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Until Eternity

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03.12.21 13:56
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
Homosexualität
Bisexualität
In Arbeit

10 Charaktere

Naruto Uzumaki

Naruto Uzumaki ist der Hauptcharakter der Manga- und Anime-Serie "Naruto". Zusammen mit Sasuke Uchiha, Sakura Haruno und Kakashi Hatake ist er ein Teil von Team 7. Sein größter Traum ist es, von allen Bewohnern der Stadt Konoha respektiert zu werden und sich eines Tages Hokage nennen zu dürfen.

Sasuke Uchiha

Sasuke Uchiha ist das letzte lebende Mitglied des großen Uchiha-Klans. Sein einziges Ziel es, Rache zu nehmen und seinen Bruder Itachi umzubringen. Zusammen mit Naruto Uzumaki, Sakura Haruno und Kakashi Hatake ist er ein Teil von Team 7.

Sakura Haruno

Sakura Haruno ist zusammen mit Naruto Uzumaki, Sasuke Uchiha und Kakashi Hatake ein Teil von Team 7. Die temperamentvolle Kunoichi wurde unter der legendären Tsunade trainiert. Sie ist in Sasuke verliebt und ihr einziger Wunsch ist es, ihn von seinem Rachplan abzubringen und Team 7 wiederzuvereinen.

Hatake Kakashi

Der Jonin ist Lehrer der drei jungen Shinobi und somit Mitglied von Team 7. Er liest zumeist in seinem Buch "Icha-Icha-Tactics". Was sich unter seiner Gesichtsmaske verbirgt, bleibt lange ein Rätsel. Früher einmal kämpfte er im großen Ninja-Krieg und verlor dort auch seine beiden engsten Freunde - von einem von ihnen, Obito Uchiha, hat Kakashi sein Sharingan-Auge.

Uchiha Madara

Zur Zeit der Bürgerkriege war er einer der mächtigsten Ninja und Anführer der Uchiha. Zusammen mit seinem Bruder Izuna erlangt er das Mangekyō Sharingan, doch selbst damit war er nicht in der Lage, seinen alten Kindheitsfreund Hashirama zu besiegen. Später schloss er mit diesem Frieden, um ihren alten Traum zu verwirklichen, verließ dann jedoch Konoha, um es einige Zeit später wieder anzugreifen.

Senju Hashirama

Auch als Gott der Shinobi bekannt. Er ist mit seinem Freund und Rivalen Uchiha Madara einer der Gründer Konohagakures und wurde auch erster Hokage mit seinem jüngeren Bruder Tobirama als sein Nachfolger. Hashirama besitzt das einmalige kekkei genkai des Mokuton, das Erd- und Wasser-Elemente verbindet und ihn in die Lage versetzt, die Kräfte der Biju zu unterdrücken.

Uzumaki Mito

Mito vom Uzumaki Clan ist bekannt als der erste jinchūriki Kuramas, welchen sie in sich versiegelte, nachdem Uchiha Madara mit ihm Konoha angriff. Sie heiratete Senju Hashirama und unterwies später in ihrem Leben Uzumaki Kushina darin, was es heißt, der jinchūriki Kuramas zu sein.

Kurama

Kurama, allgemein bekannt als Kyūbi oder auch Neunschwänziger Fuchsgeist, ist der Bijū, der in Naruto Uzumaki versiegelt ist. In der Vergangenheit hatte Kurama immer wieder das Dorf Konoha angegriffen, bis schließlich der Vierte Hokage ihn fangen konnte. Kurama war lange Zeit Naruto feindselig gesonnen, bis sie schlussendlich doch Freundschaft schließen konnten.

Tsunade

Tsunade ist der Hokage der Fünften Generation und Senju Hashiramas Enkelin. Sie ist auch bekannt als der Legendäre Verlierer und ist eine der Sannin zusammen mit Jiraya und Orochimaru. Tsunade besitzt legendäre Stärke und ist eine hervorragende Heilerin. Einst hatte sie einen kleinen Bruder Nawaki und hatte eine Liebesbeziehung mit Dan, verlor jedoch beide im Krieg.

Hatake Kakashi

Kakashi ist ein Jonin aus Konohagakure, einstiger Schüler Namikaze Minatos sowie Teamführer von Team 7. Kakashi ist berühmt für sein Sharingan, das er im linken Auge besitzt und welches er von Obito, seinem einstigen Teamkameraden, erhalten hatte. Kakashis spezielle Fähigkeit ist sein Chidori, ein Jutsu, das er selbst entwickelt hat und das er an Sasuke weitergab.

Naruto wusste, dass die ganze Sache mit Zabuza ihm mehr zusetzte, als ihm lieb war, als er kurz nach ihrer Rückkehr aus dem Land der Wellen begann, Stimmen zu hören. Um genau zu sein, begann es ganz harmlos mit einer. Schlimm sollte es erst werden, als die zweite dazu kommen würde.

»Das … ist nicht das Jenseits.«

Der Junge lag noch immer in seinem Bett, starrte zur Decke und dachte über das Geschehene nach, als er plötzlich die Stimme hörte. Er sprang auf und tastete nach dem Kunai unter seinem Kissen, verfluchte sich aber im nächsten Moment dafür, noch immer keines dort deponiert zu haben. So ein Mist, echt jetzt!

»Wer ist da?!«, rief er in die Stille seiner kleinen Wohnung. »Kakashi-sensei?«

»Blödsinn! Keine Ahnung, wer dieser Kakashi sein soll. Jetzt sag mir gefälligst, wer du bist, Bratze.«

»Hey!«, beschwerte sich Naruto. »Keine Ahnung, wo du steckst, aber ich sag dir, ich find dich und verpasse dir ne Tracht Prügel dafür, dass du so mit mir gesprochen hast! Ich bin Uzumaki Naruto aus Konoha, merk dir das!«

Er konnte die fremde Person seufzen hören. Seltsamerweise höre es sich an, als würde sie in seinem Kopf seufzen. Was hatte Kakashi-sensei gesagt? Manche konnten Illusionen wirken, das nannte sich Genjutsu. War das so ein Genjutsu Ding? Und was sollte er machen? Ein Kunai drauf werfen?

»Uzumaki sagst du? Aus Mitos Clan?«, wollte die fremde Person dann wissen.

Naruto merkte auf. Er kannte keine Mito, aber die Sache mit dem Clan ließ ihn aufhorchen. »Hä? Es gibt noch mehr Uzumaki?«

»Natürlich, du Vollidiot. Bist du als Kind einmal zu oft auf den Kopf gefallen, oder was ist mit dir los? Und jetzt hör auf, so dumme Fragen zu stellen und beantworte mir meine. Geh zum Fenster.«

Naruto verschränkte die Arme vor der Brust. »Erst, wenn du aufhörst, so gemein mit mir zu reden! Sag mir, wer du bist und wo du steckst.«

»Soll ich jetzt lieb und brav bitte und danke sagen oder was? Wie alt bist du? Fünf? Selbst Hashirama war nicht so ein Trottel. Jetzt geh endlich zum Fenster!«

»Du nervst! Echt jetzt!«

Naruto ging dennoch zum Fenster.

»Ist das … Konoha?« Eine kleine Pause folgte. »Jetzt schau zum Hokage Felsen.«

Das war alles ganz seltsam. Naruto schaute dennoch zur Felswand.

»Na, das wird ja immer interessanter. Wer ist die vierte Person da?«

Naruto kratzte sich den Nacken und kniff die Augen zusammen. »Das ist der Vierte Hokage, ist doch klar! Aber er starb vor zwölf Jahren, als das Fuchsmonster das Dorf angriff. Er ist ein Held, echt jetzt! Jetzt ist der alte Mann wieder Hokage. Der ist ganz furchtbar und raucht die ganze Zeit und ist total langweilig.«

Stille.

»Hey, komischer Kerl, bist du noch da? Sagst du mir jetzt, wer du bist und wo du steckst?«

»Halt die Klappe, ich muss nachdenken!«, blaffte die Stimme ihn an. Naruto fürchtete schon, dass er nie eine Antwort bekommen würde, als der Mann doch fortfuhr: »Na gut, Naruto, oder wie auch immer du heißt. Ich bin Uchiha Madara und augenscheinlich habe ich das Pech, nicht mehr als ein Chakra-Geist zu sein, der jetzt mit dir festhängt. Wenn das Tobiramas Schuld ist, weide ich ihn aus …«

Naruto hatte von diesen ganzen Leuten noch nie etwas gehört, aber diese Sache mit dem Geist klang ganz und gar nicht gut. Er stieß einen schrillen Schrei aus. »Was?! Du steckst in meinem Kopf?! Bist du vielleicht das Fuchsmonster? Willst du das Dorf angreifen?«

»Jetzt reiß dich zusammen! Schreien hilft niemandem. Was hast du nur die ganze Zeit mit diesem Fuchsmonster? Meinst du Kyubi?«

»Ich dreh durch! Ich werd irre! Ich hab ne Stimme in meinem Kopf! Tote Leute reden mit mir, was mach ich jetzt? Was soll Sasuke von mir denken, wenn er Wind davon bekommt? Und erst Sakura! Die dürfen das nie erfahren! Ich muss das rückgängig machen? War‘s die Milch heute früh?«

Dieser spontane Gedanke ließ Narutos Hoffnung aufflammen. Vielleicht war ja nur wieder etwas mit der Milch, manchmal fühlte er sich ganz komisch, wenn er Milch trank, die schon ein paar Tage offen war. Er stürzte zu seinem Kühlschrank, riss die Tür auf und schraubte die Milchpackung auf. Mit einem konzentrierten Ausdruck roch er an der Milch. Nein, alles normal. Verdammt.

»Naruto, reiß dich zusammen und beruhige dich!«, fauchte Madara ihn an. »Denkst du, mir macht das hier Spaß? Ich hatte ganz anderes im Sinn.«

»Du hast gut reden, du hast ja keine Stimme im Kopf.«

»Korrekt. Ich bin die Stimme.«

»Soll mir das irgendwie weiterhelfen?«

»Du sollst die Klappe halten und mich denken lassen!«

Naruto blies beleidigt die Backen auf und hielt die Klappe. Er ließ sich auf seinen Stuhl fallen und grummelte vor sich hin. Dann ging ihm etwas auf.

»Hey, Madara, du hast gesagt, du bist ein Uchiha.«

»Ja, und?«

»Ich dachte, die gibt‘s nicht mehr. Wieso hab ich dann einen in meinem Kopf?«

Wieder antwortete Madara nicht gleich. »Was hast du da gerade gesagt?«, wollte er schließlich wissen.

»Wieso bist du in meinem Kopf?«, wiederholte Naruto besonders langsam. Madara schien nicht der hellste zu sein.

»Nicht das, du Idiot! Das andere! Wieso sagst du, dass es meinen Clan nicht mehr gibt?«

»Na ja, ganz stimmt das nicht. Es gibt noch Sasuke, aber der ist ein Mistkerl. Vor ein paar Jahren ist was passiert, irgendwer hat den ganzen Clan getötet oder so. War eine schlimme Sache. Glaub ich jedenfalls. Die Leute im Dorf reden ja nicht mit mir, ich hab das nicht wirklich mitbekommen.«

Die Stille, die auf seine Worte folgte, war dröhnend. Naruto hatte noch nie eine solche Grabesstille vernommen. Es machte ihm beinahe Angst.

»Hey, hab ich … hab ich was falsches gesagt?«, fragte er schüchtern.

»Nein, es ist nur …« Madara seufzte. »Jemand, der mir einmal sehr viel bedeutet hat, trug mir auf dem Sterbebett auf, unseren Clan zu beschützen. Ich bin gestorben, um seinen Wunsch zu erfüllen, und jetzt war es doch um sonst.«

»Wow, das ist traurig. Darf ich …« Naruto räusperte sich verlegen. »Darf ich fragen, wie du gestorben bist?«

»Nein«, sagte Madara eiskalt. »Du darfst jetzt zu diesem Sasuke gehen und ihn fragen, was genau passiert ist.«

Naruto verzog das Gesicht. »Bleh! Ich geh doch nicht freiwillig zu diesem Angeber! Ich muss ihn schon genug beim Training ertragen. Hey, sag mal. Du bist ein Uchiha und Sasuke auch. Da kennst du ihn doch bestimmt. Sag mir, was er für Schwächen hat, damit ich ihn endlich verprügeln kann.«

»Keine Ahnung, nie von diesem Kind gehört, und es ist mir auch egal. Es gibt wichtigeres in Erfahrung zu bringen.«

»Aber ihr seid doch vom selben Clan!«

»Ja, und? Offensichtlich ist seit meinem Tod sehr viel Zeit verstrichen. Als ich Hiruzen das letzte Mal sah, war er kaum älter als du und Tobiramas treu ergebener kleiner Arschkriecher, und jetzt hängt sein Gesicht an der Felswand. Ich verfluche Hashirama für diese Idee.«

Naruto rechnete im Kopf nach und kam zu dem Ergebnis, dass das sehr lange her sein musste. »Wow, dann bist du ja steinalt!«

»Sag mal, wie blöd bist du eigentlich? Bringt man euch gar nichts mehr in der Akademie bei?«

»Hey, was soll das jetzt wieder heißen?«

»Ich hab dieses Dorf mitbegründet, das soll das heißen! Ich hab nicht um sonst all die Jahre Hashirama ertragen, nur damit so eine kleine Bratze wie du Geschichte komplett ignorieren kann!«

»Und wer war Hashirama?«

Wieder seufzte Madara, doch dieses Mal klag es genervt. »Ein Idiot wie du. Ich glaube, ihr beide hättet euch gemocht. Gleich und gleich gesellt sich gern.«

»Könntest du aufhören, mich Idiot zu nennen? Das ist echt nicht nett.«

»Dann hör auf, dich wie einer zu benehmen.«

»Maaaan, du nervst, echt jetzt! Wie werd ich dich wieder los?«

»Wenigstens das Gefühl beruht auf Gegenseitigkeiten.«

Sie verfielen in beleidigtes Schweigen.

Madara brach die Stille als erstes. »Wenn du schon nicht mit Sasuke reden willst, dann geh wenigstens zur Bibliothek. Die gibt‘s doch noch, oder?«

Naruto verzog das Gesicht. »Eww, ja. Und wie soll mir das helfen, dich wieder loszuwerden?«

»Zieh nicht so ein Gesicht und mach dich auf den Weg. Ich will wissen, was seit meinem Ableben mit meinem Clan passiert ist.«

Naruto kam eine Idee. »Warum sollte ich das tun? Du bist nur eine nervige Stimme in meinem Kopf.«

»Wenn du nicht tust, worum ich dich bitte, kann ich dich gern für den Rest deines Lebens nerven, sodass du nie wieder eine ruhige Minute hast.«

»Scheiße.« Darauf hatte Naruto nun wirklich keine Lust.

Kurze Zeit später befand er sich auf den Weg zur Bibliothek. Er konnte einfach nicht glauben, dass er wirklich tat, was eine lästige Stimme in seinem Kopf ihm sagte, und dass er jetzt ausgerechnet freiwillig zur Bibliothek ging. Er hatte diesen Ort immer vermieden. Zu langweilig, und irgendwo hatten seine Streiche auch eine Grenze.

Madara war die ganze Zeit über still, und als Naruto ihn fragte, was er da in seinem Kopf tat, erhielt er nur eine schnippische Antwort, dass es ihn nichts anginge. Naruto fand allerdings sehr wohl, dass es ihn etwas anginge, immerhin war das sein Kopf, den er sich jetzt mit Madara teilen musste.

»Hey, Madara-jiji, sag mal«, wisperte Naruto. Er zupfte sich den Kragen seiner Jacke zurecht, sodass die Passanten nicht sahen, dass er mit jemandem sprach, den sie nicht sehen konnten. Dann würden sie ihn erst recht davonjagen. »Du hattest vorhin eine Mito erwähnt. Wer war das?«

»Hashiramas Frau.«

Da war etwas in Madaras Stimme, das Naruto nicht wirklich deuten konnte. »Und weiter? Du hast gesagt, sie war eine Uzumaki. Bestimmt war sie viel cooler, als nur die Frau von irgend so einem Kerl.«

»Dieser Kerl war der erste Hokage, shinobi no kami! Also rede gefälligst respektvoll von ihm!«, zischte Madara plötzlich aufgebracht.

Naruto duckte sich unter den misstrauischen Blicken eines Ladenverkäufers hinweg. »Du bist derjenige, der ihn Idiot nennt und alles.«

»Weil er einer war. Das gibt dir noch lange nicht das Recht, ebenfalls so von ihm zu reden.«

»Du bist echt schräg, alter Mann. Aber ich will jetzt mehr von Mito hören. Ich wusste gar nicht, dass es noch mehr Uzumaki gab. Dass wir sogar ein Clan sind! Das ist cool, echt jetzt!«

Naruto merkte, wie ihm schräge Blicke folgten. Er musste seinen Enthusiasmus zügeln. Aber das war so aufregend!

»Die Uzumaki sind ein Clan aus dem Strudelreich und bekannt für ihr außergewöhnliches Geschick im Fūinjutsu«, erklärte Madara. »Das hatte schon zu meiner Zeit viele Begehrlichkeiten geweckt, weshalb in der frühen Zeit des Dorfes Uzumaki Ashina, Mitos Vater, sich an uns wandte und um Schutz ersuchte. Er wollte sich seine Unabhängigkeit bewahren, gleichzeitig aber von unserer Stärke profitieren, weshalb er seine Tochter mit Hashirama verheiraten wollte. Uzushiogakure war seither ein Verbündeter Konohas gewesen. Dass du den Wirbel auf deiner Kleidung trägst, zeigt mir, dass das auch immer noch so ist.«

Naruto schielte auf das Zeichen auf seinem Rücken. »Ist das so? Ich hab noch nie von diesem Dorf gehört. Und warum gibt‘s dann keine Uzumaki mehr, wenn wir so toll gewesen waren?«

»Keine Ahnung. Was auch immer passiert ist, muss nach meiner Zeit gewesen sein.«

Naruto grummelte frustriert. »Erzähl mir mehr von Mito. Du hast sie gekannt, oder?«

»Sie war ganz in Ordnung«, sagte Madara lässig. »Immerhin konnte sie Tobirama in seine Schranken verweisen und hat ihm ständig gesagt, dass seine Erfindungen Müll waren. Und dann hat sie seine Siegel verbessert. Es gab wirklich niemanden, der besser mit Siegeln war als sie. Die Siegelmeister der Uzumaki waren unübertroffen und unter ihnen gehörte Mito zu den besten. Das war wohl auch der Grund, weshalb sie der erste jinchūriki des Kyubi wurde, als … nun, sie war eben der erste jinchūriki.«

Naruto blieb so abrupt stehen, dass die Person hinter ihm in ihn hineinlief und fluchend ihre Einkaufstaschen fallen ließ. Bevor er sich noch eine Standpauke einfangen konnte, rannte Naruto um die nächste Ecke und verschwand.

»Jinchūriki«, murmelte er. »Was ist ein jinchūriki?«

Er konnte förmlich spüren, wie Madara mit den Augen rollte. »Sie bringen euch heutzutage echt gar nichts mehr bei in der Akademie, oder?«

»Hey, ist nicht meine Schuld, dass alle Geheimnisse vor mir haben!«, fauchte Naruto zurück. »Ich hab nicht drum gebeten, Fuchsdämon genannt zu werden! Alle hassen mich deswegen und ich weiß nicht mal, was ich verbrochen hab.«

Madara stutzte. »Du … Oh, ich verstehe. Du bist ein jinchūriki. Das heißt, dass du das Gefäß für das Chakra des Kyubi bist. Er ist in dir versiegelt.«

»Und … und Mito war das auch? Wie konnte sie da die Frau des ersten Hokage sein? Wurde sie nicht auch von allen gehasst?«

»Ganz im Gegenteil. Alle haben sie geliebt, weil sie diejenige war, die den Laden hier zusammenhielt. Ohne sie hätte Hashirama das alles in den Sand gesetzt.«

»Oh. Dann liegt‘s wohl doch an mir …«

»Was? Das hab ich nicht gesagt! Argh. Kinder! Hey, hör mal, kleine Kröte. Keine Ahnung, was mit dir passiert ist oder warum dir keiner auch nur das geringste beibringt. Aber deine Schuld ist es ganz bestimmt nicht.«

Narutos Gesicht hellte sich auf. »Du kannst ja doch nette Sachen sagen!«

Madara sagte nichts darauf und grummelte nur missmutig. »Beeil dich gefälligst. Ich muss was nachschauen.«

Naruto grinste vor sich hin und pfiff eine fröhliche Melodie. Es gab also doch noch mehr Uzumaki und sie waren alle richtig cool drauf. Das war das tollste, was er seit langem gehört hatte.

Mittlerweile hatte er die Bibliothek erreicht. Er verzog das Gesicht, als er vor das Gebäude betrat. Ihm stand wirklich nicht der Sinn nach trockener Theorie, aber Madaras Androhung, ihn bis zum Ende seiner Tage zu nerven, hing noch im Raum. Also gab er sich doch einen Ruck und trat durch die Tür.

Muffige Stille schlug ihm entgegen. Er befand sich in einer Art Foyer und eine weitere Glastür führte in die eigentliche Bibliothek. Vor der Tür befand sich ein Tresen, hinter dem ein alter Mann mit einer dicken Hornbrille saß. Als Naruto den Raum betrat, blickte er auf, und als er den Jungen erkannte, verfinsterte sich sogleich sein Blick.

»Wenn du hier bist, um Unfug anzustellen, dann …!«

Naruto streckte ihm die Zunge heraus. »Blödsinn! Ich will was lesen. Als Ninja darf ich mir Sachen ausleihen!«

Der Mann schnaubte. »Das glaubst du doch selbst nicht.«

»Doch, ist ganz wichtig! Für … für eine Mission! C-Rank. Ich muss superwichtige Informationen sammeln.«

»Na fein. Aber wenn ich dich erwische, wie du Fettflecken auf den Seiten hinterlässt, werfe ich dich hochkant wieder heraus!«

Naruto lachte auf und rannte durch die Tür.

»Und sei gefälligst leise!«, brüllte ihm der Mann hinterher, aber da war Naruto schon längst über alle Berge.

»Und jetzt?«, wisperte er Madara zu.

»Du musst nicht aussprechen, was du mir sagen willst. Es reicht, wenn du es denkst.«

»Echt? Krass. So?«

»Ja.«

»Abgefahren!« Naruto stutzte. »Warte, das heißt, du kannst hören, was ich denke?«

»Leider ja.«

»Scheiße.«

»Konzentriere dich, Junge. Dritte Etage, Reihe E100. Da sollst du hingehen.«

»Geht klar!« Naruto stiefelte drauf los.

»Falsche Richtung.« Madara seufzte genervt. »Da, es ist doch ausgeschildert!«

Naruto änderte die Richtung. »Woher weißt du überhaupt so genau, wo ich hin muss?«

»Weil ich leider weiß, wie Tobirama tickt. Der Typ hatte einen Ordnungsfimmel, er hat das System der Bibliothek entworfen. Zusammen mit einer Reihe anderer Dinge.«

»Du hast den jetzt schon einige Male erwähnt. Wer war das?«

»Willst du nicht wissen.«

»Doch, will ich.«

»Nervensäge. Meinethalben. Tobirama war Hashiramas kleiner Bruder und die schrecklichste Person auf der ganzen Welt. Er hat jede nur erdenkliche Folter tausendfach verdient. Leider war er anscheinend auch der Zweite Hokage. Gerechte Strafe. Hat der Bastard verdient.«

»Aber Hokage sein ist richtig toll! Alle im Dorf respektieren einen und man ist der stärkste Ninja weit und breit. Ich werde eines Tages Hokage, echt jetzt!«

»Du …? Ach, vergiss es. Such das Regal.«

Naruto brauchte auch mit Madaras Hilfe eine Weile, bis er gefunden hatte, was sie suchten. Die Bibliothek war so seltsam, wer sortierte bitteschön Dinge nach Buchstaben und Zahlen? Und wie die ganzen Bücher und Schriftrollen den Codes zugeordnet waren, war ihm ebenfalls nicht ersichtlich. Am Ende stand er allerdings doch vor einem Regal voller alter Magazine und Zeitungen.

»Und jetzt?«, wollte er von Madara wissen.

»Jetzt suchst du alles heraus, das Nachrichten über die Sache mit meinem Clan enthält.«

Naruto maulte. »Das dauert ja ewig! Das ist so viel! Hilf mir gefälligst.«

»Nein, ich hab dir doch gesagt, dass ich etwas anderes nachsehen muss. Außerdem kann ich ohnehin nur das sehen, was du auch siehst. Also hopp hopp, an die Arbeit. Je eher du beginnst, umso schneller bist du fertig.«

Naruto maulte noch mehr, tat jedoch, was Madara ihm aufgetragen hatte. Er begann recht wahllos, in einigen alten Zeitungen zu blättern. Irgendwann einmal kam er auf die Idee, auf die Daten zu achten, und suchte sich gezielt die heraus, die zu der Zeit erschienen waren, als diese Sache mit dem Uchiha-Clan passiert war. Naruto konnte sich kaum daran erinnern. Er wusste noch, dass die Erwachsenen auf der Straße gewispert hatten und alle so eine komische Stimmung gehabt hatten. Dann hatte er bemerkt, wie sie alle anfingen, heimlich auf Sasuke zu zeigen, und wie Sasuke mit diesem ganz speziellen leeren Blick durch die Straßen schlich. Naruto kannte diesen Blick. Er hatte ihn selbst.

Nach einer Weile hatte er einen Stapel alter Zeitungen zusammen und hatte die Artikel herausgesucht, die über die Uchiha berichteten. Sie sprachen von einem Massaker und von Sippenmord.

»Hey, alter Mann. Genug auf der faulen Haut gelegen. Schau her!«

Er konnte Madaras Missfallen spüren und beschloss, dass das die perfekte Anrede für den Miesepeter war. Gemeinsam mit Madara ging er durch die Artikel. Madaras Missfallen wuchs, je mehr sie lasen, Naruto wusste allerdings nicht, ob des Inhalts der Berichte oder ob der fehlenden Details. Niemand wusste anscheinend etwas genaues und am Ende blieben viel zu viele Fragen offen.

»Können wir jetzt gehen?«, wollte Naruto wissen. »Ich mag‘s hier nicht.«

Wieder Stille.

