es freut mich Sie kennenzulernen Shay. Ich darf doch Shay sagen, oder?“ „Natürlich Faith. Eine Frage habe ich aber an dich?“ „Stell sie ruhig“, sagte ich zu ihm. „Wie hast du mich so schnell ausfindig gemacht, ich meine, ich bin gerade mal für vier Stunden an Land und wollte mir heute überlegen, wie ich dich finden kann“, gestand er mir. „Oh das? Ganz einfach, sagen wir die Spatzen haben es seit circa zwei Stunden von den Dächern gepfiffen.“ grinste ich ihn an.


 

Er sah aber auch wirklich nicht schlecht aus, mein Assassinen Partner. Er hatte einen gut trainierten Körper, soweit es seine Kleidung vermuten ließ und seine Haare waren dunkelbraun und kurz, bis zu den Ohren. Die Nase war gerade und er hatte hohe Wangenknochen. Nur sein Mund war ein kleines Stück zu breit, aber so passte es einfach. Doch eins störte mich ein wenig und das war sein Oberlippenbart, der passte irgendwie nicht zu ihm. „So bist du fertig mit deiner Musterung?“, fragte er mich direkt. „Ja“ „Und gefällt dir was du siehst?“ „Sagen wir es so Shay, du weißt mit deinen Aussehen bestimmt die Damenherzen zu erobern.“ „Nun ein Gentleman sollte so etwas nicht mit einer Dame besprechen“ „Shay ich bin keine Dame, so werde ich nur von dir genannt, die meisten Herren die ich kenne oder besser kannte, nannten mich meistens Miststück, Hure oder Schlampe. Also kannst du ruhig meine Frage beantworten.“ „Da du von ,kannte' gesprochen hast, nehme ich an, das besagte Herren nicht mehr unter uns weilen, oder?“, fragte er mich. „Ja, sonst wäre ich nicht hier.“ grinste ich ihn an und trank noch einen Schluck Wein. Shay trank ebenfalls etwas, nur das seines wahrscheinlich hochprozentiger war. „Wo waren wir stehen geblieben, Shay?“ „Es ging darum wie dich die meisten Männer betiteln, aber ich bleibe bei deinem Vornamen, Faith. Wenn das okay ist“, fragte er mich und trank einen weiteren Schluck. „Aye, mo chride, es ist okay. Nun wo kommst du genau her, wenn ich dich so einfach fragen darf? „Wie sagtest du gerade, ,aye' das darfst du. Ich lebe in den Kolonien in Davenport, das ist in der Nähe von Boston und du Faith?“ „London, wo denn sonst auf der schönen sonnendurchfluteten Inseln Ihrer Majestät“, sagte ich leicht sarkastisch. „ Also magst du London nicht besonders, wenn ich deinen Sarkasmus richtig deute“, grinste er zurück. „Lasst mich raten“, meinte er zugleich und gönnte sich einen weiteren Schluck „Du bist eigentlich aus Schottland.“ „Woher weist du das?“ „Du rollst das ,R' so schön beim sprechen und ein Engländer hört sich viel steifer an wenn er etwas sagt.“ „Du hast Recht Shay, auch wenn das meiner Lehrerin nicht gefallen würde, das man so schnell meine Herkunft herausfinden kann. Dagegen hab ich deinen Dialekt noch nicht vorher gehört, mo chride“, gebe ich vor ihm zu. „Dann kennst du also niemanden von den Kolonien?“ „Nein, obwohl ich schon in einigen Ländern Europas war“, sagte ich lächelnd zu ihm. „Oder doch, jetzt kenne ich ja dich“, meinte ich weiter „Da hast du recht.“


 

Shay trank sein Glas aus und bestellte sich ein neues. „Kann es sein das du gerne mal einen trinkst, Shay? Verstehe mich bitte nicht falsch, es ist nur, die meisten Assassinen die ich kenne, schauen das Zeug nicht mal an“, begann ich leicht zu stottern und schlug mir in Gedanken meine Hand vor meine Stirn. Shay schaute mich an und fing an zu lachen „Faith du sagst wirklich immer was du denkst, oder? Auf jeden Fall sind die meisten Assassinen die du kennst dann wohl spießig.“ „Das wird es wohl sein“, nuschelte ich und trank mein Glas mit einem Zug leer.


 

Nun aber Spaß beiseite, besprechen wie unser morgiges Vorgehen bei der Mission, Faith.“ „Ich höre dir zu, mo chride.“ „Wie wäre es wenn wir uns morgen Mittag vor dem Kloster, hier am Hafen, treffen und dann unsere Mission erfüllen“, schlug Shay mir vor. „Um zehn Uhr, Mittag finde ich etwas zu spät.“ „Dann zehn Uhr morgen Vormittag, vor dem Kloster“ „Aye“. Shay und ich unterhielten uns noch ein wenig über Gott und die Welt, bis wir beide unsere Getränke geleert hatten. „Nun dann Shay, ich wünsche dir eine erholsame Nacht. Wir sehen uns morgen.“ sagte ich zum Abschied. Shay stand ebenfalls auf und gab mir, zum zweiten Mal heute, einen Handkuss. „Das wünsche ich dir auch, Faith. Möchtest du das ich dich zu deiner Unterkunft begleite?“ fragte er mich charmant. „Nein, aber danke für dein Angebot.“ meinte ich zu ihm und verließ die Schenke. Kaum das ich aus der Taverne raus war, begab ich mich zum nächsten Haus und mit Hilfe meines Seilwerfers war ich in null Komma nichts auf dem Dach und dann lief ich einfach los.


 

Faith du bist so blöd. Er denkt jetzt bestimmt du bist irre oder so was in der Art. Jenny hätte bestimmt gesagt, das eine Nacht zu zweit viel schöner ist und was tue ich? Ich spiele einen auf holde Jungfrau“, dachte ich und rannte weiter ziellos über die Dächer der Stadt bis ich total erschöpft stehen blieb. Jetzt war mein Kopf endlich frei und so drehte ich mich in Richtung Meer und lief zurück zu meiner Bleibe. Dort fiel ich dann ins Bett und nach einigen Minuten schlief ich schon tief und fest.


 

Der nächste Morgen kam viel zu früh und heute war auch noch Allerheiligen, der Tag der Toten, na wenn da mal alles gut ging. Ich stand also auf, wusch mich mit eiskaltem Wasser und zog meinen Ornat an. Danach lief ich die Treppe runter um noch eine Kleinigkeit zu essen. Nach dem echt guten Frühstück verließ ich meine vorläufige Bleibe und machte mich zum Kloster auf. Es war zwar noch ein halbe Stunde Zeit, bis zu meinem Treffen mit Shay, aber ich war halt lieber überpünktlich als zu spät. Zwanzig Minuten später tauchte Shay auf „Guten Morgen, Miss McGregor“, sprach er mich förmlich an. „Madain mhath, Mister Cormac. Wollen wir mit unserer Mission beginnen“, entgegnete ich genauso kühl. „Dafür sind wir hier“, antwortete er in der gleichen Tonlage.


 

Schweigend liefen wir nebeneinander her und betraten die Kirche. Diese war mal echt atemberaubend, denn die Decken gingen etliche Meter hoch und wurden mit lauter Fresken bedeckt. Ich schaute mich weiter um, aber konnte leider keinen Hinweis oder ähnliches finden. Ich wollte gerade Shay um seine Meinung bitten, als ich sah, dass er irgendwie abwesend schaute. Das war bestimmt dieser berühmte Adlerblick. Davon hatte ich schon mal was gehört, aber jemanden mit diesen Talent zu kennen war schon was anderes.


 

Als Shay wieder normal schaute, war er verdutzt. „Was strahlst du mich so an Faith?“ fragte er mich. „Du hast echt diese Fähigkeit mit dem Adlerblick?“ „Ja. Ist daran was besonderes?“ „Ich finde schon, ich meine das hat nicht jeder Assassine. Was hast du raus gefunden, mo chride?“ fragte ich und wurde dabei immer hippeliger. „ Der Eingang lässt sich über vier Schalter öffnen.“ „Und weißt du wo sie sind?“ „Ja da“ antwortete er mir und zeigte mit den Fingern nach oben. „Dann bin ich wohl jetzt dran“, meinte ich zu Shay und grinste ihn an. Er schaute mich skeptisch an „Was hast du vor?“ Ohne länger zu überlegen trat ich an ihn ran und legte meinen Arm um ihn. „Du musst dich auch an mir festhalten, ich habe nicht so fiel Kraft um dich zu halten.“ erklärte ich. Er zögerte noch kurz, doch dann legte er die Arme um mich und hielt sich fest. Ich atmete tief durch und dabei fiel mir Shay's Geruch in die Nase. Er roch nach Holz, Leder und Meer, einfach einzigartig. Mich wieder auf meine Aufgabe konzentrierend, richtete ich meinen kleinen Freund auf die Balken und aktivierte den Mechanismus. Innerhalb eines Augenblickes waren wir unter dem Dach der Kirche.


 

Das ist ja mal eine nette Erweiterung der versteckten Klinge.“ meinte Shay und ich lächelte ihn einfach an. „Na dann mal los, mo chride. Wo ist der erste?“ „An jeder Wand ist einer. Siehst du die Einkerbungen dort?“ „Ja“ „Damit öffnen wir die Tür zum Tempel“ „Dann mal los, mo chride. Wer die meisten schafft“ sagte ich und balancierte vorsichtig über die Balken. Noch ein Sprung und ich war am Ziel. Ich landete sicher auf der kleinen Empore und mit Hilfe meiner versteckten Klinge knackte ich das Schloss. Unter mir lösten sich ein paar Platten im Boden, also schien es zu funktionieren.


 

Drei hatten wir schon und ich wollte den letzten in Angriff nehmen, doch mein Partner war schneller. Ich zuckte mit den Schultern und begann schon mal mit den Abstieg. Kaum dass ich unten angekommen war, landete Shay elegant neben mir. „Wer war nun schneller?“ fragte er mit einem schelmischen grinsen. „Eindeutig du, na und“, erwiderte ich trotzig zurück. „Lass uns gehen, Prinzessin.“ „Warum Prinzessin, Shay?“ „Weiß nicht, das passt irgendwie zu dir.“ gab er als Antwort und lächelte mich ehrlich an. Ich folgte Shay langsam die Stufen hinab, gespannt was uns erwarten mochte.

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

Berühre es besser nicht!


 

Langsam liefen Shay und ich die Stufen in den Tempel der Vorläufer hinab. „Das ist also einer Ihrer Tempel“, murmelte Shay. „Ob wir den Apfel schnell finden werden? Was meinst du, mo chride?“, fragte ich ihn. „Das werden wir bestimmt gleich herausfinden“, meinte er ruhig zu mir. Wie konnte er in so einer Situation nur so ruhig bleiben. Ich selbst war ganz aufgeregt, man erkundete nicht jeden Tag einen Tempel von denen die vor uns kamen. Mit bedächtigen Schritten erreichten wir die Haupthalle und standen erst mal vor einem Abgrund und dahinter sahen wir, in der Mitte der Halle, eine riesige Säule, welche von einem sonderbaren Leuchten strahlte. Ich überlegte noch wie wir am besten hinüber kamen, als wie von Zauberei große Platten einen Weg formten. Der Lärm den diese Platten machten war ohrenbetäubend, das laute knacken und knarren spürte ich bis in meine Knochen und es war eins der unangenehmsten Geräusche die ich bis dato gehört hatte. Nach ein paar Minuten wurde es endlich wieder still und der Weg zu der mittleren Säule war begehbar.


 

Shay trat als erstes auf die Platten und näherte sich so der Säule. Ich atmete tief durch und trabte schön hinter ihm her. „Nur nichts hier drinnen berühren“, dachte ich mir, denn dieser Ort wurde regelrecht von einer staken Macht durchflutet und vor dieser hatte ich irgendwie Angst. Am liebsten hätte ich Shay am Arm gepackt und wir wären auf und davon, aber anscheinend war er für diese Art von Schwingungen immun. So waren wir, schneller als mir lieb war, an der Säule angekommen, welche nun scheinbar noch heller schien.


 

Mein Partner trat genau an die Säule und da gab es einen Ruck und dieses Ding öffnete sich. Im Innern schwebte eine Art goldene Kugel. „Sieht einem Stern ähnlicher als einem Apfel“, meinte ich. „Da hast du Recht, aber laut unserem Meister soll man damit die Menschen kontrollieren können. Es darf also nicht in die Hände der Templer fallen“, und mit diesen Worten griff Shay nach dem Artefakt. Doch anstatt schön weiter in Shay's Hand zu leuchten, beschloss das Ding sich einfach aufzulösen. „Wieso“, mehr brachte ich nicht hervor, denn in dem Moment begann die Erde zu beben. „Wir müssen raus hier, Faith!“, mit diesen Worten holte Shay mich aus meiner Starre. So schnell wie ich konnte rannte ich den Weg zum Eingang zurück. Zuerst wieder über den Weg mit den verschiebbaren Platten, welche so stark vibrierten, das ich ohne Shay's Hilfe in den Abgrund gefallen wäre. Als wir diesen Abschnitt geschafft hatten, mussten wir die Treppe erklimmen, von der leider nicht mehr viel übrig war. Große Felsen blockierten uns den Weg und so mussten wir im Slalom klettern um wieder an die Oberfläche zu gelangen. Das wir immer wieder neue Risse im Boden überspringen mussten, machte die Flucht nicht leichter. Nach den vielen Gefahren erreichten wir den Ausgang des Tempels, die Kirche.


 

Als wir endlich zurück in der Kirche waren, war von dieser nicht mehr viel übrig, „Shay“ „Ja Faith, das war ich, weil ich diesen Apfel unbedingt berühren musste“, meinte er mit vorwurfsvoller Stimme. „Du kannst absolut nichts für diese Zerstörung“ „Doch.“ „Das können wir später noch bereden, mo chride. Lass uns erst mal von hier verschwinden, auch wenn ich nicht weiß wohin“, beendete ich unsere Diskussion. „Gut, im Hafen liegt mein Schiff, damit kommen wir von hier weg.“ „Du hast ein Schiff?“, fragte ich ihn überrascht, doch Shay war schon losgelaufen und so blieb mir nichts anderes übrig als ihm hinterher zu eilen. Schon wieder.


 

Durch eine einstürzende Stadt zu rennen, erforderte meine komplette Aufmerksamkeit, um nicht von herunter fallenden Trümmern erschlagen zu werden. „Beeil dich ein bisschen Prinzessin“, meckerte mich mein Partner nun schon zum dritten mal an, weil er auf mich warten musste. Konnte ja nicht jeder so um die eins neunzig sein, facto hatte der Herr längere Beine als ich, mit meinen eins fünfundsechzig. „Da lang“, sagte er noch kurz, bevor ich zum dritten mal an diesem Tag hinter ihm herlief. Wir rannten unter eingestürzten Mauern hindurch und nutzen die Trümmer um auf die Hausdächer zu gelangen, um so schneller durch die Stadt zu kommen.


 

Wir rannten über die Hausdächer und von unter uns hörten wir die Einwohner Lissabons rufen und verzweifelt schreien. Doch wir konnten auf diese Leute keine Rücksicht nehmen. So ging es immer weiter über die Dächer und wir mussten höllisch aufpassen, dass wir nicht von herabfallenden Trümmern erschlagen wurden oder durch Risse im Bauwerk nach unten fielen. Leider konnten wir uns von einem Dach eines Hauses nicht rechtzeitig retten und stürzen so in die Tiefe. Ich schaffte es mich relativ gut abzurollen und hatte somit den Sturz gut überstanden. Als ich mich wieder aufraffte, blickte ich in die toten Augen eines Mannes, welcher unter den Trümmern begraben war. Ich schaute weg und suchte Shay. Er war zu meinen Pech leider nirgends zu sehen. „Faith“, hörte ich meinen Namen. „Shay. Cimar a tha thu?“ „Ich weiß zwar nicht was das heißt, aber ich bin unverletzt. Wie geht es dir Prinzessin?“ „Ganz gut nur ein paar kleine Kratzer, aber ich muss mir einen anderen Weg hier raus suchen. Shay du musst aber weiter gehen.“ „Aber Faith, ich lasse dich doch nicht hier zurück“ „Doch, oder willst du das noch mehr Menschen sterben, Sag deiner Bruderschaft, dass sie aufhören sollen diese Artefakte zu suchen“ „Okay“, sagte er etwas widerwillig. „Faith bitte bleibe am Leben, tu es für mich... und dich.“ „Keine Angst mo chride, ich bin hart im nehmen“ „Das ist gut, wir werden uns wiedersehen Schwester“ „Shay darf ich dir noch einen Tipp geben“ „Ja“ „Mach diesen lächerlichen Bart ab, das steht dir nicht. „Du musst wohl immer das letzte Wort haben Prinzessin?“ „Nur ab und zu und jetzt verschwinde, mo chride“, sagte ich und wand mich der Wand hinter mir zu.


 

Ich kletterte diese hinauf und schaute mich kurz um, doch Shay sah ich nicht mehr und so hoffte ich das er es wenigstens schaffen würde. Wie konnte nur dieses Unglück geschehen, wir wollten doch nur die Welt verbessern und nicht tausende Unschuldige töten. Doch dies geschah leider gerade in Lissabon und da fasste ich den Entschluss diesen Menschen zu helfen. Vielleicht könnte ich wenigsten die Opferzahlen ein wenig verringern. Zuerst musste ich ein meine Unterkunft und dort meine andere Ausrüstung holen, damit ich überhaupt loslegen konnte. Ich lief los und wich wieder den Steinen und Trümmern aus, um fünf Minuten später an meiner Behausung anzukommen. Ich rannte schnell durch die Tür, die Treppe hinauf und stürmte in mein Zimmer. Dort nahm ich meine Umhängetasche und stopfte noch meinen restlichen Krempel rein. Kaum das ich das Haus verlassen hatte, stürzte es ein. Puh, da hatte ich echt Schwein gehabt. Einen letzten Blick auf das Meer werfend, wollte ich eigentlich loslegen, aber ich hatte ein seltsames Bauchgefühl. Ich schüttelte kurz meinen Kopf und verdrängte diese Ahnung. Ohne weitere Überlegungen rannte ich wieder in Richtung Stadt.


 

Die Beben hatten zum größten Teil aufgehört und ich versorgte gerade einen kleinen Jungen, welcher sich das Bein gebrochen hatte. Seine Mutter hockte neben ihm und sprach dem kleinen Mut zu, als die Leute um uns panisch worden. Ich unterbrach die Behandlung und blickte zu den Menschen. Blöd wenn man der Landessprache nicht mächtig war, aber so wie die Menschen sich verhielten, war etwas schlimmes im Anmarsch. Ich schaute zu der Mutter, aber sie lief schon in Richtung Osten. Ich versuchte mich durch die Menschenmasse zu drängen und wurde dabei ganz schön hin und her geschubst. Ich drängte mich zu einer eingestürzten Wand und kletterte auf höheres Terrain, dort hatte ich einen besseren Überblick. Ich schaute mich um und wunderte mich, im Hafen war kaum noch Wasser. Von so etwas hatte ich noch nie gehört, das konnte nichts gutes bedeuten. Ich lief weiter in östliche Richtung und die Schreie der Menschen wurden lauter. Als ich mich kurz wieder umdrehte, sah ich, dass das Wasser zurückkam um sich dann im Hafen zu brechen. Doch wie sonst zurück zu fließen, trat das Meer über das Hafenbecken und suchte sich seinen Weg durch die Stadt.


 

Ich rannte weiter über die Dächer und erblickte zum Glück eine Kirche vor mir. Das konnte meine Rettung sein. Erschöpft sprang ich wieder runter auf die Straße und lief die letzten Meter ebenerdig weiter. Vor der Kirche benutzte ich den Seilwerfer und dann war ich endlich auf dem Dach. Das Wasser stieg immer mehr an und langsam wurde es eng, das Dach schien nicht hoch genug zu sein und auf den Turm der Kirche konnte ich leider auch nicht, der hatte schon einen sechzig Grad Winkel. Bevor mir etwas neues einfiel, hatte mich das Wasser schon erwischt und ich ging unter. Ich versuchte wieder an die Oberfläche zu kommen, doch ich war der Kraft des Wassers hilflos ausgeliefert. Als ich endlich die Oberfläche wieder erreichte, füllte ich meine Lungen mit der dringend benötigten Luft und versuchte zur nächsten Erhöhung zu schwimmen. Mit letzter Kraft hielt ich mich an der nächsten Wand fest und plötzlich steckte mir jemand eine Hand hin. Ohne lange zu überlegen griff ich diese und wurde nach oben gezogen.


 

Mein Retter entpuppte sich als ein älterer Herr. Ich hatte wirklich eine großzügigen Schutzengel, dachte ich und blickt mich um. Neben mir waren auf dem Dach noch zwei Männer, drei Frauen mit ihren Kindern und die Frau mit den kleinen Jungen, welcher immer noch sein Bein hielt. Ich griff in meine Tasche, welche wie durch ein Wunder immer noch um meine Schulter hing, und holte ein paar Verbände raus. Auch wenn diese nass waren, zum stützen würden sie reichen. Ich verband das Bein meines kleinen Patienten und hoffte in meinen Herzen das Shay es lebend zu seinem Schiff geschafft hatte.


 

Übersetzung: Cimar a tha thu- Wie geht es dir


 

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Kapitel 8 - Was ist an der schönsten Sache der Welt so besonders?


 

Seid dieser schrecklichen Katastrophe sind zwei Monate vergangen und ich war erst Mitte Dezember wieder nach London zurückgekehrt. Ich hatte den Opfern geholfen so gut es ging. Der Bericht für meinen Großmeister war von meiner Seite her kurz ausgefallen. Einfach Mission in vollem Umfang gescheitert! Mehr wollte ich ihm nicht erzählen, sonst hätte er sich womöglich unnötig um mich gesorgt und das konnte ich nicht gebrauchen. Bis jetzt! John hatte wohl die Schnauze voll von meinem Verhalten und zitierte mich ins Arbeitszimmer. In diesem waren nur er und Jenny, welche mittlerweile eine vollwertige Assassine war. „So, kleine Lady“, begann John „Was zum Teufel ist auf dieser Mission in Lissabon passiert“?


 

Ich sah aus dem Fenster und schwieg meinen Meister an. Ich konnte noch nicht darüber sprechen, es war einfach noch zu früh und die Erinnerung zu qualvoll, so dass sie mich bis in meine Träume verfolgten. „Faith! Jetzt reicht es mir mit deinem Verhalten. Das geht schon so seit du zurück bist, ist ja schlimmer als damals im Schottland, als ich dich gefunden habe. Nun rück endlich mit der Sprache raus, ich bin der Großmeister der englischen Bruderschaft und muss wissen was dort passiert ist. Ich will dir doch nur helfen“, blaffte er mich lautstark an.


 

Was willst du von mir hören Großmeister!“ fauchte ich zurück und dann sprudelte alles aus mir heraus „Shay und ich fanden den Tempel der Vorläufer und auch diesen komischen Apfel. Obwohl es wie ein Stern aussah. Shay berührte das Ding und auf einmal fing die Erde an zu beben. Zuerst stürzte der Tempel ein, dann das Kloster und zum Schluss lag fast die ganze Stadt in Schutt und Asche. Auf der Flucht wurden wir beide getrennt, aber ich bat ihn seinem Meister von den Auswirkungen der Artefakte zu erzählen. Ich hoffe das er heil in den Kolonien angekommen ist, obwohl was macht bei tausenden unschuldigen Toten schon einer mehr, vor allem wenn man diese auf seinem Gewissen hat.“


 

Faith, meine kleine Lady“ versuchte mich nun Jenny zu trösten und umarmte mich. An meinen Wangen liefen stumm Tränen hinab. „Du hast an diesem Vorfall keine Schuld, wenn dann war es der andere, er hat das Teil ja berührt.“, sagte sie tröstend zu mir. „Nein Jenny. Shay wusste nicht was dieses Artefakt bewirkte. Ihn trifft keine Schuld, mein Bauchgefühl sagte mir das es besser wäre wegzurennen und das haben wir nicht getan.“, sagte ich kraftlos. Es tat wirklich gut mir diese Dinge von der Seele zu reden. „Jenny hat recht, kleine Lady. Du hättest viel früher zu mir kommen sollen, bestimmt hast du auch wieder Alpträume? Du kannst dich nicht immer allein mit den Sorgen der Welt belasten. Komm her, kleine Lady.“, sagte John mit leicht vorwurfsvollen Ton. Ich ging zu ihm und er nahm mich in seine Arme. Wie ein Vater es bei seiner Tochter machen würde und in gewisser Weise war er ja das für mich.


 

Nach einer viertel Stunde bekam ich mich wieder in den Griff. „Es geht jetzt wieder, danke John“, lächelte ich zu ihm. „Hast du irgendwelche Nachrichten aus den Kolonien erhalten, vielleicht?“, hakte ich nach. „Nein du weist doch das im Winter kaum Schiffe von dort kommen.“ „Ja ich weiß es.“, sagte ich leicht enttäuscht „Kann es sein, dass du dich in diesen Assassinen verguckt hast, kleine Lady?“, grinste mich Jenny wissend an. „Ich würde nur gerne Wissen ob er überlebt hat!“, fauchte ich zurück. „Ja, ja unsere kleine Lady hat endlich das andere Geschlecht für sich entdeckt. Wurde auch mal Zeit. Dachte schon du willst ewig ne Jungfrau bleiben, mit diesem Körper“, gab sie ihren Kommentar an mich weiter. Bevor ich auf diese Spitze von ihr eingehen konnte ging unser Meister dazwischen. „Jenny es reicht und Faith für dich sind Männer tabu. Ist das klar. Warum sind Frauen nur so zickig?“, fragte er in unsere Richtung. Jenny wollte gerade auf seine Frage antworten, als John ihr das Wort abschnitt „Ist gut ihr zwei ich will es gar nicht Wissen. Es gibt Dinge im Leben eines Mannes, die er nie verstehen wird und das ist das weibliche Geschlecht. Und jetzt macht das ihr beide rauskommt, ich muss über einiges nachdenken.“,sagte er und scheuchte uns aus seinem Büro.


 

Und was wollen wir jetzt mit den angefangenen Abend machen?“, fragte mich Jenny wieder friedlich. Ich zuckte mit den Schultern und dabei viel mir eine Haarsträhne ins Gesicht. Genervt steckte ich sie hinter mein Ohr. „Ich hab's kleine Lady, wir entspannen uns mal wieder richtig und während wir das tun, werde ich mich deiner Haare annehmen. Auf zu unserem Bad.“, sagte sie und hakte mich einfach ein. Solche Aktionen waren typisch für Jenny, aber aus diesen Gründen war sie meine beste Freundin und gleichzeitig meine große Schwester.


 

Im Bad angekommen lies sie mich endlich los und fing an unser Badewasser zu erhitzen. Als es endlich nach einer gefühlten Ewigkeit heiß war, zogen wir uns beide aus und stiegen in den Zuber. Wir seiften uns ein und halfen uns gegenseitig den Rücken zu schrubben. „Nun erzähl mir von diesen Shay?“ „Warum bist du so versessen darauf was über Ihn zu erfahren, Jenny? Zwischen uns ist nichts gelaufen.“ „Wenn da etwas passiert wäre kleine Lady, hätte es mich gewundert. Du bist nämlich ein einziger Männerschreck und das mit diesem Aussehen. Wirklich schade.“ „Wie kommst du auf so eine Behauptung?“ „Ganz einfach, anstatt die Männer zu umgarnen, schneidest du Ihnen lieber die Eier ab, oder etwa nicht?“ „Kann sein“, sagte ich schnell und beeilte mich aus dem Zuber zu kommen. „Bleib da kleine Lady, ich will dir noch deine Haare schneiden“, hielt mich Jenny zurück und so setzte ich mich brav auf den kleinen Hocker, während sie die Schere zückte.


 

Nach ein paar Minuten des Schweigens durchbrach ich die Stille. „Ich bin kein Männerschreck, ich mag die meisten Exemplare halt nicht.“ versuchte ich diese Anschuldigung los zu werden. „Ich weiß es doch, aber wenn du weiter so machst bleibst du für immer eine Jungfrau“ „Und das wäre so schlimm?“ „Na dir würde eine Menge Spaß durch die Lappen gehen.“ „Was soll an Sex so toll sein?“, wollte ich jetzt von ihr wissen. „Das sagst du nur kleine Lady, weil du noch nie bei einem Mann gelegen hast“ „Dann beschreibe es mir doch, Jenny“ „Das ist schwierig, aber weil du es bist versuche ich es mal. Am Anfang ist es ungewohnt, wenn der Schwanz eines Mannes dich ausfüllt. Meisten tut es auch weh, aber dieser Schmerz ist nur kurz. Wenn dein Liebhaber sich dann anfängt zu bewegen wird es immer besser. Du denkst das es einfach richtig ist und wenn er diese Bewegungen noch schneller macht und er richtig gut ist, denkst du, du wärst im Himmel und das diese wunderschönen Gefühle nie enden sollen. Dieses Kribbeln im Körper und noch andere unbeschreibliche Empfindungen, so wundervoll.“, beendete sie ihre Erklärung.


 

Also tut es weh egal wie oft man es macht?“ „Du gewöhnst dich an das Gefühl und wenn du den Mann liebst ist der Sex gleich noch tausend mal schöner. Ich habe das sogar schon mal selber erlebt. Leider starb der Gute viel zu jung, aber das ist Schnee von gestern. Fakt ist das es mit Gefühlen viel schöner ist, ohne füllt man sich ein bisschen seltsam, auch wenn der Sex fantastisch ist. „Aha, also Punkt eins für mich zum merken, das Gefühle es schöner machen. Was noch?“ fragte ich neugierig. „Lass dich niemals zum Sex zwingen. Wenn die Kerle das mit dir machen wollen, dann kannst du Ihnen getrost die Eier abschneiden. Und das wichtigste hab ich bald vergessen.“ „ Was denn?“ „Hör einfach auf zu denken und genieße es. Du musst dein Gehirn ausschalten“, sagte sie mir. „Aye. Liebe, Freiwillig und nicht denken, dann ist der Sex perfekt. Ich glaube ich bleibe doch eine Jungfrau, so einen Kerl werde ich nie finden.“ sagte ich leicht deprimiert. „Kopf hoch kleine Lady, vielleicht hast du ja deinen Traummann schon getroffen und weißt es noch nicht. Wenn nicht nimmst du einfach diesen Shay.“ plapperte sie einfach weiter. „Da gibt es nur ein Problem Jenny.“ „Und welches?“ „Shay ist über tausend Meilen entfernt und ich sehe ihn bestimmt nicht wieder“, meinte ich leicht betrübt. „Aber bevor du wieder anfängst Jenny, wir haben uns nur unterhalten“ „Über was denn?“, fragte sie mich jetzt neugierig. „Über seine wunderschönen dunklen Augen und das mich die meisten Männer ein Miststück nennen.“ antwortete ich ihr. „Faith das hast du nicht wirklich getan. Nein sag nichts ich sehe es dir an und mein Rat an dich. Bei so was sollst du denken und nicht einfach drauf los labern!“, sagte sie flehend zu mir. „Okay aber jetzt ist das Kind eh schon in den Brunnen gefallen und ich bin halt lieber direkt und ehrlich, als hintenrum zu lästern. Bist du endlich mit meinen Haaren fertig?“, wollte ich noch wissen. „Jep, jetzt sind sie nur noch halb so lang und behindern dich nicht mehr so sehr im Kampf. Wollen wir dann essen?“ fragte sie mich und wir beide zogen uns an und verließen das Bad in Richtung Küche.


 

Wir kamen genau pünktlich zum Abendessen und bei dem Duft von den köstlichen Braten fing mein Magen an zu knurren. Ich setzte mich und wartete ungeduldig auf den Rest unserer Familie, um endlich mit dem Essen anzufangen. Als ich gerade den ersten Bissen in den Mund nahm richtete John das Wort an mich. Wie ich so was liebte. „Kleine Lady kommst du dann bitte in mein Büro, ich muss etwas mit dir besprechen.“ „ Mhm“, antwortete ich Ihm und er wandte das Wort an Jack. „Hast du getan um was ich dich gebeten habe?“ wollte er wissen. „Alles vorbereitet, kann in zwei Tagen losgehen, Meister“ „Gut“, und mit diesen Worten stand unser Meister auf , gab mir ein kurzes Zeichen, um dann in sein Arbeitszimmer zu verschwinden. Ich spülte den Bissen schnell mit einem Schluck Wein nach und stand auf um Ihm zu folgen. Er wollte gerade die Tür verschließen, als ich diese mit meiner Hand abfing. Er nickte kurz und ich trat ein.


 

Mein Großmeister deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und ich setzte mich artig hin, um zu hören was er zu sagen hatte. „Nun kleine Lady ich werde dich auf einen wichtigen Auftrag schicken und es kann sein das du länger fort bist, aber ich weiß, dass du das hinbekommst. Du wirst in die Kolonien reisen und dort die Bruderschaft aufsuchen.“ „Warum das denn?“ „Ganz einfach, wir wissen nicht ob es ihr Assassine lebend zurück geschafft hat. Du wirst Achilles und seine Assassinen vor den Artfakten warnen und sie bitten die Suche einzustellen.“ „Okay. Aber nur für den Fall das sie mir nicht Glauben, was soll ich dann tun, Meister?“ „ Dann wirst du diesen Auftrag in deinem eigenen Ermessen zu Ende bringen. Dein Ziel ist es, das keine weiteren unschuldigen Menschen mehr zu schaden kommen. So etwas wie in Lissabon darf nicht noch einmal passieren. Deshalb wirst du für diese Mission zu einem Meister ernannt. Rein formell natürlich, du bist dafür noch lange nicht so weit.“, meinte er und lies sich auf seinen Stuhl fallen, bis jetzt war er im Zimmer hin und her gelaufen. „Und wie erkennen die meinen Rang dann, John?“, fragte ich skeptisch meinen Meister. „Oh du bekommst den Ornat eines Meisters. Ist fast der selbe wie dein jetziger, nur in schwarz-rot und etwas auffälliger. Das gute Stück liegt schon in deinem Zimmer. So du kennst ja jetzt deinen Auftrag, in zwei Tagen legt das Schiff ab und wenn du dort bist halte mich auf dem laufenden. Ich glaube du musst nun packen, kleine Lady. Den Rest besprechen wir morgen im laufe des Tages. Gute Nacht“.


 

Mit diesen Worten entließ mich John und ich stand auf und verabschiedete mich für die Nacht bei ihm. In meinem Zimmer angekommen setzte ich mich auf mein Bett und dachte über diese Mission nach. In zwei Tagen sollte ich schon abreisen, formell war ich nun ein Meister und mir graute es schon vor dieser Überfahrt. Wenn ich Pech hatte musste ich drei Monate auf so einen schwimmenden Ding verbringen. Ich raufte mir meine Harre und setzte mich wieder auf, jetzt hieß es erst mal packen und die nächsten zwei Tage würden echt anstrengend werden. Wie ich so was hasse!

 

 

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

 

 

Kapitel 9 - Endlich in den Kolonien


 

Es waren mittlerweile fast drei Monate seit meiner Abreise aus London vergangen. Mit jedem weiteren langweiligen Tag hoffte ich, dass wir die Kolonien bald erreichten, auf so einem schaukelnden Ding konnte man wirklich nichts vernünftiges anstellen. Kurz gesagt man starb hier vor Langeweile.


 

Das konnte man von meinem letzten Tag in London nicht sagen. Ich stand früh auf und nach dem Frühstück begab ich mich sofort in die Stadt, ich musste ein Großteil meiner Heilkräuter und Verbände auffüllen. Der erste Halt war bei einem Schneider, um dort gutes weißes Leinen zu kaufen. Zurecht schneiden würde ich es dann selbst. Mein nächster weg war zum Shepherd Market in die Apotheke. Dort kaufte ich Lavendel zur Beruhigung, Frauenmantel für mich selbst, Kampfer, Salbei, Liebstöckel, Minze, Chinarinde, Weidenrinde, Fingerhut, Spitzwegerich, Birkenblätter, Hagebutten und ganz wichtig Laudanum. So ging der Vormittag schnell vorbei und am Nachmittag traf ich noch andere Vorbereitungen, bevor ich zu meinem vorerst letzten Abendessen mit meiner Familie ging.


 

Wenn ich so daran zurück dachte, wurde mir schwer ums Herz. Ich vermisste sie schrecklich, selbst Wilma mit ihren giftigen Blicken. Ich atmete tief durch „durchhalten Faith, du siehst sie bestimmt ende des Jahres wieder“, dachte ich mir und schob somit die trüben Gedanken beiseite. Ich stand also von meiner Koje auf und streckte mich ausgiebig. Gerade als ich in Richtung Deck gehen wollte, ertönte der Erlösende Ruf für mich. „Land in Sicht.“ So schnell wie es dieses schaukelnde Etwas zuließ, rannte ich auf das Deck. Doch das einzige was ich sah war eine trübe Suppe, fast wie in London. „Und wo soll das Land bitteschön sein?“, fragte ich mich laut. „Miss McGregor, ich wünsche Euch einen schönen guten Morgen.“, rief der Kapitän mir zu. „Von hier unten werdet Ihr die schöne Stadt Boston nicht sehen, dazu müsst Ihr in das Krähennest.“, erzählte er weiter. „Okay, dann klettere ich mal hoch und schau mir Boston von oben an.“, sagte ich und kletterte über die Seile flink nach oben.


 

Nach kurzer Zeit stand ich oben und genoss die Aussicht auf Boston. Das sind also die umstrittenen Kolonien, in denen Frankreich und England um die Vorherrschaft kämpften, mit Hilfe von Indianerallianzen auf beiden Seiten. Ich betrachtete noch eine Weile die Stadt vor mir und meine Gedanken schweiften langsam in eine andere Richtung. „Vielleicht würde ich in Davenport ja ein bekanntes Gesicht sehen“, dachte ich und schüttelte energisch meinen Kopf. Was dachte ich nur. Vielleicht war er ja vergeben und wollte mich gar nicht wiedersehen. Ich sollte mich lieber auf meine Mission konzentrieren. „Denk einfach nicht mehr dran, Faith. Du weißt das die meisten Männer eh nur das eine wollen.“, sagte ich zu mir selbst. So beschloss ich wieder auf das Deck zurückzukehren und mein Habe zu packen.


 

Und hatte ich Recht, Miss?“, fragte mich der gute Kapitän. „Das hatten sie und wie lange dauert es noch bis wir an Land können?“, wollte ich von Ihm wissen. „So ungefähr zwei Stunden, Miss. Ich vermute sie sind froh wieder festen Boden unter Ihren Füßen zu spüren. Sie sind sogar immer noch etwas blass um die Nase.“, sagt er zu mir und drehte sich dann in Richtung Brücke um einigen Matrosen befehle zu erteilen. Mit dieser Vermutung hatte der gute Kapitän recht, von den knapp drei Monaten auf See, war ich circa einen Monat Seekrank gewesen und den Rest der Reise hatte ich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Für mich stand fest, dass ich nur noch einmal freiwillig ein Schiff betreten würde und das wäre für meine Rückreise. So ging ich unter Deck, um in meiner kleinen Kabine alles zusammenzupacken.


 

Gerade als ich meine wenigen Habseligkeiten verstaut hatte, klopfte es an den Türrahmen. Ich schaute auf und an der Tür stand Dr. Harrison. „Faith meine Liebe, Sie sind bestimmt froh dieses Schiff zu verlassen. Selten hatte ich je einen so schlimmen Fall der Seekrankheit gesehen.“ „Ja ich bin wirklich froh wieder festen Boden unter meinen Füßen zu spüren. Danke das Sie sich um mich gekümmert haben, Doktor.“ „So etwas ist doch eine Selbstverständlichkeit, vor allem unter gleichgesinnten“, zwinkerte er mir zu. „Faith ich habe ein kleines Abschiedsgeschenk für Sie“, erklärte er mir den wahren Grund seines Besuches. „Wofür ist das denn?“, fragte ich ein wenig überrascht. „Sie sind mir die letzten Wochen so toll zur Hand gegangen, sehen Sie es als ein kleines Dankeschön von mir. Ohne Sie wäre das Rheuma nicht so schnell abgeklungen. Diese Kräuterpackung und Ihre vortrefflichen Massagen haben ein kleines Wunder bewirkt. Ich würde mich freuen wenn Sie das Geschenk annehmen würden.“ „Da es Ihnen so wichtig ist, nehme ich Ihr Geschenk gerne an“, antwortete ich ihm. Der Doktor überreichte mir ein großes Buch, auf dessen Einband „Die Anatomie des Menschen“ stand. „Faith Sie haben dieses Buch zwar schon gelesen, aber es möge Ihnen gehören“. Mit diesen Worten überreichte er mir das Buch und verschwand wieder in Richtung seiner Krankenstadion.


 

Ich mochte den Doktor, er hatte mir auf dieser Reise Gesellschaft geleistet und er hatte mir noch ein paar Dinge beigebracht. So wusste ich nun besser um die Anwendung mit Laudanum und wie eine Amputation durchgeführt wurde, leider hatte einer der Matrosen sich den Finger in einer Winde eingequetscht, so dass er nicht anders zu retten war. Ich packte mein neues Buch zu meinen restlichen Sachen und wartete geduldig darauf das Schiff endlich zu verlassen. Nach einer knappen Stunde legte das Schiff endlich in Boston an und ich konnte endlich von Bord. Ich verabschiedete mich von der wirklich netten Mannschaft und betrat den Hafen von Boston.


 

Jetzt musste ich mir wohl erst mal eine Bleibe suchen und so drehte ich mich in Richtung Stadt und lief los. Von einigen der Matrosen wusste ich das es in der „Green Dragon Tavern“ immer ein freies Zimmer gab. So stieg ich dort also ab und da es gerade mal Nachmittags war, wollte ich Boston noch ein wenig erkunden. Ich zog meinen normalen Ornat an und machte mich auf den Weg. Schnell fand ich eine ziemlich große Kirche. Das war der perfekte Aussichtspunk für mich und ich freute mich, dass ich endlich wider mal auf ein Gebäude klettern konnte. Aber wie so oft war ich etwas zu faul und mein kleiner Helfer kam zum Einsatz. Diese kleine Erfindung war wirklich praktisch aber für ungeübte ganz schön gefährlich. Selbst ich musste höllisch aufpassen, das ich mich nirgends stieß oder hängen blieb. Dazu kam noch das man sich seine Hände sehr schnell aufschrammte und deshalb trug ich ein paar schwarze Lederhandschuhe, um das Verletzungsrisiko zu verringern. In sekundenschnelle war ich auf dem Dach der Kirche und lief in Richtung Turm, um an diesem höher zu klettern. Nach ein paar Minuten war ich auf dem Glockenturm und genoss die Aussicht über Boston. Die Stadt war doch ganz schön groß, zwar nicht zu vergleichen mit London, aber ansehnlich war sie. Hier in dieser Stadt hatten viele Häuser noch ihre eigenen Hinterhöfe und Gärten, so was gab es in meiner Heimatstadt nicht, dort konnten sich so was nur die oberen zehntausend leisten. Als ich wieder hinabklettern wollte erblickte ich einen Heuhaufen in unmittelbare Nähe der Kirche. Ich überlegte kurz und schüttelte dann meinen Kopf. Nein da würde ich mir glatt alle Knochen im Leib brechen, wenn ich von hier in den Heuhaufen springen würde. So kletterte ich hinab und als ich die letzten Meter runter sprang, schauten mich einige Passanten schräg an. Ich lief einfach in westliche Richtung und ignorierte die Blicke der Leute.


 

Als die Sonne langsam im Westen unterging, lief ich zurück zum Green Dragon, so langsam hatte ich ein leichtes Gefühl von Hunger. In der Taverne suchte ich mir eine ruhige Ecke, wo ich alle Tische im Blick hatte und bestellte mir etwas von dem Eintopf mit einem Becher Wein dazu. Als ich den wirklich leckeren Eintopf gegessen hatte, trank ich meinen Wein aus und ging auf mein Zimmer, um zu schlafen. Ich legte mich in das Bett und plante noch meinen morgigen Tag. Als erstes sollte ich mir ein gutes Pferd besorgen, um dann in Richtung Davenport aufzubrechen. Mit diesen und anderen Gedanken fiel ich in einen unruhigen Schlaf.


 

Als der nächste Morgen endlich kam, wäre ich gerne noch im Bett geblieben, ich fühlte mich wie gerädert. Aber leider hatte mein Auftrag höchste Priorität und so quälte ich mich aus dem Bett, streckte mich wie jeden Morgen ausgiebig und machte mich für den Tag fertig. Ich verließ das Dragon kurz nach acht Uhr und begab mich zum Markt, dort hoffte ich ein Pferd für mich zu finden. Auf dem zweiten Marktplatz wurde ich dann endlich fündig. Es gab dort einen Händler der Pferde anbot. „Kommen Sie meine Damen und Herren, hier gibt es die besten Tiere von hier bis New York.“, rief er und es hatten sich wirklich schon etliche Leute zum schauen eingefunden.


 

Ich drängelte mich durch die Menge, dabei erleichterte ich einige Leute etwas um Ihr Geld, um die Auswahl des Händlers zu betrachten. Na so toll wie er seine Ware anpreiste, waren die Tiere nicht. Doch da ich ein Reittier brauchte wollte ich mir wenigstens ein gutes aussuchen. Ich entschied mich für eine schwarze Stute mit ruhigen dunkelbraunen Augen. Die Augen des Pferdes hatten fast die selbe Farbe wie die von Shay, aber leider konnte ich die Stute nicht einfach so nennen sondern ich taufte meine neue Gefährtin auf den Namen Banfhlath, was so viel wie Prinzessin bedeutete.


 

So führte ich meine neue Gefährtin zum Green Dragon zurück. Insgesamt hatte ich für Pferd, Sattel, Satteltaschen und Trense 50 Pfund bezahlt. Wucher! Aber ich brauchte das Pferd und die anderen Dinge. Zum Glück hatte ich noch etwas übrig, genug für Verpflegung, Unterkunft und wenn nötig für ein paar Heilmittel. Das Geld für meine Rückreise lag sicher verwahrt in meinem restlichen Gepäck. Jetzt konnte ich endlich meine Mission in Angriff nehmen und nach Davenport aufbrechen, auch wenn ich nur ungefähr den Weg kannte. Als erste Etappe wollte ich nach Lexington und von dort würde ich dann meine nächsten Schritte planen.


 

Am nächsten Morgen, den 21. April des Jahres 1756, ritt ich in Richtung Davenport. Ich hatte sogar mein ganzes Gepäck auf meiner neuen Gefährtin verstauen können. Viel war es ja nicht, ein bisschen Kleidung, mein kleines Medizinkästchen, Verbandsmaterial und Verpflegung. Meine Decke lag als eine Rolle hinter meinem Sattel und meine Waffen hatte ich ebenfalls gut verstaut. Es konnte also losgehen, ich war auf alles gefasst.


 

Die Sonne stand schon etwas höher an Himmel, ich vermutete das es so um zehn Uhr war, als ich die letzten Häuser von Boston hinter mir ließ. Vor mir lag nun also die Wildnis der Kolonien. Ich schluckte meinen Kloß im Hals runter und gab meinem Pferd die Sporen.

Banfhlath hatte ein wirklich ruhiges Wesen, selbst als ein Hase aus dem Unterholz hervor sprang, blieb sie ganz ruhig. Gut, genauso ein Pferd hatte ich gebraucht, da mein letzter Ritt auf dem Rücken eines Pferdes schon zwei Jahre her war. Als die Sonne immer mehr im Westen versank, erreichte ich endlich das kleine Städtchen Lexington.


 

Hoffentlich gab es dort eine Taverne und ein Bett für mich, durch diese ungewohnte Belastung waren meine Muskeln ganz steif. Am Ortseingang fragte ich einen jungen Bengel nach der Schenke. „Immer der Straße nach und am ende rechts weg, mein Herr“. Ich nickte ihm zu und setzte meinen Weg in besagte Richtung fort. Meine Verkleidung schien auch mal wieder zu funktionieren, meist verkleidete ich mich als Mann, wenn ich längere Reisen unternahm. Nur auf dem Schiff hatte ich es nicht gemacht, dort wusste man ja schon von Anfang an, dass ich eine Frau war. Trotzdem hoffe ich diese Farce bald wieder ablegen zu können, denn im Gegensatz zu einem Mann, musste ich mir leider meine Brust abbinden und so etwas tat nach einem Tag im Sattel schon etwas weh. In ein paar Gedanken vertieft, wäre ich beinahe an der Taverne vorbei geritten, aber anscheinend wusste meine Gefährtin wo unser Ziel lag.


 

Ich stieg schwerfällig von ihr runter und rieb erst mal mein Hinterteil. Ich war wirklich weich geworden in der Stadt. Meine Stute band ich an einem Pfosten fest und ging in das Lokal. Wie eigentlich immer, wenn man einen Raum betritt, es starren einen zuerst alle an. Ich ignorierte die anderen Gäste und begab mich an den Tresen zum Wirt. „Seid Ihr so freundlich mir ein Zimmer für die Nacht zu überlassen und einen Platz in eurem Stall für mein Pferd?“, fragte ich in meinem Londoner Dialekt und bekam dafür einen schrägen Blick von meinen Gegenüber. „Fünf Pfund“, antwortete er barsch. „Abgemacht.“, sagte ich zu Ihm. Ich griff in meine Tasche und legte das Geld auf den Tresen. Diese Leute ziehen hier echt die Leute über den Tisch, dachte ich und lächelte den Wirt freundlich an. „Hey Jimmy, du elender fauler Bengel, draußen seht ein Pferd, bring es in den Stall und das Gepäck in das dritte Zimmer von links, erster Stock.“, brüllte er laut durch den Raum.


 

Na toll, jetzt wusste jeder welches Zimmer ich hatte, das hieß dann wohl eine schlaflose Nacht. Bei diesem wirklich zuvorkommenden Mann von einem Wirt, bestellte ich dann noch mein Abendessen und dazu ein Becher Ale, so was wie Wein hatte der Kerl noch nicht wirklich gesehen. Ich setzte mich in eine ruhige Ecke und merkte gar nicht wie ich überhaupt etwas aß, das Essen schmeckte nach nichts. Es fehlten eindeutig Gewürze, doch dafür schmeckte das Ale umso besser. Nach gerade mal zwanzig Minuten stand ich auf und verließ den Schankraum in Richtung meines Zimmers. Dort angekommen schob ich den Riegel vor die Tür und betrachtete den Raum. Es gab ein kleines Bett, welches nicht gerade einladend aussah, ein Tisch mit Stuhl, auf welchem einen gefüllte Waschschüssel stand und ein klappriger Kleiderschrank. Was für ein Luxus. Ich legte mir meine Satteltaschen neben das Bett und breitete noch meine Decke aus. Keine zehn Pferde würden mich in dieses Bett bekommen, da schlief ich lieber auf dem Boden, der sah wenigstens halbwegs sauber aus, was, man vom Bett nicht gerade sagen konnte. Als mein Nachtlager fertig war, wusch ich mich noch schnell dann legte ich mich auf den Boden und versuchte wenigsten für ein paar Stunden etwas Schlaf zu bekommen.

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Kapitel 10 - Die Bruderschaft in Nordamerika


 

Der nächste wunderschöne Morgen kam wie immer viel zu schnell, doch heute war es wirklich mal ein schöner Morgen. Leicht neblig aber man konnte schon erkennen das die Sonne bald hervor kommen würde. Ich zog mir meinen neuen Ornat an und betrachte mich kritisch. Das gute Stuck war schwarz-rot und hatte wirklich noch mehr Schnallen und Taschen als der normale. Es gab platz für Rauchbomben, Wurfmesser und sonstiges Zeug. Das einzige was mich störte war, das der Ornat noch mehr Schnallen mit Assassinensymbolen hatte. Als ich mich fertig angekleidet hatte, hob ich meine Satteltaschen über die Schulter und verließ das wirklich exklusive Zimmer.


 

Als ich im Gastraum ankam, saßen nur eine Handvoll Männer im Raum und diese beachteten mich gar nicht, so sehr waren sie in ihre Gespräche vertieft. Ich setzte mich also ein Stück von den Herren weg und bestellte mein Frühstück. Ich meine viel Auswahl gab es eh nicht und so wurde mir einfach das übliche vorgesetzt. Gebratener Speck mit einer Scheibe Brot und Eiern. Das war doch mal eine Abwechslung und dieses Frühstück schmeckte richtig lecker, nicht so wie das gestrige Abendessen. Wenn ich wieder in London zurück bin, muss ich Wilma unbedingt überreden das für mich zu kochen, anstatt immer nur Porridge.


 

Während ich mein Frühstück in aller Ruhe genoss, bemerkte ich wie mich jemand beobachtete. So schaute ich von meinem Essen auf und mein Blick traf den eines Mannes. Dieser hatte einen grauen Dreispitz auf und darunter war braunes Haar zu erkennen, welches nach neuester Mode zu einem Zopf zusammen gebunden war. Seine Augen waren grau - blau, aber da war ich mir nicht sicher, dazu saß er zu weit weg von mir. Seine Nase war gerade und sein Mund optimal. Der Mann trug einen grauen Mantel und darüber hatte er einen Assassinenumhang. Das war so einer wie die alten Meister noch trugen. In meinem Gehirn machte es klick. Das konnte doch nicht möglich sein. Der Mann drehte sich wieder zu seinen Kumpanen und dabei konnte ich einen Blick auf seine rechte Hand erspähen. Er trug einen sehr speziellen Ring und da war ich mir absolut sicher, wer dieser Herr war. Nun immerhin hatte Jenny mit ihrer Beschreibung recht gehabt und er sah wirklich nicht schlecht aus.


 

Ich konzentrierte mich wieder auf mein Frühstück und fünf Minuten später verließ ich die Schenke. Nur schnell weg von diesem Ort, das sind eindeutig zu viele für mich, dachte ich und sattelte in Windeseile mein Pferd. Ich stieg auf Banfhlath und begab mich wieder auf meine Reise nach Davenport. Kaum das ich auf meinem Pferd saß, fing ich an zu grübeln. So wie der Templer mich kurz angeschaut hatte, wusste er, dass ich zur englischen Bruderschaft gehöre. Na ja meine Montur machte es ja auch einfach mit dem erkennen. Symbole an beiden schwarzen Stiefeln, am Gürtel und zum Schluss noch die Schärpe, mit unserem Zeichen der Bruderschaft. Kurz gesagt rief meine Kleidung förmlich Assassine. Das die anderen Männer das nicht gemerkt hatten wunderte mich schon ein bisschen. Ich schüttelte meinen Kopf und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor mir. Weit waren wir nicht gekommen. Mein Pferd stoppte an der Kreuzung und ich wusste nicht weiter. Mist! Eigentlich wollte ich mich in der Taverne nach dem Weg erkundigen, aber durch diesen schnellen Aufbruch hatte ich das total vergessen. „Hey Sie sind doch der schweigsame Kerl von gestern.“, schreckte mich eine Stimme aus meinen trüben Gedanken. Ich nickte dem jungen Kerl zu und wollte ihn schon nach dem Weg fragen, doch der Junge plapperte einfach weiter. „Sie sind bestimmt neu hier in der Gegend, aber nach Davenport geht es da lang“, sagte er und zeigte auf den rechten Weg und dann war er auch schon wieder verschwunden.


 

Ich zuckte mit meinen Schultern und hoffte einfach mal darauf das er mir wirklich helfen wollte. So führte ich Banfhlath nach rechts und meine Reise konnte endlich weiter gehen. Ich musste den Assassinen unbedingt von dem Templertreffen erzählen. Mit solchen Gedanken und anderen ritt ich immer mehr in die Wildnis und hoffte dort meinen Bestimmungsort zu finden. Nach drei weiteren Stunden im Sattel, machte ich eine kleine Rast. Ich führte meine Gefährtin zu einem kleinen Bachlauf und lies sie dort ausgiebig trinken. Ich selbst streckte mich und packte etwas Proviant aus, um einen Happen zu essen. Danach ging es weiter und ich hoffte bald am Ziel zu sein.


 

Es war bereits Nachmittag und ich schätze es auf so 15 Uhr, als langsam eine Felswand immer näher kam. Ich dachte das der Weg bereits zu ende wäre, doch dann tat sich ein kleiner Durchgang im Felsen auf und der Weg führte weiter. So durchquerte ich die kleine Schlucht und als ich auf der anderen Seite wieder freie Sicht hatte, wurde mir ein wunderbarer Ausblick geboten. Vor mir breitete sich ein Tal aus, welches vollkommen von den Bergen umschlossen wurde. Anscheinend war der einzige Weg diese Schlucht. Mein Blick schweifte weiter über das Tal und so erblickte ich auf einem Hügel ein einzelnes Haus mit ein paar Nebengebäuden. Dahinter glitzerte das Meer. Ich ließ diese Landschaft erst mal auf mich wirken. Das war also Davenport, das Reich der Kolonialen Bruderschaft.


 

Ein paar Minuten später lenkte ich meine Stute in das Tal, in Richtung des großen Hauses. Auf der Hälfte der Stecke stellten sich mir zwei Männer in den Weg. Waren bestimmt die Wachen, wurde auch mal Zeit, ich hatte sie viel früher erwartet. „Wer seid Ihr und was ist euer Begehr?“, fragte mich einer der Beiden, während der andere mit einer Pistole auf mich zielte. Ich atmete kurz durch und stellte mich den beiden vor. „Mein Name ist Faith McGregor und ich wurde von der englischen Bruderschaft geschickt, um etwas mit euren Meister zu besprechen.“ Die Wachen schauten sich an und schien nicht recht zu wissen was sie machen sollten. „Bob hol Liam“, rang sich der Kerl mit der Pistole eine Entscheidung ab.


 

Ich lächelte mein Gegenüber an „Steck bitte diese Pistole weg, du machst mein Pferd noch nervös.“, meinte ich zu ihm. Der gute zitterte noch mehr und langsam bangte ich wirklich um mein Leben, als die Rettung in Form eines großgewachsen Mannes kam. Der Kerl war breitschultrig und sein Gesicht war gut unter der Kapuze verborgen. „Geh auf deinen Posten zurück Rekrut und schlaf nicht wieder ein!“, sagte er zu der Wache, welche sofort das Weite suchte. Nun richtete sich dieser Herr an mich. „Ihr wollt also unseren Meister sprechen. Sagt mir um was es geht!“, kam er sogleich auf den Punkt. Dieser Kerl scheint ganz schön ruppig zu sein. Ich richtete mich noch etwas in meinen Steigbügeln auf und betrachtete ihn von oben herab, um dann in meinem besten Londoner Dialekt zu antworten. „Die Nachricht ist nur für euren Großmeister bestimmt.“ „Entweder Ihr sagt mir jetzt worum es geht oder Ihr seid ein Toter Mann“, knurrte mich nun mein Gegenüber an.


 

Anscheinend hatte er nicht viel Geduld, aber schmunzeln musste ich trotzdem. Er hielt mich doch tatsächlich für einen Mann. Gut ich hatte ja ebenfalls meine Kapuze auf und wie meistens alles an mir kaschiert. Mein Gegenüber wurde immer misstrauischer, doch meine Laune hob sich mit jeder Sekunde die wir uns anstarrten. Nach zehn Sekunden war es mit meiner Selbstbeherrschung vorbei und ich fing an zu lachen. Mein Gegenüber schaute mich mit leicht verwirrten Blick an und glaubte bestimmt, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte und so beschloss ich meine Identität zu lüften. Ich zog mir die Kapuze vom Kopf und grinste ihn an. „Hallo mein Name ist Faith und ich bin ein Meisterassassine der englischen Bruderschaft und ich muss wirklich dringend mit deinem Großmeister sprechen, Liam.“, sagte ich zu ihm und verkniff es mir weiter über seine Verwirrung zu lachen. „Woher kennt Ihr meinen Namen?“, fragte er noch immer leicht verwirrt. „Diese Rekruten nannten Euch so.“ „Nun da scheint Ihr ja gute Ohren zu haben“, meinte er nur zu mir und gab mir ein Zeichen Ihm zu folgen.


 

Ich ritt langsam hinter Liam her und nach ein paar Minuten erreichten wir das große Herrenhaus. Während ich so hinter meinem Assassinen Kollegen hinter her trottete, versuchte ich mir eine Strategie auszudenken. Leider waren wir viel zu schnell da und ich stieg von Banfhlath ab. Vor dem Haus hatten sich einige Leute versammelt und schienen mich genaustens zu mustern. Die erste war eine Frau in einem violetten Kleid, der nächste kleidete sich in Felle und Leder und sah irgendwie exotisch aus und der dritte im Bunde hatte als einziger einen Ornat an.


 

Liam ging zu den Assassinen hin und stellte mich vor. „Meister Achilles, diese Dame hier heißt Faith und ist von der englischen Bruderschaft. Sie hat eine Nachricht für Euch“. Der Großmeister schaute mich an und schien mich abzuschätzen. Ich schluckte und merkte wie trocken meine Kehle war. Nach einer kleinen Ewigkeit antwortete er endlich. „Willkommen Schwester, in Davenport. Darf ich mich vorstellen. Mein Name ist Achilles Davenport und ich würde Euch gerne unsere Gastfreundschaft anbieten. Wir können dann über Euer Anliegen morgen sprechen, wenn es Euch nichts ausmacht.“ „Oh das ist kein Problem, so sehr drängt es nicht.“, stotterte ich leicht nervös. Der Meister gab mir ein kurzes lächeln und ich beruhigte mich ein kleines bisschen. „Nun dann werden wir Euch euer Zimmer zeigen, dann könnt Ihr Euch ein wenig von der Reise ausruhen. Hope würdest du Ihr ein Zimmer im Gästehaus herrichten.“, wand er sich an die Frau in violett. Sie nickte Ihm zu und damit war die Vorstellung vorbei. „Faith, würdet Ihr mir dann bitte folgen. Um euer Pferd kümmert sich gleich jemand.“ sagte Hope zu mir. Ich nickte ihr zu und schon waren wir auf dem Weg zu dem kleineren Gebäude.


 

Hope und ich traten durch die Eingangstür des Gästehauses und sie führte mich in die erste Etage. Dort blieb sie vor einer Tür stehen. „Das ist Euer Zimmer. Ich hoffe das genügt Euch, es ist leider das einzige welches noch frei ist, da sein voriger Bewohner leider nicht mehr unter uns weilt. Ach ja Euer Gepäck wird gleich hergebracht. Ruht Euch etwas aus, ich werde Euch zum Abendessen holen.“ sagte Hope mit einer ziemlich arroganten Stimme zu mir. „Ich Danke Euch.“, sagte ich trocken zu ihr. Diese Frau war mir irgendwie unsympathisch. Sie wollte das Zimmer gerade verlassen als es einfach aus mir heraus rutschte „Ist Shay auch da oder hat er eine Mission?“ Sie drehte sich zu mir um und schaute kurz erstaunt, bevor sie sich wieder im Griff hatte. „Nein er kam von seiner letzten Mission im Herbst nicht wieder. Kanntet Ihr ihn etwa?“ „Ja und aus diesem Grund bin ich hier.“ „Gut, dann fühlt Euch hier wohl, es war sein Zimmer“. Mehr sagte sie nicht mehr zu mir und verließ mit schnellen Schritten den Raum.


 

Nach diesen Worten setzte ich mich auf das Bett und war betrübt. Shay hatte es also nicht wieder zurück geschafft. Mit düsteren Gedanken legte ich mich quer auf das Bett und fing mal wieder an zu grübeln. Ich wurde nach einiger Zeit durch ein Klopfen aus meinen Gedanken gerissen. Ich setzte mich wieder auf und rief der Person an der Tür zu, dass sie doch herein kommen möge. Ich dachte eigentlich es wäre mein Gepäck, deshalb war ich etwas überrascht als Liam in den Raum trat. „Euer Gepäck ist gleich da, Faith. Wollt Ihr vielleicht mit uns ein wenig trainieren?“, fragte er mich. Ich lächelte ihn an „Gerne. Ein kleines Training wird mir bestimmt gut tun nach den letzten Monaten“. Liam schaute mich an und erwiderte mein lächeln.


 

Fünf Minuten später folgte ich Liam zum Trainingsplatz. Dort warteten schon ein paar Rekruten auf ihn. „Nun meine Schüler heute üben wir den richtigen Umgang mit den Pistolen.“, begrüßte er die Rekruten. „Ihr seht dort dies Strohpuppen, los fangt an einer nach dem anderen und versucht wenigstens halbwegs die Ziele zu treffen.“, beendete er seine kleine Ansprache. Liam gab dem ersten Schüler ein Zeichen und dieser begann. Der Rekrut traf alle drei Ziele, der nächste dagegen nur zwei Strohpuppen und so ging es weiter bis nur noch ich übrig war. „Nun Faith, ihr seid an der Reihe.“, meinte Liam. „Wollt ihr euch das wirklich antun, Liam?“ „Warum? Seid ihr etwa keine gute Schützin?“, fragte er mich. „Na ja, ich hab gegen Schusswaffen eine kleine Abneigung und deshalb meine Übungen mit diesen sehr oft vernachlässigt.“, versuchte ich mich irgendwie zu drücken. „Nun dann ist dieses Training ja wie gemacht für euch, Faith. Ich verspreche keiner wird lachen.“ „Na gut. Ihr habt mich überredet, Liam.“, gab ich seiner Bitte nach. So stellte ich mich in einigen Abstand zu den Puppen auf und zog meine erste Pistole. Ich zielte auf die erste Puppe und traf diese am Arm. Mit dem zweiten Schuss traf ich das nächste Ziel in den Kopf. Jetzt musste ich meine Pistolen nachladen, dann war das dritte Ziel dran und das erwischte ich im Bauch. „Gar nicht mal so schlecht Faith, nur du brauchst eindeutig zu lange zum Zielen. Mach das ganze nochmal und der Rest geht zu Hope.“, forderte Liam die anderen Schüler auf.


 

Der gute Liam lies mich fast den ganzen Nachmittag mit den Pistolen üben und gab mir dabei immer wieder wertvolle Tipps. Nach einer Weile machte es mir sogar Spaß und so langsam verschwand mein Misstrauen gegen die Schusswaffen. „So ich glaube das Abendessen müsste fertig sein. Wie wäre es wenn wir morgen weiter üben, Faith?“ „Aye Liam, essen ist gut. Ich habe einen Riesenhunger. Na los Liam, lasst uns gehen!“, rief ich Liam zu während ich den Weg zum Herrenhaus einschlug. Liam folgte mir lachend.


 

Nach dem Abendessen war ich froh ins Bett zu kommen, dieser Tag war doch ziemlich anstrengend gewesen. Achilles hatte mich beim Essen über die Lage in Europa und England gefragt und was die dortigen Templer so planten. Ich sagt ihm alles was ich wusste und den Rest des Abendessens unterhielt ich mich mit Liam. Er war wirklich nett zu mir und es machte Spaß über seine Witze zu lachen, doch eines störte mich. Hope's giftige Blicke, fast so als wollte sie mich mit ihren Blicken töten. Ein Glück klappte so etwas nicht, sonst wäre ich heute schon mehrfach tot umgefallen. Ich glaube mit dieser Frau würde ich keine Freundschaft schließen. Als wir das Abendessen beendet hatten, begleitete mich Liam noch zu meinen Zimmer und wünschte mir eine gute Nacht, um sich dann selbst schlafen zu legen. Ich legte mich ins Bett und meine Erschöpfung brachte mich kurze Zeit später in Morpheus Arme.


 

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

 

Kapitel 11 - Ich sage die Wahrheit!


 

Am nächsten Morgen wurde ich durch einen Rekruten geweckt, der mir etwas zum Frühstück brachte. Das war wirklich mal ein feiner Gästeservice. Ich aß alles schön brav auf und stellte das Tablett auf den Tisch, um dann das Gästehaus im Richtung Herrenhaus zu verlassen. Auf dem Weg dort hin begegnete ich Liam. „Morgen Faith, ich wollte gerade zu dir. Ich soll dir von Meister Achilles ausrichten, dass er dich nach dem Mittag in seinem Arbeitszimmer erwartet. Wollen wir bis dahin noch ein wenig trainieren?“, begrüßte er mich freundlich. „Oh es ist zwar schade das Achilles keine Zeit hat, aber das ist bei unserem Großmeister auch nicht anders. Na dann auf zum Training Liam.“, antwortete ich ihm und zusammen liefen wir zu einem der Trainingsplätze. „Hope wollte heute dein Können testen. Ich hoffe du hast nichts dagegen?“, erklärte mein Begleiter mir. „Nein. Was unterrichtet sie denn?“, fragte ich und hoffte das es eine Disziplin war welche mir lag. „Schwertkampf und lautloses Töten.“, bekam ich als Antwort von Liam und keine zwei Minuten später stand ich der guten Hope gegenüber.


 

So Liam hat dich also hergebracht. Wurde auch Zeit, eine Lady lässt man nicht warten.“, sagte sie hochnäsig zu uns und deutete mir mit einem Fingerzeig, dass ich in den Ring gehen sollte. Was hatte diese Frau nur gegen mich?, fragte ich mich in Gedanken. Hope folgte mir und grinste mich wieder so überheblich an. Von dieser Ziege würde ich mich nicht besiegen lassen, beschloss ich und wir zogen unsere Waffen. Hope hatte passend für sie einen Degen, ich dagegen hatte einen Säbel, welcher zwar schwerer war, aber dafür mehr Schaden anrichtete. „Ihr kämpft also mit einem preußischen Jagdschwert, Faith. Eine wirklich seltsame Wahl für eine Frau“, sprach sie mich arrogant an. „Mal sehen was ihr könnt, Meister.“, und mit diesen Worten setzte sie zum Angriff an.


 

Hope versuchte mich durch gezielte Angriffe in die Enge zu drängen, aber zu ihren Pech wich ich den meisten Schlägen von ihr aus oder blockte sie einfach. Nach ein paar Minuten funkelte sie mich schon zornig an und das war ein Zeichen für mich sie anzugreifen. Ich machte einen Schritt auf sie zu und hieb mit meiner Waffe auf ihre linke Seite. Hope parierte meinen Schlag und ich machte eine halbe Drehung um ihren Konterangriff auszuweichen. So waren wir wieder beim Anfang und Hope legte wieder los, indem sie mich von der rechten Seite angriff. Ich blockte diesen Angriff wieder und schaffte es fast sie zu entwaffnen. Als die gute Hope, mit Hilfe ihres Fußes, Staub aufwirbelte und ich diesen in meine Augen bekam. Dadurch das ich geblendet war, hatte Hope einen Vorteil, welchen sie auch gnadenlos ausnutzte. Keine drei Sekunden später stand ich ohne Waffe da und dieses elende Weib hatte gewonnen.


 

Hope ist der Sieger.“, hörte ich Liam`s Stimme und damit war unser kleiner Kampf vorbei. „Nun du hast leider verloren Faith. Lass mich raten dieser Ornat ist nur formell, oder?“, fragte mich Liam. „Ja.“, antworte ich leicht bedrückt. „Nun dann kannst du ja eine Weile mit uns üben, bevor du wieder zurück nach England gehst.“, bot er mir an. Hope schnaubte abfällig über unser Gespräch und stolzierte davon. „Was hat Hope für ein Problem?“, wollte ich von ihm wissen. „Oh. Sie kriegt sich schon bald wieder ein. Mach dir deswegen keine Sorgen. Wollen wir dann zu Meister Achilles, er wartet sicher schon auf uns, Faith.“, wischte er das Thema Hope vom Tisch und gemeinsam liefen wir zum Herrenhaus.


 

Liam öffnete die Tür des Hauses und lies mir den Vortritt. Im Haus deutete mein Begleiter zum linken Zimmer und so trat ich in den Raum. „Hallo Faith.“, begrüßte mich Achilles. „Leider hatte ich nicht früher Zeit für dich, aber ich hoffe Liam hat sich gut um dich gekümmert?“ „Ja, es ist nicht schlimm und das hat er.“, antwortete ich ihm. „Nun was wollte John mir so wichtiges mitteilen, dass er extra seine Schülerin schickt?“, fragte mich der Großmeister und gab mir so die Erlaubnis zu sprechen. „Mein Meister möchte Euch hiermit bitten, die Suche nach den Artefakten einzustellen.“, trug ich mein Anliegen vor. Achilles schaute mich an. „Und wieso ist John der Meinung, dass wir das sollten?“, fragte mich Achilles zurück. „Weil ich ihm erzählt habe was bei der Mission in Lissabon passiert ist. Das Artefakt dort war kein Edenapfel, sondern etwas anderes. Dieses Ding strahlte eine starke Macht aus und es zerstörte Lissabon innerhalb von ein paar Minuten. Bitte hört mit der Suche nach diesen Artefakten auf, sonst sterben womöglich noch viel mehr unschuldige Menschen.“, erklärte ich mein Anliegen. „Kein Mensch kann ganze Städte zerstören. Sie ist verrückt, Meister Achilles.“, meinte Hope mit ihrer bissigen Art. Wie konnte diese..., „Ich bin nicht verrückt, mit Hilfe dieser Artefakte ist alles möglich. Dieses Ding hatte sich einfach in Shay's Hand aufgelöst.“, verteidigte ich meine Meinung vor den anderen Assassinen. „Nun Faith“, begann Achilles „Ich danke dir für deinen Bericht. Ich werde John`s Bitte überdenken. Du kannst solange bei uns bleiben wie du möchtest um dein Können zu verbessern. Ich werde dir in Kürze meine Entscheidung mitteilen und jetzt entschuldige uns bitte“.


 

Damit war ich anscheinend entlassen und verließ den Raum und wand mich zur Haustür, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Vor der Tür hockte ich mich auf die Stufen, welche zur Eingangstür führten. Achilles glaubte mir nicht und so musste ich mir eine neue Strategie ausdenken. Vielleicht konnte ich ja Liam überzeugen das ich die Wahrheit sagte. Ich würde es versuchen und so wollte ich wieder in mein Zimmer, als ich die Stimme von Hope hörte. Von meiner Neugier getrieben, näherte ich mich dem Fenster, welches zum Arbeitszimmer des Hauses gehörte. Gut das vor diesem Fenster überall hohe Sträucher standen und so hockte ich mich darunter und konnte gut versteckt das Gespräch der Assassinen belauschen.


 

Sie sagt genau das gleiche wie Shay, Meister. Das kann kein Zufall sein.“, hörte ich Liam`s Stimme. „Es ist kein Zufall Liam. Diese kleine Möchtegern-Assassine lügt wie gedruckt.“, sprach sich Hope gegen mich aus. „Wie kommst du auf diese Behauptung, Hope?“, wollte Liam von ihr wissen. „Ganz einfach mein guter Liam. Als ich der Kleinen das Zimmer gezeigt habe, fragte sie mich mit hoffnungsvoller Stimme ob Shay da wäre. Er hat ihr diese Lüge eingetrichtert mehr nicht!“, machte sie mich weiterhin schlecht. „Du könntest Recht haben, wir müssen ihre Geschichte überprüfen.“, gab jetzt auch Achilles zu. „Ich glaube nicht das Faith lügt, Hope. Sie ist dafür ein zu ehrlicher Mensch.“, verteidigte mich Liam weiterhin. „Oh Liam du hast dich wohl in die Kleine verguckt und deshalb willst du der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen.“, ging ihn Hope erneut an. „So ein Blödsinn Hope.“ „Du wirst schon sehen, sie wird dich wegstoßen mein Freund.“, und mit dieser Aussage von Hope war das Gespräch beendet.


 

Sie glaubten mir also doch nicht, wie ich es mir schon gedacht hatte. Aber das Shay lebend hier wieder ankam freute mich. Doch wo war er dann und warum hatte mich Hope wegen Shay angelogen. Mit meinem neu gewonnen Informationen schlich ich mich leise wieder auf den Weg zurück. „Na Mademoiselle, habt Ihr auch alles mitbekommen, was nicht für eure Ohren bestimmt war.“, sprach mich eine Stimme hinter mir an. Ich drehte mich um und sah mir gegenüber einen Herren stehen. „Das sieht nicht so aus, als ob ich gelauscht hätte, ich meine ich habe nichts über Artefakte oder Shay gehört.“, plapperte ich drauf los, bis sich mein Gehirn endlich einschaltete. „Ups, das wollte ich eigentlich gerade nicht laut sagen und das auch nicht. Ich glaube ich sollte jetzt lieber meinen Mund halten.“, gab ich jetzt etwas kleinlaut zu. Wieso konnte ich nicht einmal meinen Mund halten und einfach nur still und leise denken. Argh verdammt!


 

Der Mann packte mich am Arm und führte mich zurück zum Herrenhaus. Er öffnete die Tür schwungvoll und diese krachte mit voller Wucht gegen die Wand. Jetzt war uns die Aufmerksamkeit von allen im Haus gewiss. „Achilles, mon ami. Das nächste mal vergewissert euch besser, das ihr nicht von kleinen Vögeln belauscht werdet.“, sagte der Fremde und schob mich etwas unsanft in das Arbeitszimmer. Da mein Begleiter eh schon gesagt hatte, was ich verbrochen hatte, ging ich auf Angriff, leugnen wäre eh sinnlos gewesen. „Ihr habt gemeint, ihr wüsstet nicht wie die Artefakte wirken, doch Shay sagte es euch und ihr wollt trotzdem weitersuchen?“, fragte ich vorwurfsvoll die anwesenden Assassinen. „Es stimmt, dass wir wussten wie diese Artefakte angeblich wirken, aber die Templer dürfen diese Artefakte nicht in die Hände bekommen.“, meinte ihr Meister ruhig. „Das gibt euch aber noch lange nicht das Recht über das Leben der unschuldigen zu entscheiden. Das werde ich nicht zulassen!“, sagte ich energisch. „Dann landet ihr im Meer, wie Shay.“, fauchte mich jetzt Hope an und dann ging alles ganz schnell. Liam und der Fremde kamen auf mich zu und nahmen mir meine Waffen ab und hielten mich zusammen fest. „Bringt sie erst mal in ihr Zimmer und stellt Wachen vor die Tür und das Fenster. Ihre Waffen behalte ich hier und morgen entscheiden wir was aus ihr werden soll.“, gab Achilles den Befehl, welcher sogleich ausgeführt wurde.


 

Da saß ich nun in meinen Zimmer und überlegte wie ich am besten aus dieser Situation entkommen konnte, Wenn es nach dieser Pute von einer Assassine ging, wäre ich schon längst über die Klippen geflogen und nicht mehr unter den Lebenden. Achilles würde mich bestimmt nicht töten, aber frei lassen würde er mich auch nicht. Lieber sperrte er mich hier bis an mein Lebensende ein und Liam? Ihn konnte ich schwer einschätzen. Stimmte es was Hope behauptete und er mochte mich? Das macht es nicht einfacher. Bestimmt hält er zu Achilles und ich könnte einfach abwarten und sehen was morgen passiert oder ich sollte heute Nacht das Weite suchen und wieder zurück nach England segeln. Dort wäre ich allem weiteren Trubel um diese Artefakte los und John erzählte ich einfach das die Assassinen seine Bitte erfüllten. Doch diese Lösung konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren und so beschloss ich Schritt eins in die Tat umzusetzen. Von hier zu verschwinden und dann weiter sehen.


 

Durch meine ganzen Überlegungen war es bereits Nacht geworden und ich schlich leise zu meinem Fenster. Ich schaute hinaus und erspähte die Wache in einem Baum. Ich öffnete das Fenster und von der Wache kam keine Reaktion. So holte ich mein Gepäck und warf es aus dem Fenster. Zum Schluss schnappte ich mir noch mein Medizinkästchen und kletterte auf den Baum, welcher vor meinem Fenster stand. Von dort aus erreichte ich den Boden und hob mein restliches Gepäck auf. Wie gut das diese Wache einen so festen Schlaf hatte und so konnte ich mich leise in Richtung Stall schleichen. Als ich dort ankam war alles dunkel und ich musste mich langsam vortasten. Aber als ob es meine treue Gefährtin wusste, dass ich nach ihr suchte, schlug sie mit der Hufe gegen ihre Box. Ich folgte dem Geräusch und ertaste auf dem Weg zu ihr noch einen Sattel und Zaumzeug. Ich öffnete ihre Box und Banfhlath trat zu mir auf den Gang. Ich legte meine Hand auf ihren Hals und zusammen verließen wir den dunklen Stall. Auf dem Hof sattelte ich sie schnell und verstaute die Satteltaschen und mein Kästchen sicher auf ihren Rücken.


 

Noch immer tauchten keine Wachen auf. Seltsam aber mir sollte es Recht sein und ich führte Banfhlath in Richtung Herrenhaus. Ich musste nur schnell meine Waffen holen und dann war ich von hier verschwunden. Ich parkte meine Gefährtin vor der Tür und öffnete diese leise. Ich trat ein und schlich leise in das Arbeitszimmer. Ich schaute mich kurz um und auf Achilles Schreibtisch erblickte ich meine Waffen. Lautlos ging ich zum Tisch und legte meine Schmuckstücke wieder an. Als erstes die versteckten Klingen, dann meine Pistolen und zum Schluss noch meinen Säbel, Dolch und die Wurfmesser. „Du willst uns also verlassen, Faith.“, sagte eine Stimme vom Eingang aus. Ich drehte mich um und erkannte Liam. „Ich muss gehen, Liam. Hope würde mich am liebsten meucheln und was euer Meister mit mir vor hat ist bestimmt auch nicht so gut für mich.“ „Ich würde nicht zulassen das sie dich töten, aber ich werde dich nicht aufhalten. Faith folge dem Pfad westlich vom Hauptweg, so umgehst du die Wachen und kommst am Ende der Schlucht raus. Von dort findest du bestimmt deinen Weg. Geh jetzt! Sie werden bald merken das du nicht mehr da bist.“, sagte er etwas geknickt zu mir.


 

Ich lief auf ihn zu und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Doch Liam dachte anders und drehte seine Kopf so, dass sich unsere Lippen berührten. Langsam bat er mit seiner Zunge um Einlass und ich gewährte sie ihm ohne zu zögern. Es war ein Kampf unserer Zungen und keiner von uns beiden wollte nachgeben. In meinem Bauch breitete sich ein kribbeln aus, welches sich bis in meinen Unterleib fortsetzte. So ein Gefühl hatte ich noch nie gespürt und es fühlte sich schön an. Nach einer kleinen Ewigkeit lösten wir uns von einander. Wir brauchten keine Worte, unser Blicke reichten vollkommen. Leider hatte ich keine Zeit mehr, ich nickte Liam nochmal zu und verschwand aus dem Herrenhaus. Draußen wartete meine treue Gefährtin auf mich, ich stieg in den Sattel und verließ Davenport in westliche Richtung.


 

Oh verdammt! Jetzt hatte ich den Assassinen vergessen von den Templern zu erzählen, welche ich gesehen hatte. Na ja zurück konnte ich nicht mehr und so gab ich Banfhlath die Sporen um genug Abstand zwischen mich und Davenport zu bringen. Nach einer halben Stunde lockerte ich die Zügel und meine Gefährtin konnte sich selbst einen Weg suchen. Ich versank schnell in Gedanken und berührte dabei leicht meine Lippen. Der Kuss war wirklich schön gewesen und in meinen Inneren hoffte ich Liam bald wiederzusehen. Ich mochte ihn, er war nett zu mir gewesen und hatte anscheinend doch etwas von mir gewollt. Ich schob diese Gedanken an Liam beiseite und konzentrierte mich wieder auf den Weg vor mir. Ein Glück war Vollmond und so konnten wir die Nacht durchreiten. Was die Zukunft wohl brachte?, fragte ich mich und dachte an die hiesigen Assassinen. Jeder will die Welt beherrschen, sogar Assassinen und dafür war ihnen jedes Mittel Recht. Diese Tatsache stimmte mich traurig und langsam ritt ich der Dämmerung entgegen.

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

 

Kapitel 12 - Was nun?


 

Nach einigen Stunden erreichte ich Lexington und der Morgen fing an zu grauen. Mein Magen hing mir in den Kniekehlen, meine letztes Mahl war auch schon fast einen Tag her und so beschloss ich mir eine kleine Rast zu gönnen. Als hätte ich es geahnt, zählte ich noch schnell mein Geld und stellte mit entsetzen fest, dass es nur noch drei Pfund waren. Das durfte doch nicht wahr sein. Man hatte mich bestohlen, aber nur wo? Ich überlegte kurz und kam zu dem Entschluss, das ich vor zwei Tagen noch alles hatte, als ich von Lexington in Richtung Davenport aufbrach. Dann musste der Diebstahl in Davenport passiert sein. Na toll die Assassinen wollten mich nicht nur töten, sondern vergriffen sich auch noch an fremden Eigentum. Ich hatte jetzt gar nichts mehr. Kein Geld um in die Heimat zu kommen und keine Hilfe von meinen Brüdern und Schwestern.

Betrübt hielt ich vor dem Gemischtwarenladen an und der Besitzer schaute mich mit großen Augen an. War wohl so frühe Kundschaft nicht gewohnt oder ich störte ihn nur beim Fegen, konnte auch sein. Ich stieg von meinem Ross und lächelte den Mann freundlich an. Vielleicht half es ja. „Madain mhath, mo buidheag. Hast du deinen Laden schon offen?“, fragte ich und ließ meinen Londoner Dialekt einfach mal sein. „Guten morgen Miss, für euch öffne ich meinen Laden gerne etwas früher. Benötigt ihr etwas spezielles?“, fragt er mich freundlich. „Nur ein paar Vorräte.“, antwortete ich ihm. „Wenn es weiter nichts ist. Ein bisschen Trockenfleisch und ein paar Äpfel habe ich noch vorrätig.“ „Das reicht mir vollkommen aus.“, sagte ich zu ihm und folgte dem Besitzer in seinen Laden.


 

Der Mann machte sich gleich daran, das Fleisch und zehn Äpfel in einen kleinen Sack zu packen. Er reichte mir meinen Einkauf und ich hoffte, dass mein Geld noch reichen würde. „Das wären dann neunzig Pence.“ „Oh bitte hier ist das Geld.“, meinte ich zu ihm und war erstaunt wie preiswert es war. So preiswert war ich in den Kolonien noch nie weggekommen. Ich wollte unbedingt wissen, wieso ich so wenig bezahlen musste und fragte einfach den netten Verkäufer nach dem Grund. Seine Antwort war wirklich interessant, denn der gute Herr gab seine Waren preiswert an Landsleute, so wie ich, war er gebürtiger Schotte und von den Sassenach verlangte er das dreifache.


 

Und wo wollt ihr um diese Tageszeit hin, Miss?“, fragte er mich weiter aus. „Das weiß ich noch nicht so genau, dort wo ich Arbeit bekommen kann. Ihr habt nicht zufällig einen Vorschlag? Oh habt ihr da etwa Chinarinde?“, fragte ich ihn. „Ja hab ich ganz neu im Sortiment, doch leider wissen die wenigsten was es ist. Seid ihr etwa eine Heilerin?“ „Ja, meine Ziehmutter brachte mir viel über die Heilkunst bei und es macht mir Spaß. Ich helfe gerne den Menschen.“, antwortete ich ihm ehrlich. „Dann junge Dame gibt es in New York auf jeden Fall genug Arbeit für euch. Warte kurz. Mein Schwager dritten Grades lebt dort mit seinem holden Drachen. Den beiden gehört eine kleine Taverne in Lower Manhattan. Diese liegt an der Grenze zu Greenwich. Ich schreibe ein paar Zeilen für euch und den Weg noch dazu. Wenn nicht fragt in der Stadt einfach nach dem „Appel Pie“ und den Grants. Die Menschen werden euch den Weg schon sagen.“, erzählte er gut gelaunt und verschwand kurz nach hinten um den Brief zu schreiben.


 

Er kam wieder hervor, überreichte mir den Brief und ich bedankte mich für seine Hilfe. Als ich den Laden verlassen wollte rief er mir noch etwas zu „Miss bleiben sie bei ihren schottisch Dialekt. Der passt viel besser zu ihnen“. Ich winkte ihm, als Zeichen des Verstehens und stieg draußen auf meine treue Gefährtin. Also auf nach New York und mal sehen was mich dort so alles erwartet.


 

Nach einer Woche erreichte ich endlich New York. Diese Stadt war verdammt breit gefächert und so musste ich mich durch zwei Stadtteile fragen, bis ich vor einem großen Haus stand. In der einen Haushälfte war eine kleine Taverne untergebracht und bei der anderen stand das darin befindliche Geschäft leer. Jetzt war ich endlich bei meinem nächsten Ziel angekommen, doch was machte ich jetzt mit Banfhlath? Ich konnte sie schlecht ohne Aufsicht hier stehen lassen, wenn ich in die Taverne ging. Ich schaute mich etwas um und entdeckte ein kleines Mädchen. Bestimmt war sie nicht älter als zehn und ihren Sachen nach zu urteilen, hatte die kleine sehr arme Eltern oder gar keine. Ich ging auf die kleine zu und sie schaute mich erstaunt aus ihren großen braunen Augen an.


 

A leannan, willst du dir ein paar Pence verdienen?“, fragte ich sie. „Ja klar doch Miss, was soll ich für sie erledigen?“ „Siehst du das schwarze Pferd bei der Taverne, es ist meine treue Gefährtin. Kannst du kurz auf sie aufpassen? Du bekommst auch zwanzig Pence“, fragte ich sie höflich. „Abgemacht! Für das Geld können Sie sich auch ruhig Zeit lassen. Miss.“, sagte sie mir freudestrahlend. Ich lächelte ihr zu und gemeinsam liefen wir zu Banfhlath. Bevor ich in die Taverne ging, tätschelte ich noch Banfhlath und sagte ihr das ich gleich wieder das sein würde.


 

Ich öffnete die Tür zur Taverne und ging mit zügigen Schritten zur Bar. „Mo buidheag, ciamar a tha thu?“, sprach ich den Besitzer an. Der Wirt grinste mich an „Ihr seid eine Landsfrau und so wie Ihr klingt aus Edinburgh. Ich selbst stamme aus Aberdeen. Was führt Euch in die Kolonien?“, fragte er mich. Ich griff in meine Tasche und reichte ihm den Brief von seinem Schwager. Der Wirt öffnete den Brief und begann zu lesen. Als er den Brief gelesen hatte schaute er mich an. „Also seid ihr eine Jungfrau in Nöten, sozusagen. Wenn du willst kannst du hier gerne als Bedienung anfangen, bist du was als Heilerin findest.“, schlug er mir vor. „Das wäre wirklich sehr nett von Ihnen.“, bedankte ich mich bei ihm. „Du kannst ruhig Alex zu mir sagen und du bist...?“ „Faith. Ich heiße Faith McGregor und danke für das Angebot“. Alex winkte ab und rief nach einer gewissen Margery.


 

Die gute Margery betrat meckernd den Raum und stockte kurz als sie mich erblickte. „Und wer seid Ihr?“, fauchte sie mich an „Ich bin Faith und es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen.“, antwortete ich ihr höflich. „Was seid ihr doch für eine nette und freundliche Sassenach. Was willst du von mir Alex. Ich habe hinten noch genug zu tun.“, fuhr sie den Wirt weiter an. Das war dann wohl der Hausdrachen, wie es sein Schwager zu sagen pflegte. „Kannst du Faith das Zimmer oben im Dachgeschoss zeigen.“,fragte Alex seine Frau. Margery drehte sich zu mir um und musterte mich genauer. „Diese Sassenach soll also unsere neue Aushilfe sein? Hast wohl nur wieder mit deinem Schwanz gedacht! Wie kannst du so etwas nur hinter meinen Rücken entscheiden? Sieh sie dir doch an, man könnte meinen sie kommt von einem Schlachtfeld und du willst sie unbedingt als unsere neue Aushilfe. Argh!“, kam die gute jetzt richtig in fahrt und beschimpfte ihren Mann die nächsten fünf Minuten, ohne dabei großartig Luft zu holen.


 

Während die beiden diskutierten, schaute ich mich in der Taverne um. Viele der Gäste hatten ihre Aufmerksamkeit auf das Ehepaar gelenkt und einige feuerten die Beiden auch noch an. In meine Beobachtungen vertieft bemerkte ich gar nicht wie die Gastwirte ihre Meinungsverschiedenheit geklärt hatten, als mich Margery anfauchte „Was kannst du kleine Sassenach alles“? Ich überlegte einen Moment. Das ich normalerweise Leute über den Jordan schickte sollte ich besser nicht erwähnen. „Kochen, putzen und ausschenken werde ich hinbekommen.“, erklärte ich ihr und hoffte, dass es für sie genug war. „Gut. Die Treppe ganz nach oben, das zweite Zimmer von links. Hast du noch andere Sachen außer dieser seltsamen Kutte?“ Ich nickte und fragte sogleich noch wo ich meine Gefährtin unterstellen konnte. Sie verdrehte die Augen und sagte, dass der Stall hinter dem Haus sei.


 

Als ich schon fast wieder aus der Schenke war, rief mir Margery noch zu, dass ich mich gefälligst beeilen sollte. Draußen wartete Banfhlath brav auf mich und lies sich von den kleinen Mädchen streicheln. Die gute hatte wirklich einen sehr guten Charakter und zickte niemals großartig rum. Eine wirklich ausgezeichnete Gefährtin. „Ihr Pferd war ganz lieb. Krieg ich jetzt mein Geld, Lady?“, fragte mich das kleine Mädchen direkt. „Hier deine zwanzig Pence.“, sagte ich und gab ihr ihren Lohn. Die kleine strahlte mich an und winkte mir nochmals zum Abschied, bevor sie hinter der nächsten Straßenecke verschwand.


 

Ich nahm die Zügel von Banfhlath und führte sie um das Haus herum, in Richtung Stall. Dort waren nur zwei weitere Boxen belegt und so bekam meine Gefährtin die größte Box. Schnell sattelte ich sie ab und gab noch eine große Portion Heu in die Raufe, dann schnappte ich die Satteltaschen und begab mich zu meiner neuen Unterkunft.


 

In meinem neuen Zimmer schaute ich mich erst mal um. Viele Möbel gab es nicht, ein Bett, Tisch, zwei Stühle und eine Kleidertruhe. Das Sonnenlicht schien durch ein Fenster, welches auf das Hausdach führte. Man konnte sogar den Staub tanzen sehen,die Sonne sendete ihren Strahlen direkt in mein neues Zimmer. Es würde voll und ganz reichen, außerdem könnte ich das Zimmer später noch verschönern. Hauptsache ich hatte einen trockenen Schlafplatz. Ich legte meine Satteltaschen auf das Bett und fing an mein Kleid in diesen zu suchen. Als ich das Kleid fand, hatte ich schon sämtlichen Inhalt der Satteltaschen im Zimmer verteilt. Nun das Chaos würde ich später beseitigen, jetzt musste ich mich bei dem Drachen melden. Ich schlüpfte schnell in das Kleid und verließ mein neues Zimmer, um in die Küche zu gehen.


 

Als ich in die Küche trat, stand Margery mit dem Rücken zu mir. „Da bin ich, Margery.“,sagte ich zu ihr. „Nenne mich nicht so Sassenach, für dich heißt es Chefin, verstanden!“, fauchte sie mich an. Bevor ich noch etwas auf diese Bemerkung erwidern konnte, scheuchte sie mich aus der Küche in den Schankraum. Dort wurde ich freundlich von ihrem Mann begrüßt „Hallo Faith, hab dich gar nicht erkannt in dem Kleid. Das steht dir hervorragend und bitte urteile nicht zu hart über meine Frau, sie ist sonst nicht so griesgrämig“. Ich nickte ihm nur zu „Was soll ich tun, Alex“, fragte ich ihn und schaute mich im Gastraum um. „Ganz einfach, du fragst die Leute was sie wollen, sagst das dann mir und ich werde die Drinks zubereiten und du bringst es der Kundschaft an den Platz. Das ist meiner Frau letztens eingefallen, sie nennt es ein neues Geschäftsmodell um mehr Kundschaft anzulocken.“, erklärte er mir meine Aufgabe. „Also soll ich die Leute bedienen, richtig Alex?“ „Genau so ist es und jetzt los mit dir. Die Leute dort hinten in der Ecke haben noch nichts“. Damit war meine Einweisung beendet und ich lief zu dem besagten Tisch.


 

Was darf ich den Herren bringen?“, begrüßte ich die Gäste höflich. Einer der Herren drehte sich zu mir um und grinste mich an „Na so was hab ich in noch keiner Taverne erlebt, man fragt tatsächlich was wir haben wollen.“, sagte der Herr erstaunt zu mir. „Das ist ein neuer Service, das gibt es nur im „Appel Pie“. Möchten sie vielleicht einen Becher Ale?“, fragte ich weiter nach. „Na wenn das so ist, dann nehme ich dich Schätzchen.“, antwortete mein Gegenüber frech und meine Laune war im Keller. „Sag wenn ich dich kastrieren soll, kannst es ja gerne versuchen mich anzutatschen.“, fauchte ich ihn gereizt an. Bevor der Herr aber noch einen weiteren Kommentar abgeben konnte, schaltete sich sein Begleiter ein. „Lass es gut sein Gist, wir nehmen zwei Ale, Miss.“, sagte er freundlich zu mir. „Kommt sofort, meine Herren.“, antwortete ich ihnen und verschwand in Richtung Tresen, zu Alex.


 

Zwei Ale für die beiden Herren in der Ecke“, gab ich die Bestellung weiter. Während Alex das Ale in die Becher füllte, schaute er mich skeptisch an „Faith, wenn du weiter so böse guckst, vergraulst du noch unsere Kundschaft. Immer schön lächeln. Hier das Ale.“, belehrte er mich. Ich nahm die zwei Becher und ging wieder zu den beiden Herrschaften zurück. „Bitteschön, ihr Ale. Das macht dann 10 Pence“, sagte ich freundlich und stellte die Getränke auf den Tisch. „Das ist ja ein wahrer Wucherpreis“, regte sich dieser Gist auf doch sein Kumpane gab mir das Geld. „Das solltet ihr nicht zahlen, Colonel Monro.“, versuchte Gist die Zahlung rückgängig zu machen. Ich lies die beiden Herren alleine und wand mich meinen nächsten Gästen zu und so ging das noch eine ganze Weile, bis endlich die letzten Trunkenbolde verschwunden waren.


 

Als ich die letzten Becher abgewaschen hatte, taten mir meine Füße weh und ich wollte nur noch ins Bett. So zündete ich mir eine Kerze an, wünschte Alex noch eine gute Nacht und verschwand in meinem Zimmer. Ich stellte die Kerze auf den Tisch und wollte gerade mein Kleid ausziehen, als ich von unten Lärm hörte. Schnell griff ich die Kerze und lief die Treppe wieder herunter. Im Schankraum angekommen, erblickte ich vier Kerle welche anscheinend Streit mit Alex suchten. Diese Feiglinge, dachte ich und bevor ich überhaupt nachdachte trat ich in den Raum. „Hey ihr Deppen, findet ihr es gerecht, wenn vier Männer auf einen Losgehen? Sucht euch gefälligst jemanden der euch in die Schranken weißt.“, rief ich zu den Eindringlingen. Diese drehten sich zu mir und grinsten mich böse an. „Etwa du, kleines Miststück?“, sagte ihr Anführer und schon gingen sie auf mich los.


 


 

Übersetzung: Madain mhath, mo buidheag - Guten Morgen mein Freund

Mo buidheag, ciamar a tha thu - Wie geht es dir, mein Freund


 

 

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Kapitel 13 - Die ersten Tage in einer neuen Stadt


 

Der Erste rannte auf mich zu und ich schaffte es im letzten Moment auszuweichen und ihm ein Bein zu stellen. Mein Gegner stolperte und legte sich alle viere von sich gestreckt auf den Boden der Taverne. Doch konnte ich mich über diesen kleinen Triumph nicht lange freuen, Nummer zwei wollte auch noch etwas von mir. Er ging auf mich los, anscheinend im Glauben ich wäre ein leichtes Opfer, doch ich rammte den guten einfach mein Knie in seine Kronjuwelen und er ging stöhnend zu Boden. Nummer eins hatte sich derweil wieder aufgerafft und versuchte mich von hinten zu packen, da traf ihn Alex mit seiner Rechten und er machte wieder Bekanntschaft mit dem Boden. Jetzt waren es Zwei gegen zwei und der Dritte dieser Halunken wollte, wie sollte es auch anders sein, mich attackieren. Doch der gute Alex kam ihm zuvor und sein Faustschlag traf unseren Gegner direkt in den Magen, ich trat den guten in die Kniekehle, so dass er zu Boden fiel und sich krümmte. Da der Anführer jetzt ganz alleine dastand, drehte er sich um und gab Fersengeld, um aus dem Appel Pie zu verschwinden. Seine Kumpane humpelten langsam hinter ihm her. Damit waren diese Halunken erst mal Geschichte und wir hatten hoffentlich für diese Nacht ruhe.


 

Alex drehte sich zu mir und ich erkannte, dass er einen kleinen Kratzer an der Augenbraue hatte. „Komm setz dich hin, ich sehe mir diese Verletzung an.“, meinte ich zu ihm und dirigierte ihn zu den Stühlen am Tresen. „Mach dir keine Umstände Faith, du hast mir schon genug geholfen.“, wollte er sich drücken aber ich lies bei einer Verletzung nicht mit mir reden. Ich ging hinter den Tresen und holte eine Flasche Whisky hervor und einen halbwegs sauberen Lappen. Ich schüttete den Alkohol auf den Lappen und drückte diesen einfach auf die Wunde. Das müsste eigentlich reichen, so tief war der Schnitt nicht, dass ich es nähen musste. Alex zog kurz scharf die Luft ein, der Whisky brannte bestimmt und so lächelte ich ihn aufmunternd an, wie ich es bei all meinen Patienten tat.


 

Nach einer knappen Minute packte ich den Lappen weg und schenkte uns aus der Flasche zwei Gläser ein. „Slàinte mhath!“, sagte ich zu ihm und wir prosteten uns zu. Der Whisky brannte in meiner Kehle, aber nach der ganzen Aufregung tat das ganz gut. „Alex euer rechter Haken kann sich wirklich sehen lassen.“, meinte ich zu dem Wirt. „Danke Faith. Ihr seid ganz schön flink und habt diese Halunken alt aussehen lassen. Ohne euch hätten sie wieder das Mobiliar zerstört und unsere Wocheneinnahmen als angebliches Schutzgeld genommen. Wegen diesen Halunken ist meine Frau so schlecht gelaunt. Ein Glück hat sie das heute nicht mitbekommen.“, erzählte er mir.


 

Ich trank noch mein Glas aus und Alex verriegelte die Tür, an der Treppe wünschte ich ihm eine gute Nacht und ging in mein Zimmer. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Ich wechselte mein Kleid gegen den Ornat und legte mir meine Waffen an. Als das erledigt war öffnete ich das Fenster und kletterte auf das Dach. Mal sehen was die Templer so ausheckten, dachte ich und verschwand in westliche Richtung, zum Hafen.


 

Über die Dächer New Yorks kam ich schnell voran und nach einer halben Stunde hatte ich einen von diesen Halunken aufgespürt. Ja das war mein größtes Talent. Das beschaffen von Informationen. Darin war ich wahrlich ein Meister, doch das war auch schon das einzige was ich perfekt beherrschte, meine Kampfkünste waren um einiges Verbesserungswürdig und von meinen Kletterkünsten wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich meine ich kam ein Haus schon hoch, aber es dauerte seine Zeit und meistens nahm ich den Seilwerfer. Wenn ich dann endlich oben war konnte ich mich relativ gut oben halten, mehr auch nicht.


 

Ich stand auf einem kleinen Dach eines Lagerhauses, als unter mir einer dieser Gauner entlang spazierte. Diese Chance nutzte ich und lies mich direkt auf meinen Gegner fallen. Durch die Wucht des Aufpralls gingen wir beide zu Boden und ich rollte mich schnell herum und drückte mein Knie auf seine Brust, lies meine versteckten Klingen hervor schnellen und schaute böse unter meiner Kapuze hervor. „Wer ist dein Boss und warum terrorisiert ihr die Bevölkerung New Yorks. Rede elender Templer!“, knurrte ich ihn an. Mein Gegner schaute mich verwirrt an „Warum greift ihr mich an? Wir sind doch auf der gleichen Seite und arbeiten beide für die Miss.“, entgegnete er mir und jetzt schaute ich skeptisch. Was sollte das heißen auf der gleichen Seite? Das musste ich raus finden. Ich drückte meine Klinge stärker an seinen Hals und mein Gegner bekam langsam Angst, er fing an zu schwitzen und roch ich da etwa Urin? Widerlich! Ich stand schnell von ihm auf und stellte meinen Fuß auf seine Brust, mit meinem Säbel an seinem Hals hielt ich ihn am Boden.


 

Los Rede! Ich war eine Weile nicht im Lande also bringe mich doch bitte auf den laufenden Stand.“, sagte ich höflich und der Kerl schien meine kleine Lüge auch noch zu glauben. „Wir gehorchen alle der Miss. Sie ist unserer Anführer und hat uns erlaubt das zu machen was wir wollen. Kurz Rauben, Morden, Schutzgeld, das übliche halt. Die Miss meint das wir so die Bevölkerung besser kontrollieren können und sie hat recht. Die Menschen hier sind wie Vieh, welches zur Schlachtbank geführt wird. Haben viel zu viel Angst sich gegen uns zu wehren. Unsere Bosse freut das natürlich riesig, scheffeln ne menge Geld und so und wir kriegen auch alle nen saftigen Lohn. Alles dank der Miss.“, sprudelte es aus ihm raus. „Und was ist mit der sogenannten Freiheit?“, fragte ich ihm weiter. „Das ist doch nur was für Träumer, meint die Miss. Sie hat andere Ziele, aber welche weiß ich nicht.“ „Wo finde ich eure Bosse?“, fragte ich ihn weiter und bekam immer mehr ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. „Sie haben New York unter sich aufgeteilt, in sechs Bezirke. Dort befindet sich auch ihr Hauptquartier. Bitte lasst mich jetzt gehen. Ich habe euch alles erzählt und ihr seid doch einer von uns oder etwa nicht?“ Ich gab den Kerl keine Antwort und stach einfach zu, kniete mich neben ihn und schloss seine Augen „Requiescat in pace. Danke für die Informationen.”, murmelte ich zu seinem toten Körper und stand auf. Mit meinem Seilwerfer war ich wieder ganz schnell auf einem der Dächer.


 

Was hatte das alles zu bedeuten? Sollten die Assassinen für diese Ungerechtigkeit verantwortlich sein und die Bevölkerung für ihre Zwecke missbrauchen. Das wollte ich nicht glauben, solche Aktionen würden das Wohl von unschuldigen gefährden und das würde gegen unser Credo verstoßen, halte deine Klinge fern vom Fleisch Unschuldiger. Dieser Typ musste sich geirrt haben und meinte bestimmt die Templer. Kein Assassine würde das tun, ganz sicher. Obwohl die hiesige Bruderschaft störte es nicht was in Lissabon geschehen war. Argh! Das war zu verwirrend und so beschloss ich zum Appel Pie zurück zu kehren, um dort in Ruhe über alles nachzudenken.


 

Ich drehte mich in östliche Richtung und lief los. Es waren vielleicht noch hundert Meter als plötzlich die Wolkendecke aufbrach und es wie aus Eimern zu schütten begann. Na toll. Das hatte mir gerade noch gefehlt und so kam ich total durchweicht in meinem Zimmer an, durch den Regen war auch noch mein Bett, welches zum Teil unter dem offenen Fenster stand, nass geworden. Für den nächsten Ausflug musste ich mir unbedingt vornehmen das Fenster zu schließen. Ich zog meinen Ornat aus und schmiss ihn auf den Boden, nahm mir meine Decke und legte mich auf das kleine trockene Plätzchen in meinem Bett und versuchte irgendwie einzuschlafen. Das Leben konnte ja nur noch besser werden und nach einer gefühlten Ewigkeit war ich in Morpheus Armen.


 

Seit diesem Erlebnis waren zwei Wochen vergangen und so langsam konnte ich als Heilerin arbeiten. Es reichte zwar nicht zum Leben, aber immerhin konnte ich den Menschen helfen und abends arbeitete ich weiter als Schankmaid. Diese Halunken waren zum Glück nicht wieder im Appel Pie aufgetaucht und so war Margery schon viel entspannter und eigentlich ganz nett, vor allem nachdem ich ihr gesagt hatte, dass ich keine Sassenach war.


 

Da heute ein schöner Tag im Mai war, hatte ich beschlossen ein paar Leuten in Not zu helfen. Ich meine ich ging jeden Tag in die Stadt und bat meine Heilkünste an, aber bei einem so schönen Tag machte das Arbeiten gleich mehr Spaß als bei Regen. Heute handelte es sich um einen kleinen Jungen, welcher sich das Bein vor drei Wochen gebrochen hatte. Als ich die Familie vor einer Woche das erste Mal besucht hatte, musste ich das Bein nochmals brechen, es wäre sonst schief zusammengewachsen und der Junge hätte sein Leben lang Probleme damit gehabt. Nachdem ich das Bein gerichtet hatte, verschiente ich es und machte straffe Verbände um das Bein, damit nichts verrutschen konnte. Mit der strickten Anweisung sein Bein nicht zu belasten, hatte ich die Familie verlassen und jetzt wollte ich nochmals nach dem kleinen Rabauken sehen.


 

Die Familie des kleinen wohnte in dem Stadtteil Greenwich und so hatte ich einen Fußweg von ungefähr einer halben Stunde. Als ich gerade Greenwich betrat, fielen mir ein paar Schurken auf, welche eine ältere Dame belästigten. Wie konnten diese Kerle nur! Ich ging auf die Kerle zu, hob noch schnell einen Stein von der Straße auf und warf einfach auf einen von diesen Kerlen. Wie durch ein Wunder traf ich einen von ihnen und dieser drehte sich zu mir um. „Was fällt dir elendes Weibsbild ein mich mit einem Stein zu bewerfen?”, fragte er mich noch doof. „Lasst die Frau in Ruhe, sie hat euch nichts getan!”, sagte ich zornig und zog mein Schwert, welches ich zum Glück dabei hatte. „Oh die Kleine will spielen, na los komm doch!”, rief einer der Kerle mir zu. Den Gefallen tat ich ihm gern und mit ein paar schritten war ich vor den Halunken. Dieser hatte ebenfalls seinen Degen gezogen und ging damit auf mich los. Ich parierte seinen Schlag und versuchte ihm seine Waffe aus der Hand zu drehen, aber der Kerl durchschaute meinen Plan und wich einen Schritt zurück. Zum Glück übersah mein Gegner den Pferdehaufen hinter ihm und rutsche darin aus. Er stürzte zu Boden und landete mit seinem Hintern genau im Mist. Damit war der Erste außer Gefecht und nun folgte Nummer Zwei, welcher mich mit großen Augen ansah. „Bitte Miss, Gnade. Es tut uns Leid.”, rief er noch und war dann ganz schnell verschwunden. Was war denn mit dem los?, fragte ich mich und ging mit zügigen Schritten zu der älteren Dame. „Geht es ihnen halbwegs gut?”, fragte ich sie und sie nickte mir zu. „Danke junge Dame. Das war sehr mutig von ihnen”, sagte sie freundlich und versuchte wieder aufzustehen. Ich griff ihren Arm und half ihr dabei. „Soll ich sie vielleicht nach Hause begleiten und mir dort mal ihren Fuß anschauen”, fragte ich sie. „Nur keine Umstände. Ich wohne nicht weit weg. Das schaffe ich schon allein.”, versuchte sie sich raus zureden und wollte den ersten Schritt tun, doch sie knickte mit dem Fuß weg. Schnell hielt ich sie fest und stützte sie.


 


 

Ich helfe ihnen, stützen sie sich auf mich. Wo gehts zu ihnen nach Hause? Keine Widerworte!”, beharrte ich auf meine Meinung und zusammen humpelten wir zu ihrem Haus. Die Dame hatte recht, es war nur zwei Straßen entfernt, aber ohne meine Hilfe hätte sie mindestens eine Stunde gebraucht. Ich klopfte an die Tür und hoffte das jemand sie schnell öffnen würde, die Dame wurde langsam schwer und meine Kräfte ließen langsam nach. Keine Minute war vergangen, da öffnete mir ein älterer Herr die Tür. „Cassidy?”, fragte er überrascht und lies uns ins Haus. Er half mir seine Frau auf das Sofa zu setzen. „Könnten sie mir bitte eine Schüssel mit kaltem Wasser und ein sauberes Tuch bringen?”, fragte ich ihn höflich. „Natürlich. Aber Liebes was ist passiert?”, fragte er seine Frau. „Ach Barry, diese Schurken haben mich bedrängt und da bin ich umgeknickt. Zum Glück hat diese junge Dame hier, mir gegen die Verbrecher geholfen. Sie hat ganz alleine diese Kerle vertrieben. Nun mach was sie gesagt hat.”, sagte sie zu ihrem Mann gebieterisch.


 

Nach fünf Minuten stellte Barry die Schüssel mit kaltem Wasser neben mich und legte die Tücher neben jene. Ich untersuchte Cassidy's Knöchel. Dieser war ganz schön geschwollen, aber zum Glück schien nichts gebrochen zu sein. Ich nahm eines der Tücher und legte es in die Schüssel mit Wasser. Ich wartete einen Moment, bis sich das Tuch vollgesogen hatte, dann drückte ich es aus und legte es über Cassidy's Fuß. Das kühlen würde helfen und in ein paar Tagen konnte sie wieder richtig laufen. „Ihr müsst den Fuß noch eine Weile kühlen und ihn dann schonen!”, ermahnte ich meine Patientin. „Das geht nicht, Miss. Ich muss mich um einen verletzten jungen Mann kümmern. Er ist vor zwei Wochen erst wieder aufgewacht. Ich kann jetzt nicht einfach krank machen.”, sagte sie mir. „Das geht nicht, aber bestimmt hilft ihr Mann ihnen, oder?”, fragte ich zurück und blickte dabei zu Barry. Dieser nickte nur. „Wenn sie möchten, kann ich mich um ihren Patienten solange kümmern, bis es ihnen wieder besser geht.”, schlug ich ihr vor. „Aber sie haben doch schon so viel für uns getan.”, erhob sie ihre Einwände. Ich setzte meinen strengsten Heilerblick auf und nach kurzer Zeit ergab sich die gute Cassidy.


 

Nachdem ich Cassidy komplett versorgt hatte und sie auf dem Sofa im Wohnzimmer mit ihrer Strickarbeit zurück gelassen hatte, führte mich ihr Mann zum Zimmer ihres Hauspatienten. „Ich weiß nicht ob er wach ist, klopfen sie mal. Ich warte dann unten und wenn sie was benötigen, rufen sie einfach”, sagte er mir und verschwand die Treppe runter. Ich klopfte an die Tür und als nach einer Weile keine Antwort kam, öffnete ich sie. Mein Blick huschte durch das Zimmer und ich hatte Probleme etwas zu erkennen. Ich ging hinein und zog als erstes die Vorhänge auf. So jetzt war wenigstens Licht in dem Raum. Ich drehte mich zum Bett und schaute in dunkle Augen.

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

 

Kapitel 14 - Er lebt!

 

Das konnte nicht sein! Nein Sie hatten doch gemeint das er Tod wäre, die Klippen ins Meer hinabgestürzt. Wie konnte er das nur überleben? Ich stand in dem Zimmer und wir starrten uns beide an als wäre der jeweils andere ein Geist. Was machte er hier in New York? Wie war er hierher gekommen? Wer hatte ihn gerettet? Mein Verstand überschlug sich förmlich mit fragen, doch mein Körper schien wie von selbst zu reagieren. Während er sich im Bett aufsetzte, ging ich auf ihn zu und Tränen liefen mir die Wange hinunter. Ich heulte bestimmt wie ein Schlosshund, doch egal was ich versuchte, die Tränen wollten nicht aufhören. Als ich vor ihm stand, streckte ich meine rechte Hand aus und berührte vorsichtig sein Gesicht. Sein Bart kitzelte an meiner Handfläche und seine Haare waren jetzt schulterlang. Ich betrachtete ihn weiter und stellte fest, dass er eine Verletzung am rechten Auge hatte. Doch diese war schon gut verheilt, es würde eine Narbe bleiben, welche sich quer über sein Auge ziehen würde. Um seine Brust trug er einen Verband und auch sonst sah er etwas lädiert aus. Kein Wunder, er war bestimmt 25 Meter die Klippe runter gestürzt und gerade so dem Tod von der Schippe gesprungen.


