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Nimmersatts hungriges Gefolge

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24.12.22 10:29
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Autorennotiz

Dies ist meine 2022 Weihnachtsgeschichte aber ich glaube dieses Märchen, kann man auch zu anderen Zeiten lesen.

Es lebten der Prinz, sein König und dessen Gemahlin in einem Schloss voller Erträge. Diese Erträge könnten zehn Jahre das Volk ernähren. Doch der Prinz und sein herrschender Vater aßen es an nur einem Tag.

Dieses Bild nicht mehr ertragend, erhob sich die Gemahlin. Sie sprach, ob trotz man ihr das Wort versagte von Scham und dass das Volk so sterbe. Der Herrscher lachte laut auf, wiederholte ihre Worte vom sterbenden Volk. Sehe sie doch hinaus, die Äcker seien reich, reich genug für das arme Volk.

Sei es denn so?“, fragte sie erzürnt. Der König, viel zu voll, unterbrach seinen sinnlosen Versuch aufzuspringen und ihr seine Macht zu entgegnen. Was zähle schon ihr Wort, entschädigt ihn ein Gedanke. Er, der herrschte, sehe doch die Kammern voller Zoll. Warum solle er dann das Mahl an ihrem Wort verderben? Ach, was rege er sich auf? Soll sie essen, ihre drei Erbselein.

Der Prinz sah nun auf, mit Soße im Gesicht, bis zu den Ohren hin um. „Streitet nicht, es mach nur das Essen schlecht“, sprach er belustigt, weise und dumm zugleich. In ihm sah die Königin noch ein Hoffen auf Verstand. Immerhin er doch irgendwo erkannt', dass all das Zeug verderblich war.

Raschen Wortes, beinahe wie ein Hieb, schrie sie seinen Namen über den Tisch. Mit fürchtendem Blick legte er den Knochen auf den Teller zurück. „Liebste Mutter, warum denkt ihr, dass das Volk hungert?“ Der König hatte aber jetzt genug, brach zornig den Tisch unter seinem Gewicht und befahl den Wachen, beide auf die Zimmer zu verbannen. Seine Frau, hatte den Segen und den Stolz zu gehen. Der Prinz allerdings zu viel Bauch, um es alleine zu bestehen.

In seinem Zimmer starrte er auf den falschen Käse, der eine Ratte in einen Käfig locken sollte. Auch wenn er weder von Tier noch Pflanzen stammt, sah er sich gewillt, das Stück zu verspeisen. Doch musste er so gleich an die Worte seiner Mutter denken. Gebe es einen Weg, ihre Sorge zu verstehen? Auch er sah schon, wie voll die Äcker standen. Halb so alt war er gewesen. Ein halbes Leben hatte er das Draußen nicht gesehen. Könnte sich vielleicht etwas vor ihm verbergen? Ein Lebewesen, das stahl ihrem Reich das Leben? Er schaffte es auf die Beine. Sie schmerzten aber seine Kraft war stärker. Mit Mühe gelang ihm sogar ein Schritt. Man war er stolz auf sich. Der nächste Schritt gelang ihm nicht. Er saß auf dem Hintern. Doch nicht lang. Ein Wächter trat ein und hob ihm vom Boden auf.

Hinter ihm erschien die Königin, besorgt im Gesicht aber dann plötzlich ganz stolz. „Hör zu, mein Kind“, hauchte sie. „Der Zauber hält nur drei Tage, schlank wirst du sein aber nicht ohne Preis.“ „Schlank? Was hab ich denn davon?“ Darauf entschied sie, ihm keine Antwort zu geben. Stattdessen hob sie ihm einen bronzenen Kelch an die verschmierten Lippen. „Trinkt! Morgen werdet ihr wach.“ Er trank im Vertrauen, das dickflüssige Gebräu. Im Nu wurde er müde, schlief ein an Ort und Stelle.

Als er wach wurde, lag er auf seinem Bett. Er sah nicht, dass er bis zu seinen Zehen blicken konnte, erkannte nicht, dass es ihm leichter fiel nach dem Seil der Glocke zu greifen. Doch verstand er zuletzt, dass etwas anders war, als der Diener erschrak und die Wachen rief. Verdammt und nimmer, er würde noch heute im Kerker enden, würden seine Beine ihn nicht augenblicklich auf den Boden bringen.

