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| Kapitel: | 4 | |
| Sätze: | 1.381 | |
| Wörter: | 12.921 | |
| Zeichen: | 74.367 |
Es waren sieben Jahre vergangen, nachdem Maze und Kae Konohagakure gefunden hatten und dort aufgenommen wurden. Die Sonne war gerade aufgegangen und schien durch das Fenster direkt auf Kaes Gesicht. Sie war gerade wach geworden, blieb aber noch ein paar Minuten liegen und hörte dem gleichmäßigen Atem ihrer kleinen Schwester zu. Dann setzte sie sich langsam auf, stieg aus dem Bett und lief zum Fenster. Sie öffnete es, um frische Luft in ihr Zimmer zu lassen. Die Vögel zwitscherten fröhlich und der Wind wehte seicht durch die Bäume und trieb den durft von Blumen durch die Straßen Konohas. Es versprach ein wunderschöner Tag zu werden. Wie so oft in diesem Dorf. Es war so anders als Suna. So friedlich. Kae atmete tief durch und lief dann wieder zurück zu ihrer Schwester. Maze schlief noch tief und fest - eingewickelt in ihrer Bettdecke. Kae kniete sich auf das Bett und rüttelte sanft an ihrer Schwester.
»Steh auf, Schlafmütze. Wir dürfen nicht zu spät kommen. Heute ist Abschlussprüfung.«
Maze verzog das Gesicht und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin.
»Komm, wir sollten uns fertig machen.«
Kae stieg wieder vom Bett und zog Maze an ihren Füßen ebenfalls herunter.
»Maaaaan jaaaaaaa! Ich komm ja schon!«, rief Maze, nachdem sie auf den Boden gefallen war. Im selben Moment klopfte es an die Tür und nur wenige Sekunden später, öffnete sie sich und Ira trat ins Zimmer. Sie war schon komplett fertig angezogen und schien aufgeregt zu sein. Sie zupfte sich nervös an ihrem dunkelblauen, Kimono-artigen Oberteil und sah sie mit ihren wachen, grünen Augen an. Ihre blonden Haare hatte sie schon zu zwei Zöpfen geflochten - sie sah aufbruchsbereit aus.
»Du bist schon fertig?«, fragte Kae verwundert.
Ira nickte eifrig.
»Ja. Heute wird's ja ganz schön sp-sp-sp-spannend. Ich mach schon mal F-f-f-f-frühstück.«, und schon, war sie auch wieder verschwunden.
»Warum ist sie morgens immer so gut gelaunt?«, jammerte Maze und gähnt, während sie noch immer auf dem Boden lag. Kae lächelte und half ihr dann auf die Beine. Danach gingen sie gemeinsam ins Badezimmer, um sich fertigzumachen.
In der Küche wurde Ira schon von ihren Geschwistern erwartete, die ihr halfen, das Frühstück vorzubereiten. Kurze Zeit später polterte es auf der Treppe und Maze und Kae kamen dazu. Die beiden Ryu - Mädchen hatten sich die letzten Jahre gut entwickelt. Geistig so wie körperlich. Auch wenn Maze mit ihren zwölf Jahren von ihrer Körpergröße her relativ klein war, zeigte sich dies als großer Vorteil im Tai-Jutsu und in ihrem Umgang mit der Windklinge, die sie sich damals von Baki abgeschaut hatte. Zusätzlich spielte ihr starkes Selbstbewusstsein eine große Rolle in ihrer Kraft. Gleichzeitig wirkte sie aber nicht überheblich oder arrogant, sondern fröhlich und lebensbejahend. Schon fast nervig aufgedreht. Sie schaffte es, ihren Mitmenschen immer ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Ihre aufgedrehte, quirlige Art, machten sie dabei auch noch unterhaltsam. Ihre großen, blauen Augen nahmen fast ihr ganzes Gesicht ein, was sie sehr niedlich wirken ließ. Ihre kurzen, dunkelbraunen Haare, hatte sie im Nacken zu zwei puscheligen Zöpfen zusammengebunden und ihr Pony hing ihr fast in ihren Augen. Allerdings konnte sie ihre Gegner, durch ihr kindliches Auftreten, sehr gut täuschen und zeigte dann mit ihren Fäusten, was sie wirklich drauf hat. Bevor sie sich an den Tisch setzte, schloss sie noch den Knopf ihres Schulterriemens an ihrem Brustlatz. Sie trug eine kurzbeinige, beige Latzhose.
Kae zeigte sich im Training sehr diszipliniert. Sie war eine Meisterin im Anwenden von Gen-Jutsu. Allerdings vermied sie meist den Einsatz ihres Yureigan und dementsprechend die Unterstützung der Geister. Vor allem vermied sie die Unterstützung von Ran. Sie schaffte es noch immer nicht, ihr gegenüberzustehen, auch wenn sie genau spürte, dass sie immer an ihrer Seite war, um sie zu beschützen. Mamiya bemerkte oft, dass Kae von ihren Fähigkeiten eher abgeneigt, als überzeugt war. Trotzdem zeigte sie Talent. Allerdings war sich Mamiya sicher, dass sie nur mit ihren Gen-Jutsus ohne ihrem Yureigan und ihrem Tai-Jutsu, nicht weit kommen konnte. Noch wollte sie es ihr aber nicht sagen, da sie sich nicht in der richtigen Rolle dafür sah. Auch Kaes körperliche Verfassung hatte sich verbessert. Sie war nicht mehr ganz so mager, was ihrem kantigen Gesicht weichere Züge gegeben hat. Allerdings war ihre Haut noch immer blass, was ihre Narben auf den Rücken fast schon leuchten ließen. Die Oki Geschwister waren bei dem Anblick ihrer Narben sprachlos gewesen. Das so ein kleiner Mensch so viel Leid ertragen hatte, war unvorstellbar. Deshalb war es auch kein Wunder, das Kaes blauen Augen vor sieben Jahren trüb und leblos wirkten. Dies hatte sich zum Glück etwas geändert. Sie hatte in Mamiya und Shigure Vertraute gefunden und sich mit Ira angefreundet, was ihr sichtlich gut tat. Trotzdem sah man noch oft eine tiefe Traurigkeit und Leere in ihrem Blick. Kae schloss ihre graue Jacke, die ein Stück ihren schwarzen Rock bedeckte. Dieser ging ihr bis zur Mitte ihrer Oberschenkel. Als sie sich an dem Tisch zu ihrer Schwester setzte, legte sie sich ihr Halsband an. Eines der wenigen Dinge aus Suna, die sie nicht loslassen konnte. Als sie fertig war, strich sie sich durch ihre dunkelbraunen, stufigen, Schulterlangen Haare, als würde sie davon ablenken wollen, dass sie sich das Halsband angelegt hatte. Im Großen und Ganzen war Kae zwar aufgetaut, zeigte sich in der Regel aber eher kühl und distanziert. Außer ihren Freunden gegenüber. Allerdings hielt sich ihr Freundeskreis in Grenzen und beschränkte sich auf die Oki Geschwister und ihrer eigenen Schwester. Das lag nicht daran, dass ihre Mitschüler auf der Akademie kein Interesse an ihr zeigten, sondern eher an Kae, die sich lieber von den anderen distanzierte. Zu groß war die Angst, wieder verletzt zu werden.
»Und? Seid ihr schon aufgeregt?«, fragte Mamiya schließlich, als sie anfingen zu frühstücken.
»Total. Aber die Prüfung wird bestimmt ganz einfach.«, rief Maze motiviert und zuversichtlich. Ira nickte ihr zustimmend zu – nur Kae aß ungeniert weiter, ohne darauf zu reagieren.
»*Ihr seit Versager* Ich glaube auch, dass ihr das ohne Probleme schafft.«
Mamiya sah zu Shigure der ebenfalls nur damit beschäftigt war, sein Frühstück zu essen.
»Willst du nichts dazu sagen?«, rief Mamiya ihm zu. Er sah sie nur verwirrt und fragend an.
»Was soll ich denn sagen?«
»Ein paar nette oder aufmunternde Worte oder so?«
Shigure schluckte.
»Ich finde das nicht nötig. Die drei schaffen die Prüfung jeweils zu 99%«
Ira sah ihn fragend an.
»W-w-w-w-warum nur 99%?«
»Naja, es könnte immer noch plötzlich ein Fels auf euch herabstürzen oder ein Blitz euch treffen. Alles ist möglich.«
Mamiya winkte ab.
»Vergesst es und frühstückt lieber weiter, damit ihr gleich fit seit.«
Ira und Maze schmunzelten sich zu. Kae blieb weiterhin unbeeindruckt.
Einige Zeit später machten sich die drei jungen Mädchen auf den Weg zur Akademie, nachdem sie sich von Mamiya und Shigure verabschiedet hatten. Während Maze jede Mauer entlang balancierte, die sie auf dem Weg finden konnte, unterhielte sich Ira und Kae über den bevorstehenden Verlauf ihrer Abschlussprüfung.
»Wenn wir das packen, d-d-d-d-d-d-d-dann war es das mit Schulbank drücken.«, bemerkte Ira und Kae nickt.
»Macht dir das Angst?«, fragte diese ihre Freundin. Doch sie schüttelte den Kopf.
»A-a-a-a-angst nicht. Vielleicht ein b-b-b-b-b-bischen wehmütig, weil es ja auch eine ganz schöne Zeit w-w-w-war. O-o-o-obwohl ich auch oft geärgert wurde.«
»Ja, es ist der Beginn von was Neuem. Mamiya sagte, wir werden später dann noch in Teams aufgeteilt.«
Ira verschränkte ihre Arme hinter ihrem Kopf und sah in den Himmel. Sie lächelte, als sie antwortete.
»Ja, genau. E-e-e-e-e-e-es wäre toll, wenn wir alle in einem T-t-t-team bleiben würden.«
»Ja, das fände ich auch gut.«, gab Kae zu, als sie gemeinsam die Akademie erreicht hatten. Sie blieben stehen und sahen zu der schweren Holztür, die den Eingang zur Akademie präsentierte. Als wäre es geplant, atmeten die drei Mädchen gleichzeitig einmal tief durch. Wenn sie die Abschlussprüfung bestehen, fängt ein neuer Abschnitt in ihrem Leben an. Das war ihnen klar.