 

Du bist am Leben, mo chride.“, flüsterte ich leise zu ihm. „Faith. Was? Wie?“,fragte er mich verwirrt. Ich lächelte ihn an und umarmte ihn einfach. Zu groß war meine Freude, dass er am Leben war. Erst verkrampfte er sich, doch dann schien er sich langsam zu entspannen und erwiderte sogar meine Umarmung. Als ich seine Arme um mich spürte, raste mein Herz wie wild. Nach zwei Minuten löste ich mich von ihm und schaute in seine Augen. „Tschuldigung mo chride.“, nuschelte ich verlegen. Was war nur mit mir los. Ich warf mich doch sonst nicht den Kerlen an den Hals und kaum das ich ihn sah, passierte so was. „Schon in Ordnung, Prinzessin. Aber was machst du hier in den Kolonien und warum bist du bei den Finnegans?“, fragte er mich und setzte sich noch ein Stück auf. „Das ist eine lange Geschichte, mo chride.“, wollte ich mich um dieses Gespräch drücken. „Außerdem bin ich hier, weil ich deine neue Heilerin bin. Wie fühlst du dich?“, versuchte ich vom Thema abzulenken. „Guter Versuch, Prinzessin. Aber was machst du hier?“, ließ Shay nicht locker. Ich ergab mich meinem Schicksal und setzte mich einfach auf die Bettkante neben Shay und fing an zu erzählen, von meiner Mission die Assassinen zu hindern noch mehr Unschuldige zu ermorden, wie ich kläglich gescheitert war und hier jetzt wegen Geldmangel festsitzen würde. Shay schaute mich nur an und sagte nichts als ich meine Erklärung beendet hatte.


 

Weil mir nach einer Weile das Schweigen von Shay zu viel wurde, stand ich auf und fing an in meiner Tasche zu kramen. Das holte den Herren aus seiner Starre „Was machst du da Prinzessin?“, fragte er mich skeptisch. „Ich werde jetzt meiner Aufgabe nachgehen und deine Verbände wechseln. Und jetzt, Beine aus dem Bett.“, befahl ich ihm. Auf Shay's Gesicht breitete sich ein Grinsen aus und er gehorchte mir ohne murren. Er legte sich seine Decke über die Hüfte und ich wurde mit einem Schlag rot im Gesicht. Er hatte unter der Decke nichts an!, schrien meine Gedanken. Um mich abzulenken kramte ich wahllos in meiner Tasche. Nur nichts anmerken lassen. Du bist eine Heilerin Faith und du hast schon oft genug nackte Menschen gesehen. Ich atmete nochmals tief durch und legte die neuen Verbände und eine Salbe bereit.


 

Ich stellte mich vor meinen Patienten und untersuchte als erstes seine Verletzung am Auge. Diese war gut verheilt und bedurfte meiner Hilfe nicht mehr. Dann weiter zur nächsten. Ich nahm Vorsichtig seinen Verband, welcher um die Brust gewickelt war und fing an diesen zu lösen. Der Verband war fast komplett ab, als das letzte Stück auf Shay's Haut kleben blieb. Aha, da war diese Wunde noch nicht so verheilt wie sie sollte. Ich griff um Shay und löste mit den Fingerspitzen den Verband am Rücken. Zum Vorschein kam ein Einschussloch einer Pistole und ich zog unwillkürlich scharf die Luft ein. Wie konnten die Assassinen so was nur ihren Bruder antun? „Alles in Ordnung, Prinzessin?, fragte mich Shay, welcher meine Reaktion anscheinend mitbekommen hatte. „Ja alles bestens, mo chride. Wer war es?“, konnte ich meinen Mund nicht halten. „Liam“, knurrte Shay nur und an seinen Tonfall merkte ich, dass er darauf nicht weiter eingehen wollte. Seinen Wunsch akzeptierend konzentrierte ich mich wieder auf meine Arbeit und holte noch eine kleine Flasche Alkohol und saubere Tücher aus meiner Tasche. Dann ging ich zur Tür und huschte schnell zu den Finnegans runter, um kurze Zeit später mit einer Schale warmen Wassers wiederzukommen. Mein Patient schaute mich zwar überrascht an, aber ich wollte ihn heilen und nicht vergiften.


 

Langsam stellte ich die Schale auf den Tisch und befeuchte ein weiteres Tuch mit dem Wasser. „Könnte jetzt etwas nass werden.“, versuchte ich die erneute Stille zu brechen und fing an die Wunde am Rücken vorsichtig auszuwaschen. „Sag wenn es zu sehr schmerzt.“, meinte ich zu meinem Patienten und tupfte mit einem weiteren Tuch die Verletzung trocken. „Es geht, Prinzessin. Du bist wirklich sehr sanft zu mir.“, antwortete Shay und Lachen lag in seiner Stimme. Ich legte die Tücher beiseite und nahm mir die Flasche mit den Alkohol. Ich schüttete etwas in ein weiteres Tuch und drückte es auf die Wunde. Shay erstarrte kurz, sonst kam aber kein Laut über seine Lippen. Ich nahm das Tuch wieder weg und wand mich an Shay's nächste Verletzung.


 

Ich hockte mich vor ihn und betrachtete die Verletzung auf seiner Brust. Es war ein glatter Durchschuss von Liam und die Kugel steckte zum Glück nicht mehr in Shay's Körper. Ich säuberte diese Wunde sorgfältig und bevor ich den Verband erneuerte holte ich eine spezielle Salbe aus meiner Tasche. Ich öffnete den Deckel des Tiegels und sofort breitete sich das Aroma der Salbe im Zimmer aus. „Du willst das doch nicht etwa auf mich schmieren?“, fragte mich Shay skeptisch. „Doch das hatte ich eigentlich vor, mo chride. Diese Salbe beschleunigt die Wundheilung und verhindert eine weitere Entzündung der Wunde. Die Salbe hilft, ich spreche aus Erfahrung“, versuchte ich Shay von den Qualitäten der Salbe zu überzeugen. „Was ist da drin?“, fragte er mich weiter aus. „Myrrhe, Knoblauch und Ringelblume. Aber bist du hier der Heiler oder ich?“, antwortete ich leicht genervt und trat einen Schritt auf ihn zu. „Ich werde dir jetzt diese Salbe auf deine Wunden auftragen und du wirst stillhalten, Mister Cormac“, drohte ich ihm. „Und wenn nicht? Was wirst du dann mit mir machen. Du wirst doch nicht etwa deinen Patienten quälen oder Prinzessin?“, entgegnete er mir. „Wenn es hilf ihn zu heilen. Ja.“, gab ich trocken zurück. „Dann versuch es!“, provozierte er mich weiter und das lies ich mir nicht zweimal sagen.


 

Ich stellte den Tiegel auf den kleinen Nachttisch und nahm etwas von der Salbe zwischen meine Finger. „Wie willst du es jetzt anstellen?“, reizte er mich weiter. Ohne lange zu überlegen setzte ich mich einfach auf seine Beine und Shay erstarrte sofort. Eins zu null für mich, dachte ich und trug die Salbe auf beide Verletzungen auf. Als ich damit fertig war stand ich wieder von ihm auf und wischte meine Hände an einem der Tücher ab. „Das war unfair, Prinzessin.“, nuschelte Shay. „Wieso?“, fragte ich ihn und war mir wirklich keiner Schuld bewusst. Er hatte doch mit diesem Spiel angefangen. Aber Shay winkte nur ab und so legte ich ihn noch schnell einen neuen Verband an. „Fertig, mo chride.“, sagte ich und trat einen Schritt zurück.


 

Danke, Prinzessin. So etwas hätte ich dir nicht zugetraut.“, sagte mein Gegenüber. „Ich stecke eben voller Überraschungen, mo chride. So brauchst du noch etwas oder kann ich dich alleine lassen? Ich werde morgen nochmal nach dir sehen.“, wollte ich mich von ihm verabschieden, ich musste schließlich noch zu dem kleinen Jungen und die Grants warteten auch schon auf mich. „Du willst mich also verlassen, Prinzessin“, sagte Shay etwas geknickt und er schaute mich mit einem traurigen Blick an. „Ich muss, mo chride. Ein kleiner Junge wartet noch auf mich und meine andere Arbeit ebenfalls. Ich hab wirklich keine Zeit mit dir zu plaudern, auch wenn ich es gern täte Shay.“, versuchte ich mein Verhalten zu erklären. „ Aber wenn es hilft, komme ich morgen wieder hier vorbei und wir können in aller Ruhe reden. Ich denke du hast viele Fragen.“, bot ich ihm an. „Das hört sich doch gut an. Wir sehen uns dann morgen, Prinzessin.“, meinte Shay etwas fröhlicher. „Das hört sich so an als würdest du mich jetzt rausschmeißen, mo chride.“, neckte ich ihn und nahm den Träger meiner Tasche über meine Schulter, hob die dreckigen Lappen auf und zum Schluss balancierte ich die Wasserschale mit einer Hand in Richtung Tür. Doch diese war leider verschlossen und ich hörte vom Bett ein Lachen. Ich drehte mich zu Shay um, streckte ihm die Zunge raus und öffnete die Tür einfach mit meinem Ellenbogen, dann stolzierte ich aus seinem Zimmer und lies einfach die Tür offen. Was dachte sich dieser Kerl nur, mich auszulachen. Ich ging den Flur entlang und kurz vor der Treppe hörte ich Shay nochmals rufen. „Bis morgen Prinzessin und Danke“.


 

Ich ging die Treppe vorsichtig runter und in dem kleinen Wohnzimmer kam mir schon Barry zur Hilfe. Er nahm mir die Wasserschüssel ab und ich folgte ihm um die Tücher abzulegen. Ich sagte ihm noch, dass die Tücher gewaschen werden mussten, dann schaute ich nochmal kurz zu Cassidy. „Geht es schon ein wenig besser?“, erkundigte ich mich bei ihr. „Ja, danke der Nachfrage.“, antwortete sie mir und ich sagte dem Ehepaar, dass ich morgen nochmal vorbeikommen würde.


 

Als ich das Haus der Finnegans verließ, fing es bereits an zu dämmern. Schnell besuchte ich noch meinen kleinen Patienten mit dem gebrochen Bein, um dann ins Appel Pie zurück zukehren. Dort wartete schließlich auch Arbeit auf mich und das nicht zu knapp. Als ich in mein Bett fiel, war es bereits nach Mitternacht. Was für ein Tag, dachte ich und ließ alles nochmal Revue passieren. Shay lebte und hatte anscheinend keine Ahnung was in dieser Stadt vorging. Wie auch, er war mindestens zwei Monate nicht bei Bewusstsein und selbst jetzt konnte er sich nicht so bewegen wie er wollte. Aber da war noch etwas. Shay war anderes als in Lissabon, viel zurückhaltender, aber was wusste ich schon von Ihm. Ich kannte ihn ja kaum. Ich grübelte noch eine Weile vor mich hin und schlief dann langsam ein.


 

Der nächste Morgen brach schottisch an, es regnete in strömen und so wurde ich schon das erste mal nass, als ich zum Stall rannte. Wie konnte das Wetter nur so schnell umschlagen? Gestern noch strahlender Sonnenschein und heute so ein Mistwetter. Ich öffnete die Stalltür und meine Gefährtin begrüßte mich mit einem Wiehern. Ich ging zu Ihr in die Box und streichelte sie kurz. Banfhlath drehte ihren Kopf ein wenig und zwickte mich leicht in meinen Oberschenkel. „Ich gebe dir ja schon was“, sagte ich zu ihr. Ich holte ein wenig Hafer für sie, gab ihr das Futter in die Krippe und steckte Banfhlath noch ein wenig Heu in die Raufe. Damit war die gute erst mal versorgt und ich konnte die anderen Tiere füttern. Neben meinem Pferd, gab es noch einen braunen Hengst, welcher einem unserer Gäste gehörte, die Grants hatten eine Kuh, drei Schweine, bestimmt sechs Hühner, zwei Ziegen und vier Schafe. Wie gut das der Stall so groß war, sonst hätte es Platzprobleme gegeben.


 

Nach einer knappen halben Stunde, war das liebe Vieh versorgt und ich konnte endlich selbst was essen. Ich ging durch den Hintereingang in die Küche. Dort wurde ich von Margery freundlich begrüßt und ich setzte mich an den Küchentisch. „Hier bitte Faith.“, sagte sie zu mir und stellte eine Schüssel Porridge vor mich. Ich nahm mir einen Löffel und begann zu essen. Ich mochte Margery's Essen, sie konnte wirklich gut kochen und hatte schon am ersten Morgen gemerkt wie ich mein Porridge mochte. Englisch, das hieß mit Zucker und nicht wie in Schottland mit Salz. „Wenn man bedenkt, das wir heute schon wieder Juni haben. Sieht fast nach April aus, bei diesem Regen.“, murmelte Margery und setzte sich mir gegenüber an den Tisch. Sie nahm sich eine Schüssel des Haferbreis und löffelte ihn in aller ruhe. „Wo warst du gestern überhaupt solange, Faith?“, fragte sie mich. „Mir ist was dazwischen gekommen, hatte noch einen weiteren Hausbesuch in Greenwich und nicht so auf die Zeit geachtet. Ich hoffe ich war nicht zu spät da?“, entschuldigte ich mich bei ihr. „Nein ist nicht so wild, Faith. Du hilfst Menschen in Not , die sich keinen Arzt leisten können und willst dafür nichts. Das würden andere Ärzte niemals tun. Es soll hier sogar einen Chirurgen geben, der nur die Reichen behandelt, damit er ja genug Kohle bekommt. Leider komm ich jetzt nicht auf den Namen dieses Halsabschneiders. Ist ja auch egal, aber wir haben verdammtes Glück das eine ban-lighiche bei uns wohnt und auch ab und zu mal hilft.“, meinte meine Chefin zu mir. Wir aßen unser Frühstück auf und ich kümmerte mich um den Abwasch, während Margery in der Schankstube aufräumte.


 

Ich stellte die letzte Schüssel in den Schrank und verließ die Küche. Ich durchquerte den Flur und öffnete die gegenüberliegende Tür. Das war mein kleiner Arbeitsraum, den mir Alex zur Verfügung gestellt hatte. Dort konnte ich meine Kräuter, Medikamente und die anderen Utensilien aufbewahren. Neben einen Schrank und einer Kommode, gab es noch einen Tisch und zwei Stühle. Es war zwar nicht groß, aber es war mein eigenes kleines Reich. Ich nahm meine Tasche und begann diese zu packen. Verbandsmaterial, verschiedene Medikamente und Salben und zum Schluss noch das chirurgische Besteck. Frau konnte ja nie wissen was auf einen zukam.


 

Ich verließ die Taverne und beschloss heute auf Banfhlath zu reiten. So wäre ich viel schneller bei meinen Patienten und würde vielleicht nicht so nass werden. Ich zog meinen arisaid um mich und lief zum Stall. Ich holte Banfhlath aus ihrer Box und sattelte die Gute. Trotz des trüben Wetters freute sich meine Gefährtin auf den Ausritt und so führte ich sie in den Stadtteil King's Farms. Dieser Stadtteil war am Rand und dort gab es Felder und Wiesen. Perfekt für Banfhlath zum galoppieren und außerdem wohnte dort einer meiner Patienten. Also konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit meinem Ziel vor Augen machte ich mich auf den Weg.


 

Am Nachmittag des gleichen Tages, stand ich wieder vor dem Haus der Finnegans und heute hatte ich eindeutig mehr Zeit eingeplant als Gestern. „Sheas, Banfhlath.“, sagte ich zu meiner Gefährtin und sie stoppte sofort. Ich stieg ab und band die Zügel am Gartenzaun der Finnegans fest. Meine Gefährtin senkte ihren Kopf und fing an das Gras zu fressen. Ich nahm meine Tasche, ging zur Haustür und klopfte an diese. Nach ein paar Sekunden öffnete die Tür sich und Cassidy lies mich eintreten. Hatte ich nicht zu ihr gesagt, sie solle sich schonen? Ich wollte sie gerade zurecht weisen als ich die umgestürzten Möbel sah. Was war hier bitte passiert. „Was?“, fragte ich und Cassidy erzählte mir was vorgefallen war. „Das waren diese Schurken von gestern Faith. Sie bedrohten meinen Mann und mich, doch Shay hat sie verjagt. Daraufhin gab mein Mann Shay seine Waffen wieder und er ist Hals über Kopf los um diese Schurken zu bestrafen.“, erklärte sie mir hektisch. „Also ist er nur mit seinen Waffen los?“, fragte ich sie weiter. „Nein natürlich nicht Faith. Ich gab ihm was von unseren verstorbenen Sohn zum anziehen. Die Zeit hat er sich noch genommen. Er sieht jetzt aus wie ein richtiger Gentleman. Kaum zu glauben das er von einem Boot gestürzt war.“, erzählte sie mir. „Danke für die Hilfe, Cassidy. Doch schonen sie sich, ich werde ihn finden und zurück bringen.“, versprach ich ihr und verließ das Haus der Finnegans, band die Zügel von Banfhlath los und saß auf. Na Warte Shay Patrick Cormac, wenn ich dich in die Finger kriege, dann wirst du dir wünschen, dass du nie dein Bett verlassen hättest. Mit diesen Gedanken ritt ich los und hoffte ihn bald zu finden.


 


 


 

Übersetzung: arisaid - Schultertuch für Frauen

Sheas - Halt

Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rogue gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe sie mir nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.

 

Kapitel 15 - Ich finde dich Shay Patrick Cormac


 

Nach fünf Minuten des Suchens wusste ich nicht mehr wirklich wo ich war. Na toll jetzt hatte ich mich wegen diesem Kerl auch noch verirrt. Was dachte Shay sich bloß dabei, er war noch lange nicht gesund genug um diese Halunken zu jagen. Männer! Nach einer weiteren viertel Stunde des vergeblichen Suchens, stieg ich von meinem Pferd ab. So würde ich Shay nie finden, ich musste auf ein höheres Terrain, dort hatte ich eindeutig einen besseren Überblick. Doch zu meinem Pech, hatte ich heute mein Kleid angezogen und dieses war für eine Kletterpartie nicht ausgelegt. Das gute Stück war ein wenig zu lang und mein Ornat lag mit meinen Pistolen und den versteckten Klingen im Appel Pie. Ich hatte nur meinen Säbel mit, welcher gut versteckt am Sattel von Banfhlath steckte. Ich konnte ja nicht ahnen das der Herr einen auf großen Helden machte. Bevor ich noch ganz wuschig im Kopf wurde, kam mir eine Idee. Bei meinem Kleid störte nur die Länge ein wenig und so nahm ich meinen Säbel und schnitt in Höhe der Knie den Rock ab. Jetzt hatte ich endlich etwas Beinfreiheit, auch wenn einige der Leute mich geschockt anstarrten. Mein arisaid band ich mir als eine Art Gürtel, um meinen Säbel besser zu verstauen.


 

Nun musste ich nur noch Banfhlath in sichere Obhut geben, aber eine Lösung war schnell gefunden. Ich warf einen Jungen einfach ein 50 Pence Stück zu. „Bringst du mein Pferd zur Taverne Appel Pie?“, fragte ich den kleinen Herren. „Kein Problem, Miss.“, antwortete er mir und nahm die Zügel von Banfhlath und weg war er. So jetzt würde ich diesen verrückten Assassinen finden, ich lief in eine kleine Gasse und kletterte mühsam eine der Hauswände hoch. Warum musste ich ausgerechnet heute meinen Seilwerfer zu Hause lassen. Nach drei Minuten hatte ich es endlich auf das Hausdach geschafft. Ich blickte mich um, doch Shay konnte ich nicht entdecken. Das einzige was ich sah, war schwarzer Rauch, welcher von einer Ansammlung Häuser aufstieg.


 

Ohne mir dabei etwas zu denken, lief ich genau in die Richtung des Rauches. Mein Bauchgefühl sagte mir, das ich dort mein Zielobjekt finden würde. Ein paar Minuten später war ich bei den Häusern und diese entpuppten sich als eine kleine Festung. Konnte das etwa eines dieser Hauptquartiere sein, von denen damals mein „Informant“ gesprochen hatte. Ich schaute mir die Gebäude aus der Ferne an und entdeckte auf den Dächern drei Scharfschützen, welche dort oben ihre Runden liefen. Auf der Erde sah es nicht besser aus, unten standen mindestens zehn Wachen und weitere waren bestimmt über das gesamte Gelände verteilt. Nun dann würde ich mit den Schützen anfangen und danach schauen was meine nächsten Schritte waren. Jetzt konnte ich endlich den Menschen in diesem Stadtviertel helfen und so machte ich mich ans Werk.


 

Ich lief langsam über ein relativ breites Seil, welches zwischen den Häusern angebracht war, um auf die andere Seite zu kommen. Leise schlich ich vorwärts über das Dach und zu meinem Glück stand Schütze Nummer eins genau mit seinem Rücken zu mir, ich konnte ihn meinen Säbel in die Nieren stoßen. Er ging auf die Knie und ich durchtrennte seine Kehle. Nummer eins erledigt, fehlten noch zwei weitere. Bevor ich aber zum nächsten schlich, kniete ich mich neben mein letztes Opfer und schloss seine Augen. „Requiescat in pace .”, murmelte ich und huschte zum nächsten Dach. Wie bei dem ersten Schützen, stand der zweite wieder mit dem Rücken zu mir und so gab ich dem Herren einen kleinen Schubs und er flog vom Dach, in mehrere Meter Tiefe. Ich hörte einen dumpfen Aufschlag und als ich über die Dachkante spähte, lag die Wache mit verdrehten Gliedmaßen auf den Pflastersteinen. So wie sein Kopf zerschmettert war, starb der Schütze wenigstens schnell und musste nicht noch langen leiden.


 

Ich wand mich von dem Anblick der Leiche ab und lief zur anderen Seite des Daches. Von dort sprang ich auf einen kleinen Vorsprung, um so zum nächsten Hausdach zu gelangen. Ich zog mich an der Kante hoch und versuchte den letzten Schützen zu erspähen. Dieser stand auf der anderen Seite und würde sich bestimmt gleich umdrehen. Ich zog mich schnell auf das Dach und rannte auf ihn zu. Die Wache drehte sich um und schaute mich ganz perplex an, doch da war ich schon bei ihm und rammte ihn meinen Säbel in den Bauch. Er ging auf die Knie und viel zur Seite. Ich schloss die Augen und murmelte die Worte „Requie...“ als ich plötzlich einen Aufruhr von unten hörte. Hatten die anderen Wachen mich entdeckt? Das konnte doch nicht sein! Ich war ganz vorsichtig vorgegangen. Ich stand auf und ging geduckt zur nächsten Dachkante. Ich schaute nach unten und Erleichterung durchströmte mich. Sie hatten mich nicht entdeckt sondern jemand anderen. Unter mir kämpfte ein Mann und dieser kam mir seltsam bekannt vor. Mein Gefühl hatte mich also nicht getrübt und endlich hatte ich meinen verschollenen Patienten gefunden.


 

Ich stand auf und lief zu meinem letzten Opfer zurück, nahm seine Muskete und lief wieder zurück zum Ort des geschehen. Ich stellte mich an die Kante und zielte mit der Muskete auf einen der Wächter. Als erstes musste ich Shay helfen, bevor ich ihm die Leviten lesen konnte. Der Gute musste sich mit fünf Wachen gleichzeitig herumschlagen, also konnte er etwas Hilfe von oben gut gebrauchen. Als ich mir sicher war zu treffen, feuerte ich die Muskete ab und traf die Wache an der Schulter. Zwar nicht ganz so wie ich es geplant hatte, aber diese Ablenkung nutze Shay um ihn zu seinem Schöpfer zu schicken.


 

Da ich nun mein Pulver verschossen hatte, konnte ich ruhig direkt in den Kampf eingreifen. Shay wollte sich gerade seinen letzten Gegner widmen, als ich diesen armen Kerl mit einem Luftattentat über den Jordan schickte. „Das war meiner, Prinzessin!”, meckerte mich Shay als Begrüßung voll. „Ich wollte nur helfen, außerdem habe ich dich gesucht, mo chride.”, antwortete ich ihm leicht schnippisch. „Und nichts zu danken wegen den Scharfschützen, die habe ich schon erledigt.”, ergänzte ich noch meine Erläuterungen. „Ähm, danke Prinzessin, doch es fehlt immer noch einer und zwar der Anführer dieser Bande. Wir müssen ihn so schnell wie möglich finden.”, meinte Shay. „Dann nutze doch deinen Adlerblick, mo chride.” „Gute Idee”, sagte er noch und dann war sein Blick irgendwie in die Ferne gerichtet. Echt so was war wirklich unheimlich, dass manche Leute so was konnten. „Ich habe ihn gefunden, klettere du voraus Prinzessin.”,gab mir Shay den Befehl. „Ich übernehme lieber die Rückendeckung und du gehst voran”, erwiderte ich ihm. „Warum?”, fragte er zurück und schien mich erst jetzt richtig wahrzunehmen. „Interessante Kleidung Faith. Bei welchem Schneider gibt es diese Mode?”, wollte er wissen und schien alles andere als begeistert mich so zu sehen. „Das ist deine verdammte Schuld, Shay Cormac. Du musstest hier ja unbedingt einen auf Held machen, anstatt schön brav im Bett zu liegen. Sind deine Wunden schon richtig verheilt, nein sind sie nicht. Und jetzt hör gefälligst auf mich so anzugrinsen, du Schuft.”, redete ich mich in Rage und ich hätte bestimmt noch weiter rumgezetert, wenn uns nicht eine Stimme unterbrochen hätte.


 

Na wen haben wir denn da? Ist der falsche Ort für dich Freundchen. Nimm deine kleine Hure und verschwinde, bevor ich es mir anders überlege.”, sprach uns ein Kerl von der Seite an. Shay zog sein Schwert und seinen Dolch und ich machte mich ebenfalls Kampfbereit. „Jetzt müssen wir den Anführer nicht mehr suchen. Das ist der Kerl, Prinzessin. Wenn wir den ausschalten, haben die Bürger von Greenwich wieder ein besseres Leben.”, flüsterte Shay mir zu. „Wie schön, dann lass ich meine Wut eben an diesen Kerl aus.”, sagte ich etwas lauter und ging auf meinen Gegner zu. „Und mo chride, mit dir bin ich noch nicht fertig.”, sagte ich in Shay's Richtung und blockte schon den ersten Angriff des Anführers. „Sieh an, das Weibsbild will also kämpfen, na dann los.”, lud mein Gegner mich förmlich ein ihm eine Abreibung zu verpassen. Auch wenn ich es eigentlich hasste zu kämpfen, doch heute war ich so geladen, dass ich richtig Lust dazu hatte.


 

Mein Gegenüber holte erneut zu einem Schlag mit dem Säbel aus, doch ich wich mit einer Drehung geschickt aus und startete nun selbst einen Angriff. Hinter mir hörte ich weiteren Kampflärm, also konnte Shay sich noch ein wenig austoben. Ich versuchte meinen Gegner an der linken Seite zu treffen, doch er parierte meinen Schlag und ich duckte mich um seinen Konterschlag auszuweichen, ich trat ihn mit meinem rechten Bein gegen sein linkes Schienbein. Der Anführer geriet leicht ins straucheln, so nutzte ich meine Chance und erwischte ihn mit meinem Säbel am Arm. Er schrie kurz vor Schmerz auf. „Du dreckiges kleines Miststück! Stirb Schlampe!”, beschimpfte er mich jetzt und wurde immer wütender.


 

Mein Gegner rannte jetzt auf mich zu, ich ging einfach einen Schritt zur Seite und stellte ihm ein Bein. In seiner Rage merkte er dies nicht und flog ziemlich unelegant auf den staubigen Boden. Bevor er sich wieder aufraffen konnte stellte ich einen Fuß auf seinen Rücken und drückte meinen Säbel in seine Schulterblätter. „Gnade, Miss. Ich hatte es nicht so gemeint”, bettelte er mich an. Ich nahm meinen Säbel weg und stellte meinen Fuß wieder auf den Boden. Der Anführer erhob sich „Danke Miss. Ihr seid zu gütig.”, murmelte er. Ich wollte gerade etwas erwidern als ein Schuss viel und mein Gegner mit einem Loch in der Brust zu Boden sank. Er starrte mich noch einen kurzen Augenblick an und dann war es vorbei. Der Anführer von den Banditen in Greenwich war Tod. „Sag mal spinnst du?“, fauchte ich den Schützen an. „Du darfst nicht so nachsichtig sein. Er hätte mit dir keine Gnade gehabt, Prinzessin. Und wisch dir das Blut aus dem Gesicht“, antwortete Shay mir ruhig. Ich kramte in meiner Rocktasche, doch ich hatte leider kein Taschentuch dabei. Shay hielt mir seines hin. „Danke“, nuschelte ich und versuchte mir das Blut abzuwischen.


 

Als ich wieder halbwegs vorzeigbar war, kniete ich mich neben den Toten und schloss seine noch geöffneten Augen. „Requiem aeternam dona ei, et lux perpetua luceat ei.”, sagte ich leise und stand kurz darauf auf. Shay schaute mich etwas komisch an. „Was ist los mo chride?”, wollte ich von ihm wissen. „Wieso hast du das gemacht, Prinzessin?”, fragte er mich leicht neugierig. „Mein Mentor brachte mir bei, die Toten zu respektieren und das mache ich bis heute. Ist zwar ein verdammt alter Brauch, aber ich habe es mir angewöhnt. Stört es dich etwa?”, stellte ich ihm eine Gegenfrage. „Es ist nur seltsam. Als ich in die Bruderschaft eintrat wurde mir so etwas nicht gelehrt.”, antwortete Shay mir. „Ist bestimmt überall anders. Aber sollten wir vielleicht die Flagge von diesen Gaunern kappen, dann wissen die Bürger, dass sie jetzt in Ruhe leben können.”, schlug ich meinen Partner vor.


 

Shay schien meinen Vorschlag zu akzeptieren und ich wartete brav auf ihn, während er die Flagge dieser Gauner kappte. Als er wieder neben mir landete, gingen wir gemeinsam zu den kleinen Hauptplatz des “Fort” und Shay warf die Flagge einfach in die Feuerschale. Von dieser kam also der schwarze Rauch. „Was starrst du mich so an,Prinzessin?”, wollte Shay von mir wissen. „Du siehst nur so anders aus, aber diese Sachen stehen dir mo chride. “, antwortete ich ihm und lief eine kleine Runde um Shay herum. Seine Kleidung bestand aus einem schwarzen langen Ledermantel, welcher an den Schultern rote Verzierungen besaß und unter dem Mantel trug er eine gelbe Weste, darunter ein weißes Hemd. Seine Hose war schwarz und die Stiefel ebenfalls. Shay hatte seine dunkelbraunen Haare zu einem Zopf gebunden und sein Bart war komplett verschwunden.


 

Ich wusste das du ohne den Bart besser aussiehst.”, murmelte ich mehr zu mir selbst, aber Shay hatte es trotzdem gehört. „Mir wurde von einer jungen Dame der Tipp gegeben, das mir ein Bart nicht stehen würde und so wollte ich es einfach mal testen.”, sagte er zu mir und ich merkte wie ich langsam rot wurde.


 

Währenddessen wand Shay sich von mir ab und beugte sich über eine der Leichen. Er hob anscheinend was von dieser auf und murmelte dabei etwas in seinen nichtvorhanden Bart. „Was sagst du mo chride?”, wollte ich wissen, denn meine Neugier siegte mal wieder. „Nichts”, bekam ich als Antwort von ihm. „Na auch egal. Wollen wir uns dann deiner Verletzung widmen?”, fragte ich ihn weiter. „Woher...?”, doch weiter kam Shay nicht, wir bemerkten beide eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich drehte mich um und vor uns beiden stand ein älterer Herr. Wer mochte das bloß sein und viel wichtiger. Was wollte er von uns?


 


 

 

Kapitel 16 - Der Colonel

 

 

Shay wollte schon seine Pistole ziehen, doch der Mann machte eine friedliche Geste und Shay wartete erst einmal ab. Ich trat langsam näher zu Shay und musterte diesen Herren aufmerksam. Der Fremde hatte einen Dreispitz auf, sah nach guter Qualität aus, darunter trug er eine dieser weißen Perücken. Sein Mantel war Schwarz und mit goldenen Stickereien verziert. Die Hose war dunkelrot und unter seinem Mantel trug er eine weißes Hemd, welches nach neuester Mode mit großen Rüschen ausgestattet war, darüber hatte er noch eine gold- gelbe Weste an. Die Stiefel waren aus einfachen schwarzen Leder. Um seine Hüfte trug der Fremde ein Schwert und eine Schärpe mit einem mir bekannten Zeichen darauf. Kurz huschte mein Blick zu seiner rechten Hand, ich wollte nur meine Vermutung bestätigen und tatsächlich sah ich einen mir bekannten Ring mit dem Tatzenkreuz darauf. Also war dieser Herr vor uns, vom Orden der Templer. Ich hatte ihn auch schon mal irgendwo gesehen, doch es viel mir einfach nicht mehr ein wo das war.


 

Nur was wollte er von uns beiden, obwohl er wollte bestimmt mit Shay reden und ich war zufällig anwesend. Ich trat einen kleinen Schritt zurück und wollte warten was als nächstes kam.* „Keine Angst ich bin ein Freund. Die Finnegans hatten sich Sogen um euch gemacht und mich gebeten nach Ihnen zu sehen, Master Cormac.”,erklärte er uns. „Aber wie ich sehe hatten sie eine gute Hilfe.”, wand der Fremde sich jetzt an mich. „Ich bin Colonel Monro.”, stellte er sich uns endlich vor. „Colonel”, antwortete ihm Shay kurz. Mein Partner versuchte sich ein Urteil über den Colonel zu bilden und bestimmt konnte er sich denken, wer genau vor uns stand.


 

Ich kam um zu helfen, aber wie ich sehe zu spät. Danke für eure Hilfe mit diesem Gesindel. Eine Seuche von New York.”, gab der Colonel seine Absicht kund. Doch Shay reichte diese Aussage nicht wirklich und ich spürte wie er leicht wütend wurde. „Was schert es Euch? Ihr Rotröcke seid doch nichts anderes als Gutsherren. Das Stadtvolk hier muss hart schuften um einigermaßen zu überleben.”, gab Shay ihm Kontra. „Eure Meinung kann ich Euch nicht übel nehmen. Einige meiner Stammesgenossen waren wenig hilfreich. Aber ich folge einem anderen Plan.”,sagte er und ich schaute ihn skeptisch an. Seine Aussage war sehr zweideutig. Bezog er sie nun auf die Rotröcke oder auf seine Ordensbrüder. Ich schaute zu Shay, doch dieser redete schon wieder mit dem Colonel. „Und der da wäre?”, wollte er jetzt weiter von seinem Gegenüber wissen. „Mich kümmern. Ich wünsche, dass die Kolonisten sicher und erfolgreich sind.”, sprach der Colonel weiter „Noble Worte”, antwortete Shay ihm wieder sehr einsilbig. „Vielleicht können ja Taten überzeugen, Master Cormac. Eure Begleitung kann gerne mitkommen”, meinte er und lief in östliche Richtung.


 

Shay und ich schauten uns an. Wir konnten ja mal schauen was uns der Templer zeigen wollte und so folgten wir ihm. Auf dem Weg unterhielten sich die beiden Herren und ich hörte einfach zu. Der Colonel verglich Shay mit dem ältesten Sohn der Finnegans und das sie beide eine Gemeinsamkeit hatten. Fürsorge. Der Sohn der Finnegans wollte genau so wie der Colonel eine bessere Wellt erschaffen. Bei diesem Kommentar gab ich ein schnauben von mir. Das kannte ich aber ganz anders. Und das sagte ich auch den beiden „Ihr nutzt die Menschen doch nur aus, unterdrückt die armen und schwachen, schränkt die Menschen immer mehr in ihrer Freiheit ein.” Das brachte mir vom Colonel einen sehr skeptischen Blick und ich war sicher das er mich von diesem Augenblick an nicht mehr mochte. „Wir wollen den Menschen in den Kolonien helfen, wie schon gesagt ich werde Euch zeigen, womit wir den Kolonisten helfen, Miss.”, damit hatte er mir alles gesagt und er wand sich wieder Shay zu.


 

Ich lies mich ein kleines Stück zurückfallen und beobachtete die beiden Herren vor mir genau. Was wollte der Templer von einem Assassinen? Shay war ein ehemaliger Assassine, seine Bruderschaft hielt ihn ja für Tod. Also was? Und dann kam mir die Erkenntnis. Ein ehemaliger Assassine wäre perfekt für die Templer um ihre Ziele umzusetzen. Doch wollte Shay wirklich zu unseren Feinden wechseln? Das konnte ich nicht so recht glauben, obwohl hier in den Kolonien drehten sich die Uhren anders. Die hiesigen Assassinen unterdrückten das Volk wo sie nur konnten und das alles im Namen der Freiheit. Nur warum machten sie so was? Welche Ziele verfolgten die Assassinen hier in den Kolonien?


 

In meine Gedanken versunken, merkte ich nicht, dass die beiden Herren angehalten hatten und so lief ich prompt in Shay rein. Das brachte mich schlagartig in die Realität zurück und Shay schaute mich dazu noch mit einem bösen Blick an. Ich lächelte ihn entschuldigend an und versuchte meine Aufmerksamkeit auf das Gespräch der beiden Herren zu lenken. Doch so richtig klappte es nicht. Ich hörte nur etwas von Stadterneuerung und das die Templer dies in New York vorhatten. Moment mal. Schlagartig war ich wieder bei der Sache. “Ihr wollt den Leuten hier wirklich helfen?”, fragte ich den Colonel einfach. Er schaute von Shay zu mir und bejahte meine Frage. “Verrückte Welt”, murmelte ich nur und behelligte die beiden nicht weiter.


 

Nachdem die beiden Herren anscheinend alles besprochen hatten, kam Shay zu mir. Ich hatte mir in der Zwischenzeit ein schattiges Plätzchen gesucht und die beiden einfach beobachtet. “Und alles besprochen?”, fragte ich ihn leicht zickig. “Ja”, kam eine knappe Antwort von Shay und er wollte anscheinend wieder zu den Finnegans, doch ich hielt ihn auf. „Shay deine Verletzung. Komm ich werde sie behandeln.”, sagte ich jetzt etwas ruhiger. Er blieb stehen und drehte sich zu mir um. „Meine Tasche ist bei mir zu Hause, mo chride.”, meinte ich bloß und ging in die andere Richtung.


 

Keine Minute später liefen wir zusammen zum Appel Pie. „Faith”, begann er nach einer Weile das Gespräch erneut. „Mhm” „Diese Chance könnte ein Neuanfang für mich sein. Ich muss die Assassinen aufhalten und wenn ich den Menschen mit solchen Projekten helfen kann, dann werde ich es tun. Ich muss meine Schuld begleichen. Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern, aber die Zukunft schon und vielleicht kann ich diesmal das richtige tun.”, erklärte Shay mir seine Entscheidung. „Und den Templern helfen?”, fragte ich skeptisch nach. „Sie scheinen gutes für die Bürger der Kolonien zu wollen.” „Also da wo ich herkomme bestimmt nicht. Dort geht es ihnen nur um ihr eigens Wohl.”, vertrat ich meine Meinung. „Wie wäre es wenn du den hiesigen Templern eine Chance gibst. Mit ihrer Hilfe könntest du deinen Auftrag ausführen. Du kannst nicht alleine kämpfen, Faith. Lass mich dir helfen und zusammen werden wir nicht nochmal so eine Katastrophe wie in Lissabon geschehen lassen“. Ich drehte mich zu ihm um und sah in seine Augen. Aus diesen sprach die Wahrheit. „Aber was sagen die anderen Templer dazu, wenn dir eine Assassine hilft. Zu diesem Verein werde ich nicht wechseln. Merk dir das Shay Patrick Cormac.“, gab ich ihm meine Zustimmung. „Das lass mal meine Sorge sein, Prinzessin. Außerdem brauchst du dringend Training.“, sagte er jetzt grinsend zu mir.


 

Ich bog um die nächste Ecke und stand vor dem Tor, welches zum Grundstück der Grants führte. „Wow, ein Haus mit Garten und eigenem Stall. Wo hast du das denn her?“, fragte mich Shay, während wir durch das Tor schritten. „Das gehört den Grants. Sie besitzen eine Taverne und ich helfe als Bedienung abends aus. Dafür lassen sich mich hier wohnen.“, erzählte ich ihm und lief in Richtung des Stalls. Ich öffnete die Stalltür und da kam mir schon meine Gefährtin entgegen. Der kleine Junge hatte sie einfach in den Stall gestellt und bestimmt keinen Bescheid gesagt. Gut dann würde ich noch schnell Banfhlath absatteln und mich anschließend um Shay kümmern.


 

Ich nahm die Zügel meines Pferdes, doch diese wollte lieber Shay beschnuppern als in ihre Box zu gehen. „Na mo álainn.“, redete Shay meine Gefährtin an. Ich versuchte Banfhlath in ihre Box zu bekommen, doch sie wollte einfach nicht. „Schön! Dann stell du sie in ihre Box. Scheint ja einen Narren an dir gefressen zu haben, die Gute!“, meinte ich beleidigt und gab Shay einfach die Zügel. Dieser führte Banfhlath ohne Probleme in die Box. „Soll ich?“, fragte mich Shay und deutete auf den Sattel. „Tu dir keinen Zwang an.“, meinte ich nur zu ihm. „Bist du etwa eifersüchtig auf mich, weil dein Pferd mich mag“, fragte er mich grinsend. „Nö!“, antwortete ich leicht eingeschnappt. „Wusste doch das du ein Frauenschwarm bist, also ...“, weiter kam ich nicht, Shay brach in schallendes Gelächter aus und ich stimmte mit ein.


 

Als wir uns wieder beruhigt hatten, sattelte ich Banfhlath ab und hing den Sattel über einen Balken. „Wo hast du diesen Sattel her?“, fragte mich Shay. „Von der hiesigen Bruderschaft geliehen, warum?“ „Der gehört Liam.“, meinte er nur und verließ fast fluchtartig den Stall. Memo an mich, Liam in Shay's Gegenwart nicht erwähnen. Ich gab Banfhlath noch Heu in die Raufe, ein paar Möhren in die Krippe, schloss die Tür ihrer Box, nahm noch meine Tasche und folgte Shay. Dieser wartete brav draußen auf mich und musste sich den prüfenden Blicken von Margery stellen.


 

Ich ging an Shay vorbei, griff seine Hand und führte ihn zum Haus. „Hallo Chefin, darf ich dir Shay vorstellen.“, meinte ich gut gelaunt und bekam von ihr einen schockierten Blick. „Männerbesuch war aber nicht abgemacht.“, sagte sie. Doch bevor ich etwas erwidern konnte, hatte sich Shay aus seiner Starre gelöst. „Guten Abend Ms. Grant. Ich bin erfreut sie kennenzulernen.“, sagte er höflich zu ihr. „Spar dir das, Junge. Ich werde dich im Auge behalten und wenn du Faith nur ein Haar krümmst oder schlimmer, sie unsittlich berührst, wirst du mich kennen lernen.“,fauchte sie ihn an und ich musste mir das grinsen verkneifen. Doch bevor sie Shay noch etwas antat, wollte ich zumindest seinen Besuch bei mir erklären. „Margery, Shay ist mein Patient. Können wir dann bitte rein?“, fragte ich sie höflich. „Na gut. Aber ich werde dich im Auge behalten“, knurrte sie in Shay's Richtung.


 

Immer noch grinsend führte ich meinen Assassinen ins Haus und zu meinem Behandlungszimmer. „Setz dich auf den Stuhl, mo chride.“, sagte ich und huschte schnell wieder in die Küche. Dort schnappte ich mir einen Eimer und holte von draußen etwas Wasser. Umständlich! Als ich wieder zurück in der Küche war, kippte ich das Wasser in einen Topf und stellte diesen auf das Feuer. Nach fünf Minuten kochte es und ich füllte das Wasser vorsichtig in eine Schale. Jetzt konnte ich loslegen und damit ging ich wieder in mein Behandlungszimmer zu Shay.


 

Übersetzung: mo álainn (irisch)- meine Schöne


 

* und Kursiv - zitiert aus dem Spiel

 

 

Kapitel 17 - Ale und ernste Gespräche


 

Tschuldige, dass du solange warten musstest, mo chride.“, sagte ich als ich wieder das Zimmer betrat. Shay schaute zu mir und ich erkannte, dass er eines meiner Bücher in der Hand hatte. „So was liest du, Prinzessin?“, fragte er mich. Ich ging zu ihm und nahm das Buch aus seiner Hand und schaute auf den Umschlag. „Medizinische Pflanzen und ihre Wirkung“ stand dort geschrieben. „Ja ich kann nicht alles Wissen. Muss ich ja auch nicht immer, ich sollte nur wissen wo es geschrieben steht.“, meinte ich und begab mich zu der Kommode. Dort holte ich einen Tiegel mit meiner speziellen Salbe heraus und stellte diesen auf den Tisch. „Zieh deinen Mantel, die Weste und das Hemd aus, mo chride.“, sagte ich zu meinen Patienten. Dieser gehorchte ohne Wiederworte und so konnte ich ihn nochmals untersuchen.


 

Du machst doch nicht etwa wieder diese Salbe auf mich drauf?“, fragte Shay nach ein paar Minuten des Schweigens. „Doch das hatte ich vor, aber in dieser ist mehr Myrre, deshalb geht es vom Geruch her. Jetzt dreh dich bitte ein Stück, damit ich an deinen Rücken komme.“, bat ich ihn höflich. Ich untersuchte die Wunde am Rücken und war überrascht. Sie war nicht wieder aufgegangen. Ich versorgte die Verletzung und wand mich als nächstes seiner Brust zu. „Du hattest Glück, mo chride. Die Wunde ist nur etwas mehr gerötet als gestern und nicht wieder aufgegangen.“, meinte ich. „Mhm“, mehr bekam ich nicht als Antwort und so versorgte ich seine Verletzungen. „Kannst du bitte aufstehen? Ich will deinen Verband neu anlegen.“, gab ich Shay weitere Anweisungen. Ich legte Shay die Verbände neu an und wunderte mich warum er so ruhig war. Nun vielleicht dachte er nach, überlegte ich und bekam Shay's Blick welcher auf mir Ruhte nicht mit.


 

So du kannst dich wieder anziehen.“ meinte ich als ich fertig war. Shay schwieg mich weiterhin an und langsam wurde mir diese Stille zu viel. Warum sagte dieser Kerl jetzt kein Wort zu mir? Soll einer die Männer verstehen! Ich räumte meine Utensilien in die Kommode zurück und die dreckigen Verbände wanderten direkt in die Wäsche. Dann drehte ich mich zu Shay um. Er hatte sich mittlerweile wieder komplett angekleidet und legte gerade seine Waffen an. „Was ist los mit dir Shay?“, fragte ich ihn direkt. Er schaute mich verwirrt an „Ähm, gar nichts. Es ist gar nichts, Prinzessin. Danke für diese Behandlung. Soll ich dich dafür bezahlen?“ „Nein, ich will kein Geld. Ich will den Menschen nur helfen, mehr nicht mo chride. Willst du vielleicht noch ein Ale trinken, bevor du wieder zu den Finnegans gehst?“, fragte ich ihn und überschlug schnell in meinen Kopf meinen aktuellen Bestand an Bargeld. Müsste reichen. „Gerne, aber nur wenn du mir Gesellschaft leistet.“, meinte er jetzt wieder grinsend zu mir. „Okay, aber lass mich erst was anderes anziehen. Ich kann mit jeder Dirne mithalten.“ „Nein, die wären neidisch auf dich“, murmelte Shay, doch ich hörte es und wurde ein wenig rot um die Nase.


 

Ich verließ das Zimmer und Shay folgte mir wiedereinmal. „Geh einfach den Flur entlang und am Ende rechts. Du kommst genau an der Theke raus. Sag Alex einfach, dass ich dich geschickt hätte.“, sagte ich noch und lief in die andere Richtung und ließ Shay allein. Ich stieg die Treppen zu meinem Zimmer empor und öffnete die Tür. Als ich mich umschaute, bemerkte ich das mein Chaos einen neuen Höhepunkt erreicht hatte. Ich sollte dringend aufräumen. Auf den Boden lagen überall meine Sachen, saubere sowie dreckige und mittendrein noch vereinzelt ein paar Bücher. Kurz das reinste Faith-Chaos. Ich fischte meinen grauen Ornat aus der Truhe, das einzige Kleidungsstück was noch dort drinnen war und legte diesen an. Mein Kleid landete bei diesen ganzen anderen Krempel. Ich würde mich später darum kümmern. Schnell verließ ich mein Zimmer und huschte nach unten zum Schankraum.


 

Am Tresen sah ich schon Alex, wie er mich angrinste. Ihm gegenüber saß Shay. Beide hatten ein leeres Glas vor sich und ich war mir ziemlich sicher das da kein Ale drin war. Ich setzte mich neben Shay. „Hier, Faith, auch einen für dich.“, begrüßte mich Alex und schenkte mir ebenfalls einen Whiskey ein. Shay bekam auch gleich noch einen weiteren. „Slàinte“, sagte ich und hob mein Glas. Alex und Shay erwiderten meinen Trinkspruch. „So Faith, du weist ja wo alles steht, ich brauch mal ne kurze Pause. Shay, meine Frau bringt dir gleich was zu Essen. Du hältst die Stellung Faith. Bin in einer halben Stunde zurück, dann kannst du dir den restlichen Abend frei nehmen.“, sagte Alex und verschwand schon in Richtung Küche.


 

Ich schaute mich in der Schenke um, doch es waren nur die üblichen Stammgäste hier und die hatten alle was zu trinken. Ich ging auf die andere Seite der Theke. „Und willst du noch ein Ale oder reicht die der Whiskey?“, fragte ich meinen Gegenüber. „Soweit ich mich erinnere, wurde ich von dir eingeladen, Prinzessin oder war das gelogen?“, grinste er mich schelmisch an. „Nein ich halte meine Versprechen, mo chride. Bitte ein frisch gezapftes Ale für dich.“, und ich stellte ihm einen Krug vor seine Nase. „Trinkst du etwa kein Ale mit?“, fragte Shay mich. „Doch! Aber kein Ale, das mag ich nicht so gern. Dafür das.“, sprach ich grinsend und holte eine Weinflasche hervor. „Du weist schon, dass dich diese Angewohnheit noch mehr zu einer Prinzessin macht. Das einfache Volk liebt Ale und keinen Wein, Prinzessin.“ „Mo chride wie kommst du eigentlich darauf, dass ich eine Prinzessin bin. Nennen Sie mir doch bitte die Gründe für diese Behauptung, Mister Cormac.“, forderte ich Shay lachend auf. „Wenn Sie es wünschen, Prinzessin. Als erster Grund, du sprichst wie eine dieser feinen englischen Ladys. In Lissabon hat mir dein schottischer Dialekt besser gefallen. Als nächster Punkt. Du trinkst Wein statt Ale! Das sagt schon alles. Aber warum redest du überhaupt so? Willst du nicht das die Leute wissen wo du herkommst, oder was hat dein Verhalten für Gründe? Das würde ich gern von dir Wissen oder habe ich da jetzt einen Wunden Punkt getroffen?“, wollte er von mir Wissen und sah mich dabei mit einem bittenden Blick an.


 

Ich schaute mich kurz um und entdeckte einen Gast mit leerem Becher. Schnell füllte ich einen neuen auf und brachte dem Gast sein Getränk. „So da bin ich wieder.“, meinte ich lächelnd und trank noch einen Schluck aus meinem Glas. „Ich warte Prinzessin“, meinte Shay ruhig und trank einen weiteren Schluck aus seinem Becher. Mist er hatte meine Verzögerungstaktik durchschaut. Ich füllte mein Glas nach und überlegte wie ich am besten anfangen sollte. Er schaute mich mit seinen dunkelbraunen Augen an und wartete.


 

Ich weiß nicht wo ich am besten Anfangen soll, mo chride.“, sagte ich zu ihm. „Wie wäre es am Anfang, da beginnen die meisten Geschichten doch immer.“, meinte Shay ehrlich zu mir. „Okay, Shay ich werde es versuchen. Ich wurde am 29. Februar im Jahre des Herren 1736 geboren, in der schönen schottischen Stadt Edinburgh.“ „Du hast wirklich am 29. Februar Geburtstag?“, fragte er mich ungläubig. „Ja hab ich, ist doch nicht so schlimm, oder?“ „Nein. Es ist ein Datum, dass man sich leicht merken kann.“, sagte Shay grinsend zu mir. „ Kann ich weiter erzählen?“ „Ja aber zuerst hätte ich doch noch gerne eins“.


 

Ich nahm seinen Krug und füllte ihn erneut auf. „Bitteschön, mo chride, wo war ich stehengeblieben?“ „Das du in Edinburgh geboren wurdest.“, half er mir auf die Sprünge. „Genau. Mit vier Jahren verlor ich meine Mutter an die Pocken, ich selbst überlebte und von da an kümmerte sich meine Großtante um mich.“ „Was war mit deinem Vater oder hattest du keinen?“ „Doch Shay“, sagte ich traurig, „aber über diese Person möchte ich vorerst nicht reden“ „Entschuldige, ich hätte nicht fragen sollen“ „Schon gut, woher solltest du so was wissen, aber weiter in meinem Leben. Meine Großtante war leider nicht mehr die jüngste und so war ich mit 10 Jahren auf mich gestellt.“ „ Du warst nicht wirklich ganz allein oder? Ich meine in meiner Kindheit habe ich auch so manches mal ein Brot gestohlen, aber Abends hatte ich ein zu Hause wo ich hingehen konnte.“


 

Ich lächelte Shay traurig an. „Nein mo chride, du hast Recht, ich war nicht ganz allein sondern da waren Anna, Dougal und Rupert. Wir haben uns gegenseitig beschützt, doch in einer Oktobernacht half das alles nichts.“ „Was ist geschehen, Faith?“, fragte Shay mich aufrichtig. „Wir legten uns in unserem Versteck schlafen, als uns in der Nacht englische Deserteure fanden. Dougal und Rupert hatten keine Chance gegen sie. Die Deserteure töteten sie. Als diese Kerle Anna und mich fanden, vergewaltigten sie meine Freundin. Anna war vier Jahre älter als ich und sah schon aus wie eine junge Dame. Diese Schweine zwangen mich, es mit anzusehen. Nachdem sie mit ihr fertig waren, wollten sie eigentlich abhauen, aber Anna verletzte ihren Offizier mit ihrem Signa duh am Bein. Dieser elende Bastard zog daraufhin seine Pistole und drückte einfach ab. Es war ein Kopfschuss, sie war sofort tot. Ich glaube wegen diesem Erlebnis habe ich eine Abneigung gegen die Dinger. Jedenfalls war ihr Anführer dann richtig sauer und das ließ er an mir aus. Er selbst nannte es einfach eine kleine Lektion, aber in Wirklichkeit war er ein krankes Schwein.“, sagte ich und versuchte nicht in Tränen auszubrechen.


 

So bin wieder da, Faith, kannst jetzt deinen Abend genießen“, sagte auf einmal Alex neben mir. Ich nickte ihm zu, nahm meine Weinflasche und deutete Shay an mir zu folgen. Wir setzten uns an einem abgelegenen Tisch, in einer kleinen Nische und Shay setzte sich genau neben mich. „Was stellte dieser Kerl mit dir an, wenn ich fragen darf?“, fragte Shay mich vorsichtig. „Damals dachte ich er hätte mich nur gequält, doch mittlerweile weiß ich das dieser Kerl mich gefoltert hat. Es hat ihm Spaß gemacht mich so zuzurichten. Er fügte mir lauter Schnitte auf meinem Körper zu. Nicht tödlich aber tief genug das ich heute noch was davon habe. Während dieser Prozedur viel ich irgendwann in Ohnmacht und als ich wieder zu mir kam, brannte unser Versteck und die Kerle waren verschwunden. Heute kann ich mich nicht mehr erinnern, wie ich da raus kam. Ich weiß nur noch als ich wieder aufwachte waren fünf Tage vergangen. Mein Mentor John rettete mich. Meine Genesung dauerte mehrere Monate und im Frühjahr das folgenden Jahres entschloss ich mich eine Assassine zu werden. Mit dreizehn nahm mich mein Mentor mit nach London und dort lernte ich eine Lady Melanie kennen. Sie brachte mir bei wie eine englische Dame zu reden, wie man sich in der feinen Gesellschaft bewegte und all so was. Ich habe es mir dann über die Jahre angeeignet, so fiel ich in London weniger auf. Jetzt weist du warum ich so geschwollen rede.“, sagte ich und ein Stein viel von meinem Herzen, warum wusste ich nicht, aber ich fühlte mich viel besser. Shay sah mich an und grinste „Nun Prinzessin, du hast also doch eine höhere Ausbildung genossen, dachte ich mir doch.“, sagte er und trank seinen Becher aus.


 

Bin gleich wieder da, Prinzessin.“, und damit stand er auf und holte sich seinen vierten Krug. Ich schaute ihm nach. Er hatte nichts weiter zu mir gesagt, Shay hatte einfach zugehört. Es kam keine Tränenflut wie bei Jenny als sie von meinem Schicksal erfuhr. Oder wie bei meinem Assassinenbruder Jack, dieser hatte mich förmlich mit Mitleid übergossen. „Und von wem hast du das Heilen gelernt?“, holte mich Shay wieder in die Wirklichkeit. „Oh. Das war die engste Freundin meiner Mutter, Geillis. Sie lehrte mich die Grundlagen und brachte mir alles über Kräuterkunde bei. In London hatte ich mich dann immer heimlich in die Vorlesungen der Medizinstudenten geschlichen und dort was gelernt. Und ab und zu brachten mir einige Ärzte was bei. Aber das meiste habe ich durch zusehen gelernt. Darf ich dich jetzt um deine Lebensgeschichte bitten, mo chride?“, fragte ich ihn grinsend. Ja Shay schaffte es irgendwie meine trüben Gedanken fortzuscheuchen und darüber war ich mehr als froh.


 

Nach dieser Offenheit von dir, na klar.“, sagte er fröhlich. „Danke. Wo und wann wurdest du geboren Shay?“, waren meine ersten Fragen an ihn. „Soll das etwa ein Verhör werden?“ „Shay beantworte meine Fragen nicht mit einer Gegenfrage und ja ich will alles von dir wissen“, sagte ich lachend. „Aber beschwere dich nicht, du hast es so gewollt, falls du einschläfst. Mein Leben ist nicht wirklich spannend“, meinte er immer noch lachend. „Ich wurde hier in New York geboren, am 18. Dezember 1731. Meine Mutter starb bei meiner Geburt, ich hab sie also nie kennengelernt. Mein Vater war bei der Handelsmarine und so kümmerte sich meine Tante um mich. Die Gute hatte es nicht immer leicht mit mir, ich zog die Schwierigkeiten magisch an.“ erzählte er mir und ich musste grinsen. Dieses Talent schien er heute noch zu haben, wenn ich an heute Nachmittag dachte. „Und wie hast du es geschafft diesen Schwierigkeiten zu entkommen?“, fragte ich ich frech. Shay's Miene wurde kurz düster, doch er antwortete mir. „Mein bester Freund half mir, Liam O'Brian. Später begleitete ich meinen alten Herren zur See und mein Vater lehrte mich das Kämpfen. Ich erschoss sogar einen Piraten, welcher das Schiff meines Vaters entern wollte.“ „Und wie lange warst du auf See, mo chride?“ „Herbst 1747. Ich war meine Tante besuchen und das Schiff meines Vaters versank in einem Sturm. Keiner Überlebte. Die Zeit danach liegt wie in einem trüben Nebel für mich. Ich durchstreifte die Schenken und prügelte mich mit jeden, der mich schräg anschaute. Doch Liam war immer an meiner Seite. Er brachte mich dann zu Achilles und in die Bruderschaft. Dort konnte ich meinen Kampfstil verbessern und hatte für kurze Zeit eine Familie, aber eines störte mich immer an den Assassinen.“ „Und was?“, wollte ich unbedingt wissen. „Ich fühlte mich nicht frei. Diese Regeln, ich meine das Credo, engten mich ein und ich begann sie zu hinterfragen. Die anderen glaubten mir nicht was dort in Lissabon passiert war und wollten weiter nach diesen Artefakten suchen. Ich stahl das Manuskript und versuchte zu fliehen. Sie stellten mich auf der Klippe in Davenport. Ich war so verzweifelt, dass ich sprang. Ich meine... Mir war zu diesem Zeitpunkt alles egal. Ich hatte das Leben tausender unschuldiger Menschen auf dem Gewissen. Meine Seele wäre da eh nicht mehr ins Gewicht gefallen. Doch wie durch ein Wunder überlebte ich und meine zweite Chance werde ich nutzen, um diesen Wahnsinn aufzuhalten. Es dürfen keine weiteren unschuldigen Bürger verletzt werden.“, beendete er seine Geschichte und ich war sprachlos.


 

Soviel Wahrheit hatte ich nicht erwartet. Ich trankt noch einen Schluck aus meinem Becher. Nach diesem Geständnis von Shay brauchte ich was stärkeres. Ich stand auf und ging zu Alex. „Zwei“, sagte ich knapp und Alex stellte mir gleich die Flasche hin und einen weiteren Krug Ale für Shay. Ich nickte ihm zu, schnappte mir die Flasche, die zwei Becher, den Krug und brachte alles zu unserm Tisch. Ich stellte das Ale vor Shay ab, dazu einen der Becher und füllte diesen mit Whiskey. Ich selbst füllte meinen Becher fast voll. „Dann auf den Neuanfang, mo chride.“, sagte ich und leerte meinen Becher in einem Zug. Oh das würde morgen früh Kopfschmerzen geben, doch eine Schottin wurde nicht besoffen. „Auf einen Neuanfang, Prinzessin“, sagte Shay und trank ebenfalls. „ Aber, Prinzessin ich bereue es nicht, dass ich zu den Assassinen gegangen bin, sonst hätte ich dich nicht kennengelernt.“ „ Aber sag jetzt nicht Schicksal, mo chride. Ich glaube nicht an Schicksal sondern ...,“ „Ich mache mir mein Glück“, sagten wir beide gleichzeitig.


 

Ich wollte mir gerade noch einen Becher Whisky nachschenken, als Shay mir die Flasche aus der Hand nahm. „Ich glaube du hast genug für heute Prinzessin.“ meinte er. „Shay.“, sagte ich ernst zu ihm „Ich bin nicht betrunken. Eine Schottin ist erst betrunken, wenn sie nicht mehr stehen kann!“, sprach ich zu Ende und stand auf, um zu beweisen wie nüchtern ich war. Ich sah Shay noch aufspringen, dann war alles dunkel und ich wachte am nächsten Morgen in meinem Bett auf.

Kapitel 18 - Das letzte Ale war wohl schlecht


 


 

Mein Kopf zersprang und ich schwor mir in Gedanken, nie wieder Alkohol zu trinken. Das letzte Glas Wein war eindeutig schlecht gewesen und eine andere Frage drängte sich mir auf. Was war gestern Abend noch passiert? Ich wusste, dass ich aufgestanden war, doch an den Rest danach konnte ich mich absolut nicht erinnern. Langsam quälte ich mich aus meinem Bett und suchte mir am Boden was zum anziehen, ich trug noch immer meinen Ornat von gestern, nur meine Stiefel standen ordentlich am Bettende. Ich hob mein Kleid vom Boden hoch und begutachtete es. Das Kleid sah wirklich aus als würde es einem leichten Mädchen gehören. Der Ausschnitt war eindeutig sehr großzügig. War mir bisher noch nie so wirklich aufgefallen. Ich hatte das Kleid von Jenny geschenkt bekommen, also war es nicht wirklich verwunderlich, dass das Kleid so aussah. Müsste ich mir wohl bei nächster Gelegenheit ein neues holen, dachte ich und behielt den Ornat gleich an und ging Richtung Küche, nachdem ich noch schnell meine Stiefel angezogen hatte.


 

Madain mhath“, sagte ich als ich die Küche betrat und lief zum Schrank, um mir eine Tasse zu holen. Ein Tee würde jetzt Wunder wirken. „Guten Morgen, Prinzessin.“, bekam ich als Antwort und hätte vor Schreck fast meine Tasse fallen gelassen. Ruckartig drehte ich mich zu der Stimme um und schaute ungläubig auf die Person, welche am Esstisch saß. „Was machst du denn um diese Uhrzeit schon hier?“, fragte ich perplex. „Oh ich hab hier geschlafen, schon vergessen man kann sich hier Zimmer mieten?“, bekam ich als Antwort. „Oder hast du das durch deinen Zustand gestern Abend vergessen?“, fragte er mich weiter. „Könntest du bitte etwas leiser reden.“, sagte ich und ging nicht weiter auf seinen Kommentar ein, setzte mich Shay gegenüber an den Küchentisch, stellte meine Tasse Tee hin und nahm mir eine kleine Schale von dem Porridge, welches auf dem Tisch stand.


 

Geht es dir so schlecht Prinzessin? Kann es vielleicht daran liegen das du alles durcheinander getrunken hast?“ „Eigentlich vertrag ich Wein und Whiskey.“ „Aber du hast zum Schluss meinen Krug Ale getrunken.“ „Oh das erklärt alles.“, sagte ich und fing langsam an mein Frühstück zu essen. Ich aß den ersten Bissen und sprang gleich auf und rannte zur Tür hinaus. Dieses Porridge war salzig. Ich spuckte es neben der Tür aus in Margery's Kräuterbeet und ging wieder zurück in die Küche. „So schlecht?“, grinste mich Shay an und ich funkelte zornig in seine Richtung. „Nein. Das Porridge ist salzig und ich hasse salziges Porridge“, sagte ich nur. Ich setzte mich wieder hin, schob die Schale beiseite und nahm mir etwas Käse vom Tisch und dazu eine Scheibe Brot.


 

Und dir geht es anscheinend super heute morgen?“, fragte ich mein Gegenüber. „Kann mich nicht beschweren. Warum fragst du?“ „Weil ich nett sein wollte.“, giftete ich ihn an. „Ich merke schon, du bist jemand den man frühmorgens nicht ansprechen sollte. Aber zu deiner Information Prinzessin, du hast mich gefragt!“, erwiderte Shay leicht eingeschnappt. „Entschuldige. Ich wollte dich nicht angiften.“, antwortete ich. „Schon gut, Prinzessin. Einer hübschen Dame wie dir kann ich so ein Verhalten ausnahmsweise durchgehen lassen.“ meinte Shay wieder lächelnd zu mir.


 

Auf so ein Kompliment war ich überhaupt nicht gefasst und ich merkte wie ich langsam rot wurde. „Ich muss los, es warten ein paar Patienten auf mich“, nuschelte ich verlegen und stand schnell vom Tisch auf und rannte förmlich aus der Küche. Ich huschte in mein Arbeitszimmer, schloss schnell die Tür und lehnte mich gegen diese. Mein Herz klopfte wie wild. Was war nur mit mir los. Bei Liam hatte ich doch auch nicht so reagiert und diesen hatte ich geküsst. Shay wollte nur nett sein, doch er war der erste Mann der mir sagte ich sei hübsch und was tue ich! Ich renne vor ihm weg, genauso wie in Lissabon. Das hatte ich ja mal wieder toll hinbekommen.


 

Um mich abzulenken packte ich meine Tasche zusammen, das hieß Medizin, diverse Kräuter, Skalpell, Alkohol und Verbandszeugs. Als ich damit fertig war, öffnete ich die Tür des Zimmers und trat in den Flur. Von dort lief ich zur Küche, doch Shay war nicht mehr da. Diese Tatsache stimmte mich ein wenig traurig. „Du hast es echt vergeigt, Faith“, sagte ich zu mir selbst und durchquerte die Küche in Richtung Hinterausgang. Als ich am Esstisch vorbei kam, sah ich ein Tuch liegen. Das gehörte bestimmt Shay und er hatte es vielleicht hier vergessen. Ich nahm das Tuch an mich und beschloss später bei den Finnegans vorbeizuschauen. Doch zuerst waren meine Patienten dran.


 

Die frische Luft tat mir gut und meine Kopfschmerzen gingen ein wenig zurück. Mein Weg führte mich heute in den Stadtteil Waterfront, dort wollte ich ein krankes Kind besuchen. Ich hatte vor ein paar Tagen, von der Familie erfahren. So war ich vor drei Tagen das erste mal dort und hoffte jetzt das es der Tochter schon besser ging. Die Familie lebte erst seit kurzem in den Kolonien, kam ursprünglich aus Hessen und konnte sich gerade so die Miete für ihr Haus leisten. Der Weg zu der Familie dauerte eine dreiviertel Stunde, obwohl ich schon auf meiner Gefährtin unterwegs war.


 

Banfhlath blieb stehen und ich schaute auf, ich war wie fast immer in meine Gedanken versunken. Ja meine treue Gefährtin konnte bestimmt meine Gedanken lesen, sie wusste immer wo ich hin wollte. „Gut gemacht, das gibt heute Abend eine extra Portion“, sagte ich zu ihr und streichelte ihren Hals. Ich stieg von Banfhlath ab und lies sie in dem kleinen Garten der Familie grasen. Ich klopfte an die Haustür und nur ein paar Augenblicke später wurde mir die Tür geöffnet. „Oh sie sind wirklich wiedergekommen.“, sprach mich eine Frau von gerade mal Mitte zwanzig an. „Hallo, darf ich reinkommen. Ich wollte nochmal nach Ihrer Tochter sehen, wenn sie es erlauben?“, fragte ich sie höflich. „Aber natürlich. Sie sind ein gern gesehener Gast, Miss McGregor. Dank Ihnen geht es Elisabeth schon besser.“, antwortete die Mutter mir und lies mich eintreten.


 

Ich folgte der Mutter durch einen dunklen Flur zu dem Zimmer der Tochter. Die kleine musste sich den Raum mit ihren drei Geschwistern teilen und diese hatten mir beim letzten Besuch genau zugeschaut, was ich mit ihrer Schwester machte. Ich betrat das Zimmer der vier Kinder und schaute zum Fenster. Das Bett meiner kleinen Patientin stand genau davor, damit sie ja alles sah was draußen passierte. So hatte es mir jedenfalls ihr großer Bruder das letzte Mal erklärt. „Schau, Elisa wer das ist.“, meinte die Mutter und die kleine drehte sich zu uns um. „Tante Faith.“, sprach Elisa mich freudig an. „Ich bin so froh, dass du da bist. Das blöde Bein juckt ganz fürchterlich.“, erzählte sie weiter. „Das ist ein gutes Zeichen, dann heilt es nämlich.“, meinte ich zu ihr. „Heute werde ich deinen Verband wechseln und in ein paar Tagen kannst du wieder langsam anfangen zu laufen.“,erklärte ich weiter. Ich fing an den alten Verband abzuwickeln. Auf den ersten Blick sah es schon gut aus. Die Wunde der Kleinen verlief fast über den gesamten Unterschenkel und ich musste die Verletzung mit mehren Stichen nähen. Ich griff in meine Tasche und holte alles nötige raus, als Elisa die Salbe erblickte verzog sich ihr Mund. „Ist das wieder dieses eklige Zeug?“, fragte sie mich. „Ja. Und wie du an deinem Bein sehen kannst hilft dir diese Salbe. Sie macht das deine Verletzung viel schneller heilt, damit du wieder auf Bäume klettern kannst. Doch du solltest nicht noch mal runter fallen.“, sagte ich mit einem lächeln und fing an die Wunde zu reinigen. „Das könnte jetzt weh tun“, versuchte ich die Kleine zu warnen und machte etwas Alkohol auf ein sauberes Tuch. Doch Elisa war richtig tapfer, sie gab keinen Ton von sich. Als nächstes verteilte ich die Salbe auf ihrer Verletzung und zum Schluss gab es noch einen neuen Verband für das Bein.


 

Gut gemacht. Wir sind dann fertig für heute. Ich werde dich in drei Tagen nochmal besuchen und dann sehen wir wie weit dein Bein geheilt ist.“, lobte ich meine kleine Patientin. Sie grinste mich nur an und ich steckte ihr noch einen Honigbonbon zu. Dann verabschiedete ich mich von Elisa und ging mit der Mutter aus dem Zimmer. „Danke meine Liebe, aber bevor sie gehen warten sie kurz.“, sagte sie mir, also wartete ich an der Haustür auf sie. Als die Mutter zurück kam, drückte sie mir ein kleines Käserad in die Hand. Ich wollte protestieren doch sie gab mir keine Chance dazu. „Es ist zwar nur ein kleines, aber ich bin Ihnen so Dankbar, dass sie meiner Tochter geholfen haben.“, sagte sie und schob mich einfach zur Tür hinaus.


 

Ich nahm eines der Tücher aus meiner Tasche und schlug den Käse darin ein. Den Käse verstaute ich noch in meiner Satteltasche und dann machte ich mich auf zu meinem nächsten Hausbesuch. Über den Tag gesellte sich ein kleiner Schinken und frisches Brot zu dem Käse. Obwohl ich keinen Lohn für meine Arbeit wollte, schenkten es mir die Leute denen ich half einfach. Und wer war ich, ihnen ihre Freundlichkeit einfach auszuschlagen. Als die Sonne sich langsam immer mehr Richtung Westen neigte, schlug ich den Weg nach Greenwich ein, ich wollte einer gewissen Person noch etwas vorbei bringen.


 

Kurz bevor ich die Finnegans erreichte, beschlich mich ein seltsames Gefühl. Mir war so als würde ich verfolgt werden. Ich führte Banfhlath in eine kleine Gasse und wand mich im Zickzack Kurs langsam nach Norden. Es ging an Hinterhöfen und kleinen Gärten vorbei bis ich den Stadtrand erreichte. Dort gab ich meiner Gefährtin die Sporen und galoppierte eine große Runde um die Felder und nach einer knappen halben Stunde ritt ich wieder Richtung Stadtkern. Ich beschloss den Besuch auf morgen zu verschieben und schlug den Heimweg ein. Es war mittlerweile fast dunkel als ich vor dem Tor der Grants hielt und Banfhlath schnell in den Stall führte. Hoffentlich hatte ich es geschafft den Verfolger abzuhängen.


 

Ich sattelte meine Gefährtin schnell ab, brachte sie in ihre Box und gab noch einen Arm voll Heu in die Raufe. Als ich gerade die Box verschlossen hatte, spürte ich einen Blick auf mir. Das konnte nicht sein. Ich hatte mir solche Mühe gegeben den Verfolger abzuhängen. Wie hatte es der Fremde geschafft an mir dran zu bleiben. Ich atmete tief durch und drehte mich zur Stalltür um. Draußen war es mittlerweile komplett dunkel und so konnte ich nur eine Silhouette von jemanden erkennen. Wer zum Teufel war das nur?


 

Kapitel 19 - Was willst du?


 

Ich atmete tief durch und machte mich bereit, den Fremden wenn nötig anzugreifen. Zum Glück hatte ich heute morgen noch meine Versteckten Klingen angelegt, so war ich nicht ganz Schutzlos dem Fremden gegenüber. Ich bereitete mich innerlich auf meinen Angriff vor, als mein Verfolger den Stall der Grants schon betrat. Bevor er überhaupt etwas zu mir sagen konnte, ging ich auf ihn los. Ich griff den Unbekannten an und zielte auf seinen Oberkörper, doch mein Gegner blockte meinen Angriff mit einer versteckten Klinge ab. Also war mein Gegner ein Assassine. Kein Wunder das ich ihn nicht wirklich abschütteln konnte. Ich drehte mich zur Seite und wollte durch eine weitere Drehung hinter meinen Gegner kommen, um ihm meine Klinge in die Nieren zu stechen. Doch zu meinem Pech sah ich eines dieser verfluchten Hühner nicht und stolperte über das Mistvieh. Anstatt unsanft auf dem Stallboden aufzukommen, hielten mich plötzlich zwei starke Arme in sicheren Griff und bewahrten mich vor dem harten Aufprall auf den Boden. Was war das für eine Aktion bitteschön?, fragte ich mich in Gedanken.


 

Gehst du immer so auf deine Freunde los, meine Liebste?“, fragte mich eine mir bekannte männliche Stimme und holte mich aus meinen wirren Gedanken. „Liam, was machst du denn in New York?“, fragte ich ihn perplex zurück. „Oh ich hatte erfahren das du hier dein Unwesen treibst, Liebste und ich wollte dich sehen.“, sagte er zu mir und küsste mich einfach aus heiteren Himmel. Zaghaft erwiderte ich seinen Kuss und nach kurzer Zeit löste Liam sich von mir und stellte mich wieder auf meine Beine. „Ich habe dich vermisst, Faith“, flüsterte er mir ins Ohr. „Ähm ja. Wollen wir nicht reingehen und was trinken, dann können wir reden.“, machte ich den Vorschlag und wand mich aus seinen Armen. „Gut.“, sagte er kurz und drehte sich zur Stalltür. Ich nahm noch schnell meine Tasche und die Lebensmittel aus der Satteltasche und folgte Liam nach draußen.


 

Wir betraten die Taverne durch die Vordertür. Liam führte mich zu einem Platz am Fenster und holte uns was zu trinken. Ich stellte mein Gepäck neben mich auf den Boden und versuchte einen Überblick im Schankraum zu erhalten. Als erstes blickte ich zu Alex, dieser schaute mich irgendwie enttäuscht an. Was hatte ich nun schon wieder verbrochen, fragte ich mich in Gedanken und lies meinen Blick weiter durch den Raum schweifen. Das Geräusch eines abstellenden Bechers, brachte mich dazu Liam anzuschauen. „Bitte Liebste, einmal Wein für dich. Das meinte jedenfalls der Wirt dieses Hauses.“, sagte er zu mir und lächelte mich kurz an. „Ja, ich mag Ale nicht so besonders“, antwortete ich ihm verlegen. Was war nur mit mir los. Ich war doch sonst nicht so schüchtern und so nahm ich schnell einen Schluck aus meinem Becher. Wie war das heute Morgen mit dem Schwur?


 

Ähm, Liam. Ich bring schnell meine Tasche und das Essen nach hinten. Ich hoffe es macht dir nichts aus?“, fragte ich leise und bekam von ihm ein leichtes Stirnrunzeln. „Mach ruhig, Liebste. Ich bin nicht in Eile. Lass dir ruhig Zeit.“, antwortete er und sah sich in der Taverne um. Es war heute sogar einiges los und als ich in Richtung Küche ging, schaute ich ob ich nicht ein bekanntes Gesicht sehen würde. Mein Blick blieb an dem Tisch in der kleinen Nische hängen und dort saß doch tatsächlich Colonel Monro. Was um alles in der Welt wollte der Templer im Appel Pie?, dachte ich und sah einen zweiten Becher vor ihm stehen. Konnte es sein? Ich lief an Alex vorbei und dieser deutete mit einem Kopfnicken nach hinten. Was sollte das denn bedeuten? Ich trat in die Küche und legte die Lebensmittel einfach auf den Esstisch, wegräumen könnte ich das Essen später noch. Ich wollte meine Tasche noch schnell ins Arbeitszimmer bringen und als ich die Tür öffnete, lief ich direkt in jemanden rein. Wer zur Hölle war in meinem Heiligtum! Doch bevor ich wusste was geschah, lag ich zum zweiten Mal an diesem Tag in den Armen eines anderen. Der Geruch welchen ich einatmete kam mir vertraut vor. Es roch nach Holz, Leder und Meer. Ich wusste wer mich da festhielt.


 

Was machst du hier, mo chride?“, fragte ich Shay und löste mich langsam von ihm. „Nun, na ja eigentlich wollte ich dich besuchen und mich bei dir entschuldigen.“, fing er an und ich schaute ihn leicht verwirrt an „Warum willst du dich entschuldigen?“ „Ich habe dich heute morgen anscheinend in eine unangenehme Situation gebracht, deshalb.“, erklärte er mir. „Und als mir Alex sagte, dass du noch nicht da warst, da traf ich den Colonel und beschloss mit ihm ein Ale zu trinken.“ „Aha“, war meine Antwort. „Aber was um Himmels Willen machst du hier mit Liam?“, fragte er mich und in seiner Stimme schwang ein seltsamer Unterton mit. „Geht dich nichts an!“, sagte ich nur schnippisch. „Kannst dich aber gerne so lange hier verstecken. Ich versuche Liam irgendwie loszukriegen, okay?“, meinte ich noch und stellte meine Tasche auf den Tisch und verließ mein Arbeitszimmer. Ich konnte ja den guten Liam nicht ewig warten lassen.


 

Doch bevor ich aus der Tür war, hielt Shay meine Hand fest. „Faith, sage ihm bitte nichts über mich.“, sagte er zu mir und in seiner Stimme lag ein leicht verzweifelter Unterton. Ich drehte mich zu Shay um und lächelte ihn an „Nein werde ich nicht und das hatte ich auch nicht vor. Freunde verraten sich nicht gegenseitig.“, sagte ich noch zu ihm und Shay lockerte den Griff um meine Hand. „Bis gleich“, grinste ich ihn noch an und kurz darauf betrat ich wieder den Schankraum. „Ich hoffe du musstest nicht zu lange auf mich warten, Liam?“, fragte ich ihn und setzte mich wieder an den Tisch. „Nein es ging, Liebste.“.antwortete er mir und schaute mich aus seinen blau-grauen Augen an. Da war es schon wieder, dieses Liebste. „Warum nennst du mich so Liam ?“, fragte ich ihn direkt und wollte damit meine Neugier stillen. Liam lachte. „Darf ich die Frau, der ich verfallen bin nicht nennen wie ich will?“ Nun mit dieser Aussage hatte ich nicht gerechnet und ich war kurz sprachlos. Ich sammelte meine wirren Gedanken und tat so als hätte ich die letzte Bemerkung überhört. Wie sollte ich sonst auf sein Geständnis reagieren? „Wenn du das so meinst.“, sagte ich nur und trank einen kleinen Schluck aus meinem Becher. Was wollte Liam wirklich von mir? „Warum hast du mich verfolgt?“, fragte ich einfach und bekam dafür einen erstaunten Blick von ihm. Aha ich hatte ihn anscheinend durchschaut. „Oh das ich dich traf war Zufall, doch als ich dich im East Village sah, hatte ich einen kleinen Verdacht. Warum bist du noch hier, Faith?“, wollte er jetzt wissen und ich bekam ein ungutes Gefühl. Unsere Aktion war schnell bemerkt worden von den Assassinen, aber aus diesem Grund konnte Liam nicht hier sein. Es würde mindesten eine Woche von Davenport bis nach New York dauern. Also was hatte er in der Stadt zu tun?


 

Weißt du Liam, man hat mich leider beraubt und nun sitze ich in den Kolonien fest. Ich muss einfach ein bisschen Geld sparen und dann bin ich wieder in London.“, versuchte ich mich raus zureden. „Und du machst keine Assassinen Arbeit nebenbei?“ „Nein Liam. ich arbeite als Heilerin, wie du bestimmt mitbekommen hast.“, sagte ich bloß und langsam war ich ein wenig genervt von seiner Art. Sollte das etwa ein Verhör werden? „Aber warum fragst du mich das Liam?“, hakte ich weiter nach. „Nur so, Liebste“ „Liam O'Brain, du würdest mich nicht nach so was fragen, wenn nicht etwas vorgefallen wäre. Also rück mit der Sprache raus. Was ist dein Grund für den Besuch bei mir?“, giftete ich ihn an. Doch im Gegensatz zu einem anderen Iren, war Liam verdammt schnell beleidigt. Er stand einfach auf, knallte das Geld für die Getränke auf den Tisch und ließ mich einfach sitzen. Gut dann wollte er mir es wohl doch nicht sagen. Ich nahm die Becher, das Geld und stand ebenfalls vom Tisch auf. Als ich Alex die Becher und das Geld brachte, grinste dieser mich nur an. „Es scheint meine liebe Faith, du bist ein ganz schöner Männerschreck. Erst Shay heute morgen, nun der nächste. So wirst du nie einen anständigen Kerl finden.“, sagte er und fing an zu lachen. „Gut das du deinen Spaß hast.“, meinte ich trocken zu ihm und lief zu meinem Arbeitszimmer.


 

Als ich eintrat, brannte eine Kerze auf dem Tisch und Shay hatte das gleiche Buch von gestern in der Hand.“Findest das Buch wohl interessant?“, fragte ich und trat auf ihn zu. „Na ja, es geht so. Aber du hast Liam ja relativ schnell verscheucht. Du hast ihn bestimmt beleidigt, das konnte er noch nie wirklich gut verkraften.“, meinte Shay und ich nickte ihm einfach zu. „Das ist gut.“, murmelte er in seinen nichtvorhandenen Bart. „Wieso gut, mo chride?“, fragte ich ihn und hatte keinen blassen Schimmer, was er mit dieser Aussage meinte. „Nichts, Prinzessin. Du hast wirklich ein verdammt gutes Gehör, weißt du das? Würdest du bitte nochmal nach meinen Verband schauen, ich glaube er ist ein wenig verrutscht und reibt ein bisschen.“ Ich nickte einfach nur. Hatten denn heute alle irischen Kerle was in ihrem Frühstück gehabt, dass sie sich so seltsam verhielten? Ich ging zu meiner Tasche und suchte neues Verbandsmaterial heraus. „Was wollte Liam eigentlich von dir?“, sprach mich Shay an und unterbrach so meine Überlegungen. „Er hat sich gewundert, dass ich hier in den Kolonien bin und noch nicht auf dem Weg nach Hause.“, antwortete ich ihm brav. „Ich sagte ihm, dass ich kein Geld habe und hier jetzt auf unbestimmte Zeit festsitze.“ Shay schien kurz zu überlegen. „Sie haben also unsere Aktion mitbekommen und Liam hat dich im Auge. Du musst vorsichtig sein, Prinzessin.“ Ich nickte nur und fing an seinen alten Verband abzunehmen. Diesen schmiss ich den kleinen Wäschekorb, welcher in der Ecke des Raumes stand. Ich behandelte Shay's Wunden, doch als ich den Alkohol auf eine der Wunden rieb, zog Shay zischend die Luft ein. „Ist was, mo chride?“, fragte ich ihn grinsend. „Nichts, Prinzessin“, bekam ich zu hören und ich grinste ihn frech an. Das brachte mir einen schrägen Blick von meinem Gegenüber ein und so erzählte ich Shay von der kleinen Elisa, welche keinen Ton bei der Behandlung ihres Beines verloren hatte. „Dann ist sie ein kleines tapferes Mädchen, aber Prinzessin es brennt wirklich ganz schön doll.“, beschwerte er sich weiter bei mir. „Ich weiß wie sehr es brennt, ich musste es ebenfalls schon öfters ertragen, aber es hilft und das ist die Hauptsache.“, sagte ich etwas gekränkt. „Entschuldige, Prinzessin“, hörte ich von ihm und dann umarmte er mich heute ein zweites Mal.


 

Da Shay vor mir saß und ich stand, ruhte sein Kopf auf meinem Bauch. Es war ein seltsames Gefühl, aber ich genoss diese Umarmung von ihm. Ich legte meine Hände auf seine nackten Schultern und zeichnete kleine Kreise auf seiner Haut. Dies schien bei Shay eine Gänsehaut hervor zurufen. Er drückte sich fester an mich, bevor er sich langsam von mir löste. Schade, dachte ich und trat einen Schritt zurück. Ich beendete meine Arbeit und das Schweigen welches den Raum erfüllte, war diesmal nicht unangenehm, sondern beruhigend. „Danke, Prinzessin. Ich sollte wieder zum Colonel.“, sagte Shay als ich fertig war und er sich wieder angezogen hatte. „Gut, dann wünsche ich dir noch eine gute Nacht.“, antwortete ich ihm und er verschwand durch die Tür. Ich hörte noch seine Schritte im Flur und dann war es still. Ich räumte noch alles auf, löschte die Kerze und verschwand in meinem Zimmer.


 

Dort entzündete ich die Kerze auf meinem kleinen Tisch und nahm mir ein Buch zur Hand. Ich wollte noch etwas lesen bevor ich mich schlafen legte. Ich hatte gerade mal fünf Seiten gelesen, als es an mein Fenster klopfte. Es gab nur zwei Möglichkeiten wer das sein konnte und ich tippte darauf das es ein gewisser ehemaliger Assassine war. Was wollte er noch von mir um diese Zeit?, fragte ich mich und ging zu dem Dachfenster um es zu öffnen. „Was gibt es noch, mo chride. Ich bin müde und will schlafen“, quengelte ich leicht. Mittlerweile war ich wirklich ganz schön Müde und das Weiche Bett rief förmlich nach mir. „Prinzessin, dürfte ich mir vielleicht für ein paar Tage dein Pferd ausleihen?“, fragte er mich und setzte dabei doch tatsächlich einen Hundeblick auf. „Wieso?“ „Nun der Colonel hat mich um was gebeten und...“, druckste er rum. Ich schloss kurz meine Augen und fing an zu überlegen. Ohne mein Pferd, müsste ich verdammt viel laufen, aber es wäre auch ein gutes Training für mich. Außerdem war Shay ein Freund und er brauchte meine Hilfe. Ich öffnete wieder meine Augen und schaute Shay an. Wie er mich ansah, sah irgendwie niedlich aus. Was dachte ich denn da? „Na gut aber nur wenn du die Regeln befolgst. Als erstes ist Banfhlath kein Pferd, sondern meine treue Gefährtin und wehe dir, dass du sie schlecht behandelst. Dann lernst du mich richtig kennen, Shay Patrick Cormac“, sagte ich zu ihm. „Danke, Prinzessin, Ich bringe Sie dir gesund und munter zurück.“, sagte er und wollte gerade wieder hinabklettern, als er sich nochmals umdrehte und zu mir zurück kam. Ich schaute Shay nur an und plötzlich beugte er sich über mich und gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich war bestimmt gerade knallrot geworden. „Wir sehen uns in ein paar Tagen Prinzessin. Ich soll nur etwas aus einen kleinen Ort im Grenzland holen, mehr nicht. Bis dann.“ und mit diesen Worten verabschiedete er sich und verschwand in die Nacht. Ich schloss langsam das Fenster, löschte das Licht und legte mich hin. Ich lag noch lange wach und grübelte vor mich hin, erst als der Morgen dämmerte schlief ich ein.


 

Ein paar Stunden später klopfte es laut an meine Zimmertür. Sofort war ich hellwach und sprang aus meinem Bett, doch ich hatte mal wieder Pech. Ich kam mit meinem Fuß falsch auf und legte mich der Länge nach auf den Fußboden. Die Tür wurde geöffnet und Margery sah mich geschockt an. „Ist alles in Ordnung, mein Kind?“, fragte sie mich. „Ja, ich liege hier nur so rum und dachte ich könnte mal das Zimmer ausmessen.“, antwortete ich sarkastisch. „Junge Dame, wie wäre es mal mit ein bisschen Respekt, aber eigentlich wollte ich dir sagen, das dein Pferd weg ist.“, sagte sie leicht beleidigt. „Ich weiß. Shay hat sich Banfhlath geborgt. Er wollte unbedingt mal die Stadt für ein paar Tage verlassen.“, antwortete ich ihr. „Dann ist ja gut. Es ist noch etwas zu Essen auf dem Herd und wegen deinem Verhalten reden wir später noch, junge Miss.“, fauchte sie mich an und knallte regelrecht die Tür zu.


 

Ich rappelte mich auf und schaute mich in meinem Zimmer um. Heute musste ich wohl oder übel mal einen Haushaltstag einlegen. Gedacht - getan und eine halbe Stunde später verließ ich mein aufgeräumtes Zimmer, mit einem Korb voll dreckiger Wäsche unter dem Arm. In der Küche stellte ich diesen erst einmal ab und holte den zweiten aus meinem Arbeitszimmer. Als ich wieder in die Küche kam, wartete Margery auf mich. Jetzt würde es bestimmt ein Donnerwetter geben. „Du willst also endlich mal deine Wäsche waschen, wurde auch mal Zeit, Faith. Ich heize den Kessel an und du bringst alles nach draußen in den Garten.“, verteilte sie die Arbeit und so machte ich mich ans Werk.


 

Eine Stunde später war die Wäsche im Kessel und dampfte vor sich hin. Ich versuchte einen fiesen Blutfleck aus meinem Ornat zu bekommen aber das Waschbrett half da auch nur wenig und so brauchte ich einiges an Kraft, bis mein Ornat wieder sauber war. „Faith, wer war überhaupt dieser Mann gestern?“, wollte meine Chefin von mir wissen. Neugierig wie immer Margery, dachte ich. „Ein Freund aus Boston. Wir haben uns in der Stadt getroffen und wollten nur eine Kleinigkeit zusammen trinken.“, erklärte ich ihr und hoffte das damit ihre Neugier gestillt war. „Sah aber aus als wolle er dich flachlegen, so wie der dich angeschaut hat. Und dieser Shay war auch nicht besser. Hat dich die ganze Zeit beobachtet und sah dabei überhaupt nicht glücklich aus. Er war richtig eifersüchtig auf den anderen.“, erzählte sie einfach und ich versuchte nicht rot zu werden. Ich hasste es, wenn ich im Mittelpunkt von irgendwelchem Tratsch stand. „Aber wenn du unbedingt einen von den beiden willst, dann nimm Shay. Der ist immerhin ein Gentleman und scheint dich zu mögen.“, plapperte sie munter weiter und ich schwieg einfach. Zum Glück verging meiner Chefin bald das Tratschen über mich und sie fing an sich über die Nachbarschaft auszulassen. Ich hörte ihr nur mit halbem Ohr zu und dachte nach. Sollte Margery recht haben und Shay wirklich was für mich empfinden. Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Margery hatte sich das bestimmt nur eingebildet.

Kapitel 20 - Der Vorschlag


 

Meine geliebte Gefährtin war jetzt schon über eine Woche weg und ich bereute es ein wenig, sie Shay geliehen zu haben. New York war nicht gerade die kleinste Stadt, so hieß es für mich in diesen Tagen verdammt viel laufen, weil meine Patienten über die komplette Stadt verteilt lebten. Ein gutes hatte diese Sache aber, ich lernte jeden Tag neue Gebiete der Stadt kennen. Frau sollte ja immer positiv denken. Als ich abends erschöpft in mein Bett viel, schlief ich ganz schnell ein. Diese Situation erinnerte mich ein wenig an meine Ausbildungszeit bei John. Wenn ich an meine Heimat dachte, bekam ich Heimweh. Ich hatte vor zwei Wochen einen Brief nach London geschickt, aber der Brief würde erst in ein bis zwei Monaten ankommen, wenn nichts weiter dazwischen kam. Und bis die Antwort von meiner Familie da war, wurde es schon bald wieder Weihnachten.


 

Ein paar Tage später gönnte ich mir nach der ganzen harten Arbeit mal ein wenig Ruhe und beschloss mir ein wenig die Beine zu vertreten. Das Wetter war recht angenehm und vom Fluss her wehte eine kühle Brise. Perfektes Wetter für einen ganz normalen Spaziergang. Wie von selbst führten mich meine Füße nach Greenwich. Hier schlenderte ich in aller Ruhe am Fluss entlang und sah den Hafenarbeitern bei der Arbeit zu. Das schöne an Greenwich war, das die Bevölkerung kaum noch von Gaunern und anderen suspekten Gestalten terrorisiert wurde. Das einzige was noch in der Hand dieser Verbrecher war, war das ehemalige Fort der englischen Armee. Die Rotröcke hatten anscheinend ein neues Fort im Norden der Stadt errichtet und damit wurde das alte nicht mehr wirklich gebraucht. Ich ging einfach immer weiter, vorbei an dem alten Fort und gelangte nach einer knappen viertel Stunde zu dem Häuserkomplex, welchen Shay und ich von den Banditen befreit hatten.


 

Ich schaute mich um und sah jetzt englische Soldaten dort patrouillieren. Seltsam, fragte ich mich und überlegte wer dort jetzt das sagen hatte. „Ihr seid doch die Assassine, welche Master Cormac geholfen hat, oder irre ich mich etwa?“, wurde ich von der Seite angesprochen. Erschrocken drehte ich mich um und schaute in graue Augen. Vor mir stand Colonel Monro. „Ihr seid es. Ich hatte euch in dem Ornat nicht so richtig erkannt.“, sagte er weiter. Sollte das etwa ein Witz von ihm sein? Ich zog skeptisch meine rechte Augenbraue nach oben und erwiderte nichts. „Ich sehe ihr misstraut mir noch immer.“, stellte er fest. „Das wundert euch?“, fragte ich ihn sarkastisch und wollte eigentlich gehen als... „Ihr seid genauso allein, wie Master Cormac. Hinter euch steht keine Bruderschaft, oder täusche ich mich?“, fragte er mich und ich drehte mich wieder zu ihm um. „Ich will keinen Ärger, Colonel Monro. Ich lasse den hiesigen Orden in Ruhe und der Orden mich.“, meinte ich zu ihm.


 

Damit war für mich das Gespräch beendet, doch der Colonel schien anderer Meinung zu sein. „Aber ich frage mich wirklich, was macht eine Assassine der englischen Bruderschaft in den Kolonien? Wie wäre es wenn ihr mir diese eine Frage noch beantwortet. „Warum sollte ich?“, gab ich kalt zurück. „Nun es könnte sich für euch lohnen, Faith McGregor“, redete er weiter. Woher wusste der Templer meinen Namen? Nun dann müsste ich mir wohl anhören, was der Colonel zu sagen hatte. „Sprecht weiter“, sagte ich trocken und musterte ihn dabei. „Wie wäre es mit einem kleinen Spaziergang?“, bot er jetzt an. Ich willigte ein und zusammen lief ich mit dem Colonel durch die Straßen New Yorks.


 

Nach einer Weile des Schweigens, begann mir der Colonel seinen Vorschlag zu unterbreiten. „Ich würde gern, dass ihr für den Orden einige Informationen besorgt. Es würde sich für euch sicher lohnen. Wie wäre es mit 50 Pfund aufwärts. Der Betrag hängt natürlich von der Bedeutsamkeit der Information ab und wenn ihr noch ein paar von dem Gesindel ausschaltet, würden wir euch dafür ebenfalls großzügig belohnen.“, erklärte er mir. „Und wenn ich ablehne?“, wollte ich von ihm wissen. „Dann hat unser Gespräch nie stattgefunden.“ Interessant. Seid wann gab der Orden so schnell auf? „Wieso denkt ihr ich werde meine Brüder an euch verraten?“, hakte ich nach. „Ich kenne genug von eurer Sorte, Colonel. Obwohl mich eure Taten hier fast überzeugt hätten.“ „Nun ihr seid sehr misstrauisch, Miss. Soweit ich weiß seid ihr eine Heilerin und Medizin ist sehr teuer, vor allem da Ihr nie Lohn annehmt. Ihr helft den Ärmsten der Armen. Den Leuten, welche gerade erst in den Kolonien angekommen sind. Wie würde es euch gefallen, wenn der Orden für eure Ausgaben aufkommt.“, schlug er mir vor. „Ihr wollt mich also bestechen, legt noch ein paar Süßigkeiten drauf und ich würde es in Erwägung ziehen.“, sagte ich und mir huschte sogar ein kurzes Lächeln über die Lippen.


 

Ich lief schweigend weiter neben dem Templer her und versank in Gedanken. Ich könnte mit der Hilfe des Ordens meine Aufgabe erfüllen, so hatte es Shay mir auch schon gesagt und ihm wollte ich ja helfen. Also warum sträubte sich alles in mir, dieses Angebot anzunehmen. Ganz einfach. Das waren die Templer. Der Feind. Seit ich der Bruderschaft beigetreten war, waren diese Menschen immer die bösen für mich. In meiner Heimat versuchten die Templer die Macht an sich zu reißen, das Volk zu unterdrücken und auszubeuten. Doch hier war alles anders. Ich war total verwirrt. Ich musste über diesen Vorschlag genau nachdenken. Ich blickte auf und schaute zum Colonel. „Ich werde darüber nachdenken, mehr vorerst nicht,“, sagte ich zu ihm und drehte mich in die andere Richtung und verschwand einfach.


 

Ich schlenderte noch ein wenig durch die Straßen und hing dabei meinen Gedanken nach. Als es langsam anfing zu dämmern, beschloss ich zum Appel Pie zurückzukehren. Kurz bevor ich doch dort ankam, hörte ich aus einer kleinen, dunklen Gasse einen Schrei. Das konnte nichts gutes bedeuten und so rannte ich in die Richtung aus der der Lärm kam. Ich bog in die kleine Gasse und erblickte zwei Männer, welche sich gerade an einer Frau vergehen wollten. Das konnte ich nicht zulassen und so rannte ich auf Typ eins zu und schubste ihn weg. Er landete direkt vor mir im Matsch und die Frau konnte sich dadurch befreien. Schnell lief die Frau aus der Gasse und war somit vor diesen Halunken gerettet. „Was fällt dir ein, du kleine Schlampe.“, schrie mich Nummer zwei wütend an. „Dafür musst du jetzt herhalten“, knurrte er weiter und zückte sein Schwert.


 

Dann konnte der Spaß jetzt losgehen. Der Kerl griff mich an und ich lies seinen Angriff ins leere verlaufen, weil ich mich zur Seite drehte, um dann mit meiner versteckten Klinge direkt in seine Niere zu stoßen. Der Kerl schrie vor Schmerz auf und knickte ein. Ein schnitt durch die Kehle und ich beendete sein Leiden für immer. Nummer eins hatte sich derweil aufgerafft und starrte mich vollkommen entsetzt an, bevor er sich einfach umdrehte und davon lief. Nun das war schlecht. Der Kerl wusste wie ich aussah und wollte bestimmt Verstärkung holen. Ich zielte mit meinem Seilwerfer auf die Dachkante über mir und Ruck zuck war ich oben. Ich blickte mich kurz um und wünschte mir Shay's Adlerblick, aber ich erspähte ihn auch so. Ungefähr dreißig Meter vor mir rannte er über die Hauptstraße. Schnell eilte ich in seine Richtung und holte langsam auf. Ich sprang über kleine Abgründe, balancierte über ein Seil und musste sogar noch mit Hilfe eines Baumes eine Straße überqueren. Doch ich holte auf und nach fünf Minuten sprang ich auf ihn drauf. Wir gingen beide zu Boden und bevor ich mich aufrappeln konnte, hörte ich schon ein Stöhnen neben mir. Ich schaute zu meinem Feind und sah das er sehr ungünstig gefallen war. In seinem Oberschenkel steckte ein Ast und so wie das Blut daraus hervor sickerte, würde er nicht mehr lange leben. Ich stand langsam auf und da fing mein Feind an zu erzählen. Ich hörte genau zu und war wirklich erstaunt über das gehörte. Als er zu Ende gesprochen hatte hockte ich mich neben ihn und ließ meine Klinge hervor schnellen. Er nickte mir nur zu und dann half ich ihm sein Leid zu beenden.


 

Es waren wirklich interessante Neuigkeiten, welche mir der Bandit verraten hatte. Nur was tat ich nun mit diesen Wissen, überlegte ich und ich bemerkte wie sich meine Gedanken im Kreis drehten. Argh! Das war zum verrückt werden! Ich beschloss noch ein wenig die Stadt unsicher zu machen und kletterte am nächsten Gebäude nach oben. Ich brauchte jetzt ein wenig körperliche Betätigung, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Als ich nach geschlagenen zwei Minuten endlich oben war, stand ich auf und lief einfach los. Ein bestimmtes Ziel hatte ich nicht im Sinn. Nach einer Weile des sinnlosen Umherlaufens und Kletterns, endete mein Weg genau vor dem Häuserkomplex in Greenwich. Ohne es wirklich zu registrieren, hatte mein Unterbewusstsein eine Entscheidung getroffen.


 

Ich lief auf eine der Wachen zu und fragte diese nach dem Colonel. Der Soldat schaute mich verwundert an, doch nach kurzem zögern deutete er mir an ihn zu folgen. Ich begleitete die Wache zu einem großen Gebäude und dort ließ mich ein anderer Soldat herein. Ich folgte meiner neuen Begleitung weiter und im ersten Stock blieb die Wache vor einer Tür stehen. Der Mann klopfte an und nach einen kurzen Moment wurde die Tür geöffnet. Es war ein junger Soldat, welcher vielleicht nicht älter als zwanzig war. Mein Begleiter wies auf mich und keine zwei Minuten später stand ich dem Colonel gegenüber.


 

Miss McGregor, das ist eine Überraschung. Wie kann ich ihnen behilflich sein?“, fragte mich der Colonel höflich und deutete mir, mich ihm gegenüber zu setzten. Ich nahm sein Platzangebot an und lies mich auf dem Stuhl nieder. „Es geht um ihr Angebot. Ich werde es annehmen aber ich habe Bedingungen.“, fing ich an. „Nun ich höre.“, antwortete mir der Templer ruhig. „Ich beschaffe ihnen nur Information nichts weiter. Keine Morde oder andere Aktionen, die den Menschen schaden. Die Informationen sind mindesten 100 Pfund wert, dafür verzichte ich auf die Unterstützung als Heilerin. Ich will den Menschen nur helfen und sie nicht in diesen sinnlosen Krieg zwischen Assassinen und Templern verwickeln und außerdem bin ich lieber unabhängig. Sind wir uns einig, Colonel Monro?“, versuchte ich sein Angebot neu zu verhandeln. Der Colonel schloss kurz seine Augen und schien nachzudenken. „Wenn ihr es so wünscht, aber ich werde euch 75 Pfund zahlen und nicht Hundert.“ „Hundert und nicht weniger.“, blieb ich bei meinem Angebot und schaute dem Colonel dabei direkt in seine grauen Augen. Nach einem kurzen Moment seufzte er und wendete den Blick von mir ab. „In Ordnung, Miss. Einhundert Pfund pro Information.“, gab er nach. Ich grinste ihn an „Dann sind wir im Geschäft und ihr solltet schon mal das Geld holen.“,sagte ich frech und bekam dafür einen skeptischen Blick von meinem Gegenüber. „Ihr sucht bestimmt einen eurer Ordensbrüder, oder irre ich mich da?“, fragte ich den Colonel. „Ihr wisst wo Christopfer Gist ist?“, bekam ich als Antwort. „Ja. Der Mann soll morgen zur Mittagsstunde öffentlich gehängt werden im alten Fort Arsenal. Er scheint wohl in ein Wespennest gestochen zu haben. Was auch immer er raus gefunden hat, es kostet ihm wohl jetzt sein Leben.“, meinte ich trocken zu dem Templer. „Danke für diese wertvollen Informationen. Wie habt ihr das so schnell rausbekommen?“, fragte er mich neugierig. „Ich bin ein paar Kerlen begegnet, die meinten eine unbescholtene Bürgerin zu behelligen. Ich half der Dame und die Kerle haben halt ein bisschen geplaudert. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Leute im Angesicht des Todes beichten müssen.“, antwortete ich ihm und erhob mich von dem Stuhl. „Wie sieht es jetzt mit meiner Belohnung aus?“, fragte ich ihn dreist. Der Templer erhob sich ebenfalls und keine fünf Minuten später verließ ich das Gebäude und war zweihundert Pfund reicher.


 

Ja dieses Geschäft hatte sich doch wirklich für mich gelohnt. Jetzt hatte ich mit einem Schlag genug Geld um nach London zurück zukehren. Aber wollte ich das überhaupt noch? Wenn ich wieder in der Heimat wäre, könnte ich meine Mission nicht ausführen und Shay? Darüber würde ich später nachdenken und so machte ich mich auf den Heimweg. Die Sonne war fast untergegangen, als ich das Appel Pie erreichte. Ich ging durch den Hintereingang ins Haus und in der Küche stand sogar noch ein kleiner Rest vom Abendessen. Das zauberte mir ein kleines Lächeln ins Gesicht. Margery hatte mich anscheinend nicht vergessen. Ich nahm mir was von dem Braten und dem Kohlgemüse, setzte mich an den Tisch und ließ es mir schmecken. Nach dem Abendessen ging ich in mein Arbeitszimmer. Ich musste unbedingt meine Bestände prüfen und diese in den nächsten Tagen auffüllen. Das Geld hatte ich ja jetzt dafür, so beschloss ich am nächsten Tag der Apotheke in East Village einen Besuch abzustatten.


 

Der nächste Morgen kam wie immer viel zu früh. Am liebsten hätte ich diesen blöden Hahn den Hals umgedreht. Obwohl ich jetzt hellwach war, wollte ich eigentlich nicht aufstehen, das Bett war viel zu bequem, doch ich hatte Pflichten und diesen musste ich nachkommen. So stand ich auf, zog meinen Ornat an und legte meine Waffen an. Ich hatte heute ein seltsames Gefühl, so verließ ich in voller Montur mein Zimmer und begab mich in die Küche zum Frühstück. Danach verabschiedete ich mich bei den Grants und verließ das Appel Pie in Richtung Nordwesten.


 

Es war kurz vor dem Mittag, als ich endlich bei meinem zweiten Patienten fertig war. Ich lief gerade die Straße nach King's Farm entlang, als ich mein Pferd entdeckte. Schnell drehte ich mich um und lief Pferd und Reiter hinterher. Doch leider war ich viel zu langsam und ich schaffte es nicht beide einzuholen. Zum Glück für mich, wusste ich den Zielort. So bog ich in eine kleine Gasse ein, benutzte ein paar Schleichwege, um zu den Finnegans zu kommen. Nach nicht mal fünfzehn Minuten erreichte ich mein Ziel. In dem kleinen Vorgarten stand meine treue Gefährtin und graste vor sich hin. Die Gute hatte sogar noch den Sattel und das Zaumzeug drauf und war total Verschmutzt. Was hatte Shay mit ihr angestellt? Das wollte ich sofort herausfinden. Ich klopfte an der Tür der Finnegans und keine Minute später öffnete Cassidy die Tür. „Oh! Hallo Faith, was machst du denn hier?“, fragte sie mich überrascht. „Ich suche eine gewisse Person, so fast eins neunzig groß, braune Haare, männlich und muss sehr oft den Helden spielen.“, meinte ich etwas bissig. „Du suchst Shay, aber du hast gutaussehend, nett und hilfsbereit vergessen, Faith. Ich weiß leider nicht wo er hin ist. Er kam an, sprach ganz kurz mit dem Colonel, welcher uns besucht hatte und keine Sekunde später, rennt Shay los als wäre der Teufel hinter ihm her.“, erklärte sie mir und ich wusste mit einem Schlag wo er hin wollte. „Danke Cassidy. Kannst du kurz auf mein Pferd und meine Tasche aufpassen?“, fragte ich sie und stellte meine Tasche ohne auf ihre Antwort zu warten vor ihre Füße. „Bin bald zurück.“, rief ich ihr zu und rannte schon los in Richtung Hudson River.


 

Je näher ich dem alten Fort kam, desto schwieriger wurde es für mich, durch die Menschen zu kommen. Eine Hinrichtung war wohl im Leben vieler Städter eine Abwechslung des eintönigen Alltags. Ich hatte es mittlerweile in das Fort geschafft und suchte verzweifelt nach Shay. Doch ich konnte ihn nirgends entdecken. Langsam schob ich mich durch die Menschenmenge und schaffte es bis zur ersten Reihe, als die Stimmung in der Menge sich veränderte. Die Leute fingen an Beschimpfungen und gemeine Beleidigungen zu rufen. Ich richtete meinen Blick nach vorne auf das Geschehen und sah wie diese Halunken einen Mann zum Galgen führten. Diesen Kerl kannte ich doch! Er hatte mich am ersten Abend im Appel Pie dumm angemacht und von mir eine Abfuhr erhalten. Dann war dieser Herr also Christopfer Gist, ein Templer. Er hatte eine blaue Hose an und einen langen braun-blauen Ledermantel, welcher offen war. Dazu trug er eine schwarz-weiß gestreifte Weste und einen schwarzen Schlapphut. Unter dem Hut waren dunkelblonde Haare zu erkennen. Er hatte einen Bart und schaute mit einen ruhigen Blick auf die Menge, so als wüsste er, dass er heute nicht sterben würde.


 

Ohne auf das zu achten, was am Galgen geschah, suchte ich die Umgebung nach Shay ab. Leider sah ich ihn nirgends und so lies ich meinen Blick wieder zum Geschehen wandern. Der Henker legte Gist gerade einen Strick um den Hals und die Banditen hatten zu tun die Menge ruhig zu halten. Das war nicht gerade ein schöner Tod, ich hoffte das der Henker wenigstens sein Werk verstand und Gist einen schnellen Tod gewährte. Ich wurde langsam unruhig und begann die Wachen zu zählen, fünf auf der Rechten Seite, sechs links vom Galgen. Dann noch drei weitere direkt bei dem Templer. Ich suchte wieder die Umgebung nach Shay ab und stutze kurz. War da nicht grade noch ein Scharfschütze auf dem Dach gewesen? Jetzt wusste ich wenigstens wo die Person war, welche ich suchte. Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf den Galgen, als plötzlich ein Schuss viel.

Kapitel 21 - Die Morrigan


 


 

Durch den Schuss geriet die Menge in Panik und versuchte so schnell wie möglich das Gelände des alten Fort zu verlassen. Währenddessen gingen die Schurken auf den jetzt Stricklosen Templer los. Da ich einmal hier war, konnte ich den beiden helfen. Shay hatte gerade eine der Wachen, mit einem klassischen Luftattentat erledigt und mischte sich nun in den Kampf mit ein. Der Templer schien sich von einem der Wachen, einen Säbel geliehen zu haben, um sich damit besser zu verteidigen. Kurz gesagt, die beiden kämpften mit einer Überzahl an Gegnern und einer dieser Kerle wollte Shay gerade von hinten angreifen, als ich diesem Kerl meine versteckte Klinge in eine seiner Nieren rammte. Mein Gegner ging auf die Knie und mit meiner zweiten verstecken Klinge durchtrennte ich seine Halsschlagader. Damit war es einer weniger. Shay bedankte sich mit einem kurzen Blick bei mir, dann wendete er sich dem nächsten Feind zu.


 

Durch meine kleine Rettungsaktion hatte ich jetzt die Aufmerksamkeit von einigen Wachen auf mich gezogen und so zog ich mein preußisches Jagdschwert. Das gute Stück war zwar etwas schwerer als ein normaler Säbel, aber es war auch effektiver. Zwei der Wachen grinsten dreckig in meine Richtung, als sie bemerkten, dass ich zum anderen Geschlecht gehörte. „Na Kleine, willst du mir nicht lieber ein wenig gefällig sein“, sprach mich einer der beiden an. Na toll, schon wieder ein paar Kerle, die dachten wir Frauen seien nur gut fürs Bett. Wie ich solche Typen hasste! Bei solchen Äußerungen wurde ich meistens wütend, aber diese Herren wollten es ja nicht anders. Statt einer Antwort von mir, bekam der Kerl einen Hieb mit meinem Säbel. Leider wich er aus und wollte einen Konterangriff starten. Diesen entging ich mit einer viertel Drehung und rammte meinem Gegner die Schwertspitze in seine linke Seite. Er schrie auf und ich stach mit meiner versteckten Klinge genau in sein Herz und schickte ihn zu seinem Schöpfer.


 

Sein Kumpane schaute mich ganz entsetzt an. Doch anstatt mich jetzt endlich als ernsten Gegner zu nehmen, ging er wie sein toter Freund einfach auf mich los. Ich konterte mit einer Linksdrehung, dann ein Hieb und einer weiteren Drehung und zum Schluss schlitzte ich ihm seine Kehle auf. Damit hatte ich Nummer drei erledigt und die anderen Wachen lebten auch schon nicht mehr. Sie waren die Opfer von Shay und dem Templer geworden.