»Madara? Madara-jiji?«

»Wer auch immer dafür verantwortlich ist, wird dafür bezahlen«, knurrte Madara mit einem Male.

Da war etwas Eiskaltes in seiner Stimme, das Naruto erschaudern ließ. Es erinnerte ihn an die Mordlust in Zabuzas Augen und das war etwas, das er eigentlich ganz schnell wieder hatte vergessen wollen.

»Ich kann verstehen, wenn du das alles echt beschissen findest, echt jetzt«, quetschte er kleinlaut hervor. »Aber können wir jetzt bitte gehen?«

»Das sind nicht genug Informationen«, sagte Madara, offensichtlich darum bemüht, ruhig zu bleiben. »Das dachte ich mir bereits. Die wirklich interessanten Informationen sind bei den Anbu weggeschlossen, aber da kommt jemand wie du nicht heran. Aber ja, du kannst gehen. Für‘s erste.«

Erleichtert sprang Naruto auf und vergaß in der Eile, die Zeitungen wieder wegzuräumen. Er drehte der Bibliothek eilig den Rücken zu. Auf dem Rückweg sprach Madara kein Wort. Er hatte sich in irgendeine Ecke von Narutos Bewusstsein zurückgezogen und grübelte dort finster vor sich hin. Naruto wusste nicht, was er dachte. Was ein wenig unfair war, weil Madara umgedreht anscheinend sehr wohl wusste, was Naruto dachte. Er musste diesen nervigen alten Mann wirklich schnell wieder loswerden. Auch wenn er anscheinend eine Menge zu wissen schien und auch bereit war, Naruto an seinem Wissen teilhaben zu lassen. Aber er nervte trotzdem.

Als er seine kleine Wohnung erreicht hatte, brach Madara sein Schweigen. »Naruto, willst du einmal ein Uzumaki-Siegel sehen?«

»Hättest du das nicht sagen können, als ich noch unterwegs war?«

»Du musst dafür nirgends hin. Setz dich einfach irgendwo bequem hin und meditiere.«

»Medi-was?«

»Ich fass es nicht … Setz dich!«

Naruto setzte sich auf sein Bett.

»Und jetzt atmest du tief ein und langsam wieder aus. Genau so.«

»Hey, so blöd bin ich echt nicht. Ich weiß, wie man atmet.«

»Sei still und konzentriere dich auf das Geräusch deines Atmens.«

Madara sagte noch eine Menge komischer Sachen mehr, aber irgendwie funktionierte es und Naruto spürte, wie er ungewöhnlich ruhig und entspannt wurde. Mit einem Male fand er sich in einem fremden Raum wieder.

»Woah, scheiße!«

Der Raum war knöcheltief geflutet und zahlreiche Rohre führten an den Wänden entlang. Irgendwo fiel leise platschend ein Tropfen herab und verursachte konzentrische Ringe. Narutos Stimme hallte weit.

Er war nicht allein.

Neben ihm stand ein Mann mit einer schwarzen Haarmähne und sah mit einem strengen Blick auf ihn herab. Irgendetwas an ihm erinnerte Naruto auf unangenehme Weise an Sasuke.

»Was ist das hier für ein Ort?«, wollte Naruto wissen.

»Dein Unterbewusstsein«, sagte Madara knapp. Er deutete auf etwas vor ihnen. »Schau dort.«

Naruto folgte seinem Fingerzeig und erblickte ein gigantisches Tor, das tiefschwarze Nacht wegsperrte. Er konnte nur wenige Fuß hinein sehen, dann verlor sich alles in der Finsternis, die hinter dem Tor lag. Ein einzelnes Siegel hielt die beiden Torflügel zusammen.

Naruto machte große Augen. »Was ist das?«

»Ich hab dir gesagt, dass in dir Kyubi versiegelt ist. Das ist das Siegel, das ihn gefangen hält, eindeutig Uzumaki-Handschrift. Und ganz offensichtlich ist das Siegel über die Jahre schwächer geworden, korrodiert unter der Masse an Chakra, die es wegsperrt.«

Ein Schauder rann Naruto den Rücken hinab. »Und was bedeutet das?«

»Kyubi will ausbrechen«, sagte Madara finster.

Naruto kniff die Augen zusammen und versuchte, die Finsternis hinter dem Tor mit seinem Blick zu durchdringen. Es wollte ihm nicht so recht gelingen. Dennoch war ihm, als würde er eine gewaltige Form ausmachen können.

Eine riesige Pranke schnellte vor und versuchte vergebens, durch das Tor zu langen. Klauen so lang wie ein ganzes Pferd und mit dem Durchmesser eines erwachsenen Mannes blitzten im Dämmerlicht des Raumes auf und hielten nur wenige Fingerbreit vor Naruto an. Mit einem Aufschrei stolperte er zurück und fiel auf den Hosenboden. Er zitterte am ganzen Leib. Seine Augen waren weit aufgerissen.

Aus der Dunkelheit hinter dem Tor schälte sich allmählich eine grässliche Silhouette, ein Dämon direkt aus Narutos schlimmsten Alpträumen. Zunächst sah er nur dessen schreckliche Fänge aufblitzen, doch dann glommen seine feuerroten Augen auf. In ihnen stand die Mordlust geschrieben, der Wunsch danach, alles zu vernichten, was ihm in den Weg kam. Ein tiefes Grollen ließ das Wasser vibrieren.

»Uchiha … Madara.«

»Hallo, Kyubi. Lang nicht mehr gesehen.«

Nächstes Kapitel: Sasuke und Hashirama

Sasuke versuchte, so zu tun, als sei alles wie immer. Auf gar keinen Fall verlor er hier den Verstand und erst recht hörte er definitiv keine Stimmen. Nein, alles war ganz und gar wie immer. Es war bestimmt nichts ungewöhnliches passiert.

»Also das Jenseits habe ich mir anders vorgestellt«, sagte die Stimme.

Ja. Das hier war ein ganz normaler Tag. Er würde aufstehen und zum Training gehen. Er würde Sakura ignorieren und Naruto keines Blickes würdigen und das tun, was Kakashi-sensei von ihnen wollte. Und ganz bestimmt würde er diese Stimme in seinem Kopf mit Nichtachtung strafen.

»Kann es sein, dass ich gar nicht tot bin?«, sinnierte die Stimme. »Nein, ich bin definitiv tot. Das ist nicht mein Körper. Aber was ist dann passiert? Ach, wenn man einmal Tobirama braucht.«

Diese Stimme war nur ein Produkt seiner überstrapazierten Nerven. Kakashi-sensei hatte gesagt, dass nach so einer Erfahrung seltsame Dinge passieren konnten. Das sei kein Grund zur Sorge, hatte er gesagt, und wenn etwas derartiges passierte, sollten sie nicht zögern, ins Krankenhaus zu gehen. Allerdings konnte Sasuke nun wirklich nicht einfach da aufkreuzen und herumposaunen, dass er komische Stimmen hörte.

»Ich möchte nicht unhöflich erscheinen oder gar deine Gedanken unterbrechen, allerdings würde es mich interessieren, wer du bist«, sagte die Stimme.

»Du bist nur ein Produkt meiner Fantasie«, murmelte Sasuke. »Da ist nichts weiter dabei. Das geht wieder weg.«

»Äh, das sehe ich anders«, hielt die Stimme dagegen. »Ich bin kein Produkt deiner Fantasie, sondern Senju Hashirama. Und solltest du dich nicht wohl fühlen, solltest du wirklich ins Krankenhaus gehen. Dafür hab ich das damals gebaut.«

Sasuke klatschte in die Hände und stand schwungvoll vom Bett auf. »So, das war‘s. Ich werd irre. Jetzt stelle ich mir schon eine Stimme in meinem Kopf vor, die behauptet, Shodai Hokage zu sein.«

»Oh! Leute erinnern sich noch an mich? Großartig!«, freute sich Hashirama. »Ich will wirklich nicht angeben oder so, aber das freut mich gerade sehr. Sag, junger, mir noch immer unbekannter Freund, aber wie viele Jahre sind seit meinem Tod vergangen?«

»Keine Ahnung. Ein paar. Glaube ich.«

Moment. Redete er wirklich mit sich selbst? Ach, verdammt. Was sollte er jetzt machen?

»Was muss ich tun, um dich davon zu überzeugen, dass du keine Wahnvorstellungen hast?«

»Ich höre Stimmen in meinem Kopf, was soll daran nicht schräg sein?«

»Ich könnte dir etwas erzählen, das nur ich wissen kann. Hmm, lass mich überlegen. Oh! Madara hatte einen Leberfleck auf seiner linken Hüfte, der ein bisschen aussah wie ein Hundewelpe. Er hat‘s gehasst, wenn ich ihn darauf angesprochen habe. Wer Madara war, weißt du doch, oder?«

Sasuke starrte mit ausdruckslosem Gesicht Löcher in die Luft. »Aus irgendeinem Grund denkt sich mein Hirn solche komischen Dinge aus.«

»Das war wohl etwas zu spezifisch. Vielleicht ein Fakt, den du leicht belegen kannst. Ich habe Statuen von Madara und mir errichten lassen, damals, nach … nun, dieser Sache eben. Ursprünglich wollte ich sie im Dorf aufstellen, aber Tobirama war strickt dagegen. Also änderten wir den Plan und stellten sie im Tal auf. Außerdem gab es dort genug Platz, sodass sie weitaus größer ausfielen als ursprünglich geplant. Du kannst das nachschauen. Irgendwo steht bestimmt etwas dazu.«

»Könntest du bitte die Klappe halten?«, blaffte Sasuke. Er hätte sich niemals erträumen können, dass eine Stimme in seinem Kopf so lästig sein konnte. Wie eine penetrante Fliege, die sich einfach nicht vertreiben lassen wollte.

Dankenswerterweise schwieg Hashirama. Die Stille hielt genau eine halbe Minute an. »Verrätst du mir jetzt deinen Namen?«

»Uchiha Sasuke«, grummelte Sasuke.

»Oh! Ein Uchiha!«, plapperte Hashirama sogleich fröhlich darauf los. Sasuke bereute es sofort, ihm seinen Namen genannt zu haben. »Ein wirklich formidabler Clan. Tobirama war immer etwas eigen, was euch Uchiha anging, aber die Idee mit der Polizei war trotzdem seine.«

Sasuke knirschte mit den Zähnen. »Du sagst das, als sei das etwas gutes.«

»Natürlich! Es gab eine Zeit, da gab es gewisse … Spannungen zwischen deinem und meinem Clan. Das ganze drohte, zu einem weiteren Bürgerkrieg auszubrechen, dieses Mal innerhalb des Dorfes. Tobirama hatte diese Idee, um damit sein Vertrauen deinem Clan gegenüber zu beweisen und die Uchiha mit einer essenziellen Aufgabe zum Wohle des Dorfes zu betrauen, das sie mit errichtet hatten. Das löste in der Tat effektiv alle Spannungen, die aufgekommen waren.«

»Hat ja wunderbar gehalten«, knurrte Sasuke. »Und … warum erzähle ich dir das überhaupt! Du bist nur eine nervige Stimme in meinem Kopf!«

Irgendwo musste er einmal über all diese Dinge gelesen haben oder vielleicht hatte es ihm auch irgendwer erzählt. Er hatte es nur wieder vergessen und durch den Stress der letzten Wochen kam das jetzt alles wieder hoch. Das war die einzige vernünftige Erklärung.

»Sasuke«, sagte Hashirama ernst. »Du wirkst sehr angespannt. Gibt es da etwas, das du dir von der Seele reden willst?«

»Ich führe Selbstgespräche. Natürlich ist alles normal, was denkst du denn?«

»Ich kann verstehen, dass diese Situation deine momentane Lage verkompliziert, auch wenn ich nicht genau weiß, was genau deine momentane Lage ist. Spontan wüsste ich jedoch nicht, wie ich zur Lösung des Problems beitragen kann. Wir werden uns wohl oder übel erst einmal damit arrangieren müssen, so leid es mir tut. Aber, und das sage ich nur in deinem besten Interesse, wenn du dich damit überfordert fühlst, dann such dir bitte professionelle Hilfe.«

Sasuke schwieg einen Moment. »Du bist ja doch kein kompletter Vollidiot.«

Er spürte die Welle der Niedergeschlagenheit beinahe als seine eigene über sich hinweg schwappen.

»So gemein. Warum sich alle Uchiha so gemein?«, jammerte Hashirama ganz und gar unwürdig.

War er wirklich der Gründer des Dorfes? Er benahm sich jedenfalls nicht so.

Sasuke schnaubte. »Wie viele Uchiha hast du überhaupt gekannt?«

»Nun, da waren Hikaku, ein Freund meiner Familie, und sein Sohn Kagami. Kagami war wirklich ein herzallerliebster Junge und Tobiramas Liebling unter seinen Schülern. Tobirama hatte immer behauptet, dass er keine Favoriten hätte, aber ich weiß es besser. Und dann war da natürlich noch Madara. Madara war etwas ganz besonderes, ein … wirklich sehr guter Freund.«

Mit einem Male klang er so verträumt, beinahe schwärmerisch und Sasuke war sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob er dieses Gespräch fortsetzen wollte. »Vergiss es, nicht so wichtig.«

Er sollte wirklich mit diesem Selbstgespräch aufhören. Statt also sinnlos in seiner kleinen Wohnung herumzustehen und Löcher in die Luft zu starren, nahm er sich seine Trainingsutensilien und machte sich auf den Weg. Anders als ein gewisser sensei wollte zumindest er pünktlich sein.

Er hielt den Blick stur geradeaus gerichtet, als er durch die verwaisten Straßen des Viertels schlich. Hier gab‘s genug Geister, warum musste er ausgerechnet so einen nervigen erwischen?

»Hm, dass ich ein Chakrageist bin, könnte diese Situation tatsächlich erklären«, sinnierte Hashirama. »Spontan wüsste ich jedoch nicht, wie es dazu gekommen sein könnte oder wie wir die Situation lösen. Tobirama war immer der Theoretiker.«

»Hörst du meine Gedanken?!«, echauffierte sich Sasuke. »Lass das.«

»Geht nicht, tut mir leid. Ich häng in deinem Kopf fest, deine Gedanken sind hier überall. Aber würdest du mir eine Frage beantworten? Ich sehe hier überall euren uchiwa, aber keine Leute. Wo sind alle hin? Und warum liegt euer Viertel so weit außerhalb? Da haben wir das damals nicht erbaut.«

»Geht dich nichts an«, grummelte Sasuke und verdrängt mit aller Macht die Erinnerungen an das, was geschehen war. »Und das waren zwei Fragen.«

Er ertappte sich dabei, dass er mit der Idee spielte, dass das hier wirklich passierte. Dass er wirklich den Geist des Ersten Hokage in seinem Kopf hatte. Irgendwie war das noch schlimmer als die Vorstellung, dass er einfach nur durchdrehte. Dagegen konnte man wenigstens Medikamente nehmen oder so.

»Nur dass du‘s weißt, Sasuke, weil ich wirklich nicht unhöflich sein will. Aber es ist sehr schwer zu ignorieren, was du denkst, aber mir nicht sagen willst.«

»Scheiße.«

»Na! Pass auf deine Sprache auf!«

Sasuke schrie frustriert auf und trat einen Stein davon. So eine verdammte Scheiße!

Hashirama seufzte. »Jedenfalls«, sagte er betont ruhig, »will ich nicht vorsätzlich unhöflich erscheinen, wenn ich Dinge aufschnappe, die du lieber für dich behalten willst. Aber ich verstehe deine Sorge, was deine Reputation angeht – mir würde es wohl kaum anders ergehen.« Er lachte auf. Sasuke machte ein finsteres Gesicht. »Du brauchst jedenfalls nicht laut aussprechen, was du mir sagen willst.«

»Oh. Echt?«

»Ja. Genau so.«

»Gut. Halt die Klappe.«

Hashirama schmollte schon wieder. Was für ein Kindskopf.

Sasuke begab sich auf direktem Wege zum Trainingsplatz. Er vermied so gut es ging, mit anderen in Kontakt zu treten. Dieses soziale Ding war nur lästig und nicht notwendig auf dem Weg zu seinem Ziel. Andere Menschen waren ihm da nur ein Klotz am Bein, so lange sie ihm nicht dabei helfen konnten, stärker zu werden.

Leider konnte er die lästige Fliege in seinem Kopf nicht abstellen.

»Oh, großartig! Ist das wirklich Konoha?«, plapperte Hashirama begeistert. »Ich hätte nie gedacht, dass das Dorf einmal so groß werden würde! Wie viele Leute hier jetzt leben! Wie viele Clans sind es? Sasuke-kun, weißt du das?«

»Ein Dutzend. Glaube ich. Aber es gibt auch viele Ninja mit zivilem Hintergrund.«

»Das sind wunderbare Neuigkeiten. Oh, Sasuke-kun! Was ist das? Sind das wirklich vier Portraits im Felsen? Unglaublich!«

Wie er sich darüber mit solch kindlicher Naivität freuen konnte, war Sasuke ein Rätsel. Er seufzte genervt. »Was dachtest du denn? Dass sich nach deinem Ableben alles in Luft auflöst?«

»Wer weiß das schon. Als ich noch in deinem Alter war, war ohnehin alles anders. Da klang es schon wie eine Utopie, dass Uchiha und Senju Frieden miteinander schließen können, ganz zu schweigen von diesem Dorf. Das dritte Gesicht erkenne ich, das ist Saru. Wenn Tobirama das wüsste, er würde platzen vor Stolz! Wer ist der Vierte? Erzähl mir von ihm.«

Sasuke zuckte mit den Schultern, bevor ihm einfiel, dass er das ja gar nicht musste. »Ich … weiß nicht viel von ihm«, gestand er. »Er starb vor zwölf Jahren, als er das Dorf gegen das Fuchsmonster verteidigte. Alle sagen, er sei ein Held. Seitdem ist der Sandaime wieder Hokage, obwohl er so ein alter Mann ist.«

Er spürte, wie Hashirama stutzte. »Das Fuchsmonster? Meinst du Kyubi?«

»Äh … ja.«

»Nun ist es so, dass Mito mich überlebt hat. Wie das eben so ist mit Uzumaki, die werden alle so alt. Wenn du sagst, dass selbst Saru jetzt ein alter Mann sei, dann wird Mito mittlerweile auch nicht mehr leben. Ich vertraue ihr, dass sie einen würdigen Nachfolger für sich gefunden hat. Da frage ich mich aber, wie es sein kann, dass Kyubi das Dorf angriff. Er sollte sicher versiegelt sein. Was ist geschehen?«

Sasuke verlor den Faden. Wovon sprach der Kerl da? »Ein Nachfolger für was?«

»Als jinchūriki natürlich. Ist das nicht mehr allgemein bekannt? Das sollte es aber. Mito hatte solch ein großes Opfer damals erbracht, als sie Kyubi in sich versiegelte. Eigentlich hätte ich auch ihr eine Statue bauen sollen.«

Sasuke glaubte, ihm würde bald der Kopf explodieren. »Jetzt halt doch mal die Luft an! Wer ist Mito und was ist ein jinchūriki?«

Daraufhin herrschte für einen langen Moment wohltuende Stille in seinem Kopf. »Mito war meine Frau.« Hashirama klang einigermaßen empört über Sasukes Unwissenheit. »Und sie war ein jinchūriki. Der erste, um genau zu sein. Jinchūriki sind jene mit besonderem Chakra, das es ihnen ermöglicht, Bijū wie den Kyubi in sich zu versiegeln. Sie sind Helden, denn das Opfer, das sie erbringen, können wir nicht ermessen. Nachdem Mito damals Kyubi in sich versiegelte, zogen wir in den kommenden Jahren gemeinsam aus, um die anderen acht Bijū zu fangen und zu versiegeln, die wir dann an die anderen Dörfer verkauften. Auf diese Weise schufen wir Frieden zwischen den Nationen, jedenfalls für eine Weile.«

Sasuke glaubte, so ungefähr zu wissen, was ein Bijū war. Jedenfalls hatte er ein paar Geschichten über das Fuchsmonster gehört, hinter vorgehaltener Hand furchtsam gewispert und immer mit argwöhnischen Blicken in Richtung seines Clans. Aber eines wusste er mit Sicherheit: Diese Kreaturen waren irrsinnig stark. Und Hashirama hatte sie alle gefangen.

»Hashirama-san?«

»Ja?«

»Wie werde ich so stark wie du?«

»Ha! Trainiere schön fleißig, hör auf deinen sensei und iss immer brav dein Gemüse.«

Sasuke machte ein ausdrucksloses Gesicht. »Ernsthaft? Gemüse essen?«

»Natürlich!«

»Was besseres fällt dir nicht ein?«

»Gemüse ist gesund.«

»Ich glaub langsam, das war alles gelogen, dass du mal Hokage gewesen sein sollst.«

Hashirama schmollte schon wieder. Das war doch nicht zu fassen!

Er weigerte sich, das Gespräch mit Hashirama fortzusetzen, und ignorierte ihn so gut, es eben ging. Was schwer war, wenn er ein Plappermaul im Kopf hatte, der sich über jeden noch so unbedeutenden Stein begeistern konnte.

»Das ist ja unglaublich! Ichiraku gibt es noch! Da hatte ich Mito zu unserem ersten Date ausgeführt, das weiß ich noch bis heute. Sie hatte mich beim shōgi abgezogen. Wir hatten gewettet – ich liebe Wetten – und wer verliert, musste dem anderen eine Runde Ramen ausgeben. Oh, sie hatte mich arm gemacht! Uzumaki sind unheimlich, ich sag‘s dir. Leg dich niemals mit einem Uzumaki an, sie stampfen dich mit ihrem kleinen Finger in den Boden.«

Garantiert nicht. Naruto war ein Vollidiot. Sasuke konnte sich nicht vorstellen, dass es mit anderen Uzumaki anders sein sollte. Dass es überhaupt mehr von ihnen geben sollte. Er hatte nie von anderen Uzumaki gehört.

Was war überhaupt mit Narutos Familie passiert?

Er wurde von Hashiramas endlosen Geplapper erlöst, als er endlich den Trainingsplatz erreichte. Wie zu erwarten, war Sakura bereits anwesend, nur Naruto fehlte noch. Und natürlich Kakashi, aber damit hatte er schon fest gerechnet. Ironischerweise war er beinahe froh, Sakura zu sehen, weil ihn damit jemand zuquaschte, der nicht nur eine lästige Stimme in seinem Kopf war.

»Oh, hallo, Sasuke-kun!«, rief ihm Sakura zu und winkte aufgeregt. »Toll siehst du heute wieder aus! Ich hoffe, du hattest einen angenehmen Morgen. Ich jedenfalls hätte beinahe verschlafen und hatte kaum genug Zeit, mir die Haare zu richten. Ich hoffe, ich sehe nicht allzu scheußlich aus. Meine Haare sind schon wieder ganz verknotet!«

»Hallo, Sakura«, sagte Sasuke angebunden und ignorierte sie ansonsten.

»Ist das deine Teamkameradin?«, wollte Hashirama wissen. »Ich mag sie, sie macht einen netten Eindruck.«

Sasuke entschied sich, darauf nicht einzugehen und ignorierte auch ihn.

Naruto kam erwartungsgemäß eine halbe Stunde zu spät, aber da von Kakashi immer noch weit und breit nichts zu sehen war, spielte es keine Rolle. Sakura zog ihm dennoch eines über für seine Unpünktlichkeit.

»Er ist auch in deinem Team, ja? Uzumaki Naruto?«, wollte Hashirama wissen. »Zugegebenermaßen irritiert es mich, dass er keine roten Haare hat. Ausnahmslos alle Uzumaki, die ich kenne, haben rote Haare. Das war immer ein etwas eigenwilliges Erlebnis, wenn ich Uzushio besuchte. Einsam und allein inmitten eines Meeres aus Rotschöpfen.« Er seufzte theatralisch.

Bevor er es verhindern konnte, stellte sich Sasuke Naruto mit roten Haaren vor. Es war ein fürchterliches Bild.

»Waren die Uzumaki ein Clan oder so?«, wollte er wissen.

»Waren? Sind! Das hoffe ich doch jedenfalls. Und ja, das sind sie, der Vetternclan der Senju. Wir hatten seit jeher sehr enge Bande unterhalten, die auf gemeinsame Vorfahren zurückging. Tatsächlich waren Mito und ich Vettern dritten Grades. So in etwa. Mitos und meine Vermählung war ursprünglich rein politischer Natur, wie es des öfteren vorgekommen war, weil Ashina, ihr Vater, von unserer Stärke profitieren, sich aber gleichzeitig seine Unabhängigkeit bewahren wollte. Aufgrund dessen übernahm er Madaras und meine Idee mit dem Dorfsystem und gründete Uzushiogakure, und wir hatten ein Abkommen getroffen, dass beide Dörfer sich in Zeiten der Not gegenseitig bedingungslos unterstützen würden

»Ich hab noch nie von Uzushiogakure gehört.«

Hashirama stutzte. »Das ist eigenartig.«

Er wirkte irritiert, aber Sasuke konnte nicht wirklich sagen, weshalb. Er redete sich ein, dass es ihm eigentlich auch egal war.

Kakashi ließ sie noch gut zwei Stunden warten. Natürlich. Sasuke schenkte ihm einen finsteren Blick, als er endlich wie aus dem Nichts vor ihnen auftauchte.

»Entschuldigt, bin ein wenig vom Weg abgekommen«, sagte Kakashi und winkte entschuldigend, als sei nichts dabei, dass er sie wieder einmal hatte warten lassen.

»Irgendetwas an ihm erinnert mich an meinen Bruder«, sinnierte Hashirama. »Sag, Sasuke-kun, aus welchem Clan stammt dein Lehrer?«

»Clan? Ich weiß von keinem Hatake-Clan.«

»Die Hatake waren nie ein allzu großer Clan. Aber meine Nichte hatte einen Hatake geheiratet. Kann es sein …?«

Sasuke wollte schon nachfragen, was er damit implizieren wollte, wurde aber von Naruto unterbrochen.

»Sensei, was machen wir heute? Lernen wir supercoole neue Ninjadinge?«, plärrte der Junge.

Dass Naruto auch nicht in der Lage war, eine angemessene Lautstärke wie alle anderen auch anzuschlagen!

