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Augenroll-und-Mecker-Thread: Was nervt euch an Geschichten?

Am 16.06.2018 um 10:40 Uhr

Ihr sucht einen Ort an dem ihr mal so richtig über schlechte Geschichten meckern könnt? Dann seid ihr hier richtig. Ob ausgelutschte Klischees, grauenhafter Stil oder augenkrebsfördernde Formatierung - hier könnt ihr richtig Dampf ablassen. Was geht euch auf den Kekskrümel? Was könnt ihr nicht mehr lesen? Was rollt euch die Fußnägel hoch und vertreibt euch vielleicht sogar aus Geschichten? Haut in die Tasten und schreibt euch den Lesefrust von der Seele. Aber bitte nur allgemein - einzelne Geschichten, evtl. sogar mit Titelnennung sollen hier nicht auseinandergenommen werden. In diesem Sinne gebe ich das Mikro weiter an euch.

Zuletzt bearbeitet: Am 18.06.2018 um 6:39 Uhr von Augurey

Am 18.06.2018 um 20:18 Uhr

Mit nervt bei Geschichten das Übliche - Mary Sues, Self Inserts und wenn gefühlt jeder Satz von Rechtschreib- und Grammatikfehlern überläuft. Super kurze Kapitel (wenn es nicht ein Drabble ist) nerven mich auch.

Und wenn in einem Kapitel nichts wichtiges passiert, bin ich auch schnell weg. Vor allem, wenn das Kapitel nur aus "Hallo, ich bin Lisa Müller, ich bin 16 Jahre, habe blonde lange Haare und blau-glitter Augen!!!! Außerdem besuche ich die 11. Klasse! Als ich eines Morgens durch das gezwitcher der Vögel aufwachte blablabla" besteht.

Am 30.06.2018 um 22:05 Uhr

Was mir neuerdings so manche Geschichte vergällt ist die anscheinend zunehmend populäre Idee, dass es möglich wäre, die Hälfte von Harrys DNA quasi zu ersetzen. (Konkret ist es meistens Snapes DNA die James' DNA ersetzt).

Ich verstehe ja, wenn man nicht will, dass Harry wegen dem Blutschutz bei den Dursleys leben muss. Und ja, die Muggelwissenschaft ist anscheinend bereits in der Lage, Gene in bereits geborenen Menschen zu ändern, oder nahe dran. (Was ich extrem gruselig finde, aber bei Erbkrankheiten wäre es natürlich eine gute Sache.)

Aber die magische Gesellschaft weiß wahrscheinlich nicht mal, was Gene sind, und ein einzelnes Gen zu ändern ist auch etwas ganz anderes, als eine komplette Hälfte der gesamten Gene auszutauschen.

Vielleicht ist es einfach nur, weil ich die Idee gruselig finde, vielleicht ist es, weil ich finde, dass es einfach nicht in die Harry Potter Welt passt ...aber es geht mir einfach auf die Nerven. Unter anderem natürlich deswegen, weil ich eigentlich gerne Geschichten lese, in denen Snape sich um Harry kümmern muss - und ich finde den Konflikt, den er damit hat, dass es sich um den Sohn von James Potter handelt, gerade interessant. Der fällt durch die oben beschriebenen Maßnahmen natürlich völlig weg.

 

 

 

 

#3
(Threadersteller)

Am 01.07.2018 um 13:36 Uhr

Sehe ich das richtig, du meinst Geschichten, in denen Harrys DNA sich im Lauf der Geschichte ändert und Snape nicht von Beginn an sein Vater ist? Diese ganzen Gen-veränderungs-Ersetzungs-AUs finde ich per se furchtbar. Pubertät ist ja an sich schon ein ganzer Brocken an "Mutation", aber wenn dir dann am 16. Geburtstag plötzlich irgendwelche Flügel wachsen, weil irgendwelche Gene durchbrechen, die deine menschlichen ersetzen.... Und dann auch noch die eklatanten Defizite in Mathematik. "Harry, Du bist zu 60% Veela, zu 30% Dämon und zu 20% Flubberwurm"... ähm ja, gibt zusammen 110%. Von den Gesetzen der Vererbung und den Prozenten, die da rauskommen müssten, mal ganz zu schweigen.