Mamiya kümmerte sich derweil um den Haushalt. Sie hatte einen Korb voll frisch gewaschener Wäsche, die Kae und Maze gehörte. Normalerweise stellte Mamiya den Korb nur auf deren Bett ab und die Schwestern räumten ihre Wäsche selbst weg. Beim Absetzen des Korbes fiel Mamiya allerdings auf, dass eine der Schranktüren des Kleiderschrankes schief hing, als würde sie nicht mehr richtig in ihrer Aufhängung sitzen. Sie öffnete die Schranktür und sah schnell, dass das Problem einfach zu reparieren war. Gerade als sie das passende Werkzeug holen wollte, fiel ihr etwas Glänzendes im obersten Fach auf. Und auch wenn Mamiya wusste, dass sie in die Privatsphäre der Mädchen eingriff, war ihre Neugier zu groß. Sie strecke sich und erkannte schnell, dass es sich um das Stirnband des Ryu-Clans handelte. Auch wenn die Schwestern mit ihrem Clan gebrochen haben, sagte Kae einmal, dass sie sich auch nicht verstecken will und dazu steht, woher sie kommt. Lügen haben sie schließlich auch nicht schützen können. Mamiya hatte verstanden, was sie damit meinte und wunderte sich deshalb nicht darüber, das Stirnband gefunden zu haben. Allerdings entdeckte sie plötzlich noch etwas unter dem Stirnband, was sie nicht erkannte. Ein glänzendes Stück Papier oder so etwas ähnliches. Mit leicht zittrigen Fingern zog Mamiya es hervor und sah es sich voller Spannung an. Es war ein Foto. Sie hatte es noch nie zu Gesicht bekommen. Die Schwestern hatten auch noch nie davon erzählt. Es war schon etwas älter und mitgenommen, aber sie erkannte Kae und Maze sofort. Sie waren dort nur deutlich jünger. Außerdem fiel Mamiya eine junge Frau auf, die sie ebenfalls erkannte. Es war Ran. Die Frau, die sich liebevoll um die Kinder gekümmert – und ihnen ein Zuhause geschenkt hatte. Die Frau, die auch nach ihrem Grausamen tot, nicht von Kaes Seite wich. Es war seltsam sie lebendig und mit diesem warmen Lächeln auf den Lippen, auf diesem Foto zu sehen. Doch sie war nicht alleine mit den Mädchen auf den Foto. Yashamaru erkannte Mamiya ebenfalls, während sie die anderen Personen durch die Erzählungen der Schwestern ohne Probleme zuordnen konnte. Ein schönes Foto. Voller Wärme, Wertschätzung und Liebe. Und doch so, als wäre es gar nicht von dieser Welt. Mamiya verstand in diesem Moment nur umso mehr, wieso das alles so schmerzhaft für die Schwestern war. Sie sah zu dem Jungen Kitai. Es fühlte sich seltsam an in das Gesicht eines so jungen, fröhlichen Shinobis zu sehen und zu wissen, dass auch er tot war. Mamiya spürte, wie ihr Herz schmerzte. Auch wenn sie die meisten Personen auf dem Foto gar nicht persönlich kannte, fühlte sie sich mit ihnen Verbunden. Und das setzte ihr zu. Sie legte das Foto schließlich wieder zurück und machte sich daran, ihr ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen und die Schranktür zu reparieren. Auch wenn ihre Gedanken weiterhin um das Foto kreisten. Sie spürte den Druck und den Schmerz aus der Vergangenheit der Mädchen klar und deutlich.
»Oh man, Naruto...«, Kae schüttelte den Kopf, während Maze willkürlich über die Tische im Klassenraum hüpfte.
»Er hat es wieder n-n-n-nicht geschafft.«, stellte auch Ira fest.
Die Abschlussprüfungen hatten begonnen. Und Naruto – der sich die Klasse mit Kae, Maze und Ira teilte - war mal wieder durchgefallen. Zumindest waren sich die Mädchen sicher, nachdem sie ihn laut schreiend aus dem Nebenzimmer vernommen hatten. Maze blieb vor einem Jungen stehen, der mit dem Kopf auf dem Tisch lag und schlief. Sie sprang in die Luft und kam mit einem lauten Knall wieder auf den Tisch auf so, dass der Junge aufschreckte und sie direkt anstarrte.
»Was soll das denn?!«
Maze stemmte die Hände in die Hüfte und antwortete:
»Hör auf zu schlafen, Shikamaru! Sonst verpennst du noch die Abschlussprüfung.«
»Man, ist das nervig. Lass mich in Ruhe.«, grummelte Shikamaru genervt, während er sich am Hinterkopf kratzte.
»Naja«, Maze zuckte mit den Schultern.
»Du bist ja schließlich jetzt wach.«, sie lief weiter, um sich ihr nächstes Opfer zu suchen. Ihr war schließlich ziemlich langweilig. Doch in diesem Moment öffnete sich die Tür des Klassenraumes und Iruka trat herein. Er sah kurz auf einen Zettel und rief schließlich:
»Oki, Ira.«
Das blonde Mädchen zuckte kurz erschrocken zusammen, stand dann aber voller Tatendrang auf und lief auf Iruka zu, während sie ihren Freundinnen einen kurzen Blick zuwarf und lächelte. Sie folgte Iruka in den Nebenraum, um die Abschlussprüfung zu absolvieren, während Maze bei Ino angelangt war und über die Beschaffenheit ihrer Haare sprach. Nach kurzer Zeit kam Ira auch schon wieder zurück. In ihrer rechten Hand hielt sie das Stirnband von Konoha und sie grinste glücklich von einem Ohr bis zum anderen. Kae und Maze lächelten ihr beglückwünschend zu, während Iruka den nächsten Namen nannte.
»Ryu, Maze.«
Mit weit aufgerissenen Augen sprang Maze mit einem weiten Satz von den Tischen und winkte ihrer Schwester und Ira zu, bevor auch sie verschwand. Ira setzte sich derweil wieder zu Kae und sah stolz auf ihr Stirnband.
»War es schwer?«, fragte Kae sie. Ira schüttelte den Kopf.
»N-n-n-n-n-n-nein. Aber aufgeregt war ich trotzdem.«
Es vergingen nur wenige Minuten, als plötzlich die Tür des Klassenraumes auf flog und Maze wieder zurück in den Raum stürzte und stolz ihr Stirnband in die Luft hielt. Doch bevor sie auch noch etwas dazu sagen konnte, rief Iruka schon den nächsten Namen.
»Ryu, Kae.«
Das älteste Mädchen in der Klasse stand auf, nickte Maze zu und lächelte, während sie Iruka in den Nebenraum folgte – der Raum, in dem ihre Kameraden schon die Abschlussprüfung absolviert hatten. In diesem Moment bemerkte sie doch, dass sie ein wenig nervös geworden war. Nicht weil sie sich die Prüfung nicht gewachsen fühlte, sondern weil sie selten alleine ohne ihrer Schwester und Ira war. Beide stellten ihre sichere Zuflucht da. Iruka setzte sich wieder an dem Tisch, neben seinen Prüfungspartner Sensei Mizuki. Beiden sahen sie erwartungsvoll an, während Iruka sprach:
»Zeig uns dein Kage-Bunshin-no-Jutsu.«
Kae nickte und atmete einmal tief durch. Sie formte die passenden Fingerzeichen und erschuf drei einwandfreie Doppelgänger.
»Bestanden.«
Iruka nickte zufrieden und griff nach einem der ihm vorliegenden Stirnbänder – versehen mit dem Zeichen Konohas. Er hielt es Kae hin und lächelte.
»Herzlichen Glückwunsch, Kae. Ich habe nichts anderes von dir erwartet.«
Das Mädchen verbeugte sich zum Dank und nahm das Stirnband entgegen. Als sie es in der Hand hielt, hielt sie kurz inne und sah einige Sekunden auf das Symbol des Dorfes hinter den Blättern. Sie war nun eine vollwertige Kunoichi geworden. Nicht nur das - sie war ein vollwertiges Mitglied von Konoha. Ihre neue Heimat.
»Kaum zu glauben.«, kam es plötzlich von Mizuki, der mit verschränkten Armen dort saß und Kae musterte. Sie sah ihn an, ohne eine Miene zu verziehen, und wartete ab, ob er noch etwas zu sagen hatte.
»Zwei Ryus in Konoha. Wird sich zeigen, ob wir hierbei von Glück oder Pech reden werden.«
Kae bemerkte sofort den spitzen Unterton in seiner Stimme. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen und mit scharfem Blick, sah sie Mizuki direkt in die Augen – doch bevor sie etwas sagen konnte, mischte sich Iruka ein.
»Kae und Maze sind eine Bereicherung für unser Dorf. Sag sowas gefälligst nicht.«
Das Iruka die Mädchen unterstützen wollte, war offensichtlich und wunderte Kae nicht. Mizuki sagte nichts darauf, sondern grinste sie weiter herausfordernd an.
»Wir werden es sehen.«, gab er schließlich nur von sich und hielt den Blick stand.
»Werden wir.«, gab Kae zurück und ging dann aus dem Raum - wieder auf den Weg zu ihrer Schwestern und ihrer besten Freundin. Dabei hielt sie das Stirnband fest in ihrer Hand umklammert und riss sich zusammen, um ihre Wut zu unterdrücken. Hinter ihr hörte sie einen tiefen Seufzer von Iruka und ein kurzes Auflachen von Mizuki. Eine neue Zeit hatte für sie nun begonnen. Ob eine gute oder schlechte würde sich nun noch zeigen.
Als Kae wieder zurück in den Klassenraum ging, erwarteten Ira und Maze sie schon gespannt – auch wenn sie keine Zweifel hatten, dass auch sie die Prüfung geschafft hatte. Ira hatte sich ihr Stirnband schon voller stolz um die Stirn gebunden, während das Stirnband von Maze um dessen Hals hing. Kae tat ihnen gleich und band sich ebenfalls ihr hart erarbeitetes Stirnband um. Sie wählte ebenfalls, wie Ira, die Stirn. Ohne weiter etwas zu sagen, lächelten sie sich zufrieden an. Besser hätte der Tag nicht laufen können.
Nach der Verkündung der Beendigung der Abschlussprüfung durch Iruka, trafen sich alle frisch gewordenen Ge-Nin draußen vor den Toren der Akademie. Kae, Ira und Maze waren die Letzten, die die Akademie verließen. Alle Ge-Nin unterhielten sich angeregt über ihren Erfolg, während ihre Angehörigen stolz zuhörten und sich mit ihren Kindern freuten.
»Hey, schaut m-m-m-m-mal da!«, rief Ira plötzlich und zeigte in die Richtung vor sich. Etwas weiter abseits standen Mamiya und Shigure und winkten ihnen zu.
»Sie sind echt hier hin gekommen.«, stellte Maze freudig fest. Noch immer verließen Mamiya und Shigure nur sehr ungern das Haus. Das sie jetzt dort standen, um die Mädchen zu empfangen, bedeutete ihnen viel. Schnell liefen sie zu ihnen.
»*Die Arschgeigen sind wieder da.* wow, die Stirnbänder stehen euch richtig gut!«, rief Mamiya und nahm Maze in den Arm, nachdem diese ihr stolz ihr Stirnband präsentiert hatte.
»Es war gar nicht schwer!«, rief diese glücklich und hüpfte hin und her.
»Und wie war es für euch?«, fragte Shigure interessiert die anderen beiden Mädchen und stemmte die Hände in die Hüfte. Ira grinste triumphierend.
»Gar nicht schwer. E-e-e-es war ganz einfach.«
Kae nickte nur zustimmend. Shigure schien zufrieden. Mamiya klatschte darauf in die Hände und rief:
»Zur Feier des Tages gehen wir alle gemeinsam essen!«
Verwundert schauten die Mädchen sie mit großen Augen an.
»Außerhalb?«, fragte Ira ungläubig nach, als würde sie ihren eigenen Ohren nicht trauen.
»Ja, außerhalb. Sucht euch gerne aus, wo ihr essen möchtet.«
Die drei Mädchen sahen sich weiterhin verwundert nacheinander an. Das war etwas ganz Besonderes. Außerhalb essen gehen, war sonst nie möglich gewesen. Mamiya hatte sich immer zu sehr geschämt. Aber heute nahm sie all ihren Mut zusammen. Für ihre Schwester. Für ihre Ziehkinder. Für die Drei begann nun schließlich ein neues Leben. Und das wollte sie begleiten. Zumindest so gut sie konnte.
»YEAH! COOL!«, Ira und Maze fielen sich um den Hals und hüpften gemeinsam auf und ab, während sie sich zuriefen, wo sie denn am liebsten Essen gehen würden. Mamiya verzog das Gesicht, da sie nicht verstand, wo die Mädchen denn nun hin wollten.
»Entscheidet euch mal und sagt mir ein Restaurant oder so.«, versuchte sie ihnen zuzurufen, doch Ira und Maze hüpften immer noch unkontrolliert auf und ab. Kae lächelte und wandte sich an Mamiya.
»Ich denke Ichirakus Imbiss ist eine gute Wahl.«
»Finde ich gut.«, gab Mamiya zurück und seufzte.
