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Mizu no Oto - Klang des Wassers

46
28.07.22 16:31
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Autorennotiz

Der Titel des Textes 水の音 (mizu no oto) stammt aus einem der berühmtesten haiku und wurde von Bashō Matsuo verfasst.

CN Für den ganzen Text: Transfeindlichkeit, Misgendering, transfeindliche Rethorik und implizierte transfeindliche slurs, sowie canon typische Gewalt und der canon Tod von Kindern (sorry Kawarama und Itama :c)

4 Charaktere

Senju Tobirama

Der jüngere Bruder Hashiramas und zweiter Hokage. Er ist weithin gerühmt für seine Schnelligkeit, auf deren Basis er auch das Hiraishin entwickelte. Außerdem entwickelte er zahlreiche weitere Jutsu, unter anderem auch das Edo Tensei. Er ist mit seiner ruhigen und rationalen Natur ein Gegenstück zu seinem Bruder und bremst oft dessen Enthusiasmus aus, um ihn in realistischere Bahnen zu lenken.

Senju Hashirama

Auch als Gott der Shinobi bekannt. Er ist mit seinem Freund und Rivalen Uchiha Madara einer der Gründer Konohagakures und wurde auch erster Hokage mit seinem jüngeren Bruder Tobirama als sein Nachfolger. Hashirama besitzt das einmalige kekkei genkai des Mokuton, das Erd- und Wasser-Elemente verbindet und ihn in die Lage versetzt, die Kräfte der Biju zu unterdrücken.

Senju Toka

Toka war eine kunoichi vom Senju Clan zur Zeit der Bürgerkriege. Viel ist über sie nicht bekannt, nur dass sie eine enge Vertraute Hashiramas gewesen war. Toka war für ihr Geschick im Umgang mit Genjutsu bekannt, das sogar an das der Uchiha heranreichte.

Uchiha Izuna

Izuna ist der jüngere Bruder Madaras und mit ihm einer der stärksten Mitglieder des Uchiha Clan. Sie beide erweckten schon in jungen Jahren das Mangekyō Sharingan und konnten damit über ihren Clan herrschen. Izuna steht treu zu seinem Bruder und unterstützt ihn. Er wurde von seinem Rivalen Senju Tobirama tödlich verwundet und gab seine Augen noch auf dem Sterbebett Madara.
CN Misgendern, Kindersoldaten

Tobiramas Platz war im Schatten, abseits des Geschehens. Sein Platz war an der Seite seiner Mutter, die ihm alles beibringen sollte, was eine Frau wissen musste, um einen Haushalt zu führen. Er sollte ein Geist sein, unsichtbar, lautlos und keinen Platz einnehmend.

Das war es jedenfalls, was alle ihm sagten.

Das war jedoch nicht Tobiramas Platz. Er wusste, dass er an der Seite seiner Brüder stehen sollte, Seite an Seite mit ihnen kämpfen sollte. Die Senju konnten jede Klinge gebrauchen, die sie kriegen konnte. Tobirama hatte von Frauen gehört, die bei den Uchiha mitkämpften. Warum verweigerte sein Vater ihm es dann, wenn er doch noch nicht einmal ein Mädchen war?

Ihm blieb allein, mit seiner Mutter am Rande des Trainingsfeldes zu sitzen und zuzusehen, wie Butsuma seine Brüder schindete. Itama, der jüngste, konnte kaum mithalten, er war beinahe noch zu jung. Doch er konnte eine Waffe halten, und das war alles, was in Butsumas Augen zählte.

Er spürte, wie seine Mutter ihn musterte. Er presste die Lippen zusammen.

»Hm, lass mich raten«, sinnierte Sakura. »Dieser Blick bedeutet, dass du nicht darüber reden willst, obwohl dir eine ganze Menge Gedanken durch den Kopf gehen. Aber vielleicht kann ich für dich reden.«

Sie sah ihn fragend an. Er presste die Lippen nicht mehr ganz so fest zusammen. Sie nahm es als Zustimmung.

»Du willst bei deinen Brüdern sein«, sagte sie, »und mit ihnen kämpfen. Das ist nicht allzu schwer zu erraten, du denkst dieser Tage an kaum etwas anderes. Ich sehe deine Blicke, wenn du an den Waffenlagern vorbei schleichst. Du überlegst, wie du dir eine Waffe stibitzen kannst. Nein, warte. Du hast es schon.«

Ertappt blickte Tobirama zu Boden.

Sakura lachte sanft. »Kein Grund, dich dafür zu schämen. So kenne ich doch meinen Jungen. Nichts anderes habe ich von dir erwartet. Sag mir, was hast du schon gelernt?«

»Nicht viel«, sagte Tobirama leise. »Ich darf ja nicht trainieren.«

»Dann schau gut hin«, wies Sakura ihn an. »Schon allein auf diese Weise kannst du einiges mitnehmen. Mach das beste aus dem, was dein Vater dir erlaubt.«

Es war tatsächlich ein Zugeständnis, dass Tobirama und Sakura hier sein durften. Frauen, so sagte Butsuma, hatten hier nichts zu suchen. Andererseits erlaubte er auch Base Tōka, mit den Männern zu trainieren, obwohl sie eine Frau war. Butsuma sah das natürlich anders, er wusste immer alles besser, auch über andere Personen und wer sie waren. Tōka solle sich nicht mit weibischem Firlefanz abgeben und sich auf »sein« Training konzentrieren, so Butsumas Worte.