Gehetzt und ungehalten stolperte er durch die Geheimgänge, landete wenig galant im vermoderten Dreck des Abfallschachts. Eine junge Frau kicherte. Sein Anblick gerade war bestimmt nicht sehr königlich. „Lacht nicht, holt mich heraus!“, schrie er und spie etwas furchtbar Ekliges aus. Die Frau stieg den Haufen hinauf und reichte ihm ihre knochige Hand. „Och Mädchen, was ist mit euch, was ist das denn für eine Hand?“ „Ihr seit nicht von hier. Seit ihr ein königlicher Herr? Verzeiht.“ Sie verbeugte sich. „Bitte hört auf damit. Ich bin kein König. Habt nur Dank, dass ihr mir halft. Wie heißt ihr denn? Ich werde für euch mehr Essen erzwingen.“

Sie verriet ihren Namen nicht. Stattdessen kehrte sie um. „Wartet! Ich tu euch doch nichts.“ Der Abfall mochte ihn wohl nicht. Er schlitterte und fiel der Fremden erneut zu Füßen. „Habt ihr nicht gelernt zu gehen? Warum tragt ihr Kleider wie ein Edelmann und habt ihr was gestohlen? Sagt, wer seit ihr!“ „Das sind viele Fragen, wo soll ich beginnen? ... Ich denke, ich bin ein Verstoßener, verstoßen von zu Haus', hab dem Einen vielleicht zu viel gegessen. Mein Name ist Sedonner ... ja genau, Sedor dürft ihr mich nennen.“ „Sedor also. Sagt, verehrten eure Eltern den Prinzen so sehr. Der Prinz dieses Landes ist genannt Sedonner, wie ihr.“ Sie gab ihm erneut die Hand, damit er Halt auf seinen Beinen fand.

Mögt ihr den Prinzen nicht?“ „Diese Frage beantworte ich euch nicht aber ihr seit mir was Schuld, edler Herr. Der Berg hier ist reich an Saat. Sieben Säcke brauch' ich voll. Alleine das deckt meinen Zoll.“ „Das ist viel aber gern, ich begleiche meine Schuld. Wo die Säcke und das Tier?“ „Ihr seit witzig. Ein Tier? Der König aß alles Getier. Nicht einmal ein Käfer ist entronnen, gebraten, gebacken und verbrannt. Der König isst auch die Asche aus dem Feuer, den Kessel aus Metall ... ach was red' ich. Lass uns beginn. Nur die Samen, gebt euch bitte Müh'.“

Stunden um Stunden wühlte der adlige Herr im stinkend dampfenden Dreck. Er gab sich alle Mühe, die Saat zu finden. Doch auch zu Tagesende war es nur ein kleines Eck im halbmannshohen Sack.

Vergebt, mag ich kein guter Schuldner sein.“ „Ihr gabt euch Müh', immerhin. Habt ihr ein Dach über den Kopf?“ „Leider nein aber lasst mich euch noch helfen, die Säcke Heim zu bringen. Ihr habt geschuftet und geschuftet.“

Die Frau lächelte und warf sich einen vollen Sack über die Schulter. „Ist das nicht zu schwer für euch?“ Er versuchte es ihr mit dem anderen vollen Sack gleichzutun, doch zum Himmel hinauf, war der zu schwer. „Wie könnt ihr nur solche Lasten tragen?“ Die Fremde kehrte zu ihm zurück und ließ sich geben ihren letzten vollen Sack. Ihr Blick glitt über ihn, musterte ihn von Kopf bis Fuß. „Es liegt daran, mein Herr, dass ich meine Arbeit tu. Ich kann schon längst nicht mehr. Doch seh ich, was mir tagein, tagaus bleibt, wenn ich den Zoll nicht erreichen kann. Nehmt mir diesen hier. Zwei Säcke sind mir genug. Schafft ihr es denn mit euren Beinen?“ Er war wacklig, doch voller Wille. Wie sollte er auch die nette Frau ein weiteres Mal von sich enttäuschen.

Auf den Ländereien des Königreichs war er, dieser adlige Herr, nicht so willkommen wie bei ihr. Jemand warf ein Messer nach ihm. Es blieb stecken in dem Holz eines Hauses neben ihm. Den wankenden Beinen sei Dank, war es nur an ihm vorbei. „Ihr Geier, Lumpen und all haut ab, sonst wird euch der König holen“, schimpfte die ihm noch immer unbekannte Frau.