 

Danke mein Freund, ohne Euch wäre ich jetzt Futter für die Würmer. Ihr habt sie tatsächlich aus ihrem eigenen Bau vertrieben.“, sprach der Templer Shay an. „Ich suchte noch nach einer neuen Unterkunft.“, antwortete Shay. „Dann wartet noch mit dem Einzug, ein paar dieser Kerle sind hier bestimmt noch irgendwo. Ich vermute sie verstecken sich auf ihrem Schiff.“, meinte Gist und zeigte in die Richtung des Flusses, welcher westlich an das Fort grenzte. „Das ist die Morrigan.“, sagte Shay freudig. „Wie kommt die hier her?“, fragte er in die Runde. Diese Fragte konnte ich ihm leider nicht beantworten und so zuckte ich nur mit meinen Schultern. Langsam liefen wir drei in Richtung des Schiffes, Shay und der Templer unterhielten sich ein wenig. Ich hielt mich im Hintergrund und sah mich in dem Fort ein wenig um.


 

Das erste was mir auffiel, war das Hauptgebäude. Dieses stand auf einer Anhöhe und war nicht einfach nur ein Haus, sondern mehr eine riesige Villa, inklusive eines kleinen Türmchens. In der Mitte des Gebäudes gab es einen Durchgang, um hinter das Haus zu gelangen. Darüber war ein Balkon angebracht, von welchem Blauregen hinab hing. Dieser blühte gerade und verströmte einen wundervollen Duft. Vor dem Hauptgebäude war ein großer Garten angelegt, mit eigenen Springbrunnen und Beeten mit Blumen, welche in verschiedenen Farben leuchteten. Die Wege säumten Sträucher und kleine Ziertannen an einer kleinen Ecke, rechts vom Hauptgebäude war eine überdachte Terrasse, welche von Efeu überwuchert wurde und somit schön schattig war. Ja dieser Garten lud förmlich zur Entspannung ein. Wenn man dann die Treppe runterging in Richtung Ausgang waren auf der rechten Seite noch zwei große Nebengebäude und ein großer Hof, auf welchem noch der Galgenbaum stand. Dieser ganze Komplex wurde von einer hohen Mauer umgeben und man konnte nur über eine Brücke in das ehemalige Fort gelangen. Es war also eine verdammt gut gesicherte Festung, mit Mauer, Wassergraben und Geschützen. Der einzige andere Durchgang in der Mauer führte zu dem angrenzenden Dock, wo jetzt die Morrigan lag.


 

Ich beendete meine Beobachtungen und konzentrierte mich wieder auf die beiden Herren vor mir. Wir standen mittlerweile hinter der Villa und schauten hinab zu den Docks. Dort gab es einen Geschützturm, einige Lagerhäuser und noch ein etwas größeres Gebäude, aber für was dieses dienen sollte wusste ich nicht. „Ich habe einen Vorschlag mein Freund“, fing der Templer an und meinte damit definitiv Shay. „Ich organisiere ein Crew für euer Schiff und ihr beide könnt die restlichen Verbrecher vertreiben.“, erklärte er uns sein Vorhaben. „Abgemacht“, sagte Shay zu ihm und beide besiegelten den Deal mit einem Handschlag. „Und wie wollen wir am besten Vorgehen?“, mischte ich mich nun ein. „Eh, dich kenne ich doch. Du bist diese hübsche aber bissige Bedienung aus dem Appel Pie, also bist du eine...“, fing der Templer erneut an aber ich schüttelte nur mit meinem Kopf. Das war eindeutig nicht der richtige Zeitpunkt für so eine Unterhaltung. „Ich helfe lediglich einen guten Freund, mehr nicht und ich bin nicht bissig!“, fauchte ich den Templer an. „Nun wegen mir. Ich wünsche euch viel Glück, Master Cormac.“, meinte der Templer noch und verabschiedete sich von uns. Wir standen jetzt vor der Aufgabe die Morrigan zurückzuerobern.


 

Wir gingen näher zur Mauer und schauten auf das Gelände hinab, als wir einen dieser Verbrecher sahen, wie er sich in einer Nische zwischen den Lagerhäusern versteckte. Unsere Feinde schienen also auf uns zu warten, doch wie sollten wir jetzt am besten vorgehen? Ich drehte mich zu meinem Partner und dieser schien zu überlegen. „Faith“, sprach er mich nach ein paar Minuten des Schweigens an. „Ja, mo chride“ „Kannst du auf den Baum dort vor uns springen.?“, fragte er mich. „Ja“, antwortete ich ihm skeptisch und kletterte auf die Mauer um von dort auf den Baum zu gelangen. Als ich auf dem Baum saß, schaute ich wieder zu meinem Partner, welcher gerade sein Gewehr anlegte. Wollte Shay etwa alle Halunken im Umkreis von hundert Metern anlocken, denn den Knall würden sie bestimmt hören. Doch Shay schoss und es ertönte nur ein ganz leises Pfeifgeräusch, welches sofort unterging als die Knallkörper explodierten. Seit wann konnte man so was mit einem Gewehr verschießen. Da müsste ich wohl bei Shay mal ein wenig nachhaken, was er da genau für eine Waffe hatte.


 

Aber wie auch immer das Gewehr funktionierte, Shay's Plan schien aufzugehen. Der Schurke, welcher sich versteckt hatte, rannte aus seinem Versteck und fing an die Umgebung abzusuchen. Das war meine Chance und so sprang ich vom Baum und erledigte den Kerl mit meiner verstecken Klinge. Wieder einer weniger. Neben mir hörte ich einen dumpfen Aufprall und mein Partner stand direkt neben mir. „Der nächste hat sich da drüben in dem Heukarren versteckt. Den übernehme ich, klettere wieder zurück auf den Baum und warte dort auf mich.“, waren Shay's Anweisungen „Woher weist du das?“, wollte ich von ihm wissen, doch als ich ihn anschaute, wusste ich die Antwort schon. Er sah sie mit Hilfe seines Adlerblickes. Ich drehte mich um und zielte mit dem Seilwerfer auf den Baum und war innerhalb eines Augenblickes wieder oben. So konnte ich jetzt Shay in Aktion beobachten. Er wand genau den selben Trick an, nur dass er sich hinter der Hausecke eines der Lagerhäuser versteckte. Der Attentäter sprang hervor und begann die Gegend abzusuchen. Shay pfiff mehrmals und als der Attentäter um die Hausecke kam, um zu sehen woher das Pfeifgeräusch stammte, griff Shay ihn an und erledigte den Kerl. Das war eindeutig ein klassisches um die Ecke Attentat, wie im Lehrbuch beschrieben ausgeführt, wenn es für unsere Zunft so etwas gäbe.


 

Shay gab mir ein Zeichen und ich sprang auf das nächstgelegene Dach, das rechts von mir war. Kurz darauf standen wir beide auf dem Dach nebeneinander und Shay suchte mit Hilfe des Adlerblickes weiter versteckte Meuchelmörder. „Im Gebüsch unter dem Baum, links von uns und dort hinten auf der Bank, vor dem kleinen Lagerhaus sind die nächsten beiden“, erklärte Shay mir. „Welchen von beiden soll ich mir vornehmen?“, fragte ich. „Suche dir einen aus oder du kappst die Flagge dieser Bande von der Morrigan. Das wäre mir lieber.“, sagte er. Ich schaute hinauf zu der Flagge und dachte an meine Erfahrungen mit Schiffen. Mein Magen, so dachte ich, fing jetzt schon an zu rebellieren. Trotz allen stimmte ich Shay's Vorschlag zu. „Danke.“, murmelte er noch und kurz darauf war er auf einem der Bäume, um sich keine Minute später auf seinen Feind zu stürzten.


 

Ich atmete tief durch und sah aus den Augenwinkeln noch, wie Shay um eine Ecke verschwand. Ich blickte in Richtung des Schiffes und versuchte mir einen Plan zu machen. Die Morrigan war eine zweimastige *Sloop von ungefähr 48 Meter Länge, 49 Meter hoch und 11 Meter breit. Ich sollte jetzt also die fünfzig Meter hochklettern und das auf einem schaukelnden Ding. Da würde ich bestimmt in ein paar Minuten Seekrank werden. Mit meinen leichten Zweifeln im Kopf, sprang ich zum nächsten Baum und setzte über diese Route meinen Weg zum Schiff fort. Mit einem letzten großen Sprung landete ich auf der Brücke des Schiffes und musste mich erst mal an die Bewegung der leichten Wellen gewöhnen. Wie ich Schiffe hasste! Langsam lief ich die Stufen der Brücke hinunter und stand somit auf dem Hauptdeck. Ich rannte auf den Hauptmast zu und kletterte so schnell wie ich konnte daran hoch. Als ich auf den ersten Abschnitt einen Zwischenstopp einlegte, brauchte ich eine kleine Pause um Luft zu holen. Ich konzentrierte mich wieder auf meine Aufgabe und verdrängte so das mulmige Gefühl in meinem Magen.


 

Du schaffst das Faith. Shay glaubt an dich und es ist ja keine so schwere Aufgabe“, machte ich mir Mut und weiter ging es nach oben. Den nächsten Abschnitt erreichte ich schneller und ein Blick nach oben verriet mir wie weit hoch ich noch musste. Es waren vielleicht nur noch zehn Meter. Das würde ich doch wohl hinbekommen und so kletterte ich weiter. Oben angekommen durchtrennte ich die Stricke an denen die Flagge befestigt war. Geschafft! Der Wind trug die Flagge mit dem Assassinensymbol weg und ich begann den Abstieg in Richtung Boden.


 

Nach einer viertel Stunde erreichte ich das Deck der Morrigan. Jetzt so schnell wie möglich runter vom Schiff oder ich würde mit meinem Mageninhalt die Fische füttern. So sprang ich über die Reling auf das Anlegedock und hatte endlich wieder festen Boden unter den Füßen. An Land warteten schon etliche Männer, unter diesen waren auch Shay und der Templer. Der Templer hatte ja richtig schnell eine Mannschaft organisiert. Ich ging zu den beiden „So Aufgabe erledigt“, meldete ich meinen Erfolg. „Danke“, sagte Shay zu mir. „Obwohl es hat ganz schön lange gedauert, Prinzessin.“, gab er mit einem Augenzwinkern noch hinzu. „Nun Master Cormac, eure Freundin sieht leicht blass aus um die Nase. Seid wohl nicht sehr Seetauglich, was?“, setzte der Templer noch einen drauf. Dieser Kerl hatte Nerven. Ich würde ihn beim nächsten Kommentar an die Gurgel gehen, das schwor ich mir gerade. Ich wollte ihm eine gepfefferte Antwort entgegnen, als Shay mich einfach einlud mir die Morrigan zu zeigen. „Das ist sehr nett von dir, mo chride, aber gib mir bitte noch fünf Minuten.“, sagte ich zu ihm. Er grinste mich nur frech an. „Du bist wirklich von den paar Minuten Seekrank geworden. Das Schiff liegt doch nur ruhig im Hafen, Prinzessin. Wie hast du es dann knapp drei Monate auf der Überfahrt ausgehalten?“, wollte Shay von mir Wissen. „Ich hatte einen sehr guten Arzt an Bord“, antwortete ich leicht zickig. „Wie lange hat es gedauert bis du dich an den Seegang gewöhnt hast“, war seine nächste Frage. „Ein drittel der Reisezeit.“, antwortete ich ehrlich auf seine Frage. „Na dann wird es Zeit, das du dich mit den Bewegungen der Morrigan vertraut machst.“ und mit dieser Feststellung schnappte er einfach meinen Arm und führte mich zu seinem Schiff. Was hatte dieser total durchgeknallte Ire jetzt schon wieder mit mir vor?


 

Keine fünf Minuten später folgte ich Shay durch das Zwischendeck und er zeigte mir die Kombüse, diverse Lagerräume, die Mannschaftsquartiere und zum Schluss gab es sogar eine kleine Krankenstadion, mit einer einzelnen Koje und einem Behandlungstisch. Als wir wieder das Deck betraten, führte Shay mich als letztes in sein Reich. Also das war wirklich Luxus, obwohl der vordere Teil mit Kisten und anderem Zeug zugestellt war. Mitten in diesem Chaos stand sogar eine Kanone. Im hinteren Teil war das erste was mir auffiel der riesige Schreibtisch, auf welchem lauter Karten lagen. Das zweite was mir ins Auge stach, war das große Bett rechts vom Schreibtisch. Links von diesem waren Truhen und andere Gegenstände.


 

Wie gefällt dir die Morrigan?“, fragte mich Shay mit einem leuchten in seinen Augen. „Es ist ein Schiff.“, meinte ich nur trocken und mit einem Schlag war er enttäuscht. Sofort taten mir meine Worte leid. „Es tut mir leid Shay. Ich wollte dich oder die Morrigan nicht beleidigen, es ist nur so. Ich werde verdammt schnell Seekrank und bin froh, wenn ich festen Boden unter meinen Füßen habe.“, erklärte ich meine Reaktion. Shay schaute immer noch etwas traurig und seufzte „Na dann hat sich meine Frage an dich schon erledigt.“, gab er zu. Nun hatte er aber meine Neugier geweckt. „Mo chride, was wolltest du mich fragen.“ „Nichts.“, kam es immer noch leicht betrübt von meinem Gegenüber. „Shay, sag schon was los ist“, redete ich jetzt etwas lauter. Doch er rückte nicht mit der Sprache heraus. So schwiegen wir uns an und langsam setzte mir das Geschaukel des Schiffes zu. Ich setzte mich einfach auf die Bettkante von Shay's Bett.


 

Das brachte Shay dazu mich anzusehen. „Faith du bist ganz blass, dir ist bestimmt ganz schön übel, oder?“, fragte er mich besorgt. Ich nickte nur auf seine Frage. „Dann bringe ich dich lieber etwas an die frische Luft“, und schon hatte er mich hochgehoben und trug mich aus seinem Reich. Shay lies mich erst an Land wieder runter. „So jetzt müsste es dir bald besser gehen, Prinzessin“, meinte er und strich mir eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. Ich sah gebannt in seine Augen und Shay blickte mich genauso an. In seinem Blick lag etwas, was ich bei ihm noch nie gesehen hatte. Ich versank förmlich in seinen fast schwarzen Augen und am liebsten hätte ich mich gestreckt und seine verführerischen Lippen geküsst.


 

Wir hörten einen Ruf vom Schiff und Shay brach den Zauber, welcher zwischen uns lag. „Danke Prinzessin, dass du mir Banfhlath ausgeliehen hast, doch ich muss zum Colonel nach Albany“, sagte Shay zu mir und drehte sich zur Morrigan, um an Bord zu gehen. „Shay“, rief ich ihm nochmal zu. Er drehte sich zu mir um. „Ich werde über dein Angebot nachdenken, okay?“, rief ich weiter. „Du weist doch gar nicht, was ich dich fragen wollte“, kam seine Antwort. „Ich kann es mir denken, mo chride. Lass was von dir hören, wenn du wieder in New York bist, ja?“ Er nickte mir nur zu und ging auf die Brücke, ans Steuerruder und gab seiner Mannschaft den Befehl zum auslaufen. Ich beobachtete wie die Morrigan auslief und ging erst zu den Finnegans zurück, als die Sonne schon fast untergegangen war. Ich musste schließlich noch meine Tasche und meine treue Gefährtin abholen.


 

*Sloop war in der britischen Marine im 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung für ein nicht klassifiziertes, also von der Rangeinteilung der Kriegsschiffe nicht erfasstes Marinefahrzeug, das von einem Seeoffizier im Range eines Commanders kommandiert wurde.

Kapitel 22 – nächtlich Beobachtungen


 


 

Mittlerweile war Shay schon einen Monat auf See und ich vermisste ihn sogar ein wenig. Okay ich vermisste diesen verrückten Iren schon ganz schön doll. Um mich irgendwie abzulenken, steigerte ich mich regelrecht in meine Arbeit rein. Aber wirklich viel half es nicht, nachts lag ich lange wach und konnte vom vielen Denken nicht einschlafen. Also begann ich mir wieder meinen alten Rhythmus anzugewöhnen, Abends bis zur Erschöpfung zu trainieren.


 

Es war ein milder Juli Abend, als ich richtig Lust hatte, was auf eigene Faust zu unternehmen. Ich machte mich auf den Weg ins Zentrum von Lower Manhatten, dort hatte ich ein weiteres Bandenquartier ausfindig gemacht. Nach einer viertel Stunde, stand ich auf einem Hausdach und überlegte meine weitere Vorgehensweise. Ich entschied mich für die Taktik vom letzten mal, als ich mit Shay das Bandenquartier in Greenwich von diesen Gaunern befreit hatte. Erst die Schützen dann die Wachen, den Bandenboss und zum Schluss die Flagge kappen. Mit dieser Taktik in Kopf, infiltrierte ich das Versteck dieses Gesindels.


 

Leise schlich ich über die Dächer und näherte mich so langsam den Scharfschützen. Die drei waren relativ schnell erledigt. Anschleichen, zustechen, Tod und weiter ging es. Bei den Wachposten am Boden, musste ich etwas raffinierter vorgehen. Ich versteckte mich hinter einer Ecke und der Wachposten wurde mit einem klassischen um die Ecke Attentat getötet. Leise schlich ich mich weiter voran und nach einer knappen Stunde hatte ich fast alle Wachposten zum Schöpfer geschickt. Fehlte nur dieser angebliche Anführer. Wo zum Teufel versteckte sich der Kerl. Ich kletterte wieder auf eines der Dächer, um so meine Umgebung besser überblicken zu können.


 

Was würde ich jetzt für diesen Adlerblick tun?, fragte ich mich in Gedanken. Ich blickte mich noch einmal um, als ich von unten ein Geräusch hörte. Schnell schaute ich über die Dachkante und sah gerade noch wie sich jemand in einem Heuwagen versteckte. Hatte ich den Bandenboss also gefunden. Flink kletterte ich wieder vom Dach herunter und schlich leise auf den Heuwagen zu. Kurz vor meinem Ziel blieb ich stehen. „Komm raus, ich weiß das du dich im Heu versteckt hast.“, sagte ich etwas lauter. Es klappte, nur einen Augenblick später tauchte eine Frau aus dem Heu auf. „Respekt Templerin, hätte gedacht ich könnte dich schnell und leise um die Ecke bringen. Aber da du mich gefunden hast, läuft es wohl auf einen Kampf hinaus.“, grinste sie mich unheimlich an und stürzte sich auf mich.


 

Ich konnte ihren Angriff gerade noch mit meinen versteckten Klingen blocken. Meine Gegnerin blickte mich perplex an und ich nutzte die Gelegenheit um mich mit einer Rolle aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Schnell zog ich mein Schwert. Jetzt konnte der Tanz beginnen. Die Assassine griff mich jetzt viel stärker an und ich versuchte ihr auszuweichen, um sie mit einem Angriff zu attackieren. Doch dieser verlief ins leere und sie erwischte mich leicht am Unterarm. Ich fluchte kurz auf gälisch und schaffte es mit einer Drehung aus ihrer Reichweite zu kommen. „Denkst du immer noch das du eine Chance hast, Templerin?“, fragte sie mich arrogant. Na ja aufgeben würde ich auf keinen Fall, das würde meinen sicheren Tod bedeuten.


 

Wir kämpften weiter und nach einer Weile hörte ich in der ferne schwere Stiefeltritte. Schien fast so als ob ein Trupp Soldaten unterwegs wäre. Da kam mir eine Idee. Ich blockte ihren Angriff und schmiss eine Rauchbombe in ihre Richtung, nur um schnell das weite zu suchen. Mein Plan schien zu funktionieren, die Assassine folgte mir brav. Ich bog in eine kleine Gasse und das klirren der Waffen von den Soldaten wurde immer lauter. Ich rannte aus der Gasse und lief direkt in einen der englischen Soldaten rein. Das Chaos welches ausbrach war groß, zu meinem Glück richtete sich die Aufmerksamkeit der Soldaten auf meine Verfolgerin. Kurze Zeit später sank die Assassine zusammen und die Soldaten wendeten sich mir zu. „Entschuldigung die Herren, ich war gerade auf den Weg zu Colonel Monro als diese Dame mich Angriff. Sie waren wirklich meine Rettung.“, versuchte ich mich raus zureden.


 

Die Soldaten glaubten mir sogar diese kleine Lüge und als ich schon wieder verschwinden wollte, hielt mich einer von ihnen auf. „Sind sie eine gewisse Miss McGregor?“, fragte mich ein junger Kerl. „Äh ja“, antwortete ich ihm. „Ich habe einen Brief für Euch. Ich hatte in Eurer Bleibe nachgefragt, doch dort wart ihr aber nicht. Das soll ich Euch auch noch geben.“, meinte er und gab mir einen kleinen Beutel voll Münzen. Nun gut das konnte ich immer gebrauchen. Ich verabschiedete mich höflich von dem Mann und ging wieder in Richtung „Fort“. Ich kappte die Bandenflagge und so wussten die Bürger nun, dass ihnen keine Gefahr mehr drohte. Lower Manhatten war somit befreit und es würde bald wieder alles seinen alten Gang gehen.


 

Als ich mitten in der Nacht im Appel Pie zurück war, stand in der Küche sogar noch das Abendessen auf dem Tisch. Das zauberte mir ein lächeln ins Gesicht. Ich nahm mir einen Teller und einen Löffel und fing an mir Kartoffeln, Kohlgemüse, Fleisch und etwas Soße auf den Teller zu tun. Während ich aß las ich mir den Brief vom Colonel durch. Er hatte Gerüchte über eine neue Waffe der Assassinen gehört. Jetzt bat er mich einige Informationen zu beschaffen. Das würde ich hinkriegen und mit dem weiteren Geld, könnte ich meine Medizinvorräte auffüllen. Nach dem Essen räumte ich den Tisch ab und verkrümelte mich in mein Zimmer, ich war total erschöpft und wollte nur noch schlafen.


 

Der nächste Morgen kam wie immer viel zu früh, so dass ich mich aus meinem Bett quälen musste. Ich streckte mich ausgiebig und stand in aller Ruhe auf. Meinen Tagesablauf hatte ich eh schon geplant. Ich ging gemütlich zum Frühstück, danach wollte ich ein paar Besorgungen in der Stadt machen. Ich lief als erstes nach East Village, dort gab es eine sehr gut sortierte Apotheke, welche ich gern in Anspruch nahm. Als ich nach einer geschlagenen Stunde das Geschäft verließ, führte mich mein nächster Weg zu einem Schneider. Ich wollte nach einer kleinen Ewigkeit endlich mein Kleid reparieren lassen und so lief ich wieder zum Zentrum der Stadt.


 

Ich öffnete die Tür der Schneiderei und eine Glocke, an der Tür, kündigte meinen Besuch an. „Ich bin gleich bei Ihnen. Einen Moment Geduld bitte.“, hörte ich eine weibliche Stimme aus dem hinteren Teil des Ladens rufen. Ich schaute mich ein wenig in dem Geschäft um, alles war ordentlich sortiert, schön nach Hosen, Westen, Kleider und Mäntel. Ich lies meinen Blick schweifen und als mich jemand ansprach, schreckte ich aus meinen Gedanken. „Was haben sie gesagt?“, fragte ich nochmals nach. Die junge Frau lächelte mich an „Was wünschen Sie?“, fragte sie mich höflich. Ich schaute zu ihr und versuchte sie einzuschätzen. Die junge Frau war so in meinem alter, vielleicht auch zwei, drei Jahre jünger. Sie hatte braune, lange Haare und braune Augen, eine gerade Nase und einen schönen geschwungen Mund. Sie war schlank und zierlich, doch auch ein paar Zentimeter größer als ich.


 

Ich habe hier ein Kleid, wenn man es noch so nennen kann. Das bräuchte bestimmt mal eine Rundumerneuerung“, erklärte ich ihr. Ich legte das Kleidungsstück auf den Ladentisch und das Mädchen schaute ein wenig geschockt. „Wer hat das schöne Kleid so zugerichtet?“, platzte es aus ihr heraus. „Ähm, das war ich. Brauchte ein wenig mehr Beinfreiheit.“, nuschelte ich verlegen. „Okay. Wie wäre es wenn wir kurz ins Hinterzimmer gehen und sie es anziehen, so kann ich besser sehen ob noch was zu retten ist.“, schlug sie mir vor. So gingen wir zusammen in den hinteren Teil des Ladens und ich begann meinen Ornat langsam auszuziehen, dann schlüpfte ich in mein Kleid. Die junge Frau kniete sich hin und untersuchte den Rand des Saumes. „Mit was haben sie das Kleid gekürzt?“ „Einem preußischen Jagdschwert.“, antwortete ich knapp. Sie schaute verdutzt auf und fing an zu lachen. „Was ist daran so witzig?“, fragte ich sie, als sie sich wieder beruhigt hatte. „Nun ich habe nicht viele Kundinnen wie sie. Ehrlich Sie sind die erste die so witzig ist. Die meisten Kunden sind arrogant oder einfach nur schweigsam, aber ist jetzt auch egal. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Ellen.“, antwortete sie mir. Ich grinste sie an „Ich bin Faith. Ist das Kleid jetzt ein Totalschaden oder geht’s noch?“, fragte ich Ellen. „Noch nicht ganz, aber es braucht eine Generalüberholung, das dauert mindestens eine Woche.“, erklärte sie.


 

Oh das ist okay, kann ich das Kleid wieder ausziehen?“ Ellen nickte mir zu und ich schaute, mit einem letzten Blick, in den Spiegel. Das Kleid sah wirklich aus wie von einer Dirne, wenn ich mich auch nur ein bisschen bewegte, hatte man einen guten Blick in meinen Ausschnitt. Mit einem Schlag wurde ich rot wie einen Tomate und Ellen fragte mich was los sei. „Nichts besonderes. Mir ist nur grade wieder was eingefallen“, antwortete ich ihr. Ich zog das Kleid aus und schlüpfte wieder in den Ornat. Das war viel besser. Ich übergab das sündige Kleid an Ellen und sie musterte meine Kleidung genauer. „Das Ding was du da an hast Faith, sieht ungewöhnlich aus. Aber der Stoff ist schon an manchen Stellen etwas dünn.“ „Nun, du könntest so etwas nicht zufällig nähen, ich meine einen komplett neuen?“, fragte ich mit leichter Hoffnung in der Stimme. „Nun ich habe so ein Kleidungsstück zwar noch nie probiert, aber ich kann es ja mal versuchen wenn du willst.“ „Das wäre großartig Ellen. Ich bringe dir ein Muster mit, wenn das Kleid fertig ist.“ Ellen nickte und ich gab ihr meine Adresse, damit sie mir Bescheid sagen konnte, wenn das Kleid fertig ist. Zum Schluss legte ich noch zwanzig Pfund auf die Ladentheke und verabschiedete mich von Ellen.


 

Mein letzter Anlaufpunkt heute war noch der Markt in Greenwich, dort wollte ich etwas frisches Gemüse, Fisch und Brot holen. Ich hatte nach einer Ewigkeit mal wieder Lust etwas zu kochen. So ging der Nachmittag ebenfalls recht zügig vorbei und am Abend war es dann Zeit, wieder die Stadt unsicher zu machen. Mein Weg führte mich in Richtung Stuyresant's Farm, welches östlich von Greenwich lag, dort gab es noch etliche Ganoven und so hoffte ich ein paar Informationen zu ergattern. Dieses mal musste ich verdammt lange suchen, bis ich einen von den Halunken fand. Zu meinem Glück waren es gleich zwei und die beiden unterhielten sich angeregt. So setzte ich mich einfach über sie, auf ein Dach und lauschte. „Wenn ich es dir doch sage, die Miss hat eine neue Waffe erfunden. Führt irgend so einen Wissenschaftler an der Nase rum, damit er ihr hilft. Das ist alles für Ihren großen Plan gedacht, genauso wie sie in der Brauerei...“ „Psst, da kommt wer Charlie. Los wir verschwinden von hier“, unterbrach ihn sein Kollege.


 

Schade, aber immerhin wusste ich das die „Miss“ was plante. Diese Beiden erwähnten doch eine Brauerei, soweit ich wusste gab es so eine am Hafen. Das sollte ich mir doch mal aus der Nähe ansehen. Also begab ich mich über die „hohe Straße“ weiter in Richtung Osten und nach ein paar Minuten erblickte ich den Gebäudekomplex. Leise schlich ich mich auf eines der Dächer und spähte um einen Schornstein. Ich zählte mindestens vier Wachen auf den umliegenden Dächern. Das konnte heikel werden, aber aufgeben stand für mich nicht zur Debatte. Ein Glück war heute Nacht wenigstens Neumond, sonst hätten mich die Wachen bestimmt schon längst entdeckt. Langsam schlich ich um die Wachen herum, meine Aufgabe war Informationen zu beschaffen und niemanden töten, wenn es sich vermeiden lies. Vorsichtig näherte ich mich dem Innenhof, von einem kleinen Vorsprung sprang ich in ein Gebüsch und versteckte mich.

Kapitel 23 – Was habe ich dir nur getan


 

Die Wache führte mich über den Innenhof des Geländes und ich schaute mich unauffällig um, vielleicht fand ich ja einen Fluchtweg. Der Weg hinter mir war durch einen kleines Gebäude versperrt, davor waren die Sträucher, in denen mich die Wache aufgegriffen hatte. Zu meiner Linken ragte ein Großes Gebäude empor, rechts von mir war eine zwei Meter hohe Mauer, dahinter lag die Straße. Ich wurde weiter geführt und einige der Wachen warfen mir lüsterne Blicke zu. Ich ignorierte die Blicke und schaute auf den Weg vor mir. Langsam näherten wir uns dem größten Haus des Brauereigeländes. Die Wache blieb vor der Tür des Hauses stehen und klopfte dagegen. Ein Mann öffnete die Tür und mein Begleiter deutete auf mich. „Bring die kleine zum Boss, ich muss wieder auf meinen Posten“, sagte der Mann und schubste mich zu seinem Kollegen. Dieser drehte mir meinen Arm auf den Rücken und schob mich in das Gebäude.


 

Es ging durch einen kleinen Flur zu einer Tür, welche schon etwas morsch aussah. Dahinter lag eine steile Treppe. Sobald man auf die Stufen trat, knarrte das alte Holz unter meinem Gewicht und ich war froh die obere Etage heil erreicht zu haben. Ich wurde weiter durch einen langen, schmalen Korridor geführt und musste mich mittlerweile an der Ostseite des Komplexes befinden, wenn meine Vermutungen richtig waren. Wir liefen weiter durch den Korridor und am ende des Ganges erreichten wir eine Tür. Diese öffnete mein Begleiter und wir gelangten so in eine große Halle, in der mehrere Leute um einen großen Tisch in der Mitte standen. Ich schaute mich unauffällig um. Der Raum war riesig, unter dem Dach erkannte ich große Balken. Meine Beobachtungen wanden sich den Menschen im Raum zu. Zwei Wachen standen an der Tür, durch welche wir gerade kamen, zwei waren vermutlich an der Tür auf der anderen Seite der Halle, doch das konnte ich schlecht erkennen, weil die Fackeln den großen Raum nicht gänzlich erleuchteten und drei weitere Leute standen in der nähe des Tisches. Dazu noch mein Begleiter und die zwei direkt am Tisch, damit wären es zehn Leute gegen die ich im Notfall kämpfen müsste. Ich war so was von erledigt!


 

Meine Begleitung führte mich zum Tisch und die Personen die ich dort sah überraschten mich mit ihrer Anwesenheit. „Miss“, sprach mein Begleiter seinen Boss an und da wurde mir klar, das Hope der Anführer der Banden in New York war. Die „Miss“ drehte sich zu uns um und grinste mich überheblich an. Die andere Person neben ihr schaute leicht geschockt. Ja ich hatte den guten Liam wohl nicht ganz die Wahrheit gesagt. Aber was machte er noch hier in New York? Ich schob meine Überlegung über Liam beiseite und konzentrierte mich auf den Boss der Bande.


 

Diese Frau schlich im Innenhof umher. Sieht nach einem Spion des Feindes aus. Dachte Sie wollten sich bestimmt persönlich drum kümmern, Miss.“, erklärte die Wache meinen Besuch bei den Assassinen. „Was für eine Überraschung, bist du jetzt soweit gesunken, dass du für die Templer spionierst?“, fragte sie mich in ihrem überheblichen Ton. „Die zahlen einfach besser“, erwiderte ich ihr und schaute sie grimmig an. Liam versuchte ich so gut es ging zu ignorieren, aber es gelang mir nicht wirklich. „Eine Templerhure! Passt zu dir Faith, ich wusste das du eines Tages aufsteigen würdest.“, sagte sie grinsend und drehte sich dann theatralisch zu Liam um.


 

Mein Blick suchte derweil den von Liam, vielleicht würde er mir ein wenig helfen. Doch seine Augen schauten mich kalt an und so war ich wohl auf mich allein gestellt. „Liam.“, begann Hope erneut zu reden. „Hast du mir nicht gesagt dieses Etwas wäre harmlos? Und jetzt ist sie hier. Du hast mich angelogen, bin ich dir denn gar nichts mehr wert?“, fragte sie Liam hochnäsig. Hatte Hope mich gerade als Etwas bezeichnet. Das war doch wohl die Höhe. Am liebsten hätte ich diesem Miststück die Augen ausgekratzt, doch ich verschob meine Gedanken und versuchte Liam vor Hope's Schimpftirade zu bewahren. Warum ich das tat, wusste ich auch nicht so recht. „Liam trifft keine Schuld, Hope. Lass deine schlechte Laune nicht an anderen aus. Kann doch keiner was dafür, dass du deine Tage hast.“, antwortete ich bissig. „Es ist wirklich nett das du dich anbietest, ich werde doch glatt auf dein Angebot eingehen, kleine Templerhure.“, kam prompt ihre Antwort. „Und da du ja eine kleine Schlampe bist, Faith, welcher meiner Jungs soll dich zuerst besteigen? Vielleicht zahlen sie dir ja auch ein bisschen was, damit du endlich verschwinden kannst.“, keifte sie weiter und lief dabei um mich herum. „Was meinst du Liam? Oh warte du willst bestimmt als erstes. Wegen mir kannst du ruhig mal ran, ich würde es dir verzeihen. Du bist ja auch nur ein Mann und dieses Etwas hat doch einen ganz ansehnlichen Körper. Aber wenn du das da nimmst, lass mich wenigstens zusehen, ja?“ Liam schwieg weiter und so langsam war ich wohl doch in ernsten Schwierigkeiten.


 

Na ja auch egal, mir ist gerade noch was besseres für dieses Ding eingefallen.“, führte sie ihren kleinen Monolog fort. Hope schien sich wirklich gern reden zu hören. „Du kleine Templerin, wirst mein neues Versuchsobjekt. Oder hast du eine bessere Idee, Liam?“, wollte sie jetzt seine Meinung hören. „Hope, lass sie gehen, Faith will doch nur zurück nach London, mehr nicht.“, versuchte er Hope zu überzeugen. „Pah! Das glaubst du vielleicht, ich denke aber sie ist der neue Hund von Kenway. Gerüchte sagen es wäre ein ehemaliger Assassine und das kann ja dann nur sie sein, sonst kommt keiner weiter in Frage.“, ignorierte sie Liam`s Antwort. Der Assassine schaute mich kurz an und in seinem Blick lag eine stumme Entschuldigung. „Mach was du willst, Hope. Du änderst deine Meinung sowieso nicht, nur erspare mir später bitte die Details“, damit drehte sich Liam um und verließ die Halle. Das war alles was er gegen sie versucht hatte? Ich starrte geschockt Liam hinter her. Schien die ganze Bruderschaft der Assassinen nach ihrer Pfeife zu tanzen? Wie konnten die Kerle nur vor so einem Miststück kuschen? „Halt die Dirne fest!“, befahl Hope meinen Begleiter, welcher noch hinter mir stand.


 

Er legte seine Hände auf meine Oberarme, doch wenn er dachte ich würde kampflos aufgeben irrte er sich. Ich schlug ihn mit meinem Hinterkopf auf seine Nase, er lies mich sofort los und ich rannte in die Richtung, in welche Liam verschwunden war. Leider kam ich nur ein paar Meter, dann war ich von den restlichen Wachen umstellt. „Haltet die Schlampe fest, ich will ein Versuchstier, oder ihr seid dran“, schrie Hope ihre Männer an. Der erste von den Kerlen versuchte mich zu fassen, aber ich rammte ihn meine Versteckte Klinge in den Arm. Hätten diese Kerle mir mal lieber meine Waffen abgenommen. Mein Gegner hielt sich seinen Arm und zog sich ein Stück zurück, doch seine Kollegen lauerten schon auf ihre Chance. Sie griffen mich jetzt von vorne und von hinten an. Ich wehrte den Gegner vor mir ab und duckte mich unter dem Schlag des anderen weg, doch ein dritter bekam meinen Arm zu fassen und drehte ihn mir schmerzhaft auf den Rücken, so dass ich auf die Knie ging. Zu meinem Pech drückte er sein Knie in meinen Rücken, um mich so auf den Boden der Halle zu drücken.


 

Halte sie fest, ich will diese neue Flüssigkeit probieren.“, sagte Hope ganz ruhig und als ich den Blick hob, sah ich eine dunkle Flasche in ihren Händen. Was war das für ein Zeug?, fragte ich mich. Hope öffnete die Flasche und einer ihrer Helfer öffnete mir grob meinen Mund. „Mal schauen was passiert wenn du was davon trinkst, Templerhure.“, sagte sie trocken und flößte mir eine paar Schlucke ein. Sofort brannte meine Kehle und mein Magen fing an zu rebellieren. Ich drehte meine Kopf zur Seite und erbrach mich. „Na na Faith. Das ist aber nicht nett. Da gebe ich dir was zu trinken und so dankst du mir? Los öffnet ihren Mund.“, gab sie einen weiteren Befehl. Wieder musste ich dieses widerliche Zeug schlucken und keine Minute später übergab ich mich erneut. „Wenn du es nicht trinken willst, wie wäre es mit einatmen?“, meinte Hope und tat so als würden wir über das Wetter reden. Sie drückte mir ein Tuch vor die Nase und der Geruch der Flüssigkeit war stechend und sehr unangenehm. Kaum das ich ein paar Atemzüge genommen hatte, merkte ich wie mir die Sinne schwanden und dann war alles schwarz.


 

Als ich wieder aufwachte war mir schlecht und mein Körper zitterte unkontrolliert. Was hatte diese Pute mir nur eingeflößt. Ich versuchte mich langsam aufzurichten und plötzlich stand ein Mann vor mir. Ich erschreckte mich und krabbelte auf allen vieren von dem Mann weg. Ich stieß mit meinem Rücken an die Wand und schaute wieder zu dem Mann. Doch er war weg und jetzt lag nur ein lebloser Klumpen an der Stelle. Ich schaute fasziniert auf den Körper und freute mich über die Wolken, welche am Boden entlangzogen. Ich atmete die Wolken ein und begann augenblicklich zu Husten. Der Klumpen verschwand und mein Gehirn nahm anscheinend langsam wieder seine Arbeit auf. Was war nur mit mir los? Ich hörte von draußen Stimmen und sie schienen hektisch. Ich blendete die Stimmen erst mal aus und versuchte aufzustehen, denn die Wolken waren nur am Boden. Ich hielt mich an der Wand fest und überlegte wie ich am besten hier rauskam. Der Nebel stieg immer mehr an und ich brauchte was, um nicht soviel von dem Zeug einzuatmen. Ich kramte in meinen Taschen und zog ein Tuch hervor. Das gehörte doch eigentlich Shay. Ich hatte glatt vergessen es ihm zurückzugeben. Schnell band ich das Tuch um meine Nase und den Mund. So jetzt konnte ich wenigstens halbwegs atmen. Ich blickte mich in der Halle um und entdeckte ein Fenster an der östlichen Seite des Gebäudes. Zum Glück hatte mir Hope meine Waffen gelassen und so zielte ich mit meinem Seilwerfer auf einen der Balken über mir.


 

Oben angekommen sah ich wie das Gas sich nur am Boden ausbreitete. Was auch immer Hope hergestellt hatte, es war bestimmt nicht gut für meine Gesundheit und ich sollte schleunigst hier raus. Ich balancierte auf dem Balken bis zur Mitte der Halle, von dort führte ein anderer Balken direkt zum Fenster. Als ich vor diesem stand wollte ich es öffnen, doch es schien irgendwie verklemmt und lies sich nicht öffnen. Mit meiner versteckten Klinge versuchte ich das Fenster aufzubrechen, auch das gelang mir nicht. Na super heute war echt ein Glückstag für mich. Was sollte ich jetzt bitteschön tun, konnte ja schlecht durchs Fenster springen.


 

Los, wir sind hier fertig. Fackelt alles ab. Ich will keine Beweise, fehlt noch das die Rotröcke hier herumschnüffeln!“, hörte ich von draußen Hope's Befehle. Jetzt wurde es wirklich brenzlig für mich. Ich entschied mich für den direkten Weg nach draußen und nahm Anlauf, um durch das geschlossene Fenster zu springen. Keinen Augenblick zu früh, die Halle fing mit einem Schlag Feuer. Meine Landung war sogar recht sanft, ich landete nach geschätzten fünfzehn Metern im Wasser. Da war ich wohl im Hafenbecken gelandet. Ich schwamm in Richtung Dock, um mich an Land zu ziehen. Von meinem neuen Platz aus, sah ich das Spektakel, welches Hope wegen mir veranstaltete. Die ehemalige Brauerei brannte lichterloh. Ich nahm das Tuch ab und atmete richtig tief durch, auch wenn es widerlich nach Fisch stank. Diese Aktion wäre beinah schief gegangen und so machte ich mich auf den Weg nach Hause.


 

Im Morgengrauen erreichte ich endlich das Appel Pie. Ich musste auf der Strecke verdammt oft eine Pause machen, weil mir schlecht und schwindlig war. Dazu kam noch, das ich einige Probleme beim atmen hatte. Zu meinem Pech, wusste ich nicht was Hope für ein Gas hergestellt hatte und so musste ich später etwas experimentieren, um ein Gegengift zu finden. Ich lehnte mich erschöpft gegen das Tor, als Margery aus der Hintertür kam, um das liebe Vieh zu versorgen. Sie erblickte mich und lief auf mich zu. Ihrem besorgten Blick nach, musste ich grauenhaft aussehen. „Faith, mein Liebe. Was ist mit dir los? Du bist ganz blass.“, fragte sie mich besorgt, doch das bekam ich nur am Rande mit, meine Beine versagten und um mich herum wurde alles dunkel.


 

Nach einer Weile erwachte ich in meinem Bett. Im Zimmer schien anscheinend gerade die Abendsonne herein, also musste ich den ganzen Tag im Bett verbracht haben. Die Tür öffnete sich vorsichtig und Margery kam leise ins Zimmer. „Faith, was für ein Glück. Du bist endlich wieder unter den lebenden. Du warst ganze zwei Tage wie Tod. Wir wollten schon einen Priester holen. Aber jetzt scheinst du auf dem Weg der Besserung zu sein. Du musst hungrig sein, a leannan. Ich hole dir etwas Suppe.“, redete sie munter drauf los und huschte wieder aus meinem Zimmer. Hatte sie mich gerade a leannan genannt, da musste sie wirklich um mich besorgt sein.


 

Ich lehnte mich zurück ins Kissen und dachte nach. Ich war ganze zwei Tage weggetreten und das alles wegen diesem giftigen Gas. Plötzlich krampfte sich mein Brustkorb zusammen und ein Hustenkrampf überkam mich. Das jetzt nicht auch noch, dachte ich mir. Nach zwei Minuten war ich vom Husten erschöpft. Dagegen musste ich unbedingt was tun. Langsam stand ich auf und erkannte das ich mein Nachthemd trug. Gut musste ich mir jetzt nichts anderes anziehen. Als ich mein Gleichgewicht einigermaßen im Griff hatte, ging ich langsam zur Zimmertür und die Treppe hinab zu meinem Arbeitszimmer. Ich stützte mich auf die Kommode und öffnete eine der Schubladen. Ich holte Brennnessel, Salbei, Majoran und Bärlapp hervor, um aus den Kräutern einen Tee zu machen. Ob er helfen würde, wusste ich nicht. Der Husten war nicht von einer Erkältung, doch probieren konnte ich es.


 

Faith was machst du hier unten? Du gehörst ins Bett.“, fragte mich Margery. „Ich will einen Tee gegen Husten machen.“, antwortete ich ihr auf die Frage. Dabei musste ich mich auf den Stuhl setzten, da meine Kraft wieder nachließ. „Warte ich helfe dir, a leannan. Was soll ich machen?“, fragte sie mich besorgt. Unter meinen Anweisungen bereitete Margery den Tee und noch ein paar warme Umschläge für meine Brust. Ich hoffte mit diesen Methoden schnell wieder auf den Beinen zu sein.


 

Trotz Tee und Umschlägen, dauerte es eine Woche, bis ich mich halbwegs erholt hatte. Nur dieser verfluchte Husten war hartnäckiger und so traute ich mich erst nach zwei Wochen wieder auf die Straße. Mein erster Weg führte mich in das neue Fort der Templer, nach Greenwich. Die Soldaten musterten mich zwar skeptisch, ließen mich aber durch, um den Colonel Bericht zu erstatten. Vor der Tür des Colonel blieb ich stehen und klopfte an. Ich wollte wenigstens ein bisschen höflich sein. „Herein“, wurde mir zugerufen und ich betrat den Raum. Der Colonel saß an seinem Schreibtisch und blickte überrascht auf mich. Ja mit mir hatte er eindeutig nicht gerechnet. „Oh, Miss McGregor. Bitte setzt euch doch. Ihr seht ganz blass aus.“, bot er mir sogleich einen Stuhl an. Ich dankte ihm für dieses Angebot und setzte mich.


 

Nun Colonel Monro, ich bin euren Vermutungen nachgegangen und eure Informationen waren richtig. Diese Schufte planen die Herstellung einer Waffe, damit sie die Obrigkeit bedrohen können. Doch bei dieser Art von Waffe, werden auch unschuldige Menschen betroffen sein. Es ist ein Gas und durch seine Zusammensetzung äußerst instabil.“, erklärte ich meine Erfahrungen. „Wie habt ihr das so schnell herausgefunden. Meine Leute haben sich Wochenlang in New York umgehört und kaum was rausbekommen.“, fragte er mich. „Ihr habt nicht zufällig etwas zu trinken, Colonel. Diese Geschichte dauert etwas länger und mein Hals ist schon ganz rau.“, antwortete ich ihm. Der Colonel läutete eine kleine Glocke und ein junger Soldat betrat den Raum. „Bringt uns bitte etwas Tee“, sagte er in strengen Ton.


 

Keine fünf Minuten später stand eine Tasse Tee vor mir und ich genoss das Aroma, welches der Tee verströmte. Ich begann den Colonel mein kleines Abenteuer zu schildern und er hörte mir aufmerksam zu. Als meine Ausführungen beendet waren, schaute mich mein Gegenüber leicht schuldig an. Hatte er etwa Schuldgefühle wegen mir, weil er mich dorthin geschickt hatte. Das konnte nicht sein. Der Mann vor mir war ein Templer. Ich half ihnen, weil sie mich bezahlten und ich das Geld brauchte. „Ihr hättet euch nicht so in Gefahr begeben dürfen, Faith. Ich hoffe das nächste Mal sagt ihr wenigstens Bescheid, wo ihr euch rumtreibt.“, sagte der Colonel mit besorgter Stimme. „Ich werde über euren Vorschlag nachdenken, trotzdem habe ich eine Bitte an euch.“ „Was für eine?“ „Sagt Shay nichts über unsere Zusammenarbeit, das will ich zu gegebener Zeit selbst tun.“, äußerte ich meine Bitte. Der Colonel versprach meine Bitte zu erfüllen und dann verließ ich in seiner Begleitung das Fort. Der Gute hatte wohl Angst, dass ich umfallen würde. Am Tor winkte er eine Wache herbei und gab dem Soldaten den Befehl mich nach Hause zu bringen. Ich dankte dem Colonel und verabschiedete mich bei ihm. Eine gute halbe Stunde später war ich heil und sicher am Appel Pie angekommen, der Soldat salutierte zum Abschied vor mir, dann bog er um die nächste Ecke und war verschwunden.

Kapitel 24 – Du weist das ich Seekrank werde?


 

Seit meinem Gespräch mit dem Colonel waren weitere zwei Wochen vergangen. Mittlerweile hatten wir Mitte August und das Wetter war unerträglich. Die Sonne schien seit Wochen erbarmungslos auf die Erde und die Wasservorräte gingen bei einigen Menschen langsam zur Neige. Viele Menschen wünschten sich eine Abkühlung in Form von Regen. Dies wäre auch für viele Gemüter gut. Einige Menschen musste man nur komisch ansehen und sie rasteten aus. Mir ging es da nicht besser, nur dass ich meine Laune nicht an den Menschen in meiner Umgebung ausließ. Um meine schlecht Laune abzubauen, trainierte ich Abends eine Stunde im Garten der Grants, mit einem Birnenbaum als Übungspartner. Wenn ich nicht gerade unterwegs war, versuchte ich mich im Haus aufzuhalten. Ja ich mochte lieber Schnee und Kälte als Wärme. Aber alles jammern half nichts, ich hatte Pflichten und vor diesen wollte ich mich nicht drücken. Ich half den Kranken wo ich nur konnte und hoffte damit die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.


 

Wenn meine Lehrerin mich jetzt sehen würde, hätte sie mich nicht wiedererkannt. Als erstes war meine sonst so blasse Haut, jetzt in einem gesunden Braunton. Lady Melanie würde mich in ein riesiges Fass mit Puder stecken, um mich wieder vorzeigbar zu machen. Aber die Gute war zu meinem Glück ganz weit weg in London. Ich wunderte mich selbst über meine Gedanken und beeilte mich schnell nach Hause zu kommen, es wurde langsam Abend und ich hatte keine Lust mich von irgendwelchen Kerlen anmachen zu lassen.


 

Als ich durch die Hintertür in die Küche des Appel Pie trat, war ich ganz schön schwer bepackt. Meine Patienten hatten es trotz der Hitze gut mit mir gemeint und so hatte ich ein kleines Käserad, einen Korb mit Kartoffeln, Brot und Speck im meinen Armen. Mit den Ellenbogen öffnete ich die Tür und versuchte alles irgendwie heil zum Küchentisch zu bekommen. Doch wie es meistens im Leben kam, sollte ich für meine Faulheit bestraft werden, der Käse befreite sich aus meinem Griff und fiel in Richtung Boden. Ich wartete mit zugekniffenen Augen auf den Aufschlag, aber das Geräusch blieb aus. Mir wurde noch das Brot und der Speck abgenommen und ich öffnete wieder meine Augen. Ich schaute hoch und sah in das Gesicht von Shay.


 

Du bist wieder da“, meinte ich glücklich. „Schön das es dir gut geht, Prinzessin. Wie ich sehe bin ich gerade im passenden Moment aufgetaucht.“, begrüßte mich Shay mit einem Grinsen. Wir stellten die Lebensmittel auf den Tisch ab und ich drehte mich zu ihm. „Wie war deine Reise?“, fragte ich Shay. Doch statt einer Antwort, wurde ich von ihm umarmt. Mit so einer Begrüßung hatte ich nicht gerechnet. „Ich bin froh wieder bei dir zu sein, Prinzessin“, murmelte Shay leise. Ich umarmte Shay nach diesen Worten noch fester und genoss diese Zweisamkeit zwischen uns. Hier in seinen Armen, fühlte ich mich beschützt und geborgen. So als ob mir niemand Leid zufügen konnte. Es fühlte sich richtig an.


 

Wir hätten bestimmt noch eine kleine Ewigkeit so dagestanden, wenn nicht der gleiche Störenfried wie beim letzten Mal dazwischen kam, Christopher Gist. Der schon wieder, dachte ich mir. „Eigentlich wollte ich Euch nicht stören Captain, aber ich muss doch wissen was ihr trinken möchtet?“, fragte Gist seinen Captain. Shay atmete hörbar aus und löste sich von mir. „Ihr stört aber, Gist. Ein Ale und ein Glas Wein für meine Begleitung“, sagte er kalt zu seinem ersten Maat. „Wie Ihr wünscht, Master Cormac“, antwortete Gist und verschwand wieder in Richtung Schankraum.


 

Du wolltest doch Wein, oder?“, fragte Shay sicherheitshalber nach. „Wenn du mich einlädst gerne.“, bekam er als Antwort von mir. „Aber vorher, mo chride, woher wusstest du das ich hier bin?“, fragte ich ihn. „Hatte so ein Gefühl Prinzessin. Hast du über meinen Vorschlag nachgedacht?“, kam Shay auf das Thema vor seiner Abreise zurück. „Du hast mir doch deine Bitte verschwiegen, schon vergessen? Aber wie wäre es wenn wir dieses Thema bei einem Getränk besprechen, Captain?“, antwortete ich ihm. Shay schaute mich an, dann zogen sich seine Mundwinkel nach oben und er lächelte mich an „Wie Sie wünschen, Prinzessin.“, antwortete er mir und zusammen gingen wir in den Schankraum des Appel Pie.


 

Als wir den Schankraum betraten, schaute ich als erstes ob Caroline nicht doch meine Hilfe brauchte. Sie war seit einer Woche bei uns und kam ursprünglich aus New Orleans. Der Krieg hatte sie nach New York geführt, hier erhoffte sie sich ein besseres Leben und war damit, genauso wie ich vor drei Monaten in Not. Die Grants hatten ihr eine Arbeit und Unterkunft gegeben. Somit konnte Caro jetzt nach vorn schauen. „Du hast jetzt wohl Unterstützung bekommen“, fragte mich Shay und bahnte sich einen Weg durch die Menge. Mein ehemaliger Assassinenpartner steuerte einen Tisch an der anderen Seite des Raumes an. Von dort konnte man das ganze Lokal perfekt überblicken und war somit immer bestens informiert, wer in die Taverne reinkam oder sie verließ. Ein wirklich sehr gut gewählter Platz, rein Taktisch gesehen natürlich.


 

Als wir beide am Tisch ankamen, saß dort schon dieser Templer Gist und der Colonel? War das hier etwa ein kleines Templer treffen oder was? Ich wollte schon umdrehen, doch Shay schob mich einfach zu einem der Stühle und ich nahm Platz. Das konnte ja heiter werden, dachte ich. „Hier bitteschön die Herren. Ihre Bestellung“, flötete Caro fröhlich und zwinkerte dabei Shay zu. Caro verteilte das Ale, den Whiskey und zum Schluss stellte sie eine ganze Flasche Wein mit extra Becher vor mich. Ich schaute sie an, doch Caro hatte nur Augen für Shay. Dieser schien sie aber nicht weiter zu beachten und grinste mich dafür an. An was dachte dieser verrückte Ire schon wieder?


 

Shay beugte sich ein Stück zu mir „Aber nicht das ich dich wieder in dein Zimmer tragen muss.“, meinte er grinsend und wand seine Aufmerksamkeit dem Gespräch zwischen den beiden Templern zu. Ich merkte wie ich leicht rot wurde und versteckte mich hinter meinem Becher. Nach einer Minute hatte ich mich wieder im Griff und fing an die Besucher des Appel Pie zu beobachten. Früher waren hier immer diese Bandenmitglieder, aber seit ich das Hauptquartier der Kerle gesäubert hatte, kamen Leute aus allen Schichten in die Taverne. Das Geschäft lief richtig gut für die Grants. „Heute ist hier ja ganz schön was los.“, meinte Shay zu mir. „Wo sind all diese Halunken vom letzten Mal hin?“, fragte er weiter. Ich blickte in die Richtung des Colonel und unsere Blickte trafen sich. Er hatte Shay wirklich nichts von unserer Zusammenarbeit erzählt.


 

Ich zuckte mit den Schultern und tat so als würde ich von nichts wissen. Jetzt konnte ich Shay noch nichts von der Übereinkunft mit den Templern erzählen. Das wollte ich mir für einen späteren Zeitpunkt aufheben. Ich lehnte mich zu ihm und meinte „Ich glaube das war die britische Armee, so sagen es jedenfalls die Gerüchte.“ „Seit wann mischt sich bei so was die Armee ein, Prinzessin?“, hakte er nach. Ich blickte wieder zum Colonel, doch dieser schien auf einmal sehr in ein Gespräch mit Gist verwickelt zu sein. Nun gut dann musste ich mich dem Verhör von Shay alleine stellen. „Ich brauchte halt ein bisschen Kleingeld.“, nuschelte ich in meinen Becher und hoffte das Shay diese Bemerkung nicht gehört hatte. Doch zu meinem Pech hatte er es gehört und ich überlegte wie ich ihm am besten die ganze Situation schildern sollte. „So dringend, das du fast das zeitliche gesegnet hättest?“, fragte Shay mich und wollte anscheinend keine Erklärung für meine Antwort. „Weiß nicht was du meinst, mo chride?“, spielte ich die Unwissende. „Nun der Colonel hörte von seinen Soldaten, dass du gegen einen dieser Gauner arge Schwierigkeiten hattest.“, löste Shay endlich das Rätsel. Ach diese Sache war das. Ich dachte schon er meinte die Brauerei, von diesem Vorfall hatte ich nämlich noch immer leichte Probleme mit meinem Husten. Ja der war leider zu meinem Pech noch nicht ganz weg, doch es wurde von Woche zu Woche besser.


 

Ich bin ein wenig aus der Übung, habe ja auch niemanden der mit mir trainiert. Mein jetziger Partner ist etwas steif.“, sagte ich zu Shay. Er schloss kurz seine Augen und dachte nach. „Wie wäre es, wenn du morgen früh zum ehemaligen Fort Arsenal kommen könntest, dann würde ich mit dir trainieren. Außer du hast besseres zu tun?“, schlug er mir vor. Mit Shay trainieren! Da würden mir in den nächsten Tagen bestimmt alle Knochen im Leib wehtun, aber was tat ich nicht, um besser zu werden. „Na ja, könnte ich am Nachmittag vorbei schauen, vormittags bin ich mit meinen Patienten beschäftigt.“ „Dann nachmittags, ich habe Zeit Prinzessin.“, sagte er und schien sich auf morgen zu freuen. „Und was deine Frage vor deiner Abreise angeht...“, wollte ich von ihm wissen, aber Shay unterbrach mich mitten im Satz „Ja Prinzessin, du hast meine ganze Aufmerksamkeit.“, sagte er ruhig und schaute mich mit seinen fast schwarzen Augen an. Ich atmete einmal tief durch. „Was willst du mit einer Schiffsärztin, die nach maximal einer Stunde auf See, über der Reling hängt?“, fragte ich ihn direkt.


 

Das schien auch die beiden Templer zu interessieren, welche nun in unsere Richtung sahen. „Ich finde du bist einfach die Beste auf deinen Gebiet und wegen dieser kleinen Schwäche von dir. Da habe ich schon eine Idee. Also was sagst du?“, beantworte er meine Frage. Shay hielt mich also für eine der besten? Nun das war wirklich mal ein nettes Kompliment von ihm. „Danke für das Kompliment, mo chride.“, meinte ich lächelnd zu Shay. „Ich werde deinen Vorschlag annehmen, aber wenn deine Methode nicht klappt, Shay Patrick Cormac, dann bringst du mich umgehend und ohne Widerworte hier her nach New York zurück.“, sagte ich zu ihm.


 

Was als Reaktion auf meine Antwort kam, damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Shay beugte sich einfach zu mir rüber und gab mir einen Kuss. Seine Lippen waren sanft und weich. Er schmeckte nach dem Ale, welches er getrunken hatte. Mit seiner Zunge bat er liebevoll um Einlass und ich gewährte sie ihm ohne zu zögern. Das Gefühl war tausend mal besser, als bei meinem Kuss mit Liam. In meinem Bauch flogen etliche Schmetterlinge umher, mein Herz raste förmlich und ein wunderschönes Kribbeln breitete sich in meinem Unterleib aus. Es war einfach unglaublich. Wie sehr hatte ich mich seit unserer letzten Begegnung danach gesehnt.


 

Doch bevor wir unseren Zungenkampf richtig entfesseln konnten, hörten wir ein ohrenbetäubendes Jubeln. Langsam lösten wir uns voneinander und unsere Blicke sagten alles. Shay schaute mich mit dem gleichen Blick an, wie damals, als wir uns an der Morrigan verabschiedet hatten. Sein Blick war voller Liebe, Vertrauen und Verlangen. „Nun Captain, wurde ja auch mal Zeit. Ich meine so eine Dame lässt man doch nicht warten, auch wenn sie eine kleine Assassine ist.“ ,zwinkerte mir Gist zu. Nach diesem Kompliment merkte ich, wie ich wieder einmal rot wurde und so schaute ich schnell woanders hin. Neben mir hörte ich nur ein leises Lachen, welches von Shay kam. Ja diese Bemerkung ging ja nicht auf seine Kosten und er wurde auch nicht andauernd rot. Mein Blick traf den des Colonel und er sah noch nicht mal böse aus. Es sah mehr danach aus, als würde er sich für uns freuen. Aber wieso?


 

Nun Master Cormac. Wir werden morgen früh die weiteren Details besprechen.“, sagte der Colonel als der Trubel sich wieder gelegt hatte. „In Ordnung Colonel. Wir sehen uns morgen früh im Fort.“, antwortete ihm Shay. Damit stand der Colonel auf und verabschiedete sich von uns. „Master Cormac, Master Gist und Lady McGregor, ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.“, mit diesen Worten verließ uns der Templer und so waren wir nur noch zu dritt. „Da der gute Colonel weg ist, werde ich euch zwei Turteltauben nicht weiter stören“, sagte Gist grinsend zu uns und verschwand mit seinem Ale in Richtung Theke.


 

Jetzt sind wir also allein“, stellte ich überflüssiger weise fest, nur um die Stille zwischen uns zu brechen. „Wenn du meinst, Prinzessin. Und was ist mit den ganzen Leuten um uns herum?“ „Mo chride, du weist wie ich es meine, oder?“, gab ich ihm kontra. Er grinste mich an und trank seinen Becher in einem Zug aus. Dann nahm Shay meine Hand und zog mich in Richtung des Ausgangs. Als wir auf der Straße waren, drehte er sich zu mir um, gab mir einen schnellen Kuss auf den Mund und grinste immer noch wie ein Honigkuchenpferd. „Was hast du vor, mo chride?“, fragte ich ihn vorsichtig, denn so wie er sich benahm, heckte er bestimmt was aus. „Ich will dir nur was zeigen“, meinte er geheimnisvoll.


 

So schlenderten wir in Richtung Norden, vorbei an den Häusern und hinaus auf die Felder von King's Farm. Während unseres Weges, erzählte mir Shay, was er den letzten Monat auf See erlebt hatte. Er war mit Gist nach Albany gesegelt und dort wurden sie schon vom Colonel erwartet. Shay entschied sich den beiden Templern zu helfen und gemeinsam hatten sie einen Außenposten der Franzosen überfallen. Mit der Beute rüsteten sie die Morrigan auf. Das Schiff hatte jetzt zwei hervorragende Mörser. Dank dieser neuen Waffen, hatten sie ein leichtes Spiel das nahegelegene Fort, bei Albany, zu erobern. In dem Fort hatte Shay einen alten Bekannten getroffen. Le Chasseur. Er war ein Spion für die hiesige Bruderschaft und damit er den Assassinen nicht verraten konnte, dass Shay noch lebte, musste dieser ihn beseitigen. Aus den Worten von Shay entnahm ich, das er dies nicht gerne getan hatte. Es war nie einfach jemanden zu töten und es sollte auch nicht so sein. Ich selbst tat es nur, wenn ich keine andere Wahl hatte.


 

Wir erreichten die Felder nach einer halben Stunde und Shay führte mich zu einer kleinen Mühle. Hier war alles so ruhig um diese Tageszeit. Ich blickte hinauf zu den Sternen und suchte ein mir bekanntes Sternbild. „Von dort oben ist die Aussicht noch besser, Prinzessin“, sagte mir Shay und zeigte auf das Dach der Mühle. „Dann nach dir mo chride“, meinte ich nur und gab ihm noch einen kurzen Kuss. Er lächelte mich an und begann an der Wand der Mühle hochzuklettern. Ich folgte Shay und nach geschlagenen drei Minuten war ich endlich oben. „Du bist langsam, Prinzessin“, bekam ich nur zu hören. Ich zuckte einfach mit meinen Schultern. „Du bringst es mir schon richtig bei, oder?“, grinste ich ihn an. „Ab morgen, Prinzessin“, antwortete er und küsste mich erneut sanft. Nach ein paar Minuten löste ich mich von ihm und kuschelte mich in seine Arme. So konnte ich jetzt wenigstens den Ausblick genießen bis... „Siehst du den schwarzen Rauch, Prinzessin?“. Ich schaute in die westliche Richtung und tatsächlich. Dort ein paar hundert Meter vor uns stieg dunkler Rauch auf. Wir hatten durch Zufall ein neues Versteck der Banditen gefunden. Shay löste sich von mir und sprang einfach von dem Dach der Mühle runter. Was hatte dieser Kerl jetzt schon wieder vor?

Kapitel 25 – der Test


 

Ich blickte das Dach hinunter und konnte Shay nirgends entdecken. Ich suchte weiter den Boden ab und ein paar Meter weiter entdeckte ich ihn. Das hatte er jetzt nicht wirklich gemacht? Ich meine ich hatte auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, aber es dann einfach so zu machen. Wie konnte er nur so lebensmüde sein und in einen Heuwagen springen? Ich begab mich zur Dachkante und kletterte langsam wieder auf den Boden. Als ich unten angekommen war, schaute Shay mich seltsam an. „Da bist du ja endlich, Prinzessin. Wieso springst du nicht einfach in das Heu, das geht viel schneller.“, wollte Shay von mir wissen. „Ich will mir nicht alle Knochen brechen“, erwiderte ich leicht zickig. „Das passiert nicht, Prinzessin. Wenn wir mal ein bisschen Zeit haben, zeige ich dir wie es geht.“, sagte er ruhig. „Komm ich will sehen wie es um deine Kampffähigkeiten bestellt ist, damit ich weiß wo ich mit dem Training anknüpfen kann.“ und damit lief er in Richtung des Bandenquartiers.


 

Es ging über Stock und Stein und das wörtlich, ob Baum, Zaun oder Haus, Shay lief geradewegs auf unser Ziel zu. So kam es, das er oft auf mich warten musste, doch heute schien es ihn nicht sonderlich zu stören. Nach einer viertel Stunde erreichten wir unser Ziel. Wir hockten uns in ein Maisfeld, um diese Schurken zu beobachten. „So dann leg mal los Prinzessin“, kam sein Befehl. Ich schaute ihn perplex an „Wie loslegen, alleine?“, fragte ich ihn verwirrt. Das konnte er doch jetzt nicht machen. Ich dachte das mit dem Test wäre ein Scherz von ihm gewesen, aber Shay machte wohl keine Scherze. „Faith ich bin in der Nähe, wenn du Hilfe brauchst.“, meinte er und gab mir noch einen liebevollen Kuss.


 

Ich löste mich nur ungern von ihm, aber der Herr hatte mir ja eine Aufgabe gegeben. Ich schlich leise durch das Maisfeld und schaffte es ungesehen auf das Dach, des höchsten Gebäudes. Gut das ich meinen Seilwerfer hatte. Ich überblickte das Gelände und versuchte mir einen Plan zu machen. Das kleine „Fort“ war mit einer Mauer umgeben und es gab drei Häuser, eins war im Süden, das andere in westlicher Richtung und das letzte im Norden des Komplexes. In der Mitte ragte noch ein kleineres Haus hervor. Ansonsten gab es viele Sträucher und hohes Gras, in denen man sich gut verstecken konnte. Über das gesamte Gelände waren Wachen verteilt und mittig im Komplex war ein Scharfschütze, welcher auf dem Dach des Hauses Ausschau hielt. Zwei von der Sorte hatte ich schon auf meinem Weg hierher erledigt. Den musste ich unbedingt als erstes ausschalten, danach den Boss der Bande meucheln und zum Schluss die Flagge der Bande streichen. Von meiner ersten Aufgabe hatte ich schon zweidrittel erledigt. Ich kletterte runter, um mich durch die Büsche langsam fortzubewegen. Ein leichtes rascheln verriet mir, das mein Schatten mich verfolgte.


 

In der nähe des Schützen, kletterte ich auf einige Kisten und von da an weiter nach oben. Kurz bevor ich das Dach des Hauses komplett hinauf geklettert war, blieb der Scharfschütze genau vor mir stehen. Ich zog mich ein kleines Stück hoch und rammte dem Schützen meine verstecke Klinge in den Bauch. Dieser kippte nach vorn über und viel das kleine Dach hinunter. Ich hörte einen dumpfen Aufschlag. Aufgabe eins zu hundert Prozent erfüllt. Ich kletterte jetzt komplett auf das kleine Dach und von meinem neuen Aussichtspunkt erblickte ich die Flagge dieser Schurken.


 

Vorsichtig näherte ich mich der Dachkante und spähte hinab. Unter mir liefen gerade zwei Wachen entlang. Um diese würde ich mich später kümmern, als erstes wollte ich meine zweite Aufgabe erfüllen. Ich wartete einen Moment bis die Wachen sich ein Stück entfernt hatten, dann lief ich über ein Seil zum nächsten Gebäude. Zu meinem Glück war auf dem Dach des Hauses, der Fahnenmast angebracht. Ich kletterte am Mast hoch und durchtrennte die Seile, welche die Flagge mit dem Mast verbanden. Ich schaute der Flagge noch nach, bevor ich kurze Zeit später wieder hinab kletterte.


 

Jetzt musste ich nur noch den Chef dieser Bande finden und eliminieren, danach würden die Menschen in diesem Stadtviertel wieder in Frieden leben können. Ich fing an nach dem Boss zu suchen und wäre dabei mehrmals von einer der Wachen entdeckt worden, wenn ich mich nicht rechtzeitig mit einem Sprung in die Büsche gerettet hätte. Nach einer Stunde des Suchens wurde es mir zu viel. Ich trat einfach auf die nächste Wache zu und diese war so überrascht von mir, dass sie glatt ihre Waffe fallen lies. „Wer seid ihr?“, fragte mich der Kerl perplex. Doch anstatt auf seine Frage zu Antworten, zog ich meinen Säbel. Wenn ich den Boss nicht fand, würde ich ihn eben zu mir kommen lassen.


 

Die Wache hatte ihre Waffe wieder aufgehoben und griff mich an. Mit einer Drehung wich ich aus, wollte meinen Gegner von links angreifen, doch er parierte meinen Schlag und drehte mir so meinen Säbel aus der Hand. „Was nun, Süße?“, fragte er mich siegessicher. Er setzte zum nächsten Angriff an aber ich blockte seinen Angriff mit meinen versteckten Klingen ab. Mein Gegner hatte es also auf die harte Tour gewollt. Ich ging zwei Schritte zurück, nur um einen weiteren Schlag von hinten abzuwehren. Jetzt hatte sich also Nummer zwei zu uns gesellt. Noch während ich meinen neuen Gegner blockte, kamen weitere Wachen angelaufen. Im Endeffekt stand es fünf gegen eins.


 

So langsam konnte ich echt Hilfe gebrauchen und suchte die Umgebung nach Shay ab. Leider ließen mir meine Feinde keine wirkliche Zeit für so was. Ich versuchte Zeit zu schinden und wich den meisten Angriffen der Kerle einfach aus. Nach fünf Minuten des herumtanzens, stand es nur noch vier zu eins gegen mich. Einer der Wachen konnte ich durch einen gut platzierten Stich in die Nieren töten, aber den nächsten musste ich unbedingt schneller ausschalten, mir ging langsam die Puste aus. Wie es der dumme Zufall wollte, stolperte einer der Kerle über seinen toten Freund und riss dabei einen weiteren Kameraden von sich mit auf den Boden. Das war meine Chance. Mit meinen Klingen erledigte ich die zwei.


 

Zwei zu eins, ich konnte es wirklich schaffen. Doch wie meistens im Leben, hatte ich mich zu früh gefreut. Vor meinen Augen explodierte eine Rauchbombe und ich schaffte es gerade so Shay's Tuch über meinen Mund und meine Nase zu ziehen. Schnell nutzte ich diese Gelegenheit aus, um die letzten beiden Wachen zu töten. Der Rauch fing an sich zu verziehen und ein Herr kam zum Vorschein. „Du machst hier ja ganz schön Radau, Kleine. Doch damit ist es jetzt vorbei. Stirb!“, sagte er in einem ruhigen Ton, bevor er auf mich losging. Mit einer viertel Drehung wich ich seinem Schlag aus, den nächsten blockte ich mit meinen Klingen. Er trat ein paar Schritte zurück und schmiss eine weitere Rauchbombe.


 

Diese Prozedur wiederholte er einige Male, angreifen, ausweichen, Bombe. Langsam brannten meine Augen wie Feuer, mein Mund und die Nase waren geschützt. Mein Gegner griff mich immer stärker an und ich wollte mit einer weiteren Drehung ausweichen, aber mein Feind hatte meine Kampftaktik durchschaut und erwischte mich an meinem Oberarm. Ich zog zischend die Luft ein, so überraschte mich der kurze stechende Schmerz. Als wäre diese Aktion ein Zeichen für meinen Schatten gewesen, griff Shay in den Kampf mit ein. Der Bandenchef schien Shay als gefährlicher einzuschätzen als mich und ging auf den ehemaligen Assassinen los. Shay blockte seinen Angriff mit dem Dolch und griff mit seinem Säbel an. Diese Kampftechnik hatte ich schon bei unseren anderen Kämpfen bewundert, so wie Shay kämpfte hatte ich bis dato noch niemanden gesehen. Shay drängte den Banditen immer mehr an eine der Mauern und in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit stach Shay zu. Sein Säbel und der Dolch durchbohrten den Oberkörper des Assassinen. Damit war der Stadtteil King's Farm von der Herrschaft der Banditen befreit.


 

Ich sank erschöpft zu Boden und wollte am liebsten nicht mehr aufstehen. So kaputt war ich schon lange nicht mehr, doch ich konnte mich später noch ausruhen. Ich griff in eine meiner kleinen Taschen, in meinem Ornat und holte eine kleine Schachtel daraus hervor. Ein Schatten über mir verdeckte das Mondlicht. Ich schaute hoch und sah den besorgten Blick von Shay. „Ist nur ein kleiner Kratzer, mo chride“, sagte ich lächelnd und wand meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Verletzung. Shay hockte sich neben mich, aber schwieg mich an. Ich holte eine kleine Flasche Alkohol, ein kleines Tuch und einen Verband aus der Schachtel. Ich sah zu Shay. „Kannst du mir bitte helfen, mit einer Hand klappt so ein Verband nicht richtig“, grinste ich ihn an. Er nahm mir den Verband ab, wartete bis ich die Wunde mit Alkohol abgetupft hatte, dann legte er mir einen Verband an. Dabei grinste er mich die ganze Zeit an, ich wusste auch warum. Letztens als ich ihn behandelt hatte, fand ich es lustig wie er sich über die Behandlung mit dem Alkohol beschwert hatte und ich tat es aber genauso wie er. Ich fluchte regelrecht über den brennenden Schmerz. „Geht es dir jetzt etwas besser Prinzessin?“, fragte er mich liebevoll. Ich nickte nur als Antwort auf seine Frage und Shay half mir aufzustehen. „Komm ich bring dich nach Hause“, meinte er weiter und legte seinen Arm um mich. Hatte er etwa Angst, dass ich zusammen brechen würde?


 

Wir liefen gemütlich durch die Straßen und jeder von uns war in seine eigenen Gedanken versunken. „Shay weißt du jetzt wie du mich trainieren kannst?“, holte ich ihn aus seiner Überlegung. „Ja so ungefähr. Als erstes müssen wir an deiner Ausdauer arbeiten. Die ist echt mies.“ „Ich weiß, aber das hat einen Grund, Shay“. sagte ich leise zu ihm und dann erzählte ich Shay alles was ich die letzten Wochen in seiner Abwesenheit getrieben hatte. „... und so ist jetzt immerhin New York ein bisschen sicherer.“, beendete ich meine Ausführungen. „Ja, aber es war verdammt dumm von dir.“, kommentierte Shay meine Geschichte und lief dann schweigend weiter. Was ging nur in seinem Kopf vor?


 

Nach einer halben Stunde erreichten wir wieder das Appel Pie. Es war mittlerweile weit nach Mitternacht und von drinnen hörte man keinen laut mehr. Ich schaute Shay an und sein Blick war seltsam abwesend. Doch es war nur kurz, dann wurde sein Blick wieder klarer und er lächelte mich an. „Keine Feinde in Sicht.“, flüsterte er mir zu, bevor er sich zu mir runter beugte und meine Lippen mit den seinen versiegelte. Mit seiner Zunge bat er um Einlass in meinen Mund und ich gewährte es ihm. Das kribbeln in meinem Bauch nahm zu, je länger unser kleiner Zungenkampf dauerte. Ich fing an meinen Körper eng an Shay zu schmiegen und der Kuss wurde von meiner Seite fordernder. Leider beendete Shay unseren Kuss viel zu früh. „Schlaf gut mein Engel.“, verabschiedete er sich von mir und öffnete die Tür, damit ich eintreten konnte. Als ich langsam durch die Tür trat, schenkte Shay mir noch einen Handkuss und dazu ein bezauberndes Lächeln, dann drehte er sich um und ging die Straße entlang in Richtung Greenwich. Kurz bevor er um die nächste Ecke verschwand, drehte Shay sich nochmals zu mir um und rief mir etwas zu. „Komm morgen Mittag zum Fort und bring Gepäck für die nächsten Wochen mit“, dann verschwand dieser verrückte Ire hinter der Ecke. Ich schüttelte mit meinem Kopf und ging ins Haus, schließlich sollte ich ausgeschlafen sein, wenn ich morgen früh noch alles packen musste.


 

Der nächste Morgen brachte Regen und die Temperaturen gingen nach Wochen endlich ein wenig runter. Ich aß gerade mein Frühstück, Porridge, als die Hintertür des Hauses aufging. Herein kam Caroline und sie hatte mehrere Pakete in den Armen. Ich stand auf, nahm ihr zwei Päckchen ab und stellte diese auf den Küchentisch. „Madain mhath Caro. Cimar a tha thu?“, begrüßte ich sie. „Bonjour Faith, ça va bien. Ich war heute schon bei Ellen, das dort auf dem Tisch ist meins, der Rest gehört dir.“, sagte sie. „Merci Caro.“, bedankte ich mich, nahm die Pakete, um sie in mein Zimmer zu bringen. „Und wie war es gestern noch?“, fing Caroline an. „Was willst du wissen, wir haben nichts gemacht.“, antwortete ich ihr ehrlich. „Du kannst es mir ruhig erzählen, Kleine. Ich meine bei so einem Mann würde ich mich nicht zurückhalten.“,schmachtete sie weiter über Shay. Ich ließ Caro einfach stehen und ging die Treppe zu meinen Zimmer hoch.


 

Ich stellte die Kartons auf dem kleinen Tisch ab und fing an meine Sachen in einen Rucksack aus Leder zu packen. Eine halbe Stunde später stellte ich meine gepackte Tasche an der Tür ab und öffnete die Kartons von Ellen. Im ersten war mein neues Kleid, in einem hellblau gehalten und ohne große Zierde. In Karton Nummer zwei lag ordentlich zusammengefaltet mein neuer Ornat, in einem dunkelblau mit roten Verzierungen, aber ohne eine Schärpe und die Schnallen. Die passenden Stiefel dazu waren im dritten Karton. Dann konnte ja meine Reise losgehen. Ich verstaute noch den neuen Ornat in meinem Rucksack, danach lief ich in mein Arbeitszimmer, packte meine Arbeitstasche mit meinen Utensilien, schnappte noch mein kleines Kästchen mit der Medizin und betrat anschließend die Küche. Dort warteten schon Caro, Margery und Alex auf mich.


 

Caroline drückte mich fest zum Abschied, Margery umarmte mich ebenfalls und von Alex bekam ich ein kräftigen Klaps auf die Schulter. „Pass auf dich auf, a leannan. Und wehe du treibst Unzucht mit diesem Shay“, ermahnte mich meine Chefin, was bei Caro ein grinsen verursachte. „Unsere Faith doch nicht“, sagte Caro nur und schob mich Richtung Ausgang. „Viel Spaß“, rief sie mir noch zu, als ich mich auf meine Gefährtin setzte, dann war sie wieder im inneren des Hauses verschwunden.


 

Der Weg zum ehemaligen Fort war zwar nicht so weit, aber mit Gepäck würde ich mich fühlen wie ein Lasttier und darauf hatte ich keine Lust. Außerdem musste ich noch schnell nach East Village zur Apotheke meines Vertrauens, bevor ich so eine Reise antreten konnte. Es war kurz nach Mittag, als ich im Fort ankam und auf dem gesamten Gelände war eine rege Betriebsamkeit, was bestimmt daran lag das die Morrigan bald auslaufen würde. Ich schlängelte mich mit meiner Gefährtin durch die ganzen Arbeiter und Seeleute und versuchte Shay dabei zu entdecken. Mitten auf dem großen Platz sah ich ihn, wie er mit Argusaugen das Geschehen beobachtete. Ich ritt mit Banfhlath auf ihn zu, aber er entdeckte mich schon bevor ich ihn erreicht hatte und kam auf mich zu. Ich stieg von meinem Pferd und wartete auf ihn. „Schön das du da bist, Prinzessin.“, begrüßte er mich förmlich und gab mir einen Handkuss. Was sollte das denn jetzt? Gestern eine überschwängliche Umarmung und heute das. Ich wusste gerade wirklich nicht, wie ich reagieren sollte. Doch Shay holte mich aus meinen Grübeleien indem er mir ein Zeichen gab ihm zu folgen. Meine Gefährtin wurde von einem Arbeiter weggeführt und ich folgte dem Herrn zum Dock der Morrigan. Vor dem Schiff blieben wir beide stehen. „Willst du das wirklich Prinzessin? Ich meine ich freue mich wenn du unsere Schiffsärztin wirst, aber es ist ein hartes Leben an Bord eines Schiffes und du bist...“, weiter kam Shay nicht, denn ich redete ihm dazwischen. „Ich bleibe bei meiner Meinung und Shay ich war schon mal eine längere Zeit auf einem Schiff. Ich weiß was auf mich zukommt.“, antwortete ich ihm. „Na dann komm. Wir werden in einer Stunde auslaufen. Versuch einfach nicht zu sehr im Weg zu stehen“, meinte er grinsend. Shay nahm meine Hand und führte mich auf sein Schiff, damit die Reise endlich losgehen konnte.


 

Übersetzung:

Madain mhath - Guten Morgen

Cimar a tha thu - Wie geht es dir

Bonjour - Guten Tag ça va bien - es geht mir gut

Merci - Danke


 

Kapitel 26 – Scheiß Seekrankheit!


 

Zwei Stunden später waren wir bereits auf offener See und hatten New York hinter uns gelassen. Mir ging es noch halbwegs gut aber mein Magen fing schon an langsam zu rebellieren. Ja ich hasste diese verdammte Seekrankheit und hoffte das Shay wirklich ein Mittel dagegen hatte. Ich stand auf der Brücke neben meinem Captain und wurde misstrauisch von einigen Matrosen angeschaut, die anderen schauten mich an, als wäre ich Freiwild für sie. Die Mannschaft fragte sich bestimmt, was eine Frau an Bord der Morrigan sollte. Vermutlich hatte ihr Captain vergessen zu sagen, das ich die neue Schiffsärztin war. Zu meinem Glück bekam nicht nur ich diese anzüglichen Blicke der Mannschaft mit, Shay übergab das Ruder an seinen ersten Maat, Christopher Gist den Templer.


 

Shay stellte sich gut sichtbar auf die Brücke und erklärte der Mannschaft unser Ziel der Reise. Wir waren hauptsächlich auf Plünderungen aus, was die Matrosen mit einem Jubel begrüßten. Zum Schluss erwähnte er noch das ich die neue Schiffsärztin sei, damit war seine kleine Rede zu Ende und er drehte sich zu mir um. Ich schaute Shay an, in seinen Augen war ein merkwürdiges funkeln. „Entschuldige“, flüstere er mir zu, als er sich zu mir beugte und mich an sich zog, um mir einen sehr besitzergreifenden Kuss zu geben. Er wollte bei seiner Mannschaft wohl klar machen, dass ich ihm gehörte und sich niemand an mir vergreifen durfte, wenn er am Leben bleiben wollte. Nachdem er sich wieder von mir gelöst hatte, schnappte er meinen Arm und führte mich in seine Kabine. Als er die Tür zu seinem Reich verschlossen hatte, drehte er sich wieder zu mir und küsste mich ganz sanft und liebevoll. „So jetzt weiß die Mannschaft, dass sie dich in Ruhe lassen soll. Ich hoffe ich war nicht so hart zu dir?“, fragte er mich ruhig. „War mal was neues“, rutsche es aus mir heraus. Wollte ich das nicht eigentlich denken, doch wie manchmal war mein Mund schneller als mein Verstand. Shay schaute mich nur überrascht an. Ja mit dieser Aussage hatte er nicht gerechnet.


 

Vielleicht später.“, gab er mir trocken zu verstehen und jetzt war ich es die rot wurde. „Du wirst nicht etwa rot Prinzessin?“, zog er mich auf. „Na und.“ „Nun deine Sachen stehen auf der linken Seite bei den Truhen.“, änderte er das Thema aber ich wollte kein Themawechsel. „Du weist schon das deine Crew denkt, dass du jetzt erst recht deinen Besitz beanspruchst.“, sagte ich ihm. „Können sie ruhig“, antwortete er und gab mir heute zum zweiten mal einen sanften Kuss. „Aber Shay wenn meine Sachen hier in deinem Reich sind, wo soll ich dann schlafen?“, fragte ich ihn und unterbrach so unseren Kuss. „Mein Bett ist groß genug für uns beide, mein Engel.“, erklärte er mir. Mit einem Schlag wurde ich erneut rot wie eine Tomate. In einem Bett zusammen mit Shay! Das ging doch nicht. „Du wirst schon wieder rot, Prinzessin. Hast du etwa unzüchtige Gedanken?“, fragte er mich frech und kam dabei näher an mich heran. Ich versuchte mich zu beruhigen und atmete tief ein. Großer Fehler! Ich hatte jetzt Shay's einzigartigen Geruch in der Nase und mein Herz schien davon noch mehr zu rasen. Seine Finger spielten mittlerweile mit einer Haarsträhne, welche sich aus meinem Zopf gelöst hatte. Shay beugte sich noch näher zu mir und flüsterte leise in mein Ohr „Ich mache nur was du willst mein Engel. Ich werde dich zu nichts zwingen.“ Ich nickte automatisch bei diesen Worten, denn meiner Stimme vertraute ich im Moment nicht. Shay gab mir noch einen Kuss auf die Stirn. „Pack deine Sachen aus, wenn du mich suchst, ich bin oben auf der Brücke. Ich bin der am Steuerruder.“, meinte er grinsend zu mir und verließ seine Kabine.


 

Ich schob meine wirren Gedanken beiseite und fing an meine Sachen in eine leere Truhe zu räumen. Leider dauerte das auspacken nur knapp eine halbe Stunde und somit musste ich mir eine andere Beschäftigung suchen. Ich ging aus der Kabine, die Mannschaft beachtete mich nicht weiter, ich war die Frau des Captains und somit tabu für sie. Als Schiffsärztin musste ich mich hier auf der Morrigan noch beweisen, die wenigsten Männer trauten solch eine Arbeit einer Frau zu. Ich lief die Stufen zur Brücke hinauf, bekam ein kleines lächeln von Shay, bevor er sich wieder auf das steuern des Schiffes konzentrierte. „Euch geht es ja noch gut, Schätzchen.“, stellte Gist unnötigerweise fest. „Dachte ihr würdet schon über der Reling hängen, so wie Ihr bei unserem letzten Treffen aussaht.“, kam seine nächste Bemerkung. „Bis jetzt konnte ich mich ablenken, aber vielleicht erwische ich dann mit meinem Frühstück Eure Stiefel, Master Gist.“, erwiderte ich ihm leicht gereizt. „Nun wenn Ihr das macht Weib, könnt Ihr sie putzen“. Wie hatte mich der Templer gerade genannt. Weib!


 

Das mein guter Gist war die falsche Antwort. Prinzessin ich brauche aber meinen ersten Maat noch.“, hörte ich noch Shay sagen, bevor ich mich auf Gist stürzte. Aber der Templer war für seine Größe ganz schön flink, er wich meinen Schwertangriffen geschickt aus und gab dabei immer weiter freche Kommentare auf meine kosten, was mich wiederum noch wütender machte. Nach zehn Minuten des Katz und Maus Spieles, waren wir beide in einen richtigen Kampf übergegangen. Der Templer war gar nicht so schlecht und forderte von mir mein ganzes können, ich schaffte es nicht ihn ein einziges Mal zu treffen. Jedes mal wenn ich Gist in die Enge gedrängt hatte, konnte er sich mit einem Konter befreien. Das gute, es ging dem Templer nicht anders mit mir.


 

Gist und ich hätten dieses Hin und Her bestimmt noch eine Weile veranstaltet, aber unser Captain machte uns einen Strich durch die Rechnung und wir mussten uns auf ein unentschieden einigen. Jetzt stand ich wieder auf der Brücke neben Shay und ich merkte wie die Übelkeit langsam in mir aufstieg. Für meine Verhältnisse hatte ich lange durchgehalten, es waren immerhin schon vier Stunden seit unserer Abreise vergangen, doch es kam, wie es kommen musste und ich schaffte es gerade noch so zur Reling. Dort wanderte mein Frühstück zu den Fischen und ich fing an meine Entscheidung zu bereuen. Wer brauchte schon eine Seekranke Schiffsärztin!


 

Nachdem ich zwei Tage kaum aus dem Bett gekommen war, hatte Shay genug von meinem krank sein und so stand ich ihm jetzt auf dem Deck der Morrigan gegenüber. Er wollte tatsächlich von mir, dass ich mit ihm kämpfte, einen kleinen Übungskampf wie der Herr es nannte. Das mir total schlecht war und mich kaum auf den Beinen halten konnte, störte Shay anscheinend nicht wirklich. Anstatt ihn zuerst zu attackieren, wollte ich mich nur über die Reling hängen, leider kam ich dank Shay nicht mal in die Nähe dieser. Er jochte mich über das gesamte Deck und ich musste aufpassen, das Shay mich nicht erwischte, so das es mir eine Stunde später schon viel besser ging. Durch das Training würde ich mich an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen und konnte bald meiner Aufgabe als Ärztin nachkommen.


 

Hier trink einen Schluck, Prinzessin.“, meinte Shay in einer kleinen Pause zu mir. Dankend nahm ich das Wasser an und lies die kühle Flüssigkeit meine Kehle hinab laufen. „Ist dir noch übel?“, fragte Shay mich leicht besorgt. Da tat es wohl jemanden Leid, mich so gescheucht zu haben. „Es geht mir schon besser mo chride, aber wer weiß wie lange das noch so bleibt.“, antwortete ich ihm. „Nun ich hoffe, das du wenigstens das Abendessen drin behältst.“ „Ich versuch es mo chride.“ „Na dann los, auf zur nächsten Runde, Prinzessin.“, meinte Shay und ich zog mein Schwert. Shay griff mich an, mit einer Drehung brachte ich mich in Sicherheit. So ging es eine ganze Weile, bis es dem ehemaligen Assassinen reichte. „Prinzessin du sollst kämpfen und nicht ausweichen, wie willst du sonst deinen Gegner besiegen“, fragte er mich und kam dabei langsam auf mich zu. Ich atmete tief durch und machte mich kampfbereit. Wenn der Herr es so wollte, bitteschön. Ich steckte meinen Säbel weg und ging auf ihn zu. „Was wird das denn?“, fragte er mich verwirrt. „Du hast doch gesagt, ich soll angreifen.“, antwortete ich ihm und ließ meine versteckten Klingen hervor schnellen. Shay nahm meine Herausforderung an und startete seinen Angriff.


 

Ich blockte die erste Attacke von ihm und versuchte hinter ihn zu kommen, doch Shay durchschaute meinen Plan. Er konterte meinen Angriff, so das ich nur dank meiner schnellen Reaktion gerade noch ausweichen konnte. Shay's Angriff wurde jetzt schneller und vor allem stärker. Es kam wie es kommen musste, keine zwei Minuten später hatte ich seine Schwertklinge an meinem Hals. „Gibst du auf, Prinzessin?“, fragte er mich siegessicher. „Aufgeben, mo chride? Niemals!“, und kaum das ich die Worte gesprochen hatte, schmiss ich eine Rauchbombe. Der Rauch brannte mir in den Augen, aber für meinen Sieg tat ich so einiges. Mein Mund und die Nase waren ja durch das Tuch geschützt. Ich stürzte mich auf Shay und warf ihn durch den Aufprall zu Boden. Nun saß ich auf ihm und hielt meine Klinge an seine Kehle. „Gleiche Frage mo chride, gibst du auf?“


 

Nein“, kam prompt seine Antwort. Er legte seine Hände auf meine Hüften. Dies verursachte bei mir ein leichtes Kribbeln, wodurch ich mich ablenken lies. Keine drei Sekunden später lag ich unter Shay. Der Herr hatte einfach den Spieß umgedreht. Argh! „Gibst du jetzt endlich auf, Prinzessin?“ „Mal sehen, Shay.“, antwortete ich und hob meinen Kopf ein Stück, um ihn in einen Zungenkampf zu verwickeln. Als wir uns wieder lösten, lächelte mich Shay liebevoll an. „Einigen wir uns auf ein unentschieden, mo chride?“, fragte ich ihn. „Ausnahmsweise, mein Engel“. Shay stand auf und reichte mir seine Hand, um mir aufzuhelfen. „Wie wäre es mit etwas zu essen, Prinzessin? Oder weigert sich dein Magen im Moment?“, wollte er von mir wissen. „Im Moment geht’s mir richtig gut, ich könnt ne halbe Kuh verdrücken, Captain.“, sagte ich ehrlich. Shay nahm meine Hand und zusammen gingen wir zum Abendessen unter Deck.


 

Nach dem Abendessen erkundete ich erst mal meinen Arbeitsbereich. Ich öffnete diverse kleine Schubfächer, in dem Vorratsschrank, welcher neben der Koje stand. Wenn ich mich einmal umdrehte stieß ich mich fast am Behandlungstisch. Ja die Krankenstadion der Morrigan war sehr klein, aber es war mein Reich und hier hatte ich das sagen. Als ich alle Fächer im Schrank durchwühlt hatte, stand auf dem Tisch Medizin, verschiedene Kräuter und noch altes chirurgisches Besteck. Wer das wohl benutzt hatte? Soweit ich wusste, hatte die Morrigan keinen Schiffsarzt vorher gehabt. So untersuchte ich jetzt die Gerätschaften und beschloss diese mit Meerwasser abzukochen, anders hätte ich die Reste nicht abbekommen. Ich nahm mir meine Utensilien und lief zur Kombüse, ich wollte unseren Schiffskoch nach einem großen Topf fragen.


 

Vorsichtig betrat ich die heiligen Räume des Smutje, welcher mit dem Rücken zu mir stand und sein Kochgeschirr schrubbte. „Ähm.. Entschuldigung.“, piepste ich leise, denn der Herr war bestimmt eins-fünfundachtzig groß und seine Schultern waren circa achtzig Zentimeter breit. So ein breites Kreuz hatte ich bis jetzt noch bei niemanden gesehen. „Raus hier!“, bekam ich als ruppige Antwort. „Und warum?“, wollte ich den Grund wissen. „Weil ein verdammtes Weibsbild nichts in meiner Kombüse zu suchen hat!“, schnauzte er mich an und drehte sich zu mir um. Seine Haare waren nach hinten zurückgebunden und schwarz wie die Nacht. Er hatte grüne Augen, mit denen er mich zornig an funkelte. Seine Nase war gerade aber bestimmt schon einmal gebrochen, sein Mund war breit und entblößte gelbliche Zähne. Immerhin hatte er noch alle, das konnte nicht jeder in seinem Alter behaupten. Ich schätzte den Smutje auf Mitte Dreißig.


 

Ich wich einen Schritt zurück, immerhin stand ich dadurch außerhalb der Kombüse, nur um ihn dann anzugiften. „Das ist kein wirklicher Grund, Sie ...“, weiter kam ich nicht. Der Koch kam auf mich zu und stellte sich genau vor mich, so das ich zu ihm hoch schauen musste. „ Es gibt keinen genauen Grund, Sassenach Weib und nun verschwinde!“, schrie er mich an. Er dachte wirklich ich wäre eine Engländerin. Da war wohl wieder mal meine Gute Erziehung mit mir durchgegangen. Ich fing an zu lachen. Nun da müsste ich wohl erst einmal dieses kleine Missverständnis aufklären. „Mo charaid, sehe ich wirklich wie eine feine englische Lady aus?“, fragte ich ihn mit schottischen Dialekt.


 

Der Smutje schaute mich mit großen Augen an und fing schallend zu lachen an. „Ihr seid eine der unseren, hättet ihr ruhig früher sagen können. Aber ihr könnt so eine feine Dame echt gut imitieren.“, antwortete er. „Trotzdem raus aus meinem Reich.“ „Nun gut.“, gab ich mich geschlagen. „Dann müsstet ihr das machen, als Schiffsärztin will ich niemanden an so was hier verlieren.“, sagte ich leicht deprimiert und zeigte dem Koch die total verdreckte Knochensäge. „Wo habt ihr das Ding aufgetrieben? Und was wollt ihr eigentlich von mir?“, fragte er erschrocken nach. „Ich wollte nur nach einem großen Topf mit kochenden Salzwasser fragen, um diese Teile hier wieder richtig sauber zu bekommen.“, erklärte ich und hielt ihm das chirurgisches Besteck unter seine Nase. Der Koch überlegte kurz und nickte mir zu. „Na dann mal los, aber nichts den anderen sagen“, sagte er freundlich und zwinkerte mir frech zu. Ich grinste ihn an und betrat sein Reich, die Kombüse. „Maxwell McKenzie.“,stellte er sich vor. „Faith McGregor, erfreut Sie kennenzulernen.“ Der Smutje grinste mich nur an und teilte mir meinen Arbeitsplatz zu, damit ich meine Ruhe hatte. Den ersten Kampf um meine Autorität hatte ich also erfolgreich gewonnen. Mal schauen was der nächste Tag auf See für mich brachte, aber zuerst musste ich noch die Nacht überstehen.

Kapitel 27- Der Zahn muss Raus


 

Später am Abend machte ich mich auf zu meinem Schlafplatz, in Shay's Kabine. Ich hatte vorher alle chirurgischen Geräte gründlich mit Meerwasser gereinigt und zum Schluss mit hochprozentigen Alkohol abgespült. Jetzt lagen meine sauberen Gerätschaften sicher verstaut in den Fächern des Vorratsschrankes. Morgen würde ich den Rest in Ordnung bringen, dann wäre die kleine Krankenstadion einsatzbereit. Als ich das Deck betrat, atmete ich die kühle Nachtluft ein. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie stickig es unter Deck war. Ich trat an die Reling und lies meinen Blick über das dunkle Meer schweifen, welches die Morrigan sanft auf und ab schaukeln lies. Bis jetzt ging es meinem Magen noch gut und ich hoffte das es so bleiben würde. Nachdem ich mehrere Minuten auf das Meer geblickt hatte, wand ich mich in Richtung Kabine.


 

Als ich die Tür öffnete, drang Kerzenschein zu mir heraus. Shay war noch wach und ich betrat seine Kabine. „Da bist du ja, Prinzessin.“, begrüßte er mich, während ich die Tür zu seinem Reich schloss. Ich ging zu ihm an den Schreibtisch. „Ich habe die Krankenstation ein wenig aufgeräumt.“, erzählte ich ihm. „Wie kommt es?“, fragte er mich, sah aber dabei nur auf seine Karten. „Falls du es vergessen hast Shay Cormac, du hast mich zur Schiffsärztin ernannt.“, sagte ich leicht gereizt und der Herr schaffte es endlich seinen Blick auf mich zu richten und grinste mich wirklich frech an, obwohl ich ihn angezickt hatte? Das konnte doch für mich nichts gutes bedeuten. „Was heckst du diesmal aus, mo chride?“, fragte ich ihn skeptisch, wenn er mich so anschaute plante er doch was. Das hatte ich in der kurzen Zeit die wir uns schon kanten, über ihn heraus gefunden. „Nichts Prinzessin. Ich muss nur noch die morgige Route planen, dann können wir schlafen.“, sagte er und ich wurde leicht rot um die Nase.


 

Die letzten beiden Tage hatte Shay woanders geschlafen, weil mir schlecht war. Doch jetzt, wo es mir wieder besser ging, konnte er ja wieder ein seiner Kabine schlafen. Ich meine wir waren zusammen, irgendwie, aber gleich in einem Bett schlafen? Ich versuchte mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen und lief in den hinteren Bereich des Raumes. Als ich an Shay vorbei kam, zog er mich einfach auf seinen Schoss. „Du musst vor nichts Angst haben, ich mache nichts was du nicht willst.“, flüsterte er in mein Ohr und gab mir einen sanften Kuss. Nach einer kleinen Ewigkeit lösten wir uns voneinander. „Ich habe keine Angst um meine Unschuld, Shay Patrick Cormac, weil ich weiß das du ein Gentleman bist.“, antwortete ich ihm. Shay schaute mich seltsam an. Was hatte er nur? „Was ist los, mo chride?“, fragte ich ganz unschuldig. „Nichts Prinzessin, leg dich schon mal hin.“, sagte er, schob mich sanft von sich runter und widmete sich wieder intensiv seiner Arbeit. Ich zuckte mit den Schultern, begann meine Waffen abzulegen, genau neben Shay's Karten auf den Schreibtisch. Danach drehte ich ihm meinen Rücken zu und fing an meinen Ornat langsam aufzuknöpfen.


 

Ich hörte plötzlich die Tür zur Kabine knallen und Shay war verschwunden. Ich grinste siegessicher, er wollte es doch nicht anders und nur weil ich noch eine Jungfrau war, hieß es noch lange nicht, dass ich über das andere Geschlecht nichts wusste. Dafür hatte Jenny schon früh gesorgt, sie hatte mir damals sozusagen Theorie Unterricht gegeben, natürlich nur um die Männer als Assassine besser zu verführen. Schnell entkleidete ich mich und schlüpfte in mein Nachtgewand und kuschelte mich danach in das weiche Bett. An Schlaf war leider nicht wirklich zu denken. Mein Körper kam langsam zur Ruhe und ich nahm das Schaukeln des Schiffes wieder mehr war. So setzte ich mich auf, schnappte mir ein Buch von Shay und begann zu lesen. Hauptsache ich lenkte mich ein wenig ab. Nach zwanzig Minuten wurden meine Augenlider immer schwerer, ich löschte die Kerze und legte mich hin. Kurz bevor ich ganz eingeschlafen war, merkte ich wie die Matratze des Bettes sich senkte. Shay schlief also doch hier, nur leider ließ er einen verdammt großen Sicherheitsabstand zwischen uns. Ich drehte mich in seine Richtung und rutsche an ihn heran. Er schlang seine Arme um mich und ich versuchte mich ein wenig zu entspannen. Mein Herz raste wie wild und ich atmete Shay's Geruch ein. Warum waren wir nur so verkrampft?, dachte ich und da viel mir eine von Jennys Regeln ein. Nicht nachdenken! Ich rutsche noch ein Stück näher an Shay. Shay schien es ähnlich mit dieser Situation zu gehen. „Schlaf gut, mein Engel“, murmelte er mir zu, bevor ich in Morpheus Arme sank.


 

Der nächste Morgen, war wie immer viel zu früh da. Ich wollte mich wie gewohnt ausgiebig strecken, doch mich hielten zwei starke Arme fest umschlungen. Ich öffnete meine Augen um die Lage auszukundschaften, ich wollte schon gern meinen Hintern aus dem Bett bewegen, aber jemand bestimmtes war da wohl anderer Meinung. Ich schaute mich um, soweit wie ich mich bewegen konnte, was nicht wirklich viel war. Das einzige was ich sah, war Shay's Brust und sein Oberarm, aber was ich sah gefiel mir sehr gut. Die schwarzen Härchen auf seiner Brust bildeten eine Kontrast zu seiner weißen Haut. Ich drehte meinen Kopf ein Stückchen nach oben und sah in dunkle Augen. Da hatte Mann mich wohl beim schlafen beobachtet. So wie Shay mich angrinste, würde er mich nicht ohne einen Kampf aufstehen lassen. Er wollte es ja so. Ich fing an mich langsam hin und her zu drehen und schaffte es so seinen Griff ein wenig zu lockern. Doch dieser Erfolg währte nur einen kleinen Moment, dann verstärkte er wieder seinen Griff um mich. Aber von so was lies ich mich nicht besiegen und ich nahm meine Beine zur Hilfe. Diesen Versuch blockte er ebenfalls und zwei Minuten später lag ich besiegt unter ihm. Shay forderte seinen Siegeskuss ein, welchen ich ihm bereitwillig gab.


 

Ich glaube wir müssen langsam aufstehen, mein Engel“, beendete er unseren Kuss und stand einfach auf. Leicht enttäuscht rappelte ich mich hoch und beobachtete ihm beim anziehen seiner Kleidung. Erst Hemd, dann Weste, zum Schluss der Mantel, die Stiefel und seine Waffen. Auch diese legte er sorgfältig an. Versteckte Klingen, Schwert mit passendem Dolch, zwei Pistolen und sein besonderes Gewehr. Er drehte sich um und schenkte mir ein kleines Lächeln. „Los Prinzessin steh auf, Mr McKenzie hat bestimmt schon das Frühstück fertig.“, sagte er zu mir als er sich fertig angezogen hatte. Shay kam auf mich zu und gab mir noch einen schnellen Kuss, dann verließ er seine Kabine. Was hatte Shay nur, dass er immer so fluchtartig den Raum verlassen musste? Ich dachte nicht weiter über dieses Verhalten von ihm nach und zog in Ruhe meine Sachen an. Heute war es der schwarz-rote Ornat mit den vielen Schnallen.


 

Zehn Minuten später verließ ich unseren Raum, ging unter Deck und setzte mich unseren Captain gegenüber. Maxwell stellte mir einen Teller vor die Nase und zwinkerte mir dabei zu. Ich nahm meinen Löffel und aß in aller Ruhe mein Frühstück, dabei hörte ich Shay und Gist zu, wie sie unsere Reiseroute durchgingen. Unser Ziel war ein kleiner Ort im Grenzland, Albany. Ich beobachtete unseren Captain und bemerkte das er eigentlich nur nebenbei aß, Gist rührte seinen Teller nicht mal an. Nach zwei Minuten wurde es mir zu langweilig, ich schaute mich weiter um, bis Shay meine Aufmerksamkeit erregte. „Wollt ihr heute euer Frühstück nicht Christopher?“, fragte Shay unseren ersten Maat. „Gleich Shay, hab nur grad ein kleines Ziepen im Zahn. Bestimmt in ein paar Minuten wieder weg.“, erklärte er uns. Ich schaute zu Shay und grinste bösartig. Nun sollte sich nicht die Ärztin das mal anschauen? „Soll ich mir das mal ansehen, als fachliches Personal auf dem Schiff?“, fragte ich ihn direkt. „Nein müsst ihr nicht, Miss McGregor.“, antwortete er ganz schnell auf meine Frage.


 

Shay und ich blickten uns an, wir hatten wohl gerade den selben Gedanken. „Nur zu deinem besten, mein Freund“, sagte Shay zu Gist und hielt unseren ersten Maat fest. So konnte ich den guten immerhin untersuchen, ohne das er mir davon rannte. „Gist öffnet bitte euren Mund, ich will keine unnötige Gewalt anwenden.“, sagte ich ruhig. „Shay, sein Kopf, drehe ihn bitte zum Licht, damit ich was erkennen kann.“, erteilte ich meine Befehle. Unser erster Maat ergab sich seinem Schicksal und öffnete artig seinen Mund. So konnte ich meinen Patienten untersuchen. Es war der hinterste Backenzahn. Das sollte kein Problem sein, ich musste Zähne schon sehr oft ziehen. „Halt ihn weiter fest, mo chride. Bin gleich wieder da.“, sagte ich zu Shay und lief zügig zu meinem Vorratsschrank. Ich entnahm eine kleine Zange, Nadel, Faden und etwas reinen Alkohol.


 

Keine zwei Minuten später war ich wieder bei den beiden Herren und ein Teil unsere Mannschaft hatte es sich gemütlich gemacht um diesem Spektakel zuzuschauen. Da hatte ich immerhin genug Helfer, dachte ich und legte alles griffbereit auf den Tisch. Der Templer wehrte sich immer mehr. So konnte ich nicht arbeiten. „Ich brauch mehr Licht, du da halt es hierhin!“, befahl ich einen der Matrosen, welcher zu meiner Überraschung auf mich hörte. „So, Miss?“, fragte er mich. Ich nickte nur. „Maxwell, Rum und einer muss seinen Kopf festhalten, könnte ein wenig wehtun.“, folgten weiter Anweisungen von mir. Ich schüttelte etwas vom reinen Alkohol über meine Zange und griff damit den Backenzahn. Ein kleine kurze Drehung und der Zahn war draußen. Gist hielt ich einfach die Flasche mit Rum hin, damit konnte er selbst die Wunde reinigen. Er spuckt das Blut aus und nahm einen kräftigen Schluck.


 

Na einen Vorteil hat die Sache, unser Captain kann sich nicht beschweren wenn ich einen in der Krone habe.“, meinte er grinsend zu Shay. Bevor Gist aber die komplette Flasche geleert hatte, nahm ich sie ihm wieder weg und schüttete ein Teil des Rums über die Zange. „Pure Verschwendung“, beschwerte mein Patient sich. „Na dann auf zur nächsten Runde, Master Gist.“, sagte ich. „Wie der Zahn ist doch raus?“, fragte er mich perplex und sah hilfesuchend zu seinem Captain. „Ich bin nicht der Arzt. Vertrau Faith mein Freund.“, beruhigte Shay ihn. „Ich muss die Wunde noch nähen, sonst könnte sie sich entzünden. Ich bin auch sanft.“, erklärte ich ihm. Gist gab sich geschlagen und öffnete brav seinen Mund, mit zwei kleinen Stichen war die Wunde geschlossen und die Sache erledigt. „Fertig, Master Gist.“, teilte ich ihm seine Erlösung mit. „Danke, ihr seid gar nicht mal so schlecht, Faith.“, antwortete er mir und hielt mir die Flasche mit dem Rum hin.


 

Ich nahm einen Schluck aus der Flasche und hustete sogleich. Das dies die Mannschaft amüsierte war klar. “Wohl ein wenig zu stark?“, kam die Frage vom ersten Maat, doch unser Smutje kam mir zur Hilfe. „Gist ihr könnt einer schottischen Lady doch nicht so ein billiges Gesöff geben, hier Faith das ist besser.“, sagte er grinsend und reichte mir eine andere Flasche. Den Geruch kannte ich nur zu gut, guter schottischer Whiskey und ich nahm eine Schluck von der golden Flüssigkeit.


 

Ich finde du hast genug, Prinzessin.“, schaltete sich Shay in unser Gespräch mit ein und nahm mir die Flasche weg. „Wir brauchen unsere Ärztin heute noch nüchtern. Wir werden heute die Le Protecteur einholen und sie hat fette Beute an Bord, Männer.“, klärte Shay die Mannschaft auf. Diese fing an zu jubeln und freute sich regelrecht auf das Kapern des französischen Schiffes. Nach dieser Neuigkeit, folgte eine kurze Lagebesprechung. Das Schiff, welches wir im Namen der englischen Krone um ihre Fracht erleichtern sollten, war eine Fregatte mit achtunddreißig Kanonen und sechzig Mann Besatzung. Das Schiff lieferte wichtige Rohstoffe für die französische Armee und war somit die perfekte Beute für uns.


 

Als am Nachmittag die Le Protecteur in Sicht war, schnappte mich unser Captain einfach und sperrte mich in seiner Kabine ein. Was sollte das denn bitteschön, er wusste doch das ich ebenfalls kämpfen konnte und bei der Überzahl an Männern, konnte er jeden im Kampf gebrauchen. Ich tigerte durch die Kabine und versuchte mich abzulenken. Ich öffnete als erstes sämtliche Schubladen an Shay's Schreibtisch und durchsuchte diese, aber etwas interessantes fand ich nicht. Letztendlich entschied ich mich für ein Buch über die Botanik in den Kolonien. Ich war wirklich vertieft in das Buch, als die Morrigan eine schnelle Kehrtwende machte und ich aus dem Bett viel. Nun war es vorbei mit meiner Ruhe, die Kanonen fingen an zu donnern. Mit meinen Fingern hielt ich mir die Ohren zu, damit der Lärm nicht zu sehr in meinen Kopf dröhnte.


 

Jetzt hatte ich endgültig die Ruhe verloren. Ich musste doch irgendwie aus diesem Raum kommen. Das Problem war, es gab leider nur einen Ausgang und dieser war versperrt. Wie bekam ich diese blöde Tür auf? Ich strich durch meine Haare, um mir einige Haarsträhnen aus meinem Gesicht wegzuwischen, als ich mit meinem Daumen an einer Haarnadel hängen blieb. Stimmt ja, die Dinger hatte ich ja heute mal reingemacht, wegen dem Wind, welcher meine Harre immer durcheinander brachte. Ich löste eine der kleinen Nadeln, bog sie ein Stück und versuchte damit das Schloss zu knacken. Doch zu meinem Bedauern wollte diese Methode nicht so wirklich funktionieren. Ich brauchte noch etwas zum Hebeln. Schnell lief ich zum Schreibtisch, ich hatte da doch vorhin etwas gesehen. In der untersten Schublade wurde ich fündig. Ein Dietrich, damit würde ich es auf jeden Fall hinkriegen.


 

Ich hockte mich vor die Tür und versuchte den Dietrich in das Schloss zu bekommen, was eigentlich nicht schwer war, aber das Schiff wechselte verdammt oft seine Richtung, so dass ich immer wieder ihn und her rutschte. Plötzlich ruckte das ganze Schiff und ich hörte die Mannschaft was von Enterhaken schreien. Ich öffnete die Tür so schnell ich konnte, endlich war ich wieder frei und stürzte mich in die Schlacht.

Kapitel 28 - Le Protecteur


 

Als ich die Kabine verließ, war auf dem Deck der Morrigan das blanke Chaos, einige der französischen Soldaten hatten es auf das Schiff geschafft. Doch der Großteil des Kampfes schien auf der Fregatte stattzufinden. Ich versuchte mir einen Überblick zu verschaffen und erspähte unseren ersten Maat, wie er mit den Soldaten kämpfte. Schnell rannte ich auf einen der Soldaten zu, meine versteckte Klinge durchbohrte sein Herz. Einer weniger. Der Templer nickte mir zu und zusammen erledigten wir die restlichen Soldaten. Damit war auf der Morrigan erst mal das Chaos beseitigt. „Danke Schätzchen, ich will gar nicht wissen wie du es aus der Kabine geschafft hast, aber ohne dich hätte ich einige Probleme gehabt, Faith.“, bedankte er sich bei mir, als ich von über uns Schüsse hörte.


 

Wir schauten nach oben und erblickten zwei Scharfschützen in den Segeln der Fregatte. Das war gar nicht gut, diese könnten zum Problem für unsere Männer werden. Ohne weiter zu überlegen, zielte ich mit meinem Seilwerfer auf den Hauptmast der Morrigan und war so innerhalb eines Augenblickes in den Segeln. Ich balancierte vorsichtig über die Masten, mit einem Sprung landete ich auf den Masten der Fregatte. Gut das die beiden Schiffe so nah aneinander waren, sonst wäre ich bestimmt die zwanzig Meter ins Wasser gefallen. Ich lief vorsichtig weiter und erreichte den ersten der beiden Schützen. Dieser schaute mich seltsam an. Ja eine Frau auf See war selten, das wusste ich doch selbst. Ich ging auf ihn zu, zog meinen Säbel und bevor er wusste wie ihm geschah, hatte er das Metall meiner Klinge im Bauch. Er kippte um, ich schloss seine Augen und bekundete ihm meinen Respekt.


