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Das Fenster zur Realität

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29.3.2020 16:05
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

2 Charaktere

Mo Fan

Mo Fan ist ein bekannter "Scrap Picker" in der Heavenly Domain. Viele Gilden haben versucht ihn für sich und ihr Team zu gewinnen, doch vergebens, bis Ye XIu kommt und Mo Fans "Deception" so oft im Spiel tötet, bis dieser

Dai Yanqi

Dai Yanqi ist ein Mitglied des eSportteams "Thunderclap". Sie hat ihr Debut in der 8. Saison und spielt einen "Elementalist" mit dem Namen "Firebird Messenger". Sie ist eine der wenigen weiblichen Prospieler.

Schweigend sah Mo Fan aus dem Fenster. Er saß öfters hier im Café und starrte aus dem großen Fenster. Er war kein Mensch, der sich gerne mit anderen abgab. Das Café war einer der wenigen Orte, die er aktiv aufsuchte. Nicht weil er die Menschen hier mochte, sondern weil es ein Ort war, der zum Träumen einlud.
Er mochte die Pflanzendekorationen, die dafür sorgten, dass man nicht sehen konnte, wer am anderen Tisch saß. Er mochte die leise Musik im Hintergrund. Er mochte den Geruch des Tees vermischt mit den süßlichen Duft der Naschereien.

Mo Fan wusste nicht mehr, wann er angefangen hatte Glory zu spielen. Fakt war, dass er es irgendwann angefangen hatte und inzwischen sein Unterhalt damit verdiente. Normale Berufe waren nichts für ihn. Er mochte es nicht, mit anderen Menschen zu interagieren. Für ihn war es das Beste, wenn er allein in einem Zimmer sitzen und in Ruhe arbeiten konnte. Das konnte ihm bisher nur Glory bieten.

Seine wöchentliche zwischenmenschliche Dosis holte er sich hier. Bei einer – oder auch mal mehr – Tasse Tee beobachtete er die Menschen auf der Straße, die am Fenster vorbei hetzten. Was sie wohl vor hatten? Mussten sie zu einem wichtigen Termin oder hatten sie gerade einen Streit mit jemanden, der ihnen wichtig war? Oder wollten sie einen Freund besuchen? Was diese Leute wohl erlebt hatten?
So schnell diese Fragen kamen, so schnell vergaß er sie auch wieder.

Die Glasschreibe zwischen ihm und den Menschen auf der Straße gab allem ein surreales Gefühl. Es gab ihm das Gefühl, nicht in der Ecke eines kleinen Cafés an der Straße zu sitzen und echte Menschen beobachten. Es fühlte sich mehr an als würde er einen Film anschauen. Ein schlechter und langweiliger Film ohne Inhalt, aber für ihn doch unterhaltsam.

Ein gelangweilter Blick nach draußen. Ein Schluck von seinem Tee. Stille. Ein weiterer Blick. Ein weiter Schluck. Mehr Stille. Es war ein repetierender Vorgang. So sollte es auch sein, damit die Illusion erhalten blieb.

Leider sah das am heutigen Tag jemand anderes. Während Mo Fan schweigend aus dem Fenster sah und seinen Tee genoss, schien ihn jemand auf der Straße zu erkennen. Anfangs ignorierte Mo Fan das winkende Mädchen einfach. Sie meinte nicht ihn, sie grüßte sicherlich einen ihrer Freunde. Er hatte keine Freunde – zumindest seiner Ansicht nach.

Irgendwann gab das Mädchen das Winken auf und verschwand aus Mo Fans Sichtfeld und Gedanken. Jeder Mensch hinter der Glasscheibe war nur solange für ihn interessant, bis er oder sie nicht länger in seinem Sichtfeld war. Es war, als würden sie aufhören zu existieren, sobald er sich nicht mehr sehen konnte.
Das Mädchen wagte es dieses über die Jahre bewährte Vorgehen zu durchbrechen.
Kurz nachdem sie aus seinem Sichtfeld verschwunden war, stand sie vor ihm.
„Hey, hey. Hallo, Mo Fan.“
Es bedurfte ein paar Augenblicke, bis Mo Fan registrierte, dass jemand mit ihm sprach. Entsprechend langsam wandte er seinen Blick vom Fenster zu ihr. Ohne zu fragen, hatte sie sich ihm gegenüber gesetzt und lächelte ihn an.

