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Erotische Horizonterweiterung

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08.02.26 07:27
18 Ab 18 Jahren
In Arbeit

Seit ein paar Monaten haben die Verschworenen einen neuen Spot. In der Heaven & Hell Bar sitzt man an Nierentischen. Die Tapete zeigt Südseemotive, die auch den fiddler on the roof heraufbeschwören. Das Kunstgewerbe verschmilzt Gauguin mit Chagall nach einem obsoleten Dekorbegriff. Die Umgebung wirkt anregend auf das akademische Personal der Landgraf Philipp Universität, das in den campusnahen Schwemmen wie eh je Bandenbildung betreibt. Am Tresen renommiert ein markanter Repräsentant jenes Klans, der seit Jahrzehnten in Ederthal den Bürgermeister stellt. Inzwischen und schon in der dritten Generation die Bürgermeisterin. Ansgar Gerster ist ein Onkel der amtierenden Atlanta Gerster-Mansfeld. Bis in die Fingerspitzen firm in allen Fächern seines Metiers, gewieft, jovial, zupackend, erstrebt der Fleischgroßhändler ausgerechnet von mir ein gesteigertes Interesse an ihm. Er deutet meine Ausdauer falsch. Ich stehe hier nicht seinetwegen und seinen abgestandenen Stories. Ich warte auf dich. Und da bist du endlich, kaum verspätet, obwohl dir gestern noch auf einem anderen Kontinent das Kunststück gelang, meinen Kummer (ob deiner Abwesenheit) in Lust zu verwandeln. Der Himmel, durch den du mir bald darauf entgegengeflogen kamst, erschien mir dann nur noch wie eine göttliche Kleinigkeit. Ich fliege in deine Arme. Du wirbelst mich herum. Ich lasse dir Zeit, in meinen Augen deine Sehnsuchtsziele zu erreichen. In deinen Augen sehe ich einen Brand, der sofort gelöscht werden muss.

„Hast du hier noch was?“ fragst du. Auch in der Liebhaberrolle steht dir ein Register voller Varianten zur Verfügung. Oh, wie ich es liebe, diese Übergänge zwischen Fachgespräch, Training und erotischen Horizonterweiterungen, auf die ich niemals verzichten muss, weil du so verdammt heiß auf mich bist. Geboren bin ich in einem Traum von dir. Ich übertreffe deine Erwartungen und düpiere deinen Realitätssinn. Ich erscheine dir so, wie du mich erkennst. Ich erlaube dir alles im Gegenzug für das Wunder, dass ich für dich sein darf. Du erlaubst mir natürlich auch alles im Gegenzug für das Wunder, dass du für mich bist. Ich könnte das nie mit einem Mann, ohne Sinn für die Poesie gegenseitiger Ergebenheit.

Wir überqueren den Campus, im Pavillon geht gerade das Licht aus. Der Garten dahinter ist um diese Zeit ein verwunschener Ort, ein stiller Raum der Abkehr von der Hektik auf den Vorplätzen der im Mittelalter als Ritterkollegium befestigt gegründeten Universität. Wollen wir das nicht, frage ich mit einem Blick. Es ist nicht nur Begehren, Liebe und die schiere Hautlust. Es ist auch Freundschaft, Verehrung, Bündnisfestigkeit und das bohrende Bedürfnis, mich von dir ohne Vorrede einnehmen zu lassen.

Du bist meine erfüllte Sehnsucht. In deinen Augen treffe ich dich noch einmal. Du und ich, wir erlauben uns, füreinander Wunder zu sein. Wir sind einander ergeben. Das ist unsere Poesie. Nein, du sagst es nicht, wenn ich dich so heiß gemacht habe, dass du es nicht mehr aushältst. Aber dein Körper kennt keine Zurückhaltung. Ich bin mit deinem Bewegungsapparat so gut wie kernspintomografisch vertraut. Ich erlebe dich in deiner ursprünglichsten Verfassung. Ein für mich genetisch aufgeschlossenes Wesen mit vibrierender Flanke - der Determination widerspricht der Wille in deinen Augen nicht mehr lange. Dann verschleiert sich der Blick und du beginnst mich mit der Stimme des vegetativen Seins keineswegs lautlos zu rufen. Ich schwäche die Zuspitzung ab und beobachte, wie ein gesellschaftsfähiges Selbst wieder die Regie übernimmt.  

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