 

Ich nahm die Waffe meines Opfers, als eine Kugel knapp neben mir einschlug. Da hatte mich wohl sein Kollege entdeckt. Ich sah wie der andere Schütze schnell seine Muskete nachlud. Langsam legte ich meine Waffe an die Schulter und zielte auf meinen Feind. Mein Finger löste den Abzug aus, ich traf ihn leider nur in den Fuß, aber das reichte mir. Ich zog mich zu meinem Feind hinüber und meine versteckte Klinge erledigte den Rest. Was würde ich nur ohne meinen Seilwerfer machen, dachte ich und balancierte über die Masten zurück auf die Morrigan.


 

Eine viertel Stunde später ergaben sich die Franzosen und die Fregatte, mit sämtlicher Ladung, ging an uns. Als Shay wieder an Deck der Morrigan kam, sah er scheußlich aus. Seine Kleidung war Blutgetränkt, doch er hatte so wie es aussah keinen Schaden davon getragen. Ich stand brav neben Gist und unser Captain funkelte mich wütend an. Der Herr hatte wohl meine kleine Aktion mit den Scharfschützen mitbekommen, aber ich stand aufrecht da, während Shay auf mich zukam. In meinen Augen hatte ich nichts falsches getan und einsperren lies ich mich erst recht nicht von ihm.


 

Als Shay uns erreichte, befahl er Gist die Mannschaft bei der Arbeit zu überwachen. Dieser folgte dem Befehl seines Captains sofort, jetzt standen nur noch wir beide auf der Brücke. Shay atmete tief durch und schien noch zu überlegen, wie er mich am besten zusammenstauchen konnte. „Wieso kannst du nicht mal die einfachsten Befehle befolgen, Faith.“, fragte er mich mit kalter Stimme. „Warum sollte ich?“, antwortete ich etwas zu schnell. Da war mein Mundwerk mal wieder schneller als meine Gedanken. „Am liebsten würde ich dich jetzt in meine Kabine schleifen und dir für diese Antwort den Hintern versohlen.“, knurrte er. „Ich werde mich zurückhalten, aber auf diesem Schiff bin ich der Captain und meinen Befehlen ist folge zu leisten!“, sagte er leise und ich merkte wie die Temperatur um uns regelrecht sank, so eisig war sein Ton. Gut das Spiel konnte man auch zu zweit spielen.


 

Und wo war der ausdrückliche Befehl mein Captain, wenn ich fragen darf? Das einzige was du gemacht hast, war mich in deiner Kabine einzusperren und das ohne ein Wort von dir. Also habe ich nicht gegen einen Befehl von dir verstoßen, du hast ja gar keinen ausgesprochen und Gedanken lesen kann ich nicht, Captain! Ich werde mich von niemanden gegen meinen Willen einsperren lassen, selbst wenn du es bist, Shay. Ich bin ein freier Mensch und kann über mein eigenes Leben bestimmen.“, fauchte ich ihn an und versuchte mich an ihm vorbei zu drängen, ich wollte mich wenigsten um die verletzten kümmern, dafür war ich schließlich auf dem Schiff.


 

Doch mein Captain war da anderer Meinung und zog mich in seine Arme. Ich wehrte mich in seiner Umklammerung, aber Shay verstärkte seinen Griff um mich, bis ich kaum noch Luft bekam und meine Gegenwehr aufgab. „Lass mich los, sonst..“, protestierte ich schwach. „Ich wollte dich nicht deiner Freiheit berauben, mo aingeal. Ich hatte nur Angst das dir was in diesem Chaos passieren könnte. Faith, mo aingeal. Lass mich dich bitte beschützen, du bist mir zu wichtig als das ich es ertragen könnte, dass dir etwas zustößt. Das könnte ich mir nicht verzeihen.“, flüsterte er mir ins Ohr. Auf dieses Geständnis wusste ich keine Antwort. War ich Shay in der kurzen Zeit so wichtig geworden? Meine Gedanken überschlugen sich und ich war über seine Worte verwirrt. Ich meine, ich mochte Shay wirklich sehr gern, bei ihm konnte ich einfach ich selbst sein, fühlte mich sicher und geborgen, aber das er so von mir dachte, löste bei mir regelrechtes Herzklopfen aus. Konnte es sein das er mehr für mich empfand?


 

Ich spürte wie Shay's Umarmung sich ein wenig lockerte. „Aber bitte übertreib es mit deinem Beschützerinstinkt nicht, ich fühle mich sonst zu sehr eingeengt, mo chride.“, antwortete ich ihm leise und drückte mich noch fester an ihn. „Bitte gewähre mir meine Freiheiten, Shay“, meinte ich weiter und meine Wut auf ihn war schon fast verraucht. Ich schaute auf sein Gesicht, da war wieder dieser seltsame Blick von ihm, welchen ich nicht richtig deuten konnte. Keine Sekunde später lagen seine Lippen auf den meinen. Wir mussten uns wegen Luftmangel voneinander lösen. „Wow“, sagte ich leise und bekam von Shay ein kleines lächeln. „Los geh deiner Arbeit nach, Prinzessin.“, gab er mir einen Befehl. Ich lächelte zurück, gab ihm noch eine schnellen Kuss auf den Mundwinkel, dann war ich in meinem Element.


 

Insgesamt waren nur drei Matrosen von unserer Mannschaft verletzt, einmal ein blaues Auge, der andere hatten eine leichte Verbrennung abbekommen und Nummer drei hatte ein Schnitt am Oberarm, welchen ich nähen musste. Also keine schwierigen Fälle. Eine Stunde später, waren die drei Männer versorgt und ich begab mich auf die Brücke der Morrigan, wo ich Shay fand. Die Fregatte lag ruhig neben uns, die Soldaten waren alle unter Deck sicher verwahrt worden. „Was wird aus dem Schiff, mo chride?“, begrüßte ich meinen Captain. „Wir werden das Schiff in unsere Flotte aufnehmen. Ein Teil unserer Besatzung geht auf die Le Protecteur und bringt sie heil nach New York.“, antwortete Shay nebenbei und gab den Matrosen weitere Anweisungen. „Eine Flotte?“, fragte ich überrascht. „Oh das weist du gar nicht. Wir versenken nicht alle Schiffe, die wir plündern. Die Besten kommen in meine Flotte und erfüllen dann Aufträge für mich.“, erklärte mir mein Captain. „Und wo geht unsere Reise als nächstes hin, etwa nach Albany?“, wollte ich weiter von ihm wissen. „Du kennst doch unser Reiseziel schon, also warum fragst du, Prinzessin?“, bekam ich von ihm zu hören. „Aber warum gerade dieser Ort?“ „Du gibst wohl nie auf.“, ergab er sich und erklärte mir unseren Besuch in besagten Ort. Die Templer hatten von Assassinen Tätigkeiten in Albany gehört und Shay wollte dem nachgehen.


 

Ich schaute Shay mit großen Augen bittend an. Er runzelte die Stirn und grinste über meinen Versuch einen Hundeblick auf zusetzten. „Das musst du noch ein wenig üben, Prinzessin“, grinste er „Ich werde darüber nachdenken.“ Ich ging zu ihm, stellte mich vor ihn und schaute ihn weiter mit großen Augen an. „Bitte Shay.“, bettelte ich ihn an. „Ja du kannst dann mit, auch wenn deine Methode nicht fair ist.“, grummelte er. „Danke, mo chride.“, sagte ich grinsend und umarmte ihn stürmisch.


 

Wir waren seit zwei Wochen auf See und nährten uns mit jeden Tag Albany etwas mehr. Mittlerweile waren wir auf den großen Flüssen des Grenzlandes unterwegs, das Meer hatten wir vor zwei Tagen hinter uns gelassen. Ich war gerade mitten im Training mit Shay, als aus dem Krähennest der Ruf kam, das Albany in Sichtweite war. Wir beendeten unseren ungleichen Kampf, Shay wollte das Schiff selbst im Hafen anlegen. Ich stellte mich an das Heck der Morrigan, um so den Seeleuten nicht im Weg zu stehen. Um mir ein wenig Zeit zu vertreiben, beobachtete ich die Mannschaft und war ehrlich erstaunt, wie gut diese zusammenarbeitete, nach nur knapp zwei Monaten.


 

Keine Stunde später lag die Morrigan fest vertaut in dem kleinen Hafen. Die Mannschaft freute sich auf den Landgang und so leerte sich das Schiff langsam. Ich verließ mit unserem Captain das Schiff, an einer Kreuzung trennten wir uns und ich machte mich allein auf Informationsbeschaffung. Langsam schlenderte ich durch die Straßen von Albany und erreichte nach einer halben Stunde mein Ziel, der Gemischtwarenladen des Ortes. Hier würde ich bestimmt einige Tipps zu unserem Problem bekommen. Ich öffnete die Tür des Ladens und trat ein. Der Besitzer starrte mich mit einem schrecken in den Augen an. „Ich hab doch diesen Monat schon bezahlt. Gebt mir doch wenigstens Zeit das Geld aufzutreiben.“, stammelte er mich voll. Was hatte der gute Mann denn? Ich wollte doch bei ihm nur ein paar Vorräte erwerben, mehr nicht. Ich ging an den Tresen und redete ruhig auf den Mann ein. Nach fünf Minuten hatte ich den guten Herren halbwegs beruhigt und er glaubte mir, dass ich nur etwas kaufen wollte.


 

Als ich später den kleinen Laden verließ, beschloss ich noch ein Stück durch die kleine Stadt zu schlendern, um mich dann später mit Shay und Gist in der hiesigen Taverne zu treffen. Ich lief gemütlich die Straße entlang, doch nach einigen hundert Metern wurde es mir unangenehm, die Leute von Albany warfen mir böse Blicke zu und eine alte Dame machte sogar das Teufelszeichen, um sich vor mir zu schützen. Ich kam zu dem Schluss, das ich lieber in der Taverne meine Zeit absitzen sollte, bis Shay dort auftauchte.


 

Nach einem kurzen Fußweg, gelangte ich zu der Taverne, vor der Taverne standen drei bewaffnete Männer. Als ich die Taverne betreten wollte, stellten sich mir besagte Herren galant in den Weg und ihr Anführer zog mich förmlich mit seinen Blicken aus. „Na du kleine Maus, wohin denn so eilig? Dachte wir könnten uns noch etwas vergnügen“, grinste er mich frech an. Ohne ihm eine Antwort zu geben, rammte ich mein Knie in seine Weichteile und als seine beiden Kumpanen ihm helfen wollten, hatte er meine versteckte Klinge an seinem Hals. „Wie war das?“, fragte ich ihn ruhig. Aber anstatt selbst zu Antworten, übernahm das sein Kollege für ihn. „Ganz ruhig Miss, wir konnten ja nicht ahnen, dass Ihr zum Boss gehört. Es tut uns Leid und wir bitten Euch, verzeiht uns dummen Gesindel, nur sagt dem Boss nichts.“, stammelte er entschuldigend.


 

Ich lies meine versteckte Klinge zurückschnellen und trat einen Schritt von dem Herrn zurück. Sofort machten die Kerle platz, so das ich das Lokal betreten konnte. Am Tresen bestellte ich ein Ale für mich, nahm meinen Krug in die Hand und steuerte auf einen Tisch in der Ecke des Gastraumes zu. An diesem setzte ich mich gegenüber von unserem ersten Maat. „Du siehst ganz schön geschafft aus, Schätzchen.“, begrüßte er mich. „ Na wenn dir jeder dritte Einwohner einen komischen Blick zuwerfen würde, fändest du es auch anstrengend.“, antwortete ich ihm und nippte an meinem Ale. Gist sah mich mit einem schrägen Blick an, dann prostete er mir zu und nahm selbst einen kräftigen Schluck aus seinem Krug. Ich stellte meinen Becher vor mir auf den Tisch und beobachtete ein Paar, welches in inniger Umarmung auf einem Stuhl saß. Konnten diese beiden sich nicht ein Zimmer nehmen?, fragte ich mich in Gedanken, als Gist mich ansprach.


 

Nun Faith, darf ich euch eine Frage stellen?“, begann der Templer. „Du“, antwortete ich nur knapp. „Ich verstehe nicht...“, fragte er leicht verwirrt, als ich ihm dazwischen redete. „Christopher wie wäre es, wenn ihr mich mit Du ansprecht, ich bin erst zwanzig und keine fünfzig.“, erklärte ich ihm. Der Templer grinste mich frech an. „Dann gilt das gleiche für dich, darauf sollten wir einen Trinken.“, sagte er und holte uns beiden einen Becher hochprozentiges. Als er wieder am Tisch saß, nahm ich unser unterbrochenes Gespräch wieder auf. „Was wolltest du mich fragen?“ „Ach ja. Wie hast du unseren Captain überhaupt kennengelernt. Ich meine du gehörst doch zu der englischen Bruderschaft und Master Cormac gehörte, soweit ich weiß, der kolonialen Bruderschaft an?“, wollte der Templer von mir wissen.


 

Wieso ausgerechnet diese Frage? Ich trank einen großen Schluck Ale und überlegte was ich Gist erzählen konnte. „Wir hatten eine gemeinsame Mission im letzten Jahr in Europa.“, antwortete ich kurz. „Und wieso seit ihr jetzt hier in den Kolonien, Faith.?“, hakte er nach. Sollte das etwa ein Verhör von dem Templer werden? Nun gut wenn er es so wollte, dachte ich und ging auf Konfrontation. „Hat euch etwa der Colonel Monro beauftragt etwas über mein hier sein heraus zubekommen?“ Gist verschluckte sich an seinem Ale „Wie, woher?“, stotterte er leicht. „Gist ich weiß das du dem hiesigen Templerorden angehörst, genauso wie der Colonel. Shay kann sich das übrigens ebenfalls denken, aber ich werde meinen Feinden nicht alles erzählen. Wir beide unterstützen Shay, also sollten wir fürs erste eine Waffenruhe schließen. Einverstanden?“, fragte ich den Mann mir gegenüber. „In Ordnung.“, sagte er ruhig und griff nach dem Becher mit dem Schnaps, doch da wurden wir von lautem Lärm einer Schlägerei unterbrochen.

Kapitel 29 – Du ziehst den Ärger magisch an


 


 


 

Gist und ich drehten uns in Richtung des Lärms und erblickten Shay mitten im ganzen Tumult. Shay hatte Recht, er zog den Ärger magisch an. So wie es für mich aussah, hatten ein paar der örtlichen Raufbolde ein Problem mit unserem Captain. Shay sah sich nun fünf Gegnern auf einmal gegenüber. Ich wollte ihm helfen und stand auf, doch Gist drückte mich zurück auf meinen Stuhl. „Keine Sorge, Schätzchen, der Captain ist nicht so zerbrechlich. Das gleiche hatten wir vor einem Monat in Halifax. Außerdem hat er doch eine hübsche Heilerin an seiner Seite“, sagte er mir und zwinkerte dabei in meine Richtung. Ich merkte wie ich leicht rot um die Nase wurde, angesichts des Kompliment des Templers und trank schnell einen Schluck Ale aus meinem Becher.


 

Wir beobachten die Schlägerei und Gist hatte Recht. Shay hatte keine Probleme diesen Kerlen zu zeigen, wer hier der Boss war. Typ Nummer eins wurde mit einem Tritt in den Bauch unschädlich gemacht, Nummer zwei und drei landeten im Mobiliar der Taverne. Den vierten erledigte Shay mit mehreren Faustschlägen hintereinander und der fünfte viel durch einen gezielten Schlag auf sein Kinn. Der Mann taumelte noch ein Stück nach hinten, dann verdrehte er die Augen und viel wie ein nasser Sack zu Boden.


 

Die Schlägerei dauerte nicht mal fünf Minuten und der Schuldige für diesen ganzen Aufruhr setzte sich mit drei Ale in der Hand zu uns an den Tisch. Ich betrachtete Shay und dieser hatte nur einen kleinen Kratzer an der Lippe, ansonsten war er unverletzt. Ich kramte in einer meiner Taschen und holte ein kleines Kästchen hervor. Gist sah mich skeptisch an und der Blick von Shay war auch nicht besser. „Was hast du damit vor, Schätzchen?“, fragte mich unser erster Maat neugierig. Ich öffnete das Kästchen und holte ein sauberes Tuch hervor und stieß einen leisen Fluch aus. Ich hatte keinen Alkohol mehr vorrätig. Gut dann musste ich etwas improvisieren, ich tunkte das Tuch zur Hälfte in meinen Becher mit den hochprozentigen, dann beugte ich mich zu Shay und drückte das Tuch auf seine Lippe.


 

Shay hielt still und lies seine Behandlung ruhig über sich ergehen. „Halt das Tuch einfach ein bisschen drauf, dann dürfte es sich nicht entzünden.“, sagte ich zu Shay und lies mich wieder auf meinen Stuhl nieder. Ich trank meinen Becher aus und schaute mich in der Taverne ein wenig um. Ich sah das Paar von vorhin, die Dame verarztete einen von Shay's Opfern, schaute aber immer wieder zu Shay und warf ihm dabei schmachtende Blicke zu. Ich merkte wie ich dieser Dame am liebsten an die Gurgel gegangen wäre. Wie konnte sie meinen Shay nur so anschauen. Ich versuchte meine Eifersucht zu ignorieren und hörte Gist und Shay bei ihrer Planung zu, was sie gegen die Assassinen unternehmen wollten.


 

Nach einiger Zeit worden die Blicke der Frau immer anzüglicher und ich hätte sie am liebsten in der Luft zerfetzt. Ganz ruhig Faith, dachte ich mir und dann hatte ich einen genialen Einfall. Ich stellte meinen Becher auf dem Tisch ab, stand auf und drehte mich zu Shay. „Was ist?“, fragte er mich leicht verwirrt. Doch statt einer Antwort von mir, setzte ich mich rittlings auf seinen Schoß und gab ihm einen verlangenden Kuss. Shay zögerte noch ein paar Sekunden, dann erwiderte er mit gleicher Leidenschaft meinen Kuss. Das kribbeln in meinem Bauch nahm zu und ich wollte am liebsten noch mehr von ihm spüren, aber mein Verstand übernahm wieder die Führung und ich löste mich von ihm. Ich wollte wieder aufstehen, doch Shay hielt mich weiterhin fest. „Wofür war das denn?“, fragte er leise. „Einfach so, mo chride.“, antwortete ich frech und stand von seinem Schoß auf. Ich schaute zu der Frau und ihre Blicke erdolchten mich regelrecht. Ich grinste schadenfroh in ihre Richtung und setzte mich wieder auf meinen Platz. Ich hoffte der Dame war jetzt klar, wem Shay gehörte.


 

Schätzchen willst du überhaupt noch deinen Schnaps, oder darf ich?“, fragte mich Gist und schnappte sich einfach meinen Becher und grinste mich frech an. Oh wie dieser Templer mir manchmal auf die Nerven ging. Ich steckte ihm die Zunge heraus und nahm einen kleinen Schluck von dem Ale. „Also Captain, was habt ihr raus gefunden?“, fragte Gist Shay und wechselte damit das Thema wieder zu ernsteren Dingen. „Es scheint das hier in Albany und den angrenzenden Gebieten eine Bande wie in New York ihr Unwesen treibt. Diese Halunken terrorisieren die Einwohner der Stadt, sie fordern ein Schutzgeld von den Ladenbesitzern und wenn diese nicht zahlen können, dann verwüsten sie die Häuser der Leute. Einige Bürger Albany's haben einen regelrechten Hass auf diese Mistkerle und waren sehr gesprächig. Ihre Basis ist auf der anderen Seite des Flusses. Doch wer die Männer anführt und wer hinter all den Vorkommnissen steckt, konnten mir die Menschen aber nicht sagen.“, beendete Shay seine Erklärungen.


 

Wahrscheinlich die Assassinen“, sagte ich. Die beiden Herren am Tisch schauten mich verdutzt an. „Wie kommst du darauf, Prinzessin?“, fragte Shay mich. „Ich war im Gemischtwarenladen und der Besitzer hatte richtige Angst vor mir. Ich brauchte ne weile um ihn zu beruhigen, aber noch merkwürdiger als die hasserfüllten Blicke von den Menschen auf der Straße, waren diese Kerle vor der Taverne. Sie haben mich angemacht und da ich so was nicht leiden kann, hatte einer der Herrn ganz schnell meine Klinge an seinem Hals. Sein Kumpel hat sich sogleich bei mir entschuldigt und gemeint ich solle dem Boss bloß nichts sagen. Nun ich hab einfach meine Beobachtungen zusammengezählt und denke es sind Assassinen, welche hinter diesen ganzen Leid der Bevölkerung stecken. Nur warum?“, redete ich zum Schluss mehr mit mir selbst als mit den beiden Männern am Tisch.


 

Mhm“, meinte Shay nur und schien diese Informationen für sich zu verarbeiten. „Nun dann hab ich eine Idee, wie wir dieses Pack ganz leicht auslöschen können“, durchbrach Gist die Stille. Ich sah den Templer an und dieser grinste nur in meine Richtung. Er beugte sich etwas zu uns vor und fing an zu flüstern „Wir könnten unser Schätzchen doch bei diesen Banditen einschleusen. Wie Faith gemeint hat, dachten die doch eh das sie zu den Assassinen gehört.“ „Gute Idee Gist“, antwortete ich ihm grinsend und fand seinen Plan nicht schlecht. „Wir müssen einen anderen Weg finden.“, meinte Shay nur und war gegen den Vorschlag seines ersten Maats. „Es ist aber die beste und einzige Möglichkeit, mo chride.“, versuchte ich unseren Captain von Gist's Vorschlag zu überzeugen. „Und wie willst du ihre Aufmerksamkeit erregen?“, knurrte er mich an. „Wie wäre es wenn du mich als böser Schurke durch die Stadt jagst und ich mich zu ihren Hauptquartier rette?“, meinte ich und hoffe das die beiden Herren mit meinem Plan einverstanden waren. „Interessanter Gedanke Schätzchen und unser Captain hat so ein Auge auf dich.“, versuchte Gist, Shay meinen Vorschlag schmackhaft zu machen. „Aber dir könnte sonst was passieren!“, sagte Shay besorgt zu mir. „Du passt doch auf mich auf und ich bin immerhin eine Assassine, wenn auch noch nicht so gut wie du.“, wollte ich meinen Captain überzeugen. „Du sagst es, Prinzessin. Du bist nicht gerade die beste in deinem Fach.“ „Aber ich bin schon besser geworden, dank dir mo chride und wir machen das so.“, sprach ich gebieterisch und trank das Ale in einem Zug aus, stand vom Tisch auf und lies die beiden Herren zurück. Ich würde diese Aufgabe schaffen, immerhin trainierte mich Shay jetzt schon ein paar Wochen und ich war nicht mehr ganz so schlecht. Ich verließ die Taverne, die Kerle vor der Tür machten eine Verbeugung vor mir und ließen mich passieren. Nach fünfzig Metern spürte ich Shay's Anwesenheit neben mir. „Mein Engel bitte, es gibt bestimmt einen anderen Plan“, versuchte er mich erneut davon abzubringen. „Das vielleicht schon, aber dieser Plan ist die beste Möglichkeit diese Kerle auszuschalten.“, antwortete ich Shay und damit war mein letztes Wort in dieser Angelegenheit gesagt.


 

Am nächsten Tag verließ ich die Morrigan in den frühen Morgenstunden. Die Sonne ging langsam über dem Fluss auf und ich lief gemütlich durch die Straßen von Albany. Ich beobachtete die Menschen, wie sie ihrer täglichen Arbeit nachgingen und die ersten öffneten ihre Geschäfte. Ich durchquerte einige Gassen und kletterte auf die Kirche der Stadt. Ich musste mir langsam einen Fluchtweg ausdenken, denn Shay würde mich bestimmt bald suchen. Unsere offizielle Version war einfach. Shay hatte mich im Grenzland weiter nördlich aufgegriffen und wollte mich nun nach New York bringen, um mich dort zu verhören. Ich konnte von seinem Schiff fliehen und versuchte bei den Assassinen Hilfe zu finden.


 

Wie immer wen man vor einem Ereignis Angst hat, kam der Zeitpunkt dieses Ereignisses viel zu schnell. Ich lief gerade den Weg in Richtung Friedhof, als Shay sich von oben auf mich stürzte. Mit einer Rolle brachte ich mich in Sicherheit. Wer wollte schon circa neunzig Kilo auf den Kopf bekommen? Ich definitiv nicht. Ich schmiss ein Rauchbombe in seine Richtung und nahm meine Beine in die Hand. Schnell rannte ich durch kleine Gassen, vorbei an Häusern und kleinen Höfen. Ich erreichte die Hauptstraße und wand mich nach Norden. Ein Blick über meine Schulter zeigte mir das Shay mich nicht verfolgte, doch so wirklich konnte ich das nicht Glauben. Immerhin hatte ich ihm sein Tuch vor einigen Tagen zurückgegeben, also sollte der Rauch ihm nichts ausmachen. Ich rannte weiter und bog an einer Kreuzung nach rechts ab, nach hundert Metern wieder nach rechts. Jetzt lief ich in süd- östliche Richtung und als ich nach weiteren fünfzig Metern das Fort erblickte, war ich mehr als froh. Ich rannte weiter, doch kurz vor meinem Ziel wurde ich gestoppt.


 

Mein Verfolger landetet direkt vor mir, zog seinen Säbel und ging auf mich los. Mit einer halben Drehung brachte ich mich aus der Reichweite seines Schwertes und zog meinen Säbel. Wenn Shay unbedingt einen Kampf wollte, so würde er ihn von mir bekommen. Bevor ich überhaupt an Angriff denken konnte, musste ich schon den ersten Schlag von meinem Gegner abwehren. Zwischen uns begann ein Kampf und die ersten Leute riefen panisch nach den Wachen, doch helfen wollte mir keiner der umstehenden Leute. „Los töte diese Schlampe“, kam ein Ruf von unserem Publikum. Hier waren die Assassinen wirklich unbeliebt und eine leichte Panik ergriff mich. Was wenn die Leute auf mich losgingen, anstatt mir zu helfen? Ich beschloss schnell das weite zu suchen und griff in eine meiner Taschen und holte die kleine Rauchbombe heraus und steckte sie mir in meinen Gürtel, dann musste ich wieder einen von Shay's Schlägen ausweichen. Ich machte ein Rolle und bekam so etwas Abstand von ihm, dann schmiss ich die Rauchbombe in seine Richtung. Der Rauch umhüllte uns beide und ich rannte in Richtung „Fort“.


 

Zu meinem Glück, hatten die Wachen unseren Kampf mit Interesse beobachtet und als ich sie passierte ließen mich die beiden Wachen einfach durch. Meine neuen Beschützer stellten sich Shay in den Weg. Doch dieser ließ sich durch die beiden nicht so schnell aufhalten, keine zwei Minuten später stand es eins gegen eins, aber aus dem Fort kam schon Verstärkung. Ich stand einfach nur da und schaute Shay beim kämpfen zu. Seine Bewegungen waren kraftvoll aber geschmeidig. Er schaffte es mit genauen Bewegungen seine Gegner kampfunfähig zu machen. Ich beobachtete ihn fasziniert bei seinem Kampf, so dass ich nur am Rande mitbekam das die Wachen immer mehr wurden. Als sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter legte, zuckte ich regelrecht zusammen.


 

Ich schaute an der Hand entlang und sah in das vermummte Gesicht eines Assassinen, welcher leicht schräg hinter mir stand. „Ihr braucht keine Angst mehr zu haben, Schwester. Dieser Hund von einem Templer kann euch nichts mehr tun. Ihr seid jetzt in Sicherheit.“, sprach mich der Fremde Assassine an. Er gab seinen Leuten den Befehl Shay am leben zu lassen, auch wenn dieser schon drei seiner Leute in Jenseits geschickt hatte. Die Wachen stürzten sich zu dritt auf Shay, er hatte gegen diese Übermacht keine Chance. Die Wachen nahmen Shay sein Gewehr, die Pistolen und seinen Dolch und den Säbel ab. Nur die Versteckten Klingen hatten die Wachen nicht bemerkt. Die Banditen führten Shay an mir vorbei und er würdigte mich keines Blickes. Der Anführer des „Fort“ legte seinen Arm um mich und führte mich über eine Brücke in die Assassinenfestung. So war das ganze aber nicht geplant, dann hieß es jetzt wohl ein wenig zu improvisieren und das konnte ich ja eigentlich ganz gut.


 

Während ich in Begleitung des Assassinen das Haupttor durchschritt, stellte sich mein Begleiter als Michael Wagner vor. Der Herr kam ursprünglich aus Kassel und war wegen des Geldes in die Kolonien gekommen, wo er von der Bruderschaft angeworben wurden war. Er führte mich über einen großen Platz, direkt auf das größte Gebäude zu, um mir dann galant die Tür aufzuhalten. Wir durchquerten einen kleinen Flur und über eine Treppe kamen wir in die erste Etage. Dort folgte ich Herrn Wagner zu seinem Arbeitszimmer. Als ich den Raum betrat, schaute ich mich neugierig um. Zu meiner Linken stand ein einfacher Schrank aus Holz, in der Mitte des Raumes ein Schreibtisch und rechts war eine Tür.


 

Bitte setzt euch doch, Schwester“, bot er mir höflich den Stuhl vor seinem Schreibtisch an. Ich nahm sein Angebot an und der Assassine ließ sich mir gegenüber nieder. „Wollt ihr einen Tee oder vielleicht einen Wein?“, fragte er mich scheinheilig. Ich setzte ein falsches Lächeln auf „Nein Danke, aber Sie sind sehr nett zu mir“, antwortete ich in meinem besten Londoner Dialekt. Er grinste mich nur an und mir lief es kalt den Rücken runter. Ich sollte diesen Herren auf gar keinen Fall unterschätzen. „Nun werte Schwester, was macht ihr in dieser öden Gegend?“, fragte er mich. „Nun Mister Wagner, ihr habt richtig bemerkt, dass ich von einer anderen Bruderschaft komme, nämlich aus London. Mein Meister gab mir den Auftrag die Lage hier in den Kolonien zu beobachten. Dabei lief ich leider ein paar Templern über den Weg. Sie erkannten das ich zu den Assassinen gehörte und nahmen mich gefangen. Das war vor drei Tagen ein ganzes Stück nördlich von hier. Jedenfalls brachten mich die Männer auf ein Schiff. Was sie mit mir vorhatten weiß ich nicht, aber ich konnte heute zum Glück entkommen. Ihr hab sogar ihren Jäger gefangen, er sollte mich zurückbringen.“, erzählte ich mein armes Schicksal dem Herren gegenüber von mir. „Ohne Eure Hilfe hätten sie mich wieder gefangen genommen und würden jetzt wer weiß was mit mir anstellen.“, setzte ich noch einen drauf und schaute mich ängstlich im Zimmer um. „Da hattet Ihr wahrlich Glück, Miss?“ „Roberts, Emilia Roberts ist mein Name.“, stellte ich mich vor. „Gut Miss Roberts, leider muss ich mich jetzt um den Templer kümmern, aber Ihr seid hier sicher. Ich werde Euch ein Zimmer bereiten lassen und ein warmes Bad, damit Ihr euch ein wenig entspannen könnt.“, sagte er in einem ruhigen Ton zu mir und läutete eine kleine Glocke.


 

Kurz darauf erschien eine junge Frau. „Was wünscht der Herr?“ fragte sie demütig den Assassinen. „Bereitet ein Zimmer für meinen Gast vor und ein Bad, dazu noch eine Kleinigkeit zu essen.“, sagte Wagner in einem harschen Ton zu der Frau. Die Dienerin huschte schnell aus den Zimmer, um die Wünsche ihres Herrn zu erfüllen. „Nun ich werde Euch jetzt verabschieden, My Lady“, säuselte er und gab mir noch einen feuchten Handkuss, dann war er aus dem Raum verschwunden. Ich wischte meine Hand an meinem Ornat ab. Dieser Kerl war einfach widerwärtig. Nach fünf Minuten holte mich seine Dienerin ab. Sie führte mich vom Arbeitszimmer nach links einen Gang entlang. An der hintersten Tür blieb sie stehen und öffnete mir die Tür. Ich trat ein und das erste was mir auffiel war das riesige Bett, welches fast den gesamten Raum einnahm. Es war dort drinnen genug Platz für vier Personen. Sonst gab es nur noch eine Kommode mit einem kleinen Hocker davor. Ich ging zu den Fenstern und bemerkte die Gitterstäbe davor.


 

Also doch wie in einem Gefängnis, nur ein klein wenig gemütlicher, dachte ich und drehte mich schnell um. Ich wollte nur raus aus diesem Raum, doch in der offenen Tür stand plötzlich eine Wache und grinste mich hämisch an. Ich setzte mich auf die Bettkante, als das junge Mädchen wieder erschien und zwei Eimer Wasser trug. Ihr folgten zwei weitere Wachen, welche einen Badezuber trugen. Sie stellten den Zuber vor das Bett und die Dienerin füllte das Wasser ein. Insgesamt waren es sechzehn Eimer Wasser, dann war das Bad fertig bereitet. Zum Schluss stellte sie einen Teller mit Essen auf die Kommode und legte noch neue Assassinenkleidung dazu. Dann war ich allein und an der Tür hörte ich wie der Schlüssel gedreht wurde. Also doch eine Gefangene der Assassinen!


 

Kapitel 30 – Fass sie nicht an


 

Ich ging zu der Tür und lauschte, ob ich im Flur etwas hören konnte. Ich hörte leises gemurmel von den Wachen vor der Tür. Nun dieser Fluchtweg kam wohl nicht in Frage. Ich lief zurück zum Bett und beobachtete betrübt die Dampfschwaden, welche vom Badewasser aufstiegen. Warum eigentlich nicht?, dachte ich mir. Langsam öffnete ich die Knöpfe von meinem Ornat und zog mich aus. Wenn hier ein warmes Bad stand, so konnte ich es wenigstens nutzen. Ich nahm mir das kleine Stück Seife von der Kommode und schnupperte an dieser. Roch nicht mal schlecht, nach Maiglöckchen. Vorsichtig stieg ich in das heiße Wasser, um mich wenige Augenblicke später ausgiebig zu strecken. Ja so ein Bad tat richtig gut, nach mehren Wochen auf See und nur weil ich mit Männern reiste, musste ich nicht wie einer riechen.


 

Ich entspannte mich ein wenig und überlegte meine aktuelle Situation. Wie sollten wir am besten von hier fliehen? Nach knapp einer halben Stunde wurde mir das Wasser zu kalt, ich stieg aus dem Zuber und trocknete mich mit einem Leinentuch ab. Immerhin war ich jetzt sauber. Frau sollte ja positiv denken. Ich schaute zu meinem Ornat und beschloss kurzerhand den neuen anzuziehen. Meine waren mir zwar lieber, aber die brauchten dringend eine Wäsche und warum sollte ich die Situation nicht ausnutzen? Die neue Kleidung passt sogar recht gut, außer der Farbe gefiel mir der Ornat, musste es unbedingt gelb-blau sein. Das machte mich irgendwie dick.


 

Ich ging zur Tür und klopfte dagegen. Erst hörte ich lautes gemaule, dann wie der Schlüssel umgedreht wurde und die Tür sich öffnete. Die Wache sah alles andere als glücklich aus, doch ich setzte ein höfliches lächeln auf. „Ich wollte nur sagen, dass der Zuber wieder weg kann“, trug ich ihm meine Bitte vor. Er schaute erst auf mich, zum Badezuber, dann wieder auf mich, murmelte etwas unverständliches in seinen Bart, nur um kurz nach seinen Kollegen zu rufen. Dieser tauchte nach zwei Minuten auf und zusammen versuchten sie den vollen Badezuber anzuheben. Während meine beiden Aufpasser mit meinem Bad beschäftigt waren, legte ich meine Waffen an, ging auf die beiden zu und zog am Zuber, so dass dieser gefährlich schwappte. Keine drei Sekunden später konnten die beiden Herren den vollen Zuber nicht mehr halten und das Ding krachte auf den Boden. Eine Kaskade Wasser schob sich über den Fußboden, mit einem beherzten Sprung aufs Bett, brachte ich meine Füße ins trockene. Meine beiden Helfer hatten weniger Glück, bei einem war der Zuber auf den Fuß gelandet und er schrie vor schmerzen. Sein Kollege, sichtlich mit der Situation überfordert, stand da und schaute perplex auf seine nassen Füße. Das war meine Chance von hier zu verschwinden.


 

Ich sprang vom Bett, lief auf den geschockten Wachmann zu und erstach ihn mit meiner versteckten Klinge. Der Mann sackte zusammen und seinen Freund ereilte das gleiche Schicksal. Ich ging zügig zur Tür, schaute raus, ob keine weiteren Wachen da waren, danach schlich ich mich in den Flur. Bei den kleinsten Geräusch hielt ich an und lauschte angestrengt. Als ich fast das Büro erreicht hatte, hörte ich laute Rufe. Man hatte wohl meinen Ausbruch gemerkt. Ich versuchte mich noch in einen der angrenzenden Räume zu retten, doch diese verdammten Türen waren allesamt verschlossen. Ich wollte mich zur nächsten Tür wenden, aber der Assassine stand plötzlich direkt vor mir. „Wohin so eilig Miss Roberts“, sprach mich Mister Wagner kalt an. „Sie wollen uns nicht etwa verlassen?“, erzählte er weiter und griff nach meinen Arm. Da war mein Fluchtversuch wohl gescheitert!


 

Wagner packte mich grob am Arm und dirigierte mich das letzte Stück zu seinem Büro. Vor der Tür blieb er stehen, öffnete sie und schubste mich in den Raum, so dass ich auf allen Vieren landete. Ich schaute auf, sah das Wagner die Tür schloss und an mir vorbei, zu seinem Schreibtisch ging. „Ich schätze ihr beiden Damen kennt euch von gestern?“, fing der Assassine ein Gespräch an. Ich richtete meine Aufmerksamkeit zum Schreibtisch und sah die Frau von gestern, welche Shay so schamlos diese anzüglichen Blicke zugeworfen hatte. „Nun Miss Roberts, darf ich ihnen Madame Justine vorstellen?“, sagte Mister Wagner siegessicher zu mir. „Wissen sie was mir Justine soeben erzählt hat. Nein ich werde es ihnen sagen, Emilia. Justine behauptet, dass Sie meine Liebe, gestern diesen Templer in aller Öffentlichkeit verführt haben.“, redete er und ich versuchte so zu tun als ob ich das alles zum ersten mal hören würde.


 

Ich habe diese Dame noch nie gesehen, Mister Wagner. Und warum sollte ich mit dem Feind ein kleines stell dich ein haben?“, antwortete ich ihm kühl. „Nun da beide Damen was anderes behaupten, fragen wir doch einfach den Templer. Zu so einer Sache gehören doch immer zwei. Bringt ihn rein!“, rief er und die Tür wurde erneut geöffnet. Zwei Wachen betraten das Büro und zerrten Shay in den Raum. Ich schaute zu ihm und machte eine schnelle Bestandsaufnahme ob noch alles da war wo es hingehörte. Auf den ersten Blick konnte ich keine Verletzung ausmachen, aber ich wusste nicht wie es unter seiner Kleidung aussah. „Nun du Templerhund, kennst du diese Dame?“, fragte der Assassine Shay. Schnell richtete ich meine Konzentration auf das Geschehen um mich herum und schob Shay's Verletzungen beiseite. Ich spürte wie Shay mich ansah und in seinen Blick war für den Bruchteil einer Sekunde Erleichterung zu sehen, dann schaute er mich aus kalten Augen an, so dass ich auf einmal Angst vor ihm bekam.


 

Nun mein Opfer sollte ich erkennen.“, antwortete Shay überheblich und versuchte sich von den Wachen zu befreien. Die beiden Kerle waren aber auf seinen Befreiungsversuch vorbereitet und hielten ihn mit eisernen Griff fest. Wagner stand von seinem Platz auf, schritt auf Shay zu und verpasste ihm einen Schlag in den Magen. Shay ging ein Stück in die Knie, ansonsten kam kein Ton über seine Lippen. „Ihr seid wirklich ein sturer Kerl.“, murmelte der Assassine und schaute zu mir. Leider war ich kein so guter Schauspieler wie mein Captain, ich wimmerte kurz und drückte schnell meine Hand vor den Mund, damit mir kein weiter Laut raus rutschen konnte. „Danke Justine, ich werde dir heute Abend deine Belohnung geben. Wachen!“, schrie Wagner und aus der anderen Tür kamen sogleich zwei dazu. Sie ergriffen mich, nahmen mir meine Waffen weg und drückten mich auf Wagners Schreibtisch.


 

Ich hörte noch die Tür, dann war Justine verschwunden. Jetzt gab es also nur noch vier Wachen, Wagner, Shay und mich, Shay hatte noch seine versteckten Klingen, ich nur noch mein signah duh, welches im Stiefel versteckt war. Wagner drehte sich wieder zu Shay, um ihn triumphierend anzugrinsen. „Ich wäre fast auf eure kleine Show reingefallen, aber deine Liebste hätte lieber den Mund halten sollen, dann wäre ich euch vielleicht auf den Leim gegangen. Jetzt muss ich euch beiden eine Lektion erteilen und da ich ein Gentleman bin, werde ich mit der Dame anfangen. Los Männer ihr wisst was ihr zu tun habt.“, befahl er harsch. Die beiden Kerle die mich festhielten, drückten mich noch weiter auf den Tisch und mir kam ein kleiner Schmerzenslaut über die Lippen. „Wisst ihr was das schöne an so jungen, unverheirateten Dingern ist? Nein? Sie sind so verdammt eng. Ihre Schreie sind wie Musik in meinen Ohren. Dabei können sie sich glücklich schätzen, mal richtig von einem Mann durchgefickt zu werden.“, erzählte Wagner und stellte sich hinter mich. Wagner beugte sich über mich und begrabschte meinen Hintern. „So schön rund, wirklich eine Schande das du auf der anderen Seite stehst. Wir hätten viel Spaß miteinander haben können.“, flüsterte er mir ins Ohr und berührte mit seinen Lippen mein Ohr. Dann drehte er sich wieder zu Shay um. „Fass sie nochmal an und du bist tot.“, knurrte dieser den Assassinen an. Wagner fing laut an zu lachen „Oh wer hätte es je für möglich gehalten, eine Assassine und ein Templer als Paar. Nun da wird es mir gleich doppelt so viel Spaß machen, bei so was leiden dann gleich zwei mit.“, höhnte er und schob meine Beine auseinander.


 

Ich selbst war viel zu geschockt von der Situation, um mich überhaupt gegen Wagner zu wehren. Vor meinem inneren Auge sah ich wieder unser altes Versteck und wie der Offizier Anna vor meinen Augen Vergewaltigte. Das ich diesmal in der gleichen Lage war, konnte mein Verstand nicht begreifen. „Du bist ja Steif wie ein Brett, Emilia. Hat sie das auch bei dir Templer?“, machte Wagner eine weitere Bemerkung und fing dabei an meine Kleidung hochzuschieben. Wieso hatte ich dieses Kleidungsstück angezogen. Statt einer Hose hatte es einen Rock, welcher vorne einen Schlitz hatte, um mehr Beinfreiheit zu haben. Ich schloss die Augen und hoffte das es schnell vorbei sein würde, als ich einen kühlen Luftzug an meinem Hinterteil spürte. „Fast Perfekt, nur diese Narbe Emilia.“, sagte der Assassine zu seinen Wachen. „Wenn ich fertig bin, dürft ihr ran, Männer“, meinte er weiter und berührte meine Haut.


 

Hinter mir hörte ich einen kurzen Schrei, ein poltern als ob etwas schweres zu Boden viel, wieder ein röcheln. „Wie“, fragte der Assassine, doch das war sein letztes Wort. Nochmals ein poltern, dann spürte ich etwas warmes auf meinem Gesicht. Ich öffnete meine Augen und sah genau in die leblosen Augen einer der Wachen. Mit einem Ruck wurde ich hochgezogen. Shay umarmte mich, während er versuchte mich zu beruhigen. „Es ist alles gut, mein Engel. Niemand kann dir was tun, ich bin bei dir.“, flüsterte Shay mir ins Ohr. Langsam beruhigte ich mich wieder und nach einem kurzen Augenblick löste ich mich von ihm.


 

Ich schaute mich im Raum um, hier lagen die Leichen von Wagner und seinen Männern. Der Assassine wollte ja nicht auf Shay's Warnung hören, jetzt hatte er mit seinem Leben bezahlt. „Wollen wir es zu Ende bringen und den Bürgern von Albany ihre Freiheit zurückgeben?“, fragte mich Shay. „Aber was ist mit dir, ich meine deine Verletzungen, mo chride?“, wollte ich besorgt von ihm wissen. „Später“, sagte er nur und gab mir einen Kuss auf meine Wange. Shay schnappte sich mein Schwert und meine Pistolen. „Ich die Scharfschützen, du die Flagge!“, gab er mir als Anweisung und verschwand durch die Tür des Büros.


 

Ich schaute zum Fenster und zu meinem Glück waren hier keine Gitterstäbe davor. Ich öffnete das Fenster, kletterte auf die Fensterbank, von da nach draußen und die Holzfassade hinauf zum Dach. Wenn ich mich nicht täuschte war der Fahnenmast auf dem Dach des Gebäudes. Ich zog mich mühevoll auf das Dach, erledigte noch schnell den patrouillierenden Schützen, indem ich ihm die Kehle aufschlitzte. Die Flagge war schnell vom Fahnenmast gekappt, nun ging es für mich wieder zurück auf den Boden und zurück zu Shay. Im Hof erledigte ich noch eine Wache, ich erstach sie einfach von hinten. Keine zwei Minuten später entdeckte ich Shay. „Einer müsste noch übrig sein, Prinzessin.“, sagte er zu mir. Ich grinste ihn an „Den hatte ich auf meinem Weg zur Flagge erledigt.“, meldete ich meinem Captain gehorsamst. „Gut, dann hoffen wir mal das die Soldaten bald hier auftauchen.“, gab er erschöpft zu. „Hier dein Säbel und die Pistolen, ich hab meine Waffen wieder zurück.“, meinte er noch als er sich Sekunden später einfach auf die Erde setzte. Ich gesellte mich zu Shay auf den Boden und kuschelte mich in seine Arme. So würde ich wenigstens nicht frieren. Nach zwei Stunden des Wartens, tauchten endlich die englischen Soldaten auf und als erst alles mit ihrem Offizier besprochen war, konnten wir endlich auf die Morrigan zurückkehren.


 

An Bord des Schiffes wurden wir von unseren ersten Maat begrüßt, Shay erzählte ihm was vorgefallen war und dann endlich konnte ich mich um die Verletzungen von Shay kümmern. Wir gingen in unsere Kabine und auf Shay's Schreibtisch stand schon meine Medizintasche. Da hatte Gist wohl eine gewisse Vorahnung gehabt. „Komm ich helfe dir.“, meinte ich zu ihm und legte als erstes seine Waffen zur Seite. Danach kam sein Mantel dran. Ich streifte den Mantel von seinen Schultern und war über das schwere Gewicht erstaunt. „Was hast du da alles drin?“, fragte ich ihn. „Alles was ich so brauche, Prinzessin. Munition für die Pistolen, Rauchbomben, Schlafpfeile, Giftpfeile, Wurfpfeile und Geld.“, erklärte er mir. Ich legte den Mantel über eine der Truhen, ging wieder zu ihm und fing an seine Weste aufzuknöpfen, danach den Kragen seines Hemdes, damit Shay es ohne Probleme ausziehen konnte. „Hast du was bestimmtes vor Prinzessin?“, neckte er mich. Ich merkte wie ich leicht rot um die Nase wurde. „Ich will dich behandeln, nicht verführen, mo chride.“, sagte ich nur und konzentrierte mich auf mein tun.


 

Setz dich hin, mo chride.“, sagte ich und Shay gehorchte mir ohne Widerworte. Er setzte sich auf seinen Stuhl und lehnte sich erschöpft zurück. Als ich seinen Oberkörper betrachtete, kamen mir die Tränen. Auf seiner Brust prangte ein riesiger blauer Fleck und sein Bauch sah auch nicht besser aus. Was hatten diese Kerle nur mit ihm gemacht? Doch bevor ich überhaupt anfangen konnte richtig los zu heulen, saß ich auf seinem Schoss und Shay's Arme waren fest um mich geschlungen. Langsam fragte ich mich wirklich, woher er immer wusste was in mir vorging. „Es geht mir gut mein Engel. Das heilt schon wieder.“, flüsterte er leise in mein Ohr. „Was haben diese Kerle überhaupt mit dir gemacht?“, sprach ich meine Gedanken aus. „Nur ein paar Schläge und Tritte, nichts was ich nicht schon kannte. Viel wichtiger mein Engel, bist du unversehrt? Ich wollte nicht das es so weit kam, aber es war für mich die beste Gelegenheit als der Kerl mit dir beschäftigt war. Verzeih mir.“ gab Shay mir zu verstehen. „Es geht schon wieder, hatte mich nur an was erinnert.“, sagte ich leise zu ihm. „Es ist vorbei. Ich werde dich beschützen, mein Engel. Nie wieder wird ein Fremder Hand an dich legen“, sagte er und sah mir dabei tief in die Augen. Langsam beugte ich mich zu ihm rüber und legte meine Lippen sanft auf die seinen. Zart bat meine Zunge um Einlass und Shay gewährte es. Es entbrannte ein Kampf unserer Zungen, welcher immer Leidenschaftlicher wurde. Shay's Hände glitten an meiner Seite hinab und fingen an mich sanft zu streicheln. Schüchtern legte ich meine Hand an seine nackte Brust und glitt sanft über seine Haut, um alles an ihm zu ertasten. Shay's Mund wanderte langsam von meinen Mund, über mein Kinn zu meinem Hals. Ich drehte meinen Kopf, damit er noch besser an meinen Hals gelangen konnte. Genüsslich schloss ich meine Augen, ich spürte wie hunderte von Schmetterlingen in meinem Bauch einen Tanz aufführten. Das Kribbeln nahm langsam zu und wanderte langsam in meinen Unterleib. Mein Körper fing an immer mehr zu beben und wie von selbst drückte ich meinen Körper noch näher an Shay's.


 

Zu meinem Pech, erwischte ich genau eine von seinen Verletzungen und Shay zog stark die Luft ein, um einen Schmerzenslaut zu unterdrücken. Dies brachte uns beide ins hier und jetzt zurück. „Entschuldige, mo chride“, sagte ich und stieg vorsichtig von seinem Schoss runter. „Du riechst nach Maiglöckchen, Prinzessin. Warst du etwa ohne mich baden?“, fragte er mich schelmisch grinsend. „Bot sich so an. Oh mein Gott! Mein Ornat ist noch in den Fort.“, meinte ich leicht panisch. „Holen wir morgen.“, sagte Shay müde. Ich begann mit meiner Arbeit, obwohl es heute besonders schwierig war sich zu konzentrieren, weil immer eine Hand über meine Seite oder meine Haare und das Gesicht strich. Ich schaffte es nach einer kleinen Ewigkeit Shay zu verarzten, nur um ihn dann für einen Augenblick alleine zu lassen. Ich wollte wenigstens noch meine Medizintasche auf die Krankenstation bringen. Shay passte das zwar nicht so richtig in den Kram, aber er musste es akzeptieren. Ein halbe Stunde später kuschelte ich mich an Shay und schlief wohlbehütet ein.

Kapitel 31 – Traute Zweisamkeit


 

Seit dem Vorfall mit den Assassinen in Albany war eine Woche vergangen. Die Morrigan reiste auf den großen Flüssen der Kolonien nach Norden. Obwohl jetzt langsam der Herbst anfing, war das Wetter wunderschön und seit zwei Tagen schien ununterbrochen die Sonne. Dank dem Wind auf Deck, wurde es auch nicht so heiß und ich genoss die letzten Sonnenstrahlen des Sommers. In zwei Monaten konnte hier schon der erste Schnee liegen, so erklärte es mir jedenfalls Gist. Da der Templer sich in der Wildnis Nordamerikas besser auskannte als ich, glaubte ich ihm einfach.


 

Gegen Mittag ankerte die Morrigan in einer ruhigen Bucht des Flusses. Wir würden hier die Nacht verbringen und unsere Vorräte auffüllen. Für die Männer hieß das jagen und sich abends am Lagerfeuer entspannen und unsere Alkoholvorräte ein ganze Stück zu dezimieren. Ich hatte meine Vorräte ebenfalls überprüft und war zu dem Entschluss gekommen, ein paar Kräuter zu sammeln. Ich legte mir meinen Säbel an, sagte noch schnell Maxwell was ich vor hatte, dann verließ ich das Schiff. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen, dachte ich und wand mich nach Osten zum Wald hin. Ich entdeckte einen kleinen Bach, welcher so schön klar war, dass ich mich hinkniete und ein paar Schlucke des Wassers trank. Es schmeckte frisch und belebte mich an diesem warmen Tag. Ich folgte dem Bach entgegen seiner Laufrichtung tiefer in den Wald hinein.


 

Nach einer viertel Stunde des Suchens fand ich die ersten Kräuter. Ich beugte mich hinab und schnitt vorsichtig die Minze ab. Sie würde als Tee gut gegen eine Erkältung wirken und natürlich für frischen Atem sorgen, bei der täglichen Mundpflege. Ich legte meine Beute in einen kleinen Weidenkorb und suchte den Boden nach weiteren Heilpflanzen ab. Ich fand noch Schafgarbe, wilden Salbei und Thymian. Nun immerhin eine kleine Ausbeute, dachte ich und setzte meinen Weg fort. Ich folgte weiter dem Bachlauf, als ich auf einmal ein knacken im Unterholz hörte. Sofort war ich in höchster Alarmbereitschaft. Meine Hand glitt an meine Seite, zu meinem Säbel.


 

Ich lauschte gespannt den Geräuschen des Waldes, doch ich hörte nur das zwitschern der Vögel und das plätschern des Wassers. „War wohl nur ein Tier gewesen“, nuschelte ich zu mir selbst und lief weiter, ich hatte in zehn Meter Entfernung ein paar Büschel Beifuß entdeckt. Ich wollte mich gerade zu der Pflanze hinunterbeugen als mich jemand von hinten packte. Ich schrie erschrocken auf und trat um mich. Ich hörte einen irischen Fluch,dann wurde ich losgelassen. Ich drehte mich zu meinem Angreifer um. Da stand doch tatsächlich Shay! Wie um alles in der Welt hatte er mich gefunden? Er hielt sich sein Schienbein und knurrte in meine Richtung. Was hatte der Herr denn erwartet, wenn er mich so von hinten überfallen würde, das ich still mein Schicksal ertragen würde oder was? „Geht's wieder mo chride?“, fragte ich ihn und hob meinen Korb auf, den ich vor Schreck fallen gelassen hatte.


 

Ja Prinzessin. Du kannst aber treten wie ein Pferd.“, meinte er leicht zerknirscht. „Dann schleich dich nicht an mich ran.“, antwortete ich ihm grinsend und trat auf ihn zu, um ihn mit einem Kuss zu begrüßen. Shay legte seine Arme um mich und vertiefte unseren Kuss noch ein wenig mehr. Nach einigen Minuten lösten wir uns voneinander und in Shay's Blick konnte ich Verlangen sehen. „Komm ich will dir was zeigen.“, sagte er leise und nahm meinen Korb. Shay ging zu einem umgestürzten Baumstamm und kletterte darauf. „Los Prinzessin, worauf wartest du noch“, rief er mir zu und war schon auf den ersten Baum geklettert. Was hatte dieser Kerl jetzt schon wieder mit mir vor? Ich ergab mich meinem Schicksal und kraxelte ebenfalls auf den umgestürzten Baum, von hier aus kam man ganz leicht auf einen anderen. Ich ging an das ende des Stammes und mit einem kleinen Sprung schaffte ich es auf den nächsten Baum. Shay lächelte mir aufmunternd zu und lief voraus, ich folgte ihm in einen kleinen Abstand.


 

Der Weg welchen Shay gewählt hatte, war für mich alles andere als einfach. Er hatte in seiner Ausbildung gelernt sich über Bäume fortzubewegen, ich nicht wirklich. In Schottland gab es nicht so große Wälder wie hier, in London musste man die Bäume dann schon suchen. Langsam folgte ich Shay und versuchte dabei nicht runter zu fallen, was schwieriger war als gedacht, aber irgendwie schaffte ich es dann doch heil an unser Ziel zu gelangen. Ich blieb hinter Shay stehen, mein ehemaliger Assassinenbruder hatte es sich in einer großen Astgabel gemütlich gemacht, um auf mich zu warten. „Bist du bereit den Sprung des Glaubens zu erlernen?“, fragte er mich und ich blickte ihn skeptisch an. „Du kennst den Sprung des Glaubens? Du weist schon, dass das eine veraltete Tradition ist, mo chride.“, antwortete ich ihm und schlang meine Arme um seinen Körper. „Ja das weiß ich, aber der Sprung heißt so. Dir kann nichts passieren, Prinzessin.“, sagte Shay und zeigte auf eine Stelle vor sich.


 

Ich schaute an ihm vorbei und was ich sah war wunderschön. Vor uns lag ein kleiner See, welcher nach Norden und Westen durch hohe Felsen eingebettet war. Die anderen beiden Seiten wurden durch Brombeersträucher vom restlichen Wald abgeschirmt. Es gab unter uns noch eine kleine Wiese, auf der die letzten Wildblumen des Jahres blühten. Hier würde ich bestimmt einige Kräuter finden und die Brombeeren waren eine willkommene Abwechslung zu der sehr einseitigen Ernährung an Bord des Schiffes. „Ich zeige dir wie es geht und du machst es einfach nach, Prinzessin“, holte Shay mich aus meinen Beobachtungen. Er balancierte den Ast vor uns entlang und am Ende sprang er einfach in den See, dabei breitete er seine Arme seitlich aus, nur um dann mit einem eindrucksvollen Köpfer im Wasser zu landen. Nun das sah irgendwie anders aus als sonst. Wenn Shay normalerweise den Sprung des Glaubens ausführte, dann drehte er sich in der Luft und landete mit dem Rücken in einem Heuhaufen.


 

Ich balancierte vorsichtig zum ende des Astes und sah wie Shay wieder auftauchte. „Mo chride, so ganz war der Sprung aber nicht gelungen.“, meinte ich grinsend zu ihm. „Vielleicht, Prinzessin.“, meinte er und grinste ebenfalls. „Und mein Korb?“, fragte ich weiter und sah wie Shay mich schuldig anschaute. „Ist jetzt etwas nass und deine Kräuter, na ja du findest bestimmt neue.“ Ich lächelte auf Grund seiner Entschuldigung, dieser Mann würde mich noch in den Wahnsinn treiben mit seiner manchmal unüberlegten Art. „Jetzt komm endlich Prinzessin, oder bist du ein Feigling“, rief er mir zu und schwamm ein Stück in Richtung der Felsen. Nun ich würde wohl nicht drumherum kommen. Ich atmete tief durch und sprang einfach vom Ast ab. Ich breitete meine Arme aus und kurz bevor ich das Wasser erreichte, streckte ich sie vor meinem Kopf, um dann grazil in das Wasser einzutauchen. Ich tauchte ein kleines Stück, bevor ich wieder an die Oberfläche des Sees schwamm. An der Oberfläche suchte ich nach Shay, aber ich fand ihn nicht. Er war doch noch vor einer halben Minute im Wasser gewesen, wo konnte er nur sein. Ich drehte meinen Kopf in Richtung Land, doch dort sah ich ihn auch nicht. Auf einmal spürte ich wie etwas meinen Fuß griff und mich unter Wasser zog. Vor Schreck schloss ich meine Augen, als ich an meiner Wange eine Hand fühlte. Ich öffnete unter Wasser meine Augen, blickte so direkt in die dunklen Irden von Shay. Seine Lippen nährten sich den meinen und der Kuss den er mir gab war wunderschön. Um uns herum waren lauter Luftblasen, ich schmeckte Shay und das klare Wasser in meinem Mund. Seine Zunge spielte mit meiner, keiner von uns beiden wollte diesen Kuss beenden. Langsam trieben wir an die Oberfläche zurück und als ich mich von Shay löste, biss ich ihm neckisch in seine Unterlippe. Wieder an der Luft zog ich gierig den Sauerstoff in meine Lungen, nur um Shay einen weiteren leidenschaftlichen Kuss zu geben. Ohne den Kuss wirklich zu unterbrechen, schafften wir es in das seichtere Wasser des Sees, so das wir beide ohne Problem stehen konnten.


 

Ich legte meine Arme in seinen Nacken und löste langsam unseren Kuss. Mit funkelnden Augen lächelte ich Shay an „Nun hast du doch dein Bad mit mir bekommen.“, sagte ich zu ihm. Er schaute mich mit seinen schwarzen Augen verlangend an. „Nur deine Sachen stören ein wenig, also zählt das nicht wirklich.“, raunte er mir in mein Ohr und verteilte kleine Küsse auf meinem Hals. „Dann zieh sie mir aus“, antwortete ich ihm, während ich seine Liebkosungen genoss. Shay hob mich einfach hoch, ich umschlang seine Hüfte mit meinen Beinen und gab ihm einen stürmischen Kuss. Ja ich wollte das dieser Mann mich von meinen Kleidern befreite, das er meinen Körper erkundete, das er mir Lust schenkte.


 

Zusammen verließen wir den See, Shay legte mich mit dem Rücken in das hohe Gras und war jetzt genau über mir. Er löste sich von meinen Lippen, nur um mit seinem Mund meinen Hals weiter zu erkunden. Ich spürte wieder dieses kribbeln im Bauch, es war wunderschön und ich wusste, dass ich mehr wollte. Shay küsste sich immer weiter abwärts, dabei öffnete er mit geschickten Fingern die Knöpfe an meinem Ornat. Seine Hände schoben mir den nassen Stoff von meinen Schultern, sodass ich nur in Hemd und Hose vor ihm lag. Shay's Linke Hand wanderte unter mein Hemd, seine Rechte tastete sich zu meinem Rücken vor. Mit leichten Schwung hob er mich hoch und versiegelte meine Lippen erneut mit den seinen. Ich saß jetzt auf seinem Schoß, unser Kuss wurde immer verlangender, seine rechte Hand lag auf meinem Hintern und streichelte diesen sanft. Mit der Linken Hand griff Shay nach meiner Brust, was mir ein leises wimmern entlockte. Oh diese Gefühle waren so berauschend, ich wollte immer mehr davon. „So empfindlich, mein Engel. Heb deine Arme über den Kopf“, hauchte Shay mir zu und ich gehorchte seiner Bitte.


 

Zu meinem Mantel gesellte sich jetzt noch mein Hemd. Shay's Mund ging wieder auf Wanderschaft, ich beugte mich ein Stück zurück, damit er leichter an meinen Oberkörper herankam. „Du bist wunderschön“, murmelte Shay und bedeckte meine Brüste mit seinen zarten Küssen, um eine meiner Brustwarzen in den Mund zu nehmen und daran zu saugen. Ich stieß einen kurzen Schrei aus, das kribbeln wurde immer mehr. Ich merkte wie Shay an meiner Brust lächelte. Er lies mich vorsichtig wieder auf den Boden, sodass meine Hände jetzt ihn erkunden konnten. Ich öffnete mit zittrigen Fingern die Schnallen der Waffengurte, aber ohne Shay's Hilfe hätte ich es bestimmt nicht geschafft, ihn davon zu befreien. Ich war einfach zu nervös und hatte Angst das ich was falsch machen würde. Shay beugte sich über mich, nur um mir einen sanften Kuss zu geben. „Ganz ruhig mein Engel, wir haben alle Zeit der Welt.“, flüsterte er leise in mein Ohr und half mir bei den Knöpfen seiner restlichen Kleidung, dabei streichelte er sanft über meinen Körper, stoppte aber vor dem Bund meiner Hose. „Willst du das wirklich mein Engel? Du weist ich werde dich nicht so schnell wieder aus meinem Bett lassen.“, meinte er lächelnd und küsste meinen Bauch. „Ja, mo chride,“, hauchte ich und spürte wie die Lust in meinem Körper immer mehr zu nahm. Shay zog mir in einem Zug meine Hose aus, jetzt lag ich nackt vor ihm und spürte wie mein Gesicht langsam rot wurde. Gefiel ich ihm wirklich, störten Shay diese ganzen Narben nicht?, fragte ich mich in Gedanken und merkte wie ich unter seinem Blick zu erröten begann.


 

Doch mein Geliebter spürte mein Nervosität „Du bist wunderschön, mein Engel“, raunte er mir mit lustvoller Stimme zu und begann jede einzelne Narbe auf meinem Körper mit Küssen zu bedecken. Mit seiner rechten Hand streichelte er meinen Oberkörper, mit der Linken Hand tastete sich Shay an der Außenseite meines Oberschenkels entlang. Ich spürte die sanften Berührungen von ihm, langsam öffnete ich meine Schenkel, so dass er mich auch an der Innenseite streicheln konnte. Shay nahm meine Einladung an und strich zart über die weiche Haut. Mit kleinen kreisenden Bewegungen erreichte er mein Lustzentrum und strich mit seiner linken Hand durch dieses, ein weiteres keuchen entrang meiner Kehle. Dieses Gefühl war unglaublich. Sein Finger massierte leicht mein Perle. Ein Beben durchlief meinen Körper, ich stöhnte auf und spürte eine Woge des Glücks mich durchfluten. Shay erhöhte den Druck und seine schnelleren Bewegungen lösten einen Sturm von Empfindungen in mir aus. Dieses Gefühl war unglaublich schön, doch kurz bevor ich meinen Höhepunkt erreichte, hörte Shay mit seinen Liebkosungen einfach auf. Er legte sich vorsichtig auf mich, gab mir einen Kuss, den er immer mehr vertiefte. An meiner Weiblichkeit spürte ich seine Erektion. Mit einer langsamen Bewegung drang er ein Stück in mich ein. Ich verkrampfte mich kurz, ein stechender Schmerz durchfuhr mich. Shay hielt inne, bis ich mich wieder entspannte und dann drang er weiter vorsichtig in mich ein. Ich schaute in seine Augen und sah Verlangen nach mir. Er ließ mir Zeit mich an sich zu gewöhnen, bevor er sich aus mir zurück zog, nur um dann seine Männlichkeit wieder in mich zu stoßen. Es fühlte sich ungewohnt an, aber gut. Shay erhöhte langsam den Rhythmus, stieß immer kräftiger in mich. Mein Becken hob sich ihm entgegen, um Shay noch tiefer in mich aufzunehmen. Diese Gefühle die Shay in mir auslöste waren einfach wundervoll, so was schönes hatte ich in meinem ganzen Leben noch nie gespürt. Unsere Atmung wurde immer schneller, ein leichter Schweißfilm hatte sich schon auf unseren Körpern gebildet. Ich schloss genießerisch meine Augen, als mir ein Stöhnen über meine Lippen drang. Ich merkte wie sich mein Verlangen immer mehr steigerte und ich bald den Gipfel meiner Lust erreichen würde. Als die Woge der Lust über mich kam, schrie ich einen stummen Schrei aus. Meine Muskeln zuckten unkontrolliert und das bewirkte das Shay seinen Höhepunkt fast zeitgleich mit mir erreichte und ich spürte wie er seinen Samen im mich ergoss.


 

Shay legte seinen Kopf an meinen Hals und stützte sich auf den Unterarmen ab, damit nicht sein ganzes Gewicht auf mir lag. Ich küsste seine Stirn. Das brachte Shay dazu mich anzusehen. Ich lächelte ihn an, gab ihn noch einen innigen Kuss, bevor ich mich an ihn kuschelte. Shay legte sich neben mich, um mich in seine Arme zu schließen. Ich war erschöpft aber unglaublich glücklich. „Shay“, sagte ich nach einer Weile und durchbrach so die Stille zwischen uns. „Mhm“ „Können wir das wiederholen?“, fragte ich ihn leise. Ich hörte Shay's Lachen „Wann immer du willst, mein Engel“, antwortete er mir. Wir legten uns noch eine Weile in das Gras, ich mochte es einfach in seinen Armen zu liegen und mit Shay über Gott und die Welt zu sprechen. Das taten wir auch, bis wir uns entschlossen kurz vor Sonnenuntergang zur Morrigan zurückzukehren. Wir zogen uns an, was eindeutig länger dauerte als sonst, da wir uns immer wieder Küssen mussten.


 

Und wie kommen wir wieder von der Lichtung, mo chride?“, fragte ich Shay. „Dort“, antwortete er mir und zeigte auf einen Baum. Also der gleiche Weg wie wir hergekommen waren. Ich folgte meinen Liebsten und als die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden war, sahen wir den Schein der Lagerfeuer unseres provisorischen Lagers. Shay zog mich zu sich, gab mir einen leidenschaftlichen Kuss, bevor er sich nach ein paar Augenblicken von mir löste. „Lass uns auf die Morrigan gehen, mein Engel. Dort sind wir ungestört“, schlug er mir vor. Ich nahm seinen Vorschlag an, leise schlichen wir um das Lager, um dann unbemerkt auf die Morrigan zu gelangen. Ich würde heute Nacht eindeutig nicht viel Schlaf bekommen.


 

  

Kapitel 32- Wie kommt man in ein gesichertes Fort


 

Seit meinem kleinen romantischen Abenteuer mit Shay waren zwei Wochen vergangen und wir waren vor zwei Tagen wieder in New York angekommen. Die Morrigan hatte eine gute Ausbeute an Bord, was Shay sogleich nutzte um die Gute ein wenig zu verbessern, ein stärkerer Rumpf und bessere Kanonen waren diesmal für die Morrigan vorgesehen. Ich selbst war wieder in den Straßen New Yorks unterwegs und half den Leuten in Not. Zur Zeit war Erntesaison und für mich gab es genug Arbeit. Die Leute riefen lieber mich, als einen teuren Arzt, so hatten sie wenigstens noch was von ihren Einnahmen, da ich kein Geld nahm.


 

Die Sonne neigte sich langsam im Westen zum Horizont hinab, als ich mich auf den Heimweg machte. Ich wohnte weiterhin im Appel Pie, was sehr gegen den Wunsch von Shay war. Wenn es nach ihm ginge, würde ich schon im ehemaligen Fort wohnen, doch das wollte ich einfach nicht, denn viele meiner Patienten waren Soldaten gegenüber sehr Misstrauisch und die gab es genug im „Fort Arsenal“. Mit Hilfe vom Colonel wurde das Fort rund um die Uhr bewacht und ich vermutete, dass das Fort in der Zukunft der neue Hauptsitz der Templer werden würde. Noch ein Punkt warum ich nicht dort einziehen wollte. Ich war eine Assassine! Nie im Leben würde ich mich im Hauptsitz der Templer niederlassen.


 

Den genauen Grund sagte ich Shay nicht, ich vertrat meine Ansicht das mir das Appel Pie lieber wäre und meine Patienten mich so schneller erreichen konnten. Shay hatte ich seit wir angekommen waren, nicht mehr gesehen und langsam sehnte ich mich nach ihm. Gegen sechs Uhr abends erreichte ich endlich die Taverne. Ich lies meine Tasche erschöpft auf die Bank in der Küche fallen und streckte mich ausgiebig, meine Schultern waren verspannt und mein Rücken zwickte ein wenig. Ich war eindeutig nichts mehr gewöhnt.


 

Ich packte meine Tasche aus, als Caroline die Küche betrat. „Hey Kleine, du hast Besuch.“, begrüßte sie mich und nahm einen Teller Suppe, um diesen einem der Gäste zu bringen. Wer das wohl sein mag, fragte ich mich und unterbrach meine Arbeit. Ich betrat den Schankraum und erblickte Colonel Monro. Was wollte der Templer von mir? Ich ging zu seinem Tisch und setzte mich ihm gegenüber. „Feasgair math! Ciamar a tha sibh?“, begrüßte ich den Templer. „Tha gu math, tapadh leibh. Agus ciamar a tha sibh fhéin?“, antwortete er mir in meiner Landessprache. Ich schaute ihn verdutzt an. „Mein Vater war ein schottischer Soldat aus den Highlands.“ erklärte mir der Colonel auf meine unausgesprochene Frage. Ich nickte nur und war dennoch überrascht, das er mir so etwas erzählte.


 

Nun eigentlich wollte ich Euch um einen Gefallen bitten, Miss McGregor.“, wechselte er das Thema. „Wen soll ich beschatten?“, kam ich gleich auf den Punkt. „Es geht um die gleichen Gerüchte wie das letzte Mal, die Assassinen haben ihr kleines Giftgasprojekt noch nicht aufgegeben.“, teilte er mir mit. „Ich könnte mich etwas umhören, aber das kostet was.“, antwortete ich dem Templer und dachte dabei mit Grauen an meine letzte Begegnung mit Hope's Experimenten. „Ich dachte an die übliche Summe, Miss.“, sagte er ruhig zu mir. „Diesmal möchte ich kein Geld Colonel Monro, sondern einen Gefallen von Ihnen.“, fing ich an zu verhandeln. „Womit könnte ich euch helfen?“, wollte er von mir wissen. „Ich brauche Eure Beziehungen zur englischen Armee. Ich suche sechs Männer, welche vor elf Jahren desertiert sind. Ihr Regiment war in Edinburgh stationiert, es war etwa ein halbes Jahr nach Culloden. Ich kann Ihnen nur einen Namen nennen, aber für ihre Verbindungen sollte das kein Problem sein.“, sagte ich ruhig und beobachtete meinen Gegenüber genau. Wenn John's Vermutungen richtig waren, steckten die Templer hinter den Anschlag auf mich und der Colonel hatte vielleicht damals etwas von den Planungen mitbekommen. Doch das Gesicht des Templers zeigte keinerlei Regung, nur ein leichtes Interesse. „Ich werde sehen was ich für Sie tun kann, Faith. Aber ich denke Ihre Großmutter wird nicht gerade erfreut sein von Ihren Nachforschungen.“, meinte er und verriet sich so bei mir.


 

Fragend hob ich eine Augenbraue. „Eure Großmutter schrieb mir, kurz nachdem Ihr in See gestochen seid. Sie wollte das ich Euch am liebsten wieder zurückschicke, aber ich denke Ihr kommt hier ganz gut zurecht.“, sagte er mit einen kleinen Grinsen auf seinen Lippen. „Ihr habt nicht zufälligerweise einen Namen für mich, Faith?“, fragte er mich weiter und kam so auf unser eigentliches Thema zurück. „William Alexander Graham.“, antwortete ich knapp. „Nun zwar nicht wirklich viel, aber ich werde sehen was ich machen kann. Wenn ich etwas in Erfahrung bringe, werdet Ihr es umgehend erfahren. Nur gebt mir bitte ein wenig Zeit, der Vorfall liegt immerhin elf Jahre zurück und es könnte sein, dass ich in ein Wespennest steche.“, erklärte mir der Colonel. „Gut Colonel. Seid bitte vorsichtig.“, meinte ich und stand auf „Beannachd leibh, Colonel Monro“, verabschiedete ich mich von dem Templer und verließ zügig den Schankraum in Richtung Küche.


 

Ich packte den Rest aus meiner Tasche aus und ging danach auf mein Zimmer. Ich zog mein Kleid aus, schlüpfte in meinen gelb - blauen Ornat aus Albany und wollte aus meinen Fenster klettern, als es an der Zimmertür klopfte. Ich öffnete die Tür und dort stand Caroline mit einer Flasche Wein und zwei Bechern in der Hand. Da müssten die Nachforschungen für den Colonel wohl noch ein bisschen warten. „Komm rein“, begrüßte ich sie mit einem Lächeln. Grinsend nahm meine Freundin mein Angebot an und setzte sich im Schneidersitz auf mein Bett. Caro füllte die zwei Becher voll, reichte mir einen davon und sah mich mit erwartungsvollen Blick an. Na da konnte ich mich wohl nicht mehr vor ihrem Verhör drücken.


 

Bevor ich überhaupt etwas sagen konnte... „Und wie ist dein Shay nun im Bett?“, fragte sie mich direkt. Ich verschluckte mich an meinem Wein, so direkt war noch nicht mal Jenny und das hieß was. „Wie kommst du denn darauf Caro?“, versuchte ich das Thema zu beenden, doch meine Freundin lies nicht so schnell locker, wie ich gedacht hatte. „Ich bitte dich Faith, du warst mit ihm über einen Monat auf einem Schiff und da seid ihr euch nicht näher gekommen? Das kannst du wegen mir Margery erzählen, damit die gute ruhig schlafen kann, aber mir nicht. Er hätte dich beim letzten Mal als ich euch gesehen habe, am liebsten vernascht. Seine Blicke waren mehr als eindeutig.“, klärte sie mich auf und nahm grinsend einen Schluck aus ihren Becher. War das für alle so offensichtlich gewesen? Nur ich hatte seine Blicke nicht kapiert. „Nun weist du...“fing ich an um den heißen Brei zu reden, doch Caro schnitt mir einfach das Wort ab. „Schon gut ich sehe es dir an.“, meinte sie nur geheimnisvoll. „Wie ansehen?“, fragte ich sie perplex zurück. „Deine Ausstrahlung ist anders als vor deiner Reise. Viel weiblicher irgendwie. Aber Hauptsache es macht dir Spaß mit ihm.“, plapperte sie weiter und leerte dabei ihren Becher. Ich merkte wie ich rot wurde und trank ebenfalls einen großen Schluck Wein. Wir lachten noch eine ganze Weile und tauschten uns über alle möglichen Sachen aus, so das wir am ende des Abends insgesamt zwei Flaschen Wein geleert hatten und uns für eine Fortsetzung in der nächsten Woche einigten.


 

Als ich wieder allein im Zimmer war, schlug die Uhr schon halb elf abends. Eindeutig zu spät für Nachforschungen und da ich ein wenig getrunken hatte, schob ich den Plan auf den morgigen Abend. Aber etwas frische Luft würde mir trotzdem gut tun, dachte ich und verließ das Appel Pie durch die Hintertür. Ich lief durch die Straßen von New York und schaute hinauf zu den Sternen. In London war immer ein Dunst, so dass man die Sterne selten richtig sehen konnte. Als ich meinen Blick wieder auf die Straße vor mir wendete, stand ich genau vor „Fort Arsenal“. Da hatte mich wohl meine Sehnsucht geführt. Nun da ich einmal hier war, konnte ich auch gleich Shay besuchen. Ich trat näher auf das Fort zu, die Tore waren um diese Zeit natürlich geschlossen und die Wachen schauten jeden Passanten misstrauisch an. Da müsste ich mir wohl einen anderen Weg hinein suchen. Ich schaute mich in der Umgebung des Forts um und entdeckte einen Baum. Ja das könnte klappen, dachte ich. Flink kletterte ich auf den Baum, sprang dann auf die Mauer, nur um mich kurze Zeit später in einen der Büsche zu verstecken. Immerhin war ich jetzt schon mal im Fort, musste jetzt nur noch Shay finden. Ich schlich mich leise voran und erreichte ungesehen die große Villa. So weit so gut, doch leider wusste ich nicht wo genau Shay seine Räume hatte. Mist! Ich überlegte kurz und entschied mich für einen Plan B. Wenn die Wachen mich schnappen würden, führten sie mich bestimmt zu Shay.


 

Mein Plan war also beschlossen, ich lief zum Hauptweg, um dort auf eine der Wachen zu warten. Zu meinem Glück erschien eine der Wachen nach ungefähr zwei Minuten, so würde ich wenigstens hier nicht festfrieren, dachte ich und machte mich bereit, damit mich die Soldaten gefangen nehmen konnten. Die Wache entdeckte mich und lief zügig in meine Richtung, während er nach seinen Kollegen rief. „Sofort stehen bleiben! Eindringling!“ Das mit den stehen bleiben hatte der gute Mann bestimmt aus Gewohnheit gerufen, ich rührte mich kein Stück weg von meinem Standort.


 

Der Soldat packte mich grob am Arm und hielt mich mit seinem Bajonett in Schach, obwohl ich keinerlei Anstalten machte mich zu wehren. Durch meine Aktion war das ganze Fort in Aufruhr und die Wachen liefen hektisch umher, um eventuelle Verbündete von mir aufzuspüren. Mein Begleiter brachte mich zum Hauptgebäude und dort erwartete mich schon unser erster Maat. Als er mich erblickte fing er schallend an zu Lachen, dabei wurde er von den Soldaten schräg angeschaut. „Last die Lady los.“, befahl er meinem Begleiter, welcher den Befehl sofort ausführte. „Die Lady ist unsere Schiffsärztin.“, erklärte Gist den Soldaten. Nach wenigen Augenblicken war ich allein mit dem Templer, die Soldaten waren wieder auf ihre Posten zurückgekehrt.


 

Faith, hast du von Master Cormac keinen Passierschein bekommen?“, fragte Gist mich und öffnete die Tür zur Villa. „Nein hat er wohl vergessen zu erwähnen“, knurrte ich leicht verärgert. „Wohl Ärger im Paradies?“, fragte mich der Templer weiter aus. „Ich glaube das dich das nicht wirklich was angeht, Christopher.“, fauchte ich ihn an und schaute mich in der Eingangshalle der Villa um.


 

Die Halle war groß, in der Mitte der Halle führte eine Treppe in die obere Etage. Links und rechts von der Treppe führten Gänge in den hinteren Bereich des Hauses. Eine weitere Tür ging von der Halle nach links ab. Gist folgte meinem Blick. „Dort ist der Empfangssalon, zur rechten das Speisezimmer, Links von der Treppe geht’s zum Keller und Rechts zur Küche und den Zimmern der Bediensteten. Im oberen Bereich sind Shay's Räume, sprich Arbeitszimmer, Ankleidezimmer und das Schlafzimmer. Ebenfalls wirst du dort meinen Bereich finden, sowie zwei Gästezimmer und noch zwei ungenutzte Räume. So reicht dir die Führung fürs erste?“, meinte Gist und zwinkerte mir dabei zu. „Äh ja“, antwortete ich ihm. „Dann bring ich dich jetzt zum Captain.“, sagte der Templer und ging vor mir die Treppe hinauf. Ich folgte Gist. Als wir oben waren nahm er den Gang nach Rechts und blieb am Ende des Korridors vor einer großen Flügeltür stehen. „Na dann mal rein mit dir. Ich hoffe du kannst seine Laune bessern.“, sagte er zum Abschied zu mir und stieß mich einfach in Shay's Zimmer.


 

Ich stolperte in den Raum und konnte mich gerade noch so auf den Beinen halten. Ich richtete mich auf und schaute mich unauffällig im Raum um. Zu meiner Rechten war ein Kamin, welcher eine angenehme Wärme ausstrahlte. Links von mir war eine Sitzgruppe, bestehend aus zwei Sofas und einem Sessel. Mein Augenmerk richtete sich nach vorn. Dort stand ein riesiger Schreibtisch, dahinter standen zwei Bücherregale. Von der Wand zu meiner Rechten ging noch ein Durchgang zu einem anderen Zimmer ab. Das war also Shay's Reich, dachte ich.


 

Als ich meine Beobachtungen beendet hatte, schaute ich zum Fenster, das links hinter dem Schreibtisch war. Shay stand mit seinen Rücken zu mir und schien etwas in seiner Hand zu haben. „Also hast du dieses ganze Chaos da draußen ausgelöst.“, sprach er mich mit eisiger Stimme an. Was war das nur für ein Ton, es klang so als ob er wütend auf mich war. Aber ich hatte doch nichts angestellt, oder doch? „Was willst du hier?“, fragte er mich weiter und schien gar keine Antwort von mir zu erwarten. Shay drehte sich zu mir um und den kalten Blick den er mir zuwarf, versetzte meinen Herzen einen Stich. Was hatte er nur, vor zwei Tagen war er zwar ein bisschen eingeschnappt gewesen, weil ich sein Angebot abgelehnt hatte. Doch das war noch lange kein Grund mich so kalt zu behandeln. „Was ist los mit dir mo chride?“, fragte ich ihn in einem ruhigen Ton. Shay schaute mich weiterhin aus kalten dunklen Augen an. „Ganz einfach Faith. Wann wolltest du mir sagen das du einen Verlobten hast?


 


 

Übersetzung:

feasgair math! - guten Abend!

Ciamar a tha sibh? - Wie geht es Ihnen?

Tha gu math, tapadh leibh. - Mir geht es sehr gut, danke Ihnen

Agus ciamar a tha sibh fhéin - Und wie geht es Ihnen selbst?

Beannachd leibh - Auf wiedersehen (höflich)


 

  

Kapitel 33- Verlobter? Ich bin doch gar nicht verlobt!


 

Verlobten! Wie kam Shay bitteschön auf diese absurde Behauptung? Ich schaute auf seine Hand und mein Blick blieb an dem Papier hängen, welches er fest umschloss. Könnte es sein? Nein ich war doch erst seit ein paar Monaten in den Kolonien, sie konnte nichts von mir und Shay wissen, oder doch? „Ist dieser Brief von einer gewissen Lady Melanie?“, fragte ich Shay ruhig. Es reichte ja wenn einer im Raum wütend war und ich wollte Shay's Wut nicht noch mit meiner sturen Art anheizen. Statt mir zu Antworten, nickte Shay mir nur kurz zu. Ich schaute wieder in seine Augen und dort herrschte immer noch eine Kälte, dass ich glaubte die Raumtemperatur sei um ein paar Grad gesunken.


 

Lady Melanie hatte also Shay einen Brief geschrieben und wie ich sie kannte hatte sie bestimmt kein gutes Haar an ihm gelassen. „Kann ich den Brief lesen?“, fragte ich Shay. Er übergab mir den Brief ohne ein Wort. Ich versuchte den Schmerz in meinem Herzen auszublenden und konzentrierte mich auf das Blatt Papier vor mir. Als ich den Brief zu Ende gelesen hatte, schaute ich Shay ungläubig an. „Ich bin nicht verlobt!“, sagte ich etwas lauter. „Und warum meint Lady Melanie dann, dass du es bist, Faith?“, stellte Shay mir eine Gegenfrage. „Keine Ahnung. Ich habe diese Frau seit drei Jahren nicht gesehen und davor hatte sie auch kein großes Interesse an mir. Aber jetzt, wo ich endlich glücklich bin und einen Mann gefunden habe, den ich liebe, da kommt sie mir mit so was. Wo war sie als ich allein auf den Straßen Edinburghs lebte oder als mich die Sassenachs gequält hatten.“, platzte es wütend aus mir heraus.


 

Ich merkte wie ich langsam anfing zu weinen. Wieso tat sie mir das an? Wer sollte denn bitteschön mein Verlobter sein, ich kannte keine Männer, die Lady Melanie's Ansprüchen gerecht wären. Außer...aber das war über zehn Jahre her und er würde sich nicht mehr an das kleine Mädchen erinnern. Schnell schob ich diesen absurden Gedanken beiseite. Lady Melanie konnte nicht ihn mit meinem Verlobten meinen, wenn dann hätte das mein Vater noch vor seinem Tod arrangiert. Ich merkte wie mir vom ganzen Denken der Kopf anfing wehzutun.


 

Hier das hilft gegen die wirren Gedanken, mein Engel.“, hörte ich neben mir. Ich schaute zu Shay, welcher mir ein Glas mit einer gold- braunen Flüssigkeit hinhielt. „Danke, mo chride.“, meinte ich und schenkte ihm ein kurzes lächeln. Mit einem Schluck leerte ich das Glas und gab es Shay zurück. „Bist du etwa nicht mehr sauer auf mich?“, fragte ich leise. „Ich glaube ich habe ein wenig überreagiert, mein Engel. Als ich gelesen habe das du verlobt bist, da war ich wahnsinnig eifersüchtig auf deinen Verlobten. Doch deine geschockte Reaktion auf deinen Verlobten hat mich wieder klarer Denken lassen. Dein kleines Geständnis hat den Rest meiner Wut dann verpuffen lassen.“, erklärte er mir ruhig und seine Augen strahlten wieder diese wunderschöne Wärme aus, die ich so an ihm liebte.


 

Geständnis? Was meinte Shay denn damit? Ich schaute Shay leicht verwirrt an. Auf den Lippen meines gegenübers bildete sich ein liebevolles lächeln. „Du hast mir grade gesagt, dass du mich liebst.“, flüsterte er mir in mein Ohr. Das hatte ich ihm wirklich gesagt? „Danke“, meinte Shay nur noch bevor seine Lippen die meinen suchten und wir in einen tiefen und innigen Kuss fielen. Ohne uns voneinander zu lösen, schafften wir es zum Sofa und Shay drückte mich auf die weichen Polster. Nun ein Sofa wäre mal was neues und ich überließ meinem Geliebten die Führung und gab mich voll und ganz meiner Lust hin.


 

Am nächsten Morgen wurde ich durch zarte Küsse auf meinem Bauch geweckt und so öffnete ich langsam meine Augen. „Madain Math, mo chride“, begrüßte ich Shay, nur um keine zwei Sekunden später seine Lippen auf den meinen zu spüren. Da wollte wohl jemand die letzte Nacht wiederholen. „Morgen mein Engel. Ich hoffe du hast gut geschlafen?“, wurde ich nun von ihm begrüßt. Aber bevor ich Shay antworten konnte, lagen seine Lippen wieder auf den meinen. So könnte ich wirklich öfters geweckt werden, dachte ich bevor sich meine Gedanken anderen Dingen zuwendeten.


 

Als wir es endlich geschafft hatten aus dem Bett aufzustehen, war es bereits zehn Uhr. Zusammen betraten wir das Speisezimmer der Villa und dort wartete das Frühstück schon auf uns. Shay rückte mir den Stuhl zurecht und setzte sich mir gegenüber. Ich lächelte ihn verliebt an und nahm mir ein wenig von dem Rührei und etwas Speck. Ja ich hatte einen Vorliebe für diese Art des Frühstücks entwickelt.


 

Ich hatte mein Frühstück fast beendet ... „Wie stehst du zu Lady Melanie, Faith?“, fragte mich auf einmal Shay. Ich schluckte meinen letzten Bissen herunter und trank noch einen Schluck Tee bevor ich ihm antwortete. „Es nützt wohl nichts.“, seufzte ich leise. „Lady Melanie ist meine Großmutter väterlicherseits. Aber das habe ich erst vor drei Jahren erfahren, vorher wusste ich nicht, dass ich mit ihr verwand bin.“, sagte ich Shay und fing an, ihm von meiner Familie zu erzählen.


 

Als meine Eltern sich kennenlernten, waren sie Feinde. Meine Mutter hatte den Auftrag meinen Vater zu töten. Sie war eine Assassine der englischen Bruderschaft und mein Vater ein hohes Tier im Templerorden. Wie auch immer sich die beiden ineinander verliebten, weiß ich nicht. Sie heirateten und dann kam ich zur Welt, ein Kind geboren in zwei Welten. Kurz vor meinem vierten Geburtstag starb meine Mutter an den Pocken, ich überlebte diese Krankheit nur knapp. Von da an sorgte eine Tante meiner Mutter für mich. Meinen Vater sah ich vielleicht ein mal im Monat, er war immer für den Orden unterwegs und ich ihm nur ein Klotz am Bein. Kurz vor der Schlacht um Culloden starb mein Vater. Nur ein paar Monate später folgte die Tante meiner Mutter. Nach den Unglück mit den Deserteuren fand mich der Bruder meines Vaters, John. Der wiederum gehörte den Assassinen an. Ich weiß alles ein wenig verwirrend.“, beendete ich meine Ausführungen. „In der Tat.“, stimmte mir Shay zu. „John“, erzählte ich weiter. „sagte mir erst vor drei Jahren, das Lady Melanie meine Großmutter ist und er mein Onkel. Er offenbarte mir auch, das die Deserteure zu den Templern gehörten. Sie wollten mich in der Nacht töten, doch sie schafften es nicht und das alles wegen meines Vaters. Na ja um es kurz zu machen, meine Großmutter Lady Melanie und mein Vater gehörten den Templerorden an. Meine Mutter und mein Onkel dagegen zur Bruderschaft“.


 

Jetzt wird mir das verhalten von Lady Melanie klar. Sie denkt ich will dir schaden.“, meinte Shay ruhig zu mir. „Das kann sein, aber Shay du schadest mir nicht. Meine Großmutter sollte sich nicht in unsere Beziehung einmischen. Kannst du mir den Brief von ihr geben, ich will ihr eine nette Antwort schreiben.“, sagte ich leicht aufgebracht. „Beruhige dich, mein Engel wie wäre es mit etwas Training?“, fragte Shay mich. Ich stimmte seinem Vorschlag gerne zu. So könnte ich wenigstens meinen Frust über die alte Dame ablassen. Sie schaffte es mich zur Weißglut zu bringen, ohne das sie überhaupt in der nähe war.


 

Die kühle Luft war richtig angenehm, gegenüber der schon fast stickigen Wärme im Haus und ich atmete ein paar mal tief durch. „Können wir dann?“, fragte mich mein Liebster und kaum das er seine Frage ausgesprochen hatte, griff er mich an. Ich brachte mich schnell aus der Reichweite seines Säbels und trat erst mal die Flucht an. Ich meine wir hatten das ganze Gelände des Fort zur Verfügung, wieso also nicht nutzen.


 

Nach drei Stunden des Rennens und kämpfens mit Shay, war mein Ornat durchgeschwitzt und ich am ende. Erschöpft lies ich mich auf den Rasen fallen und verweigerte jedes weitere Training. Ich mochte es mit Shay zu üben, ich wurde auch immer besser, aber jeder Mensch hatte seine Grenzen und die meine war erreicht. Ich wünschte mir nur noch ein heißes Bad und einen ruhigen Ort, wo ich meine Füße hochlegen konnte, um mich zu entspannen. Shay schaute mich mit einem Hundeblick an, doch ich konnte wirklich nicht mehr. „Steh auf Prinzessin, du erkältest dich sonst noch.“, sagte er fürsorglich zu mir und hielt mir seine Hand hin, damit ich vom Boden aufstand.


 

Was würde ich jetzt für ein heißes Bad alles tun.“, murmelte ich leise, aber Shay hatte es gehört. „Was würdest du denn alles tun“, fragte er mich verführerisch. „Kommt auf die Qualität des Bades an“, antwortete ich ihm frech. Shay schnappte einfach meine Hand und führte mich zurück in die Villa. Keine halbe stunde später stand ich in einem gefliesten Raum und vor mir ein großer Zuber, gefüllt mit heißem Wasser. „Allein wird es aber langweilig und ich habe dir ja ein Bad versprochen“, flüsterte ich ihm zu und gemeinsam genossen wir unser wundervolles Bad.


 

Nach diesem wirklich entspannenden Bad lag ich müde auf dem Sofa in Shay's Arbeitszimmer und schaute auf das Buch in meinen Händen. Meine Wünsche waren doch tatsächlich erfüllt worden. Ich blickte immer wieder zu meinem Liebsten, der über seinen Büchern brütete. Ich stand langsam auf, umrundete seinen Schreibtisch und schaute Shay über die Schulter. „Was machst du da?“, fragte ich ihn neugierig. „Das sind die Kalkulationen über ein neues Bauprojekt in Lower Manhattan.“, antwortete er mir und zog mich einfach auf seinen Schoß. „Sieht kompliziert aus“, meinte ich trocken. „Wenn man sich einmal eingearbeitet hat ist es einfach. Aber geschäftliches beiseite, Prinzessin. Wie wäre es mit einer Kleinigkeit zum Abendessen?“, fragte er mich und liebkoste dabei meinen Hals mit sanften Küssen. „Mhm“, mehr schaffte ich nicht ihm zu antworten. Shay reichte das aber und er stand mit mir auf und trug mich einfach auf seinen Armen zum Esszimmer in die untere Etage.


 

Das sieht ja köstlich aus“, rief ich begeistert als wir uns an den Tisch setzten. „ich hoffe dir schmeckt es. Guten Appetit, mein Engel“, sagte er sanft und prostete mir mit einem Glas Wein zu. Ich tat es ihm gleich und löffelte mir ein paar Kartoffel, Gemüse und Soße auf meinen Teller. Shay reichte mir noch die Platte mit dem Rehbraten und ich genoss dieses vorzügliche Mahl, denn danach gab es noch Zuckerbrot mit heißer Schokolade. Ich schaute zu Shay „Willst du mich etwa bestechen?“, fragte ich und nippte dabei an meiner Tasse mit Schokolade. „Nein warum sollte ich?“, stellte er mir die Gegenfrage. „Du weist das Süßigkeiten meine Schwachstelle sind. Also was willst du mit dieser Aktion erreichen, mo chride?“, versuchte ich weiter in Erfahrung zu bekommen. „Du hast mich durchschaut, Prinzessin“, antwortete Shay mir mit einem Grinsen.


 

Ich wollte dich fragen ob du nicht doch hier her ziehen willst“, fragte er mich. „Shay“, begann ich und überlegte wie ich ihm am wenigsten verletzten konnte. Einen Streit wegen so einer Kleinigkeit wollte ich nicht riskieren. „Ich würde dich gerne öfter sehen, aber meine Patienten würden nur ungern hier her kommen. Du weist das viele Stadtbewohner den Soldaten misstrauen und wenn sie zum Appel Pie kommen, fühlen sie sich wohler. Außerdem würde ich dich doch nur von deiner Arbeit ablenken.“, erklärte ich ihm. „Nun immerhin hab ich es nochmal versucht.“, meinte Shay ruhig und stand von seinem Platz auf. „Bleibst du wenigstens noch über Nacht?“, fragte er mich mit bedrückter Stimme. „Ja nichts würde ich lieber tun.“, und mit diesen Worten ging ich zu Shay und gab ihm einen kurzen Kuss.


 

Der nächste Tag begrüßte uns mit Nebel und einem trüben Wetter, so das ich beschloss mich nochmal in die Arme meines Liebsten zu kuscheln. Ich rückte näher zu meiner persönlichen Wärmequelle, was diese nur mit einem Brummen zur Kenntnis nahm und schlief kurz darauf wieder friedlich ein. Als ich das nächste Mal erwachte, war der Nebel verschwunden und Sonnenstrahlen schienen in das Zimmer. Ich öffnete langsam meine Augen und tastete mit meiner Hand neben mir, aber Shay war schon aufgestanden. Gemütlich erhob ich mich aus den Federn und streckte mich ausgiebig, dann sammelte ich meine Kleidung vom Boden auf und zog mich langsam an.


 

Ich ging in sein Ankleidezimmer, welches zwischen dem Arbeitszimmer und seinem Schlafgemach war und schaute ob ich meinem Liebsten dort fand. Leider war dem nicht so. Als ich den Raum durchquerte zog ein schwarzer Ornat meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich schritt an den Schwertern und Pistolen vorbei und blieb vor einer Kleiderpuppe stehen. Ich hatte mir das also nicht eingebildet. Vor mir hing tatsächlich ein Ornat. „Was ist los, mein Engel?“, fragte mich eine tiefe Stimme hinter mir und ich schreckte aus meinen Gedanken. Ich hörte Shay's Lachen und spürte wie er seine Arme um mich schlang. „Warum hast du einen Ornat unter deinen Sachen?“, fragte ich ihn und wollte damit meine Neugier stillen. Shay unterbrach seine Tätigkeit meinen Nacken mit leichten Küssen zu verwöhnen und schaute auf seine Monturensammlung. „Der war noch auf der Morrigan, genauso wie der blaue da hinten. Ich wollte sie nicht wegschmeißen, dafür waren sie zu teuer.“, erklärte er mir. „Aha. Also warst du einfach nur zu geizig.“, antwortete ich ihm trocken. „So kann man es auch sehen, Prinzessin.“, sprach er weiter und wollte sich wieder meinem Nacken widmen.


 

So teuer können die doch nicht sein?“, fragte ich ihn weiter aus. „Der in schwarz hat glaube ich mehre hundert Pfund gekostet.“, gab er mir als Auskunft. „Du zahlst hunderte Pfund für einen Ornat, mo chride?“, fragte ich geschockt und drehte mich zu Shay um. „Was ist dabei so schlimm? Meine Sachen sollen ja auch eine weile halten. Außerdem kosten die Verbesserungen der Morrigan mich circa fünf tausend Pfund.“, erzählte er mir ruhig. „Wie kannst du dir das alles leisten?“ „Nun Schiffe zu überfallen bringt einiges, dazu kommen noch die Geschäfte in der Stadt und natürlich die Schiffe in meiner Flotte.“, meinte er. „Aha“, mehr konnte ich auf seine Aussage nicht antworten. „Bist du jetzt etwa geschockt, Prinzessin?“, wollte er von mir wissen. „Ein wenig, ich meine mir macht meine Arbeit Spaß und ich helfe den Menschen gerne, auch wenn dabei nichts rumkommt.“, murmelte ich zu mir selbst, aber der Herr hatte es natürlich gehört. „Mir ist Geld nicht wichtig, Faith. Es ist nur ein Mittel zum Zweck. Wenn du willst kann ich dich gerne ein wenig unterstützen?“, fragte er mich ruhig. Ich atmete kurz tief durch und lächelte Shay an. Ich werde es mir überlegen, aber ich muss jetzt langsam los. Immerhin behandeln sich die Kranken nicht von allein.“, sagte ich zu Shay und verabschiedete mich von ihm mit einem Kuss.

Der restliche Tag verflog wie im Flug für mich und als die Nacht über die Stadt kam, brach ich Richtung Hafen auf. Dort hoffte ich ein paar Informationen über das neue Giftgasprojekt herauszufinden. Ich stand auf einem Lagerhaus und beobachtete ein paar scheinheilige Gesellen. „Was denkst du wann wir dieses Zeug endlich fertig gestellt haben?“, fragte der eine seinen Kumpel. „Keine Ahnung, ist mir auch so was von scheiß egal, Hauptsache das Geld stimmt.“ meinte sein Kollege und sie liefen weiter die Straße entlang, in Richtung Stadt. Ich folgte den beiden unauffällig über die Dächer und nach ein paar Minuten durchquerten sie ein bewachtes Tor einer alten Manufaktur. Das war also Hope's neuer Stützpunkt. Mal sehen was ich hier so alles raus finden kann, dachte ich und fing an die Gebäude zu erkunden.

Kapitel 34 – Schon wieder Giftgas


 

Weil mir mein letztes Erlebnis dieser Art noch sehr gut in Erinnerung war, überprüfte ich meine Umgebung lieber dreimal. Leise schlich ich mich an den Scharfschützen vorbei und kletterte vorsichtig in den Innenhof der Anlage. Dort versteckte ich mich in einem Heuwagen. Mein Glück war mir hold, die zwei Kerle vom Hafen stellten sich genau an den Wagen und schienen ihr Gespräch weiter zu führen. „Ich hoffe dieser Franklin beeilt sich mit dem Auftrag der Miss.“, meckerte der Dicke. „Laut Gerüchten soll der Auftrag spätestens in zwei Tagen fertig sein, so hat es jedenfalls Will gehört. Morgen soll einer von uns mal bei dem Erfinder vorbeischauen und wenn seine Erfindung fertig ist, gleich zur Miss bringen.“, sprach der Kleine. „Na was das wohl sein mag, muss was großes sein, wenn die so ein Geheimnis draus machen.“, wollte der Kleine, von dem Dicken wissen. „Irgendwas um dieses komische Gas besser unter die Reichen zu bringen. Geschieht denen ganz Recht. Los gehen wir noch einen Trinken. Wie wäre es mit etwas Gesellschaft dabei?“, schlug Nummer Zwei seinen Kumpel vor. Dieser willigte dankend ein und zusammen verließen sie den Innenhof.


 

Nun das waren ja mal genau die Informationen die ich brauchte. Ich hatte nicht nur den neuen Standort ihrer Produktionsstätte gefunden, sondern jetzt wusste ich auch noch das dem Colonel nicht viel Zeit blieb um zu handeln. Die Assassinen planten etwas und ich hatte das Gefühl das nicht nur die Oberschicht von New York darunter zu leiden hatte. Bevor ich mein Versteck verließ, prüfte ich nochmal meine Umgebung und als die Luft rein war, schlich ich mich leise wie eine kleine Maus aus der Manufaktur. Über die Dächer machte ich mich auf den Weg nach Greenwich, zu dem dortigen Stützpunkt der Armee, um dort den Colonel zu finden. Vor dem Stützpunkt sprach ich eine der Wachen an, aber diese schickte mich weiter zum Fort Arsenal, da hielt sich der Colonel anscheinend auf. Na toll, dachte ich und nahm die oberen Wege der Stadt. Vor dem Fort sprang ich auf die Straße und dabei erschreckte sich eine der Wachen so sehr, dass er einen kleinen Satz nach hinten machte. Wie es der Zufall so wollte, war es der gleiche Soldat, welcher mich vorgestern gestellt hatte. Ich verkniff mir mein Grinsen und schritt auf den guten Mann zu.


 

Einen schönen guten Abend Mister, wäre es möglich mit Colonel Monro zu sprechen?“, brachte ich höflich mein Anliegen vor. „Ihr wisst schon das es fast Mitternacht ist, Miss?“, fragte er mich grimmig. „Nein aber es ist mir auch egal. Es ist äußerst dringend, ich habe sogar einen Passierschein.“, antwortete ich etwas zickig und suchte in meinen Taschen das Stück Papier von Shay heraus. Als ich es nach einer kleinen Ewigkeit gefunden hatte, hielt ich es den Soldaten frech unter seine Nase. Er nahm mir das Dokument ab und beäugte es kritisch. „Scheint echt zu sein. Okay, aber wehe ich bekomme wegen Euch Ärger Miss.“, knurrte er und ließ mich passieren. Im Hof empfing mich der nächste Soldat, welcher mich schweigend zum Hauptgebäude führte. Er öffnete die Tür und ließ mir höflich den Vortritt, dann wand er sich nach links und klopfte an die Tür des Salons. Nach einem kurzen Moment wurden wir herein gerufen. Der Soldat öffnete die Tür und kündigte mich beim Colonel an, als jemand der verdächtig aussah und ihn unbedingt sprechen wollte. Na diese Männer hatten ja nicht gerade eine hohe Meinung von mir, aber ich ignorierte den Blick des Soldaten und betrat den Salon.


 

Im Raum stand ich jetzt drei Herren gegenüber. Es waren Christopher Gist, Colonel Monro und jemand den ich hier eindeutig nicht erwartet hatte, Haytham Kenway. Da hatte ich wohl ein kleines Templertreffen gestört, aber wo war Shay? Ich verdrängte den Gedanken an meinen Liebsten und richtete meine Aufmerksamkeit auf das Geschehen vor mir. „Oh Miss McGregor was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches um so eine unchristliche Zeit?“, fragte mich der Colonel höflich. Ich drehte mich in seine Richtung und versuchte die Anwesenheit der andern beiden Herren zu ignorieren. „Es geht um die Angelegenheit von neulich.“, antwortete ich höflich und sogar in meinem Londoner Dialekt. „Nun was habt ihr heraus gefunden, ich vermute es ist sehr dringlich, sonst wäret ihr nicht zu solch einer späten Stunde zu mir gekommen.“, stellte er fest. Ich berichtete dem Templer meine Beobachtungen und mit jeder neuen Information wurde die Falte auf der Stirn des Colonels tiefer.


 

Am Ende meines Berichtes, dankte mir der Templer und somit war ich entlassen. Ich wollte gerade wieder den Raum verlassen, als mich Master Kenway ansprach. „Wieso hilft eine Assassine der englischen Bruderschaft, unserem Orden?“, wollte er jetzt von mir Wissen und kam dabei auf mich zu. Sein Ton verriet mir, das er über diese Entwicklung nicht gerade erfreut war. Ich zog mir meine Kapuze noch ein Stück mehr in mein Gesicht, bevor ich auf seine Frage antwortete. „Sagen wir es so, uns verbinden die gleichen Ziele Master Kenway.“ „Seit wann haben Assassinen und Templer die gleichen Ziele?“, fragte er mich weiter und stand nun direkt vor mir. „Seit die hiesige Bruderschaft sich einen Dreck um die unschuldigen Bewohner der Kolonien schert.“, sagte ich schon etwas aggressiver zu ihm. Ich drehte Kenway den Rücken zu und öffnete die Salontür. „Wenn das alles war, Master Kenway würdet ihr mich bitte entschuldigen. Es ist schon spät und ich brauche meinen Schönheitsschlaf.“, giftete ich ihn an und verschwand ohne seine Antwort abzuwarten durch die Tür nach draußen.


 

Kurz vor dem Morgengrauen lag ich endlich in meinem Bett, die Begegnung mit dem Großmeister der Templer hatte mich einfach zu sehr aufgewühlt. In meinen Gedanken ging ich immer wieder unsere Begegnung durch, ich kannte Kenway von irgend wo her, nur mir wollte es einfach nicht einfallen von wo und aus diesen Grund streifte ich noch eine ganze Weile über die Dächer der Stadt. Die Sonne ging auf und ich war endlich eingeschlafen, als mich ein Klopfen an der Tür aus meinem Schlaf riss. „Faith aufstehen! Du weist doch das wir heute die Wäsche machen wollen.“, hörte ich Margery rufen und dann ihre schweren Schritte die Treppe runter poltern. Murrend und fluchend erhob ich mich und suchte meine dreckige Wäsche zusammen. Ich zog mir ein einfaches Kleid an, dann leerte ich schnell noch die Taschen meines Ornats. Ich legte den Passierschein, meinen Geldbeutel und den Brief meiner Großmutter auf den Tisch. Ich schaute auf den Brief, den wollte ich ja auch noch beantworten. Ich setzte mich an meinen Tisch und las mir den Brief nochmal durch. Lady Melanie bezeichnete Shay als Erbschleicher, Vergewaltiger und Mörder, kein Wunder das mein Liebster so wütend war. Meine nette Oma lies wirklich keine Beleidigung aus. Ich tunkte meine Schreibfeder in die frisch angerührte Tinte und fing an auf ihren Brief zu antworten. Ich schrieb ihr das sie sich bitte aus meinem Leben raus halten sollte und das es meine Angelegenheiten wären und nicht die ihren. Nach einer halben Stunde hatte ich auch diese Aufgabe erledigt. Hoffentlich würde Lady Melanie mich jetzt in Ruhe lassen. Ich versiegelte den Brief mit ein wenig Wachs und begab mich in die Küche zum Frühstück.


 

In der Küche erwartete mich schon die gute Margery. „Madain math, Faith. Wird ja auch Zeit ich warte schon eine Ewigkeit auf dich.“, begrüßte sie mich. Ich schaltete meine Ohren einfach auf Durchzug und setzte mich neben Alex, welcher mich mit einem freundlichen lächeln begrüßte. Kaum das ich saß, stellte Margery einen Teller vor mich und ich staunte nicht schlecht, es gab mein Lieblingsgericht Eier und Speck. „Womit habe ich denn dieses Essen verdient?“, fragte ich die gute Seele des Hauses skeptisch. „Nun ich hatte gehofft, dass du heute Abend in der Taverne aushelfen könntest. Ich meine Caroline wollte unbedingt frei haben...“, druckste Margery rum. „Kein Problem, das mach ich doch gerne. Reicht es dir um fünf?“, beantwortete ich ihre Frage und fing an mein Frühstück zu verspeisen. Als Dank für mein einspringen als Bedienung, entließ mich Margery nach dem Frühstück und ich sattelte meine treue Gefährtin Banfhlath, um schneller zu meinen Patienten zu kommen.


 

Die Mittagszeit war schon eine Weile vorüber, als mich mein Weg in den Stadtteil Waterfront führte. Zum Glück war es heute der letzte Hausbesuch, wenn ich mich beeilte konnte ich mich noch ein, zwei Stunden hinlegen, bevor ich die Gäste in der Taverne bedienen musste. Banfhlath band ich an den kleinen Gartenzaun der Hausbesitzer an und die Gute fing gleich an das bisschen Gras im Garten zu zupfen. Ich nahm meine Tasche, lief zu Tür und wollte gerade bei der Familie anklopfen, da hörte ich eine laute Explosion. Meine Tasche fiel vor lauter Schreck auf den Boden und ich zog mich mit meinen Seilwerfer schnell auf das Dach des Hauses. Von dort sah ich ein paar hundert Meter entfernt, eine riesige Rauchsäule. Wenn mich nicht alles täuschte, dann lag in dieser Richtung die Manufaktur der Assassinen. Ein Grinsen schlich sich in mein Gesicht, da konnte sich wohl jemand etwas austoben und das ganz ohne mich. Ich wusste ja genau wer für die Zerstörung der Manufaktur verantwortlich war und zwar Shay. In meinem Inneren hoffte ich das mein Liebster die Sache ohne Verletzungen überstanden hatte. Ohne weiter auf den Rauch zu achten, kletterte ich zurück auf den Boden und ging meine Arbeit weiter nach.


 

Kurz vor halb fünf erreichte ich endlich das Appel Pie, ich hatte bei meinem letzten Hausbesuch einfach zu lange getrödelt, was ich eindeutig auf meinen Schlafmangel schieben konnte. Schnell sattelte ich meine treue Gefährtin ab und gab ihr noch eine ordentliche Portion Heu in die Raufe. Als die Gute versorgt in der Box stand, schnappte ich mir die Satteltaschen und die Tasche für meine Medizin, um alles in die Küche zu bringen. Dort verstaute ich erst mal die Lebensmittel,welche ich im Tagesverlauf von meinen Patienten erhalten hatte. Meine Tasche mit der Medizin stellte ich einfach auf die Kommode in meinem kleinen Arbeitszimmer. Ich huschte dann schnell die Treppe hinauf, schließlich brauchte ich noch eine andere Kleidung. Konnte ja schlecht im Ornat die Leute bedienen. So zog ich mein neues Kleid an und wünschte mir zum ersten mal einen Spiegel in meinem kleinen Reich. Das Kleid was Ellen mir geschneidert hatte passte wirklich perfekt und die blaue Farbe des Rockes passte bestimmt zu meinen Augen. Ich bürstete mir noch schnell die Haare und flocht sie zu einem langen Zopf, damit sie mir bei der Arbeit nicht im Weg waren. Margery würde zwar immer noch über mein Aussehen meckern, aber eine Haube wie sie, würde ich nur über meine Leiche tragen.


 

Als ich den Schankraum des Appel Pie's betrat, war dieser schon über die Hälfte gefüllt mit Gästen. Ich lächelte Alex aufmunternd zu und lief zielstrebig auf den ersten Tisch zu, um die Bestellungen der Kunden aufzunehmen. Nach einer weiteren Stunde kam ich kaum noch mit den Getränken nach und als die Tür des Schankraumes ein weiteres mal öffnete, verfluchte ich mich selbst dafür, dass ich einfach nicht nein sagen konnte. Ich schnappte mir mein wieder gefülltes Tablett mit Bechern voll Ale von Alex und brachte den durstigen Soldaten eine weitere Runde. Ich stellte den letzten Becher vor einem der Männer ab, als ich eine mir nur zu bekannte Stimme nach mir rufen hörte.


 

Hey Schätzchen ich bin hier am verdursten! Bring mir ein Ale und einen guten Tropfen.“, schrie die Stimme nach mir. Ich drehte mich in die Richtung der Stimme und musste schlucken. Dort am Tisch saßen neben Gist, Colonel Monro und Shay auch noch zwei andere Männer. Ich drehte mich von den Herren weg und machte ein Zeichen zu Alex, damit er mir mein Tablett wieder auffüllen sollte, dann bediente ich weiter die anderen Gäste.


 

Nach fünf Minuten und einigen Rufen von Gist, machte ich mich doch mit meinem vollen Tablett auf zum Tisch von den fünf Männern. Mit einem Lächeln stellte ich die gewünschten Getränkte vor den Herren ab und spürte dabei eine Hand, die heimlich an meinem Bein strich. Ich schaute auf den Besitzer der Hand und musste mir ein kichern verkneifen. Shay schenkte mir kurz eines seiner seltenen Lächeln und ich wäre ihm gern um den Hals gefallen, aber meine Wenigkeit wurde schon an einen anderen Tisch gerufen. Ich blickte ihn entschuldigend an und verließ die fünf Herren. Gerne wäre ich bei meinem Liebsten geblieben, aber heute kam die Pflicht vor unseren Vergnügen.