Und wo wir irgendwie schon beim Thema sind: Mich nervt seit geraumer Zeit (auch bzw. vorallem in Freien Arbeiten und "Kaufbüchern") der zunehmende Hang zu einem gewissen, körperlichen Antropomorphismus, der auch gern auf der Superpower-Schiene fährt. Beispielweise finde ich den klassischen Werwolfmythos gerade deswegen interessant, weil 1.) es ein Fluch ist, der Betroffene einfach überkommt und sie sich völlig willenlos in ein Tier verwandeln, was eine hübsche Menge an Konfliktpotential für den Betroffenen bereithält und 2.) Andere sie gar nicht von echten Wölfen unterscheiden könnten, außer dass sie vielleicht besonders stattliche oder aggressive Exemplare sind und so die Gefahr gar nicht erkennen. Was mir aber in Romanen oder Werken, die sich so schimpfen, immer häufiger begegnet, sind Comicgestalten: Behaarte Zweibeiner, Menschen, denen halt ein bisschen Fell angeklebt wurde, die nur auf vier Pfoten laufen, weil sie damit schneller sind und natürlich ihre Verwandlung willfährig und unabhängig vom Vollmond steuern können und dabei auch - relativ - ihr menschliches Bewusstsein beibehalten. Mit anderen Worten: Gestaltwandler. Gemorphte Gestaltwandler. Nur sind Gestaltwandler keine Werwölfe, selbst wenn sie sie Wolfsgestalt annehmen würden (was sie ja nicht tun, wenn sie auf zwei Beinen rumrennen). Danke! Und dann ist da auch noch die umgekehrte Tendenz, dass jedes optisch noch so tierische Fantasywesen Menschengestalt annehmen können muss. "Der Drache hatte seine menschliche Form angenommen" - warum? Warum sollte sich ein Wesen, das mit einem Rülpser ganze Döfer in Asche verwandeln kann, in so einen mickrigen Körper zwängen? Vorallem geht mir dieses ganze Menschengestalt-Gedöns auf den Keks, wenn es offensichtlich nur geschieht, um Shippings zu ermöglichen, weil Drache in Drachengestalt mit Mensch dann doch ein wenig pervers wirken würde. Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht: Ich habe nichts gegen Gestaltwandler per se. Aber nicht auf diese Weise, die nur auf "seht meine Megapowerz" oder Shippings ausgelegt ist.

Zuletzt bearbeitet: Am 19.07.2018 um 13:53 Uhr von Augurey

Am 01.07.2018 um 18:22 Uhr

Sehe ich das richtig, du meinst Geschichten, in denen Harrys DNA sich im Lauf der Geschichte ändert und Snape nicht von Beginn an sein Vater ist?

 

Genau das. Alternativuniversen in denen Snape schon immer sein Vater ist, finde ich okay. Geschichten in denen Snape ihn adoptiert und rechtlich zu seinem Sohn macht, auch.

Aber "wir ändern mal eben die genetische Zusammensetzung eines mehrere Jahre alten Menschen"?

Realistisch betrachtet würde das sehr wahrscheinlich die Persönlichkeit ändern - dass der Sohn von James Potter eine gewisse Resilienz mitbringt und die emotionale Misshandlung durch die Dursleys schadlos übersteht, kann man noch irgendwie glauben, aber der Sohn von Severus Snape wäre epigenetisch betrachtet nicht gerade gut ausgerüstet.

 

Und dann die Implikationen - WENN das ginge, würden die Frauen aus den Reinblutfamilien dann überhaupt die Gefahr auf sich nehmen, selbst Kinder zu gebären? Warum stattdessen nicht das eine arme Halbbluthexe erledigen lassen, und nachher die DNA gegen die eigene austauschen?

... okay, zugegeben, eine darauf basierende Dystopie würde ich schon fast wieder lesen.

 

#5

Wattpad - Die Seite der Oberschnulzen-Fantasy...

