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Immortal Army of Justice

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21.10.20 16:10
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Einleitung und Vorwort

Ich heiße euch willkommen, bei einer etwas anderen Geschichte. Wer meine anderen Werke gelesen hat, wird sich hier an einen neuen Charakter gewöhnen müssen. Da dieses mal keine Zeitreisen, keine zur Einsicht kommenden Templer oder ähnliches vorkommen werden!

Diese Idee geisterte mir schon länger im Kopf herum und nun habe ich einen Anfang gemacht. Die ersten Kapitel sind geschrieben und ich möchte sie euch nicht vorenthalten.

Dazu sollte ich anmerken, dass ich kaum Charaktere aus dem Assassin´s Creed Universum nutze. Im Grunde basiert das ganze auf der Isu-Geschichte, den Artefakten und ähnlichem!

Zum einen ist es (wie sollte es anders sein bei mir) Haytham Kenway. Welcher aber nur am Anfang auftaucht und im weiteren Verlauf... aber lest selber!

Und dann wäre da noch Reginald Birch, welchen ich mit eingebaut habe, der aber auch eher eine Randfigur darstellt.

Eigentlich fußt die Story auf der zeitlichen Ebene von Assassins Creed 3 und Assassins Creed Rogue! Ein paar künstlerische Freiheiten lasse ich mir jedoch, was die realen historischen Dinge angeht. Es ist nicht immer alles ganz korrekt, wobei man auch sagen sollte, es ist ja auch ein ganz anderes Universum als das reale um uns herum!

Gibt es noch mehr zu sagen? Ich denke nicht!

Ich wünsche euch nun viel Spaß beim Lesen!

GLG eure Mrs. Shaytham Corway

2 Charaktere

Haytham Edward Kenway

Haytham E. Kenway, Sohn von Edward J. Kenway, geboren 04. Dez. 1725, London, gestorben 16. Sep.1781, New York, durch die Hand seines eigenen Sohnes Connor Kenway. Haytham war ein sehr vornehmer Engländer, der jedoch immer bereit war, alles zu tun was nötig war um sein Ziel zu erreichen. Er verachtete den Assassinenorden, hielt die Ziele, die sie vor hunderten von Jahren hatten, aber für ehrenhaft.

Isabelle Alberts

Isabelle wird am 4. März 1733 in Hannover geboren. Sie wird in den Templerorden geboren, bei welchem ihr Vater Großmeister und Vorsitzender des Ältesten Rates ist. Sie wird in die Kolonien geschickt, um mehr über die Vorläufer zu erfahren!

 

Immortal Army of Justice

 

Prolog

 

England, Bristol

April 1754



Schweren Herzens verließ ich England und meine Freundin.
„Wir werden uns schreiben, Isabelle! Und vielleicht darf ich dich auch einmal besuchen, wenn Vater es erlaubt!“ meinte sie noch beim Abschied!
„Du reist ja nicht wirklich in die Fremde, du kommst UNS besuchen!“ lächelte ich Michelle zuversichtlich an. Ihr Vater war mitunter etwas schwierig und meiner Meinung nach viel zu streng.
Aber meine Verpflichtungen gegenüber dem Orden konnte ich nicht vernachlässigen.
Eigentlich war ich sehr gespannt auf die Kolonien und die Menschen, die sich dort niedergelassen hatten.
Ich komme aus einem kleinen Dorf in Preußen und bin bisher nur in England, genauer gesagt London, gewesen. Viel gesehen hatte ich also noch nicht von der Welt.
Aber ich war ja auch erst 21 Jahre alt, ich hatte noch mein Leben vor mir und würde sicherlich noch ein paar Reisen antreten, eigentlich hoffte ich darauf!

Also bestieg ich am 18. April 1754 die „Providence“ um nach Boston aufzubrechen.
Der Brief meines Großmeisters sprach von einer hohen Dringlichkeit und die Aufgabe duldete keinen Aufschub.
Doch es gab eine Verzögerung, einer der Mitreisenden, würde erst morgen früh an Bord kommen!
Ärgerlich, ich hätte noch einen Tag im Kreise meiner Freunde verbringen können. Wer auch immer dafür verantwortlich war, würde von mir noch einen passenden Satz dazu hören.

Ich verließ noch einmal das Schiff und schlenderte durch die Gassen von Bristol. In einem kleinen Buchladen kaufte ich mir noch zwei Bücher, damit die Überfahrt nicht ganz so von Langeweile geprägt sei.
Gegen Abend aß ich in einer Taverne noch eine Kleinigkeit und ging dann wieder an Bord. Dort verkündete man, dass wir im Morgengrauen endlich ablegen würden.
Ich unterhielt mich noch eine Weile mit dem Kapitän und konnte seinen Unmut regelrecht sehen. Er hatte ein paar Aufträge durch diese Verzögerung verloren und der Herr der noch mitsegeln würde, wäre angeblich so ein typischer reicher Schnösel.
Gut zu wissen, dann würde ich mich lieber nicht mit ihm auseinandersetzen, denn diese Sparte der Gesellschaft war mir zuwider.

In meinem hielt es mich aber nicht lange, obwohl es mittlerweile weit nach Mitternacht war. An Schlaf war für mich nicht zu denken, ich war, auch wenn ich es nicht unbedingt zugeben mag, ziemlich nervös. Es wäre meine erste größere Aufgabe, welche ich zu erledigen hätte.
Also stand ich jetzt an der Reling und sah auf den Hafen hinunter.
Hier herrschte irgendwie immer reger Betrieb, obwohl es jetzt einige Trunkenbolde waren, welche sich stark schwankend und laut singend hier rumtrieben.

Dann sah ich eine Kutsche vor der Anlegestelle anhalten und ein Mann stieg aus. Sein Kutscher nahm sich eine der Reisetruhen und folgte ihm.
Das muss der Herr sein, weswegen wir bis zum Morgengrauen warten mussten. Am liebsten hätte ich ihm gleich etwas dazu gesagt, aber das gehörte sich nun wirklich nicht. Die nächsten Tage gäbe es bestimmt genügend Gelegenheiten dazu.
Sein Blick glitt über das Schiff und blieb dann fragend an mir hängen, doch er ging ohne Worte weiter.

Ich streckte mich noch einmal und nahm die frische Luft auf, ging dann aber hinunter zu meiner Kabine, um vielleicht doch ein wenig schlafen zu können.
„Ich danke euch, Holden. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, was meine Arbeit angeht. Ich hoffe, ihr werdet das selbe tun.“ hörte ich nebenan leise Stimmen.
„Aber sicher doch, Master Kenway. Ihr könnt euch auf mich verlassen!“ und dann entfernten sich Schritte und eine Tür wurde geschlossen.

Kenway? DER Haytham Kenway?
Ich kannte ihn nur vom Hören-Sagen und war ihm noch nie vorher persönlich begegnet. Ihm eilte der Ruf voraus, sein Handwerk bis zur Perfektion ausgebaut zu haben, nämlich das Töten.
Er gehörte, wenn ich richtig lag, dem britischen Ritus an, doch was wollte er bitte in den Kolonien?
Ich hoffte, unsere Interessen würden sich nicht überschneiden, dann hätte ich nämlich ein Problem!
Doch das konnte jetzt auch für ein paar Stunden warten, mich überkam endlich die Müdigkeit und ich legte mich in meine Koje. Nicht besonders bequem, aber es musste halt auch mal so gehen.


*********


Geweckt wurde ich, weil es schaukelte und das Holz laut knartschte. Die Providence hatte also abgelegt.
Langsam erhob ich mich und sah, dass es schon hell war, die Sonne schien und es war angenehm warm.
Der Kapitän hatte mir angeboten, die Mahlzeiten bei ihm einzunehmen, damit ich nicht so alleine sei. Er war ein etwas mürrischer Mann, doch im Grunde mir gegenüber freundlich. Mehr musste es auch nicht sein, ich wollte ihn ja nicht heiraten.

Also ging ich hinauf, nachdem ich mich gewaschen hatte und in meine etwas einfachere Garderobe gestiegen war.
An Deck herrschte rege Betriebsamkeit und es war wie ein gut durchdachter Ameisenbau. Wir waren schon aus dem Hafenbereich hinaus und als ich mich umsah, fand ich auch den Kapitän, welcher sich gerade mit diesem Kenway unterhielt. Dann war er tatsächlich der schnöselige Mitreisende, von dem Mr. Smythe gestern gesprochen hatte.

Ich ging auf die beiden zu und vernahm nur „Ihr Neureichen seid doch alle gleich!“ maulig aus dem Mund des Kapitäns.
Als er mich sah, erhellte sich sein Blick und er begrüßte mich höflich mit Handkuss. „Mistress Alberts, wie ich sehe, habt ihr die erste Nacht heile überstanden.“
„Danke, Mr. Smythe. Sie war etwas unruhig, weil dies meine erste größere Reise ist und dann auch noch alleine.“ lächelte ich ihn an.
„Keine Sorge, Mistress Alberts, wir werden schon auf euch Acht geben.“ gab er mit einer solchen Inbrunst von sich, dass man ihm das sofort abkaufen musste.

Er bat mich, ihm zu folgen und ich erhielt ein kleines, aber sehr leckeres Frühstück.
Das Gespräch bei Tisch war ein seichtes Geplänkel, bei welchem ich kundtat, dass ich schon jetzt meine Heimat vermissen würde und so weiter.
Er hörte mir so aufmerksam zu wie nur möglich und erwiderte hin und wieder, dass er mich durchaus verstehen würde.

Danach ging ich wieder an Deck und traf auf diesen Schnösel, welcher mit einem säuerlich Ausdruck auf dem Gesicht vor sich hinstarrte. Ich konnte seine Laune etwas verstehen, wer lässt sich schon gerne beleidigen, doch auch mich hatte er verärgert.
Als er mich sah, konnte ich sehen, wie er in eine ganz andere Art umschlug, als hätte man ihn einer Gehirnwäsche unterzogen.

„Mistress Alberts, nehme ich an?“ fragte er höflich mit einer sehr angenehmen, tiefen Stimme.
„Ja, die bin ich. Und ihr seid, wenn ich richtig informiert bin, Master Kenway?“ und reichte ihm meine Hand, welche einen Handkuss von ihm bekam.
„Was macht eine junge Frau alleine auf einem Handelsschiff Richtung Boston?“ kam es jetzt etwas zu neugierig für meinen Geschmack von ihm.
„Ich besuche Freunde meiner Eltern, nachdem ich in London bereits meine Freundin besucht hatte.“ erzählte ich nicht ganz die Wahrheit, aber mehr musste dieser Mann nicht wissen. Nicht, solange ich seine Absichten nicht kannte, welche er in den Kolonien hat. „Ihr plant doch nicht etwa, ebenfalls auszuwandern, Mistress Alberts?“ ein höfliches Lächeln trat auf sein Gesicht und eine leichte Gänsehaut lief mir über den Rücken. Für einen Moment hatten sich seine Augen verändern, die Farbe eher. Es war, als läge für einen kurzen Augenblick ein Schleier darüber.

„Nein, das hatte ich eigentlich nicht vor. Aber wer weiß, wenn es mir dort gefällt, warum sollte ich nicht dort einen Neuanfang versuchen, Master Kenway?“ ich versuchte meine Verwirrtheit im Zaum zu halten und hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte.
„Da habt ihr sicherlich Recht, doch so einfach die Zelte in seiner Heimat abbrechen, ist kein leichtes Unterfangen. Ich hoffe, ihr macht es aus freien Stücken und nicht, weil es euch aufgezwungen wird.“ meinte er mit einem wissenden Unterton.
Er dachte vermutlich, ich wurde dorthin geschickt, um zu heiraten.
„Falls ihr damit meint, dass ich dorthin segle, weil ich jemandem versprochen bin, dann kann ich nur sagen, dem ist nicht so. Ich reise aus freien Stücken, Master Kenway.“ antwortete ich ehrlich und entweder täuschte ich mich, oder war er etwas erleichtert über meine Aussage?
Doch ich konnte mich auch täuschen.
Je länger ich mich mit ihm unterhielt, desto weniger hatte ich den Eindruck, er sei einer dieser schnöseligen Neureichen!
Er machte einen sehr eloquenten Eindruck, er war gebildet und, nunja, er sah nicht schlecht aus.
Sein Erscheinungsbild hatte eine gewisse Präsenz, bei der man sich am liebsten nichts zuschulden kommen lassen will, nur um jeglichen Ärger zu vermeiden!

Die ersten Tage verbrachte ich also mit Master Kenway und Mr. Smythe. Das Essen war nicht üppig, aber lecker, doch ich war nie alleine bei den Mahlzeiten.
Die Mannschaft schien jedoch mit Kenway ein Problem zu haben, oder sie hatten einfach nur Langeweile.
Auf jeden Fall trat er, es war ungefähr am 4. Tag, an Deck und einer der Matrosen pöbelte ihn an, mit den Worten, er solle sich lieber wieder verziehen, an Deck hätte er nichts zu suchen.
Mit dieser Schlagfertig hatte ich jedoch nicht gerechnet, er konterte mit den Worten
„Und trotzdem seid IHR hier!“ und dann kam es zu den ersten Handgreiflichkeiten. Fasziniert stand ich daneben und sah den Kontrahenten dabei zu, wie sie sich provozierten und belauerten.
Doch man merkte schnell, dass Haytham gut trainiert war und die Taktik seines Gegenübers schnell einschätzen konnte. Der Pöbler hatte keine Chance gegen die Schnelligkeit und Kraft der Schläge von Master Kenway.

Doch ein weiterer Mann meinte ihn herausfordern zu müssen, dieses mal mit einem Messer.
Auch das war für den Templer kein Problem und im Handumdrehen, im wahrsten Sinne des Wortes, hatte er dem Angreifer die Waffe abgenommen.
Wie es sich aber oft verhält, genau in diesem Moment erschien Mr. Smythe und war alles andere als begeistert von dieser Art des Zeitvertreibs.
Nach einem etwas hitzigen Wortwechsel, bat der Kapitän Master Kenway, ihm zu folgen. Er hätte etwas zu besprechen.
Als die beiden an mir vorbeigingen, lächelte mich Haytham zufrieden an und ich erwiderte es.
Ich würde jetzt aber zu gerne wissen, was die beiden zu bereden hatten. Als sich die Tür zur Kapitänskajüte geschlossen hatte, ging ich langsam darauf zu und stellte mich an die Treppe, welche zur Brücke führte.
Ich tat, als würde ich die dort herumstehenden Kisten in Augenschein nehmen.

Aus dem Inneren vernahm ich dann auch einige Wortfetzen.
Mr. Smythe befürchtete eine Meuterei und bat Kenway, sich umzuhören, bevor es wirklich dazu kommen konnte.
Jedoch tat er es nicht höflich bittend, sondern er forderte es einfach von seinem Passagier.
Diesem passte dieser Ton aber mal gar nicht und in einem wahnsinnig kalten Ton hörte ich, wie Haytham sagte
„Solltet ihr mich noch einmal bedrohen oder beleidigen, dann werde ich nicht davor zurückschrecken, euch einen Kopf kürzer zumachen, eigenhändig!“
Ich hörte Schritte auf die Tür zu kommen und eilte zur Reling, gerade noch rechtzeitig, wie ich hoffte.
Dann spürte ich ihn im Rücken.
„Ich hoffe, ihr konntet eure Neugierde befriedigen, Mistress Alberts!“ kam es wieder in diesem kalten Ton und ich erschauerte.
Ich sah stur auf das Meer und erwiderte zitternd „Ja, das konnte ich, Master Kenway!“ doch er blieb noch einen Moment so hinter mir stehen und ich hörte, wie er tief durch atmete, vermutlich um sich selber zu beruhigen.

Als er weg war, klammerte ich mich an das Holz und hatte schon Angst, dass ich gleich umfalle.
Denn diese Art von ihm war mehr als unheimlich und diese Nähe gerade verwirrte mich noch mehr!
Auch ich atmete langsam und konzentriert, um mich wieder zu beruhigen.
Ich beschloss, in meine Kabine zu gehen und mir eines meiner Bücher vorzunehmen, ich brauchte Ablenkung!
Auf dem kleinen Gang sah ich gerade noch, wie Kenway aus meinem Quartier kam und vorsichtig die Tür schloss.
Er hatte mich nicht bemerkt, dachte ich zumindest!
Ich ging davon aus, dass er in dieser kurzen Zeit wohl kaum meine gesicherte Truhe aufbekommen hatte, somit hätte er auch keinerlei Anhaltspunkte finden können über mich. Ich wartete noch, bis er verschwunden war und eilte dann in mein Reich.
Es war alles so, wie ich es verlassen hatte, anscheinend war er geübt, was das Durchsuchen anging. Nur meine abgeschlossene Kiste stand anders. Also hatte er versucht, sie zu öffnen, aber dabei schien es geblieben zu sein.

Prolog II
 

*** Misstrauen und Überwachung ***




Es war alles noch da, nichts fehlte und so beschloss ich, dass ich mir jetzt einfach das Buch nehme und mich wieder an Deck begebe.
Vielleicht bekäme ich ebenfalls die Chance, SEIN Quartier beizeiten durchsuchen zu können.
Meine Neugierde ist manchmal unbändig, wie er schon bemerkt hatte.
Oben in der warmen Sonne setzte ich mich auf eine der Kisten und fing an zu lesen.
„Mistress Alberts?“ hörte ich diese tiefe Stimme neben mir und als ich hochsah, starrten mich graue Augen an.
„Wer seid ihr und was ist euer Auftrag? Anscheinend wisst ihr, wer ICH bin und ich wüsste gerne, mit wem ich die nächsten Tage hier auf dem Schiff verbringen werde.“
Mit diesen Worten nahm er meinen Arm und führte mich zum Bug. Dort baute er sich drohend vor mir auf.
„Ihr seid nicht so unschuldig, wie ihr tut. Wer hat euch geschickt?“ Sein Ton war eiskalt, genau wie seine Augen und seine Finger bohrten sich in meinen Oberarm.
„Mich hat niemand geschickt, Master Kenway. Ich wurde einfach nach Boston beordert, um nach dem Rechten zu sehen.“ meinte ich zähneknirschend, weil dieser Griff seiner Hand gewaltig schmerzte.
In diesem Moment fiel mir ein, dass ich ja meinen Templerring trug und hielt ihm meine Hand entgegen.
Für einen kurzen Augenblick starrte er ihn an und dann wieder in mein Gesicht. „Wem habt ihr den Ring abgenommen?“ kam es eisig von ihm.

„Niemandem, er gehört mir! Wie könnt ihr es wagen, mich eines Mordes oder Diebstahls zu bezichtigen, Master Kenway?“ meine Stimme zitterte ein wenig, aber ich konnte mich noch kontrollieren!
„Dann klärt mich gefälligst auf, weil ich von euch noch nie gehört habe!“ drängte er mich weiter und ließ mich nicht aus den Augen.
„Vermutlich, weil ich nicht so skrupellos und blutrünstig bin wie ihr!“ meinte ich schnippisch und im selben Moment hätte ich mir am liebsten die Zunge abgebissen.
Wenn er schon ziemlich wütend war, dann steigerte sich dieses noch einmal.
„Wie war das bitte, Mistress Alberts?“ kam es lauernd aus seinem Mund.
„Euer Ruf eilt euch voraus, Master Kenway! Das wisst ihr doch!“
Seine andere Hand griff nach meinem anderen Arm und er stand nur wenige Zentimeter vor mir. Ich konnte seine Wut förmlich fühlen, sein Atem ging konzentriert und schwer. „Dann solltet ihr euch besser gut überlegen, was ihr noch so von euch gebt! Und ich rate euch, versucht erst gar nicht, mein Quartier zu durchsuchen!“ funkelte er mich an.

„Aber ihr durftet einfach in meinen Sachen herum schnüffeln, ja? Seid ihr wenigstens fündig geworden oder seid ihr gleich verzweifelt an meiner Truhe?“
Leider bin ich für meine sehr offenen Worte bekannt, mein Vater konnte mich nie davon abbringen, egal wie hart er mich als Kind bestraft hatte.
Mein loses Mundwerk brachte mir oft Ärger ein und meine Eltern hatten es nicht immer leicht mit mir.
Doch er konterte geschickt.
„Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte und ihr nicht so früh wieder unten erschienen wäret, dann wäre das Schloss meinem Dietrich zum Opfer gefallen, Mistress Alberts!“ dann hatte er mich doch bemerkt!
In diesem Moment fiel mir wieder ein, dass ich dringend das Schleichen weiter trainieren muss.
Das würde ich jetzt in den Kolonien mit meinem dort wartenden Großmeister in Angriff nehmen und zwar zügig nach meiner Ankunft.

„Ihr werdet mir ja auch nichts über euren Auftrag berichten, also bin ich euch keine Rechenschaft schuldig, weswegen ich in die Kolonien aufgebrochen bin. Soviel kann ich euch aber sagen, meine Familie gehört seit Jahrzehnten und Generationen dem preußischen und hannoverschen Ritus an. Mein Vater ist Vorsitzender des ältesten Rates und Großmeister dort!“ gab ich jetzt zickig von mir, er sollte mich jetzt endlich los lassen! Schließlich hatte ich ihm nichts getan...

Doch dann dämmerte mir, worauf er hinaus wollte!
„Ihr glaubt, ich habe etwas mit dieser geplanten Meuterei zu tun, Master Kenway?“ mir stand der Mund offen, es kam nur ein „Ja, das würde erklären, warum noch ein weiterer Passagier einfach mit an Bord ist!“
Sein Griff lockerte sich aber kein bisschen und ich hatte Angst, wenn ich noch länger in seine Augen blickte, dass ich zu Eis erstarre.
„Dann wäret ihr aber auch ein potentieller Kandidat dafür, findet ihr nicht?“ meinte ich in meiner zu lockeren Art.
Ein Schnauben von ihm deutete an, dass er diesen Gedanken anscheinend sehr absurd fand.
„Ihr habt Recht, ich werde euch sicher nicht in Kenntnis setzen, was meine Ziele in den Kolonien betrifft. Aber wenn ihr ebenfalls nur heile dort ankommen wollt, dann sollten wir … vielleicht versuchen, gemeinsam heraus zu finden, was die Mannschaft plant!“ mir klappte wieder der Mund auf.

„Ihr schlagt ernsthaft eine Zusammenarbeit vor? Womit habe ich diese Ehre verdient, Master Kenway?“ meinte ich so zynisch, dass ich befürchtete, er bricht mir gleich meine Arme.
„Weil ich euch so im Auge behalten kann und herausfinde, ob ihr nicht doch plant, mich hinterrücks zu ermorden, Mistress Alberts!“ kam es zischend zwischen seinen Zähnen hervor und er ließ mich los.
Ich rieb mir die Arme, das würde nette blaue Abdrücke geben und die Muskeln dankten es mir jetzt schon mit Schmerzen.
„Sehe ich aus wie eine Assassine?“ maulte ich ihn an, ich hasste es, wenn mir unterstellt wurde, ich würde so agieren!
„Das nicht, nein. Aber man weiß ja nie, wer vor einem steht.“ kam es nur böse von ihm, dann drehte Kenway sich um und ließ mich einfach stehen.
Und was war jetzt mit der Zusammenarbeit?

Ich seufzte nur und lehnte mich an die Reling.
„Ihr solltet diesen Herren besser nicht verärgern, Miss. Wer weiß was er macht, wenn ihr nachts friedlich in eurer Koje liegt!“ hörte ich eine fiese kichernde Stimme hinter mir.
Es war einer der Schlägertypen und grinste mich breit an.
„Vielleicht sollte ich euch für die restliche Zeit beschützen, dann seid ihr auch nicht so einsam in eurem Quartier...“ er kam mit einem lüsternen Blick auf mich zu, doch ich reagierte einfach nur noch.
Er hatte mein Knie schneller zwischen seinen Beinen, als er gucken konnte und knickte vor meinen Füßen zusammen.
„Solltet ihr es auch nur wagen erneut in meine Nähe zu kommen, dann garantiere ich euch, dass ihr euch von eurem besten Stück verabschieden könnt! Ist das klar?“ meinte ich kalt zu ihm.

Ich ließ ihn einfach keuchend dort zurück, für solche Spielchen hatte ich keine Zeit und auch keine Lust.
Auf dem Weg zurück zu meinem Quartier, kam ich an Haytham vorbei, welcher den tätlichen Angriff beobachtet hatte.
Für einen Moment dachte ich, ich hätte so etwas wie Anerkennung in seinem Blick gesehen, doch jetzt funkelte er mich wieder nur an.
Mit erhobenen Kopf ging ich an ihm vorbei und nach unten.

Während des Abendessens besprachen wir dann mit Mr. Smythe unseren Plan, gemeinsam diese Meuterei aufzuhalten.
Der Kapitän stimmte einfach nur zu und ließ uns freie Hand. Master Kenway und ich hatten eine Art Wachplan aufgestellt, in welchem wir uns abwechselnd gerade Nachts hier umsahen.
Genügend Schlaf würde jeder von uns beiden bekommen, dafür war gesorgt.
Die erste Wache übernahm dann Kenway gleich und ich konnte mich für ein paar Stunden ausruhen.
Als er mich dann weckte, schreckte ich regelrecht hoch, ich hatte ihn überhaupt nicht hereinkommen hören.
„Hätte ein Anklopfen nicht gereicht, Master Kenway?“ meinte ich etwas empört.
„Ihr habt nicht darauf reagiert, Mistress Alberts. Was hätte ich sonst tun sollen? Und jetzt seht zu, dass ihr eure Schicht übernehmt.“ dieser kalte Ton war einfach widerlich und ich schüttelte mich dabei.

So verliefen die nächsten Tage und Nächte, bis wir eines Abends, es musste ungefähr der 30 Tag gewesen sein, nach dem Essen bemerkten, wie einige Fässer über Bord geworfen wurden.
Aber wir kamen leider zu spät in dem Laderaum an, hier war niemand mehr. Wir fanden lediglich noch weitere markierte Fässer.
Also sollten wir unseren Schichtplan noch einmal überdenken und einige Zeiten sich überschneiden lassen, damit uns nichts entgeht.

Am 32. Tag hockte ich in einem der Lagerräume hinter einem Fass und Master Kenway in dem angrenzenden Raum. Doch es tat sich nichts, entweder waren wir aufgeflogen oder man brauchte keine Markierungen mehr hinterlassen.
Im Morgengrauen ging ich in meine Kabine und traf dabei auf Haytham.
„Master Kenway, habt ihr etwas in Erfahrung bringen können?“ gähnte ich etwas undamenhaft, hielt mir aber die Hand vor den Mund.
„Nein, leider nicht. Ich denke, wir sollten jetzt noch ein wenig Schlaf nachholen und heute Abend weiter sehen. Ich wünsche euch ruhige Träume, Mistress Alberts!“ kam es in einem versöhnlichen Ton von ihm.
„Das wünsche ich euch auch, Master Kenway!“ ich verschwand in meinem Reich und hörte nach kurzem Zögern, wie sich auch seine Schritte entfernten.

Am Späten Vormittag erwachte ich mit einem knurrenden Magen.
Also stand ich auf, wusch mich und zog mich an.
Ich ging zum Smutje, um zu fragen, ob ich noch etwas zu Essen bekommen könnte, da ich leider das Frühstück verpasst hätte.
„Miss, ich habe nur noch ein wenig Porridge übrig. Aber das ist kalt!“ meinte er etwas entschuldigend, ER konnte ja nichts für meine Verspätung.
Doch ich nahm die Schüssel dankend entgegen und ging hinauf an Deck.
Auch mein Wachkompagnon war bereits auf den Beinen und unterhielt sich mit dem Kapitän.
Als er mich sah, winkte er mich dazu und auch ich erstattete den etwas mageren Bericht.

Dann vernahm ich ein Magenknurren aus Haythams Richtung und grinste ihn nur an. „Master Kenway, hier. Ihr solltet etwas essen, ihr fallt mir sonst noch vom Fleisch und mit leerem Magen lässt es sich nicht gut denken!“ meinte ich fürsorglich und reichte ihm die Schüssel mit dem Porridge.
Es war mehr als eine Portion und ich war wirklich bereits satt.
Dankend nahm er seine Mahlzeit entgegen und setzte sich auf eine der umstehenden Kisten und verschlang sie förmlich.

