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Warum schreibt ihr keine Kommentare?

Am 11.06.2019 um 15:45 Uhr

Hallo zusammen!

Nachdem ich in den letzten Wochen so viele Community-Aktionen rund ums Schreiben und Lesen gestartet habe, dachte ich mir, eventuell auch nochmal eine kleine Liste mit Liste mit Tipps rund ums zum Kommentieren zu erstellen. Bevor ich das mache, wollte ich aber erst einmal mit euch reden. Denn eine Tipp-Sammlung macht ja keinen Sinn, wenn sie den Kern der Sache nicht trifft. Deswegen wollte ich wissen, wieso ihr keine Kommentare schreibt.

Ich denke, die allermeisten, die sich in Schreibarchiven tummeln, waren irgendwann mal schon mal so ein böser, böser Schwarzleser und haben eine Geschichte gelesen ohne Feedback dazulassen. Mich würde interessieren, was eure Gründe für so etwas sind, ganz gleich ob es jetzt Gründe auf eurer Seite sind oder welche, die mit dem Verhalten der Schreibenden zu tun haben. Haut gerne alles raus!

Ich mache mal den Anfang, was in der Vergangenheit, zum Teil aber auch noch aktuell, so meine Gründe waren (vielleicht kennt sie ja irgendwer, ihr dürft gern ergänzen):

Vermeintlicher Zeitmangel: Vermeintlich, weil es technisch gesehen eigentlich nicht lang dauert, jemanden irgendwas als Feedback zu schreiben. Kommentare in Länge eines handelsüblichen Tweets, die nur aussagen "fand die Geschichte gut", "fand die Geschichte doof", oder "fand die Geschichte so mittelmäßig" sind schnell getippt. Aber: Kommentare sollen ja konstruktiv sein, sie sollen eben nicht irgendwas sein, sondern erklären, warum eine Geschichte jetzt gut, schlecht oder mittelprächtig war. Das erfordert etwas mehr Hirnschmalz und daher auch etwas mehr Zeit.

Vollständige Textanalyse: Dieser Grund baut auf dem letzten auf und ist quasi die Steigerung davon. In meinem Kopf sitzt irgendwie fest, dass Kommentare sehr eingehend sein sollten und auf möglichst alle Aspekte einer Geschichte (Schreibstil, Spannung, Charakterisierung, Logik,...) eingehen sollten und natürlich immer sowohl Lob als auch Kritik enthalten sollten, was manchmal echt schwer ist (dazu später mehr).

Was soll ich nur sagen?: Ein weiterer Grund ist, dass mir nicht einfällt, was ich zu einem Text überhaupt schreiben soll. Das ist vorallem bei Geschichten der Fall, die nichtssagend sind. Zu Texten, die mich bewegen, sei es im Positiven oder im Negativen, fällt mir eigentlich meist immer irgendetwas ein. Aber dann gibt es Texte, die keine offensichtlichen (dramaturgischen, stilistischen ect.) Fehler gemacht haben, aber mich trotzdem irgendwie nicht "mitnehmen" und nur ein Achselzucken hinterlassen. Solche Texte sind dann echt schwierig. Aber auch bei Texten, die mir klar gefallen oder missfallen ist es manchmal schwer, genau auf den Punkt zu bringen, was daran jetzt schön oder unschön war, vorallem im Hinblick auf die vollständige Textanalyse.

Miserable Qualität und Neulingsschutz: Okay, es ist vielleicht ein unschöner Fakt, aber es zu verschweigen wäre eine Lüge: Es gibt Geschichten, die sind einfach richtig schlecht. Geschichten, bei denen es mir schwerfällt, irgendentwas zu finden, das ich noch positiv herausstellen könnte. Wenn ich dann aber sehe, dass die Person hinter der Geschichte vielleicht gerade ihre ersten literarischen Gehversuche macht und bisher noch absolut kein Feedback erhalten hat, entscheide ich mich doch eher dazu, zu schweigen. Ich kann nicht jemanden mit Schmeicheleien überschütten und 90% meines eigentlichen Eindrucks hinter dem Berg halten, wenn ich die Geschichte für unterirdisch befinde. Andererseits will ich auch nicht diejenige sein, die schon bei den ersten Schritten demotiviert (und seien wir ehrlich: Kritik ist, auch noch so vorsichtig formuliert, immer ein Dämpfer).