Die Welt war ein sonderbarer Ort, wenn sie Menschen in so kleine Boxen quetschte und dann erwartete, dass diese Menschen darin blieben, obwohl es ihnen da nicht gefiel. Die Welt war ein sonderbarer Ort, wenn sie es Menschen erlaubte, andere Menschen gegen ihren Willen in Boxen zu packen, in die sie nicht passten.

Butsuma hatte schlechte Laune. Nun, das hatte er eigentlich immer, aber heute hatte er es ganz besonders auf Hashirama abgesehen. Hashirama war so stark, stärker noch als manch ein Erwachsener, und doch konnte auch er kaum mit ihrem Vater mithalten, wenn er in dieser Stimmung war. Tobirama sah, wie er sich schützend vor Itama stellte, um das schlimmste abzufangen.

War das väterliche Liebe?

Als hätte sie seine Gedanken gehört, lehnte sich Sakura zu ihm herüber. »Euer Vater sorgt sich wirklich sehr um euch, glaub mir. Deswegen will er, dass ihr so stark werdet.«

»Aber dann würde er mir erlauben, mit meinen Brüdern zu trainieren.« Es ging einfach nicht in Tobiramas Kopf. Das alles war so unlogisch. »Tōka lässt er doch auch.«

»Mit Tōka ist es … nun ja, es ist eben anders.« Sakura suchte nach den passenden Worten, fand aber einfach keine.

»Das ergibt keinen Sinn.«

»Aber so ist das nun mal.«

Er runzelte die Stirn.

Sakura lächelte milde und strich ihm über die Wange. »Du bist noch jung, du darfst dir selbst erlauben, manchmal auch einfach nur ein Kind zu sein.«

Junge. Mädchen. Kind. Kategorien, die ihn bestimmten, die vorschrieben, wer er zu sein hatte.

Mensch.

Frei.

Einfach nur er. Tobirama.

Butsuma schlug Hashirama das Holzschwert aus der Hand und verpasste ihm einen derben Stoß in die Flanke. Der blaue Fleck wäre schon am Abend abgeheilt und der Schmerz vergangen. Der Schmerz in der Seele würde bleiben.

 

»Psst. Nii-san.«

Mehr brauchte Tobirama nicht, um munter zu werden. Er hatte sich einen leichten Schlaf angewöhnt. Shinobi durften nicht schlafen wie die Toten, oder sie würden bald bei den Toten liegen. Er schlug die Augen auf.

Kawarama beugte sich über ihn. Sein hellbraunes Haar schien im Mondschein, das durch das Fenster herein fiel. Er nannte Tobirama nur deswegen seinen älteren Bruder, weil Tobirama wenige Minuten vor ihm geboren worden war.

»Was gibt’s?«, wisperte Tobirama, aber das musste er eigentlich gar nicht. Auch Hashirama und Itama knieten an seinem futon und sahen ihn erwartungsvoll an. Was hatten sie ausgeheckt?

»Wir wissen, wo du das geklaute Katana versteckt hast«, sagte Kawarama mit einem Grinsen.

»Aber keine Angst, wir sagen’s nicht Butsuma«, piepste Itama sogleich.

»Hol’s raus!», drängte Hashirama ihn enthusiastisch.

Tobirama sah seine Brüder fragend an. »Was habt ihr vor?«

Hashiramas Antwort bestand lediglich in einem breiter werdenden Grinsen.

Immer noch etwas irritiert vom Verhalten seiner Brüder rollte Tobirama sein futon zurück und dann die tatami darunter. Er griff in die kleine Kuhle darunter und holte sein Diebesgut hervor. Eigentlich war es nicht einmal ein Katana, sondern ein Wakizashi, aber für seine Größe war es so gut wie ein Katana.

»Und jetzt gehen wir trainieren!«, verkündete Hashirama stolz.

Tobirama starrte ihn sprachlos an. »Aber …«

»Butsuma?« Hashirama winkte ab. »Der merkt das schon nicht.«

»Der kann uns den Buckel runterrutschen«, verkündete Itama stolz.

Wo hatte er denn das aufgeschnappt?

»Mach schon!«, drängte Kawarama. »Ich hab keine Lust mehr, dich sauertöpfisch am Rand sitzen zu sehen.«

Tobirama ließ es sich nicht noch einmal sagen. Eilig warf er sich einen einfachen haori über die Schultern, nahm sein Katana und folgte seinen Brüdern nach draußen. Sie schlichen auf Zehenspitzen durch das Haus, um ja niemanden zu wecken. Ein paar Shinobi-Grundlagen hatte auch Tobirama gelernt und so war es für ihn nicht schwer, mit seinen Brüdern mitzuhalten.

