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Immortal Army of Justice

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05.08.20 16:21
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

2 Charaktere

Haytham Edward Kenway

Haytham E. Kenway, Sohn von Edward J. Kenway, geboren 04. Dez. 1725, London, gestorben 16. Sep.1781, New York, durch die Hand seines eigenen Sohnes Connor Kenway. Haytham war ein sehr vornehmer Engländer, der jedoch immer bereit war, alles zu tun was nötig war um sein Ziel zu erreichen. Er verachtete den Assassinenorden, hielt die Ziele, die sie vor hunderten von Jahren hatten, aber für ehrenhaft.

Isabelle Alberts

Isabelle wird am 4. März 1733 in Hannover geboren. Sie wird in den Templerorden geboren, bei welchem ihr Vater Großmeister und Vorsitzender des Ältesten Rates ist. Sie wird in die Kolonien geschickt, um mehr über die Vorläufer zu erfahren!

 

Immortal Army of Justice

 

Prolog

 

England, Bristol

April 1754



Schweren Herzens verließ ich England und meine Freundin.
„Wir werden uns schreiben, Isabelle! Und vielleicht darf ich dich auch einmal besuchen, wenn Vater es erlaubt!“ meinte sie noch beim Abschied!
„Du reist ja nicht wirklich in die Fremde, du kommst UNS besuchen!“ lächelte ich Michelle zuversichtlich an. Ihr Vater war mitunter etwas schwierig und meiner Meinung nach viel zu streng.
Aber meine Verpflichtungen gegenüber dem Orden konnte ich nicht vernachlässigen.
Eigentlich war ich sehr gespannt auf die Kolonien und die Menschen, die sich dort niedergelassen hatten.
Ich komme aus einem kleinen Dorf in Preußen und bin bisher nur in England, genauer gesagt London, gewesen. Viel gesehen hatte ich also noch nicht von der Welt.
Aber ich war ja auch erst 21 Jahre alt, ich hatte noch mein Leben vor mir und würde sicherlich noch ein paar Reisen antreten, eigentlich hoffte ich darauf!

Also bestieg ich am 18. April 1754 die „Providence“ um nach Boston aufzubrechen.
Der Brief meines Großmeisters sprach von einer hohen Dringlichkeit und die Aufgabe duldete keinen Aufschub.
Doch es gab eine Verzögerung, einer der Mitreisenden, würde erst morgen früh an Bord kommen!
Ärgerlich, ich hätte noch einen Tag im Kreise meiner Freunde verbringen können. Wer auch immer dafür verantwortlich war, würde von mir noch einen passenden Satz dazu hören.

Ich verließ noch einmal das Schiff und schlenderte durch die Gassen von Bristol. In einem kleinen Buchladen kaufte ich mir noch zwei Bücher, damit die Überfahrt nicht ganz so von Langeweile geprägt sei.
Gegen Abend aß ich in einer Taverne noch eine Kleinigkeit und ging dann wieder an Bord. Dort verkündete man, dass wir im Morgengrauen endlich ablegen würden.
Ich unterhielt mich noch eine Weile mit dem Kapitän und konnte seinen Unmut regelrecht sehen. Er hatte ein paar Aufträge durch diese Verzögerung verloren und der Herr der noch mitsegeln würde, wäre angeblich so ein typischer reicher Schnösel.
Gut zu wissen, dann würde ich mich lieber nicht mit ihm auseinandersetzen, denn diese Sparte der Gesellschaft war mir zuwider.

In meinem hielt es mich aber nicht lange, obwohl es mittlerweile weit nach Mitternacht war. An Schlaf war für mich nicht zu denken, ich war, auch wenn ich es nicht unbedingt zugeben mag, ziemlich nervös. Es wäre meine erste größere Aufgabe, welche ich zu erledigen hätte.
Also stand ich jetzt an der Reling und sah auf den Hafen hinunter.
Hier herrschte irgendwie immer reger Betrieb, obwohl es jetzt einige Trunkenbolde waren, welche sich stark schwankend und laut singend hier rumtrieben.

Dann sah ich eine Kutsche vor der Anlegestelle anhalten und ein Mann stieg aus. Sein Kutscher nahm sich eine der Reisetruhen und folgte ihm.
Das muss der Herr sein, weswegen wir bis zum Morgengrauen warten mussten. Am liebsten hätte ich ihm gleich etwas dazu gesagt, aber das gehörte sich nun wirklich nicht. Die nächsten Tage gäbe es bestimmt genügend Gelegenheiten dazu.
Sein Blick glitt über das Schiff und blieb dann fragend an mir hängen, doch er ging ohne Worte weiter.

Ich streckte mich noch einmal und nahm die frische Luft auf, ging dann aber hinunter zu meiner Kabine, um vielleicht doch ein wenig schlafen zu können.
„Ich danke euch, Holden. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, was meine Arbeit angeht. Ich hoffe, ihr werdet das selbe tun.“ hörte ich nebenan leise Stimmen.
„Aber sicher doch, Master Kenway. Ihr könnt euch auf mich verlassen!“ und dann entfernten sich Schritte und eine Tür wurde geschlossen.

Kenway? DER Haytham Kenway?
Ich kannte ihn nur vom Hören-Sagen und war ihm noch nie vorher persönlich begegnet. Ihm eilte der Ruf voraus, sein Handwerk bis zur Perfektion ausgebaut zu haben, nämlich das Töten.
Er gehörte, wenn ich richtig lag, dem britischen Ritus an, doch was wollte er bitte in den Kolonien?
Ich hoffte, unsere Interessen würden sich nicht überschneiden, dann hätte ich nämlich ein Problem!
Doch das konnte jetzt auch für ein paar Stunden warten, mich überkam endlich die Müdigkeit und ich legte mich in meine Koje. Nicht besonders bequem, aber es musste halt auch mal so gehen.


*********


Geweckt wurde ich, weil es schaukelte und das Holz laut knartschte. Die Providence hatte also abgelegt.
Langsam erhob ich mich und sah, dass es schon hell war, die Sonne schien und es war angenehm warm.
Der Kapitän hatte mir angeboten, die Mahlzeiten bei ihm einzunehmen, damit ich nicht so alleine sei. Er war ein etwas mürrischer Mann, doch im Grunde mir gegenüber freundlich. Mehr musste es auch nicht sein, ich wollte ihn ja nicht heiraten.

Also ging ich hinauf, nachdem ich mich gewaschen hatte und in meine etwas einfachere Garderobe gestiegen war.
An Deck herrschte rege Betriebsamkeit und es war wie ein gut durchdachter Ameisenbau. Wir waren schon aus dem Hafenbereich hinaus und als ich mich umsah, fand ich auch den Kapitän, welcher sich gerade mit diesem Kenway unterhielt. Dann war er tatsächlich der schnöselige Mitreisende, von dem Mr. Smythe gestern gesprochen hatte.

Ich ging auf die beiden zu und vernahm nur „Ihr Neureichen seid doch alle gleich!“ maulig aus dem Mund des Kapitäns.
Als er mich sah, erhellte sich sein Blick und er begrüßte mich höflich mit Handkuss. „Mistress Alberts, wie ich sehe, habt ihr die erste Nacht heile überstanden.“
„Danke, Mr. Smythe. Sie war etwas unruhig, weil dies meine erste größere Reise ist und dann auch noch alleine.“ lächelte ich ihn an.
„Keine Sorge, Mistress Alberts, wir werden schon auf euch Acht geben.“ gab er mit einer solchen Inbrunst von sich, dass man ihm das sofort abkaufen musste.

Er bat mich, ihm zu folgen und ich erhielt ein kleines, aber sehr leckeres Frühstück.
Das Gespräch bei Tisch war ein seichtes Geplänkel, bei welchem ich kundtat, dass ich schon jetzt meine Heimat vermissen würde und so weiter.
Er hörte mir so aufmerksam zu wie nur möglich und erwiderte hin und wieder, dass er mich durchaus verstehen würde.

Danach ging ich wieder an Deck und traf auf diesen Schnösel, welcher mit einem säuerlich Ausdruck auf dem Gesicht vor sich hinstarrte. Ich konnte seine Laune etwas verstehen, wer lässt sich schon gerne beleidigen, doch auch mich hatte er verärgert.
Als er mich sah, konnte ich sehen, wie er in eine ganz andere Art umschlug, als hätte man ihn einer Gehirnwäsche unterzogen.