»Heute übt ihr wieder das Baumklettern«, eröffnete Kakashi ihnen mit einem zuckersüßen Unterton in der Stimme, für den Sasuke ihn hätte erwürgen können. »Und danach fangen wir Katzen.«

Alle drei Genin stöhnten im Chor. »Nicht schon wieder!«, maulten sie.

Kakashi ließ sich davon nicht beirren. »Sakura, du wirst deinen beiden Teamkameraden helfen, sich zu verbessern. Sie können viel von dir lernen.«

»Und was machen Sie, sensei?«, empörte sich Sakura. »Es ist Ihre Aufgabe, uns Dinge beizubringen!«

Als Antwort zückte Kakashi lediglich sein blödes Buch. »Man lernt immer noch am besten von seinen Mitschülern.«

Bastard.

Es gab ja doch keinen Weg daran vorbei und sie fügten sich in ihr Schicksal. Kakashi wies ihnen ein paar besonders hohe Bäume zu und damit sah er wohl seine Pflichten als Lehrer erfüllt. Wie immer erreichte Sakura als erstes den höchsten Ast und dirigierte von dort aus Sasuke und Naruto. Sasuke wollte sich vor Naruto keine Blöße geben, also strengte er sich besonders an, möglichst schnell möglichst hoch zu kommen, sah aber mit einiger Verärgerung, dass Naruto dicht auf war.

Hashirama schien sich über die ganze Sache einigermaßen zu amüsieren. »Das erinnert mich an meine Kindheit. Wir waren dreizehn und Madara schlug vor, dass wir vertikales Felsenklettern übten. Es war genau jene Wand, in deren Schutz später Konoha entstehen sollte. Ich hab haushoch gewonnen!«

Sasuke hätte beinahe seine Konzentration verloren und konnte seinen Sturz gerade noch rechtzeitig in ein kontrolliertes Fallen umwandeln. »Sei still!«

»Du bist schon sehr gut, Sasuke-kun«, stellte Hashirama fest. »Aber ich weiß was besseres, das ich dir zeigen kann. Willst du wissen, wie man auf Wasser laufen kann?«

Das klang schon eher nach Sasukes Geschmack. Er hatte gesehen, wie Kakashi es getan hatte, und es erschien ihm eine sehr nützliche Fähigkeit. Vielleicht war es doch nicht so übel, den Geist eines einstigen Hokage im Kopf zu haben.

»Komm schon, ich bin nicht gänzlich unfähig!«, klagte Hashirama würdelos. »Ja, Tobirama war der intellektuellere von uns beiden, aber ein bisschen was konnte ich auch.«

Als es auf den Nachmittag zuging, zeigte Kakashi so etwas wie Gnade und gönnte ihnen eine Pause. Er hatte ihnen sogar bento-Boxen mitgebracht, sodass sie sich stärken konnten.

»Kakashi-sensei, ich hab ‘ne Frage«, nuschelte Naruto mit vollem Mund. »Ich, äh, hab da neulich was gelesen. Von einem Dorf namens Uzushiogakure. Können Sie mir da mehr darüber erzählen?«

Sowohl Sasuke als auch Hashirama merkten auf. Zum einen war es schon verdächtig, dass Naruto überhaupt las, und zum anderen war es doch ein sehr großer Zufall, dass Naruto ausgerechnet an dem Tag, an dem Sasuke selbst das erste Mal von diesem Dorf hörte, danach fragte. Sasuke behielt Kakashi im Blick.

Dieser trug seinen gewohnt ausdruckslosen Blick, aber irgendwie fühlte der sich auf einmal aufgesetzt an. »Ihr wisst, das es die fünf großen Reiche und ihre Versteckten Dörfer gibt. Aber zwischen ihnen liegen auch eine Reihe anderer kleinerer Nationen, viele von ihnen, wenn auch nicht alle, ebenfalls mit mehr oder minder großen Ninjadörfern. Uzushiogakure war so ein Dorf.«

»War?«, fragte Naruto nach.

»Ja, war«, sagte Kakashi nüchtern. »Das gibt es nicht mehr. Solche Dinge passieren.«

Naruto starrte ihn groß an. »Was ist denn passiert?«

»Uzushiogakure hatte ein paar Ninja mit besonderen Fähigkeiten, die sich ihre Feinde aneignen wollten. Das war vor etwa dreißig Jahren. Es kam zum Kampf und am Ende war Uzushio zerstört worden. Keine Ahnung, was aus den Bewohnern wurde.«

Naruto schien verblüffenderweise sprachlos zu sein. Dass Sasuke einmal dieser Anblick vergönnt sein sollte, hätte er nicht gedacht.

Gleichzeitig spürte er Hashiramas Unruhe. »Sasuke-kun, warum lügt euer sensei euch an?«

»Vielleicht weiß er es wirklich nicht.«

»Zu meiner Zeit nannte man mich shinobi no kami, weil der einzige, der meinem Mokuton begegnen konnte, Madara war. Aber meine eigentliche Stärke ist meine Menschenkenntnis. Und die sagt mir gerade sehr eindeutig, dass Kakashi lügt. Er weiß etwas. Euer sensei sollte euch nicht anlügen. Es sei denn …«

»Es sei denn was?«

»Es sei denn, er hat den Befehl dazu. Und das gibt mir beinahe noch mehr zu bedenken.«

Sasuke musste das erst einmal sacken lassen.

Auch Naruto schien verdauen zu müssen, was er da gerade gehört hatte. Als Kakashi sie fragte, ob sie noch etwas dazu wissen wollten, schüttelte er nur stumm den Kopf. Das schien ihm wirklich zu schaffen zu machen.

Sie beendeten ihre kleine Pause und machten sich auf dem Weg zu ihren nächsten Tagespunkt: Katzen einfangen. Wie Sasuke es hasste. Wenigstens konnte er das eigentliche Fangen auf Naruto abwälzen. Da gab es diese eine ganz bestimmte Katze, die besonders kratzbürstig war und die sie jedes zweite Mal einfangen durften. Er konnte sich schon denken, warum das arme Tier ständig fahnenflüchtig wurde. Ein wenig Mitleid hatte er ja schon.

»Das erinnert mich an eine der ersten Missionen, die ich damals Tobirama gab, als er seine ersten Genin hatte«, plapperte Hashirama. »Team Tobirama. Er hatte mich beinahe erwürgt, als ich damit ankam. Er meinte, er würde nicht zum Lehrer taugen, aber ich war anderer Meinung. Am Ende konnte er sich gar nicht von Saru, Koharu und Homura trennen. Sie gaben so ein süßes Bild ab! Sie durften Nekobaas Katzen einsammeln, weil die alte Dame eine Pfotensammlung hatte. Es war wirklich possierlich.«

»Hä? Nekobaa?«, erwiderte Sasuke wenig geistreich. »Ich mein, ja, die Katzenoma ist alt, aber nicht so alt!«

»Du kennst sie?« Auch Hashirama schien verwundert. »Dann hatte Kagami vielleicht doch recht und an ihr war nicht alles menschlich. Unheimlich …«

In der Tat. Er schob den Gedanken zur Seite.

Am Ende durfte Naruto einige weitere Kratzer in seiner Sammlung sein eigen nennen und sie hatten ihr Tagwerk getan. Sasuke verabschiedete sich knapp, nachdem sie die Katze abgeliefert hatten, und trollte sich dann möglichst rasch. Er hatte keine Muße, noch länger mit seinen Teamkameraden abzuhängen. Außerdem hatte Hashirama ihm gesagt, dass er ihm etwas zeigen wollte, und das klang wesentlich interessanter.

Wenig später fand er sich an dem See ein, wo er früher mit seinem … nun, an dem er eben sein Katon geübt hatte.

»So, wie geht das jetzt mit dem Wasserlaufen?«

Hashirama räusperte sich. Mussten Geister sich überhaupt räuspern oder war das nur Show? »Äh, Sasuke-kun, eventuell habe ich vorher noch eine Bitte.«

Sasuke seufzte genervt. »Was denn?«

»Du bist zwar noch sehr jung, aber … hast du dein Sharingan schon?«

»Ja …« Worauf lief das hinaus?

»Könntest du …« Hashirama räusperte sich schon wieder. Definitiv Show. »Könntest du es einmal aktivieren? Ich wollte schon immer die Welt sehen, wie Madara es tat.«

Was für ein Kindskopf. Sasuke tat ihm dennoch den Gefallen.

»Das ist ja grandios!«, rief Hashirama begeistert aus. »Madara hatte einmal versucht, es mir zu beschreiben. Aber das ist definitiv nicht das gleiche. Ich hätte nicht gedacht, was für ein phänomenaler Anblick das ist.«

»Super. Könnten wir jetzt zum eigentlichen Thema zurückkommen?«

»Oh. Ja. Natürlich. Also pass auf …«

Es dämmerte bereits, als Sasuke schließlich klitschnass nach Hause ging. Er war zwar bis auf die Knochen durchnässt, aber immerhin hatte er in der Tat etwas sinnvolles gelernt.

Nächstes Kapitel: Sakura und Mito
Oder auch das Kapitel, in dem Mito ein neues Enkelkind erwirbt.

»Das war ein toller Tag, findest du nicht auch, Sakura-chan?«, sagte Innere Sakura.

»Na ja, geht so«, erwiderte Sakura. »Kakashi-sensei taugt als Lehrer absolut gar nichts und ich musste wieder die ganze Arbeit machen.«

»Oh, er macht eigentlich einen ganz kompetenten Eindruck. Er hat schon Recht, wenn er sagt, dass ihr am besten voneinander lernt, statt von ihm.«

»Aber wir haben schon wieder nur blöde Katzen gefangen! Ich dachte eigentlich, ich mag Katzen, aber langsam werden sie mir lästig.«

»Nun, du bist in der Tat weiter als deine Teamkameraden.« Innere Sakura hielt einen Moment inne und schien über etwas nachzudenken. »Ich glaube, ich weiß, was ich dir beibringen könnte. Das dürfte dich mehr interessieren.«

»Ich kann mir nicht selbst Dinge beibringen, die ich vorher nicht wusste«, gab Sakura zu bedenken.

»Du könntest auch einfach anfangen, mich Mito zu nennen«, antwortete Innere Sakura.

»Ich kann dich nicht wie die Frau des Shodai Hokage nennen! Das wäre respektlos!«

Innere Sakura seufzte. »Wir hatten doch schon darüber gesprochen, Sakura-chan.«

Ihre Diskussion wurde unterbrochen, als Sakura ihr Heim erreichte. Sie schloss die Tür auf. »Bin Zuhause!«

»Hallo, Schatz!«, rief ihre Mutter aus der Küche.

»Hi, Mom. Wo ist Dad?«

»Einkaufen. Uns fehlen noch ein paar Zutaten fürs Abendessen.«

Sakura stellte ihre Tasche im Flur ab und ging zu Mebuki in die Küche. Es duftete lecker aus dem Ofen und auf dem Herd köchelte ebenfalls etwas vor sich hin.

»Brauchst du Hilfe, Mom? Das riecht toll.«

»Oh, das geht schon. Ich bin ohnehin fast fertig. Mach dich frisch und ruh dich etwas aus, dann gibt es Essen.«

Wie auf ein Stichwort grummelte Sakuras Magen. Der Tag war eben doch lang gewesen.

»Geht klar!« Sie schnappte sich ihre Tasche und rannte nach oben auf ihr Zimmer. Sie hatte ein kleines Bad für sich allein, sodass sie sich in Ruhe abduschen konnte. Erfrischt und gehüllt in ein flauschiges Handtuch warf sie sich auf ihr Bett.

»Also, was willst du mir beibringen?«, fragte sie Innere Sakura.

»Weiß du was, Liebes, wir machen einen Handel«, sagte Innere Sakura. »Du nennst mich Mito und ich bringe dir ein, zwei lustige Dinge bei.«

Sakura verzog das Gesicht. »Das geht nicht.«

»Warum nicht?«

»Das ist respektlos!«

»Ist es nicht, wenn ich diejenige bin, die es dir anbietet.«

Sakura stöhnte. »Meinethalben … Mito.«

Es fühlte sich dennoch seltsam an.

»Geht doch.« Sie konnte Mito beinahe lächeln spüren. »Geh auf deinen Balkon raus. Ich glaube, da liegen ein paar Blätter. Die brauchen wir.«

Sakura musste einen spitzen Schrei unterdrücken. »Ich hab nichts an! Und meine Haare! Sie sehen furchtbar aus!«

»Ach, Liebes, du machst dir immer zu viel Sorgen um dein Äußeres. Angel dir fix ein Blatt, mehr brauchst du für den Anfang nicht.«

Sakura war nicht überzeugt. Also zupfte sie kurzerhand eines von einer ihrer Zimmerpflanzen ab. »Und jetzt?«

»Du hast ein durchschnittliches Chakra, aber bist sehr gut darin, es zu kontrollieren. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass du eine Kariere als iryō-nin einschlägst und vielleicht lernst du auch eines Tages mein Siegel der Hundertstärke. Aber eines nach dem anderen. Bei dem, was ich dir jetzt zeigen will, geht es um Chakrakontrolle. Halte das Blatt an deine Stirn und dann halte es da, ohne es mit deinen Händen zu berühren. Nur mit deinem Chakra.«

»Oh. Ich verstehe.« Sakura kam dem nach. Sie konzentrierte ihr Chakra auf die Stelle, an der das Blatt ihre Haut berührte, und ließ dann los. Das Blatt segelte auf das Bett zurück. »So ein Mist.«

»Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Versuch es noch einmal.«

Tatsächlich klappte es bereits beim vierten Male. Mito schien darüber positiv erstaunt zu sein. »Das ist sehr gut. Der nächste Schritt wird es sein, das mit mehreren Blättern gleichzeitig zu versuchen. So haben wir unseren Kindern damals Chakrakontrolle beigebracht. Sakura, Liebes, du bist ein Naturtalent.«

Stolz plusterte Sakura sich auf. Dann ließ sie die Schultern wieder sinken. »Findest du? Bei unserer ersten großen Mission konnte ich nichts weiter tun, als sinnlos in der Gegend herumzustehen.«

»Das wird schon noch. Du hast deine eigenen Stärken. Ich wette, Naruto und Sasuke würden es noch nicht schaffen, das Blatt oben zu halten.«

»Essen ist fertig!«, rief Mebuki.

»Komme!«

Sakura warf sich fix ihre Sachen über und rannte dann die Treppe hinab. Ihr Vater war in der Zwischenzeit wieder heim gekommen und deckte gerade den Tisch. Sakura ging ihm zur Hand und kurz darauf saß die Familie beisammen.

»Wie war dein Training heute?«, wollte Kizashi wissen.

»Na ja, geht so«, gestand Sakura. »Ein bisschen langweilig, weil wir immer noch denselben öden Kram machen. Naruto ist ein totaler Versager, der uns andere aufhält.«

Kizashi und Mebuki tauschten einen Blick. »Sei nicht so hart zu dem Jungen. Er hat eben einen anderen Hintergrund«, sagte Mebuki dann.

»Hör auf deine Mutter«, fügte Mito an. »Ich verstehe ja damals wie heute nicht, wie Konoha es zulassen konnte, dass Uzushio zerstört wurde.«

Sie klang verärgert.

Sakura beschloss, das Thema zu vermeiden. Es bereitete ihr Unbehagen. »Ich will mich nachher noch bei Ino mit Freundinnen treffen«, sagte sie daher.

»Oh, vertragt ihr euch also wieder?«, fragte Mebuki. »Neulich hattest du noch ziemlich über sie geschimpft.«

»Ach, kleine Mädchen«, winkte Kizashi ab. »Da ist das nun einmal so. Mach dir nicht so einen Kopf darum.«

»Das war eine ernste Sache!«, protestierte Sakura. »Es ging um Sasuke und Ino hatte ein paar gemeine Sachen gesagt. Das konnte ich so nicht im Raum stehen lassen.«

»Da ist allerdings etwas dran. Du musst immer für dich einstehen, Sakura-chan«, stimmte Mebuki zu.

»Aber sich um einen Jungen streiten? Ihr seid noch jung, das ist er nicht wert«, gab Kizashi zu bedenken.

Und schon ging es wieder zwischen ihren Eltern hin und her. Sakura seufzte und verdrehte ihre Augen.

»Ich stimme deiner Mutter zu«, sagte Mito. »Allerdings hat dein Vater auch Recht. Kein Mann der Welt ist es wert, sich wegen ihm mit der besten Freundin zu streiten.«

»Aber es geht um Sasuke-kun! Keiner darf gemeine Sachen über ihn sagen!«

»Du wirst es noch früh genug lernen.«

Immerhin gab Mito danach Ruhe.

Mebuki bemühte sich um etwas Smalltalk und fragte Sakura nach ihrem Tag und was sie bereits alles gelernt hatte. Was zugegebenermaßen noch nicht wirklich viel war, aber Kizashi vertröstete sie, dass sie ja erst kurze Zeit ein Genin war und es noch viel zu lernen gab.

»Er hat’s ja selbst nie weiter als Genin geschafft.«

»Es kann nicht jeder ein großartiger Shinobi werden«, erwiderte Mito. »Sei nicht so hart zu ihm. Er hat andere Qualitäten, und Stärke als Shinobi ist nicht alles, worauf es im Leben ankommt.«

Mebuki ermahnte Sakura, nicht allzu schnell zu essen, aber Sakura ließ sich nicht aufhalten. Immerhin wollte sie sich noch mit ihren Freundinnen treffen. Als sie aufgegessen hatte, stand sie auf, räumte ihr Geschirr in die Spüle und verabschiedete sich für den Abend. Mebuki rief ihr noch hinterher, nicht allzu lang auszubleiben, dann war sie auf und davon.

Heute wollten sie sich bei Ino treffen. Ihre Eltern wohnten über dem Blumenladen, den sie betrieben. Sakura mochte es dort, weil es immer nach Blumen duftete und Ino so viel darüber wusste.

Als sie beim Blumenladen ankam, waren Hinata und Tenten bereits da. Ino führte sie rasch auf ihr Zimmer. Sakura schob ein paar rankende Pflanzen aus dem Weg und trat hinter Ino ein.

»Du bist spät«, sagte Ino.

»Wir hatten noch gegessen und du weißt ja, wie gut Mom kochen kann«, sagte Sakura. »Da kann ich nie nein sagen. Hey, hallo, Hinata, Tenten.«

Tenten winkte ihr zu, während Hinata eine leise Erwiderung piepste. Ino und Sakura setzten sich zu ihnen auf den Boden, und Ino fuhr damit fort, kleine Zöpfe in Hinatas Haare zu flechten.

»Hey, Hinata, wie läuft es bei euch im Team?«, wollte Sakura wissen. »Du warst mit Kiba und Shino in einem Team, oder?«

»Ja, das stimmt. Kurenai ist unsere sensei«, sagte Hinata.

»Knuddelt ihr den ganzen Tag Kibas Hund?«, wollte Tenten wissen. »Ich bin ja schon sehr neidisch darauf. Der Kleine ist so süß!«

»Das ist Akamaru und er ist ein ninken«, erklärte Hinata.

»Aber du hast auch einen Aburame im Team, das fände ich ja furchtbar unheimlich!«, sagte Ino.

»Wieso? Was ist mit ihnen?«, fragte Sakura nach.

»Die züchten Insekten und ernähren sie mit ihrem eigenen Chakra aus ihrem Körper.«

Die vier Mädchen gaben kollektiv einen Laut des Ekels von sich.

Hinata stieß ihre Fingerspitzen aneinander. »Aber na ja, Shino ist echt gut mit ihnen.«

»Ihr seid ja so etwas wie die super Spürnasen«, sagte Ino. »Was macht dein Byakugan, Hinata-kun?«

»Geht so«, piepste Hinata. »Ich gebe mir viel Mühe und Kurenai-sensei hilft mir sehr, aber … ich bin einfach nicht so gut.«

»Das wird schon noch«, versicherte Tenten ihr. »Gai-sensei sagt immer, dass wir nur durch viel Übung und einen starken Willen unsere Ziele erreichen.«

»Eww, dein sensei ist mir unheimlich«, sagte Ino. »Diese Augenbrauen …«

Tenten lachte auf. »Man gewöhnt sich dran. Ich hab immerhin noch Neji, da muss ich nicht allein Gai-sensei und Lee ertragen.«

Sakura fand eine angefangene Blumenkette und setzte sie fort zu flechten. Sie würde gut aussehen in Hinatas Haaren.

Tentens Team ist spezialisiert in Taijutsu, dachte sie, Hinatas im Fährtenlesen und Inos Team ist super, wenn es um das Festsetzen von Gegnern geht. Dagegen sieht mein Team echt alt aus.

»Das finde ich nicht«, kommentierte Mito. Sakura war es mittlerweile gewohnt, dass sie manchmal antwortete, obwohl sie nicht direkt zu ihr sprach.

»Aber was können wir schon? Naruto ist ein Großmaul, ich kann nur blöd in der Gegend herumstehen und Sasuke, nun ja … Der kann vielleicht ein bisschen was.«

»Ich denke, eure Stärke ist eure Entschlossenheit. Ja, zu diesem Zeitpunkt mögt ihr alle noch nicht sonderlich beeindruckend sein, aber ihr steht ja noch ganz am Anfang. Du brauchst nur ein klein bisschen Vertrauen in dich selbst.«

»Sagt mal, was würdet ihr denken, wenn ich sage, dass ich medizinisches Ninjutsu lernen will?«, platze es aus Sakura heraus.

»Ich würde denken, dass das eine richtig tolle Sache ist!«, sagte Tenten begeistert. »Ich habe gehört, dass eine der legendären Sannin, Tsunade-hime, die moderne Medizin mitbegründet hat. Sie muss irrsinnig viel wissen!«

»Oh, meine kleine Tsuna!«, schwärmte Mito. »Das klingt ganz nach ihr. Ich frage mich, was aus ihr geworden ist. Warum ist sie nicht im Dorf?«

»Keine Ahnung«, erwiderte Sakura und wandte sich dann wieder an ihre Freundinnen. »Aber das muss sehr schwer sein. Meinst du wirklich, ich könnte das?«

»Klar!«, war sich Tenten sicher. »Von uns allen kannst du dein Chakra am besten beherrschen. Hab gehört, wie schnell du gelernt hast, auf Bäume zu klettern. Wir waren alle nicht so schnell, nicht mal Hinata.«

Hinata wurde knallrot im Gesicht. »A-also ich bin auch nicht s-so gut gut.«

»Dooooch!«, hielt Ino dagegen. »Du hast es richtig drauf. Vielleicht solltest du auch überlegen, ein iryō-nin zu werden.«

»Mein Byakugan kann Chakrapunkte sehen, aber ich weiß nicht, ob das reicht«, piepste Hinata.

Ino zuckte mit den Schultern. »Musst du wissen. Aber ich finde, du solltest darüber nachdenken.«

»Was ist mit dir, Ino?«, wollte Sakura wissen. »Betreibt dein Clan nicht traditionellerweise die Psychiatrie im Krankenhaus?«

»Ja, schon, aber das ist was anderes als iryō-nin, die direkt medizinisches Ninjutsu einsetzen«, sagte Ino. »Ich glaub nicht, dass das was für mich ist.«

»Leute, die die Psyche anderer Leute wieder zusammenflicken, werden unterschätzt«, sagte Tenten. »Ich meine, da kann man kein Pflaster oder so draufkleben. Ich stelle mir das superschwer vor. Ich haben riesen Respekt vor diesen Leuten.«

Die anderen drei nickten ernst. Da hatte Tenten Recht.

»Ich wurde in einer Zeit geboren, als es noch keine Versteckten Dörfer gab«, sagte Mito. »Damals gab es nur endlosen Krieg, und das hatte tiefe Wunden an Körper und Seele geschlagen. Viele waren für ihr Leben traumatisiert. Als wir damals das Dorf gründeten und Hashirama das Krankenhaus baute, ein Projekt, das ihm sehr am Herzen lag, hatte er großen Wert darauf gelegt, auch eine Psychiatrie einzurichten. Dass sich die Yamanaka uns recht früh anschlossen, half enorm dabei. Er wusste wirklich eine Menge über das Heilen, Tsuna hat viel von ihm gelernt und noch mehr selbst entwickelt.«

Während die anderen drei weiter plapperten, verfiel Sakura in Schweigen. Sie grübelte über das nach, was Mito gesagt hatte.

»Es ist nicht normal, dass ich eine Stimme in meinem Kopf habe, oder?«, sagte sie dann. »Ich dachte eigentlich, dass nichts weiter dabei ist, ausgedehnte Selbstgespräche zu führen, ich bin da sicher nicht allein. Aber da sind so ein paar Sachen, die nicht dazu passen. Du weißt Dinge, von denen ich sicher bin, dass ich noch nie zuvor davon gehört habe.«

»Ja, das ist in der Tat eine ungewöhnliche Situation«, sagte Mito. »Ich bin mir auch nicht sicher, ob es die Sache für dich besser oder schlechter macht. Aber ja. Ich starb, als ich Kushina den Kyubi übertrug; so ist das mit jinchūriki. Wird ihnen ihr Bijū entfernt, sterben sie. Aber ich war schon alt, weit über achtzig, von daher war es in Ordnung. Und jetzt bin ich hier, nicht mehr als ein Chakrageist in deinem Kopf. Ich weiß selbst nicht, wie das passieren konnte.«

»Sakura-chan?«, fragte Ino. »Du machst so ein finsteres Gesicht. Ist was nicht in Ordnung?«

»Oh, es ist nichts«, wiegelte Sakura ab und hielt die Blumenkette hoch. »Schau, Hinata-chan. Sieht gut aus an dir.«

Ino hielt ihr einen Spiegel hin, sodass Hinata sich selbst betrachten konnte. Die Mädchen bewunderten sie und wie die Blumen mit dem fahlen Grau ihrer Augen harmonierte.