„Was werden wir jetzt tun? Es muss hier einen oder mehrere Männer geben, die diese dämlichen Fässer markieren und dann über Bord werfen. Sie können sich ja nicht in Luft auflösen. Und wenn es Markierungen sind, wer oder was soll denn die "Providence" finden? Zumal keine nennenswerten Waren an Bord sind, die es sich zu erbeuten lohnen!“ gab ich meine Gedanken laut von mir und erntete einen erstaunten Blick von Master Kenway.
„Vielleicht ist es nicht die Ware, auf die man es abgesehen hat, Mistress Alberts. Habt ihr irgendwelche Feinde, die euch auf den Fersen sein könnten?“ fragte mich der Templer grübelnd.

„Nein, eigentlich nicht. Als ich in England an Bord ging, hatte ich dort lediglich eine Freundin besucht und war privat dort. Und auch sonst würde mir nichts einfallen. Wie sieht es denn bei euch und eurem Umfeld aus, Master Kenway?“ auch ER könnte ja jemanden verärgert haben. Ich sah, dass er überlegte, was er jetzt sagen sollte.
Aha, er schien eine Ahnung zu haben, wusste aber nicht, ob er sie mir anvertrauen sollte. „Ich wüsste auch niemanden, der mir grollen könnte. Wir sollten weiter die Augen offen halten.“ lenkte er jetzt vom Thema ab und entschied, dass das Ganze damit vorerst geklärt ist.

Prolog III

 

*** Pöbelnde Assassinen und ein Unwetter ***




Ich seufzte nur und setzte mich neben ihn.
Wir unterhielten uns noch über einige Bücher und er meinte, er müsse mir unbedingt später eines geben, ich solle ihn bitte daran erinnern.
Gegen Mittag ertönte vom Ausguck dann nur „Schiff in Sicht! Sie macht sich Schussbereit!“ in Windeseile ordnete der Kapitän an, auf Gefechtsstation zu gehen und die Kanonen klar zumachen.
Als er gerade „Ducken“ brüllen wollte, hörten und spürten wir die Kanonenkugeln des anderen Schiffes dicht an der Providence einschlagen.
„Das war ein Warnschuss!“ meinte Mr. Smythe und sah uns beide an.
„Ihr geht jetzt unter Deck, ich kann euch hier oben nicht gebrauchen!“ meinte er in einem Befehlston, welcher Haytham gar nicht schmeckte.
Doch Smythe ließ sich nicht beirren und schob uns regelrecht hinunter.
Die Luke wurde geschlossen und wir standen für einen Moment etwas unschlüssig am Fuße der Treppe.

„Ah, da seid ihr ja, Master Kenway!“ kam es in einem höhnischen Ton hinter uns.
Wir drehten uns um und sahen, wie Louis Mills, einer der mit den Schlägertypen zu tun hatte, lässig an der hinteren Wand lehnte und uns ansah. Er war der einzige gewesen, welcher sich mir namentlich vorgestellt hatte, also waren doch tatsächlich Manieren vorhanden!
Neben ihm tauchten noch drei weitere Herren auf, unter anderem auch die beiden besagten Pöbler.
„Wie ich sehe, werden wir schon erwartet, wie nett. Doch kann das bis nach dem Kampf mit dem anderen Schiff warten, meine Herren?“ fragte ich zynisch grinsend.
„Miss, euch haben wir nicht erwartet, aber ich hätte mir denken können, dass der Käptn euch beide hierher schicken würde. Keiner von euch hat eine Ahnung von der Seefahrt.“ kam es abwertend von Mills.

Doch jetzt bekamen wir eine Erklärung, wenn auch sehr kurz, warum man hier lauerte.
Es ging um einen Mord, welchen Haytham in London begangen hatte, in der Oper am Vorabend unserer Abreise.
Er hatte einen Assassinen getötet, um an ein Amulett zu kommen. Also hatte die Bruderschaft sofort ihre Leute losgeschickt um sich zu rächen und das Schmuckstück wieder an sich zu nehmen.
Die vier Herren wussten also, dass Kenway Templer war, aber nicht, dass ich ebenfalls dazu gehörte.
Gut so, dann hätte ich das Überraschungsmoment auf meiner Seite.

Die vier standen nun vor uns und ich hörte nur, wie Haytham nach einem Schwert verlangte, er würde nicht kampflos aufgeben.
In einer der Kisten sah ich einige Waffen und bediente mich einfach, ich würde ebenfalls nicht tatenlos hier herumstehen.
Ich erntete fragende Blicke und ein dummer Spruch durfte natürlich nicht fehlen.
„Miss, lasst es lieber, bevor ihr euch noch selber wehtut. Das ist kein Spielzeug!“ meinte der Schläger, welchem ich in seine Kronjuwelen getreten hatte.
„Hatte ich euch nicht gewarnt und gesagt, was passiert, solltet ihr noch einmal in meine Nähe kommen?“ meinte ich kalt und sah ihm in die Augen.

Und dann stürmte Mills auf Kenway los, doch dieser war vorbereitet und hatte bereits eine eigene Taktik im Kopf.
Ebenso griff mich dieser Schmierlappen vor mir jetzt an, er ging immer noch davon aus, dass ich nichts könne!
Gut so, dachte ich mir und ließ ihn für einige Augenblicke in diesem Glauben, bis er breit grinsend über mir stand und ich ihm das geliehene Schwert in die Weichteile rammte. Dann drehte ich mich unter ihm weg und zog die Schneide über seine Kehle.
Gerade als ich mich umdrehen wollte, griff mich der andere Schläger und umklammerte meine Arme, sodass ich nur noch meine Füße und Beine bewegen konnte.
Und das tat ich dann auch, ich holte mit dem rechten Bein aus, winkelte es dann an und trat mit voller Kraft nach hinten gegen das Knie meines Angreifers.
Vor Schmerzen schrie er auf und ließ von mir ab, als ich auf ihn hinabsah, stand sein Unterschenkel in einem unnatürlichen Winkel ab.
Er hielt ihn fest und Entsetzen trat in seine Augen, doch bevor ich ihm den Todesstoß geben konnte, war Haytham da und erledigte das.

„Mistress Alberts, ihr seit geschickt mit dem Schwert, dass hätte ich euch gar nicht zugetraut!“ meinte Kenway anerkennend.
„Danke, Master Kenway! Dann sind diese Assassinen wegen euch hier? Ihr habt also den Mord begangen. Wir waren alle schon am rätseln, wer dafür verantwortlich war!“ meinte ich etwas gedankenverloren.
„Wir? Wer ist bitte WIR?“ meinte er jetzt alarmiert und hielt wieder meine Oberarme.
„Wir, die Damen und Herren von den anderen Riten, welche sich ebenfalls gerade in London aufgehalten hatten. Ich bin ja nicht alleine, Master Kenway!“ meinte ich jetzt und versuchte mich aus dieser Umklammerung zu lösen!

Er ließ mich los, sah mich aber immer noch skeptisch an.
„Dann muss ich euch das wohl so glauben.“ kam es nur resigniert von ihm.
„Wir sollten jetzt hinauf gehen und dem Kapitän hiervon berichten, Mistress Alberts.“ und damit drehte er sich zur Treppe und öffnete die Luke.
Wir waren noch nicht ganz oben an Deck, da polterte Mr. Smythe auch gleich los, was uns einfallen würde, hier zu erscheinen. Er hätte doch ganz klare Anweisungen gegeben.

„Ja, aber uns wurde unten von Mills und einigen anderen Herren aufgelauert. Und ich weiß jetzt auch, weswegen dieses Schiff hier ist. Wegen mir.“ kam es selbstsicher und in diesem kalten Ton vom Templer.
„Dann sollen sie euch auch haben, das ist mir gleich.“ kam es unfreundlich vom Kapitän.

Doch Kenway ließ sich nicht darauf ein, sondern sah in Richtung der neben uns am Himmel vorbeiziehenden dunklen Wolken und Smythe zählte eins und eins zusammen.
„Nein, ich segle sicher nicht mit Absicht in einen Sturm. Seid ihr noch bei Trost, Master Kenway?“ sagte er völlig entrüstet und ungläubig zugleich.

„Wenn ihr es nicht macht, dann mache ich es.“ damit baute er sich vor ihm auf und ließ seine versteckten Klingen vorschnellen!
Moment... er besaß diese Waffen der Assassinen? Wie war das möglich?
Doch meine Frage musste warten.
„Ich machs ja, ich machs...“ und dann gab Mr. Smythe die Befehle dort hinein zusteuern. Mir wurde etwas mulmig bei dem Gedanken, dass wir in ein Gewitter segelten, doch es war eigentlich die einzige Chance, dem anderen Schiff zu entkommen.
Ich hoffte, Kenway würde recht behalten.

In diesem Moment fiel mir ein, dass ich mich dringend umziehen musste und mir meine Templer-Montur anlegen musste. Mit Kleid würde ich sonst nichts ausrichten können.
Mit einer Entschuldigung ging ich hinunter in meine Kabine und kramte aus der gesicherten Truhe meine Kleidung.
Gerade als ich dabei war, mein Hemd überzuziehen platzte Master Kenway ohne Anklopfen herein.
„MASTER KENWAY, ICH MUSS JA WOHL SEHR BITTEN!“ schrie ich ihn an.
Er drehte sich um und ich sah noch, wie er ein breites Grinsen auf dem Gesicht hatte, ich hingegen war knallrot geworden.

Ich zog mich schnell fertig an und als ich meine Waffen angelegt hatte, erlaubte ich ihm, sich wieder umzudrehen.
„Verzeiht, Mistress Alberts, ich bin davon ausgegangen, dass ihr euch einfach zurückziehen wolltet. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ihr... euch umziehen wolltet.“
Sein Blick fuhr anerkennend über meinen Körper und seine Augen verdunkelten sich. „Trotzdem solltet ihr euch angewöhnen anzuklopfen, Master Kenway!“ meinte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue, aber dieser Blick...
Ich schüttelte dieses Gefühl aber ab, für irgendwelche Gefühlsduseleien hatte ich keine Zeit und ich brauchte meinen Verstand für meine Arbeit.
„Wir sollten hinauf gehen und sehen, dass der Kapitän nicht ganz den Verstand verliert, aus Angst um sein Schiff!“ meinte ich lachend und Haytham nickte nur und folgte mir.

Wir waren jetzt sehr nahe an dem Unwetter, der Wind frischte auf und die ersten Regentropfen waren zu spüren.
Auch der Wellengang wurde stärker und ich hoffte, dass ich nicht seekrank wurde, bisher war es nie vorgekommen, doch so einen Sturm hatte ich auch noch nicht erlebt.
Es dauerte nicht lange und wir waren mittendrin, in Nullkommanichts waren die Klamotten völlig durchgeweicht und die Holzbohlen an Deck wurden rutschig!
Wir halfen tatkräftig mit, die Taue zu sichern, die Segel zu lösen und nach Möglichkeit das Schiff nicht untergehen zu lassen.
Immer wieder warf ich einen Blick auf das Verfolgerschiff, doch auch sie hatten mit diesen Widrigkeiten zu kämpfen.
Dieses Amulett musste sehr wichtig sein, weil sie uns in diesen Sturm folgten! Oder der Kapitän war geisteskrank!
Nachdem Haytham den Fockmast hochgeklettert war, um eines der Segel loszuschneiden, sah ich nur, wie der eine Mast krachend zur Seite kippte und einen Mann hängend an Seilen zurückließ.
Kenway war in der Nähe und sprang von der einen Plattform zu ihm hinüber, bekam ihn zu packen und warf sich mit ihm zusammen auf die nächste Plattform.
Man muss es ihm lassen, Kraft hatte er und er war schnell.

Dann sah ich, wie die Verfolger ebenfalls einen Mast, wohlgemerkt den Hauptmast, einbüßten und damit war klar, dass wir in Sicherheit waren, sobald wir hier aus dem Sturm raus kamen.
Doch das würde jetzt noch einige Zeit dauern und ich hoffte immer noch, dass nicht noch mehr passierte.
Aber die Providence war ein gutes Schiff und die Mannschaft eingespielt. So schafften wir es, bis auf den einen gebrochenen Mast und ein oder zwei zerstörte Segel, aus dem Sturm hinaus.

Das Wetter klarte umgehend auf und man konnte die Erleichterung der Männer spüren und auch hören.
Ich stand an der Reling und sah auf das von der Sonne beschienene Meer.
Diese Ruhe war gerade erholsam und ich genoss die Wärme auf meinem Gesicht.
Dann tauchte Kenway neben mir auf.
„Mistress Alberts, ihr solltet aus den nassen Sachen raus, ehe ihr euch noch den Tod holt!“ meinte er fürsorglich und ich sah ihn grinsend an.
„Ihr auch, ihr seht aus wie ein nasser Hund!“ nur riecht ihr wesentlich besser und ich wurde knallrot! Dabei hatte ich das noch nicht einmal laut ausgesprochen!

Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und rannte hinunter in mein Quartier.
Bei Odin, war das peinlich, ich benahm mich wie eine 14jährige in seiner Gegenwart! Frustriert fing ich an, die Schnallen und Knöpfe zu malträtieren, plötzlich war ich sauer auf mich selber.
Nachdem ich mich endlich der nassen Montur entledigt hatte, griff ich nach meinem Unterkleid und fing an, mich wieder anzuziehen.
Als ich dann präsentabel aussah, ging ich zurück an Deck.
Dort erwartete mich ein mauliger Kapitän, der zurecht etwas sauer auf den Zustand seines Schiffes war.
Neben ihm stand in trockenen Sachen Master Kenway welcher gerade aushandelte, wie die Reparatur zu begleichen wäre.
Mr. Smythe würde sich an den Orden, sprich an den Großmeister Birch wenden und alles weitere klären.

„Ah, Mistress Alberts. Wie ich sehe, habt ihr alles heile überstanden. Ich hoffe doch, dass der Rest der Überfahrt nun friedlicher verlaufen wird.“ meinte Mr. Smythe mit einem fiesen Seitenblick auf Haytham.
„Das hoffe ich auch, Mr. Smythe.“ ich ging weiter zur Reling und lehnte mich dagegen.
Die Tage wurden langsam länger, wir hatten jetzt mittlerweile schon Anfang Juni, wenn ich mich nicht irrte.
Laut Aussage des Kapitäns würden wir noch bis Juli unterwegs sein und das wären noch ganze 4 Wochen mindestens.
Ich seufzte resigniert und ließ meinen Kopf auf meine Arme sinken.

Prolog IV

 

*** Schweigender Rum und unangebrachte Träume ***

 

„Ist euch nicht gut, Mistress Alberts?“ hörte ich diese warme tiefe Stimme hinter mir, welche mir eine leichte Gänsehaut bereitete.
„Doch, mir geht es gut, Master Kenway. Macht euch um mich keine Sorgen!“ meinte ich nur und gerade als ich mich umdrehen wollte, legte er seine Hände links und rechts neben meine auf die Reling.
So an mich gelehnt, stand er hinter mir und sah ebenfalls auf das Meer.
„Wir werden jetzt noch eine Weile hier zusammen sein, Mistress Alberts. Ich schlage deshalb vor, dass wir einen Waffenstillstand vereinbaren für die verbleibenden Tage.“ meinte er dicht an meinem Ohr und ich konnte nicht anders, ich lehnte mich an ihn.
„Der Vorschlag gefällt mir, Master Kenway!“

Dann war es Zeit fürs Abendessen und der Kapitän hatte bereits die Beisetzungen für die Verstorbenen organisiert. Sie würden heute noch der See übergeben werden.
Als wir fertig waren, war es soweit und alle versammelten sich an Deck der Providence, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen.
Es wurden einige Worte gesprochen, vor allem Mr. Smythe berief sich auf die Bibel und hatte eine sehr rührende Ansprache vorbereitet.
Im Anschluss wurde für die Mannschaft der Rum freigegeben und ein anerkennendes Gemurmel ertönte.
Ich hatte mich die ganz Zeit etwas im Hintergrund gehalten, ich bin kein christlicher Mensch und kann mit diesen Reden und ähnlichem nichts anfangen.
Man hatte mir aber auch einen Becher mit Hochprozentigem gereicht, welchen ich jetzt in meinen Händen hielt und hinein starrte.
„Mistress Alberts, ihr seht aus, als wolltet ihr eine Antwort von dem Rum bekommen!“ grinste mich Kenway an.
„So ähnlich ist es vermutlich, Master Kenway! Doch er schweigt leider hartnäckig!“ lachte ich nur.
„Ich werde mich jetzt zurück ziehen. Ich wünsche euch eine gute Nacht, Master Kenway!“ meinte ich leise und ging an ihm vorbei Richtung Luke.
Als ich meinem Quartier war, setzte ich mich seufzend aufs Bett und fing an, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

Auf der einen Seite war ich total erschöpft, auf der anderen aber nicht wirklich müde.
Also setzte ich mich an den kleinen Tisch und schrieb in meinem Tagebuch.
Es wurden einige Seiten, bis ich endlich zum Schluss kam.
Als ich das Buch zuklappte, fühlte ich mich etwas befreiter und entspannter, und legte mich dann schlafen.

Ich hatte wirre Träume, von sinkenden Schiffen, von meuternden Piraten und von Master Kenway. Mit hochrotem Kopf wurde ich plötzlich wach und atmete schwer.
Solche Gedanken sollte ich nicht haben, nicht von einem mir völlig fremden Mann, das war einfach unangebracht.
Also stand ich auf und wusch mir kurz durchs Gesicht und das kalte Wasser brachte mich wieder ein bisschen zur Vernunft.
Der Rest der Nacht war ebenfalls nicht erholsam, mich ließen diese grauen Augen nicht los, diese tiefe Stimme hallte in meinem Kopf wider!
Irgendwann stand ich frustriert auf und zog mich an.
Es dämmerte bereits, da war es nicht schlimm, wenn ich schon auf war.
Ich ging an Deck und schaute auf das vor mir liegende Meer, während ein etwas kalter Wind mir ins Gesicht wehte.
Langsam ging die Sonne auf und ich staunte mal wieder, wie schön so etwas aussah auf offener See, wenn es klar war.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, als würde mich jemand beobachten und als ich mich umsah, bemerkte ich ein Stück weiter Master Kenway an der Reling stehen.
Seine Augen ruhten auf mir und er lächelte, als er langsam auf mich zukam.
„Guten Morgen! Wie ich sehe, seid ihr auch ein Mensch, der früh aufsteht, Mistress Alberts. Ich hoffe, ihr konntet nach den ganzen Ereignissen gestern in den Schlaf finden.“ meinte er leise und sah immer noch auf mich herab.
„Ich wünsche euch ebenfalls einen guten Morgen, Master Kenway. Und nein, ich muss sagen, ich habe eigentlich kein Auge zugemacht. Ich hoffe, ich schlafe nicht gleich beim Frühstück ein, dass wäre unhöflich.“ lächelte ich ihn an und erntete ein Lachen.
„Das wäre in der Tat etwas unangebracht.“
Es dauerte nicht lange, bis der Smutje alles fertig hatte, auch Mr. Smythe schien eher ein Frühaufsteher, was aber seinem Beruf geschuldet ist.
So saßen wir zusammen und unterhielten uns noch einmal über den gestrigen Tag.

In den nächsten Tagen würden wir aber keine Stürme oder Unwetter zu erwarten haben, laut dem Kapitän.
Doch er machte sich Sorgen, ob nicht noch mehr Schiffe hinterher geschickt worden sind. „Mr. Smythe, da könnt ihr unbesorgt sein. Man hatte hier jemanden eingeschleust und ein Schiff zur Verfolgung. Die Damen und Herren gehen davon aus, dass alles geglückt ist.“ versuchte Haytham den Kapitän zu beruhigen, doch so wirklich überzeugt schien er noch nicht zu sein.

So vergingen die nächsten Tage... sehr ereignislos und ehrlich gesagt, etwas langweilig. Ich hatte die Bücher jetzt alle gelesen und das nicht nur einmal.
Doch dann fiel mir der Vorschlag von Master Kenway ein, dass er mir doch eigentlich eines ausleihen wollte.
Als ich ihn hier oben an Deck nicht fand, ging ich hinunter und klopfte zögerlich an seiner Tür. Er öffnete und sah mich erstaunt an.
„Mistress Alberts, ist alles in Ordnung? Kann ich euch irgendwie helfen?“ ich schmunzelte in mich hinein, diese Besorgnis für meine Person war schon schmeichelhaft.
„Mir geht es gut, Master Kenway, danke. Mir ist nur langweilig und ihr hattet gesagt, ihr hättet ein Buch für mich, welches ich unbedingt lesen sollte. Da... dachte ich mir, weil wir noch einige Tage hier festsitzen werden...“ warum fing ich an herum zu drucksen und zu stottern?
„Ah, ich erinnere mich wieder. Kommt herein, setzt euch.“ und er deutete auf einen Stuhl an seinem Tisch.
Er hatte einige Bücher hier herumliegen, auch Seekarten und wie ich erfreut feststellte, schrieb auch er Tagebuch.
Nicht viele Menschen führten so etwas gewissenhaft, doch wie ich ihn einschätzte, waren seine Einträge Lückenlos.

Sein Quartier war, im Gegensatz zu meinem, so aufgeräumt, als würde hier niemand nächtigen!
Als er fündig geworden war, reichte er mir das Schreibwerk.
Es war Gullivers Reisen. Das sagte mir jetzt nichts, aber ich schlug es auf und fing an zu lesen.
Doch nach zwei Seiten klappte ich es zu, weil ich merkte, dass ich darin versank und das wäre in seiner Gegenwart unhöflich.

„Mistress Alberts, eure Faszination für Bücher und alles Geschriebene ist ansteckend. Ich habe noch nie eine Frau getroffen, die gerne liest und vor allem nicht nur irgendwelchen Schund.“ kam es anerkennend von Kenway.
„Woher meine Liebe zu Büchern kommt, kann ich auch nicht erklären, Master Kenway. Doch ich weiß warum ich mich gerne mit ihnen umgebe. Diese Bücher und die Geschichten darin, geben mir die Möglichkeit in eine andere Welt abzutauchen. Ich kann ein ganz anderer Mensch sein und Abenteuer erleben, oder ich erweitere mein Wissen ganz einfach.“ ich plapperte so vor mich hin und war in meinem Element.
So vergingen einige Stunden, in denen wir uns über unsere Liebe zu Wörtern austauschten.
Haytham hatte unter anderem auch ein Talent für Sprachen, wie ich feststellte. Ich selber war da nicht so ambitioniert drin, ich sprach englisch, deutsch und ein wenig französisch. Das musste reichen.
„Ich könnte euch durchaus noch ein paar Sätzen im spanischen beibringen, wenn ihr mögt, Mistress Alberts.“ ich lächelte ihn nur an, lehnte aber dankend ab.
„Da werdet ihr bei mir keinen Erfolg haben, Master Kenway. Mir liegen Sprachen nicht wirklich und ich möchte eure Geduld nicht auf die Probe stellen!“

Nach dem Abendessen standen wir noch oben an Deck und der Templer fing einfach an, mir einfache Wörter beizubringen.
Doch auch er musste sich bald eingestehen, dass ich mit meiner Aussage recht hatte. „Mistress Alberts, ich befürchte, ihr habt euch selber sehr gut eingeschätzt. Dabei ist Spanisch eigentlich nicht so schwer, es hat viele lateinische Begriffe im Wortlaut.“ er sah mich lachend an.
„Das weiß ich, doch... ich habe das Gefühl als würde sich meine Zunge verknoten.“ meinte ich ebenfalls lachend.
Ein genuscheltes „Das will ich nicht hoffen!“ kam aus seinem Mund und ich sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
„Verzeiht, das war unpassend.“ kam es leise von Haytham und er sah mich wieder mit diesen grauen Augen an, in denen ich mich langsam wieder verlor.
Dieses mal ging ich aber nicht gegen dieses Gefühl an, sondern ließ es einfach zu und auch Master Kenway schien sich darauf einzulassen. Doch ich begab mich im Grunde auf gefährlichen Boden!
Er nahm mein Gesicht in seine Hände und gab mir einen vorsichtigen Kuss, welcher mir ein wohliges Seufzen entlockte.

Langsam wanderten seine Hände hinunter zu meiner Taille und er zog mich noch enger an sich.
Mit einem Male wurde uns beiden bewusst, dass wir nicht alleine hier standen und mit rotem Kopf meinte ich nur, ich würde mich dann jetzt zurück ziehen.
Ich ging davon aus, dass Kenway noch aufblieb, doch er folgte mir nur wortlos.
Als ich bei meinem Quartier ankam, standen wir uns etwas unschlüssig gegenüber.
Wieder umschlang er meine Taille, öffnete aber mit einer Hand die Tür in meinem Rücken und wir traten ein. Leise schloss er sie wieder und lehnte mich dagegen.
Seine Küsse wurden leidenschaftlicher und ich spürte seinen pochenden Herzschlag an meiner Brust.
Plötzlich ließ er von mir ab und sah mich fragend an.
„Mistress Alberts, ich sollte lieber gehen!“ damit wandte er sich der Tür zu und ...
WAS? Das konnte nicht sein Ernst sein.

Prolog V

 

*** Ablenkung und Abschied ***




„Master Kenway, wenn ihr jetzt einfach geht, dann Gnade euch Gott!“ Entschieden zog ich seinen Mund zu mir herunter und drückte mich an ihn.
„Aber... euer Ruf. Seid ihr sicher, dass ihr das wollt?“ meinte er wieder schwer atmend an meinem Ohr.
„Ja, ich will das und wenn ich ehrlich bin, ich kann mich nicht mehr lange beherrschen!“ Das war sein Stichwort und in Sekunden hatte er mich hochgehoben, meine Röcke zur Hüfte hochgeschoben und drang in mich ein.
Wir vergaßen in diesem Moment alles um uns herum und es war mir egal, was morgen sein würde oder die nächsten Tage.
Es galt dieser Moment jetzt!
Und meine gute Erziehung war dahin für diesen Augenblick!
Seine Hand krallte sich in meinen Oberschenkel, als er laut Stöhnend kam und mich ebenfalls zu meinem ersehnten Höhepunkt brachte.

Atemlos lehnte er an mir, sein Kopf auf meiner Schulter und ich umklammerte ihn immer noch mit Armen und Beinen.
„Mistress Alberts, diese Reise nach Boston werde ich wohl nicht so schnell vergessen, dank euch!“ raunte er in mein Ohr.
„Ihr sprecht mir aus der Seele, Master Kenway. Noch ist diese Überfahrt nicht beendet, also kann ich euch noch ein paar mehr Eindrücke schenken. Natürlich nur, wenn ihr damit einverstanden seid!“ meinte ich süffisant und sah in seinen Augen, dass er durchaus damit zurecht kam.

Wir lösten uns voneinander und langsam fing er an, mich aus meinem Kleid zu befreien. Auch Haytham entledigte ich nach und nach seiner Kleidung und küssend schob er mich auf die Koje zu.
Er setzte sich auf die Kante und hob mich auf seinen Schoß.
„Es wäre einfacher, wenn ihr mich bei meinem Vornamen nennen würdet, Mistress Alberts!“ meinte er lächelnd und sah mich erwartungsvoll an.
„Das würde ich gerne tun, aber dann tut mir umgekehrt ebenso den Gefallen. Ich heiße Isabelle.“
Mit einer gekonnten Drehung lag ich unter ihm.
„Es freut mich, euch näher kennen zu lernen, Isabelle. Mein Name ist Haytham.“ erklärte er mir dann, auch wenn ich seinen Vornamen ja schon kannte.
„Ich mag euren Vornamen, Haytham!“ sagte ich einfach nur und zog seinen Mund zu mir. Wir verloren uns ein weiteres Mal ineinander und er ließ mich seine geschickten Finger spüren, ehe er mich ein zweites Mal nahm.
Sein Höhepunkt war hart und als er meinen Namen an meinem Hals hauchte, kam auch ich, doch ich konnte meine Lautstärke nicht so zügeln und ein lautes Haytham kam über meine Lippen.
Lächelnd sah er auf mich herab.
„Isabelle, jetzt weiß die ganze Mannschaft, was wir hier treiben!“ grinste er mich breit an. „Sollen sie es doch wissen, dann gibt es auch keine Spekulationen oder Gerüchte, Haytham.“ meinte ich praktisch gedacht.
„Das stimmt allerdings.“ er drehte sich von mir und zog mich zu sich.
„Ich glaube, jetzt wird euch nicht mehr so schnell langweilig werden!“ kam es selbstsicher von Haytham.
„Zumindest des Nachts nicht.“ lachte ich leise und schlang meine Arme um ihn und war ruckzuck eingeschlafen.

