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Liebe ist närrisch

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09.07.20 12:30
6 Ab 6 Jahren
Heterosexualität
Fertiggestellt

Autorennotiz

Vorab eine Bemerkung zu den gesprochenen Sprachen. In meinem HC sprechen alle Beteiligten hier Quenya, was sich auch an entsprechenden Stellen in den Namen widerspiegelt. Yerna-saira beispielsweise für Frodo; in Sindarin wird sein Name als Iorhael wiedergegeben, was ich ins Quenya übersetzt habe. Für Bilbo habe ich leider keinen elbischen Namen gefunden, er hatte aber sicher einen. Der Lesbarkeit halber habe ich mich dafür entschieden, im Fließtext weiter die altbekannten Namen zu schreiben.

6 Charaktere

Celebrían

Celebrían ist Galadriels und Celeborns Tochter. Um 1700 ZZ kam sie mit ihrer Mutter nach Imladris, wo sie das erste Mal Elrond begegnete. Sie verliebten sich ineinander und heirateten 100 DZ. Ihre Kinder sind Elladan, Elrohir und Arwen. Als sie 2509 nach Lórien reiste, wurde sie von Orks gefangen genommen und geschändet. Sie segelte Heilung suchend in den Westen.

Elrond Peredhel

Auch wenn Elronds leiblichen Eltern niemand geringeres als Earendil und Elwing sind, wuchs Elrond zusammen mit seinem Zwillingsbruder Elros im Ersten Zeitalter bei Maglor in Ossiriand auf. Nach dem Untergang Beleriands schloss er sich Gil-galad an und wurde dessen Herold. Seit Imaldris im Zweiten Zeitalter gegründet wurde, ist er der Herr von Bruchtal.

Frodo Beutlin

Der heimatverbundene Hobbit aus dem Auenland ist Mittelerdes vielleicht bekanntester Held. Zum einhunderelfzigsten Geburtstag seines Onkels Bilbo erbt er dessen magischen Ring, welcher sich als der Herrscherring Saurons herausstellt. Frodo zieht aus, um den Ring nach Bruchtal zu bringen, nichts ahnend, dass er sich bald auf einer Reise befindet, ganz Mittelerde zu retten.

Gandalf / Mithrandir

Olórin, später bekannt als Mithrandir, der Graue Wanderer, oder Gandalf, ist einer der Istari, Maiar, die von den Valar nach Mittelerde gesandt wurden, um im Kampf gegen Sauron beizustehen. Er ist einer der wenigen Weisen, die sich mit Hobbitkunde befassen, und erkannte vor allen anderen ihren Wert. Er ist der Heerführer des Westens im Ringkrieg.

Maglor Makalaure

Der zweite von sieben Söhnen Feanors ist Maglor. Er ist unter anderem als einer der mächtigsten Sänger Mittelerdes und als Verfasser der Noldolante bekannt. Zusammen mit seinem älteren Bruder Maedhros überlebte er als letzter der Feanorer auch den dritten Sippenmord von Arvernien, wo er Elrond und Elros adoptierte. Nachdem er seinen silmaril ins Meer warf, ist sein Schicksal unbekannt.

Maenwen

Eine Elbin aus Aman. Einst war sie eine von Maglors Schüler*innen.

Einstmals hatte Maenwen sorgenvoll auf Kunde aus den Hinnenlanden gelauscht, doch diese Zeiten waren schon lange vergangen. Von den Flüchtlingen zu Beginn des Zweiten Zeitalters hatte sie vernommen, welches Ende die Söhne Feanors ereilt hatte, und von da an hatte sie ihr Herz vor dem Kummer der Sterblichen Lande vollends verschlossen.

Vor langer, langer Zeit einmal hatte sie von ihrem eigenen Reich in Endor an der Seite ihres Gemahls geträumt. Vielleicht hatte sie ihren Traum nicht so forsch vorangetrieben wie Galadriel, doch geträumt hatte sie nichtsdestotrotz.