Am 18.07.2018 um 20:15 Uhr

Hallo zusammen,

abgesehen von dieser Seite hier, veröffentliche ich meine Geschichten unter anderem auch auf Wattpad. Seid ihr dort zufällig auch angemeldet?

Mir ist noch nie dermaßen viel UNFASSBAR SCHLECHTE SCHNULZE im Fantasy-Bereich untergekommen... Wenn man von Fantasy überhaupt noch sprechen kann, wenn innerhalb der ersten 5 Kapitel ständig der unnahbare Obermacker schlecht hin aufkreuzt, den Mädchen natürlich heiß findet, aber sich nie als Freund vorstellen kann, weil SIE es ja nicht wert ist usw....

Arg!!! Da kriege ich wirklich zu viel.

Puh... soviel mal dazu ^^

Ich finde es einfach schade, dass in den Top 10 der Fantasy-Geschichten allein 8 solcher Beispiele schlummern... Andererseits habe ich mir sagen lassen, dass es eine generelle Entwicklung von Wattpad ist, seitdem die "guten" Autoren bei richtigen Verlagen untergekommen sind und Wattpad inzwischen nur noch von halbreifen Teeniegören bevölkert ist, die eben genau auf SOWAS

Am 20.07.2018 um 0:08 Uhr

Warum sollte sich ein Wesen, das mit einem Rülpser ganze Döfer in Asche verwandeln kann, in so einen mickrigen Körper zwängen? 

Sehe ich auch so *klopft sich auf Drachenschulter*

@RiBBon Ich war da mal, ReziMafia und so, aber das hatte sich dann aus einer langen Liste von Gründen  erledigt. Aber ich weiß, was du meinst. Ist schlimm da. Das beste, was ich da jemals gelesen habe, war gerade mal so semigut.

Aus aktuellem Anlass: emotionaler Missbrauch. Da sehe ich rot. Das ist momentan mal wieder (oder immer noch?) in Mode, scheint es. Er ist übelst eifersüchtig und besitzergreifend und teils sogar übergriffig und ermordet sogar (scheinbar) einen anderen Kerl aus Eifersucht. Aber er hat ja seine Gründe und überhaupt war es gar nicht seine Schuld und daher hat sie ihn trotzdem lieb. Und ORAAAARRR! ICH RASSTE AUS! Ich sehe das viel in Verlagsbüchern und in Werken von Hobbyautoren wird das noch viel öfter reproduziert. An so einem Verhalten ist NICHTS romantisch! Im Gegenzug, heute erst in der Therapie gelernt, dass das teils sogar als Foltermethode eingesetzt wurde. Das wurde wohl in Spanien gemacht, besonders bei Frauen. Da wurden die Frauen erst total fürsorglich behandelt und dann so zur Folter geführt. Das ist so unglaublich grausam und wird trotzdem noch romantisiert. Das widert mich an.

Am 09.08.2018 um 20:39 Uhr

Bei der gerade erwähnten Sorte schlechter Schnulze frage ich mich immer nach dem Sinn. Eine Schnulze die handwerklich schlecht geschrieben ist, ist ja immer noch romantisch. Und schnulzig. Erfüllt also emotional ihren Zweck. So ungefähr wie mit wackelnder Kamera gefilmte junge Kätzchen.

Kein intellektueller Anspruch, nicht künstlerisch wertvoll, aber eben süß und herzerwärmend.

Und dann kommt da die schlechte Schnulze, in der der "Held" ein emotional manipulativer oder physisch gewalttätiger (oder beides!) Dreckskerl ist. Das ist so, wie wenn jemand filmt, wie ein Kätzchen ertränkt wird: Egal wie gut man es handwerklich macht, es ist grässlich.

Die Ursache scheint zu sein, dass die Leute nicht merken, wo der Unterschied ist, aber da frage ich mich dann auch, wie man das nicht merken kann.

Besonders grässlich: Wenn es sich um eine Fanfic handelt, und dieses Verhalten außerdem noch völlig OOC für die jeweiligen Figuren ist.

 

 

 

 

Am 19.12.2018 um 22:23 Uhr

Weil es mir gerade wieder vermehrt unterkommt...