Am Morgen erwachte ich erholt wie schon lange nicht mehr, ich hatte tief und fest geschlafen. Als mein Blick zur Seite ging, sah ich in diese grauen Augen von Master Kenway.
Ein genuscheltes „Guten Morgen, Haytham“ war alles, was ich zustande brachte.
„Den wünsche ich dir auch, Isabelle!“ kam es leise von ihm und ich bekam einen leichten Kuss auf die Stirn.
Auf dem Schiff herrschte schon wieder reger Betrieb und auch wir sollten uns langsam fertig machen.
„Das Frühstück wartet bestimmt schon, Haytham. Los, aufstehen!“ meinte ich euphorisch und befreite mich aus seiner Umarmung und stand auf.
Ein resigniertes Seufzen war alles, was aus meinem Bett kam.
Doch auch er stand auf und fing an, sich anzuziehen.

Und so verbrachten wir die restlichen Tage auf See gemeinsam und ich war froh über seine Gesellschaft. Vermutlich wäre ich sonst hier auf dem Schiff eingegangen und im schlimmsten Falle einfach von Bord gesprungen!

Um die Mittagszeit am 8. Juli vernahmen wir nur die Worte des Kapitäns, dass man alles zum Anlegen bereit machen sollte.
Wir sahen uns beide stirnrunzelnd an und Haytham sprach Mr. Smythe darauf an, es war nebelig und man sah überhaupt nichts.
Seine Antwort war kurz und knapp, dass nämlich die Möwen ihnen alles sagten was sie wissen müssten.
Kurz darauf sah ich dann tatsächlich andere Schiffe, ich konnte einen Hafen ausmachen. DAS war also Boston? Es sah im ersten Moment nicht anders aus, wie jede andere Hafenstadt auch.
Doch ich hatte ja auch nur Dover und Bristol bisher gesehen.
Ich ging in meine Kabine und fing an, meine Habseligkeiten in meine Truhen zu packen. Viel war es nicht, doch ich hatte Angst etwas zu vergessen.
Dabei fiel mir dann Gullivers Reisen in die Hände und ich setzte mich seufzend auf meine Koje.
Jetzt hieß es Abschied nehmen von Haytham und wer weiß, ob wir uns überhaupt noch einmal wieder sehen würden.
Dann hörte ich von nebenan, wie auch er seine Sachen packte und ich beschloss, ihm das Buch zurück zugeben. Ich hatte es gelesen und ich war sehr begeistert davon, was ich ihm auch schon kundgetan hatte.
Als ich klopfte, hörte ich nur ein mürrisches „Herein“ von ihm.
„Haytham, ich wollte dir dein Buch wiedergeben.“ erstaunt sah er auf mich hinunter und dann auf das Buch.
„Du kannst es ruhig noch behalten und mir später wieder geben.“ meinte er leichthin.

„Aber wer weiß, wann wir uns wieder sehen werden...“ er ließ mich nicht ausreden, sondern nahm mich in den Arm.
„Wir werden uns wiedersehen, dafür werde ich sorgen. Ich werde dich schon finden, Isabelle. Und wenn ich jeden Stein und jeden Grashalm befragen muss.“ kam es lachend von ihm und er gab mir einen langen Kuss, welcher mich genau das glauben ließ.
„Warum glaube ich dir das aufs Wort, Haytham?“ meinte ich breit grinsend.
„Weil ich ein sehr hartnäckiger Mann sein kann und du es schon zu spüren bekommen hast!“ und wieder bekam ich diesen leidenschaftlichen Kuss, in welchen er all seine Gefühle versuchte zu legen.
Wir lösten uns von einander und ich ging hinaus um jemanden von der Mannschaft zu bitten, meine Truhen zum Kai bringen zu lassen.
Es würde dort eine Kutsche auf mich warten, die mich zu meinem neuen Zuhause für die nächsten Wochen und Monate bringen würde.

Dann endlich konnten wir von Bord, auf der einen Seite war ich froh drum, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Auf der anderen Seite tat es mir weh, Haytham nicht mehr wieder zusehen.
Wir hatten uns die Tage aneinander gewöhnt und ich fand, er war ein sehr angenehmer Gesellschafter.
Es half aber nichts, wir mussten nun fürs erste getrennte Wege gehen und wer weiß, was die Zukunft noch für uns parat hielt.
So standen wir dann etwas unbeholfen auf dem Kai und er nahm meine Hände in seine, seine grauen Augen ruhten auf mir.
„Isabelle, ich verspreche dir, wir werden uns wieder sehen. Ich vermisse deine Nähe jetzt schon, wenn ich ehrlich bin. Ich hoffe, das auch du mich nicht vergisst!“ sprach er leise mit mir, es hatte sich ein Herr genähert, welcher anscheinend sehnsüchtig Haytham in Empfang nehmen wollte.

„Ich vermisse dich auch schon und dieser Gedanke, dass ich Nachts jetzt wieder alleine sein werde, macht mich wahnsinnig, Haytham.“ meinte ich traurig und versuchte nicht zu heulen.
Meine Truhen wurden gerade an mir vorbei getragen, doch Master Kenway deutete einem Träger kurz anzuhalten. Er öffnete eine seiner eigenen und nahm ein Bündel hinaus und legte es kurzerhand in eine meiner Kisten. Ich sah ihm mit großen Augen dabei zu.
„Was war das denn jetzt, Haytham?“ fragte ich einfach.
„Du wirst es spätestens beim Auspacken wissen und dann wirst du sicherlich noch eine Weile, gerade auch Nachts, an mich denken!“
Ein vorsichtiger Kuss auf meine Stirn war mein Stichwort.

„Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Mission, Haytham. Und ich freue mich auf ein Wiedersehen!“ ich reichte ihm meine Hand und er gab mir einen Handkuss.
„Das wünsche ich dir auch, Isabelle. Ich verspreche dir, ich finde dich.“
Und damit löste ich mich von ihm und ging in Richtung meiner wartenden Kutsche.
Hinter mir hörte ich ein freudiges „Master Kenway, Master Kenway“ von dem wartenden Herren, der jetzt endlich seine Begrüßung loswerden konnte.
Er war mir unheimlich mit diesen hellen grünen Augen und mich schüttelte es.

Als ich in meinem Gefährt saß, sah ich zu diesen beiden Männern, welche sich auf den Weg Richtung Innenstadt machten.
Haytham warf mir einen letzten Blick zu und lächelte zuversichtlich, auch ich versuchte es, doch es gelang mir nicht.
Als wir außer Sichtweite waren, brach ich in Tränen aus und mein Großmeister neben mir versuchte mich zu beruhigen.
„Isabelle, wie ich sehe, hast du ihn schon kennen gelernt! Ich hoffe, das wird nicht noch für Probleme sorgen. Du weißt, Birchs Vorhaben nach dem Vorläufertempel zu suchen, kommt unserer Suche nach den Artefakten in die Quere!“ meinte er jetzt etwas zornig zu mir und ich musste mir eingestehen, dass er Recht hatte und ich vermutlich einen großen Fehler begangen hatte.
Wir wussten, dass Master Birch seinen besten Mann losschicken wollte, nur hatte ich nicht bedacht, dass es Haytham sein könnte!
Oder konnte er uns vielleicht sogar noch nützlich werden?