Der König wird sie holen? Was ist denn das für ein Mensch in eurem Reich?“ „Ein Mensch, der Zoll verlang, den kaum mehr einer tragen kann. Er fängt nun an, die Menschen in seinem Volk einzufordern wie Lamm. Ach vergesst, was ich sag'. Dort in dem alten Stall, da könnt ihr ruhen, niemand wird euch heute Nacht etwas tun.“

So wie er schlafen gehen wollte, sah er, dass sie bei Nachte noch ging hinauf auf ihre Felder. Sie bestellte mit kaum einer guten Sicht alles, was sie zu machen noch vermochte. Am Morgen lag sie im Acker, war völlig geschafft, kam nicht mehr auf die Beine. „Was ist mit euch? Kommt rein ins Warme.“ Er zerrte sie in die Hütte in der Nähe. „Ihr seit ganz schwach. Kommt bitte wieder auf die Beine. Habt ihr denn nichts im Hause.“ „Die Boten des Königs kommen bald. Ihr Zoll steht noch auf den Äckern. Bitte, holt es herein, wenn es verdirbt, bringt es keinem was.“ „Aber ihr ...“ „Ich bin nur müd', keine Sorg'.“ Er eilte und verlangte von seinen Beinen das Beste, was er von ihnen einfordern konnte. Am Ende er noch schnell ihren Zoll vor die Türe stellte und hoffte, dass ihn niemand sah, denn jetzt war ihm klar, warum man ihn hielt für einen Dieb. Im Spiegel er einen dicken Jungen sah. Den Jungen, der wahrscheinlich schon immer er war aber nie wirklich so sah. Er setzte sich zu der fremden Frau, der er selbst nun müde ein volles Wasserglas herreichte.

Ihr seit gütig Sedor“, sprach sie mit trockener Kehle. Im Anschluss kam sie direkt wieder auf die Beine. „Ruht euch aus, ich werd' euch was stehlen.“ „Nein, wenn wir heut' fleißig sind, erbringt ihr mir vielleicht einen halben Sack. Lass uns beginnen.“ „Aber ihr ... ihr seit doch noch ganz schwach.“ „Ihr nahmt mir Arbeit ab. Kommt aber noch eins, bekleidet euch mit dem. Es lässt euch aussehen wie einer von hier. Ich erlaube mir, als Adliger heißt euch hier keiner weiter willkommen.“ Er brummte nur. Ihr erwähltes Gewand war gedacht für einen schlanken Mann. „Kommt nach, wenn es euch passt.“ Warum er es denn versuchte, war ihm völlig gleich. Doch zu seiner Überraschung vermochte es ihm zu passen und das wie angegossen.

Im Spiegel sah er heut' einen dick grinsenden Mann, stolz mit einer Sense in der Hand. Wäre er schlank, dann hätte er ihm geglaubt ein Bauer zu sein. Allerdings besinnt er sich schnell, läuft der Fremden hinterher. Der Gedanke tat ihm gut. Er würde es schaffen, dass sie bekäme heute ein richtiges Mahl und dieses Ziel blieb ihm fest vor Augen. Er wühlte, grub und kam sogar bis fast auf den Grund. Heute schaffte er ihr so voller Elan beinahe zwei randvolle Säcke. Die Fremde strahlte ihn an. War sprachlos über seinen Kampf. „Schaut nicht so, ich stand doch noch in eurer Schuld.“ „Ach zum Himmel mit eurer Schuld, die habt ihr doch schon beglichen. Ihr wisst doch nicht, was ihr für mich tut, ich werde zahlen können, meinen Zollt und ihr sollt auf keinen Fall gehen ohne einen Dank.“ „Nicht zu früh, ich bringe es euch Heim aber zuerst, hier das Wasser kristallenem Fluss. Trinkt, damit ihr mir diesmal bei Kräften bleibt.“ „Zu gütig, Sedor.“ Zwar verbeugte sie sich ehrenhaft, doch galt es ihm als den verzauberten Mensch, den er gerade war. Das ehrte ihn mehr, als er zu Beginn dachte. Denn so mehr er darüber nachdachte, desto schöner fühlte es sich an, ihren Dank erfahren zu haben.