„Hallo.“
Mo Fan wusste nicht, wie er reagieren sollte. Noch weniger wusste er, was er sagen sollte. Warum war das Mädchen überhaupt hier und nicht auf der anderen Seite der Scheibe?
„Was machst du hier so alleine?“
Wortlos wandte Mo Fan seinen Blick wieder zum Fenster und den Leuten, die dahinter herum rannten, um ihrem Leben nach zu gehen. Ihr Blick folgte dem seinen.
„Menschen beobachten?“
Ihre Frage klang mehr nach einer Aussage.
„Das mache ich auch manchmal. Kapitän Xiao Shiqin meinte, dass man dadurch seine Beobachtungsgabe verbessern kann und es einem helfen kann, andere bessere zu lesen. Aber ich glaube, ich mach da ein bisschen was falsch. Ich denke mir gerne Geschichten zu den Leuten aus, die ich sehe.“
Geschichten?
„Siehst du die Frau da im roten Mantel? Die mit dem Kind an der Ampel. Ich frage mich, woher sie den Mantel hat. Ist er ein Geschenk. Warum ist er rot? Ist das ihr Kind oder von einer Verwandten? Wo will sie hin? In meiner Geschichte hat sie mit ihrem Ehemann Schluss gemacht und sich dann den roten Mantel gekauft. Sie wollte eine knallige Farbe, um zu zeigen, dass ihr eintöniges Leben vorbei ist; dass sie jetzt frei ist. Das Kind ist ihres. Sie holt ihren Sohn von seinem Vater ab und ist jetzt auf den Weg nach Hause. Sie ist ein wenig wütend, weil ihr Exmann ihr Vorwürfe gemacht hat – weil er sie versucht hat weiterhin runter zu machen. Aber sie lässt sich nicht mehr runter putzen.“
Was sollte er darauf antworten? Wie kam man auf sowas? Warum seine Zeit mit fiktiven Szenarien verschwenden?

Schweigend sahen sie einige Zeit lang aus dem Fenster. Inzwischen hatte eine Bedienung das Mädchen nach ihrer Bestellung gefragt und diese auch gebracht.
Ein gelangweilter Blick nach draußen. Ein Schluck von seinem Tee. Stille. Ein weiterer Blick. Ein weiter Schluck. Mehr Stille. Es war ein repetierender Vorgang. So sollte es auch sein, damit die Illusion erhalten blieb.
Das Mädchen störte ihn dabei nicht weiter. In ihren Gedanken spann sie Schicksale für all die, die sie sah. Manche fröhlich. Manche traurig. Manche voll mit Abenteuern. Manche langweilig und eintönig.
Sie ging ihren Gedanken nach, bis Mo Fan plötzlich das Wort ergriff und auf eine Person hinter der Scheibe deutete.
„Was ist mit ihm?“
Neugierig folgte ihr Blick Mo Fans Finger.
Da stand ein Mann, der mit jemanden telefonierte. Es sah aus, als wäre das Gespräch kein angenehmes. Wohl ein Streit.
„Hm, er telefoniert gerade mit seiner Mutter. Sie will, dass er endlich eine Frau nach Hause bringt. Aber er hat kein Interesse mehr, nachdem er von seiner letzten Freundin betrogen wurde. Sein Herz hat den Verrat und den Verlust noch nicht überwunden. Er fühlt sich einsam und unverstanden. Niemand scheint es zu interessieren, wie es ihm nach all dem geht. Er ist gerade auf den Weg zurück in seine Wohnung, die für einen allein zu groß ist und ihn nur daran erinnert, dass es mal jemand gegeben hatte, mit dem er seine Abende verbracht hatte. Und jetzt ist diese Person nicht mehr da und er weiß nicht, warum es so kommen musste, wie es kam. Um seiner Einsamkeit zu entgehen, arbeitete er mehr als zu vor, aber es macht ihn nicht Glück. Mit jedem neuen Tag fühlt er sich einsamer und sehnt sich mehr nach seiner ehemaligen Freundin, von der er weiß, dass sie nie wieder zusammenkommen werden. Und eigentlich will er es auch nicht, immerhin hatte sie ihn verraten. Doch Gefühle und Verstand gehen selten Hand in Hand. Seine Mutter macht die Situation für ihn nicht erträglicher.“
„Was wenn seine Freundin zu ihm zurück will?“
„Warum sollte sie? Wenn sie ihn wirklich geliebt hätte, hätte sie ihn nicht betrogen. Der einzige Grund, warum sie zu ihm zurück wollen würde, wäre Geld.“
Ihre Worte klangen so logische und sicher. Mo Fan fragte nicht weiter.

Sein eigentlich langweiliger und eintöniger Film war mit einem Mal nicht mehr so langweilig und eintönig. Sie hatte seinem Film Farbe gegeben.

„Lass uns das mal irgendwann wiederholen. Menschen gemeinsam beobachten ist spannender.“
Mo Fan war nie gut in Verabschiedungen – er war nicht gut in zwischenmenschlichen Interaktionen. Er nickte nur stumm und hing seines Wegs. Er hatte nicht nach ihrem Namen gefragt.

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Kurzbeschreibung

Mo Fan beobachtet gerne Menschen. Dai Yanqi leistet ihm dabei Gesellschaft. [Anime: Quan zhi gao shou/The king's avatar | Charaktere: Mo Fan, Dai Yanqi | Beziehung: Mao Fan/Dai Yanqi, Mo Fan & Dai Yanqi | Genre: Gen]

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Diese Fanfiction wurde mit Gen und OneShot getaggt.