 

~~~

„Immortal Army of Justice

 

- Ankunft in Boston -




Nachdem mich mein Großmeister und Vater am Hafen abgeholt hatte und wir zu dem Anwesen meiner Tante fuhren, dachte ich über Master Kenway nach.
Der Abschied war mir schwer gefallen, ich hegte eine gewisse Zuneigung ihm gegenüber, auch wenn wir uns nur kurz kannten.
Ein leichtes schlechtes Gewissen plagte mich dennoch, ich hatte ihn nicht belogen, ihm aber ein paar Details vorenthalten! Ich musste vorsichtig agieren, so dass ich ihm nicht in die Quere kam und umgekehrt.
Am Ziel angekommen, half mir mein Vater aus dem Gefährt und ließ meine Truhen hineinbringen!
Als wir in der imposanten Eingangshalle standen, eilte mir schon meine Tante entgegen. Sie würde solange ich hier bin, ein Auge auf mich haben und, auch wenn es nicht laut ausgesprochen wurde, die Anstandsdame spielen.

Mein Vater. Thomas Alberts, seines Zeichens Großmeister des preußischen Ritus, Vorsitzender des Ältesten-Rates.
Unsere Familie gehörte eigentlich schon immer dem Orden an, somit war es klar, dass auch ich in die Fußstapfen meines Vaters treten würde.
Er war 50 dieses Jahr geworden, hatte sich aber gut gehalten, wenn ich das so sagen darf. Vater hatte schon immer eine sehr beeindruckende Persönlichkeit und sein Auftreten war entsprechend autoritär.
Mit seinen mittlerweile etwas ergrauenden, langen Haaren, welche er immer in einem gebundenen Zopf im Nacken trug und seinen braunen Augen, sah er aus wie mein Großvater!

Vater hatte mir in den letzten Monaten immer wieder nahegelegt, mir doch einen Ehemann zuzulegen. DAS waren wirklich seine Worte! Ich wusste, was man von mir in meinem Alter erwartete, doch noch hatte ich nicht den richtigen Mann gefunden.
Oder doch?
Ich schob diesen Gedanken beiseite und begrüßte nun die Schwester meines Vaters. „Tante Maria, es ist so schön, dich wiederzusehen!“ und ich nahm sie einfach in den Arm. Sie drückte mich herzlich an ihre üppige Brust, denn Tantchen war eher stämmiger Natur, etwas größer als ich und 52 Jahre alt. Aber das sah man ihr nicht unbedingt an, ihre Haare waren immer noch rabenschwarz und ihre hellgrauen Augen stachen forsch aus einem leicht rotbäckigem Gesicht hervor.
„Isabelle, ich freue mich auch. Ich hoffe doch, die Überfahrt war nicht allzu beschwerlich? Schließlich warst du ganz alleine unter Männern...“ und sie musterte mich von oben bis unten.

„Es ist alles in Ordnung, Tante. Wirklich, der Kapitän, Mr. Smythe hatte die ganze Zeit ein Auge auf mich.“ neben mir hörte ich plötzlich ein genuscheltes säuerliches „Nicht nur der!“ und Maria sah erstaunt in die Richtung meines Vaters.
„Wovon sprichst du, Thomas? Was ist hier los? Isabelle...“ ihr Ton war schärfer geworden. „Also schön, ich habe auf dem Weg hierher Haytham Kenway kennengelernt. Auch er ist auf der Suche nach Vorläuferruinen und Artefakten! Wir... haben uns angefreundet.“ kam es leise von mir und ich wurde etwas rot.
„Das hat uns gerade noch gefehlt, was hast du ihm erzählt, weswegen du hierher reist?“ meine Tante sah drohend zu mir und hatte die Arme wütend vor der Brust verschränkt.

„Nichts, ich habe ihm nichts erzählt, genauso wenig, wie er mir etwas gesagt hat. Wir haben uns über Bücher und ähnliches unterhalten. Das einzige, was ich ihn habe wissen lassen ist, wer mein Vater ist und dass ich dem Orden angehöre. Unser Name schien ihm aber nichts zu sagen, Tante Maria. Von daher gehe ich davon aus, dass Haytham uns nicht dazwischen kommen wird.“ erklärte ich kurz und knapp.
Alles musste sie ja nicht wissen, doch ich sah es in ihren Augen, sie ahnte, was in den Nächten vorgefallen war.
„Ich hoffe es, Isabelle!“ seufzte sie nur, nahm dann meinen Arm und führte mich in den Familiensalon.

„Deine Sachen werden jetzt auf dein Zimmer gebracht und auch gleich ausgepackt...“ sagte sie wie beiläufig und mir fiel siedendheiß ein, dass Haytham mir doch etwas in meine Truhe gepackt hatte.
Mit den Worten, dass ich gerne meine persönlichen Dinge selber auspacken wollte, entließ mich meine Tante mit einer hochgezogenen Augenbraue.
Ich hörte noch, wie sie meinem Vater sagte, er müsse besser auf mich achten, dieser Kenway schiene mich wohl durcheinander zubringen. Grinsend schüttelte ich den Kopf und ging die Treppe hinauf zu meinem Zimmer.
Meine Tante hatte mir gesagt, dass es auf dem linken Korridor etwa in der Mitte lag. So war es auch und als ich eintrat, sah ich schon, dass eines der Mädchen dieses Stoffbündel von Haytham in einen Korb für Schmutzwäsche gepackt hatte.

Schnell nahm ich es wieder hinaus und die beiden Zimmermädchen sahen mich nur fragend an.
„Das ist keine Dreckwäsche, ich... muss daran etwas nähen und habe es extra noch nicht waschen lassen.“
Die jüngere der beiden sah mich an und meinte schnippisch „Wenn ihr meint, Miss. Mir solls recht sein, dann haben wir weniger Arbeit!“
Ihr Ton gefiel mir nicht und ich ließ meinen Unmut auch gleich an ihr aus.
„Reißt euch zusammen! Auch wenn ihr glaubt, ich habe hier nichts zu sagen, dem ist nicht so. Also macht jetzt weiter und ich warne euch, fehlt etwas oder sind Kleider beschädigt, dann Gnade euch Gott!“ und in ihre Augen trat Angst, ein Knicks und sie entschuldigte sich für ihr Fehlverhalten!
Sie war vermutlich nicht älter als ich, dachte ich noch so und verstaute mein Geschenk unter dem Kopfkissen.
Für einen kurzen Moment nahm ich seinen Geruch wahr und … reiß dich zusammen … nicht jetzt … doch ein dümmliches Grinsen konnte ich nicht unterdrücken.

Unten im Salon wartete bereits der Tee auf mich.
„Konntest du alles vor den neugierigen Blicken der Dienerschaft in Sicherheit bringen, Nichte?“ kam es leicht spöttisch von meiner Tante.
„Konnte ich, Tante. Doch dieses eine Zimmermädchen ist nicht gerade auf den Mund gefallen!“ erwiderte ich jetzt etwas säuerlich, sie sollte wissen, wie man mit mir sprach. „Oh, dass war bestimmt diese Yvie! Sie ist noch nicht lange hier angestellt und muss ihre lose Zunge lernen zu beherrschen. Ich werde den Butler darauf ansprechen, er wird sie in ihre Schranken weisen!“
Also ich hatte jetzt nicht gedacht, dass gleich eine Strafe folgen würde, aber dagegen etwas unternehmen, wollte ich auch nicht.

Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, meinem Vater und meiner Tante von den Vorkommnissen auf der Providence zu berichten.
„Isabelle, das ist ja furchtbar. Das hätte auch ins Auge gehen können und alles nur wegen diesem Kenway!“ mein Vater sprach den Namen so verachtend aus, dass ich kurz davor war, ihn zurechtzuweisen.
Dass eben dieser den Mord in der Oper begangen hatte, hatte ich bereits erzählt und mein Vater fragte sich, WARUM! Ich wusste es und als ich erklärte, dass es um ein Amulett gegangen sei, welches sich nun die Assassinen wieder zurückholen wollten, schüttelte mein Vater nur den Kopf.
„Vielleicht sollten wir doch ein Auge auf ihn haben, Isabelle. Wer weiß, was der britische Ritus sich noch ausgedacht hat, ohne uns mal wieder einzuweihen!“

Er hatte nicht Unrecht, es gab seit geraumer Zeit immer wieder kleinere Unstimmigkeiten zwischen den beiden Riten.
Reginald Birch, welchen ich noch nie persönlich kennengelernt habe, war so versessen auf diese Vorläuferartefakte, dass er nichts anderes mehr im Kopf hatte und ließ nun auch noch einen seiner besten Männer diesbezüglich weitergraben!
Doch es hieß jetzt erst einmal abwarten und unsere eigenen Belange koordinieren!
Ich freute mich auf meine Aufgabe hier, doch meine Tante hatte mich für die nächsten drei Wochen bereits verplant!
„Isabelle, du musst dich hier noch vorstellen. Also gibt es einige Abendessen mit Geschäftspartnern und auch Teegesellschaften. Und nein, davor wirst du dich wie zuhause nicht drücken. Dein Vater hat mir davon bereits berichtet!“

Ich war kein Mensch, der sich gerne zu solchen steifen Veranstaltungen schleifen ließ!
Daheim war es mir schon immer ein Gräuel gewesen, diesen feinen Damen Gesellschaft leisten zu müssen.
Sie alle waren einfach nur schnatternde Weiber, welche nur das Thema hatten, wer wann am schnellsten einen gut situierten Mann abbekam. Oder aber es war mal wieder eines der Zimmermädchen mit dem Hausherrn erwischt worden und und und.
Diese Themen und Gespräche langweilten mich jedesmal zu Tode, weswegen ich dazu übergangen war, an solchen Tagen einfach eine andere Verabredung zu haben.
Eigentlich nahm ich mir immer nur meinen Friesen und ritt aus, mehr nicht. Meine alte Gouvernante hatte es irgendwann aufgegeben, mich zu belehren, oder mir hinterher zu reiten! Dafür beschwerte sie sich gerne immer wieder in Briefen bei meinem Vater über mein unverschämtes Verhalten!

Hier in Boston hatte ich aber keine Fluchtmöglichkeit und musste mich wohl oder übel meinem Schicksal ergeben.
Vielleicht waren die Damen hier ja doch etwas anders, in London war es ja schon etwas angenehmer gewesen.
Traurig fiel mir ein, dass ich meine Freundin vermisste und sie erst in ein oder zwei Jahren wiedersehen würde.
„Isabelle, was ist los?“ hörte ich eine besorgte Maria plötzlich.
„Oh nichts, Tante. Ich bin nur ein wenig in Gedanken gewesen! Wann sagtest du, ist das erste Abendessen nochmal?“ ich versuchte mir die Traurigkeit nicht ansehen zu lassen.
„Übermorgen, mein Schatz. Ich denke, du hast bis dahin Zeit, dich einzuleben und zu erholen.“ meinte mein Vater jetzt liebevoll und nahm meine Hand.
„Und du brauchst auch keine Angst haben, dich wird niemand belästigen an solchen Abenden, denn ich werde ebenfalls mit anwesend sein.“ jetzt lächelte er mich an und ich wusste was er meinte. Sobald er einen potentiellen Heiratskandidaten ausmachte, würde er mich einfach an ihn weiterreichen für den Abend.
Zum besseren Kennenlernen, wie er immer so schön sagte.

Als es Zeit fürs Abendessen war, gingen wir hinüber in das Esszimmer, welches sehr beeindruckend war. Dunkle Holzmöbel, schwere dunkelblaue Vorhänge und ein weicher Blaugelb gewebter Teppich rückten es ins rechte Licht!
Das Gericht bestand aus kaltem Braten, warmem Brot und Sauce. Dazu wurde ein exzellenter Rotwein gereicht, welcher einen leckeren süßlichen Geschmack hatte.
„Nicht zuviel davon, Isabelle. Der steigt schnell in den Kopf.“ lachte meine Tante und hielt meine Hand auf.
„Es ist erst das zweite Glas, ich bin schon groß, Tante!“ meinte ich jetzt lächelnd und in ihre Augen trat ein leicht trauriger Ausdruck.
„Ja, das bist du, Kind. Ich sehe dich immer noch vor mir, wie du gerade anfingst zu laufen und mir alle Tischdecken daheim herunter gezerrt hast!“ Sie schluckte ihr Heimweh herunter und hielt meine Hand gedrückt.

Im Salon unterhielten wir uns später noch über die üblichen Gepflogenheiten, wie der Tagesablauf hier zum Beispiel ist. Welches Mädchen sich um meine Kleider und meine Haare kümmerte, wie sie alle hießen und so weiter.
Über diese Flut an Informationen wurde ich immer schläfriger und entschuldigte mich dann leicht gähnend gegen 22 Uhr.
„Ich wünsche dir eine wunderschöne erste Nacht hier, Isabelle.“ kam es leise von Maria und auch mein Vater wünschte mir angenehme Träume!

In meinem Zimmer hatte man den Kamin angeheizt und meine neue Zofe half mir aus dem Kleid und flocht meine Haare für die Nacht.
„Miss Alberts, habt ihr noch einen Wunsch?“ fragte sie leise.
Ich entließ Sarah, so war ihr Name, in die Nacht, bat sie aber, mich pünktlich zu wecken. Für morgen hatte ich mir vorgenommen, das Anwesen und das Grundstück kennenzulernen.
Auch wollte ich wissen, was es hier für Pferde gab und vielleicht hätte ich hier auch die Möglichkeit für ein paar Ausritte.
Mit diesen Gedanken lag ich noch einen Moment einfach im Bett und dann fiel mir das Bündel von Haytham unter meinem Kopfkissen wieder ein.

Vorsichtig nahm ich es darunter hervor und wickelte es aus.
Es war eines seiner Hemden und... Herr Gott nochmal... in mir kamen die Bilder der letzten Nächte hoch und ich umklammerte dieses Kleidungsstück und atmete diesen Duft ein. Es war Lavendel, Holz und ein wenig roch ich auch das Meer.
Mit seinem Hemd im Arm schlief ich heulend ein!

 

*** 9. Juli 1754 ***

 

- Erster Tag in Boston -

 

Ich erwachte schon vor Sonnenaufgang, weil mir die vertrauten Schiffsgeräusche und -bewegungen fehlten.
Daneben vermisste ich noch etwas Entscheidendes... den Besitzer des Hemdes zum Beispiel!
Vorsichtig legte ich es wieder zusammen und dieses mal in meinen Nachtschrank, unter dem Kopfkissen würde es früher oder später jemand in die Schmutzwäsche werfen!

Ich rief nach Sarah, welche kurz darauf in mein Zimmer trat und mich besorgt ansah.
„Miss Alberts, geht es euch nicht gut? Ihr seid ja schon früh wach!“ fragte sie im Vorübergehen und öffnete die Vorhänge und die Fenster. Goss dann Wasser in die Schüssel und legte mein Waschzeug bereit.
„Danke, aber mir geht es gut. Ich muss mich noch ein wenig daran gewöhnen, dass mein Bett nicht mehr schaukelt!“ grinste ich breit.
„Das muss ein Abenteuer gewesen sein, Miss! So lange auf See und dann ganz alleine! Ich hätte mich das nicht getraut!“ meinte sie in einem Plauderton, welcher mich ablenkte von meinen Gedanken.

„Wir wurden angegriffen und wir haben ein Unwetter überstanden, Sarah. Es war wirklich ein kleines Abenteuer!“ erklärte ich in kurzen Worten.
„Ab jetzt wird es ja wieder ruhiger zugehen, Miss Alberts. Was wollt ihr heute tragen?“ fragte sie, als sie ins Ankleidezimmer eilte um mir meine Wäsche und ein Kleid zu suchen!
„Nehmt einfach ein Kleid, ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau. Ich habe noch keine Verpflichtungen heute, also kann es ruhig schlicht sein!“
Sie verpackte mich nun in ein schlichtes dunkelblaues Leinenkleid mit weißem Schultertuch und beförderte meine Haare nach oben.

Nach dem Frühstück begleitete mich meine Tante nach draußen und zeigte mir den großen Garten, sowie die Obstbäume im hinteren Teil.
„Wie ist es möglich, so ein riesiges Grundstück hier in Boston zu haben, auch wenn es etwas außerhalb liegt? Wem gehörte es denn vorher?“ fragte ich neugierig.
„Oh, ein älteres Ehepaar musste es aufgeben, da sie keine Nachkommen hatten und die beiden alleine sich hier nicht mehr wohlfühlte. Sie haben sich jetzt in Philadelphia niedergelassen soweit ich weiß.“ erklärte sie mir nun, als wir in Richtung Ställe gingen.

Von weitem hörte ich Pferde wiehern und wäre am liebsten los gerannt, doch so etwas schickt sich nicht.
Hier standen 8 wunderschöne Tiere und ich sog diesen Geruch von Fell und Stroh in meine Nase! Es war immer wieder wie ein nach Hause kommen.
„Isabelle, wir haben auch einen Hengst für dich, einen Friesen, fast wie zuhause für dich! Er heißt Kratos!“
Der Name eines Halbgottes, sehr edel. Meine Hand fuhr leicht über das schwarze Fell und strich durch die üppige Mähne, mein Kopf lehnte wie von alleine an seinem Hals und ich seufzte zufrieden.
„Isabelle, was ist los?“ hörte ich meine Tante besorgt neben mir.
„Nichts, Kratos ist nur ein wirklich wunderschönes Tier! Du weißt doch, ich liebe Pferde!“ lächelte ich sie versonnen an.
„Daran kann ich mich erinnern, das stimmt. Also komm, es gibt noch mehr zu sehen. Du solltest auch noch die öffentlichen Räumlichkeiten für Empfänge und ähnlichem sehen!“

Also gingen wir schon wieder zurück ins Haus und sie führte mich durch fast alle Räumlichkeiten, erklärte mir, wofür welcher Raum gedacht war.
Auch wurde ich daran erinnert, dass ich nicht nur hier, sondern auch in New York noch ein Vorstellungs-Dinner bekomme.
„Wir haben dort ebenfalls ein Anwesen, etwas bescheidener, welches aber schon von deinen Großeltern damals gekauft wurde, bevor ich mit Maxwell überhaupt auswanderte.“ bei diesen Worten legte sich ein trauriger Ausdruck für eine Sekunde auf ihr Gesicht und ich drückte nur ihre Hand.
An meinen Onkel konnte ich mich nicht erinnern, aber ich freute mich immer, wenn meine Tante mir Geschichten über ihn erzählte.

Als die Besichtigung beendet war, war es bereits Zeit für das Mittagessen und ich muss sagen, nach der doch recht kargen Zeit an Bord der Providence, musste ich mich an diese Mengen erst einmal wieder gewöhnen.
Nachdem das Essen beendet war, ging meine Einführungsrunde aber weiter.
Jetzt war es mein Vater, welcher mich durch Boston führte.
Wir hatten unsere Pferde genommen und es dauerte nicht lange, bis sich Kratos an mich gewöhnt hatte.
So ritten wir also die Straßen ab, welche wirklich sehr belebt waren um diese Tageszeit.

Er zeigte mir einige Geschäfte, Tavernen durften auch nicht fehlen, von denen gab es hier auch mehr als genug, ging es mir durch den Kopf.
Und gerade als wir am späten Nachmittag am Green Dragon vorbeiritten traten zwei Männer heraus und ich erkannte Haytham.
Sie unterhielten sich angeregt, doch ich konnte nicht anhalten, mein Vater ritt einfach weiter.
Also sah ich noch einmal kurz über meine Schulter, doch Master Kenway hatte mich nicht gesehen. Sollte ich jetzt enttäuscht sein? Vermutlich nicht... dennoch war ich es!
Etwas betrübt ritt ich nun hinter meinem Vater her und es dauerte nicht lange, bis er mein langes Gesicht bemerkte.
„Isabelle, ich habe ihn auch gesehen. Aber denk daran, dass du andere Aufgaben hast!“ eigentlich hatte ich mit aufmunternden Worten gerechnet, aber nun gut.
„Ich weiß!“ brachte ich nur leise heraus.

Bei unserer Rückkehr erwartete uns der Stallmeister bereits und auch das Abendessen. Mir war aber überhaupt nicht nach essen, ich wollte... ja, ich wollte einfach in mein Zimmer und nicht mehr rauskommen!
„Thomas, was hast du mit deiner Tochter gemacht, dass sie so miesepetrig dreinschaut?“ hörte ich Maria tadelnd fragen.
„ICH? Ich habe nichts getan, nur haben wir diesen Kenway gesehen und Isabelle ist wütend, weil er sie nicht beachtet hat!“ oh, ich wurde immer ungehaltener.
SO war es ja gar nicht!
„Das war es nicht, Vater! Deine Bemerkung war nur völlig unpassend!“ ich hatte meine Stimme erhoben!
„Ich warne dich, Isabelle! Treib es nicht auf die Spitze. Du bist keine 5 Jahre alt, sondern erwachsen und solltest dich auch so benehmen. Ich denke, es ist das Beste, wenn du nur kurz hier bleibst und dann nach New York reist!“ kam es jetzt wütend von meinem Vater!

„Schön, schickt mich ruhig hin und her, so wie es euch gerade passt!“ bei diesen Worten war ich aufgesprungen und rannte in mein Zimmer!
Ja, ich war erwachsen und ich konnte für mich entscheiden.
Aber durfte ich nicht auch einfach mal enttäuscht sein?
Jetzt saß ich hier, heulend auf meinem Bett und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Verdammt, ich weiß, ich habe meine Aufgaben und Verpflichtungen!
Und ja, diese gehen vor und wir müssen einen Bogen um Haytham machen, aber dürfte ich einen etwas kleineren Bogen um ihn machen?

Ein leises Klopfen an der Tür mit den Worten „Isabelle, Kind. Es tut mir leid.“ hörte ich meinen Vater leise sprechen und als er eintrat, sah ich, dass es ihm unangenehm war.
Er konnte solche Gespräche nicht führen, dass hatten immer nur Kindermädchen oder eben später meine Gouvernante übernommen.
Jetzt musste aber ER sich mit mir beschäftigen!
Vater setzte sich neben mich aufs Bett und faltete seine Hände in seinem Schoss.
„In den nächsten Tagen wirst du Abwechslung genug haben und kaum Zeit haben, um über ihn nach zudenken. Ich verspreche dir, du wirst darüber hinwegkommen und ich werde dich nicht zu einem Ehemann überreden. Versprochen, Isabelle!“

Ich sah zu ihm hinüber und schüttelte nur den Kopf!
„Du wirst es tun, genau wie Tante Maria! Ich sehe es doch immer wieder in den Blicken der anderen Leute. Diese mitleidigen Blicke, dass ich noch nicht den richtigen gefunden habe. Vater, ich kann doch nichts dagegen machen, dass ich mich gerade im Moment so seltsam fühle. Ich weiß, ich muss ihn vergessen, doch lasst mir ein bisschen Zeit, ja?“ fragte ich leise und lehnte mich an die Schulter meines Vaters.
„Gut, du hast ein bisschen Ruhe verdient. Lass uns trotzdem die nächsten Tage nutzen, damit du die Geschäfte kennen lernst und wir die beiden großen Empfänge planen können! Es führt kein Weg daran vorbei, mein Schatz!“ sein Arm legte sich um mich, er drückte mich und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

Etwas versöhnlicher gingen wir wieder hinunter und aßen zu Abend.
Danach fing meine Tante an, mir schon einmal eine Liste mit Geschäftspartnern zu erläutern. Wer was wohin lieferte, oder wer noch Schulden hatte, wer noch mit der Lieferung in Verzug war und so weiter.
Das Arbeitszimmer meines Vaters gehörte dann fürs erste mir, so sagte man mir nun, damit ich ungestört lernen könne.

So verging also mein erster Tag hier in meiner neuen Heimat. Es hörte sich noch unwirklich an und ob ich tatsächlich bliebe, war die Frage!

Das Kleid!

Der passende Schmuck!

*** 20. Juli 1754 ***

 

Das große Kennenlernen



Ich hatte mich ein wenig eingelebt und mein Vater sollte recht behalten, ich hatte nicht viel Zeit um über Haytham und meine Gefühle nachzudenken.
Immer wieder erschienen Freunde oder Kaufleute, die Damen der Nachbarschaft beehrten uns auch immer mal wieder, nur um den neuesten Klatsch zu erfahren. MICH!
Man bedachte mich mit skeptischen Blicken, da ich nicht der üblichen Mode angepasst herumlief. Ich trug meine Haare nicht unter einer Haube, meine Kleider waren praktisch und ich ritt, oh Graus, nicht im Damensattel. Diese Art des Reitens war mir zu gefährlich! (Anm. der Autorin: Danke an eine liebe Freundin, die mich darüber aufgeklärt hat!).

Heute Abend stand nun der erste große Empfang an, ich sollte offiziell hier in die Gesellschaft aufgenommen werden!
Mittlerweile war ich doch sehr nervös geworden, es wurden etwa an die 80 Gäste erwartet. Davon, laut meiner Zofe, mindestens halb so viele ledige Herren!
Ich hatte es gewusst, es war mehr eine Brautschau, als ein Kennenlernen. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht schon einen Plan zurechtgelegt hätte.
Ich würde einem nach dem anderen einfach einen Korb geben! Höflich, aber bestimmt würde ich sie nacheinander ablehnen!

Als die ersten Gäste eintrafen, stand ich mit meinem Vater und meiner Tante in der Eingangshalle und begrüßte die Damen und Herren. Man hatte mich in einen Traum aus schwarzer und roter Seide gesteckt, dazu meine langen über Nacht eingeflochtenen Haare, die jetzt wellig über meinen Rücken liefen.
Mein Vater hatte mir nun, da er mir zustand, den Schmuck meiner Mutter überreicht. Sie hatte über die Jahre wunderschöne Stücke geschenkt bekommen und ich wurde auch fündig!

Wenn ich ehrlich sein soll, ich konnte mir nicht einmal ansatzweise alle Namen merken. Ich ging zudem davon aus, dass ich die meisten Herrschaften nur einmal im Jahr zu Gesicht bekommen würde.
Dann trat ein Ehepaar auf meine Tante zu, begrüßte sie herzlich und die Dame flüsterte etwas. „Isabelle, darf ich dir meine langjährige Freundin Mistress Clarkson und ihren Gatten vorstellen? Meine Nichte, Isabelle Alberts.“ man schüttelte meine Hand und ich bekam den obligatorischen Handkuss.
Plötzlich stand ein Mann hinter den Eheleuten und beide gingen auseinander. „Unser Sohn, William!“ kam es voller Stolz von Mistress Clarkson.
Für einen Moment stand ich mit offenem Mund da und starrte diesen Herren an.

Er war ungefähr in meinem Alter vermutete ich, hatte pechschwarze lange Haare, welche zu einem Zopf im Nacken lagen. Seine ganze Erscheinung war kühl, aber imposant, sein Anzug umspielte die große schlanke Figur perfekt und war farblich wie abgestimmt passend zu meinem Kleid.
Sein Blick ruhte auf mir, dann nahm er lächelnd meine Hand und begrüßte mich leise, mit einer Stimme, die so beruhigend war, dass man ein gewisses Grundvertrauen in ihn hatte.
„Miss Alberts, es freut mich eure Bekanntschaft zu machen! William Clarkson, zu euren Diensten!“ eine tiefe Verbeugung folgte noch und dann sah er mich wieder lächelnd an.
„Ich... auch ich freue mich, euch kennenzulernen, Master William!“ immer noch sah ich zu ihm auf und fragte mich, was an seiner Erscheinung mich so irritierte!

Damit war für meinen Vater klar, wer heute Abend meine Begleitung darstellte und er schien sich zu freuen, ebenso die Eltern des jungen Mannes.
Wir nahmen nun im Esszimmer Platz und der erste Gang wurde serviert.
Während des gesamten Essens führte ich mit meinem Begleiter angeregte Gespräche und zum ersten Mal fühlte ich mich nicht dazu gezwungen. Nein, im Gegenteil. Ich genoss es.
William war redegewandt, hatte ein umfangreiches Wissen und was das allerbeste war, auch er liebte Pferde und wollte sie gerne züchten. Doch noch fehle ihm das passende Eigenheim und der entsprechende finanzielle Hintergrund.

Die Zeit verging wie im Fluge an diesem Abend. Sogar die Tänze mit den verschiedenen Herren waren nicht so schlimm wie befürchtet, sie alle waren zuvorkommend und nicht aufdringlich.
Als ich mit meinem Vater auf der Tanzfläche war, fragte er mich nach meiner Meinung zu Master William.
„Vater, du kannst Fragen stellen. Aber wenn du es genau wissen willst, ich finde ihn sehr sympathisch. Wir teilen die große Leidenschaft für Pferde und ich finde, er ist ein überaus netter Gesellschafter. Doch denk nicht gleich daran, eine Verlobung davon zu machen.“ lächelte ich ihn an.
„Nein, das hatte ich auch nicht vor, Isabelle. Es freut mich nur, dich ein wenig glücklich zu sehen. Ich sorge mich doch nur um dich.“ und in seine Augen trat die Trauer um meine Mutter.
„Ich vermisse sie auch, Vater!“ mehr brachte ich nicht raus, weil meine Augen vor Tränen brannten in diesem Moment!

Irgendwann wurde es mir jedoch im Ballsaal zu warm und ich griff mir ein Glas des Champagners und ging auf die hintere Terrasse.
Die kühle Nachtluft tat gut und ich atmete tief durch.
Dieser Duft des nächtens im Sommer war immer wieder berauschend. Die Blumen, Büsche und Bäume verströmten so intensive Aromen, dass man schon fast benebelt wurde.
„Ihr lächelt, Miss Alberts. Das freut mich und ich muss gestehen, es steht euch sehr gut zu Gesicht.“ hörte ich Williams Stimme leise hinter mir.
„Danke, Master William. Ihr macht mich verlegen.“ plötzlich war ich die Schüchternheit in Person und wusste nicht einmal warum.
„Ich... würde euch gerne wiedersehen, Miss Alberts.“ kam es noch leiser und so zaghaft, dass ich erst dachte, ich hätte mich verhört.

Mein Blick glitt in seine Richtung und seine Gesichtszüge wurden von den Fackeln hier draußen am Geländer beschienen. Seine Haut schien durchsichtig zu sein und durch das Flackern zu pulsieren, es war ein faszinierender Anblick.
„Miss Alberts, ist alles in Ordnung?“ riss er mich aus meinen Gedanken?
„Bitte?... Oh ja, verzeiht Master William. Ich war nur... in Gedanken. Es tut mir leid!“ meinte ich etwas verlegen und ein Lächeln seinerseits beruhigte mich wieder.
Jetzt wusste ich oder vermutete eher, was mich irritierte, er war vorsichtig und sanft!
Er machte jeden Schritt mit Bedacht, jedes Wort war wie ausgewählt und nicht einfach so daher gesprochen!
Alles in allem, William war ein Mann, welcher wie fast alle Templer diszipliniert durchs Leben gingen. Doch er war dabei noch wortgewandt, freundlich und... ja sanft, kein Draufgänger.
Es mag auch der erste Eindruck täuschen und dieser Herr würde sich als der größte Wüstling aller Zeiten herausstellen. Aber etwas in mir sagte, dass das nicht möglich sei!

Wir standen jetzt einfach noch einige Zeit hier draußen, ohne ein einziges Wort zu sagen und genossen die kühle Nachtluft.
Dann rissen uns unsere Eltern aus dieser Stille und unseren Gedanken!
„William, es ist schon spät, wir sollten aufbrechen.“ hörte ich seine Mutter hinter uns.
Als ich mich umdrehte, sah sie mich lächelnd und zufrieden an.
„Ihr habt Recht, Mutter. Miss Alberts, es hat mich gefreut, euch heute kennen gelernt zu haben. Ich hoffe, wir werden uns bald wiedersehen?“ hörte ich da etwa freudige Erwartung in seiner Stimme?
„Master William, auch ich würde mich freuen, euch wiederzusehen.“ damit reichte ich ihm meine Hand und als sie in seiner lag, umschlangen seine kühlen Finger meine warme Haut und ein Schauer lief mir über den Rücken.
Ein Handkuss und eine tiefe Verbeugung, dann verabschiedete sich noch Master Clarkson und ebenso seine Gattin von mir.