Sie schlichen sich aus der Siedlung heraus, sie konnten es nicht riskieren, mit dem Klirren der Klingen irgendwen aufzuwecken. Leise huschten sie von Hausecke zu Hausecke. Hashirama als der Größte von ihnen übernahm es, den Weg vor ihnen auszuspähen, und wenn die Luft rein war, eilten sie im Gänsemarsch hinter ihm her.

Das war alles so aufregend. Tobirama spürte ein erwartungsvolles Kribbeln in seinem Bauch und seine Finger zuckten. Sie wollten sich unbedingt um den Griff seiner Waffe schließen, die er sich unter seinen obi geschoben hatte.

Hashirama führte sie zu einer kleinen Lichtung etwas außerhalb der Siedlung. Hier waren sie weit genug weg, um kein Aufsehen zu erregen. Er wandte sich zu seinen kleinen Brüdern um. Ein breites Grinsen war auf sein Gesicht gepflastert. Er wirkte fast euphorischer noch als Tobirama.

»Pass auf, otōto, die Grundlagen sind eigentlich ganz leicht.« Er zog sein Katana und präsentierte Tobirama seinen Griff um das Heft. »Schau her, du musst das so halten. Und dann stehst du so.«

»Ich weiß«, unterbrach Tobirama ihn ungeduldig und demonstrierte ihn, dass er das schon längst wusste. »Ich hab euch so oft schon zugesehen, das hab ich gleich am Anfang aufgeschnappt.«

Kawarama knuffte ihn. »Weil nii-san viel schlauer als wir ist, muss er das uns immer wieder sagen.«

Tobirama verschränkte die Arme und wandte sich mit einem Schnauben ab.

»Nii-san, das hab ich von Mama«, sagte Itama aufgeregt und reichte ihm etwas. Es war ein Haarband. »Für deine Haare, weißt du. Damit sie nicht im Weg sind.«

Tobirama nahm das Haarband entgegen und band sich seine Haare zusammen. Wirklich pfleglich war er nie mit ihnen umgegangen und entsprechend kaputt sahen die Spitzen aus. Aber Butsuma sah nie so genau hin, so lange Tobirama die Haare auf eine Weise trug, die er als für ihn angemessen erachtete. Tobirama hasste seine Haare. Nicht etwa wegen der weißen Farbe, die ihn zusammen mit seiner fahlen Haut wie einen Geist aussehen lies. Sondern einfach, weil er mit diesen Haaren wie ein Mädchen aussah.

Hashirama hibbelte ungeduldig und konnte es kaum abwarten, bis Tobirama endlich soweit war. Tobirama positionierte sich so, wie er es bei seinen Brüdern gesehen und dann heimlich geübt hatte. Er kannte das Gewicht seiner Waffe, auch wenn er sich noch nicht gänzlich daran gewöhnt hatte.

Hashiramas Augen leuchteten auf, als er seinen Bruder so sah. »Vater ist echt blöd, wenn er dich nicht mitmachen lässt.«

»Na, wart erst einmal ab, wie ich mich anstelle«, dämpfte Tobirama seinen Enthusiasmus. Er hatte schon versucht, einige der Bewegungen nachzuahmen, aber ganz auf sich allein gestellt und ohne jemanden, der es ihm erklärte, war es schwer, das alles richtig hinzubekommen.

»Schau, du musst so stehen, mehr Gewicht auf dein vorderes Bein«, sagte Kawarama und machte es ihm vor. »Dann kannst du besser ausweichen.«

Das! Genau das! Das hatte er immer gewollt. Einfach jemanden, der ihm ein paar Sachen erklärte, statt ihn nur zugucken zu lassen und das als gönnerhafte Geste bezeichnete. Tobirama konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Hier mit seinen Brüdern zu sein, fühlte sich so gut an.

»Hey, schaut euch das an! Tobirama kann ja mal nett gucken!«, neckte Hashirama.

Sofort kniff Tobirama die Augen wieder zusammen. »Können wir endlich anfangen?«

Hashirama fing mit ein paar grundlegenden Dingen an, die Tobirama selbst schon versucht hatte. Aber mit jemandem, der gemeinsam mit ihm die Übungen durchging, war es viel einfacher. Tobirama begriff schnell und rasch hatte er einige grundlegende Figuren verinnerlicht. Es fühlte sich toll an, ein regelrechtes Hochgefühl ergriff von ihm Besitz. Endlich! Endlich durfte er das machen, was er sich schon so lange gewünscht hatte. Seine Brüder hätten ihm kaum ein besseres Geschenk machen können.

Nur eines störte ihn noch. Er hatte zwar seine Haare zusammengebunden, aber noch immer schlugen sie ihm ins Gesicht. Es war nach wie vor störend. Aus einer Laune heraus ließ er sich von Kawarama ein Kunai geben, ergriff seinen Zopf und schnitt sich die Haare kurz hinter dem Band ab. In langen weißen Strähnen rieselten seine Haare zu Boden.

Itama sah ihn erschrocken an, doch Kawarama grinste frech. »Jetzt siehst du noch viel mehr wie ich aus. So muss das!«

Irgendwie ein seltsames Gefühl, keine Haare mehr im Nacken zu haben, aber auch kein schlechtes. Tobirama fuhr mit den Fingern durch die Stoppeln, die jetzt noch auf seinem Kopf waren. Er konnte sich vorstellen, wie ihm die Haare jetzt wild zu allen Seiten abstehen mussten. Es störte ihn nicht weiter.