 

Je länger der Abend wurde, desto voller wurde es im Appel Pie. Man konnte fast denken, dass es was umsonst gab. Die Menschen drängten sich in alle Ecken und ich kam nur mit Einsatz von meinen Ellenbogen durch die Kunden. Als dann noch ein wandernder Musiker anfing zu spielen, war das Chaos perfekt. „Man so voll war es hier ja noch nie“, vernahm ich Carolines Stimme und da wusste ich das meine Gebete erhört worden. Ich drehte mich zu ihr um und bedankte mich mit einem Grinsen bei ihr. „Warum bist du hier, Caro? Wolltest du nicht zu einer Verabredung?“, fragte ich sie, als wir beide am Tresen auf Alex warteten, welcher hinter dem Zapfhahn ins Schwitzen geraten war. „Dieser elende Kerl war schon verheiratet und hat eine schwangere Frau zu Hause. Der wollte mich nur zum Vergnügen, aber nicht mit mir Faith. Hab ihm einen Tritt in die Eier gegeben und bin dann ganz schnell wieder weg. Immerhin hat er das Essen noch bezahlt, da war dieser Abend nicht ganz umsonst.“, meinte sie gelassen und schnappte sich ihr wieder befülltes Tablett, um damit in der Menge zu verschwinden. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und stürzte mich ebenfalls wieder in die Arbeit.


 

Es war kurz vor Mitternacht, als endlich die letzten Gäste die Taverne verließen. „Hier für dich.“, sagte Caro auf einmal zu mir und hielt mir ein Tablett mit verschiedene Speisen unter die Nase. „Danke, kannst du etwa meine Gedanken lesen?“, fragte ich sie lachend und nahm ihr das Essen aus der Hand. „Nein, aber du siehst hungrig aus und willst bestimmt mit den Herren dort am Tisch einen kleines Mitternachtsmahl einnehmen.“, antwortete sie mir zwinkernd. Ich drehte mich zu besagten Tisch und erblickte Shay dort. Er hatte tatsächlich auf mich gewartet. Ich ging langsam zu ihm hin, stellte das essen vor seinen Platz und ließ mich einfach auf den Platz neben ihm fallen. „Hier du siehst verdurstet aus Prinzessin.“, begrüßte mich Shay und schob mir seinen Becher mit Ale zu. „Danke, mo chride“, sagte ich erschöpft und nahm einen kräftigen Schluck. „Mhm“, mehr bekam ich als Antwort nicht von ihm, denn er hatte sich schon hungrig über den kalten Braten hergemacht. Mir schien es fast so, als ob er den ganzen Tag nichts gegessen hatte. Ich fragt Shay danach und er fing an mir von seinem Tag zu erzählen. Er hatte als erstes dem Wissenschaftler Benjamin Franklin einen Besuch abgestattet, um dort eine Auftragsarbeit von den Assassinen abzuholen, dann ging es für ihn weiter zu der neuen Gasfabrik, welche Shay kurz darauf Explodieren ließ, um so den Bürgern der Stadt New York wieder ein sicheres Leben zu geben. Er zeigte mir noch seine neueste Waffe und freute sich dabei wie ein kleiner Junge. Am liebsten hätte er mir den Granatwerfer vorgeführt, aber das konnte ich ihm zum Glück noch mal ausreden und wir beschlossen das bei unseren nächsten Training nachzuholen.Als wir beide zu Ende gegessen hatten, nahm ich Shay's Hand und zusammen begaben wir uns ins Bett. Mein Bett war zwar nicht wirklich groß, aber so konnte ich mich richtig an meinen Liebsten kuscheln und war innerhalb von zwei Minuten im Reich der Träume.

Kapitel 35 – Wie stiehlt man eine Montur

 

New York, Dezember 1756


 

Das Jahr neigte sich langsam dem Ende entgegen. Ich war nun schon seit über einem halben Jahr in den Kolonien und die Erfüllung meines Auftrages lag noch in weiter Ferne. Immer wenn Shay und ich ein Verbrechernest der Assassinen ausräucherten, tauchten ein paar Wochen später wieder zwei neue auf. Es war ein reines Katz und Maus Spiel zwischen den Assassinen und Templern. Des Weiteren spannte mich meine Arbeit als Heilerin voll ein, dazu kam noch jeden Abend das Training mit Shay, so dass ich noch nicht mal ansatzweise dazu kam, über meinen eigentlichen Auftrag nachzudenken. Genauso wie jetzt.


 

Auf eine der Hauptstraßen in Lower Manhatten waren zwei Pferdewagen zusammengefahren und einer der Kutscher war unter die Räder gekommen. Ich half einem jungen Mann dabei den Kutscher zu verarzten. „Sieht schlecht aus“, murmelte der Mann in seinen nicht vorhandenen Bart. „Sir, ich muss leider ihr Bein abnehmen, sonst kann ich die Blutung nicht stoppen.“, erklärte er sein weiteres Vorgehen dem Kutscher. „Könnten sie mir helfen, Miss.“, wandte er sich weiter an mich. Ich nickte ihm nur zu und zusammen bereiteten wir die Amputation des Unterschenkels vor. Ich reichte dem Mann ein Amputationsmesser, während ich das Tourniquet um den Oberschenkel des Patienten legte und begann die Blutzufuhr zu seinem Unterschenkel abzuklemmen. Der Mann legte das Messer unterhalb der Kniescheibe an und führte in einer unglaublichen Geschwindigkeit einen einstufigen Zirkelschnitt durch, bevor er mit einer Knochensäge den Unterschenkel ganz abnahm. „Jennifer das Eisen, schnell!“, schrie er eine weitere Frau an. Diese reichte ihm schnell besagtes Gerät und er kauterisierte die starke Blutung am Bein. Danach begann er dem Mann einen Verband anzulegen. Dabei beobachtete ich ihn genau, ich wollte ja immer was Neues lernen. Als der Kutscher von ein paar freiwilligen Helfern in sein Haus gebracht wurde, bedanke sich der junge Mann bei mir. Der Herr stellte sich als Robert Wilson vor. Er war ein junger Arzt, hatte gerade sein Studium in London beendet und war mit seiner Schwester Jennifer in die Kolonien gekommen, um hier ein Hospital zu gründen. Das nötige Geld brachte er selbst mit. Robert war Erbe einer reichen Kaufmannsfamilie aus London und brauchte nur noch ein großes Gebäude, damit sein Projekt wahr werden konnte.


 

Ich unterhielt mich noch über eine Stunde mit den zwei Geschwistern und als ich mich von ihnen verabschiedete, begann die Sonne schon unterzugehen. Schnell rannte ich die Straßen New Yorks entlang, ich durfte auf keinen Fall zu spät kommen, zu meinem Training mit Shay. Aber wie es der Zufall so wollte, stolperte ich über einen kleinen Stein und fiel der Länge nach hin. Wieso passierte mir nur immer so eine Tollpatschigkeit. „Faith geht es dir gut?“, fragte mich eine Frauenstimme. „Ja ich liege hier nur zum Spaß auf der kalten Straße rum“., antwortete ich leicht sarkastisch. „Na wenn das so ist, brauchst du ja meine Hilfe nicht!“, sagte die Stimme nur und ich hörte wie sich die Frau langsam entfernte. Ich hob meinen Kopf und rief ihr nach „Es tut mir leid Ellen. Ich wollte dich nicht beleidigen.“ Die junge Schneiderin blieb stehen und lächelte mich ehrlich an. „Schon gut Faith, du hattest bestimmt einen stressigen Tag. Willst du vielleicht einen Tee mit mir trinken? Das hilft einem besser zur Ruhe zu kommen.“ lud sie mich ein. Ich nahm die Einladung an. Einen guten Tee konnte ich nach diesem Tag wirklich gebrauchen. Auf dem Weg zu Ellen, schickte ich noch eine Nachricht zu Shay, dass unser Training wegen eines medizinischen Notfalls leider ausfallen musste. Was noch nicht mal eine Lüge war, denn ich konnte mich vor Muskelkater kaum bewegen und war somit selbst mein Patient. Ein Abend ohne Training würde mir bestimmt guttun.


 

Als wir bei Ellen ankamen, setzte sie mich in ihrem Salon ab und bereitete für uns beide eine gute Tasse englischen Tees zu. Während ich es mir auf ihrem Sofa bequem machte, sah ich mich ein bisschen um. Bisher war ich immer nur in ihrem Laden gewesen oder im Hinterzimmer. Ihr Salon war geschmackvoll eingerichtet. Neben der Tür stand ein kleines Regal voll mit Büchern, gegenüber war ein Kamin indem noch ein wenig Glut war. In der Mitte Stand das Sofa und zwei Sessel um einen kleinen Tisch. Ich merkte das es ein wenig kalt war, so beschloss ich das Feuer wieder zu entfachen. Als ich damit fertig war, brachte Ellen gerade zwei Tassen Tee herein. „Danke das du das Feuer wieder entfacht hast Faith. So wird es hier gleich gemütlicher. Setz dich doch. Ich hole nur noch ein wenig Gebäck.“, meinte Ellen und war schon wieder in ihrer Küche verschwunden. Ich setzte mich wieder hin und nahm mir schon eine der beiden Tassen, um mir meine Hände ein wenig zu wärmen, dabei drifteten meine Gedanken zu den Vorfällen von heute Nachmittag ab. Ohne Roberts Hilfe wäre der Mann gestorben. Ich war zwar eine gute Heilerin aber kein Arzt, welcher jahrelang studiert hatte.


 

Über was denkst du nach Faith. Etwa was du deinem Liebsten zu Weihnachten schenkst?“, holte mich Ellen aus meinen Gedanken. „Eh nein, aber jetzt wo du das erwähnst, hast du vielleicht eine Idee. Außer schöne französische Unterwäsche.“, antwortete ich ihr. „Das ist schon für seinen Geburtstag geplant.“, fügte ich noch hinzu.

Mhm das ist schwierig. Obwohl... trägt die Liebster auch solche ungewöhnlichen Sachen wie du?“ „So ähnlich, warum?“ „Wenn du mir ein Muster bringst, könnte ich es bis Weihnachten schaffen.“ „Echt? Das wäre super, aber Shay trägt noch einen Ledermantel dazu.“ Das ist kein Problem, ich habe noch einen da, den könnte ich ein wenig um schneidern. Also was sagst du. Ich würde dir natürlich einen Freundschaftspreis machen.“ sagte Ellen grinsend. „Ja das wird ihm gefallen, eine Montur in einem Mitternachtsblauen Ton wäre perfekt.“, antwortete ich ihr freudig. Wir planten noch eine ganze Weile mein Geschenk für Shay und als die Uhr schon neun schlug verließ ich meine Freundin mit einem kleinen Hochgefühl.


 

Da es schon ein wenig spät war, nahm ich die oberen Wege der Stadt um schneller beim Appel Pie zu sein, doch auf der Hälfte der Strecke viel mir das „Musterstück“ wieder ein. Ich änderte meine Richtung und begab mich auf den Weg zu Fort Arsenal. Nur wie sollte ich eine von Shay's Monturen bekommen ohne dass er es bemerken würde. Ich könnte die Kleidung heimlich klauen und ein paar Tage später wieder zurück packen oder doch meinen Charme spielen lassen? Ohne das ich es groß bemerkte war ich an meinem Ziel angekommen. Ich kletterte in der Nähe des Forts herunter und rannte die letzten paar Meter über die Straße. Mit meinem Passierschein war ich ganz schnell im Gebäude. Ich lief leise zu Shay's Arbeitszimmer und klopfte an, doch es kam keine Antwort. Gut dann hatte ich jetzt freie Bahn. Ich schlüpfte flink durch die Tür und schaute mich um. Könnte ja sein das Shay doch anwesend war. Zu meinem Glück war er das nicht. Ich lief zügig in das Ankleidezimmer und schnappte mir seine Schwarze Montur.


 

Was hast du denn damit vor, Prinzessin?“. Sprach mich Shay plötzlich an. Mist er war doch in seinen Räumen. Ich hatte vergessen im Schlafzimmer nachzuschauen. Typisch für mich. Noch schlimmer, er hatte mich in flagranti erwischt, jetzt musste ich ihn bestimmt Rede und Antwort stehen. Dadurch wäre sein Geschenk keine Überraschung mehr. Ich drehte mich zu ihm um und lächelte ihn völlig unschuldig an. „Nun ich habe nichts vor, mo chride. Ich wollte dich einfach besuchen und als keiner geantwortet hatte bin ich einfach reingekommen. Ich wollte dich überraschen, aber als ich die Garderobe durchquert habe, ist mir aufgefallen das diese Montur ganz dreckig ist. Deshalb wollte ich sie schnell in die Wäsche bringen.“, plapperte ich einfach so drauf los und suchte dabei einen Fluchtweg. „Du bist eine schreckliche Lügnerin, Prinzessin.“, antwortete Shay mir amüsiert. „Ich sagte doch die Kleidung ist dreckig.“ redete ich und entfernte mich dabei langsam von ihm. Sein Blick blieb amüsiert, aber noch etwas anderes blitzte kurz in seinen Augen auf. Es kam mir für einen Moment vor als würde er mich fixieren, so als wäre ich seine Beute und er der Jäger.


 

Da ich wusste das er mir nicht glaubte, griff ich in eine meiner Taschen und schmiss eine kleine Rauchbombe nach ihm. Diesen Zug hatte mein Liebster nicht kommen sehen. So konnte ich geschwind das Fenster öffnen, um in den Garten zu fliehen. Ich rannte so schnell ich konnte, Shay's Montur fest umklammert. Ich musste es nur ungesehen bis zu Ellen schaffen, dann hätte ich es geschafft. Ich sprintete an den Wachen vorbei, nahm meinen Seilwerfer, um damit auf das nächste Hausdach zu kommen. Von dort ging es über die Dächer New Yorks so schnell wie mich meine Beine tragen konnten. Ich hatte nur noch 50 Meter bis zu meinem Ziel, da hatte mich Shay eingeholt. Aber statt mich sanft zu stoppen, tackelte er mich zu Boden. Da lag ich nun und konnte mich keinen Millimeter mehr bewegen. War ja auch klar, wenn ein ein Meter Neunzig großer Kerl auf einem lag. „Wie viel wiegst du, mo chride?“, fragte ich Shay mit zusammengebissen Zähnen. Wenn wir miteinander schliefen kam er mir nie so schwer vor. „Keine Ahnung aber ich habe dich und das ist die Hauptsache.“, antwortete er mir grinsend und stand von mir auf. Ich nahm seine Hand, die er mir reichte. „Gibst du mir nun meine Sachen zurück, Prinzessin?“, fragte er mich. Da hatte ich wohl jetzt verloren, aber so schnell gab ich noch nicht auf, ich würde diese Montur noch bekommen, koste es was es wollte. „Ja, aber wie willst du sie denn transportieren? Ich schlage vor wir stecken sie solange in meine Tasche.“, schlug ich ihm grinsend vor. Jetzt würde ich einfach bei Ellen vorbeigehen, anklopfen und die Tasche ablegen und Schwups hätte meine Freundin das „Musterstück“. Genialer Plan.


 

Wir kletterten gemeinsam von den Dächern herunter und liefen schweigend nebeneinander her. Ich führte uns geschickt zu Ellen's Laden. Jetzt musste ich nur noch Shay eine Minute ablenken und mir kam auch schon eine Idee. Ich zog an seinem Ärmel, damit er stehen blieb, um sich zu mir umzudrehen. „Was...“, doch weiter kam er nicht. Ich umarmte ihn stürmisch. „Hey Prinzessin alles in Ordnung mit dir?“, fragte er mich perplex, dabei beugte er sich ein kleines Stück zu mit herunter. Das war meine Chance. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um ihn in einen Leidenschaftlichen Zungenkuss zu verwickeln. Während des Kusses dirigierte ich meinen Liebsten in Richtung Tür und schubste ihn leicht dagegen. Als nächstes lies ich meine Tasche fallen. Ich hoffte das Ellen den Lärm hörte, den wir hier veranstalteten. „Wofür war das den mein Engel?“, fragte mich Shay, als wir uns wieder trennten. „Einfach so“, meinte ich nur. Zur Sicherheit trat ich nochmal ganz aus Versehen an die Tür. Keine drei Sekunden später stand Ellen in der Tür und schaute erst mich, dann Shay überrascht an. „Oh ich hoffe wir haben sie nicht geweckt gute Frau.“ fing ich an und nickte dabei in Richtung von meiner Tasche. Hoffentlich verstand Ellen den Hinweis. Ich entschuldigte mich überschwänglich bei ihr, während ich Shay einfach umdrehte um zu gehen. „Sie haben ihre Tasche vergessen.“, sagt Ellen nur trocken und ich nahm sie ihr schnell ab. Ellen zeigte mir noch fix einen Daumen nach oben, bevor sie laut die Tür zuschlug und drinnen etwas Unverständliches Fluchte. Shay wartete bereits auf mich. Da mein Auftrag endlich ausgeführt war liefen wir Hand in Hand zum Appel Pie. Ich freute mich schon riesig auf mein Bett oder auf was anderes, das würde sich dann schon noch ergeben.


 

Bevor wir aber das Appel Pie erreichten, kam uns ein zehn jähriger Junge entgegen. „Sind sie die ban-lighiche, Mylady? Doktor Wilson hat mich aufgetragen Euch zu suchen. Er meinte Ihr wäret im Apple Pie, doch dort haben sie gemeint, ihr seid im alten Fort. Ihr seid echt schwer zu finden Mylady. Aber egal, kommt meinem Vater geht es schlechter. Bitte ihr müsst mitkommen.“, flehte der Junge mich an. „Bring mich hin.“, sagte ich nur und folgte dem Jungen zu seinem Haus. Ich kannte den Jungen von heute Nachmittag, er war der Sohn des Patienten von Robert und mir. Zehn Minuten später erreichten wir ein kleines heruntergekommenes Haus. „Hier lang Miss, Mister.“, sprach er ruhig und führte uns beide in die Küche des Hauses. Dort wartete schon Robert auf mich. Die Frau des Patienten stand vor einem Kessel und füllte gerade Wasser darin ein. „Du hast lang gebraucht Junge.“, meinte Robert nur. „Er hat mich nicht so schnell gefunden“, gab ich zu seiner Verteidigung. „Schon gut Faith und wen hast du mitgebracht?“, fragte Robert mich. „Darf ich vorstellen Shay Cormac, Shay das ist Robert Wilson, Arzt.“ stellte ich die beiden gegenseitig vor. Die Herren nickten nur kurz, dann eilten wir zu unserem Patienten. Robert fing sogleich an die Verbände am Bein des Mannes zu entfernen. Ich nahm einen Lappen und wischte ihm erst mal den Schweiß von der Stirn, dabei bemerkte ich, dass er hohes Fieber hatte. „Shay kannst du der Frau sagen, dass wir lauwarmes Wasser und saubere Tücher brauchen. Mein Liebster antwortete mir nicht, sondern verschwand gleich in Richtung Küche. Er wusste wohl das er sonst im Weg stehen würde.


 

Sobald wir alles hatten, machten Robert und ich uns an die Arbeit. Der junge Arzt kümmerte sich um die Wunde, ich versuchte das Fieber zu senken. Shay half indem er uns beiden Dinge zugab oder den Mann ruhig hielt, wenn er vor Schmerzen aufschrie. Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge fielen, hatten wir unsere Arbeit erledigt. Der Patient lag schlafend in seinem Bett. Robert hatte die Wunde neu vernähen müssen und ich schaffte es das Fieber ein wenig zu senken. Ein leichtes Fieber war ja in Ordnung aber wenn es zu hoch wurde, konnte der Patient einen Schock erleiden und daran sogar sterben. Es kam zwar selten vor, aber es war theoretisch möglich. Ich gab der Ehefrau des Mannes noch ein paar Kräuter mit, welche gegen das Fieber waren. Sie sollte einfach einen Tee daraus kochen und Robert meinte zu ihr, dass er am Nachmittag nochmal vorbeischauen würde.


 

Als wir das Haus verließen, war die Sonne schon komplett aufgegangen. Wir verabschiedeten uns von Robert und setzten unseren Weg zum Appel Pie fort. “So habe ich mir unsere gemeinsame Nacht nicht vorgestellt, Prinzessin.“, meinte Shay nur, als er meine Hand nahm. „Wie wäre es wenn wir uns jetzt aufs Ohr hauen?“, schlug ich ihm vor. „Nun zwei Stunden Schlaf sind besser als kein Schlaf.“, stimmte er meinem Vorschlag zu. In der Taverne schlichen wir uns auf mein Zimmer und kaum das unsere Köpfe das Kissen berührten, waren wir vor Erschöpfung eingeschlafen.


 

Gegen Mittag wurden wir von einem kräftigen Klopfen an der Tür geweckt. Shay und ich wollten eigentlich gar nicht unser gemütliches Nest verlassen, aber leider hatten wir beide Pflichten zu erfüllen, sodass uns dieser Luxus nicht vergönnt war. Als Shay und ich zusammen die Küche betraten warf mir Caroline einen vielsagenden Blick zu. Margery dagegen war zu Eissäule erstarrt. „Was, Wie, Warum...“, stotterte sie geschockt. Ich überhörte Margery, schnappte mir ein paar kleine Kuchen, nahm meine Tasche und schob Shay schnell aus der Küche. Kaum dass ich die Tür hinter uns geschlossen hatte, fing mein Liebster an zu lachen. „Wir haben der guten Margery einen riesigen Schock verpasst. Willst du nicht doch lieber bei mir wohnen, Prinzessin. Nicht das die gute eines Tages noch Schaden nimmt. Außerdem hätten wir so viel mehr Zeit für uns.“, versuchte mein Liebster mich wieder zu überreden. „Du kennst die Antwort Shay, nein. Vielleicht später mal.“ setzte ich hinzu und lief nach Osten in Richtung East River. „Hast du was dagegen wenn ich dich heute mal begleite. Ich meine ich habe nichts Besonderes vor heute und so können wir Zeit zusammen verbringen?“, fragte mich der ehemalige Assassine. Ich blieb stehen und schaute ihn überrascht an. „Wenn du willst gerne, mich stört es nicht und eine helfende Hand kann ich immer gebrauchen.“, erteilte ich ihm damit die Erlaubnis.


 

Nach drei Stunden kamen wir zu meinem vorletzten Patienten für heute. Ein kleines Mädchen hatte sich vor drei Wochen die Hand gebrochen. Ich wechselte ihr den Verband, während Shay sie mit Geschichten über Seeschlachten ablenkte. Ich wusste gar nicht, dass mein Liebster so gut mit Kindern konnte. Na ich entdeckte immer gerne neue Seiten an ihm. Kurz darauf verließen wir die Kleine wieder und ich bog in eine kleine Seitengasse ein. „Ich wusste gar nicht, dass du so gut mit Kindern umgehen kannst.“, meinte ich zu Shay. „Ich auch nicht, aber welches Kind hört nicht gerne Geschichten über große Schlachten und Helden. Ich war als...“, plötzlich stoppe Shay mitten im Satz und zog mich in eine kleine Nische. Er deutete mir still zu sein. Auf meinen fragenden Blick zeigte er nur auf zwei Personen in einiger Entfernung von uns. Waren das wirklich Achilles Davenport und Liam? Doch bevor ich nochmal genauer hinschauen konnte, waren sie schon Weg und mein Liebster gleich mit ihnen. Na toll jetzt hatte er mich doch tatsächlich einfach stehen gelassen, aber so leicht würde er mich nicht los, dachte ich noch bevor ich begann die drei Herren zu suchen.


 

Kapitel 36 – Wie gut das es Schränke gibt


 

Bevor Shay einen zu großen Vorsprung bekam, kletterte ich die nächste Hauswand hoch, um mir so einen besseren Überblick zu verschaffen. Als ich oben war, suchte ich die Umgebung ab und wünschte mir den Adlerblick, so wie Shay ihn hatte. Ich drehte mich mehrmals im Kreis, dann entdeckte ich ihn. Shay lief zügig in Richtung des Hafens. Was wollten die Assassinen dort nur, fragte ich mich. Ich begann Shay zu verfolgen, doch der Abstand zwischen uns verringerte sich nicht wirklich. Leider holte ich Shay erst am Hafen ein und das nur, weil er auf mich wartete. Ich musste wirklich noch viel trainieren, bis ich so gut war wie er. „Schau da unten, Prinzessin. Lehne dich aber nicht zu weit vor, sie dürfen nicht wissen das wir hier sind.“ meinte er ganz ruhig, bevor Shay seine Gabe einsetzte, um die Assassinen zu belauschen. Ich schaute über die Mauer und sah wie die beiden Herren aufgeregt miteinander redeten. Langsam liefen die Assassinen weiter, wir folgten ihnen in einigem Abstand.


 

Nach ein paar Minuten blieben Liam und Achilles vor einem großen Tor stehen. Das Tor öffnete sich und Hope begrüßte die beiden, während sie ihre Gäste in die Festung führte. „Was die drei wohl zu besprechen haben?“, fragte ich mich laut. „Das Prinzessin, müssen wir herausfinden.“, antwortet mir Shay. Wir zogen uns von der Dachkante ein wenig zurück, sodass wir uns einen Plan überlegen konnten. „Das Fort jetzt anzugreifen wäre zu riskant.“, murmelte Shay in seinen nicht vorhandenen Bart. „Wie wäre es wenn du ein wenig Verwirrung stiftest und ich versuche die drei zu belauschen. Was hältst du davon?“, schlug ich meinem Gegenüber vor. „Das ist eine gute Idee. Wenn sie sich gegenseitig angreifen...“, überlegte sich Shay schon einen Plan. „Gut so machen wir es. Aber Faith, sei vorsichtig und pass auf das du nicht erwischt wirst. Wir treffen uns in einer Stunde wieder hier.“, akzeptierte Shay meinen Vorschlag und verließ mich sogleich.


 

Ich wartete noch ein paar Minuten, bevor ich mich auf den Weg in das Bandenquartier machte. Wie meistens suchte ich mir einen Weg über die Dächer, denn die wenigsten Leute schauten nach oben. So kam ich ungesehen beim Hauptgebäude an und zu meinem Glück war dort sogar ein Fenster offen. Ich kletterte unter besagtes Fenster, spähte kurz hinein, um dann hinein zu huschen. Als ich endlich im Haus war, wollte ich gerade zur Tür, als ich die Stimme von Hope hörte, welche anscheinend näherkam. Na toll, dachte ich und suchte nach einem geeigneten Versteck. Mein Blick fiel auf einen alten Kleiderschrank. Kaum hatte ich die Schranktür geschlossen, öffnete sich die Tür des Raumes und es kamen Leute herein. Da saß ich jetzt wohl erst mal in der Falle. Ich konnte nur hoffen, dass die Assassinen nicht an diesen Schrank mussten. Ich tastete meine Umgebung ab und dabei fühlte ich nur Stoff. Gut an Kleidung mussten sie wahrscheinlich nicht. Damit war ich fürs erste sicher.


 

Hier sind wir ungestört, Meister.“, fing Hope an zu reden. Ich legte mein Ohr an die Tür um besser zu hören. Wenn ich schon so eine gute Gelegenheit hatte, die Assassinen zu belauschen, wollte ich auch nichts überhören. „Gut, ich hatte das Gefühl das uns jemand gefolgt sei auf den Weg hier her.“, sprach Liam. „Hast du endlich raus gefunden wer für die Templer arbeitet?“, fing Achilles an, in einen scharfen Ton mit Hope zu sprechen. „Ich vermute es ist dieses schottische Miststück.“ antwortete Hope. „Du vermutest? Hast du mir nicht gesagt sie wäre im Feuer verbrannt?“, fragte ihr Meister sie weiter aus. „Nun meine Quellen haben herausgefunden das sie irgendwie fliehen konnte. Sie läuft munter in der Stadt herum und soll eine Heilerin sein. Wenn ihr es wünscht Meister werden meine Leute sie eliminieren.“, sagte Hope mit leichter Hoffnung in der Stimme. Hasste diese Frau mich so sehr, dass sie mich Tod sehen wollte. Was hatte ich ihr denn nur getan? „Das ist doch jetzt nicht so sehr von Belang, oder Meister?“, versuchte Liam das Thema um mich zu beenden.


 

Du hast Recht Liam. Wir sollten sie erst mal in Ruhe lassen, wenn wir aber herausfinden, dass sie mit den Templern gemeinsame Sache macht, werden wir uns etwas einfallen lassen. Miss McGregor ist immerhin eine Schwester von uns. Wenn dann sollte sie ihr Großmeister bestrafen und nicht wir. Nun Hope was hast du über das Manuskript herausgefunden?“, fragte der Großmeister seine Schülerin. „Wir dachten ja das Manuskript sei mit Shay's Leiche auf dem Meeresboden, aber es wurde gefunden.“, machte es die Dame spannend. „Dann muss es beim Sturz aus Shay's Tasche gefallen sein, aber wir haben die ganze Bucht abgesucht und es nicht gefunden.“, mischte sich nun Liam ein. „Wenn du mich ausreden lassen würdest, Liam. Das Shay tot ist, ist uns allen klar, aber das Manuskript wurde gefunden. So sagen es jedenfalls meine Informanten. Du weißt in dieser Stadt passiert nichts, ohne dass ich es nicht erfahre.“, redete Hope weiter. Das dachte auch nur sie, sonst wüsste sie das Shay noch lebte und wir beide gemeinsame Sache mit den Templern machten.


 

Gibt es feste Beweise, dass das Manuskript gefunden wurde, Hope? Wir müssen es vor unseren Feinden in die Finger bekommen, sonst war unsere jahrelange Arbeit umsonst.“, meinte Achilles zu seinen beiden Gefährten. „Einer meiner Quellen hat es kurz gesehen.“, spannte Hope die beiden Herren auf die Folter. „Und wo?“, sprach Liam ungeduldig. „Einer der höheren Templer hat es, aber meine Quelle konnte nicht sagen welcher. Ich vermute es hat dieser aufgeblasene Engländer, Kenway.“, gab sie die Neuigkeit endlich preis. „Wenn Kenway das Buch hat, wird es schwer werden es zu bekommen. Aber ohne die Schatulle können sie es nicht entschlüsseln. Das ist unser einziger Vorteil.“, erörterte Liam ihre Situation. „Nun Liam du kehrst mit mir nach Davenport zurück und Hope, finde das Manuskript. Setze alle deine Mittel ein, wenn es sein muss mit Gewalt. Noch sind wir im Vorteil. Die Templer wissen nicht, das wir wissen das sie das Manuskript haben.“, mit diesen Worten beendete Achilles das Treffen der drei.


 

Ich hörte wie sich eine Tür öffnete, dann sich wieder schloss. Als ich gerade die Tür meines Verstecks öffnen wollte, hörte ich wie ein Stuhl gerückt wurde. Mist da war doch noch einer da. Ich hoffte nur, dass die Stunde noch nicht um war. „Wieso immer ich?“, vernahm ich die Stimme von Hope. „Immer heißt es Hope finde das raus, finde jenes raus, doch wenn es ums Ganze geht schickt er Liam vor. Der Kerl holt sich meine Lorbeeren.“, meckerte sie rum. Ich hörte wie sie laut ein Glas auf den Tisch am Fenster abstellte. „Erst hat Shay immer den Ruhm bekommen und jetzt Liam. Ist es, weil ich keinen Schwanz zwischen den Beinen habe? Wer hat mit dem Wissenschaftler alles aufgebaut? Ich! Wer hatte raus gefunden das sich der Templer auf dem Kongress befindet? Ich! Und mein Lohn? Nichts! Nicht mal ein Danke. Außer von Shay, sein danke war perfekt. Ich wünschte er würde noch leben, er war so verdammt gut im Bett. Aber kaum war er aus Portugal zurück, zack hat er mich abserviert, wegen einer jungen Pute. Bei Liam genau das gleiche, was finden die nur an ihr. Etwa ihre unschuldige Art? Wenn ich dieses Weib das nächste Mal sehe bringe ich sie um, die hat mein Leben ruiniert!“, lästerte sie über mich ab, doch ich war viel zu geschockt von dem was sie sagte. Shay hatte mit ihr geschlafen? War ich etwa nur ein Ersatz für Hope, weil er jetzt keine andere mehr hatte?

Nein oder doch? Meine Gedanken kreisten wie wild, vor meinem inneren Auge sah ich Shay und Hope in leidenschaftlicher Umarmung. Schluss, ermahnte ich mich selbst. Ich drängte diese Gedanken beiseite, sonst würde ich in diesem dunkeln Schrank noch verrückt. Ich lauschte weiter auf Hope's Schimpftirade über mich, als die Tür des Zimmers mit einem Schwung aufflog und gegen den Schrank knallte. Zu meinem Pech öffnete sich die Schranktür. Na toll jetzt würden sie mich finden.


 

Was!“, hörte ich Hope jetzt klar und deutlich sagen. „Miss Hope, da draußen ist das reinste Chaos. Unsere Wachen greifen sich gegenseitig an!“, meldete eine der Wachen panisch. „Ich komme ja schon. Bekommt ihr auch nichts alleine gebacken, ihr Vollidioten.“, faucht sie den Mann an. Hope sauste mit der Wache aus der Tür und schmiss diese krachend zu. Puh da hatte ich nochmal Glück gehabt. Ich verließ mein Versteck, trocknete meine Augen ein wenig, denn ich hatte doch tatsächlich angefangen zu weinen. Ich lief auf das Fenster zu und bemerkte Hope's angefangene Flasche mit hochprozentigen. Ich Griff sie, trank einen großen Schluck und packte den Rest in meine Tasche. Die würde ich bestimmt später noch gebrauchen können.


 

Schnell kletterte ich aus dem Fenster und kam gerade noch rechtzeitig an unseren Treffpunkt an, wo Shay schon auf mich wartete. „Bist du auch endlich da?“, giftete er mich an. Was war denn in den gefahren, wenn dann war ich doch diejenige die ihn anfahren sollte. „Entschuldige der Herr, ich musste leider warten bis du die Ablenkung fertig hattest. Ich saß in einem Schrank und musste mir Hope's gemecker anhören. Zuvor habe ich aber alle drei belauschen können.“, antwortete ich pampig. Shay knurrte nur leicht, drehte sich um und kletterte ein paar Häuser weiter wieder auf die Straße. Ich folgte ihm und zusammen liefen wir wieder in Richtung Greenwich, dabei sagten wir kein Wort. Ich wollte Shay auch nicht drängen, dazu war er viel zu Stur, dieser irische Bastard.


 

Nach einer halben Stunde liefen wir an einen der Seen der Stadt vorbei. Ich hörte Kinderlachen und drehte mich in besagte Richtung. Dort auf dem See rannten bestimmt ein Dutzend Kinder rum. Klar der See war gefroren, aber so dick konnte die Eisschicht doch nicht sein. Ich blieb kurz stehen, um den Treiben ein wenig zuzusehen. Das brachte mich wenigstens auf andere Gedanken. Der Herr vor mir hatte wohl mitbekommen, dass ich nicht mehr hinter ihm lief und drehte sich zu mir um. Doch bevor er mir was sagen konnte, hörten wir den Schrei eines Kindes. Ich blickte entsetzt zum See. Ein Stück vom Rand entfernt war eines der Kinder ins Wasser gefallen. Ich rannte schnell in die Richtung, doch Shay überholte mich und watete doch tatsächlich in diesen eiskalten See, um das Kind zu retten. Er erreichte das Kind, griff einfach unter die Wasseroberfläche und zog den Jungen am Kragen heraus. Ich erreichte das Ufer, da war Shay schon wieder auf den Rückweg.


 

Faith er atmet nicht.“ sagte Shay mir und legte den Jungen vor mich. Ich ging auf die Knie, horchte nach einem Herzschlag, aber es war keiner da. Sofort wusste ich was ich tun musste. Theoretisch konnte ich diese Technik, aber gebraucht hatte ich sie noch nie. Ich legte meine Hände auf den Brustkorb des Jungen und begann auf diesen zu drücken. In der Theorie war es einfach, die Praxis dagegen nicht. Ich musste genug Druck aufbauen, um dadurch das Herz wieder zum Schlagen zu bringen und das sollte alles gleichmäßig wiederholt werden. Dies machte ich fast dreißig Mal hintereinander, dann beugte ich mich zum Kopf des Jungen hinab, neigte diesen vorsichtig nach hinten, indem ich sein Kinn ein wenig anhob. Mit meinen Daumen und Zeigefinger verschloss ich seine Nase, um dann meinen Mund auf den seinen zu legen, so konnte ich ihm die notwendige Luft zukommen lassen. Danach widmete ich mich wieder seinem Herzen. Das Ganze wiederholte ich einige male, bis der Junge plötzlich die Luft von selbst einzog. Shay half mir den Jungen aufzurichten und kaum das er saß, hustete er einen Schwall Wasser aus seinem Mund. Sofort kamen die Eltern des Jungen und wir beide traten ein wenig beiseite. Jetzt erst bemerkte ich den Menschenauflauf der sich um uns versammelt hatte. „Habt ihr das gesehen, sie hat ihn von den Toten zurückgeholt. Sie ist eine Hexe“, rief einer aus der Menge. „Halt die Klappe du Depp“, brüllte ein andere. „Sie hat den Jungen des Bäckers gerettet. Ohne die Lady wäre er jetzt Tod. Das seht ihr doch auch so oder?“, rief wieder eine andere Stimme. „Ja er hat recht“ „Nein sie ist eine Hexe“ riefen immer mehr Stimmen und das war für uns das Zeichen zu verschwinden. Shay griff in eine seiner Taschen, entzündete eine Rauchbombe und schon konnten wir ungesehen verschwinden.


 

Wir standen auf einem der Dächer in der Nähe des Unfallortes und konnten so ganz gut die verwirrte Meute beobachten. „Findet die Hexe“, schrie ein Mann immer wieder, doch die Menschen hörten nicht mehr zu. Ein paar Minuten später gingen die Leute wieder ihren Angelegenheiten nach. „Hier der wärmt dich wenigstens von Innen.“, drehte ich mich zu Shay und übergab ihm die Flasche mit dem Hochprozentigen. „Danke Prinzessin, aber wo hast du die denn her.?“, fragte er mich wieder normal. Anscheinend war der Herr doch wieder zur Vernunft gekommen. „Hat die Gute Hope springen lassen. Willst du nun hören was ich raus gefunden habe?“, redete ich weiter. Shay nahm einen großen Schluck. „Sie hatte schon immer einen guten Geschmack.“, murmelte der ehemalige Assassine. „Stimmt wie dich zum Beispiel.“, flüsterte ich leise zu mir selbst und begann den Abstieg auf die Straße. „Was hast du gesagt?“, fragte Shay mich, doch ich antwortete ihm nicht, denn ich war schon wieder auf der Straße angelangt.


 

Wie meinst du das Prinzessin?“, wiederholte Shay seine Frage, während er mich schon eingeholt hatte und neben mir herlief. „Schon gut, ist nicht weiter wichtig.“, versuchte ich das Thema zu beenden. Shay schien aber mit meiner Antwort nicht wirklich zufrieden zu sein. „Es ist dir wichtig, also was meintest du damit Hope hätte einen guten Geschmack.?“ Er ließ einfach nicht locker. „Na dich. Du hast mit ihr geschlafen und das konntest du mir nicht sagen.“, ließ ich die Katze aus dem Sack. „Aha, du weißt, dass es vor deiner Zeit war, oder Prinzessin?“, antwortete er nur trocken. „Ja. Aber du hättest es mir sagen sollen. Diese Frau hasst mich so sehr das sie mich umbringen will, Shay.“ „Das würde sie nicht tun. So jemand ist Hope nicht.“, verteidigte er sie. Ich drehte mich von ihm weg. „Geh Shay.“, sagte ich mit zusammengebissen Zähnen. „Wenn du meinst, du weißt ja wo du mich finden kannst. Ich werfe dir ja auch nicht vor, dass du mit Liam was hattest.“, sagte Shay leise bevor er an mir vorbeilief. Ich wischte mir meine Tränen von den Wangen. Das hatte ich ja toll hinbekommen. Schnell drehte ich mich in die Richtung in der Shay verschwunden war, doch er war schon nicht mehr zu sehen. Woher wusste er das mit Liam, dachte ich und lief in die entgegengesetzte Richtung.


 

Langsam ging ich durch die Straßen New Yorks. Mein Ziel war das Appel Pie. An meinen Wangen liefen andauernd Tränen entlang. Ich wollte nicht, dass es so weit kam, doch ich konnte wieder einmal meine Klappe nicht halten. Als es bereits dunkel wurde, erreichte ich endlich mein Ziel. Ich öffnete die Hintertür und wurde mit einem leckeren Duft begrüßt. „Feasgair math, Faith”, begrüßte mich Alex. Ich schlurfte einfach an ihm vorbei und wollte gerade die Treppe hochgehen als... “Früher wurde man noch gegrüßt und nicht ignoriert.”, meinte der Tavernen Besitzer. “Mir ist nicht danach Alex.”, antwortete ich traurig. “Faith umdrehen und herkommen.”, befahl er mir. Ich gehorchte ihm und setze mich Alex gegenüber. Alex schob mir seinen Becher zu, damit ich einen großen Schluck nehmen konnte. “Geht es dir jetzt besser?”, fragte er mich. Ich nickte nur stumm. “Gut trink noch einen Schluck und dann erzähl mir was los ist.” Ich befolgte seine Anweisung, dann erzählte ich ihm von meinem Streit mit Shay. Er hörte mir geduldig zu, reichte mir zwischendurch ein Taschentuch, sowie eine Flasche guten Whiskys. Als ich die Flasche zur Hälfte getrunken hatte, war ich endlich fertig damit Alex mein Herz auszuschütten. Wir saßen schweigend in der Küche bis “Geh zu ihm und entschuldige dich, Faith. Wenn ihm etwas an dir liegt wird er dir verzeihen. So ein Streit ist kein Weltuntergang. Ich meine, Margery und ich zoffen uns fast jeden Tag, aber wir sind seit über Zwanzig Jahren glücklich verheiratet. Jeder von uns hat eine Vergangenheit vor dem anderen und du musst seine akzeptieren.”, sprach er ruhig zu mir. Alex hatte Recht. Auch wenn Shay mit Hope ein Techtelmechtel hatte, so hatte er sie auch in den Wind geschossen als er mich kennenlernte.


 

Nun wusste ich was ich zu tun hatte. Ich bedankte mich bei Alex, zog meinen Mantel an und war kurze Zeit später auf dem Weg zum Fort Arsenal. Als ich dort ankam, wollte ich meinen Passierschein vorzeigen, aber in meiner Eile hatte ich ihn vergessen. Wie sollte ich jetzt reinkommen? Der Baum von letzten Mal war zu meinem Pech verschwunden. Es musste doch noch einen anderen Weg geben. Ich lief ein Stück die Straße am Fort entlang, als mein Blick zum Fluss viel. Ich hatte einen Weg gefunden.

Kapitel 37 – Schwimmen im Winter ist keine gute Idee


 

Mein Weg in das Fort hatte ich gefunden, doch wie sollte ich dieses Vorhaben umsetzen? Meine Beine trugen mich an das Flussufer des Hudson, dort streckte ich probehalber meine Hand in das Wasser und zog diese schnell wieder heraus. Oh Gott war das eiskalt, bestimmt so um den Gefrierpunkt. Ich stand noch ein paar Minuten da, dann entschloss ich mich in den Fluss zu waten. Nach ein paar Schritten waren meine Stiefel und ein Teil der Hose komplett durchgeweicht. Trotz der Kälte lief ich weiter, immer mein Ziel vor Augen, mich bei meinem Liebsten zu Entschuldigen.


 

Als das Wasser mir bis zur Brust stand, stieß ich mich vom Boden ab und tat den ersten Zug. Das Wasser war einfach nur eisig, sodass ich meine Füße langsam nicht mehr spürte. Ich schwamm ein wenig schneller, doch vom Ufer aus hatte ich die Entfernung falsch eingeschätzt. Aber aufgeben kam für mich nicht in Frage. Nach ein paar Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, erreichte ich einen kleinen Steg. Mit steifen Fingern zog ich mich hoch, noch war ich nicht am Ziel angekommen. Zwischen Shay und mir standen noch eine Mauer, mehrere Wachen und sonst noch was. Die Mauer war kein Problem, dafür hatte ich meinen kleinen Helfer. Innerhalb eines Augenblicks war ich auf der anderen Seite. Schnell versteckte ich mich in einem der Büsche.


 

Durch mein Training kannte ich das Gelände um das Fort in und auswendig. Ich schlich ungesehen bis zur Hintertür, aber diese war leider verschlossen. Von so was ließ ich mich nicht aufhalten! Für was hatte ich eine versteckte Klinge, das gute Stück war das reinste Multifunktionsgerät. Man konnte Mauern hochklettern, Türen aufknacken, hatte immer ein Messer zur Hand, wenn Frau es brauchte. Ach ja und zum Kämpfen waren die Klingen auch geeignet, wie zum Töten. Keine Minute später stand ich in einem kleinen Flur, welcher zur Küche, den Zimmern der Bediensteten und in den vorderen Bereich führte. Ich ging auf leisen Sohlen zum Eingangsbereich. Dort musste ich der ersten Wache ausweichen. Hinter einer Pflanze wartete ich, bis der Soldat ohne es zu merken an mir vorbeilief. Puh das war knapp. Mit schnellen Schritten rannte ich die Treppe hoch und bremste erst vor Shay's Gemächern. Ich drückte leise die Türklinke nach unten und schlüpfte durch einen kleinen Spalt herein.


 

In den Raum war es dunkel, nur die erlöschende Glut des Feuers spendete ein wenig Licht. Doch das reichte aus um Shay zu sehen. Er stand mit dem Rücken zu mir und versuchte die restliche Glut nieder zu starren. Er war anscheinend tief in Gedanken, denn er hatten mich noch nicht mitbekommen. Ich ging langsam auf ihn zu und als ich hinter ihm Stand, umarmte ich ihn einfach. Das schreckte ihn auf, so dass er sich aus meiner Umarmung löste und mich mit seinen schwarzen Augen ansah. Wenn er überrascht war, zeigte Shay es nicht. “Wie bist du hier reingekommen und warum bist du Pitschnass?”, wollte mein Liebster von mir wissen. Gut er redete noch mit mir. Ich atmete einmal tief durch. “Als erstes es ... sorry Shay dass ich mich wie eine eifersüchtige Pute benommen habe, wenn jemand meine Wut abbekommen sollte dann Hope und nicht du. Aber du hast sie vor mir verteidigt, da habe ich rotgesehen. Ich meine du kennst sie besser als ich. Mir war sie von Anfang an unsympathisch... Aber was ich eigentlich sagen wollte ist...Jetzt wo ich weiß, dass ihr beide was zusammen hattet, ich werde es akzeptieren solange ich nicht mit ihr an einem Tisch essen muss. Argh! In meinen Gedanken hat sich das ein wenig besser angehört. Kannst du einem naiven eifersüchtigen Weib wie ich es bin verzeihen?”, beendete ich meine kleine Rede.


 

Shay schaute mich an, bevor er einen Schritt auf mich zu machte und mir einen leidenschaftlichen Kuss gab. Unsere Zungen tanzten einen leidenschaftlichen Tanz und nur ungern wollte ich diesen Kuss beenden, doch wir mussten ja auch mal atmen. “Heißt das, dass du mir verzeihst?”, fragte ich Shay nochmal. “Ja mein Engel. Außerdem siehst du richtig niedlich aus, wenn du eifersüchtig bist.”, antwortete er mir sanft und schenkte mir eine Umarmung. Diese löste er schnell wieder. “Du bist eiskalt, Prinzessin. Hast du ein Bad im Fluss genommen?”, meinte Shay scherzhaft. “Ja... und es ist verdammt kalt um diese Jahreszeit, toll riechen tut es auch nicht grade.”, antwortete ich ehrlich. “Wie bist du über die Mauer...dein Seilwerfer.”, sagte er nur, während er anfing das Feuer neu zu entfachen.


 

Nachdem das Feuer wieder brannte, brachte Shay mir eines von seinen Hemden. “Zieh die Sachen aus, sonst holst du dir noch den Tod. Ich werde dir ein warmes Bad besorgen.”, sagte er noch zu mir, bevor er aus seinen Räumen verschwand. Oje, das Dienstmädchen würde mich hassen, um diese Uhrzeit aus dem Schlaf gerissen zu werden, nur um ein Bad zu bereiten. Hoffentlich konnte ich mich morgen dafür irgendwie bei ihr revanchieren. Shay kam fünf Minuten später wieder zurück. “Du solltest doch deine Sachen ausziehen.”, tadelte er mich. “Würde ich gerne, aber meine Finger sind zu steif, ich bekomme meine Schnallen vom Ornat nicht auf.”, erklärte ich ihm mit klappernden Zähnen. Shay war sofort bei mir, um mir zu helfen. Er fing mit meiner Gürtelschnalle an, danach die von meinen versteckten Klingen. So ging es weiter, bis ich nackt vor ihm stand. Ich ging einen kleinen Schritt auf meinen Liebsten zu, legte meine Hand auf seine Wange und wollte ihn küssen, da klopfte es laut an der Tür. Schnell versteckte ich mich hinter meinen Liebsten. Shay hatte noch nicht einmal herein gesagt, als eine ältere Dame einfach in den Raum kam. “Master Cormac, euer Bad ist fertig. Braucht ihr sonst noch was?”, fragte sie leicht griesgrämig. “ Könnt ihr noch ein wenig Suppe von Abendessen warm machen, meine Gute?”, fragte Shay charmant. Flirtete er etwa vor meinen Augen mit dem Dienstmädchen?


 

Ich konnte es nicht fassen, dass er das tat. Die Dame nickte nur und beeilte sich den Raum zügig zu verlassen. War die Gute etwa rot geworden durch Shay's flirten? “Hebe deine Arme hoch.”, holte mich mein Gegenüber aus meinen Gedanken. Ich tat was der Herr verlangte und Shay zog mir das Hemd über den Kopf. “So jetzt musst du nicht im Evakostüm durch den Flur.”, kommentierte er nur schelmisch. Shay nahm mich an der Hand, öffnet die Tür von seinen Gemächern und führte mich durch die Villa in den Baderaum. Ich liebte es hier. Der Boden war mit weißen Marmorplatten gefliest, sowie ein Teil der Wände. Links neben der Tür war ein Stuhl mit Handtüchern, rechts davon ein Korb für die dreckige Wäsche. Doch das Beste war die riesige Badewanne in der Mitte des Raumes. Sie war riesig, zwei mal zwei Meter. Zwei große Stufen führten einen ins Wasser, einfach ein Traum. Dahinter prasselte in der Feuerstelle ein wärmendes Feuer. Über diesem hing ein großer Kessel zum erwärmen des Wasser. Doch man hätte ewig gebraucht um diese Wanne mit so viel Wasser zu füllen, wenn man alles mit dem Eimer schleppen musste. Das hatte bestimmt auch der Erbauer dieser Villa gedacht und eine Pumpe an der Wand befestigt. So konnte man einen Teil des Wassers direkt in die Badewanne leiten. Für die gewünschte Wärme wurde dann einfach genug heißes Wasser hinzugegeben. Am Grund des Beckens gab es noch einen Abfluss, der das Wasser über eine Rinne abfließen lies. Alles in allem war dieses Bad ein wahrer Traum.


 

Shay half mir ins Wasser und ich merkte wie mein ganzer Körper begann langsam aufzutauen. Ich hörte wie Shay seine Kleidung ablegte, kurz darauf fanden sich seine Lippen auf den meinen. Er hatte anscheinend vor da weiter zu machen, wo wir vorhin aufgehört hatten. “Endlich bekomme ich ein Bad mit dir.”, meinte er nur bevor er mich hochhob und auf den Rand der Wanne setzte. “Du hattest doch schon ein paar mit mir.”, sagte ich leicht außer Atem. Shay brummte nur kurz bevor er mich spielerisch in den Oberschenkel biss. “Was”, doch weiter kam ich nicht, ich spürte wie die Lippen meines Liebsten anfingen mich zu verwöhnen. Ich lehnte mich ein wenig zurück und genoss seine Liebkosungen in vollen Zügen und unser gemeinsamer Höhepunkt beendete unseren kleinen Streit endgültig. Wir kuschelten noch ein wenig in der Wärme des Wassers, bevor wir wieder in seine Räume zurückkehrten. Das Dienstmädchen hatte die Suppe auf einen der Tische neben dem Sofa gestellt. Hungrig machten wir zwei uns über das späte, aber sehr leckere Mahl her. Als ich fast auf dem Sofa neben meinen Liebsten einschlief, beschlossen wir uns in die Federn zu kuscheln. Mit der Wärme meines Liebsten neben mir, war ich schnell im Land der Träume.


 

Am nächsten Morgen erwachte ich wundervoll ausgeruht in einer wahren Todesumklammerung. Warum musste es fast jeden Morgen das gleiche sein. Ich liebte es neben Shay aufzuwachen, doch musste ich immer als sein Kuscheltier herhalten. Ich meine wenn man Shay sah, dachten die wenigsten daran das der Kerl es liebte zu Kuscheln und das mit vollen Körpereinsatz. Meine Beine waren zwischen denen von Shay fest eingeklemmt, ein Arm lag um meine Hüfte, der andere unter meiner Brust. Manchmal fragte ich mich wirklich wie ich noch atmen konnte. Als erstes musste ich ein wenig Platz kriegen, ich begann mich zu regen und schaffte es sogar ein paar Zentimeter zu erobern, doch ich hatte nicht die Rechnung mit Shay gemacht. Er schlang seine Arme wieder fester um mich. “Gib doch einfach auf Faith, du schaffst es sowie so nicht.“, redete er leise mit mir. Sieh an der Herr war ja auch schon wach. „Dann lass mich aufstehen, mo chride.“, quengelte ich ein wenig. „Noch fünf Minuten.“, war alles was er nuschelte, dann war er wieder eingeschlafen. Ich ergab mich meinem Schicksal, schloss meine Augen und war kurze Zeit später ebenfalls wieder eingeschlafen.


 

Als wir zwei Stunden später bei unserem Frühstück saßen, sprach mich Shay auf unseren gestrigen Besuch bei Hope an. „Die Assassinen vermuten, dass das Manuskript nicht am Grund des Meeres liegt, sondern bei einem Templer ist.“, antwortete ich ihm. Shay schwieg nur und so fuhr ich fort. „Die gute Hope soll herausfinden wer es hat, sie vermuten Master Kenway.“, redete ich weiter. „Wer ist Master Kenway?“, fragte Shay mich. Diese Frage lies mich aufblicken. „Der Großmeister des hiesigen Ordens. Du bist ihm wohl noch nicht begegnet.“, meinte ich nur nebenbei und konzentrierte mich wieder auf mein Frühstücksei. „Woher weißt du das alles?“, fragte mein Liebster mich. „Bin ihm schon ein paar Mal begegnet seit ich in den Kolonien bin.“ „Aha, gut Prinzessin ich werde mich zum Colonel begeben, um ihn auf den neuesten Stand zu bringen. Willst du mitkommen oder hierbleiben?“, wollte Shay von mir wissen und lies das Thema Großmeister erst mal sein. „Ich glaube ich bleib hier, du hast nämlich ein paar neue Bücher. Die wollte ich mir gerne mal genauer ansehen. Außerdem sind meine Sachen noch nicht trocken und nur in deinem Hemd werde ich bestimmt nicht vor die Tür gehen.“, antwortete ich ihm. „Gut, ich bin bald zurück, dann können wir unser Training von gestern nachholen.“, verabschiedete er sich bei mir. „Du siehst übrigens umwerfend aus in meinen Sachen, mein Engel“, meinte Shay noch grinsend, bevor er endgültig aus dem Raum verschwand.


 

Nachdem ich mein Frühstück aufgegessen hatte, begab ich mich in Shay's Reich. Vor dem Bücherregal überlegte ich, welches Buch wohl spannend genug wäre, um mir damit ein wenig die Zeit zu vertreiben. Meine Augen huschten über die verschiedenen Bücher. Da ich mich nach fünf Minuten immer noch nicht entschieden hatte, griff ich mir einfach eins. Ich blickte auf den Titel des Buches. Gullivers Reisen von Jonathan Swift. Der Autor war mir neu, aber ich wollte den Buch eine Chance geben. Ich war ganz vertieft in das Buch, bis mich eiskalte Hände aufschrecken ließen. Mein Blick wandte sich zu meinem Angreifer, der mich belustigt ansah. Hätte mir ja denken können, das es Shay war. „Bereit für dein Training?“, fragte er mich. Ich nickte ihm zustimmend zu und erhob mich um mich anzuziehen. Auf zur Quälerei, dachte ich in Gedanken, als ich meinen Liebsten eine viertel Stunde später auf den Hof der Villa folgte.


 

Nach zwei Stunden des Quälens, war ich am Ende meiner Kräfte. Mir taten Stellen am Körper weh, die ich bis dahin nicht kannte. Mein Lehrer stand vor mir und sah mich mit einem tadelnden Blick an. „Komm aufstehen und weitermachen.“, gab er mir seinen Befehl. „Ich kann nicht mehr, mo chride.“, fing ich an zu diskutieren. „Das werden wir sehen.“, murmelte er leise und griff mich wieder an. Flott rollte ich zur Seite, sprang auf meine Beine und schaffte es knapp vor seinem nächsten Schlag auszuweichen. Dabei stolperte ich über meine eigenen Beine und landete unsanft auf meiner Kehrseite. Bevor ich mich versah hatte ich eine Klinge an meiner Kehle. „Fünfzehn zu null für mich.“, sprach Shay zu mir. „Du warst heute nicht bei der Sache, Prinzessin. Was ist los mit dir.?“, fragte Shay mich und half mir auf die Beine. „Bin nur ein wenig erschöpft, mo chride. Mach dir keine Sorgen.“, sagte ich zu ihm. „Ich muss nur langsam los, mo chride. Sonst wird Margery noch eine Vermisstenanzeige aufgeben oder hier herkommen und dich kastrieren.“, meinte ich grinsend zu ihm. „Kann sie gerne versuchen.“, nahm Shay diese Herausforderung an. „Wir sehen uns heute Abend, mo chride.“, verabschiedete ich mich von ihm. „Prinzessin.“, sagte Shay und zog mich ran, um mir einen Kuss zu geben, dann erst ließ er mich ziehen.


 

Mein Weg führte aber nicht sofort zum Appel Pie, sondern zu Colonel Monro. Als Shay und ich uns über den Großmeister unterhalten hatten, war mir was aus meiner Kindheit eingefallen. Ich kannte Haytham Kenway von früher. Er war ein gern gesehener Gast bei meinem Vater und ich hatte so eine Vermutung über die Gründe für seine Besuche. Doch wirklich Sicherheit konnte nur besagter Mann mir geben. Als ich am ehemaligen Banditenstützpunkt ankam, geleitete mich einer der Soldaten zu dem Templer. Er klopfte an die Tür, dann wurde ich hereingelassen. Der Colonel schaute leicht überrascht. „Miss McGregor was kann ich für sie tun.“, fragte er mich freundlich. „Könnten sie ein Treffen zwischen Master Kenway und mir arrangieren. Shay darf aber nichts davon erfahren.“, sagte ich zu ihm. „Nun das ist eine sehr ungewöhnliche Bitte Miss und das wissen sie. Ich kann unseren Großmeister nicht einfach mit euch allein lassen. Ihr könntet ihn töten.“, meinte er ruhig zu mir. Ich überlegte kurz und dann kam mir ein Einfall. „Es wäre natürlich schön wenn es gehen könnte, ich würde ein Treffen an einem öffentlichen Ort vorschlagen. Vor lauter Zeugen könnten wir uns nicht gegenseitig umbringen.“, schlug ich dem Templer vor. „Nun das ist eine Idee, aber es werden Männer in der Nähe sein, nur um auf Nummer sicher zu gehen.“, legte er seine Bedingungen fest. Gut, dann würde ich den Ort wählen. Nur wo könnte ich mich mit ihm ungestört unterhalten, so dass es kein anderer mitbekam. Ich überlegte kurz, doch dann hatte ich den Einfall. In dieser Nacht würden dort viele Menschen sein, perfekt. Ich teilte dem Colonel meine Entscheidung mit, danach verließ ich ihn und hoffte das alles gut gehen würde.

Kapitel 38 – Treffen mit dem Verlobten


 

Es war der 24. Dezember und ich wurde voll in Margery‘s Weihnachtsvorbereitungen mit einbezogen. Die gute Seele des Appel Pie wollte dieses Jahr ein kleines Festmahl für ihre Liebsten organisieren. Sie scheuchte mich und Caroline schon den ganzen Morgen rum. Ich stand jetzt in der Küche und kämpfte mit dem Brotteig. Das war ein ganz schön schwieriger Gegner, der mich einfach nicht loslassen wollte. „Beeile dich ein wenig Faith.“, meckert Margery mich voll und beschäftigte sich wieder mit ihrer Gans, „Caroline wie weit bist du mit dem Teig für die Pasteten?“, fragte sie meine Leidensgenossin. „Presque fini.“ antwortete sie nur und widmete sich weiter dem Teig. „Gut, wenn ihr beide damit fertig seid, macht euch an die Dekoration.“, rief sie uns noch zu und verschwand im Schankraum. „Sie übertreibt ein wenig.“, meinte ich zu Caroline. „Sie ist ein esclavagiste! Wollen wir eine Pause machen?“, fragte sie mich grinsend. „Würde ich liebend gern, doch ich muss heute pünktlich zur Abendmesse sein. Davor will ich mich wenigsten noch ein wenig frischmachen“, erklärte ich ihr. „Du gehst doch sonst nicht zur Kirche. Du weist das es Blasphemie ist nur an Weihnachten zu gehen.“, sagte meine Freundin zu mir. „Nun ich gehe nicht wegen der Messe hin.“, antwortete ich trocken und kämpfte weiter mit dem Teig.


 

Als es langsam anfing zu dämmern, legte ich meine Arbeit nieder, lief die Treppe zu meinem Zimmer hoch, damit ich mich umziehen konnte. Nur was sollte ich zu so einem Treffen anziehen, ich meine nicht jeden Tag traf man den Großmeister des kolonialen Ritus. Ich stand vor meiner Truhe und überlegte. Mein Ornat fand ich nicht so passend, bei einem Kleid konnte ich keinen Säbel tragen. Aber ich konnte zu meinem Kleid, die versteckten Klingen tragen, dachte ich und hatte somit meine Kleiderwahl getroffen. Ich zog mein Arbeitskleid aus, legte es über einen Stuhl und schlüpfte in meine neueste Errungenschaft. Das Kleid hatte Ellen mir vor kurzem geschneidert, es war recht ungewöhnlich und gar nicht mit der heutigen Mode zu vergleichen. Der Rock des Kleides war lang und weit geschnitten, aber es gehörte kein Reifrock dazu. Um die Taille war das Kleidungsstück schmal, was meine Hüften gut betonte. Der Ausschnitt hörte an meinen Brustansatz auf, war also nicht zu gewagt, aber auch nicht zu prüde. Das schönste an dem Kleid aber waren seine Ärmel, diese waren weit und dadurch erinnerte es an ein Kleid aus einem anderen Jahrhundert. Über das Kleid gehörte noch eine Korsage, welche in einem Mitternachtsblauen Farbton war. Die Korsage wurde mit einem schwarzen Band geschnürt, aber an der Vorderseite waren aus Metall Schnallen angebracht, für ein leichteres öffnen. An den Seiten hingen zur Zierde kleine Ketten, welche leise raschelten sobald ich mich bewegte. Dadurch hatte ich zu dem sonst schwarzen Kleid eine kleine Farbnuance drin. Der Damast Stoff des Kleides, sowie der Korsage war mit einem Blumenmuster in der gleichen Farbe des Stoffes bedruckt. Als ich beides anhatte, schaute ich an mir herunter und fand das es zu dem heutigen Tag passte. Schnell zog ich mir noch meinen Mantel darüber, legte meine Klingen an und war schon so gut wie auf dem Weg zur Kirche.


 

Der Weg zur Kirche war anfangs noch leer, aber je näher ich dem Gebäude kam, desto mehr füllten sich die Straßen. Vor dem Eingang der Kirche drängten sich die Leute dicht an dicht. Ich stellte mich ein Stück abseits, neben den Haupteingang. Hier sollte ich warten, bis ich abgeholt wurde. Während ich auf meine Begleitung wartete, beobachtete ich die Menschen, welche in die Kirche gingen. Es waren nicht nur Franzosen und Schotten, ich hörte auch italienische Rufe, spanische und irisches gälisch. Hier waren so viele Menschen mit verschiedenen Nation und doch war alles friedlich. Wenn es doch auch auf der restlichen Welt Frieden gäbe, dachte ich und bekam die Person welche vor mir stand erst nicht mit, bis... „Würdet ihr mir folgen, Miss.“, sagte eine bekannte Stimme. Ich schaute auf und Shay stand vor mir, welcher mich überrascht ansah. Soviel zum Thema Shay nichts von dem Treffen mit dem Großmeister verraten. „Was machst du hier?“, fragte er mich gleich. „Nun ich will etwas klären, mo chride. Wir reden später darüber Shay, ich glaube man erwartet mich bereits.“, antwortete ich ihm. Shay nickte mir zu, dann führte er mich in die Kirche. Doch statt in dem Hauptsaal, wie ich es eigentlich geplant hatte, führte mich Shay in die Katakomben der Kirche.


 

Wir liefen schweigend nebeneinander her, jeder in seine eigenen Gedanken versunken. Bevor wir gänzlich in den Tiefen der Erde waren, blieb Shay stehen. Ich hob meinen Kopf und erblickte zwei Herren vor mir. Einer davon war Colonel Monro, den anderen kannte ich nicht. Der Herr war schlank, circa ein Meter achtzig groß, hatte kurz schwarze Haare und einen schwarzen Schnurrbart. Doch das schlimmste an ihm waren seine kalten grauen Augen, mit denen er mich ansah als wäre ich genauso viel wert wie der Dreck unter seinen Schuhen. Also gab es auch hier solche Templer, jene die nur auf ihren Vorteil aus waren. Diesen Schlag Menschen kannte ich sehr gut und ich hasste sie, genauso wie diesen Herren. Am liebsten hätte ich diesen Templer sofort meine Klinge in seinen Leib gerammt, doch wenn ich das täte, wäre ich sofort Tod. Ich erwiderte seinen Blick, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich schaute ihn von oben herab an, so wie es meine Großmutter mit den meisten Menschen in ihrem Umfeld tat, nur um zu zeigen, dass sie was Besseres war.


 

Eure Waffen, genauer gesagt eure versteckten Klingen.“, sprach mich der Mann an. Nun wenn ich zum Großmeister wollte, kam ich wohl nicht Drumherum. Ich begann meine Klingen abzulegen, doch anstatt sie diesem Templer auszuhändigen, gab ich sie dem Colonel. Von ihm würde ich meine Klingen wenigstens wiederbekommen, von dem anderen bestimmt nicht. Ich blickte besagten Herren wieder von oben herab an. „Euren Mantel.“, meinte er nur siegessicher. Ja er wusste wie kalt es hier unten war, ich würde bestimmt ordentlich frieren. Ich öffnete den Verschluss des Mantels, reichte ihm den Colonel und lies mir die Kälte nicht anmerken. „Nun wenn ihr mir folgen würdet.“, sagte der Templer und führte mich durch eine Tür. Ich trat durch diese, da fiel sie auch schon ins Schloss. „Ihr dachtet wohl Master Cormac würde euch weiter zur Seite stehen, aber das könnt ihr vergessen. Der hat andere Pflichten!“, erzählte der Templer gehässig und lief den Gang voraus.


 

Fünf Minuten später stand ich über dem Hauptsaal, auf eine der Emporen. Hier war bis auf den Templer, nur eine andere Person, der Großmeister. Ich ging an dem Templer vorbei und setzte mich neben Haytham Kenway. Von hier oben konnte man in Ruhe die Messe beobachten oder sich ungestört unterhalten, ohne dass jemand einen belauschen würde. „Charles ihr könnt gehen.“, sagte der Großmeister nur. Besagter Herr drehte sich um und verschwand die Treppen nach unten, dort würde der Templer bestimmt warten. „Guten Abend Miss McGregor oder sollte ich sie Williams nennen?“, begrüßte Haytham mich. „Ich weiß nicht wovon Sie reden, Master Kenway.“, antwortete ich ihm unschuldig. Natürlich wusste ich was er meinte, aber diesen Namen trug ich schon lange nicht mehr. Das letzte Mal wurde ich so in meiner Kindheit genannt und dass waren die Bediensteten meines Vaters. „Oh Sie wissen es genau, Faith. Wir sind uns früher doch schon begegnet. Könnt Ihr euch nicht daran erinnern. Ich helfe euren Erinnerungen gerne auf die Sprünge. Es war in Edinburgh, im Haus eures Vaters.“, redete er weiter. „Ich weiß, Master Kenway. Wir begegneten uns das erste Mal als ich drei war. Ich kann mich zwar kaum erinnern, aber dafür an die anderen Male als ihr unser Haus besuchtet.“, antwortete ich ihm. „Nun dann wisst ihr auch noch das Ihr damals eine kleine verwöhnte Prinzessin wart, die wenn sie ihren Willen nicht durchsetzen konnte einen richtigen Wutanfall bekam.“, schwelgte er in seinen Erinnerungen.


 

Auf was wollte der Großmeister hinaus, fragte ich mich in Gedanken. „Aber Ihr habt trotz allem mit diesem kleinen Gör fangen gespielt und es hat fürchterlich geweint als ihr wieder zu Master Birch musstet.“, erinnerte ich mich wieder. „Ich habe euer Weinen noch in der Kutsche gehört.“, beendete er unsere gemeinsame Erinnerung und drehte sich das erste Mal seit wir sprachen zu mir um. „Wer hätte damals gedacht das eine so schöne junge Frau aus euch wird“, gab er mir ein Kompliment. Ich spürte wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Schnell drehte ich mein Gesicht in die andere Richtung, aber Haytham hatte es trotzdem bemerkt. „Aber Ihr wolltet mich nicht wegen gemeinsamer Erinnerungen sprechen, oder Miss Williams?“, sprach er einfach weiter. „Nein. Ich bin hier um euch zu bitten unsere Verlobung aufzulösen. Ich meine wir beide wollten das nicht mal freiwillig, sondern unsere Väter hatten das beschlossen. Also würdet Ihr mir diesen Gefallen tun?“, fragte ich ihn.


 

Warum sollte ich euch diesen Gefallen tun, Miss? Wenn man den Gerüchten glauben mag, wird derjenige der euch heiratet ein beachtliches Vermögen bekommen. Andererseits könnte ich euch einfach zu Master Birch bringen lassen. Der englische Großmeister würde sich über dieses Geschenk von mir freuen.“, beantworte er meine Frage. „Nun warum solltet Ihr Master Birch noch mehr Macht in die Finger geben, vor allem weil er eure Schwester einfach verkauft hat.“, konterte ich ihm. Haytham sah mich kurz geschockt an, dann war seine Miene wieder gleichgültig. „Ihr fragt euch bestimmt woher ich das weiß, ganz einfach ein Brief von einem gewissen Holden war sehr interessant, so interessant das ich ihn doch glatt vergessen hatte dem Kurier zurückzugeben. Und ihr wartet schon so lange auf eine Nachricht von ihm, fast ein Jahr. Wenn ihr Wissen wollt wo eure Schwester ist, dann löst die Verlobung und ihr bekommt den Brief.“, schlug ich Haytham vor. „Ihr seid wirklich ein Assassine? Jetzt gerade denke ich das ihr dem Orden angehört. Gut einverstanden, Faith, aber Ihr müsstet noch was dafür tun. Bringt eure Großmutter dazu in die Kolonien zu kommen,“, legte er noch eine weitere Bedingung fest. „Aber nur, wenn Lady Melanie euer Gast ist und nicht der meine.“, beendete ich unser Gespräch. Ich stand auf und wollte mich noch höflich vom Großmeister verabschieden, als ein Schuss ertönte.


 

Ich ging schnell in Deckung, direkt neben dem Großmeister, da wurde schon der nächste Schuss in unsere Richtung abgefeuert. „Großmeister wo versteckt ihr euch?“, rief eine Frauenstimme, die mir bekannt vorkam. „Gebt uns das Manuskript und all diese Leute werden verschont, wenn nicht wird es mir eine Freude sein all diese Unschuldigen dafür zu bestrafen.“, stellte die Assassine ihre Forderungen. Ich lugte kurz über die Brüstung und in der Mitte der Halle sah ich Hope stehen. Sie hielt ein Glasgefäß in der Hand, welches bestimmt mit einer giftigen Substanz gefüllt war. „Nun ich warte.“, rief sie wieder in den Raum hinein.


 

Ich schaute zum Großmeister und dieser warf mir einen bösen Blick zu. „Ich hätte es wissen müssen, dass ihr uns eine Falle stellt.“, sagte er kalt zu mir. Dachte Haytham wirklich das ich ihn an diese Frau verraten hatte? Die Gute hielt sich ja nicht mal an das Credo, Hope verletzte gerade sämtliche Regeln der Bruderschaft. „Ich war das nicht, diese Frau will mich genauso tot sehen wie euch.“, versuchte ich mich vor dem Großmeister zu verteidigen. Wie konnte ich ihn nur überzeugen das ich damit nichts zu tun hatte? „Ich werde sie aufhalten, wäret ihr so nett sie ein wenig abzulenken?“, fragte ich Haytham höflich. „Und mich ihren Kugeln stellen? Für wie blöd haltet ihr mich, Miss Williams?“, antwortete er mir kühl. Gut dann halt alleine, dachte ich und schlich mich leise an der Empore entlang.


 

Aus den Augenwinkel sah ich wie der Templer von vorhin zum Großmeister zustieß. Er zielte mit einer Pistole auf mich, wurde aber von Haytham abgehalten. Na toll, jetzt stand ich auch noch in der Schuld von Ihm. Ich erreichte das Ende der Tribüne und schaute über die Brüstung in den Hauptsaal. Dort mitten in der Menge stand Hope und schien geduldig auf eine Reaktion des Großmeisters zu warten. Zu meiner eigenen Überraschung erhob sich Haytham und fing an die Assassine in ein Gespräch zu verwickeln. Perfekt, das war die Ablenkung die ich brauchte und flink kletterte ich in den Hauptsaal. Einige der Leute sahen mich misstrauisch an, machten aber keinen Laut. Mein Blick wanderte über die Menge, vor dem Ausgang sah ich Wachen der Assassinen stehen. Diese zielten mit ihren Musketen auf die unschuldigen Gläubigen. Super ich hatte keine Waffen dabei, wie sollte ich diese Gauner jetzt ausschalten?


 

Ich schaute weiter über die Menge und entdeckte Shay bei einer der Wachen. Er sah mich und deutete mir mich um Hope zu kümmern, welche mittlerweile immer hysterischer wurde, je länger sie mit dem Großmeister redete. Ich fing an mir einen Weg durch die Menge zu bahnen, nutze die Menschen um mich herum als meine Tarnung, so wie es mir mein Mentor vor Jahren beigebracht hatte. Ich erreichte Hope, ohne dass sie oder einer ihrer Männer mich bemerkten. Mein Blick glitt wieder zum Ausgang, dort hatte Shay bereits die Wachen mit Hilfe von ein paar Schlafpfeilen ausgeschaltet. Gut dann konnte die Show ja jetzt beginnen. Ich begab mich aus meiner Deckung „Hallo Hope. Wie geht’s die denn so?“ fragte ich sie grinsend und verpasste ihr einen Schlag ins Gesicht. Das tat meiner Seele wirklich gut, nach all ihren Gemeinheiten über mich. Hope lies die Flasche fallen, ich fing sie auf und als sie mich verfolgen wollte, umfing uns ein stechender Rauch. Das konnte nur eine von Shay‘s Granaten sein. Ich bedeckte meinen Mund, die Menge drängte sich nun panisch zum Ausgang und ich ließ mich von ihr mitreisen. Kaum das ich die Kirche hinter mir gelassen hatte, atmete ich dankbar die frische Nachtluft ein. Ich stelle mich mit meiner Beute ein wenig abseits und wartete auf den Großmeister, welcher kurz darauf die Kirche verließ.


 

Master Kenway“, rief ich dem Großmeister zu. Haytham blieb vor einer Kutsche stehen, deutete Charles kurz zu warten und lief auf mich zu. „Werdet ihr nun die Verlobung lösen oder war dieser ganze Aufwand jetzt umsonst?“, fragte ich ihn. „Ich werde unsere Verlobung lösen, ihr würdet mir eh nur Kopfschmerzen bereiten. Gebt mir jetzt den Brief.“, forderte er von mir. Ich griff in meinen Ausschnitt und holte besagtes Stück Papier heraus. „Bitte Haytham.“, übergab ich den Brief, „Ich hoffe ihr könnt eure Schwester retten. Beannachd leibh!“, verabschiedete ich mich von ihm und lief in die entgegengesetzte Richtung davon.


 

Ich hatte immer noch die Flasche mit der seltsamen Flüssigkeit in der Hand. Was da wohl drin war? In einer kleinen Gasse blieb ich stehen und beäugte diese kritisch. Nein ich würde das Zeug so schnell wie möglich entsorgen, wer weiß was dieses Zeug alles anstellen konnte. Gedacht, getan! Ich öffnete die Flasche und kippte sie einfach aus. Mir stieg ein süßlich, stechender Geruch in die Nase, welcher mir bekannt vorkam. Dieses Zeug war das gleiche, mit dem mich Hope gefoltert hatte. Ich schmiss die leere Flasche in eine Ecke und begab mich wieder auf den Weg zum Appel Pie.


 

Kurz bevor ich das Apple Pie erreichte, holte mich Shay ein. Er sprang von einem der Dächer und kam direkt vor mir auf. „Hallo mein Engel“, begrüßte er mich „Ist dir nichts passiert?“, fragte er mich besorgt. „Nein außer...“Ich zeigte ihm die Seite meines Kleides, welche komplett zerrissen wurde, als die Menschen panisch die Kirche verließen. „Ich bin sicher das lässt sich reparieren. Nun was hattest du mit dem Großmeister zu bereden?“, fragte er mich neugierig und nahm dabei meine Hand in die seine. Ich kuschelte mich an ihn, mir war wirklich verdammt kalt, so ohne Mantel. Der Colonel hatte nämlich immer noch meine Sachen. „Oh so einiges, wir kennen uns von früher. Kannst du dich an meinen Verlobten erinnern?“, fragte ich Shay. Neben mir hörte ich ein leichtes knurren. Ja das hatte Shay wohl nicht vergessen. „Die Verlobung wird aufgelöst, der Großmeister und ich haben festgestellt das dieses Arrangement auf keinen Fall gut für uns ist.“, lies ich die Bombe platzen. „Wie jetzt? Du und Master Kenway?“, fragte mein Liebster mich verwirrt. „Nun sein Ziehvater und mein Vater hatten das vor Jahren beschlossen, ohne uns zu fragen. Aber das ist nun vom Tisch und du wirst mich so schnell nicht wieder los.“, grinste ich Shay an.


 

Shay zog mich an sich heran, so dass ich mich näher an ihn kuscheln konnte. Als wir beim Appel Pie ankamen, öffnete Shay die Tür zum Schankraum der Taverne und eine wohlige Wärme begrüßte uns. „Willst du vielleicht eine Kleinigkeit trinken oder gleich nach oben, Prinzessin.“, fragte mich Shay. „Nach oben oder willst du dein Geschenk nicht?“, meinte ich lächelnd zu ihm. Wir gingen die Treppe leise hinauf, die gute Margery bemerkte es zum Glück nicht, sonst hätten wir uns wieder eine Moralpredigt von ihr anhören müssen. Im meinem Zimmer angekommen lagen wir uns sofort in den Armen und meine Lippen suchten die seinen. „So stürmisch, mo aingeal?“, fragte mich mein Liebster. „Nun ich kann dir eben nicht widerstehen. Aber bevor wir weitermachen, bekommst du noch dein Geschenk, mo chride“, sagte ich grinsend. Ich ging an meine Truhe und holte die Montur für ihn hervor. „Bitte mo chride“ und gab ihm sein Geschenk. Hoffentlich war es das richtige? „Danke, mo aingeal. Aber woher wusstest du meine Maße?“, fragte Shay mich. „Kannst du dich noch an unsere wilde Verfolgungsjagd erinnern?“ „Ja... Ich muss sagen du hattest einen einfallsreichen Plan, die Tür gehörte bestimmt der Schneiderin.“ Ich nickte nur. „Dann ist das für dich“, sagte er lächelnd und überreichte mir eine kleine Schatulle. Mir stiegen Tränen in die Augen, Shay hatte wirklich an mich gedacht. Vorsichtig öffnete ich die Schatulle und zum Vorschein kamen ein Satz Skalpelle. „Danke mo chride“, sagte ich glücklich. Ich legte mein Geschenk weg und gab ihm einen stürmischen Kuss.


 

Presque fini (französisch) – fast fertig

esclavagiste(französisch) - Sklaventreiber

Beannachd leibh! (Gälisch) - Auf Wiedersehen (höflich)

Kapitel 39 – Auf zum Colonel


 


 

Atlantik, August 1757


 

Wir waren jetzt schon mehrere Wochen auf dem Nordatlantik unterwegs und in den letzten zwei Tagen langweilte ich mich fast zu Tode. Die Matrosen der Morrigan erfreuten sich aller bester Gesundheit, genauso wie unser erster Maat und der Captain, de facto hatte ich als Schiffsärztin nicht wirklich was zu tun. Ich stand auf der Brücke und lehnte mich an die Reling. Meine Augen blickten zu unserem ersten Maat, welcher das Schiff souverän über das Meer nach Norden steuerte. Ich drehte mich zum Meer und beobachtete die Wellen. Meine Gedanken driften zu einem Ereignis, welches ich lieber vergessen wollte.


 

Nach dem Angriff in der Kirche, hatten wir erstaunlicher Weise eine kurze Ruhepause vor den hiesigen Assassinen. Bis mich Ende Januar einer der Herren besuchte. Liam war doch tatsächlich nach New York gekommen, um mich zu sehen. Als er die Taverne betrat, spürte ich schon das Ärger im Anflug war. Liam kam auf mich zu und nur die Gäste des Appel Pie's hielten ihn davon ab mir was an zu tun. „Können wir reden Faith?“, fragte er mich grimmig. „Klar, komm mit.“, antwortete ich ihm erstaunt. Wir beide gingen in mein kleines Arbeitszimmer, Liam lies ich den Vortritt, dann verschloss ich die Tür. Kaum klackte das Schloss, hatte ich eine Klinge am Hals. Wieso hatte ich das nicht geahnt? „Seit wann arbeitest du für den Feind, Faith. Und lüge mich nicht an, Hope hat dich mit ihrem Großmeister in der Kirche gesehen.“, knurrte er. „Wenn du die Klinge wegnimmst erzähle ich dir gerne warum ich mich eingemischt habe. Wusstest du, dass Hope alle in der Kirche umbringen wollte.“, fauchte ich zurück.


 

Liam entfernte seine Klinge von meiner Kehle, doch er stand immer noch kampfbereit vor mir. „Ich höre“, sagte er ruhig. „Es stimmt das ich mich mit Master Kenway getroffen habe, doch es war rein privat. Du musst nur so viel wissen, ich kenne ihn noch aus meiner Kindheit. Ich habe ihn nichts über Assassinen erzählt. Wie gesagt das Treffen war Privat. Ich wollte gerade gehen, da schoss einer von Hope's Männern auf uns. Als Hope dann meinte, sie würde alle anwesenden Menschen umbringen, habe ich eingegriffen.“, beendete ich meine Erklärung. Liam schaute mich ein wenig überrascht an. Hatte Hope den Assassinen diesen Vorfall wohl ein wenig anders geschildert. „Du sagst nicht ganz die Wahrheit, Faith. Aber ich werde dich vorerst nicht töten, sondern im Auge behalten.“, sprach er und wollte an mir vorbei um zur Tür zu kommen.


 

Ach heißt das jetzt das ich es deiner Gnade zu verdanken habe, dass du mich noch nicht umgebracht hast.“, knurrte ich ihn an. Ja ich war beleidigt das Liam mir nicht glaubte. „Ja du hast Glück das Hope dich noch nicht umgebracht hat, dass ich sie umstimmen konnte.“, sagte Liam jetzt um einiges Lauter. „Stimmt ja ihr tanzt ja alle nach ihrem Willen.“, giftete ich zurück. Liam drehte sich zu mir um und kam auf mich zu. Ich wich zurück, bis mein Rücken die Wand berührte. Liam stand vor mir und schaute auf mich herab. „Faith geh zurück nach London.“, befahl er mir. „Nein, denn ich werde nicht mit ansehen, wie die Bruderschaft die Menschen hier unterdrückt. Haltet ihr euch überhaupt an das Credo?“, antwortete ich grimmig. „Dann sind wir das nächste Mal Feinde, Schwester.“, meinte er traurig und verschwand aus der Tür. Ich lies mich an der Wand herunter gleiten und starrte einfach vor mich hin. War das gerade wirklich passiert? Wie lange ich so da saß wusste ich nicht, ich konnte mich nur noch an Shay's sorgenvollen Blick erinnern und dass er es irgendwie geschafft hatte, dass ich mich nach kurzer Zeit wieder besser fühlte.


 

Eine Hand auf meiner Schulter holte mich aus meinen Gedanken. Ich drehte mich zu ihrem Besitzer und blickte in die fast schwarzen Irden von meinem Captain. „Über was denkst du nach?“, wollte er von mir wissen. „Über nichts Bestimmtes.“, antwortete ich meinem Liebsten. Shay schaute mich noch einen Moment an, doch als ich nichts weiter sagte, beließ er es dabei. „Gut wir werden bald ein wenig Abwechslung bekommen.“, antwortete er ernst, bevor er unseren ersten Maat vom Steuer der Morrigan ablöste. „Auf den Posten Gist, der Colonel ist in Not.“, gab er seinem ersten Maat den Befehl, volle Segel zu hissen. „Was meint ihr damit, in Not?“, fragte Gist unseren Captain. Das würde ich auch gern wissen und so spitzte ich die Ohren. „Er sitzt in Fort William Henry, mit schlechten Karten.“ Gist brüllte die Männer der Morrigan an sich mehr zu beeilen. Die Matrosen liefen hektisch umher und rempelten sich gegenseitig an. Ich schaute auf dieses Treiben und fragte mich was uns wohl erwarten würde. Ob ich wieder Shay helfen konnte, oder musste ich dieses Mal aussetzen, überlegte ich.


 

Die Morrigan nahm an Fahrt auf, ich drehte mich wieder in Richtung des Meeres um meinen Gedanken nachzuhängen.* „Entschuldige den frühen Tropfen, Captain. Aber wusstet ihr, das wir uns nun ein ganzes Jahr kennen? Ihr ändert mein Leben... zum Besseren! Ihr werdet verzeihen, dass ich schon... ohne Euch gefeiert habe.“, erzählte Gist unseren Captain. „Ein ganzes Jahr... Gist, ich habe eine Frage. Seit wann habt ihr von meiner früheren, nun, Anhängerschaft gewusst?“, fragte Shay seinen ersten Maat. Nun das würde mich auch brennend interessieren, denn alle Templer die ich bis heute getroffen hatte, schienen dieses Thema gegenüber Shay zu meiden. „Oh, ihr meint die Assassinen? Das weiß ich schon ewig, Shay! Ich bin betrunken aber nicht blind. Oder glaubt ihr wirklich, ich nähme an, ihr wärt einem mörderischen Zirkus entflohen?“, beantworte Gist Shay's Frage. „Warum sagtet ihr nie etwas?“, wollte Shay von ihm wissen. „Nun der Colonel wollte, dass wir das Thema meiden, damit ...wisst ihr...Eure Entscheidung nicht beeinflusst wird. Ihr habt mein Leben aus reiner Selbstlosigkeit gerettet und zahllosen anderen geholfen. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich euch schon vor Monaten zum Templer gemacht.“, erzählte ihm sein erster Maat.


 

Da mir dieses Thema ein wenig zu heikel war drehte ich mich um, um unter Deck zu gehen. Als ich an unseren ersten Maat vorbeikam schaute dieser mich grinsend an. Ja der Gute hatte wohl eindeutig ein paar Rum zu viel. Ich schüttelte nur leicht meinen Kopf und ging unter Deck in mein kleines Reich. Ich kramte meine Vorratslisten aus meinen kleinen Schreibtisch und fing an meine Vorräte zu überprüfen. Bei so einer Arbeit konnte ich wundervoll über alles nachdenken, ohne das mich jemand störte, weil ich sah ja beschäftigt aus. Shay würde also in naher Zukunft ein vollwertiges Mitglied des Templerordens werden, dachte ich und versank mehr in meine Gedanken. Wenn Shay zum Orden gehören würde, hätten wir mehr Ressourcen mit deren Hilfe wir die Assassinen an einem zweiten Lissabon hindern könnten. Aber würde Shay nicht wegen mir Probleme bekommen, denn immerhin arbeitete... nein war er mit einer Assassine zusammen. Was wenn die anderen Templer dachten ich würde ihren Orden nur schaden, nun dann hätten sie bestimmt schon etwas dagegen unternommen. Außerdem brauchte ja meine Großmutter eine kleine Aufgabe, wenn sie im Oktober hier ankam. Sie könnte bestimmt den hiesigen Orden von meiner Hilfe überzeugen. Ich meine, wenn man Lady Melanie lies konnte sie einem ertrinkenden ein Glas Wasser aufdrängen, und dieser würde es mit einem Lächeln im Gesicht trinken. Mich wunderte es schon, dass sie der Einladung des Großmeisters überhaupt gefolgt war. Innerlich graute es mir schon vor den Tagen mit ihr. Sie würde mich bestimmt sofort auf jedes gesellschaftliche Ereignis in New York schleppen und dabei immer was an mir aus zusetzten haben. Shay würde es ebenfalls nicht besser ergehen. Lady Melanie würde den Guten auf Herz und Nieren prüfen, ein Plus Punkt für meinen Liebsten war, dass er bald im Orden beitreten würde. Das würde meine liebe Großmutter ein wenig gnädig stimmen.


 

Ich beendete meine Arbeit und überlegte was ich als nächstes anstellen könnte. Ich schlenderte erst mal zurück aufs Deck und als ich Shay erblickte kam mir ein Einfall. Ein kleines Training würde uns beiden bestimmt guttun. Ich stellte mich neben unseren Captain und schaute Shay einfach an. Nach einer Weile sah mein Liebster mich fragend an. „Was gibt es Prinzessin?“, fragte er mich. „Wie wäre es mit einem kleinen Training?“, beantworte ich seine Frage mit einer Gegenfrage. Shay nickte mir zu, übergab das Steuer der Morrigan an unseren ersten Maat. „Na dann, Prinzessin.“, meinte er grinsend und gab mir den Vortritt. Wir stellten uns gegenüber auf, die anwesenden Matrosen schauten zu uns und fingen an Wetten abzuschließen, wer wohl diesmal gewinnen würde. Die meisten tippten auf Shay, aber es gab auch zwei Mutige die auf mich setzten.


 

Bevor Shay loslegen konnte, rannte ich auf ihn los um ihn mit meinem Säbel zu attackieren, Shay parierte den ersten Angriff von mir mit Leichtigkeit und startete sofort mit seinem Konter, doch ich drehte mich mit einer schnellen Drehung außer Reichweite seines Säbels. Mein einziger Vorteil gegenüber Shay war meine Wendigkeit, doch der Herr kannte meinen Kampfstil genau. Shay kam wieder auf mich zu, hieb mit seinen Waffen auf mich ein und versuchte so mich immer mehr einzuschränken. Mit einer weiteren Drehung schaffte ich wieder ein wenig Abstand zwischen uns. Wenn mein Captain so weitermachte, würde er mich binnen weniger Augenblicke besiegt haben. Ich versuchte noch einen letzten Angriff, schmiss eine Rauchbombe in seine Richtung und im Nebel begann ich ihn anzugreifen. Ich täusche einen Angriff auf seine Rechte Seite vor, doch kurz bevor ich bei ihm war, drehte ich mich nach links und streifte mit meinem Säbel seinen Mantel, Das gute Stück zeigte nun einen Riss an der Stelle. Das war aber das einzige was ich schaffen konnte, keine drei Sekunden später hatte ich Shay's Säbel an meinem Hals. Der Rauch lichtete sich langsam und die Matrosen tauschten ihr Geld untereinander aus. Da hatte ich wie immer gegen ihn verloren, aber ich wurde besser. „Das war gar nicht so schlecht, Prinzessin.“, meinte Shay mit einem Blick auf seinen Ärmel. „Du wirst besser. Komm wir sind noch nicht fertig.“, sagte er ruhig zu mir, dann stellten wir uns wieder gegenüber auf um das Training fort zusetzten. Am Abend fiel ich regelrecht in unser Bett und kaum das mein Kopf das weiche Kissen berührte, schlief ich schon ein.


 

Nach einer Woche waren wir endlich in der Nähe von Fort William Henry. Jetzt mussten wir nur noch den Colonel finden, ihn retten um damit unsere Mission abzuschließen. Die Morrigan ankerte etwas Abseits, aus der Sichtweite des Forts und ich war verdammt auf dem Schiff zu warten. Shay hatte sich in den Kopf gesetzt den Colonel und seine Männer allein zu retten. Ich blickte zum Ufer und sah zu unserem Captain mit einem Herren Namens Jack Weeks sprechen, der anscheinend auf etwas mehr Verstärkung gehofft hatte. Shay beendete sein Gespräch mit besagten Herren und lief allein in Richtung Landesinnere. Ich schaute meinem Liebsten nach und in meinem Gedanken malte ich mir schon alles aus was schiefgehen könnte. Meine Sorgen versuchte ich beiseite zu schieben. Ich überlegte wie ich am besten von Bord kommen sollte, ohne das es Gist mitbekam. Der Gute hatte die Aufgabe von Shay erhalten mich genau im Auge zu behalten, damit ich ja nichts Dummes anstellen konnte.


 

Nach ein paar Minuten wurde mir der stechende Blick unseres ersten Maats zu viel und ich ging unter Deck. Dort begab ich mich zu unserem Smutje, der gute Max würde mir bestimmt einen Tipp geben, wie ich es ungesehen von der Morrigan schaffen könnte. „Hallo Maxwell. Wie geht es dir heute?“, fragte ich den Koch im Plauderton. „Nun ganz gut, nur was willst du hier unten? Dachte wärst mit dem Captain auf Abenteuer?“, fragte er mich skeptisch. „Na ja...“, fing ich an, doch ein wissender Blick von Max sagte mir alles was ich wissen musste. „Im Bug könnte eine zierliche Person durch die Luke der Kanonen kommen und würde dabei nicht gesehen werden. Man müsste nur die Kanone ein wenig zur Seite schieben.“, erzählte er mir und kaum das er das gesagt hatte, machte ich mich auf den Weg.


 

Mit aller Kraft schaffte ich es die Kanone ein paar Zentimeter zu verschieben, dann öffnete ich die Luke und zwängte mich hinaus. Ich hielt mich an der Bordwand fest, versuchte leise die Luke von außen wieder zu verschließen, was sich als schwieriger herausstellte als ich gedacht hatte. Doch nach einer Minute fiel die Luke zu und ich hoffte das niemand es gehört hatte. Leise lies ich mich ins Wasser gleiten, schwamm Richtung Ufer und suchte dort im Hohen Schilf Deckung. Gut soweit hatte ich es bisher geschafft, aber wenn ich jetzt Shay direkt folgen würde, wäre ich gleich aufgeflogen. Von der Morrigan konnte man das Ufer perfekt überblicken. Ich duckte mich ein wenig weiter in das Schilf. Wie könnte ich nur zu Shay gelangen? Ich ließ meinen Blick über die Umgebung schweifen. Das könnte klappen, dachte ich. Mit meinem Seilwerfer zielte ich auf den Rand der Klippe. Mein Haken fand halt und im nächsten Augenblick stand ich dreißig Meter über der Erde. Auf der Morrigan hörte ich noch den Fluch von Gist, doch ich drehte mich in die entgegengesetzte Richtung und verschwand im Wald.

Kapitel 40 – Entschuldige das ich dir helfen wollte


 

Ich lief leise durch das Gestrüpp und nach eine paar Minuten wünschte ich, ich wäre auf der Morrigan geblieben. Es war viel zu warm und nirgends war eine Menschenseele zu sehen. Außerdem graute es mich schon davor was Shay wohl zu dieser erneuten Befehlsverweigerung sagen würde. Warum hatte ich mal wieder nicht alles durchdacht und viel zu vorschnell gehandelt? Jedenfalls gab es jetzt kein Zurück mehr, ich würde das durchziehen, egal was auf mich zu kam. Ich versank immer mehr in meine Gedanken, doch ein wirklich seltsamer Vogelruf brachte mich augenblicklich wieder in die Realität zurück. Flink huschte ich in das hohe Gras und lauschte auf meine Umgebung. Ein brennen an meiner Hand lies mich nach unten schauen. Hatte ich mich wirklich gerade in die einzigen Brennnesseln gekniet, welche weit und breit zu sehen war. Daingead! Zum Glück hatte ich eine Hose an, sonst würde nicht nur meine Hand ein wenig brennen.


 

Der seltsame Vogelruf wiederholte sich. Jetzt war ich mir sicher, dass ich hier nicht alleine war. Ich meine wenn man sich schon auf einen Vogelruf einließ, sollte es wenigstens ein einheimischer Vogel sein und keiner aus Europa. Denn einen Kiebitz hatte ich in den Kolonien noch nicht gehört. Immerhin wusste ich wo mein Feind war und dass er früher in Europa gelebt haben musste. Doch bevor ich handeln konnte, kamen ein paar seltsame Gestalten aus den umliegenden Büschen. „Was ist los Jim? Wir haben Befehl auf die Soldaten zu warten.“, fragte ein Mann mit schwarzem Vollbart seinen Kameraden. „Ja ich weiß, aber ich dachte, ich hätte was gehört“, antwortete ihm Jim. „Ach das bildest du dir nur ein. Wer von denen soll die Klippen hochkommen. Jetzt geh wieder auf deinen Posten.“, befahl ihm der Vollbart und beide liefen zurück in ihre Verstecke.


 

Na das war ja mal ein richtiger Glückstreffer für mich. Ich duckte mich noch ein wenig tiefer in das hohe Gras und überlegte mir einen Plan. Wenn ich es schaffen würde, diese Kerle auszuschalten, könnte Shay ohne größere Probleme den Colonel retten. Ich stand leise auf und schlich zum Versteck meines ersten Opfers. Der gute Jim hockte mit dem Rücken zu mir. So konnte er das Tal unter ihm erblicken und bei der nächsten Gelegenheit einen Todesstoß von oben ausführen. Doch der Assassine hatte seine Rechnung aber ohne mich gemacht. Mit meinen versteckten Klingen stach ich ihm in seine Nieren, bevor er einen Schmerzensschrei ausstieß, schlitze ich ihm die Kehle auf. Das Blut meines Opfers lief mir über meine Hände. Schnell wischte ich es an der Kleidung des Mannes ab. Ich schloss seine Augen, murmelte ein Requiescat in pace, um dann meinen Weg weiter fortzusetzen. Mein zweites Opfer bemerkte mich noch rechtzeitig und griff mich sofort an. Ich wehrte den Schlag mit meiner versteckten Klinge ab, vollführte eine Linksdrehung und trat meinem Gegner vor sein Schienbein. Er kam ins straucheln, meine Klinge traf seinen Unterarm, so dass mein Gegenüber sein Schwert fallen ließ. Ich stieß mein Messer in sein Herz und beendete damit sein Leben. Auch diesem Opfer gab ich meinen Respekt, bevor ich langsam weiter schlich. Frau konnte ja nicht wissen, wie viele Assassinen noch kommen würden.


 

Insgesamt waren es fünf versteckte Feinde gewesen, welche ich ausgeschaltet hatte. Ich schlich behutsam an der Klippe entlang, als ich in einiger Entfernung mein Ziel sah. Shay! Doch Shay war nicht allein, bei ihm waren der Colonel und seine Soldaten, welche von einer Gruppe Assassinen angegriffen wurde. Mein Blick glitt über die Umgebung, ich musste so schnell wie möglich die Klippe runterkommen.


 

Ich entdeckte einen umgestürzten Baum, rannte auf diesen zu, als mir eine Kugel um die Ohren flog. Ich blieb stehen und suchte nach den Schützen. Dort in zwanzig Meter Entfernung stand er und lud seine Muskete nach. Ich sprintete in seine Richtung und sprang ihn an. Meine Klingen durchbohrten sein Fleisch und das röcheln in meinem Ohr, verriet mir das er gleich tot sein würde. Ich richtete mich auf, sah auf die andere Seite der Klippe und erspähte einen weiteren Scharfschützen. Ich nahm die fertig geladene Muskete meines letzten Opfer, zielte und traf den Schützen direkt in den Kopf. Unter mir hörte ich einen Ruf nach Colonel Monro. Ich sah hinunter und erblickte einen Assassinen, der den Templer von hinten ermorden wollte, während er selbst mit einem Gegner kämpfte. Ich dachte nicht lange nach, mein Körper funktionierte wie von selbst, als ich die Klippe heruntersprang und ein Luftattentat auf den Assassinen ausführte. Ich spürte wie meine versteckten Klingen sich in den Rücken des Mannes bohrten und mein Gewicht den Druck der Klingen um einiges erhörten. Meine Landung war zwar nicht sehr sanft, aber gebrochen hatte ich mir zu Glück nichts. Ich meine... ich sprang nicht jeden Tag eine Klippe von fünfzehn Meter herab, auf einen Menschen drauf.


 

Die Soldaten hatten ihre Gegner besiegt und ich stand von meinem letzten Opfer auf, um mich grinsend zum Colonel zu wenden. „Latha math, Colonel.“ „Miss McGregor ihr seid immer für eine Überraschung gut.“, meinte der Templer. „Wieso sollte es mich nicht wundern das du hier bist, Faith?“, sprach mich Shay an. „Hab gedacht ihr könntet ein wenig Hilfe gebrauchen.“, sagte ich nur. „Colonel wollen wir dann“, beendete Shay unser Gespräch und lief in Richtung Küste. Der Colonel und seine Männer folgten Shay, welcher die Vorhut übernahm. „Kommt ihr Miss?“, fragte mich der Templer und ich folgte den Herren. „Darf ich fragen was sich in Fort William Henry zugetragen hat?“, fragte nun Shay den Colonel, um so auf den neuesten Stand der Dinge zu kommen. „Schlechte Planung und noch weniger Glück, fürchte ich. Montcalm konnte uns tagelang bombardieren.“, antwortete im Colonel Monroe. „Froschfresser.“, sagte Shay abwertend. „Gemach, er handelte sehr ehrenhaft. Bei den Unterhandlungen machte er ein sehr großzügiges Angebot. Wir durften unsere Waffen und sogar unsere Fahnen behalten.“, verteidigte der Colonel den französischen Kommandeur „Nur um dann in eine Falle zu tappen“, meinte Shay trocken. Ja da hatte mein Captain recht, dachte ich und lauschte weiter dem Gespräch der zwei Herren. „Es war nicht zu erwarten, dass uns ein Franzose verteidigt, oder?“, sprach der Colonel. „Nein sicher nicht.“, gab ihm Shay recht. „Ihr habt erneut Eure Treue zu den Templern bewiesen, Master Cormac. Euer Leben für mich riskiert.“Wir sind noch nicht in Sicherheit, Colonel. Was die Treue betrifft...Nun ich bin Euch etwas schuldig, nicht wahr!? Ihr habt mein Leben gerettet... gabt mir eine zweite Chance.“ „Wir arbeiten seit nunmehr einem Jahr zusammen. In dieser Zeit habt ihr uns viele gute Dienste erwiesen. Was auch immer Ihr mir zu Schulden glaubt, ist getilgt, meint ihr nicht auch?“ „Vielleicht“, antwortete Shay dem Colonel.

 

Nach diesem Gespräch lief die Gruppe schweigend weiter und ich blickte mich aufmerksam um. Wenn die Assassinen uns eine weitere Falle stellen wollten, war dieser Ort dafür bestens geeignet. Rund um unsere Gruppe, waren hohe Felsklippen, von denen sie uns ohne Probleme angreifen konnten. Einen kleinen Teil hatte ich ja schon ausgeschaltet, aber dort oben würden noch viel mehr auf uns warten. Mein Blick schweifte über besagte Klippen und direkt vor uns, tauchten drei Männer auf den Klippen auf. Einer dieser Herren kam mir bekannt vor, auch wenn ich ihn in Davenport nur kurz zu Gesicht bekommen hatte. „Du Lebst?“, fragte er verblüfft und sein Blick blieb auf Shay hängen. Doch bevor einer von uns etwas erwidern konnte, rief er seine Männer zum Angriff. Seine zwei Begleiter legten ihr Gewehre an und schossen in unsere Richtung. Shay zog den Colonel und mich beiseite. „Faith, beschütze den Colonel!“, gab er mir den Befehl und stürzte sich ins Kampfgetümmel. „Hat er gerade zu einer Assassine gesagt, ich solle einen Templer beschützen?“, fragte ich mich laut. „Ja hat er. Irgendwie ironisch findet Ihr nicht, Miss McGregor“, antwortete mir der Colonel. „In der Tat“, gab ich dem Templer recht und konzentrierte mich auf den Kampf vor uns.


 

Zwei Assassinen kamen in unsere Richtung. Ich zog meinen Säbel und den Dolch, blockte damit den ersten Angriff meines Gegners ab. Mit einer schnellen Drehung brachte ich mich hinter meinen Angreifer und stach mit meinen Waffen in seine Nieren. Er schrie vor Schmerzen auf, ging auf seine Knie. Ich trat hinter ihn und durchschnitt seine Kehle. Damit war der erste erledigt. Der zweite kämpfte mit dem Templer, welcher diesen aber ohne große Schwierigkeit erledigte. Nach ein paar Minuten war der Hinterhalt zerschlagen und es konnte weitergehen. „Kesegowaase? Ihr kennt den Mann, Master Cormac.“, sagte der Colonel zu Shay als dieser wieder zu uns stieß. „Aye, Colonel. Er gehört zu Achilles Männern. Ein Assassine... so wie ich einst.“, antwortete ihm Shay. „Sie wissen, dass ich ein Templer bin. Und jetzt weiß der Assassine das ihr lebt.“ „Und dass ich den Templer helfe. Ich bin kein Narr, Colonel. Die Assassinen werden mich jagen, wir sind jetzt beide Ziele.“, meinte Shay ruhig „Na ja eigentlich drei Ziele“, sagte ich nur und wurde von den beiden Herren eine wenig überrascht angeschaut. „Faith...“, wollte Shay anfangen, doch ich redete ihm dazwischen. „Ich bin auf ihrer Liste, seit ich mich mit Master Kenway getroffen habe. Wegen mir haben sie das Manuskript nicht bekommen. Hope will mich tot sehen Shay und die anderen auch. Also kann ich auch den Orden helfen. Umbringen wollen sie mich doch so oder so“, erklärte ich ruhig. „Leider“, meinte Shay nur darauf. Doch bevor wir weiterreden konnten, blieb Shay's Blick an einer Klippe hängen. „Dort hinten ist eine Falle. Colonel geht langsam mit euren Männern weiter. Faith du kommst mit mir. Wir werden die Assassinen erledigen, bevor ihre Falle zuschnappen kann.“ sagte Shay zu mir. Ich nickte ihm zu, dann liefen wir auf eine der Klippen zu, an welcher Shay sofort anfing hochzuklettern.


 

Da wir nicht wirklich viel Zeit hatten, zielte ich mit meinem Seilwerfer auf den Rand der Klippe. Ich betätigte den Abzug, der Hacken fand im Gestein halt und der Seilzug zog mich hoch. So musste ich nur noch ein paar Meter hinauf klettern. Kaum das ich oben ankam, war Shay schon neben mir. Wie schaffte es dieser Mann nur eine dreißig Meter hohe Klippe in knapp einer Minute hochzuklettern? Das war nicht normal. Wir drehten uns um und schauten über die Landschaft vor uns. Auf der anderen Seite der Klippe war ein See. Zu unserer rechten sahen wir in hundert Meter Entfernung einen riesigen Wasserfall in die Tiefe stürzen. Ich sah zu Shay, doch dieser hatte wieder mal seine Gabe aktiviert. Als sein Blick wieder normal wurde, zeigte er auf einen Teil der Klippen links von mir. „Dort sind vier Schützen und einer ist im Gebüsch versteckt. Erledige diese vier Prinzessin. Ich übernehme den dort unten und die restlichen vier auf den Felsen dahinten.“, erklärte er mir seine Plan. „Aber wie willst du dort hinkommen, fliegen kannst du noch nicht, oder hab ich da was verpasst?“, meinte ich leicht scherzend zu ihm. „Nein fliegen kann ich nicht, doch ich werde die Klippe herunterspringen, dann vom Wasser aus den Schützen im Tal erledigen und auf der andern Seite wieder hochklettern“, antwortete Shay mir noch, bevor er auf eine schräg gewachsenen Baum zulief, welcher über die Klippe ragte. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass er da runterspringen würde, da tat Shay es schon.


 

Ich fixierte mich wieder auf meine Aufgabe, lief zu dem gleichen Baum wie Shay und sprang ebenfalls. Doch mein Ziel war zum Glück nicht dreißig Meter weiter unten, sondern nur fünf Meter tiefer. Ich landete auf einem der Schützen, welcher meine Klingen abbekam und sofort tot war. Schnell rannte ich weiter, immer darauf bedacht so leise wie möglich zu sein. Zum Glück trainiert mich Shay schon fast ein Jahr, sonst hätte ich diese Aufgabe bestimmt verhauen. Der nächste Schütze stand mit dem Rücken zu mir. Leise trat ich hinter ihn und stach zu. Nummer zwei war erledigt. Ich kletterte wieder ein Stück nach oben und versteckte mich im Gebüsch. Vor mir waren noch zwei Schützen und auf meiner Linken Seite ein versteckter Assassine. Nun den würde ich mir zuerst schnappen, dann die beiden Schützen. Ich stand auf und rannte zu dem Assassinen, welcher so perplex war, das er nicht wusste was mit ihm geschah, als meine Klingen ihn ohne Probleme aufspießten.


 

Die Schützen bekamen meine Aktion mit und zielten auf mich. Ich rannte auf einen der beiden zu, drehte mich ein wenig nach Links, um ihren Kugeln auszuweichen. Eine schlug hinter mir an einen Baum, die andere erwischte mich leicht. Ich spürte zwar ein kurzes brennen, aber durch meinen Kampfrausch nahm ich das nicht wirklich war. Ich kam zum Älteren der beiden Schützen und hieb mit meinem Säbel nach ihm. So musste er sein Nachladen unterbrechen und wehrte meinen Angriff mit dem Bajonett ab. Ich wirbelte um ihn herum, legte meine Arm um seinen Hals und drehte ihn so direkt vor mich, als sein Kamerad auf mich schoss. Doch anstatt mich zu treffen, erledigte er seinen Freund. Ich schubste die Leiche zur Seite und sprintete auf den Jüngeren zu, welcher hektisch sein Gewehr nachlud. Doch bevor er damit fertig war, stach ich meinen Säbel durch seine Brust. Damit hatte ich alle Schützen auf meiner Seite erledigt. Ich schaute die Klippen hinab und sah den Colonel mit seinen Soldaten. Shay war schon wieder bei ihnen. Nun dann müsste ich jetzt wohl doch von den Klippen springen. Ich lief auf den Rand zu und stieß mich kräftig von der Kante ab. Nach ein paar Sekunden spürte ich das Wasser um mich herum. Ich schwamm instinktiv zur Oberfläche und als ich diese erreicht hatte, öffnete ich meine Augen. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass ich sie geschlossen hatte. Mit ein paar Zügen war ich am Ufer. Einer der Soldaten half mir raus und weiter ging der Weg. Immer in Richtung Flussufer, wo die Morrigan schon auf uns wartete.


 

Doch vor uns lag noch eine weitere Engstelle, welche von Felsen umsäumt wurde. „Faith du die Rechte Seite, ich links“, bellte Shay weiter seine Befehle. Nun verschnaufen konnte ich auch noch später. Ich rannte einen Baumstamm hoch, wieder hinauf auf die Felsklippe. Dort sah ich schon meinen neuesten Gegner. Ich rannte weiter und rammte ihn zu Boden und mit meinen Klingen stach ich ihm in den Bauch. Der Mann röchelte noch kurz, dann setzte ich meinen Weg weiter fort. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Shay das gleiche Tat. Vor mir sah ich einen Schützen, welcher auf den Colonel unter mir zielte. Ich gab noch einmal alles um ihn rechtzeitig zu erreichen, als mich ein schweres Gewicht zu Boden warf. Einer dieser Halunken hatte sich in dem spärlichen Gebüsch versteckt. Mist warum hatte ich das nicht bemerkt! Der Mann versuchte mir mit seiner versteckten Klinge die Kehle durchzuschneiden, doch mit meinen Händen drückte ich mit aller Kraft die ich hatte gegen seine Arme, um so die Klinge von mir fernzuhalten. Ein Schuss beendete unseren Kampf. Der Mann kippte zur Seite und ich stand schnaufend auf. Ich blickte zu Shay und dieser deutete mir ihm zu folgen. Shay hatte alle restlichen Gegner allein ausgeschaltet, so dass ich ihm ohne große Probleme nachlaufen konnte. Wir sprinteten auf den Rand der Klippe zu und sprangen einfach runter. Ich rollte mich ab, kam wieder auf meine Beine und rannte einfach weiter. Der Colonel und seine Soldaten betraten schon die Morrigan. Wir flitzen auf das Schiff zu, hinter uns ertönten die ersten Schüsse in unsere Richtung. Shay sprang mit einem Satz auf sein Schiff und drehte sich zu mir, um mir zu helfen. Er zog mich hoch, rief dabei den Befehl zum ablegen. Ich drehte mich zum Ufer und erblickte fünfzig Meter hinter uns Kesegowaase mit seinen Männern. Wenn das Schiff nicht sofort ablegte, wäre er hier. Ein rufen riss mich aus meinen Beobachtungen. Jack Weeks schmiss ein Pulverfass ans Ufer und Shay reagierte augenblicklich. Er zückte seine Pistole und zielte auf das Fass. Die Kugel entzündete das Fass, welches mit einem ohrenbetäubenden Knall hochging. Der Assassine wurde von der Explosion zurückgeschleudert und wir konnten fliehen.


 

 

Kapitel 41 – erste Zweifel


 


 

Ich setzte mich erschöpft auf die Treppe, welche zur Brücke der Morrigan führte. Shay unterhielt sich noch mit dem Colonel. Meine Sachen waren pitschnass und meine Beine brannten wie verrückt. So was wie gerade eben wollte ich in nächster Zeit nicht unbedingt wiederholen. Sonst beschaffte ich nur die Informationen und Shay erledigte die Arbeit, doch heute durfte ich auch mal mit ran. Shay löste sich von seinem Gespräch mit dem Colonel und kam zu mir. „Alles in Ordnung, mo aingeal.“, fragte er mich leicht besorgt. „Ja warum fragst du?“, stellte ich ihm eine Gegenfrage. „Nur ein wenig aus der Puste“, grinste ich ihn jetzt an. „Weil dein linker Oberarm blutet, Faith.“, machte Shay mich auf meine Verletzung aufmerksam. „Oh. Habe ich gar nicht mitbekommen. Muss passiert sein als die zwei Schützen auf mich geschossen haben.“, meinte ich ruhig zu ihm und sah dabei an meinen Arm. „Na dann komm mein Engel, ziehen wir uns erst mal um.“ sagte Shay und half mir beim Aufstehen.


 

Dankbar nahm ich seine Hand und zusammen gingen wir in die Kapitänskabine. Dort zog ich mir als erstes meinen Waffengurt aus, danach folgte mein Ornat. Aus meiner Truhe angelte ich zwei Handtücher. Eines davon gab ich Shay, welcher bereits nur noch in seiner Hose vor mir stand. Wie ich es liebte seinen Körper anzusehen. „Gefällt dir was du siehst.?“, fragte er mich schelmisch grinsend. „Ja und das weist du ganz genau, mo chride.“, antwortete ich ihm und küsste Shay auf seine nackte Brust. „Wenn du so weitermachst, kann ich nicht mehr für deine Unschuld garantieren.“, grinste er mich an. „Das hättest du mir vor knapp einem Jahr sagen sollen.“, antwortete ich ihm immer noch grinsend. „Wie gerne würde ich dich jetzt einfach schnappen, aber wir haben leider andere Aufgaben, Prinzessin. Brauchst du Hilfe bei deiner Wunde?“, fragte er mich wieder besorgt. Ich schaute an meinen Arm, die Verletzung war nur ein Kratzer, nichts was ich selber hinbekommen könnte. „Nein, mo chride. Jetzt zieh dir was an, sonst kann ich nicht mehr für deine Unschuld garantieren.“, antwortete ich ihm frech. „Das sagt die, welche nur noch ein Hemd anhat.“, meinte Shay lachend. Ich ging wieder zu meinen Sachen, zog das Hemd aus und drehte meinen Liebsten dabei meinen Rücken zu. Die Luft lies mich ein wenig frösteln, ich hatte nicht mal die Kälte des Wassers gespürt, so sehr war ich auf meine Aufgabe konzentriert gewesen.