»Na dann... Ira, Maze, dann mal los.«
Doch die Angesprochenen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und feierten sich selbst weiterhin ausgiebig.
»Unglaublich.«, brummte Mamiya und verschränkte die Arme. Doch dann räusperte sie sich und schrie:
»HÖRT AUF DAMIT! WIR GEHEN JETZT ESSEN!«
Ira und Maze zuckten erschrocken zusammen, fingen dann aber an zu lachen, nachdem sie Mamiyas genervtes Gesicht gesehen hatten. Die Älteste seufzte erneut.
»Na dann mal los. *Ihr seid alle bescheuert.*«
Gemeinsam mit Shigure lief sie voran. Die Mädchen wollten ihr gerade folgen, als Kae jemanden entdeckte. Sie blieb stehen und sah zu dem großen Baum des Hofes, an dem eine Schaukel hing, auf dem Jemand saß. Ira und Maze folgten Kaes Blick.
»Oh.«, kam es mitleidig von Ira, als sie erkannte, dass es sich um Naruto handelte.
»Armer Kerl.«
Auch Maze hatte ihn erkannt.
»Er tut mir echt leid. Sollen wir ihn fragen, ob er mit kommen möchte?«
»Das habe ich mir auch gerade gedacht.«
Gerade als Kae dies gesagt - und den ersten Schritt in Narutos Richtung getan hatte, erschien Mizuki bei ihm.
»Hm.«, kam es von ihr.
»Sensei Mizuki kümmert sich um ihn. Das wird schon in Ordnung sein.«
Ira und Maze stimmten ihr zu und folgten nun Mamiya und Shigure zum feierlichen Auswärtsessen.
Kurze Zeit später saßen alle fünf bei Ichirakus Imbiss und wurden freudig begrüßt. Mamiya hob grüßend die Hand und rief:
»*Einmal die ganze Saufkarte, bitte.*«
Teuchi grinste amüsiert.
»Schön euch mal wieder zu sehen.«, sagte der Besitzer des Ramen Restaurants und erfreute sich sichtlich, die Oki Geschwister zu sehen.
»Wer sind denn die beiden bezaubernden Mädchen an eurer Seite?«, fragte er, als er die Ryu-Schwestern ansah.
»Ich bin Maze und das ist meine Schwester Kae. Wir wohnen bei Mamiya. Und wir haben heute, zusammen mit Ira, die Abschlussprüfung geschafft.«, erzählte Maze stolz und tippte gegen Kaes Stirnband auf ihrer Stirn. Teuchi hörte aufmerksam zu, während er schon dabei war, Schüsseln mit Ramen zu befüllen.
»Ach, seit ihr die beiden Mädchen aus Sunagakure?«
»Ja, genau.«, antwortete Kae und beobachtete Teuchi bei seiner Arbeit.
»Ihr seit schon einige Jahre hier im Dorf und habt noch nie bei mir gegessen? Naja, besser später als nie.«, er lachte. Auch Kae lächelte. Weil ihr nicht die Wahrheit kennt. Deshalb bleiben wir mehr unter uns. Dachte sie jedoch dabei. Allerdings tadelte sie sich selbst sofort für diese Gedanken. Sie hatte sich fest vorgenommen, nicht mehr an die Vergangenheit zu hängen. Sie wollte nicht leugnen, woher sie kam. Allerdings wollte sie sich auch nicht von ihrer Vergangenheit ihre Zukunft vorschreiben lassen. Doch es fiel ihr noch schwer. Sie sah, wie Teuchi einem nach dem anderen eine Schüssel Ramen vor die Nase stellte.
»Dann feiern wir eure Abschlussprüfung und das Mamiya und Shigure es mal wieder vor die Tür geschafft haben. Das Essen geht aufs Haus.«
Mamiya wurde rot vor Scham.
»Das ist sehr nett aber wirklich nicht nötig!«
»Doch, doch.«, winkte Teuchi ab und lächelte zufrieden.
»Das letzte mal das du hier warst ist ja schon ewig her. Da warst du damals noch oft mit Iruka hier. Was ist eigentlich aus euch -«
»JAAA DANKE! Guten Appetit dann!«, rief Mamiya ungestüm, um so schnell wie möglich vom Thema abzulenken.
»Hey, Ira.«, flüsterte Kae ihrer Freundin zu und beugte sich über Maze, um Ira besser zu verstehen. Ira wandte sich ihr aufmerksam zu.
»Wir sollten ein geheimes Treffen zwischen Mamiya und Sensei Iruka organisieren.«
Ira grinste gehässig.
»Auf jeden Fall. A-a-a-a-aber das darf Mamiya vorher auf keinen Fall mitbekommen. Sonst explodiert sie.«
Während die Mädchen amüsiert kicherten, starrte Shigure schockiert auf die Schüssel vor ihm. Mamiya bemerkte dies und kniff ihre Augen zu schmalen Schlitzen zusammen.
»Iss!«, zischte sie ihm zu.
»Aber-«, Shigure schluckte.
»Das Essen wurde nicht von mir oder euch gemacht. Es ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit verseucht.«
»Das stimmt doch gar nicht. Du bist unhöflich. *Friss das jetzt!*«, rief Mamiya, die ihren Bruder am liebsten durchgeschüttelt hätte. Es hatte schon Jahre gedauert, bis Shigure akzeptiert hatte, dass er auch das Essen essen konnte, was seine Familienmitglieder zubereitet hatten. Seine Angst vor Keimen und Bakterien war stark in ihm. Mamiya liebte ihren Bruder und konnte es verstehen, wenn man sich einfach nur in seinem Schneckenhaus zurückziehen will. Aber für Shigure und Ira wünschte sie sich ein anderes Leben und versuchte sie zu ermutigen, auch am normalen Leben teilzunehmen.
»Ich werde sterben.«, murmelte Shigure vor sich hin, während Teuchi ihn gekonnt ignorierte und Mamiya die Augen verdrehte.
»*Jetzt heult der Spacko wieder.*«
»Komm schon Shigure. Es schmeckt super! Du wirst nicht sterben. Da sind keine Bakterien oder so.«, rief Maze ihm zu.
»M-m-m-m-mach es für uns.«, unterstützte Ira sie und auch Kae sagte noch etwas dazu.
»Für uns zu unserer Abschlussprüfung.«
Alle sahen Shigure mit großen Augen an und warteten ab. Der junge Mann seufzte.
»Wenn ich sterbe, seid ihr dafür verantwortlich. Guten Appetit.«
»Guten Appetit!«, riefen die Mädchen gleichzeitig begeistert und fingen an zu essen. Sogar Shigure – der aber natürlich nicht zugeben wollte, dass ihm die Suppe außerordentlich gut schmeckte. Die kleine Familie saß noch lange bei Teuchi und unterhielten sich und feierten ausgelassen. Mamiya und Shigure – der natürlich nicht gestorben war – schienen außergewöhnlich entspannt außerhalb ihres sicheren Zuhauses. Ira war generell etwas mutiger, als ihre Geschwister, aber auch bei ihr war das Stottern in diesem Moment nicht so ausgeprägt wie sonst. Maze lachte ausgelassen und auch Kae war entspannt und locker. Sie hatte sich gut an ihr Leben in Konoha gewöhnt und ihre neue Familie ins Herz geschlossen. Trotzdem verging so gut wie kein Tag, an dem sie sich nicht zurück an ihre Zeit in Suna erinnerte. Und jedes Mal war es mit einem kleinen Stich in ihr Herz verbunden. Deshalb versuchte sie immer ihre Gedanken an Suna sofort wieder zu verbannen. Sie saugte diese Momente, wie im Restaurant, auf wie ein Schwamm. Und es legte sich wie ein Pflaster auf ihr Herz. Sie hoffte, dass ihr diese ganzen Pflaster niemals abgerissen werden.
Am nächsten Morgen saß Kae auf dem Dach des Hauses ihrer Wohnung und schaute über die Dächer von Konoha, während die Sonne aufging.
»Na, du bist schon wach?«
Kae sah zu Mamiya, die zu ihr auf das Dach gestiegen war und sich zu ihr setzte.
»Siehst du dir die Sonne an?«
»Ja. Es scheint ein schöner Tag zu werden.«
Mamiya seufzte, lehnte sich zurück und stützte sich mit ihren Armen ab.
»Wenn ihr nachher los geht, um eure Passbilder zu machen, nehmt ihr Naruto bitte mit?«
Kae sah sie verwundert an.
»Naruto?«
Mamiya nickte.
»Ja. Er hat die Prüfung doch noch bestanden. Unter großen Theater und Tamtam *Der blöde Affe. Halt die Fresse* aber er hat es wohl geschafft. Iruka hat mich drum gebeten, ob wir darauf achten könnten, dass *Na! Der kleine Pisser* auch nicht den Termin verschläft.«
Kae freute sich für Naruto, grinste dabei aber auch amüsiert.
»Iruka also, ja?«
Mamiya seufzte,
»So ein gehässiges Grinsen kenne ich gar nicht von dir. Aber ja. Iruka war vorhin kurz da.«
»Nur kurz?«
Mamiya kniff die Augen zusammen und sah Kae böse an.
»Werd nicht frech, Fräulein.«
Der frisch gebackene Ge-Nin sah wieder zur Sonne.
»Wieso macht ihr beide euch das Leben schwer, wenn ihr euch offensichtlich sehr gerne mögt?«, fragte sie und dachte kurz an Ran und Baki – schob den Gedanken allerdings schnell wieder zur Seite.
»Naja«, Mamiya atmete tief durch.
»Weil es einfach nicht funktioniert. Wir waren schon immer gute Freunde und haben auch versucht noch mehr zu sein, aber es funktioniert einfach nicht. Wir sind uns viel zu ähnlich und geraten deshalb ständig aneinander. Und wenn man sich immer nur streitet, nagt das an einem. Wir haben es oft versucht, aber es hat nie funktioniert. Deshalb haben wir beschlossen, es zu lassen und Freunde zu bleiben, bevor wir noch anfangen uns zu hassen.« Kae hörte ihr aufmerksam zu, während Mamiya den Kopf in den Nacken legte und in den Himmel sah.
»Ich bin nur noch nicht bereit dazu eine einfache Freundschaft zu führen. Das braucht Zeit. Innerlich habe ich wohl noch immer nicht damit abgeschlossen.«
»Du hast beschlossen, dass es keinen Sinn macht so an jemanden zu hängen, aber tust es trotzdem noch?«, fragte Kae weiter, während sie in die Ferne starrte und mit ihren Daumen langsam über ihr Halsband strich. Mamiya zuckte mit den Schultern.
»Ja, es ist kompliziert. Vielleicht ist das ein erwachsenen Ding, oder so. Wenn du mal erwachsen bist, weißt du vielleicht-«, sie sah zu ihr und stockte, als sie sie ansah. In diesem Moment ließ Kae erschrocken von ihrem Halsband ab und wurde rot.
Na, wahrscheinlich kannst du es sehr wohl schon nachvollziehen. Schließlich trägst du es immer noch jeden Tag und schützt es, als wäre es dein größter Schatz. Wahrscheinlich ist es das auch. Dachte Mamiya und beschloss Kae nicht noch weiter in Verlegenheit zu bringen und sie nicht darauf aufmerksam zu machen. Sie hatte es ohnehin schon selbst verstanden. So ließ sie sich schließlich auf den Rücken fallen und hob ihren Arm in die Luft, als würde sie nach den Wolken greifen wollen.
»Irgendwann treffe ich bestimmt einen guten Kerl.«
Kae sah über ihre Schulter zu ihr. Mamiya schien nachdenklich und ließ den Arm wieder sinken.