»Können wir jetzt weitermachen?«, wollte er von Hashirama wissen.

Hashirama zögerte keinen Augenblick.

 

Heimlich rieb sich Tobirama die noch immer schmerzende Wange, während er hinter seiner Mutter hertrottete. Butsuma hatte dafür gesorgt, dass der Schlag, den er Tobirama verpasst hatte, ordentlich nachbrannte, als er gesehen hatte, was Tobirama mit seinen Haaren gemacht hatte. Auf die Frage, was das sollte, hatte Tobirama nur gesagt: »Sie haben eben gestört.« Jetzt sah er besser zu, dass er sich in nächster Zeit nicht bei Butsuma blicken ließ. Das war es trotzdem wert gewesen. Die freudige Erinnerung an den vergangenen Abend überwog den Schmerz in seinem Gesicht.

Sakura hatte Tobirama an diesem Tag mit auf den Markt genommen. Ein paar Händler waren gekommen und hatten nicht nur Nahrungsmittel gebracht, sondern auch Waren des täglichen Gebrauchs. Sakura wollte für die Familie einige neue Kleider kaufen und hatte dafür Tobirama mitgenommen. Natürlich ihn, immer ihn, nie seine Brüder. Dabei konnten die das genauso gut wie er erledigen.

Sie hatten mittlerweile den Stand des Stoffhändlers erreicht. Eine Auswahl verschiedener Stoffe und fertiger Kleidungsstücke lag auf dem Stand aus, bereit, von den Kunden begutachtet zu werden. Sie waren hübsch gefaltet, um die Muster bestmöglich zur Geltung zu bringen.

Sakura nahm sich Zeit, um die Auslage zu betrachten. Tobirama stand gelangweilt daneben und beschäftigte sich lieber damit, die Menschen um sie herum zu beobachten.

Worin unterschieden sich Menschen eigentlich voneinander? Es gab große Menschen, kleine Menschen, alte und junge, solche mit langen Haaren und solche mit kurzen in ganz unterschiedlichen Farben. Die einen liefen auf die eine Weise, die anderen auf eine andere. Aber warum sollten einige Männer sein und andere Frauen? Tobirama hatte diese Unterscheidung nie verstanden. Er wusste nur, dass es falsch war, wenn Leute ihn als ein Mädchen sahen, aber woran sie das festmachen wollten, hatte ihm nie jemand erklären können. Weil er lange Haare hatte, sagten einige. Jetzt hatte er sie sich kurz geschnitten. War er jetzt also ein Junge? Weil er sich auf eine bestimmte Weise kleidete, sagten andere. Aber Kleidung bestimmte doch nicht, wer er war. Jeder konnte alles anziehen und sie waren immer noch sie selbst.

»Tobi-chan, schau einmal«, riss Sakura ihn aus seinen Gedanken. »Der Kimono hier mit den Pfirsichblüten sieht hübsch aus, findest du nicht?«

»Hm. Für dich?«, fragte er abwesend.

»Nein, für dich natürlich«, korrigierte Sakura ihn mit einem milden Lächeln.

»Der blaue mit dem Wellenmuster gefällt mir besser«, sagte Tobirama reflexartig.

»Das ist ein Schnitt für Jungen«, warf der Händler ein. »Du bist doch ein … Mädchen?« Um Hilfe bittend sah er zu Sakura.

»N-ja. Sie ist meine Tochter.« Sakura blinzelte rasch, wie sie es immer tat, wenn sie unsicher war, und überspielte es mit einem Lächeln.

Es schmerzte. Jedes Mal, wenn seine Mutter das tat, versetzte es ihm einen Stich. Tobirama biss die Zähne zusammen und schluckte den Schmerz hinunter.

Am Ende nahmen sie beide Kimono. Tobirama hoffte, sich den blauen Kimono aus der Garderobe seiner Brüder stibitzen zu können.

»Warum hast du das mit deinen Haaren gemacht?«, fragte Sakura auf dem Weg zum nächsten Ziel. Sie strich Tobirama durch seine wild abstehenden Haare und sah besorgt auf ihn herab. »Du konntest dir doch denken, wie er darauf reagieren wird.«

Tobirama antwortete nicht. Es hatte keinen Zweck.

»Ich weiß, dass ihr euch letzte Nacht davongeschlichen habt«, fuhr sie fort. »Aber keine Angst, ich sag’s nicht eurem Vater. Du hattest dir nur die Haare zusammenbinden sollen, damit sie dich nicht stören.«

»Warum hast du gesagt, ich sei deine Tochter?«, unterbrach Tobirama sie scharf. »Du weißt es doch besser. Du weißt, dass das nicht stimmt.«

Sie lächelte sanft, um ihn milde zu stimmen. »Ach, Tobi-chan. Das ist alles nicht so einfach. In ein paar Jahren, wenn du älter bist, wirst du es verstehen.«

Tobirama presste die Lippen aufeinander. Sakura musterte ihn und wirkte besorgt. Warum war sie besorgt? Sie hatte keinen Grund zur Sorge. Für den Rest des Einkaufes sagte Tobirama keinen Ton mehr.