Charaktere, die im Original Rivalen sind/verfeindet oder zumindest einer den anderen nicht leiden kann, die zu einem Pairing gemacht werden sollen und was dann damit anfängt, dass die erstmal gemeinsam in die Kiste springen ... oh und es natürlich beide aber wollen/Andeutungen machen, dass sie es wollen...aber eigentlich ja... hassen sie sich immer noch? :'D

#9

Am 15.03.2019 um 14:56 Uhr

Mich nervt an Geschichten, wenn man Sätze oder Abschnitte drei mal lesen muss um sie zu verstehen. Ich finde es aber auch schrecklich, wenn man beim Lesen Wörter erst in die Richtige Reihenfolge bringen muss, dass der Satz einen Sinn ergibt.

 

#10
(Threadersteller)

Am 08.06.2019 um 0:59 Uhr

Derzeit bin ich mal wieder dezent angenervt von den ganzen Damsels in Distress, die im Moment wieder furchtbar modern sind. In nahezu jeder Geschichte gewisser Genres gibt es wieder und wieder dieses eine gewisse Mädchen, das aus welchen Gründen auch immer in die Schusslinie irgendwelcher dunklen Verschwörungen, Komplotte oder whatever hineingerät und natürlich vom männlichen Loveinterest herausgeholt wird. Moderne Damsels in Distress können dabei zwar gern rotzfrech sein, fancy Fähigkeiten wie Schwertkampf beherrschen usw. und diesen einen, spontanen Alibi-Auftritt haben, in denen sie Loveinterest[TM] befreien - alles egal, am Ende des Tages entscheidet doch ER den Plot. Und wenn SIE tatsächlich mal sowas wie Eigeninitiative zeigt, dann natürlich aus irgendeiner Trotzreaktion auf ein dämliches Missverständnis heraus und völlig kopflos, so dass es letztlich nur in einer brandgefährlichen Situation endet, die IHM den heldenhaften Auftritt beschert, weil er sie natürlich in letzter Sekunde davor rettet, vom Villian gekillt zu werden. *claps slowly*

Und das schlimmste von allem: Diese Figuren sind nicht etwas Randfiguren in einer Geschichte um einen männlichen Helden, sondern auch noch die Protagonistinnen! In Büchern, die offensichtlich für Frauen und Mädchen geschrieben wurden und zwar oftmals von Autorinnen. Und ich frag mich warum?! Ehrlich, ich verstehe es nicht! Warum setzen Autorinnen einer weiblichen Leserschaft Figuren vor, die mit jeder Zeile schreien: Frauen sind nicht fähig, auch nur einen Fußschritt ohne einen männlichen Beschützer zu machen?! Was finden Autorinnen an solch abhängigen Frauenfiguren?!

Und bitte kommt jetzt nicht mit der Romantik von solchen Rettungszenarien. Ich habe wirklich Verständnis für die Romantisierung von einem Einstehen füreinander, inklusive das Eingehen von Risiken und Gefahren. Aber das heißt nicht, dass der andere vollkommen hilflos dargestellt werden muss! Es geht auch anders. So viele Männerfreundschaften in genau den gleichen Büchern folgen einer "Einer für alle und alle für einen"-Narration, die ich viel romantischer finde, weil sie auf Augenhöhe zwischen Gleichstarken funktioniert. Warum klappt das nicht bei heterosexuellen Romanzen? Warum?!

Ich würde ja gern Protagonistinnen lesen, die vielleicht mit treuen Gefährten an der Seite, aber letztlich doch aus eigener Kraft in den Burgkeller steigen und den Drachen erschlagen; die selbst in Absprache mit Beratern die intelligentan Pläne zur Rettung schmieden; die vielleicht nicht fehlerlos, aber doch überlegt und kompetent handeln; die kurzgesagt ihre Plots selbst auf die Kette bekommen und sich nicht nur gerade so lange aufrecht halten, bis irgendwo Mister Loveinterest in strahlender Rüstung auftaucht, damit sie in Ruhe in Ohnmacht fallen und sich die Show stehlen lassen können. Aber *seufz*...

Zuletzt bearbeitet: Am 08.06.2019 um 2:06 Uhr von Augurey

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