„Mistress Alberts, nehme ich an?“ fragte er höflich mit einer sehr angenehmen, tiefen Stimme.
„Ja, die bin ich. Und ihr seid, wenn ich richtig informiert bin, Master Kenway?“ und reichte ihm meine Hand, welche einen Handkuss von ihm bekam.
„Was macht eine junge Frau alleine auf einem Handelsschiff Richtung Boston?“ kam es jetzt etwas zu neugierig für meinen Geschmack von ihm.
„Ich besuche Freunde meiner Eltern, nachdem ich in London bereits meine Freundin besucht hatte.“ erzählte ich nicht ganz die Wahrheit, aber mehr musste dieser Mann nicht wissen. Nicht, solange ich seine Absichten nicht kannte, welche er in den Kolonien hat. „Ihr plant doch nicht etwa, ebenfalls auszuwandern, Mistress Alberts?“ ein höfliches Lächeln trat auf sein Gesicht und eine leichte Gänsehaut lief mir über den Rücken. Für einen Moment hatten sich seine Augen verändern, die Farbe eher. Es war, als läge für einen kurzen Augenblick ein Schleier darüber.

„Nein, das hatte ich eigentlich nicht vor. Aber wer weiß, wenn es mir dort gefällt, warum sollte ich nicht dort einen Neuanfang versuchen, Master Kenway?“ ich versuchte meine Verwirrtheit im Zaum zu halten und hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte.
„Da habt ihr sicherlich Recht, doch so einfach die Zelte in seiner Heimat abbrechen, ist kein leichtes Unterfangen. Ich hoffe, ihr macht es aus freien Stücken und nicht, weil es euch aufgezwungen wird.“ meinte er mit einem wissenden Unterton.
Er dachte vermutlich, ich wurde dorthin geschickt, um zu heiraten.
„Falls ihr damit meint, dass ich dorthin segle, weil ich jemandem versprochen bin, dann kann ich nur sagen, dem ist nicht so. Ich reise aus freien Stücken, Master Kenway.“ antwortete ich ehrlich und entweder täuschte ich mich, oder war er etwas erleichtert über meine Aussage?
Doch ich konnte mich auch täuschen.
Je länger ich mich mit ihm unterhielt, desto weniger hatte ich den Eindruck, er sei einer dieser schnöseligen Neureichen!
Er machte einen sehr eloquenten Eindruck, er war gebildet und, nunja, er sah nicht schlecht aus.
Sein Erscheinungsbild hatte eine gewisse Präsenz, bei der man sich am liebsten nichts zuschulden kommen lassen will, nur um jeglichen Ärger zu vermeiden!

Die ersten Tage verbrachte ich also mit Master Kenway und Mr. Smythe. Das Essen war nicht üppig, aber lecker, doch ich war nie alleine bei den Mahlzeiten.
Die Mannschaft schien jedoch mit Kenway ein Problem zu haben, oder sie hatten einfach nur Langeweile.
Auf jeden Fall trat er, es war ungefähr am 4. Tag, an Deck und einer der Matrosen pöbelte ihn an, mit den Worten, er solle sich lieber wieder verziehen, an Deck hätte er nichts zu suchen.
Mit dieser Schlagfertig hatte ich jedoch nicht gerechnet, er konterte mit den Worten
„Und trotzdem seid IHR hier!“ und dann kam es zu den ersten Handgreiflichkeiten. Fasziniert stand ich daneben und sah den Kontrahenten dabei zu, wie sie sich provozierten und belauerten.
Doch man merkte schnell, dass Haytham gut trainiert war und die Taktik seines Gegenübers schnell einschätzen konnte. Der Pöbler hatte keine Chance gegen die Schnelligkeit und Kraft der Schläge von Master Kenway.

Doch ein weiterer Mann meinte ihn herausfordern zu müssen, dieses mal mit einem Messer.
Auch das war für den Templer kein Problem und im Handumdrehen, im wahrsten Sinne des Wortes, hatte er dem Angreifer die Waffe abgenommen.
Wie es sich aber oft verhält, genau in diesem Moment erschien Mr. Smythe und war alles andere als begeistert von dieser Art des Zeitvertreibs.
Nach einem etwas hitzigen Wortwechsel, bat der Kapitän Master Kenway, ihm zu folgen. Er hätte etwas zu besprechen.
Als die beiden an mir vorbeigingen, lächelte mich Haytham zufrieden an und ich erwiderte es.
Ich würde jetzt aber zu gerne wissen, was die beiden zu bereden hatten. Als sich die Tür zur Kapitänskajüte geschlossen hatte, ging ich langsam darauf zu und stellte mich an die Treppe, welche zur Brücke führte.
Ich tat, als würde ich die dort herumstehenden Kisten in Augenschein nehmen.

Aus dem Inneren vernahm ich dann auch einige Wortfetzen.
Mr. Smythe befürchtete eine Meuterei und bat Kenway, sich umzuhören, bevor es wirklich dazu kommen konnte.
Jedoch tat er es nicht höflich bittend, sondern er forderte es einfach von seinem Passagier.
Diesem passte dieser Ton aber mal gar nicht und in einem wahnsinnig kalten Ton hörte ich, wie Haytham sagte
„Solltet ihr mich noch einmal bedrohen oder beleidigen, dann werde ich nicht davor zurückschrecken, euch einen Kopf kürzer zumachen, eigenhändig!“
Ich hörte Schritte auf die Tür zu kommen und eilte zur Reling, gerade noch rechtzeitig, wie ich hoffte.
Dann spürte ich ihn im Rücken.
„Ich hoffe, ihr konntet eure Neugierde befriedigen, Mistress Alberts!“ kam es wieder in diesem kalten Ton und ich erschauerte.
Ich sah stur auf das Meer und erwiderte zitternd „Ja, das konnte ich, Master Kenway!“ doch er blieb noch einen Moment so hinter mir stehen und ich hörte, wie er tief durch atmete, vermutlich um sich selber zu beruhigen.

Als er weg war, klammerte ich mich an das Holz und hatte schon Angst, dass ich gleich umfalle.
Denn diese Art von ihm war mehr als unheimlich und diese Nähe gerade verwirrte mich noch mehr!
Auch ich atmete langsam und konzentriert, um mich wieder zu beruhigen.
Ich beschloss, in meine Kabine zu gehen und mir eines meiner Bücher vorzunehmen, ich brauchte Ablenkung!
Auf dem kleinen Gang sah ich gerade noch, wie Kenway aus meinem Quartier kam und vorsichtig die Tür schloss.
Er hatte mich nicht bemerkt, dachte ich zumindest!
Ich ging davon aus, dass er in dieser kurzen Zeit wohl kaum meine gesicherte Truhe aufbekommen hatte, somit hätte er auch keinerlei Anhaltspunkte finden können über mich. Ich wartete noch, bis er verschwunden war und eilte dann in mein Reich.
Es war alles so, wie ich es verlassen hatte, anscheinend war er geübt, was das Durchsuchen anging. Nur meine abgeschlossene Kiste stand anders. Also hatte er versucht, sie zu öffnen, aber dabei schien es geblieben zu sein.

Prolog II
 

*** Misstrauen und Überwachung ***




Es war alles noch da, nichts fehlte und so beschloss ich, dass ich mir jetzt einfach das Buch nehme und mich wieder an Deck begebe.
Vielleicht bekäme ich ebenfalls die Chance, SEIN Quartier beizeiten durchsuchen zu können.
Meine Neugierde ist manchmal unbändig, wie er schon bemerkt hatte.
Oben in der warmen Sonne setzte ich mich auf eine der Kisten und fing an zu lesen.
„Mistress Alberts?“ hörte ich diese tiefe Stimme neben mir und als ich hochsah, starrten mich graue Augen an.
„Wer seid ihr und was ist euer Auftrag? Anscheinend wisst ihr, wer ICH bin und ich wüsste gerne, mit wem ich die nächsten Tage hier auf dem Schiff verbringen werde.“
Mit diesen Worten nahm er meinen Arm und führte mich zum Bug. Dort baute er sich drohend vor mir auf.
„Ihr seid nicht so unschuldig, wie ihr tut. Wer hat euch geschickt?“ Sein Ton war eiskalt, genau wie seine Augen und seine Finger bohrten sich in meinen Oberarm.
„Mich hat niemand geschickt, Master Kenway. Ich wurde einfach nach Boston beordert, um nach dem Rechten zu sehen.“ meinte ich zähneknirschend, weil dieser Griff seiner Hand gewaltig schmerzte.
In diesem Moment fiel mir ein, dass ich ja meinen Templerring trug und hielt ihm meine Hand entgegen.
Für einen kurzen Augenblick starrte er ihn an und dann wieder in mein Gesicht. „Wem habt ihr den Ring abgenommen?“ kam es eisig von ihm.