Nächstes Kapitel: Transmasc und transfem Solidarität mit Tobirama und Toka.
CN Misgendern, Kindersoldaten

Die Position, die Tobirama in dieser Gesellschaft zugedacht worden war, war zu genau einer Sache gut: Er hatte sehr viel Zeit, nachzudenken und Menschen zu beobachten. Die wenigsten waren sich bewusst, wie viel Tobirama wirklich sah. Vielleicht ahnte Sakura ja etwas, manchmal machte sie den Eindruck, als würde sie dasselbe tun. Seine Mutter war nicht auf den Kopf gefallen, sie hatte einen genauso wachen Verstand wie er.

Wie konnte sie da nur so guter Laune sein, während sie beide hier mit einigen anderen Frauen der Siedlung knieten und Löcher in Kleidern flickten? Tobirama hasste das. Nur Waschtag war schlimmer, hinterher brannten ihm immer die Hände. Löcher stopfen war zumindest nur totlangweilig.

Sie knieten im Haus seiner Familie, die shoji-Türen waren zur Seite geschoben. Draußen balgten sich Itama und Kawarama und deklarierten es als Taijutsu, während Hashirama unter Butsumas strengen Augen sein einzigartiges kekkei genkai trainierte. Sehnsüchtig blickte Tobirama nach draußen. Er war nicht scharf darauf, von Butsuma gescholten zu werden, aber er wollte an der Seite seiner Brüder stehen, lernen, was sie lernen durften. Er wäre sicher genauso stark wie sie, dessen war er sich sicher.

Tante Kimiko schnatterte wie immer von allen am lautesten. Zu jedem in der Siedlung hatte sie etwas zu sagen und wusste immer über alles Bescheid. Wenn man wissen wollte, was gerade im Dorf angesagt war, ging man als erstes zu Tante Kimiko.

Eigentlich war sie gar nicht seine Tante, genauso wenig wie Tōka, ihre Tochter, seine Base war. Aber irgendwie waren hier trotzdem alle seine Tantchen. Sie waren nett, Tobirama mochte sie. Nur wenn sie anfingen, dafür zu schwärmen, wie süß er sei, wurden sie nervig.

Sie bemerkte Tobiramas Blick. Ihr entging nie etwas. »Na, bist du nicht froh, auch mal nicht nur von deinen Brüdern umgeben zu sein?« Noch, bevor Tobirama antworten konnte, fuhr sie fort: »Ich stelle mir das anstrengend vor, so als einziges Mädchen zwischen drei Wildfängen wie deinen Brüdern. Ich hätte mich ja noch über ein, zwei Kinder mehr gefreut. Vielleicht noch ein Mädchen, damit Tōka nicht so allein ist. Aber es sollte eben nur ein Junge werden.«

Und das kam auch noch hinzu bei diesen Runden.

»Sie ist ein Mädchen«, knurrte Tobirama, wurde aber sogleich wieder von Kimiko unterbrochen.

»Ach, papperlapap. Das ist nur eine Phase.« Sie winkte ab. »Tōka ist jetzt in dem Alter, in dem er langsam mehr Verantwortung übernehmen soll, da soll er stolz darauf sein. Er will nur kneifen.«

»Dabei schwärmt Butsuma-san immer vom Können deines Sohnes«, warf Sakura ein. »Und das tut er selten. Nun, auf seine Art jedenfalls. Er hält einiges auf Tōka, er könnte es weit bringen.«

Tantchen Sumi hob mit spitzen Fingern eine von Tobiramas Strähnen an. »Was hast du nur mit deinen Haaren angestellt? Du hattest doch so schöne lange Haare. Jetzt siehst du aus wie ein Junge.«

»Haben genervt«, grummelte Tobirama kurz angebunden und duckte sich unter ihrer Hand weg, um einer weiteren Untersuchung zu entgehen.

»Tobi-chan war nie sonderlich pfleglich mit ihren Haaren umgegangen, ihr wisst ja, wie sie ist«, warf Sakura hastig ein und lachte verlegen. »Das war die einzige Lösung, die ich sah.«

Tobirama warf seiner Mutter einen bösen Blick zu. Sie sollte aufhören, so von ihm zu reden!

»Ach, wirklich?«, riefen mehrere Tantchen schockiert aus. »So schlimm?«

»Na, da gibt‘s doch andere Methoden«, fügte Tantchen Kimiko an. »Das beste, was du machen kannst, ist einmal die Woche zum Haarmacher zu gehen, dass er dir die Haare macht, und nachts immer auf einem takamakura schlafen.«

»Ganz bestimmt nicht«, sagte Tobirama mit Nachdruck.