Ich blieb zurück und sah ihnen nach. In mir tobte ein Chaos an Gefühlen, welche ich überhaupt nicht zuordnen konnte.
Zum ersten Mal in meinem Leben war ich völlig durcheinander und das Schlimme daran war, dass ich niemanden hatte, mit dem ich darüber reden konnte. Ich beschloss daher, meiner Freundin in London zu schreiben, auch wenn die Briefe einige Monate unterwegs waren. Auch sollte ich mein Tagebuch weiterführen...
„Isabelle, woran denkst du nur gerade? Dein Gesicht durchlebt ja alle Emotionen die es gibt auf einmal!“ fragte mich meine Tante besorgt.

„Es geht schon, Tante Maria. Die Tage waren allesamt mit soviel neuem und lernenswertem vollgestopft, dass ich ein wenig überfordert bin gerade...“ doch zu mehr kam ich nicht.
„Dieser junge Clarkson spukt in deinem Kopf herum, habe ich Recht?“ grinste sie nur und sie hatte ja Recht, aber das war es nicht alleine. „Isabelle, niemand überstürzt etwas oder will dich ärgern. Wir lassen den Abend jetzt ausklingen und nächste Woche reisen wir nach New York.“ meinte sie friedlich und drückte meinen Arm.
Im Haus selber wurde es jetzt leerer und ich verabschiedete die einzelnen Gäste noch, welche sich noch einmal für die große Gastfreundschaft bedankten und mir alles Gute für meine Zukunft wünschten.

Gegen 2 Uhr fiel ich dann in mein weiches Bett, nachdem mir Sarah noch aus meinem Kleid geholfen hatte.
Der heutige Abend hatte wieder eine neue Perspektive gebracht, er hatte mich weiter in die Zukunft schauen lassen.
Zum ersten Mal wurde mir klar, dass man Sätze wie „Zeit heilt alle Wunden“ oder „Du wirst darüber hinwegkommen“ ruhig zulassen sollte, in diesem Moment fühlte ich, dass genau DAS gerade mit mir passierte!
Langsam fielen mir die Augen zu und ich sah in diese warmen bernsteinfarbene Augen, welche mich den ganzen Abend nicht losgelassen hatten!

*** 3. September 1754 ***

 

New York und seine Artefakte

 

Eine Woche nach dem Empfang reisten wir nach New York.

Im Gepäck waren die Kammerdiener und -zofen, sowie unser Butler, Mr. Burns. Sie alle schienen sich auf diese Reise und die Abwechslung zu freuen, ich dagegen wäre gerne noch in Boston geblieben. Ich hatte mich gerade erst ein wenig eingelebt.

Kenways Hemd war dann der Wäsche zum Opfer gefallen, was mich aber nicht mehr traurig stimmte. Aber auch nicht glücklich machte, wenn ich ehrlich bin.

 

Auf dem Weg zu unserer New Yorker Villa, machten Vater und ich im Grenzland noch einen Abstecher und gingen einer Spur nach, welche besagte, dass eines der Artefakte in der Nähe eines kleinen Flusses in einer Höhle versteckt sei.

Dieses Wissen hatte Vater aus einem uralten Buch, welches meine Familie hütete wie einen Augapfel. Es war in verschiedenen Sprachen geschrieben und man ahnte, dass es über viele Generationen weitergeführt worden war.

 

Wir ritten entlang dieses kleinen Flusses, stundenlang, tagelang... doch wir fanden keine Höhle oder einen Eingang zu einer solchen.

„Vater, bist du dir sicher mit der Beschreibung? Kann es nicht sein, dass etwas anderes gemeint war mit Höhle oder dass der Fluss doch ein anderer ist?“ fragte ich etwas genervt, denn die Temperaturen waren gestiegen und ich war durchgeschwitzt und seit Tagen sah ich nichts anderes als diesen Wald um uns herum!

„Ich bin mir sicher, Isabelle!“ kam es wütend von meinem Vater.

 

Dann kamen wir an einem kleinen Lager vorbei, wo eine Gruppe von Rotröcken um ein Feuer saß und sich betrank.

Als wir näher kamen, reagierte einer der Herren, stand auf und stellte sich uns in den Weg.

„Halt, wo wollt ihr hin und was habt ihr hier zu suchen?“ lallte er und schwankte bedrohlich hin und her.

„Sir, wir sind nur auf der Durchreise und wollten ebenso wie ihr, ein Lager aufschlagen für die Nacht!“ meinte mein Vater neben mir.

„Wenn das so ist, Mister. Setzt euch mit eurer Frau einfach zu uns!“ sein Blick glitt über mich und er grinste breit mit einer Reihe nicht vorhandener Zähne!

 

Seine Kumpane stimmten ihm zu und gerade als ich etwas erwidern wollte, sagte mein Vater „Wir nehmen euer Angebot gerne an, mit dem Schutz von königlichen Soldaten sollten wir in Sicherheit sein vor Plünderern.“ und in seinem Blick lag ein „Mach einfach Isabelle, ich beschütze dich schon!“ ich hingegen war mir nicht sicher, ob ich hierbleiben wollte, doch Vater sah ich an, dass er müde war und dringend Schlaf brauchte.

Ich gab also klein bei und wir gesellten uns zu den britischen Soldaten, auch wenn ich mich etwas abseits hielt. Ich trug meine Templermontur und kein Kleid, was mir schon die ganze Zeit seltsame Blicke einbrachte.

 

Nachdem unser provisorisches Nachtlager errichtet war, saßen wir mit den Herren am Feuer und ich muss sagen, es war doch noch sehr angenehm.

Auch wenn sie alle schon angetrunken waren und des öfteren mehr als anzügliche und zweideutige Bemerkungen und Witze machten.

Man reichte mir immer wieder einen Becher mit Whiskey, welcher stark verdünnt mit Wasser war. Ich nippte immer höflich daran, denn diese Art des Alkohols lag mir fern, ich trank lieber Perlwein oder eben Champagner, ich weiß, sehr dekadent. Aber zur Not tat es auch Wein... doch ich schweife ab.

 

Irgendwann waren die Herren Soldaten alle, bis auf die Wache, eingeschlafen und auch mein Vater hatte sich bereits zurückgezogen.

So saß ich noch einen Moment an dem herunter brennenden Feuer und starrte in die Glut, als ich ein Geräusch hinter mir wahrnahm.

Langsam zog ich das Messer aus meinen Stiefeln und lauschte auf die Geräusche von knackenden Ästen, raschelndem Laubes, welches näher kam.

Gerade als ich das Gefühl hatte, der Angreifer wäre in meiner Nähe, sprang ich auf und... vor meinen Füßen hockte ein verängstigter Hase! Verdammt nochmal!

Nun war es mit meiner Müdigkeit vorbei, sie war verflogen und mein Herz schlug mir bis zum Hals!

 

Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ich reagierte instinktiv, so wie ich es in meinem Training gelernt hatte.

Ich griff nach dieser Hand, zog den Körper mit einem großen Schwung über die Seite und er landete unter mir.

Ich selber hockte darauf und starrte in die ängstlichen Augen eines Soldaten.

„Verzeihung Mrs. Alberts, aber... ich... wollte euch nicht erschrecken... ich hatte... nur bemerkt... wie.... ihr aufgesprungen seid und... dachte...“ seine Stimme klang mehr als Angsterfüllt, er realisierte nämlich, dass ich mein Handwerk verstand und mich im Notfall wunderbar verteidigen konnte.

 

Ich ließ von ihm ab und er erhob sich langsam, strich sich den Schmutz von seinen Kleidern.

„Verzeiht mir...“ leider war mir sein Name entfallen.

„Lance Corporal Warwick, Mrs. Alberts, zu euren Diensten.“ meinte er nun etwas verlegen und sah mich auch so an.

„Ihr solltet euch lieber nicht so heranschleichen, Corporal Warwick.“ meinte ich grinsend und auch er entspannte sich nun.

Sein Blick glitt zu dem kleinen Hasen zu meinen Füßen, welcher immer noch dort hockte, vermutlich vor Schreck erstarrt.

„Das wäre eine äußerst geschmackvolle Mittagsspeise, denkt ihr nicht, Mrs. Alberts?“ ich sah ihn geschockt an.

„Ihr wollt... nein, ich denke nicht. Lasst ihn laufen, mir zuliebe!“ ich legte einen Augenaufschlag hin, welcher ihn von seinem Anliegen abbringen sollte.

„Wenn ihr es wünscht!“ eine Verbeugung und er verabschiedete sich für die Nacht.

 

Ich zog mich auch zurück und war alsbald eingeschlafen.

Mein Traum driftete aber zu ermordeten gehäuteten Hasen ab, welche mich mit finsteren rotglühenden Augen strafend ansahen...

 

Am nächsten Morgen befragten wir die Soldaten, ob sie hier in der Nähe eine Höhle oder ähnliches gesehen hätten und hörten erfreut, dass sich hier ganz in der Nähe eine ziemlich große sogar befinden würde.

Nach dem kargen Frühstück brachte man uns dorthin und ich staunte, als wir in diesen Raum eintraten, es war keine natürliche Ausbuchtung. Es muss menschengemacht sein, dachte ich nur.

Es gab eine Reihe von Kacheln ringsum, welche alle seltsame Zeichen inne hatten. Einige Bereiche waren wie von Hand mit roter Farbe gezeichnet zu sein, sie zeigten seltsame Wesen mit erhobenen Armen und ähnlichem.

 

„Hier ist aber nichts, Vater. Diese Einkerbung in der Wand dort drüben ist alles, hier kommen wir nicht weiter.“ resigniert atmete mein Vater tief durch und gab mir im Grunde recht.

„Dann war der ganze Ritt hierher völlig sinnlos! Verdammt!“ und seine Faust schlug auf den Felsen ein! Als wenn das etwas verändern würde!

„Wir werden sicherlich noch etwas finden, wir müssen nur weitersuchen!“

Doch plötzlich sah er mich so seltsam an.

„Isabelle, wir haben nicht so viel Zeit, wir können nicht einfach Monate und Jahre nutzlos verstreichen lassen! Wir brauchen Resultate. Es wird bald einen Krieg geben und dann müssen wir vorbereitet sein, dafür aber brauchen wir diese Artefakte!“ zum ersten Mal erzählte er mir davon.

 

„Und das sagst du mir jetzt erst? Ich wusste ja, dass wir auf der Suche sind um das Geschick der Menschheit lenken zu können. Doch warum hast du nie etwas gesagt, Vater? Wie lange? Sag mir WIE LANGE haben wir Zeit?“ in meiner Stimme schwang Panik und auch Wut mit, ich ließ mich nicht gerne unter Druck setzen!

„In ungefähr 10 Jahren müssen wir die Gegenstände beisammen haben. Unsere Familie hat seit... Jahrhunderten diese Aufgabe... Isabelle, bitte verzeih mir, ich hätte dich schon früher einweihen müssen. Doch ich dachte, wir hätten ein leichtes Spiel, sobald wir hier in den Kolonien sind. Die Bücher waren so eindeutig!“ enttäuscht ließ mein Vater die Schultern hängen und sah zu Boden.

 

„Dann weiß ich jetzt Bescheid und werde dich unterstützen und dir helfen, wo ich nur kann. Aber bitte, Vater, sei in Zukunft ehrlicher zu mir. Ich bin schon alt genug und kann damit umgehen, doch lasst mich nicht immer alle im Unklaren!“ ich ging auf ihn zu und umarmte ihn einfach.

„Ich weiß, mein Schatz, ich weiß! Lass uns nun weiter nach New York reisen. Dort haben wir auch noch den Zugriff auf ein größeres Wissen in der Bibliothek deiner Großeltern!“

Er ging schon hinaus und für einen Moment stand ich hier in diesem Raum. Mich überkam eine Gänsehaut und ich sah zwei Personen, welche sich vor dieser gekachelten Wand in den Armen lagen.

Der Uniform nach ein britischer Soldat und... eine Indianerin? Ich schüttelte mich um diese Bilder loszuwerden, das waren sicher nur irgendwelche Hirngespinste!

 

Unsere Pferde waren schon ungeduldig, als wir aus der kleinen Höhle herauskamen und wir saßen sofort auf.

Es waren noch ungefähr 6 Tage bis New York. Die Diener waren schon alle dort wenn wir ankamen und so hatten wir eine leicht „unzivilisierte“ Zeit hier in den Wäldern.

Hier und da kamen uns Reiter entgegen, im Zivil oder auch auch einige Soldaten oder eben Offiziere. Man behelligte uns aber nicht großartig, sondern nickte uns nur im vorüber Reiten zu.

Bis mir jedoch ein Herr, kurz bevor wir unser Reiseziel erreichten, entgegenkam.

Seine fast schwarzen Haare in diesem Kontrast zu den stachelbeergrünen hellen Augen war frappierend.

Sein Blick blieb an mir hängen und es sah fast so aus, als lauere er auf irgend etwas!

Für einen Moment hatte ich den Mann vor Augen, welcher Haytham im Hafen von Boston begrüßte.... ich schüttelte mich schnell... ich wollte und durfte nicht an ihn denken!

 

New York... ich hatte mir eine große lebendige Stadt vorgestellt... doch ich fand eine von britischen Soldaten besetzte Gegend vor! Überall waren sie präsent, auch wenn es viele Auswanderer gab mit den vielen verschiedenen Sprachen.

Es schien, als poche man auf das britische englisch, als gäbe es nichts besseres! Wer dem nicht mächtig war, hatte keine Chance. So mein erster Eindruck und ich hoffte, dass ich mich irrte!

 

Vater und ich ritten Richtung unseres Anwesens und ich hatte zum ersten Mal ein schlechtes Gewissen gegenüber der armen Bevölkerungsschicht.

Wir hatten es gut, wir hatten ein Einkommen, wir betrieben Geschäfte und mussten uns keine Gedanken über die Zukunft machen. Noch nicht!

 

Die Villa war... beeindruckend und ich sah mit offenem Mund darauf.

„Isabelle, es ist nicht viel größer als in Boston oder in Hannover. Es ist lediglich anders aufgeteilt, Tochter!“ versuchte mein Vater nun eine Erklärung.

Er vergaß aber mal wieder, dass ich nicht in dem Anwesen in Hannover, sondern auf einem kleinen Dorf in einem kleinen Haus aufgewachsen bin. Auch wenn es dort ebenfalls Angestellte und Diener gab, so war es einfach kleiner gewesen!

 

Man ließ uns ein und führte uns in den Salon, wo meine Tante bereits wartete und wie es schien, hatten wir schon Gäste!

„Ah, da seid ihr ja endlich, ihr beiden!“ begrüßte Maria uns fröhlich und kam auf uns zu, um uns in Empfang zu nehmen. Ging aber einen Schritt zurück und wedelte mit ihrer Hand vor der Nase herum! „Ich glaube, ihr könntet ein Bad gebrauchen. Silvy?“ praktisch wie sie war, rief sie nach einem der Mädchen und ordnete an, das Bad bereit zumachen.

Vorher stellte sie mich aber noch dem Besuch vor.

 

„Das ist meine Nichte, Isabelle Alberts, sie ist vor wenigen Wochen aus Europa hier eingetroffen um die Familiengeschicke zu unterstützen, Master Walters!“ und sie deutete auf mich. „Meinen Bruder kennt ihr ja bereits.“ meinte sie lächelnd und besagter Master Walters begrüßte mich freundlich.

„Es freut mich, euch nun persönlich kennenzulernen, Miss Alberts. Ich hoffe, die Überfahrt war nicht zu beschwerlich?“ wahrheitsgemäß antwortete ich, dass es schon recht turbulent war, so aber die Zeit schneller vergangen ist.

„Da habt ihr vermutlich recht, ein Schiff ist ja keine Großstadt und viel zu sehen gibt es dort nicht.“ lachte er und setzte sich nun wieder.

Kapitel 5

 

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Hilfe ist nicht weit
 



Meine Tante erklärte, er sei einer der langjährigen Geschäftspartnern hier in New York und im Grenzland.
Er ist für Schmuck jeglicher Art, feine Stoffe und eben auch Kunstgegenstände verantwortlich, weswegen er uns auch helfen kann, die Artefakte ausfindig zu machen.
Doch das Gespräch musste warten, meine Zofe bat mich mit hinaufzukommen, damit ich mich ausziehen konnte und fürs Bad fertig machte. Sarah erklärte mir noch, dass sich das Badezimmer im hinteren unteren Bereich des Anwesens befand, in der Nähe der Waschküche. Dort gab es nämlich auch eine große Feuerstelle, auf welcher genügend Wasser erhitzt werden konnte.

Etwas später saß ich dann in der dampfenden Wanne.
Meine Muskeln dankten es mir und ich entspannte mich nach den langen Tagen im Sattel und auf der Straße.
Meine Gedanken wanderten zu dieser Höhle welche wir entdeckt hatten und ich fragte mich, ob es dort nicht doch einen Mechanismus gab, der vielleicht eine Tür öffnen könnte? Diese runde Aussparung musste doch einen Zweck haben! Was würde da hinein passen?
Ich grübelte darüber nach und dachte an verschiedene Gegenstände, welche schon in unserem Besitz waren. Doch nichts war rund oder wie ein kleiner Ball geformt.
Die nächsten Tage werde ich dann wohl die Bibliothek hier in der Villa besetzen und mich durch die Bücher lesen!

Sarah half mir aus der Wanne und beim Ankleiden.
Meine Haare waren auch wieder sauber und lagen in einem geflochtenen Zopf in meinem Rücken.
Als ich ins Esszimmer kam, war das Abendessen bereits serviert und meine Tante sah freudestrahlend zu mir auf.
„Isabelle, so gefällst du mir schon besser. Endlich hast du wieder Farbe im Gesicht, Kind! Vorhin dachte ich schon, dass dein Vater dich wieder zu sehr getriezt hat und du womöglich noch krank wirst!“ sie bat mich, Platz zu nehmen und eine Angestellte füllte meinen Teller auf.
Ich ließ es mir schmecken und genoss den leckeren Wein dazu, wenn ich ehrlich bin, hatte ich dieses normale Essen sehr vermisst in den letzten Tagen!

Mein Vater zeigte mir dann anschließend noch ein wenig das Haus, unter anderem auch die Bibliothek, welche doch sehr beeindruckend war.
Als ich diesen Geruch von Leder, Tinte und Papier in der Nase hatte, fühlte ich mich wie im siebten Himmel!
„Deine Mutter hat auch immer so geschaut, wenn sie von Büchern umgehen war, Isabelle! Ich freue mich, dass du diese Leidenschaft von ihr hast und nicht meine Begriffsstutzigkeit bei den geschriebenen Wörtern!“ lachte er nur und legte seinen Arm um mich.
Wir gingen noch hinaus in den Garten, wie auch in Boston gab es einen Obst- und Gemüsegarten.
Die Pferde würden aber bis morgen warten müssen, meinte mein Vater und führte mich weiter in den Garten zu einem großen Teich, in welchem sich allerlei Fische tummelten.

„Den hat dein Großvater vor Jahren einmal angelegt. Er konnte stundenlang hier sitzen und dem Treiben der Fische zusehen. Es würde ihn entspannen und er könne so besser nachdenken, meinte er immer!“
Für einen Moment stand er nun da und starrte in das klare Wasser, dessen Oberfläche sich ab und zu kräuselte.
„Großvater hatte Recht. Es ist wirklich beruhigend und ich muss sagen, als ich auf der Providence manchmal an der Reling lehnte und das Meer beobachten konnte, fühlte ich auch diese Ruhe!“ erklärte ich leise und sah meinen Vater lächelnd an.
Langsam drehte er sich zu mir und sah mich unschlüssig an.

„Isabelle, wir … also wir haben Nachricht erhalten, dass man die Mörder meiner Eltern gefasst hat! Sie haben auf ihrem Weg noch weitere Morde begangen in den vergangenen Jahren! Doch erst durch einen Zufall hat man sie jetzt erwischt, als sie sich an eine Reisekutsche hängen wollten, um so an das Hab und Gut der Herrschaften zu kommen! Es sind insgesamt vier Männer, sie alle werden derzeit in einem Gefängnis in Wilmington festgehalten und warten auf ihren Prozess!“ seine Worte sprach mein Vater leise, so als wäre er nicht sicher, ob ich das wissen wollte oder sollte.
„Das sind aber doch gute Neuigkeiten, Vater! So gibt es endlich Gerechtigkeit nach all den Jahren!“ ich nahm seine Hand tröstend in meine und lächelte ihn immer noch an.

„Ja, endlich werden deine Großeltern gerächt!“ doch etwas an dieser Aussage klang nach Unzufriedenheit.
„Lass mich raten, du würdest am liebsten selber nach Wilmington reiten, um diese Halunken mit eigener Hand in die Hölle zu schicken, habe ich Recht?“ fragte ich frei raus.
„Du kennst mich zu gut, Isabelle! Leider würde ich es nicht mehr rechtzeitig schaffen, also überlasse ich es einem Freund des Ordens, mich über ihr Ableben zu informieren!“ kam es regelrecht lustlos von ihm und ich erkannte, dass es die Trauer war, welche er im Grunde nie wirklich gezeigt, geschweige denn zugelassen hat.
„Wenn wir die Nachricht ihrer Hinrichtung bekommen haben, dann werden wir auf Großmutter und Großvater anstoßen! Bis dahin quäle dich nicht weiter, Vater.“ sprach ich ihn leise an und drückte weiterhin seine Hand.
„Das werden wir, Isabelle!“ lächelte er mich an.

Zurück im Haus verabschiedete ich mich von meiner Tante für die Nacht und ging hinauf in mein Zimmer!
Ich freute mich auf ein weiches Bett und eine kuschelige Decke.
Dieses im Freien übernachten ist nicht so meines, wenn ich ehrlich bin. Sarah half mir noch schnell beim Entkleiden und dann endlich konnte ich mich in die Federn fallen lassen.


 

25. September 1754
 

*** Die Suche beginnt ***




Die letzten Tage hatte ich mit Lesen verbracht und ich dankte meinen Großeltern für diesen Schatz an Büchern.
Über die Jahre hatten sie, eigentlich meine gesamte Familie, fantastische Werke zusammengetragen, welche mir jetzt gute Dienste leisteten.
Als ich dann auf der Suche nach dem runden Gegenstand in einem dieser handgeschriebenen Wälzer, welcher von vielen Generationen geführt wurde, fündig wurde, tat mein Herz einen Satz.

Der besagte Abschnitt sprach von einer goldschimmernden Kugel, welche aber nicht aus uns bekanntem Metall gefertigt sei. Sie sei leicht und auf ihr prangten viele sonderbare Zeichen. Bisher schien es niemanden zu geben, der sie entschlüsseln konnte!
Jetzt war nur die Frage, WO befand sich dieser „Edenapfel“, so nannte man ihn in dem Buch. Also hieß es weiterlesen.
Mir kam der Zufall zu Hilfe, als ich gerade nach dem Mittagessen wieder in die Bibliothek verschwinden wollte.
Ein Zufall in Gestalt von Master William Clarkson und ich muss gestehen, ich war für diese nette Abwechslung dankbar. Wir hatten uns nach dem großen Empfang nicht mehr gesehen und das war nun schon einige Wochen her.

Mit großen Augen betrat William mein persönliches Paradies hier in unserem Anwesen und blieb staunend bei dem mächtigen Schreibtisch stehen.
Dort hatte ich mich breit gemacht und meine Notizen flogen kreuz und quer darüber. Unter anderem hatte ich eigene Zeichnungen nach den Beschreibungen über diese Kugel angefertigt und Master Clarkson runzelte kurz die Stirn.
„Miss Alberts, ihr seid auf der Suche nach einem Edensplitter, wie ich sehe!“ meinte er neugierig, aber nicht aufdringlich.
„Ja, mein Vater und ich habe eine Höhle entdeckt, in welcher scheinbar eine passende Aussparung an einer Wand war. Ihr kennt euch ebenfalls mit diesen Mythen aus, Master William?“ fragte ich nach, in der Hoffnung, dass er vielleicht wirklich helfen konnte.

„In der Tat, mein Urgroßonkel hat von einem Artefakt erzählt, auf welches diese Beschreibung passen würde. Er war der Ansicht, es müsse irgendwo in Italien verborgen sein, leider hat er nie herausgefunden, wo genau.“ etwas enttäuscht seufzte ich und sah auf meine Zeichnung hinab.
„Das ist sehr schade, aber vielleicht könnten wir der Spur ja selber einmal folgen. Gibt es Berichte von eurem Urgroßonkel, Master William? Wenn ihr sie mir geben wollt, heißt es natürlich.“ entschuldigend sah ich zu ihm auf, ich wollte diesen Mann nicht unter Druck setzen.
„Miss Alberts, diese Reiseberichte sind keine Geheimakten.“ lachte er jetzt. „Wenn ihr Zeit und Lust habt, dann kommt doch bitte übermorgen zum Dinner zu mir und ich kann euch die Schriften zeigen.“ in mir wuchs eine gewisse Euphorie und ich nahm die Einladung dankend an.

Wir unterhielten uns noch eine Weile über diese ganzen verworrenen Geschichten über diese Vorläufer und über ihre Hinterlassenschaften.
„Diese Wesen sind mir ein wenig unheimlich, wenn ich ehrlich sein darf, Miss Alberts.“ kam es etwas zögerlich von meinem Besucher, doch ich konnte sein Gefühl nachvollziehen.
„Mir geht es ähnlich. Sie müssen eine Macht besessen haben, welche uns verborgen und unerreichbar bleibt.“ etwas enttäuscht war ich schon, wer wünscht sich nicht, etwas zu erschaffen, was für die Ewigkeit gedacht ist?

Dann schwenkte das Thema über auf die Geschäfte und unsere Eltern. William erzählte von seinem Vater, welcher sich jetzt mit dem Tabakhandel auseinander setzte. „Dies scheint ein sehr lukratives Geschäft zu sein, Miss Alberts. Ich habe mich auch schon mit dem Thema des Anpflanzens beschäftigt und muss sagen, es ist wirklich interessant. Habt ihr schon einmal eine Tabakplantage gesehen, Miss Alberts?“
Das musste ich verneinen, damit hatte ich mich noch nie beschäftigt.
„Ihr klingt ja schon fast, als wolltet ihr euch in der passenden Gegend niederlassen und selber zum Pflanzer werden, Master William.“ lachte ich und in seinem Gesicht sah ich, dass er wirklich mit diesem Gedanken spielte.
„In der Tat, ich überlege, ob ich dieses Risiko später einfmal eingehen sollte. Noch wäre es nicht soweit, ich muss selber erst richtig Fuß fassen und dann muss man nach einem passenden Anwesen suchen. In Virginia soll es den besten Boden für Tabak geben, hat man mir berichtet.“ in seinen Worten klang diese Begeisterung, welche mich ebenfalls ansteckte.

„Dann sollte ich euch wohl gutes Gelingen wünschen, Master William. Auf das euer Vorhaben alsbald in die Tat umgesetzt werden kann.“ und ich meinte es Ernst, so ein Mann mit dieser Zielstrebigkeit und einem Bild im Kopf, von dem was er erreichen möchte, ist eine Seltenheit.
„Danke, Miss Alberts. Ihr werdet die Erste sein, welcher ich dann berichten werde, wenn es soweit ist.“ in seine Augen trat ein Leuchten und es sah aus, als warte er auf eine Antwort.
„Das würde mich freuen, Master William.“ sprach ich nur leise.
In mir stieg ein eigenartiges Gefühl von Zuneigung auf, es war nicht unangenehm, nur seltsam.

Das Dinner bei Familie Clarkson war eine kleine Gesellschaft, wo sich eine elitäre Gruppe von Geschäftsleuten, allesamt Templer, versammelt hatte. So förmlich hatte ich mir das gar nicht vorgestellt.
„Miss Alberts, ich muss mich entschuldigen. Aber meine Mutter war der Meinung, dass man dieses Essen doch wunderbar mit dem Geschäftlichen verbinden könnte. Wie ich sehe, sind euer Vater und eure Tante ebenfalls erschienen. Das freut mich.“ erklärte mir William jetzt und begrüßte Maria und meinen Vater.
Während wir im Esszimmer die Speisen einnahmen, liefen die Unterhaltungen über diverse Belanglosigkeiten und kleineren Lästereien über bankrotte Geschäftspartner.

Man hatte mich neben William platziert und meine Tante war an meiner anderen Seite.
„Isabelle, trink nicht so viel Wein. Du musst einen klaren Kopf behalten.“ schalt mich meine Tante, als ich das dritte Glas eingegossen bekam.
„Wofür brauche ich den heute noch? Wir haben doch keine Aufträge mehr zu erledigen, Tante!“
Das einzige, was noch zu erledigen war, war das Angebot vom Sohn des Gastgebers, mir die Unterlagen des Urgroßonkels zu zeigen.
Nachdem das Essen beendet war, erhob sich William und bat mich ihm zu folgen.
Alle Augen waren in diesem Moment auf uns gerichtet und man sah förmlich, was in ihren Köpfen gerade ablief.
Sie alle sahen wahrscheinlich schon eine Hochzeit ins Haus kommen und mich überkam ein leichter Schauer.

Warum dachten diese Leute eigentlich immer, dass man heiratet, nur weil man den anderen an seiner Seite mag.
Ich kannte William doch noch gar nicht richtig und ich hatte ehrlich gesagt, nicht beim ersten Anblick von ihm ans heiraten gedacht.
Immer noch brachte mich etwas durcheinander, wenn ich mit ihm zusammen war. Seine kühle, berechnende Art war es nicht, es war etwas in seiner Haltung und seinem Auftreten. Aber ich schweife wieder ab!

 

Kapitel 6

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Man hatte in seinem Studierzimmer einen Kamin angeheizt, weil es für einen August Abend doch recht kühl geworden ist.
In diesem Raum fühlte ich mich postwendend wohl und ich strich, wie sollte es anders sein, über die in Leder gebundenen Bücher und Einbände.
Viele waren mit Gold verziert und sahen schon uralt aus.
Als hätte er meine Gedanken gelesen, erzählte er mir etwas über diese Sammlung.
„Miss Alberts, ihr habt ein Auge für diese alten Schriften wie ich sehe. Das ist nur ein kleiner Teil, wenn ihr mögt, zeige ich euch später die offizielle Bibliothek meiner Familie.“
Offizielle Bibliothek? Gab es etwa noch eine andere? Die würde ich natürlich dann auch zu gerne sehen!
„Hier lagert wirklich sehr altes Wissen, Master William. Das muss ja Jahrhunderte gedauert haben, alles zusammen zutragen.“ meinte ich jetzt aber etwas geistesabwesend.
„Meine Familie hat eine Sammelleidenschaft dafür entwickelt im Laufe der Zeit.“ lachte er leise und sah mich mit schräggestellten Kopf grinsend an.
„Nehmt euch eines der Bücher und ich hole derweil die Unterlagen.“ damit ging er zu seinem Schreibtisch und schloss eine der Schubladen auf.

Ich hingegen hatte ein Exemplar eines deutschen Lexikons gegriffen und schlug es auf.
Es war von Christoph-Ernst Steinbach und war gespickt mit kleineren handschriftlichen Randnotizen.
Für einen Moment war ich völlig vertieft, denn der Autor war soweit ich das sehen konnte, ein Arzt und das konnte man deutlich herauslesen.
„Ihr besitzt sogar Bücher, welche in der deutschen Sprache verfasst sind? Wie viele Sprachen sprecht ihr eigentlich, Master William?“ fragte ich jetzt etwas geistesabwesend und erntete ein Lachen.
„Miss Alberts, ich spreche nur englisch, französisch und lateinisch. Leider nur ein kleines bisschen deutsch, wenn ihr mir die Ehre erweist, mir mehr beizubringen?“
Wäre ich eine gute Lehrerin?
„Ich weiß nicht Recht, Master William. Aber wir können es gerne einmal versuchen.“ lächelte ich zuversichtlicher als ich eigentlich war.