»Weiß nur noch nicht, wie ich dann erkenne, dass es auch wirklich passt.«
»Ich mach dann so – », Kae formte mit ihrem Daumen und ihrem Zeigefinger ein O, als Mamiya sie ansah.
»Dann weißt du, dass es wirklich passt.«
Mamiya fing an zu lachen, war gleichzeitig aber auch gerührt.
»Das ist gut. Dir vertraue ich. Wenn du sagst, es ist gut, dann ist es auch gut.« Auch Kae lächelte.
»Dann ist es ja geklärt.«
Mamiya nickte.
»Ich glaube, es ist Zeit. Ich hole Ira und Maze, damit ihr Naruto abholen könnt.«
»Okay.«
Kurze Zeit später standen die Mädchen vor Narutos Wohnungstür. Nach einer ganzen Weile und einige Male klopfen, öffnete er endlich die Tür. Er stand noch dort im Schlafanzug und rieb sich verschlafen die Augen.
»Hä? Was macht ihr denn hier?«
»Wir sind euer persönlicher Abholdienst, gnädiger Herr.«, erklärte Maze und stemmte die Hände in die Hüfte. Doch Naruto verstand noch nicht ganz.
»Abholdienst?«
Ira seufzte.
»Für das P-p-p-p-p-passfoto. Für unseren Ausweiß. Du solltest dich umziehen, sonst k-k-k-k-kommen wir zu spät.«, sagte sie und sah neidisch auf Narutos Schlafmütze.
Seine Augen weiteten sich erfreut, als er endlich begriff, worum es ging.
»Ah ja!«, rief er.
»Davon hat Sensei Iruka noch gesprochen. Ich habe mir da was für überlegt! Wartet hier auf mich, ja?«, er warf die Tür wieder ins Schloss und ließ die Mädchen ratlos zurück.
»Das kann nichts Gutes bedeuten, oder?«, fragte Maze, freute sich aber schon darauf. Sie liebte Narutos Streiche. Ira schüttelte den Kopf, während Kae die Arme verschränkte und seufzte.
»Na dann warten wir mal.«
Während die Kinder sich auf den Weg gemacht hatten, klopfte es bei den Oki Geschwistern an der Tür. Shigure öffnete diese und sah Genma, der mit seinen Händen in den Taschen vor der Tür stand und ihn gelangweilt ansah.
»Hi.«, kam nur kurz von ihm.
»Hallo.«, begrüßte auch Shigure ihn kurz angebunden.
»Ist Mamiya auch da?«, fragte Genma, während er über Shigures Schulter sah. Dieser trat einen Schritt zur Seite, damit er eintreten konnte – was er auch direkt tat.
»Hallo Genma.«, begrüßte Mamiya ihn, während sie am Esszimmertisch Zwiebeln schnitt, um das Mittagessen vorzubereiten. Sie rieb sich die Augen, die langsam anfingen zu tränen.
»Wow, das ist ja fast so schlimm wie in die heißen Quellen zu fallen, nur das es in den Augen brennt und *nicht im Arsch!* äh ich meine nicht auf der Haut.«
Genma stockte und musste sich sichtlich ein schmunzeln verkneifen. Mamiya bemerkte dies und stand auf, um sich die Hände zu waschen.
»Du darfst ruhig lachen. Ist schon in Ordnung.«
»Später vielleicht.«, antwortete Genma, konnte sich aber ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
»Der Hokage wünscht euch beide zu sprechen.« Mamiya drehte ihren Kopf zu ihm.
»Wen? Shigure und mich?«
Genma nickte, während er auf seiner Nadel herum kaute.
»Beeilt euch. Er möchte euch sofort sehen.«, er drehte sich um und lief wieder zur Haustür.
»Was möchte der Hokage denn?«, fragte Shigure, der nicht sonderlich begeistert zu sein schien. Genma blieb nicht stehen, als er antwortete.
»Das möchte er euch selbst sagen.«
Shigure sah zu Mamiya und war natürlich nicht begeistert.
»Hab auch kein Bock.«, gab Mamiya zu, während sie sich die Hände abtrocknete.
»Hoffen wir mal, dass es sich um etwas ganz banales dreht. Wird schon schief gehen. Komm, wir bringen es schnell hinter uns.«, achtlos warf sie das Handtuch auf denn Esstisch und verließ mit Shigure die Wohnung.
Kurze Zeit später betraten die Geschwister das Haus des Hokages und liefen direkten Weges zu dessen Büro.
»Vielleicht sind wieder Kinder aufgetaucht, die wir aufnehmen sollen.«, überlegte Shigure, der schon den ganzen Weg darüber gegrübelt hatte, was Hiruzen nur von ihnen wollen könnte.
»Das wärs. Dann bräuchten wir aber eine neue, größere Wohnung.« Mamiya klopfte an die Tür des Zimmers des Hokages und wurde wenige Sekunden später auch schon hinein gerufen. So öffnete sie die Tür und betrat mit ihrem Bruder den Raum. Beide stockten abrupt, als sie sahen, dass nicht nur der Hokage anwesend war, sondern auch einige der bedeutsamsten Jo-Nin des Dorfes. Asuma Sarutobi, Kurenai Yuhii und Kakashi Hatake.
»Kommt herein – Mamiya und Shigure. Keine falsche Scheu.«, bat Hiruzen sie herein. Shigure kam der Einladung sofort nach – mehr oder weniger freiwillig, während Mamiya kurz stockte. Doch dann folgte sie ihrem Bruder. Dabei musterte sie die anwesenden Jo-Nin und blieb schließlich bei Kakashi hängen. Sie spürte plötzlich diesen Druck im Brustkorb, der immer dann kam, wenn ein Tic aus ihr herausbrach. Bitte nicht jetzt! Dachte sie erschrocken - doch es war schon zu spät. Sie sah Kakashi direkt in die Augen und rief:
»*Sollen wir uns siezen, duzen oder direkt bumsen?*«
Mamiyas Herz blieb stehen vor Scham, während Kurenai verwundert die Augen aufriss und Asuma in seinen Bart schmunzelte. Kakashi hingegen Übergang Mamiyas obszönen Kommentar und sagte stattdessen:
»Ich freue mich auch dich kennenzulernen. Sensei Mamiya.«
Während Mamiya vor Scham am liebsten im Erdboden versunken wäre, hatte Shigure das bemerkt, was an Mamiya vorbeigegangen war.
»Sensei?«, fragte er verwirrt. Und auch bei Mamiya schien es nun angekommen zu sein. Wie? Sensei? Hiruzen nickte und sagte mit ruhiger Stimme:
»Ich habe euch hier versammelt, um euch mitzuteilen, dass ihr auserwählt wurdet, die frischen Ge-Nin unter euren Fittichen zu nehmen und auszubilden. Jeder von euch bekommt ein Dreierteam zugeteilt.«
Während Kurenai, Asuma und Kakashi ruhig und unbeeindruckt schienen, starrten Mamiya und Shigure den Hokage ungläubig an.
»Sensei? Wir?«
Was für eine Katastrophe. Das konnte nur schief gehen.
In aller Ruhe zündete sich Hiruzen seine Pfeife an, bevor er Mamiya und Shigure antwortete. Schließlich sagte er nur:
»Natürlich. Warum nicht?«
Die Geschwister sahen sich an. Eine Mischung aus Schock, Empörung und Panik.
»*Hast du nicht mehr alle Tassen im Schrank?*«, rief Mamiya, die zum ersten Mal ihrem Tic zustimmen konnte, das Richtige gesagt zu haben. Hiruzen wirkte amüsiert.
»Ihr seid sehr gut ausgebildete Jo-Nin und wir haben viele Ge-Nin aus unserer letzten Abschlussklasse. Wir brauchen Ausbilder. Und ich empfinde euch als sehr geeignet für den Job.«
»Haben Sie die letzten Jahre nicht mitbekommen?«, fragte Shigure verwirrt und fühlte sich gar nicht wohl bei dem Gedanken, ein Sensei zu sein.
»Oh doch. Ich habe sehr wohl mitbekommen, wie ihr euch immer mehr zurückgezogen habt, nachdem eure Mutter euch plötzlich aufgesucht hatte.«
Mamiya und Shigure schluckten, als der Hokage genau ins Schwarze getroffen hatte.
»Ihr drei wart schon immer etwas Besonderes und habt euch euren Problemen nie gebeugt. Bis sie aufgetaucht war und eure Gefühlswelt durcheinander gebracht hat. Und deshalb habt ihr euch zurückgezogen.«
»Wir haben uns zurückgezogen, weil unsere Krankheiten stärker geworden sind.«, grummelte Mamiya und ballte die Hände zu Fäusten. Sie war offensichtlich wütend, doch Hiruzen blieb weiterhin ruhig und sah sie direkt an.
»Ihre hattet alle drei schon immer eure persönlichen Päckchen zu tragen, die du Krankheiten nennst. Sie sind nicht stärker geworden – ihr habt sie einfach nur mehr zugelassen.«
Mamiya und Shigure stockten. Da war was Wahres dran. Das wussten sie selbst. Dies zuzugeben und was daran zu ändern, war aber wieder ein ganz anderes Thema. Hiruzen sprach weiter.
»Ihr beide sorgt allerdings sehr liebevoll aber auch hartnäckig dafür, dass Ira nicht den Weg geht, den ihr gegangen seit. Das ist gut so, aber ihr predigt ihr Dinge, die ihr selbst nicht durchführt. Seit ein Vorbild. Und das nicht nur für Ira. Verschwendet nicht euer Talent und gebt es weiter. Steht zu euch. Ich glaube an euch.«
Die Geschwister sahen sich wieder an und schienen nachdenklich zu sein. Ja, es stimmt. Sie hatten sich die letzten Jahre sehr in Selbstmitleid gesuhlt. Sie schämten sich dafür. Hiruzen räusperte sich.
»Außerdem ist dies kein freundlicher Vorschlag von mir – sondern ein Befehl.«
»Wir sind am Arsch.«, flüsterte Mamiya ihren Bruder zu.
»Mhm.«, stimmte er zu.
Hiruzen reichte beiden jeweils ein Blatt Papier.
»Das sind die Mitglieder eurer Teams.«
Mit zittrigen Händen griffen Mamiya und Shigure danach und lasen leise für sich, die notierten Namen. Mamiyas Augen weiteten sich erstaunt, während Shigure zur Eissäule erstarrte. Seine große Schwester warf einen Blick auf seinen Zettel und wandte sich dann sofort wieder dem Hokage zu.
»Ist das nicht ein wenig unfair? Shigure hat es deutlich schwerer als ich.«
Doch Hiruzen schüttelte den Kopf.
»Nein, es ist genau richtig so. Vertraut mir.« Er nahm einen tiefen Zug von seiner Pfeife.
»Den Ge-Nin werden morgen ihre Teams vorgestellt. Kümmert euch danach um eure Schützlinge, verstanden? Behaltet diese Info aber bitte noch für euch.«
Die Geschwister nickten. Auch wenn Shigure seinen Blick noch immer nicht von seinem Blatt abgewendet hatte. Beide waren nicht begeistert. Aber es war schließlich ein Befehl.
»Ihr dürft abtreten.«
Mamiya atmete tief durch, verbeugte sich und machte sich daran wieder zu gehen. Ihr kleiner Bruder tat es ihr gleich. Kurenai, Asuma und Kakashi waren die ganze Zeit über still geblieben. Und auch Mamiya und Shigure schenkten ihnen keine Beachtung mehr. Doch bevor sie den Raum verlassen konnten, räusperte sich Asuma schließlich doch noch.