Kimiko schien ihn nicht gehört zu haben. »Shimada würde an dir sicher wundervoll aussehen, Tobi-chan. Und dann auch noch mit deinen weißen Haaren, das hätte etwas ganz eigenes.«

»Nein, nein, nein.« Tantchen Sumi gestikulierte wild und stach mit der Nadel Tobirama beinahe ein Auge aus. »Das kann sie vielleicht zu besonderen Anlässen machen, aber für den Alltag taugt das nichts. Ich habe auch mit trockenem Haar zu kämpfen und wisst ihr, was mir da hilft? Mit Kamillentee einreiben und ab und zu eine Ölkur.«

Es entbrannte eine wilde Diskussion darüber, wie kaputtes Haar am besten zu pflegen sei, und jede hatte eine andere Meinung. Tobirama hörte nicht hin und stach frustriert auf das Stück Stoff ein. Er merkte erst, dass er sich mit der Nadel in den Finger gestochen hatte, als er Blut am Stoff bemerkte. Na toll. Er rieb, machte es damit aber nur schlimmer.

Sakura bemerkte es und wand ihm sanft das Stück Stoff aus den Händen. »Du hast heute genug gemacht. Du kannst spielen gehen«, sagte sie mit einem Lächeln.

Tobirama zwang sich, es zu erwidern, und stand dann eilig auf. Spielen! Als wäre er ein kleines Kind, pah! Das konnte sie vielleicht mit Baby Itama machen, aber nicht mit ihm! Und selbst Itama behandelte sie erwachsener, er war immerhin alt genug, um eine Waffe zu halten. Was Itama konnte, konnte er schon lange.

Es hatte sich herausgestellt, dass Tobirama geschickt im Umgang mit der Waffe war. In den vergangenen Wochen hatte er sich immer wieder heimlich mit seinen Brüdern davon geschlichen, um zu trainieren, und unter der Anleitung seiner Brüder war er rasch besser geworden. Butsuma verschwendete einen Kämpfer, aber Tobirama würde ihm schon beweisen, dass er gut genug war. Er würde doppelt und dreifach so hart arbeiten müssen wie seine Brüder, damit Butsuma überhaupt in Erwägung zog, über diesen Gedanken weiter nachzudenken. Hinzu kam, dass seine Geschwister alle einen Vorsprung hatten, selbst Itama. Tobirama hatte so viel aufzuholen. Da hatte er keine Zeit zum Spielen.

Tōka. Tōka hatte vielleicht Zeit, ihm etwas beizubringen. Zumindest war ihre Mutter ja gerade nicht zu Hause und mit etwas Glück war auch ihr Vater gerade im Dienst. Tobirama schlüpfte eilig in seine zori und eilte aus dem Haus.

Tōka war in der Tag derzeit allein bei sich daheim. Tobirama brauchte nicht lang warten, nachdem er angeklopft hatte, und sie öffnete ihm die Tür. Er sah noch ein paar verräterische Spuren von Schminke in ihren Augenwinkeln, die sie hastig versucht hatte wegzuwischen.

»Du hast da noch was«, wies er sie darauf hin.

»Ach, verdammt«, fluchte sie und rieb sich über das Gesicht. »Los, komm schon rein, bevor das noch irgendwer sieht und meinem Vater erzählt.«

Er schlüpfte durch die Tür und sie schloss sie wieder hinter ihm. Sie führte ihn in ihr Zimmer, wo sie am ungestörtesten sein konnten, sollte ihre Familie doch wieder zurückkommen. Tobirama machte das kleine Lackköfferchen aus, das Tōka hastig unter das Bett geschoben hatte. Nun holte sie es aber wieder hervor und klappte es auf. Kohle für die Augenbrauen und Farbe für die Lippen kam zum Vorschein.

»Hey, ähm, soll ich dir damit helfen?«, bot Tobirama an.

Tōka sah ihn fragend an. »Du scherst dich um sowas?«

Er verzog das Gesicht. »Mutter besteht drauf. Weil Frauen sowas nun mal können müssen, bla bla bla.«

Sie grinste. »So unterschiedlich kann‘s sein. Ich darf‘s nicht machen, weil es Weiberkram ist. So ein Blödsinn. Aber sag, warum kommst du vorbei?«

»Ich wollte dich fragen, ob du mir was beibringen kannst. Ich will das Kämpfen lernen und Butsuma beweisen, dass ich genauso ein Krieger bin wie meine Brüder. Aber wenn ich‘s mir Recht überlege, will ich mir dir auch darüber reden. Du bist die einzige, die so ist wie ich, weißt du.«

»Hm.« Tōka sah nachdenklich auf das Kästchen in ihren Händen. »Ich weiß … Die Leute verstehen das einfach nicht. Die wissen immer alles besser.«

»Dann lass uns das Beste daraus machen und uns gegenseitig helfen«, schlug er vor.

Tōka nickte eifrig und sie setzten sich gegenüber auf den Boden. Sie stellte das Kästchen zwischen sie, und Tobirama kramte ein wenig darin herum, um zu sehen, was sie alles vorrätig hatte. Dann kam ihm dieses unnütze Wissen wenigstens einmal zu Gute, das ihm seine Mutter aufgezwungen hatte. Während er die Farbe auf Tōkas Gesicht auftrug, gab er ihr den einen oder anderen Tipp, wie sie es am besten anstellte.

»Hast du schon mal eine Waffe in der Hand gehabt?«, fragte Tōka.

»Ich hab mit meinen Brüdern heimlich trainiert«, sagte er. »Halt still, sonst schmier ich dir die Kohle in die Augen.«

»Das ist unangenehm!«, beschwerte sie sich.

