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Futteral der Lust

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10.02.26 07:50
18 Ab 18 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

Kein Smog, kein Lärm, nur das Paarungsgeplapper von Fröschen am nächsten Wasserloch und das Zirpen der Grillen, so rhythmisch wie ein Puls.

Ich witterte glimmende Asche von einem Lagerfeuer außerhalb der Anlage. Die Backmischung aus erregendem Schweiß und Staub hatte ich zuletzt am Nachmittag an dir gerochen. Ich verging bei dem Gedanken, du könntest es für heute genug sein lassen wollen, erschöpft vom Tag, liebessatt nach beinah einem halben Dutzend Umarmungen. Wir konnten uns gegenseitig einfach kommen lassen und das taten wir. Wir traten das erotische Pedal mit regressiver Begeisterung.

Der Swag war mehr als nur eine Schlafgelegenheit. Er war eine zweite Haut für die Nacht, ein Kokon aus Segeltuch und Sternenlicht. Und da lag ich inmitten der Weite, spürte, wie der Tag still wurde und lauschte dem Erwachen der Nachtjäger.

Die Nacht war ein atmender Organismus mit einem eigenen Puls. Das hatte ich noch nie so empfunden. Die Landschaft spielte in mir etwas Ur-altes an. Diese unmittelbare Erdung, als wüsste der Körper plötzlich, wohin er gehört. Die Tiere, der Himmel, der Staub - alles sprach und erschöpfte sich in schierer Unmittelbarkeit. Und in dieser Klarheit erschien mir ein Dschinn der Demut. Ich empfand Dankbarkeit dafür, in der Schöpfung zu sein; eine Vorstellung, die mir in Deutschland nie gekommen wäre.

Ich fühlte mich im Schoss der Schöpfung. Die Trennlinien zwischen innen und außen verloren ihre Schärfe. Die Dankbarkeit war körperlich, ein Labsal.

Es stimmte, was mir Backpacker im Vorübergehen zugeraunt hatten: Neuseeland verändert die innere Frequenz.

Dann hörte ich dich und musste die Nacht anlächeln. Ich hatte es gewusst und trotzdem die Angst ausgestanden, von meiner inneren Stimme getäuscht worden zu sein. Ich spürte dich, bevor du mich berührtest. Du warst mir schon so vertraut, als wären wir gemeinsam aufgewachsen und hätten Kindergeheimnisse geteilt und gehütet. Ich sah dich enorme Mengen Schokoladenpudding in dich hineinstopfen; für dich eine Götterspeise, da du zuhause militant gesund ernährt wurdest. Du liebtest auch Löffelkekse. Nein, das alles wusste ich noch nicht, als mir ein Vibrieren der Planken dein Kommen ankündigte. Ich wollte dich sofort zwischen meinen Beinen haben. Du solltest nackt zu mir kommen, von meiner Schönheit so hingerissen, wie ich von deiner Schönheit hingerissen war.

„Komm, wir lassen zusammen die Sterne auf dem Meer tanzen“, flüsterst du. Du warst so leise wegen der Schläferinnen um uns herum. Du trugst deine Badehose und hattest zwei Handtücher dabei.
„Geh im Dunkeln nicht mit Fremden mit, hab‘ ich gelernt.“
„Gut so, ich hab‘ auch extra die sanfte Beleuchtung für uns Nachtjäger angemacht. Das schont die Augen.“

Das Meer malte sich für uns im Tiefblau der Nachtfarben an das gedimmte Weiß des Ufers.
Du gingst voraus, der Sand knirschte unter unseren Füßen. Unter dem kühlen Spiegel war es warm. Tagwarm empfing uns das Meer und umplätscherte unsere Füße.

„Schau.“

Ein Leuchten kräuselte sich dort, wo deine Fingerspitzen das Meer berührten.
Biolumineszenz - lebendige Lichter.
Kleine Lichtwesen, die aus unseren Bewegungen Sternenspuren formten. Das Bild wirkte wie die Karikatur einer Spiegelung des Firmaments.

Du berührtest mich weder gierig noch zögerlich. Als wolltest du prüfen, ob ich noch dieselbe war wie zuvor an Land. Ich war es schon nicht mehr ganz. Ich wäre damals schon nicht mehr ganz ohne dich gewesen. Wir verwandelten uns gegenseitig und miteinander, fern jeglichen Begreifens dieser Dimension.

Wir glitten ins Wasser, als wollten wir uns selbst taufen im Geist der neuen Religion unsere Liebe. Du nahmst dich meiner an, berührtest mich mit fliegenden Händen, bis ich deine Hände auf meinem Busen festhielt.

„Lass sie da“, sagte ich, und als ich sicher war, dass du deine Hände auf meinem Busen lassen würdest, nahm ich dein vom Wasser bewegtes Glied in die Obhut meiner Hände. Ich formte meine Hände zu einem Futteral der Lust.

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