Miserable Qualität und sensible Autobiografie: Ein ähnliches Problem habe ich mit autobiografischen Texten (Gedichten, Blogposts, Anekdoten, Kolumnen Briefen ect.), die sensible Themen behandeln und technisch schlecht gemacht sind. Ich möchte, wenn ich Kommentare schreibe, weder lügen noch Halbwahrheiten sagen, aber andererseits will ich auch nicht diejenige sein, die sagt "Hey, dein Tagebuch über deine Chemotherapie ist voll trocken geschrieben" oder "Bei deinem Gedicht über deine Essstörung stimmt das Versmaß nicht". Ja, ich habe große Probleme damit, dass Autobiografien Literatur sind, aber dann eben doch noch mehr als das.

Keine Reaktion auf Kritik: Damit meine ich jetzt nicht, dass keine Reviewantwort kommt. Über Reviewantworten freue ich mich zwar, aber an sich sind sie mir nicht so wichtig. Wenn ich eine Geschichte kritisiere (und vorallem wenn ich Verbesserungsvorschläge mache) und das nicht nur kleine Bagatellanmerkungen sind, würde ich mir wünschen, dass mein Gegenüber mein Feedback zumindest überdenkt. Wenn ich dagegen eine zwar höfliche Reviewantwort erhalte, die inhaltlich aber eine gänzlich Zurückweisung meiner Kritik ist, hinterlasse ich meinen Gegenüber bei anderen Geschichten, bei denen ich ähnliches anzumerken hätte, dann kein Kommentar mehr. Ebenso schreibe ich kein Review, wenn schon mehrere User vor mir angemerkt haben, was auch ich zu sagen hätte und zurückweisende Reviewantworten erhielten. Hier hat jemand offenbar entschieden, dass er die Kritik nicht annehmen möchte (was sein gutes Recht ist) und ich wüsste nicht, warum ich dann noch was draufsetzen sollte.

Headcanon-Clash: Und zum Abschluss noch so ein Fanfiction-Ding. Als Fan ist mensch ja manchmal etwas emotional und hängt sehr an seinen eigenen Headcanons. Was mich persönlich oft in die Zwickmühle bringt, sind Fanfictions, die von neutraler Warte aus gesehen ziemlich gut sind, aber die mit Headcanons brechen, die mir sehr am Herzen liegen. Hier halte mich mit Feedback meist zurück, weil die Geschichte mich in einen inneren Zwiespalt bringt. Von der literarischen Seite her müsste ich die Fanfiction eigentlich loben, aber dagegen sträubt sich mein inneres Fangirl, das an seinen Headcanons hängt. Und ein Kommentar ala "Deine Geschichte ist klasse, sie ist echt ein Meisterwerk - und ich hasse sie. Wie kannst du dieses und jenes tun?!" will ich dann auch nicht schreiben, zumal ich echt kein großer Fan von den ganzen Grabenkämpfen bin, die in Fandoms zuweilen laufen. Also flüchte ich mich ins Schweigen.

So, das waren meine Gründe. Falls ich was vergessen habe, trage ich es noch nach. Was sind eure?

 

 

Am 11.06.2019 um 15:57 Uhr

Bei mir ist es vor allem häufig, wenn ein Text für mich absolut nichtssagend war. Ich hab ihn gelesen, ihn mit einem Schulterzucken abgetan und schon im nächsten Moment vergessen. Sicher könnte man dann eine detaillierte Analyse machen, woran das lag, aber sind wir ehrlich: Die wenigsten haben Bock, das zu machen. Da hat das, was dann übrig bleibt, was ich zu sagen hätte, absolut keinen Mehrwert für den Autor/die Autorin. Im Gegensatz zu Rezensionen schreibt ich Kommis ja nun wirklich vor allem für den Autor/die Autorin.

Na ja und dann noch der Klassiker, wenn ich wirklich nur Negatives zu sagen habe. Besonders in Phasen, in denen ich emotional nicht so sehr gefestigt bin und mit meinem RL schon genug zu tun habe, habe ich keine Lust auf wütende Fanmobs, die über mich her ziehen, weil ich irgendeinen Popeltext mistig fand. Dann lass ich es halt einfach.