„Niemandem, er gehört mir! Wie könnt ihr es wagen, mich eines Mordes oder Diebstahls zu bezichtigen, Master Kenway?“ meine Stimme zitterte ein wenig, aber ich konnte mich noch kontrollieren!
„Dann klärt mich gefälligst auf, weil ich von euch noch nie gehört habe!“ drängte er mich weiter und ließ mich nicht aus den Augen.
„Vermutlich, weil ich nicht so skrupellos und blutrünstig bin wie ihr!“ meinte ich schnippisch und im selben Moment hätte ich mir am liebsten die Zunge abgebissen.
Wenn er schon ziemlich wütend war, dann steigerte sich dieses noch einmal.
„Wie war das bitte, Mistress Alberts?“ kam es lauernd aus seinem Mund.
„Euer Ruf eilt euch voraus, Master Kenway! Das wisst ihr doch!“
Seine andere Hand griff nach meinem anderen Arm und er stand nur wenige Zentimeter vor mir. Ich konnte seine Wut förmlich fühlen, sein Atem ging konzentriert und schwer. „Dann solltet ihr euch besser gut überlegen, was ihr noch so von euch gebt! Und ich rate euch, versucht erst gar nicht, mein Quartier zu durchsuchen!“ funkelte er mich an.

„Aber ihr durftet einfach in meinen Sachen herum schnüffeln, ja? Seid ihr wenigstens fündig geworden oder seid ihr gleich verzweifelt an meiner Truhe?“
Leider bin ich für meine sehr offenen Worte bekannt, mein Vater konnte mich nie davon abbringen, egal wie hart er mich als Kind bestraft hatte.
Mein loses Mundwerk brachte mir oft Ärger ein und meine Eltern hatten es nicht immer leicht mit mir.
Doch er konterte geschickt.
„Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte und ihr nicht so früh wieder unten erschienen wäret, dann wäre das Schloss meinem Dietrich zum Opfer gefallen, Mistress Alberts!“ dann hatte er mich doch bemerkt!
In diesem Moment fiel mir wieder ein, dass ich dringend das Schleichen weiter trainieren muss.
Das würde ich jetzt in den Kolonien mit meinem dort wartenden Großmeister in Angriff nehmen und zwar zügig nach meiner Ankunft.

„Ihr werdet mir ja auch nichts über euren Auftrag berichten, also bin ich euch keine Rechenschaft schuldig, weswegen ich in die Kolonien aufgebrochen bin. Soviel kann ich euch aber sagen, meine Familie gehört seit Jahrzehnten und Generationen dem preußischen und hannoverschen Ritus an. Mein Vater ist Vorsitzender des ältesten Rates und Großmeister dort!“ gab ich jetzt zickig von mir, er sollte mich jetzt endlich los lassen! Schließlich hatte ich ihm nichts getan...

Doch dann dämmerte mir, worauf er hinaus wollte!
„Ihr glaubt, ich habe etwas mit dieser geplanten Meuterei zu tun, Master Kenway?“ mir stand der Mund offen, es kam nur ein „Ja, das würde erklären, warum noch ein weiterer Passagier einfach mit an Bord ist!“
Sein Griff lockerte sich aber kein bisschen und ich hatte Angst, wenn ich noch länger in seine Augen blickte, dass ich zu Eis erstarre.
„Dann wäret ihr aber auch ein potentieller Kandidat dafür, findet ihr nicht?“ meinte ich in meiner zu lockeren Art.
Ein Schnauben von ihm deutete an, dass er diesen Gedanken anscheinend sehr absurd fand.
„Ihr habt Recht, ich werde euch sicher nicht in Kenntnis setzen, was meine Ziele in den Kolonien betrifft. Aber wenn ihr ebenfalls nur heile dort ankommen wollt, dann sollten wir … vielleicht versuchen, gemeinsam heraus zu finden, was die Mannschaft plant!“ mir klappte wieder der Mund auf.

„Ihr schlagt ernsthaft eine Zusammenarbeit vor? Womit habe ich diese Ehre verdient, Master Kenway?“ meinte ich so zynisch, dass ich befürchtete, er bricht mir gleich meine Arme.
„Weil ich euch so im Auge behalten kann und herausfinde, ob ihr nicht doch plant, mich hinterrücks zu ermorden, Mistress Alberts!“ kam es zischend zwischen seinen Zähnen hervor und er ließ mich los.
Ich rieb mir die Arme, das würde nette blaue Abdrücke geben und die Muskeln dankten es mir jetzt schon mit Schmerzen.
„Sehe ich aus wie eine Assassine?“ maulte ich ihn an, ich hasste es, wenn mir unterstellt wurde, ich würde so agieren!
„Das nicht, nein. Aber man weiß ja nie, wer vor einem steht.“ kam es nur böse von ihm, dann drehte Kenway sich um und ließ mich einfach stehen.
Und was war jetzt mit der Zusammenarbeit?

Ich seufzte nur und lehnte mich an die Reling.
„Ihr solltet diesen Herren besser nicht verärgern, Miss. Wer weiß was er macht, wenn ihr nachts friedlich in eurer Koje liegt!“ hörte ich eine fiese kichernde Stimme hinter mir.
Es war einer der Schlägertypen und grinste mich breit an.
„Vielleicht sollte ich euch für die restliche Zeit beschützen, dann seid ihr auch nicht so einsam in eurem Quartier...“ er kam mit einem lüsternen Blick auf mich zu, doch ich reagierte einfach nur noch.
Er hatte mein Knie schneller zwischen seinen Beinen, als er gucken konnte und knickte vor meinen Füßen zusammen.
„Solltet ihr es auch nur wagen erneut in meine Nähe zu kommen, dann garantiere ich euch, dass ihr euch von eurem besten Stück verabschieden könnt! Ist das klar?“ meinte ich kalt zu ihm.

Ich ließ ihn einfach keuchend dort zurück, für solche Spielchen hatte ich keine Zeit und auch keine Lust.
Auf dem Weg zurück zu meinem Quartier, kam ich an Haytham vorbei, welcher den tätlichen Angriff beobachtet hatte.
Für einen Moment dachte ich, ich hätte so etwas wie Anerkennung in seinem Blick gesehen, doch jetzt funkelte er mich wieder nur an.
Mit erhobenen Kopf ging ich an ihm vorbei und nach unten.

Während des Abendessens besprachen wir dann mit Mr. Smythe unseren Plan, gemeinsam diese Meuterei aufzuhalten.
Der Kapitän stimmte einfach nur zu und ließ uns freie Hand. Master Kenway und ich hatten eine Art Wachplan aufgestellt, in welchem wir uns abwechselnd gerade Nachts hier umsahen.
Genügend Schlaf würde jeder von uns beiden bekommen, dafür war gesorgt.
Die erste Wache übernahm dann Kenway gleich und ich konnte mich für ein paar Stunden ausruhen.
Als er mich dann weckte, schreckte ich regelrecht hoch, ich hatte ihn überhaupt nicht hereinkommen hören.
„Hätte ein Anklopfen nicht gereicht, Master Kenway?“ meinte ich etwas empört.
„Ihr habt nicht darauf reagiert, Mistress Alberts. Was hätte ich sonst tun sollen? Und jetzt seht zu, dass ihr eure Schicht übernehmt.“ dieser kalte Ton war einfach widerlich und ich schüttelte mich dabei.

So verliefen die nächsten Tage und Nächte, bis wir eines Abends, es musste ungefähr der 30 Tag gewesen sein, nach dem Essen bemerkten, wie einige Fässer über Bord geworfen wurden.
Aber wir kamen leider zu spät in dem Laderaum an, hier war niemand mehr. Wir fanden lediglich noch weitere markierte Fässer.
Also sollten wir unseren Schichtplan noch einmal überdenken und einige Zeiten sich überschneiden lassen, damit uns nichts entgeht.