 

Shay's kalte Haut lies mich aufschrecken, als er mich von hinten umarmte. „Erde an Faith“, flüsterte er in mein Ohr. „Weiß nicht was du meinst.“, sagte ich zu ihm und kuschelte mich näher an ihn ran. „Gibst du mir ein frisches Hemd und noch eine Hose dazu?“, brachte er mir sein Anliegen vor. „Hier“, meinte ich und entzog mich seiner Umarmung, damit ich mich selbst anziehen konnte. Erst eine Hose, dann das Hemd. Zum Schluss kam noch eine meiner Korsagen, bei welcher mir Shay half. „Dein neuer Modestiel hat irgendwie was.“, sagte er zu mir und reichte mir noch meinen schwarzen Ledermantel. „Ja finde ich auch, ich meine ein Ornat ist praktisch, aber es fühlt sich manchmal seltsam an ihn zu tragen.“, erklärte ich Shay. „Wie meinst du das?“ „Na hier helfe ich den Templern, die Bruderschaft ist hier so anders... In London wusste ich noch wer mein Feind war...“ „Hey alles gut Faith. Wir werden die Assassinen abhalten ein zweites Lissabon zu erschaffen. Und dann kannst du bestimmt auch wieder klarer denken. Wie wäre es, wenn wir uns einfach auf das Hier und Jetzt konzentrieren?“, versuchte Shay mich ein wenig aufzuheitern. „Du hast recht und außerdem sehe ich in diesen Aufzug doch gar nicht mal so schlecht aus, oder?“, fragte ich ihn wieder mit einem Grinsen im Gesicht. Er atmete ein paar Mal tief durch... „Eigentlich dürfte ich dich so gar nicht hier raus lassen. Du wirst jeden Mann auf diesem Schiff von seiner Arbeit ablenken. Und...“ „Hast du etwa Angst das ich mir einen anderen suche, Master Cormac?“ „Diese Kleidung, da brauchst du keine Waffen mehr. Behalte bitte außerhalb dieser Kabine deinen Mantel an.“ „Ist gut, aber ich werde ihn nicht zuknöpfen.“ grinste ich und legte meine Waffen wieder an. „So ich werde jetzt schnell meine Wunde versorgen, brennt ein bisschen. Sehen wir uns dann zum Essen?“, fragte ich ihn noch, als ich schon zur Tür ging. „Ja bis später“, antwortete Shay mir, küsste mich kurz und eilte an mir vorbei, hinaus aufs Deck. Ich folgte ihm, sah noch wie mein Liebster auf die Brücke ging, doch mein Weg führte unter Deck, in mein kleines Reich.


 

Ich nahm mir alles aus dem Schrank, was ich für meine Verletzung brauchte und legte es auf meinen Behandlungstisch zurecht. Ich zog meinen Mantel aus und zog den Ärmel meines Hemdes ein wenig runter, so dass ich an die Verletzung kam. Doch zu meinem Missfallen rutschte der Stoff immer wieder zurück nach oben.“ Daingead!“, fluchte ich wenig damenhaft. „Braucht ihr Hilfe Miss?“, sprach mich eine unbekannte Stimme an. Ich drehte mich zu der Person um und sah Master Weeks in meinem kleinen Reich stehen. Was wollte der Templer nur von mir? fragte ich mich. Master Weeks schien meine Gedanken zu erahnen. „Ich frage mich seit geraumer Zeit, warum ihr uns helft, Miss?“, fragte er mich und setzte sich mir gegenüber. Soviel zur Hilfe, er wollte also herausbekommen was mein Ziel hier war und ob ich damit dem Orden schaden könnte. Nun diese Frage konnte ich mir im Moment selbst nicht richtig beantworten. „Wisst ihr Master Weeks, wenn ich es wieder weiß sage ich es euch“, meinte ich nur trocken und konzentrierte mich wieder darauf meine Verletzung zu versorgen. Ich schüttete ein wenig Alkohol auf eins der Tücher und drückte es auf meine Wunde.


 

Ihr zweifelt also an euren Motivationen als Assassine, oder irre ich mich?“, nahm der Templer das Gespräch wieder auf. „Na ja... Ich versuche es mal so zu erklären...In London benahm sich euer Orden alles andere als gerecht zu den Menschen dort. Bevor ich wegging waren zwei euer Ordensbrüder meiner Klinge zum Opfer gefallen. Diese Herren hießen Mr. Smith und Mr. Price. Mr. Smith benutzte Gelder des Ordens, um sich so seine Spielsucht zu finanzieren und er war ein miserabler Kartenspieler. Warf das Geld nur so zum Fenster raus. Mr. Smith war nicht wirklich besser. Beide betrogen ihre Frauen mit den schlimmsten Huren in London. Der Orden dort drehte ihnen natürlich nach kurzer Zeit den Hahn ab und wisst ihr was sie dann machten. Sie beauftragten Schläger unschuldige Frauen zu entführen und verkauften sie für viel Geld in das osmanische Reich. Doch bei jungen Frauen blieb es nicht, Master Weeks, danach nahmen sie Familien die Kinder weg und das nur, weil sie ein paar Pfund Sterling mehr brachten. Ihr müsst mir also danken, dass ich dieses Gesindel beseitigt habe.“, redete ich einfach darauf los. Eigentlich wollte ich dem Templer das doch gar nicht sagen!


 

Und dann Master Weeks komme ich in die Kolonien und es ist alles anders... die Assassinen arbeiten mit Verbrechern zusammen, welche sich nur an der Bevölkerung bereichern wollen. Das so etwas Zweifel in mir auf wirft ist doch normal. Das einzige was ich noch mit Sicherheit sagen kann, dass ich den Menschen helfen will und wenn ich damit mit meinen Feinden zusammenarbeiten muss, tue ich es. Ich meine unsere Ziele waren vor ein paar Hundert Jahren noch gleich und zwar Frieden zu schaffen auf der Welt. Wenn man es mal so betrachtet sind Assassinen und Templer sich in vielen ähnlich. Wie zwei Seiten einer Medaille. Die Assassinen wollen Frieden und Freiheit, dass die Menschen selbst über ihr Leben bestimmen. Das ist eine noble Aufgabe, doch es wird immer einen Menschen geben, der denkt er ist besser als der Rest und sein eigenes Wohl über, dass der anderen stellt. Das wars dann mit Frieden und Freiheit. Die Templer hingegen wollen Frieden durch Ordnung, alles soll eine Struktur haben. Doch auch hier ist das Problem, dass es wieder einen geben wird, der lieber frei ist. Dann würde diese Methode auch nicht ewig funktionieren. Das Beste für beide Seiten, wäre eine Zusammenarbeit, nur so könnten alle Menschen in Frieden leben.“, beendete ich meine kleine Rede.


 

Das ist ein wirklich interessanter Gedanke, Miss McGregor.“, lies mich die Stimme des Colonels leicht zusammen zucken. „Ihr habt bestimmt meine kleine Rede gehört, oder?“, fragte ich ihn und schaute den Templer dabei an. „Ja und ich will euch sagen, dass ich euch vertraue. Niemand hat von Euch heute gefordert mich und meine Männer zu retten. Ich verdanke Euch mein Leben.“, sagte der Colonel aufrichtig zu mir. „Nun ich bin zwar immer noch ein wenig skeptisch, aber wenn ihr unseren Orden helfen wollt, werde ich euch nicht daran hindern.“, sagte Master Weeks zu mir und verließ zusammen mit dem Colonel mein kleines Reich. Ich grinste vor mich hin, nun immerhin hatte ich jetzt wohl zwei Zweifler weniger im Orden und damit Lady Melanie ein wenig Arbeit abgenommen. Ich setzte mich zurück auf meinen Stuhl und kümmerte mich wieder um meinen Arm. Ich schnappte mir einen kleinen Verband, wickelte diesen um die Wunde und räumte danach alles wieder an seinen Ursprünglichen Platz. Ich wusste ja nie was alles noch passieren konnte.


 

*****


 

Ein Geräusch neben mir weckte mich im Morgengrauen auf. Ich öffnete verschlafen die Augen, blinzelte gegen die aufgehende Sonne an und lies meinen Kopf wieder in das Kissen sinken. Ich wollte noch nicht aufstehen, mir tat alles weh und ich war mir sicher, dass ich mich nie wieder ohne Schmerzen bewegen könnte. „Aufstehen, mo aingeal, wir sind am Treffpunkt angekommen.“, weckte mich Shay. „Nur noch ein paar Minuten.“ murmelte ich verschlafen. „Komm schon du Schlafmütze, gestern Abend warst du doch kein bisschen müde, wenn ich mich recht erinnere.“, flüstere Shay mir zu. Nun das war ja auch was Anderes, aber jetzt müsste ich dieses herrlich warme Bett verlassen. Doch Shay kannte keine Gnade mit mir und zog einfach unsere Bettdecke von mir runter. Sofort fing ich an zu frieren, wurmte mich noch einen winzigen Moment im Bett, dann stand ich auf. Shay bedachte ich mit einem grimmigen Blick, welcher nur grinsend von ihm erwidert wurde. Ich schlurfte zu meinen Sachen und begann mich anzuziehen. Ich schlüpfte in mein Hemd, zog eine schwarze Hose an und dann meinen schwarzen Meisterornat darüber. Zum Schluss legte ich noch alle meine Waffen an, dann war ich abmarschbereit. „Sicher das ich mit an Land soll?“, fragte ich Shay ein wenig skeptisch. „Willst du etwa nicht an Land. Du kannst dich ein wenig umsehen und ich werde mit dem Colonel die Details bereden.“, schlug Shay mir vor. „Gut...“ murmelte ich ein wenig enttäuscht. „Hier kauf dir was Schönes“, sagte Shay noch bevor er aus der Tür unserer Kabine verschwand.


 

Ich blickte in meine Hand und sah dort Shay's Geldbeutel, welcher sich nicht gerade leicht anfühlte. Hatte mein Liebster etwa ein schlechtes Gewissen, weil er mich zurückließ? Ich begab mich nun ebenfalls von Bord und in einiger Entfernung konnte ich noch Shay und die zwei Templer sehen. Nun das schienen wohl wichtige Angelegenheiten des Ordens zu sein und ich war ja eine Assassine, also war es klar dass ich bei diesen Treffen nur stören würde. Ich ging langsam den kleinen Steg entlang und schaute mich erst einmal ein wenig um. Das war also einer der Handelsposten von William Johnson, einem der reichsten Männer in den britischen Kolonien und der Herr war natürlich ein Templer. Dazu war er Superintendant für indianische Angelegenheiten für die Stämme der Sechs Nationen und ein General der britischen Armee, welcher seine ersten Erfolge im Österreichischen Erbfolgekrieg hatte. Dort setzte er als erstes die Irokesen gegen die Franzosen ein. Vor zwei Jahren hatte er es fast geschafft das französische Fort bei Crown Point zu erobern und William Johnson ging als Sieger aus der Schlacht am Lake George hervor, wo die britischen Truppen Fort William Henry errichten, welches jetzt in den Händen der Franzosen war.


 

Ich beendete meine Gedanken über den Templer und setzte meinen Weg fort. Eigentlich brauchte ich ja gar nichts, aber Frau wusste ja nie was sie so entdecken würde. Ich schlenderte gemütlich an den ersten Händlern vorbei, lies meine Blicke über das Sortiment schweifen, fand aber nicht wirklich etwas für mich. So ging das eine ganze Weile, bis mich ein Waffenschmied in seinen Bann zog. Seine Waren sahen nach guter Qualität aus, die Säbel machten einen brauchbaren Eindruck, diese interessierten mich jedoch nicht wirklich. Mein Augenmerk lag auf ein paar kleinen Wurfmessern, wovon er ein kleines Set liegen hatte. Die könnte ich bestimmt gebrauchen. Ich hatte ja kein Luftgewehr, welches ohne Geräusche tötete. Diese kleinen Dinger wären bestimmt sehr hilfreich auf meinen Missionen. Gut das mein Mentor mir vor ein paar Jahren gezeigt hatte wie ich mit diesen kleinen Dingern umzugehen hatte.


 

Ich ging auf den Schmied zu und lächelte den Herren höflich an...“Was will ein Weibsbild von mir?“, grunze er mich genervt an. „Ich würde gerne das Set mit den Wurfmessern kaufen. Wie viel sollen sie kosten?“, blieb ich weiter freundlich. Der Schmied sah von seiner Arbeit auf, schenkte mir einen bösen Blick „Ich verkaufe nicht an Weiber. Geht nach Hause und passt auf eure Bälger auf. Da gehört ihr hin, hinter den Herd und nun verschwindet.“, giftete der Mann mich an. Ich wollte schon zu einem Kommentar ansetzten, als eine Hand auf meiner Schulter mich ablenkte. „Gibt es ein Problem Prinzessin?“, fragte mich die Stimme meines Liebsten. „Nun ich wollte eigentlich diese Wurfmesser kaufen, aber der Herr dort verkauft nicht an Weiber, welche sich seiner Meinung nach lieber um die Bälger kümmern sollten.“, machte ich etwas lauter meinen Frust Luft. „Warte einen Moment.“, sagte Shay nur ruhig zu mir und ging zu dem Schmied. Shay sprach ihn an und der Kerl machte fast eine Verbeugung vor ihm, als Shay auf die Wurfmesser deutete. Beide Herren diskutierten noch einen Moment über den Preis, dann war Shay wieder bei mir. „Wollen wir dann, Prinzessin?“, fragte er mich und reichte mir die Wurfmesser. „Klar, danke mo chride. Was bekommst du von mir?“, fragte ich Shay. Ich wollte ungern Schulden bei ihm machen. „Nichts Prinzessin. Ich habe doch gesagt du sollst dir was Schönes kaufen, auch wenn ein paar Wurfmesser eine ungewöhnliche Wahl sind. Ich dachte du legst dir ein Kleid oder Schmuck zu.“, beantwortete er meine Frage. Zusammen liefen wir zurück auf die Morrigan und je näher wir dem Schiff kamen, desto ruhiger wurde Shay. Irgendwas stimmte nicht mit ihm und ich beschloss Shay darauf anzusprechen, sobald wir wieder unter uns waren.


 

*****


 

Als wir wieder auf der Morrigan waren, verschwand Shay ohne ein Wort in seinem Reich. Nun was immer ihn bedrückte, er würde mir es nicht von sich aussagen. Warum mussten Männer immer denken, dass sie alles alleine schaffen müssten. Ich lief Shay hinter her, schloss leise die Tür zu unserer Kabine und fand ihn an seinem Schreibtisch vor, wo er augenscheinlich über ein paar Seekarten brütete. „Was ist los, mo chride?“, fragte ich Shay und setzte mich dabei auf die Kante seines Schreibtisches. „Und sag nicht du hast zu tun, wir sind meilenweit von Halifax entfernt.“, sagte ich lächelnd zu ihm. Shay schaute mich an, dann die Karten vor mir. „Ich habe Colonel Monro das Manuskript zurückgegeben.“, fing er an und ich deutete ihm weiterzusprechen, obwohl in meinen Kopf lauter Fragen waren. „Es gibt in der Nähe ein Oneida Dorf, welches von den Franzosen bedrängt wird, doch gleichzeitig halten französische Truppen unsere Soldaten auf, welche auf dem Weg nach Albany sind und ich weiß das ich beiden irgendwie helfen muss, nur halt nicht wie.“, erklärte mir Shay sein Schlamassel.


 

Nun das war wirklich eine verzwickte Situation. Er musste sich also am besten Teilen, doch das ging ja nicht. Das brauchte Shay ja auch nicht. „Du weist das du nicht allein bist, mo chride.“ fragte ich Shay. „Ja aber...“, fing er an „Nichts aber, mo chride. Du hilfst den englischen Truppen, damit diese sich auf schnellstem Weg nach Albany machen können, dann kommst du mir zu Hilfe und zusammen helfen wir den Oneida.“, schlug ich meinen Liebsten vor. „Das kann ich nicht machen, Faith. Ich werde dich nicht in Gefahr bringen. Uns muss etwas Anderes einfallen.“, lehnte er meinen Vorschlag ab. „Aber wir haben für eine andere Idee keine Zeit. Ich werde nur beobachten und auf dich warten, versprochen“, versuchte ich Shay erneut zu überzeugen. „Und wenn wir das geschafft haben, kannst du mir erklären warum du mir nichts von dem Manuskript erzählt hast.“, versuchte ich ihn auf einen anderen Gedanken zu bringen. „Ganz einfach, mo aingeal, erstens ist es besser, wenn nicht so viele Personen wissen wo das Manuskript ist und zweitens wollte ich dich nicht unnötig in Gefahr bringen.“, antwortete er mir, bevor Shay mich sanft küsste, um mich von unserem Gespräch abzulenken. „Shay ich gehe zu dem Indianerdorf der Oneida, du findest die englischen Truppen. Und sorge dich nicht zu sehr um mich, ich kann schon auf mich aufpassen.“, sagte ich zu ihm. „Ich weiß aber...“ „Nichts aber. Nun komm Captain wir haben doch ein paar Aufgaben zu erledigen.“, sagte ich ernst und verließ unsere Kabine.

Kapitel 42 - Oneida


 


 

Seit meinem Gespräch mit Shay war ein Tag vergangen und ich hockte jetzt irgendwo in der Wildnis Nordamerikas hinter einem Busch, wo ich eine französische Miliz beobachtete. Die Soldaten hatten sich seit ein paar Stunden nicht vom Fleck bewegt. Langsam zweifelte ich daran, ob sie überhaupt zu den Oneida wollten. Einer der Franzosen lief in meine Richtung und blieb direkt vor mir stehen. Der wollte doch nicht etwa, doch er tat es... und das zum letzten Mal. Ich stand auf, der Mann vor mir starrte mich entsetzt an, wollte schon wieder seine Hose zu machen, da versenkte ich meinen Säbel in seiner Brust. Der Soldat kippte nach vorne, direkt in den Strauch, welcher mir noch vor kurzem als Sichtschutz diente. Ich zog den Mann weiter unter den Busch, damit ihn seine Kameraden nicht so schnell finden konnten. Ich schlich zu einem nahegelegenen Baum und kletterte auf diesen, um nicht noch von weiteren Soldaten gesehen zu werden.


 

Es war kurz vor Mittag, da setzte sich die Miliz in Bewegung. Sie gingen geordnet in Reihe und Glied in Richtung Nordosten. Flink folgte ich ihnen über die Bäume und überlegte mir wie ich sie am besten angreifen konnte. Mich allen auf einmal zu stellen war mein Todesurteil, auch gegen mehrere Soldaten hätte ich nicht wirklich eine Chance gehabt. Der einzige Weg war die Soldaten einer nach dem anderen zu eliminieren. Ich ließ mich ein wenig zurückfallen, bis das Ende der kleinen Kolone in Sicht kam. Die letzten beiden Männer liefen unter mir lang, das nutzte ich aus und lies mich auf die Beiden fallen. Meine versteckten Klingen fanden ihr Ziel. Ich huschte ungesehen wieder in das Gestrüpp neben mir und folgte so den Franzosen. Immer wenn sich mir eine kleine Chance bot, nutze ich sie um einen oder zwei der Männer auszuschalten. Doch zu meinem Pech waren es noch gut dreißig Männer die das Dorf der Oneida erreichten. Mein Blick glitt zu dem Dorf und ich blieb kurz stehen. Das Dorf sah auf den ersten Blick richtig idyllisch aus. Am Rand standen vereinzelte Häuser, zur Dorfmitte wurden es immer mehr. Es sah fast aus wie ein kleines Dorf in den Highlands, nur das die Kirche fehlte und die gälischen Flüche. Ich schaute mich weiter um und entdeckte auf der anderen Seite hohe Felswände, welche wohl eine Flucht der Bewohner verhinderten.


 

Schreie rissen mich aus meinen Beobachtungen, die Soldaten fielen über das kleine Dorf her, wie ein Schwarm Wespen über einen Kuchen. Wie ich auf diesen Vergleich kam, wusste ich gerade auch nicht, aber ich fand es passend. Die Franzosen nahmen die Frauen, Kinder und Alten als Geiseln. Nun da würde meine Taktik jetzt nicht mehr funktionieren. Ich kletterte schnell auf einen Baum, verschaffte mir erneut einen Überblick über die gesamte Situation und überlegte wie ich am besten vorgehen konnte. In dieser Zeit brachten die Soldaten die Gefangenen weg, sie verteilten sich im gesamten Dorf und so bekam ich ihnen gegenüber einen Vorteil. Einige der Männer wurden als Wachen für die gefangenen Oneida abgestellt, der Rest patrouillierte im Dorf. Zwei von meinen Gegnern klettern auf einen kleinen Ausguck umso das gesamte Dorf besser im Blick zu haben. Wenn irgendjemand die kleine Siedlung betrat, würden die Schützen es sofort merken und Alarm schlagen. Ich durfte somit auf keinen Fall entdeckt werden.


 

Ich sprang in den nächsten Baum und bewegte mich leise fort, damit ich den ersten Geiseln helfen konnte. Um die Scharfschützen müsste ich mich später kümmern, da sie von meinem jetzigen Standpunkt aus, zu weit entfernt waren. Ich hoffte durch die Befreiung der Geiseln die Soldaten ein wenig zu verwirren und konnte dadurch vielleicht einen Sieg erlangen. Als ich bei den ersten Geiseln ankam, setzte ich meine Wurfmesser ein. Das eine tötete den ersten Soldaten indem es im Hals stecken blieb, dass zweit streifte leider nur seinen Kollegen am Oberarm. Schnell sprang ich vom Baum und erledigte ihn mit einem Luftattentat. Ich löste die Fesseln der Geiseln, welche mich verwundert betrachteten. „Ich bin ein Freund, los versteckt euch, ich werde euch helfen.“, sagte ich freundlich zu ihnen. Der ältere Mann und eine alte Dame nickten kurz, dann versteckten sie sich. Ich lief hinter eines der Häuser, bevor mich noch einer der Schützen entdecken konnte. Gut wieder zwei weniger, dachte ich und spähte um die Ecke zu dem Schützen, welcher aber nicht mehr da war. Da hatte ich wohl Glück. Mein kleiner Helfer brachte mich wieder auf die Bäume, so dass ich schnell zu den nächsten Geiseln konnte.


 


 

Nach dreißig Metern hörten zu meinem Pech die Bäume auf. Ich kletterte wieder auf den Boden und schlich im Schatten der Häuser weiter. Als ich um die Ecke eines Hauses bog, wäre ich glatt in eine der Wachen reingelaufen, doch der Mann sank auf den Boden und hielt plötzlich ein Nickerchen. Das konnte kein Zufall sein, dachte ich und konnte mir schon denken wer mir da zur Hilfe gekommen war. Ich kannte nur eine Person, die Schlafpfeile verwendete. Leise setzte ich meinen Weg zu den nächsten gefangenen Indianern fort. Die Dorfbewohner welche nicht kämpfen konnten versteckten sich in ihren Häusern, der Rest half mir die Geiseln zu befreien und nach einer halben Stunde hatte wir schon die Hälfte der Oneida befreit, ohne das die Soldaten es wirklich mitbekamen.


 

Ich kam bei den nächsten Geiseln ungesehen an, eine junge schwangere Frau und drei kleine Kinder, als mich einer der Soldaten entdeckte. „Stirb du elendiges Miststück!“, rief er und rannte mit gezogenem Schwert auf mich zu, doch der Gute kam nicht weit. Mein persönlicher Schutzengel erledigte ihn mit einem Luftattentat. Er erhob sich von seinem Opfer und kam auf mich zu. „Geht es die gut mein Engel?“, fragte Shay mich besorgt. „Ja“, antwortete ich meinem Liebsten und schaute unauffällig ob er irgendwo eine Verletzung hatte. „Dann bin ich beruhigt. Du hattest außerdem wirklich recht, dass die meisten Männer dich Miststück nennen, sobald sie dich sehen.“, sagte er und grinste mich dabei an. Ich schaute ihn verdattert an. Er wusste also noch was ich ihm bei unserer ersten Begegnung in Lissabon erzählt hatte. Ich ging näher zu ihm und gab Shay einen kleinen Kuss auf seinen Mundwinkel. „Wolltest mir ja damals nicht wirklich glauben.“, grinste ich zurück, wurde dann aber wieder ernst. „Wir haben schon die Hälfte geschafft, mo chride. Wollen wir weitermachen und den Soldaten zeigen wer den Krieg gewinnen wird. Kannst dich auch nach Herzenslust austoben.“


 

Auf meine Aussage bekam ich nur ein breites Grinsen von Shay und wir setzten unseren Befreiungszug fort. Shay erledigte die französischen Soldaten, während ich den Indianern half sich zu befreien. Da Shay mir die meisten kämpfe abnahm, schaute ich ihm ein wenig dabei zu. Ich liebte es seine Kampftechnik zu beobachten. Wie er mit Schwert und Dolch kämpfte, dabei seine Gegner mit starken Tritten aus den Gleichgewicht brachte, um dann einen tödlichen Stoß auszuführen. Für mich war diese Art des Kämpfens nicht wirklich was, für so einen Kampfstiel benötigte man einiges an Kraft, da bevorzugte ich lieber meine eigene Kampfweise. Ich wich den meisten Angriffen mit Drehungen aus, um so hinter meine Gegner zu kommen, damit ich dann zuschlagen konnte. Das einzige was ich mir von Shay angeeignet hatte, waren die Tritte, so was klappte ungemein gut.


 

Als es langsam Abend wurde, hatten wir endlich alle Soldaten besiegt und warteten auf eine alte Dame, welche dem Dorf der Oneida vorstand. Anders als in unserer Kultur, hatten bei den Oneida die Frauen das meiste Mitspracherecht. Die Älteste bedankte sich für unsere Hilfe und meinte das Shay vielleicht der auserwählte Held aus ihrer Legende sei. Sie führte uns beide zu einer Höhle, welche von einem kleinen See umgeben war. Die Höhle wurde durch ein kompliziertes Schloss geschützt, für das man mehrere Schlüssel brauchte. Shay und ich untersuchten mit der Erlaubnis der Ältesten das Tor und auf einer kleinen Stelle war eine kleine Karte abgebildet. „Darf ich mir diese Karte abmalen?“, fragte ich höflich die Oneida Dame. „Natürlich.“, antwortete sie mir nett. Ich griff in meine Tasche und holte einen kleinen Bleistift und ein wenig Papier heraus. „Wieso trägst du ein Stift und Papier mit dir herum, Prinzessin?“, fragte mich Shay ein wenig überrascht. „Warum nicht? Frau weiß nie für was man es gebrauchen könnte.“, murmelte ich zu ihm. und machte mich an die Arbeit die Karte zu kopieren. „Frauen!“, murmelte mein Begleiter und von der Dorfältesten hörte ich ein leises Lachen.


 

Nach ein paar Minuten war ich mit meiner Arbeit fertig und steckte die Karte in eine meiner kleinen Taschen. Wir würden uns damit später befassen. Die Älteste lud uns beide ein die Nacht im Dorf zu verbringen. Dieses Angebot nahmen wir dankend an. Wir saßen an einem der Feuer mit der Dorfältesten, aßen und tranken und die Oneida waren zu uns sehr freundlich. Als ich dann fast am Feuer einschlief, war das ein Zeichen für Shay, uns für die Nacht zurückzuziehen. Eine junge Frau zeigte uns ein kleines Gästehaus, welches am Rand des Dorfes stand. Sie wünschte uns noch eine friedliche Nacht, dann verschwand sie in der Dunkelheit.


 

Wir betraten die kleine Runde Hütte, in der Mitte brannte ein kleines Lagerfeuer, welches uns für die Nacht ein wenig wärmen sollte. An den Seiten standen Krüge und Töpfe mit verschiedenen Inhalten, darunter auch Wasser, falls man in der Nacht Durst bekam. Unser Schlaflager war am anderen Ende. Weiche Felle lagen auf einem einfachen Bett, das aus Holz gebaut war. Meine Schuhe fanden schnell den Weg auf den Boden und ich fiel regelrecht in die kuscheligen Felle. Ich wollte einfach nur noch schlafen. Die letzten Tage hatten ganz schön an meinen Kräften gezerrt.


 

Ich war kurz davor ins Reich der Träume zu gleiten, als ich spürte wie Shay sich neben mich legte und anfing langsam meinen Hals mit Küssen zu verwöhnen. “Shay...“, murmelte ich verschlafen. „Entspann dich, mo aingeal.“, meinte besagter Herr nur und setzte seine Erkundungen fort. Seine Finger wanderten sanft unter meinen Ornat, welchen ich immer noch trug. Langsam knöpfte er meine Kleidung auf und als ein kühler Luftzug meine nackte Brust berührte, überkam mich ein wohliger Schauer und meine Müdigkeit verschwand langsam. Meine Hände begannen wie von selbst, meinen Liebsten aus seiner schweren Montur zu befreien. Der Mantel landete zuerst auf den Boden, seine Weste und das Hemd folgten kurze Zeit später. Ich setzte mich auf ihn und fing an seine Brust mit zarten Küssen zu verwöhnen. An seiner Brustwarze verweilte ich länger und biss spielerisch hinein, was meinen Liebsten einen leisen Laut der Verzückung entlockte. Shay drückte mich wieder sanft auf die Felle, um so einen Zungenkampf mit mir zu führen. Ohne uns voneinander zu lösen, schafften wir es uns aus unserer Kleidung zu schälen. Mein Verlangen auf Shay wurde mit jeder Sekunde größer und meine Müdigkeit war vollkommen vergessen. Ich setzte mich auf den Schoß meines Liebsten und genoss es für einen kurzen Moment die Oberhand zu haben. In dieser tollen Position würde ich unser Tempo bestimmen. Langsam bewegte ich meine Hüften, um so Shay ein wenig zu necken. Doch ehe ich mich versah, hatte er den Spieß umgedreht und ich lag wieder unter ihm. Unser gemeinsamer Höhepunkt war wundervoll und ich spürte die nachbeben meines Orgasmus noch ein paar Minuten später. „Ich liebe dich, mo chride“, murmelte ich zu Shay. „Ich weiß.“ hörte ich noch leise von ihm bevor wir in inniger Umarmung einschliefen.


 

Am nächsten Morgen brachen wir in der Dämmerung auf. Die Dorfälteste verabschiedete uns und meinte wir wären immer in ihrem Dorf willkommen. Als wir schon eine Weile unterwegs waren erzählte mir Shay, dass sie die englischen Soldaten gefunden hatten und diese schon auf dem Weg nach Albany seien, um dort den Colonel zu unterstützen. Es waren ungefähr zwei Stunden seit unserem Aufbruch vergangen, als wir den Mohawk River erreichten. Dort lag die Morrigan vor Anker und wartete auf unsere Ankunft. „Und wie kommen wir jetzt aufs Schiff?“, fragte ich meinen Captain und suchte am Ufer nach dem Beiboot. „Da wir es verdammt eilig haben, werden wir die paar Meter rüber schwimmen.“, sagte Shay nur und lief bereits ins Wasser. Na toll eigentlich hatte ich nicht wirklich Lust auf ein Bad. Zum Glück wärmte die Sonne ein wenig und so ergab ich mich meinem Schicksal. Obwohl es nur ein paar Meter bis zum Schiff waren, hatte ich ganz schön mit den Fluten zu kämpfen, mein Ornat zog mich immer mehr in die Tiefe. Kurz bevor ich aber ganz unterging, waren wir an der Morrigan. Shay kletterte flink an der Bordwand hinauf, bei mir dauerte es ein wenig länger. Als wir wieder trockene Sachen anhatten, lies Shay den Anker lichten und unser Weg führte uns nach Albany. Dort würden wir zusammen mit Colonel Monro gegen die Assassinen kämpfen.


 

Kapitel 43 – Nicht gut genug


 


 

Zur Mittagszeit des nächsten Tages erreichte die Morrigan Albany. Das Bild der Zerstörung durch die Assassinen brannte sich in mein Gedächtnis. Wir hörten noch auf dem Deck des Schiffes den Kampflärm der Gefechte und die Hilfeschreie der Einwohner der Stadt. Unser Captain legte die Morrigan sicher am kleinen Hafen der Stadt an und drehte sich danach in meine Richtung. Der Ausdruck auf seinem Gesicht gefiel mir ganz und gar nicht. Shay kam auf mich zu und nahm mich einfach in den Arm. „Faith, bitte bleibe hier auf dem Schiff, das dort in der Stadt ist kein Platz für dich.“, meinte Shay voll Sorge zu mir.


 

Ich sah zu ihm auf, unsere Blicke trafen sich und ich konnte seine Sorge um mich deutlich erkennen. „Bitte mein Engel, ich will dich in Sicherheit wissen, weit weg von den Assassinen. Das verstehst du doch, oder?“, flüsterte Shay mir ins Ohr und küsste mich sanft auf meinen Mund. Nun was sollte ich ihm darauf antworten? Ich konnte ihn nicht alleine dorthin lassen und hatte ich nicht in den letzten Tagen bewiesen, dass ich eine Hilfe für ihn war. „Ich verstehe dich, mo chride. Aber du kannst nicht von mir verlangen, dass ich hier brav warte, während du da draußen dein Leben riskierst. Ich verspreche dir ich werde mich aus den Kämpfen heraushalten, doch ich komme mit. Du brauchst bestimmt meine Hilfe.“, sagte ich ernst zu Shay und löste mich aus seinen Armen. „Wenn ich es dir nicht ausreden kann, dann komm mit. Aber Prinzessin du befolgst jede meiner Anweisungen und begibst dich nicht in Gefahr.“, sagte Shay streng zu mir. „Ich werde dir gehorchen mein Captain.“ „Gut dann komm“, meinte Shay und zusammen verließen wir die Morrigan.


 

*****


 

Shay wählte die Route über die Dächer der Stadt, so wurden wir nicht in sinnlose Kämpfe verwickelt. Ich folgte Shay und bewunderte wieder mal sein Talent, wie er ohne Anstrengung an den Mauern der Häuser hochkletterte. Zu unserem Leidwesen, wurden wir öfters gezwungen anzuhalten, um so keine Aufmerksamkeit zu erregen. Dadurch schien mir den Weg zum Fort eine kleine Ewigkeit zu dauern. Als wir nach gefühlten Stunden das Fort erreichten, gab mir Shay den Befehl auf einem der Dächer zu warten, während er sich in die Kämpfe stürzte. Mir blieb also nichts Anderes übrig als auf dem Dach zu warten. Ich hatte Shay ja versprochen auf ihn zu hören, ausnahmsweise.


 

Mit der Hilfe von Shay waren die englischen Soldaten schnell siegreich und es konnte weitergehen. Mein Liebster gab mir ein Zeichen und ich folgte Shay in das Fort hinein. Wir wurden noch in ein, zwei kleinere Kämpfe verwickelt, dann trafen wir auf den Colonel. „Das ist Kesegowaases Werk, nicht wahr?“, begrüßte Shay den Templer. „Ich glaube schon, aber ich habe ihn noch nicht gesehen.“, antwortete er Shay und trat ein Stück näher an ihn heran. „Das Manuskript. Ihr...“, fing der Colonel an und wollte es schon Shay geben, doch dieser hatte anscheinend andere Pläne. „Verwahrt es, bringt es zur Morrigan. Ich befehle es.“, sagte Shay. Der Colonel verzog sein Gesicht ein wenig. „Ihr wollt mir befehlen? Einem Colonel?“, meinte er grimmig zu Shay. „Faith begleite den Colonel. Beschütze ihn!“, wand er sich kurz an mich. „Ich unterstehe euch nicht, Colonel.“, waren seine Worte, bevor er sich von uns abwendete. „Ich übernehme die Verteidigung, bis Ihr zurück seid.“ Das war für uns das Zeichen aus dem Fort zu verschwinden.


 

Ein kleiner Trupp Soldaten begleitete den Templer und mich in Richtung der Stadt. „Und wieder beschützt ihr mich Miss McGregor.“, meinte der Colonel ruhig zu mir. „Ja es sieht so aus. Und falls es doch einer der Assassinen schafft an Shay vorbeizukommen, dann werdet ihr euren Weg zur Morrigan fortsetzen und ich kümmere mich um unsere Feinde.“, antwortete ich auf seine kleine Feststellung. „Aber...“ „Kein aber Colonel Monro. Bringt das Manuskript sicher zur Morrigan, die Assassinen dürfen es nicht bekommen oder eine weitere Stadt wird fallen...“, meinte ich leise. „Nein Faith.“, sagte der Templer und steckte etwas in meine Tasche. „Wenn dann sollte ich den Lockvogel spielen.“ meinte er ruhig und für ihn war damit das Gespräch beendet. Ich fühlte kurz an meiner Tasche und als ich ein Buch darin ertastete, wusste ich was mir der Colonel gegeben hatte.


 

Wir liefen schweigend weiter und als wir schon ein gutes Stück von Fort Frederick entfernt waren, explodierten einige Fässer mit Schießpulver in unserer Nähe. Wir wurden zu Boden gestoßen und durch die entstandene Druckwelle zersprangen die Fenster der umliegenden Häuser, so dass ein wahrer Regen aus Glas auf uns hinabfiel. Schnell standen wir auf und ich schaute mich skeptisch in der Gegend um. Waren wir etwa in eine Falle der Assassinen geraten ohne dass ich es mitbekommen hatte? Ich hörte das scheppern und stampfen von Stiefeln und nur einen winzigen Augenblick später waren wir umstellt. Ich schaute zu dem Templer und zeitgleich zog unsere kleine Gruppe die Waffen. Kampflos würden wir uns nicht ergeben!


 

Wir wehrten die feindlichen Angreifer ab, so gut es ging und konnten nach ein paar Minuten sogar die Oberhand gewinnen, als... „Gebt auf Templer!“, hörte ich eine Stimme über uns. Ich blickte in die Richtung der Stimme und entdeckte auf einem der Dächer über uns einen Mann, welcher sein Gesicht unter einer Kapuze verbarg. Der Mann sprang von dem Dach herunter und landete auf einem der englischen Soldaten. Dieser arme Kerl war sofort tot. Der Assassine bewegte sich ohne große Probleme durch die kämpfenden Männer und kam so seinem Ziel, dem Colonel, immer näher. Wenn der Assassine dachte, er würde den Templer einfach so töten können, dann irrte er sich gewaltig. Der Assassine zog sein Schwert, um einen Angriff auf den Colonel auszuführen, da stellte ich mich zwischen die beiden und blockte den ersten Angriff meines Gegners mit meinem Säbel.


 

Mein Gegner wich ein Stück von mir zurück und starrte mich unter der Kapuze hervor ungläubig an. „Warum verteidigst du einen Templer?“, fragte er mich grimmig. „Weil ich euch nicht das Manuskript überlassen werde. Mein Auftrag ist es ein weiteres Lissabon zu verhindern.“, knurrte ich mein Gegenüber leicht an. Hoffentlich würde der Assassine auf meine kleine Ablenkung reinfallen, dachte ich. „Du bist übergeschnappt, genauso wie der Verräter, Faith. Geh zur Seite, ich will dich nur ungern verletzen.“, sprach er mit zorniger Stimme und da erkannte ich wer mir gegenüberstand. „Nein Liam und warst du es nicht, der meinte wir wären jetzt Feinde.“, zischte ich und griff ihn an. Er blockte meinen Angriff nur ab, während ich einen Stoß nach dem anderen ausführte. Liam wich aus und brachte ein paar Meter Abstand zwischen uns. „Faith lass uns das beenden. Du bist nicht mein Ziel.“, fing Liam an. „Das hat sich aber im Winter noch anders angehört!“, schrie ich ihn schon fast an. Ja ich hatte seine Drohung noch nicht vergessen, geschweige denn ihn dafür vergeben.


 

Aber warum in aller Welt blockte Liam nur meine Angriffe? Ich meine ich war seine Feindin. Ich arbeitete mit den Templern zusammen, das sollte doch Grund genug sein mich töten zu wollen oder gab es da noch etwas Anderes? Hatte Liam nach all der Zeit etwa immer noch Gefühle für mich? Nein bestimmt nicht! Ich konzentrierte mich wieder auf den Assassinen vor mir und griff ihn erneut an. Liam wich wieder nur aus, langsam wurde mir dieses Katz und Maus Spiel zu bunt. „Willst du auch mal angreifen Liam oder was ist dein Problem?“, versuchte ich mein Gegenüber zu reizen, um so endlich eine kleine Lücke in seiner Deckung zu finden. „Warum?“, fragte Liam mich nur und ging zwei Schritte zurück. „Wie warum?“, kam ich mit einer Gegenfrage. „Warum bist du lieber die Hure eines Verräters als mit mir zusammen zu sein?“


 

Was hatte diese Frage jetzt bitteschön mit unseren Kampf zu tun. Ich stoppte kurz meinen Angriff und schaute Liam fragend an. Das nutzte der Assassine und schmiss eine Rauchbombe in meine Richtung. Schnell zog ich meine „Gasmaske“ über meinen Mund und die Nase, doch dieser winzige Augenblick reichte Liam um mir zu entkommen. Ich zielte mit meinem kleinen Helfer auf eine Dachkante in der Nähe, so konnte ich den Rauch entkommen. Kaum das ich oben war, sah ich schon Liam in Richtung Fluss rennen. Nun da schien unser kleiner Plan wohl zu funktionieren, doch ich würde den Colonel nicht einfach opfern. Ich rannte das Dach entlang und sprang einfach zum nächsten. Mit jeder Sekunde holte ich Liam mehr ein und nach ein paar Minuten hatte ich ihn gestellt. Ich nahm eines meiner Wurfmesser und schmiss es in seine Richtung. Das Messer streifte seinen Arm und er hielt unfreiwillig an, um zu sehen wer sein Angreifer war. Ich überwand die letzten Meter zu ihm und griff mit meiner versteckten Klinge an. Liam wich ein Stück zurück und zog erneut sein Schwert.


 

Wir standen uns gegenüber und warteten auf den ersten Zug des anderen. Wie schon bei meinem Training mit Shay griff ich ihn als erste an. Er blockte meinen Angriff und hieb mit seinem Säbel nach mir. Zu meinem Glücke hatte ich Erfahrung mit größeren und stärkeren Gegnern und so duckte ich mich unter seinem Schlag hindurch. Ich trat vor Liam's Schienbein, doch es schien ihm nicht so viel auszumachen, wie ich erhofft hatte. Schnell wich ich mit einer weiteren Drehung aus und brachte ein paar Meter Abstand zwischen uns. „Ich muss sagen du bist besser geworden Faith.“, sagte Liam zu mir und wollte mich anscheinend wieder in ein Gespräch verwickeln, um so meiner Aufmerksamkeit zu entkommen. Aber das würde er kein zweites Mal schaffen. „Denkst du wirklich er liebt dich, Faith? Ich kenne den Verräter länger als du. Er hatte in jeden Hafen eine andere und er wird dich fallen lassen sobald du ihm in die Quere kommst.“, meinte Liam überheblich. „Das wird er nicht, Liam. Du kanntest Shay früher aber was in Lissabon passiert ist hat ihn verändert.“, versuchte ich Shay vor ihm zu verteidigen und verdrängte die vorletzte Nacht, als Shay auf mein Liebesgeständnis nur mit „Ich weiß“ geantwortet hatte. „Das denkst auch nur du. Du bist naiv Faith. Er will dich nur um sein Bett warm zu halten oder denkst du echt ein Templer und ein Assassine können zusammen glücklich werden?“, provozierte er mich weiter. „Ja das denke ich, denn ich mache mir mein Glück selbst!“, antwortete ich Liam wütend. „Träume weiter. Du bist nichts als...“ Doch weiter kam Liam nicht, ich griff ihn in meiner Wut einfach an. Er sollte seinen verdammten Mund halten. Was wusste er schon über unsere Beziehung?


 

Liam blockte meinen Angriff spielend ab, stellte mir ein Bein und brachte mich so unsanft zu Fall. Ich schaute zu dem Assassinen, welcher mir seine Klinge an den Hals hielt. „Ich werde jetzt meine Mission erfüllen und das Manuskript aus den Toten Händen des Templers nehmen.“, knurrte er mich an und verschwand dann einfach aus meinen Sichtfeld. Daingead!!! Ich war doch wirklich zweimal auf denselben Trick von ihm reingefallen. Ich rappelte mich auf, suchte schnell die Dächer in meiner Umgebung ab und fand Liam fünfunddreißig Meter von mir entfernt an einer Dachkante stehen. Ich rannte so schnell wie ich konnte in seine Richtung und bevor er vom Dach springen konnte, zielte ich mit meinem Seilwerfer auf die Ziegel unter ihm. Kaum das der Haken sein Ziel fand, betätigte ich den Mechanismus und zog mich zu Liam. Ich krachte in den Assassinen und wir beide vielen von dem Dach des Hauses. Ich merkte wie mir der Aufprall die Luft aus den Lungen drückte. Zu meinem eigenen Glück war ich relativ weich gelandet und zwar auf Liam, welcher jetzt versuchte mich von sich runter zu werfen. Als er mich zur Seite schubste, stand der Assassine auf und trat mit seinem Fuß genau auf den Streifschuss, welchen ich mir vor ein paar Tagen eingefangen hatte. Es tat höllisch weh, auch wenn dieser kleine Kratzer fast verheilt war. „Go n-ithe an cat thu,is go n-ithe an diabhal an cat! Liam O'Brain!“, fluchte ich in seine Richtung.


 

Er drehte sich überrascht zu mir. „An deiner Aussprache musst du noch üben.“, meinte er trocken und ging auf die letzten beiden Soldaten zu, welche den Colonel beschützen sollten. Liam erledigte die armen Seelen binnen weniger Minuten und drehte sich dann siegessicher zu Colonel Monro. Dieser trat ein paar Schritte zurück, in den Eingang eines Hauses und zog seinen Säbel. Ich stand langsam auf und überlegte fieberhaft wie ich den Assassinen noch aufhalten konnte. Meine Wurfmesser waren aufgebraucht und die Pistolen hatte ich noch nicht nachgeladen. Ich schaute auf meine versteckte Klinge, an welcher der Seilwerfer angebracht war. Wieso nicht, dachte ich und zielte auf Liam. Der Hacken traf Liam in seine linke Schulter und ich zog an dem Seil, um ihn zurückzuhalten. Er schrie kurz auf durch den Schmerz seiner Verletzung, drehte sich dann zu mir und zog den Hacken aus seiner Schulter. „Jetzt wirst du mit dem Templer sterben.“, knurrte er und zog mich zu sich ran. Na wenn der Herr wollte, dass ich zu ihm kam, tat ich Liam den Gefallen. Ich rannte auf ihn zu und tackelte ihn zu Boden. Schnell rollte ich mich über ihn und stellte mich vor den Templer.


 

Liam stand wieder auf und zog seine Pistole. „Nun kannst du keine Gnade erwarten und du weist ich verfehle nie mein Ziel.“, sprach er wütend. Ich ging langsam ein paar Schritte zurück, immer weiter in das Wohnhaus hinein. „Ihr sitzt in der Falle“, sagte Liam siegessicher. Ich suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit ihn aufzuhalten, aber die einzige Waffe zum Werfen die ich fand war eine kleine Öllampe, die der Besitzer des Hauses wohl bei seiner Flucht vergessen hatte zu löschen. Ich wollte schon einen Schritt auf die Öllampe zugehen, doch Liam beobachtete mich aufmerksam. „Vergiss es, Faith. Wenn du dich nur einen Millimeter bewegst, werde ich auf dich schießen.“, sagte Liam grimmig. „Würde ja eh nicht rankommen, du stehst davor.“, giftete ich ihn an. „Wie hält es der Verräter nur mit dir aus? Du hast vor niemanden Respekt und für eine Frau ein viel zu loses Mundwerk. Er sollte...“, doch weiter kam Liam nicht. Der Colonel hatte mir seine geladene Pistole gegeben und ich schoss auf ihn. Der knall ertönte, Liam schaute mich an und dann fing er schallend an zu lachen. Ich schaute zu ihm und sah hinter ihm die zerschossene Öllampe. Na toll wie konnte ich in so einem Moment vorbeischießen? Das brennende Öl breitete sich aus und setzte das Haus immer mehr in Brand. Liam grinste mich teuflisch an und zielte mit seiner Waffe auf mich „Lebe wohl Faith.“, sagte er und drückte den Abzug seiner Pistole.


 

Übersetzung

Go n-ithe an cat thu,is go n-ithe an diabhal an cat! (irisch) - Möge die Katze dich fressen und möge der Teufel die Katze fressen!

 

Kapitel 44 – Warum?

 

 

 

 

 

 

Ich sah wie Liam seinen Finger am Abzug der Pistole betätigte und darauf ein lauter Knall ertönte. Ich schloss meine Augen und hoffte dass es schnell vorbei sein würde. Ich wartete auf den Schmerz, welchen die Kugel in meiner Brust verursachen würde, doch da war nichts. Ich öffnete meine Augen und war sprachlos.

 

Warum wurde ich nicht getroffen?

 

Liam schaute fassungslos auf mich und den Templer. Mit so was hatte er nicht gerechnet. Ich blickte in die grauen Augen des Templers und konnte immer noch nicht fassen was er gerade für mich getan hatte. Der Colonel stand vor mir und lächelte mich an. „Nein...“, hauchte ich geschockt.

 

Warum tat er das?

 

Ich fing den Colonel auf und sein Gewicht zog uns beide zu Boden. Warum hatte sich der Templer zwischen Liam und mich gestellt? Ich kniete mich neben Colonel Monro und drückte mit meiner Hand auf die Blutung in seiner Brust.

 

Warum würde ein Templer so was für einen Assassinen tun?

 

Ich sah aus dem Augenwinkel wie Liam seine zweite Pistole zog und diese auf uns richtete. Von draußen hörte ich immer mehr Stimmen, welche panisch riefen, doch ich war zu geschockt um mich zu bewegen.

 

Warum kann ich mich nicht bewegen?

 

Das Feuer um uns herum hatte bereits den Großteil des Hauses in Brand gesetzt, die ersten Dielen an der Decke fingen an auf uns herabzustürzen und wenn wir noch ein paar Minuten länger hier wären, würden wir bei lebendigem Leib verbrennen. Das merkte Liam ebenfalls, steckte seine Pistole wieder ein und verschwand.

Warum?“, fragte ich den Templer und versuchte weiter die Blutung zu stoppen. „Weil ihr nicht wegen eines alten Mannes sterben müsst. Faith ihr habt mehr von eurem Vater in euch als ihr denkt.“, sprach er leise und ich merkte wie ich anfing zu weinen. „Faith...“ sagte Colonel Monro schwach. Ich lehnte mich näher an sein Gesicht und was der Colonel mir sagte, lies mich ungläubig schauen.

 

Warum erzählte er mir das über meinen Vater?

 

Die Rufe von draußen wurden lauter. „Faith geht, sonst werdet ihr verbrennen.“, flüsterte der Colonel schwach. Ich stand langsam auf, ging um den Templer herum und versuchte ihn anzuheben, um ihn so aus den Flammen zu bekommen. Doch ich war zu schwach. „Geht...“, drängte mich Colonel Monro. „Nicht ohne euch.“, sagte ich und schaffte es den Colonel aufzurichten. Ich legte seinen Arm um mich und lief einen Schritt, doch meine Beine zitterten zu stark. Fast wären wir beide wieder auf den Boden gelandet, als eine Hand uns festhielt. Ich schaute auf und vor uns stand Shay.

 

Warum kann ich die Blutung nicht stoppen?

 

Shay trug den Colonel aus dem brennenden Gebäude und ich folgte ihm. An meinen Wagen liefen noch immer Tränen herab. Ich verstand es immer noch nicht. Wieso hatte der Colonel sich vor mich gestellt und die Kugel abgefangen. Meine Gedanken kreisten immer wieder um diese Frage.

 

Warum kann ich nichts für ihn tun?

 

Shay legte den Colonel vorsichtig auf den Boden ab. „Shay...“, meinte der Templer und hustete einen Schwall Blut hervor. Er streifte mit letzter Kraft seinen Ring vom Finger und drückte diesen Shay in seine Hand. Dann schloss Colonel Monro für immer die Augen. Ich schaute auf den Templer und war wie erstarrt. Warum musste ich danebenschießen? Es war alles meine Schuld! Wegen mir wurde Colonel Monro getötet!

 

Warum?

 

Shay kam auf mich zu, legte seinen Arm um mich, doch ich schaute ihn nur aus leeren Augen an. „Faith, alles wird gut.“, flüsterte er mir zu. „Nein Shay...Ich hätte Liam töten sollen...Ich hatte die perfekte Gelegenheit dazu...Ich schoss daneben, obwohl er nur ein paar Meter vor mir stand...Ich bin schuld an Colonel Monro's Tod.“, schluchzte ich und vergrub mein Gesicht an Shay's Brust. „Immerhin haben sie das Manuskript nicht.“, nuschelte ich nach ein paar Minuten des Schweigens. „Wie meinst du das? Ich hatte es den Colonel gegeben.“, fragte Shay mich überrascht. „Der Colonel hat es mir gegeben, weil er das Ziel von Liam war, nicht ich.“, sagte ich traurig. Langsam löste ich mich von Shay und griff in eine meiner Taschen. Vorsichtig zog ich das Buch heraus. „Hier das solltest du wieder an dich nehmen.“, meinte ich traurig. Shay nahm mir das Buch kommentarlos ab und steckte es in eine seiner Taschen. „Komm mo aingeal.“, sagte Shay und in seiner Stimme hörte ich Trauer.

 

Warum hält mir Shay mein Versagen nicht vor?

 

Wir gingen langsam zur Morrigan zurück. Unterwegs begegneten wir Soldaten, welche sich der Leiche des Colonels annahmen. Man würde den Colonel in die St. Peters Episkopal Kirche bringen und ihn dort nach der Totenwache begraben. Mir graute es schon ein wenig davor, obwohl schlimmer als der heutige Tag konnte es nicht mehr werden. Die Sonne begann sich bereits zu senken, als wir die Morrigan endlich erreichten. Hatten wir so lange für das kurze Stück gebraucht? Auf Deck begrüßte uns Gist, doch den losen Spruch den er auf seinen Lippen hatte, blieb bei unseren ernsten Gesichtern in seiner Kehle stecken. Shay erzählte unseren ersten Maat was in der Stadt passiert war. Ich hörte den beiden Herren nur am Rande zu. Mein Blick ging zur Stadt und zu der Rauchsäule, welche noch immer von dem brennenden Haus aufstieg. Hoffentlich schafften es die Soldaten das Feuer zu löschen, bevor es sich noch in der ganzen Stadt ausbreitete.

 

Warum ist Master Gist nicht wütend auf mich?

 

Diese Fragen stellte ich mir immer und immer wieder. Nach ein paar Minuten des Schweigens legte Shay seinen Arm um mich und führte uns beide in unser kleines gemeinsames Reich. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und zog mich auf seinen Schoß. Wir hielten uns fest umschlugen, brauchten die Nähe des anderen mehr als Worte. „Willst du mich nachher zur Kirche begleiten?“, fragte Shay mich nach einer Weile. „Ja ich komme mit, solange ich mich vorher ein wenig frisch machen kann.“, antwortete ich ihn und stand von seinem Schoß auf. Langsam, so als hätte ich kaum noch Kraft zu laufen, ging ich zu meinen Sachen und suchte mir neue Kleidung für die Kirche.

 

Warum soll ich mit?

 

Als wir beide uns umgezogen hatten, gingen wir zurück auf das Deck des Schiffes. Dort erwartete uns schon Gist und zu meiner Überraschung Master Weeks. Shay unterhielt sich noch kurz mit den beiden Templern, dann verließen wir vier die Morrigan. Unser Weg führte durch die Stadt, welche noch immer wie betäubt war. Kein Wunder, keiner der Stadtbewohner hatte mit so einem Angriff gerechnet. Ich schaute mich in der Stadt um, sie war ein wahrer Trümmerhaufen. Viele Häuser waren beschädigt, einige ganz zerstört und die Soldaten, denen wir begegneten räumten viel zu viele Leichen weg. Der Orden hatte diese Schlacht zwar gewonnen, aber zu was für einem Preis? Wie viele unschuldige waren den Schergen der Assassinen zum Opfer gefallen? Ich blickte in eine der kleinen Gassen und sah eine weitere Tote. Eine Frau, wie alt konnte ich nicht sagen, da Shay mich in den Arm nahm und uns weiter zur Kirche führte.

 

Warum mussten all diese Unschuldigen Menschen sterben?

 

Nach einer viertel Stunde erreichten wir die Kirche der Stadt. Auf dem Platz davor hatte sich ein Menschenauflauf gebildet. Ich hörte rufe von Männern, welche die Soldaten voll schrien, das Klagen der Frauen, wenn sie ihre toten Verwandten sahen und das hilflose weinen der Kinder, welche diese Situation überhaupt nicht verstanden. Shay zog mich näher zu sich heran und führte mich so durch die verzweifelte Menschenmenge. Als wir an den Stufen zur Treppe ankamen, lief der kommandierende Offizier auf unsere kleine Truppe zu. „Master Gist, Master Weeks, Master Cormac, My Lady“ begrüßte er uns kurz. „Wenn ihr mir folgen würdet.“, meinte der Major und deutete uns ihm zu folgen.

 

Warum verursachen die Assassinen in den Kolonien so viel Leid?

 

Als wir die Kirche betraten, fielen mir zwei Frauen und zwei Männer auf, welche vor dem toten Körper des Colonel standen. Das Schluchzen der beiden Damen hallte laut in dem Gottes Haus. Langsam gingen wir auf die Familie des Colonels zu. Als seine Tochter uns bemerkte, gab sie ihren Bruder einen Stoß in die Rippen. Dieser drehte sich erstaunt um, blickte zu den Templern und dann zu mir. Seine Augen zeigten kurz Überraschung, dann Hass. Was hatten wir den gemacht? Der Mann kam auf uns zu, genauer gesagt auf mich und wollte schon zu einem Schlag ansetzten, als die drei Templer sich zwischen uns stellten. Was sollte das? Ich sah den jungen Mann doch heute zum ersten Mal, also was hatte ich ihm getan, dass er so reagierte.

 

Warum schaut er mich so hasserfüllt an?

 

William, beruhige dich.“, versuchte Gist den jungen Mann zu beruhigen. „Was macht eine von denen hier. Die sind schuld das mein Vater tot ist.“, schrie er mich an. Ich schaute zu Shay, welcher mich langsam hinter sich schob. „William das täuscht, Miss McGregor war eine gute Freundin eures Vaters.“, versuchte Gist weiter die Situation zu beruhigen. „Aber sie trägt einen Ornat.“, sagte er schon ein wenig leiser. Inzwischen war der Rest von Colonel Monro's Familie zu uns getreten und blickten fragend zwischen uns hin und her. „Sie ist auf unserer Seite.“, meinte nun Jack Weeks. Doch auch das half William nicht sich zu beruhigen. Ich trat hinter Shay hervor, direkt vor die Familie des Colonels. „Es tut mir leid, ich konnte euren Vater nicht beschützen. Wenn es euch hilft eure Wut an mir auszulassen dann tut es, doch nicht hier.“, entschuldigte ich mich. Der Mann vor mir sah mich sprachlos an. „Ihr müsst Faith sein?“, fragte mich die Frau des Colonels. „Ja“, meinte ich etwas überrascht. „Ihr seid gewachsen, seit ich euch das letzte Mal gesehen habe. Ihr könnt euch bestimmt nicht erinnern, wart gerade mal zwei Jahr alt. George und ich besuchten ein Abendessen bei euren Eltern. Ihr wolltet partu nicht ins Bett und habt erst geschlafen als euer Vater euch eine Geschichte erzählt hatte.“, erzählte sie ruhig und nahm mich dann einfach in den Arm. „Ihr habt euer Bestes gegeben. Es ist nicht eure Schuld.“, meinte sie und lächelte mich an. „William entschuldige dich bei ihr“, befahl sie ihren Sohn. Als dieser sich höflichst bei mir entschuldigt hatte, verabschiedete sie sich von uns und verließ mit ihrer Familie die Kirche.

 

Warum kann Sie mir vergeben?

 

Wir gingen zum Colonel und jeder von uns war in seinen eigenen Gedanken vertieft. Nach einer Stunde verließen Gist und Jack die Kirche und wir waren allein. Es kamen immer wieder Leute, um den Colonel die letzte Ehre zu erweisen. Mitternacht war bereits verstrichen und wir beide hielten weiter Wache. „Shay...“, fing ich an doch ich wusste nicht wie ich meinen Liebsten die Neuigkeiten über meinen Vater sagen konnte. Mir fehlten die Worte. „Was hast du auf den Herzen?“, fragte Shay mich sanft und zog mich noch ein Stück weiter an sich ran. „Ich habe letztes Jahr den Colonel um einen Gefallen gebeten... Er sollte mir ein paar Informationen über den Angriff in meiner Kindheit besorgen und er hat tatsächlich was rausbekommen... sogar mehr als ich je dachte. Mein Vater wurde nicht wegen seines Geldes umgebracht, Master Birch war nicht sein Mörder, sondern die Assassinen der englischen Bruderschaft. Mein Vater hatte ein Artefakt der Vorläufer in seinem Besitz. Die Assassinen müssen das herausgefunden haben und mein Vater hat ihnen das bestimmt nicht freiwillig gegeben. Aus diesem Grund wurde er getötet. Die ganze Zeit dachte ich der Orden wäre schuld, dabei war es die Bruderschaft zu der ich gehöre.“, sagte ich weinend. Shay zog mich auf seinen Schoß und tröstete mich bis in den Morgengrauen.

 

Warum hören diese Zweifel nicht auf?

 

Als die Sonne am Horizont aufging, füllte sich die Kirche erneut mit Menschen. Wir saßen in der letzten Reihe und beobachteten still die Beerdigung des Colonels. Als wir die Kirche endlich verließen, blendete uns die Mittagssonne. „Geht es dir besser?“, fragte Shay mich und nahm meine Hand. Mein knurrender Magen übernahm meine Antwort und Shay lachte. „Wie wäre es, wenn wir was essen gehen und dann endlich nach Hause segeln.“, schlug Shay mir vor. „Das ist ein super Vorschlag, mo chride. Und eine Mütze voll Schlaf wäre auch nicht verkehrt.“, meinte ich lächelnd und dachte nicht mehr an das Warum, sondern dankte dem Colonel, dass er mir das Leben gerettet hatte.

 

 

 

 

Am nächsten Tag setzten wir Segel in Richtung New York. Hier in Albany hielt uns nichts mehr und ich freute mich nach so einer langen Seereise endlich ein Bad zu nehmen. Ein Luxus auf den ich leider an Bord verzichten musste. Meine Zweifel waren durch die Worte des Colonels nur größer geworden, aber ich würde jetzt nicht einfach so zu den Templern wechseln. Obwohl die englische Bruderschaft mir meinen Vater genommen hatte, würde ich nicht einfach meiner Familie den Rücken kehren. Wusste John davon, dass einer seiner Brüder seinen Bruder getötet hatte? Oder war er es sogar selbst? Meine Gedanken drehten sich immer wieder im Kreis und ich kam einfach zu keinem eindeutigen Ergebnis.

 

 

Unser erster Maat unterbrach meine Gedanken. Ich schreckte regelrecht auf, als ich seine Hand an meiner Schulter spürte. „So schreckhaft Schätzchen?“, fragte mich Gist grinsend. „Nur in Gedanken.“, sagte ich und blickte an das Flussufer. „Das bist du schon den ganzen Morgen, was bedrückt dich? Deinem treuen Freund Christopher Gist kannst du alles erzählen.“, meinte er und legte seinen Arm um meine Schulter. „Es ist nichts.“, meinte ich grinsend und wand mich aus seiner freundschaftlichen Umarmung. „Wenn du es sagst.“, beließ er es. „Was wolltest du von mir Christopher?“, fragte ich ihn „Ach ja, hätte ich beinah vergessen.“, meinte er und kramte schon in einer seiner Manteltaschen. „Hier. Der Colonel gab es mir vor ein paar Tagen und meinte ich solle es dir geben, falls ihm etwas passiert.“, sagte er und überreichte mir einen Brief. Ich nahm ihn und öffnete den Brief sogleich.

 

Nachdem ich den Brief mehrmals gelesen hatte waren meine Zweifel wieder da. Der Colonel hatte also noch mehr herausgefunden. Ich dem Brief standen die Namen von drei Templern. Diese Herren hatten Anna vor meinen Augen vergewaltigt und mich fast getötet. Zwei der Herren waren zurzeit in England und damit unerreichbar für mich. Doch ein gewisser Major Mason Evans hielt sich in der Karibik auf. Wenn ich doch nur irgendwie dorthin käme? Ich schaute zu meinem Liebsten, welcher die Morrigan ruhig über den Fluss steuerte. Ich könnte Shay fragen, aber er würde in den nächsten Tagen in den Orden treten und könnte mir bei diesem Problem nicht wirklich helfen. Ich würde nie von ihm verlangen einen seiner Ordensbrüder zu töten. Argh! Das war zum verrückt werden!

 

Was sollte ich jetzt tun? Ich lehnte mich an die Reling und schloss meine Augen. Vor meinem inneren Auge sah ich unser altes Versteck. Ich sah wie Anna vor meinen Augen von den Soldaten missbraucht wurde und sie sie dann erschossen. Ich öffnete wieder meine Augen, blickte stur zum Rand des Flussufers und versuchte meine Tränen zurückzuhalten. Jahrelang hatte ich nicht mehr wegen dieses Vorfalls geweint, wieso jetzt? Vielleicht weil es deine Schuld war, dass alle getötet wurden. Diese Männer waren nur hinter dir her, deine Freunde waren ein Kollateralschaden, sagte eine kleine Stimme in meinen Kopf. „Hey was ist los mo aingeal?“, holte mich Shay aus meinen Gedanken. Ohne ihn anzusehen, reichte ich Shay den Brief des Colonels, damit er ihn lesen konnte.

 

Shay fing an den Brief zu lesen und sein Gesichtsausdruck wurde mit jeder Zeile immer ernster. Als er fertig war gab er mir den Brief zurück und atmete ein paar Mal tief durch. „Was willst du jetzt tun?“, fragte er mich ruhig. „Ich habe keine Ahnung. Ein Teil in mir sagt hol dir diesen Bastard und töte ihn grauenvoll, ein anderer Teil in mir sagt lass es bleiben es bringt nur unnütz Ärger.“, beantworte ich Shay's Frage. „Ich kann dir nicht wirklich helfen, doch egal wie du dich entscheidest ich werde dir zur Seite stehen.“ „Wenn ich nur mehr über diesen Kerl wüsste?“, meinte ich mehr zu mir selbst als zu Shay. „Master Gist“, rief Shay zu seinem ersten Maat. „Was gibt’s Captain?“ „Kennt ihr einen Major Mason Evans?“, frage er den Templer. Dachte Shay etwa Gist könnte den Mann kennen? Das wäre sehr verwunderlich, obwohl unser erster Maat war vor vielen Jahren Landvermesser und kannte in den Kolonien wirklich die unterschiedlichsten Menschen.

 

Major Mason Evans...ich glaube ich habe den Namen schon mal gehört. Als ich auf der Braddock-Expedition war begegnete ich einen Mason Evans. War durch und durch loyal zu General Edward Braddock. Er war Templer, korrupt und liebte die Frauen. Warum Captain?“ wollte Gist von Shay wissen. „Nur so, könnte ihn noch jemand kennen?“, fragte ich unseren ersten Maat weiter. „Wenn dann Master Lee oder Master Pitcairn, sind beide in der englischen Armee.“ antwortete Gist „Darf ich fragen wieso du so ein Interesse an dem Kerl hast Schätzchen?“ „Er hat vor einigen Jahren meine Freundin ermordet. Ich will ihn umbringen.“, beantworte ich trocken seine Frage und hatte damit meine Entscheidung getroffen.

 

Gist schaute mich sprachlos an. „ Heißt das du willst jetzt gegen den Orden kämpfen? Ich dachte du hilfst uns und du würdest doch nie gegen Shay...“ „Nein, ich habe dem Colonel versprochen den hiesigen Orden in Ruhe zu lassen, aber Evans ist in der Karibik.“, unterbrach ich Christopher „Na dann bin ich beruhigt. Dachte schon du willst mir den Hals umdrehen. Dich möchte ich nämlich nicht zur Feindin.“, grinste Gist nun wieder beruhigt. „Ich werde Master Lee bei Gelegenheit fragen, doch Faith, Shay ihr müsst euch eine verdammt gute Ausrede bei Master Kenway einfallen lassen, warum ihr in die Karibik segelt.“, meinte er und ich freute mich das Gist mir helfen wollte. „Das werden wir Master Gist. Shay willst du nicht deine Geschäfte ein wenig erweitern?“, sagte ich zu den beiden. „Gute Idee, Prinzessin. Und was ist deine Ausrede?“ „Ich bin doch die Schiffsärztin.“, meinte ich nur. „Gut dann haben wir ja jetzt einen Plan, Captain.“, meinte Gist. „Danke“, sagte ich nur zu den beiden.

 

 

Shay übernahm wieder das Steuer der Morrigan und winkte mich zu sich. „Ich lass euch beide mal allein.“, verabschiedete sich Gist grinsend bei uns und ging unter Deck. „Was ist Shay?“, fragte ich meinen Liebsten. Er antwortete mir nicht, zog mich einfach zu sich und stellte mich direkt vor das Steuerruder der Morrigan. „Was soll das werden, mo chride?“, fragte ich skeptisch. Shay nahm einfach meine Hände und legte diese an das Ruder. „Ich werde dir jetzt beibringen wie du unsere stolze Lady steuerst.“, flüsterte Shay mir ins Ohr und hauchte noch einen zarten Kuss auf meinen Nacken. Ein kleiner Schauer durchlief meinen Körper. „Halte einfach das Ruder mit beiden Händen fest und schaue über den Bug gerade aus, um die Richtung zu halten.“ erklärte er mir. Ich tat was Shay gesagt hatte und es war wirklich einfach, gar nicht anstrengend. „Ist wirklich einfach.“, grinste ich. Shay lachte und ließ mit einmal meine Hände los und trat ein Stück nach hinten. Genau in diesen Augenblick kam eine Windböe auf und erfasste die Segel des Schiffes. Ich hielt mit aller Kraft das Ruder gerade, aber es rutsche mir aus der Hand und das Schiff schwankte bedrohlich. Dir Matrosen sahen genervt zur Brücke und einige fluchten vor sich hin. Als Shay mir zu Hilfe kam, trieb die Morrigan schon quer zur Strömung im Fluss.

 

 

Immer noch einfach Prinzessin?“, fragte Shay mich lachend. „Mit ein wenig Übung klappt das bald, war ja auch mein erster Versuch.“, grummelte ich in seine Richtung. „Dann kommt jetzt Versuch Nummer zwei. Männer holt die Segel ein.“, bellte Shay seinen Befehl, welche die Mannschaft nur zu gern nachkam. „Je weniger Segel gesetzt ist, desto leichter lässt sich die Morrigan lenken. Sie ist dann aber auch langsamer.“, erklärte Shay mir. Ich drehte meinen Kopf ein Stück zur Seite und sah das seine Augen richtig leuchteten. Ihm schien es richtig Spaß zu machen, mir das segeln beizubringen. So gelöst wie er in diesem Moment war, sah ich ihn selten. Nachdem die Segel gerafft waren, brachte Shay das Schiff wieder auf Kurs und ich durfte unter seiner Aufsicht schön weiter üben, bis die Sonne langsam unterging.

 

*****

 

 

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages erreichten wir endlich New York. In der Stadt würden wir circa eine Woche bleiben, dann sollte es in die Karibik gehen, genauer nach Kingston. Major Evans war dort der kommandierende Offizier in der Festung. Kaum waren wir an Land, verabschiedete ich mich bei Shay. „Warum bleibst du nicht einfach bei mir? In der Villa ist genug Platz für uns beide.“, versuchte Shay mich zum wiederholten male zu überreden bei ihm einzuziehen. „Du kennst die Antwort mo chride. Und nun muss ich los. Wir sehen uns später, okay?“, „Ausnahmsweise.“, murmelte Shay an meinen Mund und gab mir einen heißen Abschiedskuss.

 

Kurz vorm Mittag erreichte ich das Appel Pie. Ich ging durch die Hintertür in die Küche, stellte meine Sachen in mein kleines Arbeitszimmer, dann schaute ich erst mal nach meiner treuen Gefährtin. Das tat ich immer als erstes, wenn ich von einer Seereise heimkam, zu meinem Pferd gehen und mich bei ihr für meine lange Abwesenheit zu entschuldigen. Banfhlath wieherte fröhlich als sie sah wer auf sie zukam. „Na mo maise hoffe du hast dich anständig benommen. Wollen wir heute Nachmittag eine Runde reiten?“, fragte ich das Pferd. Es folgte wieder ein wiehern, so als wüsste die Stute genau was ich gesagt hatte. Ich legte noch ein wenig Heu in ihre Raufe, dann ging ich wieder ins Haus, um mich bei der guten Margery zu melden, dass sie mich wieder für eine Woche auf dem Hals hatte.

 

 

Kaum hatte ich die Küche betreten, kam auch schon der Hausdrache zu mir. „Du bist wieder da und siehst schrecklich aus.“, begrüßte Margery mich. Na das war ja mal eine wirklich nette Begrüßung von ihr. Doch bevor ich ein Wort sagen konnte erzählte die Gute einfach weiter. Sie klärte mich auf wer mit wem in der Nachbarschaft zusammen war, welche Familie ein neues Familienmitglied bekam, das Caroline seit kurzer Zeit einen neuen Mann kennengelernt hatte und noch vieles mehr. Ich nickte interessiert und schaltete mein Gehirn ab. Ja es war doch schön wieder zu Hause zu sein.

 

 

Gegen drei Uhr sattelte ich meine Gefährtin und ritt mit ihr nach King's Farm. Ich schaute mich in der Stadt um. Es gab jedes Mal neue Häuser, die Stadt wuchs prächtig, obwohl Krieg herrschte. Kurz vor der Stadtgrenze lies ich Banfhlath im Galopp laufen und meine Gefährtin freute sich riesig über die Bewegung. Als es anfing zu dämmern schlug ich den Weg zum Appel Pie ein, Margery hatte mich heute Mittag noch gefragt ob ich ein wenig aushelfen könnte. Ich brachte meine Gefährtin zurück in den Stall, machte für sie alles fertig für die Nacht, bevor ich mich in die Arbeit stürze.

 

 

*****

 

 

Es war kurz vor Mitternacht, als Margery meinte das ein Herr mich sehen wollte. Ich betrat den Schankraum und blieb wie angewurzelt stehen. Was wollte er hier? fragte ich mich und schaute den Mann vor mir an wie einen Geist. Der Herr bemerkte mich „Guten Abend Miss Williams.“, begrüßte mich Haytham. Ich wusste nicht wie ich reagieren sollte und stand wie eine Salzsäule vor ihm. „Wie wäre es, wenn wir uns setzen.“, meinte er nur, griff meinen Arm und führte mich zu einem der Tische. Mein Körper reagiert automatisch, sonst wäre ich wohl möglich noch vom Stuhl gefallen, als ich mich hinsetzte. Was wollte der Großmeister von mir? „Nun meine Liebe, wenn du mal aus deiner Starre kommen könntest, ich habe ein paar Fragen an dich.“, fing er an „Sorry...Was wollt ihr hier?“, fand ich endlich meine Stimme wieder. „Ganz einfach. Warum wollt ihr etwas über Mason Evans erfahren?“, fragte er mich. Woher wusste er davon. Als könnte der Großmeister meine Gedanken lesen fuhr er fort. „Ich habe eins und eins zusammengezählt. Master Gist erkundigt sich bei Charles über besagten Herren und Master Cormac will aus heiteren Himmel seine Geschäfte in der Karibik ausbauen. Das war kein gut durchdachter Plan von euch dreien. Also was ist der wirkliche Grund, Miss Williams?“, erzählte mir Haytham.

 

 

Ich griff in meine Tasche und holte den Brief des Colonels heraus und gab das Papierstück dem Großmeister. Er nahm ihn ab und las mit leicht gerunzelter Stirn den Inhalt des Briefes. Nachdem Haytham zu Ende gelesen hatte, wollte er schon was sagen, aber ich unterbrach ihn „Ich will ihn töten und du kannst mich nicht davon abhalten. Eigentlich wollte ich die beiden da nicht mit hineinziehen, doch Shay davon abzuhalten, das könntest nicht mal du Haytham. Dieser Templer gehörte einer Truppe Deserteure an, welche meine beste Freundin vor meinen Augen vergewaltigten und mich fast zu tote quälten. Der Anführer dieser Truppe war Master James Law. Mason Evans hielt mich fest und zwang mich die ganze Zeit zuzuschauen wie meine beste Freundin missbraucht wurde. Ich habe mir geschworen alle sechs Mistkerle dafür büßen zu lassen. Leider war die britische Armee schneller und hat schon zwei von den Kerlen gehängt. Doch der Rest gehört mir. Colonel Monro war so nett mir zu helfen.“ sagte ich und merkte wie meine Stimme brach. Ich spürte eine Hand auf meinen Arm, schnell schaute ich auf und blickte in die Augen des Großmeisters. „Ich weiß nichts davon, wenn du sie tötest dann ist das so. Du bist ein Assassine ich kann dich nicht...will dich nicht bei deinem Rache Zug aufhalten. Nur passt auf das diese Aktion nicht zum kolonialen Ritus zurückzuführen ist.“, meinte er ruhig. „Ich...wir werden aufpassen Haytham. Aber mach bitte wegen mir nicht Shay das Leben schwer.“ „Ich werde es versuchen.“, mit diesen Worten stand Haytham auf und wankte leicht.

 

Hatte der Großmeister etwa ein wenig zu tief ins Glas geschaut? „Wie viel hast du getrunken?“, wollte ich von ihm wissen. „Einiges, nicht jeden Tag nehmen wir eine so talentierten Mann in unsere Reihen auf. Master Cormac könnte sogar einer unserer Besten werden.“, murmelte er in seinen nichtvorhandenen Bart. Der Großmeister drehte sich nochmal zu mir um. „Du bist aber bis Ende Oktober wieder zurück, sonst wird mir deine Großmutter den Kopf abreisen.“ lallte er leicht, dann verließ der Großmeister die Taverne. Von Draußen hörte ich das Klappern einer Kutschentür, gut immerhin musste Haytham nicht laufen, dachte ich. Nachdem ich noch schnell das Geschirr weggeräumt hatte, fiel ich in mein Bett und war nach ein paar Minuten eingeschlafen.

 

 

 

Als das erste Licht der Morgensonne in mein Fenster schien, wachte ich wie gerädert auf. Mein Schlaf war alles andere als erholsam. In meinen Träumen sah ich wieder Anna, welche mit leblosen Blick zur Decke starrte, dann verwandelte sich meine Freundin in eines der Opfer aus Lissabon. So ging es fast die ganze Nacht, ich hatte schon lange keinen Alptraum mehr gehabt. Diese Nacht musste ich wieder bei Shay schlafen, da hatte ich solche Träume nicht. Irgendwie half mir seine Anwesenheit dabei. Ich stand auf, streckte mich ausgiebig, zog mein einfaches braunes Kleid an und ging in die Küche runter. Dort entfachte ich als erstes das Feuer, holte Wasser aus dem Brunnen, damit ich eine Kanne Kaffee kochen konnte. Dieses schwarze Getränk brauchte ich jetzt wirklich.

 

 

Mein Kaffee dampfte in einer Tasse auf dem Esstisch vor sich hin. Während das Getränk abkühlte bereitete ich schon mal das Frühstück für alle vor. Ich nahm einen Topf und begann darin das Porridge zuzubereiten. Das Frühstück kochte langsam vor sich hin, ich trank genüsslich meinen Kaffee und musste noch immer über den angetrunkenen Haytham schmunzeln. Der Großmeister hatte mich zum Schluss geduzt, das hätte er sonst nie getan. Meine Gedanken wurden durch Schritte von der Treppe unterbrochen. Mein Blick wanderte zur Tür und dort sah ich Caroline stehen. Sie stutze kurz als sie mich bemerkte, dann lächelte sie mich an und kam auf mich zu, um mich zu umarmen. „Morgen Faith, schön dass du wieder da bist. Ich habe tolle Neuigkeiten für dich.“, begrüßte sie mich. „Na dann leg mal los.“, antwortete ich ihr. „Gleich, willst du noch einen Kaffee?“

 

 

Ich nickte ihr zu und fünf Minuten später erzählte mir Caroline was alles in meiner Abwesenheit passiert war. Sie erzählte das Robert Wilson endlich einen weiteren Teil des Krankenhauses der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte. Das waren tolle Nachrichten und ich beschloss dem Arzt in dieser Woche noch einen Besuch abzustatten. Seit wir uns letzten Winter kennengelernt hatten, arbeiteten wir zusammen in dem Krankenhaus. Es war meine tägliche Arbeit, wenn ich nicht gerade auf See war und ich liebte es den Menschen dort zu helfen. Doch ich würde an erster Stelle die Schiffsärztin der Morrigan bleiben, dafür bekam ich nämlich Geld, das andere tat ich ehrenamtlich um so meine Zeit sinnvoller zu nutzen.

 

Ich hörte meiner Freundin nur noch mit halben Ohr zu, Lästereien lagen mir noch nie wirklich, als ein Name meine Aufmerksamkeit erregte. „Kannst du das nochmal wiederholen?“, unterbrach ich Caro's Redefluss. Sie schaute mich komisch an. „Nun falls du wieder mit deinem Kopf bei deinem Liebsten warst, ich habe vor ein paar Wochen jemanden kennengelernt. Er ist sehr nett, kommt aus der Nähe von Boston. Er ist Ire und nun weiß ich warum du dich für Shay entschieden hast. Sind die alle so gut im Bett? Liam ist der Hammer, Faith. Wieso schaust du mich so an als wäre ich ein Geist, ma amie?“, erzählte sie mir mit träumerischen Blick. „Es ist nichts. Ich kenne nur einen Mann der so heißt und Caro bitte halte dich ab jetzt von ihm fern. Er wird dir das Herz brechen“, flehte ich meine Freundin an. Sie schnaubte nur ungehalten. „Na klar die große Faith darf mit ihrem Geliebten zusammen sein, doch ich soll ihn einfach so in den Wind schießen, nur weil es dir nicht passt?! Du bist eine egoistische Kuh Faith!“, schrie sie mich an und verschwand aus der Küche in Richtung ihres Zimmers.

 

Ich atmete hörbar aus, stand ebenfalls vom Tisch auf und räumte unsere Tassen in den Abwasch. Vielleicht hatte ich mich geirrt, es gab bestimmt einige Männer da draußen die den Namen Liam trugen. Er musst nicht unbedingt der Liam O'Brain sein, welcher mich fast getötet hatte. Ja so musste es sein, dachte ich und lief zum Stall. Drinnen fütterte ich die Tiere der Grants, so eine Aufgabe brachte mich meistens auf andere Gedanken, doch heute schien das absolut nicht zu helfen. Die Tiere waren gefüttert, schnell sattelte ich meine treue Gefährtin und schon ritt ich los. Erstmal musste ich auf andere Gedanken kommen, dann würde ich bei Robert vorbeischauen, um ihm und seiner Schwester zu helfen.

 

*****

 

Am Nachmittag war ich fertig mit meiner Arbeit im Krankenhaus und meine Gefährtin führte mich ohne mein zu tun durch die Stadt. Banfhlath würde mich schon an den richtigen Ort bringen. Mein Pferd blieb stehen und eine Stimme fragte mich nach dem Passierschein. Ich schaute hoch und grinste. Banfhlath hatte mich zu Shay gebracht, kluges Pferd. Ich zeigte dem Soldaten den Passierschein und ritt in Richtung der Ställe. Einer der Stall Knechte kam mir entgegen und führte mein Pferd in den Stall, nachdem ich abgestiegen war. Ich bat den Stallknecht noch meine Satteltasche reinzubringen, dann begab ich mich in die Villa.

 

Ich öffnete die Tür zu Shay's Arbeitszimmer und schaute nicht schlecht als ich sah, dass der Raum eine neue Dekoration bekommen hatte. Shay blickte von seinem Schreibtisch auf und schenkte mir ein lächeln. Ich trat ein, schloss die Tür und erblickte an der Decke zwei Banner mit dem Tatzenkreuz. Mein Liebster hatte sich in der Zwischenzeit von seinem Platz erhoben und kam auf mich zu. Mein Blick schweifte von der neuen Deko zu meinem Geliebten und auch er hatte eine andere Montur an als gestern früh. Seine neue Kleidung war aufwendiger verziert und in einem schwarzrot gehalten. Als weitere Erneuerung trug Shay eine Schärpe um seine Hüfte, auf welcher ebenfalls das Tatzenkreuz zu sehen war.

 

Shay blieb vor mir stehen und schaute mich an. War da etwa Unsicherheit in seinem Blick? Das kannte ich gar nicht von ihm. Ich sah Shay in die Augen und lächelte ihn an, bevor ich ihm einen stürmischen Kuss gab. Wir lösten uns nach einer kleinen Ewigkeit voneinander und schauten uns schüchtern an. Was war mit uns los, wir benahmen uns gerade als ob wir uns zu ersten Mal sahen. „Nette Dekoration, Shay.“, sagte ich um die Stille zwischen uns zu brechen. Shay antwortete mir nicht, aber auf sein Gesicht stahl sich ein kleines Grinsen. Shay nahm meine Hand und führte mich zu seinem Schreibtisch. „Setzt dich hin Prinzessin, ich plane gerade unsere Route nach Kingston.“, sagte er und machte sich wieder an seine Arbeit.

 

Ich setzte mich auf den Stuhl gegenüber von ihm. „Master Kenway hat mich gestern Abend besucht.“, fing ich an zu reden. Shay blickte von seiner Arbeit hoch. „Ich weiß, Prinzessin. Er hat unseren Plan durchschaut und wollte noch mir dir Reden. Ich meinte zu ihm, dass er dich am besten selbst fragen sollte, warum du so ein Interesse an Mason Evans hast. Was hast du ihm gesagt?“ „Die Wahrheit, Shay.“ „Und?“ „Solange es nicht mit den Kolonialen Ritus in Verbindung kommt wird er uns nicht aufhalten.“ „Na dann werden wir wohl in fünf Tagen nach Kingston aufbrechen. Aber noch was anderes Faith, steht dir cremefarben?“, wechselte Shay das Thema. „Warum cremefarben, mo chride?“, fragte ich meinen Templer skeptisch. „Na ja... es ist so... Ich weiß das du so was eigentlich nicht magst, aber würdest du mich zu einem Abendessen bei Richter Davidson begleiten?“, fragte er mich leise. Hatte Shay mich das wirklich gefragt? Ich sah meinen Templer an „Ich habe kein Kleid für eine solche Veranstaltung und es ist Jahre her...“, fing ich an mich rauszureden. „Du musst nicht, aber es wäre schön, wenn du mitkommen kannst. Ein Kleid habe ich für dich, Prinzessin.“, sagte Shay zu mir.

 

 

Er nahm meine Hand um mir aufzuhelfen und führte mich in sein Ankleidezimmer. Dort zwischen seinen verschiedenen Monturen war ein traumhaftes cremefarbenes Abendkleid. Ich ging zu der Kleiderpuppe, berührte vorsichtig das Kleid und ein lächeln schlich sich auf meinen Mund. Es war schon ein paar Jahre her, dass ich ein solches aufwendig gearbeitetes Kleid tragen durfte. „Deshalb Cremefarben.“, murmelte ich. „Gefällt es dir. Ich habe deiner Freundin Ellen nur gesagt sie solle sich was für dich einfallen lassen.“ meinte er, legte seinen Arm um mich und küsste sanft meinen Nacken. Ich drehte mich zu Shay um, machte einen kleinen Knicks in seine Richtung „Master Cormac es wäre mir eine Ehre euch heute Abend zu begleiten.“ „Die Ehre ist ganz meinerseits, Lady McGregor.“, antwortete Shay mir grinsend.

 

Als gegen sechs Uhr eine Kutsche vorfuhr, war ich alles andere als ruhig. Hoffentlich blamierte ich Shay nicht. Ich blickte nochmal in den Spiegel, schaute das mein Make Up richtig saß. Mein Spiegelbild gefiel mir. „Bist du soweit?“, fragte Shay mich. Ich nickte ihm zu und zusammen stiegen wir in die Kutsche. „Wo wohnt Richter Davidson?“, fragte ich meinen Templer, als wir losfuhren. „Er hat ein kleines Häuschen im East Village, Prinzessin.“ „Ich bezweifle das es klein ist. Und woher kennst du den Richter?“, löcherte ich meinen Liebsten weiter mit Fragen. „Als ich vor einem viertel Jahr in Lower Manhattan ein Haus erworben habe um es zu renovieren, da half er mir mit einigen Formalitäten. Das Haus gehörte einem alten Mann, welcher nicht mehr richtig bei Verstand war. Daher kenne ich Richter Davidson. Wir haben zusammen einige Geschäfte laufen.“, erklärte mir Shay. „Okay sonst noch was das ich wissen müsste?“, fragte ich weiter. „Nun er wollte, dass ich seine älteste Tochter heirate. Ich habe aber höflich abgelehnt.“, grinste er mich an. „Das will ich auch hoffen, Master Cormac.“

 

Wir kamen nach zwanzig Minuten bei dem Haus an, der Kutscher öffnete uns die Tür und Shay half mir beim Aussteigen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich diese hochhackigen Schuhe hasste. Ich musste höllisch aufpassen nicht umzuknicken und hinzufallen. Wir näherten uns dem Eingang da flüsterte Shay mir ins Ohr „Du wirst es schaffen, mo aingeal. Du bist bezaubernd.“ Ich lächelte meinen Begleiter liebevoll zu. „Ich liebe dich.“, flüsterte ich zurück. Shay küsste kurz mein Haupt. „Ich weiß, Prinzessin. Wollen wir uns dann den Löwen zum Fraß vorwerfen. Habe ich schon erwähnt das Master Kenway ebenfalls anwesend ist.“, meinte er so ganz nebenbei und trat durch die große Eingangstür. „Hast du wohl vergessen zu erwähnen.“, murmelte ich ihm zu und versuchte den Stich in meinem Herzen über seine Antwort zu ignorieren.

 

Der Diener kündigte uns bei Richter Davidson und seiner Frau an. „Master Cormac, welch eine Freude mein Freund. Wer ist eure wundervolle Begleitung?“, begrüßte er Shay, doch bevor Shay auf die Frage des Richters antworten konnte, sprach eine Stimme hinter mir. „Richter Davidson, die Dame ist Faith Williams McGregor.“ Ich drehte mich zu dem Mann hinter mir um und schaute in die blauen Augen von Haytham Kenway. „Oh Master Kenway welche Ehre das Ihr da seid. Sagtet ihr Williams. Etwa wie Lion Williams, der Besitzer von mindestens vierzig Handelsschiffen und einer der reichsten Männer in Europas?“ fragte der Richter erstaunt nach. „Genau dieser Herr. Die Dame ist seine Enkelin.“, beendete Haytham seine Erklärung über meine Person. Shay schaute mich überrascht an. Ja dieses kleine Detail über meine Familie hatte ich bewusst verschwiegen.

Bevor ich überhaupt was sagen konnte, führte uns der Richter in seinen Salon und stellte uns seinen Gästen vor. Ich warf Shay einen Blick zu, der ihm sagte das wir später über alles reden würden. Warum musste Haytham auch ausgerechnet meinen Großvater erwähnen?

 

 

Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft wurde das Essen serviert. Es gab die verschiedensten Speisen und viele kannte ich noch von meinem Leben bei Lady Melanie. Ich schaute auf meinen Platz, welcher mit einem Teller und verschiedenen Besteck gedeckt war. Hoffentlich wusste ich noch, welche Gabel für was gebraucht wurde. Was hatte Lady Melanie damals zu mir gesagt. Von außen nach innen und bei den Gläsern umgekehrt. Ein Räuspern mir gegenüber holte mich aus meiner kleiner Erinnerung. „Miss Williams es ist mir eine Ehre euch kennenzulernen“, zwitscherte eine Dame im mittleren Alter mir zu. „Ich bin Bridget Davidson, mein Mann hat es wohl wieder mal versäumt mich vorzustellen.“, plapperte sie freudig weiter. „Es freut mich sehr.“, lächelte ich sie an. Mein Blick schweifte über die anwesenden Gäste und blieb an Shay hängen. Er saß neben dem Richter am anderen Ende des Tisches. „Seid froh das ihr nicht bei Master Cormac seid, das einzige über was die Herren reden ist ihr Geschäft. Ermüdend. Und was macht ihr so den ganzen Tag?“, flötete die Gattin des Richters.

 

Ich arbeite in einem Hospital als Heilerin.“, antwortete ich knapp und stocherte ein wenig in der Suppe rum. „Ihr seid Heilerin, wirklich?“, sprach sie überrascht und verkippte fast ihren Wein, welchen sie gerade trinken wollte. „Dann kennt ihr bestimmt Master Church. Er sitzt dort neben Master Kenway. Er ist ein brillanter Chirurg und behandelt nur angesehene Leute.“, lobte sie diesen Mann. Ich tat so als würde ich mich auf mein Essen konzentrieren und hörte der Dame einfach zu. Sie sprach unbeirrt weiter und schien von mir noch nicht mal eine Antwort zu erwarten. Ich nickte einfach, setzte mein schönstes Lächeln auf und tat so als würde mich das Gerede der Leute interessieren.

 

Als endlich das Essen vorbei war, dachte ich wir könnten langsam gehen, aber ich hatte mich getäuscht. Die Damen gingen in den Salon um zu tratschen und die Herren in das Kaminzimmer. Ich folgte den Damen und hoffe das die Männer nicht solange ihre Geschäfte beredeten. Bevor ich aber den Salon erreichte, entdeckte ich den Großmeister. Nun jetzt würde Haytham was erleben. Ich hatte seinen Plan schon früh an diesen Abend durchschaut. Er benutze mich und meinen Namen für den Orden. Shay konnte ich keinen Vorwurf machen, denn er wusste nichts über meine Familie, oder doch? Eigentlich hatte ich bis jetzt immer verschwiegen, wer die Familie meines Vaters war, aber vielleicht hatte ihm Haytham was von meiner Vergangenheit erzählt oder Shay wusste es nicht und würde mich später danach fragen. So oder so hatte Haytham mich in eine verzwickte Lage gebracht.

Ich atmete kurz durch, dann folgte ich dem Großmeister auf die Terrasse des Hauses. Ich musste mich kurz an die Dunkelheit gewöhnen, aber dann sah ich ihn. Haytham stand mit dem Rücken zu mir und blickte in den Garten der Davidson. „Du nutzt meine Beziehung zu Shay einfach aus um den Orden zu stärken.“, sagte ich vorwurfsvoll zu ihm.

 

 

Der Großmeister drehte sich zu mir um und sein kühler Blick traf den meinen. „Wenn es für uns zum Vorteil ist tute ich es. Außerdem Miss Williams ist es auch für euch von Vorteil. Je stärker der Orden, desto besser könnt ihr euch hinter uns verstecken. Also regt euch nicht auf, das steht euren hübschen Gesicht nicht. Geht wieder rein und lächelt, ganz so wie es Lady Melanie euch beigebracht hat.“, sagte er und drehte sich wieder zum Garten um. Für ihn war wohl das Gespräch beendet, doch für mich noch nicht. „Ich verstecke mich nicht hinter dem Orden. Ohne mich hättet ihr noch nicht mal das Manuskript.“, knurrte ich ihn an. Haytham war innerhalb eines Augenblickes bei mir und funkelte mich zornig an. „Ihr wäret tot ohne Master Cormac, also solltet ihr mir danken dass ich eure kleine Liaison erlaube. Im Gegensatz zu den anderen habe ich euren Nutzen gleich erkannt, Faith. Nun seid ein braves Frauchen und macht was ich euch sage oder ...“ „Oder was? Tötest du mich? Das kannst du nicht, damit würdest du den Zorn meiner Großeltern auf dich ziehen.“, unterbrach ich ihn. „Ich weiß und das ist der einzige Grund warum ich dich damals in Lexigton nicht gleich umgebracht habe, obwohl alles an dir nach Assassine rief. Was schaust du so überrascht? Ich habe dich gleich erkannt...deine Augen verraten dich. Sie haben die gleiche Farbe wie die deines Vaters. Nie habe ich ein solches Blau gesehen.“, sagte er und war dabei meinem Gesicht ziemlich nah.

 

Mir wurde die Nähe langsam unangenehm und ich nahm einen tiefen Atemzug, welcher sich als großer Fehler herausstellte. Ich roch den Mann vor mir und es war nicht unangenehm. Der Duft von Papier und Tinte gemischt mit seinem eigenen Duft hatte eindeutig seine Wirkung auf mich. Ich sah ihm in die Augen und mein Blick glitt kurz zu seinen Lippen. Wieso machte ich das? Ich war doch mit Shay zusammen und liebte ihn. Also warum dachte ich daran Haytham zu küssen? Ganz einfach, weil er dir nicht sagen kann das er dich liebt und dir jedes Mal mit ich weiß antwortet, sagte ein keine Stimme in meinen Gedanken. „Habt ihr etwa eure Stimme verloren, Miss Williams?“, flüsterte der Großmeister in mein Ohr und er schien sich seiner Wirkung auf mich sicher zu sein. Wie machte er das nur? „Nun geh zu Master Cormac und sei sein kleines braves Frauchen und spiele deine Rolle.“, meinte er und trat einen kleinen Schritt zurück.

 

Ich stand noch zwei Sekunden wie erstarrt da, dann hob ich meine Hand und verpasste Haytham eine Ohrfeige. Der Großmeister blickte mich grimmig an, doch ich wartete seine Reaktion nicht ab, drehte mich um und verließ so schnell ich konnte die Davidson.

 

 

 

 

 

 

Ich rannte die Treppe welche zum Haus der Davidsons führte hinab und lief so schnell ich konnte weg. Meine Füße begangen nach ein paar Minuten zu schmerzen. Ich hielt an, zog diese verdammten Dinger aus und schmiss die Schuhe über den nächsten Zaun. Morgen früh würde sich die Dame des Hauses bestimmt über diese teuren Teile freuen. Ich ging weiter und nach einer Weile kam ich ins Zentrum der Stadt. Ich hielt an und schaute mich erst mal genauer um, damit ich wusste wo ich war. Links und rechts von mir waren mehrstöckige Steinhäuser und ich stand in einer kleinen Gasse dazwischen. Na super ich konnte in jeden Stadtteil New Yorks sein, also lief ich weiter in der Hoffnung einen Ort zu finden den ich kannte. Als ich das Ende der kleinen Gasse fast erreicht hatte, traten auf einmal zwei dunkle Gestalten aus den Schatten der Häuser. In dem schwachen Mondlicht sahen diese Schatten dick und dünn aus.

 

Na mein kleines Püppchen, was verschlägt dich denn in diese Gegend? Hat sich das kleine Prinzesschen verlaufen oder bist du deinem Ehemann davongelaufen. Hat es dir wohl nicht richtig besorgt und jetzt schaust du dich nach was Besseren um.“, sprach mich der Dünne mit einem seltsamen Akzent an. Aus Gewohnheit griff ich an meine Seite, doch da war nichts. Verdammt ich hatte heute Abend nicht mal mein Signa duh mitgenommen. Ich trat ein paar Schritte von den beiden Männern zurück, drehte mich schnell um und rannte los. Zu meinem Pech kam ich nicht weit, meine Füße blieben in dem langen Rock hängen und ich fiel unsanft zu Boden. Die Pflastersteine scheuerten meine Handflächen auf, so dass meine Hände unangenehm brannten.

 

Hinter mir hörte ich das Lachen der beiden Männer. „Schau sie mag es von hinten, wie eine läufige Hündin.“, sprach einer der beiden in Deutsch. Die beiden lachten, während ich versuchte wieder auf meine Beine zu kommen. Ich schaffte es auf meine Knie, dieses lange Kleid behinderte mich immer wieder dabei schnell auf meine Füße zu kommen, da waren die beiden schon bei mir. Der Dünne griff mit seiner Pranke in meine Haare und zog so meinen Kopf nach hinten. „Du hast dir den falschen Weg ausgesucht Püppchen. Hättest bei deinen reichen Pinkeln bleiben sollen.“, grinste er mich siegessicher an. Ich funkelte ihn giftig an, ignorierte den Schmerz an meinen Kopf und schaffte es mit einem geschickten Manöver den Mann von seinen Beinen zu holen. Wir beide kugelten uns durch den Dreck der Straße und ein gezielter Schlag auf seinen Kehlkopf befreite mich von ihm. Schnell stand ich auf, doch wie schon zuvor war mein Rock mir im Weg und ich kam wieder ins Stolpern. Das nutzte sein dicker Freund und griff mich von hinten an. Seine Arme waren wie zwei Schraubstöcke die mich festhielten, aber ich gab ihm eine Kopfnuss und er stieß einen Schmerzensschrei aus. „Ahh du deppat Britschn, ich werde dich richtig rannehmen.“, fluchte er.

 

Ich nutzte meine Chance und rannte flink auf das Ende der Gasse zu. Ich war fast um die Kurve, da prallte ich gegen etwas oder besser gegen jemanden. Aber statt durch die Wucht nach hinten zu fallen, wurde ich festgehalten. Ich roch die Person vor mir, Meer, Holz und Leder. „Shay.“, sagte ich und war froh das er mich gefunden hatte. „Hey halt die Hua gut fest, dann kannst du sie haben, wenn wir mit ihr fertig sind.“, grunzte der Dicke und drückte sich dabei ein Taschentuch vor seine Nase. Na ja immerhin hatte ich diesem Mistkerl die Nase gebrochen. Shay schaute mich an und ein kaltes Lächeln legte sich auf seinen Mund. „Wie ich sehe steckst du wieder einmal in Schwierigkeiten. Man könnte fast meinen ich färbe ein bisschen auf dich ab, Prinzessin.“, meinte er leicht scherzend und schob mich sanft hinter sich. „Hey du das ist unser Waibsbuid.“, knurrte jetzt der dünnere der Beiden Shay an. „Nun meine Herren da muss ich Sie enttäuschen diese Dame gehört mir allein und ich teile nicht gerne. Vor allem nicht mit zwei bayrischen Hinterwäldlern wie ihr es seid.“, sagte Shay eisig zu den beiden. „Wir werden ja sehen.“, meinte der dicke und griff Shay mit einem Faustschlag an.

 

 

Shay reagierte schnell und stieß mich zur Seite, wich dem Schlag mit Leichtigkeit aus und verpasste seinen Gegner einen Tritt in die Kniekehle. Der Mann ging zu Boden, doch sein Freund kam ihm schon zu Hilfe. Aber beiden nützte das nichts und sie waren binnen einer Minute am Boden. Shay griff meinen Arm und führte mich aus der dunklen Gasse hinaus. Ich war wie betäubt und lies mich von meinem Templer einfach durch die Straßen der Stadt führen. Meine Gedanken kreisten immer wieder um Shay's Aussage „Sie gehört mir“. Eigentlich sollte es mich freuen, dass er so was über mich sagte, doch Shay hatte es so gesagt als ob ich sein Besitz wäre, aber ich gehörte niemanden, nur mir selbst. Mit einmal entzog ich Shay meinen Arm und blieb stehen. Die Worte von Liam halten in meinen Gedanken wieder. „Denkst du wirklich er liebt dich, Faith? Ich kenne den Verräter länger als du. Er hatte in jeden Hafen eine andere und er wird dich fallen lassen sobald du ihm in die Quere kommst. Du bist naiv Faith. Er will dich nur um sein Bett warm zu halten oder denkst du echt ein Templer und ein Assassine können zusammen glücklich werden?“ Hatte Liam etwa Recht? Shay's Verhalten hatten sich in der letzten Zeit verändert und auch heute Abend hatte er auf mein Liebesgeständnis nur mit ich weiß geantwortet.

 

 

Shay drehte sich zu mir um. Ich blickte ihn in seine dunklen Irden. „Shay was meinst du mit ich gehöre dir?“, fragte ich ihn leise. Er schaute mich kurz perplex an, doch dann setzte er wieder seine kalte Mine auf. „So wie ich es gesagt habe, Prinzessin. Du gehörst mir also komm lass uns nach Hause gehen. Es war ein langer Tag.“, sagte Shay ruhig zu mir. „Ich gehöre niemanden.“, zischte ich und ging einen Schritt von Shay zurück. War ich wirklich nur sein Betthäschen und nichts Anderes? Ich schaute Shay an, aber er zeigte mir nur seine übliche Maske aus Kälte und Gleichgültigkeit. Ich hatte ja gemerkt das Shay sich in dem letzten Jahr verändert hatte. Er war nicht mehr der Mann den ich in Lissabon kennengelernt hatte. Seine Freude und Unbeschwertheit waren durch Kälte und einen berechnenden Zug ersetzt wurden. Er war diszipliniert, manipulierte die Menschen um sich herum und das schlimmste für mich war, dass er mir kaum noch zeigte wer er wirklich war. Kurz gesagt Shay war der perfekte Templer geworden und ich blöde Kuh hatte es bis heute noch nicht einmal richtig gemerkt. Ich dachte mich würde es nicht stören, wenn er im Orden war, aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr... „Faith sprich mit mir und starre nicht durch mich hindurch als wäre ich Luft.“, holte mich Shay aus meinen Gedanken. Ich atmete tief durch und blickte in das Gesicht meines Geliebten. „Shay liebst du mich?“, fragte ich ihn direkt und hoffte endlich auf eine klare Antwort von ihm. „Faith was soll diese Frage?“, versuchte er sich um eine Antwort zu drücken. „Antworte mir einfach Shay Patrick Cormac, liebst du mich ja oder nein. Das kann doch nicht so schwer sein.“, wiederholte ich meine Frage. Shay schaute mich einfach an und schwieg.

 

Ich spürte wie mir die Tränen an den Wangen entlangliefen. Langsam ging ich ein paar Schritte zurück, ich wollte nur Weg von Shay. Das konnte einfach nur ein Alptraum sein und ich würde jeden Moment aufwachen! Mit einmal stolperte ich wieder über meinen zu langen Rock und fiel unsanft auf mein Hinterteil. Der Schmerz in meiner Kehrseite zeigte mir das ich wach war. Schnell stand ich auf und rannte einfach los. Mir war egal wohin, nur weg von dem Mann welcher mir mein Herz herausgerissen hatte. War ich so blind vor Liebe gewesen, dass ich gar nicht gemerkt hatte das Shay nichts für mich empfand. Hatte ich mich so von ihm täuschen lassen? Nein ich war mir sicher das da mehr zwischen uns war, oder doch nicht? Wieso zweifelte ich an Shay? Wir wollten doch zusammen die Assassinen aufhalten, ein zweites Lissabon verhindern. Zusammen konnte uns beide nichts aufhalten, wir hatten schon drei Bezirke in New York von der Herrschaft der Assassinen befreit. Wir konnten diese Mission schaffen, oder? Eigentlich würde Shay es auch ohne dich schaffen, sprach wieder diese kleine Stimme in meinen Kopf.

 

Ich rannte immer weiter, bekam kaum noch Luft aber ich wollte nicht anhalten. Ich wollte meinen Kopf von all diesen Zweifeln freibekommen. Ich lief immer weiter und nach einer halben Ewigkeit kam ich völlig erschöpft beim Appel Pie an. Im Haus war schon alles still, als ich durch die Hintertür die Küche der Grants betrat. Endlich konnte ich einen Moment verschnaufen. Ich füllte mir einen Becher mit Wasser und trank diesen gierig aus. Das tat gut. Langsam ging ich die Treppe zu meinem kleinen Zimmer hinauf. Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, spürte ich jemanden hinter mir stehen. „Was hast du Faith?“, fragte mich Shay. Es hätte mir klar sein sollen, dass er mir gefolgt war. „Ich will einfach nur von dir wissen was du für mich empfindest.“, antwortete ich ihm auf seine Frage. „Warum all das plötzlich? Bis jetzt waren wir doch glücklich...Bist du etwa Schwanger?“, fragte er mich erschrocken. Ich drehte mich überrascht zu ihm um. Wie kam er denn auf diese Idee? Ich meine an manchen Tagen wünsche ich es mir schon ein Kind von ihm unter meinem Herzen zu tragen...Schluss ermahnte ich mich in Gedanken. „Nein bin ich nicht und bevor du fragst ich habe auch nicht meine Blutungen. Ich will einfach wissen ob du mich liebst oder ob ich für dich nur ein Mittel zum Zweck bin, so wie für deinen Großmeister!“, giftete ich ihn an.

 

Shay sah mich einen Moment mit einem kalten Ausdruck an. „Wie Großmeister? Was ist bei den Davidsons passiert Faith?“, fragte er mich ruhig und setzte sich auf mein Bett. „War es die Idee von Haytham mich mit auf dieses Abendessen zu nehmen? Hat er dir von der Familie meines Vaters erzählt?“, wollte ich von ihm Wissen, anstatt Shay eine Antwort zu geben. Ich schaute Shay an und sah ihn mit sich ringen, mir auf meine Frage zu antworten. „Der Großmeister hatte mir gestern Abend vorgeschlagen dich doch mit auf das Abendessen zu nehmen, aber Faith ich wusste nicht das Lion Williams mit dir Verwandt ist. Ich meine, bist heute wusste ich noch nicht mal das du zwei Nachnamen trägst. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke hast du mir nie wirklich was von dir erzählt. Ich meine du sagst mir was du so über den Tag treibst, wir trainieren mehrmals die Woche zusammen und wir teilen das Lager, aber über deine Vergangenheit sprichst du kaum. Das einzige was du mir erzählt hast ist wie deine Freundin gestorben ist und das du neben deiner Assassinen Ausbildung auch bei deiner Großmutter eine höhere Töchterschule besucht hast. Ach und ein Teil deiner Familie zur Bruderschaft und der andere zum Orden gehört...“ „Und du sagt auch nicht wirklich was über deine Vergangenheit, Master Cormac. Also wirf mir das nicht vor, es ist kompliziert, in Ordnung.“, fauchte ich ihn an.

 

Shay stand von meinem Bett auf und wollte einen Schritt zu mir gehen, doch mein zorniger Blick hielt ihn davon ab. „Ich merke...Faith wenn du dich wieder beruhigt hast...du weist wo du mich findest.“, meinte er ruhig und ging zum offenen Fenster. „Du haust einfach ab!“, schrie ich ihn an. „Ja...ich will dich nicht verletzten und das würde ich, wenn ich noch länger hierbleiben würde. Schlaf einfach eine Nacht darüber.“ „Nein Shay...“, ich atmete kurz tief durch „Ich werde nicht morgen oder übermorgen zu dir kommen, denn was soll ich bei einem Mann der es nicht schafft mich zu lieben.“, murmelte ich traurig. „Wenn du das so meinst.“, war alles was Shay noch sagte, bevor er aus dem Fenster in die Nacht verschwand.

 

 

Ich starrte noch eine Weile auf das offene Fenster, dann ging ich hin und schmiss es laut zu. Bestimmt hatten alle im Appel Pie meinen Streit mit Shay gehört. Kraftlos sank ich auf den kalten Dielenboden und fing an hemmungslos zu weinen. Wie konnte dieser Abend nur so enden. Ich hatte mich vor ein paar Stunden noch gefreut mit Shay auf dieses Abendessen zu gehen...Und jetzt? Meine Beziehung mit Shay...ich hatte sie einfach so beendet und mein Herz fühlte sich an als wäre es in tausend Splitter zerteilt.

Als ich merkte das ich vor Kälte anfing zu zittern, erhob ich mich schwerfällig und taumelte die drei Schritte zu meinem Bett. Ich zog mir die Bettdecke bis über meinen Kopf und hoffte das wenn ich aufwachen würde, alles nur ein Alptraum war und ich neben meinen Geliebten aufwachen würde.

 

 

 

 

10.September 1757

 

Die letzten zwei Wochen waren sehr aufregend für mich. Zwei Tage nach unserer Trennung habe ich auf diesem Schiff als einfacher Matrose angeheuert. Na ja mittlerweile gehört mir diese kleine Lady. Ich erinnere mich gut an den Tag als sie mir zugefallen ist. Wir waren eine Woche auf See, ich hatte Dienst in Ausguck mit meinen Kameraden, Paul. Seinen Nachnamen hatte ich mir nicht gemerkt und wollte ich auch nicht. Ich meine ich bin es gewöhnt das vierzig Männer um mich sind, aber diese Crew war...gut das ich als junger Bursche angeheuert hatte und sie bis dahin nicht wussten, dass ich eine Frau war. Diese Männer benahmen sich unter aller Sau und von Körperhygiene wussten die meisten bestimmt nicht mal das es Seife gab. Kein Wunder also das einige Frauen lieber ins Kloster gingen anstatt solch einen Mann zu heiraten. Aber ich schweife ab. Ich saß neben Paul, welcher nichts Besseres zu tun hatte, als während der Wache zu schlafen. Ich gab ihm einen Schubst und er wachte grummelig auf. Doch die Höhe an diesen Tag war, das Paul mich beim Kapitän des Schiffes verpetzte und es so hinstellte das ich und nicht er geschlafen hatte. Nun zu meinem Pech, der Kapitän glaubte mir nicht. Ich meine ich war dem guten eh ein Dorn im Auge. In seinen und auch der anderen Augen konnte ich nichts. Die Wache im Ausguck war also meine letzte Chance gewesen und das wusste Paul ebenso wie die anderen.

 

 

Der Kapitän brauchte nicht lange zu überlegen, dann hatte er meine Strafe festgelegt. Kielholen, für schlafen bei der Wache. Ich fing an mit dem guten Kapitän zu diskutieren und er lachte und meinte, wenn ich ihn im Schwertkampf besiegen würde, dann solle mir das Schiff gehören und ich wäre der Kapitän. Na ja die Wahl fiel mir nicht schwer, Kielholen kam für mich nicht in Frage und so nahm ich sein Angebot an. Ja und jetzt gehört mir dieses Schiff. Seit gestern ankern wir in Havanna und mein erster Gang war zu Bank, die Pfandscheine meiner Großmutter ermöglichten mir das Schiff ein wenig zu verbessern und einen neuen Namen hatte die Lady auch schon. Macha, Schwester der Morrigan und eine der drei irischen Kriegsgöttinnen. Der ehemalige Kapitän war zwar nicht begeistert, aber es ist mir egal. Der gute, Samuel Jones ist nun mein Navigator. Er ist ein Mann Mitte vierzig, dunkles Haar, dunkle Augen, eine schmale Nase und er hat ein Ziegenbärtchen. Am Abend als er mir sein Schiff übergeben hatte, hatten wir ein langes Gespräch und ich versicherte ihm das er bald sein Schiff wiederbekommen könnte. Ich wäre der Besitzer und er würde den Rest erledigen. Damit war der gute Mann einverstanden, was natürlich auch an seinen hohen Gehalt lag, welches er von mir bekommen würde.

 

 

22.September 1757

 

Wir sind endlich auf dem Weg nach Nassau. Dort werde ich endlich Mason Evans treffen. Zum Glück war ich in Havanna einem sehr redseligen Templerspion begegnet, welcher mittlerweile sieben Fuß unter der Erde liegt. Der Spion war anscheinend als Kurier unterwegs und hatte ein paar interessante Briefe dabei. Zu meinem Pech waren das meiste Frachtlisten, von Nassau nach Havanna, dann nach New Orleans und weiter in den Norden. Aber ich bin mir sicher das da mehr dahinterstecken muss. So wie er sich gewehrt hatte, ich meine wegen dem Kerl habe ich ein blaues Auge gehabt, was zum Glück kaum noch zu sehen ist.