Und ich gestehe: Manchmal vergesse ich es einfach oder kann mich einfach nicht dazu aufraffen, auch nur drei Worte zu tippen, zumal, wenn ich es nicht unmittelbar nach dem Lesen schaffe, weil ich beispielsweise gerade in der Bahn las und aussteigen musste oder so.

Vor 3 Tagen, 23 Stunden und 51 Minuten

Meine Gründe wurden schon benannt, aber ich lasse meine Meinung einfach mal da ^^
1. Keine Zeit/Nerven/Energie. Vor allem, wenn ich spät abends lese oder in Vorlesungen. Dann kann es halt sein, dass ich gerade eine Geschichte gelesen habe, ein Review schreiben will.... und dann die Vorlesung wieder meine volle Aufmerksamkeit fordert. Danach habe ich einfach nicht die Nerven dazu, mich noch einmal mit der Geschichte abzugeben. Mein Leben ist leider stressig, sodass ich nicht immer dazu komme, Kommentare zu schreiben.
2. Kein Internet/lese am Handy. Ich lese teilweise auf dem Handy/in der Bahn/offline. Dann noch online zu gehen, mich einzuloggen und ein Review zu schreiben ist mir oft zu aufwendig.
3. Zu kurz oder zu nichtsaussagend. Es gibt Geschichten/Gedichte, das sind 5 Zeilen mit jeweils ein paar Wörtern. Oder Geschichten, die einfach nichts aussagen und keine Gefühle in mir wecken. Da kommentiere ich dann lieber nichts, als ein "ja ok, ich habe das gerade gelesen und kann mich nicht entscheiden, wie ich es finde".
4. Zu schlecht (inkl Neulingsschutz). Wenn ich einen schlechten Text gelesen habe, fange ich (leider) schnell an zu ranten. Das will ich Autoren (v.a. wenn sie auf diese Geschichten noch kein einziges Kommentar bekommen haben oder gerade mit dem Schreiben anfangen) nicht zumuten (ich will sie ja auch nicht sofort demotiveren).
5. Sticht nicht heraus. Es gibt einfach Geschichten, die ok sind - bei denen einfach nichts zu schlecht heraussticht oder besonders gut ist.

Vor 3 Tagen, 21 Stunden und 48 Minuten

Naja, ich schreibe vor allem dann keine Kommentare, wenn ich nicht lese. Sprich, wenn mir ein Autor mal negativ aufgefallen ist (z.B. durch Nicht-Antworten auf Kommentare), dann les ich bei dem nicht mehr rein. Das ist, glaub ich, überhaupt der Hauptgrund, warum ich wenig kommentiere: Ich lese einfach nicht viel auf Onlineplattformen. Es gibt wenig, das mich anspricht, wenig das mich nach zwei, drei Absätzen nicht total anödet, überhaupt wenige Texte in Kategorien, die mich interessieren und was da dann zu finden ist, ist dann auch meistens generisch, 0815 oder wenig inspiriert. Ich gebe das Lesen sehr oft schon sehr früh auf und schreibe dann natürlich keinen Kommentar.

Ansonsten kommentiert ich nicht, wenn Texte mir persönlich nicht gefallen, weil sie meinen Geschmack nicht treffen. Es wäre ungerecht sowas dem Autor vorzuwerfen. Wenn Texte gut sind, fällt mir meistens nichts ein und einfach nur: "Hey, ich hab das gelesen und fand es gut."... Dazu kann ich mich nicht überwinden, sorry, ich kann nicht, das ist mir zu wenig. (Davon abgesehen, hatte ich bei Onlinetexten noch nie das Gefühl etwas besseres als "gut" zu lesen zu bekommen. Richtig tief berührt und bewegt hat mich noch nie ein Text auf einer dieser Plattformen. Wenn es aber mal vorkommen sollte, werde ich das natürlich dann genauso kundtun. Es ist halt nur noch nicht passiert.)

Ich kommentiere vor allem dann, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin. Bei Texten mit denen ich konform gehe, fällt mir meist auch wieder nichts ein, also lass ich es.

Und ich kommentiere natürlich nicht, wenn ich nicht will, dass der Autor weiß, dass ich seinen Text gelesen habe. Es kommt vor, dass Leute mir sagen, ich solle einen bestimmten Text nicht lesen, weil er ihnen peinlich ist. Manchmal lese ich ihn dann trotzdem, mache mich aber nicht bemerkbar.