Am 32. Tag hockte ich in einem der Lagerräume hinter einem Fass und Master Kenway in dem angrenzenden Raum. Doch es tat sich nichts, entweder waren wir aufgeflogen oder man brauchte keine Markierungen mehr hinterlassen.
Im Morgengrauen ging ich in meine Kabine und traf dabei auf Haytham.
„Master Kenway, habt ihr etwas in Erfahrung bringen können?“ gähnte ich etwas undamenhaft, hielt mir aber die Hand vor den Mund.
„Nein, leider nicht. Ich denke, wir sollten jetzt noch ein wenig Schlaf nachholen und heute Abend weiter sehen. Ich wünsche euch ruhige Träume, Mistress Alberts!“ kam es in einem versöhnlichen Ton von ihm.
„Das wünsche ich euch auch, Master Kenway!“ ich verschwand in meinem Reich und hörte nach kurzem Zögern, wie sich auch seine Schritte entfernten.

Am Späten Vormittag erwachte ich mit einem knurrenden Magen.
Also stand ich auf, wusch mich und zog mich an.
Ich ging zum Smutje, um zu fragen, ob ich noch etwas zu Essen bekommen könnte, da ich leider das Frühstück verpasst hätte.
„Miss, ich habe nur noch ein wenig Porridge übrig. Aber das ist kalt!“ meinte er etwas entschuldigend, ER konnte ja nichts für meine Verspätung.
Doch ich nahm die Schüssel dankend entgegen und ging hinauf an Deck.
Auch mein Wachkompagnon war bereits auf den Beinen und unterhielt sich mit dem Kapitän.
Als er mich sah, winkte er mich dazu und auch ich erstattete den etwas mageren Bericht.

Dann vernahm ich ein Magenknurren aus Haythams Richtung und grinste ihn nur an. „Master Kenway, hier. Ihr solltet etwas essen, ihr fallt mir sonst noch vom Fleisch und mit leerem Magen lässt es sich nicht gut denken!“ meinte ich fürsorglich und reichte ihm die Schüssel mit dem Porridge.
Es war mehr als eine Portion und ich war wirklich bereits satt.
Dankend nahm er seine Mahlzeit entgegen und setzte sich auf eine der umstehenden Kisten und verschlang sie förmlich.

„Was werden wir jetzt tun? Es muss hier einen oder mehrere Männer geben, die diese dämlichen Fässer markieren und dann über Bord werfen. Sie können sich ja nicht in Luft auflösen. Und wenn es Markierungen sind, wer oder was soll denn die "Providence" finden? Zumal keine nennenswerten Waren an Bord sind, die es sich zu erbeuten lohnen!“ gab ich meine Gedanken laut von mir und erntete einen erstaunten Blick von Master Kenway.
„Vielleicht ist es nicht die Ware, auf die man es abgesehen hat, Mistress Alberts. Habt ihr irgendwelche Feinde, die euch auf den Fersen sein könnten?“ fragte mich der Templer grübelnd.

„Nein, eigentlich nicht. Als ich in England an Bord ging, hatte ich dort lediglich eine Freundin besucht und war privat dort. Und auch sonst würde mir nichts einfallen. Wie sieht es denn bei euch und eurem Umfeld aus, Master Kenway?“ auch ER könnte ja jemanden verärgert haben. Ich sah, dass er überlegte, was er jetzt sagen sollte.
Aha, er schien eine Ahnung zu haben, wusste aber nicht, ob er sie mir anvertrauen sollte. „Ich wüsste auch niemanden, der mir grollen könnte. Wir sollten weiter die Augen offen halten.“ lenkte er jetzt vom Thema ab und entschied, dass das Ganze damit vorerst geklärt ist.

Prolog III

 

*** Pöbelnde Assassinen und ein Unwetter ***




Ich seufzte nur und setzte mich neben ihn.
Wir unterhielten uns noch über einige Bücher und er meinte, er müsse mir unbedingt später eines geben, ich solle ihn bitte daran erinnern.
Gegen Mittag ertönte vom Ausguck dann nur „Schiff in Sicht! Sie macht sich Schussbereit!“ in Windeseile ordnete der Kapitän an, auf Gefechtsstation zu gehen und die Kanonen klar zumachen.
Als er gerade „Ducken“ brüllen wollte, hörten und spürten wir die Kanonenkugeln des anderen Schiffes dicht an der Providence einschlagen.
„Das war ein Warnschuss!“ meinte Mr. Smythe und sah uns beide an.
„Ihr geht jetzt unter Deck, ich kann euch hier oben nicht gebrauchen!“ meinte er in einem Befehlston, welcher Haytham gar nicht schmeckte.
Doch Smythe ließ sich nicht beirren und schob uns regelrecht hinunter.
Die Luke wurde geschlossen und wir standen für einen Moment etwas unschlüssig am Fuße der Treppe.

„Ah, da seid ihr ja, Master Kenway!“ kam es in einem höhnischen Ton hinter uns.
Wir drehten uns um und sahen, wie Louis Mills, einer der mit den Schlägertypen zu tun hatte, lässig an der hinteren Wand lehnte und uns ansah. Er war der einzige gewesen, welcher sich mir namentlich vorgestellt hatte, also waren doch tatsächlich Manieren vorhanden!
Neben ihm tauchten noch drei weitere Herren auf, unter anderem auch die beiden besagten Pöbler.
„Wie ich sehe, werden wir schon erwartet, wie nett. Doch kann das bis nach dem Kampf mit dem anderen Schiff warten, meine Herren?“ fragte ich zynisch grinsend.
„Miss, euch haben wir nicht erwartet, aber ich hätte mir denken können, dass der Käptn euch beide hierher schicken würde. Keiner von euch hat eine Ahnung von der Seefahrt.“ kam es abwertend von Mills.

Doch jetzt bekamen wir eine Erklärung, wenn auch sehr kurz, warum man hier lauerte.
Es ging um einen Mord, welchen Haytham in London begangen hatte, in der Oper am Vorabend unserer Abreise.
Er hatte einen Assassinen getötet, um an ein Amulett zu kommen. Also hatte die Bruderschaft sofort ihre Leute losgeschickt um sich zu rächen und das Schmuckstück wieder an sich zu nehmen.
Die vier Herren wussten also, dass Kenway Templer war, aber nicht, dass ich ebenfalls dazu gehörte.
Gut so, dann hätte ich das Überraschungsmoment auf meiner Seite.

Die vier standen nun vor uns und ich hörte nur, wie Haytham nach einem Schwert verlangte, er würde nicht kampflos aufgeben.
In einer der Kisten sah ich einige Waffen und bediente mich einfach, ich würde ebenfalls nicht tatenlos hier herumstehen.
Ich erntete fragende Blicke und ein dummer Spruch durfte natürlich nicht fehlen.
„Miss, lasst es lieber, bevor ihr euch noch selber wehtut. Das ist kein Spielzeug!“ meinte der Schläger, welchem ich in seine Kronjuwelen getreten hatte.
„Hatte ich euch nicht gewarnt und gesagt, was passiert, solltet ihr noch einmal in meine Nähe kommen?“ meinte ich kalt und sah ihm in die Augen.

Und dann stürmte Mills auf Kenway los, doch dieser war vorbereitet und hatte bereits eine eigene Taktik im Kopf.
Ebenso griff mich dieser Schmierlappen vor mir jetzt an, er ging immer noch davon aus, dass ich nichts könne!
Gut so, dachte ich mir und ließ ihn für einige Augenblicke in diesem Glauben, bis er breit grinsend über mir stand und ich ihm das geliehene Schwert in die Weichteile rammte. Dann drehte ich mich unter ihm weg und zog die Schneide über seine Kehle.
Gerade als ich mich umdrehen wollte, griff mich der andere Schläger und umklammerte meine Arme, sodass ich nur noch meine Füße und Beine bewegen konnte.
Und das tat ich dann auch, ich holte mit dem rechten Bein aus, winkelte es dann an und trat mit voller Kraft nach hinten gegen das Knie meines Angreifers.
Vor Schmerzen schrie er auf und ließ von mir ab, als ich auf ihn hinabsah, stand sein Unterschenkel in einem unnatürlichen Winkel ab.
Er hielt ihn fest und Entsetzen trat in seine Augen, doch bevor ich ihm den Todesstoß geben konnte, war Haytham da und erledigte das.