»Dann mach‘s selber. Vom Meckern wird‘s nicht besser.«

»Hmpf.« Sie schnappte sich den Kohlestift und einen Handspiegel und versuchte es selbst. Der Lidstrich wurde nicht perfekt, sah aber schon besser aus als bei ihren ersten eigenen Versuchen. »Und welche Waffen?«

»Hauptsächlich Katana, aber jüngst auch kunai. Hashirama sagt, ich lern schnell.«

»Bei allem Respekt, aber dein Vater ist ein Vollidiot, wenn er auf einen willigen Kämpfer verzichtet.«

»Macht dir das eigentlich Spaß?«

Dieses Mal antwortete Tōka nicht gleich. Für einen Moment betrachtete sie sich im Spiegel und ließ dann die Hand sinken. »Ja. Ja, ich kämpfe gerne, obwohl das so unweiblich ist. Deswegen zweifle ich manchmal an mir, ob ich wirklich eine Frau bin.«

»Warum sollten Frauen nicht kämpfen dürfen? Bei den Uchiha kämpfen doch auch Frauen.«

Tōka zuckte mit den Schultern. »Bei denen ist das halt anders. Keine Ahnung. Aber weißt du was, ich kann dir noch was beibringen. Hast du schon Ninjutsu trainiert? Ich glaub, da hast du auch viel Freude dran.«

Tobirama schüttelte den Kopf. »Nur allergrundlegendste Chakrakontrolle, aber das lernen alle.«

Tōka stand auf und ging zu einem Kabinett. Sie kramte einen Moment in einer Schublade und kam dann mit mehreren Zetteln wieder zu Tobirama zurück. Sie reichte die Zettel an ihn weiter.

»Wenigstens muss ich nicht beim Urschleim anfangen, das ist doch mal was«, kommentierte sie.

Fragend sah er auf die Zettel. »Wofür sind die?«

»Damit bestimmen wir den Typ deines Chakras. Was das ist, weißt du?«

Er nickte. »Ja, und ich weiß auch, dass anija eine Ausnahme ist.«

Erwartungsvoll grinsend setze sie sich ihm wieder gegenüber. »Ich bin so gespannt, was bei dir rauskommt! Vielleicht wächst hier gleich ein Baum, das wäre so aufregend!«

»Was muss ich machen?«

»Einfach ein bisschen Chakra in das Papier senden und dann schauen wir, was passiert.«

Er formte das Tigerzeichen, wie er es gelernt hatte und konzentrierte sich, während er eines der Papiere zwischen seinen Fingern hielt. Das fühlte sich an, als würde er einen Muskel nutzen müssen, von dem er gar nicht wusste, dass er ihn hatte, weshalb es sich als recht mühsam herausstellte. Seine Sinne waren mit einem Mal geschärft und er nahm viel deutlicher die Menschen in der Siedlung war. Es war ein lästiger Nebeneffekt, der immer auftrat, wenn er sein Chakra konzentrierte.

Das Papier wellte sich, als wäre es mit Wasser in Berührung gekommen, und dann tropfte tatsächlich Wasser daran herab. Zwar kein Baum, aber anscheinend doch beeindruckend genug, denn Tōka gab einen erstaunten Laut von sich.

»Äh, ist das gut?«, fragte er sie verunsichert.

»Nun ja, kommt drauf an«, sagte sie. »Die meisten Senju haben eine Wassernatur, so wie du. Aber nur wenige sind so stark, dass sie gleich beim ersten Mal Wasser produzieren. Weißt du, mit Suiton ist es so, dass es viel leichter ist, eine vorhandene Wasserquelle zu benutzen, statt aus deinem eigenen Chakra Wasser zu bilden. Das da«, sie deutete auf das nasse Papier, »ist für einen blutigen Anfänger echt krass. Warte kurz.«

Sie sprang auf und ging aus dem Zimmer. Kurz darauf kam sie mit einer Schale voll Wasser wieder, die sie vor Tobirama hinstellte. Sie setzte sich wieder.

»Damit üben wir jetzt«, verkündete sie.

»Sag mal, wie kann ich es abstellen, dass meine Sinne so viel schärfer sind, wenn ich Chakra benutze?«, wollte er wissen. »Das lenkt ab. Jedenfalls dann, wenn ich es nicht bewusst einsetzen will.«

Sie runzelte die Stirn. »Wie, schärfere Sinne?«

»Na ja, ich nehme die Menschen um mich herum viel deutlicher war als normal, und wenn ich mich anstrenge, dann sogar alle Menschen im Dorf. Ich weiß zum Beispiel, dass gerade zwei Leute am Haus vorbei gehen.«

»Oh!«, machte Tōka. »Du bist ein Sensor und dazu auch noch ein ziemlich starker. Dein Vater ist echt komplett verblödet, dass er dir keine Ausbildung gibt. Weißt du, was ein Sensor ist, hast du das schon mal gehört?« Er schüttelte den Kopf und sie fuhr fort: »Das heißt, dass du einen besondere Sinn hast, mit dem du das Chakra in anderen Menschen aufspüren kannst. Was für eine Reichweite du wirklich hast, müssen wir noch herausfinden, aber ich wette, die ist echt phänomenal, wenn du das auch nur ein bisschen trainierst.«

»Bringst du es mir bei?«, fragte Tobirama sogleich wissbegierig.