Ihr sagtet mir immer noch nicht euren Namen“, hackte er ganz leise nach. „Seda, mein Herr, meine Eltern sahen in der Geburt des Prinzen den Segen eines neuen Landes.“ „Wie ihr das meint, verstehe ich nicht.“ „Unser Herr König, Herr des Wohlstand vermählt mit der Dame des Barmherz. Es ist ein alter Text, verloren gegangen über Zeit. Kommt, wenn ihr mir denn helfen wollt.“ Sie schulterte ihre beiden Säcke auf und ging voran. Er hatte Schwierigkeiten mit seinen. Doch irgendwie und mit wunden Knien brachte er es bei ihr zu Hause an.

Oh Seda, wie dumm von mir. Ihr habt sechs, nicht sieben hier. Lasst mich euch holen, noch ein Wasser. Dann werde ich euch den Letzten über Nacht noch bringen.“ „Ihr hab schon so viel getan.“ „Es ist mir eine Ehr'.“ Schnell lief er los, holte ihr das Wasser herbei. Danach ging es schnell zurück, denn er wollte unbedingt mindestens so viel holen, dass es auch ihr ein Mahl reichen würde. Wieder brannte er wie Feuer, tat, was er nur konnte, vergaß aber nicht das belebende Wasser. Heim brachte er ihr, so dass es zum Bestellen noch reichte einen und einen viertels Sack an Samen. Mehr als genug, bedankte sie sich herzlich. Sprang ihm fröhlich um den Hals.

Warum schaut ihr betrübt? Es wird uns etwas reichen, so glaubt mir doch. Nie und nimmer hätte ich ohne euch morgen ein Mahl bereit.“ „Das ist es Seda. Ich muss euch verlassen Morgen aber ich möchte versuchen euch ein besseres Leben zu verschaffen.“ „Ach nimmer. Ihr versteht es nicht. Das hier ist ein großes Geschenk für mich. Ihr wollt nur nicht teilen, darum schämt euch doch nicht. Es wird genug sein. So glaubt mir doch.“ Sein Blick noch trüber zu werden mochte. Diese junge Frau ihm doch schon ziemlich an Herz gewachsen. „Seda, ich tue es nicht, um nicht zu teilen. Ich werde euch versprechen, dass ihr es bald besser habt. Darum werde ich morgen gehen aber ihr habt mein Wort.“

Dass er nicht zum Aufhalten war, stimmte die junge Seda gedrückt. Sie nahm es hin. Doch war auch ihr der eigenartige Mann ans Herz gewachsen. Schon Morgen in der Früh ging er los zum Schloss. Er machte noch Halt, um zu sehen, ob seine Seda auch wirklich aß, was sie bekam. Ein bezauberndes Mädchen sie doch war.

Den Abschied verleugnend schafft er es zu den Mauern des Schlosses. Doch wie käme er hinein, ohne im Kerker zu landen. Er versuchte es am Abfallschacht. Zu steil! Die Mauern machten seine Muskeln nicht mit. Das Tor, wie immer verschlossen. Er musste es bezwingen. Schließlich hatte er es versprochen.

Königin, ihr Sohn möchte herein, er trank einen zähen Trank und schlief ein, wachte erst morgens wieder auf und verschwand. Der dritte Tag ist noch nicht rum, doch muss ich etwas tun. So hört mich, liebste Königin.“ Eine Gestalt erschien am Fenster, sie wank und die Wachen erhörten ihr Geste. Das Tor öffnete sich und er trat ein unter skeptischen Blicken. „Ich danke euch, weiseste Königin. Habt Dank. Das Volk wird es euch danken.“

So lange der Zauber hielt, wollte er den Saal der Speisen erreichen. Dort thronte er, der aktuelle Herrscher, jener, den er Vater nannte. Er hatte nicht weise geherrscht, sein Volk in große Not gebracht. Er ihm nun nimmt einfach die Krone vom Kopf. „Ich werde herrschen in Güte, werde mein Volk ernähren, es leben lassen in Frieden.“ Doch sein Preis war die Liebe. Seda erhörte seinen Wunsch nicht, zum Schloss zu reisen. Sie ließ dem Boten ausrichten, dass sie nicht werden könnte, eine Königin.

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RhodaSchwarzhaars Profilbild RhodaSchwarzhaar

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Kurzbeschreibung

Das Land hungert und schafft es kaum, den König und seine Familie zu ernähren. Nur die Königin des Barmherz baut sich auf. Sie weist das Haus zurecht und scheint dem dicken Prinzen die Augen zu öffnen. Er beginnt sich zu fragen, ob es sein kann, dass ihre Kammern voll sind und die des Volkes nicht. Vielleicht gibt es ein Monster im Land.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch im Genre Entwicklung gelistet.