„Mistress Alberts, ihr seit geschickt mit dem Schwert, dass hätte ich euch gar nicht zugetraut!“ meinte Kenway anerkennend.
„Danke, Master Kenway! Dann sind diese Assassinen wegen euch hier? Ihr habt also den Mord begangen. Wir waren alle schon am rätseln, wer dafür verantwortlich war!“ meinte ich etwas gedankenverloren.
„Wir? Wer ist bitte WIR?“ meinte er jetzt alarmiert und hielt wieder meine Oberarme.
„Wir, die Damen und Herren von den anderen Riten, welche sich ebenfalls gerade in London aufgehalten hatten. Ich bin ja nicht alleine, Master Kenway!“ meinte ich jetzt und versuchte mich aus dieser Umklammerung zu lösen!

Er ließ mich los, sah mich aber immer noch skeptisch an.
„Dann muss ich euch das wohl so glauben.“ kam es nur resigniert von ihm.
„Wir sollten jetzt hinauf gehen und dem Kapitän hiervon berichten, Mistress Alberts.“ und damit drehte er sich zur Treppe und öffnete die Luke.
Wir waren noch nicht ganz oben an Deck, da polterte Mr. Smythe auch gleich los, was uns einfallen würde, hier zu erscheinen. Er hätte doch ganz klare Anweisungen gegeben.

„Ja, aber uns wurde unten von Mills und einigen anderen Herren aufgelauert. Und ich weiß jetzt auch, weswegen dieses Schiff hier ist. Wegen mir.“ kam es selbstsicher und in diesem kalten Ton vom Templer.
„Dann sollen sie euch auch haben, das ist mir gleich.“ kam es unfreundlich vom Kapitän.

Doch Kenway ließ sich nicht darauf ein, sondern sah in Richtung der neben uns am Himmel vorbeiziehenden dunklen Wolken und Smythe zählte eins und eins zusammen.
„Nein, ich segle sicher nicht mit Absicht in einen Sturm. Seid ihr noch bei Trost, Master Kenway?“ sagte er völlig entrüstet und ungläubig zugleich.

„Wenn ihr es nicht macht, dann mache ich es.“ damit baute er sich vor ihm auf und ließ seine versteckten Klingen vorschnellen!
Moment... er besaß diese Waffen der Assassinen? Wie war das möglich?
Doch meine Frage musste warten.
„Ich machs ja, ich machs...“ und dann gab Mr. Smythe die Befehle dort hinein zusteuern. Mir wurde etwas mulmig bei dem Gedanken, dass wir in ein Gewitter segelten, doch es war eigentlich die einzige Chance, dem anderen Schiff zu entkommen.
Ich hoffte, Kenway würde recht behalten.

In diesem Moment fiel mir ein, dass ich mich dringend umziehen musste und mir meine Templer-Montur anlegen musste. Mit Kleid würde ich sonst nichts ausrichten können.
Mit einer Entschuldigung ging ich hinunter in meine Kabine und kramte aus der gesicherten Truhe meine Kleidung.
Gerade als ich dabei war, mein Hemd überzuziehen platzte Master Kenway ohne Anklopfen herein.
„MASTER KENWAY, ICH MUSS JA WOHL SEHR BITTEN!“ schrie ich ihn an.
Er drehte sich um und ich sah noch, wie er ein breites Grinsen auf dem Gesicht hatte, ich hingegen war knallrot geworden.

Ich zog mich schnell fertig an und als ich meine Waffen angelegt hatte, erlaubte ich ihm, sich wieder umzudrehen.
„Verzeiht, Mistress Alberts, ich bin davon ausgegangen, dass ihr euch einfach zurückziehen wolltet. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ihr... euch umziehen wolltet.“
Sein Blick fuhr anerkennend über meinen Körper und seine Augen verdunkelten sich. „Trotzdem solltet ihr euch angewöhnen anzuklopfen, Master Kenway!“ meinte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue, aber dieser Blick...
Ich schüttelte dieses Gefühl aber ab, für irgendwelche Gefühlsduseleien hatte ich keine Zeit und ich brauchte meinen Verstand für meine Arbeit.
„Wir sollten hinauf gehen und sehen, dass der Kapitän nicht ganz den Verstand verliert, aus Angst um sein Schiff!“ meinte ich lachend und Haytham nickte nur und folgte mir.

Wir waren jetzt sehr nahe an dem Unwetter, der Wind frischte auf und die ersten Regentropfen waren zu spüren.
Auch der Wellengang wurde stärker und ich hoffte, dass ich nicht seekrank wurde, bisher war es nie vorgekommen, doch so einen Sturm hatte ich auch noch nicht erlebt.
Es dauerte nicht lange und wir waren mittendrin, in Nullkommanichts waren die Klamotten völlig durchgeweicht und die Holzbohlen an Deck wurden rutschig!
Wir halfen tatkräftig mit, die Taue zu sichern, die Segel zu lösen und nach Möglichkeit das Schiff nicht untergehen zu lassen.
Immer wieder warf ich einen Blick auf das Verfolgerschiff, doch auch sie hatten mit diesen Widrigkeiten zu kämpfen.
Dieses Amulett musste sehr wichtig sein, weil sie uns in diesen Sturm folgten! Oder der Kapitän war geisteskrank!
Nachdem Haytham den Fockmast hochgeklettert war, um eines der Segel loszuschneiden, sah ich nur, wie der eine Mast krachend zur Seite kippte und einen Mann hängend an Seilen zurückließ.
Kenway war in der Nähe und sprang von der einen Plattform zu ihm hinüber, bekam ihn zu packen und warf sich mit ihm zusammen auf die nächste Plattform.
Man muss es ihm lassen, Kraft hatte er und er war schnell.

Dann sah ich, wie die Verfolger ebenfalls einen Mast, wohlgemerkt den Hauptmast, einbüßten und damit war klar, dass wir in Sicherheit waren, sobald wir hier aus dem Sturm raus kamen.
Doch das würde jetzt noch einige Zeit dauern und ich hoffte immer noch, dass nicht noch mehr passierte.
Aber die Providence war ein gutes Schiff und die Mannschaft eingespielt. So schafften wir es, bis auf den einen gebrochenen Mast und ein oder zwei zerstörte Segel, aus dem Sturm hinaus.

Das Wetter klarte umgehend auf und man konnte die Erleichterung der Männer spüren und auch hören.
Ich stand an der Reling und sah auf das von der Sonne beschienene Meer.
Diese Ruhe war gerade erholsam und ich genoss die Wärme auf meinem Gesicht.
Dann tauchte Kenway neben mir auf.
„Mistress Alberts, ihr solltet aus den nassen Sachen raus, ehe ihr euch noch den Tod holt!“ meinte er fürsorglich und ich sah ihn grinsend an.
„Ihr auch, ihr seht aus wie ein nasser Hund!“ nur riecht ihr wesentlich besser und ich wurde knallrot! Dabei hatte ich das noch nicht einmal laut ausgesprochen!

Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und rannte hinunter in mein Quartier.
Bei Odin, war das peinlich, ich benahm mich wie eine 14jährige in seiner Gegenwart! Frustriert fing ich an, die Schnallen und Knöpfe zu malträtieren, plötzlich war ich sauer auf mich selber.
Nachdem ich mich endlich der nassen Montur entledigt hatte, griff ich nach meinem Unterkleid und fing an, mich wieder anzuziehen.
Als ich dann präsentabel aussah, ging ich zurück an Deck.
Dort erwartete mich ein mauliger Kapitän, der zurecht etwas sauer auf den Zustand seines Schiffes war.
Neben ihm stand in trockenen Sachen Master Kenway welcher gerade aushandelte, wie die Reparatur zu begleichen wäre.
Mr. Smythe würde sich an den Orden, sprich an den Großmeister Birch wenden und alles weitere klären.