»Ähm, ich hätte da noch eine Frage Mamiya.«
»Ja?«, sie drehte sich zu ihm um. Asuma grinste hämisch und stellte seine Frage:
»Ich habe ja schon so einiges über dich und deine Tics gehört, aber was ich dich fragen wollte: Spiegeln deine Tics das wieder, was du insgeheim denkst?« Gespannt wartete er auf eine Antwort und ignorierte Kurenai, die ihn böse und tadelnd ansah. Selbst Hiruzen rieb sich genervt die Stirn. Nur Kakashi schien weiterhin unbeeindruckt zu sein und grinste vor sich hin. Mamiya kniff wütend die Augen zusammen und ballte die Hände zu Fäusten.
»Sag mal, hast du n Arsch offen? Natürlich nicht! Ich weiß vorher gar nicht, was ich sage! Unverschämt so eine Frage zu stellen! Frechheit! Komm Shigure, wir gehen!«, sie packte ihren Bruder am Arm und zog ihn hinter sich her – hinaus aus dem Zimmer des Hokages. Mit einem lauten Knall warf sie die Tür hinter sich zu. Nur ein Geknurrtes,
»*Arschloch*«
war zu hören. Sie hinterließ verwirrte Gesichter.
»Das Mädchen hat viel Mumm in den Knochen. Das muss man schon sagen.«, stellte Kakashi fest und schien sie tatsächlich ein wenig zu bewundern.
»Du bist unmöglich Asuma.« Kurenai schüttelte den Kopf, während sich Asuma verlegen am Hinterkopf kratzte und grinste.
»Oh je. Bei ihr habe ich es wohl verkackt.«
»Mamiya ist nicht nachtragend.«, kam es von Hiruzen.
»Sie ist nur manchmal sehr impulsiv. Aber ich bin davon überzeugt, dass beide einen sehr guten Job machen werden.«
Zum Glück hatten es Shigure und Mamiya einfach, sich nicht vor den Kindern zu verraten. Denn Ira, Kae und Maze blieben den Tag noch lange weg. Sie erzählten über das Passfoto Desaster von Naruto und das sie den restlichen Tag durch Konoha gestreift waren und viel Spaß hatten. In Zukunft werden sie schließlich nicht mehr so viel Zeit dafür aufbringen können. Schließlich fielen alle müde ins Bett. Selbst Mamiya und Shigure. Auch wenn es ihnen schwerfiel und ihre Gedanken noch immer ganz durcheinander waren. Sie mussten schließlich für den nächsten Tag fit sein.
Am nächsten Morgen waren Ira, Maze und Kae schon früh unterwegs. Sie waren wieder auf den Weg zur Akademie, aber mit einem anderen Gefühl im Bauch. Heute würde bekannt gegeben, wie die Teamzusammenstellungen sein werden.
»E-e-e-e-es wäre schön, wenn wir zusammen bleiben könnten.«, sagte Ira, als sie die Akademie fast erreicht hatten. Maze und Kae stimmten ihr zu. Auch sie würden sich darüber freuen. Es würde ihnen Sicherheit geben, die ihnen so wichtig war. Die Freundinnen waren so früh dran, dass sie die ersten im Klassenraum waren. Sie setzten sich und machten sich einen Spaß daraus zu erraten, wer wohl als Nächstes durch die Tür kommen würde. Nachdem sie bei Kiba und Shikamaru richtig geraten hatten, kam als Nächstes jemand durch die Tür, dessen Schritte sie noch nicht mal gehört hatten. Als wäre sie über denn Boden geschwebt. Mit erhobenem Haupt und gefühlslosem Gesichtsausdruck betrat Ai den Klassenraum.
»Habt ihr euch schon mal gefragt, wie lange sie wohl morgens vor dem Spiegel braucht?«, fragte Maze flüsternd und begutachtete Ai von oben bis unten. Das junge Mädchen hatte ihre schönen schwarzen Haare zu einer aufwendigen Hochsteckfrisur mit Haarnadeln hochgesteckt und trug ein rotes, seidiges Kimono. Auf ihren Lippen glänzte ebenso roter Lippenstift – umrahmt von ihrem porzelanartigen Gesicht. Ihre Holzschuhe klackerten, als sie auf einen Platz hinter den Mädchen zulief und sich setzte.
»Sie scheint tatsächlich geschwebt zu sein.«, kam es von Kae und daraufhin drehte sich Ira zu Ai um.
»Und bist du schon a-a-a-a-aufgeregt in welches Team du k-k-k-k-kommst?«
Ohne sie anzusehen, antwortete Ai einfach nur kurz und knapp.
»Nein.«
»Wow, d-d-d-d-d-danke für dieses aufschlussreiche Gespräch.«
Plötzlich zuckten alle in der Klasse erschrocken zusammen, als Akamaru wie vom Blitz getroffen laut bellte. Er stand auf dem Tisch und kläffte unaufhaltsam, während Kiba, der hinter ihm saß, aufstand und nach der Ursache suchte. Im Türrahmen des Klassenraumes stand eine schwarze Katze, die böse zu Akamaru hochsah, gefährlich fauchte und den Kamm aufstellte. Nur kurze Zeit später trat ein Mädchen neben die Katze. Sie hatte ihre Hände in den Taschen ihrer Lederjacke gesteckt und lugte zwischen ihre dunklen – türkisen Haaren hoch zu Akamaru und Kiba.
»Alter, halt deinen scheiß Köter zurück!«, rief sie genervt zu ihm hoch.
»Deine dämliche Katze hat doch angefangen!«, verteidigte sich Kiba wütend, während das Mädchen den Kopf schüttelte.
»Vollidiot.«
»Dumme Kuh!«
Seufzend lief sie auf das gegenüberliegende Fenster zu und setzte sich auf die Fensterbank. Sofort sprang ihr ihre Katze auf den Schoß und rollte sich schnurrend ein.
»Hey! Hatsumomo!«, rief Maze, die sich halb über ihren Tisch gebeugt hatte und ihren Kopf mit ihren Händen abstützte. Hatsumomo sah zu ihr, während Maze weiter sprach.
»Stell dir mal vor, du kommst mit Kiba und Akamaru in ein Team. Das wäre was, oder?«
Hatsumomo schnaufte.
»Deshalb habe ich mich direkt ans Fenster gesetzt. Sollte das so sein, können Sushi und ich uns sofort hinaus stürzen.«
Sie grinste, während Maze lachte.
»Sind mittlerweile eigentlich alle da?«, fragte Kae und Ira schüttelte den Kopf.
»N-n-n-n-n-ne. Soraya fehlt noch.«
Wie aufs Stichwort stürzte die letzte ehemalige Schülerin herein, stützte sich auf ihren Knien ab und schnaufte. Sie schien sich beeilt zu haben. Ihre grünen Haare und ihre schrille Kleidung tat wie immer in den Augen weh. Nachdem sie noch einmal durchgeatmet hatte, richtete sie sich auf und rief laut:
»Peace Leute!!«, und streckte die Arme in die Luft. Hatsumomo lehnte ihren Kopf gegen die Fensterscheibe und seufzte.
»Die einzige Person, die es schafft noch nerviger zu sein, als Naruto.«
»Apropos Naruto. Schaut m-m-m-m-mal da.«
Hatsumomo und Kae folgten Iras Hand, die in eine Richtung deuteten. Maze hatte es schon gesehen und sah mit weit aufgerissenen Augen zu, wie Naruto und Sasuke, sich mehr oder weniger freiwillig küssten. Nach einem kurzen, stillen Moment, indem die ganze Klasse wie erstarrt schien, lösten die beiden Jungs den Kuss und rieben sich entsetzt ihre Münder ab und ekelten sich offensichtlich vor diesem Unfall.
»Oh man.«, Hatsumomo rieb sich genervt die Stirn, während Maze, Ira und Kae amüsiert zusahen, wie der Rest der Mädchen in einen Tobsuchtsanfall nach dem anderen verfielen. Maze wandte sich an ihre Freundinnen.
»Was ist eigentlich so besonders an Sasuke?«
»Er... sieht gut aus.«, kam es unerwarteterweise von Ai, die sonst ihre Worte nur sehr sparsam nutzte. Ihr weißen Wangen waren sogar leicht gerötet.
»Ach du scheiße.«, lachte Hatsumomo.
»Du gehörst auch zum Sasuke Fanclub? Oh man.«
»Er sieht gut aus? Das ist der einzige Grund?«, fragte Maze verdutzt. Ira stützte ihren Kopf mit ihrer Hand ab und erklärte Maze.
»Objektiv betrachtet tut er das a-a-a-a-auch. Das ist aber n-n-n-natürlich auch Geschmackssache.«
»Aber er ist doch übel arrogant. Da kann er noch so gut aussehen. Ein ätzender Kerl bleibt er trotzdem noch.«, Maze verschränkte die Arme und schüttelte den Kopf über die Dummheit der Mädchen im Klassenraum. Kae nickte ihr zustimmend zu.
»Aber sehen wir es mal so.«, kam es von Hatsumomo.
»Dadurch kann man ganz leicht erkennen, welche Mädchen in dieser Klasse was im Kopf haben und welche nicht. Sasuke Fanclub: Kein Grips im Kopf. Mädchen denen Sasuke am Arsch vorbei geht: Viel Grips im Kopf.«, sie grinste triumphierend zu Ai hinauf, die sie böse ansah und konterte:
»Und wozu gehören Mädchen, die regelmäßig so tun, als würden sie Kiba hassen und ihn insgeheim doch toll finden? Viel Grips oder wenig Grips?«
Hatsumomo schnaufte.
»Halt lieber wieder die Klappe. Schweigend hast du mir besser gefallen.«
Im nächsten Moment betrat Iruka den Raum. Er schien ein wenig geknickt zu sein. Es war ja auch schließlich das letzte Mal, dass er seine Klasse in dieser Konstellation so erleben durfte. Nachdem er erfolgreich Soraya dazu verdonnert hatte, sich endlich hinzusetzen, räusperte er sich und sprach:
»Wie ihr wisst, werdet ihr heute erfahren, mit welchen eurer Kameraden ihr in Zukunft ein Team bilden werdet. Euren Gruppen werden jeweils ein sehr erfahrener Jo-Nin zugeteilt, der die weitere Ausbildung von euch übernehmen wird. Ich bin auf jeden von euch sehr stolz, dass er es bis hier hin geschafft hat. Aber vor euch liegt noch ein langer und harter weg, um ein erfolgreicher Shinobi oder eine erfolgreiche Kunoichi zu werden. Arbeitet hart und diszipliniert.«
Kae hörte aufmerksam zu und spürte dieses kribbeln im Bauch. Sie war aufgeregt und gespannt auf ihre Zukunft. Außerdem konnte sie es kaum erwarten zu erfahren, mit wem sie ein Team bilden würde. Gleichzeitig machte sie sich sorgen. Es könnte auch bedeuten, dass sie und Maze getrennt werden. Und sie war sich nicht sicher, ob sie beide schon bereit dafür waren. Sie sah zu ihrer kleinen Schwester und bemerkte, wie sie alles tat, nur nicht dem zuhörte, was Iruka zu sagen hatte. Ihr leerer Blick zeigte, dass sie mit ihren Gedanken ganz woanders war. Kae hob ihre Hand und schnipste gegen ihre Schläfe. Erschrocken zuckte Maze zusammen und sah Kae böse an.
»Ey, was soll das?«
»Hör Sensei Iruka zu. Es ist wichtig.«
»Jajaja. War bis jetzt denn was wichtiges?«
Sie rieb sich ihre Schläfe, als Iruka einen Zettel hervorzog und begann vorzulesen. Nachdem er schon einige Teams genannt hatte, war er bei Team 5 angekommen.
»Team 5. Ai Yeoh, Hatsumomo Minase und Soraya Sanbe.«
»Ach du scheiße.«, stöhnte Hatsumomo und auch ihre Katze Sushi Miaute protestierend auf.