»Ich hab ein Geheimnis für euch«, eröffnete Tenten. »Gai-sensei sagt, dass er uns dieses Jahr für die Chūnin-Prüfungen anmelden will. Irgend so ein Ding zwischen ihm und Kakashi. Keine Ahnung, warum die so eine Rivalität haben.«

»Ja, die beiden sind echt schräg«, sagte Ino. »Ob da was zwischen denen läuft?«

Sakura schüttelte den Kopf. »Nee, glaub nicht.«

»Aber wenn unser sensei uns angemeldet hat, dann machen eure das sicher auch«, sagte Tenten. »Ist das nicht aufregend?«

»Aber ihr seid ja auch schon ein Jahr länger Genin«, gab Hinata zu bedenken. »Wir haben doch gerade erst angefangen.«

»Das stimmt allerdings«, warf Mito. »Ganz früher, als Tobirama sich all diese Dinge ausgedacht hatte, war das ohnehin anders gewesen und vieles hat sich erst während Sarus Zeit geändert. Aber die Prüfungen sind immer noch gefährlich.«

»Na super, sonst munterst du mich doch immer auf.«

»In der Tat. Allerdings befürworte ich es nicht, wenn junge Leute zu enthusiastisch voranstürmen. Realistisch ist es, dass ihr noch sehr unerfahren seid und euer sensei euch da vielleicht überschätzt. Selbst bei Tenten bin ich mir nicht sicher, ob sie bereits gut genug ist.«

»Das wird schon!«, war sich Tenten sicher.

Sakura teilte ihren Enthusiasmus nicht.

»Zumindest wäre es ein guter Test eurer bisherigen Fortschritte«, bemerkte Mito.

Nächstes Kapitel lernt Sasuke etwas über die Vergangenheit des Dorfes und Hashirama ist mit einigen Dingen im modernen Konoha nicht allzu zufrieden.
CN Erwähnung von Verlust von Angehörigen, Erwähnung von Mord

Es war ungewohnt, in der Bibliothek zu sein. Sasuke war kein Theoretiker, er bevorzugte die Praxis. Dennoch musste er etwas in Erfahrung bringen. Schon seit über einer Stunde wälzte er ein Buch nach dem anderen durch und war erstaunt, wie wenig über die Geschichte des Dorfes niedergeschrieben worden war. Es war schwer zu verifizieren, was Hashirama ihm über die Statuen von sich und Madara erzählt hatte.

Überhaupt: Wer war Madara gewesen? Aber den Gedanken hielt er ganz tief verborgen, die Blöße wollte er sich nicht geben.

»Denkt euer sensei wirklich, dass ihr schon bereit seid für die Chūnin-Prüfungen?«, wunderte sich Hashirama. »Seit ich damals den Hut trug, hat sich viel verändert und das jetzige Prüfungssystem klingt in der Tat nach einer Verbesserung. Als wir die Grundlagen für das Dorf damals entwickelt hatten, war es noch Aufgabe des sensei, zu bestimmen, wann seine oder ihre Schüler bereit dafür waren, Chūnin genannt zu werden. Tobirama hatte später überlegt, das System zu zentralisieren, Saru muss die Idee weiterverfolgt haben.«

»Kannst du nicht einen Moment lang still sein?«, knurrte Sasuke. »Ich versuche mich hier zu konzentrieren.«

»Entschuldige.« Hashirama hielt es keine Minute lang aus. »Es gibt nur eben einiges, das mir zu schaffen macht.«

»Du bist tot, dir kann das alles egal sein.«

»Ist es aber nicht. Das Dorf war mein großer Traum, mein Lebenswerk. Natürlich liegt es mir am Herzen, was auch nach meinem Tod damit geschieht. Und etwas sagt mir, dass nicht alles so schön ist, wie es an der Oberfläche aussieht. Warum zum Beispiel lebst du allein und was ist mit dem Rest deines Clans geschehen? Oder meinem …«

»Sei still!«, schrie Sasuke ihn an. Dann zwang er sich ruhig durchzuatmen und sich ganz auf den Text vor seiner Nase zu konzentrieren. Auf keinen Fall wollte er daran denken, was Itachi …

Er las weiter.

»Entschuldige bitte«, sagte Hashirama mit ehrlichem Bedauern. »Ich sehe schon, dass das ein empfindliches Thema ist.«

»Ich … ich will einfach nicht darüber reden. Nicht jetzt. Vielleicht nie.«

»Natürlich. Ich bin hier, solltest du deine Meinung ändern.«

»Wahnsinn, du kannst ja eh nirgends hin.«

»Ha! Stimmt auch wieder!«

Sein Steingesicht wirkte so ernst und erhaben und entsprach so gar nicht der Wirklichkeit. Das war das letzte bisschen, dass Sasuke daran zweifeln ließ, dass all das hier wirklich passierte. Dennoch las er den Text weiter.

Da! Endlich!

»Als Madara desertierte, begann er, mehrfach das Dorf anzugreifen, mit solcher Macht, dass schlussendlich Shodai Hokage Hashirama gezwungen war, persönlich gegen ihn ins Feld zu ziehen«, stand da. »Viel ist über die Details dieses Kampfes nicht bekannt, doch war er so gewaltig, dass er die Landschaft nachhaltig veränderte. Das Tal, das dabei in die Landschaft gegraben wurde, nannte man hernach das Tal des Endes und zum Andenken an diesen historischen Kampf ließ man Statuen der beiden Gründer errichten. Ursprünglich war geplant, diese im Dorf zu errichten, doch diese Idee wurde verworfen …«

Sasuke blickte auf. Verdammt. Das war der Beweis. Er war sich sicher, dass er davon vorher noch nie etwas gehört hatte, nicht bevor Hashirama es erwähnt hatte.

»Aber immerhin beweist das, dass du nicht durchdrehst«, sagte Hashirama leichthin. »Man muss auch die guten Seiten sehen können.«

Sasuke brummte missmutig.

»Oh. Hallo, Sasuke-kun!«, hörte er auf einmal Sakura hinter sich.

Sasuke tat so, als hätte er sie schon vorher bemerkt und starrte finster vor sich hin. »Hallo.«

»Hätte nicht erwartet, dich hier anzutreffen«, fuhr Sakura unbeirrt fort und setzte sich zu ihm an den Tisch. »Was liest du da? Sehenswürdigkeiten im Land des Feuers. Willst du verreisen?«

»Ich musste was nachschauen«, sagte Sasuke kurz angebunden. Er schielte auf die Bücher, die Sakura sich unter den Arm geklemmt hatte. Es waren diverse Geschichtsbücher. Eines weckte seine Aufmerksamkeit.

»Kann ich mir das einmal kurz ausleihen?«

Sakura stutzte und schien offensichtlich nicht damit gerechnet zu haben, dass Sasuke sie um so etwas bat. Doch dann nickte sie und schob ihm das Buch zu. Bevor Sasuke es jedoch auch nur aufschlagen konnte, wurde er von einer lauten und leider allzu bekannten Stimme aufgehalten.

»Hey, ihr seid ja auch hier!«, plärrte Naruto.

»Sei leise, du Idiot!«, fauchte Sakura. »Das ist eine Bibliothek!«

Naruto schien sich davon nicht aufhalten zu lassen und setzte sich ungeachtet der giftigen Blicke, die in seine Richtung geworfen wurden, schwungvoll zu ihnen.

»Was machst du überhaupt hier?«, wollte Sasuke wissen.

»Das ist eine Bibliothek«, stellte Naruto klar. »Wir dürfen hier sein.«

»Ja, aber normalerweise ist keiner von euch beiden hier«, stellte Sakura korrekt fest. »Hey, wollen wir zusammen für die Prüfung lernen?«

»Tja, nun …« Naruto druckste noch ein wenig herum. Sasuke hatte bereits bemerkt, dass der Idiot auf das Buch schielte, dass er sich selbst von Sakura erbeutet hatte. »Ich trainiere lieber. Eigentlich wollte ich nur kurz etwas nachschauen. Das brauchst du doch sicher nicht, Sasuke, oder? Du bist doch auch nicht so für Bücher zu haben.«

Diese Unterstellung. Sasuke zog demonstrativ das Buch an sich. »Doch, das wollte ich jetzt lesen.«

Sakura seufzte und schlug eine Hand vor das Gesicht. »Dann setzten wir uns jetzt doch zusammen und lernen gemeinsam.«

Sasuke und Naruto schnaubten und drehten sich demonstrativ den Rücken zu.

Sakura zog das Buch wieder an sich. »Gut, dann kann ich ja jetzt in Ruhe lernen.«

»Nein!« Sasuke und Naruto stürzten sich zeitgleich auf das Buch und funkelten sich darüber hinweg finster an.

»Benehmt euch!«, knurrte Sakura. »Ihr setzt euch jetzt hin wie zivilisierte Menschen und teilt euch das Buch. Vielleicht gibt es hier ja auch noch ein Exemplar.«

»Du suchst dir dein eigenes«, sagte Sasuke prompt.

»Wieso ich?«, beschwerte sich Naruto.

»Weil ich zuerst hier war!«

Das nächste, was er wusste, war der Umstand, dass sein Gesicht auf die Tischplatte geschmettert wurde. Sakura hatte sowohl ihm als auch Naruto eins übergezogen.

»Au! Wofür war das?«, beschwerte sich Naruto.

»Dafür, dass ihr euch wie Idioten benehmt!«, fauchte Sakura.

Hashirama lachte auf. »Irgendwie erinnert sie mich an Mito.«

Wenn Mito auch nur ansatzweise Sakura ähnlich gewesen war, musste sie eine wahre Hexe gewesen sein. Sasuke rieb sich die schmerzende Nase.

Am Ende einigten sich Sasuke und Naruto grummelnd darauf, sich das Buch zu teilen. Wie es sich herausstellte, interessierten sie sich ohnehin für dasselbe Thema: das Schicksal von Uzushio. Auch Hashirama merkte auf. Was Kakashi ihnen gesagt hatte, schien ihn sehr zu beschäftigen.

Sakura reckte den Kopf und schielte auf das, was sie da lasen. »Ich weiß etwas darüber«, eröffnete sie dann. Sasuke und Naruto sahen auf. »Das war vor etwa dreißig Jahren während der ersten Amtszeit des Sandaime. Uzushiogakure war die Heimat des Uzumaki Clans. Ja, deines Clans, Naruto-kun. Die Uzumaki waren berühmt für ihr Wissen über Siegel und das rief ihre Feinde auf den Plan. Das Dorf wurde zerstört.«

»Und wo war Konoha?«, verlangte Hashirama aufgebracht zu wissen. »Sasuke-kun, frag sie das.«

Sasuke tat so, als würde er einen Blick auf das Buch vor ihnen werfen. »Hätte Konoha da nicht irgendwie eingreifen müssen oder so?«, fragte er dann.

Sakura überlegte einen Moment. »Ich glaub schon. Da war was mit einem Bündnis. Aber Konoha konnte nichts machen, weil das einen größeren Konflikt mit den anderen Nationen verursacht hätte. Irgendwie so war das.«

»Das ist unerhört!« Hashirama schien regelrecht zu schäumen. »Saru hätte nicht wegschauen dürfen, ganz gleich, welche Gründe er dafür gehabt haben mochte. Es war seine oberste Pflicht, den Uzumaki in allem beizustehen! Er wusste das!«

Er konnte ja doch Dinge mit dem nötigen Ernst betrachten.

»Und was ist aus den Leuten aus Uzushio geworden?«, wollte Naruto mit belegter Stimme wissen. »Das Dorf wurde zerstört, aber wo sind die Einwohner hin? Wo ist meine Familie?«

Seine Stimme klang so klein und verletzt. So anders, als Sasuke es von ihm gewohnt war. Etwas warmes blubberte mit einem Male in Sasukes Magen.

Sakura schüttelte traurig den Kopf. »Ich fürchte, die meisten sind gestorben, und die wenigen, die es geschafft haben, wurden in alle Winde zerstreut.« Sie hielt kurz inne. »Warte, ich glaube, ich erinnere mich, dass eine Uzumaki nach Konoha kam, Uzumaki Kushina. Sie wurde von Uzumaki Mito ausgebildet, der Frau des Ersten Hokage, und wurde ihr Nachfolger als jinchūriki.«

Sasuke war verwundert, dass Naruto nicht nachfragte, was das sein sollte. Woher sollte er davon wissen? Naruto schien jedoch gar nicht erst daran zu denken. Mit traurigem Blick starrte er auf den Tisch und fuhr die Kratzer im Holz mit seinen Fingern nach.

»Vielleicht …« Er schniefte. »Vielleicht war sie ja meine Mutter.«

»Du weißt nichts über deine Familie, oder?«, fragte Sakura nach und ergriff seine Hand. Als Naruto aufblickte, lächelte sie ihm zu.

Es war besser, erst gar keine Familie zu haben, als mit anzusehen, wie die eigene Familie abgeschlachtet wurde. Sasuke wurde schlecht.

»Oh, Sasuke-kun …« Hashiramas Bedrücktheit wirkte dieses Mal echt.

»Ich glaube …« Sakura griff nach dem Buch und blätterte ein paar Seiten nach vorn. »Ah, tatsächlich. Habe ich mir das doch richtig gemerkt. Kushina wurde später die Frau des Yondaime Hokage, Namikaze Minato. Aber beide starben vor zwölf Jahren beim Angriff des Kyubi.«

Naruto legte sich eine Hand auf den Bauch. Auch er wirkte, als würde er sich gleich übergeben müssen.

»Aber da stimmt doch was nicht«, sagte Sasuke. »Neulich sagte Kakashi doch noch, er wüsste nicht, was aus den Leuten von Uzushio wurde. Aber jetzt steht das da einfach so in einem billigen Geschichtsbuch. Er ist ein Jōnin, sicher weiß er so etwas.«

»Und vor allem: Wie konnte Kyubi das Dorf angreifen, wenn er doch in Kushina versiegelt war?«, fügte Hashirama an. »Ich weiß um die Integrität von Mitos Siegeln, ich habe selbst viele Jahre dazu beigetragen, dass sie halten. Wenn sie Kyubi an Kushina übertragen hatte, dann hatte sie dies gewiss mit äußerster Sorgfalt getan. Ebenso stellt sich die Frage, was mit Kyubi nach dem Angriff wurde. Konnte er wieder versiegelt werden und wenn ja, wie und wo? Sasuke-kun, dieses Konoha hat zu viele Geheimnisse, die mir nicht gefallen wollen.«

»Kakashi-sensei hatte sicher seine Gründe«, sagte Sakura, doch sie klang unsicher.

Ja, sie mochten nur Genin sein, aber dennoch gab es Sasuke zu bedenken, dass viele von dem, was zu Hashiramas Zeit allgemein bekannt zu sein schien, jetzt ein gut gehütetes Geheimnis war. Aber eigentlich konnte es ihm auch egal sein, redete er sich ein. Er hatte anderes im Sinn. Er stand auf. Sakura und Naruto sahen fragend zu ihm auf.

»Ich muss trainieren«, sagte er.

»Ich komm mit!«, rief Naruto sogleich und handelte sich wieder einmal das eine oder andere wütende Zischen der anderen Bibliotheksbesucher ein.

»Vergiss es«, schoss Sasuke zurück. »Kümmer dich um deinen eigenen Kram.«

»Zusammen trainiert es sich besser«, gab Hashirama zu bedenken.

»Nein!«

Sasuke sah zu, dass er von hier verschwand.

Er begab sich auf direktem Wege nach Hause, packte eilig seine Kunai zusammen und war dann auch schon wieder unterwegs in den Wald. Noch immer war da die kleine Lichtung mit dem Felsen und den Zielscheiben. Er musste schaffen, zu was Itachi in der Lage war, sonst würde er nie gegen ihn bestehen können. Die kommenden Chūnin-Prüfungen waren eine gute Gelegenheit, zu sehen, wie weit er bereits gekommen war.

Die ganze Zeit über spürte er Hashirama am Rande seines Bewusstseins. Immerhin hielt er sein Wort und hielt sich zurück bei allem, worüber Sasuke nicht reden wollte. Trotzdem musste er mittlerweile zumindest eine ungefähre Ahnung haben, was geschehen war und worüber sich Sasuke so beharrlich ausschwieg. Sasuke konnte seine Besorgnis spüren.

Doch das war jetzt erst einmal nebensächlich. Mittlerweile hatte er sein Ziel erreicht. Nun denn.

Er aktivierte sein Sharingan, sprang in die Luft und warf seine Kunai. Es gab ein helles Klirren und mehrere dumpfe Aufschläge und schon stand Sasuke wieder am Boden. Sogleich ging er um den Felsen herum und prüfte die Ziele. Er hatte die Ziele in seinem unmittelbaren Sichtfeld alle mitten ins Zentrum getroffen, doch das im toten Winkel hatte er schon wieder verfehlt.

»So ein Mist.« Er knirschte mit den Zähnen.

»Das ist eine beeindruckende Technik«, sagte Hashirama.

»Nicht gut genug«, grummelte Sasuke. »Itachi hatte in meinem Alter schon längst alle Ziele sicher treffen können.«

»Jeder wächst mit seiner eigenen Geschwindigkeit. Was du bereits kannst, ist mitunter über dem Level eines Anfängers. Du solltest stolz auf dich sein.«

»Dafür habe ich keine Zeit. Es zählt einzig und allein, dass ich stark genug werde, um mein Ziel zu erreichen.«

Er konnte spüren, wie es Hashirama schon auf der Zunge lag, ihn zu fragen, was sein Ziel sei, aber er ließ es. »Sasuke-kun, ich sorge mich um dich«, sagte er stattdessen.

»Ich kann auf mich selbst aufpassen.«

»Nun, ich war einmal Hokage, es war meine Aufgabe, mich um die jungen Flammen des Dorfes zu sorgen und für sie zu tun, was in meiner Macht stand.«

»Jetzt bist du aber tot und nur noch eine nervige Stimme in meinem Kopf.«

Hashirama seufzte. Sasuke spürte, wie seine eigene Verärgerung wuchs.

Um sich abzulenken, versuchte er den Wurf noch einmal, doch dieses Mal landeten nicht einmal mehr alle Kunai im Zentrum der sichtbaren Zielscheiben. Frustriert sammelte er seine Kunai ein und versuchte es noch einmal.

»Im Kampf kommt es darauf auf, im Jetzt zu sein«, sagte Hashirama. »Du musst ganz im Moment sein und deine Sorgen und Ängste vergessen. Jetzt zählt nur dieser Augenblick, die Waffe in deinen Händen und dein Gegner. Hier musst du jetzt sein, denn du kannst dir sicher sein, dass dein Gegner es ausnutzen wird, wenn du es nicht bist. Gefühle dürfen in einem Kampf keine Rolle spielen.«

Seltsamerweise sah Sasuke ein Bild aufblitzen, ganz kurz nur. Zwei Shinobi, die sich auf einem Fluss begegneten. Sie griffen einander an, indem sie Waffen auf zwei Kinder warfen, die bei ihnen waren. Das Bild verschwand so schnell, wie es aufgetaucht war.

»Also sind Ninja eiskalte Tötungsmaschinen?«, wollte Sasuke wissen.

Erstaunlicherweise antwortete Hashirama nicht sofort. »Es macht das Töten zumindest leichter«, sagte er nach einem Moment der Stille.

Sasuke fragte sich, ob seine sonst so fröhliche Natur nicht vielleicht zu Teilen nur aufgesetzt war.

Es war müßig, darüber nachzudenken. Er betrachtete die Kunai in seiner Hand. Seine Haltung war gut, das wusste er. Aber trotzdem stimmte etwas noch nicht, sonst würde er treffen. Er konnte nicht sagen, woran es lag. Also versuchte er den Kopf frei zu bekommen, wie Hashirama es gesagt hatte, atmete tief durch und warf erneut.

Dieses Mal traf er zwar nicht ins Schwarze, aber sein Kunai ging nicht völlig daneben. Er konnte einen kleinen Jubelruf nicht zurückhalten.

»Sehr gut, Sasuke-kun!«, lobte Hashirama begeistert. »Üb nur fleißig weiter und du wirst eines Tages ein Meister des Kunai werden.«

Sasuke kam nicht umhin zufrieden zu grinsen. Dann glättete er seine Gesichtszüge wieder. »Bis dahin ist es aber noch ein viel zu weiter Weg.«

»Habe nur Geduld. Konoha wurde auch nicht an einem Tag erbaut.«

»Aber ich muss …«, presste Sasuke hervor und unterbrach sich dann selbst.

»Du tust weder dir noch allen anderen einen Gefallen, wenn du dich so sehr unter Druck stellst. Selbst Stahl bricht unter zu großem Druck.«

»Aber er hat sie alle getötet! Itachi hat meine Familie getötet!«, schrie Sasuke in den Wald hinein. Tränen verschleierten ihm die Sicht. »Mein Bruder hat meinen ganzen Clan ermordet und nur mich am Leben gelassen. Mir bleibt doch nichts anderes im Leben als meine Rache.«

»Rache wird dir deine Familie auch nicht wieder zurückbringen«, sagte Hashirama sanft.

Schluchzend sank Sasuke zusammen, zog die Beine an seine Brust und vergrub das Gesicht zwischen seinen Knien. Schluchzer schüttelten seinen Körper. Er fühlte sich so allein wie nie.

Hashirama ließ ihn in Ruhe, bis seine Tränen versiegt waren, und auch dann schwieg er noch respektvoll. Sasuke starrte das Gras zu seinen Füßen an. Er fühlte sich elend. An Training war heute definitiv nicht mehr zu denken.

Einige Minute später erhob sich Sasuke schließlich doch, sammelte seine Kunai ein und machte sich auf den Rückweg. Er hielt den Blick gesenkt und seine Schultern fühlten sich schwer an. Als er schon vor der Tür zu seiner Wohnung stand, hielt er inne und überlegte es sich dann doch anders. Kurzerhand drehte er um und begab sich zu seinem alten Heim.

Hier war noch alles so, wie er es vor einigen Jahren zurückgelassen hatte, nur etwas verfallener dank des Umstandes, dass hier niemand mehr lebte, um sich um den Garten und das Haus zu kümmern. Der sōzu klackte dennoch noch immer unbeirrt und selbst der Riss in der Mauer war noch dort, wo Itachi einst das Kunai geworfen hatte. Sasuke sah es noch immer so deutlich vor sich, als es es erst gestern gewesen.

Er schob das Absperrband zur Seite, das lose im Wind flatterte, stellte seine Sandalen vor dem engawa ab und brachte dann doch nicht die Kraft auf, das Haus zu betreten. Zu sehen, wo Vater und Mutter …

Er ließ sich niedersinken, wo er stand, und ließ den Kopf in seine Hände fallen.

»Vor zwölf Jahren griff das Fuchmonster Konoha an«, sagte er leise. Er musste es laut aussprechen, vielleicht würde er dann endlich begreifen können, was geschehen war. »Mein Vater war der Chef der Polizei und seine Aufgabe war es gewesen, für die Sicherheit der Einwohner zu sorgen. Später behauptete man dennoch, dass sich die Uchiha nicht an der Verteidigung des Dorfes beteiligt hatten, weil sie nicht direkt gegen das Fuchsmonster gekämpft hatten. Hinzu kamen die Gerüchte, dass die Bestie kontrolliert worden war, und jeder weiß, dass ein starkes Sharingan das kann. Die Polizei war vorher schon nicht beliebt gewesen, doch seitdem ging alles bergab. Itachi war so alt wie ich jetzt, als er der Anbu beitrat, und seitdem wurde alles nur noch komplizierter. Vater wollte, dass er für den Clan spionierte und herausfand, was im Dorf vor sich ging. Hinzu kam nämlich, dass der Angriff des Fuchsmonsters das Dorf so stark zerstörte, dass es fast komplett neu aufgebaut werden musste, und aufgrund der Gerüchte um meinen Clan versetzte man uns nach hier draußen, weit außerhalb des eigentlichen Dorfes. Vater war stolz auf Itachi, dass er es bis zu den Anbu geschafft hatte, und sagte stets, wie ich meinem Bruder nacheifern sollte. Gleichzeitig wollte er, dass Itachi für den Clan und gegen das Dorf arbeiten sollte, weil seine eigentliche Loyalität bei den Uchiha lag. Und dann, eines Tages, hat Itachi sie alle ermordet. In einer einzigen Nacht. Nur mich hat er leben lassen und hat mir meinen Hass gegeben, Hass, der mich stark macht. Eines Tages stark genug, um Itachi zu töten. Mehr hab ich nicht mehr als diesen Hass.«

Sasuke verfiel in Stille. Er fühlte sich für das erste Mal seit langer Zeit angenehm leer und leicht. Der sozu klackte.

Hashirama schwieg verdächtig lang. Als er schließlich doch sprach, klang seine Stimme belegt: »Sasuke-kun, ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich bedauere, was du erleben musstest. In dem Konoha, das ich mir damals erträumt hatte, hätte das niemals passieren dürfen, und ich fürchte, dass mir damals die Voraussicht fehlte, um so etwas zu verhindern. Aber sag mir bitte eines: Hast du jemals vom Fluch des Hasses gehört?«

Sasuke runzelte die Stirn. »Der was?«

»Zu meiner Zeit nannte man uns Senju den Clan der Liebe, aber euch Uchiha nannte man einen verfluchten Clan, doch in meinen Augen stimmt das nicht. Ich habe niemals jemand anderen getroffen, der Emotionen tiefer empfindet als ihr Uchiha. Wir Senju hingegen sind lediglich ein Clan des Krieges, mehr nicht, das war das einzige, worin wir gut waren. Ich weiß nicht, ob es an eurem kekkei genkai liegt oder einfach ein inhärenter Charakterzug ist, aber die Tiefe eurer Emotionen übertrifft die aller anderen. Ihr empfindet sowohl Freude als auch Leid weitaus intensiver, aber Liebe und Hass gehen oftmals Hand in Hand, und der Schmerz, der daraus entsteht, hat schon ganz andere gebrochen. Dieser Hass gibt euch große Stärke, aber auch untragbaren Schmerz. Gib dich ihm nicht hin, am Ende dieses Weges steht nur der Ruin.«

»Hass …«, murmelte Sasuke, mehr laut denkend als alles andere. Hass hatte Itachi die Augen geöffnet und ihm das Mangekyō Sharingan gegeben. Itachi hatte ihn am Leben gelassen für genau diesen einen Zweck: dieselben Augen zu erlangen wie er, sodass sie sich eines Tages auf Augenhöhe begegnen konnten.