„Ah, Mistress Alberts. Wie ich sehe, habt ihr alles heile überstanden. Ich hoffe doch, dass der Rest der Überfahrt nun friedlicher verlaufen wird.“ meinte Mr. Smythe mit einem fiesen Seitenblick auf Haytham.
„Das hoffe ich auch, Mr. Smythe.“ ich ging weiter zur Reling und lehnte mich dagegen.
Die Tage wurden langsam länger, wir hatten jetzt mittlerweile schon Anfang Juni, wenn ich mich nicht irrte.
Laut Aussage des Kapitäns würden wir noch bis Juli unterwegs sein und das wären noch ganze 4 Wochen mindestens.
Ich seufzte resigniert und ließ meinen Kopf auf meine Arme sinken.

Prolog IV

 

*** Schweigender Rum und unangebrachte Träume ***

 

„Ist euch nicht gut, Mistress Alberts?“ hörte ich diese warme tiefe Stimme hinter mir, welche mir eine leichte Gänsehaut bereitete.
„Doch, mir geht es gut, Master Kenway. Macht euch um mich keine Sorgen!“ meinte ich nur und gerade als ich mich umdrehen wollte, legte er seine Hände links und rechts neben meine auf die Reling.
So an mich gelehnt, stand er hinter mir und sah ebenfalls auf das Meer.
„Wir werden jetzt noch eine Weile hier zusammen sein, Mistress Alberts. Ich schlage deshalb vor, dass wir einen Waffenstillstand vereinbaren für die verbleibenden Tage.“ meinte er dicht an meinem Ohr und ich konnte nicht anders, ich lehnte mich an ihn.
„Der Vorschlag gefällt mir, Master Kenway!“

Dann war es Zeit fürs Abendessen und der Kapitän hatte bereits die Beisetzungen für die Verstorbenen organisiert. Sie würden heute noch der See übergeben werden.
Als wir fertig waren, war es soweit und alle versammelten sich an Deck der Providence, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen.
Es wurden einige Worte gesprochen, vor allem Mr. Smythe berief sich auf die Bibel und hatte eine sehr rührende Ansprache vorbereitet.
Im Anschluss wurde für die Mannschaft der Rum freigegeben und ein anerkennendes Gemurmel ertönte.
Ich hatte mich die ganz Zeit etwas im Hintergrund gehalten, ich bin kein christlicher Mensch und kann mit diesen Reden und ähnlichem nichts anfangen.
Man hatte mir aber auch einen Becher mit Hochprozentigem gereicht, welchen ich jetzt in meinen Händen hielt und hinein starrte.
„Mistress Alberts, ihr seht aus, als wolltet ihr eine Antwort von dem Rum bekommen!“ grinste mich Kenway an.
„So ähnlich ist es vermutlich, Master Kenway! Doch er schweigt leider hartnäckig!“ lachte ich nur.
„Ich werde mich jetzt zurück ziehen. Ich wünsche euch eine gute Nacht, Master Kenway!“ meinte ich leise und ging an ihm vorbei Richtung Luke.
Als ich meinem Quartier war, setzte ich mich seufzend aufs Bett und fing an, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

Auf der einen Seite war ich total erschöpft, auf der anderen aber nicht wirklich müde.
Also setzte ich mich an den kleinen Tisch und schrieb in meinem Tagebuch.
Es wurden einige Seiten, bis ich endlich zum Schluss kam.
Als ich das Buch zuklappte, fühlte ich mich etwas befreiter und entspannter, und legte mich dann schlafen.

Ich hatte wirre Träume, von sinkenden Schiffen, von meuternden Piraten und von Master Kenway. Mit hochrotem Kopf wurde ich plötzlich wach und atmete schwer.
Solche Gedanken sollte ich nicht haben, nicht von einem mir völlig fremden Mann, das war einfach unangebracht.
Also stand ich auf und wusch mir kurz durchs Gesicht und das kalte Wasser brachte mich wieder ein bisschen zur Vernunft.
Der Rest der Nacht war ebenfalls nicht erholsam, mich ließen diese grauen Augen nicht los, diese tiefe Stimme hallte in meinem Kopf wider!
Irgendwann stand ich frustriert auf und zog mich an.
Es dämmerte bereits, da war es nicht schlimm, wenn ich schon auf war.
Ich ging an Deck und schaute auf das vor mir liegende Meer, während ein etwas kalter Wind mir ins Gesicht wehte.
Langsam ging die Sonne auf und ich staunte mal wieder, wie schön so etwas aussah auf offener See, wenn es klar war.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, als würde mich jemand beobachten und als ich mich umsah, bemerkte ich ein Stück weiter Master Kenway an der Reling stehen.
Seine Augen ruhten auf mir und er lächelte, als er langsam auf mich zukam.
„Guten Morgen! Wie ich sehe, seid ihr auch ein Mensch, der früh aufsteht, Mistress Alberts. Ich hoffe, ihr konntet nach den ganzen Ereignissen gestern in den Schlaf finden.“ meinte er leise und sah immer noch auf mich herab.
„Ich wünsche euch ebenfalls einen guten Morgen, Master Kenway. Und nein, ich muss sagen, ich habe eigentlich kein Auge zugemacht. Ich hoffe, ich schlafe nicht gleich beim Frühstück ein, dass wäre unhöflich.“ lächelte ich ihn an und erntete ein Lachen.
„Das wäre in der Tat etwas unangebracht.“
Es dauerte nicht lange, bis der Smutje alles fertig hatte, auch Mr. Smythe schien eher ein Frühaufsteher, was aber seinem Beruf geschuldet ist.
So saßen wir zusammen und unterhielten uns noch einmal über den gestrigen Tag.

In den nächsten Tagen würden wir aber keine Stürme oder Unwetter zu erwarten haben, laut dem Kapitän.
Doch er machte sich Sorgen, ob nicht noch mehr Schiffe hinterher geschickt worden sind. „Mr. Smythe, da könnt ihr unbesorgt sein. Man hatte hier jemanden eingeschleust und ein Schiff zur Verfolgung. Die Damen und Herren gehen davon aus, dass alles geglückt ist.“ versuchte Haytham den Kapitän zu beruhigen, doch so wirklich überzeugt schien er noch nicht zu sein.

So vergingen die nächsten Tage... sehr ereignislos und ehrlich gesagt, etwas langweilig. Ich hatte die Bücher jetzt alle gelesen und das nicht nur einmal.
Doch dann fiel mir der Vorschlag von Master Kenway ein, dass er mir doch eigentlich eines ausleihen wollte.
Als ich ihn hier oben an Deck nicht fand, ging ich hinunter und klopfte zögerlich an seiner Tür. Er öffnete und sah mich erstaunt an.
„Mistress Alberts, ist alles in Ordnung? Kann ich euch irgendwie helfen?“ ich schmunzelte in mich hinein, diese Besorgnis für meine Person war schon schmeichelhaft.
„Mir geht es gut, Master Kenway, danke. Mir ist nur langweilig und ihr hattet gesagt, ihr hättet ein Buch für mich, welches ich unbedingt lesen sollte. Da... dachte ich mir, weil wir noch einige Tage hier festsitzen werden...“ warum fing ich an herum zu drucksen und zu stottern?
„Ah, ich erinnere mich wieder. Kommt herein, setzt euch.“ und er deutete auf einen Stuhl an seinem Tisch.
Er hatte einige Bücher hier herumliegen, auch Seekarten und wie ich erfreut feststellte, schrieb auch er Tagebuch.
Nicht viele Menschen führten so etwas gewissenhaft, doch wie ich ihn einschätzte, waren seine Einträge Lückenlos.

Sein Quartier war, im Gegensatz zu meinem, so aufgeräumt, als würde hier niemand nächtigen!
Als er fündig geworden war, reichte er mir das Schreibwerk.
Es war Gullivers Reisen. Das sagte mir jetzt nichts, aber ich schlug es auf und fing an zu lesen.
Doch nach zwei Seiten klappte ich es zu, weil ich merkte, dass ich darin versank und das wäre in seiner Gegenwart unhöflich.