Alqualonde hatte diesen Traum zunichte gemacht. Sie hatte nicht ertragen können, was dort geschehen war, und wollte nichts damit zu tun haben. Schweren Herzens hatte sie sich von ihrem Gemahl losgesagt und sich Finarfins Leuten angeschlossen. Doch Liebe ließ sich nicht so einfach vergessen.

Sie hatte es versucht, viele tausend Jahre lang, und irgendwann war ihr alter Schmerz nur noch ein blasser Schatten, ein dumpfes Pochen, das sie leicht ignorieren konnte, wenn sie sich nicht darauf konzentrierte. Ihr Leben ging weiter.

Dann waren die Ringträger nach Valinor gekommen, und als Maenwen ihre Geschichten erfuhr, war all das in ihr wieder aufgebrochen, das sie lang vergraben geglaubt hatte.

Jetzt stand sie vor dem Gutshof und zögerte. Schon vor etlichen Jahren hatte sich Celebrían hier angesiedelt, Obstplantagen angelegt und begonnen, ihren eigenen Obstbrand zu keltern. Maenwen hatte sich nicht weiter dafür interessiert, auch wenn auch sie manchmal den Brand genoss, der hier gekeltert wurde. Auch wenn sie sich mittlerweile einen Namen damit gemacht hatte, war Celebrían für Maenwen schlussendlich nur ein weiterer Flüchtling aus Endor. Ihr Interesse war erst geweckt worden, als sie hörte, dass Elrond ihr Gemahl war.

Die beiden suchten derzeit eine weitere Aushilfe für ihr Gut. Maenwen hatte die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Sie schob ihre alten Erinnerungen zur Seite und konzentrierte sich lieber auf ihre Neugierde, was sie von einem Halbelben zu erwarten hatte. Sicher, Elronds Eltern lebten schon lange in Aman, doch weit abgeschieden im Norden und Maenwen war ihnen nie begegnet. Es war also das erste Mal, dass sie so eine Kuriosität wie die Peredhil mit eigenen Augen würde sehen können, und jetzt war ihre Neugierde doch geweckt. Sie klopfte an.

Ein alter Noldo öffnete ihr, unverkennbar einer von Feanors einstigen Gefolgsleuten. Verblüfft starrte sie auf den Stern, der auf der Rüstung des Elben prangte. Dann sah sie zu ihm auf – und erkannte ihn.

»Alacenandur!«

Rethtulu schien nicht minder verwundert, sie hier anzutreffen. »Herrin Maenwen!«, rief er aus. »Ich hätte Euch hier nicht erwartet.«

Sie bedeutete ihm, ruhig zu bleiben. »Psst, sei leise. Ich will nicht, dass gleich alle wissen, wer ich war. Ich bin hier, weil ich hörte, das Elerondo eine Aushilfe sucht.«

Rethtulu blieb äußerlich ruhig, aber sie spürte seine Verwirrung.

»Mein Herr weiß nicht, dass es Euch gibt«, sagte er zögerlich.

»Und ich wünsche, dass es auch so bleibt«, betonte sie. »Also kein Wort zu niemandem, wer ich einst war. Das liegt lange in der Vergangenheit. Jetzt bin ich einfach nur irgendeine Elbin, die hier eine Anstellung sucht. Ist hier noch jemand, der mich kennen könnte?«

Rethtulu nickte. »Ceomon. Ich werde Eure Worte an ihn weitergeben.«

»Sehr gut. Bring mich jetzt zu Elerondo.«

»Mein Herr ist gerade mit Yerna-saira am Grab dessen Onkels. Aber wenn Ihr hier eine Anstellung sucht, dann wollt Ihr ohnehin mit der Herrin Tyelpetári reden; ihr gehört hier alles.«

Mit diesen Worten geleitete er sie in das Haus und führte sie zu seiner Herrin. Ebenjene saß in einem Studierzimmer und schien soeben die Finanzen ihres Guts zu prüfen. Maenwen stellte mit größtem Erstaunen fest, dass Galadriels Tochter schwanger war und anscheinend kurz vor der Niederkunft stand. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Als Rethtulu den Gast hereinführte, blickte Celebrían auf. Die Ähnlichkeit zu ihrer Mutter war unverkennbar, auch wenn ihre Züge weitaus sanfter wirkten, als Maenwen Galadriel in Erinnerung behalten hatte.