»Das ist ja cool! Ich freue mich!«, während Soraya begeistert war, zeigte Ai ihr perfektes Pokerface. Obwohl sich alle sicher waren, dass sie ganz sicher genauso wenig begeistert war, wie Hatsumomo. Iruka ignorierte die Proteste und las weiter vor.
»Team 6. Ira Oki, Maze Ryu und Kae Ryu.«
Einen kurzen Moment schienen die drei wie versteinert. Damit hatten sie nicht gerechet. Doch im nächsten Moment fielen allen drei ein riesiger Stein vom Herzen. Ohne das es jemand aussprach, waren sie sehr glücklich und erleichtert mit dem Ergebnis.
»Nach dem Mittagessen lernt ihr eure Sensei kennen.«, kam es noch von Iruka, bevor die Klasse sich für die Mittagspause auflöste.
Team 5 und Team 6 saßen zusammen auf dem Hof der Akademie. Während Maze seitlich auf der Schaukel saß und der Rest sich auf dem Boden verteilt hatte. Jeder aß sein mitgebrachtes Mittagessen - außer Ai.
»Hast du dein Mittagessen vergessen oder musst du auf deine Figur achten?«, kam es schnippisch von Hatsumomo. Ais Mundwinkel zuckten.
»Eine gute Kunoichi kommt auch ohne Essen aus.«
Hatsumomo verdrehte die Augen.
»Schweig lieber wieder.«
Soraya klatschte plötzlich aufgeregt in die Hände und teilte ihre Idee mit den anderen.
»Wie wäre es, wenn wir uns gegenseitig vorstellen und uns sagen, was wir mögen und was wir nicht mögen. Wir könnten auch ein Spiel daraus machen.«
»Super Idee.«, rief Hatsumomo zynisch.
»Ist ja nicht so, als hätten wir nicht alle zusammen die ganze Akademielaufbahn durchgemacht. Und die drei brauchen das bestimmt ganz dringend. So fremd wie sie sich sind.« Sie zeigte auf Ira, Maze und Kae, wobei Ira das Wort ergriff.
»Du bist g-g-g-g-g-ganz schön viel a-a-a-am M-m-m-m-m-meckern, H-h-h-h-h-hatsumomo.«
Hatsumomo seufzte genervt und äffte Ira nach.
»Das t-t-t-t-t-tut mir aber l-l-l-l-l-leid.«
Doch nachdem sie es gesagt hatte, bereute sie es auch direkt wieder. Ira sah sie erschrocken an, während Soraya und Maze entrüstete die Augenbrauen zusammengezogen hatten. Mit rauer Stimme sagte Kae:
»Das war unnötig.«
Betroffen sah Hatsumomo auf ihre Bento-Box auf ihrem Schoß.
»Das stimmt. Das tut mir leid. Ehrlich. Ich bin oft zu impulsiv. Das hätte nicht auf deine kosten gehen dürfen. Du musst dir deswegen schon genug Mist anhören.«
»Schon o-o-o-o-okay.« Ira hatten ihre Worte zwar kurz getroffen, aber sie war froh, dass es Hatsumomo war. Da konnte sie sich wenigstens sicher sein, dass sie den Spott nicht ernst meinte. Leider gab es noch immer genug aus ihrem Jahrgang, die Ira wegen ihres Stotterns verurteilten und sich über sie lustig machten. Plötzlich erhob Ai ihre Stimme und wandte sich an Maze und Kae, als wäre ihr der vorherige Vorfall völlig gleichgültig.
»Ihr seit nun nicht nur Bürger von Konoha, sondern auch Kunoichi. Ihr tragt das Stirnband mit den Zeichen Konohas. Wie fühlt ihr euch dabei? Fühlt es sich richtig an?«
Maze verzog wieder das Gesicht und verstand ihre Frage nicht.
»Natürlich fühlt es sich richtig an. Soll es sich falsch anfühlen?«
Kae sagte nichts, sondern musterte Ais Gesicht. Sie wusste, auf was sie hinauswollte. Ai atmete tief durch, bevor sie antwortete.
»Ich weiß es nicht. Deshalb frage ich euch. Schließlich stammt ihr aus Sunagakure. Ihr seid Kunoichi aus Konoha. Aber vielleicht fühlt es sich für euch fremd und falsch an.«
»Was redest du für einen Unsinn?«, Maze war entrüstet.
»Konoha ist zu unserer Heimat geworden. Wir fühlen uns sehr wohl hier.«
Ai hob ihren Blick und sah Kae direkt in die Augen, ohne Maze zu beachten. Wenige Sekunden hielten die beiden Mädchen ihren Blick stand, bis Ais Blick auf Kaes Halsband fiel.
»Und das?«, fragte sie schließlich, während sie die Metallplatte mit dem eingravierten Symbol von Sunagakure fixierte.
»Was bedeutet das? Ich weiß nur, dass ihr dort schlimmes erlebt haben sollt. Wieso trägst du es dann?«
»Das Halsband hat nichts mit dem Dorf zu tun.«, Kaes Stimme war dunkel und rau, während sie sprach. Ais Mundwinkel zuckte und sie hob wieder ihren Blick, um ihr in die Augen zu sehen.
»Womit dann?«
Diese unverschämte Neugier machte Kae wütend. Doch sie versuchte ihre Wut zu unterdrücken, um Ai nicht anzuspringen, um ihr den Hals umzudrehen. Ira merkte das und mischte sich ein.
»W-w-w-weißt du Ai.«, sagte sie, während sie genau wusste, welche Geschichte sich hinter dem Halsband verbarg. Kae hatte es ihr, Shigure und Mamiya erzählt.
»Es gibt Dinge, die g-g-g-gehen dich einfach n-n-n-nichts an.« Ai sah nun zu Ira.
»Ich hinterfrage nur die Loyalität gegenüber unseres Dorfes.«
»Alter, bist du doof?«, Hatsumomo schlug leicht gegen Ais Hinterkopf, während sie sprach.
»Hör auf so beknackte Fragen zu stellen.«
Auch Soraya mischte sich ein.
»Kae und Maze sind schon lange unsere Mitschülerinnen und nun unsere Kameraden. Natürlich sind sie loyal.«
Ai schnaufte kurz auf.
»Wir werden sehen.« Sie stand auf und richtete vorsichtig ihr Kimono.
»Wir sollten wieder zurück in die Klasse gehen.« Und so ging sie davon – ohne auf ihre Kameraden zu warten – geschweige denn zurückzusehen.
»Tut uns leid.«, entschuldigte sich Soraya bei den Schwestern.
»Ai war schon immer irgendwie komisch.«
»Die Alte spinnt.«, knurrte Hatsumomo.
»Kotzt mich an, dass wir ein Team sind.«
Soraya seufzte zustimmend. Ira sah Ai kurz hinterher und blickte dann zu Maze und Kae. Maze hatte noch immer ihr Gesicht wütend verzogen, während Kae ihr gefühlloses Pokerface aufgelegt hatte. Ira wusste allerdings, dass es in ihr brodelte.
»N-n-n-n-nehmt euch das b-b-b-b-bloß nicht zu Herzen.«
Hatsumomo stand auf und klopfte sich den Staub aus ihrer Hose. Dabei grummelte sie genervt:
»Ai mag es Stress zu machen. Auch wenn sie immer so unnahbar und gleichgültig wirkt. Probleme amüsieren die edle Lady.«
»Wissen wir.«, antwortete Kae und erhob sich ebenfalls.
»Allerdings sollten auch wir wieder zurück in die Klasse gehen und das ganze hier einfach vergessen. Es ist schließlich soweit.«
Kurze Zeit später fanden sich alle Teams in der Klasse wieder und warteten auf ihre Senseis. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Teams abgeholt wurden. Doch dann trat jemand durch die Tür, mit dem niemand gerechnet hätte.
»Seht ihr das?«, rief Maze verwundert und sah zur Tür. Auch Kae und Ira hatten es gesehen. Den Mädchen stockte der Atem.
»D-d-d-d-das glaube ich nicht.«, flüsterte Ira schockiert.
Shigure war in den Raum getreten. Sein Gesicht versteinert. Er vermied den Blickkontakt zu Ira, Maze und Kae, die alle drei mit offenen Mündern dort saßen. Er rief:
»Team 5!«
Kae und Ira sahen sich an. Sie konnten nicht glauben, was sie dort sahen. Shigure? Als Sensei? Von Team 5? Auch Hatsumomo, Ai und Soraya hatten ihn natürlich gehört, doch glaubten sie es nicht. Hatsumomo sah zu Ira und zischte ihr zu, damit sie ebenfalls zu ihr sah:
»Was macht dein Bruder hier?«
Ira zuckte mit den Schultern.
»Team 5!«, rief Shigure wieder. Seine Stimme schien wackeliger zu werden. Verwirrt und unsicher ging Team 5 auf ihn zu und blieb vor ihm stehen. In den Gesichtern der Kinder spiegelten sich große Fragezeichen wieder. Shigure schluckte und sagte nur:
»Folgt mir.«, und lief aus dem Raum. Während Ai und Soraya ihm sofort folgten, drehte sich Hatsumomo noch mal zu Ira um.
»Erzähl uns a-a-a-a-a-alles.«, rief diese ihr zu. Hatsumomo nickte und folgte schließlich ihrem Team. Kurz herrschte Schweigen zwischen Kae, Maze und Ira, bis Maze wieder das Wort ergriff.
»Ich kann nicht glauben, was da gerade passiert ist.«
»Ich auch nicht.«, gab Kae zu. Ira starrte immer noch zur Tür.
»Jetzt b-b-b-b-bin ich noch mehr g-g-g-g-gespannt, wer unser S-s-s-s-sensei wird.«
Und wie aufs Stichwort trat jemand durch die Tür. Es war Mamiya.
»Ich glaub es geht los.«, Maze war fassungslos. Um Ira und Kae stand es nicht anders. Mamiya schien verunsichert und schwitze. Sie atmete einige Male tief durch, bevor sie rief:
»Team 6!«
»Was zum...?«
»Häääh?«
»Was ist denn los hier?«
Mamiya sah direkt zu ihrer kleinen Schwester, Maze und Kae. Als sich keiner rührte, rief sie wieder:
»Team 6 habe ich gesagt!«
Team 6 zuckte zusammen und lief dann auf sie zu. Vielleicht war das alles ja auch nur ein Traum. Oder ein großartiges Schauspiel. Die drei blieben vor Mamiya stehen und sahen sie mit großen Augen an. Diese räusperte sich.
»Folgt mir. Wir sprechen uns draußen.«
Und so trat Mamiya wieder aus dem Raum.
»Das wird spannend.«, sagte Kae leise, während ihre Kameraden ihr direkt zustimmten. Schnellen Schrittes und mit klopfenden Herzen folgten sie ihrem augenscheinlichem Sensei auf den Hof der Akademie.
Nicht wissend, ob sie sich köstlich amüsieren oder angst haben sollten, folgten Kae, Maze und Ira Mamiya auf den Hof der Akademie. Schnellen Schrittes lief Mamiya voran – blieb dann aber plötzlich abrupt stehen. Die Mädchen stoppten ebenfalls sofort – allerdings sehr ungeschickt. Mamiya drehte sich zu ihnen um und stemmte die Hände in die Hüfte. Dabei sah sie sie streng an. Die Mädchen entgegneten ihren Blick belustigt aber auch verwirrt.
»Ich habe noch nie gesehen, dass ihr so blöd aus der Wäsche schauen könnt.«, sagte Mamiya schließlich.
»Wir -«, begann Maze zögerlich.
»Haben auf unseren Sensei gewartet.«
»Na dann kann ich euch was Erfreuliches mitteilen. Euer Sensei steht vor euch.«
Mit großen Augen starrten die drei sie weiterhin an und sahen sichtlich fragend aus.