„Mistress Alberts, eure Faszination für Bücher und alles Geschriebene ist ansteckend. Ich habe noch nie eine Frau getroffen, die gerne liest und vor allem nicht nur irgendwelchen Schund.“ kam es anerkennend von Kenway.
„Woher meine Liebe zu Büchern kommt, kann ich auch nicht erklären, Master Kenway. Doch ich weiß warum ich mich gerne mit ihnen umgebe. Diese Bücher und die Geschichten darin, geben mir die Möglichkeit in eine andere Welt abzutauchen. Ich kann ein ganz anderer Mensch sein und Abenteuer erleben, oder ich erweitere mein Wissen ganz einfach.“ ich plapperte so vor mich hin und war in meinem Element.
So vergingen einige Stunden, in denen wir uns über unsere Liebe zu Wörtern austauschten.
Haytham hatte unter anderem auch ein Talent für Sprachen, wie ich feststellte. Ich selber war da nicht so ambitioniert drin, ich sprach englisch, deutsch und ein wenig französisch. Das musste reichen.
„Ich könnte euch durchaus noch ein paar Sätzen im spanischen beibringen, wenn ihr mögt, Mistress Alberts.“ ich lächelte ihn nur an, lehnte aber dankend ab.
„Da werdet ihr bei mir keinen Erfolg haben, Master Kenway. Mir liegen Sprachen nicht wirklich und ich möchte eure Geduld nicht auf die Probe stellen!“

Nach dem Abendessen standen wir noch oben an Deck und der Templer fing einfach an, mir einfache Wörter beizubringen.
Doch auch er musste sich bald eingestehen, dass ich mit meiner Aussage recht hatte. „Mistress Alberts, ich befürchte, ihr habt euch selber sehr gut eingeschätzt. Dabei ist Spanisch eigentlich nicht so schwer, es hat viele lateinische Begriffe im Wortlaut.“ er sah mich lachend an.
„Das weiß ich, doch... ich habe das Gefühl als würde sich meine Zunge verknoten.“ meinte ich ebenfalls lachend.
Ein genuscheltes „Das will ich nicht hoffen!“ kam aus seinem Mund und ich sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
„Verzeiht, das war unpassend.“ kam es leise von Haytham und er sah mich wieder mit diesen grauen Augen an, in denen ich mich langsam wieder verlor.
Dieses mal ging ich aber nicht gegen dieses Gefühl an, sondern ließ es einfach zu und auch Master Kenway schien sich darauf einzulassen. Doch ich begab mich im Grunde auf gefährlichen Boden!
Er nahm mein Gesicht in seine Hände und gab mir einen vorsichtigen Kuss, welcher mir ein wohliges Seufzen entlockte.

Langsam wanderten seine Hände hinunter zu meiner Taille und er zog mich noch enger an sich.
Mit einem Male wurde uns beiden bewusst, dass wir nicht alleine hier standen und mit rotem Kopf meinte ich nur, ich würde mich dann jetzt zurück ziehen.
Ich ging davon aus, dass Kenway noch aufblieb, doch er folgte mir nur wortlos.
Als ich bei meinem Quartier ankam, standen wir uns etwas unschlüssig gegenüber.
Wieder umschlang er meine Taille, öffnete aber mit einer Hand die Tür in meinem Rücken und wir traten ein. Leise schloss er sie wieder und lehnte mich dagegen.
Seine Küsse wurden leidenschaftlicher und ich spürte seinen pochenden Herzschlag an meiner Brust.
Plötzlich ließ er von mir ab und sah mich fragend an.
„Mistress Alberts, ich sollte lieber gehen!“ damit wandte er sich der Tür zu und ...
WAS? Das konnte nicht sein Ernst sein.

Prolog V

 

*** Ablenkung und Abschied ***




„Master Kenway, wenn ihr jetzt einfach geht, dann Gnade euch Gott!“ Entschieden zog ich seinen Mund zu mir herunter und drückte mich an ihn.
„Aber... euer Ruf. Seid ihr sicher, dass ihr das wollt?“ meinte er wieder schwer atmend an meinem Ohr.
„Ja, ich will das und wenn ich ehrlich bin, ich kann mich nicht mehr lange beherrschen!“ Das war sein Stichwort und in Sekunden hatte er mich hochgehoben, meine Röcke zur Hüfte hochgeschoben und drang in mich ein.
Wir vergaßen in diesem Moment alles um uns herum und es war mir egal, was morgen sein würde oder die nächsten Tage.
Es galt dieser Moment jetzt!
Und meine gute Erziehung war dahin für diesen Augenblick!
Seine Hand krallte sich in meinen Oberschenkel, als er laut Stöhnend kam und mich ebenfalls zu meinem ersehnten Höhepunkt brachte.

Atemlos lehnte er an mir, sein Kopf auf meiner Schulter und ich umklammerte ihn immer noch mit Armen und Beinen.
„Mistress Alberts, diese Reise nach Boston werde ich wohl nicht so schnell vergessen, dank euch!“ raunte er in mein Ohr.
„Ihr sprecht mir aus der Seele, Master Kenway. Noch ist diese Überfahrt nicht beendet, also kann ich euch noch ein paar mehr Eindrücke schenken. Natürlich nur, wenn ihr damit einverstanden seid!“ meinte ich süffisant und sah in seinen Augen, dass er durchaus damit zurecht kam.

Wir lösten uns voneinander und langsam fing er an, mich aus meinem Kleid zu befreien. Auch Haytham entledigte ich nach und nach seiner Kleidung und küssend schob er mich auf die Koje zu.
Er setzte sich auf die Kante und hob mich auf seinen Schoß.
„Es wäre einfacher, wenn ihr mich bei meinem Vornamen nennen würdet, Mistress Alberts!“ meinte er lächelnd und sah mich erwartungsvoll an.
„Das würde ich gerne tun, aber dann tut mir umgekehrt ebenso den Gefallen. Ich heiße Isabelle.“
Mit einer gekonnten Drehung lag ich unter ihm.
„Es freut mich, euch näher kennen zu lernen, Isabelle. Mein Name ist Haytham.“ erklärte er mir dann, auch wenn ich seinen Vornamen ja schon kannte.
„Ich mag euren Vornamen, Haytham!“ sagte ich einfach nur und zog seinen Mund zu mir. Wir verloren uns ein weiteres Mal ineinander und er ließ mich seine geschickten Finger spüren, ehe er mich ein zweites Mal nahm.
Sein Höhepunkt war hart und als er meinen Namen an meinem Hals hauchte, kam auch ich, doch ich konnte meine Lautstärke nicht so zügeln und ein lautes Haytham kam über meine Lippen.
Lächelnd sah er auf mich herab.
„Isabelle, jetzt weiß die ganze Mannschaft, was wir hier treiben!“ grinste er mich breit an. „Sollen sie es doch wissen, dann gibt es auch keine Spekulationen oder Gerüchte, Haytham.“ meinte ich praktisch gedacht.
„Das stimmt allerdings.“ er drehte sich von mir und zog mich zu sich.
„Ich glaube, jetzt wird euch nicht mehr so schnell langweilig werden!“ kam es selbstsicher von Haytham.
„Zumindest des Nachts nicht.“ lachte ich leise und schlang meine Arme um ihn und war ruckzuck eingeschlafen.

Am Morgen erwachte ich erholt wie schon lange nicht mehr, ich hatte tief und fest geschlafen. Als mein Blick zur Seite ging, sah ich in diese grauen Augen von Master Kenway.
Ein genuscheltes „Guten Morgen, Haytham“ war alles, was ich zustande brachte.
„Den wünsche ich dir auch, Isabelle!“ kam es leise von ihm und ich bekam einen leichten Kuss auf die Stirn.
Auf dem Schiff herrschte schon wieder reger Betrieb und auch wir sollten uns langsam fertig machen.
„Das Frühstück wartet bestimmt schon, Haytham. Los, aufstehen!“ meinte ich euphorisch und befreite mich aus seiner Umarmung und stand auf.
Ein resigniertes Seufzen war alles, was aus meinem Bett kam.
Doch auch er stand auf und fing an, sich anzuziehen.

Und so verbrachten wir die restlichen Tage auf See gemeinsam und ich war froh über seine Gesellschaft. Vermutlich wäre ich sonst hier auf dem Schiff eingegangen und im schlimmsten Falle einfach von Bord gesprungen!