Rethtulu verneigte sich leicht. »Herrin, diese Elbin sucht aufgrund Eures Gesuchs eine Anstellung bei Euch.«

Maenwen trat vor und knickste. »Man nennt mich Maenwen«, stellte sie sich vor. Nur ein Name von vielen. Wenn Elrond nicht einmal wusste, dass es sie gab, würde dieser Name ohnehin niemandem hier etwas sagen.

»Das kommt mir sehr gelegen«, freute sich Celebrían. »Ich brauche jemanden, der uns im Haushalt hilft, auf den Feldern, im Verkauf. Also all das, worin ich momentan verhindert bin.« Sie deutete auf ihren Bauch.

»Das klingt nach Arbeit, die ich verrichten kann«, versicherte Maenwen. »Wenn mir die Frage gestattet ist: Wann ist es denn soweit? Wenn Ihr das wünscht, kann ich Euch auch mit der Betreuung der Kinder helfen.«

Versonnen lächelnd strich Celebrían über ihren Bauch. »Zwillinge. Schon wieder, das muss einfach in Elerondes Familie liegen. In ein paar Wochen ist es soweit. Und danke für dein Angebot, aber meine Zofe Laerwen ist bereits mit der Aufgabe betraut. Sie wird allerdings froh sein, wenn ich ihr für die anderen Aufgaben jemanden zur Seite stelle.«

Sie winkte Rethtulu zu sich heran. »Hilf mir bitte auf. Dann gehen wir zu meinem Gemahl, damit er Maenwen das Gut zeigen kann.«

»Vielen Dank, Herrin!«, beeilte sich Maenwen zu sagen. Anscheinend hatte Celebrían die Sache schon beschlossen.

Rethtulu half seiner Herrin auf, da ihre weit fortgeschrittene Schwangerschaft ihr einige Probleme bei Laufen bereitete.

»Herrin, Ihr wisst, was Herr Elerondo dazu sagen würde, wenn Ihr Euch immer noch der Papierarbeit annehmt«, erinnerte er sie.

»Ja, ja …« Celebrían winkte ab. Dann führte sie Maenwen hinter das Haus.

Hier sollte sie die nächste Überraschung erwarten. Sie hatte gehört, dass unter den Ringträgern auch zwei Vertreter eines fremdartigen Volks waren, das sich selbst Hobbits nannte, hier aber besser bekannt waren als Perioni. Rethtulus Erwähnung eines Grabs hatte sie verwundert, jetzt sah sie jedoch, was er damit gemeint hatte.

Elrond und ein kleines, schrumpeliges Kerlchen, bei dem es sich nur um Frodo handeln konnte, standen an besagtem Grab. Elrond selbst bürstete soeben den Stein ab, nachdem er zuvor Frodo geholfen hatte, die gepflanzten Blumen zu pflegen, da Frodo zu alt geworden war, um diese Arbeit selbst zu verrichten. Es war das Grab seines Onkel Bilbo.

Maenwen betrachtete die Beiden und hoffte, dass man ihr ihre Neugierde nicht allzu sehr ansah. Sie war noch nie so direkt mit dem Konzept von Sterblichkeit konfrontiert worden. Wie es wohl war zu wissen, dass man eines Tages nicht mehr existieren würde?

Elrond bemerkte sie als erstes. Er erhob sich und eilte sogleich zu Celebrían.

»Du sollst dich doch nicht mehr so viel bewegen, indo-ninya«, mahnte er. Dann wandte er sich Maenwen zu. »Wer ist das?«

Das war also ein Peredhel. Maenwen war sich nicht wirklich sicher, was sie erwartet hatte. Jedoch ganz sicher nicht, einem Elben gegenüber zu stehen, bei dem man schon sehr genau hinsehen musste, um zu erkennen, dass er Menschen zu seinen Vorfahren zählte. Über siebentausend Jahre in den Hinnenlanden gelebt und unermüdlich gegen den Schwarzen Feind gearbeitet zu haben, hatten dennoch Spuren an ihm hinterlassen.