 

Aber weiter zu Evans, denn dank diesem Spion bin ich meiner Rache und meinem Ziel wieder ein Stück näher. Hoffentlich bin ich auch fit genug...ich meine diese Alpträume...sie werden immer schlimmer. Erst sehe ich Anna, dann Lissabon...und zum Schluss laufe ich die Hälfte der Nacht übers Deck, so wie ein gefangenes Tier. Und wenn ich nicht diese schrecklichen Träume habe, vermisse ich Shay schrecklich. Ich vermisse es, wenn er mich anlächelt. Dieser sanfte Ausdruck in seinen Augen, wenn ich abends in seine Räume kam. Seine Hände wie sie meinen Körper zu glühen brachten. Seine Stimme, unsere vielen gemeinsamen Abende wo wir über alles reden konnten, außer über uns. Oder ich las auf seinem Sofa ein Buch, während er an seinem Schreibtisch arbeitete, dieses Schweigen, welches nicht unangenehm war, einfach zu wissen das er immer in meiner Nähe war. Ich vermisse es von ihm umarmt zu werden, die Geborgenheit zu spüren. Auch wenn ich jetzt von lauter Menschen umgeben war, ohne Shay fühle ich mich einsam, so als würde ein Teil von mir fehlen, so als ob ich kein ganzes mehr wäre.

 

 

Ich spürte wie mir die Tränen über meine Wange liefen und die frische Tinte in meinem Tagebuch anfing zu verlaufen. Ich schob meine Schreibsachen beiseite und legte meinen Kopf auf meinen Armen ab. Ich vermisste Shay und meine Hoffnung, dass die Entfernung mir helfen würde hatte ich schon lange aufgegeben. Ein lautes Rufen vom Deck riss mich aus meinen trüben Gedanken. „Captain ein Schiff nähert sich uns.“, stürmte einer der Matrosen ohne zu klopfen in mein Reich. Ich schaute den Mann grimmig an, dann folgte ich ihm nach draußen. Auf der Brücke überreichte mir Jones das Fernglas. „Steuerbord in nördlicher Richtung.“, meinte er nur. Ich blickte in besagte Richtung und erkannte das Schiff sofort. Ich stieß einen derben Fluch aus, so dass alle Männer in Hörweite überrascht zu mir schauten. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Frau so fluchen hören. Eure Mutter hat wohl versäumt euch den Mund zu waschen. Kennt ihr das Schiff?“, sagte der erste Maat zu mir. Ein Mann schon fast sechzig, keine Haare auf dem Kopf, aber einen weißen Vollbart. „Ja es wird uns nichts tun, dieses Schiff gehört zur englischen Marine.“, meinte ich und gab dem alten Seebären das Fernglas. Er blickte hindurch und fing an zu grinsen. „Das ist die Morrigan, die Lady ist normalerweise nicht so weit im Süden unterwegs. Seht euch nur diesen Rammsporn an. Der ist nicht nur gut zum Rammen von feindlichen Schiffen, da kommt man ohne Probleme durchs Eis im Nordmeer. Und erst die Kanonen, zwei Mörser und diese Panzerung aus Stahl, macht das Schiff noch wendiger. Die Dame ist einen richtige Kriegs Lady.“, schwärmte der alte Seebär von Shay's Schiff. „Behaltet sie im Auge und gebt mir sofort Bescheid, wenn dieses Schiff näherkommt.“, knurrte ich den beiden Männern meinen Befehl zu. Schnell ging ich zurück in mein kleines Reich. Wieso war Shay hier in der Karibik? Er konnte nicht wissen das ich auf diesem Schiff war und was ich vorhatte, oder doch?

 

 

*****

 

Nach drei Tagen erreichten wir endlich die Insel New Providence. Als erstes stach mir das große Fort über der Stadt Nassau ins Auge. Na super wie sollte ich in einem so großen Fort, Evans finden, doch dann fiel mir ein was Gist nur am Rande erwähnt hatte. Evans liebte die leichten Mädchen und somit wusste ich schon mein erstes Ziel an diesem Abend, das örtliche Bordell. Ich stand auf der Brücke der Macha und schaute der Mannschaft dabei zu, wie sie das Schiff sicher in den Hafen brachten. Mein Blick glitt wiedermal zum Horizont und zur Morrigan. Shay war uns den ganzen Weg bis hier her gefolgt. Genervt drehte ich mich zum Land, was mir einen fragenden Blick unseres Navigators einbrachte. „Ihr benehmt euch seltsam seit die Morrigan uns folgt, Miss.“, sagte Jones ruhig zu mir. „Es geht euch nichts an.“, meinte ich kalt und verschwand unter Deck in meine Kabine. Ich schloss die Tür hinter mir und war froh Ruhe zu haben. Wie sollte ich Shay auf dieser Insel nur aus dem Weg gehen? Wollte ich das überhaupt? Bevor mich aber weitere Fragen plagten, ging ich zu meiner kleinen Truhe und holte mir einen neuen Ornat heraus. Ich schlüpfte aus meinem alten, weiß- blauen Ornat in meinen schwarzen und legte alle Waffen an, welche ich vorher sorgfältig geprüft hatte. Zum Schluss zog ich mir meine Kapuze tief ins Gesicht. So verließ ich in der Abenddämmerung die Macha und mischte mich unauffällig unter die Menschen der Stadt. Die Matrosen der Macha, aber auch die Männer der Morrigan führten mich zur Taverne und dem Bordell. Ich musste ihnen nur folgen.

 

*****

 

Ich stand in einer kleinen Gasse und beobachte das Treiben vor den beiden Gebäuden, als ich einen Schatten auf der anderen Straßenseite bemerkte. Da hatte wohl jemand den gleichen Einfall wie ich gehabt, was aber auch kein Wunder war, unsere Ausbildung war in diesem Punkt vermutlich gleich. Der Mann trat als erstes aus dem Schatten auf die Straße und ich musste zweimal hinsehen ob er es auch wirklich war. Ich meine ich hatte Shay fast einen Monat nicht gesehen, aber ich hätte nie gedacht das er sich so verändern könnte. Mir fiel als erstes auf, dass er abgenommen hatte, bestimmt 10 Kilo oder mehr. Sein Gesicht zierte wieder ein Bart, so wie damals als ich ihn bei den Finnigans getroffen hatte und Shay hatte dunkle Ringe unter seinen Augen. Er sah wirklich mitgenommen aus. Am liebsten wäre ich zu ihm gegangen, aber ich blieb wo ich war. Shay verschwand in der Taverne, ich dagegen ging langsam auf das Bordell zu.

 

 

Kaum hatte ich das Gebäude betreten, umhüllte mich ein extravagantes Bouquet. Tabakrauch, billiges Parfum und Sex, mit einer leichten Note Alkohol und Mensch. Es roch fast so wie zu Hause in London in unserem Versteck. Vielleicht würde ich es ja bald wiedersehen, sobald ich Evans umgebracht hatte. Ich schlängelte mich geschickt durch die anwesenden Herren und leicht bekleideten Damen zu einem Tisch in einer dunklen Ecke. Leise ließ ich mich auf den Stuhl nieder und beobachte das Treiben der Menschen. Einige der Damen führten die Männer nach oben, andere präsentierten sich hemmungslos der männlichen Kundschaft. Es dauerte nicht lange, da erschien an meinem Tisch eine kleine rothaarige Frau. „Na so versteckt im Dunklen, willst du ein wenig Gesellschaft?“, fragte sie mich freundlich. Ich griff in meine Tasche und holte ein paar Münzen hervor. „Sag deiner Chefin das ich mit ihr reden muss.“, sagte ich nett und schob ihr das Geld zu. Die Dame nickte und verschwand wieder in dem Trubel.

 

Keine fünf Minuten später erschien eine ältere Dame, ich schätze sie Anfang fünfzig. Ihr Haar war weiß und sie sah aus als ob sie genau wusste was ich von ihr wollte. Sie stellte zwei Krüge mit Ale auf den Tisch und setzte sich mir gegenüber. „Wer seid ihr und wo habt ihr diese römischen Münzen her?“, fragte sie mich direkt. Ich nahm einen Schluck aus dem Krug und lächelte sie freundlich an. „Von einer sehr guten Freundin aus London, der Besitzerin der Goldenen Rose. Mein Name tut nicht wirklich was zur Sache, ich will nur wissen wo Evans ist.“, antwortete ich ihr ruhig und sah die Bordellbesitzerin an. „Nun ich könnte euch helfen aber...“, bevor sie den Satz zu Ende aussprach, warf ich ihr einen kleinen Beutel mit klappernden Münzen hin. Sie griff den Beutel und grinste mich freundlich an. Dabei entblößte sie mir ihre gelben Zähne. „Evans ist zum Glück seit zwei Tagen weg. Ist mit der Voyager auf den Weg nach London und wir haben endlich wieder unsern Frieden.“, erklärte die Dame mir. „Welche Route nimmt das Schiff?“, fragte ich ruhig, aber in meinen inneren brodelte es. Evans war weg, aber so schnell würde ich ihn nicht davonkommen lassen.

 

 

Keine Ahnung aber ich werde es euch in zwei Stunden sagen können. Ich denke die Welt wird besser sein, wenn er weg ist, stimmts Assassine?“, meinte sie und ich sah sie überrascht an. „Ich weiß um den geheimen Krieg, meine Großmutter war eine Assassine und erzählte mir auch von den Münzen. Nur weibliche Assassinen aus London nutzen diese. Kommt ich muss euch etwas zeigen, nur damit ihr dieses kranke Schwein auch wirklich umbringt.“, sagte sie und stand auf. Sie führte mich in den hinteren Teil des Hauses und als sie die Tür eines Zimmers öffnete, dachte ich, ich würde träumen. Dort waren drei Mädchen und alle drei sahen fast so aus wie Anna. Rote Haare, dunkle Augen und zierlich gebaut. „Die drei waren seine Lieblinge, los erzählt was Evans mit euch angestellt hat. Die drei Damen fingen an zu erzählen. Evans kettete seine Mädchen gerne an, so dass sie sich nicht bewegen konnten und tat ihnen dann Dinge an, die ich mir nicht mal in meinen Alpträumen vorstellen wollte. Die drei zeigten mir ihre Narben und Brandmale, welche sie für den Rest des Lebens zeichnen würden. „Aber das schlimmste ist, das wir ihn mein König nennen mussten und für alles was er uns angetan hatte, mussten wir uns bedanken, so als ob uns das gefallen hätte. Ich meine ich hatte schon genug Freier in meinen Leben, aber der war der kränkste von allen.“, beendete eines der Mädchen ihre Geschichte.

 

 

Als ich das Bordell verließ war es bereits nach Mitternacht. Die Bordellbesitzerin hatte herausgefunden, dass im Fort Nassau, beim Kommandanten, die Reiseroute der Voyager hinterlegt war. Nun da hieß es wohl für mich in das Fort einbrechen und die Route klauen. Aber erst morgen, dachte ich und begab mich zum Hafen. Obwohl es mitten in der Nacht war, waren die Straßen immer noch sehr belebt. Die einzelnen Laternen spendeten mir aber genug Licht auf meinen Weg zur Macha. Müde sank ich dort in mein Bett, nur um zwei Stunden später aus einem Alptraum zu erwachen. Ich beschloss an Deck zu gehen um ein wenig frische Luft zu bekommen und um meine Gedanken auf was Anderes zu bringen als Shay und Lissabon.

 

 

Ich setzte mich auf die Reling und meine Augen glitten wie von selbst zum Schiff, welches auf der anderen Seite des Piers vor Anker lag. Die Morrigan. Einer der Matrosen hielt Wache an Deck, ich sah einen Schatten das Deck hoch und runter laufen. Unsere eigene Wache schien zu schlafen, dann konnte es nur Paul sein. Ich beobachtete die Wache auf der Morrigan, als ich zwei Gestalten auf dem Steg entdeckte. Das hohe Lachen einer Frau war zu hören. Seltsam, eigentlich war es der Crew verboten Huren mit an Bord zu nehmen, außer...

 

 

Schnell sprang ich auf den Steg und schlich mich leise an die Zwei heran. Hinter einem Fass versteckte ich mich. „Das ist dein Schiff!“ quiekte die Frau. Die Antwort der anderen Person konnte ich nicht verstehen, aber ich erkannte die Stimme. Shay! Beide gingen auf die Morrigan. Geräuschlos folgte ich dem Paar und hangelte mich am Heck des Schiffes zu Shay's Kabine hoch. Ich hielt mich an einem der Fenster welches geöffnet war fest. So konnte ich immerhin verstehen was sie sprachen. Ich hörte die Tür und Schritte. „Komm setz dich Süßer.“, sprach die Frau. Ich drückte mich ein wenig nach oben, aber zu meinem Pech waren die Vorhänge zugezogen, so dass ich nichts sehen konnte. „Was hast du? Du wolltest doch ein wenig Spaß haben und jetzt bist du so verkrampft.“, meinte die Frauenstimme nach einer Weile. Was Shay ihr Antwortete konnte ich nicht verstehen, aber so wie seine Stimme klang hatte er eindeutig zu tief in sein Glas geschaut.

 

 

Du denkst an eine andere, habe ich recht.“, sagt die Dirne weiter. „Erzähl mir von ihr.“ „Warum willst du das wissen?“, stellte Shay ihr eine Gegenfrage. „Ganz einfach, ihr wollt nicht mich sondern sie. Ihr habt Liebeskummer. Hat sie euch verlassen?“, meinte die Frau und ich hörte wie sie etwas einschenkte. „Es hilft zu reden, wisst ihr. Die meisten meiner Gefährten wollen erst ihr Herz ausschütten und kommen dann zu Sache.“, erzählte sie in einem verführerischen Ton. Es herrschte eine ganze Weile ruhe, dann...“Immer wenn ich meine Augen schließe sehe ich meinen Engel vor mir. Ihre Augen sind so blau wie der Ozean, ihre Haare...wenn sie im Sonnenlicht leicht rötlich schimmern, obwohl sie dunkelblond sind. Ihre Stimme, wenn sie sagt das sie mich liebt...“, fing Shay an, aber dann hörte er abrupt auf zu sprechen. „Ihr liebt sie, nicht wahr? Habt ihr es ihr gesagt? fragte die Dirne nach. „Nein ich konnte es ihr nicht sagen und jetzt ist sie für immer weg.“, seufzte Shay.

 

 

Ich hätte beinah losgelassen, als ich Shay das sagen hörte. Hieß das etwa das Shay mich liebte? Aber warum hatte er es mir dann nicht gesagt? Gespannt lauschte ich wieder dem Gespräch der beiden. „Warum?“, fragte die Frau das gleiche wie ich dachte. „Unser Leben...mein Leben ist zu gefährlich. Ich will sie nicht in Gefahr bringen. Vielleicht wollte ich sie dadurch schützen, aber ich habe alles nur noch schlimmer gemacht. Ich meine...ich habe es ihr gesagt, schon viele Male als sie in meinem Arm geschlafen hat und ich sie dabei beobachtet habe. Fast jede Nacht, wenn wir zusammen waren.“ „Aber nie, wenn Sie wach war? Kein Wunder das sie euch verlassen hat Templer.“, sprach die Dirne auf einmal und ihre Stimme klang hasserfüllt.

 

 

Na da wollt ihr wohl auf mich losgehen und könnt euch nicht bewegen. Ich habe euren Wein mit Schierling vergiftet. Dieses Gift verursacht Muskelkrämpfe und Lähmungen, bis ihr dann bei vollem Bewusstsein sterbt.“, erklärte sie theatralisch. Kaum das sie Schierling gesagt hatte, klettere ich flink zum Fenster hinein und sah Shay schwer atmend über seinem Schreibtisch gebeugt liegen. Seine Angreiferin sah mich erschrocken an, sie hatte wohl gedacht das sie alleine mit Shay wäre. Bevor sie sich überhaupt bewegen konnte, sprang ich auf sie zu und meine Klingen erwischten sie an der Schulter und ihrem Bauch. Die Assassine ging stöhnend auf ihre Knie und versuchte das Blut ihrer Bauchwunde mit ihren Händen zu stoppen. Ich ließ sie wo sie war und eilte zu Shay.

 

 

 

 

Hey alles wird gut.“, sprach ich beruhigend auf Shay ein, während ich in einer der Schreibtischschubladen nach einem Glas suchte. Mein Blick glitt immer wieder zu Shay, dann zu der Assassine, welche versuchte aufzustehen. Sie schaffte es aber nicht und wand sich vor Schmerzen auf dem Boden. „Templerin, du wirst ihn nicht retten können.“, meinte sie gehässig zu mir. Wieso kamen die Assassinen immer nur darauf das ich zum Orden gehörte. Konnten die nicht sehen, dass ich einen Ornat trug. Ich suchte nach dem Whiskey und fand ihn in der untersten Schublade. Daneben lag ein kleiner Stapel mit Zeichenkohle von mir und mir kam sofort eine Idee. Ich nahm die Flasche und den Stapel Kohle und lege es auf den Tisch. Von Shay bekam ich einen seltsamen Blick, den ich gekonnt ignorierte. Mit der Flasche zerstampfte ich die Kohle zu feinen Mehl und schüttete sie in das Glas, dann kam dazu noch einen Schluck des Whiskeys. „Trink sofort!“, befahl ich meinem Templer. Shay nahm mit zittriger Hand das Glas und trank es mit meiner Hilfe in einem Zug aus. „Das war Verschwendung des Whiskeys Templerin.“, keuchte die Assassine. „Nein, Shay schau mich an.“, sagte ich leicht panisch zu ihm. Er schenkte mir noch ein kurzes Lächeln, dann fiel er bewusstlos in meine Arme. „Nein bleib bei mir.“, schrie ich aufgebracht.

 

 

Mit einmal wurde die Tür aufgerissen und drei Mann stürmten in die Kabine. „Faith was...?“, hörte ich Gist, während ich Shay vorsichtig auf den Boden legte. Er atmete schwach, doch er war am Leben. Ich ging zu der Assassine und zog sie am Kragen nach oben. Ein schmerzhaftes Stöhnen kam über ihre Lippen. „Was? Ich sterbe eh Templerin, also bemühe dich nicht.“, grinste sie mich siegessicher an. „Ich habe meinen Auftrag erfüllt.“ „Welcher Auftrag, woher wusstet ihr das wir kommen.“, flüsterte ich leise zu ihr und drückte meine Finger in ihre Wunde. Sie sollte singen und mir war es in dem Moment egal mit welchen Mitteln ich das erreichen konnte.

 

 

Sie schrie vor Schmerzen auf. „Einer von euch Bastarden hat euch verraten. Wir werden einen nach dem anderen töten.“, sagte sie, dann schloss sie ihre Augen und war tot. „Verdammt.“, meinte ich und schubste die Leiche von mir. Wie konnte sie es wagen gerade jetzt zu sterben. Ich sah zu Gist, welcher mich geschockt anschaute. Ich wusste das ich überreagiert hatte, aber diese Assassine wollte mir das wichtigste in meinem Leben nehmen. Ich drehte mich wieder zu Shay und überprüfte seine Atmung. Gut sie war noch da. Ich bat Gist mir mit unserem Captain zu helfen, ihn in das Bett zu legen. Er war eiskalt, so dass ich ihn in mehre Decken Wickeln musste. „Faith was ist hier los?“, fragte mich Gist. Ich sah zu ihm auf, dann wieder zu Shay. „Am besten du setzt dich, dann werde ich dir alles erklären.“, meinte ich schon etwas ruhiger.

 

 

Nachdem die zwei Matrosen die Leiche entsorgt und ein neuer Schiffsjunge, Jason, das Blut weggewischt hatte, fing ich an Gist alles von meinem Streit mit Shay zu erzählen und wie ich hierhergekommen war. Nach ein paar Minuten beendete ich meine Erklärung und trank einen großen Schluck aus der Flasche, welche Gist mir reichte. „Lass mich nochmal alles zusammen fassen Schätzchen. Du hast Shay verlassen, weil er dir nicht gesagt hat das er dich liebt. Typisch Frau!“, sagte er und bediente sich ebenfalls an dem Hochprozentigen. Ich schaute den Templer vor mir grimmig an. „Was Faith, ihr Frauen wollt immer über eure Gefühle sprechen, aber schau dir Shay an. Immer wenn er dich anschaut oder über dich redet, ist er ein komplett anderer Mann. Faith er liebt dich über alles, sonst hätte er sich nicht so gehen lassen. Hat im letzten Monat kaum gegessen, geschweige denn geschlafen. Er war ruhig, hat nur das nötigste mit mir und der Mannschaft geredet. Weißt du dass wir die ganze Strecke in zwei Wochen geschafft haben, er hat uns zur Eile getrieben und das wegen dir. Man ich habe ihn noch nie so schnell seine Feinde erledigen sehen wie als du weg warst. Er hatte noch einen Auftrag...Egal. Faith verzeihe ihm.“, meinte er ruhig zu mir.

 

 

Gist es…“, „Nein Faith wie ich dich kenne hatte der Captain noch nicht mal Gelegenheit dir alles zu erklären, oder irre ich mich?“, meinte unser erster Maat. Ich schaute zu Shay. Ja Gist hatte recht, ich hatte Shay noch nicht mal ausreden lassen, hatte ihn weggeschickt. Man ich war so dumm und dass alles nur weil ich Liams Worten geglaubt hatte. „Wird er mir verzeihen?“, flüsterte ich leise. „Na klar. Shay wird dich jetzt zwar anketten damit du nicht mehr wegläufst aber das ist dann dein Problem Schätzchen.“, meinte Gist grinsend und schenkte mir eine kurze Umarmung. Kurz bevor er aus der Tür verschwand drehte er sich nochmal um. „Willkommen zurück Faith, ach und du bist jetzt der Captain, so wollte es Shay wenn er dieses Amt mal nicht ausführen kann.“, sagte er dann verschwand er raus aufs Deck.

 

*****

 

29.September 1757

 

 

Ich bin immer noch neben mir. Die letzten drei Tage waren wie ein nicht enden wollender Alptraum für mich. Shay liegt hier im Bett und hat sich kaum gerührt. Er kämpft immer noch mit dem Gift, aber ich darf die Hoffnung nicht aufgeben das er schafft. Mittlerweile weiß ich nicht mehr was ich machen soll. Sein Leben liegt nun in den Händen des Vaters des Verstehens. Oh Gott ich glaube ich werde wirklich noch zu einer Templerin. Eigentlich hatte ich mir unsere Wiedervereinigung anders vorgestellt, so mitreden, küssen und dann heißem Versöhnungssex.

 

 

 

Ich schaute von meinem Tagebuch auf zu Shay. Er sah ganz blass aus und ein Schweißfilm hatte sich auf seiner Haut gebildet. Leise stand ich auf und nahm ein Tuch aus der Wasserschüssel vom Schreibtisch. Ich tupfte sanft Shay's Stirn damit ab. „Komm zu mir zurück mo chride.“, flüsterte ich ihm zu. „Du kannst mich hier nicht alleine lassen. Ich liebe dich mein Herz.“, hauchte ich und küsste seine Lippen. Doch zu meinem Pech kam keine Reaktion von Shay. „Shay...“ Ein klopfen an der Tür holte mich aus meinen trüben Gedanken. Ich war seit knapp drei Tagen wieder auf der Morrigan und ihr Captain. Unser Schiff versuchte die Voyager einzuholen, ein englisches Kriegsschiff auf den Weg zur Heimat. Wie unser erster Maat an die Route gekommen war, darüber musste ich immer noch schmunzeln. Er war einfach zu Fort gegangen und kam total betrunken wieder zurück, mit der Route des Schiffes. Wie er das geschafft hatte, er meinte es wäre sein Geheimnis.

 

 

Hey Schätzchen wie geht’s dem Captain?“, fragte Gist und kam einfach in die Kabine. „Es gibt nichts Neues, Shay ist bewusstlos und scheint mit dem Gift zu kämpfen.“, meinte ich traurig. „Schätzchen er wird schon wieder werden. Der Captain ist hart im Nehmen, aber Faith wir haben glaube ich ein kleines Problem oben.“, sagte Gist ernst. Ich stand auf und folgte dem Templer auf das Deck der Morrigan. Auf der Brücke reichte mir Carter das Fernglas. Als ich nach einem kurzen Moment des Suchens ein Kriegsschiff am Horizont entdeckte, war ich mir sicher, dass es die Voyager war. Na ja jetzt hatten wir das Schiff gefunden, aber wie sollte ich Evans auf diesem riesigen Schiff finden. So ein Kriegsschiff hatte locker eine Besatzung von fünfhundert Mann, wie könnte ich da unbemerkt einen Mord begehen? Ich drehte mich zu unserem ersten Maat. „Das ist nicht das Problem, sondern das da.“, sagte er und ich schaute in die Richtung, welche er zeigte. Da war ein weiteres Schiff, genauso groß wie die Voyager, aber es hatte eine französische Flagge. Ich sah wieder zur Voyager als mir eine Idee kam, das französische Schiff wäre eine

perfekte Ablenkung um unbemerkt auf die Voyager zu gelangen.

 

 

*****

 

Drei Stunden später brannten meine Lungen vom Rauch der Kanonen. Ich hielt mich an der Voyager fest und kletterte langsam an der Bordwand nach oben. Ein Blick hinter mich zeigte mir, dass das französische Kriegsschiff immer näherkam. Ich musste nur warten bis sie anfingen das Schiff zu entern, dann könnte ich diesem Tumult nutzen um mein Opfer zu finden. Was würde ich jetzt für den Adlerblick geben. Ich versuchte mich zu konzentrieren und öffnete meine Augen. Einen kleinen Moment sah die Welt grau aus, dann war alles wieder normal. Na dann ohne, dachte ich und kletterte weiter nach oben. Als ich nach einer kleinen Ewigkeit das Deck erreicht hatte, erschütterte das Holz des Schiffes unter dem Aufprall mit dem feindlichen Kriegsschiff. Schnell klammerte ich mich an der Bordwand fest und als das Beben vorbei war, spähte ich über die Reling auf das Deck der Voyager. Dort waren die Franzosen, welche anfingen das Schiff zu entern.

 

 

Ich schwang mich nach oben und erledigte dabei einen der englischen Soldaten. Seine Kameraden schauten mich an als wäre ich ein Geist. Ich lief schnell weiter und als der erste feindliche Soldat auf mich zu kam, rammte ich ihm meinen Säbel in den Bauch. Jetzt tauchten auch die englischen Soldaten auf. Ich erledigte einen weiteren Feind, dann hörte ich das donnern der Kanonen von der Morrigan. Super unser Plan schien zu funktionieren. Während das französische Kriegsschiff mit der Voyager beschäftigt war, konnten wir uns ohne große Probleme dem feindlichen Schiff nähern. Kurz die Franzosen saßen in der Falle. Auf der einen Seite die Voyager, welche eine volle Breitseite auf das Schiff abfeuerte, auf der anderen die Morrigan. Ich kämpfte mich langsam in Richtung der Brücke durch.

 

 

Nach zwanzig Minuten war ich völlig erschöpft, aber es ging zum Glück nicht nur mir so. Die Franzosen hatten ihre brenzlige Lage bemerkt und zogen langsam ihre Männer zurück. Ich kämpfte gerade mit einem französischen Offizier und parierte einen Schlag mit meinem Säbel, als ein weiterer Soldat in unseren Kampf eingriff. Ich duckte mich unter dem Schlag und brachte mich mit einer Drehung aus der Gefahrenzone. Die beiden Männer gingen gemeinsam auf mich los, doch auf einmal sah ich von oben einen schwarzen Schatten, welcher meine beiden Gegner mit einem Luftattentat ausschaltete. Mein Schutzengel richtete sich auf und ich konnte meinen Augen nicht trauen. Ich musste träumen. „Shay wie…“, fragte ich ihn verdattert. Als ich ihn vor zwei Stunden das letzte Mal gesehen habe, lag er noch ohne Bewusstsein im Bett und nun war er hier. Wie hatte er das gemacht? Shay sprach mich an und holte mich so aus meinen Gedanken. „Denkst du ich lass dich in so einer Schlacht alleine, außerdem hast du dir mein Schiff geliehen und ich würde es gerne in einem Stück wiederhaben, Miss Williams.“, sagte er kühl zu mir. Ich nickte nur, seine Art mir gegenüber war so distanziert.

 

 

Der Kampf ging noch 10 weitere Minuten, dann war das französische Kriegsschiff besiegt. Ich folgte Shay zum kommandierenden Offizier der Voyager. „Danke für diese Unerwartete Hilfe.“, bedankte er sich bei Shay. Die Offiziere unterhielten sich mit Shay und ich wurde vollkommen ignoriert. Na super so sollte es eigentlich nicht laufen. Langsam ging ich zurück auf die Morrigan und als Gist mich sah zuckte er nur mit den Schultern. „Seit wann ist der Captain wieder wach?“, fragte ich den Templer. „Kurz nachdem du Weg bist, hat den Angriff selbst übernommen und war alles andere als begeistert das du durch Kanonenfeuer geschwommen bist. Geh ihm lieber aus dem Weg.“, schlug Gist mir vor. „Wem aus den Weg gehen Gist?“, hörten wir plötzlich Shay's Stimme hinter uns. „Nun viel Spaß Faith“, sagte Gist und verschwand von der Brücke der Morrigan.

 

 

Jetzt war ich also alleine mit Shay und so wie er mich anschaute hatte ich Angst was er mit mir anstellen könnte. „Faith weißt du wie dumm du gehandelt hast? Nein bestimmt nicht, weil du denkst deine Pläne ja nie zu Ende und machst alles spontan. Du bist noch mein Untergang Weib!“, schrie er mich an. Ich trat einen Schritt von Shay weg und als er seine Hand hob, schloss ich instinktiv die Augen. Doch er legte seine Hand vorsichtig auf meine Wange, so dass ich ihn ansehen musste. „Faith ich war wach und du Weg. Dann komme ich an Deck und sehe dich in der Ferne mitten im Kanonenfeuer auf ein Kriegsschiff klettern. Ich dachte du würdest jeden Moment getötet. Mach das nie wieder in Ordnung?“, sagte Shay nun etwas ruhiger zu mir. „Shay...“, doch er unterbrach mich. „Später Prinzessin. Ich soll in einer Stunde auf die Voyager und mit den Offizieren zu Abend essen. Das war doch dein Plan oder?“, fragte er mich. „Ja Evans ist auf dem Schiff. Ich schleiche mich in der Zeit auf das Schiff und erledige ihn wenn er vom Essen kommt“, „Sei nur vorsichtig.“, meinte Shay, dann verschwand er wieder in seinem Reich.

 

 

Die Stunde war schneller um als ich dachte. Shay hatte sich in seine Kabine zurückgezogen und ich hatte nochmals all meine Waffen geprüft. Shay verließ mit Gist die Morrigan. Ich selbst lies mich lautlos in den kalten Ozean gleiten und schwamm die paar Meter zur Voyager. Die Soldaten an Deck waren mit ihrem Besuch beschäftigt, so dass ich ohne große Problem durch eine Kanonenluke in das Innere des Schiffes gelangen konnte. Dort versteckte ich mich im Schatten und schaute mich erst mal um. Dieses Schiff war riesig und ich fragte mich wie ich die Kabine des Majors nur finden könnte.

 

 

Auf leisen Sohlen schlich ich mich an den schlafenden Männern vorbei und griff mir im Vorbeigehen eine Uniform eines Soldaten. Ich glaubte ich wusste wie ich mich hier ungesehen bewegen konnte. Hinter ein paar Kisten zog ich die Uniform an. Kein Wunder das Soldaten immer schlechte Laune hatte, der Stoff kratzte wie verrückt auf meiner Haut. Als ich endlich wie einer der Männer aussah trat ich aus meinen Versteck, damit ich meine Suche beginnen konnte. Leider kam ich nicht weit, einer der Soldaten, ich glaube es war der Smutje hielt mich an. „Da bring das hoch zu den feinen Herrschaften.“, blaffte er mich voll und drückte mir ein Tablett in die Hand. „Los geh schon oder...“, doch weiter kam er nicht, er nahm das nächste und drückte es dem Jungen hinter mir in die Hand. Ich folgte dem Jungen, welcher mich misstrauisch musterte. „Das erste Mal auf einem Schiff? Ich bin Henry folge mir einfach und sag kein Wort, außer sie fordern dich auf.“, machte mir der Junge Mut. Ich lief brav hinter Henry her, nach oben auf das Deck. Von dort ging es in Richtung Brücke und zum Quartier des Kommandanten.

 

 

Henry öffnete nach einem kurzen Klopfen die Tür und deutete mir ihm zu folgen. Er zeigte auf Shay und Gist. „Das Essen ist für unsere Gäste, danach gibst du den Major neben ihnen den Teller.“, erklärte er mir leise und fing dann an die anwesenden Herren zu bedienen. Ich folgte seinem Beispiel und stellte Shay sein Essen auf den Tisch. Mein Templer schaute kurz zu mir und schaffte es gerade so seinen überraschten Gesichtsausdruck zu verbergen. Ja damit hatten wir beide nicht gerechnet. Eigentlich sollte ich nicht hier sein, sondern weiter unten im Zimmer des Majors auf ihn warten. Plötzlich kam mir eine Idee. Ich hatte Gist sein Essen gereicht, als mir ganz aus Versehen der Teller des Majors auf seinen Schoß viel.

 

 

Er sprang auf und wollte mir eine verpassen, doch Gist hielt ihn zurück. „Major Evans lasst den Bengel in Ruhe. Man sieht doch das er nichts taugt. Ist höchstens Kanonenfutter.“, meinte er zu Evans. Dieser grummelte etwas Unverständliches. „Verschwinde Bengel und melde dich bei deinem Vorgesetzten.“, knurrte er und ich tat wie mir befohlen wurde. Als ich endlich wieder auf dem Deck war, atmete ich tief durch. Puh das war knapp, ich hätte diesen Einfall vielleicht besser durchdenken müssen. Ja an dieser Schwäche müsste ich unbedingt arbeiten, ich konnte mich nicht immer auf mein Glück verlassen.

 

Ich hörte eine Tür hinter mir zuknallen und schreckte aus meinen Gedanken. „Du kleiner Wurm.“, keifte mich Evans an. „Sir ich entschuldige mich in aller Form, es war ein Versehen.“, meinte ich ruhig und hoffte das ihm das reichen würde. „Ein Versehen. Steh gefälligst gerade und warum salutierst du nicht vor einem Ranghöheren.“, schrie er weiter und langsam bekamen wir die Aufmerksamkeit der Wachen an Deck. Ich tat was er mir sagte, aber er riss meinen erhoben Arm rum und verdrehte ihn auf den Rücken. „Mitkommen Faith Williams!“, knurrte er in mein Ohr und führte mich unter Deck.

 

 

Evans schubste mich grob in eine Kabine und ich landete unsanft auf dem Boden. „Nun können wir ein wenig Spaß miteinander haben.“, sagte der Major und zog mich an meinen Haaren schmerzvoll nach oben. Ich schaute ihn aus hasserfüllten Augen an. „Ja genauso hast du damals geguckt, als Law deine kleine Freundin richtig rangenommen hat. Habe dich gleich erkannt und ich muss sagen du hast dich eindeutig entwickelt.“, schnarrte er und zog mich zu seiner Koje. Ich versuchte mich zu wehren, doch Evans blockte jeden meiner Schläge und Tritte. „So ein Wildfang.“, meinte er und fing an meine Arme zu fesseln. Ich erlebte vor meinen Augen alles noch mal, doch jetzt war ich nicht mehr das kleine Kind von damals. Ich war eine Assassine und er ein Templer, der gleich sterben würde. Als Evans fast fertig war und sich mit seinem Kopf an mein Ohr beugte, um mir etwas zu sagen, gab ich ihm eine Kopfnuss. Mein Kopf dröhnte von dem unerwarteten Aufprall, aber Evans lies mich los und fluchte vor sich hin. Das war meine Chance.

 

 

Mit meinen versteckten Klingen durchtrennte ich meine Fesseln und stand schnell auf und rannte auf den Templer zu. Evans reagierte auf meinen Angriff und zog flink seinen Säbel. Er parierte meine Attacke und schaute erstaunt auf meine beiden versteckten Klingen. Das nutzte ich aus und trat nach seiner Kniekehle. Evans ging zu Boden, wich aber meinem nächsten Angriff aus und stand dann drei Meter entfernt von mir wieder auf „Du bist eine dreckige Assassine. Dein Vater würde sich im Grab umdrehen, vor allem da er ein Wächter war.“, schrie er mich hasserfüllt an. Ich ließ meine Klingen wieder hervor schnellen und überwand den Abstand zwischen uns innerhalb eines winzigen Augenblicks. Evans hieb mit seinem Säbel nach mir, ich wich mit einer Drehung aus und rammte ihm meine Klinge in seinen Schwertarm. Der Templer lies den Säbel fallen und zog mit seiner anderen Hand seine Pistole. „Hab ich dich Kleine.“, grinste er Siegessicher und drückte den Lauf an meine Schläfe. Doch so einfach wollte ich nicht aufgeben. Ich blickte in das rattenartige Gesicht des Majors. „Ihr seid tot.“, flüsterte ich ihm zu und trat ihn genau in seine Weichteile. Evans schrie vor Schmerz auf und lies die Pistole fallen. Ich schob sie mit meinem Fuß aus seiner Reichweite, als ich bemerkte wie er auf mich zukam.

 

 

Ich ging noch ein paar Schritte zurück und stieß gegen seinen Schreibtisch. „Jetzt habe ich dich du kleine Hure.“, knurrte er. Er griff nach mir, aber ich sprang auf ihn zu und meine Klingen fanden ihr Ziel. Mein Gewicht ließ den Templer nach hinten fallen, so dass ich eine Rolle über ihn machte und scheppernd in ein Regal krachte. Dabei fiel eine kleine Truhe auf mich, was höllisch weh tat. Langsam kam ich wieder auf die Beine und nahm das Ding von mir herunter, behielt es aber in meiner Hand „Du bist gut Faith...Ich hätte dich nicht unterschätzen dürfen du kleine Hure.“, flüsterte er leise, dann war er tot.

 

Von draußen hörte ich Schritte und ein Stimmengewirr. Ich kletterte schnell auf den Schreibtisch und öffnete das Fenster der Kabine. Kaum das ich draußen war, hörte ich wie die Tür aufgestoßen wurde und laut an der Wand abprallte. Flink kletterte ich nach unten, doch eine große Welle ließ das Schiff gewaltig schaukeln und ich hatte zu tun mich mit einer Hand festzuhalten. Mein Blick ging zu der Truhe. Warum hatte ich dieses Ding noch in meiner Hand? Ich sah zum Himmel und der war schwarz. Waren wir etwa in einen Sturm geraten und ich hatte nichts davon mitbekommen? Eine weitere Welle krachte gegen die Voyager und die Truhe rutschte mir aus der Hand. Sie fiel hinab in das Meer. Ich überlegte nicht lange und sprang hinterher. Irgendwie schien mich diese verdammte Truhe zu rufen, aber warum

 

 

 

 

 

 

Das Wasser war eiskalt und ich schaffte es gerade noch die Truhe an ihren Griff zu fassen, sonst wäre sie auf ewig verloren gewesen. Nur warum tat ich das? Ich hatte das Gefühl irgendwas darin schien mich zu rufen, aber so etwas konnte doch unmöglich sein. Hustend kam ich wieder an die Oberfläche und wurde sogleich von der nächsten Welle begraben. Dieses Wetter war alles andere als ideal um mitten auf dem Meer schwimmen zu gehen. Ich tauchte wieder auf, zog schnell Luft in meine Lunge, bevor ich die nächste Welle abbekam. Ich spürte wie meine Kräfte mich langsam verließen, aber aufgeben kam für mich nicht in Frage. Als ich das nächste Mal an der Oberfläche war sah ich, dass ich schon ein ganzes Stück von der Voyager entfernt war. Na ja immerhin konnten mich jetzt die Soldaten nicht mehr erschießen. Ich hörte neben mir ein seltsames Geräusch und erblickte fünf Meter entfernt den Jungen von vorhin. War er etwa über Bord gegangen? Ich schwamm in seine Richtung und zog ihn am Kragen nach oben. Er pustete und hustete wie verrückt und ich suchte nach einer Möglichkeit auf die Morrigan zu kommen, welche nur ein paar Meter von uns entfernt war.

 

 

Hier Schätzchen!“, rief mir jemand zu, dann tauchte ein Seil neben mir auf. Ich hielt mich und den Jungen daran fest, sodass die Männer der Morrigan uns an Bord ziehen konnten.

An Bord küsste ich als erstes das Deck. Endlich war ich aus dem Wasser raus. Ich schaute zu dem Jungen, welcher erschöpft neben mir lag. „Komm ich helf dir Schätzchen“, sagte Gist und half mir auf die Beine. „Wo hast du das denn her?“, fragte er weiter und zeigte auf dir Truhe. „Geschenk von Evans, bring den Kleinen auf die Krankenstadion“, meinte ich und sofort führten zwei Matrosen meinen Befehl aus. Ich folgte ihnen nach unten, auf Deck wäre ich jetzt nur im Weg. Der Junge wurde in das Bett gelegt und ich prüfte als erstes ob er noch lebte. Sein Puls war zu spüren, schwach aber er war da. Der Kleine musste vollkommen erschöpft sein. Ich schälte ihn als erstes aus seiner nassen Uniform und wickelte ihn in eine Decke. Mehr konnte ich im Moment nicht für ihn tun. „Wer ist der Kleine?“, fragte mich unser Smutje. „Keine Ahnung, ist wahrscheinlich über Bord gegangen. Kannst du auf ihn aufpassen?“, fragte ich Maxwell. „Klar mach ich Faith, geh dich umziehen, so eine Sassenach Uniform steht dir absolut nicht“, sagte er grinsend und setzte sich neben die Koje. Ich schaute an mir runter. „Daingard! Mein Ornat ist noch auf der Voyager. Dabei mochte ich diese blauweißen Farben!“, sagte ich und verstaute die Truhe in einen meiner Schränke. Neben mir hörte ich ein lachen. „Dann musst du jetzt wohl die Sachen vom Captain anziehen.“, meinte Max und schien es sich bildlich vorzustellen. „Der Mantel wird auf dem Boden schleifen, unser Captain ist anderthalb Köpfe größer als du, gehst ihm ja gerade mal bis zur Brust. Aber Faith ihr seid ein schönes Paar.“, hörte ich noch Max sagen, als ich meine Krankenstadion verließ.

 

 

 

Ein stürmischer Wind begrüßte mich, sobald ich das Deck betrat. Die meisten Matrosen hatten sich unter Deck gerettet, es waren nur noch Shay und Gist draußen. Ich hielt mich am Mast fest, als eine große Welle das Schiff traf. Über den Lärm des Sturmes hörte ich einen Schrei. Ich lief zügig zur Brücke und sah das Gist sich seinen Arm ausgerenkt hatte und Shay mit dem Ruder kämpfte. „Gist geh unter Deck, ich helfe Shay.“, meinte ich zu ihm und griff das Ruder. Shay blickte kurz zu mir, dann zu seinem ersten Maat. „Geh Christopher, Faith und ich schaffen das.“, befahl er ihm. Gist kämpfte sich über das Deck und verschwand nach unten. Ich würde nach ihm schauen, wenn wir diesen Sturm überstehen sollten. „Faith nimm das Seil da.“, sagte Shay und ich führte sofort seinen Befehl aus. Ich reichte ihm das Seil. „Nimm das Ruder und halte es gerade, während ich es fixiere.“, gab Shay mir weitere Anweisungen. Ich versuchte mit aller Kraft das Ruder zu halten, aber die Wellen und der Wind machten es mir schwer und schon nach einem kurzen Moment war ich am Ende meiner Kräfte. Ich merkte wie Shay mir half und es irgendwie schaffte, das Ruder festzubinden. „Los wir müssen unter Deck Faith, sonst gehen wir noch über Bord. Ich nickte ihm zu und zusammen kämpften wir uns von der Brücke, als uns eine riesige Welle traf.

 

 

Fast wären wir beide über Bord gegangen, aber ich reagierte schnell und konnte noch rechtzeitig meinen Seilwerfer aktivieren. Ich hielt Shay's Hand so fest ich konnte, doch ich spürte wie seine Hand langsam aus meiner rutschte, dann war sie weg und mein Templer tauchte neben mir auf. Ich schaute ihn überrascht an. Wie hatte er das gemacht? Shay kletterte zurück aufs Deck und zog mich mit sich. Kraftlos lies ich mich auf den Planken nieder. „Komm Faith.“, meinte Shay und half mir wieder auf die Beine, um mich dann in unsere Kabine zu führen.

 

 

Als wir endlich im trockenen waren, wollte ich nur noch schlafen, aber das war bei diesem Sturm unmöglich. Die Morrigan wurde von den Wellen hin und her geworfen und ich hatte zu tun an einer Stelle stehen zu bleiben. Ich schaute zu Shay, doch dieser schien mit dem Wellengang keine Probleme zu haben. „Faith geht es dir gut und was ist auf der Voyager passiert?“, fragt Shay. Ich sah ihn an. Wollte er mit dieser Frage etwa ein Gespräch beginnen? Ich meine seit er wach war, schienen wir uns beide um ein Gespräch zu drücken, was unseren Streit anging. „Evans hat mich erkannt, aber er ist tot.“, antwortete ich knapp und setzte mich aufs Bett.

 

 

Es tut mir leid.“, sagten wir beide auf einmal gleichzeitig, dann schwiegen wir uns wieder an. Shay kam auf mich zu und nahm meine Hand in seine. „Deine Hand ist eiskalt.“, meinte er und hielt meine Hand mit seiner fest. Shay kniet sich vor mich, damit wir auf einer Höhe waren. „Faith ich...“ Aber ich legte ihm meinen Zeigefinger auf seinen Mund. „Schhh... ich habe dich mit der Dirne reden gehört und weiß jetzt was du für mich empfindest. Und Gist hat mir auch den Kopf gewaschen. Shay ich hätte nicht so reagieren dürfen, nur ich war an diesen Abend nach meinem Disput mit Haytham total neben mir und habe meine Wut über seine Worte an dir ausgelassen. Shay...bitte vergib mir.“, sagte ich leise und ich merkte wie ich anfing zu weinen. Shay legte seine Hand auf meine Wange und brachte mich so dazu ihn anzusehen. „Faith...ich liebe dich und ich vergebe dir. Wir sind beide Schuld an diesem Missverständnis. Ich habe nicht mitbekommen wie ich dich verletzt habe, jedes Mal wenn du mir gesagt hast das du mich liebst. Kannst du mir vergeben?“ Ich lächelte ihn an und bevor Shay wusste was passiert, hatte ich ihm einen Kuss gegeben. „Ja nur Shay versprich mir nie wieder mit einer Hure über uns beide zu reden.“, meinte ich grinsend. „Ja mein Engel und außerdem habe ich ja dich, mit dir kann keine andere Frau mithalten.“, antwortete er und fing an mich leidenschaftlich zu küssen.

 

 

Shay drückte mich sanft auf das Bett und fing an die Knöpfe an der Uniform zu öffnen, während er unseren Kuss weiter vertiefte. Nach einer kleinen Ewigkeit löste ich mich von meinem Templer. „Shay der Bart kitzelt. Rasiere dich.“, sagte ich, aber er grinste mich an. „Vielleicht später, aber zuerst…“, mehr sagte Shay nicht. Er schob mir das nasse Hemd von den Schultern und platzierte kleine Küsse an meinem Hals. Ich stöhnte vor Lust auf. Sein Mund wanderte quälend langsam meinen Körper hinab, zu meinen Brüsten. Shay ließ sich heute eindeutig mehr Zeit mit mir und ich fand es wundervoll. Seine Zunge lies von meinen Brüsten ab und erkundete weiter meinen Körper, so als würden wir uns zum ersten Mal lieben. Als ich seinen Bart zwischen meinen Beinen spürte, kitzelte es leicht, aber dann gefiel es mir. Ich genoss seine Zuwendung und sah kurze Zeit später lauter kleine Sterne.

 

 

Ich dirigierte Shay wieder zu meinem Mund und schmeckte mich, was meine Lust nur noch mehr anfachte. „Zieh dich aus mein Templer.“, hauchte ich ihm zu. „Mein Templer?“, fragte er mich grinsend. „Ja. Du bist doch ein Templer und meiner, also mein Templer.“, antwortete ich ihm grinsend und hatte schon seine Weste aufgeknöpft. Innerhalb eines Augenblickes war Shay über mir und ich spürte das nicht nur ich erregt war. Shay drang sanft in mich ein und wir beide liebten uns langsam und sanft und mein zweiter Höhepunkt war schöner als der erste.

Ich schlug meine Augen auf und blickte direkt in die dunklen Irden von Shay. „Ich liebe dich mein Herz.“, flüsterte ich ihm zu. Shay lächelte mich sanft an. „Ich liebe dich mein Engel.“, erwiderte er und schenkte mir einen liebevollen Kuss.

 

 

Wir kuschelten uns in das weiche Bett und mit Shay an meiner Seite war dieser Sturm nicht mehr so schlimm. Ich genoss die Zweisamkeit, lauschte dem tosenden Meer und wollte das diese Ruhe nie vorbei war. Jetzt hier in diesem Bett waren Shay und ich, keine Templer oder Assassinen, kein ewig währender Krieg. Nach einer Weile das Schweigens drehte sich Shay zu mir. „Faith weißt du das du mich gerade das erste Mal auf Englisch mit mein Herz angeredet hast?“ „Woher...?“, weiter kam ich nicht, denn Shay unterbrach mich mit einem Kuss. Wann hatte er sich so gedreht, das er wieder über mir war? „Mo chride bedeutet doch mein Herz. Irisch und schottisch sind sich ähnlich mo aingeal.“, antwortete Shay mir grinsend. „Wie du hast es von Anfang an gewusst?“ „Ja und Faith ich wollte dich schon in Lissabon in mein Bett kriegen und hätte dich am liebsten dortbehalten. Man...dein Versuch mit mir zu flirten, so ungeschickt...es war was Anderes. Deine ganze Art, du hast mich fasziniert und das ist bis heute so geblieben. Ich habe mir in Lissabon riesige Vorwürfe gemacht, ich meine ich habe dich einfach dort allein gelassen. Doch dann warst du fast ein halbes Jahr später in New York und meine Heilerin. Du kämpfst an meiner Seite, obwohl ich mit den Assassinen gebrochen habe und jetzt ein Templer bin. Faith...als wir zusammen die Morrigan zurückerobert hatten, du standest am Dock und eine Haarsträhne hatte sich aus deinem Zopf gelöst...du hast sie immer wieder hinter dein Ohr gesteckt. Deine Haare haben rot-golden in der Sonne geglänzt, von diesem Zeitpunkt an, war mir klar, dass ich Gefühle für die kleine tollpatschige Assassine aus London hatte und mir war es egal, was meine neuen Verbündeten dazu meinten.“

 

Faith ich liebe dich mehr als mein eigenes Leben. Ich weiß...ich konnte es dir nie direkt sagen, obwohl es genügend Gelegenheiten dazu gab. Mo aingeal, ich habe zu viele Feinde und du bist mein größter Schwachpunkt, ich wollte dich beschützen, also habe ich dich genauso behandelt wie die anderen. Es war ein Fehler...ich war dumm und hätte beinah das wichtigste in meinen Leben verloren, dich. Faith...“, ich legte Shay meinen Zeigefinger auf seinen Mund und lächelte ihn an. „Ich liebe dich und ich glaube das tu ich seit Lissabon. Ich meine du hast mir als erster Mann in die Augen geschaut und dann auf meine Oberweite. Und bei den Finnegans habe ich mich in deine Arme geworfen und fühlte mich zu Hause, obwohl ich eine Weile gebraucht hatte zu begreifen das du mich willst, aber dann...Shay du bist mit voller Wucht in mein Herz gesprungen. Tha gràdh agam ort mo chride.“, beendete ich meine kleine Liebeserklärung und gab ihm einen Kuss.

 

 

Faith.“, meinte Shay und setzte sich auf. Die Decke rutschte von seiner Brust und ich sah die verschieden Narben, zwischen den dunklen Haaren weiß hervorstechen. Er zog mich plötzlich auf seinen Schoß und sah mir in die Augen. „Prinzessin lass uns heiraten. Hier und jetzt.“, meinte er und ich schaute ihn überrascht an. Shay wollte mich heiraten? „Handfasting?“, fragte ich ihn. „Ja mo aingeal.“, strahlte Shay mich an. „Und was sagst du?“, fragte er mich nochmal. „Ja du verrückter irischer Templer. Lass uns heiraten.“, grinste ich ihn an.

 

 

Shay zog einen Ring von seinem rechten Ringfinger und streifte diesen über meinen linken Ringfinger. „Shay das ist doch...“, „Schhh...bei Gelegenheit bekommst du einen richtigen von mir, aber fürs erste geht das.“, meinte er und gab mir einen Kuss. Ich schaute auf den silbernen Ring, welcher mir zu groß war. Er war relativ schlicht gehalten, keine großen Gravuren oder Verzierungen, nur ein rotes Tatzenkreuz in der Mitte und darum der Leitspruch des Ordens. Ich schaute wieder in Shay's Gesicht und er lächelte mich glücklich an. So hatte ich ihn noch nie gesehen und seine Freude steckte mich an.

 

 

Faith du bist mein Licht und mein Sonnenschein der mich wärmt, du bist meine Freude und meine Verzweiflung, du bist meine Stärke und gleichzeitig meine größte Schwäche, du bist für mich mein Engel und meine Verführerin.

 

 

Ich liebe dich von meinem ganzen Herzen und ich werde dich beschützen, egal wer sich uns in den Weg stellt. Ich Shay Patrick Cormac nehme dich Faith Williams McGregor zu meiner Ehefrau.

 

 

 

Ich schaute zu meinem Liebsten und meine Tränen wollten gar nicht mehr aufhören. Schnell wischte ich mir meine Tränen von der Wange und atmete noch einmal durch.

 

 

Shay du bist mein Gefährte und Mentor, du bist mein Gewissen und meine Sünde, du bist mein Anker in der stürmischen See des Lebens, du bist mein Herz und meine Luft zum Atmen.

 

Ich liebe dich für immer und ewig und ich werde immer zu dir halten, egal was für eine Entscheidung du triffst. Ich Faith Williams McGregor nehme dich Shay Patrick Cormac zu meinem Ehemann

 

 

Mit diesen Worten beendete ich meinen Schwur und wir küssten uns. Wir lösten uns nach einer kleinen Ewigkeit voneinander und ich war so glücklich wie noch nie in meinem Leben. „Tha gràdh agam ort mo chride.“, hauchte ich leise und kuschelte mich näher an Shay. „Gráim thú mo aingeal.“, flüsterte Shay zurück und gab mir einen weiteren Kuss.

Wir küssten uns erst liebevoll, dann wurde aus diesem Kuss mehr. Ich grinste Shay an und drückte ihn zurück auf das Bett. Jetzt war er meine Spielwiese und wir beide genossen die Zeit miteinander und merkten nicht das sich der Sturm schon längst gelegt hatte.

 

 

Übersetzung: tha gràdh agam ort (gälisch) – Ich liebe dich

Gráim thú (irisch)- Ich liebe dich

 

 

 

Lange konnten wir unsere gemeinsame Zeit nicht genießen. Der Sturm war vorbei und Shay stand auf um sich wieder anzuziehen. Ich selbst musste unseren Ersten Maat einen Besuch abstatten, ich hatte ihn schon viel zu lange warten lassen. Ich ging zu meinem kleinen Reisegepäck und holte meinen schwarzen Ornat hervor. „Wo ist dein anderer Ornat?“, fragte mich Shay als er sich ein frisches Hemd über den Kopf zog. „Auf der Voyager. Ach ich habe einen Passagier mitgebracht, scheint über Bord gegangen zu sein.“, meinte ich und betrachtete den Ornat kritisch. Das gute Stück war alles andere als sauber, doch zu meinem eigenen Pech hatte ich nichts anderes mehr. Meine restliche Kleidung war entweder im Appel Pie oder im Fort Arsenal. „Heb deine Arme hoch“, sagte Shay und zog mir einfach eines seiner Hemden über. Ich schaute an mir herunter und es ging mir bis zum Oberschenkel. Shay's Sachen waren mir wirklich zu groß, aber als er mir noch eine seiner Hosen reichte, grinste ich meinen Templer an. Nun diese Sachen waren sauber im Gegensatz zu meinen. Ich krempelte die Hose am Fuß ein wenig hoch, schlüpfte in meine immer noch nassen Stiefel und folgte Shay aufs Deck.

 

 

Zwei Stunden später war unser erster Maat versorgt. Der Junge, Henry durfte auf dem Schiff bleiben und war nun neben Jason unser zweiter Schiffsjunge. Der Kleine war gerade mal 13 Jahre alt, dafür aber schon so groß wie ich. Henry hatte blaue Augen und blondes lockiges Haar. Er war der vierte Sohn eines Schneiders aus Exeter und seit einem Jahr in der Marine. Fast sein ganzes Gehalt schickte er zu seiner Familie, da das Geschäft seines Vaters nicht alle ernähren konnte. Er erzählte mir das sie insgesamt neun Kinder waren und als er vor einem Jahr seine Familie verließ war Nummer zehn schon unterwegs. „Wie alt ist deine Mutter?“, stellte ich ihn die Frage. Er schaute mich kurz an, schluckte den Bissen Brot schnell herunter und grinste mich an. „Ich glaube so dreißig. Bekommt jedes Jahr ein neues. Ist schon nichts besonders mehr und mein Vater ist nur noch genervt. Sagt wir würden ihn noch in den Ruin treiben.“, antwortete der Junge und aß gemütlich weiter. Ich nahm Evans Truhe und lies Henry nach einer Weile alleine. Vorsichtig trug ich die Truhe in unsere Kabine, dann ging ich zurück aufs Deck und stellte mich neben Shay, welcher damit beschäftigt war den Kurs zu berechnen. Ich beobachtete genau, doch ganz schlau wurde ich aus dem was er tat nicht.

 

 

Shay legte vorsichtig seinen Sextanten zurück in die Schachtel und schaute mich an. „Wie funktioniert das Ding?“, fragte ich ihn. Shay nahm das Gerät wieder aus der Schachtel und legte ihn mir in meine Hand. „Als erstes musst du wissen aus welchen Teilen der Sextant besteht. Das sind der Limbus, die Horizontspiegel, die bewegliche Alhidade mit der Trommel und dem damit verbundenen Indexspiegel, das Fernglas und hier sind diverse Schattenspiegel zum abdunkeln des Horizontspiegels und des Indexspiegels.“, erklärte mir Shay und zeigte auf die Bauteile. Das hörte sich jetzt schon kompliziert an. Shay schaute zu mir und deutete meinen überforderten Gesichtsausdruck richtig. „Du verstehst kein Wort von dem was ich sage.“, meinte er grinsend zu mir. „Nicht wirklich aber, wenn du es mir noch oft genug erklärst dann vielleicht schon.“ „Komm her ich zeige dir wie es geht“, antwortete er. Shay war geduldig mit mir und nach einer halben Stunde hatte ich es einigermaßen verstanden.

 

 

Zusammen gingen wir in unsere Kabine und Shay fing sofort an den Kurs zu bestimmen. Ich setze mich auf unser Bett, zog die Stiefel aus und machte es mir bequem, bevor ich mir diese Truhe von Evans genauer ansah. Das Ding stand vor mir und sah aus wie jede andere Truhe. Sie war aus dunklen Holz angefertigt, vermutlich Kirsche, hatte zwei kleine Scharniere aus Eisen und an den Seiten einen Griff, damit man sie besser tragen konnte. Also nichts Ungewöhnliches. Auch das Schloss sah aus wie jedes andere, aus Eisen und nur mit einem Schlüssel zu öffnen. Warum war ich dann diesen Ding hinterher gesprungen? fragte ich mich. Mir entwich ein genervtes stöhnen, welches von Shay gekonnt ignoriert wurde.

 

 

Ich versuchte den Deckel zu öffnen, doch wie ich es mir schon dachte, die Truhe war verschlossen. Ich aktivierte meine versteckte Klinge und hatte das gute Stück in weniger als einer Minute offen, doch was ich darin vorfand entsprach nicht meinen Vorstellungen. Einfach lauter Papier. Es sah aus wie Briefe. Na super hatte ich dafür etwa mein Leben riskiert, für die Briefe von Evans. Frustriert lies ich mich auf das weiche Kissen hinter mir fallen. „Was hast du?“, fragte mich Shay, welcher mich anscheinend beobachtet hatte. „Ich weiß nicht. Diese Truhe ist von Evans und als sie ins Meer gefallen ist, hatte ich das Gefühl sie würde mich rufen und jetzt mach ich das Ding auf und da drinnen sind nur Briefe, Frachtlisten so wie es aussieht.“, erklärte ich Shay und schaute nochmal auf eine dieser Listen. „Faith vielleicht hast du dich bei diesem Gefühl geirrt, ich meine du warst an dem Tag erschöpft, nicht nur durch deinen Kampf mit Evans, sondern der Sturm und alles. Mach dir nicht so viele Gedanken“, sagte Shay und setzte sich neben mich auf das Bett. Ich hörte ihm kaum zu, denn diese Listen kamen mir bekannt vor. Ich schnappte mir die kleine Kiste und breitete alles auf dem Bett aus. „Diese Listen ich habe...“, murmelte ich als mir was einfiel. Hatte ich so was nicht bei dem Templerkurier in Havanna gefunden. Ich sprang auf und suchte im Schreibtisch nach den Papieren, doch die waren nirgends zu sehen.

 

 

Shay hast du ein paar Frachtlisten in deinem Schreibtisch gesehen?“, fragte ich ihn und hoffte das er mir helfen konnte. „Nein...Was ist los, du benimmst dich seltsam. Sind sie vielleicht noch in einer der Taschen von deinem Ornat?“, meinte Shay und betrachtete die Briefe von Evans. Schnell suchte ich meine Kleidung, doch sie war nirgends zu finden. „Shay wo ist mein Ornat?“, fragte ich ihn. „Keine Ahnung, ich glaube Jason hat vorhin unsere Wäsche geholt.“, sagte er. Ich stürmte so schnell ich konnte aus unserer Kabine, rannte über das Deck und verschwand dann im inneren des Schiffes. Ich erreichte die Kombüse, wo Max Henry gerade in seine Arbeiten einwies. „Wo ist Jason?“, fragte ich die beiden. „Hat gerade das Wasser geholt und gemurrt das er waschen muss. Meinte was von Frauenarbeit. Glaube Gist hat ihn dazu verdonnert.“, antwortete Max und zeigte in den hinteren Teil des Schiffes. Ich bedankte mich und ging so schnell wie ich konnte zu dem Schiffsjungen. Ich fand ihn über einen großen Zuber gebeugt und er schrubbte ein Hemd von Gist, so wie es aussah. „Mein Ornat, wo ist er?“, fragte ich ihn und er schaute böse zu mir. „Auf der Leine, gewaschen Weib.“, knurrte Jason unfreundlich. Ich überging sein Verhalten und durchwühlte die Taschen meines Ornats, welche aber leer waren. „War da was drin?“, fragte ich den Jungen weiter. Er stand auf und drehte sich zu mir. „Nein alles leer und verschwinde Weibsbild, ich hab noch zu tun.“, keifte er mich voll.

 

 

Ich schaute den Jungen an, welcher höchstens sechzehn sein konnte. Seine schwarzen Haare und die dunklen Augen blickten mich hasserfüllt an. Was hatte ich ihm denn getan, fragte ich mich. Doch bevor ich antworten konnte, tauchte Shay neben mir auf. Der Junge schluckte merklich. Nun war seine Klappe wohl nicht mehr so groß. „Mister O’Connor unsere Schiffsärztin hat dich was gefragt.“, sagte er in einem kalten Ton zu dem Jungen. „Okay es war was darin. Nur zwei Tücher und drei Blatt Papier.“, stammelte er und übergab Shay mit zitternden Händen mein Hab und Gut. „Danke.“, sagte ich noch nett zu ihm als wir ihn verließen. Aus den Augenwinkel sah ich wie er mir frech die Zunge herausstreckte. Na diesen jungen Bengel würde ich wohl in naher Zukunft noch Manieren beibringen müssen.

 

 

Wir gingen zurück in unser Reich und breiteten die Frachtpapiere auf dem Schreibtisch aus. Ich schaute darauf, aber ich konnte einfach kein Muster erkennen. „Seltsam...“, murmelte Shay in seinen Bart. „New York wird mehrmals erwähnt, Boston und Virginia. Dazu noch New Orleans und Havanna. Und auf diesen von England nach New York, England nach Paris und von dort nach Rom. Was hat es damit auf sich. Prinzessin du hast die von Evans und diese?“, fragte Shay mich und deutete dabei auf die Listen aus Havanna. „Von einem Templerkurier. Von ihm wusste ich auch das Evans in Nassau war und nicht in Kingston.“, sagte ich. „Das ist alles sehr seltsam. Hier steht von New York nach Nassau, doppelte Lieferung. Ich werde Gist mal fragen, vielleicht weiß er was es bedeutet. Sonst war nichts mehr in der Kiste, mo aingeal?“, fragte Shay weiter.

Ich ging zu der Kiste und schaute nochmal rein, aber sie war leer. Seltsam das Ding sah von außen größer aus. Ich klappte den Deckel zu und stellte die Kiste neben die Bücher auf meiner Bettseite. Shay nahm unterdessen die Listen und zusammen suchten wir unseren ersten Maat auf.

 

 

Wir fanden Gist in seinem Quartier. Hier war ich noch nie gewesen. Immer wenn ich unseren ersten Maat behandelte hatte, war er auf meiner Krankenstadion gewesen. Shay klopfte an den Türrahmen und trat einfach ein. Ich folgte ihm leise und wir beide fanden Gist an seinem Schreibtisch vor. „Christopher mein Freund, könntest du dir etwas ansehen?“, fragte Shay seinen Templerfreund. Ich schaute mich derweil unauffällig in seinem Reich um. An der Wand zu meiner Rechten war eine Koje, gegenüber ein Schrank. Dazwischen stand am Fenster ein Tisch und dazu ein Stuhl. Das war alles. „Sind Frachtlisten, aber irgendetwas ist faul an dieser Sache, Captain. Hier zum Beispiel, bleibt in New Orleans auf weiteres. Und da England nach New York wird in Oktober erwartet. Was auch immer es ist, ihr beiden, das ist bestimmt keine gewöhnliche Fracht. Schätzchen weißt du noch was die Assassine gesagte hat, bevor sie gestorben ist?“, fragte Gist. Ich schaute den Templer überrascht an. Was hatte diese Assassine gesagt? „Ich glaube das uns einer verraten hat, sie hat ja gedacht ich gehöre zum Orden. Aber wenn das so ist glaube ich zu wissen wer uns helfen könnte.“, meinte ich und erklärte den beiden meinen kleinen Plan.

 

*****

 

 

Vier Tage später waren wir an unserem Ziel, Nassau. Hier wollte ich der Bordellbesitzerin einen weiteren Besuch abstatten. Sie hatte mir gesagt, dass ihre Großmutter in der Bruderschaft war. Was wenn sie auch dazu gehörte? Ich verließ mit Shay in der Abenddämmerung die Morrigan und zusammen bahnten wir uns einen Weg durch den Trubel. Ich schielte immer wieder zu meinem Templer herüber. Er sah so anders aus in einem Ornat, fast so wie in Lissabon, nur ohne Bart. Ich sah wieder auf den Weg vor mir und wäre fast mit einem Passanten zusammengestoßen, wenn Shay mich nicht zu Seite gezogen hätte. Ein tadelnder Blick von ihm brachte mich wieder dazu an unseren Auftrag zu denken. „Die Dame wird uns helfen?“, fragte mich Shay auf unseren Weg zum Bordell. Ich grinste ihn an. „Bestimmt, sie ist eine Assassine und sie hat mir die Informationen zu Evans gegeben. Sie wird uns schon sagen was wir wissen wollen, oder warum hätte ich sonst auf deinen alten Ornat bestanden. Denk einfach an unsere Geschichte, wir kommen aus London und suchen nach dem Tod von Evans seine Kontakte um diese auszuschalten.“, erklärte ich ihm und ging durch die Eingangstür des Bordells.

 

 

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Frau mal ein Freudenhaus besuchen würde.“, hörte ich Shay sagen. Ich kicherte leise über seine Bemerkung und freute mich wie Shay das Wort meine Frau aussprach, so liebevoll. Ich führte uns zu einem Tisch in einer dunkleren Ecke, an den wir uns setzten. Keine Minute später wurden wir von einer blonden vollbusigen Frau entdeckt. Sie schwang ihre Hüften verführerisch und setzte sich elegant auf unseren Tisch. Sie schaute zu mir, musterte mich und entschied das ich keine Konkurrenz für sie war. Die blonde Dame drehte sie theatralisch zu Shay und lächelte ihn kokett an. „Was kann ich für so einen Mann wie dich tun?“, hauchte sie leise zu Shay. „Nichts.“, knurrte er sie kalt an. Ja Shay war seine letzte Begegnung mit einer Hure noch gut in Erinnerung. Er spürte jetzt noch die Nachwirkungen des Giftes, welche die Assassine im verabreicht hatte. Ich blickte zu ihm und seine ganze Ausstrahlung war eisig. Ich nannte dieses Verhalten von ihm seine Templerart und akzeptierte es, solange das nicht mir galt. „Wir wollen mit der Chefin reden.“, sagte ich der blonden Hure und gab ihr eine der römischen Münzen. Sie stand beleidigt auf und verschwand im Trubel des Hauses.

 

 

Keine zwei Minuten später stand ein fetter alter Mann an unseren Tisch. Wo war die Dame hin, welche das letzte Mal hier war? Ich fragte ihn doch er schaute mich abwertend an. „Ist weg und nun Weib verschwinde bist schlecht für das Geschäft.“, schnarrte er mich an, griff grob meinen Arm und zerrte mich von meinem Stuhl. Sein Griff tat höllisch weh und mir entwich ein schmerzhaftes Stöhnen. „Lasst meine Frau los oder ihr seid Tod!“, knurrte Shay und stand auf. Shay überragte den Mann über einen Kopf und strahlte eine eisige Aura aus. Der Mann lies mich los und schubste mich zu Shay, welcher mich langsam hinter sich schob. „Ich färbe wirklich auf dich ab“, murmelte er leise zu mir, bevor er dem Besitzer mit einem Kinnhaken k.o. schlug. Die anderen anwesenden Männer standen langsam auf und einige knackten schon mit ihren Fingern. Oh oh das war nicht gut, hier würde es bestimmt gleich eine Schlägerei geben und das alles wegen mir. „Faith such nach Informationen wo die frühere Besitzerin ist, ich komme hier schon klar.“, flüsterte er mir zu, dann gingen die ersten Schläger auf ihn los.

 

Die Huren fingen an zu schreien und ich nutzte die Ablenkung und schlich mich in den hinteren Teil des Hauses. Nachdem ich einige Türen geöffnete hatte, entdeckte ich das Büro des Besitzers. Schnell schloss ich die Tür, blockierte diese mit einem Stuhl und fing an die Schränke und Regale zu durchwühlen. Der Erste Schrank war voll mit Flaschen, der Zweite mit interessanter Kleidung. Ich nahm eines der Kleider heraus und war erstaunt das es so was gab. Es war aus einem leichten Stoff und verdeckte nur das nötigste. Ob das Shay an mir gefallen würde, fragte ich mich, doch dafür hatte ich keine Zeit. Ich suchte weiter und im Schreibtisch wurde ich fündig. Die verschlossenen Schubladen knackte ich einfach mit meiner versteckten Klinge. Darin lagen lauter Briefe, Frachtlisten um genauer zu sein. Super genau das würden wir noch brauchen, weitere kryptische Listen. Ich durchwühlte alle Fächer aber nirgends fand ich einen Anhaltspunkt wo die ehemalige Chefin hin war. Ein donnern gegen die Tür lies mich mit meiner Suche aufhören. Der Stuhl flog um und ich versteckte mich in dem Kleiderschrank. Na toll jetzt war ich gefangen.

 

 

 

 

Was...? Tiffy wo bist du elende Hure. Hast dich wieder an meinen Schnaps vergriffen! Komm raus oder ich werde dich umbringen!“ schrie der Mann und von der Stimme her erkannte ich das es der Besitzer war. Ich hoffte er würde nicht im Kleiderschrank suchen, doch da öffnete sich schon die Tür und ich blickte in das Zornige Gesicht des dicken Mannes. „Du Weibsbild, komm raus!“, schrie er und griff mit seinen Wurstfingern nach mir. Ich duckte mich unter seinem Griff weg und trat nach seinem Schienbein. Der Kerl schrie auf, stolperte nach hinten und dann durchbohrte ein Säbel seine Brust. „Ich habe euch gesagt lasst meine Frau in Ruhe oder ihr seid Tod!“, knurrte Shay und zog sein Schwert aus dem Körper des Mannes. Es gab ein lautes Geräusch als der Besitzer gegen das Regal krachte. Er versuchte seine Blutung mit seinen Händen zu stoppen, doch die Wunde von Shay war tödlich, er würde bald seinem Schöpfer gegenübertreten. „Ich wusste diese Hure macht nur Ärger, als sie vor zwei Wochen hier auftauchte. Hat mir ne Menge Geld geboten für ne Weile zu verschwinden. Hat sogar ihr eigenes Mädchen mitgebracht. Ne schwarzhaarige Schönheit. Und jetzt ist sie weg und ich muss alles ausbaden“, sagte der Mann schwach. Ich kniete mich neben ihn. „Wo ist sie hin, bitte?“, fragte ich ihn und hielt seine Hand. „Nach Havanna Mädchen, tu mir nen Gefallen und bring es zu Ende“, meinte er und spuckte einen Schwall Blut. „Requiescat in pace“, murmelte ich leise und beendete das Leben dieses Mannes.

 

 

Wir verließen das Bordell mit den neuen Frachtlisten und als wir schon ein Stück gegangen waren, zog mir Shay etwas von der Schulter. Er blieb stehen und betrachtete das Stück Stoff. Ich schaute zu ihm und wurde schlagartig rot im Gesicht. Wie kam dieses verruchte Kleid auf meine Schulter und warum hatte ich es nicht mitbekommen. Shay drehte sich mit einem Grinsen zu mir, hielt es an mich und es sah so aus als ob es mir passen könnte. Ich betrachtete das Kleid genauer. Es war bodenlang, hatte vorne einen Schlitz, welcher bis zu meiner intimsten Stelle reichte. Die Ärmel waren luftig und der Ausschnitt würde bis auf meine Brust gehen. Der Stoff war leicht durchsichtig und weich. „Das ist ein Seidenkleid, das kostete ein kleines Vermögen“, sagte ich und war sprachlos. Wo hatte der Mann nur das Geld her um solch ein Kleid zu kaufen? „Dann behalte es, sieh es als kleinen Ausgleich für den ganzen Ärger“, sagte Shay und steckte das Kleid in eine seiner Taschen. „Du willst es mir doch nur vom Leib reißen“, erwiderte ich und trat näher an ihn heran. „Vielleicht Prinzessin, obwohl bei dem Schnitt komme ich an all deine wichtigen Stellen“, grinste Shay mich lüstern an. „Später, lass uns erst mal wieder aufs Schiff gehen“, meinte ich und wollte weiter, aber Shay schnappte meine Hand und drückte mich gegen die nächste Hauswand. Er hielt meine Arme über meinem Kopf fest und küsste mich verlangend. „Shay nicht hier“, meinte ich und versuchte mich zu befreien. „Wieso nicht, wir sind in der Nähe eines Bordells und keiner wird uns beachten“, antwortete er mir und fing an meinen Hals zu Küssen.

 

 

 

Wir kamen eine Stunde später auf der Morrigan an, total erschöpft lies ich mich auf unser Bett fallen. Ich hatte es natürlich nicht geschafft Shay von seinem Vorhaben abzubringen. Ich schaute ihn an, aber er war vertieft in die neuen Listen aus dem Bordell. „Shay du weißt wir hätten erwischt werden können“, meinte ich zu ihm. Er schaute auf und grinste mich an. „Kann sein aber gib zu es hat dich genauso gereizt wie mich. Du hättest mir halt nicht dieses Kleid zeigen sollen“, antwortete er und schmiss mir besagtes Kleidungsstück zu. Ich fing es auf und ich bewunderte wie weich es war. „Hier ist wirklich etwas Seltsames“, sagte Shay und holte mich so aus meinen Gedanken. Ich stand auf und ging zum Tisch. Shay zeigte auf New York. „Hier ist ein Datum, der 26. September und daneben steht Ladung erloschen“, meinte er und bei mir fiel plötzlich der Groschen. „Shay der 26. September, an diesem Tag hatte dir die Hure das Gift gegeben. Wo sind die anderen Zettel?“, fragte ich ihn aufgeregt. Shay legte alles auf den Tisch. „Hier steht New York- Nassau doppelte Ladung. Die Ladung sind Templer. Ihr seid aus New York gekommen und euer Ziel war Nassau. In Nassau wurdest du angegriffen. Der Besitzer hat gemeint die ehemalige Chefin hat ein Mädchen mitgebracht. Das war eine Assassine und sie wussten das die Morrigan hier anlegen würde. Shay diese Frau hat sich bestimmt nicht abwimmeln lassen und wer hat dich so abgefüllt?“, fragte ich. „Der Wirt der Taverne. Sie kam zu mir und setzte sich auf meinen Schoss, doch ich habe sie runtergeschubst. Irgendwann war ich so dicht, dass ich sie einfach habe machen lassen. Ich meine ich...“, Ich unterbrach ihn mit einem schnellen Kuss. „Auf zur Taverne“, sagte ich und zusammen gingen wir wieder in die Stadt.

 

 

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7.Oktober 1757

 

 

Wir sind seit gestern Nachmittag in Havanna und ich frage mich ob wir die Assassine finden werden. Shay ist gerade mit Gist im Hafen unterwegs und versucht etwas über unser Ziel herauszubekommen, doch ich denke er wird mit leeren Händen zurückkehren. Der Wirt der Taverne war um einiges redseliger als der Besitzer des Bordells. Er hatte gutes Geld bekommen, damit er Shay total betrunken machte. Mehr wusste er nicht und so waren wir am nächsten Tag nach Havanna aufgebrochen. Sobald Shay zurück ist, muss ich mir in der Stadt ein Kleid kaufen. Ich falle hier mit einem Ornat zu sehr auf. Letzte Nacht hatten wir die Stadt erkundet und Shay war ganz anders als früher. Er war zuvorkommend und zeigte mir nicht ein einziges Mal seine Templerart. Er ist fast so wie ich ihn kennen gelernt habe und es freut mich. Mal sehen wie es ist, wenn wir wieder in New York sind. Dort wartet unser Alltag wieder auf uns. Hoffentlich bleibt Shay so, ich weiß nicht was ich machen soll, wenn er wieder so kühl zu mir ist.

 

 

Ich blickte auf und sah wie der Mann meiner Gedanken durch die Tür in unsere Kabine kam. Shay setzte sich müde auf das Bett und schenkte mir ein kurzes lächeln. Ich streute Sand auf die frische Tinte und legte die Schreibsachen beiseite. „So wie du aussiehst habt ihr nicht wirklich was erreicht“, meinte ich und gab ihm einen Kuss. „Nicht wirklich Prinzessin, aber sie ist vor ungefähr einer Woche hier angekommen und dann nach drei Tagen mit einem Schiff, die Eloisa wieder weiter“, meinte er. „Na dann müssen wir rausbekommen was sie hier gemacht hat. Ich vermute die Assassinen können uns da helfen“ grinste ich ihn an. „Nun ich war 1751 mit Liam hier, aber wie sollen wir sie davon überzeugen uns zu helfen? Schon vergessen ich bin ein Verräter und Templer“, sagte Shay. „Aber die wissen das doch nicht. Die Wissen vielleicht das es dich gibt, in New York aber gesehen haben sie dich nicht. Los zieh deinen Ornat an, wir werden den Assassinen einen Besuch abstatten“, meinte ich und schmiss Shay besagtes Kleidungsstück zu.

 

 

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Wir standen auf einem Dach gegenüber des Assassinen Stützpunkts und Shay überprüfte die Umgebung mit seinen Adlerblick. „Keine Wachen in der Nähe und im Haus sind drei Leute. Vermutlich Assassinen. So und nun verrate mir woher die Assassinen wissen das sie uns vertrauen können?“, fragte Shay skeptisch. Ja ihm gefiel dieser Plan nicht aber eine andere Möglichkeit etwas über diese Frau herauszufinden gab es nicht. „Laa shay'a waqi'un moutlaq bale kouloun moumkine“, sagte ich und fing an auf die Straße zu klettern. „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt. Du denkst echt das klappt?“, fragte Shay mich immer noch misstrauisch. „Ja warst du nie bei einer anderen Bruderschaft?“ „Nein nur einmal hier, aber ich habe das Gebäude nicht betreten. Liam und ich sollten draußen warten, während Achilles drinnen etwas erledigt hat. Wo warst du schon alles?“ „In Frankreich ach und in Hessen und Preußen. Die Deutschen sind in lauter kleine Gruppen aufgespalten, so wie es ihr Land ist. Charles hatte mich ein Jahr mit auf Reisen genommen, das war kurz nachdem ich von meiner Familie erfahren hatte. Ich hasste John dafür das er mir das nicht alles früher gesagt hatte. Aber ein Jahr später konnte ich ihm wieder verzeihen. Die Reisen waren lustig, ich habe viele verschiedene Menschen getroffen“, erzählte ich Shay. „Es war eine schöne Zeit, ich habe mich da seit langen wieder wie ich selbst gefühlt. Und ich habe eine Menge gelernt, außer der französischen Sprache. Charles war genervt von mir, aber er hat immer geduldig alles für mich übersetzt“, schwelgte ich weiter in meinen Erinnerungen.

 

 

Mittlerweile waren wir vor der Tür und Shay klopfte laut an. Es dauerte einen Moment, dann wurde die Tür geöffnet. Ein alter Mann, so Mitte sechzig öffnete die Tür einen Spaltbreit und starrte uns überrascht an. Ich sprach die Worte, und zeigte ihm meine versteckte Klinge. Shay tat es mir gleich. Er sagte was auf Spanisch und Shay antwortete ihm. „Inglaterra“ Der Mann schaute überrascht. „Kommt rein ihr müsst eine weite Reise hinter euch haben“ sagte er in einem gebrochen englisch. Ich trat ein und Shay folgte mir. Aus dem Augenwinkel sah ich wie er kurz seine Gabe aktivierte.

 

 

Der Assassine führte uns in einen spärlich eingerichteten Raum, welcher nur vier Stühle und einen Tisch hatte. „Setzt euch, ich bin gleich wieder bei euch, muss nur noch etwas erledigen. Es sind nämlich heute noch zwei weitere Assassinen angekommen. Sie sind glaube ich schon in ihren Zimmern“, erklärte der alte Mann und huschte flink aus dem Raum. „Was nun Prinzessin?“, fragte mich Shay. „Abwarten, er misstraut uns und wir ihn. Wahrscheinlich will er das wir was für ihn tun, dann wird er uns sagen wo sie hin ist. So war das in Europa, keine Leistung ohne Gegenleistung. Ein nehmen und geben“, erklärte ich ihm und setzte mich auf einen der Stühle. Der Stuhl knarrte unter meinem Gewicht und das brachte Shay dazu mich kurz anzugrinsen. „Ich bin nicht zu schwer, das ist der Stuhl“, verteidigte ich mich. „Ich weiß du hast abgenommen, ich spüre jede Nacht deine Rippen, wenn ich dich umarme. Ich glaube wenn wir wieder zu Hause sind muss ich dich füttern“, lächelte er mich an und gab mir einen Kuss.

 

 

Ein räuspern unterbrach unseren Kuss. „Das Essen ist in der Küche und danach reden wir über euer hier sein“, sagte der Assassine und führte uns in die Küche des Hauses. Dort saß noch ein weiterer Mann und ich hörte einen leisen Fluch von Shay. Der Mann vor uns hatte eine dunkle Hautfarbe und trug einen grauen Assassinen Mantel. Genauso einen wie Haytham. Seine fast schwarzen Augen schauten uns misstrauisch an. „Wer sind die beiden?“, fragte er den alten Mann. „Neuankömmlinge aus England. Dachte gebe den beiden erstmal was ordentliches zu Essen, so wie die aussehen“, brummte er als Antwort. Der Alte stellte uns zwei Schalen mit Eintopf auf den Tisch und für jeden legte er ein Stück Brot dazu. „Noch Brot Meister Adéwalé?“, fragte er den anderen Mann. „Ja, kommt setzt euch. Wir begegnen hier nicht oft Brüdern und Schwestern aus England. Erzählt wie verläuft euer Kampf. Ich habe gehört ihr seid nur eine kleine Truppe, aber ihr könnt gute Ergebnisse erzielen“, sagte Adéwalé und deutete auf die Stühle gegenüber von ihm.

 

 

Ich merkte wie Shay seine Kapuze tiefer ins Gesicht zog. Kannte er etwa Adéwalé? „Danke für die Einladung, ich bin am verhungern“, antwortete ich und setzte mich dem Assassinen gegenüber. „Seid ihr wirklich der legendäre Adéwalé?“, platzte es aus mir heraus. Na super meine Erziehung war wohl dahin und ein scharfer Blick von Shay zeigte mir, dass er mit meinem Verhalten alles andere als einverstanden war. „Ehm ja und ihr seid?“, fragte er mich. „Emilia Roberts und das ist Jack“, stellte ich uns vor und nahm den ersten Löffel mit dem dampfenden Eintopf. Ich hatte gar nicht gemerkt wie hungrig ich war. „Was führt euch zu uns, Miss Roberts?“, fragte Adéwalé mich. „Mason Evans“, sagte ich grimmig. „Mason Evans ist auf den Weg in eure Heimat“, antwortete der Assassine mir. „Nicht mehr wir haben ihn erwischt, doch wir fanden ein paar seltsame Briefe und da haben mein Freund und ich beschlossen noch seine Kontakte auszuschalten. In den Briefen war von Frachtgut die Rede. Und da England mehrmals erwähnt wurde, gehen wir dem jetzt nach. Aus diesem Grund sind wir auch hier. Vielleicht könnt ihr uns helfen. Wir beide hatten in Nassau Hilfe von einer älteren Dame, doch sie ist weg“, erklärte ich Adewalè freundlich.

 

 

 

Ihr sucht Vivien“, sprach uns eine weibliche Stimme von der Tür an. Ich schaute von meinen Essen auf und blickte in die schwarzen Augen einer Frau. Sie hatte wie Adéwalé Tätowierungen im Gesicht, welche ihre Haut noch dunkler erscheinen ließen. „Adéwalé sagt nichts“, meinte sie und setzte sich neben den Assassinen Meister. „Ihr beide seit seltsam, du redest die ganze Zeit und dein Begleiter schweigt. Oben konnte er doch noch reden. Ihr beide seid verdächtig“, knurrte sie und starrte mich kalt aus ihren Augen an. „Jack redete nicht so gerne, aber wenn ihr uns oben belauscht habt, dann wisst ihr das wir gerne bereit sind euch zu helfen. Eine Leistung für eine Gegenleistung. Wir helfen euch und ihr bringt uns zu Vivien“, sagte ich ihr ruhig. „Einverstanden“, meinte sie und reichte mir ihre Hand. Ich schlug ein und da brach der alte Assassine in Gelächter aus. Der Alter Mann fand wohl diese Situation komisch, doch es störte mich nicht und ich widmete mich wieder meine Eintopf. Nach ein paar Minuten stand der alter Assassine auf. „Kommt ich zeige euch euer Zimmer für die Nacht, bei Sonnenaufgang werdet ihr vier aufbrechen. Der Plantagenbesitzer wird nicht wissen wie ihm geschieht“, sagte der Alte und führte Shay und mich in eines der Gästezimmer.

 

 

 

Der Morgen war viel zu früh da, vor allem da ich am Abend noch eine heftige Diskussion mit Shay hatte. Er war gegen meinen Plan aber mein Argument das wir so das Leben etlicher Menschen retten konnten, überredete ihn. Nun lief er schweigsam neben mir her und ich unterhielt mich leise mit Adéwalé über unsere Aufgabe. Die Frau vom Abend musterte mich die ganze Zeit. Kurz vor unserem Ziel erreichten wir eine kleine Hütte, hier würden wir bis zum Anbruch der Nacht warten. Dann wäre es einfacher sich auf die Plantage zu schleichen und die Sklaven zu befreien. Ich saß neben Shay und starrte vor mich hin. Mein Templer hatte den ganzen Tag noch kein Wort mit mir gesprochen und es stimmte mich traurig. Als die anderen zwei Assassinen die Umgebung auskundschafteten, drehte ich mich zu ihm. „Shay ich...“, „Schon gut es gibt keinen anderen Weg, nur denke nicht dass diese Zwei unsere Freunde sind. Sobald wir haben was wir brauchen, verschwinden wir von hier. Und nimm es mir nicht übel das ich nicht mit dir Rede, ich will nur nicht von Adéwalé erkannt werden“, erklärte Shay und zog mich dann in seine Arme. „Gráim thu mo aingeal“, flüsterte er mir leise zu. „Gráim thu mo chride“, antwortete ich und hörte plötzlich ein leises Lachen neben mir. „Prinzessin, wenn du es schon auf Irisch sagst dann sag a chroí statt mo chride. Wie wäre es, wenn ich dir irisch beibringe?“, fragte Shay mich. „Ja und ich dir gälisch“, sagte ich lächelnd und genoss die kurze Zeit mit ihm alleine.

 

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Die Nacht war schneller da als mir lieb war. Kurz bevor wir aufbrachen hatte die Assassine, Aminata war ihr Name, eine Überraschung für mich. Sie zog mich in die kleine Hütte und schmiss mir ein Bündel Sachen vor die Füße. „Dein Ornat ist zwar echt schick, aber die ganzen Schnallen würden im Fackelschein zu sehr glänzen. Zieh das an“, sagte sie streng zu mir. Zögerlich begann ich meinen Ornat auszuziehen. Sie verfolgte jede meiner Bewegungen mit ihren Augen und ihr Blick blieb auf meinen Narben hängen. „Wer hat dir das angetan, Emilia?“, fragte sie mich und strich sanft über die größte Narbe an meinem Bauch. Durch ihre Berührung bekam ich eine Gänsehaut, so hatte mich bis jetzt nur Shay berührt. „Templer, einer von ihnen war Mason Evans“, sagte ich knapp und zog mir schnell das Hemd über. Danach folgte noch eine Hose und über meine Haare kam ein Tuch. Während ich meine Klingen anlegte, fing Aminata an meine Haut mit einer braunen Paste einzureiben. „So jetzt fällst du weniger auf. Los beeil dich“, scheuchte sie mich aus der Hütte

 

 

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Der Mond war bereits schon am Untergehen, als wir vier die Plantage erreichten. Shay's Blick über meine Verkleidung war Gold wert und ich grinste ihn einfach an, denn er war der nächste. Ich half Aminata dabei und nun waren wir zwei als einfache Sklaven getarnt. Shay hatte so ähnliche Sachen an wie Adéwalé und seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Ich schaute nochmal zu Adéwalé welcher uns den Plan zum dritten Mal erklärte. Dachte er etwa wir würden seinen Anweisungen nicht befolgen. Aminata und ich würden die Sklaven befreien, Shay sollte sich um die Wachen kümmern, Adéwalé würde sich in das Haus schleichen und den Besitzer ermorden. Ich folgte leise Aminata und wir erreichten ungesehen die Quartiere der Sklaven.

 

 

Emilia du kümmerst dich um den Aufseher, ich befreie die Frauen“, befahl sie mir und verschwand in der Dunkelheit. Ich schlich ungesehen zu einem der Häuser, welche in der Nähe des Haupthauses standen, öffnete leise die Tür und fand besagten Herren schlafend in seinem Bett vor. Doch zu meinem Pech war er nicht alleine. Vor seinem Bett schlief ein junges Mädchen. Sie war nackt und hatte ein Halsband um, mit welchem sie an den Bettpfosten gekettet war. Als ich mich dem Aufseher näherte erwachte sie und starrte mich aus ihren braunen Augen geschockt an. Ich legte meinen Finger auf meine Lippen um ihr damit zu sagen, dass sie ruhig sein sollte. Bevor sie überhaupt etwas machen konnte, fand meine versteckte Klinge ihr Ziel im Hals des schlafenden Mannes. Ich nahm den Schlüssel von der Kommode und befreite die Frau. „Komm mit“, sagte ich zu ihr, aber sie schien mich nicht zu verstehen. Also nahm ich einfach ihre Hand, schnappte mir einen Haufen Sachen, welche bestimmt ihr gehörten und zog sie nach draußen. Dort wartete Aminata schon auf mich.

 

 

Die Frauen habe ich, wir müssen zu den Männern“, meinte sie und lief in die Dunkelheit davon. Das Mädchen neben mir, befreite sich aus meinem Griff und rannte zu den anderen Frauen. Ich folgte Aminata zu den Unterkünften der Männer. Als wir die Wachen überwältigt hatten und in das schäbige Haus kamen, erblickte ich ein Bild des Grauens. Die Menschen waren an Pfeiler gekettet und mussten die Nacht im Stehen verbringen. Viele der Männer hatten Verletzungen, alte und neue. Ich nahm die Schlüssel und fing an die Menschen zu befreien. Der letzte Mann war aber nicht nur angekettet, sondern man hatte ihm auch einen Nagel durch die Hand geschlagen. Wie konnte man das diesen Menschen nur antun?

 

 

Inglaterra( spanisch)- England

 

 

 

Aminata holte mich aus diesen grausigen Beobachtungen indem sie mich einfach nach draußen zog. „Tief durchatmen Emilia. Wir haben es gleich geschafft“, sagte sie und versuchte mich zu beruhigen. Warum nahm mich dieses Schicksal der Menschen so sehr mit. Ich meine, ich war eine Heilerin und hatte in meinem Leben schon unzählige Verletzungen und Tote gesehen. „Geht es wieder?“, fragte mich die Assassine. „Ja ich kann nur nicht glauben das.…“ „Ja aber so ist die Welt nun mal und wir kämpfen damit das nicht überall passiert. Wir müssen die Templer aufhalten Emilia. Für die Freiheit!“, sagte sie und fing dann an die freien Sklaven in kleine Gruppen zu sortieren. „Ihr geht da lang, und ihr da“, erklärte sie alles genau und als fast alle in den Zuckerrohrfeldern verschwunden waren, tauchte Adéwalé bei uns auf. Von Shay fehlte noch jede Spur und langsam machte ich mir Sorgen um ihn. Was wenn die Wachen ihn erwischt hätten?

 

 

Kommt ihr beiden, wir müssen von hier verschwinden.“, meinte der Assassinen Meister. „Nicht ohne Jack.“, sagte ich. Adéwalé schaute in die Dunkelheit und sein Blick war abwesend. Mist! Wenn er Shay so sah, würde Adéwalé ihn sofort erkennen. „Egal Meister Adéwalé. Jack wird schon kommen“, sagte ich und ging in die gleiche Richtung wie die Sklaven. Wir gingen schon ein paar Minuten durch das hohe Zuckerrohrgras und meine Orientierung hatte ich total verloren. Ich folgte den beiden Assassinen, immer geradeaus und hoffte das Shay uns finden würde.

 

 

Adéwalé blieb auf einmal stehen, gab uns ein Zeichen ruhig zu sein und aktivierte seinen Adlerblick. Er griff zu seiner Machete, als ein Mann durch das Gebüsch gestolpert kam. Es war eine Wache. Sie sah uns und wollte schon rufen, doch da erschien eine Gestalt hinter ihm und erledigte die Wache. Der Mann kippte nach vorn und so konnte ich seinen Mörder sehen. Shay. „Du bist spät Jack“, meinte ich. Von Shay bekam ich nur ein nicken, dann ging es weiter für unsere kleine Truppe.

 

 

Wir erreichten die Hütte, zogen uns schnell um und die beiden Assassinen führten uns weiter durch den Wald. Die Sonne fing schon langsam an zu dämmern als wir endlich unser Ziel erreichten, eine kleine Bucht in der ein Schiff vor Anker lag. Shay blieb neben mir stehen. „Das ist die Experto Crede, Adéwalé's Schiff. Wenn wir da auffliegen sind wir Tod“, sagte er leise zu mir. „Werden wir nicht, Adéwalé hat seinen Adlerblick aktiviert und dich damit nicht erkannt. Er denkt du bist Jack aus England. Wir schaffen das mo chride“, antwortete ich ihm und folgte den beiden Assassinen.

 

 

Wir betraten das Schiff, Adéwalé gab gleich den Befehl auszulaufen. Shay und ich stellten uns ein wenig abseits des Geschehens. Mein Templer beobachtete seine Umgebung genau, nahm jedes Detail des Schiffes in sich auf, merkte sich wo die Kanonen und Mörser waren, nur für den Fall, dass er es brauchen würde. Bis jetzt war Adéwalé nicht auf den Schirm der Templer, doch sollte sich der Assassinen Meister in den Krieg einmischen, würden Shay und Adéwalé die Klingen kreuzen. Das wusste auch Shay und als ich ihn ansah merkte ich, dass er seine Gabe aktiviert hatte. „Was siehst du?“, fragte ich ihn leise. „Feinde, sie leuchten alle Rot, nur Aminata ist blau“, erklärte er mir. „Interessant, kannst du mir das auch beibringen? Ich hätte es bei Evans wirklich gut gebrauchen können“, meinte ich und Shay sah mich überrascht an. „Du hast es schon mal versucht, oder?“, fragte er. „Ja aber es war nur kurz alles grau, dann war meine Umgebung wieder normal.“ „Na das ist schon ein Anfang, komm setz dich auf diese Kiste und du probierst es einfach nochmal. Da du deine Welt schon einen winzigen Moment grau gesehen hast, könnte es sein das diese Fähigkeit in dir steckt. Nicht jeder schafft es den Adlerblick zu meistern.“, sagte Shay und setzte sich neben mich.

 

 

Schließe die Augen und konzentriere dich auf deine Umgebung, erweitere deine Sinne. Höre das Rauschen des Meeres und schmecke die salzige Luft, rieche das Holz des Schiffes, fühle es“, erklärte Shay und nahm meine Hand in seine und legte sie auf die Reling. Ich spürte die Maserung des Holzes, roch die salzige Luft um uns und hörte die Männer in verschiedenen Sprachen rufen. Ich hörte wie Adéwalé einen Befehl erteilte und das stampfen der Füße von den Matrosen. „Jetzt öffne deine Augen und blicke dich um“, gab Shay mir weitere Anweisungen. Ich tat was er sagte, aber die Welt blieb so wie sie war. „Nichts“, knurrte ich frustriert. „Dann nochmal, es dauert bis du den Adlerblick beherrschst. Bei mir hat es auch nicht sofort geklappt. Es hat Wochen gedauert und ich glaube ich habe Kesegowaase in den Wahnsinn getrieben“, meinte Shay und so versuchte ich es nochmal.

 

 

Nach einer Stunde gab ich es auf, ich bekam langsam Kopfschmerzen und meine Misserfolge hoben meine Laune nicht wirklich. Wir hatten mittlerweile erfahren wo unsere Reise hinging, Great Inagua. Was wir dort wollten wusste ich nicht, nur das die Überfahrt einen halben Tag dauerte. Ich gähnte müde und wünschte mir ein gemütliches Bett. Mit einmal spürte ich ein Gewicht auf meiner Schulter. Meine Augen wanderten zu Shay, welcher mich einfach als Kopfkissen benutzte. Klar auch er brauchte Schlaf. Die letzten zwei Nächte hatte er davon nicht viel bekommen. Ich lehnte mich vorsichtig an die Reling hinter mir und beobachtete die Matrosen bei ihrer Arbeit. Dabei fiel mir auf, das wir nicht die einzigen Passagiere waren. Auf dem gesamten Deck waren Sklaven, welche sich leise unterhielten, andere schliefen oder starrten stur vor sich hin. Ich sah Aminata, wie sie den Männern, Frauen und Kindern Wasser reichte. Sie stecke einigen Kindern ein Melasse Bonbon zu, welche sie freudig anstrahlten.

 

 

Ihr wirkt nachdenklich“, sprach mich Adéwalé an. „Diese Menschen, keiner hat so ein Los verdient“, meinte ich leise um Shay nicht aufzuwecken. „Nun das stimmt und aus diesen Grund müssen wir die Templer besiegen“ „Aber es sind nicht nur Templer die diese Menschen quälen, Meister Adéwalé. Es sind Menschen die nach Macht und Geld gieren. Sie sehen in diesen Menschen nur einen Gegenstand, eine Ressource und solange wir diese Menschen nicht vom Gegenteil überzeugen, wird es die Sklaverei geben“, sagte ich und schaute in das Gesicht des Assassinen. „Interessante Worte, ihr seid einer der Schwestern die an Frieden glauben, oder?“ „Ja ich meine Freiheit...für diese Menschen bedeutete Freiheit ein Leben ohne Peitsche, für mich bedeutet Freiheit in Ruhe morgens meinen Tee zu trinken und keine Angst zu haben von einem Neider ermordet zu werden. In London...wenn man dem Volk sagt sie wären frei von allen Regeln, es würde das Chaos ausbrechen und ich könnte nicht mehr in Ruhe meinen Tee trinken. Meister Adéwalé ich bin den Assassinen nicht wegen dem Kampf nach Freiheit beigetreten, sondern um Menschen zu helfen, um meine Familie zu beschützen...Freiheit...ein nobles Ziel aber es darf nicht vereinheitlicht werden“, meinte ich. „Einen Interessanten Gedanken, den ich aber nicht für gutheiße. Ihr hört euch fast wie eine Templerin an. Schwester einen Rat...besinnt euch wieder auf das höhere Ziel, schaut über den Tellerrand und ihr werdet sehen die Freiheit des Menschen ist das wichtigste auf dieser Welt“, sagte er und ging wieder zurück auf die Brücke. „Wenn ihm Freiheit so wichtig ist, sollte er aber eine andere Meinung als die seine Akzeptieren“, flüsterte Shay mir leise zu. „Wieder wach?“, fragte ich ihn und streichelte sanft über seine Wange.

 

 

Ich habe nicht geschlafen Prinzessin“, grinste Shay und richtete sich wieder auf um sich ein wenig zu strecken, dabei verrutschte seine Kapuze und genau in diesen Moment sah Adéwalé sein Gesicht. „Cormac!“, schrie er und ich schaute überrascht zu dem Assassinen. Oh Mist jetzt waren wir wohl aufgeflogen. „Männer schnappt euch den Templer!“, bellte Adéwalé seinen Befehl. Die Mannschaft zog blitzschnell ihre Waffen und kam auf uns zu. Shay zog seinen Säbel und den Dolch, ich aktivierte meine versteckten Klingen. „Gebt auf Cormac, ihr werdet nicht lebend von diesem Schiff runterkommen, ihr Verräter und Hund von Kenway“, knurrte der Assassine.

 

 

Auf einmal ging alles ganz schnell, mich griffen drei Männer an und ich blockte ihren Angriff, aber zum Ausweichen hatten ich keinen Platz. Ich stieß an Shay's Rücken und kaum das ich mich versah waren wir von den Männern der Experto Crede eingekreist. „Faith nach oben und dann springen, wir müssen von dem Schiff runter“, flüsterte Shay mir zu. Ich überlegte kurz, doch dann viel es mir wie Schuppen von den Augen, mein Seilwerfer. Ich drehte mich zu Shay, er legte seine Arme um mich und ich zielte mit meiner rechten Hand auf den Mast über uns. Der Hacken fand halt und innerhalb eines Augenblicks waren wir in den Wanten. Shay balancierte leichtfüßig auf dem Holz entlang, ich hatte da eindeutig mehr Schwierigkeiten. Von unten hörten wir Adéwalé einen Befehl bellen, dann flogen uns die Kugeln um die Ohren. Ich klammerte mich am Hauptmast fest, während Shay schon am Ende des Querbalkens angekommen war. Ein Schuss in seine Richtung, besser auf seine Füße, brachte ihn für einen Moment aus dem Gleichgewicht, den Rest erledigte Adéwalé. Er riss das Ruder rum und ich konnte mich mit letzter Kraft noch vorm runterfallen bewahren. Ich schaute auf die Stelle wo Shay war, aber mein Templer war weg. Nein das konnte nicht sein. Ich schaute auf den Ozean und sah Wasser. Wo war Shay hin? Ich spürte wie die Männer mich vom Mast zerrten und mich wieder auf das Deck brachten.

 

 

Grob wurde ich auf meine Knie gedrückt, als ein Schatten über mir auftauchte. Adéwalé. Ich schaute ihn hasserfüllt an, er hatte mir gerade das wichtigste in meinen Leben genommen. Die Männer der Experto Crede suchten immer noch im Meer nach Shay, aber er war nirgends zu finden. „Captain der Templer ist weg, bestimmt tödlich aufgeschlagen“, meldete einer der Männer. „Sucht weiter, er ist schon mal von den Toten auferstanden. Und du, bringt sie in die Zelle. Auf Great Inagua sollen die ältesten entscheiden was mit ihr passiert.

 

 

Ich wurde grob auf meine Beine gezogen und zwei der Matrosen führten mich unter Deck. Sie stießen mich in eine kleine Zelle, spuckten verächtlich auf mich und lachten über einen Witz den sie auf meine Kosten machten. Aber mir war es egal, sollten sie mit mir machen was sie wollten, für mich spielte dass alles keine Rolle mehr. Ich kroch in eine der Ecken und legte meinen Kopf auf meine Beine. Wie konnte ich mir nur diese dämliche Idee ausdenken, als würden die Assassinen uns helfen. Dabei wollte ich doch nur meine Familie beschützen, denn bei einer Fracht war ich mir hundertprozentig sicher, England- New York, Ankunft Oktober. Dieser Templer war meine Großmutter und die Assassinen hatten es auf sie abgesehen. Doch ich würde sie mit allen Mitteln beschützen, auch wenn ich sie hasste. Sie war immerhin meine Großmutter und irgendwo tief in meinem Herzen mochte ich sie vielleicht und irgendwann würde ich über das hinwegkommen, was sie mir angetan hatte. Ich schüttelte meinen Kopf, ich wollte jetzt nicht über Lady Melanie nachdenken, sondern ich musste einen Weg hier rausfinden. Die Matrosen suchten bestimmt immer noch nach Shay und da sie seine Leiche noch nicht gefunden hatten, lebte er noch.

 

 

Kaum hatte ich das gedacht, als ich ein röchelndes Geräusch vor meiner Zelle hörte. Ich stand auf und schaute durch das Gitter, da lag meine Wache Bewusstlos auf dem Boden und über ihr stand ein tropfnasser Templer. Shay nahm den Schlüssel und öffnete meine Tür. Ich umarmte ihn stürmisch. „Du lebst“, hauchte ich, bevor ich ihn einen schnellen Kuss gab. „Ja Prinzessin, komm jetzt wir müssen uns hier verstecken. Great Inagua ist nur noch zwei Stunden entfernt, sobald wir die Insel sehen, gehen wir von Bord“, erklärte Shay mir. Ich half ihm die Wache in die Zelle zu sperren, dann suchten wir uns ein Versteck.

 

 

 

 

 

Mit letzter Kraft erreichten wir den Strand der Insel. Ich schaute zurück zum Schiff und sah das ein hektisches Treiben an Deck herrschte. Sie hatten uns entdeckt und wollen jetzt mit ihren Kanonen auf uns zielen. Na toll hier am Strand waren wir ein leichtes Ziel. Shay zog mich hoch und wir liefen auf ein paar alte Ruinen zu, als wir die Kanonen donnern hörten. Die Kugeln schlugen in die Steine und die Klippe, so das ganze Gesteinsbrocken auf uns herabfielen. „Faith wir müssen in den Wald, klettere los!“, schrie er mir zu. Shay hatte keine Probleme die alten Ruinen hochzukommen, ich dagegen rutschte immer wieder ab.

 

 

Als ich Shay eingeholt hatte, suchte er nach einem Weg über die verschiedenen Abgründe, welche unseren Weg blockierten. Früher schien hier mal eine Brücke gewesen zu sein, doch die Reste hingen auf der anderen Seite. „Shay gib mir deine Klinge, ich habe nicht die Kraft uns beide zu halten“, sagte ich und zuckte zusammen, als eine Kanonenkugel in der Nähe einschlug. Wir tauschten unsere Klingen und ich erklärte Shay wie der Seilwerfer funktionierte. Shay legte seinen Arm um mich, zielte mit dem Seilwerfer auf die morschen Holzbalken der Brücke. Der Hacken fand sein Ziel und brachte uns sicher rüber. So ging es noch ein paar Mal und als wir fast oben waren, landete eine Kugel vor uns. Die Wucht des Aufpralls ließ uns zurücktaumeln. Ich verlor mein Gleichgewicht, aber Shay hielt meine Hand fest und zog mich wieder zu sich ran. Puh das war knapp, fast wäre ich diese dreißig Meter hohe Klippe abgestürzt. „Halt dich fest, den Rest machen wir mit dem Seilwerfer“, meinte Shay und ich umarmte ihn schnell. Ich spürte den vertrauten Ruck, dann waren wir endlich oben. Ich schaute zu dem Schiff, welches die nächste Salve auf uns abfeuerte. Die Kanonenkugeln schlugen laut unter uns ein, dann gab es ein donnern und ich spürte wie der Boden unter meinen Füßen wegrutschte. Schnell drehten wir uns um und fingen an zu laufen. Shay nahm meine Hand, zielte auf einen der Bäume und brachte uns so aus dem Gefahrenbereich.

 

 

 

Als wir zum Meer blickten, sahen wir eine riesige Staubwolke, dort wo wir gerade noch gestanden hatten. Ich drehte mich zu Shay, welcher sich erschöpft an den Baumstamm lehnte. „Wir haben es geschafft“, grinste ich ihn an. „Ja, doch das war der leichte Teil, jetzt müssen wir die Assassine finden und wieder heil von der Insel kommen“, sagte er und stand auf. „Komm wir müssen an das andere Ende der Insel Prinzessin“, meinte mein Templer und lief voraus. Ich sah nochmal in Richtung des Meeres, doch durch den Staub konnte ich nichts erkennen. Ob die Assassinen unsere Verfolgung jetzt aufgeben würden? Vielleicht dachte Adéwalé wir wären unter den Steinen begraben. Dann wäre unsere Mission um einiges leichter. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn als ich bemerkte, das Blut an meiner Hand war. Seltsam hatte ich mich etwa an einen der Steine geschnitten? Aber ich hatte keinen Schnitt, also woher kam das Blut? „Prinzessin los komm endlich“, rief mich Shay. Ich wischte meine Hand am Ornat ab und folgte meinem Templer in den Dschungel hinein.

 

 

 

Als es bereits anfing zu dämmern, suchten wir uns eine halbwegs trockene Nische unter einer der Klippen. Wir liefen schon seit ein paar Stunden durch enge Täler und Schluchten. Wir kamen kaum voran. Der Urwald war so dicht, wir benutzen unser Säbel, um uns einen Weg zu bahnen. Ich blickte besorgt zu Shay. Das Blut an meiner Hand war von ihm und ich musste die Wunde versorgen, doch sobald ich ihn darauf ansprach, lief er einfach weiter.

Erschöpft setzte ich mich auf den trockenen Boden. „Shay du bist verletzt, bitte lass mich dir helfen“, meinte ich und zog ihn zu mir runter. „Es geht, nichts Ernstes, komm trink einen Schluck Wasser, das wird gegen den Hunger helfen“, antwortete er mir. „Erst wenn du mich an deine Verletzung lässt, du sturer Ire“, knurrte ich ihn an. „Gut aber du wirst sehen es ist nur ein Kratzer“, stimmte er mir endlich zu. Ich schob seinen Mantel und das Hemd beiseite und sah nur eine kleine Schramme, welche schon anfing abzuheilen. „Tut das weh?“, fragte ich Shay und berührte vorsichtig die Haut um die Wunde. „Nein, du siehst du hast dir umsonst Sorgen gemacht. Komm in meine Arme und Schlaf ein wenig, ich halte die erste Wache“ Ich kuschelte mich in seine Arme, Shay legte seinen Mantel um uns und keine fünf Minuten später war ich eingeschlafen.

 

 

*****

 

 

Als die Sonne aufging, brachen wir auf. Unser Weg führte uns weiter durch den dichten Dschungel der Insel, über den Boden und die Bäume. Zum Glück gab es auf dieser Insel unzählige Seen und Bäche, sodass wir ohne Probleme Wasser fanden. Nur das essen war ein wenig rar. Hätte ich gewusst, dass wir mitten im Dschungel landen würden, dann hätte ich für uns beide etwas zu Essen eingepackt. Die Sonne stand in ihren Zenit und mein Magen knurrte laut. Shay blieb stehen. „Du hast Hunger, stimmt's Prinzessin“, sagte er zu mir. „Es geht schon Shay, wir können weiter“, erwiderte ich, um meinen Templer keine weiteren Sorgen zu machen. „Nein wir machen eine Pause. Komm setz dich hin und trink einen Schluck Wasser“ „Gut aber nur einen Moment. Wir müssen die Assassinen finden, damit wir schnell wieder von diesem Ort verschwinden können“, antwortete ich ihm und war froh über die kurze Pause. „Faith...“ „Schon gut ich sage es dir“, sprach ich einfach dazwischen. „Du weißt doch gar nicht was ich dir sagen wollte“ „Doch du fragst dich warum ich so versessen darauf bin herauszufinden was es mit den Listen auf sich hat. Ganz einfach Shay, ich will die beschützen dich ich liebe und wenn ich dabei noch ein paar Templer rette, ist das halt so“, erklärte ich ihm und stand auf. „Wollen wir dann weiter?“, fragte ich meinen Begleiter. „Ja und Faith, danke dass du mir hilfst“, sagte Shay und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

 

 

 

Unser Weg führte uns weiter in das Innere der Insel und gegen Abend kamen wir zu einer Formation seltsamer Steine. Ich ging zu einer der Säulen und betrachtete sie genauer. Sie sahen nicht natürlich aus, sondern als wären sie hier aufgestellt worden. Nur wer hatte sie erbaut? „Sie scheinen von den Mayas oder Azteken erbaut worden sein, sie sind auf jeden Fall sehr alt“, erklärte mir Shay. „Komm Prinzessin was auch immer für ein Geheimnis diese Steine hatten, es wurde längst gelöst“, sagte er und lief in Richtung einer Höhle. Als wir die Höhle betraten, staunten wir nicht schlecht. Hier drinnen waren Truhen und Schränke, welche sehr verstaubt waren. Wer auch immer hier mal gelebt hatte, lebte bestimmt nicht mehr. Shay versuchte eine der Kisten zu öffnen, doch sie waren verschlossen. Aber so was störte meinen Templer nicht, binnen weniger Sekunden hatte er mit seiner versteckten Klinge das Schloss geöffnete. Zum Vorschein kamen verschiedene Stoffe, welche aber schon sehr alt waren. Na toll ich hatte gehofft hier würde es etwas zu essen geben. Erschöpft setzte ich mich auf den Boden. Mein Magen knurrte laut und mir war schon schlecht vor Hunger. Vor Jahren hätte es mich nicht gestört, aber mittlerweile war ich solch einen Hunger nicht mehr gewöhnt.

 

 

 

Shay öffnete eine weitere Kiste, aber auch bei dieser war nicht wirklich etwas Wertvolles drinnen. Ich nahm einen Schluck Wasser als Shay mich rief. Mühsam stand ich auf und ging zu ihm. In einer der Truhen war eine Montur, die fast so wie seine aussah. Ich hob den Mantel hoch und war überrascht wie leicht der Stoff war. „Faith ich glaube ich weiß wo wir sind. Wir sind mitten im Hauptquartier der Assassinen. Siehst du die Treppe dahinten, sie führt uns bestimmt in ihr Hauptgebäude. Achilles hatte uns mal von diesem Ort erzählt. Er gehörte früher Edward Kenway und er hatte es den Assassinen überlassen „erklärte er und lehnte sich an die Wand „Shay was ist?“, fragte ich ihn und stütze ihn vor dem fallen. „Nichts“, meinte er und setzte sich hin. „Shay Patrick Cormac was ist los?“, fragte ich ihn streng. „Nichts nur müde und der Kratzer tut ein bisschen weh“ „Und das sagst du mir erst jetzt? Wenn sich dieser Kratzer entzündet hat, dann Gnade dir der Vater des Verstehens, du verdammter sturer irischer Templer!“, knurrte ich und schälte ihn aus seiner Kleidung.