»Mangekyō. Dann weißt du also bereits davon … Sasuke-kun, lass mich dir eine Geschichte erzählen«, sagte Hashirama. »Es ist eine etwas längere Geschichte und ich fürchte auch, sie hat kein schönes Ende, also möchtest du dir vielleicht einen etwas angenehmeren Ort suchen.«

Und so kam es, dass Sasuke von der Gründung des Dorfes erfuhr und von den Bürgerkriegszeiten, die dem vorausgegangen waren. Es war wirklich keine schöne Geschichte, sondern eine voller Blut und Leid und Kindern, die viel zu jung starben. Wie Hashirama gesagt hatte, war es eine lange Geschichte, weshalb Sasuke irgendwann einmal von dem engawa aufstand und zum See ging, während er noch immer Hashiramas Geschichte lauschte. Er setzte sich an den Rand des Steges, ließ seine Beine im Wasser baumeln und blickte in die dunklen Tiefen des Wassers hinab.

Er lernte von Hashirama und Madara, zwei kleinen Jungen mit einem unerreichbar scheinenden Traum von Frieden. Und selbst, als sie viele Jahre später diesen Traum verwirklichen konnten, war er doch auf Blut gegründet worden.

»Am Ende war alles, was Madara von Izuna geblieben war, dessen Augen«, schloss Hashirama. Mittlerweile war es längst dunkel geworden, doch Sasuke saß noch immer am See. »Am Ende war der Schmerz, den er aufgrund seines Verlustes erlitten hatte, zu groß für ihn, und er sah keinen anderen Ausweg mehr, als sich gegen das Dorf zu stellen, das er mitbegründet hatte. Er ließ mir keine andere Wahl als ihn zu töten. Ich war der Hokage. Ich war der einzige, der seiner Stärke begegnen konnte. Es war meine Pflicht, das Dorf zu verteidigen, also tat ich meine Pflicht. Wir hatten einst einen Traum und diesen wollte ich bewahren. Doch Madara hatte irgendwann einmal nach immer nur mehr Stärke gestrebt und am Ende hatte er es mit dem Leben bezahlt.«

Sasuke schwieg.

»Sasuke-kun, gehe nicht denselben Pfad. Er führt nur in die Dunkelheit.«

Der Mond stand voll und hell am Himmel und der See lag ruhig unter ihm da wie ein gigantischer Spiegel, aus dem das silberne Licht des Mondes schien. Alles war still.

»Das heißt es also, ein Shinobi zu sein?«, fragte Sasuke schließlich. »Alles auszuhalten?«

»Der Wille der Toten ist es, der uns weitermachen lässt«, sagte Hashirama. »Es war um meiner toten Brüder willen, dass ich suchte, was unmöglich schien, und es am Ende auch fand. Danach herrschte Frieden für eine lange Zeit.«

»Doch es war nicht von Dauer …«

»Nein«, sagte Hashirama grimmig. »Vieles hat sich seit damals geändert und nicht alles zum Guten. Mir ist mittlerweile klar, dass mit diesem Konoha einiges im Argen ist, was mir Sorgen bereitet.«

»Und was willst du jetzt tun?«

»Es gibt nicht viel, was ich tun kann. Dir wird nicht entgangen sein, dass ich gegenwärtig nur eine nervige Stimme in deinem Kopf bin, wie du es so gern ausdrückst.«

Aus irgendeinem Grund brachte das Sasuke zum Schmunzeln. Er schnaubte. »Leider stimmt das.«

»Ich will dich damit auch nicht belasten«, fuhr Hashirama fort. »Du hast deine eigenen Sorgen und Nöte. Konzentriere dich jetzt auf deine Prüfung, das ist das wichtigste.«

Das brachte Sasuke allerdings auf eine Idee. »Was kannst du mir über diese Prüfung sagen, was wird alles dran kommen?«

»Tja, nun. Das war zu meiner Zeit alles noch ein bisschen anders. Aber ein bisschen was kann ich dir vielleicht doch sagen …«

Nächstes Kapitel: Madara und Kyubi sind wirklich best buddies. Nicht. Außerdem Chuunin Prüfungen im Schnelldurchlauf.

Mit wachsender Sorge starrte Naruto auf die Teilnahmebestätigung für die Prüfung und kratzte sich den Kopf.

»Oh man, ey«, murmelte er. »Ich bin noch nicht gut genug. Das wird bestimmt knüppelhart.«

»Na, immerhin diese Selbsterkenntnis hast du«, bemerkte Madara.

»Davon wird’s auch nicht besser!«, blaffte Naruto.

Irgendwo in seinem Unterbewusstsein nagte Kyubi an den Gittern seines Gefängnisses und versuchte, seine Krallen durch die Lücken zwischen den Stäben zu stecken, um Madara zu erwischen. Der jedoch saß gerade weit genug außerhalb seiner Reichweite und schien eine diebische Freude daran zu finden, den gigantischen Fuchs mit seiner bloßen Anwesenheit zu reizen.

Und es funktionierte. Bis vor kurzen hatte Naruto noch nicht einmal von der Existenz dieser Kreatur gewusst und plötzlich hatte er eine rasende Chakrakreatur in seinem Kopf, die nichts anderes im Sinne hatte, als diese andere lästige Stimme zu erwischen.

»Du bist an allem Schuld, Uchiha!«, brüllte Kyubi nicht zum ersten Mal.

Madara lehnte sich lässig zurück und beobachtete Kyubis vergebliche Versuche, aus seinem Gefängnis auszubrechen. »Du bist ein Werkzeug, nichts weiter. Du solltest es als eine Ehre ansehen, dass ich dich für meine Zwecke erwählte. Es hätte deine Bestimmung sein sollen, Uchiha zu dienen.«

Naruto fasste sich an den Kopf und stöhnte. »Ihr sollt beide still sein! Ich kann mich nicht konzentrieren.«

Eine Stimme war schon schlimm genug gewesen. Aber zwei, die sich auch noch die ganze Zeit stritten, war die Hölle auf Erden.

»Du hast mich benutzt!«, brüllte Kyubi. »Ihr lästigen kleinen Menschen seid nichts weiter als Maden!«

»Welch Ironie, dass du jetzt in einer besonders kleinen Made weggeschlossen bist. Mito hat ordentliche Arbeit geleistet. Nichts anderes war von ihr zu erwarten gewesen.«

»Die alte Hexe!«

Naruto stöhnte und schlug den Kopf auf den Tisch. Wenn das so weiter ging, würde er noch durchdrehen. »Ich kann so nicht lernen!«

»Dann lerne es«, sagte Madara gnadenlos. »In der Schlacht fragt dein Gegner auch nicht höflich, wie du die Klinge in deinen Eingeweiden am liebsten hättest.«

»Wenn du mir schon auf die Nerven gehst, dann mach dich wenigstens nützlich und bring mir was bei!«, verlangte Naruto. »Wenn ich gegen Sasuke kämpfen muss, dann will ich gewinnen, echt jetzt!«

»Nein.«

Bastard.

Kyubi nagte weiter an den Gitterstäben.

»Jedoch …«, begann Madara von neuem. »Naruto, komm her.«

Naruto wollte sich nicht in die Nähe dieses Fuchsmonsters begeben. Andererseits hatte Madara anscheinend seine Meinung geändert. Die Gründe dafür konnten Naruto egal sein, solange er nur etwas nützliches lernte. Also begab er sich vor das gigantische Tor.

Dieser Ort war noch immer genauso unheimlich wie beim ersten Mal. Zu wissen, was da in ihm war, behagte Naruto so ganz und gar nicht, obwohl er mittlerweile wusste, dass dieser Ort nicht wirklich echt war. Es war mehr eine Manifestation seines Unterbewusstseins, ein Bild, das sein Geist konstruiert hatte, um ihm zu helfen zu visualisieren, was man in ihm versiegelt hatte.

Mit einem misstrauischen Blick in Richtung Kyubi trat er an Madaras Seite. Diesen schien das alles hier nicht sonderlich zu stören, er wirkte gar einigermaßen amüsiert über Kyubis Versuche, an ihn heranzukommen.

»Und jetzt? Was willst du mir beibringen?«, wollte Naruto wissen.

»Du hast eine beschissene Chakrakontrolle«, sagte Madara trocken.

Naruto machte ein langes Gesicht. »Du bist echt gemein, Madara-jiji.«

Madara starrte auf ihn nieder. »Pass auf, was du sagst, Bratze. Zu meiner Zeit war ich nicht gerade für meine Geduld mit Bälgern wie dir bekannt.«

Naruto streckte ihm die Zunge raus. »Na los, sag schon!«

Madara verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu Kyubi, der den Blick voller Hass erwiderte und die Fänge bleckte. »Ich kann förmlich Mito protestieren hören, dass es keine gute Idee sei. Aber Mito ist tot, also ist mir das egal.«

»Genauso tot wie du!«, knurrte Kyubi.

»Pech für dich, dass ich jetzt trotzdem hier bin, denn jetzt kannst du doch von Nutzen sein, du Flohteppich.«

Kyubi rammte seinen massiven Schädel gegen das Tor und bewirkte doch nichts damit. Er brüllte auf.

»Naruto, du als jinchūriki kannst Kyubis Chakra benutzen«, fuhr Madara fort und ließ sich von dem riesigen Fuchs nicht aus der Ruhe bringen. »Für den Anfang nur ein winziges bisschen, alles andere wäre wirklich zu gefährlich. Wollen doch nicht, dass der Flohteppich am Ende doch noch ausbricht, indem er dich übernimmt.«

Naruto zog eine Grimasse. »Ehh. Was?«

»Das war doch die ganze Zeit über deine Absicht, nicht war, Flohteppich?«, verlangte Madara von Kyubi zu wissen. »Seit du in Naruto versiegelt worden bist, hast du konstant winzige Mengen deines Chakras durch das Siegel sickern lassen, sodass es mehr und mehr korrodierte. Naruto, hattest du manchmal das Gefühl, dass du ein anderes Chakra als dein eigenes benutzt?«

Naruto kratzte sich am Kopf. Dann nickte er. »Ja, da war mal was. Aber ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, was dann passiert war. Ich weiß noch, dass ich echt wütend war über das, was Haku mit Sasuke angestellt hatte.«

»Dachte ich‘s mir«, bemerkte Madara. »Kyubi hat deine Wut benutzt und sie mit seinem eigenen Hass befeuert. Auf diese Weise konnte er dich leichter darin manipulieren, sein Chakra zu benutzen, was die Schwächung des Siegels beschleunigte. Irgendwann einmal wäre es vollständig aufgebrochen und Kyubi hätte die Kontrolle erlangen können.«

Naruto lief ein Schauer den Rücken hinab. Eigentlich wollte er es gar nicht wissen, aber er fragte dennoch. »Und was wäre dann passiert?«

»Er hätte dich verschlungen und wäre über alles und jeden in seinem Weg hergefallen.«

Naruto starrte zu dem Mann auf. »Und du willst trotzdem, dass ich das Chakra vom Fuchsmonster benutze?«

»Ich habe mir das Siegel etwas genauer angesehen. Zweifelsohne Uzumaki-Handwerk, aber dieser Namikaze hat auch sein Markenzeichen darauf hinterlassen. Ziemlich dreist, aber nun gut. Er hat ein paar Schutzmaßnahmen eingebaut für den Fall, dass das Siegel doch brechen sollte. Aber das wusstest du, nicht wahr, Kyubi. Du weißt ganz genau, was vor zwölf Jahren passiert war.«

Hinter dem Tor war Kyubi scheinbar zur Ruhe gekommen. Er hatte sich hingelegt und seinen Kopf auf seinen Pranken gebettet. Seine Augen glühten rot im Dunkel auf. »Warum sollte ich mit euch darüber reden? Es ist so amüsant, euch kleine Maden im Dunkeln tappen zu sehen.«

»Du weißt eine Menge über diesen ganzen Siegelkram, Madara-jiji, echt jetzt«, stellte Naruto fest. »Aber wie mach ich das jetzt, ohne dass das Siegel bricht?«

»Wir machen‘s auf meine Weise«, sagte Madara gelassen.

Kyubi wusste anscheinend, was das bedeutete, denn er sprang wieder auf, brüllte und attackierte erneut die Gitter. »Du dreckiger Mistkerl! Du kannst hier gar nichts mehr ausrichten! Du bist tot! Nichts weiter als ein jämmerlicher Chakrageist!«

»Ganz recht, Chakra.« Mit diesen Worten fing Madara ihn mit seinem Sharingan ein.

Kyubi brüllte zornerfüllt auf und dann schien es auf einmal, als würde er friedlich einschlafen.

Naruto machte große Augen. Er hatte schon gesehen, wie Kakashi und Sasuke ihre Augen einsetzten, aber etwas an Madara fühlte sich anders an. Mächtiger. Anders als Kakashi war er immerhin ein Uchiha und mit dieser Fähigkeit geboren worden. Aber zu sehen, wie er damit scheinbar spielend Kyubi kontrollierte, war wirklich beeindruckend.

»Boah, krass!«, staunte Naruto. »Und jetzt?«

Zwischen den Stäben sickerte ein winziges bisschen rot schimmerndes Chakra hervor.

»Nimm es dir«, sagte Madara. »Schon das sollte ausreichen, um dich um ein vielfaches zu stärken. Und dann zeige ich dir, wie man auf Wasser läuft.«

Narutos Augen leuchteten auf. »Das klingt ja mal richtig cool!«

Vielleicht hatte er ja doch eine Chance bei den Prüfungen.

 

In den kommenden Wochen trainierte Team 7 fleißig, jede und jeder auf ihre oder seine Weise. Kakashi mochte sich vielleicht ein wenig wundern, woher seine süßen kleinen Genin auf einmal diese neuen Tricks her hatten, aber allzu sehr störte er sich daran auch nicht. Ihm sollte es recht sein, das bestärkte ihn nur darin, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, sie für die Prüfungen anzumelden. Vielleicht hatten sie sich ja doch zusammengerauft und gemeinsam trainiert. Das würde erklären, warum sie alle ihr Chakra mit einem Mal so viel besser kontrollieren konnten. Insbesondere Sakura stach dabei unter den dreien hervor. Kakashi spielte mit dem Gedanken, ihr medizinisches Ninjutsu vorzuschlagen. Doch das musste bis nach den Prüfungen warten.

Schließlich kam der große Moment, der Tag der ersten Prüfung. Voller Zuversicht lief Naruto in den Prüfungsraum und war sich sicher, dass er das hier mit Bravour bestehen würde. Madara-jiji hatte ihm ein paar echt krasse Sachen gezeigt. Das hatte er zwar nur getan, um Kyubi zu ärgern, aber Naruto sollte es egal sein. So lange er damit nur stärker war als dieser Idiot Sasuke, war es ihm Recht.

Und dann wurden ihnen Prüfungszettel vorgesetzt.

Naruto fiel an seinem Platz in sich zusammen und stöhnte stumm. Er hatte so fleißig trainiert und jetzt das! Sakura hatte Recht gehabt, sie hätten auch mehr Theorie lernen sollen. Naruto starrte auf die Fragen und hatte keinen blassen Schimmer.

»Hör auf zu jammern und dich in Selbstmitleid zu ergehen«, blaffte Madara ihn an. »Das ist ja nicht auszuhalten.«

»Du hast gut reden«, maulte Naruto. »Du hast gehört, was der gruselige Typ gesagt hat. Ich hab keine Ahnung von dem ganzen Kram hier.«

»Das kommt davon, wenn in deinem Hirn nur Platz für Ramen ist! Du bist ja schlimmer noch als Mito. Streng die drei Gehirnzellen an, die du hast.«

Naruto fasste sich an den Kopf und schob die Unterlippe vor. Er spürte, wie Hinata ihn unter dem Tisch anstupste, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Naruto zermarterte sich das Hirn, was er nun tun sollte.

Madara seufzte frustriert. »Die testen nicht euer Wissen, sondern eure Fähigkeiten, Informationen zu beschaffen«, erbarmte er sich dann doch zu erklären. »Wie hast du überhaupt die Akademie bestanden?«

Hinatas Lippen bewegten sich, als wollte sie Naruto stumm etwas sagen. Unauffällig zog sie ihren Arm zur Seite. Am anderen Ende des Raums wurde schon wieder jemand beim Spicken erwischt und rausgeworfen. Naruto geriet ins Schwitzen.

Er konnte förmlich spüren, wie Madara sich die Hand vors Gesicht schlug. »Am Ende ist es egal, wie du an die Informationen gekommen bist. Pass auf, das sind die Antworten.«

Es war das erste Mal, dass Naruto einen Test mit voller Punktzahl bestand. Am Ende spielte es allerdings keine Rolle, wie sich zeigen sollte, was ein bisschen frustrierend war. Dennoch konnte sich Naruto ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Wirklich spannend sollte es erst werden, als es in den Wald des Todes ging.

Team 7 überraschte sich gegenseitig, als sie alle größere Überlebensfähigkeiten bewiesen, als sie voneinander erwartet hätten. Naruto tat einen Teufel, auch nur ein Wort über Madara zu verlieren, der wieder einmal der einzige Grund war, warum er sich nicht längst an ungenießbaren Beeren vergiftet hatte.

»Ich hätte dich die Beeren einfach essen lassen sollen«, grummelte Madara und navigierte dann doch Naruto weiter durch den Wald.

Sasuke indes hatte mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. Wenn man es denn als solches bezeichnen wollte. Hashirama hatte vorher schon ununterbrochen geplappert, aber jetzt war er kaum aufzuhalten. Wie es schien, waren Pflanzen sein großes Ding. Er war ein Quell unendlichen Wissens über jeden noch so unbedeutenden Grashalm, als er jedoch damit anfing, von den Träumen der Bäume zu reden, wurde es Sasuke zu absurd.

»Was ist denn das für ein Blödsinn?«, verlangte er zu wissen. »Bäume sind Bäume, und damit hat es sich.«

»Oh, ganz und gar nicht«, widersprach Hashirama voller Überzeugung. »Mein Mokuton ist einmalig. Es sei denn, Tsunade oder Nawaki haben ziemlich spät doch noch ihre Fähigkeit entwickelt, es zu nutzen. Jedenfalls funktioniert es wie eine Verbindung zur Natur um mich herum. Du glaubst ja gar nicht, wie faszinierend Pflanzen sein können!«

Sasuke hörte nur mit halbem Ohr zu. Immerhin wusste Hashirama auch allerhand nützliches Zeug über Pflanzen und welche Teile welcher Pflanze für was zu verwenden waren. Zu Lebzeiten sollten seine Fähigkeiten im medizinischen Ninjutusu legendär gewesen sein, aber wie sich herausstellte, wusste er auch darüber hinaus enorm viel über Heilkunde. Zumindest mit diesem Wissen wusste Sasuke etwas anzufangen. Er versuchte, sich so viel wie möglich davon zu merken.

Die Katastrophe nahm ihren Lauf, als sie im Wald auf Orochimaru trafen.

Erstaunlicherweise war es Sakura, die im Angesicht des Todes am ruhigsten blieb, wenn auch nur dank Mitos eindringlichen Worten. Ohne sie wäre sie verloren, Sakura wusste das. Dennoch war sie froh um Mitos Anwesenheit und die ruhige, beherrschte Art, wie sie Sakura Anweisungen gab, um sie und ihre beiden Teamkameraden aus dieser Sache herauszuholen.

Am Ende war es dennoch um sonst. Am Ende besiegte Orochimaru dennoch Naruto und Sasuke spielend und Sakura wusste, dass es ihr Ende hätte sein sollen. Es war ihr einziges Glück, dass Orochimaru offensichtlich anderes im Sinne hatte und sie links liegen ließ. Verzweifelt sah sie auf ihre gefallenen Kameraden herab.

»Liebes, nicht verzweifeln«, mahnte Mito sie. »Noch ist nicht alles verloren, tu nur, was ich dir sage.«

Sakura zitterte am ganzen Leib und hatte mit den Tränen zu kämpfen. Doch dann ballte sie die Hände zu Fäusten. Sie wollte nicht schon wieder nutzlos sein, das hatte sie sich geschworen. Schniefend wischte sie sich die Tränen aus den Augen.

»Was soll ich tun?«

»Lass uns zuerst einen genaueren Blick auf das Siegel werfen, das Orochimaru Sasuke-kun verpasst hat.«

Sakura wurde schon übel allein bei dem Gedanken daran, dennoch tat sie, was Mito ihr auftrug. Mito schien nicht zu gefallen, was sie da sah. Sakura war beunruhigt.

»Es gibt nicht viel, was du jetzt tun kannst, dafür reichen deine Fähigkeiten noch nicht aus«, sagte Mito ernst. »Du kannst lediglich seine Wunden versorgen und sein Fieber senken. Das reicht vielleicht für‘s erste.«

»Und was ist mit Naruto-kun? Was hat Orochimaru mit ihm gemacht?«, fragte Sakura besorgt. »Naruto war schon wieder so … anders. So kannte ich ihn gar nicht.«

Unter Mitos Anleitung schob sie Narutos Shirt nach oben und enthüllte ein enormes Siegel. Sakura wusste nicht viel über Siegel, ganz gleich, dass sie auch darin Klassenbeste gewesen war. Mito war die eigentliche Expertin. Aber Sakura brauchte nicht ihr enormes Wissen, um zu erkennen, dass das ein wahres Monster von Siegel war, das ihr da entgegen prangte.

»Der Anblick ist mir nicht neu. Wusste ich‘s doch«, sagte Mito und klang beinahe zufrieden. »Sakura-chan, dein Freund ist also Kyubis jinchūriki. Er hatte mich die ganze Zeit schon so sehr an Kushina erinnert und jetzt weiß ich auch, warum. Ich würde Kyubi ja wirklich gern einmal Hallo sagen.«

»Äh, Mito-hime …«

»Entschuldige bitte. Ich habe mich ein wenig gehen lassen. Also, was Orochimaru auf Naruto angewendet hat, ist das Gogyō Fūin. Es unterbindet seine Fähigkeit, auf das Chakra Kyubis zurückzugreifen. Das sollte er ohnehin von Anfang an nicht können. Über die Zeit hat das Siegel an Integrität verloren, es wurde schon lange nicht mehr erneuert. Na, na, Saru, das müsstest du doch besser wissen.«

»Und was machen wir jetzt? Kann man das wieder rückgängig machen?«

»Wie Tobirama zu sagen pflegte, lässt sich alles ungeschehen machen. Allerdings bist du noch nicht in der Lage, das Gogyō Kaiin anzuwenden, Liebes. Bis wir jemanden gefunden haben, der es beherrscht, wird Naruto damit leben müssen, dass er sein Chakra noch schlechter kontrollieren kann.«

Und darin war er von Anfang an nicht gut gewesen.

Mito erklärte ihr, wie sie am besten ihre beiden Kameraden versorgte. Sakura überraschte sich wieder einmal selbst, als sie feststellte, wie ruhig und gefasst sie arbeitete. Ja, das war etwas, das sie tun konnte. Vielleicht hatte Mito ja doch Recht, als sie vorgeschlagen hatte, Sakura solle eine medizinische Laufbahn einschlagen.

»Ich kenne Orochimaru«, sagte Mito irgendwann einmal.

Sakura merkte auf.

»Er war einst mit Tsuna-chan und Jiraiya Sarus Schüler«, fuhr Mito fort. »Ich hatte schon damals Saru gesagt, dass mir die Augen dieses Jungen nicht gefallen wollten und dass er auf ihn acht geben musste. Dennoch machten die drei sich später als Sannin einen Namen. Und jetzt das hier … Ich frage mich, wo Tsunade und Jiraiya in dem ganzen stehen.«

Sakura wollte den Gedanken nicht fortführen und Mito schien es ähnlich zu gehen.

Vorläufig blieb Sakura nichts anderes übrig, als sich um Naruto und Sasuke zu kümmern und zu hoffen, dass für sie drei die Prüfung hier nicht vorläufig zu Ende war. Als jedoch drei Oto-nin auftauchten, schien genau das der Fall zu sein … bis ausgerechnet Lee zur Rettung kam.

Es blieb jedoch nicht nur bei Lee, kurz darauf platzen auch Ino und ihre beiden Teamkameraden herein und auch Neji und Tenten stießen zu ihnen. Mit vereinten Kräften schafften sie es, die drei feindlichen Ninja zurückzudrängen, wenn auch nicht zu schlagen. Das vermochte erst Sasuke.

Plötzlich war er aus seiner Ohnmacht erwacht, als sei nie etwas gewesen. Es hätte Sakura gefreut, müsste sie nicht sehen, wie sein halber Körper mit der Zeichnung des Siegels bedeckt war. Und dann erst der Blick in seinen Augen. Er war auf Blut aus.

»Das ist nicht gut«, war alles, was Mito dazu sagte.

»Was mache ich jetzt?«, schniefte Sakura.

Viel gab es jedoch nicht, was sie tun konnte. Sasuke scherte sich nicht um die anderen und stampfte die Oto-nin mit links in den Boden. Es nagte an Sakura, dass sie sich schon wieder hatte retten lassen müssen, dass sie wieder nicht stark genug war. Was ihr jedoch mehr Angst machte, war Sasukes Anblick. Dieses Mal hielt sie die Tränen nicht zurück und dieses Mal schien es Sasuke wieder zur Vernunft zu bringen. Noch.

Sie verabschiedeten sich von ihren Kameraden aus Konoha und gingen wieder ihrer eigenen Wege. Noch immer fehlte ihnen die andere Schriftrolle und als die Tage ins Land gingen, wurden ihnen immer deutlicher klar, dass ihnen die Zeit davon lief. Bis plötzlich Kabuto bei ihnen auftauchte, dieser seltsame Kerl, der ihnen schon während der ersten Prüfung aufgefallen war.

Bei Sakura gingen sofort alle Alarmglocken an und Mito schien es nicht anders zu gehen. Sie jedenfalls drängte Sakura dazu, diesem Shinobi nicht zu trauen. Auch Sasuke schien misstrauisch zu werden, ganz gleich, dass Kabuto freundlich und hilfsbereit erschien. Dieses Mal war es jedoch Naruto, der erstaunliche Geistesgegenwart erwies, als auch er Kabuto abwies. Zumindest darin war sich Team 7 also einig. Kabuto redete sich den Mund fusselig, doch Team 7 zeigte sich nicht kooperativ.

Sie wurden mit den Ame-nin, die ihnen auflauerten, auch allein fertig. Ihr Lohn war die fehlende Himmelsschriftrolle.

Damit hatten sie es doch tatsächlich bis in die nächste Runde geschafft. Sasuke war positiv erstaunt, wie gut sie sich geschlagen hatten; er hatte anderes von seinen Teamkameraden erwartet. Nur Hashiramas permanentes Jammern über dieses elende Siegel ging ihm gehörig auf die Nerven.