Was Maenwen jedoch wesentlich mehr interessierte, war das Licht in seinen Augen, welches nur die Elben besaßen, welche zur Zeit der Zwei Bäume in Aman gelebt hatten. Aber das konnte doch nicht sein! Es sei denn, er hatte einen der Edelsteine Feanors erblickt. Wenn er Elwings Sohn war, dann war das vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich.

»Ich bin Maenwen, Herr«, stellte sie sich vor. »Eure Gemahlin war so zuvorkommend, mir hier eine Stelle als Aushilfe anzubieten.«

»Lange genug hast du mir damit in den Ohren gelegen, indo-ninya«, fügte ebenjene lachend an.

Elrond wirkte erleichtert, als sei eine große Last von ihm genommen worden.

»Dann komm mit und ich zeige dir alles«, sagte er. »Und du, Tyelpetári, setzt dich und ruhst dich aus.« Er sah sie streng an, doch Celebrían schien herzlich wenig beeindruckt davon.

Elrond nahm sich nun Maenwens an und führte sie herum, um ihr ihren neuen Arbeitsplatz zu zeigen. Sie hatte gehört, dass er die Herzen von Elben und Menschen zu ergründen vermochte, doch die ganze Zeit über erweckte er nicht den Eindruck, als hätte er erkannt, wer sie war. Sie hatte nicht vor, das allzu schnell zu ändern, und zog es vor, ihn still und leise zu beobachten.

In den kommenden Wochen sollte sie feststellen, dass Geschichten aus Mittelerde zwar das eine waren, diese aber oft erstaunlich wenig über den erzählten, von dem sie handelten. Maenwen lernte schnell, in diesem Haus weder von Elwing noch von Earendil zu sprechen. Stattdessen bekannte Elrond sich, seit er in Valinor war, wieder offen zu Feanors ältesten Söhnen.

Am allermeisten erstaunte es sie jedoch, dass Maedhros wieder unter ihnen weilte. Maenwen musste ihn jedoch knapp verpasst haben, denn erst vor kurzem war er vor die Valar gerufen wurde, um Buße zu tun. Er wurde nicht vor Celebríans Niederkunft zurückerwartet. An dieser Sache erstaunte Maenwen jedoch am meisten, dass Maedhros bei Elrond lebte, und Elrond ihn seinen Onkel nannte und ihm ausgesprochen zugetan schien. Maenwen besann sich dessen, was sie vom Ende des Ersten Zeitalters gehört hatte. Es war Maedhros gewesen, der Arvernien angegriffen hatte, Elronds Heimat zerstörte und ihn selbst entführte. Wenn Elrond jedoch von ihm sprach, schien es Maenwen, als wäre all das nie so geschehen.

Maenwen fragte sich, ob Elronds Zuneigung zu Maedhros wohl auch für Maglor gelten würde.

Dennoch: Sobald Maedhros zurückkehren würde, würde ihre kleine Maskerade auffliegen. Sie wusste nicht, ob es sie besorgen oder freuen sollte, zumal sie Maedhros nicht wie Ceomon und Rethtulu bitten konnte, sie nicht zu verraten.

Der Moment sollte eher kommen, als vermutet, und vor allem gänzlich anders, als sie erwartet hatte.

Maenwen war gerade dabei, die leeren Kisten im Lager zu sichten und für die nächste Ernte vorzubereiten, als sie aufgeregte Stimmen durch das Haus rufen hörte. Das Kellerfenster öffnete sich zur Terrasse hin und so hörte sie, was dort besprochen wurde.

»Gandalf, wie schön, dich hier zu sehen«, sagte Frodo, nur um sogleich mit einem sorgenvollen Ton anzufügen: »Wer ist das? Was ist mit ihm geschehen?«

Frodo hatte Westron gesprochen. Maenwen hatte nicht viel von dieser Sprache aufschnappen können, aber um Frodos Worte zu verstehen, reichte es gerade so.