Nun stand er mit einem Stapel an Papieren vor mir und reichte sie mir, im Gegenzug überließ ich ihm das Lexikon.
Ich setzte mich auf eines der Sofas und begann die Unterlagen zu studieren.
Es waren unter anderem Reiseberichte, kleinere bebilderte Beschreibungen von Gegenständen, welche dem Urgroßonkel wichtig erschienen waren und so weiter.
Mir fiel auf, dass dieser Herr einen angenehmen Schreibstil hatte, man fühlte sich bei seinen Reiseschilderungen als sei man dabei, es war sehr bildlich erzählt.
Er sprach von der Überfahrt nach Italien und seine Überlandodyssee Richtung Rom.
Das Ganze war schon sehr abenteuerlich, man hatte unter anderem versucht ihn im Schlaf auszurauben.
Oder er musste sich gegen einen Haufen Assassinen verteidigen, welche sich und ihr Vorhaben bedroht sahen.

William hatte aber Recht, leider hatte sein Onkel keinen festen Anhaltspunkt finden können, der auf den Verbleib dieses Edenapfels hindeutete.
Er sprach vom Kolosseum und Vermutungen, dass unterhalb dieser Ruine sicherlich unentdeckte Katakomben seien.
Er beschrieb, wie er einen Zugang gesucht hatte, jedoch immer wieder auf verschüttete Eingänge stieß, wo kein Durchkommen war. Leider wurde sein Vorhaben auch immer wieder von Einheimischen oder eben der Bruderschaft erschwert.
Seine Reisen führten ihn auch unter anderem nach Frankreich, wo er auf der Suche nach einem weiteren Vorläuferartefakt war.
Hierbei handelte es sich um einen Schild, welches zu einer uralten Templerrüstung gehören sollte.
Das Bild zeigte ein einfaches Schild mit einem roten Tatzenkreuz darauf und im ersten Moment recht unscheinbar. Es war aus Metall und soll recht schwer gewesen sein. Laut der Überlieferungen beschützt es angeblich seinen Träger und seine Verbündeten in der Nähe.

„Dieser Schild ist in unserer Bibliothek, Miss Alberts. Vielleicht sollte ich sie euch zeigen?“ fragte er mich nun und riss mich aus meinen Gedanken.
„Das würde mich freuen, Master William.“ mit den Unterlagen auf dem Arm, führte er mich nun hinaus und nach unten in das Kellergewölbe unter dem Anwesen.
Mich fröstelte es etwas, es wurde von Stufe zu Stufe kühler, je weiter wir nach unten gingen!
Unten angekommen, öffnete William eine große Flügeltür und zum Vorschein kam ein riesiger runder Raum, welcher durch kleine Fenster in Deckenhöhe noch etwas beleuchtet wurde.
Mein Gastgeber fing an die Fackeln an den Wänden zu entzünden und ich stand im Eingang mit offenem Mund.

Riesige Bücherregale erstreckten sich entlang der Wände und verliefen teilweise Sternenförmig in die Mitte des Raumes.
Es gab Vitrinen, in welchen seltsame Gegenstände lagerten, oder auch ganze Rüstungen, Schwerter und in einer waren sogar Schmuckstücke ausgestellt.
Auch fand ich viele Truhen, die neben und unter den Tischen im Raum aufgereiht standen. Langsam ging ich die wenigen Stufen hinunter und sah mich immer noch staunend um!
„Das ist einfach unglaublich, Master William!“
Hatte ich gedacht, dass meine Familie eine Sammelleidenschaft hatte, so wurde ich hier noch einmal eines besseren belehrt! Ich hörte ein leises Lachen aus seiner Richtung, als er langsam wieder auf mich zuschritt.

William hielt mir seinen Arm hin und ich hakte mich unter. So führte er mich in Richtung der Vitrinen und ich konnte einen näheren Blick auf die Fundstücke werfen.
Der Schild war tatsächlich wie in den Aufzeichnungen beschrieben aus Metall und sah hier aus wie neu! In diesem Moment spürte ich eine unglaubliche Energie durch den Raum fließen, sie schien mich mit sich zu reißen.
„Ihr habt es also auch bemerkt, Miss Alberts.“ sprach er nun leise und ich sah etwas verwirrt von dem Schild zu ihm.
„Ja, es fühlt sich... seltsam an. Was ist das?“
Vorsichtig sah ich mich um, es fühlte sich an, als wären wir hier nicht mehr alleine.
„Die Vorläufer, Miss Alberts. Sie hinterlassen eine Art Energie in diesen Gegenständen, welche wir wahrnehmen können und sie uns zunutze machen können.“

Ich sah ihn fragend an, wie sollte das möglich sein? Ich wusste, es gab Amulette welche leuchteten oder einen vor tödlichen Kugeln bewahren konnten!
Andere Gegenstände konnten zum Beispiel die Gedanken kontrollieren, hatte mir mein Vater unter anderem berichtet.
„Und wie würde das bei diesem Schild zum Beispiel aussehen?“ Wollte ich jetzt einfach wissen.
„Es errichtet eine unsichtbare Wand, welche die Mitstreiter und den Träger schützt. Aber nur solange der eigentliche Träger am Leben ist und dieser muss der echte Erbe dieses Artefaktes sein. Ohne dessen Blut funktioniert diese Kraft nicht!“ erklärte er mir nun ganz sachlich und führte mich zu einem anderen Ausstellungsstück, einer Krone!

Sie sah wunderschön aus! Die Krone Diese grünen Smaragde, welche in Gold gefasst und umringt von Diamanten waren, strahlten solch eine Wärme aus und das ganze Schmuckstück war unglaublich imposant.
„Sie gehörte Maria II. von England.“  Maria II.
Ich konnte die Dame förmlich vor mir sehen, diese Krone ist einer Königin würdig.
„Sie trug sie bei offiziellen Anlässen, Bällen und ähnlichem. Es heißt, durch dieses Artefakt wurde sie vor Attentaten beschützt. Noch konnten wir aber nicht heraus finden, WIE das funktionierte!“ kam es enttäuscht von dem jungen Mann.
„Ich gehe davon aus, dass ihr es schon noch erforschen werdet und zu einer baldigen Erkenntnis kommen werdet!“ meinte ich jetzt zuversichtlich und lächelte William an, welcher neben mir stand und auf die Vitrine starrte.
„Ihr seid sehr zuversichtlich, Miss Alberts. Ich hoffe, ihr behaltet Recht. Vielleicht... könntet ihr mir bei … meinen Forschungen behilflich sein? Natürlich nur, wenn es eure Zeit erlaubt...!“

Bei diesen leicht gestotterten Worten konnte ich mir ein undamenhaftes Kichern nicht verkneifen!
„Das würde ich sehr gerne, Master William. Ihr wisst ja, ich selber bin ebenfalls auf der Suche nach einigen Artefakten und kann ebenso jede Hilfe gebrauchen.“
Sein Blick drückte Dankbarkeit aus.
„Dann freue ich mich auf eine Zusammenarbeit, Miss Alberts.“ seine Hand umschlang die meine und seine Lippen berührten meinen Handrücken.
Wieder einmal irritierte mich diese kühle seiner Haut, doch sein Mund war alles andere als kalt! Langsam entzog ich ihm meine Hand und seine bernsteinfarbene Augen musterten mich einen Moment, was mir eine leichte Röte ins Gesicht trieb.

Schüchtern meinte ich dann nur leise, dass wir vielleicht wieder hinauf gehen sollten. Man würde uns bestimmt schon vermissen!
„Ihr habt sicherlich Recht, Miss Alberts.“ hörte ich da eine leichte Enttäuschung in seiner Stimme?
Aber ich mochte mich auch irren! Also führte mich William wieder in die obere Etage und versprach mir, dass er mich morgen dann abholen würde, damit wir weitere Nachforschungen anstellen konnten.
Auch er brenne darauf, zu erfahren, was es mit dem Edenapfel auf sich hat!
Im Salon sah man uns schon fragend an, als wir den Raum betraten und mein Vater lächelte mich zufrieden an. Ich wusste genau, was er gerade dachte!

„Da seid ihr beiden ja wieder. Ich hoffe unsere Bibliothek ist nicht allzu schäbig, Miss Alberts?“ fragte mich nun Williams Mutter.
„Nein, Mistress Clarkson, im Gegenteil. Ich bin beeindruckt und ich glaube, ich werde dort bald noch mehr Zeit verbringen, wenn ihr erlaubt!“ meinte ich mit einem leichten Knicks.
„Ihr seid hier immer willkommen, Miss Alberts! William wird sich dann sicherlich um euch kümmern!“ kam es mit einem verschmitzten Blick auf ihren Sohn.
„Isabelle, aber es ist schon spät. Wir sollten aufbrechen. Morgen ist ein langer Tag und wir werden deine Garderobe noch aufstocken müssen!“ meinte nun meine Tante und ich wusste, sie war einfach nur müde und wollte in ihr Bett.
„Natürlich, Tante Maria.“ und damit verabschiedeten wir uns, jedoch nicht ohne einen langen Handkuss von William und für einen Moment versank ich in seinen leuchtenden Augen!
„Ich freue mich, euch dann bald wieder zusehen, Miss Alberts!“ sprach er leise und lächelte mich an.
„Ich freue mich auch, Master William!“

Zuhause angekommen ging ich direkt nach oben und wünschte meiner Tante und meinem Vater noch eine gute Nacht.
Sarah half mir aus meinem Kleid und machte meine Haare noch für die Nacht, dann entließ ich sie für heute und war dankbar, als ich endlich alleine war.

Ich lag auf meinem Bett und starrte hinauf zum Baldachin. Diese Augen, diese kühle Haut... diese langen dunklen Haare... diese einzelnen Bilder waberten vor meinem geistigen Auge herum und trieben mich in einen unruhigen Schlaf.

„Isabelle, versucht einfach euch fallen zulassen. Es kann nichts passieren. Wir sind alle bei euch! Lasst es zu und geht weiter. Schritt für Schritt!“ hörte ich diese weiche warme Stimme, welche von einer Frau kam, die ich nicht kannte.
„Aber wenn ich weitergehe, dann stürze ich in den Abgrund!“ kam es mit großer Angst von mir.
„Nein, hab Vertrauen! Geh!“ und ich spürte, wie man mich nach vorne schob, auf diese Schlucht zu... zum ersten Male sah ich mich um. Felsen... mit Moos bewachsene Steine... Klippen ähnliche Gebilde... es war kalt, windig und es regnete...

Dann stand ich an der Kante und sah hinunter!
Dort war nur das tosende Meer, Wellen die sich an den Felsen unter mir brachen!
„Sieh nach vorne! Nicht hinunter!“ die Stimme wurde lauter und ungehaltener!
Wieder spürte ich diesen Schub, welcher mich über die Kante schreiten ließ … doch ich fiel nicht...

Vor mir erschien eine Brücke aus tausenden von kleinen Lichtern. Sie pulsierten eigenartig und schienen sich im Wind zu bewegen!
„Geh weiter! Am anderen Ende wirst du...“

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Mit einem Aufschrei, weil ich fiel und das Wasser unter mir näher kommen sah, schreckte ich auf.
Zitternd lag ich aber nicht auf dem Meeresgrund oder mit zersplitterten Knochen auf den Felsen, sondern in meinem Bett und starrte immer noch auf den Betthimmel!
Langsam richtete ich mich auf und versuchte herauszufinden, was gerade passiert war!
Es war ein Traum, ein schrecklicher Albtraum!
Ich schwang die Beine aus dem Bett und ging hinüber zur Kommode mit der Waschschüssel und benetzte mein Gesicht mit Wasser. Die Kühle half mir dabei, etwas klarer zu denken und ich entzündete die Kerzen auf meinem Schreibtisch, setzte mich daran um mein Tagebuch weiterzuführen.
Ich musste diese Eindrücke loswerden.
Also schrieb ich von dem Abend, von dem Traum... von diesem Mann!
Eine Gänsehaut überzog meine Arme, als ich ihn erwähnte und ich hatte das Gefühl, als würde er wissen, dass ich gerade in diesem Moment an ihn dachte. Diesen Gedanken schüttelte ich jedoch sofort ab, es gehörte sich nicht, so über einen fremden Mann nachzudenken.

Nachdem ich einige Seiten verfasst hatte, fühlte ich mich beruhigter und wohler.
Wieder im Bett liegend glitt ich nun in einen traumlosen Schlaf, welcher aber erholsam war...


 

*** 27. September 1754 ***

Die Bibliothek und spontane Reisepläne




Der Tag nach dem Dinner war geprägt von Einkäufen!
Meine Tante zerrte mich kreuz und quer durch die Stadt und ließ mich Kleider anprobieren, bestellte Unterkleider und Strümpfe für mich... sie war im Kaufrausch und genoss es augenscheinlich.
Ich selber ließ es einfach über mich ergehen, auch wenn ich sagen muss, dass die ausgewählten Kleider wirklich wunderschön waren.
Dennoch fragte ich mich, wann ich diese bitte alle tragen sollte? Für den Alltag hatte ich eine Auswahl und drei oder vier „gute“ Stücke, welche für Bälle und Empfänge waren. Am Ende des Tages hatte ich dann 10 noble Kleider für eben diese großen Anlässe und dazu noch diversen Haarschmuck!

Was meinen Halsschmuck und ähnliches anging, besaß ich jetzt den Schmuck meiner Mutter und meiner Großmutter.
Diesen hütete ich natürlich wie meinen Augapfel, diese Stücke waren teilweise ein Vermögen wert.
Als Maria und ich dann zum Abendessen wieder im Anwesen eintrafen, kam mir mein Vater erleichtert entgegen.
„Isabelle, Maria... ihr seid wieder daheim. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht!“ meinte er freudig!
„Thomas, Isabelle benötigt eine angemessene Auswahl an Kleidern, das weißt du doch. So etwas kann dann eben etwas dauern. Wundere dich also nicht, wenn in den nächsten Tagen einige Lieferungen hier eintreffen!“ lachte meinte Tante nur und ging ins Esszimmer, wo schon alles vorbereitet war.

Heute endlich erschien Master William und bat darum, dass ich ihn begleite. Meinem Vater war es natürlich mehr als Recht und auch meine Tante nickte nur wohlwollend.
„Ich werde Isabelle wohlbehalten wieder nach Hause bringen, Master Alberts!“ kam es mit einer tiefen Verbeugung von William.
„Darauf verlasse ich mich, Master William. Und ich will keine Klagen über euer Betragen hören!“ diese Worte sprach mein Vater mit einem sehr harten Unterton aus, welcher mich aufhorchen ließ.
Mein Begleiter würde sicherlich nicht übergrifflich werden, er hatte mehr als eine Gelegenheit und hat sie nicht genutzt. Also brauchte er sich keine Sorgen zu machen, doch das sagte ich nicht laut.

In der Bibliothek angekommen, fingen wir an, uns durch die Bücherliste zu lesen.
Wir suchten nach Schriften, welche sich mit dem Kolosseum, Rom und dortigen unterirdischen Katakomben beschäftigen.
Es dauerte nicht lange, da hatten wir insgesamt vier wirklich große Wälzer ausfindig gemacht und holten sie aus den Regalen.
Allesamt waren sie alt und bereits sehr abgegriffen, wir konnten also davon ausgehen, dass man oft und viel in ihnen gelesen hatte. Jedes einzelne war von einem anderen Verfasser oder Autor.
Angefangen bei dem ältesten, welches um 1300 verfasst wurde bis zum neuesten, an welchem unter anderem auch Williams Urgroßonkel mit geschrieben hatte, lagen sie aufgereiht vor uns.
Wir begannen mit der Lektüre und ich vertiefte mich in das älteste...

Das Kolosseum

Diese Erzählungen glichen teilweise Ammenmärchen, aber auch aus ihnen konnten Albträume erwachsen!
Ich stellte mir vor, wie die Männer dort an die Löwen verfüttert wurden, nur zum Gaudium der Leute! So etwas ist doch grausam!
Beim weiteren Durchstöbern dieses Buches fand ich Zeichnungen, welche sich mit dem Unterbau der Arena befassten.
Es gab tatsächlich einen Untergrund, eine Art Kellergewölbe, in welchem die Kämpfer, die Sklaven und auch die Tiere auf ihre Kämpfe warteten. Sie reichten sehr weit in die Tiefe, wenn ich das richtig interpretierte.
Leider gab es aber keine weiteren Details, keine Anhaltspunkte auf einen versteckten Vorläuferschatz oder ähnliches.

Mit einem Male hörte ich ein lautes, frustriertes Stöhnen von William.
„Master William, seid ihr auch nicht fündig geworden?“ fragte ich leise und ebenfalls leicht desillusioniert!
„Nein, auch in diesen Schriften ist nichts zu finden! Verdammt... oh, verzeiht, Miss Alberts.“ entschuldigte er sich sogleich.
„Nein, ich kann euch sehr gut verstehen. Es ist sehr unbefriedigend, wenn man nichts schlüssiges findet, Master William.“
In mir keimte der Gedanke, dass ich wirklich direkt nach Rom reisen sollte, um mir dort ein eigenes Bild zu machen.
Sollte ich den jungen Clarkson deshalb fragen, ob er mich begleitet? Aber es wäre zu vermessen, wenn ich es äußern würde.

„Miss Alberts, ich befürchte, so werden wir mit der Suche nicht weiterkommen. Weder diese Bücher noch die in eurer Familie vorzufindenden Schriften helfen uns anscheinend weiter. Was schlagt ihr stattdessen vor?“ in seinem Blick lag eine gewisse Abenteuerlust, welche mich umgehend ansteckte.
Ich hatte es ja schon erwähnt, dass es am sinnvollsten wäre direkt in Rom, am Ort des Geschehens sozusagen, zu forschen. Genau das tat ich nun kund und erntete einen anerkennenden Blick.
„Ihr seid eine Frau mit Tatendrang und ihr wollt Resultate sehen, wie ich annehme. Dann sollten wir darüber beraten, wie wir nach Italien reisen und vor allem auch wann wir dorthin segeln werden. Ich hoffe nur, unsere Eltern werden damit einverstanden sein!“ darin lag urplötzlich eine Unsicherheit, welche ich ihm nicht zugetraut hätte.

„Master William, ich gehe davon aus, dass niemand Einwände haben wird. Es geht hier um Forschungsarbeiten, welche uns voranbringen werden.“ meinte ich in meiner zuversichtlichen Art.
„Wir sollten keine Zeit verlieren, Miss Alberts. Ich brenne darauf endlich Fortschritte zu machen!“ in seinen Augen sah ich, er freute sich wirklich darauf und so verließen wir die Bibliothek.
Im Salon angekommen, erwartete uns Williams Mutter bereits und ließ den Tee servieren. Als dann auch Master Clarkson erschien, sah mich William fragend an und ich nickte nur leicht.
Meiner Tante und meinem Vater würde ich dann später davon berichten.

„Vater, Mutter, ich oder besser gesagt wir haben gerade einen Entschluss gefasst...“ und ich konnte in Mistress Clarksons Augen sehen, dass sie die freudige Nachricht einer Verlobungsankündigung erwartete.
Mit unserer geplanten Reise rechnete sie natürlich nicht und als William erklärte, dass wir planten nach Italien zu reisen, schlich sich Enttäuschung auf ihr Gesicht.
„Oh... ja... das sind ja... interessante Neuigkeiten. Und wann hattet ihr gedacht aufzubrechen, William?“ kam es scharf von seinem Vater, auch er war für einen Augenblick überrumpelt und versuchte seine Enttäuschung ebenfalls im Zaum zu halten!

„Nach Möglichkeit würden wir noch dieses Jahr aufbrechen, wenn es möglich ist. Das hängt natürlich von der Witterung ab und ob wir eine passende Passage buchen können.“
William war sichtlich nervös geworden, da auch er die Reaktion seiner Eltern bemerkt hatte!
„Ihr beide könnt sicherlich auf einem der Handelsschiffe unterkommen, welche regelmäßig über den Atlantik segeln. Ich werde mich gleich morgen nach etwas passendem umschauen, William. Miss Alberts, habt ihr eurem Vater und eurer Tante bereits diesen Plan mitgeteilt?“ fragte mich der Hausherr nun mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Nein, Master Clarkson, wir haben es gerade eben erst beschlossen. Ich werde aber umgehend beide darüber informieren.“ lächelte ich mein Gegenüber an.
„So sei es, Miss Alberts. Ich würde mich freuen, wenn ihr zum Abendessen noch unser Gast wäret!“ lud mich nun Master Clarkson noch ein und ich nahm es dankend an.
Bis jedoch das Essen soweit war, führte mich William ein wenig über das Grundstück und zeigte mir die Ställe und den wunderschönen Garten hier.

Auch seine Familie hatte einen Nutzgarten für den Eigenbedarf angelegt, welchen ich nun bestaunte.
„Unser Gärtner leistet wirklich vortreffliche Arbeit. Mein Großvater hatte ihn noch eingestellt und hielt immer große Stücke auf ihn!“ das sah man tatsächlich.
Als wir langsam zum Haus zurück gingen, sah ich aus den Augenwinkeln eine dunkle Gestalt über das Grundstück huschen. Ich stieß William an und deutete mit einem Kopfnicken in die Richtung, doch auch er hatte diesen Schatten bemerkt!
Dummerweise waren wir beide aber unbewaffnet und ich stand in einem Kleid hier, was das Ganze noch um einiges schwerer machte.

Wir schlichen trotzdem leise hinterher, nur um zu sehen, wohin sich der Eindringling bewegte.
Dieser schritt nun auf ein Rosenspalier zu, welches an der hinteren Wand des Herrenhauses angebracht war und machte sich daran, hinauf zu klettern.
„Isabelle, bitte geht zu meinem Vater und gebt ihm Bescheid, ich werde dieser Person oben auflauern!“
Wir eilten hinein und William verschwand schnell die Treppe hinauf.
Im Salon flüsterte ich nur, dass jemand versuchte hier einzubrechen und Master Clarkson war in Windeseile ebenso die Stufen hinaufgeeilt.
Hatte aber noch seiner Frau und mir strickte Anweisungen gegeben, hier unten zu bleiben.

Wir gingen zur Tür und lauschten auf Kampfgeräusche, doch noch tat sich nichts.
„Meine Männer sind gute Kämpfer, Miss Alberts. Macht euch keine Sorgen!“ meinte Williams Mutter im Flüsterton, aber ich hörte, dass sie sich Sorgen machte.
Wir wussten ja nicht, WER sich hier Zutritt verschaffen wollte!
Der Kleidung nach kein kleiner Einbrecher, sondern Assassine, ein sehr schlecht vorbereiteter Meuchelmörder, möchte ich behaupten.
Er hatte uns überhaupt nicht bemerkt und es war noch hell!
Vater hatte mir von diesen teils sehr unbedachten Personen erzählt, ihm waren schon so einige wegen ihrer Unachtsamkeit ins Messer gelaufen.

Und dann hörten wir einen lauten Aufschrei und Stahl klirrte auf Stahl.
Da es aber ja zwei gegen einen stand, vermutete ich, dass es nicht lange dauern würde und so war es dann auch. Kurz darauf kamen William und sein Vater die Treppe hinunter, im Schlepptau den bewusstlosen Assassinen!
„Wir werden ihn jetzt den Behörden übergeben, am besten ist dieser Abschaum im Fort George aufgehoben. Miss Alberts, verzeiht diese Unannehmlichkeiten, doch wir werden das Essen auf einen anderen Tag verschieben müssen.“ entschuldigte sich Master Clarkson, aber ich verstand ja, dass man diesen Mann noch befragen musste.
Ich bat darum, mitkommen zu dürfen.
„Miss Alberts, ich glaube kaum, dass das ein geeigneter Ort für...“
William hielt inne, als er meine hochgezogene Augenbraue sah.
„Wenn ihr wünscht, Isabelle.“ mit einer einladenden Bewegung seiner Hand bat er mich, ihm und seinem Vater zur Kutsche zu folgen.

Die beiden schubsten den Bewusstlosen hinein, neben ihm nahm Master Clarkson Platz und ich saß ihnen gegenüber mit William.
Jetzt konnte ich einen Blick auf diesen Herren werfen und ich muss sagen, ich war mehr als erstaunt.
Dieser Mann war kein Mann, sondern ein Junge, höchsten 15 Jahre alt, mit hellen rotblonden, schulterlangen Haaren und einem blassen Hautton, fast schon durchschimmernd.
Seine Kleidung war tatsächlich die eines Assassinen, aber nur der Novizen-Ornat, diese waren nur schlicht verarbeitet und dienten lediglich zur Bekleidung.
Verstohlen ließ ich meinen Blick zu seinen Handgelenken wandern, ich wollte zu gerne wissen, ob er diese versteckten Klingen wirklich bei sich trug.

„Wir haben sie ihm abgenommen, Miss Alberts.“ lachte nun Master Clarkson, weil er sah, wohin meine Augen schauten und ich wurde rot.
Manchmal konnte man mich ganz einfach durchschauen, daran musste ich dringend arbeiten!
„Habt ihr sie bei euch, Master Clarkson? Könnte ich sie vielleicht einmal sehen?“ fragte ich etwas aufgeregt, es war aber William, welcher mir diese Waffen nun reichte.
Sie waren eigentlich nicht mehr als Messer an Lederbändern, wie ich enttäuscht feststellen musste. Nur der Mechanismus, welcher sie hervorschnellen ließ, machte sie zu etwas Besonderem.
„Ich hatte mir das Ganze ja doch beeindruckender vorgestellt...“ sprach ich leise und eher zu mir selber.

„Miss Alberts, dass sind die einfachen Klingen der Novizen, es gibt weitaus besser gearbeitete. Auch gibt es sie mit vielen Erweiterungen, ich sah schon welche mit einem Haken, um sich auf Dächer ziehen zu können zum Beispiel!“ erklärte er mir nun und man spürte, er war wirklich von dieser Technik beeindruckt!
„Ihr meint, so ein Haken an einem Seil? Aber... wie soll das gehen?“ und meine Frage meinte ich ernst, ich wollte wissen, wie man so etwas bauen konnte!
„Vielleicht werden wir ja irgendwann diese Gelegenheit bekommen und sie auseinander bauen können. Unsere Handwerker wären sicherlich auch neugierig mehr darüber zu erfahren!“ hörte ich William nun ebenso aufgeregt sprechen.

Dann hielt die Kutsche und ich hörte, wie man fragte, wer wir seien und was wir wollten. Wir waren also beim Fort George angekommen und man ließ uns, nachdem der Soldat einen Blick ins Innere unseres Gefährts geworfen hatte, passieren.
In der Garnison selber herrschte reger Betrieb, es lag aber etwas in der Luft, eine Art Vibrieren, so als würde noch etwas passieren.
Die Soldaten gingen ihrer Arbeiten nach und beachteten uns nicht weiter.
Man brachte den Gefangenen und uns zum Kommandanten in den hinteren Bereich des Komplexes, wo man den Assassinen an einen Stuhl band. Mittlerweile war er wieder wach und ansprechbar, hatte aber noch keinen Ton von sich gegeben, sondern nur grimmig von einem zum anderen gesehen.

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Das Verhör begann, doch dieser Junge schwieg vehement und nach einer halben Stunde zückte nun Master Clarkson sein Messer. 
„Redet endlich! WER hat euch geschickt und aus welchem Grund?“ er hatte sich vor dem Meuchelmörder aufgebaut und hielt ihm die Klinge an den Hals. 
Ein breites zynisches Grinsen trat auf sein Gesicht und er kicherte ungehalten. 
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich annehmen, er hätte zu tief ins Glas geschaut. 
Immer noch kam kein Wort über seine Lippen. 
In seinen Taschen waren wir nicht fündig geworden, keine Anhaltspunkte, welche uns weitergebracht hätten. 
Also war dieser junge Mann wirklich nicht ganz so dumm wie angenommen.

Eine weitere halbe Stunde später und einigen unschönen Schnitten am Hals und im Gesicht, sprach er immer noch nicht. 
„Miss Alberts, ihr solltet vielleicht doch jetzt den Raum verlassen. Ich sehe mich veranlasst ihn... auf eine andere Art zum reden zu bringen!“ meinte Williams Vater in einem harschen Befehlston, doch ich widersprach. 
„Master Clarkson, ich habe schon ganz andere Sachen gesehen und vergesst nicht, ich musste auch schon mein eigenes Leben verteidigen. Ich bleibe, auf eigene Verantwortung!“ meinte ich nun ebenso überzeugt! 
„Nun gut...“ zähneknirschend drehte er sich dem Gefangenen zu und befahl den anwesenden Soldaten, ihn an der Wand mit den Eisen zu fesseln.

Als der Rotblonde nun dort stand mit dem Rücken zu uns, schnitt William ihm das Hemd auf und ich ahnte, was nun kommen würde. 
Master Clarkson hatte die Peitsche, welche bereits auf dem kleinen Tisch bereit lag, gegriffen und wog sie in seiner Hand um ein Gefühl dafür zu bekommen. 
Mir wurde doch ein wenig mulmig in der Magengegend, so etwas hatte ich doch noch nicht gesehen. 
Williams Vater zögerte nicht lange und ließ die Lederstriemen auf den freien Rücken des Jungen treffen, immer und immer wieder. Jedes mal mit der selben Frage nach seinem Namen, wer ihn geschickt hätte und zu welchem Zweck. 

Nach 20 heftigen Schlägen, ich hatte sie im Stillen mitgezählt, trat das erste Blut aus einer Wunde hervor. Der Assassine zitterte, hielt sich aber immer noch auf den Beinen und hatte lediglich die Luft scharf eingesogen bei jedem Treffer! 
Diese Meuchelmörder waren hart im Nehmen, dass muss ich ihnen lassen! 
Noch einmal holte Master Clarkson aus und wieder bekamen wir keine Antwort, nur ein leises „Bringt mich doch einfach um, ich habe keine Angst vor dem Tod!“ auf DEUTSCH! 
Alle Herren im Raum sahen mich an, nicht jeder war des deutschen mächtig also übersetzte ich für sie. 
„Die Worte eines Assassinen!“ ich dachte aber für einen Moment, dass ich vermutlich auch nichts und niemanden verraten würde und auch lieber sterben würde. 

Diese Prozedur ging nun noch weiter und die Lederriemen trafen noch 20 weitere Male auf den mittlerweile geschundenen Rücken, bis der Kommandant abwinkte und meinte, man solle den Jungen morgen weiter befragen! 
Er würde über Nacht hierbleiben und bewacht werden, vielleicht käme er ja doch noch zur Besinnung. Ich bezweifelte jedoch, dass er morgen reden würde. 
Vater und Sohn sahen sich nur an und nickten dann. 
„Also schön, wir werden morgen wieder hier erscheinen und dort weitermachen, wo wir aufgehört haben.“ kam es in einem eiskalten Ton von Master Clarkson, mit welchem er sich umdrehte und den Raum verließ. 
Er schien mit sich unzufrieden zu sein, ja schon beinahe wütend darüber, dass er nichts erreicht hatte.

„Master William, euer Vater hat sein Bestes gegeben, er sollte nicht wütend über sich selber sein.“ sprach ich ihn nun an und schien ihn aus irgendwelchen Gedanken gerissen zu haben. 
„Ihr habt Recht, Isabelle. Doch Vater ist sehr impulsiv und erwartet einfach Ergebnisse. So eine Schmach wie jetzt, ist für ihn schon fast unerträglich müsst ihr wissen!“ sprach er leise flüsternd. 
Wir überließen den Assassinen nun den Soldaten und verabschiedeten uns noch vom Kommandanten. 
Wieder im Freien gingen wir langsam zur Kutsche, vor welcher ein mürrischer Vater stand. 