 

 

Zum Vorschein kam der kleine Kratzer und dieser war feuerrot. Na super, da hatte sich wohl die Wunde entzündet. Ich griff in einer meiner Taschen, doch die war leer. Hektisch suchte ich alle meine Taschen ab, aber es war weg. Mein kleines erste Hilfe Set war verschwunden. Nun dann musste ich improvisieren. Ich zog den Mantel meines Ornates aus, suchte eine halbwegs saubere Stelle von meinem Hemd und riss ein Stück ab, dann aktivierte ich meine Klinge und schnitt die Wunde erneut auf. Ich befreite die Verletzung vom Eiter, mehr konnte ich im Moment nicht tun „Drück das drauf.“, sagte ich Shay und fing an in den Truhen nach etwas brauchbaren zu suchen. „Mist nur Stoffe und Kleidung, nicht mal eine Flasche mit Rum. Ich dachte hier gab es früher Piraten! Die haben doch den ganzen Tag gesoffen und rumgehurt. Shay bleib wo du bist, ich finde was“, befahl ich ihm und verschwand aus der Höhle. Draußen dämmerte es bereits, also musste ich mich beeilen. Shay hatte gemeint das Hauptquartier war in der Nähe, na dann los.

 

 

Ich rannte in keine bestimmte Richtung, aber der Weg führte bergab und so schätzte ich das es richtig war. Nach zehn Minuten entdeckte ich plötzlich Häuser. Ich duckte mich schnell in die Büsche und sah mich um. Das war kein Hauptquartier, sondern eine ganze Siedlung. Hier lebten nicht nur Assassinen, sondern Männer, Frauen und Kinder. Sie gingen ganz alltäglichen Arbeiten nach. Ich schlich zu einem der Häuser in der Nähe und entdeckte eine Wäscheleine mit frischer Kleidung. Ich schnappte mir ein Kleid, und ein Tuch und verschwand damit in die Büsche.

 

 

Kurz darauf trat ich in meiner Verkleidung auf den Weg. Unterwegs ergatterte ich noch einen leeren Korb und so schlenderte ich durch die kleine Siedlung. Die meisten Einwohner waren entlaufene Sklaven, aber ich sah auch ein paar weiße Mitbürger. Ich kam auf einen kleinen Markt und für diese Zeit war er noch gut besucht. Mein Blick wanderte über die Waren, langsam ging ich an den Ständen vorbei und ich hoffte das ich es nicht verlernt hatte zu klauen. Ich griff im Vorbeigehen einen Apfel und lies diesen in den Korb fallen. So drehte ich langsam meine Runde und hatte nach ein paar Minuten alles was ich brauchte, außer dem Alkohol. Ich lief weiter, rempelte ab und zu ein paar Leute an. So erleichterte ich sie um ihre Geldbörsen. Am Ende hatte ich drei Real zusammen. Ich ging zu der örtlichen Taverne und kaufte von dem Geld eine kleine Flasche hochprozentigen und zwei Ale.

 

 

Nach einer Stunde erreichte ich unser Versteck. Das Kleid hatte ich wieder seiner Besitzerin zurückgegeben. Schnell vergewisserte ich mich, das mir niemand gefolgt war, dann trat ich in die Höhle ein. Shay entdeckte ich an der gleichen Stelle wo ich ihn zurückgelassen hatte. „Wo warst du Faith?“, fragte er mich. „Ich habe Verbandszeug organisiert und was zu essen“, grinste ich und stellte meinen Korb neben ihn. Schnell versorgte ich die Wunde und das mitgebrachte Essen tat uns beiden gut, auch wenn es nur ein kleines Laib Brot und etwas Obst und Gemüse war. Danach machte ich aus den ganzen Stoffen ein Nachtlager für uns. Ich wählte eine versteckte Nische in der Höhle, so dass uns niemand auf den ersten Blick entdecken würde. „Shay ich übernehme die erste Wache und du ruhst dich aus, ich denke morgen wird ein langer Tag für uns“, sagte ich und versuchte ein gähnen zu unterdrücken. Shay stand auf, kam zu mir und zog mich in seine Arme. „Ich glaube wir können beide schlafen, Prinzessin. Die Umgebung ist sicher und die Höhle ist gut versteckt“, antwortete mein Templer und führte mich zu unserem provisorischen Lager.

 

 

 

 

 

 

 

Shay weckte mich mitten in der Nacht. Ich sah nur seine Umrisse in der Dunkelheit, doch seine Haltung sagte mir das etwas nicht stimmte. „Schhh Prinzessin, vor der Höhle sind Leute“, flüsterte er mir zu. Ich stand leise auf und lauschte auf meine Umgebung. Ich hörte mehrere Stimmen, welche sich hektisch in spanisch unterhielten. „Was sagen sie?“, fragte ich Shay, welcher seine Gabe aktiviert hatte. „Sie suchen Aminata, sie scheint am Abend spurlos verschwunden zu sein. Hatte sie dich gesehen?“ „Nein ich habe mich überzeugt das mir keiner gefolgt ist“ Die Stimmen wurden lauter und bewegten sich auf uns zu. Shay gab mir ein Zeichen und wir beide positionierten uns links und rechts vom Eingang der Höhle, bereit uns zu verteidigen, sollen die Leute hier rein kommen. Ich spähte durch das Gebüsch, welches den Eingang verdeckte und sah vier Männer in Ornaten auf uns zu kommen.

 

 

 

Die Pflanzen schoben sich zur Seite, eine Fackel erschien und ein Mann trat hindurch. Ich blickte zu Shay, welcher mir deutete ruhig zu sein. Der Assassine trat ein und seine Kumpanen folgten ihm. Als die letzten zwei in der Höhle waren, gab Shay mir ein Zeichen. Ich trat lautlos an einen der Männer heran und zog meine versteckte Klinge über seinen Hals. Das Blut spritze hervor und ich hielt im schnell den Mund zu, damit seine Mitstreiter ihn nicht hören konnten. Ich brachte den Mann ich den Schatten, schloss seine Augen und gab ihm meinen Respekt. Jetzt waren es noch zwei um die wir uns kümmern mussten. Ich versteckte mich im Schatten, als die restlichen Zwei sich nach ihren Freunden umsahen. Der eine kam mit seiner Fackel näher und entdeckte mich. Er wollte schreien, aber ich war schneller. Ich rammte ihn meine Klingen in den Leib. Der letzte Assassine sah das und rannte auf mich zu. Ich sah nach oben und entdeckte einen große Wurzel an der Decke der Höhle. Das wäre einen gute Möglichkeit zu ausweichen, dachte ich. Ich versuchte mit meinen Finger den Mechanismus des Seilwerfers zu aktivieren, doch da war nichts. Stimmte ja Shay hatte noch meine Klinge und ich seine. Daingard! Der Assassine rannte auf mich zu und ich brachte mich mit einem Sprung zu Seite in Sicherheit, als mein Angreifer nach vorne kippte und ein Schläfchen hielt. Ich blickte zu Shay, welcher einen seltsamen Gegenstand in der Hand hielt.

 

 

 

Was ist das?“, fragte ich ihn. „Ein Blasrohr, die Assassinen nutzen das für Giftpfeile und da du mir geraten hattest mein Gewehr auf der Morrigan zu lassen, nutze ich das. Komm Prinzessin wir müssen von hier verschwinden“, meinte Shay und schlug den Weg zu den Treppen ein. „Wo willst du hin?“, fragte ich ihn. „Den Assassinen einen Besuch abstatten“, sagte er, als Shay vor der Truhe mit der Templermontur stehen blieb. Was hatte er jetzt wieder vor?, fragte ich mich, als ich sah das Shay sich die Templermontur überzog. „Das ist besser“, murmelte er und warf seinen Ornat in die leere Kiste. „Ich vermute das Versteckspiel ist vorbei“, stellte ich fest und trat neben ihn. „Ja ich war jetzt lange genug ein Assassine, Zeit wieder der zu sein, der ich bin“, antwortete Shay und führte uns beide die Stufen hinauf.

 

 

 

Das Ende der Treppe, blockierte eine riesige Tür. Shay aktivierte den Adlerblick und sah so in den Raum dahinter. „Keiner da, hier ist der Hebel“, sprach Shay und betätigt diesen. Die Tür glitt mit einem leisen kratzen auf und wir traten in das Hauptquartier der Assassinen. Der Raum war in zwei Hälften eingeteilt. Im vorderen Bereich, wo wir gerade waren, stand ein riesiger Tisch und darum fünf Stühle. Ein Karte lag auf dem Tisch und ich trat näher ran um sie anzusehen. Der Mond beleuchtet schwach den Raum, aber es genügte mir, um die Karte anzusehen. Es war eine Landkarte von der Karibik mit verschiedenen Daten darauf. Ich hob das Papier an und darunter kam eine weitere zu Vorschein. Die der Kolonien in Nord Amerika. Da standen weitere Zahlen und dazu die Frachten. Na endlich hatten wir gefunden was wir gesucht hatten. Ich schaute auf die Karte und entdeckte ein Datum in fünf Tagen, bei New Orleans. „Shay die Assassinen planen einen Angriff in New Orleans in fünf Tagen“,sagte ich leise zu meinen Templer. Shay kam zu mir und beugte sich über die Karte. „Ja und wir müssen das verhindern, Faith packe die Karten ein, ich glaube wir haben alles was wir brauchen. Deine Vermutungen waren richtig“, flüsterte Shay und durchwühlte dabei den Schreibtisch.

 

 

Shay schaute kurz auf und deutete mir ruhig zu sein. „Schnell zurück“, befahl er mir, doch da wurde die Tür schon geöffnet. Die Person starrte uns beide an, dann schlich sich ein grinsen auf ihr Gesicht. „Ich wusste ihr würdet entkommen Master Cormac“, sagte die Person zu uns. Ich sah sie genauer an und erkannte Aminata. Aber was machte sie hier? „Wie ich sehe habt ihr gefunden was ihr gesucht habt, dann kommt und folgt mir. Wir müssen von der Insel. Ich erkläre euch alles später Master Cormac“, meinte sie und schnappte sich einfach meinen Arm und zog mich aus den Raum. Shay folgte uns beiden und schien Aminata zu vertrauen. War sie etwa ein Templer und als Spion bei den Assassinen? Shay hatte auf dem Schiff gemeint Aminata wäre blau und nicht rot.

 

 

Unsere neue Verbündete brachte uns sicher nach draußen und ich war erstaunt über diese tolle Aussicht. Wir standen auf einen Hügel und man konnte von hier die ganze Bucht überblicken. Es war wunderschön, doch ich konnte diese Aussicht nicht lange genießen, wir mussten weiter, von dieser Insel verschwinden. Unterwegs erklärte uns Aminata was sie hier gesucht hatte. Sie hatte vor zwei Wochen erfahren, das ein hochrangiger Templer den Assassinen wertvolle Informationen gegeben hatte. Dieser Templer war niemand anders als Mason Evans gewesen. Er verriet seine Brüder und Schwestern, aber den Grund dafür konnte uns die Templerspionin nicht sagen. „Wenn die Assassinen Erfolg haben, werden in den ganzen Kolonien keine Templer mehr sein. Evans hat alle Personen der inneren Kreise verraten, dazu noch einer der Ältesten. Wir müssen sie aufhalten, aus diesen Grund habe ich mich in Havanna bei ihnen eingeschlichen. Ich lieferte ihnen einen Templer, den Plantagenbesitzer um ihr Vertrauen zu gewinnen. Es war kein Verlust, denn obwohl ich dem Orden treu diene, Sklaverei kann ich nicht dulden. Das ihr beide aufgetaucht seit, war mein Glücksfall. Aber Adéwalé hat mittlerweile meinen Plan durchschaut und jetzt müssen wir von der Insel runter. Kommt ein kleiner Schoner wird im Morgengrauen ablegen“, erklärte Aminata.

 

 

Ich folgte den beiden Templer und überlegte ob ich Aminata sagen sollte, das ich eigentlich nicht zum Orden gehörte. Aber das würde die Gute bestimmt selbst noch raus finden. Wir versteckten uns in dem kleinen Laderaum. Das war viel zu einfach, dachte ich und sagte das meinen beiden Begleitern. Plötzlich hörten wir laute Geräusche von Deck. „Sie haben uns gefunden, wir müssen auslaufen“, sagte Shay und zog seinen Säbel. „Faith geh ans Ruder, denk daran was ich dir beigebracht habe, ich mache die Segel klar. Aminata könnt ihr kämpfen?“, fragte Shay seine Templerschwester. „Nein ich beobachte mehr“, antwortete sie leise. „Gut dann bleibt hier unten, Faith los!“, befahl er mir und war wieder ganz der kalte unnahbare Templer, dessen Befehl keine Wiederworte duldete. Shay und ich liefen aufs Deck und sofort wurden wir in Kämpfe verwickelt. Acht Mann gegen uns zwei. Ich duckte mich unter einem Angriff, drehte mich nach links und landete einen Schlag im Rücken des Assassinen, dann wich ich nach hinten aus, Rechtsdrehung und erwischte meinen nächsten Angreifer, während ich mir einen Weg zum Steuerruder bahnte. Shay kämpfte mit die restlichen fünf Assassinen gleichzeitig, wich geschickt aus und brachte seine Gegner mit gezielten Tritten aus der Balance, um dann einen tödlichen Stoß auszuführen. Ich selbst wirbelte um die Assassinen, nutzte meine Schnelligkeit und schaffte es die drei Gegner auszuschalten.

 

 

Ohne eine Verschnaufpause ging ich zum Ruder und sah das Shay bereits auf den Weg in die Wanten war. Wann musste Shay das letzte mal wohl selber Segel setzten, das war bestimmt schon ne Weile her. Er gab sonst immer nur den Befehl dazu. Ich wartete auf ein Zeichen von Shay und als alles soweit war, lenkte ich das Schiff auf das offene Meer. Aminata kam auf das Deck und schaute traurig zum Land. Was hatte diese Frau wohl alles schon in ihren Leben erlebt? Ich steuerte das kleine Schiff langsam zum Meer, da gab es einen Ruck, als Shay alle Segel gesetzt hatte. Wir nahmen fahrt auf und ich übergab meinem Templer das Steuer. „Wir werden in einem halben Tag wieder in Havanna sein, von dort wären es vier Tage bis New Orleans. Wir werden es nicht schaffen die Lady zu retten“, flüsterte Aminata leise neben mir. „Wer ist die Lady?“, fragte ich sie und hoffte auf eine Antwort von ihr. „Emilia du bist eine Assassine oder?“,kam ihre Gegenfrage. „Ja aber ich heiße Faith. Das ich zur englischen Bruderschaft gehöre stimmt aber“,klärte ich sie auf.

 

 

Aminata schaute überrascht von mir zu Shay. „Ein Templer und eine Assassine als Paar. Das ist wirklich ungewöhnlich“, sagte sie und schüttelte dabei ungläubig ihren Kopf. „Eigentlich ist es Shay und Faith, ich finde Templer und Assassine sind unsere Berufe.“, grinste ich und hörte Shay neben mir lachen. „So habe ich die Sache noch gar nicht gesehen, Prinzessin. Aber Lady Aminata ihr könnt Faith vertrauen, ich bürge für sie“, meinte Shay wieder ernst. „Oh ich weiß das sie mich nicht töten wird, ich habe Gerüchte über euch beide bei den Assassinen gehört, beide Verräter des Credos“, antwortete Aminata uns beiden. Also war ich für die Assassinen ebenfalls ein Verräter, aber was hatte ich erwartet wenn ich dem Orden half. Und zweifelte ich nicht langsam an den Credo? Ich sah auf das dunkle Meer und wollte gar nicht über diese Sache nachdenken. Aber früher oder später musste ich mich für eine der beiden Seiten entscheiden. Ich lauschte dem Gespräch der beiden Templer und war überrascht das Aminata schon so viel in der Welt herumgekommen war.

 

 

Was machen wir mit den Leichen?“, fragte ich die beiden nach einer Weile. „Wir verstecken sie. Sobald wir Havanna erreicht haben, segeln wir mit der Morrigan nach New Orleans. Lady Aminata wir werden die Lady wie ihr sie nennt retten. Wisst ihr wo der Angriff statt finden soll?“, fragte Shay. „Nein aber ich habe gehört einer von Evans Männer soll es machen“, erklärte Aminata Shay und als sie wieder auf das Meer blickte, sah ich Hoffnung in ihren Augen.

 

 

*****

 

 

 

Wir waren gegen Mittag wieder in Havanna und keine Stunde später segelte die Morrigan in Richtung New Orleans. Shay lies volle Segel setzten und die Morrigan flog regelrecht über das Wasser. Keiner unsere Männer beschwerte sich über diese zusätzliche Arbeit, sie wussten genau am Ende der Reise würden sie dafür einen kleinen extra Lohn bekommen.

 

 

 

Carter war am Steuer des Schiffes und ich brütete mit den drei Templern über den Karten aus Great Inagua. Insgesamt hatte ich vier Karten eingesteckt. Eine von der Karibik, zwei von den Kolonien in Nord Amerika und die letzte war eine Karte von der Nord- und Ostsee, mit zu Teil angrenzenden Ländern. Wir hatten die Listen daneben gelegte und verglichen sie mit den Daten der Karte. Gist hatte die südlichen Kolonien, Shay die nördlichen, Aminata die Karibik und ich Europa. „Faith steht bei dir ein Datum in London, wann die Fracht nach New York gestartet ist?“, fragte mich Shay. „Kannst du die Fracht näher erläutern, hier stehen so um die zehn verschiedene Daten“ „Juli, August“, „Ja drei Stück, aber eine geht nach New York, das müsste Lady Melanie sein, eine weitere nach Kopenhagen und die dritte nach Paris. Wie sollen wir dort die Menschen warnen?“. fragte ich die drei Templer. „Das können wir nicht Schätzchen, aber wir werden eine Nachricht an den Großmeister schicken, er soll am 25 Oktober besonders vorsichtig sein. Das Datum steht bei Virginia, er hat dort vor kurzen ein kleines Anwesen gekauft“, plapperte Gist und bekam dafür einen scharfen Blick von Shay. „Was Captain, die eine schöne Dame gehört zu Orden und Faith ist mit dir zusammen“, grinste er seinen Captain an, dann arbeiteten wir wieder in Ruhe weiter.

 

Langsam senkte sich die Sonne über den Horizont und ich sah in dem untergehenden Tageslicht eine Stadt, welche von einer großen Kirche überragt wurde. Das war also New Orleans, der Geburtsort meiner Freundin Caroline. Wenn ich wieder zurück in New York war, musste ich ihr von meinem Besuch in ihrer alten Heimat erzählen. Ich vermisste sie, ihre Unbeschwertheit und die ständigen Gespräche über Männer. Langsam drehte ich mich um und sah wie Aminata und Shay sich leise in französisch unterhielten. Da wollten die beiden wohl auf Nummer sicher gehen, das ihnen keiner zuhörte.

Dieses Verhalten versetzte mir einen kleinen Stich in meiner Brust. Seit Aminata uns mit ihrer Anwesenheit beehrte, war Shay wieder der Alte. Er merkte nicht, dass er mir die kalte Schulter zeigte und redete fast nur mit der Templerin. Wenn ich die beiden zusammen sah, wurde ich wütend. Warum sie und nicht ich? Ja, ich war auf Aminata eifersüchtig und hätte sie am liebsten von Bord geworfen, aber ich zügelte mich. In ein oder zwei Tagen hatten wir hoffentlich die Lady gerettet und Aminata würde wieder ihrer Wege ziehen. Solange konnte ich warten.

 

 

Shay gab den Befehl zum Anlegen und holte mich aus meinen Gedanken. Ich schaute zu ihm und bemerkte dabei Aminata, welche mich seltsam musterte. Sie ging langsam zu mir, um sich neben mich an die Reling zu stellen. „Ihr schaut so wütend, was habt ihr?“, fragte sie. „Nichts und selbst wenn, es geht euch nichts an“, knurrte ich sie an. „Ich glaube euch nicht und wenn ich herausbekomme das ihr meiner Mission schaden wollt, werde ich....“ „Mich töten, versucht es nur“, unterbrach ich sie. „Hey Ladies, wer hat Lust auf einen kleinen Ausflug?“, drängte sich unser erster Maat zwischen uns und versuchte zu verhindern, dass wir uns an die Kehle sprangen. „Gute Idee, bis später“, meinte ich kalt, zielte mit meinen Seilwerfer auf ein paar Kisten und verschwand schnell von Bord. Ich hörte Shay noch etwas rufen, doch ich wollte alleine sein. Sollte er doch bei Aminata bleiben, er fand sie ja besser als mich.

 

 

Langsam kam ich dem Stadtzentrum näher und sah wie einige Menschen noch ihre letzten Besorgungen machten. Als ich einen der Stände betrachtete, fiel mir seltsames Obst auf. Ich sah eine gelbe Frucht, welche länglich war. Ich trat näher heran und deutete auf eine dieser Früchte. „ La banane, Mademoiselle?“, fragte er mich. Ich nickte nur und er gab mir die Ware. Schnell bezahlte ich sie und wollte sie näher untersuchen, als mir ein Kleid in einem der Schaufenster auffiel. Ich packte das Obst in eine meiner Taschen und trat an die Scheibe. Das Kleid war bodenlang und wie es aussah aus einen dünnen Seidenstoff. Die Ärmel waren so geschnitten, das die Schulter herausschaute und der Ausschnitt ging ein kleines Stück über den Brustanfang. Also irgendwie typisch französisch. Doch das schönste war die Färbung des Kleides. Der Stoff hatte mehre Farben, rot, gelb und orange. Es verlief alles ineinander, so als hätte der Färber all diese Farben zusammengeschüttet. Ich hörte ein leises Schnauben hinter mir und drehte mich um. Dort stand eine Frau mittleren Alters und rümpfte die Nase. Dann schritt sie mit erhobener Nase davon. „Kunstbanausen“, knurrte ein Mann. Schnell sah ich zu ihm. Es war ein Herr Mitte fünfzig, graue Haare und so groß wie ich. „Wie meinten sie?“, fragte ich ihn. Er drehte sich erstaunt zu mir. „Oh ihr seid noch da, sagt bloß, ihr findet meine Kleidung ebenfalls abscheulich. Wenn das so ist, verschwindet von meinem Laden“, giftete er mich an.

 

 

Nein es ist schön, diese Farben sie erinnern mich an Feuer. Wie macht ihr das?“, antwortete ich dem Mann höflich. „Ihr findet diese Farben nicht abscheulich?“ „Nein es ist wunderschön“, grinste ich. „Wollt ihr es anprobieren?“, fragte er mich und ich sagte ohne zu überlegen ja. Gerade als ich das Haus betreten wollte, rempelte mich ein junger dürrer Mann an. Ich stolperte leicht und fing mich gerade noch an der Tür ab. „Miss alles in Ordnung?“, fragte mich der Schneider besorgt. „Ja nur...“, schnell taste ich an meinen Geldbeutel, aber er war weg. Hatte dieser Kerl mich wirklich gerade bestohlen? Dieser elende Mistkerl, ich war hier die Taschendiebin und nicht er. Ich suchte in der Menschenmenge nach dem Mann und erspähte ihn noch, bevor er in einer dunklen Gasse verschwand. Na warte, dem würde ich jetzt eine kleine Lektion erteilen. Mit einem „Bin gleich zurück“ zu dem Schneider, rannte ich dem Mann hinterher.

 

Schnell drängte ich mich durch die Menschen und eilte in die Gasse. Doch der Dieb war weg. Ich zielte mit meinem Seilwerfer auf die Dachkante über mir und suchte ihn jetzt von oben. Über das Dach erreichte ich das Ende der kleinen Gasse und sah den Dieb zwanzig Meter vor mir gemütlich über die Straße laufen. „Bleib stehen du dreckiger Dieb!“, schrie ich in seine Richtung. Die Leute unter mir schauten sich verwirrt nach dem Besitzer der Stimme um, doch der Taschendieb nahm seine Beine in die Hand, sobald er mich entdeckt hatte. Ich sprang auf das nächste Dach und nahm seine Verfolgung auf.

 

Nachdem ich den Dieb fünf Minuten verfolgt hatte, wusste ich schon nicht mehr in welchem Teil der Stadt ich mich befand, aber mit diesem Problem würde ich mich später befassen. Ich könnte mich bestimmt irgendwie bis zum Hafen durchfragen, so mit Händen und Füßen, weil ich fast kein Wort französisch sprach. Das bisschen was ich konnte, hatte ich von meiner Freundin Caroline gelernt.

Langsam aber sicher holte ich diesen gemeinen Dieb ein und an einer Kreuzung schaffte ich es endlich ihn zu stellen. Schnell sprang ich von dem kleinen Hausdach auf ihn drauf und der Mann ging unter meinem Gewicht zu Boden. Der Taschendieb wollte sich wehren, doch ich ließ meine versteckte Klinge hervorschnellen und hielt sie ihm an den Hals. „Rücke sofort mein Geld raus, du elender Dieb!“, knurrte ich ihn an. Der Mann sah mich fragend an. „Mon argent!“, wiederholte ich mich. Statt einer Antwort nickte er bloß heftig und keine fünf Sekunden später hielt er mir meinen Geldbeutel hin. „Merci. Warum nicht gleich so?“, fragte ich ihn und stand von dem Kerl auf. Ich bot ihm noch meine Hand an, um ihm aufzuhelfen, aber der Mann schlug sie weg, brabbelte in französisch vor sich hin und verschwand dann in der nächsten dunklen Gasse. Dann eben nicht, dachte ich und wollte mich wieder auf den Weg zum Hafen machen, als ich fünf Soldaten bemerkte, die auf mich zuliefen.

 

 

Die Männer kamen bei mir an und einer sagte etwas auf französisch zu mir. Zu meinem Pech wusste ich leider nicht was die Soldaten von mir wollten. Ich hob also meine Hände und versuchte ihnen verständlich zu machen, dass ich harmlos war, aber den Soldaten schien das nicht zu reichen und sie zogen ihre Säbel. Na toll. Ich wollte doch nur in Ruhe die Stadt erkunden und jetzt wurde ich wie eine Kriminelle behandelt. Wäre ich doch heute nicht aufgestanden, das war so gar nicht mein Tag. Erst bekam ich von Shay die kalte Schulter gezeigt und er sprach fast nur noch mit einer Anderen, dann wurde mein Geld gestohlen und zum krönenden Abschluss dieses verdammten Tages hatte ich es mit dem hiesigen Gesetz zu tun.

 

 

Als der Erste der Männer auf mich los ging, parierte ich seinen Angriff mit meinem Säbel, mit dem Dolch wehrte ich einen anderen hinter meinem Rücken ab. Der Dritte im Bunde zielte mit seiner Muskete auf mich. Flink duckte ich mich unter einem weiteren Hieb von einem Soldaten, drehte mich hinter meinen ersten Angreifer und nutze ihn als Schild gegen die Kugel. Damit hatte ich Nummer eins ausgeschaltet, fehlten noch vier.

 

 

Die beiden, welche sich bis jetzt herausgehalten hatten, gingen nun auch auf mich los. Ich drehte mich, erwischte einen mit meinem Dolch am Arm. Der Mann schrie kurz auf. Schnell nutzte ich seine Unachtsamkeit und beförderte ihn ins Jenseits. Die restlichen drei änderten ihre Taktik und gingen geschlossen gegen mich vor. Ja da hatten mich diese Männer wohl unterschätzt. Die meisten dachten, ich wäre ein leichtes Opfer, doch da irrten sie sich gewaltig. Bevor mich der Erste der Männer erreichte, sank er schlafend zu Boden. Seine Kollegen folgten ihm sogleich.

 

 

Ich schaute über die Dächer der umliegenden Häuser und suchte nach Shay. Er war der einzige den ich kannte, der Schlafpfeile einsetzte. Doch ich sah ihn nirgends, nur einen Mann, welcher mir unbekannt war. Auf den ersten Blick war seine Kleidung sehr ungewöhnlich, sie hatte Ähnlichkeit mit einem Ornat, aber auch wieder nicht. Er schaute zu mir und gab mir ein Zeichen, dass ich zu ihn kommen sollte. Ich lief zu dem Haus und kletterte so schnell ich konnte daran empor. Mein Retter reichte mir seine Hand und half mir das letzte Stück auf das Dach. Das erste was ich an dem Mann bemerkte war, dass er keine Schuhe trug. Seine Kleidung bestand aus einer knielangen Hose und einer grünen Weste, welche er offen trug. Dadurch konnte man seine nackte und weiß bemalte Brust sehen. Die weiße Farbe war ein Kontrast zu seiner dunklen Haut und zog sich über seine Schulter, wo der Mann ein Tuch umgeschlungen hatte. An seinen Armen waren noch ein paar versteckte Klingen, die meinen Retter als Assassinen auszeichneten.

 

Können wir endlich von hier verschwinden, dort hinten kommen neue Soldaten, Schwester. Du hast zu viel Aufmerksamkeit auf dich gezogen“, sagte er ruhig, bevor er zum nächsten Dach rannte. Ich folgte ihm schnell und zusammen versuchten wir die französischen Soldaten abzuhängen. Es ging querfeldein, über Dächer, runter in kleine Hinterhöfe und dann durch eine schmale Gasse wieder hinauf zum nächsten Dach. Wir rannten bestimmt eine halbe Stunde, bevor wir die Soldaten abgehängt hatten. Meine Orientierung hatte ich eh schon verloren, doch jetzt hatte ich mich wirklich verirrt. Wie konnte eine Stadt nur so ein Labyrinth sein? „Wir müssen noch ein Stück Schwester“, meinte der Assassine. „Und warum sollte ich mit dir, okay du hast mein Leben gerettet, aber ich kenne dich nicht und...“ weiter kam ich nicht, da unterbrach er mich schon. „Willst du die Nacht überleben? Diese Stadt gehört dem Feind. Kaum das du von deinem Schiff gegangen bist, wussten die Templer schon, dass du da bist. Sie werden dich schneller töten als du fliehen kannst. Nun stell keine Fragen, dafür ist später noch Zeit“, knurrte er ungeduldig. „Und ich brauche deine Hilfe“, flüsterte er leise, dann lief er wieder los, in Richtung Westen.

 

 

Sollte ich ihm helfen oder nicht?, fragte ich mich. Ich schaute nochmal zu der Stadt, dann folgte ich meinem Retter. Vielleicht war das nicht die beste Entscheidung, aber so wie es zurzeit war, konnte Shay gut auf mich verzichten und der Assassine hatte mich vor den Soldaten gerettet, somit war ich ihm etwas schuldig. Ich holte ihn wenige Augenblicke später ein und zusammen verließen wir die Stadt.

 

 

*****

 

 

Nach einer Stunde waren wir in den Sümpfen, welche die Stadt umgaben, angekommen. Ich versuchte meinen Assassinenbruder zu folgen, doch kaum das ich eine große Wurzel eines Baumes entlang lief, rutsche ich aus und viel in das modrige Wasser. Pustend kam ich wieder an die Oberfläche. „Komm raus da oder die Alligatoren fressen dich.“ rief mir mein Bruder zu. Hatte er gerade gesagt, hier gäbe es Alligatoren? Ich kannte dieses Tier nur aus einem Buch und die Abbildung seiner Zähne waren mir noch gut im Gedächtnis geblieben. Schnell zog im mich aus dem Wasser und folgte weiter meinem Retter.

 

 

Die Sonne war schon lange untergegangen, da erreichten wir endlich unser Ziel. Wir waren in einem kleinen Lager mitten im Bayou, wie die Einheimischen diesen Sumpf nannten und ich lies mich erschöpft auf den feuchten Boden nieder. Als nach einer kleinen Ewigkeit das Feuer endlich brannte, entschied ich mich die seltsame Frucht zu essen. Ich griff in meine Tasche und sah die Frucht skeptisch an. Wie sollte ich dieses Ding essen. „Ihr müsst die Schale abmachen, kommt ich zeige euch wie.“, sagte mein Assassinenbruder und half mir dabei. Der erste Bissen schmeckte süß und lecker und kaum das ich es merkte hatte ich die Banane aufgegessen.

 

 

Hat es euch geschmeckt, Schwester?“, fragte mich der Mann. „Ehm ja...nennt mich Faith“, antwortete ich ein wenig verlegen. Mein Gegenüber lachte und stellte sich bei mir als Agaté vor und gab mir noch ein wenig Brot und Trockenfleisch als Abendessen.

Danke“, meinte ich ruhig und begann schweigend mein karges Mal. Was Shay wohl gerade machte? Ob er mich schon suchen würde? Oder war es ihm noch nicht mal aufgefallen das ich weg war?, überlegte ich.

 

 

Woher kommst du?“, unterbrach Agaté meine Gedanken. Ich schaute ihn an. Das Feuer tauchte seine dunkle Haut in einen goldenen Ton. Bestimmt war er früher ein Sklave gewesen. „Ich komme aus London und bin hier auf der Suche nach einem Templer, Mason Evans, welcher der englischen Bruderschaft vor ein paar Jahren Schaden zugefügt hatte. Mein Auftrag ist es ihn zu beseitigen“, erzählte ich Agaté. Das war zwar nicht ganz die Wahrheit, doch wenn ich ihm sagen würde, das ich mit den Templern gemeinsame Sache machte, würde er mich sofort umbringen. „Ich habe diesen Namen schon mal gehört, wenn du mir hilfst könnte ich meine Kontakte nach dem Mann befragen“, schlug er mir vor. Nun da hatte ich nochmal Glück gehabt, das der Assassine noch nicht wusste, dass ich Evans schon getötet hatte.

 

 

Okay und bei was soll ich dir helfen?“ fragte ich den Mann. „In drei Tagen werden zwei meiner Brüder von den Templern nach Havanna verkauft. Wir müssen sie retten, bevor sie auf das Schiff gebracht werden“ erklärte er mir seine Situation. „Und wie stellen wir das an?“, fragte ich ihn und hoffte das er einen Plan hatte. „Nun, wir werden die Wachen ausschalten und sie befreien. Ganz einfach.“ meinte Agaté und starrte in die Flammen unseres kleinen Lagerfeuers.

 

 

Nach einer Weile rollte ich mich auf die Seite und versuchte es mir auf diesem matschigen Boden bequem zu machen. Ich war gerade eingeschlafen, da weckte mich der Assassine, damit ich die restliche Nacht Wache halten konnte. Ich lehnte mich an einen der Bäume und sah dabei zu wie mein Assassinenbruder schlief. Ich kannte diesen Mann nicht, aber als er mir sagte, dass wir ein paar Sklaven befreien, musste ich ihm einfach helfen. Ich hatte gesehen, wie die Plantagenbesitzer mit den Menschen umgingen. Einige „Herren“ behandelten ihr Sklaven schlimmer als Vieh und allein auf die Idee zu kommen, war schon krank. Diese Leute waren immer noch Menschen, die ein Recht auf Freiheit hatten! Ein Geräusch riss mich aus meinen Gedanken. Ich blickte in die Dunkelheit und dort wo das Wasser anfing, keine Zehn Meter vor mir starrten mich zwei leuchtende Augen an.

 

 

Ich ging leise zu Agaté und weckte ihn auf. Mein Bruder schaute in die Richtung welche ich ihm zeigte. Wir schauten beide zu den glühenden Augen, die immer näher kamen. „Bleib hier und lenke das Vieh ab, ich greife es von Oben an“, gab mir Agaté Anweisungen, dann war er schon verschwunden. Das Tier kam in den Lichtkreis unseres Feuers und ich war überrascht wie groß dieses Biest war. Sein schuppiger Panzer schleifte über den Boden und es schien zu fauchen. Ich zog meinen Säbel und wartete darauf, dass es mich angreifen würde. Genau das tat der Alligator dann auch. Ich wich seiner Schnauze geschickt aus, doch das Tier schlug mit seinem Schwanz nach mir. Es traf mich und die Wucht des Schlages holte mich von den Beinen. Das nutze das Monster aus, drehte sich zu mir und wollte zupacken. Ich nahm meinen Säbel und rammte ihn dem Ungetüm in seine Schnauze. Die Kreatur fauchte immer mehr, fuchtelte wild um sich. Ich kam auf meine Beine, lies meine Klingen hervorschnellen und sprang auf die Echse. Meine Klinge fand ihr Ziel, in den Nacken das Tieres. Der Alligator wand sich vor Schmerzen, schüttelte mich wieder ab und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen. Ich zog meinen Säbel aus dem Maul der Echse, da tauchte Agaté wieder auf.

 

 

Wollte er mir nicht eigentlich helfen? Wo war er bitteschön gewesen? Doch bevor ich etwas zu ihm sagen konnte, fing er mit seiner Erklärung an. „Du hast dich gut geschlagen, Schwester. Wo hast du gelernt so zu kämpfen?“, fragte er mich. „Von einem sehr guten Freund aus New York“, antwortete ich ihm überrascht. Sollte das etwa eine Prüfung meiner Fähigkeiten sein? Ich schaute Agaté fragend an. „War nur ein kleiner Test. Du bist flink und beweglich, ich glaube wir werden keine Probleme haben meine Brüder und Schwestern zu retten. Morgen werde ich dir noch etwas beibringen, dann bist du bereit“, sagte er und ging zu dem toten Ungetüm.

 

 

Übersetzung:

 

mon argent (französisch)- mein Geld

merci (französisch)- danke

La banane (französisch) – eine Banane

Mademoiselle (französisch) - Fräulein

 

 

 

Die Sonne war gerade aufgegangen, da jochte mich Agaté schon kreuz und quer durch die Sümpfe. Ich klettere an Bäumen hoch, hangelte mich über das Wasser und versuchte nebenbei den Wurfgeschossen von meinen Assassinenbruder auszuweichen. Immer wenn mich eines traf, rief er Tot. So ging das bis zum Frühstück. Erschöpft lies ich mich auf den matschigen Boden nieder. Ich dachte immer mit Shay zu trainieren war schon eine Folter, aber Agaté übertraf ihn dabei um Längen.

 

 

Gut nach unseren Mal wirst du hiermit üben. Du hast nur diesen Tag Zeit, lerne schnell oder die Templer werden dich nicht am Leben lassen“, sagte mein neuer Lehrer und gab mir ein dünnes Rohr in die Hand. „Das ist ein Blasrohr damit kannst du diese kleinen Pfeile verschießen. Am Nachmittag zeige ich dir wie du sie herstellst und nun los mach weiter“, erklärte Agaté ungeduldig.

 

 

Ich übte bis zum Sonnenuntergang mit meiner neuen Waffe. Nach etlichen Stunden hatte ich endlich den Trick raus, wie ich meine Ziele traf. Nun wäre Shay nicht mehr der einzige, der seine Gegner in Schlaf versetzten konnte. Das herstellen der kleinen Pfeile viel mir leicht, was meinen neuen Mentor überraschte. „Nun es ist wie Medizin herstellen“, erklärte ich ihm. „Ihr seid eine Heilerin?“ „Ja ich helfe den Armen und Schwachen in London“ „Interessant“, mehr sage er nicht zu mir und legte sich kurz nach Sonnenuntergang schlafen, so dass mir die erste Wache zu viel.

 

 

Der nächste Morgen kam für mich zu früh und meine Muskeln waren durch den kalten, harten Boden total verspannt. Müde steckte ich mich und schaute mich im dämmrigen Licht des Morgens um. Ich sah die Schatten der hohen mossbewachsenen Bäume und die dichten Sträucher. Neben mir regte sich der Assassine und stand langsam auf. „Wir sollten los, das Schiff legt zur Mittagszeit ab“, sagte Agaté nach einem schweigsamen kleinen Frühstück und wir beide verließen kurze Zeit später das Lager.

Wir kamen kurz vor Mittag in der Stadt an. Über die Dächer bahnten wir uns einen Weg zum Hafen von New Orleans. Meine Gedanken wanderten zu Shay und ob er mich schon suchte. Seit Aminata an Bord war....Ich schüttelte meinen Kopf und verdrängte meine trüben Gedanken. Ich sollte mich auf meine Mission konzentrieren, sagte ich mir und folgte weiter Agaté.

 

 

Nach einer halben Stunde erreichten wir unser Ziel. Ein großes Lagerhaus mit eigenen Anlegeplatz, welches streng bewacht wurde. „Faith du übernimmst die rechte Seite und ich die Linke“, sprach Agaté seinen Befehl. „Schalte erst alle Wachen hier draußen aus und achte darauf das deine Pfeile nicht ausgehen. Denk an unser Training“, erinnerte er mich, dann war er schon verschwunden.

 

 

Ich kletterte auf einen kleine Vorsprung und zielte mit dem Blasrohr auf eine der Wachen. Der Pfeil fand sein Ziel und nach kurzer Zeit zeigte das Gift seine Wirkung. Der Mann wurde durch das Gift verwirrt und griff seine Kollegen an. Agaté nannte dieses Gift „Berserkergift“ und das war ein wahrlich treffender Name für die Wirkung. Während die Wachen sich gegenseitig dezimierten, huschte ich leise über das Dach des Lagerhauses, auf der Suche nach einem Seiteneingang. Nach ein paar Minuten wurde ich fündig. Schnell schickte ich die Wachen schlafen, dann schlich ich mich in das innere des Gebäudes.

 

 

Als ich das Lagerhaus betrat, mussten sich meine Augen kurz an die Dunkelheit hier drinnen gewöhnen. Ich huschte zu einem Stapel Kisten und überlegte wie ich am besten weiter vorgehen sollte. Ich hörte Schritte in meine Richtung kommen, also waren hier drinnen ebenfalls Wachen positioniert. Die Wache kam an meinen Versteck vorbei, schnell trat ich hinter ihm hervor und beendete lautlos sein Leben. Leise huschte ich weiter durch das Lagerhaus und schaltete noch zwei weitere Wachen aus. Ich erblickte gerade die gefangen Sklaven, als ich hinter mir Stimmen hörte. Schnell duckte ich mich hinter ein Fass und versucht zu verstehen was die Stimmen sagten. Zu meinem Glück oder Pech bewegten sich diese Stimmen genau in meine Richtung. „Wollt ihr nun in dieses Geschäft einsteigen meine Herren. Ich meine sie sind so weit gereist und wollen doch nicht mit leeren Händen wieder aufbrechen. Das Geschäft ist sehr profitabel“, schleimte die Stimme des Mannes. Was die anderen sagten, konnte ich nicht hören. Sie schienen zu flüstern. Die Herren wollten dem Verkäufer gerade ihre Antwort sagen, als eine Rauchbombe losging. Ich zog mein Tuch über die Nase und nutze die Chance um die Sklaven zu befreien.

 

 

Ich trat aus meinem Versteckt und wollte zu den Gefangenen, da hielt mich eine Hand fest und ich wurde an den nächsten Pfeiler gedrückt. Ich spürte eine Klinge an meinem Hals, doch wenn mein Gegner dachte ich würde aufgeben, dann hatte er schlechte Karten. Ohne lange zu überlegen trat ich meinem Angreifer auf den Fuß und die Klinge verschwand. Ich hörte meinen Gegner auf irisch fluchen. War das etwa Shay, ich meine durch den Rauch sah man nicht gerade viel. Doch ehe ich mich mit meiner Vermutung nachgehen konnte, eilte ich zu den Gefangenen und schnitt mit meiner Klinge die Fesseln durch. „Los flieht!“, sagte ich laut und deutete auf den Ausgang. Als die ersten begriffen was ich von ihnen wollte, liefen sie los, egal ob in Richtung Ausgang oder wo anders hin. Klappte ja super, aber ich hatte diese Leute immerhin von ihren Fesseln befreit. Ich wollte jetzt selbst schnell das weite suchen, als ich mit voller Wucht gegen die Wand gedrückt wurde. Ich schaute meinen Angreifer direkt in die Augen. Die Gefühle spiegelten sich in den dunklen Irden. Mein Angreifer war verwirrt, aber da war noch mehr, was ich nicht deuten konnte. Bevor er aber was sagen konnte, verdrehte er die Augen und rutschte langsam zu Boden. Ich hielt ihn schnell fest und legte Shay behutsam auf den Boden, obwohl das bei seinem Gewicht alles andere als einfach war. Als ich Shay zu Boden gelegt hatte, sah ich Agaté, welcher mich verwundert anschaute. „Später“, meinte ich. Er nickte mir zu und zusammen verließen wir das Lagerhaus.

 

 

Die Sonne blendete mich als wir das Lagerhaus verließen. Draußen sah ich die Sklaven und diese standen um eine Frau. War das Aminata? Sie sagte zu den Männern und Frauen etwas in einer fremden Sprache, dann rannten die befreiten Menschen in alle Himmelsrichtungen. „Was macht ihr hier?“, fragte ich sie. Aminata drehte sich zu mir und schenkte mir ein lächeln. „Faith dir geht es gut, Master Cormac hat sich sorgen um dich gemacht. Wir sind Evans Mann auf der Spur, schon vergessen wir wollten die Lady retten“, erklärte sie mir ruhig.

 

 

Auf einmal hörten wir einen Schuss. Ich drehte mich zum Dach des Lagerhauses und erblickte Agaté. „Faith los töte die Templerin!“, rief er mir zu. Ich sah zu Aminata. Die Templerin wurde von der Kugel am Oberschenkel getroffen aber es war zum Glück nur ein Streifschuss. „Worauf wartest du los!“, schrie Agaté. Ich ging langsam zu ihr. „Faith was machst du?“, fragte sie mich ängstlich. Ich beugte mich zu ihr hinab. „Dich retten spiel mit“, flüsterte ich und aktivierte meine versteckte Klinge. Ich tat so als würde ich Aminata in den Hals stechen. Die Templerin ging zu Boden und stellte sich tot, dann drehte ich mich um und folgte Agaté in Richtung Stadtzentrum.

 

 

Nach ein paar Minuten hielt Agaté an und drehte sich zu mir um. „Du kanntest diesen Mann, nicht war Schwester?“, fragte er mich und klang dabei nicht sonderlich freundlich. „Ja ich kenne ihn und Shay ist anders als die anderen Templer. Er würde nie Menschen versklaven, sagen wir so... er folgt seinem eigenen Credo und ich helfe ihm dabei“ erklärte ich. Agaté schaute mich misstrauisch an. „Ihr glaubt an Frieden, oder? Ihr seid dumm, aber ihr habt mir geholfen aus diesen Grund lasse ich euch dieses eine Mal ziehen. Faith das nächste Mal werde ich euch töten!“, meinte der Assassine kalt. Agaté drehte sich um und verschwand zwischen zwei Häusern im Trubel der Stadt. Nun da hatte ich wohl einen Feind mehr.

 

 

*****

 

Ich sah dem Assassinen noch kurz nach, dann rannte ich zurück zum Lagerhaus. Dort hatte ich den wichtigsten Menschen in meinen Leben zurückgelassen. Hoffentlich war Shay nicht all zu sauer auf mich. Meine Gedanken wurden durch eine riesige Rauchwolke am Horizont unterbrochen. War in dieser Richtung nicht das Lagerhaus? Ich beschleunigte mein Tempo und als ich fast da war, blockierte mir eine Menschenmenge den Weg zum Gebäude. Ich versuchte mich durch die Schaulustigen zu drängen, doch ich schaffte es einfach nicht. Das konnte doch nicht wahr sein? Suchend lief ich an der Menschenmenge vorbei und hoffte so auf eine Lücke, durch die ich zu dem brennenden Haus gelangen könnte.

 

 

Ich ging gerade an einer kleine Gasse vorbei, da wurde ich gepackt und in diese gezogen. Mein Schrei den ich ausstieß, wurde durch eine Hand an meinem Mund verhindert. Ich tat das einzige was mir einfiel und biss zu. „Bist du verrückt Weib!“, knurrte eine männliche Stimme hinter mir. „Zuerst trittst du mich und jetzt beißt du. So was nennst du etwa Liebe, Prinzessin?“ Ich befreite mich aus seinen Armen und schaute ihn an wie einen Geist. „Du lebst...ich dachte du wärst dort drinnen“, sagte ich und deutete auf das brennende Gebäude. „Das Schlafgift hat nur fünf Minuten gewirkt, Faith. Aber was um Himmels Willen hast du dort gemacht?“ „Die Sklaven befreit“, antwortete ich ihm knapp. „Mit einen anderen Assassinen, bist du verrückt! Komm!“, befahl Shay kalt.

 

Noch bevor ich wusste wie mir geschah, nahm Shay meinen Arm und zerrte mich mit sich. „Du tust mir weh, Shay. Lass mich los!“, giftete ich ihn an. „Nein werde ich nicht und du kommst jetzt mit zur Morrigan und erzählst mir was du in den letzten Tagen getrieben hast“, knurrte er wütend. „Nein nicht wenn du mich so behandelst“, fauchte ich Shay entgegen und versuchte mich aus seinen Griff zu befreien. Doch es half nichts, er zog mich weiter. „Shay es reicht“, versuchte ich es wieder und schaffte es, ihn zum anhalten zu bewegen. Er drehte sich zu mir und dann ertönte ein klatschendes Geräusch. Seine Hand ließ mich los und auf seiner Wange sah man meinen Handabdruck. Ich drehte mich um und rannte so schnell ich konnte von ihm weg.

 

 

Nach einer halben Stunde setzte ich mich erschöpft auf eine der Dachkanten und die Tränen tropften von meinen Wangen. Warum hatte Shay so reagiert? War es etwa weil ich den Assassinen geholfen hatte? Verdammt ich bin eine Assassine und ich konnte diese Menschen nicht einfach ihren Schicksal überlassen! Oder war es etwas anderes? Von dem ganzen Denken schwirrte mir nach ein paar Minuten der Kopf. Ich stand auf und kletterte wieder zurück auf den Boden. Ich sah mich um und war schon wieder total verloren. Langsam ging ich in Richtung der Hauptstraße als ich das Weinen eines kleinen Kindes hörte. Ich suchte nach dem Kind und entdeckte ein kleines Mädchen nicht weit von mir. Sie hockte auf den staubigen Boden und verbarg ihr Gesicht unter einem weißen Strohhut. Ich ging zu ihr und kniete mich vor sie. „Hey a leannan was machst du hier so alleine?“, fragte ich sie. Das Mädchen hob seinen Kopf und schaute mich aus roten verweinten Augen an. „Haben Sie vielleicht meine Maman gesehen?“

 

 

Ich schaute in die traurigen rehbraunen Augen des kleinen Mädchens. Ihre dunklen Haare waren unter einem weißen Strohhut verborgen. Sie hatte ein weißes Tuch um den Hals und eine dunkelblaue Bluse an. Ihr dunkelroter Rock reichte ihr bis zu den Knöcheln, welche in weißen Seidenstrümpfen steckten. Ihre Schuhe waren aus Leder und gut gepflegt. „Nein, a leannan, das habe ich leider nicht“, antwortete ich. „Was heißt a leannan?“, fragte sie mich weiter. Das a leannan zog sie seltsam in die Länge, dass es sich merkwürdig anhörte. „ A leannan heißt kleines Mädchen auf gälisch“, antwortete ich freundlich. „Aber was machst du hier so alleine?“, wollte ich weiter von ihr wissen. „Ich habe meine Maman verloren und suche sie schon eine Weile. Hast du meine Maman gesehen?“, fragte sie mich erneut.

 

 

Ich überlegte kurz, doch wenn ich ehrlich war, hatte ich nicht wirklich auf die Menschen in meiner Umgebung geachtet. Ich schüttelte den Kopf und sofort wurde der Blick der Kleinen noch trauriger. So wie das Mädchen aussah, brauchte sie meine Hilfe. „Weißt du was, ich werde mit dir deine Mama suchen. Wie findest du das?“, schlug ich ihr vor. „Das wäre wirklich sehr nett von euch, Madame“, strahlte sie mich an. Ich stand auf und reichte der kleinen Dame die Hand. „Aber eines möchte ich noch wissen, und zwar deinen Namen, kleine Lady“, grinste ich. „ Ich bin Avéline de Grandpré, Madame“, lächelte sie mich freundlich an.

 

 

Na dann, a leannan, wollen wir deine Mutter finden. Wie sieht sie denn aus?“, fragte ich Avéline, als wir die Gasse verließen und auf die Straße traten. „Sie hat ein blaues Kleid an und einen blauen Sonnenschirm. Siehst du sie etwa?“, antwortete mir Avéline. Ich schaute mich auf der Straße um und erblickte eine Frau mit blauem Kleid und Sonnenschirm. „Ist das deine Mama?“, fragte ich Avéline und zeigte auf eine Frau, die vor einem Schaufenster stand. „Nein Madame, meine Mama hat eine andere Hautfarbe“, nuschelte sie leise und blickte schüchtern auf den Boden.

 

 

Gut das würde unsere Kandidaten ein gutes Stück eingrenzen. „Dann suchen wir weiter, aber würdest du mir einen Gefallen tun und mich nicht Madame nennen, da fühle ich mich so alt“ „Gut. Aber es gehört sich doch nicht einen Erwachsenen mit dem Vornamen anzusprechen“ „Dann sag einfach Tante Faith“, grinste ich und nahm ihre Hand, damit ich sie nicht auf den Straßen der Stadt verlor. „Gut Tante Faith. Wo suchen wir als nächstes?“ „Mal sehen, gehen wir zum Zentrum, zur Kirche“, schlug ich vor. Avéline nickte und zusammen versuchten wir ihre Mutter zu finden.

 

 

*****

 

 

Als wir die Kirche erreichten, hatten wir ihre Mutter immer noch nicht gefunden. Erschöpft setzten wir uns auf eine Bank, in den Schatten eines Baumes. Ich reichte Avéline meine Wasserflasche und sie trank gierig daraus. „Wir werden Maman nie finden“, schluchzte Avéline traurig. Ich legte meinen Arm um ihre Schultern und zog sie ein Stück zu mir heran. „Avéline, ich werde alles tun, um deine Mutter zu finden“, versuchte ich sie aufzuheitern. „Wirklich? Aber was, wenn Maman etwas zugestoßen ist und sie meine Hilfe braucht?“, fragte sie mich. „Ihr geht es bestimmt gut. Ich werde jetzt mal etwas versuchen, vielleicht kann ich sie so aufspüren“, sagte ich zu Avéline.

 

 

Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf meine Umgebung, so wie mir Shay es erklärt hatte. Ich hörte die Rufe vom nahe gelegenen Markt, wie die Händler ihr Ware anboten. Hörte das Zwitschern der Vögel über uns und die schweren Stiefelschritte der französischen Soldaten, welche hinter der Kirche exerzierten. Meine Hand fühlte den Stoff von Avélines Kleid, ich fühlte die Struktur und wusste das es gute Baumwolle war, was sie trug. Ich atmete ein, roch das Gras zu unseren Füßen. Langsam öffnete ich meine Augen, die Welt um mich verschwand in einem Grau und ich sah ein Leuchten hinter mir, welches immer näher kam. Was war das? Dann wurde meine Sicht wieder normal. Ich hatte es leider nicht geschafft, aber immerhin schon einen kleinen Fortschritt gemacht.

 

 

 

Habe ich dich endlich gefunden, du wirst mir nicht mehr entkommen“, flüsterte eine Stimme in mein Ohr. Überrascht wollte ich aufspringen, doch meine Schultern wurden grob runter gedrückt. „Du bleibst hier“, knurrte derjenige hinter mir. Oh oh, er war anscheinend immer noch ziemlich sauer auf mich, dass ich ihm eine Ohrfeige verpasst hatte. Doch zu meinem Glück drehte sich in diesem Moment Avéline zu dem Mann hinter mir. „Lassen sie meine Tante los!“, knurrte sie ihn an. Ich schaute zu ihr und war überrascht über ihren Mut. Die meisten Mädchen in ihren Alter wären weggelaufen oder hätten sich ganz klein gemacht. Aber nicht Avéline, sie würde später bestimmt eine großartige und vor allem selbstständige Frau werden.

 

 

Ich drehte mich zu Shay und sein Blick war Gold wert. Er schaute sprachlos zu Avéline, die ihn mittlerweile schüchtern anlächelte. „Und wer bist du, kleine Dame?“, fragte Shay sie freundlich. „Das geht euch nichts an, werter Herr“, antwortete Avéline ihm frech und machte eine kleine arrogante Bewegung mit ihrem Kopf. Ich fand dieses Verhalten lustig von Avéline, erst schüchtern lächeln und dann das. „Schon gut a leannan, das ist...mein Mann“, sagte ich nach einem kurzen Zögern. „Ach so, dann habt ihr euch gestritten, oder? Weißt du, was du da machen musst, Tante Faith? Ganz einfach, ihr redet miteinander. Das machen meine Eltern auch immer so. Ich hole mir schnell eine Banane da drüben und ihr klärt, was auch immer euch auf dem Herzen liegt“, sagte Avéline und lief zu besagtem Stand.

 

 

Ich sah hinter dem kleinen Mädchen her, als mich Shays Stimme aus meinen Beobachtungen riss. „Die Kleine hat gar nicht mal so unrecht, Faith“, fing Shay an und setzte sich neben mich. Ja, Avéline hatte Recht, doch nur wie sollte ich anfangen? „Ich weiß, dass ich zu streng zu dir war, Faith, aber du warst fast drei Tage verschwunden und ich habe dich überall gesucht. Ich dachte schon, die Soldaten hätten dich getötet. Wo warst du nur die ganze Zeit?“, fragte er mich und ich hörte die Sorge in seiner Stimme. Hatte er deswegen so reagiert? Weil er sich Sorgen um mich machte? „Ich habe mir die Stadt angesehen und dann wurde mein Geldbeutel geklaut, ich folgte dem Dieb und als ich mein Geld wieder hatte, waren da plötzlich fünf Soldaten, die mich angriffen. Aber ich wurde gerettet, von einem Assassinen. Er meinte ich wäre noch vor Einbruch der Dunkelheit tot, wenn ich ihm nicht folgte. Außerdem brauchte er meine Hilfe. Ich habe nicht lange nachgedacht, immerhin hatte er mir das Leben gerettet und so war ich ihm noch etwas schuldig. Ich dachte außerdem, ich bin dir egal. Weißt du wie ich mich gefühlt habe mit Aminata an Bord? Wie das fünfte Rand am Wagen. Du hast nur mit ihr erzählt und mich so behandelt, wie vor fünf Wochen. Ich brauchte einen freien Kopf“, erzählte ich ihm.

 

 

 

Ich spürte Shays Hand an meiner Wange, dann drehte er meinen Kopf in seine Richtung. „Faith ich glaube ein es tut mir Leid reicht nicht. Aminata hat mir mein Verhalten auch schon vorgeworfen und von Gist durfte ich mir eine halbe Nacht eine Moralpredigt anhören, warum ich so zu dir war. Ich bin einfach so in mein altes Verhaltensmuster gerutscht, um dich zu schützen. Dabei habe ich dir schon wieder weh getan. Kannst du mir das nächste Mal gleich den Kopf waschen, wenn ich so zu dir bin und nicht wieder weglaufen?“, fragte er leise. Nun, das war nicht gerade die Entschuldigung, welche ich von ihm erwartete hatte. Ich sah in Shays dunkle Augen. Er blickte mich liebevoll an. „Gut, das werde ich machen und wenn ich dich jede Woche zur Vernunft bringen muss, mein Templer“, antwortete ich ihm. Auf sein Gesicht stahl sich ein kleines Lächeln. „Das ist einer der Gründe, warum ich dich liebe mo aingeal, du hast ein großes Herz“

 

 

Wenn ihr euch jetzt endlich den Versöhnungskuss geben könntet, ich brauche Tante Faith wieder, mein Herr“, unterbrach uns Avélines Stimme. Ich hörte auf sie, gab Shay einen schnellen Kuss auf den Mund und stand auf. „Shay könntest du uns beiden helfen? Wir suchen Avélines Mutter und mit deiner speziellen Fähigkeit dürfte es kein Problem sein“, bat ich meinen Templer um Hilfe. Er stand ebenfalls auf und kniete sich zu Avéline herunter. „Nun kleine Lady, kannst du mir deine Mama beschreiben?“, fragte er sie auf französisch. Avéline nickte und beschrieb Shay ihre Mutter, der sofort seine Fähigkeit aktivierte um sie zu finden. „Hier ist sie nicht, ich werde von oben suchen und du nimmst mit Avéline die Straßen hier unten“, sprach er, dann kletterte Shay schon das nächste Haus hoch.

 

 

Und hat meine Idee funktioniert und ihr habt euch wieder vertragen?“, fragte mich Avéline als wir langsam die Straße entlang gingen. „Ich glaube schon, doch ohne deinen Tipp würden wir jetzt noch auf der Bank sitzen und uns anschweigen“, meinte ich grinsend zu ihr. Avéline strahlte mich an. „Das ist prima. Du, Tante Faith, kann ich dich etwas fragen?“ „Aber sicher doch, was liegt dir auf dem Herzen?“ „Ist Shay wirklich dein Ehemann?“ Und schon wieder machte mich Avéline sprachlos mit ihrer kindlichen Art, ernste Dinge zu erfragen. „Nun, wir haben uns einander versprochen, aber wir sind nicht kirchlich verheiratet. Shay...ich wünsche mir mit ihm zusammen alt zu werden. Aber...das bleibt unser kleines Geheimnis. Sag Shay das bitte nicht...Ich meine...“, fing ich an zu stottern. „Versprochen“, grinste Avéline. „Und wollt ihr Kinder?“, stellte Avéline schon die nächste Frage. Langsam kam ich mir vor, wie bei einem Verhör. „Nun direkt haben wir nie darüber gesprochen“, reagierte ich ausweichend. Avéline akzeptierte diese Antwort und zusammen suchten wir weiter nach ihrer Mutter.

 

 

*****

 

 

 

Die Nacht brach über New Orleans ein und Avéline schlief schon fast im Laufen ein. Wir hatten die ganze Stadt nach ihrer Mutter abgesucht und nicht eine einzige Spur gefunden. „Komm Avéline, ich trag dich ein Stück“, sagte Shay und hob sie auf seinen Rücken, nachdem er mir sein Gewehr gegeben hatte. Ich schaute zu den beiden, sah wie Avéline sich an Shays Rücken kuschelte und die Augen schloss. „Sie ist gleich eingeschlafen“, flüsterte ich. „Wenn wir nur wüssten wo ihre Familie wohnt. Du weißt nicht zufällig, wie ihr Nachname ist?“, fragte mich Shay. „Doch de Grandpré, wieso?“ „Nun dann bringen wir sie zu ihrem Vater. Er hat sein Lagerhaus hier in der Nähe. Komm Prinzessin“, sagte er und lief mit Avéline voraus.

 

 

Ich folgte Shay durch die Straßen der Stadt, er schien zu wissen wo er hin musste. Shay blieb vor einem Lagerhaus in der Nähe des Hafens stehen. „Wo ihr Vater wohnt, weiß ich nicht, aber wir hatten heute Früh ein geschäftliches Treffen in dem Lagerhaus. Es brennt noch Licht, bestimmt kann uns dort jemand helfen“, erklärte Shay mir. „Na dann“, antwortete ich und klopfte laut an die Eingangstür des Hauses. Es dauerte eine Minute, bis uns ein Mann öffnete. Der Herr schaute skeptisch in unsere Richtung, dann fragte er etwas auf französisch, was ich mal wieder nicht verstand. Doch zu meinem Glück antwortete ihm Shay. Der Mann machte ein erstauntes Gesicht und deutete uns einzutreten. „Was hast du ihm gesagt?“, fragte ich Shay. „Das wir Avéline gefunden haben“, antwortete Shay. „Woher kannst du französisch, mo chride?“, wollte ich von ihm wissen, aber da hielt unser Führer vor einer Tür. Er klopfte an und trat ein. Drinnen wurden Worte gewechselt, dann erschien ein anderer Mann. Dieser trug einen blauen Justaucorps und eine Kniehose in einer dunkleren Farbe. Der Herr hatte eine Perücke auf, so dass man sein Haar nicht sehen konnte. Sein Gesicht zeigte dunkle Ringe unter den Augen und um seinen Mund hatte sich ein strenger Zug gebildet. „Avéline!“, rief er freudig aus und nahm Shay das Kind ab. „Kommt doch herein, Master Cormac, Miss. Sagt wo habt ihr meine Tochter gefunden?“, wollte er von uns wissen. Er führte uns in sein Arbeitszimmer, legte die schlafende Aveline auf ein Sofa und ging dann zu seinem Schreibtisch. „Bitte setzt euch. Wollt ihr ein Glas Wein?“, fragte er uns höflich. Bevor wir antworteten konnten, hatte jeder von uns ein Glas vor sich stehen.

 

 

In der nächsten Stunde erzählte ich ihm wie ich seine Tochter gefunden hatte. Der Mann war so glücklich, dass er uns glatt zu seinem Gartenfest am nächsten Tag einlud. Als wir uns von Philippe Olivier de Grandpré verabschiedeten, war es schon nach Mitternacht. Wir liefen schweigend zur Morrigan, als ich auf einmal anhielt und Shay anschaute. Mein Templer blieb stehen, drehte sich zu mir. „Was ist los, Prinzessin?“, fragte er mich. Ich sah ihn an, überbrückte den Abstand zu ihm und gab Shay einen Kuss. „Nichts, ich bin nur froh wieder bei dir zu sein, mein Templer“, grinste ich, dann lief ich weiter. Hinter mir hörte ich ein leises gemurmeltes Frauen, bevor Shay wieder neben mir auftauchte und meine Hand nahm. Ich blickte zu ihm hoch. „Lass uns jetzt endlich zum Schiff gehen Prinzessin, ich bin hundemüde“, gähnte Shay und führte uns beide durch die Straßen von New Orleans.

 

 

Als ich am nächsten Morgen erwachte, spürte ich etwas schweres auf mir und so versuchte ich mich mal wieder von meinem Templer zu befreien. Doch zu meinem Pech war Shay anderer Meinung, er klammerte sich an mich und zog mich noch näher an sich ran. Es war ja schön wenn er kuscheln wollte, doch mir war jetzt wirklich nach aufstehen. Ich versuchte Shay von mir zu schieben, aber mein Kampf war zwecklos. So würde ich den Guten nie von mir bekommen, dachte ich und sofort fiel mir ein Plan B ein. Langsam drehte ich meinen Kopf und fing an seine Brust mit kleinen Küssen zu verwöhnen. Shay knurrte zufrieden und zog mich auf sich. „Wehe du haust jetzt ab...“, brummte er verschlafen. Ich grinste über seine Reaktion und setzte meinen Weg über seine Brust weiter nach unten fort. Wie hatte ich den Geruch meines Liebsten vermisst. Die letzten Tage waren alles andere als einfach und hier wieder bei Shay zu sein, war einfach das beste. Ich schaltete meine Gedanken ab und konzentrierte mich auf wichtiger Dinge, meinen Liebsten zu verwöhnen.

 

 

Nach dem Frühstück überlegte ich wie ich diesen Tag am sinnvollsten verbringen konnte. Das heutige Gartenfest war erst am Abend und bis dahin war noch viel Zeit. Ich stand vor meiner Truhe und sah nur das Kleid aus dem Bordell. Vorsichtig nahm ich es in die Hand und hielt es vor mich. Nein das könnte ich auf gar keinen Fall anziehen. Ich schmiss das Kleid zurück und warf den Deckel meiner Truhe zu. Dann ging ich zum Schreibtisch, öffnete eine der Schubladen und holte meinen Geldbeutel hervor. Mein Blick in diesen lies mich weinen. Ganze drei Sou, damit würde ich nicht mal eine Haube bekommen, geschweige denn ein vernünftiges Kleid. Na gut nicht schlimm, dachte ich und legte mein Geld wieder weg. Richtige Lust auf so ein Fest hatte ich eh nicht und da ich ja kein Kleid hatte, müsste ich auch nicht hin. Ich meine ich würde dort eh keinen Menschen verstehen, französisch wollte einfach nicht in meinen Kopf rein. Das hatte Lady Melanie schon vor Jahren bei mir versucht und war kläglich daran gescheitert. Mit diesen Gedanken im Kopf trat ich an Deck um ein wenig frische Luft zu schnappen.

 

 

An Deck war es ruhig, die meisten der Männer waren von Bord und kamen nur hier her zurück um zu schlafen. Ich hörte ein poltern aus dem Laderaum und beschloss diesen Geräusch auf den Grund zu gehen. Ich stieg die Leiter zum unteren Ladedeck hinab und fand die Ursache des Geräusches. Shay und Gist hatten wohl ein paar Fässer Wein umgestoßen, als sie die Frachtpapiere noch mal prüfen wollten. Ich schaute den beiden Männern zu, wie sie nach und nach die Fässer an ihren Platz brachten. „Gist, Lincon und Teach sollen die Fässer besser sichern, wenn wir in einen Sturm kommen und sich hier jemand aufhält wird er zerquetscht“, sagte Shay zu dem Templer. „Wird erledigt, Captain. Hey du lebst ja noch Schätzchen. Hab dich schon vermisst und der Captain erst. War vollkommen neben der Spur, weil du weg warst. Mach das nicht noch mal, sein Laune ist dann nicht mehr zu aushalten. War die ganze Zeit mürrisch“, begrüßte mich Gist als er mich sah. Unser erster Maat kam auf mich zu und umarmte mich freundschaftlich.

 

 

Was macht ihr hier unten?“, fragte ich die beiden Templer. „Wir überprüfen nochmal unsere Ladung, die Männer neigen zu Fehlern, wenn sie zu viel Freizeit haben“, erklärte mir Gist. „Okay...ach Shay ich wollte dich was fragen“, sagte ich zu meinem Liebsten. „Was?“, antwortete er und war schon wieder mit den Papieren beschäftigt. „Nun ich glaube...ich habe nichts zum anziehen heute Abend, also musst du wohl allein zu dem Gartenfest“, sagte ich leise. Shay schaute von seinen Papieren noch nicht mal auf. „Dann kauf dir eins“, meinte er nur und zeigte auf eine Kiste, welche Gist öffnen sollte. „Na ja würde ich aber ich bin mal wieder ein wenig knapp bei Kasse“, flüsterte ich leise, doch die beiden Templer hatten es gehört. „Sag mal Schätzchen kann es sein das du immer knapp bei Kasse bist?“, grinste Gist in meine Richtung, während er die Kisten zählte. „Zehn Kisten Tabak, Captain“, rief er zu Shay. „Es müssen zwölf sein, Gist“, antworte dieser ihm „Prinzessin wen du willst gehen wir nachher zu einem Schneider. Wir finden schon was für dich, oder willst du mich mit all den französischen Frauen alleine lassen?“, fragte Shay mich frech.

 

 

Ich ging zu ihm, zog meinen Templer zu mir und küsste ihn. „Nein ich kann doch nicht zulassen das diese Frauen deine Unschuld bedrohen, mein Captain. Tha gràdh agam ort“, antwortete ich ihm grinsend. „Gráím thú mo aingeal. Aber ein wenig musst du dich noch gedulden“, sagte er und schaute zu Gist, welcher die fehlenden Kisten Tabak suchte „Ist okay, ich wollte eh noch meine Vorräte überprüfen, bis dann“, verabschiedete ich mich bei Shay. Schnell gab ich ihm einen weiteren Kuss, dann kletterte ich wieder hoch aufs Zwischendeck.

 

 

 

*****

 

 

 

Ich schrieb die letzten Zutaten auf meinen Einkaufszettel, verschloss das Tintenfass und legte meine Schreibutensilien zurück in den Schrank. Was würde ich nur für einen Schreibtisch hier unten geben. Meine kleines Reich war einfach zu klein. Es bot Platz für einen Patienten und mehr nicht. Ich schaute mich um und überlegte wie ich es größer machen konnte. Die Koje und der Schrank waren platzsparend an der Schiffswand angebracht. Davor stand der Behandlungstisch und ein Stuhl. Eine Trennwand schirmte meine Krankenstadion vom Gang ab. So in etwa war mein kleines Reich vielleicht vier Meter Breit und drei Meter lang. Ich ging um die Trennwand und schaute auf den Gang. Gegenüber waren Kanonen und Hängematten der Mannschaft, dazu noch Kisten und andere Fässer. Ich kramte wieder mein Schreibzeug heraus, nahm einen frischen Bogen Papier und fing an zu Zeichen.

 

 

Was wird das?“, fragte mich unser Captain, als er mich erwischte wie ich den Gang mit meinen Schritten Ausmaß. „Ich überlege ob man die Krankenstadion erweitern könnte. Der Gang biete genug Platz für eine Vergrößerung“, erklärte ich Shay meine Idee. „Das schon aber vor und hinter der Krankenstadion sind Kanonen und diese werden nicht weichen“,erklärte mir Shay skeptisch. „Wenn man die Kanonen mit einbindet, wäre zwar mich so toll, aber in unsere Kabine stehen sie ja auch und werden genutzt, wenn es sein muss“, versuchte ich Shay meinen Vorschlag zu verkaufen. „Das könnte gehen, außerdem wäre der Gang wieder in einer Flucht mit der Kombüse. Ich werde darüber nachdenken, Prinzessin. Aber zuerst gehen wir dir ein neues Kleid besorgen“, antwortete Shay und führte mich von Bord.

 

 

*****

 

 

 

Was brauchen wir alles, Prinzessin?“, fragte Shay mich, als wir uns den Markt näherten. „Hier das sind die Kräuter, welche uns ausgegangen sind“, sagte ich und reichte ihm die Liste. „Allium sativum, Calendula officinalis, Salvia officinalis, Cortex chinae, Salicis cortex, Matricaria chamomilla. Du sprichst kaum ein Wort französisch aber Latein?“, fragte mich Shay erstaunt. „Als Heilerin ist das notwendig, mo chride und ein paar Wörter kann ich auf französisch. Außerdem Übersetzt du doch gerne für mich?“, konterte ich Shay. „Ja, aber was machst du wenn ich mal nicht in der Nähe bin?“ „Das entscheide ich spontan“, meinte ich und blieb vor einem Kräuterhändler stehen. „Jetzt bräuchte ich deine Übersetzungskunst, mo chride“, lächelte ich ihn an. „Was brauchst du?“ „Knoblauch, Ringelblume, Salbei, Chinarinde, Weidenrinde und Kamille“, erklärte ich. Shay drehte sich zu dem Händler um und gab meine Bestellung weiter. Der Mann legte die Kräuter in verschiedene Tücher und reichte mir das Bündel, welches ich in meinen Korb tat. „ Trente sou“, sagte der Händler zu mir und Shay gab ihm das Geld.

 

 

Wir verließen den Markt und suchten uns einen Schneider. „Dort, mo chride“, sagte ich und zeigte auf den Laden, wo ich dieses ungewöhnliche Kleid gesehen hatte. „Woher weißt du wo wir hin müssen?“ „Na ja... „, „Schon gut, komm endlich“, meinte Shay nur und hielt mir die Tür des Ladens auf, damit ich zuerst eintreten konnte. Ich blickte mich in dem Geschäft um und war begeistert. Nicht nur im Schaufenster war so ein tolles Kleid, sondern auch hier drinnen. Es gab sie in den verschiedensten Farben und Schnitten. Kurz gesagt ein wahrer Traum für mich. Als uns beide der Besitzer sah, fing er an zu strahlen. „Miss ihr seid wieder da? Habt ihr den Taschendieb bekommen?“, begrüßte mich der Mann freundlich. „Oh ja. Sagen sie steht ihr Angebot noch das Kleid anzuprobieren?“, fragte ich nett. Der Schneider grinste mich an, rief nach seiner Frau welche mich sofort schnappte und in den hinteren Teil des Ladens zog. Ich konnte gerade noch Shay zurufen, das er mir doch ein paar Kleider aussuchen sollte, dann war ich mit der Frau allein.

 

 

Die Dame des Hauses war einen Kopf kleiner als ich, aber dafür doppelt so breit. Ihre Wangen leuchteten rosig und ich bemerkte das sie schwanger war. Das erklärte auch ihre Runde Form. „Nun Lady ich denke das würde euch stehen“, sagte sie in einem gebrochen englisch zu mir und hielt das Kleid vom letzten mal an mich. Ich schaute an mir herunter und konnte es gar nicht abwarten das Kleid anzuziehen. Die Dame half mir in das Kleid und es passte perfekt. Der weiche Stoff umschmeichelte meine Haut und es fühlte sich gut an. „Miss es passt zu euch, los geht raus und zeigt es euren Mann“, zwinkerte sie mir zu.

Ich folgte ihr wieder in den Laden und als Shay mich sah kam kein Wort über seine Lippen. Also war es wohl doch nicht so schön, dachte ich. „Prinzessin du siehst...Wow.“, sagte er nach kurzem Schweigen endlich. Der Ladenbesitzer grinste und nahm etwa aus einer Truhe, ein Haarnetz mit lauter kleinen Perlen. „Das würde es perfekt machen Miss.“, sagte die Dame des Hauses und nahm ihren Mann den Schmuck ab. Sie stellte sich hinter mich und machte aus meinen Haaren eine wunderschöne Frisur.

 

 

Seht selbst“, meinte sie lächelnd und drehte mich zum Spiegel. Ich schaute fassungslos auf meine Ebenbild. War das ich? Meine blauen Augen bildeten einen Kontrast zu dem orange-rot-gelben Kleid, was fast so aussah wie lodernes Feuer. Die Perlen des Netzes schimmerten leicht golden und es gefiel mir. „Wir nehmen es und diese noch dazu“, sagte Shay hinter mir. Ich drehte mich zu meinem Templer und sah einen Berg von Kleidern auf den Tresen liegen. „Willst du etwa den ganzen Laden kaufen?“, fragte ich ihn überrascht. „Fast aber jedes wird toll an dir aussehen“, antwortete er grinsend. Die Frau des Schneiders lachte und ich folgte ihr wieder in den hinteren Teil, um das Kleid auszuziehen.

 

 

Ich wollte gerade wieder vor, als ich ein weiteres wunderschönes Kleid auf dem Tisch entdeckte. Es war oben Weiß und wurde nach unten rosa ,erst ganz blass dann kräftig am Saum. Dieses Kleid musste ich haben. Ich drehte mich unauffällig zu Shay um und als ich merkte das er mit dem Ladenbesitzer sprach um den Preis auszuhandeln, nahm ich es in die Hand. Der Stoff war herrlich weich, doch ich konnte nicht einfach so das Kleid kaufen, ich meine so weit waren wir in unsere Beziehung noch nicht, oder? Egal, dachte ich. Irgendwann würde dieses Kleid zum Einsatz kommen und wenn es soweit war, dann würde ich mich freuen das ich es gekauft hatte.

 

 

Wir verließen kurze Zeit später das Geschäft, mein Kleid war gut verborgen unter denen, welche von Shay ausgesucht wurden. Gut das die Frau des Schneiders mir dabei geholfen hatte, damit mein Liebster es nicht sofort mitbekam. Ich freute mich schon auf seinen Blick, wenn er es sah. Shay führte mich in Richtung Hafen und der Geruch von ungewaschenen Menschen nahm zu. „Was riecht hier so eklig?“, fragte ich ihn. „Wir sind in der Nähe des Sklavenmarktes aber es ist der kürzeste Weg zum Schiff“, erklärte er mir. Wir erreichten den Platz und ich war geschockt wie viele Händler ihre Ware anboten. Shay zog mich näher zu sich und zusammen schlängelten wir uns durch die Menschen. „Faith! Hilf mir!“, hörte ich auf einmal meinen Namen. Ich blieb stehen und stutze. Wer kannte mich hier und wusste das ich englisch sprach. „Dort Prinzessin, das ist Aminata. Wie kommt sie hierher? Sie wollte doch die Sklaven aus der Stadt führen“, sagte Shay.

 

 

Dann haben Sie sie wohl erwischt, dort dieser Mann war auch unter den Gefangenen, welche ich befreit habe“ Ich schaute zu Podest und sah das die Menge um Aminata feilschte. Der Händler riss den Lumpen den sie anhatte entzwei und präsentierte ihren Körper der Menge. Die Männer holten laut. „Shay wir müssen was tun, sie wurde gestern angeschossen von dem anderen Assassinen“, sagte ich leicht panisch zu ihm. „Na dann hoffe ich das meine Geld reicht“, antwortete Shay und wir drängten uns durch die Menge. Wir stoppten kurz vor dem Podest. Ich schaute zu Ami und sie sah uns erleichtert an. „Ich nehm die Kleine für zwanzig“, rief ein Mann in unserer Nähe. „Ich für dreißig“ „Fünfzig“, rief Shay neben mir.

 

 

Die Männer steigerten sich immer weiter hoch. Schnell huschte ich zu Shay stärksten Mitbieter. Ich stellte mich hinter ihn und aktivierte meine Klinge. „Steigen sie aus oder die Klinge wird ihre Niere durch bohren und sie würden innerhalb der nächsten Tage sterben. Das wollen sie doch nicht“,flüsterte ich kalt zu dem Mann. Der Bieter erstarrte und als Shay das nächste Gebot von 80 Livre abgab, blieb seine Hand unten. „80 Livre ...keiner weiter. Na dann mein Herr gehört euch dies schöne und exotische Ware“, rief der Verkäufer und Aminata wurde sogleich vom Podest geführt.

Shay lief zügig durch die Menschenmenge und erreichte den Händler. Ich tauchte schnell in der Menge unter, bevor mich der Mitbieter sehen konnte. Grinsend beobachtete ich wie er die umstehenden Menschen nach mir fragte, aber keiner schien ihn weiter helfen zu können. „Das Weib hat mich um mein Geschäft gebracht!“, rief er noch immer aufgebracht.

 

 

In einer kleinen Gasse wartete ich auf Shay. Ich sah ihn wie er seinen Mantel um Aminata gelegt hatte und sie trug. Das ganze war für sie zu viel gewesen. Die starke Frau so zu sehen brach mir das Herz. „Sie ist Bewusstlos Faith“, meinte Shay und zusammen liefen wir schnell auf die Morrigan. Wir erreichten das Schiff, als die Sonne unterging. Shay brachte Aminata auf die Krankenstadion. Ich versorgte ihre Wunden und deckte sie zu, damit sie sich ausruhen konnte. Vorher hatte ich ihr noch ein Hemd von Shay übergezogen. „Mr. McKenzie würdet ihr auf sie aufpassen?“, fragte Shay unseren Smutje. „Natürlich Captain“, antwortete dieser, als wir uns von ihm verabschiedeten.

 

Die frische Nachtluft tat gut, doch lange ausruhen konnten wir uns nicht. Schnell zog ich das neue Kleid an, lies aber meine Haar offen. Wenn das Kleid nicht für Gesprächsstoff sorgen würde, dann immerhin meine Haare. Ich schaffte es in kürzester Zeit fertig zu sein und als ich wieder an Deck trat bekam ich einen liebevollen Blick von Shay. Sein Augen wanderten über meine Kleid, bis zu meinen Stiefeln. „Du siehst schön aus, nur ich glaube bei den ganzen Kleidern haben wir beide wohl vergessen das du noch Schuhe gebraucht hättest“, grinste er und führte mich zu einer Kutsche, welche schon auf uns wartete.“ Na ja aber die Stiefel passen doch auch, also warum extra Geld ausgeben“, meinte ich und stieg ohne große Problem in das Gefährt.

 

Die Kutsche hielt mitten im Zentrum von New Orleans, vor einer prachtvollen Villa. Das Tor war geöffnet und Laternen beleuchteten den Weg zum Haus. Wir stiegen aus der Kutsche und eilten zum Eingang, wo der Herr des Hauses schon die letzten Gäste begrüßte. „Ah Master Cormac und Miss Cormac. Es freut mich das ihr zu meinen kleinen Fest gekommen seid“, sagte Philippe freundlich zu uns. „Kommt das Fest hat schon angefangen“, erzählte er weiter und führte uns in einen schönen Garten. Der Garten war erleuchtet von unzähligen Fackeln und Lampignons. Die Leute hatten sich über die gesamte Rasenfläche verteilt. Sklaven liefen umher und reichten Speisen und Getränke. Ich nahm mir ein Glas Wein und stürzte mich ins Getümmel. Wie ich solche Feste doch hasste, aber was tat Frau nicht alles für ihren liebsten Templer.

 

 

 

Nach einer Stunde des Dauerlächelns, stellte ich mich ein wenig abseits der Leute und hoffte, dass dieses Fest bald vorbei sein würde. Ich wäre jetzt lieber auf dem Schiff, um mich um Aminata zu kümmern. Ein rascheln aus den Busch hinter mir, erregte meine Aufmerksamkeit. Ich schaute ob mich niemand beobachtete, doch die Menschen hier waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als das sie Notiz von mir genommen hätten. Ich trat ein paar Schritte zurück und entdeckte einen grünen Rockzipfel, welcher zu einer Person gehörte, die mir bekannt vorkam. Ich schlich mich lautlos an mein Opfer an, beugte mich ein Stück über sie und pikste Avéline in ihre Seite. Das kleine Mädchen quiekte erschrocken auf. „Was?..Wer..?“, fragte sie in ihrer Muttersprache. Sie schaute zu mir und ein Lächeln breitete sich auf ihren Gesicht aus. „Tante Faith. Ich habe gehofft, dass du heute kommst. Jetzt wird es bestimmt nicht mehr so langweilig hier“, grinste sie über ihr ganzes Gesicht. „Na das freut mich und was willst du mit mir gegen die Langeweile tun?“, fragte ich. „Komm, ich zeig es dir“, antwortete sie und nahm meine Hand in die Ihre.

 

 

Avéline führte mich als erstes auf die Tanzfläche und wir drehten ein paar Runden. Danach blieb sie bei einem Sklaven stehen, welcher verschiedene Früchte servierte. „Die musst du probieren, Tante“, strahlte Avéline mich an. Ich tat ihr den Gefallen und probierte die verschiedenen exotischen Früchte. Avéline stand daneben und erklärte mir die Namen der Früchte. Neben Bananen gab es Orangen,Papayas, Ananas, Kokosnüsse und Maracujas. Am besten schmeckte mir die Ananas, die war so schön fruchtig süß und saftig. „Die sind alle lecker, da wo ich herkomme kennt man diese Früchte gar nicht“, grinste ich Avéline an. Wir tanzten noch eine Runde zusammen und durch Avéline fand ich dieses Fest nicht so öde, wie die anderen.

 

 

Avéline, du solltest schon lange im Bett sein“, hörten wir eine Stimme hinter uns. „Ja, Madame“, antwortete Avéline ein wenig ängstlich. Ich schaute die Person an und sie bedachte mich mit einem arroganten Blick. „Lass die Dame jetzt endlich in Ruhe. Sie will bestimmt nicht den ganzen Abend mit dir verbringen“, meinte sie streng. „Mich stört Avéline nicht, mit ihr ist es nicht ganz so trist hier“, antwortete ich der Dame höflich. „Wirklich? Wer sind sie, dass sie das entscheiden können? Sie haben wohl noch nicht an so vielen Feiern teilgenommen“, zickte sie mich an. Bevor ich etwas erwidern konnte, trat unser Gastgeber zwischen uns. „Meine Liebe, darf ich dir vorstellen, Miss Cormac. Miss Cormac meine werte Ehefrau Madeleine de L'Isle“, stellte Avélines Vater uns gegenseitig vor. „Sehr erfreut“, erwiderte ich gespielt höflich. „Papa, darf Tante Faith mich ins Bett bringen, bitte“, fragte Aveline ihren Vater. „Natürlich, wenn es Miss Cormac nichts ausmacht“, erlaubte er ihr. „Gerne“, lächelte ich und Avéline nahm meine Hand, damit ich sie ins Bett bringen konnte.

 

 

Avélines Zimmer war in der oberen Etage, mit Blick auf den Garten darunter. Wir hörten die Stimmen der Gäste und ich fragte mich, wie Avéline es schaffen sollte, bei diesem Lärm einzuschlafen. „Stört dich der Lärm?“, wollte ich wissen. „Nein, ich bin es schon gewohnt. Meine Stiefmutter gibt einmal im Monat so ein Fest“, erklärte sie und zog sich aus, um in ihr Nachthemd zu schlüpfen. „Kannst du mir eine Geschichte erzählen?“, fragte sie mich und schlüpfte unter die Decke ihres Bettes. „Na klar, ich kenne aber nur schottische Märchen“ „Oh ja, bitte“, antwortete sie darauf. Ich setzte mich auf die Bettkante und Avéline rutschte zu mir, so dass ich meinen Arm um sie legen konnte. Ich überlegte einen Moment bis ich mich für ein kleines Märchen entschied. Caitriona hatte es mir immer erzählt. „Das Märchen heißt „Der Fuchs und die Wildgans“.“

 

 

*Wildgänse, so muss man wissen, sind in den schottischen Highlands besonders scheu und behutsam. Trotzdem gelang es eines Tages einem Fuchs, eine schöne fette Wildgans am Ufer eines Sees zu überraschen. Sie tat gerade ein kleines Schläfchen, als der Fuchs sie schnappte und am Flügel festhielt. Und als er sich einen Spaß an ihrem Geschnatter, Zischen und Gezeter machte, sprach er: „Nun sag mal, wenn du mich jetzt so in deinem Schnabel hättest wie ich dich, was würdest du dann tun?“

Das ist ja wirklich eine ganz einfach Frage“, gab sie zur Antwort. „Ich würde die Hände falten, ein Dankgebet sprechen, meine Augen schließen und dich dann verspeisen.“

Genau das hatte ich auch vor“, entgegnete der Fuchs, faltete seine Hände, machte ein ganz unschuldiges Gesicht und sprach mit geschlossen Augen ein frommes Dankgebet. Inzwischen aber hatte die Gans ihre Flügel gebreitet und flog schon auf halben Weg über den See dahin. So konnte der Fuchs sie nicht mehr erreichen. Ihm blieb das Nachsehen, und er konnte sich nur noch die Lippen lecken.

Das soll mir eine Lehre sein“, sprach er dann missmutig. „Nie wieder in meinem Leben werde ich ein Dankgebet sprechen, bevor ich nicht den Braten warm in meinem Magen habe.“

 

 

 

Als ich das Märchen beendet hatte, war Avéline schon eingeschlafen. Der gestrige Tag musste sehr anstrengend für sie gewesen sein. Ihr Mutter war mitten auf den Straßen der Stadt spurlos verschwunden. Avélines Vater suchte sie noch immer, doch bis jetzt blieb der Erfolg aus. Ich löste mich leise von dem schlafenden Kind, legte sie in ihr Bett und deckte sie mit der großen Decke zu. „Schlaf gut, a leannan“, flüsterte ich und gab Avéline noch einen Kuss auf die Stirn. „Ihr könnt gut mit Kindern umgehen, Miss Cormac“, sagte eine leise Stimme hinter mir. Ich drehte mich zu der Person um und erblickte Madeleine. „Scheint so“, murmelte ich. „Habt ihr Kinder?“, fragte sie mich weiter. „Nein“, antwortete ich knapp und schaute noch mal zu Avéline. „Die Kleine ist wie mein eigenes Kind für mich, doch ihre Mutter hat sie immer von mir ferngehalten. Ich werde mich um sie kümmern“, sagte sie mehr zu sich selbst, als zu mir. „Wollen wir im Salon ein Glas Wein trinken? Ich würde die Frau an Master Cormacs Seite gerne besser kennenlernen“ „Geht vor raus“, meinte ich und verließ mit ihr das Zimmer von Avéline.

 

 

Ich betrat den Salon und Madeleine bot mir einen Platz auf dem Sofa an. „Ich hoffe, ihr entschuldigt mein Verhalten von vorhin, meine Liebe“, fing sie unser Gespräch an. „Das ist schon in Ordnung, ihr hattet euch nur um Avéline gesorgt“, nahm ich ihre Entschuldigung an. „Na dann, auf uns Frauen“, hob sie ihr Glas und stieß mit mir an. Ich trank einen Schluck des Weines und er war köstlich. Fruchtig süß, nicht so sauer wie sonst. „Schmeckt euch der Wein?“ „Sehr. Wo habt ihr ihn her?“, wollte ich von ihr wissen. „Aus Württemberg, dieser Wein wird dort Schillerwein genannt, auf Grund seiner schönen Farbe. Wisst ihr was, ich schenke euch zwei Fässer davon. Wir Frauen müssen doch zusammen stehen. Was mich zu meinem eigentlichen Grund für unsere private Unterredung bringt. Was haltet ihr von einer Zusammenarbeit mit mir. Ich liefere euch Produkte aus Frankreich, welche ihr hervorragend in den englischen Kolonien verkaufen könnt. Seit Krieg herrscht, kommen kaum noch französische Schiffe nach New York. Es ist sozusagen eine Marktlücke“, erklärte sie mir. „Was habt ihr von der ganzen Sache?“, fragte ich sie misstrauisch.

 

 

Gewinn. Ich kaufe es billig ein, verkaufe es zwanzig Prozent teurer an Euch und ihr schlagt nochmals zwanzig Prozent drauf. So haben wir beide etwas davon. Der zweite Grund ist, wir sind so nicht auf unsere Männer angewiesen. Ein bisschen Geld nebenbei.“ „Das ist ein interessanter Vorschlag, aber ich bin eine Heilerin und keine Geschäftsfrau“, erklärte ich Madeleine.

 

 

Und? Das ist doch egal. Wir sind Frauen, wer sagt wir können nur eine Sache gut. Überlegt es euch, doch lasst mich nicht zu lange warten“, meinte sie und trank ihr Glas aus. Nun diese Idee war wirklich nicht zu verachten und ein Schiff hätte ich ebenfalls, die Macha. Doch irgendwie zweifelte ich daran, ob ich so ein Geschäft leiten konnte. „Ich muss darüber nachdenken, die Kosten abwägen“, sprach ich zu Madeline. „Das ist doch schon mal ein Anfang, meine Liebe. Schreibt mir einfach einen Brief und es kann losgehen.“

 

 

*****

 

 

Madame will nicht gestört werden Monsieur“, hörten wir eine Stimme vor den geschlossen Salontüren, dann ein lautes Poltern. Schnell standen wir auf, als auch schon ein Mann eintrat. Sofort erkannte ich den Verkäufer von Aminata wieder, „Was soll das Jean-Luc?“, fragte sie den Mann. „Was das soll, fragt sie? Ich bin hier, um euch endlich dem Vater des Verstehens zu opfern. Eigentlich dachte ich ja ihr seid allein, aber dem ist nicht so. Aber was soll dieses Weib schon ausrichten?“, schrie der Mann und zielte mit einer Pistole auf Avélines Stiefmutter. Madame d´Ilse lachte eisig auf. „Also seid ihr der Verräter. Aminata hatte Recht. Evans hat euch wohl gekauft. Aber egal, denkt ihr wirklich ihr schafft es mich zu töten und all die anderen im Orden? Aminata ist eurem kleinen Plan auf die Schliche gekommen und hat nicht nur mich gewarnt“, redete sie vollkommen ruhig.

 

 

Auf einmal tauchte hinter dem Sklavenhändler Shay auf. „Jean-Luc, darf ich dir Master Cormac vorstellen“ Der Händler drehte sich zu Shay und dann wieder zu ihr um. „Ihr habt mir eine Falle gestellt. Doch denkst du, ich bin so dumm Weib?“, knurrte er und gab ein Zeichen mit seiner Hand. Ich schaute zum Flur und sah einen Sklaven, welcher Avéline eine Pistole an den Kopf drückte. „Das wagt ihr nicht!“, fauchte ich in seine Richtung. „Halt die Fresse Weib, wenn ich mit der da fertig bin, bist du dran. Wirst einen schönen Preis erzielen!“, schrie er.

 

 

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, ging alles ganz schnell. Shay entwaffnete den Sklaven und zog Avéline in seine Arme. Ich war auf Jean-Luc zugesprungen und hatte ihm mein Signa duh ins Herz gestochen. „Du Schlampe! Ich sehe dich in der Hölle“, flüsterte er leise, dann war er tot. Avéline befreite sich aus Shays Armen und rannte zu ihrer Stiefmutter, welche sie eng an sich zog. „Alles wir gut“, flüsterte sie ihr zu. Ich stand mit dem blutigen Messer über der Leiche. Das Blut tropfte auf mein Kleid und ich starrte ins Leere. „Hey, mo aingeal ist alles gut?“, fragte mich Shay und nahm das Messer aus meiner Hand. Er verstaute es in einer seiner Taschen, als auch schon die ersten Leute zu uns in den Salon kamen. „Geh zu Miss Cormac“, hörte ich Madeleine zu Avéline sagen. Ich kniete mich hin und zog das Mädchen an meine Brust. Avéline klammerte sich an mich und ich merkte wie sie zitterte. Hoffentlich würde sie diese Nacht schnell vergessen.

 

 

Shay legte seine Hand auf meine Schulter und ich versuchte der kurzen Erklärung von Madeleine zu folgen, aber schon bei den ersten zwei Sätzen gab ich es auf. Ein paar Minuten später kam Avélines Vater, welcher das Fest sofort für beendet erklärte. Ein paar Sklaven deckten die Leiche zu. Zu unseren Pech mussten wir noch auf die Soldaten warte, um unser Aussagen zu machen, doch kurz vor Sonnenaufgang waren wir endlich wieder zurück auf der Morrigan.

 

 

 

Erschöpft legte ich mich neben Shay und kuschelte mich an ihn. Diese Nacht war einfach nur anstrengend gewesen. „Shay, wann habt ihr diesen Plan ausgeheckt?“, fragte ich ihn müde. „Kurz nachdem wir ankamen, Ami hatte mich zu ihrer Lady geführt und da haben wir alles besprochen. Wir wussten das einer der hiesigen Templer zu Evans gehört, aber nicht welcher. Zwei Tage später waren wir im Lagerhaus, Madeleine hatte uns gesagt das es am wahrscheinlichsten der Sklavenhändler wäre. Also waren wir dort um dem auf den Grund zu gehen. Leider haben der Assassine und du den Plan zerstört und so mussten wir heute Nacht improvisieren. Faith entschuldige, dass ich es dir nicht gesagt habe“, erklärte Shay und zog mich noch ein Stück näher zu sich. „Schon gut, ich weiß, du kannst mir nicht alles sagen, vor allem wenn es um den Orden geht. Lass uns schlafen mo chride.“, antwortete ich schläfrig.

 

 

 

 

Nach ein paar Stunden Schlaf, stand ich müde auf und sah nach Aminata. Ich musste unbedingt mit ihr reden. Ich ging in die Krankenstadion und sah sie mit einem Buch im Bett sitzen. „Wie geht es euch?“, fragte ich sie. „Besser, jetzt wo ich wieder bei Master Cormac bin“, antwortete die ehemalige Sklavin. Ich setzte mich zu ihr und sie schaute mich fragend an. „Was ist los, Miss Faith?“, fragte sie mich höflich. „Warum bist du nicht zur Morrigan zurückgekehrt? Wie konnte der Sklavenhändler dich fangen?“ „Um das zu verstehen...hört euch meine Geschichte an, dann wisst ihr warum.“

 

 

 

 

*Märchen aus dem Buch Schottische Märchen von Erich Ackermann

 

Ich setzte mich auf meine Behandlungstisch und deutete Aminata mit dem Reden anzufangen.

 

Äthiopien 1733

 

Ein kleines Mädchen lief durch die trockene und staubige Bergwelt des Kontinent Afrikas. Ihre Füße taten weh und ihre Kehle war rau und kratzig vor Durst. Sie blieb stehen und drehte sich in die Richtung aus der sie gekommen war. Am Himmel stieg immer noch Rauch auf. Dort hinter den Hügeln hatte sie bis vor ein paar Stunden noch glücklich mit ihrer Familie gelebt. Das kleine Mädchen schniefte kurz, umklammerte den Sperr ihres Vaters und mit der anderen Hand die Kette ihrer Oma. Sie spürte die Tränen an ihren Wangen, wischte diese aber heftig fort. Ihre Familie war tot, diese fremden hatten ihr kleines Dorf überfallen und jeden den sie erwischten getötet. Nur dank ihrer Mutter konnte sie fliehen.

 

Sie wischte sich ein letztes Mal die Tränen ab, dann lief sie weiter in Richtung des großen Waldes. Das erste was sie brauchte war Wasser, sonst würde sie hier nicht lange leben. Nach weiteren kräftezehrenden Stunden stolperte das kleine Mädchen über eine kleinen Stein und fiel unsanft auf den Boden. Mühsam versuchte sie sich aufzurichten, doch sie hatte keine Kraft mehr. Die Sonne brannte auf ihrer dunklen Haut und sie hatte das Gefühl gekocht zu werden. Sie versuchte sich wieder aufzurichten, als ein Schatten auf sie viel. Nein das waren diese bösen Männer, sie hatten sie gefunden und würden sie jetzt zu ihrer Familie schicken. Ein letztes Mal öffnete sie die Augen, doch es waren nicht die Fremden, sondern eine alte Frau mit Tätowierungen im Gesicht. Sie kniete sich neben das Mädchen und half ihr sich aufzusetzen. „Hier trink“, sagte sie aber das Kind starrte sie nur an. „Du scheinst einem anderen Volk anzugehören und verstehst mich nicht“, murmelte die Alte zu sich selbst. Sie nahm ihre Trinkflasche und hielt sie dem Kind an den Mund. Gierig trank das kleine Mädchen das kühlende Nass.

Die Ältere half den Kind auf die Beine und deutete ihr zu folgen. Mit einem letzten Blick zurück, lief das kleine Mädchen hinterher in der Hoffnung das ein besseres Leben auf sie wartete.

 

*****

6 Jahre später

 

Aminata wo bleibst du lahmer Vogel denn?“, rief ein Junge zu dem mittlerweile 12 jährigen Kind. „Ich komme schon Aadi, darf ich Weise Frau?“, fragte das Mädchen zu der alten Dame mit den Tätowierungen im Gesicht. „Ja aber sei pünktlich zu essen zurück, du weist doch heute ist dein besondere Tag“, erlaubte ihr die Frau mit den Jungen zu gehen. „Danke“, grinste sie und folgte dem Jungen in Richtung Wald.

 

Eine halbe Stunde später erreichten sie die kleine Klippe im Wald. Beide schnappten sie eine Liane und kletterten flink an ihnen hoch. Aminata war vor Aadi oben und schaute grinsend zu wie ihr Freund sich den Felsen hoch quälte. „Wer ist nun der lahme Vogel, Aadi? Weist du warum du so langsam bist, du isst zu viel“, meinte sie und setzte sich auf das weiche Moos. „Na meine Oma kocht so gut, das weist du doch. Du bist schließlich auch nicht mehr so dünn, wie vor sechs Jahren“, antwortete Aadi Aminata. Auf das Gesicht des Mädchen legte sich ein dunkler Schatten. „Ja“, knurrte sie nur und ging zum Rand der Klippe. „Ami was hast du vor?“, fragte Aadi erschreckt. „Weiß nicht, ob das Wasser da unten im See tief ist?“ „Ami das darfst du nicht tun, du weist Oma hat es verboten und außerdem ist doch heute dein großer Tag“, versuchte der Junge Aminata von Springen abzuhalten. „Ja du hast recht Aadi. Komm die Sonne senkt sich langsam, wir sollten schnell wieder zurück gehen“, meinte Aminata zu ihm und kletterte flink an den großen Felsen hinunter.

 

Die beiden rannten und als sie kurz vor dem Ziel waren, bemerkten sie den Rauch am Himmel. Aminata blieb stehen. „Ami was ist los, komm das ist das große Feuer“, sagte Aadi, schnappte sich ihre Hand und zog das Mädchen mit sich. Doch je näher sie dem Dorf kamen, desto höher schlugen die Flammen, welche von den Hütten der Bewohner kamen. Überall schrien Leute und rannte in Panik aus dem Dorf. Aminata blieb stehen und starrte auf die Flammen. Nein nicht dieses Zuhause auch noch, dachte sie und rannte plötzlich in Richtung des Feuers. Zwischen dem Rauch entdeckte sie die ersten Leichen und je näher sie dem Zentrum kam, desto mehr worden es. In der Mitte des Dorfes waren die Überlebenden zusammengetrieben, Fremde hielten sie mit diesen seltsamen Waffen aus denen Feuer kam in Schach. Aminata stand da, als sie plötzlich in eine Hütte gezogen wurde. „Kind sei still, Versteck dich!“, hörte das Mädchen die Stimme der weißen Frau. Sie wurde in einen großen Korb gesteckt und die Alte Frau legte einige Felle über sie. „Was auch immer du jetzt hörst, bleib wo du bist, denn du bist die Hoffnung unseres Volkes“, meinte die Alte und verließ die Hütte.

 

Gebannt lauschte Aminata den Geräuschen von Draußen. Zu ihren Pech dämpfte das Fell über ihr die Stimmen, doch als der Schrei der Alten ertönte, missachtete sie ihren Befehl und stürmte nach draußen auf den Platz. Sie sah ihre Mentorin dort mit einer riesigen Wunde im Kopf liegen, sowie die anderen alten des Stammes. Sie alle wurden von diesen Männern getötet. Nur die Jungen hatten sie am Leben gelassen. Als einer der Männer sie sah, rief er etwas in einer fremden Sprache zu seinem Kumpanen. Aminata reagierte sofort, drehte sich um und rannte los. Sie lief so schnell wie sie konnte, nach ein paar Minuten erreichte sie den Wald, wo sie noch vor einer Stunde mit ihren Freund war. Oh nein was war mit Aadi passiert?, fragte Aminata sich.

 

Sie erreichte den Felsen und blieb stehen. Hinter sich hörte sie die Stimmen der Männer, welche immer näher kamen. Flink kletterte sie auf den Felsen und schaute hinunter in den Abgrund. Der See unterhalb der Klippe sah aus wie ein tiefes schwarzes Loch. Ein Schuss in ihre Richtung brachte Aminata aus dem Gleichgewicht und sie verlor den Halt. Mit letzter Kraft konnte sie sich an einer Wurzel festhalten, aber die Männer hatten sie eingeholt. Sie zogen sie hoch, stoßen sie auf ihre Knie und lachte über sie. Einer griff in ihre Haare und drehte ihren Kopf grob zur Seite, sodass sie den Mann anschauen musste. „Na kleiner Vogel, konntest wohl nicht fliegen“, grinste er dreckig und gab seinen Leuten ein Zeichen. Zwei Männer hoben sie hoch und dann wurde sie zurück zum Dorf geschleift. Dort legten sie ihr ein grobes, raues Seil um den Hals und ihre Hände kamen in Eisenketten. Sie zwangen die Überlebenden in eine Reihe, saßen auf ihren Pferden auf und trieben sie hinaus in die Nacht.

 

New Orleans 1747

 

Müde schaute die Junge Frau auf das Bündel in ihren Armen. Das Kind schrie nach seiner Mutter, doch diese war soeben von ihnen gegangen. Der Aufseher sah von der Toten zu den zwei Frauen. „Warum habt ihr nicht das Kind sterben lassen!“, schrie er aufgebracht. Er hob seine Peitsche, doch eine Person hinter dem Mann hielt ihn auf. „Nicht die Junge, die Lady wünscht sie zu sehen. Bestraft die andere“, sagte ein weiterer Mann, welcher Aminata grob auf ihre Füße zog und sie vor sich her schubste. „Lauf schneller!“, knurrte er. Aminata tat was der Mann ihr sagte und beeilte sich zum Herrenhaus zu kommen. Als sie in die Küche kam, wurde sie mitleidig von den anderen Sklaven angesehen. Über einen Flur ging es weiter und sie blieben vor dem Salon stehen. Das wunderte Aminata, sonst musste sie immer wenn sie hier war, mit der Hausherrin das Bett teilen. Alles zum Vergnügen ihres Manns, welcher sie dabei gerne beobachtete. Die Tür vor ihr wurde geöffnet und Aminata grob in den Raum gestoßen. Drinnen saßen die Herrin und ihr Mann, dazu drei weitere Gäste. „Das ist sie?“, fragte einer der Männer. „Ja ich hoffe euer Lordschaft sagt diese Dame für die Nacht zu?“, wollte ihr Herr von dem Mann wissen.

 

Aminata schaute stur nach unten, sie wusste was die beiden Herren verhandelten. Es war nicht das erste Mal, das ihr Besitzer sie an seine Gäste auslieh. Der erste mal war vor fünf Jahren gewesen. Ihr Herr hatte dafür sogar Geld bekommen, das der Gast ihre Jungfräulichkeit nahm. Sie dachte nur ungern an diese Erfahrung zurück, genau wie die anderen Male als sie mit einem dieser Männer schlafen musste. Da war ihr das Liebesspiel mit der Herrin viel Lieber.

Sie ist in Ordnung. Mir gefallen ihr Tätowierungen im Gesicht. Wie hießt du meine Schöne?“, fragte sie der Gast auf spanisch. „Aminata“, flüsterte sie leise. „Ein interessanter Name. Nun komm ich will mich für die Nacht in mein Zimmer begeben“, sagte der Mann, stand auf und nahm sie an ihrer Hand um sie in sein Gemach zu führen.

 

Die nächsten Monate kam der Mann immer wieder und verlangte nach ihr. Ihr Besitzer gewährte es ihm und im Sommer wurde Aminata an den Mann verkauft. Sie blickte traurig auf das Anwesen, welches immer kleiner wurde. „Nun Ami du wirst mir im Haus helfen. Ich habe eine stolze Summe für dich bezahlt und ich denke du bist dein Geld wert“, sagte ihr neuer Besitzer. Sie schwieg nur und starrte auf die vorbeiziehende Landschaft. Die Fahrt dauerte einige Tage, erst nach New Orleans, dann ging es mit dem Schiff weiter nach Havanna. Aminata stand neben ihren neuen Herrn an Deck und bewunderte den Sonnenuntergang über den Meer. So was schönes hatte sie lange nicht gesehen. Ich neuer Meister stellte sich als Mateo Galan vor. Er unterhielt sich mit ihr, als würde er sie als eben würdig erachten und das erste Mal in ihren Leben als Sklavin füllte sie sich wohl. Ihr neuer Meister nahm ihr die Sorgen und Probleme ab. Er hört ihr zu und hatte auch schon einen Plan wie er sie befreien könnte. Diese Zeit mit ihm war die schönste in ihrem Leben, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihren Meister. Ein halbes Jahr nachdem sie in Havanna angekommen waren, wurde ihr neuer Herr von einem Mann mit Kapuze getötet. Er forderte von ihr sich ihrer Sache anzuschließen, doch Aminata blieb bei der Leiche ihres Herren, denn in der Zeit in dem sie ihn kannte, hatte sie Mateo Lieben gelernt.

 

So fanden sie die Wachen und die junge Frau wurde des Mordes angeklagt. Aminata blickte durch das vergitterte Fenster, Mateos Ring mit einem Kreuz fest in ihrer Hand. Sie würde den Mörder ihres Liebsten finden, sobald sie aus dieser Zelle entkam. Einen Tag vor ihrer Hinrichtung stand auf einmal eine Frau vor ihr. „Hallo Aminata ich bin Madame de Ilse. Ich glaube du weißt ganz genau wer den guten Mateo getötet hat“, sagte sie zu ihr. „Ein Mann mit Kapuze, glaubt ihr mir Lady?“, antwortete Aminata. „Ja. Dein Herr hat mir von dir erzählt. Wir waren enge Freunde und ich denke du wirst für unsere Sache ein Gewinn sein. Wachen ich habe diese Frau gerade gekauft, los lasst sie frei“, befahl sie mit strenger Stimme.

 

Von da an arbeite Aminata für die Templerin Madame de Ilse. Als Sklavin getarnt beschaffte sie Informationen und nach einigen Jahren wurde sie selbst zu einem wichtigen Mitglied der Templer. Immer getrieben von Rache, auf der Suche nach dem Assassinen, welcher ihre große Liebe getötet hatte. Aminata lernte mit der Hilfe des Ordens immer neue Dinge. Sie sprach mehrere Sprachen, verfeinerte ihre Kunst des Heilens und der Gifte und nach zehn langen Jahre hatte sie endlich den Mörder ihre großen Liebe gefunden. Adéwalé!

 

*****

 

Ich schaute die Frau vor mir an. Sie wurde also von einer Person zur nächsten verkauft. „Sieh mich nicht so an Faith. Du liebst Shay über alles, mit Mateo ging es mir genauso. Du hättest ihn gemocht, er war ein ehrenwerter Mann und Templer. Vorgestern als Agaté mich angeschossen hat, ich lief zu der Lady und erstattete ihr Bericht. Kaum das ich ihr Haus verlassen hatte, fingen mich die Männer des Sklavenhändlers ein. Sie zerrten mich zu ihrem Lagerhaus und am nächsten Tag habt ihr mich gefunden“, meinte sie und lächelte mich freundlich an. „Und das in einem schlechten Zustand, Aminata“ „Nennt mich Ami“ „Gut du sagtest du wärst eine Heilerin warum hast du nicht deine Wunde versorgt?“ „Wollte ich aber der Lady zu helfen war wichtiger Faith. Für mich gibt es nur noch den Orden, er ist alles was ich habe“,flüsterte sie leise zu mir. „Ich verstehe. Wenn du willst bringe ich dich nachher zu den Grandprè“, sagte ich und stand auf. „Nein das geht nicht. Die Lady … sie meinte ich solle verschwinden, weil der Plan schiefgelaufen war und die Assassinen nun wissen das ich zu den Templern gehöre. Ich kann nirgends hin“, antwortete Ami traurig. „Dann bleib bei uns“, sagte ich und umarmte sie. „Aber...“ „Nichts aber außerdem hat dich Shay doch gekauft und sobald wir in New York sind lassen wir dich frei“, meinte ich und grinste sie an. „Danke Faith“

 

*****

 

Wir ankerten noch drei Tage in der Stadt, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten. Ich hätte nie gedacht, das ich New York vermissen würde. Mit Madeline vereinbarte ich, das die Macha die erste Ladung in einem Monat von New Orleans abholen würde.

Das Geld um die gute Madeline zu bezahlen hatte ich mir von meinem Templer geliehen. Des weiteren hatte ich mit dem Schneider, welcher diese tollen Kleider herstellte einen kleinen Handel geschlossen. Der Gute würde mir diese tollen Stoffe liefern, welche ich hoffentlich gut in New York verkaufen konnte. Aveline verabschiedete mich unter Tränen und ich musste ihr hoch und heilig versprechen ihr zu schreiben. Ich stand an der Reling und schaute auf die immer kleiner werdende Stadt. „Komm Prinzessin es ist Zeit fürs essen“, holte mich Shay aus meinen Beobachtungen und zusammen gingen wir unter Deck.

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MrsHEKenways Profilbild
MrsHEKenway Am 18.08.2020 um 19:14 Uhr Mit 24. Kapitel verknüpft
Oh wie schön, neue Kapitel! :-) Willkommen "zurück" GLG deine Mrs. Shaytham Corway
Todesengel222s Profilbild
Todesengel222 (Autor)Am 18.08.2020 um 20:16 Uhr
Hallo meine liebe chaoshexe, ja es geht jetzt nach und nach weiter mit der Geschichte, habe ja noch einiges vor mir und ich hoffe du hast viel Spaß beim lesen

GLG dein kleiner Todesengel
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MrsHEKenways Profilbild
MrsHEKenway Am 25.12.2019 um 13:23 Uhr
Hey mein Todesengel,

ich freu mich, dass du auch den Weg hierher gefunden hast!

Ich mag diese Geschichte einfach... :-)

GLG von Mrs. Shaytham ;-)
Todesengel222s Profilbild
Todesengel222 (Autor)Am 25.12.2019 um 15:13 Uhr
Hallo Mrs.Shayham

Danke für dein Lob und so kannst du die Geschichte nochmal von Anfang an lesen��

Glg dein kleiner Todesengel

Autor

Todesengel222s Profilbild Todesengel222

Bewertung

2 Bewertungen

Statistik

Kapitel:62
Sätze:12.675
Wörter:154.778
Zeichen:875.857

Kurzbeschreibung

[AC Rogue] - Mein Name ist Faith McGregor und ich bin für den Tod tausender unschuldiger Menschen verantwortlich, es gab nur einen Weg diese Schuld zu begleichen, selbst wenn ich dafür mit meinen Feinden zusammenarbeiten muss.