»Das, mein lieber Frodo, ist Maglor«, erwiderte Gandalf. »Und jetzt sag mir bitte, wo ich Meister Elrond finde, damit er nach ihm sehen kann.«

Maglor …

Allein dieser Name ließ vollends wieder das in Maenwen aufleben, was sie vor mehr als drei Zeitaltern für immer verloren geglaubt hatte. Tränen füllten ihre Augen. Selbst mit dem Wissen, dass Maedhros wieder unter ihnen weilte, hatte sie nicht zu hoffen gewagt.

Sie ließ die Kiste, die sie in Händen gehalten hatte, achtlos fallen und stürmte nach oben. Sie kam gerade hinzu, als Elrond seinen Patienten in sein eigenes Bett legte und sogleich damit begann, ihn gesund zu pflegen. Äußerlich wirkte er gefasst und routiniert, doch Maenwen spürte, was für ein Sturm in ihm tobte.

Mit einem unterdrückten Stöhnen sank Maenwen gegen den Türrahmen. Dort lag in der Tat Maglor, doch welch grausames Schicksal hatte er erleiden müssen! Er wirkte abgehärmt, seine Kleidung zerrissen und sein Haar matt. Anscheinend war er nicht bei Sinnen, sein Blick war leer und seine fea weit fort. Und erst seine Hände! Entsetzt wandte sich Maenwen ab.

»Vater, alles wird gut«, hörte sie Elrond eindringlich sagen. »Hörst du? Jetzt wird wieder alles gut! Jetzt bin ich wieder bei dir.«

Maenwen erschauderte, als sie vernahm, wie Elrond Maglor angeredet hatte. Er hatte ihn Vater genannt. Aber wie konnte das sein?

Sie bemerkte kaum, wie jemand an ihrem Kleid zupfte. Als sie nach unten schaute, sah sie Frodo.

»Geht es dir gut?«, fragte er besorgt.

»Das ist Makalaure«, wiederholte sie nur atemlos. »Feanáros zweitältester Sohn, der größte Sänger, den diese Welt gekannt hat. Es hieß, er sei für immer verschollen und niemand hat ihn sein dem Ende des Ersten Zeitalters mehr gesehen. Wie kann das sein?«

Gandalf, der Maglor hierher gebracht hatte, sah zu ihr hinüber. Seine Augen blitzten erkennend auf, doch noch sagte er nichts.

»Nicht alle, die wandern, sind verloren, wie Bilbo zu sagen pflegte«, erklärte er stattdessen. An Elrond gewandt fuhr er fort: »Die Taten, die Makalaure beging, sind nicht vergessen, weder die schlechten … noch die guten. Euretwegen erlaubten die Valar ihm den Weg zurück in seine alte Heimat, der er einst an der Seite seines Vaters den Rücken kehrte. Er ist entbunden von seinem Eid und hat lange genug Buße getan für das Blut, das er vergossen hat.«

Mit Tränen in den Augen sah Elrond zu ihm auf, doch dann machte er sich sogleich wieder an die Arbeit. Unter seiner kundigen und behutsamen Pflege gelang es ihm alsbald, Maglors schlimmste Qualen zu lindern und seine umschattete fea zu beruhigen. Maglor schien wieder zu sich zu kommen. Er blinzelte, sein Blick klärte sie.

Doch es war nicht Elrond, den er als erstes wahrnahm.

»Maenwen?«, wisperte er ungläubig und mit rauer Stimme, die sicher seit vielen Jahren nicht mehr benutzt worden war.

Maßloses Erstaunen zeichnete sich auf Elronds Gesicht ab, als er sich zu ihr umwandte.

Für Maenwen gab es kein Halten mehr. Sie eilte an Maglors Seite und ergriff seine Hand. Tränen der Freude rannen ihr über das Gesicht.

»Ja, ich bin es wirklich«, erwiderte sie. »Ich habe dich für immer verloren geglaubt!«

»Du … du bist kein Traum?«, fragte Maglor unsicher. »Du verschwindest nicht einfach so?«

»Nein, ganz bestimmt nicht.« Weinend und lachend zugleich hielt sie seine Hand an ihr Gesicht, damit er fühlen konnte, dass er wirklich und wahrhaftig wieder bei ihr war. »Ich habe dich einmal gehen lassen und glaubte dich für immer verloren. Noch einmal wird mir das nicht passieren, Liebster.«

Maglor schien noch immer nicht wirklich begreifen zu können, dass er nicht träumte. Als er nun endlich Elrond bemerkte, schien er nur umso ungläubiger.