Auf dem Weg zurück zum Anwesen der Clarksons, brachte man mich noch nach Hause und William versprach mir, morgen in der Früh, wieder hier zu sein. 
Auch er wollte wissen, was dieser Junge zu erzählen hatte. 
Ein Handkuss und ein warmes Lächeln, dann drehte er sich um und verschwand in der Kutsche. 
Für einen Moment stand ich etwas verloren vor der Tür und wusste nicht so recht, was ich fühlen sollte. Diese Zuneigung zu William wuchs und füllte mich mit einem warmen Gedanken. 
Doch mich ließ dieser Assassine nicht in Ruhe, es brachte aber nichts, sich jetzt noch den Kopf darüber zu zerbrechen und zu spekulieren. Morgen würden wir hoffentlich Antworten bekommen.

„Isabelle, da bist du ja wieder! Warum kommst du nicht hinein?“ hörte ich meine Tante plötzlich hinter mir und schrak herum. 
„Tante Maria, du meine Güte hast du mich erschreckt! Ich komme schon und ich habe euch einiges zu berichten!“ meinte ich nun in einem leicht verschwörerischen Ton und musste dabei grinsen. 
Meine Tante mochte es nicht, wenn man sie im Unklaren ließ, doch ich nutzte gerade meine Überlegenheit aus.

Im Salon saß mein Vater und einer der Geschäftspartner. Als ich eintrat, erhoben sie sich und man stellte mich auch diesem Herren vor, es war ein John Barrow, welcher für Tabak und Gewürze zuständig war. 
Man bat mir noch etwas vom Abendessen an und ich bekam auch ein Glas des neuen Portweins, welchen meine Tante nun in ihre Liste mit aufgenommen hatte. 
Gegen 21 Uhr verabschiedete sich dann Mr. Barrow und wünschte allen eine angenehme Nacht. 

Kaum dass dieser Herr aus der Tür war, setzte sich meine Tante aufrecht hin, nahm mir demonstrativ das Glas aus der Hand und meinte befehlend „So und jetzt raus mit der Sprache, Kind! Was hast du angestellt?“ 
Ich konnte beide beruhigen, weil ich mir nichts hatte zu schulden kommen lassen. 
Zu aller erst berichtete ich aber von der Gefangennahmen und dem versuchten Einbruch, welcher meinen Vater aufhorchen ließ. 
„Sollten wir uns vielleicht doch noch um Wachen bemühen? Ich möchte nicht, dass hier das gleiche passiert, Maria!“ überlegte Vater nun und kam zu dem Schluss, dass er morgen entsprechende Männer rekrutieren würde.

Ich straffte mich und atmete tief durch, nun musste ich von der geplanten Reise berichten. 
„Vater, ich habe mit Master William heute weiter nach dem Edensplitter geforscht, von welchem ich vermute, er könne in die Aussparung in der Höhle passen. Dabei sind wir auf Unterlagen seines Urgroßonkels gestoßen und diese Hinweise führen nach Rom. Wir sind überein gekommen, dass es am besten sei, direkt vor Ort weiter zu suchen und wir wollen alsbald aufbrechen. Master Clarkson würde eine passende Passage für uns finden, versprach er uns.“ diese Worte hatte ich ohne Luft zu holen gesprochen und sah nun von meiner Tante zu meinem Vater. 

Beide sahen mich ungläubig an, es war aber meine Tante, welche als erstes wieder ihre Stimme fand. 
„Isabelle, du willst mit diesem jungen Mann alleine nach Europa aufbrechen? Ihr wäret monatelang unterwegs und was da alles passieren kann, Kind! Ich weiß nicht...“ ich seufzte nur, damit hatte ich ja gerechnet, dass sie Angst um meinen Ruf hatte. 
„Und Isabelle, ich muss dich nicht daran erinnern, dass die Überfahrt um diese Jahreszeit gefährlich werden kann! Vielleicht sollte ich zu deinem Schutz noch jemanden mit entsenden.“ hörte ich meinen Vater sagen und er grübelte schon darüber nach, WEN er mir an die Seite stellen könne. 
„Vater, Master William reicht als Begleitschutz völlig aus! Vergiss nicht, ich bin auch alleine von England nach Boston gereist, da hat sich auch keiner darum geschert, dass ich als Frau alleine an Bord eines Schiffes war!“ 

Ich hatte meine Stimme etwas angehoben, weil ich den beiden klarmachen wollte, dass ich schon auf mich aufpassen kann. 
Sie warfen sich einen Blick zu, welcher mir sagte, dass ich nach meiner Mutter mit ihrem Dickkopf kam. 
Vater kam zusätzlich zu der Erkenntnis, dass er mir kaum noch Vorschriften machen konnte, zumal ich mich selten bis gar nicht an seine Anweisungen gehalten hatte in der Vergangenheit. 
Was mir durchaus einige Strafen eingebracht hatte, doch sei es drum.

„Nun gut... Dann reise nach Europa, aber denke daran, dich regelmäßig zu melden. Wir haben Unterstützer auch in Italien, solltet ihr irgendwann einmal Hilfe benötigen. Ich gehe aber davon aus, dass auch Master Clarkson euch noch eine entsprechende Einweisung geben wird.“ ich warf mich meinem Vater mit einem lauten „DANKE, VATER!“ an den Hals und übersäte ihn mit Küssen. „Schon gut, schon gut, Kind!“ grinste er nur.

Erleichtert besprachen wir nun, was ich packen musste und dass ich Sarah mitnehmen solle. Ehrlich gesagt, war mir das nicht unbedingt Recht, sie würde uns nur behindern. 
„Isabelle, auch Master William wird seinen Kammerdiener mitnehmen! Wer sollte ihm  beim Ankleiden helfen...“ doch meine Tante hielt inne und sah mich forschend an. 
„Tante Maria, ICH werde ihm nicht helfen, das weißt du ganz genau. Er wird eine eigene Unterkunft haben, genauso wie ich auch. Wir teilen uns keine Räumlichkeiten, keine Sorge!“ versicherte ich noch einmal, im Grund wäre es auch wirklich so, weil es sich auch nicht geziemte.

Mit einem etwas leichterem Gemüt ging ich zu Bett und mein Traum war entsprechend ruhig, kein Albtraum plagte mich.

*** 9. Oktober 1754 ***

 

Wir brechen auf ins Abenteuer



Am nächsten Morgen erhielt ich die Nachricht, dass sich der Assassine in der Zelle selber das Leben genommen hatte.
Anscheinend war er an ein Messer oder zumindest etwas scharfkantiges gekommen und hatte sich selber die Kehle aufgeschnitten.
Ich war für einen Moment völlig entsetzt! Wie konnte ein Mensch sich selber so etwas antun?
War es die Angst vor seinem Mentor, welcher ihn vermutlich zurecht gewiesen und bestraft hätte. Oder war es einfach dieser levantinische Weg, welchen die Assassinen seit Jahrhunderten gelehrt bekamen?
Beantworten konnte mir aber leider niemand diese Fragen und deshalb schob ich sie nach hinten, ändern konnte ich jetzt sowieso nichts mehr.

Noch am selben Nachmittag erschien William bei uns und teilte mir mit, dass sein Vater eine Überfahrt für uns gefunden hatte, welche schon Anfang Oktober sein sollte.
Wir würden mit einem Handelsschiff der Templerflotte nach Italien segeln, wo wir auch entsprechende Unterkünfte, wenn wir dort eintrafen, bekommen würden.
Master William stand leicht nervös nun bei uns im Salon und versprach hoch und feierlich, dass er gut auf mich Acht geben wird. Mein Vater und meine Tante bräuchten sich keine Sorgen zu machen!

„Ich verspreche euch, Master Alberts, ihr erhaltet regelmäßig Bericht über alles. Ihr habt mein Wort darauf.“ meinte er nun mit einer tiefen Verbeugung und erntete von meinem Vater ein resigniertes Seufzen.
„Ich werde es wohl auch meiner Tochter nicht ausreden können, Master William. Dann bleibt mir nur, euch eine gute Überfahrt zu wünschen. Ich werde mich aber morgen noch einmal mit eurem Vater beraten und wir werden die Kosten entsprechend teilen. Auch braucht meine Tochter eine eigene Geldbörse, damit sie über eigene Finanzen verfügen kann.“ sprach mein Vater wie zu einem Geschäftspartner.

Ich begann in den nächsten Tagen zu packen und ich muss sagen, Sarah war mir dabei eine große Hilfe.
„Miss Alberts, ich bin schon ganz aufgeregt. Ich war noch nie in Italien. Wie ist es denn dort?“ leider musste ich sie enttäuschen, auch ich wusste nicht, wie es dort aussieht.
„Wir werden es dann wohl gemeinsam kennen lernen, Sarah.“ meinte ich lachend und wir packten weiter meine Reisetruhen.

Eine mit Leibkleidern und Toilettensachen, wie Seife, Kämme und ähnlichem, in einer anderen wurden die Monturen verstaut mitsamt meiner Waffen und ein wenig Munition. Die dritte Truhe wurde mit einfachen Woll- und Leinenkleider ausstaffiert und die vierte, für mich eher unnötigste Kiste, war gefüllt mit den Kleidern für Empfänge und ähnlichem. Wir hätten dort keine Zeit für solche Dinge, ging es mir immer wieder durch den Kopf.
Doch meine Tante bestand darauf mit den Worten „Du musst auf alles vorbereitet sein, Kind! Du kannst doch nicht in Lumpen herumlaufen!“ Wiederworte waren vergebens, es wurde gepackt, was sie sagte.

Und dann stand ich am Kai und schaute auf dieses wunderschöne Handelsschiff namens „Whispering Shadow“ und konnte es immer noch nicht glauben.
Williams Eltern, meine Tante und mein Vater waren zur Verabschiedung mitgekommen.
„Isabelle, komm heile wieder zurück, versprich es mir.“ kam es heulend von meiner Tante und sie schloss mich in ihre Arme.
„Ich verspreche es dir, auch Vater möchte mich heile wieder bei sich haben. Ich passe auf mich auf!“ ich gab ihr einen Kuss auf die Wange, dann verabschiedete ich mich noch von meinem Vater, welcher mich ebenfalls in den Arm nahm und an sich drückte.
„Und kommen mir Klagen über das Betragen des jungen Clarkson, dann werde ich...“ zu mehr ließ ich ihn nicht kommen.
„Vater, bitte! Er weiß sich zu benehmen!“ lächelte ich ihn beruhigend an und er seufzte nur.

William bekam dennoch von meinem Vater diese mahnenden Worte zu hören und er versicherte ihm ebenfalls, zum gefühlten tausendsten Male, dass er mich lediglich beschützen wird.
Dann war es soweit und wir konnten an Bord, die Truhen waren in unseren Quartieren verstaut.
Oben an Deck stand ich an der Reling, als auch schon die Segel gesetzt wurden und die „Whispering Shadow“ langsam Fahrt aufnahm.
Ich winkte noch eine Weile, bis die Menschen am Kai nur noch so groß wie Ameisen waren.
Der heutige Oktobertag war sonnig und angenehm warm, also blieb ich noch für eine Weile an Deck und sah dem Treiben der Mannschaft zu.

Wir wurden von zwei Fregatten begleitet, weil die Ware an Bord wertvolle Edelsteine, teuren Tabak und ähnliches beinhaltete.
Ich hoffte inständig, dass wir nicht von Piraten oder ähnlichem angegriffen wurden. Ich hatte davon gehört und es ging meistens nicht gut aus, wenn man den Erzählungen Glauben schenken durfte.
„Miss Alberts, ihr schaut plötzlich so ängstlich aus. Habt ihr etwas vergessen?“ fragte mich William besorgt.
„Oh, nein, Master William, ich musste nur an Piraten denken. Wegen der Fracht an Bord, ihr versteht?“ ich versuchte ein Lächeln, welches ihn beruhigen sollte.
„Ah, ich verstehe. Aber da macht euch keine Sorgen. Wir werden von zwei gut bewaffneten Fregatten beschützt, welche jeweils auch kampferprobte Mannschaften haben. Ich denke, wir sind auf der sicheren Seite.“ meinte er souverän.

Wir verbrachten diesen ersten Tag mit der Erkundung des Schiffes und damit, unsere Quartiere einzurichten.
Und die erste Nacht war mehr als unruhig, da ich mich wieder an das Schaukeln gewöhnen musste.
Sarah jedoch schien das zu beruhigen und sie war in Nullkommanichts eingeschlafen, was mich freute, weil ich sie seekrank nicht gebrauchen konnte.

 

*** 27. Dezember 1754 ***

 

Ein Zwangszwischenstopp



Ich würde gerne berichten, dass wir von Unwettern verschont geblieben wären, doch es traf uns nach 6 Wochen auf See!
Plötzlich zogen tiefschwarze Wolken auf und das Meer erhob sich, als wolle es uns verschlingen. Es war kaum möglich, alles zu sichern oder die Segel ordentlich zu befestigen.
Zwei Crewmitglieder gingen außerdem noch über Bord, doch man konnte den armen Seelen nicht mehr helfen!
Die beiden Fregatten „Lucifer´s Revenge“ und die „Imperator“ hatten ebenso mit diesen widrigen Umständen zu kämpfen.

Stellenweise schlugen die Wellen Meterhoch über uns zusammen.
Der Kapitän, Mr. Tullslow, forderte uns immer wieder auf, nach unten zu gehen, dort seien wir sicher, da wir hier oben nichts ausrichten könnten.
Doch wir halfen wo wir konnten, auf der Providence hatte ich ja auch schon ein Unwetter überstanden und plötzlich sah ich Haytham vor mir, wie er diesem armen Teufel das Leben gerettet hatte.
Ich schüttelte dieses Bild ab und widmete mich wieder den Tauen.

Die „Whispering Shadow“ hielt sich aber wacker, bis auf kleinere Wassereinbrüche und ein angeknackster Fockmast, waren nur die üblichen Sachen beschädigt.
Segel zum Beispiel oder ein oder zwei Kanone hatte es erwischt. Was allerdings mehr als ärgerlich war, war dass die Munition stellenweise nicht mehr zu gebrauchen war.
„Wir können nur hoffen, dass wir uns nicht doch noch gegen irgendwelche Freibeuter oder ähnliches verteidigen müssen!“ meinte der Kapitän säuerlich.

Fünf Tage hielt uns dieser Sturm in Atem und entließ uns erst, als wir eine Inselgruppe ausmachen konnten.
Mr. Tullslow erklärte uns, dass es die Azoren waren und wir dort Anlanden werden, um neue Vorräte aufzunehmen und kleinere Reparaturen durchzuführen.
Die Fregatten hatten ebenso einige Schäden abgekommen und brauchten auch Lebensmittelnachschub. Heute steuerten wir nun den Hafen der kleinen Insel Ilha do Pico an.
Der angesteuerte Hafen

Man beäugte die drei Schiffe misstrauisch, ließ sie aber vor Anker gehen.
Wir würden hier vermutlich eine Woche verweilen, laut Aussage des Kapitäns.
Als William und ich von Bord gingen, warf man uns neugierige Blicke zu, so als wären wir einem Märchen entsprungen.
Erst später registrierte ich, dass ich meine Templermontur trug, sprich ich hatte Hosen an, was sich eigentlich nicht für eine Frau schickte und ich war in männlicher Begleitung!
Ich brauchte einige Zeit um mich an den festen Boden wieder zu gewöhnen, doch auch William schwankte gefährlich und wir mussten beide lachen. Man hätte meinen können wir hätten zu tief ins Glas geschaut!

Die Nächte würden wir aber an Bord verbringen, da man hier nur Portugiesisch sprach und William wie auch ich dieser Sprache nicht mächtig waren.
In einer der kleineren Tavernen jedoch trafen wir auf eine Gruppe von älteren Herren, welche sich unserer annahmen. So verging der erste Abend ohne Zwischenfälle und ich hatte meine Sprachkenntnisse um einige Brocken portugiesisch erweitert.
„Master William, wir sollten tatsächlich beginnen, weitere Sprachen zu lernen, findet ihr nicht. Mir wird gerade bewusst, dass man sonst nicht immer weiter kommt.“ grinste ich ihn an und er stimmte mir zu.
„Wir haben ja schon einen kleinen Anfang heute gemacht, Miss Alberts. Und wir sind noch ein paar Tage hier!“

 

*** 4. Januar 1755 ***

Weiterfahrt nach Italien



Die Schäden waren dann doch größer als angenommen und bedurften längerer Reparaturen!
Wir haben also die Silvesternacht hier in der kleinen Taverne am Hafen verbracht, wo wir mittlerweile drei „feste“ Lehrer hatten, welche weiterhin uns unermüdlich die hiesige Sprache versuchten beizubringen.
Esta é uma ilha linda! (Dies ist eine wunderschöne Insel!)
Eu gostaria de uma taça de vinho, por favor! (Ich möchte bitte ein Glas Wein!)
Onde posso comprar meus suprimentos? (Wo kann ich meine Vorräte einkaufen?)
Waren ein paar kleinere Sätze, welche ich nun fehlerfrei beherrschte und die Herren waren mit sich selbst zufrieden.

Leider war das Wetter eben eher winterlich, nicht frostig, aber sehr nebelig und kalt!
Trotzdem verließ ich diesen Ort nur ungerne, da die Menschen hier sehr umgänglich, zuvorkommend und freundlich waren.
Vielleicht wäre es ja auf der Rückreise möglich, noch einen Abstecher hierher zu machen.
„Miss Alberts, ich könnte mir denken, dass sich das einrichten ließe!“ meinte William freudig, auch er hatte sich hier wohlgefühlt.

So brachen wir für die Weiterfahrt auf und ich hoffte, dass es nicht noch weitere Unwetter geben würde, oder eben noch schlimmeres wie Piraten!

*** 1. März 1755 ***

Endlich in Italien angekommen



Es dauerte nochmals fast zwei Monate, bis wir endlich die Küste vom europäischen Festland sahen.
Wir wurden nicht von weiteren Wetterkapriolen verschont und mussten uns auch noch, meine schlimmsten Befürchtungen wurden doch wahr, gegen eine Fregatte, welche in Assassinen Hand war, verteidigen.
Dieser Kampf war aber schneller vorbei, als gedacht, auch wenn schon wieder derbe Schäden die „Whispering Shadow“ zierten!
Was sich unsere Angreifer jedoch gedacht haben mögen, mit einem einzelnen Schiff, zwei Fregatten und ein bewaffnetes Handelsschiff anzugreifen, entzog sich meiner Kenntnis!
„Manchmal sollte man meinen, diese Bruderschaften bilden nur minderbemittelte Damen und Herren aus und das auch nur oberflächlich!“ hörte ich Mr. Tullslow des öfteren kopfschüttelnd sagen.

Doch nun konnten wir den Hafenbereich in Anzio schon sehen, welcher in der untergehenden Sonne malerisch vor uns erschien.
Mein sowie Williams Vater auch, hatten unser Kommen angekündigt und man nahm uns beide kurz nach der Ankunft in Empfang.
Master Nicodemo Capon war ein großer 47 jähriger Herr, mit kurzen braunen Haaren und kräftiger Statur, welcher sich als der hiesige Großmeister des römischen Ritus vorstellte.
Der zweite Mann im Bunde war Master Levio Bruno, 31 Jahre alt, Meistertempler und hatte schwarze lange Haare. Er war etwas kleiner als William und Nicodemo, dafür aber muskulös und schlank!

„Ahhhh, es freut mich, euch beide nun endlich persönlich kennenzulernen! Nicodemo Capon, zu euren Diensten Miss Alberts!“ eine Verbeugung und Handkuss, dann sah er mich fragend an.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mich auf deutsch ansprach, auch William sah etwas erstaunt aus.
„Meine Großmutter, Gott hab sie selig, kam aus einer kleinen Provinz in der Nähe von Hamburg!“ lachte er nur!
Damit war das Eis schon einmal gebrochen und nun stellte sich auch Master Bruno vor.
Er hingegen sprach nur gebrochen englisch, aber eben mit diesem hinreißenden italienischen Akzent, welcher die beiden Herren mir sehr sympathisch machte.

Unsere Truhen wurden zu unseren Reisekutschen gebracht, wir würden heute noch Richtung Rom aufbrechen.
Capon hatte uns eine grobe Route auf einer Karte gezeigt, wo es nach Aprilla ging, von dort weiter nach Pomezia und dann wären wir schon fast mitten in Rom.
Dort hatte man in einer Herberge zwei Zimmer für William und mich, sowei zwei kleine Kammern für Sarah und Williams Kammerdiener, angemietet.
Die Kosten würden vom Orden übernommen, erklärte mir Master Bruno gleich und es hörte sich an, als wäre es selbstverständlich.
Überland wären wir jetzt noch ungefähr 14 Tage zusätzlich unterwegs.

Nun startete unser Abenteuer wirklich und in mir stieg eine gewisse Euphorie empor.
„Miss Alberts, ihr scheint euch auf diese Reise zu freuen, wie ich sehe.“ meinte der Großmeister lächelnd und ich konnte ihm nur zustimmen.
„Master Capon, auch wenn es eine kurzfristige Entscheidung war, so bin ich mehr als aufgeregt. Ich bin gespannt, was uns in Rom noch alles erwartet!“ meine Stimme überschlug sich schon fast vor Freude und auch William teilte dieses Hochgefühl mit mir.
„Da bin ich ebenso gespannt wie ihr, Miss Alberts. Hoffentlich hat mein Urgroßonkel genügend Hinweise hinterlassen, welchen wir nachgehen können.“

Dann setzten sich die Kutschen in Bewegung und mit ihnen ebenfalls 10 Wachen zu unserem Schutz.
„Master Capon, ist das wirklich nötig, dass wir eine solche Eskorte bekommen? Ich meine, wir transportieren nichts Wertvolles und wir ziehen so sehr viel Aufmerksamkeit auf uns.“ gab ich zu bedenken.
„Miss Alberts, ich habe strikte Anweisungen von eurem Vater bekommen, von Master Clarkson ebenso, dass wir für eure Sicherheit garantieren sollen.“ gab er als Erklärung ab und damit war für ihn alles erledigt.
Also ergab ich mich diesem Schicksal und wir fuhren los.

 

*** 10. März 1755 ***

Nächtlicher Überfall



Wenn ich noch bei Antritt dieser Reise skeptisch war, was die Überwachung anging, so war ich nun froh, diese gehabt zu haben!

Wir nächtigten in einem kleinen Gasthof, welcher an der Reiseroute lag.
Einen Wächter hatte man direkt vor meine Tür zu meiner Kammer, wo auch meine Kammerzofe mit mir schlief, platziert.
Mitten in der Nacht schreckte ich hoch, weil man von überall, so schien es, Kampflärm hörte. Auch direkt vor meiner Tür hörte ich Stahl auf Stahl klirren und laute Schreie und Rufe.
Ich wies Sarah an, sich ruhig zu verhalten und hinter mir die Tür wieder zu verriegeln.
„Aber Miss Alberts, ihr könnt doch nicht in eurem Nachtgewand...“ ich hörte sie schon nicht mehr!
In Windeseile hatte ich mein Schwert in der Hand stürmte auf den Korridor, wo sich ungefähr ein Dutzend Männer und Frauen einen Schlagabtausch lieferten.

Unsere Angreifer waren allesamt maskiert, trugen aber keine Ornate, daher gehe ich davon aus, dass es gewöhnliche Diebe sein mussten.
Ich stürzte mich mitten hinein, ohne darüber nachzudenken, wenn ich ehrlich bin.
Eine Frau rannte auf mich zu und fing an, mit ihrem Schwert auf mich einzuschlagen und ich war für das jahrelange Training meines Vaters und Großmeisters dankbar.
Kontern, parieren und blocken... alles lief wie am Schnürchen, bis mich jedoch ein Seitenhieb im Gesicht am Kiefer traf. Für einen kurzen Moment sah ich Sternchen vor mir und musste mich sammeln, doch mein zweiter Angreifer ließ mich nicht, jetzt musste ich mich gegen zwei Personen verteidigen.

Man verpasste mir einige Hiebe und Schnitte, doch noch nichts Ernstes.
Es wurde zunehmend schwerer gegen die beiden zu kämpfen, da gefühlt immer wieder neue Gegner von unten heraufkamen und es an Platz mangelte.
Gerade als der zweite Angreifer einen Streich in meine Richtung ausführen wollte, bekam ich die Frau zu packen, zog sie als Schutzschild vor mich und ihr wurde von ihrem Kumpan die Kehle durchtrennt. Entsetzt sah er von ihr zu mir und dann wandelte sich sein Gesicht in eine wutverzerrte Maske!
Mit lautem Gebrüll, auf italienisch, kam er auf mich zu.
Unvermittelt zog er mit der linken Hand eine Pistole unter seiner Jacke hervor, zielte und … dann steckte ein Schwert in seinem Rücken, von dem ich nur die Spitze aus seiner Brust ragen sah!

Hinter ihm tauchte William auf, zog mit einem Ruck sein Schwert aus dem Angreifer, welcher nun mit vor Erstaunen weit aufgerissenen Augen vornüber kippte.
„Miss Alberts, seid ihr schwer verletzt?“ sprach er mich über diesen ganzen Tumult hinweg an.
„Nein, mir geht es einigermaßen.“
Und wir kämpften noch drei Nachzügler nieder, die sich uns in den Weg stellten. Langsam versiegte der Fluss an neuen Angreifer und auch von unten verstummte der Kampfeslärm allmählich.
Wir schritten die kleine Treppe hinunter, auf der so einige Tote und Verletzte lagen, über die wir hinweg gingen.
Unten im Schankraum herrschte heilloses Chaos, man hatte auch die anderen Gäste nicht verschont und wahllos alles angegriffen, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte.

Es war ein grauenhafter Anblick!
Ich sah sogar eine junge Frau, welche schwanger war mit durchtrennter Kehle. Was waren das nur für Barbaren?, fragte ich mich und in mir stieg eine wahnsinnige Wut hoch. Wut auf meinen Vater, welcher uns zur Zielscheibe gemacht hatte, wegen der ganzen Bewachung.
Wut auf mich selber, dass man mir immer noch nichts zutraute und Wut darüber, dass wir nicht wussten, ob es gezielt gegen uns, oder einfach nur ein Raubüberfall ohne Hintergrund war.

„Master William, Miss Alberts! Gott sei Dank, ihr seid unversehrt, wie ich sehe. Nunja, nicht ganz, aber ihr seid am Leben!“ kam es völlig außer Atem von Master Bruno und er sah sich ebenfalls hier unten um.
„Wer kann diese Leute geschickt haben und vor allem, WARUM hat man das getan?“ fragend sah er von mir zu William.
„Wenn ich das wüsste, Master Bruno, dann wären wir schlauer. Doch auch wir tappen im Dunkeln. Ich war von vornherein nicht dafür, so eine Eskorte zu haben! Das lockt doch dieses ganze Gesindel erst recht an!“ und in meiner Stimme lag diese Wut, welche ihr eine gewisse Kälte verlieh.

„Miss Alberts, das ist nur zu eurem und Master Williams Schutz...“ jetzt sah er uns wieder so entschuldigend an.
„Dann erklärt mir bitte, warum wir so einen immensen Schutz überhaupt brauchen? Wir führen weder ein Vermögen mit uns, noch haben wir uns etwas zu Schulden kommen lassen...“ aber man ließ mich nicht ausreden!
„Nun, anscheinend haben euch Master Alberts und auch Master Clarkson nicht aufgeklärt, worum es wirklich geht?“ druckste nun der hinzugekommene Master Capon rum und sah entschuldigend von einem zum anderen!

Es war aber William, welcher plötzlich unvermittelt laut wurde!
„Verdammt noch mal, redet endlich, wir tappen im Dunkeln und anscheinend weiß jeder mehr als Miss Alberts und ich!“ erschrocken sahen die beiden Herren sich an, dann bat uns Nicodemo ihm nach draußen zu folgen.
Die Wachen kümmerten sich um die Verletzten und die Toten, zwei von unserem Begleitschutz hatten wir zu beklagen, leider.

Vor dem Gasthof holte er nun tief Luft und sah hinauf zum nächtlichen Himmel.
„Master William, ist euch je in den Sinn gekommen, warum ihr so behütet aufgewachsen seid? Warum man euch vor vielen Dingen geschützt hat und ihr so viele Hauslehrer und Kindermädchen hattet?“ mit verschränkten Armen stand Capon vor uns und musterte meine Begleitung scharf.
„Nein, eigentlich nicht. Vater hat immer gesagt, es ginge um das Erbe der Familie und dass nicht jeder einen Einblick bekommen sollte...“ sein Blick war skeptisch auf den Italiener gerichtet.
„Ihr besitzt Fähigkeiten, welche ihr bisher noch nicht einsetzen brauchtet, stimmt es? Warum zum Beispiel könnt ihr sprichwörtlich sehen, WAS jemand denkt? Oder dass ihr wisst, wo ihr nach etwas suchen müsst?“

 

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William ging zwei Schritte zurück und starrte den Mann vor sich an.
„Ich... das ist doch nichts besonderes, weswegen man mich beschützen muss!“ ungläubig sah er nun auch mich an und plötzlich sah ich, dass seine Augen ein leichtes Leuchten aufwiesen.
Ich hatte immer gedacht, es wäre der Lichtschein der Kerzen, wenn sie diesen Schimmer annahmen.
„Master William...“ meinte ich leise und starrte ihn weiter an. „Euer Blick...“
Und jetzt dämmerte es mir, was mich an ihm oft irritiert hatte, dieser Blick wenn er meine Gedanken lesen konnte!
Du meine Güte, hatte er... in diesem Moment lief ich nur noch knallrot an. Wie oft hatte ich in seiner Gegenwart über ihn nachgedacht?, fragte ich mich nun.
„Oft, Miss Alberts, aber auch mir wird das jetzt erst bewusst und... es tut mir leid...“ stammelte er leise und ich sah in seinem Gesicht das schlechte Gewissen.

„Miss Alberts, auch ihr werdet nicht ohne Grund beschützt. Doch ich sehe schon, ihr wisst ebenfalls nichts von euren Möglichkeiten und Fähigkeiten.“ seufzte er tief, so als wäre er genervt.
„Wovon sprecht ihr bitte?“ maulte ich ihn an, ich wollte Antworten haben.
„Schaut an eure Arme und Hände, seht ihr noch die Schnitte der Schwerter auf eurer Haut? Oder tut der Kiefer von dem Schlag noch weh?“ er hob eine Augenbraue und sah mich ebenfalls musternd an.
Es stimmte, ich sah den zerrissenen Stoff meines Nachthemdes – welches ich immer noch trug und in Gesellschaft von zwei Herren im Freien stand! - mit den Blutflecken, doch meine Haut war glatt und unverletzt.
Vorsichtig griff ich an meinen Kiefer und bewegte ihn hin und her, keine Schmerzen durchfuhren mich!

„Was hat das zu bedeuten?“ fragte ich leise und ungläubig!
„In euch ruht eine Kraft, welche euch selbst und auch andere heilen lässt. Ihr seid in der Lage, andere genesen zu lassen und seid im Umkehrschluss nahezu unverwundbar! Ich möchte den Begriff „unsterblich“ nicht nutzen, da ihr das nicht wirklich seid. Und aus diesen Gründen müssen wir euch beide schützen, da ihr eine Aufgabe habt. Darüber brauche ich euch nicht aufklären! Habe ich Recht, Master William, Miss Alberts?“ jetzt sah er uns lächelnd an und wir verstanden, wenn auch noch nicht ganz, aber langsam kam die Erkenntnis.

„Dann... war das Zusammentreffen mit Master William eine geplante Sache unserer Eltern?“ meine Stimme klang entrüstet, auch wenn ich das nicht wollte.
Im Grunde gefiel mir Williams Gesellschaft, wenn ich darüber nachdachte.
Aber ich hasst es, wenn man mich vor vollendete Tatsachen stellte und mich nicht einweihte!
„Miss Alberts, auch ich genieße eure Gesellschaft und ich muss sagen, unsere Eltern hätten uns wirklich von Anfang an reinen Wein einschenken sollen!“ meldete sich meine Reisebegleitung nun zu Wort, nachdem er anscheinend wieder in meinen Gedanken gestöbert hatte.