Tōka hob eine Hand. »Immer eins nach dem anderen. Erst einmal fangen wir mit den Grundlagen für Suiton an.«

Sie fing mit einem der grundlegendsten Jutsu an und zeigte ihm die Fingerzeichen dafür. Dann erklärte sie ihm, wie er sein Chakra formen musste und demonstrierte es ihm. Das Wasser in der Schale schwappte hin und her und stieg dann als kleine Kugel auf. Als sie das Jutsu löste, klatschte das Wasser wieder in die Schale.

»Jetzt du.«

Tobirama bekam es gleich beim zweiten Versuch hin. Zwar noch nicht so formschön wie Tōka, aber er war gewillt, es so lange zu versuchen, bis er es perfekt beherrschte. Er musste so viel besser werden als seine Brüder, um die Anerkennung seines Vaters zu gewinnen. Diese Übung war klein genug, dass er sie heimlich zu Hause ausführen konnte. Er war zuversichtlich, dass sich Fortschritte schon bald zeigen würden.

Tōka beobachtete ihn. »Du bist immer so … ich weiß nicht. Intensiv. Anders als deine Brüder. Gerade dein ältester Bruder ist ja manchmal ein echter Holzkopf.«

Tobirama schnaubte. »Die haben nur Unsinn im Kopf. Ich hab dafür keine Zeit.«

»Ich wette, du hast vor, das Jutsu bis morgen perfekt zu beherrschen. Du kannst echt auch mal ein bisschen langsamer machen«, riet sie ihm.

»Nein«, brummte er. »Wenn ich nicht absolut perfekt bin, gibt mir Butsuma nie eine Chance. Du hast es leicht, dich lässt er trainieren. Aber ich darf nicht.«

»Ich darf auch bloß nicht ich selbst sein«, entgegnete Tōka schnippisch.

Der plötzliche Wechsel im Ton ließ Tobirama aufblicken.

»Ich darf mir die Haare nicht lang wachsen lassen. Ich darf mich nicht schminken wie andere Frauen. Dabei würde ich mich echt gern einmal auch hübsch machen dürfen. Und du willst echt nicht wissen, was die anderen Soldaten hinter meinem Rücken über mich sagen. Das sind keine schönen Worte. Ich geb mir echt Mühe, aber es ist selten gut genug.«

Tōkas Stimme hatte mit jedem Wort an Schärfe zugenommen. Ihr Ärger richtete sich nicht wirklich gegen Tobirama, er fühlte das. Aber er konnte ihn nur allzu gut nachvollziehen.

»Du hast Recht«, sagte er leise. Und dann: »Wie ist das für dich, wenn du dich schminkst?«

Tōka atmete tief durch, um sich wieder zu beruhigen. Sie fühlte ihre Wange und warf einen Blick in den Handspiegel, der noch immer neben ihr lag. »Das bin ich. Ganz ohne Verkleidung für die Idioten da draußen, die immer alles besser wissen wollen, aber einen Dreck wissen. Mit der Farbe in meinem Gesicht fühle ich mich wie ich selbst.«

Unwillkürlich wanderte Tobiramas Hand zu seinen Haaren und fühlte die kurzen, ungleichmäßigen Stoppeln. Sakura hatte versucht, sie bestmöglich nachzuschneiden, aber alles nur schlimmer gemacht und es dann einfach gelassen. Es sah ziemlich wild aus, aber Tobirama mochte es.

Tōka entging die Geste nicht. »Hast du dir deswegen die Haare geschnitten?«

Tobirama zuckte mit den Schultern. »Eigentlich haben sie nur genervt. Aber vorhin hat eine der Tantchen gesagt, dass ich jetzt aussehe wie ein Junge. Ich seh nicht nur aus wie einer, ich bin einer. Aber das geht denen ja nicht in den Kopf. Und nun ja, irgendwie mag ich‘s auch so kurz.«

»Das ist wie ein Genjutsu, nicht wahr?«, sagte Tōka leise. »Oder eher wie ein umgekehrtes Genjutsu, wenn du verstehst. Wir müssen es den Leuten überdeutlich unter die Nase reiben, wer wir sind, bis sie es endlich einmal begreifen.«

Ein Genjutsu. Tobirama verfiel in nachdenkliches Schweigen.

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Kapitel:2
Sätze:463
Wörter:5.369
Zeichen:30.897

Kurzbeschreibung

»Das ist wie ein Genjutsu, nicht wahr?«, sagte Tōka leise. »Oder eher wie ein umgekehrtes Genjutsu, wenn du verstehst. Wir müssen es den Leuten überdeutlich unter die Nase reiben, wer wir sind, bis sie es endlich einmal begreifen.« // Tobirama erfindet transition und beendet damit den Krieg. Transmasc und transfem solidary zwischen Tobirama und Toka. [TobiIzu gegen Ende]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Alternativuniversum, Transgender, mittellang, Familie, Krieg und Gen getaggt.