Um die Mittagszeit am 8. Juli vernahmen wir nur die Worte des Kapitäns, dass man alles zum Anlegen bereit machen sollte.
Wir sahen uns beide stirnrunzelnd an und Haytham sprach Mr. Smythe darauf an, es war nebelig und man sah überhaupt nichts.
Seine Antwort war kurz und knapp, dass nämlich die Möwen ihnen alles sagten was sie wissen müssten.
Kurz darauf sah ich dann tatsächlich andere Schiffe, ich konnte einen Hafen ausmachen. DAS war also Boston? Es sah im ersten Moment nicht anders aus, wie jede andere Hafenstadt auch.
Doch ich hatte ja auch nur Dover und Bristol bisher gesehen.
Ich ging in meine Kabine und fing an, meine Habseligkeiten in meine Truhen zu packen. Viel war es nicht, doch ich hatte Angst etwas zu vergessen.
Dabei fiel mir dann Gullivers Reisen in die Hände und ich setzte mich seufzend auf meine Koje.
Jetzt hieß es Abschied nehmen von Haytham und wer weiß, ob wir uns überhaupt noch einmal wieder sehen würden.
Dann hörte ich von nebenan, wie auch er seine Sachen packte und ich beschloss, ihm das Buch zurück zugeben. Ich hatte es gelesen und ich war sehr begeistert davon, was ich ihm auch schon kundgetan hatte.
Als ich klopfte, hörte ich nur ein mürrisches „Herein“ von ihm.
„Haytham, ich wollte dir dein Buch wiedergeben.“ erstaunt sah er auf mich hinunter und dann auf das Buch.
„Du kannst es ruhig noch behalten und mir später wieder geben.“ meinte er leichthin.

„Aber wer weiß, wann wir uns wieder sehen werden...“ er ließ mich nicht ausreden, sondern nahm mich in den Arm.
„Wir werden uns wiedersehen, dafür werde ich sorgen. Ich werde dich schon finden, Isabelle. Und wenn ich jeden Stein und jeden Grashalm befragen muss.“ kam es lachend von ihm und er gab mir einen langen Kuss, welcher mich genau das glauben ließ.
„Warum glaube ich dir das aufs Wort, Haytham?“ meinte ich breit grinsend.
„Weil ich ein sehr hartnäckiger Mann sein kann und du es schon zu spüren bekommen hast!“ und wieder bekam ich diesen leidenschaftlichen Kuss, in welchen er all seine Gefühle versuchte zu legen.
Wir lösten uns von einander und ich ging hinaus um jemanden von der Mannschaft zu bitten, meine Truhen zum Kai bringen zu lassen.
Es würde dort eine Kutsche auf mich warten, die mich zu meinem neuen Zuhause für die nächsten Wochen und Monate bringen würde.

Dann endlich konnten wir von Bord, auf der einen Seite war ich froh drum, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Auf der anderen Seite tat es mir weh, Haytham nicht mehr wieder zusehen.
Wir hatten uns die Tage aneinander gewöhnt und ich fand, er war ein sehr angenehmer Gesellschafter.
Es half aber nichts, wir mussten nun fürs erste getrennte Wege gehen und wer weiß, was die Zukunft noch für uns parat hielt.
So standen wir dann etwas unbeholfen auf dem Kai und er nahm meine Hände in seine, seine grauen Augen ruhten auf mir.
„Isabelle, ich verspreche dir, wir werden uns wieder sehen. Ich vermisse deine Nähe jetzt schon, wenn ich ehrlich bin. Ich hoffe, das auch du mich nicht vergisst!“ sprach er leise mit mir, es hatte sich ein Herr genähert, welcher anscheinend sehnsüchtig Haytham in Empfang nehmen wollte.

„Ich vermisse dich auch schon und dieser Gedanke, dass ich Nachts jetzt wieder alleine sein werde, macht mich wahnsinnig, Haytham.“ meinte ich traurig und versuchte nicht zu heulen.
Meine Truhen wurden gerade an mir vorbei getragen, doch Master Kenway deutete einem Träger kurz anzuhalten. Er öffnete eine seiner eigenen und nahm ein Bündel hinaus und legte es kurzerhand in eine meiner Kisten. Ich sah ihm mit großen Augen dabei zu.
„Was war das denn jetzt, Haytham?“ fragte ich einfach.
„Du wirst es spätestens beim Auspacken wissen und dann wirst du sicherlich noch eine Weile, gerade auch Nachts, an mich denken!“
Ein vorsichtiger Kuss auf meine Stirn war mein Stichwort.

„Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Mission, Haytham. Und ich freue mich auf ein Wiedersehen!“ ich reichte ihm meine Hand und er gab mir einen Handkuss.
„Das wünsche ich dir auch, Isabelle. Ich verspreche dir, ich finde dich.“
Und damit löste ich mich von ihm und ging in Richtung meiner wartenden Kutsche.
Hinter mir hörte ich ein freudiges „Master Kenway, Master Kenway“ von dem wartenden Herren, der jetzt endlich seine Begrüßung loswerden konnte.
Er war mir unheimlich mit diesen hellen grünen Augen und mich schüttelte es.

Als ich in meinem Gefährt saß, sah ich zu diesen beiden Männern, welche sich auf den Weg Richtung Innenstadt machten.
Haytham warf mir einen letzten Blick zu und lächelte zuversichtlich, auch ich versuchte es, doch es gelang mir nicht.
Als wir außer Sichtweite waren, brach ich in Tränen aus und mein Großmeister neben mir versuchte mich zu beruhigen.
„Isabelle, wie ich sehe, hast du ihn schon kennen gelernt! Ich hoffe, das wird nicht noch für Probleme sorgen. Du weißt, Birchs Vorhaben nach dem Vorläufertempel zu suchen, kommt unserer Suche nach den Artefakten in die Quere!“ meinte er jetzt etwas zornig zu mir und ich musste mir eingestehen, dass er Recht hatte und ich vermutlich einen großen Fehler begangen hatte.
Wir wussten, dass Master Birch seinen besten Mann losschicken wollte, nur hatte ich nicht bedacht, dass es Haytham sein könnte!
Oder konnte er uns vielleicht sogar noch nützlich werden?


 

~~~

Autorennotiz

Einleitung und Vorwort

Ich heiße euch willkommen, bei einer etwas anderen Geschichte. Wer meine anderen Werke gelesen hat, wird sich hier an einen neuen Charakter gewöhnen müssen. Da dieses mal keine Zeitreisen, keine zur Einsicht kommenden Templer oder ähnliches vorkommen werden!

Diese Idee geisterte mir schon länger im Kopf herum und nun habe ich einen Anfang gemacht. Die ersten Kapitel sind geschrieben und ich möchte sie euch nicht vorenthalten.

Dazu sollte ich anmerken, dass ich kaum Charaktere aus dem Assassin´s Creed Universum nutze. Im Grunde basiert das ganze auf der Isu-Geschichte, den Artefakten und ähnlichem!

Zum einen ist es (wie sollte es anders sein bei mir) Haytham Kenway. Welcher aber nur am Anfang auftaucht und im weiteren Verlauf... aber lest selber!

Und dann wäre da noch Reginald Birch, welchen ich mit eingebaut habe, der aber auch eher eine Randfigur darstellt.

Eigentlich fußt die Story auf der zeitlichen Ebene von Assassins Creed 3 und Assassins Creed Rogue! Ein paar künstlerische Freiheiten lasse ich mir jedoch, was die realen historischen Dinge angeht. Es ist nicht immer alles ganz korrekt, wobei man auch sagen sollte, es ist ja auch ein ganz anderes Universum als das reale um uns herum!

Gibt es noch mehr zu sagen? Ich denke nicht!

Ich wünsche euch nun viel Spaß beim Lesen!

GLG eure Mrs. Shaytham Corway

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Autor

MrsHEKenways Profilbild MrsHEKenway

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Statistik

Kapitel:5
Sätze:458
Wörter:9.222
Zeichen:52.474

Kurzbeschreibung

*** England, Bristol, April 1754 Auf Wunsch meines Großmeisters reise ich in die Kolonien, besser gesagt in meine Zukunft. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet und ob ich meinen Auftrag erfolgreich erledigen kann. Diese Vorläufer sind mitunter den Menschen nicht immer wohlgesonnen und so sollte ich aufpassen, wo ich meinen Fuß setze oder welche Erde ich beiseite räume! *** (Vorläufige Beschreibung!)

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Freundschaft, Abenteuer und Mythologie getaggt.