»Du darfst dieses Siegel auf gar keinen Fall benutzen, hörst du, Sasuke-kun?«, drängte er ihn nicht zum ersten Mal. »Es ist durch und durch böse. Siegel waren nie meine primäre Stärke, auch wenn ich von Tobirama und Mito einiges gelernt habe. Ich kann von hier aus nicht viel machen. Andererseits, vielleicht mein Hokage-Shiki Jijun Jutsu …«

Die Sache wurde nicht gerade leichter zu ertragen, als auch noch Sakura und Naruto ihm deswegen auf die Nerven gingen, während Sasuke versuchte, dem zu folgen, was der Sandaime ihnen über die Vorentscheidung zur finalen Runde der Prüfungen sagte. Konnten sie ihn nicht einfach alle in Ruhe lassen? Er hatte es nun schon so weit geschafft, was ihn mit nicht gerade wenig Stolz erfüllte. Das war gut, sehr gut sogar, ganz unabhängig von diesem Zwischenfall mit Orochimaru.

Sasukes Vorfreude steigerte sich nur, als er gleich den ersten Kampf kämpfen durfte gegen einen gewissen Yoroi. Der Name sagte ihm nichts, aber das spielte auch keine Rolle. Zeit, seine wahre Stärke zu testen. Endlich!

Wäre der Umstand nicht, dass er sein Chakra nicht benutzen konnte. Kakashi hatte irgendwie Wind von diesem Siegel bekommen und wusste anscheinend, was es damit auf sich hatte. Die Frage, wie das sein konnte, verschob Sasuke auf später. Er konzentrierte sich auf seinen Gegner. Im Taijutsu war er immerhin ebenfalls nicht schlecht und er hatte sich da etwas von Lee abgeguckt.

Yoroi erwies sich als starker Gegner, umso stärker, da er diese Fähigkeit hatte, Sasukes Chakra zu absorbieren und Sasuke ihn nicht mit Ninjutsu auf Abstand halten konnte. Zeit für Lees Technik.

Doch mitten in der Luft überkam Sasuke eine Welle des Schmerzes. Er hatte doch sein Chakra nicht eingesetzt! Wieso aktivierte sich das Fluchmal schon wieder? Sein ganzer Körper war gelähmt vor Schmerzen. Das konnte nicht sein, nicht jetzt! Er war so nah dran an einem Sieg!

Mit einem Mal erfüllte ihn das Gefühl eines sanften Chakras, das ihn an einen sonnigen Sommertag und den Wind in den Bäumen erinnerte. Es fühlte sich irgendwie erdig an, sanft und wohltuend. Der Schmerz verschwand. Sasuke konnte seinen Gegner niederschmettern.

»Ha! Hat funktioniert«, rief Hashirama fröhlich aus.

Schwer atmend betrachtete Sasuke seinen Gegner, während sein Sieg ausgerufen wurde. »Warst du das? Was hast du gemacht?«

»Hokage-Shiki Jijun Jutsu – Kakuan Nitten Suishu ist die Technik, mit der ich Mito dabei helfen konnte, die Bijū einzufangen und Kyubi zu kontrollieren«, erklärte Hashirama. »Ich bin nicht mehr als ein Chakrageist, aber anscheinend tauge ich doch noch zu mehr, als armen Leuten die Reisschalen umzuwerfen, was Geister sonst zu tun pflegen. Viel war es nicht, nur ein lachhafter Bruchteil dessen, zu was ich zu Lebzeiten in der Lage war, aber es war genug. Was für ein Glück!«

Sasuke blickte auf, als Kakashi neben ihm auftauchte. Was wollte er hier?

Kakashi bestand entgegen Sasukes Willen darauf, ihn mit sich zu nehmen, um das Fluchmal zu versiegeln. Sasuke fragte sich, ob das überhaupt nötig war, wo doch Hashirama es anscheinend im Griff hatte. Aber als er protestierte, dass er die anderen Prüfungen sehen wollte, wollte Kakashi nichts davon wissen und bestand darauf, die Fluchversiegelung an ihm vorzunehmen.

Erst da merkte Sasuke, wie sehr all das wirklich an ihm gezehrt hatte. Schwäche überkam ihn mit einem Male und ihm fielen die Augen zu. Aber er hatte es bis ins Finale geschafft. Er war stark geworden.

Kakashi: "Oh, meine cute little Genin haben mal was gelernt und sind nicht mehr total nutzlos. Na sowas."
Nächstes Kapitel: canon divergence! Sasukes Kampf mit Gaara hat ein unerwartetes Ende. Ein wildes Tobirama taucht auf. Es ist sehr wütend.
CN Gewalt, Tod durch Enthauptung

Panik lähmte Sasuke. Voller Entsetzen starrte er auf das Ding, das ihm aus der Finsternis der Sandkugel entgegen starrte. Er zitterte am ganzen Leib wie Espenlaub. Seine Kehle war wie zugeschnürt, er konnte kaum atmen, obgleich er verzweifelt nach Luft schnappte.

»Welch Mordlust!«, keuchte Hashirama. »Sasuke-kun, das sind Shukaku und sein jinchūriki. Dagegen hast du keine Chance. Sieh zu, dass du hier wegkommst.«

Aber Sasuke konnte sich noch immer nicht rühren. Voller Entsetzen starrte er auf Gaara. Oder das, was einmal Gaara gewesen war. Es mochte noch seine Erscheinung tragen, aber das da war kein Mensch mehr. Unter der Hülle des Menschen lauerte ein Monster.

Die Sandkugel war in sich zusammengefallen und Gaara wand sich, als würde er große Schmerzen erleiden. Sasukes Training, das er im vergangenen Monat von Kakashi erhalten hatte, drängte ihn, jetzt anzugreifen. Das war seine Chance. Sein Gegner war abgelenkt und zeigte augenscheinlich einen Moment der Schwäche.

Seine Instinkte schrien aber nur eines: Gefahr! Gefahr! Gefahr! Renne! Renne! Renne!

Er hatte zu keinem von beidem die Gelegenheit, als eine gewaltige Explosion die gesamte Arena erschütterte. Aus dem Dorf waren panische Schreie zu vernehmen und dann explodierte etwas in der Kage-Lounge. Sasuke sah sich erschrocken um, hatte jedoch keinen blassen Schimmer, was da vor sich ging. Er sah Leute in den Zuschauerrängen umherrennen und von irgendwoher vernahm er das Klirren von Stahl auf Stahl. Es klang, als würde im Dorf gekämpft.

Da! Auf dem Wachturm! Etwas geschah da, aber Sasuke konnte nicht erkennen, was genau. Es war zu weit weg. Jemand schrie in Todesqualen.

Ein greller Schmerz explodierte in Sasukes Schädel. Er sackte in sich zusammen und krallte seine Finger in seinen Schädel, als könne er so den Schmerz greifen und ihn herausreißen. Alles war Schmerz, grell und blendend.

Sasuke rollte sich zu einem kleinen wimmernden Ball zusammen. Ihm war egal, wie unwürdig das vielleicht erscheinen mochte, in diesem Moment wollte er einfach nur dem Schmerz entkommen, der jede Faser seines Seins paralysiere.

»Sasuke!«, hörte er wie aus weiter Ferne Hashirama rufen. »Sasuke-kun, reiß dich zusammen!«

Sasuke grub als Antwort lediglich seine Finger fester in seinen Schädel. Alles war Schmerz.

»Sasuke, du wirst jetzt aufstehen und tun, was ich dir sage«, sagte Hashirama mit ungewohnter Autorität in der Stimme. Plötzlich schien es nicht mehr so unwahrscheinlich, dass er einst einen Clan durch einen Krieg geführt hatte und Konohas erster Hokage gewesen war.

Sasuke stellte fest, dass er mit einem Male den Schmerz meistern konnte. Er war noch immer fürchterlich, aber nicht mehr unerträglich und begann bereits abzuebben. Seine Brust fühlte sich wieder freier an, sodass er leichter atmen konnte. Er gönnte sich einen Moment, um mehrere tiefe Atemzüge zu nehmen. Rauch lag in der Luft.

Stöhnend kämpfte sich Sasuke wieder auf die Beine. Seine Glieder zitterten, doch er spürte, wie langsam wieder Kraft in sie kam.

»Was war das?«

»Jemand hat versucht, mich zu beschwören, ist aber gescheitert.« Hashirama klang so ungewohnt erbost.

»Wie soll das gehen? Alle anderen denken doch, du bist tot.«

»Ich kenne nur ein Jutsu, das dazu in der Lage ist, und das ist Edo Tensei. Aber ich weiß, dass Tobirama alles sicher weggeschlossen hatte, was er jemals dazu aufgeschrieben hatte, und an seinen Siegeln kommt niemand vorbei.«

Während Sasuke am Boden gelegen hatte, schien Gaara entkommen zu sein. Jedenfalls war jetzt keine Spur mehr von ihm zu sehen. In der Arena war Chaos ausgebrochen und von überall her waren die Geräusche von Kämpfen zu vernehmen. Auf dem Wachtturm war eine Barriere erschienen. Sasuke kniff die Augen zusammen, konnte jedoch nichts genaueres erkennen.

»Geh da hoch, aber halte sicheren Abstand«, befahl Hashirama.

Der Ton war wirklich ungewohnt.

Sasuke rappelte sich auf und machte sich auf den Weg. Die Situation war unübersichtlich und er hatte keine Ahnung, wo seine Freunde waren oder wie es ihnen ging. Wie es schien, hatte irgendwer ein Genjutsu über die meisten Besucher der Arena gelegt, denn viele von ihnen saßen zusammengesunken auf ihren Plätzen und schliefen. Dazwischen huschten immer wieder kämpfende Schemen entlang. Sasuke versuchte, sie so gut es ging zu vermeiden und Kämpfen bestmöglich aus dem Weg zu gehen.

Es hatte den Eindruck, dass irgendwer Konoha angriff und dabei die Chūnin-Prüfungen als Deckmantel benutzt hatte. Also genau das, was mit den Prüfungen überhaupt erst hatte vermieden werden sollen. Aber von wem die Aggression ausging, konnte Sasuke nicht sagen, die ganze Situation war zu unübersichtlich.

Als er die Dächer der Zuschauertribünen erklommen hatte, hatte er erstmals einen Überblick über einen Großteil des Dorfes.

»Ach du …«

Vor den Toren waren drei gigantische Schlangen aufgetaucht, groß genug, um selbst über die hohen Mauern Konohas aufzuragen. Sie hatten bereits eine Bresche in die Schutzanlagen geschlagen und waren nun dabei, das Dorf selbst anzugreifen und Verwüstung zu sähen. Die Verteidigung schien völlig überfordert mit der Situation.

Mit hämmernden Herzen riss sich Sasuke von den Anblick los und eilte weiter. Er konnte da ohnehin nichts ausrichten, er konnte froh sein, wenn er aus der Sache hier unbeschadet herauskam.

Als er sich der Barriere näherte, suchte er Deckung und schlich sich vorsichtig näher, bis er besser erkennen konnte, was da vor sich ging.

Sobald er die Schlangen gesehen hatte, hätte er es sich ja eigentlich schon denken können, wer hinter all dem zu stecken schien: Orochimaru. Er hatte den Hokage entführt und vier seiner, wie es schien, Untergebenen hatten die Barriere um die beiden errichtet, um die Anbu, die davor ausharrten, auszusperren und daran zu hindern, in die Sache einzugreifen. Jene vier hatten auch an den Innenseiten in ihren Ecken Barrieren errichtet, die verhinderten, dass irgendwer von innen an sie herankam.

Aber Orochimaru kämpfte nicht allein gegen Sarutobi.

»Diese Frechheit!«, empörte sich Hashirama. »Der Mistkerl hat meinen Bruder mit seinem eigenen Jutsu wiederbelebt und zwingt ihn, gegen seinen einstigen Schüler zu kämpfen!«

Und es sah zudem noch nicht einmal gut aus für Sarutobi. Er war ein alter Mann und dafür hielt er sich extrem gut, doch Sasuke hatte noch nie jemanden gesehen, der so schnell war wie Tobirama. Nicht einmal Kakashi würde da mithalten können. In einem Moment griff er aus einer Richtung an und im nächsten war er schon gänzlich woanders. Ganz zu schweigen von den enormen Wassermassen, die er beschworen hatte an einem Ort, wo nicht einmal Wasser war.

»Das ist Edo Tensei?«, hauchte Sasuke. »Und Nidaime-sama hat es erfunden?«

Es laut auszusprechen, machte es irgendwie nicht realer. Die Toten herbeizurufen und zu willenlosen Kampfmaschinen zu machen, war pervers.

Hashirama hüstelte. »Tobirama hatte manchmal etwas fragwürdige Moralvorstellungen. Aber sieh dort, bei Orochimaru.« Er machte ihn auf zwei weitere Särge aufmerksam, die Orochimaru beschworen hatten, an denen er jedoch gescheitert war. »Die waren wohl für mich und den Vierten bestimmt. Orochimaru kennt wirklich keine Scham.«

»Und was mache ich jetzt? Wie halten wir das Jutsu auf?« Zitternd verfolgte Sasuke den Kampf. Selbst sein Sharingan hatte Mühen, der hohen Geschwindigkeit zu folgen. Es war irrsinnig.

»Edo Tensei kann nur vom Anwender selbst aufgehalten werden oder indem der Beschworene versiegelt wird. Allerdings wird es schwierig werden, an Orochimaru heranzukommen, geschweige denn Tobirama. Sasuke-kun, such Leute vom Nara-Clan sowie Kakashi. Er soll ein paar Anbu sammeln, um ihn zu unterstützen. Schnell! Lange wird Saru nicht mehr gegen Tobirama ankommen.«

Sasuke rannte los. Er wusste, wo der Nara-Clan wohnte, und begab sich auf direktem Wege dorthin. Auf dem Weg dorthin erkläre Hashirama ihm seinen Plan.

»Und du denkst, ich schaffe das schon?« Sasuke war skeptisch.

»Mit Sicherheit! Vielleicht helfe ich ein bisschen nach.«

Das Dorf war in Aufruhr. Das Notfallprotokoll war aktiviert worden und verschiedene Shinobi waren nun mit der Aufgabe betraut, die Zivilisten in die Schutzräume zu geleiten, während der Rest die Verteidigung gegen die neuen Feinde übernahm. Sasuke sah zu, dass er Kämpfe vermied und den schnellsten Weg nahm. So konnte er jetzt am besten helfen.

Schnell war der Clanbereich der Nara gefunden. Das kleine Tor hing schief in den Angeln, also war jemand anscheinend Sasuke zuvor gekommen. Auch jenseits davon sah er Spuren der Kämpfe, sah jedoch nur gefallene Feinde. Die Nara hatten anscheinend kurzen Prozess mit den Eindringlingen gemacht.

»Sasuke-kun, was machst du hier?«

Als er sich umwandte, sah er sich Shikamaru gegenüber. »Ist dein Vater hier? Hokage-sama ist in Gefahr!«

»Ich hole Vater. Was können wir tun?«, fragte Shikamaru ruhig. Eine beneidenswerte Eigenschaft, selbst jetzt noch die Fassung zu wahren.

»Nehmt so viele mit, wie ihr zusammentrommeln könnt. Wir treffen uns beim Wachturm bei der Arena, ich erkläre es euch dann.«

»Und was machst du?«

»Noch mehr Verstärkung holen«, sagte Sasuke und war schon wieder auf dem Weg. Er meinte, Kakashis Chidori zuletzt in der Nähe der Arena gehört zu haben.

In Windeseile rannte er wieder zurück. Die Kämpfe hier waren besonders zahlreich, hier schien das Epizentrum des Angriffes zu sein. Sasuke sah verdächtig viele Suna-nin. Er fragte sich, was Suna damit bezwecken wollte und inwiefern Gaara eine Rolle darin gespielt hatte. Oder er selbst, wie er sich wunderte, als er daran dachte, dass Gaara während seines Trainings mit Kakashi aufgetaucht war. Ihm rann ein Schauer den Rücken hinab.

Wie er es vermutet hatte, fand er Kakashi Seite an Seite mit Gai bei der Arena, wie sie gerade kurzen Prozess mit einer Gruppe Gegner machten, die ihnen offenbar nicht gewachsen waren. Schlitternd kam Sasuke vor ihnen zum Stehen.

»Kakashi-sensei!«, keuchte er und deutete hoch auf die Barriere über ihren Köpfen. »Hokage-sama ist in Gefahr! Wir müssen ihm helfen, aber wir brauchen mehr Leute!«

»Ganz ruhig, Sasuke-kun«, mahnte Kakashi ihn. »Du kannst da überhaupt nichts ausrichten, du hältst dich besser zurück.«

Sasuke knirschte mit den Zähnen und ballte die Hände zu Fäusten. »Sie verstehen nicht! Orochimaru hat Nidaime-sama mit Edo Tensei wiederbelebt und zwingt ihn, für sich zu kämpfen!«

»Edo Tensei?«, wunderte sich Gai.

»Ein verbotenes Jutsu. Aber davon solltest du eigentlich gar nichts wissen, Sasuke-kun«, sagte Kakashi.

Eine maskierte Gestalt erschien plötzlich neben ihnen. Sasuke wollte schon aus einem Reflex heraus angreifen, bis er das Symbol von Konoha auf der Maske sah.

»Senpai!«

»Du kommst genau richtig, Tenzō«, begrüßte Kakashi den Neuankömmling. »Sind deine Teamkameraden in der Nähe?« Tenzō nickte. »Gut, ruf sie her, wir brauchen sie.«

Als Antwort schlug Tenzō die Hände zusammen und formte zwei Doppelgänger, die sogleich davon eilten. Sie waren von keiner Art, wie Sasuke sie jemals gesehen hatte. Oder zumindest hatte er noch nie davon gehört, dass man diese Art von Doppelgängern auch aus Holz erschaffen konnte.

Hashirama gab einen überraschten Laut von sich. »Das sind meine Holzdoppelgänger! Aber das kann nicht sein, nur ich beherrsche Mokuton.«

Kakashi und Gai schienen sich darüber jedenfalls nicht zu wundern. Gemeinsam mit diesem Tenzō begaben sie sich in Richtung der Barriere und schon kurz darauf stießen zwei weitere Anbu zu ihnen, geführt von Tenzōs Doppelgängern. Tenzō löste sein Jutsu auf. Sasuke folgte ihnen kurzerhand.

Vor der Barriere warteten bereits zwei weitere Anbu sowie die Nara, die Sasuke hierher gerufen hatte. Innerhalb der Barriere sah es mittlerweile schlecht aus für Sarutobi, er war längst ins Hintertreffen geraten.

»Durch die Shishienjin ist kein Durchkommen von außen«, informierte sie einer der Anbu, die hier bereits gewartet hatten.

»Doch, von unten«, widersprach Sasuke. So hatte es Hashirama es ihm jedenfalls erklärt. »Die Barriere schützt die Anwender nur von der Seite, nicht aber von oben oder unten.«

Der maskierte Mann wandte sich ihm zu. Hinter der Maske waren keine Emotionen zu erkennen.

»Na los, Sasuke-kun, überrasche deinen Sensei ein bisschen«, sagte Hashirama. »Ich helfe dir, so gut ich kann, sollte es nötig werden.«

Sasuke atmete tief durch und ging dann durch die Handzeichen für Chidori. Er hatte im Kampf mit Gaara schon so viel Chakra verbraucht, aber er musste das hier einfach schaffen. Zwitschernd manifestierte sich sein Chakra in seiner linken Hand. Dann schlug er sie auf die Dachschindeln unter seinen Füßen.

Er konnte Chidori lenken, oder jedenfalls war sich Hashirama sicher, dass er dazu in der Lage sein sollte. Auf diese Weise war er in der Lage, es wie einen Blitz durch die Struktur des Daches schneiden zu lassen, es verbrauchte jedoch eine enorme Menge Chakra. Sasuke glaubte beinahe, dass es zu viel war und er das Jutsu abbrechen musste, doch dann spürte er das erdige Chakra Hashiramas, als er ihm zu Hilfe kam, und der Blitz erreichte doch noch sein Ziel.

Er durchbohrte einen der vier Oto-nin und pfählte ihn, als er unter den Füßen des Mannes aus dem Boden herausbrach. Der Mann schrie zu gleichen Teilen erschrocken und schmerzvoll auf. Er löste sein Fingerzeichen. Im selben Augenblick flackerte die Barriere und löste sich dann auf, als eine ihrer vier Säulen zu Fall gebracht worden war. So hatte es Hashirama erklärt: Diese Formation konnte nur aufrecht erhalten werden, wenn vier Shinobi gleichzeitig zusammenarbeiteten. Sobald auch nur einer fiel, fiel auch die Barriere.

Das Wasser, das sie bis jetzt gehalten hatte, strömte mit einem Male über das Dach und riss alles mit sich, was ihm in den Weg kam. Wie ein gigantischer Wasserfall donnerte es das Gebäude hinab. Sasuke hörte Holz krachend zerbersten und spürte, wie die Struktur des Gebäudes unter seinen Füßen erbebte.

»Auf geht‘s, Nara!«, rief Shikaku. »Wir müssen schnell sein. Zuerst Nidaime-sama und wenn uns das nicht gelingt, dann Orochimaru!«

Sogleich aktivierten sie ihr Jutsu und versuchten, mit ihrer Schattenfessel Tobirama festzusetzen. Auch die Anbu sowie Kakashi und Gai gingen zum Angriff über, um die verbleibenden Oto-nin außer Gefecht zu setzen und Orochimaru zu stellen.

»Sehr gut gemacht, Sasuke-kun!«, rief Hashirama begeistert aus. »Jetzt zieh dich schnell zurück, du hast deine Arbeit hier erledigt. Es tut mir leid, dass ich dir nicht mehr helfen konnte.«

»Nicht mehr?«, wunderte sich Sasuke, während er Deckung suchte, von wo aus er den weiteren Verlauf des Kampfes verfolgten konnte. »Du hast die Stärke meines Chidro beinahe verdoppelt!«

»Ich sag doch, es war nur ein winziges bisschen.« Hashirama klang beinahe bedauernd.

Diese Senju waren auf einem völlig anderen Level. War der ganze Clan so absurd stark gewesen?

Als Sasuke meinte, genug Abstand zwischen sich und dem Geschehen gebracht zu haben, wartete er und beobachtete. So fanden ihn Sakura und Naruto.

»Sasuke-kun, dir geht‘s gut!«, rief Sakura erleichtert aus.

»Verschwindet von hier«, drängte Sasuke sie. »Hier ist es nicht sicher.«

»Du bist doch auch hier«, stellte Naruto störrisch fest.

»Das ist was anderes.«

Naruto und Sakura waren nicht überzeugt und blieben, wo sie waren. Gemeinsam verfolgten sie das Geschehen.

Die verbliebenen Oto-nin waren vergleichsweise rasch getötet, woraufhin die Anbu ihre Angriffe auf Orochimaru konzentrierten. Selbst mit Kakashis und Gais Hilfe machte er ihnen jedoch ordentlich zu schaffen. Indes versuchten die Nara, Tobirama zu fangen, aber selbst mit Sarutobis Unterstützung entkam er ihnen immer wieder innerhalb nur eines Augenblickes.

»Wie macht er das? Was ist das für ein Jutsu?«, fragte Sasuke verwundert. Er hatte so etwas noch nie gesehen.

»Hiraishin, noch eine von Tobiramas Erfindungen«, erklärte Hashirama. »Kage Bunshin, was Naruto so gerne anwendet, stammt auch aus seiner Feder.«

Was hatte dieser Kerl eigentlich nicht erfunden?

Sarutobi befahl den Nara etwas, woraufhin sie sich den Anbu anschlossen, um sie bei Orochimaru zu unterstützen, während er weiterhin Tobirama hinhielt. Anscheinend rechnete er sich die besseren Chancen aus, wenn sie sich auf den Anwender des Jutsus konzentrierten. War Tobirama wirklich stärker als Orochimaru? Dann erinnerte sich Sasuke an die Geschichte, die Hashirama ihm über die Dorfgründung erzählt hatte, und beantwortete sich seine Frage mit Ja.

Erst mit den Nara schafften sie es nach einem intensiven Schlagabtausch, Orochimarus Herr zu werden. Tenzō beschwor dicke Holzbalken hervor, die sich fest um Orochimaru schlangen und ihm die Bewegungsfreiheit nahmen. Auch die Nara fesselten ihn mit ihren Schatten und dann wandte Kakashi sein Sharingan auf ihn an.

Mit einem Male herrschte Grabesstille. Die ganze Szenerie erstarrte.

Tobirama blinzelte. Dann schüttelte er sich, wie um einen bösen Traum loszuwerden. Ein geradezu mörderischer Ausdruck trat auf sein Gesicht. Wenn Blicke töten könnten, dieser hier würde schneiden wie das schärfste Katana.

»Entschuldige bitte, Saru, dass ich dir solche Mühen gemacht habe«, sagte er dann doch erstaunlich gesittet.

Sarutobi fiel schwer atmend auf die Knie und fasste sich an die Brust. »Sensei …«

Tobirama wandte sich um, entriss dem erstbesten Anbu das Katana und schlug noch in derselben Bewegung Orochimaru den Kopf ab. Die Umstehenden starrten ihn groß an. Als die Nara und Tenzō ihre Jutsu auflösten, fiel Orochimarus Leiche zu Boden. Tobirama achtete nicht weiter auf die anderen und verpasste dem leblosen Körper einen Tritt.

»Du Scheißkerl!«, knurrte er. »Diese Frechheit und dann auch noch mit meinem eigenen Jutsu!«

»Oh. Otōto ist wütend«, stellte Hashirama trocken fest.

»Ach nee«, erwiderte Sasuke und packte allen Sarkasmus in seine Stimme, zu dem er fähig war.

»Er ist wirklich wütend«, betonte Hashirama. »Sonst lässt er sich nie so gehen.«

Mit Orochimarus Tod schien die Sache jedoch geklärt zu sein. Anscheinend hatte Edo Tensei auch über das Ableben seines Anwenders hinaus Bestand, aber Tobirama schien zumindest wieder Herr seiner selbst zu sein. Nicht auszudenken, welch verheerenden Schaden Orochimaru ansonsten mit ihm hätte anstellen können. Nicht einmal Sarutobi hätte ihn viel länger hinhalten können. Mittlerweile war Tenzō an seiner Seite und kümmerte sich um seine Verletzungen.