»Ich bin euer Sensei!«, rief Mamiya genervt und klopfte sich auf die Brust, um ihre Aussage noch zu unterstreichen.
»WAS?!«, riefen die Mädchen gleichzeitig.
»Er hats echt gemacht.«, flüsterte Maze ihren Freundinnen zu – die sie daraufhin mahnend ansahen, damit sie den Mund hält. Doch Mamiya hatte es gehört.
»Wer hat was gemacht?«
»Wie kam das denn zustande?«, versuchte Kae die Situation noch schnell zu retten. Mamiya atmete genervt aus.
»Befehl vom Hokage. Kann ich nichts gegen machen. *Auch nichts gegen sein hässliches Gesicht. Da kann ich auch nichts gegen machen.*« Mamiya zog die Augenbrauen zusammen. Nicht als Folge eines Tics, sondern aus Ärger und Scham. Ira verstand ihre Schwester sofort.
»Du f-f-f-f-fühlst dich nicht wohl dabei, st-st-st-stimmts?«
Mamiya sah sie direkt an und nickte.
»Ich verstehe den *alten Sack* nicht. Ich kann kein guter Sensei sein.«, verlegen kratzte sie sich am Hinterkopf.
»Wieso nicht?« erschrocken zuckte Mamiya zusammen. Es war Irukas Stimme hinter ihr. Sie hatte ihn gar nicht bemerkt. Mit verschränkten Armen stellte er sich zu den Kindern.
»Du weißt ganz genau warum. Mit meinen Tics ist es unmöglich.«
»Ich habe dich vorgeschlagen.«, gab Iruka zu und sah sie eindringlich an. Mamiyas Augen weiteten sich erschrocken.
»Bist du doof?!«, rief sie wütend.
»Die Frage war ernst gemeint!«
»Das weiß ich.«, seufzte Iruka und schloss kurz die Augen, bevor er weiter sprach.
»Du versteckst dich hinter deiner Krankheit. Du denkst, deine Umgebung empfindet sie als belastend und störend. Aber dies ist gar nicht der Fall. Du bist eine ausgezeichnete Kunoichi. Die Kinder können viel von dir lernen.«
»Was mischt du dich da ein?«, Mamiya wurde lauter und Iruka ebenfalls.
»Ich will, dass du dich nicht einsperrst und unglücklich bist!«
»Wer sagt das ich unglücklich bin?!«
Iruka stockte kurz. Dann sah er zu Ira, Kae und Maze. Mamiya zog scharf die Luft ein und sah wütend zu ihnen. Aber ganz leicht blitzte der Funke der Dankbarkeit in ihren Augen. Die Kinder sahen genau hin und verstanden ihre Seele.
»Wir sehen es jeden Tag. Du versteckst es hinter deinen Witzen und deinem Lächeln. Aber dann sitzt du wieder traurig am Fenster und schaust gedankenverloren hinaus.«, erklärte Kae und blickte sie wieder so an, wie Kae es nur konnte. Durchbohrend. Intensiv. Mamiya seufzte. Mit etwas weicherem Blick wandte sie sich wieder an Iruka.
»Ich werde aber niemals in der Lage sein Missionen auszuführen. Vor allem keine wichtigen oder gefährlichen. Meine Tics würden alle nur in Gefahr bringen.«
Iruka lächelte und schüttelte leicht den Kopf.
»Ich persönlich habe dich im Krankenhaus ganz anders erlebt. Du kannst das sehr wohl. Der Hokage wird dich mit Sicherheit auch nicht sofort auf eine S-Mission schicken. Aber er glaubt an dich. Die Mädchen glauben an dich. Ich glaube an dich.«
Mamiya wurde um ihre Ohren leicht rot und wandte schnell wieder ihren Blick ab. Verlegen kratzte sie sich wieder am Hinterkopf und verzog genervt das Gesicht.
»Aaach, scheiße. Kann ich wohl nichts machen.«
Wieder nickte Iruka zustimmend.
»Nein, aber du kannst dran wachsen.«
»Und was ist mit Shigure? Steckt ihr da auch hinter? Kam er euch auch unglücklich vor?«
Ira und Kae sahen sich kurz amüsiert an.
»N-n-n-n-nein. Er war der glücklichste Mensch, den wir kennen in s-s-s-seinem Zelt. Wir h-h-h-haben damit nichts zu tun.«
»Ich auch nicht.«, kam es von Iruka.
»Das hat allein der Hokage bestimmt. Allerdings finde ich es richtig. Er ist ein sehr guter Shinobi. Und hat sich sehr gerne hinter dich und seinen Problemen versteckt. Er muss mal wieder in die Realität zurückgeholt werden.«
Mamiya verstand und stimmte sogar zu.
»Na dann-«, Iruka hob die Hand zum Abschied.
»Ich bin dann mal wieder weg.« Er drehte sich um und lief los – blieb dann aber doch noch kurz stehen und rief über seiner Schulter zu Mamiya:
»Wenn was ist, dann kannst du immer zu mir kommen.«
Dann lief er weiter, ohne ihre Reaktion abzuwarten. Mamiya war das auch ganz recht so. Denn ihre Gesichtsfarbe glich der einer Tomate. Sie spürte die amüsierten Blicke der Kinder ganz genau. Deshalb zog sie ihre Augenbrauen zusammen und zischte sie an.
»Wenn ihr noch mal Iruka mit ins Boot holt, verpass ich euch was! *Ihr scheiß Kinder!*«
Ira und Kae sahen sich grinsend an. Als würden sie sich sagen wollen: Der Plan hat funktioniert. Doch plötzlich kam Mamiya noch ein weiterer Gedanke.
»Wie geht es jetzt wohl Shigure?«
Sie rieb sich die Stirn.
»Er wird durchdrehen. Bei den Schülerinnen.«
Seit einer gefühlten Ewigkeit stand Shigure auf einem Trainingsplatz und starrte seine Schülerinnen nicht an - sondern starrte durch sie hindurch. Hatsumomo, Ai und Soraya standen vor ihm. Augenscheinlich klebte ihnen ein riesiges Fragezeichen im Gesicht.
»Hallo?«, brach Hatsumomo als erstes das Schweigen.
»Kommt da heute noch was?«
Shigure schluckte und sah dann die Mädchen einzeln an. Auch zu Hatsumomos Katze Sushi blickte er. Wie ein aufgeschrecktes Reh. Hatsumomo und Ai sahen sich an, als würden sie sich fragen, ob es nicht besser wäre zu flüchten, während über Sorayas Gesicht ein riesiges Grinsen thronte. Mit krächzender Stimme, die ein wenig zu hoch geraten war, sagte Shigure schließlich doch noch etwas.
»Morgen zur gleichen Zeit. Hier.«
Dann drehte er sich auf den Absatz um, ohne seinen Kopf zu bewegen, und lief einfach davon.
»Eeeh?!«, rief Hatsumomo erschüttert.
»Alter, was war das denn?«
Ai schüttelte den Kopf.
»Unglaublich.«
»Ich glaube, wir werden viel Spaß miteinander haben!«, rief Soraya viel zu übermotiviert. Hatsumomo sah sie an, als hätte sie von Wesen aus dem All gesprochen.
»Du hast doch Lack gesoffen.«
»Ich gehe.«
Und mit einem Ai typischen genervten Gesichtsausdruck machte sie sich auf den Weg nach Hause. Hatsumomo seufzte, während sie ihr kurz hinterher sah.
»Ich auch.« Und so lief auch sie nach Hause. In eine andere Richtung, als die von Ai. Soraya sah ihnen verwirrt hinterher.
»Hey! Wir könnten doch noch zusammen rumhängen oder so?!«
Ai reagierte nicht. Hatsumomo hob dafür die Hand zum Abschied.
»Bis morgen, Soraya.«
Soraya blieb alleine zurück. Sie war zwar ein sehr positiver Mensch. Aber tatsächlich war sie sich nicht sicher, ob dieses Team funktionieren kann.
Bei den Oki zu Hause lief der Abend relativ ruhig ab. Shigure ist wortlos zurück in sein Zelt verschwunden. Die anderen ließen ihn absichtlich in Ruhe. Sonst würde er sich noch sofort in Luft auflösen, nur um kein Teil dieser Welt mehr zu sein. Auch Mamiya schien müde zu sein. So viel frische Luft an einem Tag war sie nicht mehr gewohnt. Deshalb beschloss sie, früh ins Bett zu gehen. Ira, Maze und Kae hingegen blieben noch ein wenig wach. Sie lagen alle drei im großen Bett von Kae und Maze und redeten über den Tag und ihre Zukunft. Sie waren aufgeregt und enthusiastisch. Mit Mamiya als Sensei an ihrer Seite fühlten sie sich sicher.
»I-i-i-i-ich bin froh. H-h-h-hatte echt Angst vor jemanden fremden, der m-m-m-mich n-n-nur auslacht oder nicht e-e-e-ernst nimmt.« Kae und Maze verstanden Ira zu gut. Das jüngste der Oki-Geschwister schien nach außen hin selbstbewusst und gefasst. Aber das war sie nicht. Ira musste sich immer wieder mit Gelächter auseinandersetzen und damit, dass sie durch ihr stottern nicht ernst genommen - und schwach wahrgenommen wurde. Ihre große Schwester als Sensei zu haben, gab ihr Mut und Halt. Sie war sich sicher, dass dies ihr den Start auf ihrem Ninja-Weg erleichtern würde. So ähnlich dachte auch Kae. Sie ging bei Weitem nicht leichtfertig damit um, anderen Menschen ihr Vertrauen zu schenken. Auch für Mamiya war es nicht leicht gewesen, sie von sich zu überzeugen. Maze ging es ähnlich. Auch wenn sie nach außen hin fröhlich und offen rüber kam, hatte die Vergangenheit ebenfalls an ihr genagt. Allerdings hatte sie ihr Glauben an gute Menschen nicht verloren. Ganz im Gegenteil. Sie wollte anderen Menschen vertrauen und zog Kae so mit sich. Das Ganze endete in einer fest zusammengewachsenen Familie in der Maze und Kae sehr glücklich geworden waren. Trotzdem gab es einen kleinen Teil von ihnen, der Angst hatte, auch diese Familie zu verlieren.
Der nächste Tag war angebrochen. Und er schien wie gemalt zu sein. Die Sonne schien in ihrer vollsten Pracht, während der Wind sanft durch Bäume, Blätter und Blumen wehte. Hatsumomo kam als Letzte beim Treffpunkt an. Das dachte sie zumindest zunächst. Sushi folgte ihr auf leisen Pfoten. Ai saß elegant auf einem Stein und Soraya vor ihr im Schneidersitz auf dem Boden. Hatsumomo gähnte ausgiebig, als sie ihre Teamkameraden erreicht hatte.
»Morgen.«, sagte sie eher beiläufig.
»Habt ihr den Sensei schon vergrault oder ist er noch nicht da?« Ai kniff genervt die Augen zusammen und Soraya antwortete.
»Er ist noch nicht da.«
»Na dann.«, sie stemmte die Hände in die Hüfte und im nächsten Moment hörten sie langsame Schritte auf sie zukommen. Es war Shigure. Wie aufs Stichwort. Während er auf sie zukam, schien sein Gesicht wie versteinert. Als er schließlich bei ihnen angekommen war, sagte er nichts, sonder sah nur von einem Mädchen zum anderen. Dies ging eine Weile so, bis Hatsumomo genervt seufzte.
»Guten Morgen?«
Shigures Blick blieb an ihr hängen.