»Das kann nicht sein«, hauchte er. »Mein Sohn … Elerondo … Wo bin ich hier? Wieso ist Maenwen bei dir? Sie verließ mich doch vor so langer Zeit und kam nie mit uns.«

»Vater!«, schluchzte Elrond und zog ihn in seine Arme. »Ich dachte, ich würde dich nie wieder sehen.«

Als der erste Ansturm der Gefühle abebbte und inzwischen auch Celebrían hinzugekommen war, gab Elrond Maglor wieder frei. Dann sah er zu Maenwen auf der anderen Seite des Bettes.

»Woher kennst du Onkel Makalaure?«, fragte er erstaunt.

Mit Liebe in den Augen sah Maenwen zu Maglor. Offenbar unsicher, wie er ihr nach all dem, was zwischen ihnen vorgefallen war, begegnen sollte, erwiderte er ihren Blick.

»Weil er mein Gemahl ist«, eröffnete sie. »Wir trennten uns, nachdem Feanáro Alqualonde überfiel, denn ich konnte nicht verantworten, was dort geschehen war. So kam es, dass ich Aman nie verlassen hatte. Ich hatte gehofft, dass ich das, was geschehen war, vergessen konnte, doch Liebe ist närrisch. Und heute bin ich froh, dass ich nie vergessen habe.«

Elrond starrte sie sprachlos an.

Maglors fea war bisher blass und grau gewesen. Doch als er ihre Worte vernahm, kehrte ein schwacher Schein in sie zurück. »Ich hielt dich für immer verloren für mich«, wisperte er. »Du hattest dich von mir losgesagt, und ich war närrisch und stolz genug, um dich gehen zu lassen. Also sprach ich nie wieder von dir, als hätte es dich nie gegeben. Was für ein Narr ich war! Kannst du mir vergeben?«

»Ja, und das, obwohl ich weiß, was du getan hast. Liebe ist närrisch.« Lange Jahre hatte Maenwen gezweifelt, ob sie Maglor jemals würde verzeihen können, was er getan hatte. Doch jetzt, als er so plötzlich wieder in ihr Leben gestürzt war, waren alle Zweifel wie fortgewischt.

Doch dann sah sie, wie Elrond sie noch immer sprachlos beobachtete. Sein Blick ließ sie erschaudern.

»Wer ist Eure Mutter wirklich?«, fragte sie mit einem Mal ängstlich.

Elrond wirkte verwirrt. Auch Maglor war zunächst irritiert, doch dann schien er zu begreifen.

»Mein Herz, ich war dir immer treu«, versicherte er. »Elrond und Elros sind Earendils und Elwings Kinder. Doch nachdem, was wir, mein Bruder und ich, in Arvernien taten, nahm ich sie an Sohnes statt auf. Sie waren doch nur Kinder von sechs Jahren.«

»Onkel Makalaure war uns immer mehr Vater als Earendil«, fügte Elrond an. »Ich habe keine Erinnerung an Earendil, und das wenige, dessen ich mich an Elwing erinnerte, ist ebenfalls schon lange verblasst.«

»Das macht Maenwen dann wohl zu eurer Mutter, mein Kleiner«, sagte Maglor mit einem Schmunzeln. Das Gespräch hatte mehr und mehr seiner Lebensgeister geweckt.

Maenwens Herz quoll über vor Freude. Sie hatte vernommen, dass Elrond in seiner Vergangenheit etwas mit Maglor zu schaffen gehabt hatte. Deswegen war sie hierher gekommen: um ein Auge auf ihn zu werfen und abzuschätzen, was dieses Etwas sein mochte. Niemals hätte sie vermutet, dass ihr Gemahl ihn adoptiert haben könnte.

»Aber sprich, Elerondo, wo ist dein Bruder? Er ist doch sonst nie weit weg von dir«, wollte Maglor wissen.