„Das hätten sie...“ sprach ich leise und wurde wieder rot.

„Aber ich schlage vor, das Gespräch etwas zu verschieben, wir haben noch ein paar Tage auf dem Weg nach Rom und entsprechend Zeit dafür!“ kam es jetzt entschuldigend von Nicodemo und ich sah, dass er seine Müdigkeit kaum noch unterdrücken konnte.
Trotzdem stellte sich die Frage, warum man uns überfallen hatte und wer dahinter steckte. Im Schankraum hatte man die Verletzten versorgt und die Toten waren hinter das Haus geschafft worden. Man hatte bereits nach den entsprechenden Herren geschickt, die sich um solche „Angelegenheiten“ kümmerten.

Ich trat auf eine der Verletzten zu, eine junge Frau ungefähr in meinem Alter, mit einer Wunde im Oberschenkel.
Doch bevor ich etwas sagen konnte, pöbelte sie mich auf italienisch an und spukte mir vor die Füße. Nicht gerade die feine Art, wenn man mich fragte!
Master Bruno kam mir zu Hilfe und maßregelte die Dame vor mir, dann fing er mit der Befragung an.
Leider war sie die Verschwiegenheit in Person, wollte weder ihren Namen noch ihre Zugehörigkeit kundtun. Livio musste sich arg zusammenreißen wie es aussah und wiederholte seine Fragen immer und immer wieder.
Langsam wich jedoch jede Farbe aus dem Gesicht der Gefangenen und dann verdrehte sie die Augen und war bewusstlos. Verdammt!

Resigniert stöhnte ich nur auf.
„Ich befürchte, so kommen wir nicht weiter. Lasst sie alle bewachen und ruft einen Arzt, damit dieser die Wunden versorgen kann!“ befahl nun Master Capon und ging dann langsam die Treppe zu seiner Kammer hoch.
Man könnte meinen, er sei ein sehr alter Mann, wenn man diese schleppenden Bewegungen sah und ich schüttelte mitleidig meinen Kopf.
„Ich werde mich auch zurück ziehen und dann werden wir morgen weitersehen, Master William, Master Bruno!“ ich nickte in die entsprechende Richtung und ging ebenfalls hinauf.
Vor meiner Tür klopfte ich und als Sarah sich überzeugt hatte, dass wirklich ICH es bin, ließ sie mich ein.

Entsetzt sah sie die Blutflecken und den kaputten Stoff meines Nachthemdes. Sofort fing sie an, mich hin und her zudrehen, damit sie sich überzeugen konnte, dass mir nichts fehlte.
„Miss Alberts, jagt mir nie wieder so einen Schrecken ein. Es sieht fast so aus, als wäret ihr kurz vor dem Verbluten gewesen bei dem ganzen Blut!“ dann half sie mir in ein sauberes Nachthemd und ich konnte endlich ins Bett.
Zumindest war dieses sauber und einigermaßen bequem, doch der Schlaf wollte mich nicht richtig abholen.
Mir gingen diese neuen Erkenntnisse im Kopf herum. Warum ich? Warum William? Woher kamen diese Fähigkeiten?


 

*** 19. März 1755 ***

Rom



Endlich waren wir an unserem Ziel angekommen und im ersten Moment war ich enttäuscht.
Ich hatte gedacht, es sei eine malerische Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und imposanten alten Bauten.
Mir bot sich ein klägliches Bild von herunter gekommenen Häusern, dreckigen Straßen und nicht wenigen verwahrlosten Menschen, darunter auch viele Kleinkinder.
Ich weiß, man kann nie allen helfen, aber ich würde es gerne. Bei diesem Anblick brach mein Herz und es war kaum auszuhalten.
„Miss Alberts, wir sind gerade in dem ärmsten Viertel der Stadt. Die Menschen hier haben keine Möglichkeit ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen und Hilfe bekommen sie nicht. Viele haben schon versucht die Obrigkeit darauf aufmerksam zu machen, doch vergebens!“ entschuldigte sich Master Capon nun bei mir.

„Es ist ein grausames Schicksal, gerade bei den Kleinsten!“ ich musste mich konzentrieren, um nicht zu weinen!
„Wir haben euch im Norden der Stadt untergebracht, Miss Alberts, Master William. Von dort ist es einfacher die Forschungen anzugehen! Die Kutsche wird euch weiterhin zur Verfügung stehen, ebenso werden die Wachen Tag und Nacht an eurer Seite bleiben!“ dieser Themenwechsel kam eher befehlend, nicht wie ein netter Vorschlag von Nicodemo.
„Wenn ihr meint, Master Capon!“ auch William war nicht begeistert davon, doch leider hatten wir kein Mitspracherecht in dieser Sache.

Ich hatte zwischenzeitlich einen Brief an meinen Vater schicken lassen, in welchem ich ihm meine Enttäuschung über sein Verhalten kundtat.
Es glich schon fast einem Vertrauensbruch mir gegenüber!
Ich habe immer zu meinem Vater und Großmeister aufgesehen, doch mich über meine Zukunft und mein Leben so im Unklaren zu lassen, konnte ich nicht einfach so hinnehmen.

In den letzten Tagen hatten wir dann auch noch erfahren, dass auch Nicodemo nicht einfach ER ist.
„Ich weiß, ich sehe aus wie ein ungefähr 50jähriger Mann. In Wahrheit bin ich aber schon viel älter, 112 Jahre um genau zu sein!“ meinte er stolz und lächelte uns an.
„Die Vorläufer gaben uns Kräfte, Mächte und Fähigkeiten. Genau wie euch beiden, Miss Alberts, Master Williams. Doch wir mussten warten, bis ihr selber erkennen würdet, worauf man euch vorbereitet hat. Leider muss ich nun feststellen, dass ihr völlig unbedarft auf diese Reise gegangen seid.“ auch er schien nicht ganz begeistert von dem Verhalten unserer Eltern zu sein.

Stellte sich immer noch die Frage, wer uns Böses wollte, wer uns verfolgen könnte und warum das ganze!
Aus den Überlebenden hatte man nichts heraus bekommen, sie alle schwiegen, als hätte man ihnen die Zungen herausgeschnitten!

Die Herberge, in welcher wir nun die nächste Zeit bleiben würde, war ein recht großes Haus mit verputzten weißen Wänden, grünen Fensterläden und einem kleinen Vorgarten. Daneben lagen die Ställe und ein kleines Gebäude, bei welchem ich nicht wusste, welchen Zweck es erfüllen sollte.
William war die ganzen Tage über sehr schweigsam gewesen, hatte kaum ein Wort mit mir oder unseren Begleitern gewechselt und ich sah, auch er grübelte darüber nach, WARUM wir, warum jetzt?

Unsere Zimmer waren geräumig, hell und mit einer Durchgangstür verbunden.
„Master William, wie findet ihr unsere Unterbringung?“ fragte ich leise, weil ich es vermisste mich mit ihm zu unterhalten.
„Sehr nett, wenn ihr mich fragt.“ kam es als kurze Antwort und er verschwand in seinem Reich!
Nun gut, dann werde ich mit Sarah meine Sachen auspacken. Ihre Kammer lag am Ende des Korridors, neben ihrer lag auch die Unterkunft von Sebastian, Williams Kammerdiener!
Es dauerte nicht lange, bis alles Wichtige verräumt war und dann saß ich unschlüssig auf meinem Bett.
„Miss Alberts, kann ich noch etwas für euch tun?“ fragte Sarah leise und ich sah sie erstaunt an.
„Nein... nein, im Moment brauche ich euch nicht.“ und damit ging sie, ich blieb etwas verloren hier sitzen und starrte auf meine Hände.

Bevor ich jedoch Trübsal anfing zu blasen, nahm ich mir meine Schreibutensilien und fing an, mein Tagebuch weiterzuführen.
Aus Erfahrung wusste ich, dass es mich beruhigte und meine Gedanken strukturierter wurden!
Ein Klopfen riss mich dann aus meiner Arbeit und ein zögerliches „Miss Alberts, habt ihr einen Moment Zeit?“ von William war zu hören.
Auf mein „Herein!“ öffnete sich vorsichtig die Tür und er betrat mein Zimmer.
Man könnte meinen, er hätte Angst alleine in meiner Nähe sein zu müssen.
„Master William, ist alles in Ordnung?“ fragte ich besorgt, als ich seinen grüblerischen Ausdruck im Gesicht wahrnahm.

„Um ehrlich zu sein, nein. Nichts ist mehr in Ordnung, weil ich überhaupt nicht weiß, wo ich ansetzen soll. Miss Alberts, es ist mir unangenehm, dass ich eure Gedanken ohne zu fragen gelesen habe. Aber ich habe mir nie etwas dabei gedacht, das müsst ihr mir glauben!“
Diese Worte kamen mit einem sehr schlechten Gewissen, dass er mein Vertrauen missbraucht hatte.
„Macht euch darüber keine Sorgen, wir wussten beide nichts von unseren Fähigkeiten. Aber wenn ich das fragen darf, wie meinte Master Capon das, als er sagte, ihr könnt sehen, wo etwas ist?“ meine Neugierde kannte manchmal kein Halten!

Zum ersten Mal seit Tagen zeigte sich ein Lächeln auf Williams Gesicht.
„Ich kann ein Schimmern wahrnehmen, so als brächen sich Sonnenstrahlen in einer Glasscheibe! Manche Gegenstände, oder auch Personen umgibt so ein Schleier. Auch ihr seid von so einem umgeben.“ in seine Augen trat dieses Leuchten und seine Gesichtszüge entspannten sich plötzlich.
„Ihr leuchtet in einem feinen Weißgold, Isabelle!“ zum ersten Mal seit Antritt unserer Reise, benutzte er wieder meinen Vornamen.
Ich saß an meinem Schreibtisch und sah ihn, welcher auf meinem Bett saß, einfach an. Mich umgab dieses Licht?
„Wie ist das möglich?“ fragte ich, doch wusste ich natürlich, dass auch William keine Antwort darauf hatte.

„Vielleicht sollten wir uns noch einmal mit Master Capon zusammen setzen und Antworten verlangen!“ in seiner Stimme lag eine solche Bestimmtheit, die ich länger nicht mehr von ihm wahrgenommen hatte.
„Das sollten wir tun, William. Ich würde ebenso gerne mehr erfahren. Doch genauso brenne ich darauf, den Spuren eures Urgroßonkels zu folgen!“ merkte ich meine Gedanken an.
„Ihr habt Recht, vielleicht sollten wir erst einmal unser Vorhaben voranbringen und wer weiß, vielleicht ergeben sich ja auch dadurch einige Sachen von ganz alleine!“ da war sie wieder, seine Euphorie und sein Entdeckerdrang, welcher mich ansteckte.

Mit neuem Schwung stand er auf und zog mich ebenfalls mit hoch.
„Dann lasst uns keine Zeit verlieren, Isabelle!“ William zog mich einfach mit sich, die Treppe hinunter und hinaus ins Freie.
Auf dem Weg durch die Stadt zur Herberge hatten wir einen kleinen Überblick erhalten und wussten ungefähr in welcher Richtung das Kolosseum lag. Wir nahmen die Pferde, welche uns zur Verfügung gestellt worden waren und ritten in Richtung dieses alten Bauwerkes.
Ich war schon gespannt, ob es wie auf den Zeichnungen in den Büchern aussah, oder ob man es gar nicht mehr erkennen würde.

Nach ungefähr anderthalb Stunden kamen wir bei diesem riesigen runden Bau an und ich staunte nicht schlecht. Die Aufzeichnungen hatten nicht gelogen, es war zwar sehr verfallen, aber noch gut erhalten.
Hier tummelten sich ein paar Menschen, die meisten jedoch nur, um die umliegenden Felder weiter zu bewirtschaften. Unsere Pferde banden wir an einem Mauerstück an und machten uns daran, die eigentliche Arena zu betreten.

Es war beeindruckend und sehr imposant.
Ich ertappte mich dabei, wie ich mir die Gladiatoren vorstellte bei den Kämpfen oder auch wie das Publikum auf den Rängen ihnen zujubelten!
„Isabelle, ihr müsstet euer aufgeregtes Gesicht gerade sehen. Und... ich kann es mir auch vorstellen, wie es hier einmal zugegangen ist. Verzeiht, aber ich... kann es nicht richtig kontrollieren!“ entschuldigend sah er mich an und seltsamerweise war ich ihm nicht böse, im Gegenteil.
Es fühlte sich angenehm an, das warum konnte ich nur nicht erklären! Ein anderer Gedanke kam mir.
„Vielleicht können wir gemeinsam dieses Gedankenlesen steuern und ich helfe euch, es zu kontrollieren? Ihr dürft gerne in meinen lesen, William!“ hatte ich das jetzt wirklich gesagt?

 

Kapitel 12

*** Misstrauen und Geheimgänge ***



„Ein hervorragender Vorschlag, Isabelle! Und sollte ich etwas sehen oder lesen, was nicht für mich bestimmt ist, dann...“ ich ließ ihn nicht ausreden. „... dann werde ich einen Weg finden, MICH zu verschließen und ihr werdet eine Methode finden, mit welcher ihr nicht ALLES sehen könnt.“ und mir stieg eine wohlige Wärme ins Gesicht.
Wir würden also gemeinsam lernen, gemeinsam neue Wege beschreiten und in mir breitete sich immer mehr dieses Gefühl aus, dass ich mich mit diesem Menschen wohlfühlte!
„Es geht mir ebenso mit euch, Isabelle!“ hörte ich ihn leise hinter mir und seine Arme legten sich um mich.
Ich ergriff sie mit meinen Händen und drückte sie zur Bestätigung.

Plötzlich fühlte ich einen Schauer über mich hinweggleiten und kurz darauf sah ich wie sich das Licht hier anfing... ja, regelrecht zu spiegeln und zu brechen.
Ich sah leuchtende Gestalten, welche umher liefen, ich sah die Formen von Tieren, die sich am Rande der Arena bewegten.
Erschrocken fuhr ich zu William herum und starrte ihn an.
„Wie habt ihr das gemacht, William?“ in seinem Gesicht zeigte sich ebensolches Erstaunen.
„Ihr meint, ihr habt diese leuchtenden Gestalten auch gerade gesehen, Isabelle?“ ich drehte mich wieder um, nahm seine Arme, schlang sie wieder um mich.
„Macht das noch einmal, William!“ bat ich ihn aufgeregt und dann sah ich sie erneut. Menschen die auf den Rängen standen und klatschten, die Gladiatoren im Kampf... es war wie in einem Traum, aber kein Albtraum!

„Isabelle, seht! Dort hinten ist eine Art Tor, am hinteren Eingang zur Arena!“ kam es nun von meinem Begleiter und er zog mich hinter sich her, quer durch das ehemalige imposante Gebäude.
Sobald er mich aber losgelassen hatte, sah ich nichts mehr leuchten, was ich sehr schade fand.
Doch als wir an dem Durchgang ankamen und er meine Hand erneut hielt, nahm ich dieses Schimmern wieder wahr.
Man konnte sehen, wie Menschen hier hindurch gingen und eine Treppe hinuntergingen.
Wir folgten diesem Weg, stießen aber leider kurz darauf auf eine gemauerte Wand bei der es kein Durchkommen gab.
„Verdammt!“ meinte William lautstark und entschuldigte sich gleich.
„Lasst das, William, ich weiß ja, dass ihr sonst wisst euch zu benehmen.“ meinte ich mit einem Augenzwinkern, denn mitunter waren diese anerzogenen Höflichkeiten und Etiketten schon lästig!

„Was machen wir nun, Isabelle? Ich würde zu gerne wissen, was dahinter liegt!“ meinte er leicht frustriert und mir kam der Gedanke, dass wir eventuell einen anderen Weg suchen könnten oder eben durch diese Wand brechen sollten.
„Erstere Option würde mir persönlich zu lange dauern, meint ihr nicht? Aber die zweite, etwas brachiale, Methode ist nach meinem Gusto!“ hörte ich da wirklich so etwas wie eine kindliche Freude in seiner Stimme?
„Dann ist es abgemacht, William. Lasst uns das entsprechende Werkzeug beschaffen und wir können beginnen!“ kam es jetzt genauso freudig von mir, ich wollte auch wissen, was unterhalb dieser Arena verborgen war.

Doch leider kam es nicht dazu und uns wurde der Wind sofort aus den Segeln genommen.
Ein älterer Herr sprach uns in sehr gebrochenem Englisch an, wir sollten uns fortscheren, wir hätten hier nichts zu suchen. Doch, wir suchten nach Hinweisen... welch ironischer Satz!
Dann müssten wir vermutlich des nächtens hier wieder erscheinen, mutmaßten wir beide, als der Mann wieder von dannen gezogen war. Eine nächtliche Schatzsuche... wie aufregend!, ging es mir durch den Kopf.
„Und dann auch noch mit euch an meiner Seite!“ kam es vom jungen Clarkson und kaum ausgesprochen, bereute er seine Worte.
„Verzeiht, Isabelle! Ich... habe es schon wieder getan! Und dabei jeden Anstand vergessen!“ ich konnte nur breit grinsen, meine sehr nunja... seltsamen Gedanken waren ja auch nicht ganz ohne.
„William, erklärt euch nicht jedes Mal. Doch... ich finde diese Vorstellung auch sehr interessant!“ und in meine Wangen trat wieder diese wohlige Wärme!

„Dann sind wir uns ja einig!“ kam es mit einer hochgezogenen Augenbraue von Master Clarkson Junior!
Unverrichteter Dinge verließen wir nun das Kolosseum und begaben uns wieder zu unserer Herberge.
Dort würden wir Master Capon oder zumindest Master Bruno antreffen, wenn nicht konnten wir einen Boten entsenden, welcher die Nachricht überbrachte, dass wir einen Hammer und Meißel für die Fortführung unserer Untersuchung brauchen würden.

Gegen frühen Nachmittag trafen wir dort wieder ein und natürlich, die beiden Ordensbrüder waren bereits anwesend. Aber nicht nur sie, auch noch Wachen der römischen Einheiten hier vor Ort. Diese beäugten uns mehr als misstrauisch.
„Ah, da tauchen auch endlich die Turteltäubchen auf wie ich sehe!“ meinte der Gonfaloniere di Laberto mit schiefem Grinsen! (ich hoffe, es ist die richtige Bezeichnung, ich hatte sie nur einmal am Rande gehört, als wir in Rom ankamen...)
Wie schön, dass jeder gleich dachte, William und ich würden Heiratspläne schmiede! Trottel, allesamt!

Ich machte gute Miene zu bösem Spiel und überspielte das ganze nun.
„Master Capon, wir benötigen Werkzeuge für weiteres Vorankommen. Wo können wir dieses erwerben?“ fragte ich und ignorierte diesen die Laberto mit seinem schmierigen Grinsen einfach!
„Wie meint ihr das? Wozu benötigt ihr...“
William fiel ihm ins Wort. „Wir brauchen Hammer und Meißel um es genau zu sagen.“
Der Gonfaloniere hob eine Augenbraue. „Wo wollt ihr einbrechen? Ihr wisst doch, dass gehört sich nicht!“ hörte ich ihn leicht lallend sagen und da wusste ich, warum er so dämlich aus der Wäsche schaute.

Nicodemo hatte ihm schon einige Krüge Wein spendiert um ihn bei Laune zu halten, genau wie die anderen Wachen. Und das um diese Uhrzeit!
Master Bruno winkte uns nur, wir sollten einfach gehen. Etwas mürrisch taten wir, wie uns geheißen wurde und gingen hinauf.
Wir vernahmen aber leider nur noch italienische Wortfetzen... nichts weiter! Und wiedereinmal ging mir durch den Kopf, wir sollten unsere Sprachkenntnisse aufrüsten.

„Ich sehe schon, wenn wir von dieser Reise heimkommen, verstehen wir ALLE Sprachen!“ lachte William und es tat gut, ihn wieder so gelöst zu sehen.
„Isabelle, was machen wir nun? Ich habe Hunger und es ist Mittagszeit?“ ich sah ihn an und lächelte nur.
„Ich werde Sarah nach unten schicken und beim Herbergswirt etwas zu essen ordern, was uns dann hinauf gebracht wird.“ schlug ich vor. Gesagt getan... eine halbe Stunde später saßen William und ich in seinem Zimmer an dem kleinen Tisch. Vor uns standen jeweils Teller mit Pasta und einer cremigen Sauce, welche ich noch nicht kannte, aber sie schmeckte fantastisch!

Nach dem Mahl unterhielten wir uns noch über diese Fähigkeiten und ich merkte an, dass er vielleicht seinen Geist abschotten konnte. So als würde er die Ohren verschließen, vor Dingen die ihn nichts angingen.
„Das hört sich logisch an, aber wie mache ich das in der Praxis, Isabelle?“ DAS war natürlich nicht ganz so einfach, auch ich musste mich nun lernen zu verschließen.
„Man schafft... einen Rückzugsort... etwas auf das man sich STATTDESSEN konzentriert...“ grübelte ich laut vor mich hin.

„Aber ich höre ja die Gedanken immer, nicht bei jedem, im Moment hauptsächlich bei euch, Isabelle.“ erstaunt sah ich ihn an.
„Warum gerade nur bei mir?“ natürlich hatte auch er keine Antwort darauf.
Warum aber konnte er Nicodemos Gedanken zum Beispiel nicht lesen, denn das wäre ja sogar noch hilfreich gewesen. Doch die Antwort lag nahe, ER wusste seinen Geist zu verschließen.

„Wisst ihr, William. Wir fangen klein an. ICH verschließe mich, oder versuche es und ihr... nunja, ihr lest meine Gedanken? Vielleicht finden wir so eine Lösung dafür!“ meinte ich nun etwas leicht dahin, auch wenn ich nicht genau wusste, WIE ich das mit meinen doch sehr wirren Gedanken ab und an machen sollte.

Er sah mich an, ohne ein Wort zu sagen und ich sah dieses Leuchten wieder. Unweigerlich stellte ich mir einen kleinen Raum vor, leer, ohne Fenster...
„Ihr seid... wo seid ihr gerade, Isabelle?“ kam es völlig überrascht von William.
„Es hat funktioniert!“ meinte ich freudig, doch es war nur der Anfang!
„Nennen wir es einen Rückzugsort, William!“ und ich begab mich noch einmal dorthin und fing an, mich dort „einzurichten“! Es wird noch Monate dauern, dachte ich frustriert, als mir bewusst wurde, dass ich nicht nur in seiner Gegenwart sonder generell diese Fähigkeit ausbauen sollte.
Man sollte ja auf alles vorbereitet sein und ich hörte die Stimme meines Vaters, welche mich mal wieder maßregelte, weil ich nicht alles bedacht hatte von vornherein!

So ging es noch ein Stunde weiter, bis ich abwinkte und meinte, es reicht fürs Erste.
Ich war wirklich erschöpft, nicht körperlich sondern geistig. Mein Kopf schwirrte und ich fühlte mich, als hätte ich nächtelang nicht geschlafen!
„Entschuldigt Isabelle, ich wollte nicht so forsch sein. Geht es euch gut? Ihr seid auf einmal ganz blass!“ besorgt nahm er meine Hand und kniete sich vor mich.
„Es ist anstrengender als ich dachte, William!“ lächelte ich ihn etwas müde an.

„Dann lasst uns einfach ein wenig durch die Stadt gehen, damit ihr auf andere Gedanken kommt!“ bei diesem Satz musste ich lachen und auch der junge Clarkson fand diese Ironie in seinem Satz amüsant.
„Ihr wisst, wie ich das meine...“ grinste er breit und wir gingen hinaus.
Auf den Straßen herrschte um diese Zeit nicht allzu viel Betriebsamkeit, es war gemächlich und genauso schritten wir auch durch die kleinen Gassen.
Sarah und Sebastian hatten bis auf weiteres erst einmal einen freien Nachmittag. Ich vermutete, es war ihnen nur recht, so kamen sie auch einmal raus und konnten die Gegend erkunden.

Doch weit kamen wir nicht! Wir spürten beide, dass wir beobachtet wurden und William ließ seine neu erkannte Fähigkeit spielen.
Master Capon hatte erklärt, dass rotes Schimmern IMMER Gefahr bedeutete, blau wäre neutral und gelb wäre eine Zielperson.
Bei der Anmerkung von Master Clarkson Junior, dass ich in einem Weißgold leuchtete, sah er uns mit offenem Mund an.
„Nun, das... liegt einfach daran, dass ihr miteinander bekannt seid!“ täuschte ich mich, oder war das eine dreiste Lüge um nicht mit der Wahrheit und einer Erklärung rausrücken zu müssen? Aber leider bekamen wir nur noch Schweigen danach...

„Dort oben auf dem Dach...“ sein Blick deutete leicht nach links oben. „... und dort auf der rechten Straßenseite...“ ich folgte unauffällig seinen Beschreibungen und tatsächlich.
Es tummelten sich fünf Personen, welche sich absichtlich unverdächtig dort herumdrückten!
Wir ließen uns nichts anmerken und gingen weiter, wir ließen einige lautere Gesprächsfetzen hören, in welchen wir unsere „Absichten“ kundtaten.
Unter anderem, dass wir noch eine der kleinen Tavernen aufsuchen wollten, die hier ganz in der Nähe war.
Ich konnte spüren, dass sie uns folgten! Hatte Master Capon doch nicht alles offenbart, was meine Fähigkeiten anging? Wenn ich ehrlich war, konnte auch ich diese Gegenwart fühlen, wenn auch nicht so sehen, wie es William tat.

Wir gingen in Richtung eines kleinen Häuserdurchgangs und diese Personen folgten uns weiter!
Unser Weg führte uns dann durch einige seltsam anmutende Hinterhöfe und Gassen bis wir plötzlich in einer Sackgasse gelandet waren. Oh verdammt, wir hatten keine Ahnung von der Stadt oder einen Stadtplan im Kopf, doch nun saßen wir hier fest!
Gott sei Dank waren wir aber nicht unbewaffnet und ich trug eine der Monturen!
Langsam drehten wir uns um und erwarteten diese Angreifer, doch … sie waren nicht mehr da! Ich konnte diese Präsenz auch nicht mehr spüren.

„Wo sind sie hin? Dieses Schimmern ist plötzlich...“ zu mehr kam William nicht, als ein Körper vor unseren Füßen auf den Boden aufschlug. Tot! Wir folgten mit unseren Blicken nach oben und sahen eine Gestalt davon eilen!
„Neutrales blau...“ kam es leise ungläubig von William!
Ein Geistesblitz schoss mir in den Kopf!
„William, das war eine unserer Wachen! Natürlich! Warum bin ich nicht schon vorher drauf gekommen!“ meinte ich und schlug mir vor die Stirn.
Wir waren NIE alleine, diese Wachen waren permanent um uns herum, wenn auch im Wechsel in einer unterschiedlichen Zusammenstellung!

„Natürlich, Isabelle! Daran hatte ich schon nicht mehr gedacht!“ Auch William war zu diesem Schluss gekommen und klang enttäuscht!
„Wir haben nichts zu befürchten, wir müssen uns nicht verteidigen... all das wird uns gerade abgenommen!“ fügte er in einem wütenden Tonfall hinzu.
„Genauso sieht es aus, Master William!“ hörten wir eine Stimme ein Stück weiter Richtung der belebten Straße und es war Master Bruno, welcher dort stand und grinste.
„Dachtet ihr allen ernstes, wir lassen euch wie Freiwild hier herum laufen? Ihr müsst wissen, die römische Bruderschaft verfügt über ein weitreichendes Netz an Informanten. Unterirdische Wege, welche meist in einem Brunnen beginnen, sind das A und O dieser italienischen Assassinen und das schon seit über 400 Jahren!“ erklärte er uns jetzt und wies uns an, ihm zu folgen.

Er führte uns zu einem völlig unscheinbaren kleinen Brunnen, welchen ein geschwungenes Symbol zierte. Es sah aus wie ein A, aber geschwungen und mit einem Totenkopf in der Mitte.
Gerade als ich meine Hand ausstreckte, gebot mir Levio Einhalt!
„Isabelle, nicht! Diese Tunnel sind gut bewacht und wenn wir darunter gehen, müssen wir gut vorbereitet sein!“ mahnte er mich und sah dabei auch zu William, welcher aber auch zu gerne jetzt darunter gestiefelt wäre.

„Heißt das, die Assassinen haben auch unter dem Kolosseum solche Gänge?“ fragte ich jetzt neugierig, denn wenn dem so ist, könnten wir doch einen anderen Weg finden!
„Nein, da muss ich euch enttäuschen. Unter dem Kolosseum gibt es NICHTS, wirklich nur den Unterbau, glaubt mir!“
So wirklich nahm ich ihm das nicht ab, sagte aber nichts. Stattdessen war es William, welcher einwarf, dass wir dann wohl doch kein Werkzeug bräuchten.
Jedoch sah ich in seinen Augen, dass er ohne das Wissen von Bruno und Capon diesen Untergrund erkunden wollte. Ich stellte ihm meine Gedanken zur Verfügung und deutete, dass das eine gute Idee wäre.
Ein Lächeln von ihm und ich wusste, er hatte verstanden.

„Master William, glaubt mir. Es gibt dort nichts! Vielleicht solltet ihr eure Suche doch noch ausweiten!“ und Master Bruno führte uns wieder zurück zu unserer Herberge.
Irgend etwas an ihm störte mich, es war, als wolle er uns daran hindern, Fortschritte zu machen.
William und ich beschlossen im Stillen, in der Nacht noch einmal aufzubrechen und dann würden wir weitersehen. Da wir jetzt ungefähr wussten, wie diese Eingänge aussahen, waren wir auch in der Lage in diese Tunnel zu gelangen.
Was uns dort erwartete, würden wir dann sehen!

„Wer waren diese Verfolger, Master Bruno?“ fragte ich möglichst neutral.
„Oh, das waren noch Nachzügler dieser Diebesbande, welche uns schon in diesem Gasthof aufgelauert hatten!“ kam es in einem Plauderton von Levio.
Man mag von mir sagen, ich sei zu misstrauisch, doch bei diesem Mann war ich es und ich hatte sogar Bedenken, Master Capon darüber zu unterrichten!
Neben mir war Master William, welcher ebenso zögerlich weiterging und an seiner Art sah ich, auch er wusste nicht so recht, was er von ihm halten sollte.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit meinem Begleiter auf seinem Zimmer und wir beratschlagten, was wir für unser nächtliches Vorhaben brauchen würden.
Licht! Wir bräuchten mindestens eine Laterne oder Fackel! Werkzeug! Das könnten wir von einem der in der Nähe gelegenen Bauernhöfen stehlen, was mir zwar widerstrebte, wir aber so vor neugierigen Blicken verschont blieben.
„Isabelle, stellt euch einfach vor, wir leihen uns diese Gegenstände einfach nur für kurze Zeit und bringen sie auch unversehrt zurück. Vielleicht mit einer Flasche gutem Wein?“ sein breites Grinsen ermutigte mich und ich stimmte dem Ganzen Unterfangen zu.

William hatte seine Fähigkeit genutzt und unsere Wachen ausfindig gemacht.
So konnten wir uns einen Schleichweg suchen und sie ungesehen umgehen.
In mir stieg dieser Entdeckerdrang empor und ich fand es wahnsinnig spannend mitten in der Nacht „unerlaubt“ das Zimmer zu verlassen.

Es war schon fast wie damals, als ich mich in Hannover aus unserem Anwesen schlich...

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Autor

MrsHEKenways Profilbild MrsHEKenway

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Kapitel:17
Überschriften:2
Sätze:1.897
Wörter:32.581
Zeichen:189.206

Kurzbeschreibung

*** England, Bristol, April 1754 Auf Wunsch meines Großmeisters reise ich in die Kolonien, besser gesagt in meine Zukunft. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet und ob ich meinen Auftrag erfolgreich erledigen kann. Diese Vorläufer sind mitunter den Menschen nicht immer wohlgesonnen und so sollte ich aufpassen, wo ich meinen Fuß setze oder welche Erde ich beiseite räume! *** (Vorläufige Beschreibung!)

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Freundschaft, Abenteuer und Mythologie getaggt.