Sasuke hielt es dennoch für eine gute Idee, vorläufig einen gewissen Sicherheitsabstand einzuhalten. Naruto sah das anscheinend anders.

»Sensei!«, brüllte er und rannte aus ihrem Versteck. »Geht‘s Ihnen gut?!«

Sasuke verdrehte die Augen und folgte ihm zusammen mit Sakura gesitteter.

Im Dorf ebbten die Kämpfe allmählich ab. Die gigantischen Schlangen waren besiegt worden, unter einer ebenso gigantischen Kröte begraben. Sasuke fragte sich gar nicht erst, wo die auf einmal hergekommen war. Die Verteidigung Konohas hatte indes ebenfalls die Oberhand gewinnen können und trieb die letzten feindlichen Einheiten zurück.

Kakashi trat vor seine Genin, während er sein Stirnband wieder richtete. Es bereitete Sasuke noch immer Unbehagen zu wissen, dass Kakashi ein Sharingan besaß, ganz gleich wie oft er betonte, dass es ihm freiwillig gegeben worden war. Eine leise Stimme in Sasuke wisperte dennoch Augendieb. Das schlimmste Verbrechen unter Uchiha.

»Das hast du gut gemacht, Sasuke-kun«, sagte Kakashi. »Überraschend gut sogar. So gut, dass ich mich frage, woher du das alles wusstest.«

Sogleich fielen Sasuke tausend Dinge ein, die er sagen könnte, die aber doch nicht der Wahrheit entsprachen. Jedes davon klang unglaubwürdig. Aber die Wahrheit konnte er auch nicht sagen.

»Sasuke-kun, ich würde liebend gern mit meinem Bruder reden«, sagte Hashirama.

»Aber …«, begann Sasuke und unterbrach sich dann doch selbst. Er sah zu Tobirama, der vor Sarutobi kniete und Tenzō zur Hand ging, Sarutobis schlimmste Verletzungen notdürftig zu versorgen. Dann blickte Sasuke wieder zurück zu Kakashi. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass dessen Sharingan sich selbst durch den Stoff hindurch direkt in sein Hirn bohrte. Vielleicht … Wenn er es einem sagen konnte, dann vielleicht seinem Sensei. Er hätte es präferiert, wenn sie dabei allein waren, aber die Dinge waren nun einmal, wie sie waren.

»Sensei …« Sasuke räusperte sich und begann noch einmal von vorn. »Sensei, was wäre, wenn ich sage, dass ich den Geist von Shodai Hokage in mir trage? Er hat mir all diese Dinge gesagt und mir geholfen, die Barriere mit Chidori zu durchdringen.«

Kakashi schwieg. Sein Blick war undeutbar.

»Sie haben sich doch gefragt, woher ich von Edo Tensei wusste«, fuhr Sasuke fort. »Er hat‘s mir gesagt. Er hat mir auch ein paar andere Sachen beigebracht. Das Wasserlaufen zum Beispiel.«

Kakashi blinzelte, erst einmal, dann zweimal. »Und da hab ich gedacht, dass ihr euch einmal zusammengerauft und zusammen auf eigene Faust gelernt habt.«

»Ehh, was?«, rief Naruto aus. »Was soll das heißen, Sasuke?! Ich hab die ganze Zeit stumm Madara-jiji ertragen und jetzt sagst du mir, dass du auch so einen lästigen alten Kerl erwischt hast?«

Doch noch bevor Sasuke überhaupt verarbeiten konnte, was Naruto ihnen da gerade eröffnet hatte, brach Sakura in schallendes Gelächter aus. Sie hielt sich den Bauch und schnaubte. »Das gibt‘s doch nicht! Und die ganze Zeit über dachte ich, ich wäre mit Mito-hime allein!«

Kakashi entglitten die Gesichtszüge. »Ihr verarscht mich doch.«

»Ganz bestimmt nicht, sensei!«, betonte Naruto. »Ich schlage mich seit Wochen schon mit diesem nervigen alten Kerl herum, so etwas denke ich mir doch nicht aus. Und außerdem, ahem. Nun, die erste Prüfung hätte ich nie allein bestehen können.«

Damit war zumindest dieses Rätsel gelöst. Es war Sasuke von Anfang an verdächtig erschienen, wie Naruto so gut hatte bestehen können.

Mit einem Male lachte auch Hashirama. »Mito! Madara! Ich fass es nicht! Keine Ahnung, was da schief gelaufen ist. Aber das ist ja ein Ding! Ich wünschte, ich könnte irgendwie mit ihnen reden.«

Mittlerweile hatte auch Tobirama mitbekommen, was hier besprochen wurde. Stumm sah er zu ihnen. Dann stand er plötzlich auf, ging direkt zu Sasuke, packte sein Gesicht und musterte ihn eindringlich. Sasuke wünschte sich möglichst schnell möglichst weit weg.

»Grüß ihn von mir!«, drängte Hashirama aufgeregt.

»Hashirama sagt hallo«, nuschelte Sasuke zwischen zusammengepressten Wangen.

Tobirama kniff die Augen zusammen, was ihn noch missmutiger erscheinen ließ. »Anija, ich kann dich wirklich im Chakra dieses Jungen spüren, schwach aber unverkennbar.« Er ließ von Sasuke ab. Sasuke atmete auf. »Wie konnte das passieren? Was hat das hier zu bedeuten?«

Indes hatte Sarutobi etwas von seiner Stärke wiedererlangt und er kämpfte sich auf die Beine. Humpelnd kam er zu ihnen. »Sensei, ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Und deinem Blick nach zu urteilen, hörst du gerade auch das erste Mal davon, Kakashi.«

Kakashi war kreidebleich im Gesicht geworden und nickte nur schwach.

Sarutobi atmete tief durch. »Ich schlage vor, wir begeben uns in mein Büro und besprechen das alles in Ruhe, wenn ich das ganze Chaos hier aufgeräumt habe. Und das auf meine alten Tage …«

Nächstes Kapitel: Tobirama ist noch wütender und absolut keiner will ihm da im Weg stehen.

Kakashi: " ...... Never mind. Ich hab nix gesagt."

Tobirama killcount: 1

CN Gewalt, Blut, Mord (Tobirama ist seeeeehr wütend), Erwähnung von Verlust von Angehörigen, Erwähnung von Mord

Einige Zeit später fanden sie sich alle im Büro des Hokage ein. Tobirama hatte sie mit Hiraishin hierher gebracht, weil er laufen anscheinend als unter seiner Würde erachtete. Naruto war speiübel geworden und prompt hatte er ihnen allen vor die Füße gekotzt. Zumindest schien es Sasuke und Sakura nicht besser zu ergehen.

»Ich will eine Gehaltserhöhung«, sagte Kakashi. »Das stand nicht in der Jobbeschreibung.«

»Genehmigt«, sagte Sarutobi, ohne länger darüber nachzudenken.

Er hatte sich an seinen Schreibtisch gesetzt und sich dahinter verbarrikadiert, als sei es eine Festung. Er rauchte bereits die zweite Pfeife.

»Ich habe keine Ahnung, wo wir hier anfangen sollen«, eröffnete er dann.

Naruto spürte Tobiramas Blick im Kreuz, als wolle er ihn allein damit aufspießen. Der alte Mann war echt unheimlich. Er hatte ihn kämpfen sehen, er hatte Sarutobi beinahe mit links in den Boden gestampft. Und dann hatte Madara auch noch gesagt, dass das nicht das volle Ausmaß seiner Fähigkeiten sei, dass er von Edo Tensei zurückgehalten wurde.

Tote sollten tot bleiben und erst recht keine nervigen Stimmen in seinem Kopf sein, beschloss Naruto.

Die Information, dass er Madara erwischt hatte, schien allen Anwesenden einiges Unbehagen zu bereiten. Dabei waren nicht einmal sie es, die die ganze Zeit zwei sich streitende Stimmen im Kopf hatten. Naruto fand, dass er hier definitiv den kürzeren gezogen hatte. Ein klein wenig war er ja schon neidisch auf Sakura.

»Seit wann geht das schon so?«, brach Tobirama schließlich die Stille.

»Ich hasse ihn«, grummelte Madara nicht zum ersten Mal.

Naruto beschloss, ihn zu ignorieren, nahm all seinen Mut zusammen und antwortete dann: »Zwei Monate ungefähr. Wir kamen von unserer ersten richtigen Mission wieder, die ging etwas schief. Da fing ich plötzlich an, eine Stimme zu hören. Ich dachte erst, das sei nur eine Nachwirkung des Stresses. Aber leider nicht. Der alte Mann nervt.«

Ihm lag es schon auf der Zunge, zu erwähnen, dass seine Streits mit Kyubi besonders lästig waren, aber dann hielt er sich zurück. Er hatte noch nie gute Erfahrungen gemacht, wenn das Fuchsmonster erwähnt wurde.

Tobirama wandte seinen Blick Sasuke und Sakura zu. Diese nickten und berichteten, dass es bei ihnen ähnlich war.

»Sensei, denken Sie, dass ein Zusammenhang bestehen könnte?«, fragte Sarutobi.

Tobirama betrachtete die Kinder nachdenklich. »Eventuell. Auch wenn ich nicht denke, dass es die Ursache ist, höchstens ein Auslöser.«

Naruto deutete auf sich. »Wie werd ich den jetzt wieder los?«

Sakura hob die Hand, als wolle sie etwas sagen. Sarutobi bedeutete ihr, fortzufahren. »Nidaime-sama, Mito-hime schlägt vor, dass Sie ein Blick auf Narutos Siegel werfen.«

Sasuke fasste sich in den Nacken und machte ein besonders finsteres Gesicht.

»Sasuke hat von Orochimaru ebenfalls ein Fluchmal bekommen, das sollte vielleicht auch noch einmal von einem Experten geprüft werden«, sagte Kakashi daraufhin.

Sasuke sah ihn giftig an.

Tobirama wirkte ebenfalls nicht allzu glücklich. »Zuerst der jinchūriki.«

Naruto fragte gar nicht erst, woher er das wusste.

»Er ist ein Sensor, natürlich weiß er, dass Kyubi in dir versiegelt ist«, sagte Madara.

Tobirama kniete vor Naruto. »Zeig her.«

Der alte Mann hätte auch etwas netter fragen können. Eigentlich erschien er gar nicht so alt, aber sein weißes Haar und die unheimlichen roten Augen ließen ihn älter erscheinen, als er vielleicht war. Zu Lebzeiten jedenfalls. Edo Tensei war ein unheimliches Jutsu.

Dennoch hob Naruto gehorsam sein Shirt. Tobirama stupste ihn mit einem Finger an, was kitzelte, weil er es mit Chakra tat. Das sorgte jedoch dafür, dass das Siegel sichtbar wurde. Sasuke beugte sich vor und machte große Augen, als er es das erste Mal sah. Sakura wirkte weniger verwundert.

»Uzumaki-Handwerk«, stellte Tobirama fest. »Hastig, aber doch sauber ausgeführt. Jemand hat aber doch eine kleine Abänderung vorgenommen, als das Siegel erstellt wurde.«

»Das war Namikaze Minato, der Yondaime Hokage«, erklärte Sarutobi. »Ah, das ist eine lange Geschichte, aber vielleicht ist ja jetzt die Zeit dafür.«

»Gleich«, widersprach Tobirama. »Noch jemand hat kürzlich an dem Siegel herumgepfuscht. Wer war das?«

»Orochimaru hatte die Prüfungen infiltriert, Sasuke ein Fluchmal gegeben und auf Naruto ein Gogyō Fūin angewandt«, erklärte Sarutobi. »Jiraiya hatte es dann wieder mit einem Gogyō Kaiin entfernt.«

»Er wollte mir zeigen, wie ich das Chakra vom Fuchs benutzen kann, aber das wusste ich schon«, sagte Naruto mit einem breiten Grinsen.

»Stümper«, grummelte Tobirama. Ohne Vorwarnung rammte er seine Finger samt Chakra in Narutos Eingeweide und fand sich auf einmal in seinem Unterbewusstsein wieder.

Na wunderbar! Ließ denn wirklich niemand hier Naruto in Ruhe? Er wollte auch noch eine Privatsphäre haben!

»Verzieh dich, weißhaariger Bastard«, knurrte Madara Tobirama an.

»Schön hast du‘s hier, Uchiha-Missgeburt. Genau der richtige Ort für dich«, giftete Tobirama zurück.

Hinter seinem Tor knurrte Kyubi. »Jetzt du auch noch! Wenn du dieses Tor auch nur anrührst, dann …!«

»Dann was, Flohteppich?« Tobirama verschränkte die Arme vor der Brust. »Du kannst eh nicht viel machen. Ganz offensichtlich hast du versucht, das Siegel zu schwächen. Minato hatte es abgeändert, weil er wohl dachte, diese winzige Lücke würde Naruto schützen und die Haltbarkeit des Siegels verlängern, aber das hast du für dich genutzt.«

»Was willst du tun? Mich wieder gänzlich wegschließen, wie es Mito getan hatte?«, spottete Kyubi. »In diesem Konoha gibt es niemanden mehr, der die nötigen Erneuerungen an dem Siegel vornehmen kann, um die erhöhte Stabilität auch über lange Zeit zu erhalten. Die einzigen, die dazu in der Lage sind, sind tot, wie schade.«

»Ich will ja nicht sagen, dass das Vieh recht hat, aber …«, warf Madara gespielt lässig ein.

Tobirama sah ihn misstrauisch an. »Was führst du im Schilde?«

Madara breitete die Arme aus. »Sieh mich an, was soll ich schon ausrichten? Es ist erniedrigend, das so auszusprechen, aber ich bin nur noch ein winziges Häufchen Chakra.«

Tobirama musterte ihn von oben bis unten und schien einige Schadenfreude aus dem Anblick zu ziehen.

»Lüg nicht, dein Sharingan hat immer noch Einfluss auf mich!«, fauchte Kyubi.

Sofort war Tobiramas Misstrauen wieder da.

Madara zuckte mit den Schultern. »Nur kleine Spielereien, mehr nicht. Ich kann Kyubi zu nichts zwingen, zu was er gegenwärtig nicht selbst in der Lage ist. Ich hab es nur genutzt, um Naruto den Umgang mit dem Bijū-Chakra beizubringen.«

»Echt jetzt!«, warf Naruto ein. »Ero-sennin Jiraiya hat so dumm geguckt, als ich gleich beim ersten Mal Gamabunta beschworen hab, das war super!«

Tobirama seufzte und wünschte sich ganz eindeutig an einen anderen Ort. »Als du das letzte Mal Kyubi in den Händen hattest, hattest du nichts Gutes im Schilde geführt, und jetzt soll ich dir glauben, dass du aus reiner Nächstenliebe dem Bengel geholfen hast?«

»Wer spricht hier von Nächstenliebe? Ich wollte Kyubi ärgern. Hat definitiv funktioniert.«

Tobirama brummte. »Das klingt schon eher nach dir.«

Kyubi knurrte.

»Na schön«, sagte Tobirama nach einem Moment des Nachdenkens. »Ich erneuere das Siegel, belasse es aber so, wie Minato es verändert hatte. Und Uchiha, ich sag dir, wenn du auch nur an etwas Dummes denkst, werf ich dich eigenhändig zu Kyubi.«

Naruto stöhnte. »Nein, dann streiten die sich bis zum Ende aller Tage!«

Viel mehr konnte er jedoch nicht protestieren, als Tobirama bereits mit seiner Arbeit begann. Mit Chakra malte er verschlungene Muster in die Luft, die ein hochkomplexes Siegel bildeten. Dieses presste er dann auf das Tor, hinter dem Kyubi auf sie lauerte. Ein eiskalter Schauer rann Naruto den Rücken hinab und er begann zu bibbern. Kyubi knurrte sie an.

»Arbeit erledigt, zieh ab«, grummelte Madara.

»Mit Vergnügen«, fauchte Tobirama.

Naruto fragte sich, warum die beiden sich absolut gar nicht leiden konnten.

Tobirama ließ von Naruto ab. Naruto zog sich das Shirt wieder zurecht und rieb sich fröstelnd die Arme. Er bemerkte, wie Kakashi sie mit seinem Sharingan beobachtet hatte.

»Nidaime-sama, darf ich fragen, was Sie genau gemacht haben?«, wollte er wissen.

Tobirama richtete sich wieder auf. »Für die Details fragst du besser Mito, die Acht Trigramme sind ihr Siegel. Vereinfacht gesagt habe ich es von innen heraus gestärkt, statt da von außen heranzugehen, wie man es sonst bei Siegeln tut. Dieses ist groß und komplex genug, dass das nötig ist, um wirklich effektiv darauf einzuwirken.«

Kakashi gab einen anerkennenden Laut von sich. »Ich habe immer mehr Respekt vor Minato-sensei, dass er dieses Siegel in dieser Situation so ausführen konnte.«

Tobirama wandte sich Sasuke zu. Dieser sah finster zu ihm auf. Tobirama erwiderte den Blick ebenso und am Ende gab Sasuke kleinbei und zeigte ihm sein Fluchmal und dessen Versiegelung, die Kakashi vorgenommen hatte.

Dieses Mal warf Tobirama nur einen kurzen Blick darauf. »Wer hat denn den Mist verzapft? Ein Ten no Juin mit Fūja Hōin versiegeln wollen und dann auch noch an einem Uchiha? Das ist dazu bestimmt zu scheitern.«

Sasuke schmollte.

Kakashi hüstelte verlegen. »Das war wohl ich. Es ist nun einmal die Standardmethode und ganz ehrlich gesagt bin ich auch nicht zu mehr in der Lage.«

Tobirama strafte ihn mit einem Blick ab und machte sich dann an Sasukes Mal zu schaffen.

Madara äffte Tobirama nach. »Der feine Herr weiß auch alles besser. Arroganter Sack.«

»Du lässt echt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, wie furchtbar du Nidaime-jiji findest«, stellte Naruto fest.

»Weil das der Bastard ist, der meinen Bruder abgeschlachtet hat!«, fauchte Madara. »Ausgeweidet wie ein Tier hat er Izuna und es noch nicht einmal bedauert! Izunas Mangekyō hatte ihn halb blind werden lassen, aber Tobirama hatte nicht einen Gedanken an einen fairen Kampf verschwendet, anders als Hashirama und ich. Er hat die erstbeste Gelegenheit gesehen und Izuna kaltblütig ermordet.«

Naruto erschauderte ob der plötzlichen Mordlust in Madaras Stimme. Mit so einer Antwort hatte er nicht gerechnet.

Tobirama schien sich entschieden zu haben, was er mit dem Mal machte. Er rollte seinen Ärmel hoch, was eine Tätowierung mit roter Tinte enthüllte. Diese entpuppte sich als Siegel, in dem er eine Schriftrolle versiegelt hatte. So langsam begriff Naruto doch den Nutzen von Siegeln.

»Achtung, das wird jetzt wehtun.«

Mehr Warnung erhielt Sasuke nicht. Tobirama öffnete die Schriftrolle, auf der noch mehr Siegel geschrieben waren, und formte ein Fingerzeichen. Im gleichen Moment begann die Zeichnung in Sasukes Nacken in einem zornigen Rot aufzuglühen und Sasuke schrie schmerzvoll auf. Es sah aus, als würde etwas aus den tomoe herausgezogen werden und in die Schriftrolle fließen. Das ganze dauerte nur wenige Augenblicke, dennoch atmete Sasuke am Ende schwer und schien einige Augenblicke zu brauchen, um sich von der Behandlung zu erholen. Das Zeichen auf seinem Nacken war verschwunden.

Mit einem Puff versiegelte sich die Rolle wieder. Tobirama hob sie auf. »Hat Orochimaru noch anderen Leuten ein Ten no Juin geben?«

»Aus Konoha weiß ich nur von Anko«, sagte Sarutobi. »Ich nehme an, seine Untergebenen könnten ebenfalls ein solches Mal tragen.«

»Die könnten ein Problem werden. Aber Anko schicke zu mir«, wies Tobirama ihn an.

»Das werde ich tun. Sensei, warum sehen Sie das Mal als solches Problem an?«

»In dem Siegel war ein winziger Rest von Orochimaru verblieben. Jede Spur von ihm muss ausgelöscht werden, ansonsten könnte es genutzt werden, um seinen Tod ungeschehen zu machen.«

Sarutobi nickte. »Ich verstehe. Und was diese andere Sache angeht …« Er deutete auf die drei Genin.

Dieses Mal wandte sich Tobirama Sakura zu und betrachtete sie nachdenklich. Wieso bekam sie nicht auch einen seiner finsteren Blicke, das war unfair. »Tja, was soll ich sagen. Auf die Schnelle habe ich auch keine Lösung dafür. Mito-kun, wenn du irgendeine Idee hast, dann lass es mich wissen.«

»Sie sagt, dass sie genauso ahnungslos ist«, richtete Sakura aus.

Madara lachte schadenfroh. »Schau ihn dir an, der ach so clevere Tobirama hat keinen blassen Schimmer.«

»Als würde es dir da anders ergehen«, konterte Kyubi.

»Immerhin stelle ich mich nicht hin und lasse alle arrogant wissen, dass ich mich für etwas besseres halte«, knurrte Madara.

Naruto versuchte mit wenig Erfolg, sie zu ignorieren.

»Zumindest kann ich sagen, dass Madara in seinem gegenwärtigen Zustand keine nicht händelbare Gefahr darstellt«, fügte Tobirama an.

Ein erleichtertes Seufze ging durch den Raum. Naruto konnte Madaras wachsenden Ärger spüren.

»Arrogantes Arschloch. Ich bring ihn um. Ich weide ihn aus und hänge ihn an seinen eigenen Gedärmen auf«, knurrte Madara.

Naruto beschloss, sich zumindest eine kleine Rache zu gönnen. »Sicher? Gerade schimpft Madara-jiji, dass er Sie umbringen will, Nidaime-jiji.«

Tobirama sah ihn finster an, packte ihn dann am Kragen und hob ihn hoch. Naruto zappelte und protestierte, konnte sich aber nicht aus Tobiramas Griff befreien.

»Du nennst mich gefälligst Nidaime-sama, verstanden?« Ohne auf eine Antwort zu warten, ließ Tobirama Naruto wieder los, der verdattert auf seinem Hintern landete.

Sarutobi fasste sich an den Kopf. »Oh, Naruto.«

»Nenn ihn weiter einen alten Mann«, verlangte Madara mit einem schadenfrohen Lachen.

»Hashirama fragt, was genau Madara gesagt hat«, sagte Sasuke.

Naruto kratzte sich am Kopf. »Äh, er meinte, er wolle ihn ausweiden und an seinen eigenen Gedärmen aufhängen.«

Sasuke atmete durch. »Angeblich bedeutete das, dass er es nicht ernst meint, weil er es ansonsten einfach tun würde, statt es groß anzukündigen«, informierte er sie, was ihm wohl gerade Hashirama ausgerichtet hatte.

»Hör nicht auf Hashirama, der redet ständig Unfug.« Madara klang beleidigt.

Tobirama betrachtete die beiden Jungen stumm und mit undeutbaren Gesichtsausdruck. Er wirkte unzufrieden, aber das schien er ohnehin immer zu sein. Dann wandte er sich wieder an Sarutobi. »Saru, du wolltest vorhin noch etwas anderes sagen.«

Sarutobi lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm einen tiefen Zug an seiner Pfeife. »Naruto, Sasuke, ihr verdient es, die ganze Wahrheit zu erfahren. Und …« Er räusperte sich. »Und ich fürchte, als Hokage habe ich mich nicht sonderlich gut geschlagen, sensei.«

Tobirama verschränkte nur wortlos die Arme vor der Brust.

Sarutobi senkte unter seinem Blick die Augen und schien die Maserung seines Tisches mit einem Mal ausgesprochen spannend zu finden. Naruto hatte noch nie erlebt, dass der alte Mann vor irgendwem kuschte.

»Der hat ja ordentlich Muffensausen«, stellte Madara fest. »Tobirama hat ihn immer noch in der Hand.«

»Kakashi, sei so gut und schicke Koharu und Homura her«, bat Hiruzen. »Und wenn Danzō sich hier irgendwo herumtreibt, soll er ebenfalls kommen.«

»Wird erledigt.« Kakashi nickte und ging.

Tobirama hob fragend eine Augenbraue. »Was ist mit Torifu und Kagami?«

»Das ist eine andere Geschichte, aber eine, die vielleicht auch erzählt werden sollte. Irgendwie hängt ja doch alles zusammen.« Sarutobi lehnte sich zurück. Seine Schultern sackten herab und er sah zu Naruto. »Vor zwölf Jahren griff Kyubi das Dorf an, und wie bekannt ist, ließ Minato dabei sein Leben, nachdem er nicht einmal ein Jahr lang Hokage gewesen war. Ich war eigentlich aufgrund meines Alters zu seinen Gunsten zurückgetreten, übernahm dann aber wieder.«

»Es hätte eine Wahl geben sollen. Warum gab es keine?«, verlangte Tobirama zu wissen.

»Ja, da fängt mein Versagen bereits an«, sagte Sarutobi leise und wich Tobiramas Blick aus. »Ich weiß, dass Sie mich damals nur vorübergehend ernannt hatten, bis es eine Wahl hätte geben können, um Konoha mitten im Krieg nicht zu destabilisieren. Aber … es kam nie dazu.«

»Oh, die Geschichte will ich hören, wer es geschafft hat, Tobirama umzulegen!«, kommentierte Madara schadenfroh.

»Sei still! Ich will hören, was der alte Mann zu sagen hat«, maulte Naruto.

In diesem Moment kam Kakashi mit den zwei Ältesten wieder. Naruto verzog das Gesicht. Er mochte die Alten nicht. Als die beiden Tobirama sahen, wirkten sie erstaunt.

»Sensei, was für eine Überraschung«, stellte Koharu fest.

»So wie sich dein Chakra anfühlt, wohl keine angenehme«, sagte Tobirama düster.

»Ich bin nur erstaunt, dass Edo Tensei nicht endete mit Orochimarus Tod. Oder ist er etwa nicht tot?«, fragte Koharu.

Die Luft war so dick, man konnte sie beinahe mit einem Messer schneiden. Selbst Kakashi wirkte, als wolle er hier nicht zwischen die Fronten geraten. Etwas ging hier vor sich.