Maenwen spürte, wie die Stimmung mit einem Male kippte.

»Onkel … Vater … Ich habe dich enttäuscht, ich habe nicht auf Elerosse Acht gegeben, wie du es wolltest«, gestand Elrond. »Er starb an unserem fünfhundertsten Geburtstag in meinen Armen. Ich hatte nichts mehr für ihn tun können.«

Maenwen sah, wie sich fassungsloses Entsetzen auf Maglors Gesicht abzeichnete. Ihm mussten Elrond und sein Bruder wirklich sehr am Herzen liegen und sie wie Söhne für ihn sein, wenn diese Nachricht ihn so sehr erschütterte.

»Wie?«, hauchte Maglor. »Warum?«

»Er war alt, Onkel, deswegen«, sagte Elrond bedauernd. »Wir sind euch nachgegangen, als ihr in den Norden gegangen wart, um die silmarilli einzufordern, aber Eonwe sagte uns, dass ihr schon gegangen wart. Und er sagte auch, dass die Zeit unserer Wahl gekommen sei. Elerosse entschied sich anders als ich für das Schicksal der Menschen. Er starb als König Númenors.«

Die Trauer lag mit einem Mal schwer über ihnen. Schon längst hatte Gandalf Frodo nach draußen geführt, damit sie ihr Wiedersehen im privaten Kreis genießen konnten. Celebrían war geblieben, die nun Elrond trostspendend eine Hand auf die Schulter legte.

Maglor wirkte wie gelähmt, etwas, das Maenwen bei ihm noch nie gesehen hatte. Er war niemand, der zurückschaute, nicht einmal, als Finwe ermordet worden war. Doch seitdem war viel geschehen. Er hatte drei Sippenmorde begangen und war für zwei Zeitalter spurlos verschwunden gewesen. Maenwen fragte sich, welche Spuren dies an ihm hinterlassen hatte, die sie erst mit der Zeit zu sehen bekommen würde.

Sie wusste nur eines mit Sicherheit: Sie würde Maglor beistehen und ihn nie wieder allein lassen.

»Onkel, ich möchte dir jemanden vorstellen«, sagte Elrond sanft und ergriff Celebríans Hand. »Das ist Tyelpetári, Artanis‘ Tochter und meine Gemahlin. Du wirst sehr bald schon Großvater von Zwillingen. Und Onkel Maitimo ist auch hier.«

Das schien in der Tat Maglors Stimmung wieder etwas aufzuhellen. »Ich war nicht da, als du mich am dringendsten brauchtest«, sagte er leise. »Bitte verzeih mir, Sohn, dass ich als Vater so sehr versagt habe. Aber … jetzt bin ich ja da.«

»Ja, jetzt bist du da«, wiederholte Elrond, »und wir können wieder eine Familie sein.«

Yerna-saira – alt-weise, Qu.; Übersetzung von Frodos Sindarin Namen Iorhael
Elerondo – Quenya Übersetzung für Elrond
Tyelpetári – Quenya Übersetzung für Celebrían
Perion – Halbling, Hobbit (pl. Perioni); Qu.
indo-ninya – Mein Herz; Qu.
Fea – Geist, Seele; Qu.
Elerosse - Quenya Übersetzung für Elros

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Sätze:239
Wörter:3.331
Zeichen:19.626

Kurzbeschreibung

Als Maenwen, eine Elbin von Aman, hört, dass Elrond eine Aushilfe sucht, ergreift sie diese Gelegenheit, ihn aus der Nähe zu sehen. Seit sie hörte, dass er einst eine Weile bei Maglor gelebt hatte, hat sie sich für seine Geschichte interessiert. Diese Begegnung soll jedoch weit überraschender für alle Beteiligten enden, als sie gedacht hätten.

Crossover

Diese Fanfiction wird neben Der Herr der Ringe auch im Fandom Das Silmarillion gelistet.
Sie wurde außerdem mit OneShot, Familie, Liebesbeziehung (harmonisch), Liebe, Canon-Ship, canon aware, Headcanon und Viertes Zeitalter getaggt.

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