»Laut der Definition der Uhrzeit, ist es nicht mehr morgen, sondern Mittag.«
Hatsumomo zog scharf die Luft ein und sah zu Ai mit einem Blick, der schrie: Was ist mit dem?! Shigure sprach weiter:
»Um es direkt klar zu stellen. Ich bin absolut nicht glücklich mit der Gesamtsituation.«
»Nett. Beruht auf Gegenseitigkeit.«, Hatsumomo schüttelte den Kopf.
»Du bist frech.«, kam es von Shigure, während er Sie immer noch ansah.
»Ich kann freche Kinder nicht leiden.«
Hatsumomo zog eine Augenbraue hoch.
»Und ich kann keine Arschgeigen leiden.«
Shigure holte Luft, doch bevor er etwas sagen konnte, fing Soraya an, in die Hände zu klatschen, und rief schnell dazwischen:
»Streiten ist keine Option! Wir sind nun ein Team und sollten zusammenhalten.«
»Aber wie soll ich bei ihm ruhig bleiben?«, fragte Hatsumomo und zeigte mit dem Daumen auf Shigure, während sie genervt das Gesicht verzog.
»Dein Gemecker nervt.«, schaltete sich auch nun Ai ein.
»Du tust gerade so, als wäre Shigures Art eine Überraschung für dich. Hast du Ira nie zugehört?«
Hatsumomo schnaubte.
»Fällt mir oft schwer wegen dem St-st-st-st-stottern.«
In einem Bruchteil einer Sekunde zog Shigure sein Tachi – die Waffe seines Vertrauens – und hielt sie Hatsumomo an den Hals. Sie zuckte erschrocken zusammen und hielt die Luft an. Sushi miaute aufgeregt.
»Mach dich noch mal über meine Schwester lustig.«, sagte Shigure mit ruhiger Stimme aber deutlicher Drohung im Klang. Ai rieb sich die Stirn.
»Du lernst es nicht, Hatsumomo.«
Soraya schien wie versteinert. Auch Hatsumomo schien sich fast in die Hose gemacht zu haben. Schließlich räusperte sich Soraya und hob beschwichtigend die Hände.
»Wir sollten uns nicht gegenseitig umbringen.«
Hatsumomo schluckte schwer und wusste gar nicht, wo sie hinsehen sollte.
»Tut mir leid. Das rutscht mir ständig raus. Das ist dumm von mir. Ich mag Ira sehr. Wirklich.«
Shigure starrte sie an, ließ aber schließlich das Tachi wieder sinken.
»Davon abgesehen, dass Ira meine kleine Schwester ist. Respekt ist mit das höchste Gut eines Shinobis. Und auch einer Kunoichi. Mit zu losem Mundwerk stirbt man schnell. Und das nicht ehrenvoll. Merk dir das.«
Hatsumomo nickte und war ganz rot um die Ohren vor Scham. Ai sah von Hatsumomo zu Shigure und beobachtete, wie er elegant das Tachi wieder zurück in die Scheide fuhr. In ihren Augen blitzte ein kurzer Moment der Bewunderung auf. Soraya versuchte die Stimmung nun wieder ein wenig aufzulockern.
»Wie wäre es, Sensei Shigure, wenn wir uns dir einmal vorstellen und du dich uns? Was wir mögen, was wir nicht mögen und was unsere Ziele sind und so.«
Shigure zog eine Augenbraue hoch.
»Macht man das so?«, fragte er. Soraya zuckte mit den Schultern.
»Es wäre zumindest schon mal ein Anfang. Ich kann gerne anfangen.«
Shigure seufzte und schob seine Hände in die Hosentaschen.
»Dann fang an.«
Soraya grinste erfreut und holte Luft.
»Aaaaalso. Ich heiße Soraya Sanbe und ich mag alles, was bunt ist. Streit kann ich nicht leiden. Und mein Ziel ist es, eine große Kunoichi zu werden und meine Familie zu schützen.«
Sie nickte als Zeichen, dass sie fertig war und sah zu Ai. Diese verdrehte die Augen – begann dann aber auch von sich zu erzählen.
»Ich heiße Ai Yeoh. Mein Ziel ist es, dem Dorf zu dienen. Und das ehrenvoll. Ich mag Musik. Was ich nicht mag... Katzenhaare.«, sie warf Hatsumomo einen leichten Blick von der Seite zu und um ihre Mundwinkel zuckte ein leichtes, amüsiertes Lächeln. Hatsumomo antwortete ihr mit dem Mittelfinger, während Sushi beleidigt knurrte. Ohne noch weiter auf Ai einzugehen, erzählte Hatsumomo von sich. Sie holte kurz Luft, da ihr der Schreck von Shigures Tachi an ihrem Hals ihr noch gut in den Knochen steckte.
»Ich bin Hatsumomo Minase. Ich gehe gerne spazieren. Und ich hasse es, Bücher zu lesen. Und mein Ziel ist es -«, sie atmete noch einmal durch.
»Nicht mehr so impulsiv zu sein. Erst denken, dann reden.«
»Gutes Ziel.«, sagte Shigure und Hatsumomo musterte darauf sein Gesicht, um abzuschätzen, ob er sich drüber lustig machte oder es ernst meinte. Sie konnte es nicht erkennen. Dafür würde sie ihn noch besser kennenlernen müssen.
»Jetzt du, Sensei!«, rief Soraya Shigure zu. Dieser erzählte ohne große Emotionen in der Stimme:
»Meinen Namen kennt ihr. Ich mag es für mich alleine zu sein. Ich mag es nicht, unter vielen Menschen zu sein. Und mein Ziel ist es... über mich hinauszuwachsen.«
Seine Schülerinnen sahen ihn erstaunt an. Mit so viel Ehrlichkeit hatten sie nicht gerechnet. Doch bevor einer von ihnen noch peinliche Fragen stellen konnte, sprach Shigure schnell weiter.
»Aber jetzt ist Schluss mit diesem Herumgeplänkel. Wir fangen mit eurer nächsten Prüfung an.«
»WAS?!«, kam es von Soraya und Hatsumomo gleichzeitig, während Ai nur erschrocken die Augen aufriss.
»Ihr habt schon richtig verstanden. Besteht ihr diese Prüfung nicht, müsst ihr wieder in die Akademie zurück.«
»Das ist doch ein Witz.«, kam es von Ai. Soraya schien sprachlos während sich Hatsumomo in den Handrücken biss, um nichts Blödes zu sagen.
»Kein Witz.«, kam es von Shigure.
»Ihr müsst versuchen, bis zum Mittag, mich zu berühren. Scheitert einer, scheitert ihr alle.«
»BITTE?!«
Doch Shigure war schon in einer Staubwolke verschwunden und hörte die Proteste nicht mehr.
»Ihn zu berühren?«, fragte Hatsumomo noch mal nach, um sicherzugehen, ob sie wirklich richtig verstanden hatte.
»Was soll das denn?«
»Vielleicht ist er ja doch ein Schwerenöter.«, überlegte Soraya. Hatsumomo verzog das Gesicht.
»Also bitte! Wir sind Kinder!«
»Darum geht es hier nicht.«, sagte Ai dazu.
»Könnt ihr euch noch daran erinnern, als Ira mal erzählt hatte, dass sie und Mamiya sich es mal zur Aufgabe gemacht hatten, ihren Bruder in den Arm zu nehmen? Sie sind kläglich gescheitert. Er hasst Körperkontakt und ist ein Meister darin, jeder Berührung aus dem Weg zu gehen.«
»Meinst du etwa, wir können es nicht schaffen?«, fragte Soraya verunsichert. Ai zog ihre Augenbrauen zusammen.
»Es wird jedenfalls nicht einfach.«
Auf einer abgelegnen Lichtung trafen sich unterdessen Kae, Maze, Ira und Mamiya. Sie alle saßen auf dem Boden. Ira im Schneidersitz, Maze locker auf der Seite, Kae mit angewinkelten Knien und Mamiya in der Hocke. Mamiya schien nervös zu sein. Immer wieder räusperte sie sich und verzog das Gesicht. Sie versuchte mit ganzer Kraft gegen ihre Tics anzukommen. Es strengte sie offensichtlich an. Sie fing an, mit ihren Händen in der Luft zu wedeln, als sie schließlich sprach:
»Erzählt mir mal, was eure Wünsche und eure Ziele als Kunoichi sind.«
Ihre Schülerinnen stockten kurz. Doch Maze ergriff schließlich das Wort.
»Ich wünsche mir, stark und clever zu werden. Mein Ziel ist es, für die Menschen die ich lieb habe, stark zu sein.«, sie lächelte siegessicher. Mamiya nickte zufrieden und sah dann zu ihrer Schwester. Ira schien noch zu überlegen.
»Hm... a-a-a-a-also ich wünsche mir, dass das Stottern b-b-b-besser wird. Und das ich eine g-g-g-gute K-k-k-kunoichi sein kann.«
In Mamiyas Blick flammte etwas Warmes auf. Den Wunsch, die Last dieser Krankheit zu verlieren, konnte sie nur zu gut nachvollziehen. Schließlich sah sie noch zu Kae. Sie fehlte noch. Kae sah Mamiya nicht an. Mit ihren Fingern zog sie Muster in den Sand und sagte leise dabei:
»Ich wünsche mir, mich selbst zu finden und stark zu werden. Nicht nur äußerlich sondern auch im inneren. Das ist mein Wunsch und mein Ziel.«, sie sah auf und direkt in Mamiyas Augen.
»Und du?«
Mamiya schluckte schwer, antwortete aber dennoch.
»Mein Wunsch und mein Ziel ist es, euch nicht zu enttäuschen.«
Bevor die Mädchen etwas sagen konnten, richtete sie sich schnell auf.
»Genug gequatscht. Wir sind schließlich aus einem ernsten Grund hier. Und zwar, für eine weitere Prüfung.«
Die Augen der Mädchen weiteten sich erschrocken.
»P-p-p-prüfung?«, Ira wurde ganz bleich.
»Das sagst du nur so. Du meinst keine echte Prüfung.«, rief Maze und schien verunsichert.
»Oder?«
Mamiya schüttelte den Kopf. Ihr Blick blieb streng.
»Ich meine, was ich sage. Es ist eine weitere Prüfung. Besteht ihr sie nicht, müsst ihr wieder zurück auf die Akademie.«
Die Mädchen trauten ihren Ohren nicht. Doch Mamiyas Gesichtsausdruck machte deutlich, dass sie besser keine weiteren dummen Fragen stellen sollten.
»Normalerweise dient diese Prüfung dazu, eure Teamstärke zu bilden und zu festigen. Bei euch ist es nicht nötig. Ihr seid bereits ein Team - eine Einheit. Ihr vertraut euch blind und ergänzt euch perfekt. Aber was macht ihr, wenn genau diese Einheit zerbrochen wird? *Da kannst du ein Lied von singen, was?*«, Mamiya sah Kae an und traf mit ihrem Tic genau ins Schwarze. Ihr Blick verdunkelte sich. Vertrauen. Ein starkes Wort, was ihr Stiche ins Herz versetzte und unfreiwillig Bilder aus Suna in ihren Kopf auftauchen ließ. Mamiya bemerkte es natürlich. Und es tat ihr leid. Sie wollte Kae nicht wehtun – allerdings weckte sie damit auch Kaes Kampfgeist und sie hoffte, dass sie dadurch alte Geister in ihrem Kopf loslassen kann. Mamiya richtete sich auf.
»Wenn ihr euch wieder seht – seit wachsam. Besteht ihr die Prüfung bis Sonnenuntergang nicht, seit ihr durchgefallen.«, mit einem lauten Knall explodierte zwischen ihnen eine Rauchbombe. Den Mädchen wurde schwarz vor Augen
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| Kapitel: | 4 | |
| Sätze: | 1.381 | |
| Wörter: | 12.921 | |
| Zeichen: | 74.367 |
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