»Oh, er ist mit Sicherheit tot, nur bedeutet das nicht automatisch, dass das Jutsu endet. Dafür sorge ich schon selbst, wenn ich die Zeit für angemessen erachte«, versicherte Tobirama ihnen.

Irgendwie schien es Koharu und Homura zu beunruhigen, als sie das hörten. Sie tauschten stumme Blicke.

»Vorher jedoch«, fuhr Tobirama fort, »gibt es einige Fragen zu beantworten. Allen voran: Wie geht es Torifu und warum kann ich weder Kagami noch Danzō erspüren?«

»Kagami ist tot«, sagte Sarutobi leise. »Er hatte einen Enkel, Shisui, aber …«

Tobirama sah zu Sasuke. »Saru, du wirst mir erklären, warum dieser Junge der einzige Uchiha im Dorf ist. Du wirst mir alles erklären, und vor allem wirst du mir sagen, wie es sein kann, dass ich ein Mokuton im Dorf spüre.«

»Dies alles sind Informationen, die unter höchstem Sicherheitsverschluss stehen«, gab Homura zu bedenken. »Sensei, mit Verlaub, aber Sie sind eigentlich tot. Sie können hier nicht einfach hereinspazieren und nach diesen Dingen fragen, als stünde es Ihnen zu.«

»Verrat. Das alles stinkt nach Verrat«, knurrte Madara. »Was haben diese alten Säcke mit dem Dorf angestellt?«

»Du wagst es?«, zischte Tobirama mit einer Stimme scharf wie eine Klinge. »Ich war einmal Hokage und dieses Amt endet nicht mit dem Tod, wie du eigentlich wissen müsstest.«

»Hä? Tut es nicht?«, wunderte sich Naruto.

»Eine Lücke im Gesetz«, erklärte Madara. »Mito hatte irgendwann einmal festgestellt, dass wir das übersehen hatten, aber dann hatten wir beschlossen, dass es eigentlich auch keine Rolle spielt. Spielen sollte, Tobirama experimentiert zu gern mit Leichen. Der Bastard.«

»Ich hebe die Informationssperre auf«, sagte Sarutobi und ignorierte die Proteste Koharus und Homuras. »Es ist Zeit, dass die Wahrheit endlich ausgesprochen wird und über die Verantwortlichen gerichtet wird. Was Danzō betrifft, so weiß ich nicht, wo er gerade ist. Aber er hat sich … verändert seit damals und vielleicht nicht zum Guten. Und Torifu, nun. Er will mit uns nichts mehr zu schaffen haben.«

Sarutobi beugte sich vor und legte die Fingerspitzen aneinander. »Naruto, du weißt, dass du an dem Tag geboren wurdest, als Kyubi das Dorf angriff und dass der Bijū in dir versiegelt wurde. Was du noch nicht weißt, ist, dass Kushina und Minato deine Eltern waren.«

Mit einem Mal hielt die Welt den Atem an. Naruto starrte den alten Mann an. Er konnte nicht begreifen, was er da hörte. Seine Eltern … Er hatte Eltern.

Doch dann breitete sich nach und nach ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus. »Meine Eltern sind Helden, ich wusste es schon immer! Echt jetzt!«, rief er aus.

»Du wusstest das, Kyubi«, beschuldigte Madara den Fuchsgeist.

»Natürlich. Sie starben auf meinen Klauen. Ich habe die Eltern des Jungen getötet, in dem ich jetzt versiegelt bin«, sagte Kyubi lässig. »Aber wie ich schon sagte, es ist viel zu amüsant, euch kleine Würmer im Dunkeln herumirren zu lassen. Der Alte soll nur weiter erzählen, das war noch nicht alles.«

»Das Siegel brach bei der Geburt, deswegen war Kyubi überhaupt frei«, ergriff mit einem Male Sakura das Wort. Als sie bemerkte, dass alle zu ihr blickten, wurde sie knallrot im Gesicht. »Das vermutet Mito-hime jedenfalls.«

Sarutobi nickte. »Wir wussten von Mito-hime, dass das passieren konnte, und hatten entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen, oder so dachten wir jedenfalls. Das Siegel hielt, war jedoch geschwächt. Dies nutzte jedoch ein maskierter Mann für seinen Überfall. Er entführte Kushina, entriss ihr Kyubi und brachte ihn unter seine Kontrolle. Später kamen Gerüchte auf, es hätte sich bei dem Mann um einen Uchiha gehandelt.«

Madara war verdächtig still daraufhin. Auch Kyubi sagte nichts.

»Minato kämpfte gegen ihn, konnte ihn jedoch nur in die Flucht schlagen und versiegelte dann zusammen mit Kushina den Kyubi in Naruto, seinem Sohn«, fuhr Sarutobi fort. »Ich versuchte die Beteiligung eines Uchiha geheim zu halten, egal ob es sich nun wirklich um einen Uchiha gehandelt hatte oder nicht, aber Gerüchte machten dennoch schnell die Runde. Und jeder weiß doch, dass ein Sharingan Kyubi kontrollieren kann, seit Madara-sama damals das erste Mal Kyubi gegen das Dorf führte.«

Sarutobi lehnte sich zurück und sank in seinem Stuhl zusammen. Noch immer wich er Tobiramas Blick aus. »Damit fing alles an, doch eigentlich wurde es danach nur immer schlimmer. Ich muss sagen, dass ich mich zu sehr habe beeinflussen lassen. Dass ich nie dem Mut aufgebracht hatte, die wirklich schweren Entscheidungen zu treffen. Die habe ich immer Danzō überlassen im Glauben, dass er wirklich nur das Wohl des Dorfes im Sinn hatte. Vielleicht habe ich mich geirrt.«

»Saru, sei still«, sagte Koharu streng. »Schlimm genug, dass du das alles hier ausplapperst, aber das geht zu weit.«

Tobirama sagte nichts und beobachtete. Sein Blick war stechend.

Sarutobi ließ sich von Koharu nicht aufhalten. »Der Angriff Kyubis hatte große Zerstörungen im Dorf angerichtet, und als der Wiederaufbau und die Neuplanung des Dorfes begannen, wurden die Uchiha an den Rand des Dorfes gedrängt. Sasuke, du weißt vielleicht schon von den Vorwürfen, die gegen deinen Clan vorgebracht wurden, so haltlos sie auch gewesen sein mochten.«

»Man muss doch sagen, dass sie ihren Ursprung in der Gründung der Polizei hatten«, sagte Koharu.

Kakashi zog den Kopf ein und brachte unauffällig Abstand zwischen sich und Tobirama. Dieser jedoch machte einen beängstigend ruhigen Eindruck.

»Vielleicht. Vielleicht auch nicht«, hielt Sarutobi dagegen. »Über die Jahre jedoch wuchs das Misstrauen den Uchiha gegenüber und Danzō drängte mich dazu, sie durch die Anbu überwachen zu lassen. Ich gab nach. Unsere Trumpfkarte war dabei Itachi. Ja, dein älterer Bruder, Sasuke.«

Naruto sah zu Sasuke. Dieser blieb jedoch die ganze Zeit über stumm. Nur seine geballten Hände zeugten von seinem inneren Sturm.

»Durch Itachi und Shisui erfuhren wir auch von den Unruhen, die im Clan aufkamen. Dass manche gar von einem Umsturz munkelten. Danzō drängte mich dazu, gewaltsam gegen den Clan vorzugehen, doch ich zögerte zunächst.«

»Du hättest nicht zögern dürfen«, stellte Homura klar. »Jeder weiß, wie gefährlich die Uchiha sind. Schon Uchiha Madara damals bestätigte dies und seit jeher war zu fürchten, dass ein zweiter Madara unter den Reihen der Uchiha aufkäme. Es gab genug, die das Potenzial dazu hätten. Wir hätten schon viel eher handeln sollen.«

»Welche Rolle spielte mein Bruder dabei?«, verlangte Sasuke zu wissen. »Er war bei den Anbu, aber mein Vater wollte, dass er im Dorf für den Clan spionierte.«

»Er war ein Doppelagent«, eröffnete Sarutobi ihm. »Wie Shisui hielt er das Dorf über seinen Clan. Von uns sechs hatte damals Kagami den Willen des Feuers am stärksten verinnerlicht, und Shisui und Itachi haben dies von ihm übernommen. Sie beide arbeiteten auf den Frieden hin und waren bestrebt, die Situation zu deeskalieren.«

»Und doch wurde Itachi des Mordes an Shisui angeklagt und ermordete danach meinen ganzen Clan«, murmelte Sasuke. »Warum?«

Die Frage, nur ein einfaches Wort, hing schwer in der Stille, die darauf folgte.

»Ja, warum?«, wiederholte Sarutobi. »Weil ich versagt habe. Ich gab Danzōs Drängen nach, obgleich ich mich bis zum Schluss für Verhandlungen mit dem Uchiha-Clan aussprach. Danzō wiederum stellte deinen Bruder vor eine Wahl: Entweder würde der Clan durch das Dorf ausgelöscht, oder Itachi nahm es persönlich in die Hand und würde dich verschonen dürfen, Sasuke. Er entschied sich für dich. Shisui aber ermordete er nicht. Es war Suizid, auch wenn die Umstände, die dazu führten, bis heute nicht geklärt sind. Itachi ist vielleicht der einzige, der darüber Bescheid weiß.«

»Aber warum?«, wisperte Sasuke. Er zitterte am ganzen Leib. »Warum entschied sich Itachi für mich? Er sagte doch all diese Dinge …«

»Weil dein Bruder dich über alles liebt, Sasuke«, sagte Sarutobi bedauernd. »Er konnte es nicht übers Herz bringen, dir auch nur ein Haar zu krümmen. Itachi war entzwei gerissen. Er wollte seinen Clan schützen, doch er wusste, dass das Dorf wichtiger war. Er tat, was er tat, aus Liebe heraus zu dir, seinem kleinen Bruder.«

»Ich … ich verstehe nicht.« Sasuke starrte auf seine Hände. »Hass. Er sagte, ich solle ihn hassen für das, was er tat. Er verachtete den Clan.«

»Er wollte dich das glauben lassen, weil er die Wahrheit nicht aussprechen konnte.«

Aber Sasuke schien ihn nicht wirklich hören zu wollen. Immer wieder murmelte er, dass Itachi ihn hasste. Das schien alles zu sein, woran er sich klammern konnte.

»Dieses Dorf ist bis in die Wurzel verrottet«, sagte Madara voller Verachtung.

Es war erstaunlich, dass er nicht Feuer und Mordio schrie und vielleicht war das etwas, das wirklich zu denken geben sollte.

»Sasuke, ich versichere dir, dass Itachi stets nur dein Wohl im Sinn hatte. Nichts war ihm wichtiger und er litt schrecklich unter dem, was er zu tun gezwungen worden war«, sagte Sarutobi mitfühlend.

»Hiruzen, du hättest das dem Jungen nie sagen dürfen«, sagte Homura. Er klang verärgert. »Er hätte das nie erfahren dürfen. Wir alle wissen vom Fluch des Hasses im Uchiha-Clan.«

»Eben deswegen verdient er die Wahrheit«, widersprach Sarutobi energisch. »Nicht Hass war es, was Itachi antrieb, sondern Liebe. Und widersprich mir nicht mehr, Homura, noch trage immer noch ich den Hut. Sensei vertraute mir dieses Amt an und seitdem habe ich einen Fehler nach dem anderen gemacht. Wenigstens jetzt will ich einige davon wieder gutmachen.«

Tobiramas Gesicht war dunkel vor Zorn. »Allein das würde reichen, um dich für dieses Amt zu disqualifizieren. Aber das war noch nicht alles.«

»Nein.« Sarutobi senkte demütig den Kopf. »Naruto wuchs ohne Heim und Familie auf, alleingelassen mit der Kreatur, die in ihm versiegelt worden war, weil Danzō der Meinung war, dass dies das beste für das Dorf sei. Er wollte Naruto als jinchūriki vollkommen abhängig vom Dorf machen, um seine absolute Loyalität zu Konoha zu sichern. Ich brachte nicht den Mut auf, gegen Danzō vorzugehen und das zu unterbinden, also lies ich es geschehen. Sensei, ich erbitte nicht Ihre Vergebung, denn ich habe sie nicht verdient.«

Tobirama machte einen Laut des Abscheus und wandte sich ab, als würde er etwas Unerträgliches sehen.

»Die Zeiten haben sich geändert«, wagte Koharu, das Wort zu ergreifen. »All diese Dinge waren notwendig, um die Sicherheit Konohas zu gewährleisten. Wir hatten noch zwei weitere große Kriege zu kämpfen und die Verluste waren enorm. Sensei, Sie wissen selbst, wie unsicher Friedensverträge mit anderen Nationen sein können, zu keinem Zeitpunkt war jemals wirklich ein dauerhafter Frieden in Aussicht.«

Mit einem Male brach ein Chakrasturm los, dessen Zentrum Tobirama war. Sein Chakra war so mächtig, dass es sichtbar wurde. Der Boden um ihn herum splitterte und der Putz rieselte von der Decke. Kakashi suchte in der hintersten Ecke des Zimmers Deckung und auch Naruto, Sasuke und Sakura duckten sich unter dem Ansturm zusammen. Noch nie hatten sie etwas Vergleichbares erlebt.

»Ihr habt das Recht verwirkt, mich sensei zu nennen, ihr alle!«, fauchte Tobirama sie an. »Ihr habt nicht verstanden, wofür dieses Dorf gegründet wurde, wofür so viele ihr Leben ließen, um das zu ermöglichen. Oder habt ihr vergessen, wie es ist, kleine Kinder auf Schlachtfeldern sterben zu sehen? Sie selbst töten zu müssen? Hashirama, Madara und ich schufen Frieden zwischen unseren Clans, damit Kinder wieder Kinder sein dürfen. Senju und Uchiha gleichermaßen gaben ihr Blut und ihr Leben, um das zu ermöglichen. Und jetzt erzählt ihr mir, dass ihr willentlich einen der Gründerclans auslöschen liest, weil es für euch bequemer war, statt die Sorgen und Nöte der Uchiha ernst zu nehmen und eine für alle Seiten annehmbare Lösung zu finden. Ihr erzählt mir, dass ihr den jinchūriki des Dorfes, ein Kind, auf sich allein gestellt leben ließt und ihm Reste von eurem reich gedeckten Tisch zuwarft, für die er euch auch noch danken sollte. Ihr widert mich an. Vielleicht wäre es für alle das beste, wenn ich dieses Konoha dem Erdboden gleichmache, denn das ist nicht mehr das Konoha, das ich mitbegründete. Es ist eine Perversion.«

»Was geht hier vor sich?«

In der Tür war Danzō erschienen. Naruto erschauderte.

Mit einem Male ebbte Tobiramas Chakra ab. Die Stille, die dem Sturm folgte, war unheimlich. Gefahr lag in der Luft.

Tobirama wandte dem Neuankömmling den Blick zu. Schneller, als irgendwer es von ihnen sehen konnte, ging er ihm an die Kehle und schmetterte ihn gegen die Wand. Der Beton bekam Risse.

»Du!«, zischte Tobirama. »Du bist der schlimmste von ihnen allen! Und dann verschleierst du auch noch dein Chakra. Welche schmutzigen Geheimnisse hast du noch zu verbergen? Sag schon!«

Danzō versuchte, sich vergeblich aus Tobiramas eisernen Griff zu befreien. »Was wissen Sie schon! Jahrzehnte sind seid Ihrem Tod vergangen. Ich handelte stets im Interesse des ganzen Dorfes, Opfer müssen gebracht werden.«

»Sprich vor mir nicht von Opfern, wenn du so offensichtlich nicht verstanden hast, für was dieses Dorf steht!« Als würde Tobirama etwas ahnen, riss er Danzō die Binde vom Kopf.

Grabesstille senkte sich über sie alle.

Naruto hatte immer gedacht, der alte Mann hätte in seiner Vergangenheit eine schlimme Verstümmelung erlitten, weshalb er stets die Bandagen trug. Aber was tatsächlich unter seiner Kopfbinde zum Vorschein kam, war ein Sharingan.

»Danzō, du …«, sagte Sarutobi fassungslos. »Du hast nicht wirklich ein Sharingan gestohlen?«

»Augendieb!«, schrie Madara zornentbrannt. »Knüpft ihn auf! Hängt ihn hoch! Dieser da verdient es nicht, würdevoll zu sterben!«

»Uchiha musste ausgelöscht werden, sie waren eine Gefahr für das Dorf«, keuchte Danzo und spuckte Blut. »Aber ihre Kraft muss erhalten bleiben und darf nicht verloren gehen.«

Tobirama hämmerte ihn erneut gegen die Wand. Etwas knackte ekelerregend. »Dieses Chakra in dem Auge ähnelt dem Kagamis. Das heißt … du hast Shisui ermordet und sein Auge genommen!«

»Es steht Ihnen nicht mehr zu, über mich zu richten«, giftete Danzō.

»Oh, du vergisst, wer ich einst war. Warum sie mich den Blutroten Geist der Senju nannten.«

Mit einem Male wünschte sich Naruto ganz weit weg. Er wollte nicht mit ansehen, was hier geschah. Er verstand es nicht wirklich, aber es war etwas furchtbares, so viel wusste er.

Danzō wehrte sich vergeblich, als Tobirama ihm auch die Binden an seinem rechten Arm herunterriss. Darunter zum Vorschein kam ein seltsam entstellter Arm und eine schwere Spange. Tobirama schlug auch sie ab und enthüllte, was sie verbarg.

»Tausend Tode für jedes Auge, das er geraubt hat«, zischte Madara. Naruto konnte seinen Zorn beinahe als seinen eigenen spüren, so heiß brannte er.

Tobirama wirkte entsetzt über das, was er da sah. »Nicht nur eines. Ich kann nicht fassen, dass du einst mein Schüler gewesen sein sollst. Wie konntest du nur so weit vom Pfad abkommen? Und das sind Hashiramas Zellen, das ist sein Chakra da. Sag mir, dass du dich nicht wirklich an seinem Grab vergangen hast.«

»Es war notwendig. Opfer müssen gebracht werden, um das Dorf zu schützen«, sagte Danzō stur.

Tobiramas Gesicht war eine Grimasse des Ekels und des Zorns. »Du verdienst nicht die Ehre von seppuku. Ich verweigere sie dir.«

Danzō riss die Augen auf. Dann gab er ein jämmerliches Gurgeln von sich, als Tobirama ihm die Kehle mit einer Hand zudrückte. Tobirama knurrte erschreckend wölfisch und zog mit der anderen Hand ein Kunai. Er rammte es tief in Danzōs Schädel, schnell und erbarmungslos. Es knirschte feucht, als er die Klinge drehte. Danzōs ganzer Körper zuckte, dann erschlaffte er. Mit einem angewiderten Laut warf Tobirama seine Leiche zu Boden.

Keiner wagte es, auch nur einen Ton von sich zu geben. Auch Koharu und Homura waren weise genug, nichts zu sagen, vielleicht wären sie noch die nächsten.

»Geht mir aus den Augen«, knurrte Tobirama. »Verschwindet, bevor ich es mir anders überlege und euch ebenso richte, statt euch einem Gerichtes zu übergeben.«

Koharu und Homura nahmen die Beine in die Hand und flohen.

Sarutobi sah auf Danzōs Leiche. Er wagte nicht, zu Tobirama aufzublicken. Stattdessen senkte er den Kopf, so weit es in seiner sitzenden Position ging. »Ich erwarte Ihr Urteil, Nidaime-sama.«

Tobirama rang sichtlich um seine Fassung, bis er seine Ruhe wiedererlangt hatte. »Du hast viele Fehler begangen, und vielleicht hast du noch nicht einmal alle benannt. Doch du sollst einen ordentlichen Prozess erhalten, denn wenigstens hast du die Einsicht, dich zu deinen Fehltritten zu bekennen.« Er atmete durch. »Ich will beinahe gar nicht danach fragen, weil ich die Antwort fürchte. Aber sag mir, wo Sakumo, Tsunade und Nawaki sind und berichte mir, was es mit diesem Mokuton Anwender auf sich hat, den ich im Dorf spüren kann.«

Sarutobi hielt demütig den Kopf gesenkt. »Ich bedauerte zutiefst, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Nawaki und Sakumo tot sind. Nawaki starb viel zu jung mit zwölf Jahren auf einer Mission. Sakumo beging Suizid, als er eine Mission von großer Wichtigkeit abbrach, um das Leben seiner Kameraden zu retten, und dafür in Ungnaden stürzte. Aber er hat einen Sohn hinterlassen.«

Plötzlich war aller Zorn von Tobirama abgefallen. Seine Schultern sackten herab. »Wer?«

Sarutobi deutete auf Kakashi. »Er steht hinter Ihnen.«

Mit großen Augen wandte sich Tobirama um. Erst jetzt wagte es Kakashi, vorsichtig aus seiner Ecke zu kommen. Tobirama musterte ihn von oben bis unten und schien nicht so recht zu wissen, was er davon halten sollte.

»Du … ?«

Kakashi lachte verlegen auf. »Ich weiß, ich mach nicht viel her. Aber ja, Sie sind mein Urgroßvater.«

Naruto glaubte, sich verhört zu haben. Sein Sensei war ein Nachfahre eines Hokage?!

»Dieser Bakashi? Nie im Leben!«, schnaubte Madara.

Tobirama räusperte sich und suchte nach Worten. »Tja, also … es freut mich, dass meine Linie fortbesteht. Schön, dich kennenzulernen.«

»Die Freude ist ganz meinerseits«, erwiderte Kakashi ebenso unbeholfen.

Beide standen sie sich verlegen gegenüber. Keiner wusste so recht, was er darauf sagen sollte.

Sarutobi erlöste sie aus dieser Situation, als er seinen Bericht fortfuhr: »Was Tsunade angeht, so hatte sie kurz nach Mito-himes Tod das Dorf verlassen. Ich will nicht im Wortlaut wiedergeben, was genau sie gesagt hatte, aber sie wollte mit all dem hier nichts mehr zu schaffen haben. Soweit meine Quellen das berichten können, geht es ihr aber gut und sie hat sich einen etwas unrühmlichen Namen als Legendäre Verliererin im Glücksspiel gemacht.«

Tobirama schloss die Augen und atmete tief durch. »Anija, das ist dein Einfluss. Ich hab dir damals schon gesagt, dass man Fünfjährigen kein Glücksspiel beibringt.«

»Er sagt, dass es ihr Spaß gemacht hatte«, berichtete Sasuke.

Tobiramas linkes Auge zuckte.

»Was Tenzō betrifft: Er beherrscht Mokuton, aber ich fürchte, dass ich Ihnen da auch nicht viel mehr darüber berichten kann«, sagte Sarutobi. »Vieles davon betrifft Danzō und seine geheimen Machenschaften. Es ist schon viele Jahre her, da wurde versucht, Mokuton dem Dorf zurückzugeben, aber ich hatte verboten, die Versuche fortzuführen, als ich sah, welch verheerende Folgen das für die Versuchspersonen hatte. Später war es dann Kakashi, der die Existenz Tenzōs aufdeckte, auch wenn ich mir da nicht erklären konnte, wie das sein konnte. Vielleicht wollte ich auch einfach der Wahrheit nicht in die Augen blicken, und redete mir ein, dass der Junge vielleicht ein verlorener Nachfahre Hashirama-samas sei. Wenn ich mir Danzōs Arm ansehe, fürchte ich jedoch, dass er trotz meines Verbotes die Versuche fortgeführt hatte und noch mehr fürchte ich, dass er sich dabei mit Orochimaru zusammengetan haben könnte.«

»Es war die Ne«, platzte es mit einem Male aus Kakashi heraus. Dann schlug er sich die Hände vor den Mund, als sei er selbst darüber überrascht, dass er das gesagt hatte. »Ach du … Ich kann darüber reden? Ne. Danzō. Ja, tatsächlich! Danzō ist tot und ich kann darüber reden!«

Tobirama sah ihn fragend an. »Worüber kannst du reden?«

»Danzō hatte viele Jahre lang neben den Anbu noch eine andere Geheimorganisation unterhalten, die nur ihm allein hörig war«, berichtete Kakashi und klang viel zu fröhlich dafür, dass er anscheinend gerade ein sehr dunkles Geheimnis ausplauderte. »Er hatte es geschafft, mich ebenfalls in seine Fänge zu locken und für sich zu gewinnen, für eine Weile jedenfalls. Lang genug jedoch, um mir wie allen Mitgliedern der Ne ein Zekka Konzetsu no In zu verpassen, das es uns unmöglich macht, über die Organisation, zugehörige Missionen oder Danzōs Pläne zu sprechen. Er hatte sogar geplant, Sandaime-sama zu ermorden, und ich konnte ihn nur unter großen Mühen davor warnen. Aber jetzt ist Danzō tot und das Siegel aufgelöst. Tausend Dank, Nidaime-sama.«

»Für dich Tobirama«, sagte Tobirama. Er warf einen Blick voller Verachtung auf Danzōs Leiche. »Ein zu gnadenvolles Ende.« Er strafte seine Schultern. »Ich will umgehend mit diesem Tenzō sprechen.«

Sarutobi nickte. »Ich werde ihn suchen lassen. Er wird gerade vermutlich bei der Suche von Vermissten helfen.«

Nächstes Kapitel: Mito sammelt noch ein paar Enkel mehr.

Kakashi: *macht Pläne, Sarutobis Weed Vorrat zu klauen*

Tobirama killcount: 2

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Kapitel:7
Sätze:2.669
Wörter:28.652
Zeichen:168.922

Kurzbeschreibung

Naruto glaubt, dass es kaum noch schlimmer kommen kann, als er plötzlich eine Stimme hört, die von sich behauptet, der Geist von Uchiha Madara zu sein. Es kommt allerdings in der Tat schlimmer, als sich eine zweite Stimme hinzugesellt. Naruto muss zu seinem Leidwesen sehr schnell lernen, dass Madara und Kyubi zwar alte Bekannte aber alles andere als Freunde sind. Was Naruto nicht weiß, ist, dass sich Sasuke in der Zwischenzeit mit Hashiramas Geist herumplagen muss und Sakura und Mito ebenfalls miteinander Bekanntschaft schließen. [Team 7 & HashiMadaMito]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit mittellang, Alternativuniversum, Freundschaft und Humor getaggt.

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