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Eingeführte Arten sind nicht invasiv. Schließlich besiedeln sie die neuen Lebensräume nicht freiwillig. Goya spricht über die Seenuss (Mnemiopsis leidyi). Im Rahmen des internationalen Transfers wird die Seenuss in Ballastwassertanks ins Meer gebracht, wo sie keine natürlichen Feinde hat. Die Rippenqualle (Ctenophora) vollbringt ein Wunder der Anpassung. Sie wirkt wie ein Staubsauger.
Schlagzeile einer deutschen Zeitung: „Ein Problemtier erobert Nord- und Ostsee.“
In einem römischen Hotelzimmer. Nana hockt in hellblauer Lingerie vor dem Sprachlehrer. Sie reist mit Goya in der Zeit zurück, in ein (neues) Kambrium, wo Quallen wieder die mächtigsten Fressfeinde wären. Nana halluziniert in den Echokammern der Akademie; dieses Konferenz- und Kongress-Jetlag-Delirium, in dem selbst die Muttersprachler nicht besser Englisch sprechen Als der Rest. Das biolumineszente Leuchten der Seenuss in den Tiefen der Ozeane, das eine mörderische Blüte verheißt. Zur Erinnerung: Der Philologe Goya ist auch Spezialist für Biolumineszenz. Er züchtet leuchtende Mäuse.
Die Lösungen der Seenuss sind einzigartig. Ihre existenziellen Manöver deuten auf evolutionäre Rückschritte und Parallelentwicklungen hin; darauf, dass alles ganz anders hätte verlaufen können. Sie ist eine Gewinnerin der Globalisierung, eine Nutznießerin des Klimawandels, ein Monster der Anpassung.
Nana verflüssigt sich in Goyas erregender Gegenwart - in Erwartung eines kosmischen Orgasmus.
In jeder Seenuss steckt ein hohes Maß an evolutionärer Intelligenz, da sie seit über 540 Millionen Jahren keinerlei gezielter Anpassung bedarf. Die Seenuss funktioniert reibungslos. Ihre Effizienz übertrifft jeden menschlichen Standard, ohne dass ein zweiter Evolutionszyklus nötig wäre. „Einfachheit ist die höchste Form der Vollendung“, sagt Leonardo da Vinci. Und doch scheitert die Zucht in Gefangenschaft. Goya bringt das Publikum als nationale Autorität mit Professor Grzimeks grimmiger Grandezza in Rage.
„Bernhard Grzimek (1909–1989) war ein deutscher Tierarzt, Zoologe, Tierschützer und Verhaltensforscher, langjähriger Direktor des Frankfurter Zoos, Tierfilmer, Autor und Herausgeber.“ Wikipedia
Da er es gewohnt ist, auf der Ebene des Institutsdirektors zu kommunizieren, blickt er auf die meisten seiner Kollegen herab. In einer schimmernden Grauzone zwischen Pflichtbewusstsein und sexueller Gier lässt er sich von Nana umgarnen.
Werkzeugintelligenz und Metakognition
„Können Tiere ihre eigenen Erfahrungen auf andere übertragen?“, fragt Goya. Bei einfacheren Lebewesen herrscht lediglich ein unbewusster Wettbewerb zwischen unkoordinierten sensomotorischen Systemen. Der Elefant beweist Beständigkeit und Ausdauer bei der Suche nach einem Wasserloch. Dies verweist auf konstitutive Merkmale des menschlichen Bewusstseins: globale Verfügbarkeit und Selbstüberwachung. Diese Architektur ermöglicht Kohärenz. Das Informationsverarbeitungssystem erscheint selbst in den geologischen Dimensionen der Evolution uralt. Offenbar sind einige Säugetiere in der Lage, Herausforderungen zu bewältigen, die dem präfrontalen Cortex zugeordnet sind, einschließlich Metakognition, also korrekter Selbsteinschätzung.
Goya will das sexuelle Spiel im öffentlichen Raum beginnen. Nana ist seine zuverlässige Komplizin. Sie zieht den Rock bis zum Saum ihrer halterlosen Strümpfe hoch.
Schimpansen, Bonobos, Orang-Utans und Gorillas bestätigen die Annahme, dass Tierarten, die phylogenetisch nahe mit dem Menschen verwandt sind, ein starkes Gedächtnis besitzen.
Kapuzineraffen benutzen ausgeklügelte Werkzeuge, beispielsweise eines aus Konglomeratgestein, um die Fruchtfleischschalen aufzubrechen.
Entspricht das Planung im menschlichen Maßstab? Besitzen nicht-menschliche Tiere Selbstbeherrschung und Vorstellungskraft? Jedenfalls lässt sich beobachten, dass Hunde der sofortigen Befriedigung widerstehen und sich für eine bessere Option entscheiden können, wenn auch nur für kurze Zeit. Die menschliche Wahrnehmung kreist um die Spindel der Vorstellungskraft. Unsere Zeitreisen hängen von unserer Vorstellungskraft ab.
Nana braucht viel stärkere Stimulation als Goyas sonore Stimme und seine unerschöpfliche Eloquenz.
„Es ist, als würde man das Menü mit dem Dessert beginnen“, denkt sie. Sie spreizt ihre Beine, ohne zu erwarten, dass Goya vom Anblick ihrer Scham irritiert sein könnte.
„Oh mein Gott“, stöhnt sie, und sie meint es wörtlich.
Krabbenfressende Makaken auf Ko Yao Yai benutzen Steine, um verfangene Nahrung zu knacken. Komplexe Abläufe lassen sich in einem vielschichtigen Prozess beobachten. Eine Gruppe von Strandbewohnern zeigt besondere Fähigkeiten im Knacken von Muscheln. Das Territorium der Gruppe umfasst eine verlassene Palmölplantage. Die Affen öffnen die olivenähnlichen Früchte der Palmen nach demselben Muster, mit dem sie an den Inhalt von Muscheln gelangen. Ludwig Huber beschreibt diese Universalisierung als eine „junge Verhaltensanpassung“. Er spricht von einer „technologischen Reaktion der Affen auf eine anthropogene Veränderung ihrer Umwelt“ und insofern von einer „echten Verhaltensinnovation“.
„Neurophysiologische Studien an Makaken und Menschen legen nahe, dass der Gebrauch von Werkzeugen die interne Repräsentation der Extremitäten (Hand, Fuß, Schnabel usw.) des Handelnden erweitert.“ Ein Forschungsteam unter der Leitung von Christian Rutz an der Universität St. Andrews in Schottland untersucht die manuelle Geschicklichkeit von Geradschnabelkrähen, auch bekannt als Neukaledonische Krähen. Die Vögel zeichnen sich durch die serielle Herstellung von Haken.
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